Gallert-Oktaeder

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    Cover des Buches Wir haben schon immer im Schloss gelebt (ISBN: 9783865527097)

    Bewertung zu "Wir haben schon immer im Schloss gelebt" von Shirley Jackson

    Wir haben schon immer im Schloss gelebt
    Gallert-Oktaedervor 2 Monaten
    Nicht unbedingt die Lektüre, die ich erwartet hatte

    Shirley Jackson ist eine amerikanische Schriftstellerin, deren Werk in Deutschland kaum bekannt ist. Sie erntete insbesondere im Bereich der Horrorliteratur Lorbeeren und wurde von Schriftstellern wie Neil Gaiman und Stephen King als Vorbild und Inspirationsquelle angesehen. Ihr bekanntestes Werk in diesem Bereich dürfte wohl das vor kurzem auch als Netflix-Serie neu interpretierte „Spuk in Hill House“ sein. 

    Mit dem Hintergrund dessen, was ich bislang über die Autorin gehört hatte, war ich sehr gespannt darauf was mich in „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ erwarten wird. Zentrum der Handlung ist die Familie Blackwood oder dem, was von ihr übrig ist, nachdem fast alle Bewohner des Hauses vor Jahren einem Giftanschlag zum Opfer fielen. Mittlerweile leben nur noch die Schwestern Mary, Constance und ihr an den Rollstuhl gefesselter Onkel Julian in dem prachtvollen Anwesen, das sie so gut wie nie verlassen. Mary Catherine, oder Merricat, wie sie die meiste Zeit genannt wird, ist die Einzige, die hin und wieder Besorgungen im nahe gelegenen Dorf erledigt. Diese Aufgabe kostet sie einiges an Überwindung, den die Dorfbewohner verdächtigen Constance des Giftmords und hassen die Blackwoods wie die Pest.

    Merricat versucht ihr möglichstes Constance so gut wie möglich von all dem abzuschirmen, doch diese heile Welt wird ins Wanken gebracht, als ihr Cousin Charles auftaucht.


    Der Einstieg in die Geschichte, bei dem Merricat das Dorf durchstreift und einen Einblick in ihre Gedanken gibt, hat mir direkt sehr gut gefallen. Sie ist eine faszinierende und interessante Hauptprotagonistin, die mit ihrer unverbrauchten Sichtweise auf die Handlung die Erzählung des Romans sehr aufwertet. Auch das sich langsam zusammenbrauende Übel, das das Heim der Blackwoods heimsucht ist gut inszeniert. Danach hat sich das Buch im Mittelteil für meinen Geschmack etwas zu sehr verloren. Das Ende schließlich war wieder recht überraschend und interessant.

    Ich kann „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ nicht eindeutig einem Genre zuordnen. Was ich erwartet hatte war eigentlich eher eine Horror-/Schauergeschichte, dass ist dieser Roman aber keineswegs. Der Großteil der Handlung hat einen teils schon heiteren Unterton und das Verhalten der Dorfbewohner und der handelnden Figuren wirkt oftmals skurril. Am ehesten kann ich das Buch als makabere Komödie bezeichnen. Es wird wohl kaum jedermanns Geschmack treffen, aber aufgrund der unverbrauchten Ideen und für alle die sich ein Bild vom Schaffen der Autorin machen wollen, mag sich dieser literarische Ausflug lohnen. 

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    Cover des Buches Die Stahlhöhlen (ISBN: 9783453527942)

    Bewertung zu "Die Stahlhöhlen" von Isaac Asimov

    Die Stahlhöhlen
    Gallert-Oktaedervor 6 Monaten
    Gelungene Mischung aus Krimi und intelligenter Sci-Fi-Literatur

    Auf einer Erde in der die Weltbevölkerung auf 8 Billionen angewachsen ist, haben die Menschen sich gigantische Stadtkomplexe unter stählernen Kuppeln erschaffen. Stahlhöhlen, wenn man so will. Wie lange dieses System noch bestehen kann, ohne dass es zu einer Katastrophe kommt ist nur eine Frage der Zeit. Wenn die Lebensmittelversorgung irgendwo auch nur für kurze Zeit ausfallen sollte, könnte das schwerwiegende Folgen haben. Die Medievalists sprechen von einer Rückkehr zu einem Leben unter freiem Himmel (in den Augen der meisten Menschen ein mittlerweile völlig unvorstellbarer und grauenerregender Gedanke), während die Spacer, die selbst die Erde vor langer Zeit verlassen hatten als einzigen Ausweg die Kolonisierung neuer Planeten sehen.

    Als ein Mord auf der Station der Spacer nahe der Megapolis von New York geschieht, fällt der Fall dem Polizeibeamten Elijah „Lije“ Bailey in die Hände. Schnell ist klar, dass dieser Mord die Beziehungen zwischen Stadtbewohnern und Spacern stark beeinträchtigen könnte. Für die Aufklärung wird Elijah von den Spacern R. Daneel Olivaw zur Seite gestellt, einer der von ihm so sehr verhassten Roboter.


