Günter-ChristianMöller

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    Cover des Buches Ein Mordsgeschenk für Agathe (ISBN: 9783458364825)

    Bewertung zu "Ein Mordsgeschenk für Agathe" von Hanna Reet

    Ein Mordsgeschenk für Agathe
    Günter-ChristianMöllervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Der Wikingerschatz
    Schatz der Hoffnung

    Ein Familienurlaub auf einer kleinen Ostseeinsel ist das Geschenk der Familie für Oma Agathe zu ihrem 90. Geburtstag. Die Familie Christensen lauscht in einer Pension am ersten Abend dem Gespräch am Nachbartisch in der Pension. Die Kinder Timmy und Tabea sind neugierig.

    „Gold“, erwiderte Klausen wie aus der Pistole geschossen. „Ein Teil vom berühmten Wikingerschatz. Ich weiß wo er ist. Ich muss ihn nur noch mit paar Kumpels holen, also sozusagen ausgraben.“ Am nächsten Morgen ist Klaus Klausen spurlos verschwunden.

    Agathe will ihr Leben auch mit 90 Jahren noch mal so richtig genießen. Keineswegs will sie ihr ‚Ermittlungsglück von einem Detektiv mit Hasenherz abhängig machen‘. Sie agiert natürlich ‚im Namen der Gerechtigkeit‘. Die Großmutter Sonja hat gute Grundsätze: ‚Fehler sind was für Anfänger, Könner produzieren Katastrophen‘. Und Großvater Herrmann war jahrelang Bombenentschärfer, doch emotionale Konflikte neigen unter seinem Einfluß eher zur Explosion. Der Enkel Frank kümmert sich rührend um Agathe. Aber Mißerfolge mit dem weiblichen Geschlecht sind bei ihm eher nicht die Ausnahme. Bei den Ermittlungen nach dem ‚verloren gegangenen‘ Schatzsucher ist die Inselpolizistin wirklich keine Hilfe. Ihre Pausen und der Feierabend sind auch nicht ganz unwichtig. Wenn ein Geldautomat auf der Insel gesprengt worden wäre, dann würde sie auch erstmal eine Nacht drüber schlafen, dachte ich.

    Das Buch lebt von seinen schrulligen Darstellern. Die untypischen Verhaltensweisen sorgen für viele lustige Begebenheiten und Bemerkungen. Wenn nun noch eine Horde schwarzer Schimmel auf dem Reiterhof auftaucht oder dunkles Licht endlich für Durchblick sorgt, dann ist der Fall gelöst, schien mir. Ich habe mich von dem Buch wunderbar unterhalten gefühlt.

     

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    Cover des Buches Die Frauen am Fluss (ISBN: 9783453360563)

    Bewertung zu "Die Frauen am Fluss" von Katherine Webb

    Die Frauen am Fluss
    Günter-ChristianMöllervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: späte Liebe
    späte Liebe

    England 1922. Irene hat das größte nur mögliche moralische

    Verbrechen einer Frau begangen. Sie hat eine Affäre mit einem

    verheirateten Mann angefangen und steht dazu. Zudem ist es der Mann ihrer besten Freundin. Die Hilfe ihrer Eltern besteht ausschließlich darin, dass sie einen neuen Mann für sie suchen: Alistair Hadleigh. Die Freundin kämpft erbittert um ihren Mann. Und so heiratet Irene am Ende Alistair. Doch sie liebt ihn nicht. Die Tante von Alistair wohnt im Gutshaus ihres Mannes und verachtet Irene. Pudding Cartwright, die junge Pferdepflegerin, ist der einzige Mensch, mit dem sie reden kann. Und die Eltern von Irene wollen nichts mehr mit ihrer unmoralischen Tochter zu tun haben. Doch dann wird Alistair brutal ermordet.

     

    Es sind die wundervoll beschriebenen Charaktere, die in diesem Buch die Spannung erzeugen und die es von anderen unterscheidet:

    Die depressive Irene, die erst mit dem Tod ihres Mannes beginnt, ihn unfreiwillig zu lieben. Sie findet mit Pudding eine ungewollte neue beste Freundin.

