EvyHeart

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    Cover des Buches Markus Kavka über Depeche Mode (ISBN: 9783462053272)

    Bewertung zu "Markus Kavka über Depeche Mode" von Markus Kavka

    Markus Kavka über Depeche Mode
    EvyHeartvor 3 Stunden
    Kurzmeinung: Er kann's einfach.
    Er kann's einfach. (Rezi-Ex)

    Als MTV groß wurde, war ich noch zu klein, um das hip zu finden. Und trotzdem gab es diesen "Markus Kavka", diese coole Socke mit den zu Spikes gestylten Haaren und dem bayrisch angehauchten "Herrschaften!", der erst die Neuigkeiten moderierte und später neben Nora Tschirner zum Aushängeschild des Senders wurde. Als Depeche Mode groß wurden, war ich ebenfalls zu klein, um das cool zu finden. Und trotzdem verirrten sich die traurigen Synthie-Klänge in mein fünf-jähriges Hirn und weckten die Melancholikerin in mir, bevor ich wusste, wie man das Wort buchstabiert. Eine Fähigkeit, die später nur mancher Lebenspartner und der Anblick zerstörter DDR-Bauten in Perfektion beherrschten.

    Und wenn man Markus Kavka fragt, ob er ein Buch über seine Lieblingsband schreibt, dann stochert er nicht, wie andere Autoren der Reihe, planlos herum, als würde er das Sternchen in der Buchstabensuppe suchen, sondern er liefert. Er plaudert aus dem Nähkästchen, als hätte er nie etwas anders gemacht und als Leser fragt man sich, warum das Buch so wenige Seiten hat, obwohl man Kavka auch einen Roman abkaufen würde. Ernsthaft: Sehr gern habe ich dem 17-Jährigen Markus über die Schulter geschaut, während er seine ersten Gehversuche gemacht hat, sei es im Musik-Hören oder Musik-Machen.

    Als Rahmenhandlung dienen Songs und später Interviews, die er mit der Band, in verschiedenen Kostellationen, geführt hat. Während man Kavka im Großteil des Buches durch seine Jugend folgt, erzählt er im letzten Viertel von den Interviews - seiner Nervosität, aber vor allem seinem Eindruck von den Bandmitgliedern. Er hat zu jedem einen Bezug - während einer eher kumpelhaft ist, ist der andere intellektuell fordernd und man spürt, dass da mehr als als Anhimmeln. Kavka gibt dem Leser das Gefühl, einen von ihnen zu sein und dass auch die Band ganz normal sei.

    Nur mit der Chronologie hatte ich Probleme - manchmal wusste ich nicht, in welchem Jahr wir uns befinden - mir kam die Reihenfolge nicht ganz eindeutig vor.

    Fazit

    Ein "ganz Großer" des deutschen Jugendfernsehens erzählt mit Witz und Respekt von den "ganz Großen" des Synthie-Pop. Eine Stunde Spaß zum Mitnehmen, bitte.

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    Cover des Buches Antonia Baum über Eminem (ISBN: 9783462054392)

    Bewertung zu "Antonia Baum über Eminem" von Antonia Baum

    Antonia Baum über Eminem
    EvyHeartvor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Zweite starke Hälfte
    Zweite starke Hälfte (Rezi-Ex.)

    Obwohl mein erster Versuch mit der KiWi Musikbibliothek nicht so erfolgreich war, wagte ich einen neuen. Ich habe Eminem nicht exessiv gehört, aber ich finde ihn charismatisch. Ich hatte erwartet, spannende Fakten über Eminem zu erfahren, was nicht der Fall war. Stattdessen glänzt das Buch im zweiten Teil mit einer Abhandlung über das Schreiben von Frauen und der Auseinandersetzung mit den frauen-feindlichen Texten Eminems. Als Rahmen dient die Frage, warum die Autorin Eminem als Teeanger gern gehört hat und wie es ihr heute, mit seinen neuen Texten, geht.

    Bei mir nimmt der Text übrigens 69 von 81 Seiten ein - finde ich etwas kurz.

    Meine Meinung


    Die erste Hälfte beschreibt den Werdegang Eminems und warum seine Texte so wichtig für die Autorin waren. Später folgt der für mich interessante Teil: Warum ein weiblicher Teenager Eminem hört und in die (männliche bzw. gemischte Gruppe) integriert wird, obwohl seine Texte sich gegen Frauen wenden und oft den Heiligen-Hure-Dualismus bedienen. Die Antwort ist, u.a.: Gewohnheit. Mittlerweile setzen wir uns mit diesen Texte auseinander, wir nehmen sie nicht mehr hin. Vor einigen Jahren war das noch anders - es war normal, dass Eminem darüber rappte und es war normal, dass das nur Show war, die mit der Realität nichts zu tun hatte. Mittlerweile wissen wir es besser. Ein weitere Grund ist, dass Frauen den Eindruck erwecken, dass sie "über" den Texten stehen, dass sie die versteckte Botschaft dahinter erkennen, vielleicht auch, dass das Frauenfeindliche nur feindlich wirkt? Außerdem setzt sie sich mit dem Thema "Kunstfigur" auseinander. Warum vermuten wir, dass Eminem sich gegen Frauen und Homosexuelle stellt, nur, weil er darüber schreibt? Der Text erklärt, dass Eminem auf diese Frage keine klare Antwort gibt und das deswegen so schlimm ist. Ich fand das sehr interessant und vermute, dass er das selbst nicht weiß. Oder seine Glaubwürdigkeit verliert? Anerkennung scheint ein großes Thema zu sein. Das wird am Ende deutlich, als die Autorin feststellt, dass aus dem wütenden Mittzwanziger mit innovativer Energie ein wütendener Mittvierziger mit Klischeesätzen geworden ist. Dass er sich aus dem Trailerpark heraus gegen die Großen gestellt hat, von diesen bewundert wurde, dass er aber trotz seines Erfolges niemals so hoch gekommen ist.

    Fazit

    Für mich setzt dieses Buch wunderbar an die "Oral Historie" der deutschen Rap-Geschichte an, die ich vor einigen Monaten gelesen habe. Besonders die Beziehung zwischen Frau-Sein und Rap wird noch einmal vertieft. Trotzdem fand ich das Buch etwas kurz - denn die Gedanken sind interessant, für mich sogar stellenweise zu komplex. Ich hätte mich gefreut, wenn es mehr Zitate, mehr Quellen, mehr Ausführlichkeit gegeben hätte.

