Faidit

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    Cover des Buches 33 Tage (ISBN: 9783100025067)

    Bewertung zu "33 Tage" von Léon Werth

    33 Tage
    Faiditvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Authentischer Zeitzeugenbericht mitten aus dem Geschehen des 2. Weltkriegs, der nachdenklich macht
    Gefühle und Gedanken eines Pazifisten im Angesicht des Feindes

    Die pazifistische Botschaft des Autors geht zwischen den Zeilen auch im direkten und unausweichlichen Kontakt mit den feindlichen Soldaten nicht verloren. Léon Werth beschreibt in diesem Erlebnisbericht die Flucht mit seiner Ehefrau aus Paris vor den herannahenden deutschen Truppen. Normalerweise wäre dies zu seinem Ferienhaus in seinem Bugatti eine kurze Reise von 8 Stunden gewesen. Doch aufgrund der Tatsache, dass fast ganz Paris die Stadt verließ, dauerte sie 33 Tage. Gewalt, Verzweiflung, Mangel an allem Lebensnotwendigen verändern das Wesen der Menschen und Werth fasste diese noch frisch in sein Gedächtnis eingeprägten Erlebnisse in eine wundervolle und relativ milde, teils auch poetische Sprache, gleich nachdem er sein Ziel erreichte. Man spürt beim Lesen die Angst und die aufkommende Hoffnungslosigkeit der Menschen, die sich von den damaligen über die Medien verbreiteten teils hanebüchenen Nachrichten ebenso unbedacht manipulieren wie verführen ließen, wie dies auch heute noch der Fall ist. Angst ist kein guter Lehrmeister, denn sie erdrückt die Liebe. Ob nun Nächstenliebe oder Liebe zu den einst angestrebten Idealen, auch der Autor lebt seinen Pazifismus nicht mehr bedingungslos. Viel unterschwellige Wut ist zu spüren, wenn sich Landsleute aus Eigensucht, vielleicht auch Existenzangst gar zu sehr mit den feindlichen deutschen Soldaten anfreundeten. Die Versuche von deutschen Soldaten, die den Franzosen mit kleinen Freundlichkeiten beweisen möchten, dass sie doch gar nicht so böse seien, wird durch das Erlebte von brutaler Gewalt in anderen Fällen als pure Arroganz verstanden und nicht verziehen. Es schmerzt etwas, wenn man als Deutsche den Text liest und die eigene Mentalität als stetige Boshaftigkeit gedeutet sieht. Doch so wirkt der Krieg auf die Menschen. So führt die Unterscheidung und Klassifizierung von Menschen in Nationalitäten, Rassen, Religionszugehörigkeiten, politischen Ansichten und und und zu Trennung und Distanz. Wenn sich alle Menschen als gleich verstünden, gäbe es keine gegenseitige Bekämpfung und keine Kriege mehr…  

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    Cover des Buches Wilder Thymian (ISBN: 9783499268144)

    Bewertung zu "Wilder Thymian" von Rosamunde Pilcher

    Wilder Thymian
    Faiditvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eigentlich ist das kein Liebesroman, weil solche Bücher viel zu unrealistisch sind. Das ist ein Frauenmärchen von vielen - aber unterhaltsam
    Frauenmärchen

    Die Romane dieser Art sind tatsächlich alle Märchen. Die Bösewichter sind böse, die liebreizenden Damen zart und zerbrechlich und die perfekten Männer einfach nur perfekt – wie es eben im wirklichen Leben nie ist. Solche Bücher verführen meiner Meinung nach die unbedarften Frauen zu Unzufriedenheit mit ihren Partnerschaften, weil von perfekten makellosen Männern geträumt wird, die es doch irgendwo geben muss… Ganz schlimm, schon kitschromantisch, sind dann die stets eintretenden Happy Ends, wenn der Mann dann tatsächlich auch noch seine Liebe gesteht und ausspricht. Ach ja, von solchen Männern kann man doch nur träumen. So schnell gesteht keiner seiner Liebe, denn Männer verhalten sich von Natur aus eben nicht so. Furchtbar finde ich auch stets die Darstellung der Protagonistin, die immer zart und zerbrechlich ist. Stehen Männer tatsächlich alle auf zarte und zerbrechliche Frauen? Beziehungsweise ist das das Frauenbild, das wir unseren Männern vermitteln und worauf wir sie prägen wollen? Und bekommt dann nicht jede Normal-Frau, möglicherweise auch im fortgeschrittenen Alter Komplexe und das Gefühl, dass sie keine Chancen mehr auf dem Heiratsmarkt hat?