    Pudding, die erbittert um das Leben ihres geliebten Bruders kämpft, der verdächtigt wird, den Gutsbesitzer Hadleigh ermordet zu haben. Und die erbittert die durchsichtigen Ermittlungsschablonen des ermittelnden Inspektors angreift.

    Und da gibt es noch die junge Clemmie Tanner, die stumm ist. Wunderschön und voller Gefühle für einen Mann, doch sie scheint für andere unfähig, ihn lieben zu können. Im Wald nicht zu verfolgen. Eine Fee aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit.

    Die Tatsache, dass es eine zweite Zeitebene um 1872 gibt, die von der Autorin nicht offenbart wird, machte mir das Verstehen von Ereignissen lange Zeit recht schwer. Doch die Spannung, mit der die Autorin manche Gespräche auflädt, ist unnachahmlich. Die Neugier war nicht zu zerstören.

     

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    Cover des Buches Die Schokoladenvilla (ISBN: 9783328103226)

    Bewertung zu "Die Schokoladenvilla" von Maria Nikolai

    Die Schokoladenvilla
    Günter-ChristianMöllervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Der goldene Weg zum Glück
    Der goldene Weg zum Glück

    Stuttgart 1903 Der Schokoladenfabrikant Wilhelm Rothmann hat es schwer. Seine Frau Helene hat ihn nach jahrelangen ständigen Streitereien verlassen und erholt sich in einer Nervenklinik am Gardasee. Seine Tochter macht keine Anstalten sich in den Bankierssohn Albrecht von Braun zu verlieben, obwohl die schon beschlossene Heirat der beiden die Lösung all seiner finanziellen Sorgen wäre. Und seine beiden nichtsnutzigen kleinen Söhne Karl und Anton sind nicht nur geborene Feuerteufel, die ein harmloses Lagerfeuer a la Karl May in einen kleinen Brandherd und sogar in einen gierigen Feuerherd verwandeln können, nein sie sind sogar eine Gefahr für sich selbst. Gut dass der kleine Karl bei einer dieser Gelegenheiten von dem undurchsichtigen Viktor Rheinberger gerettet werden konnte. Für diese gute Tat bietet ihm der Schokoladenfabrikant eine Menge Geld. Doch Viktor hat einen anderen Wunsch.


    Man kann in diesem Buch eine Menge Detailwissen erwerben, wenn man Schokolade im großen Stil herstellen oder weiterverarbeiten möchte. Auch die Anfertigung von Pralinen aller Art, sowie das langsame Verschlingen und Genießen dieser Süßigkeiten wird hier mitunter ausgiebig geschildert. Man sollte nicht auf die Idee kommen eine offene oder verschlossene Pralinenschachtel während des Lesens neben sich zu platzieren. Wer sich trotzdem entschließt, dieses Buch zu lesen, den erwartet nicht nur eine interessante Definition für ein männliches Kamel, sondern auch die Polizeikommissarin Henny, gelernte Krankenschwester. Sie stellt unverheirateten schwangeren Frauen nicht nur die wichtigen Fragen, sondern bietet ihnen mehr als nur gute Ratschläge an.

    Und vor allem erwartet den Leser ein fulminanter Spannungsbogen, zu dem selbst Jane Austin gesagt hätte ‚Lass deine Phantasie so hoch fliegen wie sie mag‘. Die vielen Details passen wie ein kompliziertes Puzzel wunderbar zusammen und können nur mit mindestens fünf Sternen verschlungen werden.


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    Cover des Buches Tod in der Speicherstadt (ISBN: 9783740806613)

    Bewertung zu "Tod in der Speicherstadt" von Anja Marschall

    Tod in der Speicherstadt
    Günter-ChristianMöllervor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Kaffeeschmuggel ohne Widerkehr
    Kaffeeschmuggel ohne Wiederkehr

    Hamburg 1896. Der Kieler Kommissar Hauke Sötje untersucht ein Schiffsunglück auf der Elbe, bei dem anscheinend der Kessel eines Ewers explodierte  und zwei Tote geborgen wurden.