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    Cover des Buches So sehen Siegerinnen aus (ISBN: 9783431070019)

    Bewertung zu "So sehen Siegerinnen aus" von Katrin Klewitz

    So sehen Siegerinnen aus
    EvyHeartvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Autorin schafft ...
    Autorin schafft ...

    Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Bastei Lübbe lesen und stellte fest: Das Thema ist wichtig und hat zu aufregenden Diskussionen geführt. Für mich war die Darstellung im Buch jedoch nichts, weil das Buch sich gern an Metaphern abarbeitet, an den entscheidenen Stellen aber ein bisschen zuwenig Praxisnähe zeigt. Und weil die Erzählerin zu glatt wirkt.

    Worum geht es?

    Wie man Kämpfe ausfechtet, welche Möglichkeiten man hat und wie man sie einsetzt - verbale Kämpfe, natürlich. Für mich teilt sich das Buch in zwei Hälften: In den Kapiteln 1 bis 3 zeigt das Buch, wie man sich körperlich und innerlich gut positioniert, wie man Abstand herstellt und ausnutzt, wie Provokationen funktionieren. Ab Kapitel 4 konzentriert sich der Text auf die Metaphern der Jägerin, Kriegerin usw.

    Gestaltung

    Trotz umfangreicher Inhaltsangabe sind die Kapitel kurz und gut konsumierbar. Leider gibt es nur wenige Grafiken, dafür aber Infokästchen, in denen verschiedene Möglichkeiten der Reaktion aufgezeigt werden. Die Infokästchen wurden gut im E-Book formatiert, die Gestaltung passt sich der Schriftgröße und -art an.

    Was hat mir gefallen?

    Praktische Tipps: Besonders in der ersten Hälfte gibt es viele praktische Tipps, die sich gliedern von "wenig" bis zu "sehr offensiv" - man hat als LeserIn die Möglichkeit, auch innerhalb der persönlichen Grenzen agieren zu können, es wird kein Ideal aufgebaut, das man erreichen muss.

    Männer und Frauen: Es Buch macht selten Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ich spürte selten, dass es sich an Frauen wendet.

    Neuer Ansatz: Das Buch konzentriert sich auf seine Schwerpunkte und ist nicht zu ausschweifend. Die Metapher der Kriegerin usw. fand ich neu.

    Eigen- und Fremdwahrnehmung: Neu war für mich der Punkt der "Provokation" - dass Angriffe manchmal nicht dazu dienen, den "Gegner" zu bekämpfen, sondern spielerisch Respekt zeigen. Ich fand das wichtig zu erkennen. Allerdings wird nicht erklärt, wie man damit umgeht, wenn man keine Lust hat. Und: Nicht jede "Provokation" wird vom Gegenüber auch als solche erkannt.

    Was hat mir nicht gefallen?


    Tipps für Alltag: Obwohl mir die Ratschläge gefallen haben, waren sie rückblickend nicht praxisnah genug; nicht konkret genug, eher allgemeiner Natur. Viele kleine Kämpfe, die Menschen im Alltag austragen, werden nicht notiert z.B. wenn man von einem Kollegen unsachlich kritisiert wird.

    Keine Retorik: Viele Siege im Buch basieren nicht nur auf der körperlichen Präsenz, sondern auch auf Retorik - darauf geht das Buch aber kaum ein. Das macht es einerseits fokussiert auf das Körperliche, andererseits fehlt mir eine Analyse der Bausteine, die einen einen "Sieg" ausmachen.

    Männer und Frauen: Anhand von Wilhelm Tell und Katniss Everden wird uns erklärt, dass Männer eher auf das Ziel konzentriert sind, Frauen auf das große Ganze blicken. Das wird aber nicht mit Quellen belegt. Und der Vergleich hinkt, weil Männer in Katniss' Situation eine ähnliche Motivation hätten, aber anders reagiert hätten.

    Zu ausschweifend: Die Kriegerinnen usw. sind das Verkaufsargument des Buches, werden aber sehr, sehr ausführlich präsentiert. Mindestens eine halbe Seite lang widmet sich das Buch den Eigenschaften einer Kriegerin, inkl. Beispiel aus einem Film. Es gibt Menschen, die das brauchen, die damit gut arbeiten können. Ich habe an diesen Stellen aber den Schwerpunkt verloren, weil ich die Beispiele gut kenne und wissen wollte, was mir das in der Praxis sagt.

    Anglizismen: Ich hatte große Probleme damit, dass englische Fach(?)-Begriffe verwendet werden, die nicht so gut übersetzt werden, angefangen mit dem "Standing", das ich nicht nur als Standpunkt, sondern auch als innerliche Erdung verstehe. Ich verstehe das, weil die Autorin ihre Ausbildung teilweise im englisch-sprachigen Raum absolviert hat und weil sie es im beruflichen Alltag oft anwendet. Und weil es für Methoden z.B. bei Kampfchoreografien keine deutschen Bezeichnungen gibt. Mich hat das aber herausgerissen, weil ich erstmal googlen musste, was die wörtliche Übersetzung ist. Die Erklärungen fand ich oft zu kurz. Ich hatte meist das Gefühl, dass die Sprache des Buches nicht die ist, die bei mir trifft,

    Erzählfigur: Die Figur berichtet manchmal von Beispielen aus ihrem persönlichen Alltag - und trotz Selbstzweifeln klappt das ohne Probleme. Es wirkt auf mich zu glatt und irgendwie künstlich. Natürlich würde es nicht zum Buch passen, von Misserfolgen zu erzählen oder wie lange die Lösung eines Konflikts tatsächlich gedauert hat.

    Motivation: Auch wenn mit dem Haltung-Einnehmen der wichtigste Punkt am Anfang besprochen wird, fehlte mir zwischendurch die Erinnerung, dass man kämpfen DARF. Dass man genausoviel Platz einnehmen kann wie der "Gegner". All die Techniken nützen nichts, wenn man nicht verkörpert, dass man sich gerade im Recht fühlt.

    Kosten und Nutzen: Welche Reaktion ist einer Situation die "beste"? Welche Punkte sollte man bedenken? Wann nimmt man die "sanfte" Variante, wann weicht man aus, wann greift man an? Das Buch spricht das an, erklärt das aber kaum an Beispielen.