    Zugegeben, dieser Roman ist gut geschrieben und er ist auch spannend. Ja, ich habe sogar ein paar Tränchen vergossen und er hat mich gut unterhalten. Bisweilen hatte ich das Gefühl, dass die Autorin mit ihrem Protagonisten, einem Autor, mit irgendeinem Kollegen, über den sie sich vielleicht geärgert hat, abrechnen wollte. Lach! Außer den oben genannten Kritikpunkten habe ich noch gegen Ende einen groben psychologischen Fehler entdeckt. Sie sollten wirklich niemals, niemals von einem zweijährigen Kind keinen offensichtlichen Abschied nehmen und sich einfach davonstehlen, weil sie die Trennung nicht verkraften! Das ist egoistisch und hat mit Liebe nichts zu tun. Das Kind – überhaupt wenn es solche Erlebnisse wie hier in diesem Roman hatte – wird einen schweren psychischen Schaden nehmen. Konzentrationsprobleme sind dann noch das kleinste Übel.


    Wenn beachtet wird, dass es nur ein Märchen ist, kann man das Buch zum Lesen weiterempfehlen.

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    Cover des Buches Überleben (ISBN: 9783868832624)

    Bewertung zu "Überleben" von Piers Paul Read

    Überleben
    Faiditvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Wie weit ist ein Mensch bereit, im Angesicht des Todes zu gehen? Dies ist keine Einschlaflektüre. Ergreifend, erschreckend und beängstigend!
    Bis an die Grenzen des Menschseins

    Der Autor hat diesen authentischen Bericht einer wahren Begebenheit aufgrund von persönlichen Gesprächen im monatelangen Zusammenleben mit den Betroffenen in einer romanhaften Form und somit leicht eingängigen Sprache verfasst. Ich selbst habe die ursprüngliche Version aus dem Jahr 1974 gelesen, die auch für den heutigen Leser in einer absolut aktuellen Sprache übersetzt scheint. Bei den jetzt auf dem Markt befindlichen Auflagen weiß ich nicht, ob diese noch auf der gleichen sehr einfühlsamen Übersetzung basieren. 

    Der Inhalt des Buches ist jedoch nicht leicht verdaulich und wirkt nach dem Lesen noch lange nach. Jedenfalls hat mich das Buch von Beginn an gepackt und mitfühlen lassen. Aufgrund der real und sehr bildhaft beschriebenen Situationen, welche die Betroffenen durch den Flugzeugabsturz erlebt und durchlitten haben, empfand ich mich mitten unter den Passagieren in der Eiswüste der Anden und habe mich mit ihnen auch emotional verbunden gefühlt. Ekel, Schmerz, Trauer, Todesangst und Hoffnung begleiteten mich durch alle Buchseiten. Der Überlebenskampf mit dem Überschreiten aller körperlichen und psychischen Grenzen ist einfach nur ergreifend zu lesen und die Erleichterung über die Rettung empfindet man auch am Ende mit. Besonders gut hat der Autor außerdem die psychische Verfassung und Veränderung durch das Erlebte bei den einzelnen Betroffenen beschrieben und es würde mich jetzt im Nachgang sehr interessieren, wie die damaligen Absturzopfer heute leben und das Geschehen verarbeitet haben. Ich wünsche Ihnen nur das Beste…

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    Cover des Buches Schabrackenblues (ISBN: 9783750480667)

    Bewertung zu "Schabrackenblues" von Brigitte van Hattem

    Schabrackenblues
    Faiditvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Trockener Humor, der die Realität des Alterns respektvoll auf die Schippe nimmt
    Ein Prosecco gegen Inkontinenz

    Das ist meiner Meinung nach kein Buch zum Lesen in der Öffentlichkeit! Denn ich musste gleich zu Beginn bei fast jedem Absatz über die unverblümte Ehrlichkeit und Klischees von den Gefahren für Frauen in den Wechseljahren giggeln, grunzen und laut auflachen. Es gab sogar ein Kapitel, bei dem mir vor Mitgefühl für die Protagonistinnen haltlos die Tränen flossen, da die Autorin die Themen über die Wehwehchen des Alterns trotz ihres trockenen Humors zwar unverblümt ehrlich, aber auch einfühlsam und realitätsnah beschrieben hat. Dabei blieb die Sprache trotz der meist medizinischen Symptome der „alten Schabracken“ leicht und locker modern. 