    ‚„Eine der beiden Leichen an Bord der ‚Wilhemine‘ trug diesen Ring am Finger. Es war der Matrose:“ Roscher nahm den Ring in die Hand und begutachtete ihn genau. „Das ist das Wappen von Wilhelm Bellingrodt. Kaffeezweig und Löwe.“‘




    Nach und nach findet Hauke heraus, dass der Schmuggel mit Kaffee eine lukrative Sache sein könnte, doch die Speicherstadt scheint eine Festung zu sein, die eine undurchlässige Grenze mit unbestechlichen Zöllnern und einer unüberwindlichen Bürokratie umgibt. Und von dem Familienpatriarchen Wilhelm  erfährt er, dass der älteste Sohn Johann tot ist.


    Die Verlobte von Hauke, Sophie, begibt sich auf Wunsch ihrer Schülerin Clara ebenfalls zu den Bellingrodts. Die verzweifelte Mutter des Toten hat einen Wunsch, denn Johann wollte eine einfache Frau heiraten:


    „Bitte, Fräulein Struwe, finden Sie die junge Frau und geben Sie ihr diesen Brief. Sie muss es wissen.“


    Sophie schluckte: „Da steht keine Name.“


    „Ich weiß nicht wie sie heißt.“




    Das Buch führte mich in eine Welt, in der die Menschheit in zwei Kasten zerfällt:


    Die Reichen mit ihren Statussymbolen der Macht, große Villen voller Pracht,fleißigen Dienstboten und übertrieben dekadenten Kleidungs- und Essritualen.


    Andererseits die Armen in schäbigen Holzhütten oder Baracken, beengten Mietswohnungen voller Dreck und Kälte. Und mühsame Arbeit, die ein kurzes Leben voller Erschöpfung, Leid und Not bietet.


    Zeitweise dachte ich, dass Hauke und seine Verlobte Sophie um die Wette ermitteln, wobei Sophie sich ein ums andere Mal in gefährliche Situationen begibt. Aber sie hatte gute Gründe, sich wie eine Verrückte zu verhalten. Gründe, die nicht genannt werden können, ohne die Spannung zu mindern, die das Buch mehr als nur lesenswert machen.


    Und am Ende wartete dann doch eine Überraschung auf mich, mit der ich nicht gerechnet hatte.





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    Cover des Buches Im Schwarzwald geht der Tod um (ISBN: 9783965550230)

    Bewertung zu "Im Schwarzwald geht der Tod um" von Sonja Kindler

    Im Schwarzwald geht der Tod um
    Günter-ChristianMöllervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Hochspannung im Schwarzwald
    Der Preis der weißen Lilien

    Der Preis der weißen Lilien


    Ein Unbekannter schickt der Hauptkommissarin Ines Sandner Blumen, weiße Lilien. Kurz darauf verunglückt ein Bekannter von ihr aus der Schulzeit mit seinem Auto tödlich. Und in dem Auto befinden sich scheinbar zufällig ebenfalls weiße Lilien.


    ‚Seine Gedanken kreisten um das Eine: endlich Gerechtigkeit für seine verlorene Kindheit.‘

    Wie schrecklich muss es sein, wenn man als Kind in die Einsamkeit gestoßen wird und es niemanden gibt, der einem dort wieder heraus hilft, dachte ich.

    Ines Sandner und ihre Kollegen von der Villinger Kripo suchen beharrlich nach einem Unbekannten, der es auf die Hauptkommissarin und ihre Familie abgesehen hat, und den auch der Personenschutz, den sie bekommt, nicht abschreckt.