    Fazit

    Ich hatte mir vom Buch eine gute Stimmung und Selbstbewusstsein erhofft. Leider war die Erzählerin zu weit weg von meiner Realität, meinem Büroalltag, sodass ich nur wenig mitnehmen konnte. Es war nicht so fokussiert, wie ich mir das gewünscht habe. Ich glaube, aus einer Autobiografie hätte ich mehr mitnehmen können, denn Klewitz ist ein interessanter Mensch mit einer außergewöhnlichen Biografie. Heruntergebrochen auf ein Konzept, und das in schriftlicher Form, hat das für mich aber nicht funktioniert

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    Cover des Buches Kissing Chloe Brown (ISBN: 9783548062846)

    Bewertung zu "Kissing Chloe Brown" von Talia Hibbert

    Kissing Chloe Brown
    EvyHeartvor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Den Kuss nicht wert.
    Den Kuss nicht wert. (Rezi-Ex.)

    Über chronische Krankheiten wird in der Literatur selten geschrieben, zumindest bei großen Verlagen, über Rassismus schon mehr. Da die Geschichte viel versprach, forderte ich es an. Letztlich ist es eine "normale" Liebesgeschichte, bei dem die Krankheit eine Rolle spielt, das Körperliche aber nochmehr. "Sie schreibt Sexy Diverse Romances, weil sie findet, dass auch Minderheiten und Randgruppen ehrlich und positiv dargestellt werden sollten.", notiert die Autorinnen-Beschreibung - "sexy" nimmt viel Raum im Buch ein.

    Rezi enthält Spoiler!


    Worum geht es?

    Chloe Brown leidet unter Fibromyalgie, einer Störung des Schmerzverarbeitung, die sich u.a. in Schmerzen und Erschöpfung äußert. Nachdem sie fast von einem Auto überfahren wurde, beschließt sie ihr Leben zu ändern: Sie zieht von zuhause aus und erstellt eine Liste mit Dingen, die sie endlich erledigen will. Gut, dass Hausmeister Redford ebenfalls Probleme hat, die man gemeinsam lösen kann.

    Charaktere

    Chloe ist eine junge Frau, die als Webdesignerin arbeitet, aber infolge ihrer Krankheit kaum Freunde hat. Ihr wichtigster Halt sind ihre Schwester und ihre Großmutter. Chloe wird von Red als arrogant wahrgenommen, was ich nicht so empfand. Ganz im Gegenteil: Sie ist witzig, selbstironisch, manchmal etwas melodramatisch, aber auch jemand, der andere schwer an sich heranlässt. Sie hat eine deutliche Stimme als Figur. Ihre Hautfarbe spielt keine Rolle, ihre Kurven werden erwähnt, aber ohne das Cover hätte ich übersehen, dass sie vermutlich "schwarz" ist. Ich fand das gut!

    Red ist Maler, traut sich aber infolge einer negativen Beziehung nicht weiter zu malen. Stattdessen jobbt er als Hausmeister in Chloes Haus. Red kam mir sehr blass vor, es gibt nur eine große Szene, in denen man ihn ein Bild malen sieht, ansonsten zeichnet er sich dadurch aus, dass er mürrisch durch die Geschichte läuft. Und dass er Chloes Körper mag. Sehr.

    Die Dramaturgie

    Unsere Helden müssen die typischen Hürden einer Liebesgeschichte überwinden: Sympathie zueinander aufbauen, die Probleme beider lösen - Chloes Angst vor dem Leben, Reds Angst vor einer erneuten schlechten Beziehung - und ins Happy End fahren.

    Ich hatte erwartet, dass die Krankheit dem Buch Spannung gibt, aber das war nicht so. Ganz im Gegenteil: Man hätte das weglassen können. Einerseits ist das gut, weil es zeigt, dass auch Menschen mit Behinderungen "normal" leben können, "normal" fühlen und "normale" Liebesbeziehungen haben. Andererseits hatte ich gehofft, dass die Autoren abseits der Klischees schreibt.

    Themen

    Die Krankheit: Das Buch baut die Krankheit am Anfang stark, später weniger, aber noch spürbar ein. Vor allem geht es um die Symptome und die soziale Isolation, die aus einer solchen Krankheit entsteht. Ähnlich wie bei psychosomatischen Beschwerden wird Erkrankten vorgeworfen, sie würden nur simulieren. Ich finde es wichtig, dass wir solchen Krankheiten die Vorurteile nehmen. Allerdings scheint Chloes Krankheit wie weggeblasen, als sie mit Red schläft. Sie taucht am Ende wieder auf, aber in den Liebespassagen sehr wenig. Ich finde das realistisch, weil Liebe ablenkt und Glückshormone Symptome lindern können. Allerdings kann auch Liebe nicht alles retten. Nicht erwähnt wird, wie es (auf Dauer) ist, mit jemandem zusammen zu leben, der chronisch krank ist. Red kümmert sich gern um sie, vielleicht, weil er sie liebt und eine Aufgabe hat. Allerdings kann die Krankheit des Partners auch belastend sein, wenn man Veranstaltungen nicht gemeinsam besuchen kann, weil er/sie/es einen Schub hat. Oder Facharzttermine den Plan durcheinander werfen. Vor allem ist es die Angst, die man mit-trägt - die Angst, dass es schlimmer wird oder nie weggeht. Die Machtlosigkeit nichts tun zu können, außer der Fels in der Brandung zu sein. Dass der Roman darauf überhaupt nicht eingeht, das ärgert mich.

    Ein großes Problem hatte ich mit Chloes Wunschliste, denn diese ist dank Red nur noch körperlich präsent: Chloe muss ihre Ängste nicht bewältigen, denn Red erledigt das. Prägnant war für mich, dass sie campen fahren wollte - aber da Red mitfährt und sie mit Sex ablenkt, gehen ihr all die Erlebnisse, die Erfolge verloren. Sie muss nicht ängstlich in einem Zelt liegen oder den Betreiber um Hilfe bitten, sie muss sich nicht der Tatsache stellen, dass sie weg von ihrem Zuhause ist und am fremden Ort mit ihrer Krankheit klarkommen muss. Sie kämpft nicht, sie hat ja Red. Und was sagt das über den Partner aus, wenn er einem nicht zutraut, dass man alleine loszieht, auch wenn man Angst hat?

    Toxische Beziehungen: Red hatte vor Chloe eine Beziehung zu einem reichen It-Girl, das ihn als Schmuckstück betrachtet hat und förderte, bis er sich trennte. Aus Rache sabotierte sie seine Karriere und redete ihm ein, alles sei seine Schuld, er sie nicht gut genug. Sie hat ihn geschickt manipuliert, was ich nachvollziehen konnte. Ich habe mich aber immer wieder gefragt, warum Red das mitgemacht hat. Ich denke, dass liegt weniger daran, dass er ein Mann ist als daran, dass er als Figur nicht stimmig ist. Red sagt immer wieder, dass er gelitten hat und die Vorurteile und Verlustängste führen zum Konflikt mit Chloe. Aber es kommt nicht bei mir an, weil Red wenig Initiative zeigt.