    Auch wenn sich Isaac Asimovs Zukunftsvision nicht mit der Welt, in der wir heute leben, gleichsetzen lässt, sind seine Thematiken immer noch aktuell. Die Erdbevölkerung wächst weiter an – im Jahr 2100 sollen es knappe 11 Milliarden sein. Die Angst, dass irgendwann ein Roboter den eigenen Job ersetzt ist momentan weniger spürbar, doch verstärkter Einsatz von Robotern ist ein fortschreitender Prozess, der im Laufe der nächsten Jahrzehnte bestimmt noch an Bedeutung zunehmen wird. Dafür das dieser Roman also nun schon vor fast siebzig Jahren geschrieben wurde, hat er kaum etwas von seiner Aktualität verloren.

    Auch was den Schreibstil angeht, empfand ich beim Lesen, dass der Text gut gealtert ist. The Caves of Steel ließen sich für mich sehr flüssig lesen, insbesondere die Dialoge zwischen Elijah Bailey und seinem Roboterkollegen Olivaw stellten sich als sehr unterhaltsam heraus. Die Kombination dieser beiden Charaktere und ihr Vorgehen als Ermittlerduo war wirklich großartig und machte Spaß zu verfolgen.

    Die Geschichte lässt sich insgesamt als eine Mischung zwischen Krimi und Sci-Fi-Literatur beschreiben, wobei sich Isaac Asimov vor allem intensiv mit dem Thema Roboter auseinandersetzt. Intelligent und spannend geschrieben. 

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    Cover des Buches Der Tangospieler (ISBN: 9783518745526)

    Bewertung zu "Der Tangospieler" von Christoph Hein

    Der Tangospieler
    Gallert-Oktaedervor 6 Monaten
    Leider nicht mein Fall.

    Vor einer Weile fiel mir „der Tangospieler“ in die Hände, als ein Freund von mir und ich uns in der Münchner texxt-Buchhandlung gegenseitig ein Buch kauften. Es war also ein ziemlicher Zufall, dass ich überhaupt auf das Buch gestoßen bin.

    Die Handlung des Romans begleitet den ehemaligen Uni-Dozenten Dallow, der gerade aus einer 21-monatigen Haft entlassen wird. Durch die Zeit seiner Isolation vom gewöhnlichen Leben, findet er sich in einer ihm fremdgewordenen Umgebung wieder, in die es ihm schwerfällt, sich wieder einzufügen.

    Der Tangospieler ist stilistisch eine gut geschriebene Geschichte, ich konnte mich leider für die Handlung nicht begeistern. Insgesamt war mir der Protagonist zu unnahbar und was noch entscheidender ist- der Plot findet nicht zu einem wirklichen Höhepunkt. Die Erlebnisse reihen sich ohne besondere Spannungskurven aneinander. Das ist authentisch und beschreibt wie die Tage an dem Protagonisten vorbeiziehen, war aber nicht unbedingt mein Fall. Anderen Lesern mag der realistisch gehaltene Erzählstil von „Der Tangospieler“ durchaus zusagen.

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    Cover des Buches Last Winter We Parted (ISBN: 9781616954550)

    Bewertung zu "Last Winter We Parted" von Fuminori Nakamura

    Last Winter We Parted
    Gallert-Oktaedervor 6 Monaten
    "True desire is hidden"

    Yudai Kiharazaka war ein berühmter und ungemein talentierter Fotograph. Einige würden ihm sicher eine Obsession unterstellen. Mit seinen Bildern versuchte er die ganze Essenz eines Wesens einzufangen. Dann kommen zwei seiner Fotomodels bei Bränden ums Leben. Ihm wird Mord vorgeworfen und Kiharazaka wird zum Tode verurteilt. Doch hat er wirklich, ganz wie in der Geschichte Hell Screen, in der ein Maler seine eigene Tochter verbrennt, sie um die Kunst willen getötet?


    Ein angehender Schriftsteller trifft sich mit Yudai Kiharazaka und erklärt, dass er ein Buch über ihn schreiben möchte. Dann beginnt er damit das reichliche Fragen aufwerfende Umfeld des Künstlers zu untersuchen und befragen.




    Last Winter, We Parted startet mit einer recht dunklen Grundstimmung in die Geschichte. Das Gespräch zwischen dem Schriftsteller und Kiharazaka hat mich direkt in seinen Bann gerissen. Doch damit beginnt erst die Ergründung viel tieferer menschlicher Abgründe, die in diesem Roman thematisiert werden. Mit jeder Wendung der Erzählung wird es nur noch immer düsterer. Irgendwann hat man als Leser den Eindruck in einem unendlichen, schwarzen Schlund zu versinken.




    Handwerklich ist der Roman hervorragend geschrieben, genau wie die anderen Bücher Nakamuras. Auch gegen Ende bleiben bei dem teils verwirrendem und mysteriösem Plot keine Fragen offen. Der einzige Kritikpunkt für mich wäre die Darstellung des Schriftstellers, den man über den Großteil der Handlung hinweg begleitet. Hier hätte ich mir gewünscht etwas mehr über die Hintergründe seiner Person zu erfahren, die oftmals nur sehr vage angedeutet werden.