    Ein stark überdurchschnittlicher Spannungsbogen zog mich nach einigen Seiten so sehr in den Bann, dass ich das Buch erst irgendwo im letzten Drittel wieder aus der Hand legen konnte. Die Charaktere bewegten sich am Rand dessen was sie aushalten konnten. Und die Handlung verlangt dem Leser einiges an Bibbern und Zahnfleischkauen ab. Nichts für Leute mit schwachen Nerven. Zum Glück kein großes Blutvergießen. Hätte es aber werden können, wenn die Autorin oder die Lektorin einen schlechten Tag gehabt hätten.


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    Cover des Buches Lottes Träume (ISBN: 9783734107320)

    Bewertung zu "Lottes Träume" von Beate Maly

    Lottes Träume
    Günter-ChristianMöllervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Wenn Träume anfangen zu fliegen
    Wenn Träume anfangen zu fliegen

    Wenn Träume fliegen lernen


    Österreich 1904. Lotte Seidl kommt aus den Bergen. Ihr Vater ist an einer Lungenentzündung gestorben und sie hat keine Verwandten, die sich um sie kümmern können. Die Wirtin eines Gasthofs gibt Lotte den Rat, nach Wien zu fahren, um sich dort bei der Geschäftsfrau Mizzi Kauba nach einer Stellung als Verkäuferin zu erkundigen. Lotte hat nichts als diese eine Adresse, einen Koffer mit ein paar Habseligkeiten und etwas Geld. Die Ratschläge der Fahrgäste in der Bahn sind mehr als nur deprimierend und die größte Hilfe am Bahnhof bekommt sie von einem Waisenjungen, der noch viel weniger besitzt als sie. Doch Lotte kennt sich mit Bergsport aus, kann selber Skilaufen, was kaum jemand in der damaligen Zeit beherrscht. Und die Geschäftsfrau Mizzi Kauba will  ihr Geschäft auf diesen Sport spezialisieren.

    Das Buch beschreibt eine Zeit,in der die Arbeiter und Angestellten der Willkür und Launen der Arbeitgeber und auch Vorgesetzten fast rechtlos ausgeliefert sind. Nicht nur eigene Fehler sondern auch Intrigen von Kollegen oder sogar körperliche Mängel können eine Anstellung von heute auf morgen zerstören. Sozialversicherungen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben. Waisenkinder haben in den Armenhäusern kaum eine Überlebenschance. Der Kontrast zwischen Arm und Reich könnte kaum größer sein. Ich musste an Charles Dickens denken, als ich las, dass die erwachsene Tochter einer Familie die einzige Einkommensquelle war. Die Familien der Reichen werden wie Dynastien regiert. Die Eltern verkuppeln die Kinder mit anderen Gelddynastien. Doch manche Kinder begehren dagegen auf. So auch in diesem Buch.

    Was dieses Buch aus anderen heraushebt sind zum einen die kurzen Sätze besonders am Anfang des Buches, die die Aufregung während der Bahnfahrt und das Chaos bei der Ankunft in der großen Stadt Wien widerspiegeln.

    Vor allem sind es jedoch die Dialoge, die die Personen miteinander führen. Mir hat besonders der Dialog in Kapitel 15 gefallen. Es geht umd das Thema, wie und warum man  Frauen mit Hosen fürs Skifahren kleiden sollte.

    „Haben Sie schon mal versucht, mit Röcken einen Berg zu besteigen? Wenn es regnet oder schneit, wird der Stoff völlig durchnässt“, sagte Lotte. „Die Röcke wiegen dann bis zu achtzig Kilo.“

    „Achtzig Kilo“, rief Florentine Personne entsetzt. „Kein Wunder, dass ich so wenige Frauen kenne, die sich in die Berge wagen.“

    Dieser Dialog ereignete sich natürlich im Hotel Sacher bei einem leckeren Menü und einer Flasche vom Grünen Veltliner. Der Nachtisch mit der Sachertorte machte bei mir allerdings nicht so einen großen Eindruck, wie die Topfengolatschen in der Kontitorei Demel in Kapitel 9. Nach der zweiten Topfengolatsche für Lotte hätte ich auch gerne eine gegessen. Und ich verstand nicht, warum Jakob Sonnstein, der Lotte eingeladen hatte, nur an seinem Kaffee herumprobierte. Auch Lotte beschwerte sich:

    „Bitte tun Sie mir einen Gefallen“, bat sie ernst. „Fangen Sie an, Ihre Schnitte zu essen, sonst komme ich mir neben Ihnen wie ein gefräßiges Monster vor.“

    Für mich als Leser war das eine wirklich köstliche Episode, die ich wie das gesamte Buch wärmstens weiterempfehlen kann.