    Die Erotik

    Der Roman kommt schnell auf den Punkt, schon nach ca. 20 Seiten gibt es erste erotische Andeutungen, auf S. 76 von 344 ergießt sich Red in seinen Arbeitsoverall - nach 25 % des Textes. Die restlichen Szenen sind explizit, aber nicht besonders, auch wenn die Orte wechseln. Die Figuren reduzieren sich auf ihre Äußerlichkeiten, immerhin erwähnt Red ihre Schlüsselbeine und er mag ihren Duft. An Klischeeworten wird ebenfalls nicht gespart. Letztlich sind die Szenen austauschbar.

    Schreibstil

    Die Figuren haben ihren eigenen Stil, Chloe aber mehr als Red. Beide Stile sind jedoch eher erzählend als fühlend und holpern für mich.

    Fazit

    Aus "Kissing Chloe Brown" hätte etwas Tolles werden können, aber letztlich haben wir einen klischeehaften Liebesroman mit dem Thema der Krankheit. Zuviele Dinge wurden zurechtgebogen, die Figuren sind nicht nahbar, vor allem Red. Für mich nicht rund.

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    Cover des Buches Weißt du, was ich meine? (ISBN: 9783864931390)

    Bewertung zu "Weißt du, was ich meine?" von Nura Habib Omer

    Weißt du, was ich meine?
    EvyHeartvor einem Monat
    Kurzmeinung: Joggingrunde im Wald
    Joggingrunde im Wald

    Ich hatte mich auf das Buch gefreut, weil ich mehr über eine der beiden Sängerinnen von SXTN erfahren wollte und weil mich das Versprechen  "vom Asylheim ins Musikbusiness" geködert hat. Daher habe ich es angefordert. Und der erste Eindruck war positiv. Aber je länger ich las, desto deutlicher wurde, dass die Tiefe fehlte. Der Reihe nach.

    Worum geht es?

    Das Buch ist eine klassische Autobiografie, begonnen von der Geschichte der Mutter hin zu SXTN und Nuras Solokarriere.

    Wie hat es mir gefallen?

    Ich habe zuvor autobiografisch gefärbte Bücher von Reyhan Sahin und Senna Gammour gelesen. Beide zeichnet ein kämperischer Stil aus - während sich Sahin nach der Anerkennung als Frau, Wissenschaftlerin, Künstlerin sehnt, plädierte Gammour dafür, sich von Männer nicht alles sagen und sich nicht ausnutzen zu lassen. Das Buch von Nura ist dagegen positiv, alles wird neutral erzählt. Man merkt, dass sie ihre Familie wertschätzt, besonders ihre Mutter, die sie trotz einiger Differenzen immer als "Mama" betitelt. Ich fand das anfangs sehr erfrischend!

    Allerdings tauchten immer mehr Fehlstellen auf - über die Zeit im Asylheim und das Leben in sozialen Brennpunkten berichtet sie positiv, weil der Zusammenhalt da war. Dennoch hatte ich das Gefühl, keinen Eindruck zu bekommen, wie es "wirklich" war. Auch einer der Brüder, bei dem sie andeutet, dass er eine Aufmerksamkeits-Störung hat, wird nur wenig beleuchtet, obwohl das Auswirkungen auf eine Familie haben kann. Sie ist früh von zuhause ausgezogen, was interessant geschildert wird, und später nach Berlin gegangen. Dort erlebte sie eine depressive Phase - aber auch diese wird kaum gezeigt. Manchmal scheint sich der Text zu widersprechen z.B. als sie von einem Konzert von SXTN erzählt, vor dem Juju aufgeregt war, sie eher nicht. Einen Absatz später wirkte es, als ob auch sie Lampenfieber hätte. Der Tenor ist eher "Wenn man aufsteht, schafft man das!" - aber wie es Nura geschafft hat, das bleibt stellenweise vage.

    Umso ausführlicher widmet sie sich der Trennung von SXTN und den Differenzen mit Juju. Ich fand es paradox, dass sie Juju als Rapperin anerkennt und nicht viel sagen will - sich aber dann seitenweise darüber auslässt, wie sich das entwickelt hat. Sie wirkt dabei wahrhaftig und nicht manipulativ - aber ich hatte letztlich den Eindruck, dass Juju "schuld" ist, weil sie den Kontakt vermieden hat. Diese Einseitigkeit fand ich nicht gut.

    Im letzten Kapitel, ihrer Solokarriere, wird der Tenor "Jeder kann es schaffen!" noch deutlicher, was ich etwas langweilig fand.

    Außerdem werden z.B. die Großeltern oft beim Vornamen genannt, aber am Anfang nicht richtig eingeführt - ich habe den Überblick verloren.

    Und es gibt ein paar Tippfehler.

    Fazit

    "Weißt du, was ich meine" hat berührende Stellen und oft einen neutralen Fokus. Ich mochte die Energie. Trotzdem fehlten mir die Tiefen, die Reflexion, der Blick von außen auf das Vergangene. Ich verstehe aber auch, dass der Wunsch der Fans nach einer Biografie da war - und danach klingt es. Ich glaube, es wäre besser gewesen, wenn man den Text hätte noch ein paar Jahre gären lassen.

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    Cover des Buches Legal Love – Mit dir allein (ISBN: 9783732587490)

    Bewertung zu "Legal Love – Mit dir allein" von J.T. Sheridan

    Legal Love – Mit dir allein
    EvyHeartvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Nostalgie.
    Nostalgie (Rezi-Ex.)

    Nach einigen Sachbüchern und schwermütigen Romanen stand mir der Sinn nach einem kurzen Liebesroman - daher habe ich es angefordert. Letztlich war das Buch gekonnt, und irgendwie ungekonnt. Gut konstruiert, flott zu lesen - aber sprachlich ungelenk. Denn es gibt viele Wiederholungen und alles wird sehr korrekt beschrieben.

    Der Reihe nach.

    Rezi enthält Spoiler.

    Worum geht es?

    Eine Anwaltsanwärterin verliebt sich in einen Tennisprofi, der beschuldigt wird, ein It-Girl belästigt zu haben. Da beide unter Bindungsangst leiden, gibt es viel zu diskutieren. Krimi meets Liebesgeschichte.