    Der Roman ist für jeden, der die Wahrheit über die Wechseljahre nicht scheut und trotz oder gerade wegen der kurzen Kapitel, in denen der rote Handlungsfaden nie verloren geht, eine wundervoll unterhaltsame Lektüre. Früher oder später findet sich nämlich jede Leserin darin wieder und schelmisch an der eigenen Nase gepackt. Die Clique der Freundinnen, um die sich die Geschichten ranken, hält uns Leserinnen ab Mitte 50 oder jünger aber auch den Spiegel vor, nicht in Selbstmitleid zu verfallen, sondern die Freude am Leben in den Mittelpunkt der Jahre nach der Jugend zu rücken. Depression über die vergehende Schönheit und den verfallenden Körper hilft nicht weiter. Jeder Tag hat die Chance, der schönste unseres Lebens zu werden. Ein Buch das ich gerne weiterempfehle!     

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    Cover des Buches Ishama (ISBN: 9783899016710)

    Bewertung zu "Ishama" von Daniela Jodorf

    Ishama
    Faiditvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Der Roman verliert leider die Gefühlswelt und mutiert zur sachlichen Anleitung für Meditation
    Spirituelles Erwachen einer Ärztin über den ausführlich erklärten Weg der Meditation

    Spirituelle Romane sind meiner Meinung nach ein Genre, das nicht nur unterhalten, sondern den Lesern auch ein gutes Gefühl für Spiritualität an sich, ermunternde Selbstreflexion, Befriedigung bei der eigenen Suche nach der Wahrheit und natürlich ebenso hintergründiges Wissen vermitteln sollte. – Diese Kriterien erfüllt dieser Roman für mich in nur einigen Punkten, da er leider gegen Ende mit sehr viel trockenem Wissen über Meditationstechniken und –ebenen angefüllt ist und zum Sachbuch mutiert. 

    Der Roman beginnt spannend und in einer eingängigen Sprache, welche auch sehr gut in die Gefühlswelt der Romanheldin, einer Ärztin, die sich für einen Hilfseinsatz in einem Erdbebengebiet engagiert, eintauchen lässt. Die Szenerie ist lebensnah dargestellt, die Protagonisten handeln logisch und das Buch ist bis zu zwei Dritteln wirklich sehr berührend. Durch den im Buch beschriebenen Weg der Protagonistin zu ihren Meistern, die sie über Reliquien, Symbole und Meditationstechniken in das spirituelle Erwachen und zu Erkenntnis führen, wird der Roman jedoch sehr sachlich und trocken. Die Gefühlswelt geht völlig verloren und in verkopfte und nicht leicht eingängige Wissensvermittlung über. Als Leserin fühlte ich mich sodann geradezu deprimiert, da ich bei Selbstreflexion keine für mich umsetzbare Möglichkeit sah, jemals ebenfalls zur Erleuchtung zu gelangen. – Glücklicherweise hängt in Wahrheit eine Verbindung zum Göttlichen und der allumfassenden Liebe sowie ein sinnhaltiges Leben und beglückendes Ende der Suche nicht nur von erfolgreich ausgeführten Meditationstechniken in der Gegend des Himalaja ab, sondern von Vertrauen und Vergebung, ganz gleich an welchem Ort der Welt. Dies wurde viel zu wenig im Buch betont. Aber es ist eben nur ein Roman mit surrealer Komponente und dem persönlichen Blick der Autorin und kein tatsächlich von Jesus inspiriertes Rezept für die Wahrheitssuche. Das sollte man beim Kauf und Lesen nicht vergessen.

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    Cover des Buches Nahe der Grenze (ISBN: 9783864761041)

    Bewertung zu "Nahe der Grenze" von Sigrid Georgine Stemler

    Nahe der Grenze
    Faiditvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Realistischer Einblick in das Leben der Arbeiterfamilien zur Zeit der Weltkriege
    Leben einer Frau zwischen zwei Weltkriegen im Grenzland Deutschlands

    Schon der Anfang macht neugierig und setzt das frühe 20. Jhd. im bürgerlichen Leben stilvoll in Szene. Das Buch ist aber vom gerafften Schreibstil her, in dem die Ereignisse schnell aufeinander und ohne viel prosaische Ausschmückung folgen, eher eine sehr interessante und fesselnde Erzählung als ein Roman. Es gibt wundervoll bildhafte Szenenbeschreibungen, die den Leser in diese Zeit mitnehmen und die Beschwernisse mitfühlen lassen. Ereignisse im Familienleben werden mitunter aus zwei verschiedenen Sichtweisen dargestellt, was der Autorin ebenfalls sehr viel Einfühlungsvermögen attestiert. Man fiebert mit der Hauptprotagonistin Berta mit und würde ihr auch mitunter mal gerne die Meinung sagen. Aber die Autorin hat ihre Heldin, die sich oft mit ihren Kindern alleine durch Kriegswinter und Intoleranz kämpfen musste, eben ohne Zuckerguss und authentisch dargestellt – so wie das Leben an der Basis des Volkes nahe zu Frankreich tatsächlich war. 