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    Cover des Buches Das Vermächtnis der Spione (ISBN: 9783550050121)

    Bewertung zu "Das Vermächtnis der Spione" von John le Carré

    Das Vermächtnis der Spione
    Günter-ChristianMöllervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Pendel zwischen wahrer und falscher Lüge
    Die falsche Wahrheit

    Die falsche Wahrheit

    George Smileys ehemaliger Assistent Peter Guillam wird ins Innenministerium einbestellt. Warum mussten vor 50 Jahren an der Berliner Mauer zwei Agenten sterben? Die Kinder der Spione drohen die Regierung zu verklagen.

    Es ist schwierig, aus einem Agenten wie Peter die Wahrheit herauszuquetschen: ‚Ich, der ich von der Wiege an gelernt habe, zu leugnen zu leugnen und wieder zu leugnen – ausgebildet von ebenjenem Service, der mir nun ein Geständnis abpressen will? (S.195)

    Denn die Abteilung Außendienst trifft auf die Abteilung Rechtsgrundlagen. In der Demokratie könnte man auch sagen, die Exekutive trifft auf die Jurisdiction. Wer mag da wohl den Kürzeren ziehen. In jedem Fall der, der die besseren Informationen hat.

    Peter ist in einer verzweifelten Lage: ‚Eigentlich lebe ich ja in Frankreich, sage ich zu ihr, aber ich bin hier um mit einem Haufen englischer Anwälte übers Geschäft zu reden, können Sie sich etwas Schlimmeres vorstellen, hahaha?‘(291)


    Das Buch ist gefüllt mit Spannung. Bei kaum einem der Darsteller kann man klar erkennen, was er wirklich denkt. Oder welche Dinge wirklich wahr sind. Schon gar nicht, welche Motive diesen oder jenen Menschen antreiben oder ob die Emotionen, die er darstellt, wirklich echt sind. Als Leser  hatte ich ständig Zweifel. Mitunter hatte ich den Eindruck, dass manche Darsteller wie Marionetten benutzt wurden, um bestimmte Experimente mit anderen Darstellern zu machen. Und beim Camp4, einem Verhörsanatorium, dachte ich, es ist fast wie bei Shakespeare, acht Hauptdarsteller und einige Comparsen, ob es wohl auch die übliche acht sind, dachte ich. Doch ich zählte sie nicht nach.

    Ich fand das Buch sehr bedrückend. Missbrauchte Menschlichkeit. Getäuschte Freundschaft. Verfälschte Informationen. Nur die Toten an der Mauer waren anscheinend echt. Doch selbst das wäre zu verifizieren.


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    Cover des Buches Die Schwestern von Mitford Manor – Gefährliches Spiel (ISBN: 9783866124530)

    Bewertung zu "Die Schwestern von Mitford Manor – Gefährliches Spiel" von Jessica Fellowes

    Die Schwestern von Mitford Manor – Gefährliches Spiel
    Günter-ChristianMöllervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schweigen bis in den Tod
    Mehr Angst als vor dem Tod


    1925 Oxfordshire. Lord und Lady Redesdale können auf ihrem Familienlandsitz Mitford Manor nicht mehr die Augen davor verschließen, dass 2 ihrer 6 Töchter erwachsen geworden sind und sie sie endlich unter die Haube bringen müssen. Pamela wird 18 und Nancy ist schon 21. So droht Nancy die Demütigung, ‚als Brautjungfer bei der Hochzeit der jüngeren Schwester auftreten zu müssen‘ (S.161).