    Die Geschichte

    Ich fand die Konstruktion nett und insgesamt rund, aber konnte vieles nicht nachvollziehen. Die Hauptfigur hat gerade die Uni beendet, bekommt aber nur wenig Unterstützung bei ihrem Fall - obwohl sie scheinbar ein Traineee ist. Sehr vieles wird informell geklärt - sie bekommt die E-Mail-Adresse der Täterin vom Manager, schreibt und telefoniert mit ihr. Vielleicht ist das im englischen Sprachraum normal, aber auf mich wirkte das komisch. Auch dass ein It-Girl versucht, den Star zu einer Schein-Beziehung zu überreden, indem sie droht, in der Vergewaltigung zu beschuldigen, finde ich altmodisch - heutzutage gibt es andere Varianten, um berühmt zu werden.

    Die Figuren

    Die Rollen folgen bekannten Mustern: Frau mit angesehenem Beruf in der Übungsphase mit Trauma, Mann in der Karrierekrise, dessen Arroganz gut wirkt, ein schwuler Trainer, eine beste Freundin, ein netter Anwaltsgehilfe, eine Mutter mit Problemen. Nett, vorhersehbar.

    Das Frauenbild

    Gut gefallen hat mir, dass unsere Hauptfigur meist in sportlich-eleganter Kleidung und Ballerinas durch die Handlung läuft. Obwohl die Betonung, dass sie Kurven hat und dass Fluchen nicht "damenhaft" sei, sein muss. In den erotischen Szenen ergreift Frau die Initiative, wenngleich der Eindruck vermittelt wird, dass der Spaß des Mannes und seine Überraschung darüber, dass sie das tut, wichtig sind. Von ihrem Spaß spricht das Buch nicht. Irritierend fand ich, dass sie als witzig beschrieben wird, aber anfangs nicht witzig ist.

    Schreib- und Erzählstil

    Gut fand ich die Dialoge, weil sie oftmals natürlich wirken, besonders zwischen dem Tennisprofi und der Anwältin. An manchen Stellen gibt es Humor.

    Probleme hatte ich aber mit den Wortwiederholungen und dass oft Informationen erzählt werden, die nicht relevant sind z.B. "Auch ich verabschiedete mich höflich von ihr und trat durch die Tür, die Nick mir aufhielt, um sie dann wieder hinter mir zu schießen." (S. 121 von 217) oder "Eigenlich waren alle Anwaltsbüros fast gleich groß, egal ob Namenspartner oder angestellter Anwalt" (S. 103) - warum wird das erwähnt, wenn es keine Unterschiede gibt? Außerdem wird das It-Girl meist als "Penelope Miller" oder "Miss Miller" bezeichnet, auf S. 144 aber plötzlich, sehr distanziert, "Miss Penelope Miller" - als würden sich die beiden noch nicht kennen, obwohl sie schon Kontakt hatten.

    Wirklich genervt hat mich, dass ständig die Formulierung dass etwas an die "Öffentlichkeit" gehen oder geraten könnte benutzt wird - das Wort kommt in ähnlichen Konstruktionen 10 mal im Buch vor. Das war sehr auffällig.

    Fazit

    "Legal Love" ist ein netter Liebesroman, der eine gut konstruierte Geschichte hat, aber sprachlich und erzählerisch etwas altbacken wirkt.



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    Cover des Buches Kiss Me, Mr. Carlton (Men in Suits 3) (ISBN: B08C4VF8X3)

    Bewertung zu "Kiss Me, Mr. Carlton (Men in Suits 3)" von Sam Cole

    Kiss Me, Mr. Carlton (Men in Suits 3)
    EvyHeartvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Einfach gut.
    Say yes to the mess

    "Carlton" ist das dritte Buch der Reihe und das zweite, dessen Beta-Fassung ich lesen durfte. Und auch wenn es nicht so stark ist wie "Newman", muss ich notieren: Sam Cole kann es. Einspruch nicht zugelassen.

    Der Text bewegt sich in einem eigentlich bekannten Setting: Anwalt trifft auf Künstler, verlorene Lieben werden aufgearbeitet. Trotzdem besticht das Buch mit ein bisschen Farbe und einem runden Figurenkollektiv. Antwalt Carlton war ok, sehr bunt war dagegen Designer Juan. Und seine kleine Großfamilie, einschließlich der Schwester mit dem Imbisswagen. Das brachte Leidenschaft und ein Gefühl von Gemütlichkeit in den Roman. Carlotons Verflossener sorgte für Humor und ich hoffe, dass er sein Spin-Off bekommt.

    Die Handlung hatte ein bisschen Spannung und einen nachvollziehbaren Twist.

    Sehr gut fand ich den Anzug als wiederkehrendes Motiv.

    Die Erotik-Szenen sind nicht so starkt wie in Newman, trotzdem gibt es eine kreative und eine überraschende. Ich fand's realistisch und hatte Spaß.

    Inhaltlich habe ich mir mehr Tiefe gewünscht.

    Fazit

    Es gibt im Genre Liebesroman viele mittelmäßige Bücher und ein paar Perlen. Diese Reihe ist eine davon.

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    Cover des Buches Der Weg in dein Herz: Roman (ISBN: B08CNKFD32)

    Bewertung zu "Der Weg in dein Herz: Roman" von Katharina B. Gross

    Der Weg in dein Herz: Roman
    EvyHeartvor 2 Monaten
    Einfach Nein. (Rezi-Ex.)

    Ich hatte das Buch angefordert, weil ich Potential in der Autorin gesehen habe und weil ich den Weg des Buches auf Facebook verfolgt habe. Und weil das Cover gut ist und der Text in einem großen Verlag erschienen ist. Ich kann es nicht empfehlen. Denn ist langweilig, nicht einzigartig und lässt mich mit dem Gefühl zurück, wieviel man aus den Figuren hätte machen können.

    Würde man Sahne, Ei und Vanillearoma aufkochen und in eine Eismaschine füllen, hätte man Vanilleeis. Kein gutes, aber immerhin Vanilleeis. Mehr ist das Buch nicht.

    Ein Wort zum Cover

    Ich finde das Titelbild toll gestaltet, ich mag den Farbverlauf in der Schrift und das Foto dahinter. Es ist etwas unruhig, hat aber das gewisse Etwas. Leider sagt es nichts über das Buch aus. Es ist austauschbar.

    Worum geht es?

    Model Elias trifft auf einer Party den studierenden Mechaniker Daniel. Beide verlieben sich, doch neben Elias Arroganz, seinem gestörten Verhältnis zum Vater und einer Abneigung gegen dessen Ehefrauen gibt es noch ein weiteres Problem in Form von Elias Ex.