    Realistischer Einblick in das Leben der einfachen Arbeiterfamilien im Grenzland Deutschlands während der beiden Weltkriege. Lesenswert!

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    Cover des Buches Ikarus (ISBN: 9783548258997)

    Bewertung zu "Ikarus" von Alberto Vázquez-Figueroa

    Ikarus
    Faiditvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Roman über einen beinahe übermenschlichen Durchhaltewillen – und die Gefahren des Übermutes
    Von einem der hoch hinaus wollte...

    Dem Roman liegen die Lebensgeschichten der darin vorkommenden Protagonisten zugrunde und er ist eine Hommage an ihren Mut und Durchhaltewillen, aber auch an ihre Risikofreudigkeit, die einen jeden von ihnen bis an die Grenzen seines menschlichen Seins brachte und manchem von ihnen zum Verhängnis wurde.

    Mit einer sehr ausgewogenen Sprache lässt der spanische Autor vor dem inneren Auge des Lesers den Regenwald Südamerikas zu einer grünen, morastigen und scharfkantigen Hölle emporwachsen, in der zunächst zwei bisher glücklose Goldsucher seit Jahren um das tägliche Überleben kämpfen und später die übrigen Hauptdarsteller der Geschichte folgen. Im Mittelpunkt des Romans steht ein US-amerikanischer Pilot, der in seinem klapprigen Flugzeug aus der Pionierzeit des Fliegens zu leichter Selbstüberschätzung neigt. Dennoch darf er einen sagenhaften Schatz erblicken, an dem er beteiligt wird und den er natürlich bald verprasst hat. Der Eigentümer der Gold- und Diamantenader vermacht ihm Jahre später die Nutzung und natürlich begibt sich der Pilot in der damals noch unerforschten Urwaldregion Venezuelas wieder auf die Suche danach. Einen genauen Lageplan gibt es nicht und der Pilot muss sich nicht nur mit den Anforderungen auseinandersetzen, welche die Natur und die Technik an ihn stellen, sondern ebenso mit denen seiner Beziehungen. 

    Die zwischenmenschlichen Kämpfe, die ebenso zum Leben und Abenteuer um das Heben des Schatzes gehören, sind mir etwas zu brav gehalten. Die Männer und Frauen haben meistens vollstes Verständnis füreinander, und wenn sie es nicht haben, bitten die Glücksritter um Vergebung und machen sich ohne großes Aufheben auf den Weg. Egoismus scheint klein geschrieben, denn es geht ihnen meistens um das Wohl der anderen. Eine anzustrebende Lebenseinstellung, aber mir zu unrealistisch. Die äußeren Abgründe sind spannend und bildhaft beschrieben. Die inneren haben mir etwas gefehlt, wodurch es mir in ein paar Kapiteln leicht langatmig wurde. Trotzdem ist der Roman eine empfehlenswerte Unterhaltung. Und dass die Protagonisten trotz ihrer Jagd nach Geld, Ruhm und Anerkennung hilfsbereit blieben und nicht von Neid und Gier geleitet wurden, darf gerne Vorbildcharakter haben. Denn auch hier mag etwas Wahres dran gewesen sein…     

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    Cover des Buches Die Poetin (ISBN: 9783746618487)

    Bewertung zu "Die Poetin" von Guido Dieckmann

    Die Poetin
    Faiditvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Zeitgeschichte interessant eingebunden, doch die Handlung um die Protagonistin haut mich nicht vom Hocker
    Eine junge Frau auf Abwegen