    Die Eltern lassen sich überreden, eine Geburtstagsfeier für Pamela zu erlauben, die bis weit in die Nacht dauern wird und bei der am Ende die beiden Mitford Schwestern mit sechs jungen Leuten eine besondere Art Schnitzeljagd durchführen werden. Die Anstandsdamen sollen Dulcie Long und das Kindermädchen der Mitfords Louisa Canon spielen. Sie sind Jugendfreundinnen. Niemand scheint zu ahnen, dass einige der Teilnehmer Verbindungen zu zwei berüchtigten Verbrecherbanden pflegen: der Frauenbande ‚Forty Thieves‘ und der ‚Elephant-and-Castle Gang‘. Ein aussichtsreicher Heiratskandidat ist am Ende der Nacht tot. Er fiel vom Glockenturm der Kirche. Und es beginnt eine ungewöhnliche Mordermittlung.

     

    Dass man eine Séance zu einer Mordermittlung nutzen kann, ist eine recht ungewöhnliche Idee. Aber sie passte natürlich sehr gut in die damalige Zeit, als viele Menschen durch den Krieg Angehörige verloren hatten und versuchten, erneut Kontakt zu ihnen zu bekommen. Ein kleiner dreijähriger Junge spielt in dem Buch ebenfalls eine wichtige Rolle. Ich musste an Charles Dickens denken, als das Zuhause dieses kleinen Wesens beschrieben wurde.

    Dass man die eigene Schönheit mittels eines Kleides entdecken kann ist für eine Frau vielleicht nicht ungewöhnlich, doch das dadurch hervorgerufene Glücksgefühl wird in diesem Buch wundervoll beschrieben:

    ‚Das letzte Mal, als Louisa Pamela so glücklich erlebt hatte, war der Moment gewesen, als das Mädchen die Glasur eines Schockoladeneclairs bewundert und gleich darauf hineingebissen hatte.'

    Überhaupt sind Gefühle in diesem Buch Dinge, mit denen der Leser reichlich beschenkt wird. Glück, Angst, Verzweiflung, Trost, Mut und Spott begegnen dem Leser in vielen der 74 Kapitel.

     

    Und auch in diesem Buch sind es nicht die Worte oder Taten, nach denen die Menschen beurteilt werden. Für die Hauptdarsteller zählen letztlich die Motive, aus denen die Täter eine Handlung oder ein Unrecht begehen. Die Gesetze sind so manchmal schon  eine Bedrohung für die Gerechtigkeit. Um die Schwachen zu schützen, kommt es sogar vor, dass jemand nicht nur eine Schuld, sondern eine schreckliche Strafe auf sich nimmt. Doch diese Motive machen auch das Verhalten der Protagonisten Guy Sullivan, Polizeisergeant, und das Kindermädchen Louisa Canon des öfteren unberechenbar. Wenn das bloß gutgeht, dachte ich des öfteren. Aber die Spannung stieg!

     

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    Cover des Buches 1793 (ISBN: 9783492061315)

    Bewertung zu "1793" von Niklas Natt och Dag

    1793
    Günter-ChristianMöllervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Jenseits vom Tod
    Jenseits vom Tod

    1793

     

    „Nachts träumt Anna Stina nicht mehr vom Roten Hahn und davon, dass sie selbst die Feuersbrunst ist, die von donnerndem Hass getrieben, ganz Stockholm in Schutt und Asche legt. Inzwischen ist das Kind das Feuer, allerdings keines, das brennt und zerstört, sondern eines das formt und verändert. Und sie wird ein Kind in diese schlimme Zeit gebären, sei es Mädchen oder Junge, großziehen, auf dass es anders als andere werde.“ (S. 336)

    Es ist schwierig in  dem Stockholm von 1793 zu überleben. Es ist voller Gewalt und Betrug. Der Grund liegt nicht unbedingt in den schrecklichen mittelalterlichen Regeln, mit denen sich Arm und Reich herumschlagen muss, sondern die Tatsache, dass der Staat bankrott ist. Ein abscheulicher Mord ist geschehen und der Jurist Cecil Winge wird damit beauftragt, den Mörder zu finden. Er wendet sich an den Häscher Jean Michael Cardell, der den Toten gefunden hat. Beide sind Krüppel. Winge hat unheilbare Tuberkulose und Cardell hat infolge seines Militärdienstes eine Hand verloren. Diese beiden Lichtgestalten suchen mit Energie und unbeirrt nach einem Wesen, das das stärkste aller Mordmotive antreibt.