    Die Charaktere

    Elias modelt und hat einen Manager. Und er vermutet hinter jeder Kritik des Vaters an seinem Lebensstil eine Ablehnung seiner Homosexualität. Was ist aus meiner Sicht nicht ist. Tiefer wird die Figur nicht. Das Thema hätte Stoff geboten, denn es gibt viele Influencer, die offen über ihrer Karriere und über die Nachteile reden. Von gesponserten Beiträgen und ähnlichem, von Burn-out. Das schöpft der Text nicht aus. Elias hat auch keine Interessen. Außerdem wird er anfangs darauf reduziert, dass er gern mit Männern schläft - obwohl man ihn nie Spaß haben sieht. Auf mich wirkte das oft wie eine leere Behauptung.

    Daniel ist der Held unserer Geschichte. Er hat eine Oma und ein Paar toter Eltern, was ihn aber nicht wirklich bedrückt. Am Ende wird noch aufgeklärt, wie die Eltern gestorben sind, damit der Leser nicht im Unklaren gelassen wird. Er hat eine Mechaniker-Ausbildung und studiert jetzt.

    Hannah, Laura, Charlotte usw. sind die heterosexuellen besten Freundinnen bzw. Schwestern, die unsere Helden anstupsen. Mehr machen sie nicht.

    Die Geschichte

    Ohne einen Nebenhandlungsstrang wird hier der promiskuitive, arrogante Held von seinem Freund geläutert, die Hochzeit bleibt uns immerhin erspart. Paradoxerweise finden beide, dass sie so geliebt werden, wie sie sind. Daniel hat aber zum Modeln keine Meinung, er setzt sich damit nicht auseinander. Ähnlich wie Elias kaum eine Bindung zu Daniels Oma oder seinen (nicht vorhandenen ...) Interessen hat. Wenn ich mich in Menschen verliebe, dann auch ein Stück in ihre Hobbys, ihre Ansichten, in die kleinen Besonderheiten. Das haben wir nicht. Und ich finde es nicht gut, dass hier indirekt wieder vermittelt wird, es sei nicht gut, mit vielen Menschen zu schlafen. Natürlich ist es das, solange man sich schützt. Der Ex bietet etwas Spannung und die Thematik ist nett aufbereitet, kann aber den Weg bis dahin nicht kitten.

    Außerdem reduzieren sich die Figuren nur auf das Aussehen - ständig schwärmen sie voneinander. 200 Seiten lang durfte ich lesen, wie gut ihre Hintern und die Muskeln usw. aussehen.

    Alkohol spielt auch hier eine nicht unerhebliche Rolle, wenngleich er nicht so negativ benutzt wird wie im letzten Buch. Elias trinkt viel, hört aber nach Beginn der Beziehung mit Daniel auf. Daniel wiederum trinkt nicht. Eigentlich. Denn Daniel betrinkt sich aus Liebeskummer und verführt Elias. Alkohol hält wieder als Entschuldigung für irrationale Entscheidungen her. Ich fand die Szene nett, aber aus meiner Sicht braucht es keinen Alkohol für dumme Taten.

    Die Erotik

    Der Text hält sich lange zurück, es gibt nur kleine Szenen, was ich gut finde. Später gibt es ausführlichere Akte. Sie waren nicht besonders kreativ oder überraschend, aber nett zu lesen. Die Passiv-Aktiv-Thematik war nicht neu, brachte aber frischen Wind.

    Der Schreibstil

    Perspektivwechsel haben für die Leser den Vorteil, dass sie die Sichtweisen beider Figuren kennenlernen. Hier ergänzen sich beide Sichtweisen nicht, sie greifen ineinander und nehmen Spannung. Besonders beim Blowjob in der Disko. Denn Daniel kann sich am nächsten Morgen nur schwer erinnern - durch Elias wissen wir aber im Detail, was geschah. Das nimmt dem Leser die Frage, wer was weiß und wie sie damit umgehen.

    Außerdem ist der Text von Anfang an sehr erzählend - der Leser lernt die Figuren nicht kennen, muss nicht denken. Sie beschreiben sich einfach ständig. Das nimmt den Charakteren Glaubwürdigkeit, denn nur, weil sie es erzählen, muss es nicht wahr sein.

    Abgesehen davon, dass sich beide Sichtweise sprachlich ähneln.

    Es gibt einige Wortwiederholungen und inhaltliche Dopplungen, selten wird Umgangssprache verwendet, oft klingt der Text nicht natürlich, sondern holprig. Besonders die Dialoge.

    Trauriger Höhepunkt ist der Reiseleiter, der angeblich gebrochen Deutsch spricht, aber sehr klar redet und sogar ein bisschen gestelzt. Es gibt Möglichkeiten, Figuren "gebrochen" reden zu lassen, ohne Grammatik-Freunde zum Weinen zu bringen. Für mich hatte das den Nachteil, dass ich den Abschnitt zweimal lesen musste - zuerst, um die Info zu erfassen und dann, um sie mir noch ein zweites Mal vorzustellen. Auch Charlotte, die zukünftige Ehefrau des Vaters, hat einen französischen Akzent. Das liest man nicht und es spielt im weiteren Verlauf gar keine Rolle.

    Die Bonussstory

    Traurigerweise schafft es ausgerechnet die Bonusgeschichte um Daniel und seinen ersten Freund Till, mit einem Satz mehr Emotionen zu erzeugen als die 240 Seiten davor. Denn sie steigt mit einem Gedanken ein, einem Gefühl. Sie besitzt eine lockere Sprache und wirkt runder. Vielleicht liegen jugendliche Protogonisten der Autorin mehr?


    Fazit

    "Der Weg in den Herz" war ein Buch, mit dem ich mich gequält habe. Der Text ist oberflächlich, nicht einzigartig. Hatte "Herzflüstern" die Schüler-Lehrer-Thematik und "Herzleuchten" den Schulrüpel-Kumpel-Konflikt, hat dieses Buch nichts. Es fühlte sich an wie eine einzige Wiederholung.


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    Cover des Buches Im Kernschatten des Mondes - Die unbekannten Heldinnen der NASA (ISBN: 9783959674034)

    Bewertung zu "Im Kernschatten des Mondes - Die unbekannten Heldinnen der NASA" von Margot Lee Shetterly

    Im Kernschatten des Mondes - Die unbekannten Heldinnen der NASA
    EvyHeartvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Funktioniert als Buch nicht.
    Funktioniert als Buch nicht (Rezi-Ex.)