    Die Kurpfalz in der Zeit des Biedermeier. Eine lebensfrohe junge Dichterin reist mit ihren jüdischen Eltern aus dem preußischen Gebiet nach Heidelberg, wo ihr Bruder Medizin studiert. Als wahre Begebenheit, auf welcher der Roman basiert, liegen die Studentenaufstände und der Mordanschlag auf den Mannheimer Schriftsteller Kotzebue zugrunde, der damals der Spionage für Russland verdächtigt wurde. Verschwörung, blutige Unruhen und eine junge Poetin in den Wirren der Revolution und der Liebe… Der Plot verspricht Spannung, hält aber nur wenig davon. Die lebensfrohe junge Dichterin würde ich als unfolgsame, egoistische dumme Gans bezeichnen, die keinen Moment an die Gefahren für ihren Bruder oder ihre jüdischen Eltern denkt, wenn sie schon auf ihre eigene Person keine Rücksicht nimmt. Völlig unlogisch für diese Zeit nimmt das unverheiratete Gör mehrfach Reißaus und bewegt sich alleine durch Heidelberg und andere Stätten – was im Grunde bezüglich Sitte und Anstand für diese Zeit absolut absurd ist, da dies für eine Frau einem kompletten Ehrverlust gleichkommt. Dabei haben die Erlebnisse von Nanetta, wie diese jüdische Poetin genannt wird, für mich sehr wenig mit Abenteuer und Spannung zu tun, eher mit Frust, weil die holde Weiblichkeit aus der Feder von Herrn Dieckmann einmal mehr mit lebensfernen Klischees behaftet wird. Auch die unterschwellig beginnende Liebesgeschichte versteht mich nicht zu fesseln. 

    Neben diesen Fauxpas warte ich die ganze Zeit über, dass die Dichterin ihrem Stand Ehre macht und irgendetwas Poetisches aus ihren Eindrücken oder Gefühlen zu Papier bringt. Aber nein, sie schleppt nur persönliche Briefe von Heinrich Heine in ihrem Ridikül mit sich herum. Auch andere Situationsbeschreibungen im Roman entsprechen meiner Meinung nicht den Gegebenheiten dieser Zeit, in der man z B. sicherlich die Federn der gerupften Hühner nicht einfach auf die Straße warf, sondern alles zu verwenden wusste. 

    Interessant dargestellt fand ich die geschichtlichen Ereignisse und ihren Einfluss auf das Alltagsleben. Besonders die Szenen, die den schon damals grassierende Judenhass und seine Auswüchse aufzeigen. Insgesamt jedoch ein mittelmäßiges Lesevergnügen.

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    Cover des Buches Die Liebe einer Frau (ISBN: 9783596510535)

    Bewertung zu "Die Liebe einer Frau" von Alice Munro

    Die Liebe einer Frau
    Faiditvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr schöner sprachlicher Ausdruck und wundervolle Beschreibungen, aber mir einfach zu langatmig und auch stimmungsmäßig nicht mein Ding
    Kommentare: 3
    Cover des Buches Darthula (ISBN: 9783943948264)

    Bewertung zu "Darthula" von Petra Hartmann

    Darthula
    Faiditvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Feinsinnige Bearbeitung eines Heldenepos zu einem Roman
    Darthula - eine begehrte Prinzessin

    Ein Roman muss nicht immer mehrere hundert Seiten lang sein, um ein guter Roman zu sein. Darthula von Petra Hartmann ist dem Ossianischen Epos nachempfunden, der am Ende des kleinen „Handtaschenbuches“ als Übersetzung der Autorin aus dem Englischen noch ein paar Seiten zum Nachlesen füllt und einen genauen Einblick in die Quelle der Romanhandlung gibt. Die Geschichte von der verschmähten Liebe eines Testosteron strotzenden Mannsbildes, der die Frau, die ihm nun einmal ins Auge gefallen ist, besitzen will, ob es ihr passt oder nicht, ist uralt, aber leider immer noch aktuell. Das „Nein“ hilft Darthula, einer Prinzessin in einem nordisch wilden Land am Meer nichts. Der abgelehnte Caibar will sich mit Gewalt nehmen, wonach sein Sinn steht und da er über die entsprechende Macht als König eines anderen Reiches verfügt, müssen Tausende in einen sinnlosen Krieg ziehen. Nun sind Kriege ja stets sinnlos, da es nur um Besitzergreifung geht – auch heute noch. Dies zeigt der Roman ebenfalls gut auf. Außerdem ist er in einer wunderschön poetischen Sprache mit feinfühligen Beschreibungen von Landschaft, Personen und Situationen geschrieben, die ein umfangreiches Kopfkino erschafft.

    Der Roman hat mich gut unterhalten. Auch das Vorwort, selbst wenn man es für gewöhnlich in einem Buch oft links liegen lässt, ist lesenswert! Denn es ist höchst amüsant und unterhaltend, wenn die Autorin mit einer ehrlichen Authentizität und typischem norddeutschem Humor vom Werdegang des kleinen Romans erzählt. Da musste ich gleich mehrmals laut auflachen!

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