     

    Es ist ein ungewöhnlicher historischer Kriminalroman. Man erlebt als Leser allerhand ungeheuerliche Vorgänge. Auch die Gefühle der Opfer werden dem Leser nicht vorenthalten. Britischer Realismus wird mit skandinavischem Horror vermischt. Es war schwer für bescholtene Frauen im ‚Spinnhaus‘ zu überleben, das  eine Art mittelalterliches Pädagogikum war, um arbeitsunwillige Frauen gefügig zu machen. Also eine Art Antihexenhaus. Stalin hätte seine Freude an sowas gehabt. Die Menschen ziehen sich in den Alkoholismus zurück. Und doch gedeiht an verborgenen Orten Hoffnung und Widerstand. Der Haß verwandelt sich  dort in eine neue Kraft.

     

    Das Buch ist voller Überraschungen. Aber letztlich passte alles zusammen. Ich musste zeitweise an das Schicksal von Struensee denken. Und auch an ‚Aus zwei Städten‘ von Charles Dickens, das ja ebenfalls zur Zeit der französischen Revolution spielte. Um Stina habe ich gebibbert und gezittert. Cardell hätte ich gerne den Rat gegeben, trink nicht so viel. Geh ins Systembolag, aber dann fiel mir ein, dass es das damals ja noch nicht gab. Und bei Cecil Winge hatte ich den Eindruck, dass er selbst im Tod noch durch irgendeine Handlung zu Lebzeiten etwas Bedeutendes in Gang gesetzt hätte.

     

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    Cover des Buches Abenteuer im Spreewald (ISBN: 9783959160506)

    Bewertung zu "Abenteuer im Spreewald" von Steffi Bieber-Geske

    Abenteuer im Spreewald
    Günter-ChristianMöllervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ferien im Spreewald
    Das Buch auf dem Dachboden

    ‚ „Au“! Nikolas taumelte und stolperte vor Schreck fast über einen alten Koffer. Im selben Moment fiel ein Buch von dem Balken.‘

    Dieses ledergebundene Buch, das Nikolas und seine Schwester Lilly auf dem Dachboden des Ferienhauses finden, entpuppt sich als ein 170 Jahre altes verstaubtes Tagebuch des Müllersohnes Juro, der einst in der Gegend gewohnt hatte.

    Während die Kinder tagsüber mit ihren Eltern Ausflüge durch den Spreewald machen, erwachen abends vor dem Einschlafen die Geschichten, die Juro einst erlebte, zu neuem Leben.

    Tagsüber besuchen sie das Erlebnisschwimmbad Spreewelten in Lübbenau, machen eine Kanu-Tour durch den Spreewald oder besuchen Sehenswürdigkeiten wie die Straupitzer Mühle, die wendische Slawenburg oder das Museumsdorf Lehde.

    Abends lesen sie in dem Tagebuch von Juro, wo Nikolas und Lilly von den Erlebnissen des Müllersohnes erfahren. So begegnen sie dem Pumphut, dem Nix, einem Irrlicht, hören von Fürst Pückler und sie erfahren, dass Juro einst sogar Theodor Fontane begegnete, dem berühmten Schriftsteller.

    Das Buch bietet auf 128 Seiten mit 22 Kapiteln und etwa 60 Illustrationen für Kinder ab 8 Jahren eine Menge Unterhaltung über den Spreewald und seine Sehenswürdigkeiten. Ein lebendiges Buch, in dem die Geschichten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern beginnen, sich zu bewegen und die Gedanken des Lesers anfangen zu träumen.

     

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