    Ich hatte das Buch angefragt, weil ich von dem Film gehört habe und das Thema interessant finde. Ich wollte wissen, wie das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern war und ich wollte charismatische Frauenfiguren erleben. Letztlich bleiben diese jedoch im Kernschatten - der Nettigkeit. Denn die Autorin geht sehr wohlwollend mit ihnen um; sie zeichnet sie nicht als vielfältige Charaktere, sondern als strebsame Menschen, die sich für ihren Beruf aufopfern - die Folgen beleuchtet sie nicht. Außerdem springt das Buch ständig zwischen den Frauen und zahlreichen anderen Mitarbeitern. Wenn man einen roten Faden in Stücke schneidet und auf den Boden wirft, hat man die Dramaturgie des Buches.

    Worum geht es?

    Der Text zeichnet den Weg der "menschlichen Computer" im Rechenzentrum West der Station Langley (in Hampton, Virginia), beginnend in den 40er Jahren bis hinein in die 60er, die durch die Erdumrundung und die Landung auf dem Mond gekennzeichnet sind. "Computer" meint hier keinen (elektronischen) PC, sondern kommt von "to compute" - rechnen. Die Frauen sind studierte Mathematikerinnen.

    Was hat mir gefallen?

    Der Prolog: Die Autorin selbst wuchs in Hampton (Virginia) unweit des Forschungszentrums auf, ihr Vater war dort Wissenschaftler. Im Vorwort beschreibt sie, wie sie das Thema entdeckt und warum das für sie so wichtig ist. Das war sehr berührend!

    Der Epilog: Hier wird erzählt, wie sich die Geschichte der Raumfahrt und der NASA entwickelte. Dass der Standort verkleinert wurde und Housten als neues Zentrum festgelegt wurde. Warum es weniger Mondmissionen gibt. Aber auch, was die Frauen nach ihrer "Karriere" als Computer gemacht haben - manche unterrichteten, anderen setzten sich für Feminismus ein. Mir hat bei diesem Teil gefallen, dass die Fakten im Vordergrund standen und sich die Autorin auf wenige Figuren konzentriert hat.

    Die Bürgerrechtsbewegung:
    Der Weg der Frauen war begleitet von zunehmenden Rechten für die "schwarze" Bevölkerung. Manche Dinge waren nur möglich, weil sie bereits erkämpft wurden. Für mich war das Thema neu und ich fand es interessant, dass Gerichtsurteile und Proteste Freiheiten schufen, aber es auch Politiker gab, die den Prozess hemmten. Besonders prägnant fand ich die Geschichte der "Lost Generation of Prince Edward County" Vereinfacht gesagt blieben die öffentlichen Schulen in diesem heute 20 000-Menschen großen Landkreis von 1959 bis 1964 geschlossen. Das Supreme Court hatte vorher beschlossen, dass die Rassentrennung von öffentlichen Schulen gegen die Verfassung ist. Die Verwaltung des Countys schloss daher ALLE Schulen, anstatt "schwarze" Schüler in "weiße" Schulen zu integrieren. Für "weiße" Schüler gründeten sich Privatschulen, die "schwarzen" mussten jedoch in andere Countys oder Bundesstaaten ausweichen oder anders unterrichtet werden. Bildung ist für uns ein hohes Gut - dass manche Kinder fünf Jahre nicht zur Schule konnten, finde ich traurig, vor allem, weil die Folgen unklar sind.

    Was hat mir nicht gefallen?

    Der Schreibstil:
    Der Stil erinnerte mich an ein Märchen und die Autorin zeichnet die Wege mit (unnötigen) Details z.B. "Die einfache, aber elegante Hochzeit fand im Haus von Jimmys älterer Schwester Helen statt. In einem knöchellangen Plisseekleid stand Pat strahlend vor dem behelfsmäßigen, mit Immergrün und Gladiolen geschmückten Altar [...]" (S. 150 von 369) - Pat ist die Schwägerin einer der Hauptfiguren. Was mich gestört hat ist, dass all das nur Beiwerk ist und nicht darüber hinwegtäuscht, dass zu wenig erzählt wird. Ich denke, es wäre erzählerisch besser gewesen, wenn die Autorin mehr Anekdoten, mehr kleine abgeschlossene Geschichten, eingebaut hätte. Ein Beispiel ist die Frau, die in der Cafeteria das Schild "Farbige Computer" solange entfernt, bis es nichtmehr aufgestellt wird. Das sind Szenen, die im Kopf bleiben und als Metapher für die großen Probleme dienen.

    Zu wenig Fakten: Ich hatte Probleme ins Buch zu kommen, weil die harten Fakten fehlen. Das Wort "menschlicher Computer" wird nur am Rande erklärt und was die Frauen konkret machen, erfährt man auch nicht. Vielleicht hatte die Autorin Angst, dass es die Leser nicht interessiert, aber ich konnte mir die Figuren nicht am Schreibtisch vorstellen, weil nie ausgeführt wird, was sie berechnen und wie. Welche Rechenaufgaben sind so groß, dass man dafür tagelang Blätter von Papier vollschreibt? Wie sieht dieser Prozess aus? Außerdem hätte ich mir eine kleine Chronik der Abläufe gewünscht - für jede Frau, aber auch für die Bürgerrechtsbewegung, die eine wichtige Nebenrolle spielt.

    Kein roter Faden:
    Der Text springt abschnittsweise zwischen den Hauptfiguren und deren Vorgesetzten, sodass es schwierig war zu folgen. Dass keine Figur so präsent ist, dass man sie sich gut merken kann, tut sein Übriges.

    Fußnoten, aber wenig direkte Zitate:
    Im Buch gibt es auf 304 Seiten (ohne Anmerkungen) 790 Fußnoten. Teilweise zitiert die Autorin winzige Details z.B. wieviele Bündel Wäsche in der Wäscherei, in der eine Figuren arbeitet, gewaschen werden. Das erinnerte mich an das sehr genaue Arbeiten einer wissenschaftlichen Arbeit. Aber die Frauen selbst kommen selten zu Wort. Die Autorin hat sie interviewt, aber sie haben für mich keine "Stimme", weil der Erzähler seine schützende Hand über sie hält und damit den Eindruck etwas verfälscht.

    Zu positiv:
    Ich konnte die Figuren nicht greifen, weil sie zu perfekt wirken, keine Kanten haben. Wenn es innere Konflikte gab, wurden diese eher zwischen den Zeilen deutlich. Die Frauen werden als strebsame Menschen gezeigt, die sich ihre Karriere mit Hartnäckigkeit und etwas Glück erarbeitet haben. Sie sind zuverlässig, opfern sich für die Arbeit auf. Aber ich fragte mich, was mit den Kindern macht - wenn die Mutter teilweise hunderte Kilometer weg zieht oder sie wegschickt, damit sie eine gute Schulbildung bekommen. Wenn sie sich um den Haushalt kümmern müssen, weil die Mutter arbeitet und der Vater tot ist. Ob sie Unterstützung hatte. Ob sie mal "schlechte" Tage hatten, an denen sie keine Lust hatten zu arbeiten z.B. nach dem Tod des geliebten Ehemanns. Wie sie die Diskriminierung empfunden haben. Ich kann das ein Stück verstehen. In Zeiten, in denen wir die Mutterrolle (oder: Elternrollen) öffentlich diskutieren und es viele Fascetten zwischen "Regretting Motherhood", Frau am Herd, Mann am Herd, Teilzeitmodellen usw. gibt, erscheint es fern, dass es früher manchmal das Beste war, sich auf die berufliche Zukunft zu konzentrieren - die eigene und die der Kinder. Damit man finanziell unabhängig war. Weil vor allem die "schwarze" Bevölkerung schlechter bezahlt wurde. Vielleicht haben das die Protagonistinnen nicht so schlimm empfunden. Und ich denke, dass das Forschungsgebiet der "menschlichen Computer" noch zu jung ist, um sich differenziert damit auseinander zu setzen. Vielleicht ist es zu früh, um Kratzer auf das Bild zu setzen. Oder die Autorin wollte "ihren" Heldinnen nicht schaden.

    Keine Spannung: Für mich gab es nichts, was mich vorangetrieben hat. Der Weg der Figuren zeigt nach oben und es passiert nur weniges, das sie daran hindert. Weitergelesen habe ich nur wegen des Themas.

    Fazit

    "Hidden Figures" ist ein Buch, das als Film super funktioniert, weil das Medium die Leerstellen im Buch füllen kann. Trotz des tollen Themas ist das Buch zu nett, zu durcheinander und zu ausgeschmückt. Es ist eine liebevolle Hommage an die, die so lange nicht erwähnt wurden. Aber es bleibt zu eindimensional. Spannender als die Haupthandlung sind die Nebenstränge.

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    Cover des Buches Während wir feiern (ISBN: 9783827014085)

    Bewertung zu "Während wir feiern" von Ulrike Ulrich

    Während wir feiern
    EvyHeartvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Das ist Kunst. Das kann.
    Das ist Kunst. Das kann. (Rezi-Ex.)

    Ich hatte das Buch angefragt, weil ich die Konstruktion interessant fand - ein Fest, um das viele kleine Geschichten stattfinden und dem Leser zeigen, wieviel Wichtiges passiert, während die Feier für den Gastgeber das Wichtigste ist.

    [Spoiler]

    Letztlich ist genau das passiert. Trotzdem lässt mich das Buch mit einer bedrückten Stimmung zurück. Weil der Erzählton im Gedächtnis bleibt, der einzige spannende Strang aber der um einen Flüchtling ist, der abgeschoben werden soll und in den sich sein Lehrer verliebt.

    Worum geht es?

    Die Schweiz feiert - immer zum ersten August werden Feuerwerkskörper gezündet, es wird getrunken, geredet - und das erste Verteidungsabkommen der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden im Jahre 1291 celebriert. Mittendrin die Deutsche Alexa, die seit 13 Jahren in der Schweiz lebt und ein Jahr zuvor die Einbürgerung eingeleitet hat. Die Sängerin feiert nebenbei ihren Geburtstag mit einer jährlich stattfindenen Party. Und grübelt, ob alles perfekt läuft. 172 Seiten lang. Daneben haben wir Alexas Freund Adrian, der im Krankenhaus arbeitet und von dem sie nicht weiß, warum Assistenzärztin Conny mit ihm flirtet. Und wie sehr sie Adrian liebt. Mit dem Amerikaner Brad, ihren ältesten Freund in der Schweiz, verbindet sie eine Sommerromanze, die noch nicht vollkommen abgekühlt scheint. Ihre beste Freundin Evelyne rappt und gibt Workshops an Schulen. Das Verhältnis zu Alexa hat gelitten, seit Evelyne ihre Tochter Rosie bekommen hat. Ihr Mann Philipp wiederum möchte ein zweites Kind haben. Einen weiteren Schwerpunkt bildet Teenager Robert, der Adrians Sohn ist, ihn aber erst vor wenigen Jahren kennengelernt hat. Robert möchte Vlora beeindrucken, das Verhältnis zu Alexa ist angespannt. Schließlich Zoltan, der sich um den Flüchtling Kamal kümmert und der Alexas bester Freund ist.

    Und die Politik spielt eine Rolle, überwiegend Asylpolitik und die Frage der Position - jede Figur hat ihre Meinung dazu. Allerdings konnte ich diese Dimension nicht erfassen, weil mir das Wissen fehlt. Man kann den Roman auch ohne diese Kenntnisse lesen, es fehlt aber eine Ebene.

    Meine Meinung zum Inhalt

    Rückblickend bleibt vom Buch nur wenig hängen. Alle Figuren sind prägnant, aber die Konflikte werden nur gedacht, selten ausgeführt. Vieles wird verschwiegen, stattdessen ergötzt sich der Text in Möglichkeiten. Und stets Alexas Angst, dass die Feier nicht gut wird.



    Sprache

    Ich habe vieles verstanden, weil es nur wenige Helvetismen gibt. Nur "das SMS", das "Velo" und das "Mobility" sind mir aufgefallen, und natürlich "ausschaffen", bei dem eine Figur fragt, ob es einen Unterschied macht, ob man "ausschafft" oder "ausweist". Ich hatte keine Probleme.

    Jede Figur hat ihren Tonfall, besonders bei Vlora wird das sehr deutlich. Ich empfand sie als intensiv, aber es war anstrengend, dass die Perspektive nach einer halben bis drei Seiten wechselt. Auch wenn der Text "nur" pendelt, wie ein One-Shot-Video, und nie plötzlich die Schauplätze wechseln, war es schwer, sich ständig in eine neue Figur und einen neuen Strang fallen zu lassen.

    Fazit

    Ich mag die Idee und das Flair im Buch. Trotzdem kreist das Buch zu sehr zum das Thema "Ängste" und das Hadern mit sich. Wie Syssiphos arbeitet es sich ab, ohne anzukommen. Abgesehen von einem kleinen Happy-End.





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