    Die Thematik des Buches selbst ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Man sollte sich schon im Vorfeld überlegen, ob man sich wirklich darauf einlassen möchte; ich muss auch zugeben, dass meine eigenen Nerven gegen Ende der Erzählung ziemlich blank lagen. Und trotzdem oder vielleicht auch deswegen war Last Winter, We Parted eines der faszinierendsten und spannendsten Bücher, die ich in letzter Zeit lesen durfte.

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    Cover des Buches Poe: Unheimliche Geschichten (ISBN: 9783869711676)

    Bewertung zu "Poe: Unheimliche Geschichten" von Edgar Allan Poe

    Poe: Unheimliche Geschichten
    Gallert-Oktaedervor 6 Monaten
    Kunstvoll illustrierte Kurzgeschichten Poes

    Diese Geschichtensammlung enthält drei von Edgar Allan Poes besten Kurzgeschichten, ausgewählt von Fjodor Dostojewski, der in einem Nachwort über die Besonderheiten des Schriftstellers spricht. Das Buch ist mit einem Farbschnitt und stimmungsvollen Illustrationen von Kat Menschik optisch sehr ansprechend gestaltet, was für mich bei dem kurzweiligen Lesevergnügen für zusätzliche Annehmlichkeiten sorgte.


    Das Buch enthält die Erzählungen: Das verräterische Herz, Der schwarze Kater und Der Teufel im Glockenturm und umfasst knappe 100 Seiten.


    Edgar Allan Poe hat ein Auge für Details, welche die beschriebenen Szenarien lebendig wirken lassen und ein Gespür dafür Stimmungen einzufangen. In seinen Geschichten beweist er sich als ein Meister der Erzählkunst.

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    Cover des Buches Sumerki (ISBN: 9783453317598)

    Bewertung zu "Sumerki" von Dmitry Glukhovsky

    Sumerki
    Gallert-Oktaedervor 7 Monaten
    Mystische "Reise" in die Welt der Maya

    Bedienungsanleitungen und Lieferverträge – die Aufträge des Übersetzers Dmitri Alexejewitsch sind selten besonders spektakulär. Alles ändert sich, als er die Arbeit zu einem historischen Reisebericht aus dem Spanischen erhält. Der Bericht spielt zur Zeit der Conquista in Südamerika und beschreibt eine Expedition in die Tiefen des Maya-Reiches. Schon zu Beginn wirkt der Auftrag ungewöhnlich, da er nicht den ganzen Text erhält, sondern die Übersetzungen immer kapitelweise zu bearbeiten und wieder abzugeben hat. Und so taucht er ein in die Geschichte dieser spanischen Reisegruppe, die sich durch den südamerikanischen Urwald durchschlägt, mit einem Ziel, dass zu Beginn nicht so recht klar zu werden scheint. Mehr und mehr beginnt ihn diese Arbeit zu faszinieren, während zugleich die im Bericht beschriebenen Geschehnisse eine immer mysteriösere Wendung nehmen.


    Die Geschichte in Sumerki wird parallel an zwei Schauplätzen erzählt. Zum einen in Moskau, wo man den Übersetzer Dmitri Alexejewitsch in seinem Leben und bei seiner Arbeit begleitet und zum anderen in der undurchdringlichen Selva, dem Regenwald durch den die Reisegruppe unterwegs ist und dabei mit allerhand Hindernissen zu kämpfen hat. Die historischen Berichte heben sich stilistisch deutlich vom Rest des Textes ab und es bedarf etwas Gewöhnung an die ungewöhnliche Schreibform. Persönlich konnte ich aber doch relativ schnell in sie einfinden und genoss es dann auch diese Abschnitte lesen zu können. 


    Sumerki ist eine genreübergreifende Erzählung, was das Setting angeht erst einmal völlig unterschiedlich zu Dmitri Glukhovskys Bestseller Metro 2033, aber dasselbe Gefühl in eine fremde Welt einzutauchen und sie zu erforschen hat man auch hier. In diesem Fall ist es die Welt der Maya die sehr facettenreich und spannend in diesem Roman präsentiert wird. Dazu gibt es einen Protagonisten, der sie zumindest in Buchform durchstreift und nach Antworten sucht. Auch ähnlich wie bei Artjoms Reise durch lichtlose U-Bahn-Tunnel dienen in Sumerki Moskau und Yucatán als Bühne um philosophische und politische Themen zu diskutieren, über Religion, Russland und den Tod. In diesem Sinne fühlt sich Sumerki an wie ein Wegbereiter zu Glukhovskys nächstem Standalone-Werk Future in der dieses Element bislang am stärksten ausgeprägt war.


    Insgesamt konnte ich mich sehr für dieses literarische Abenteuer begeistern! Die Maya und ihre Kultur sollten einen als Leser ansatzweise interessieren, wenn man sich überlegt diesen Roman zuzulegen. Ansonsten kann ich es jedem empfehlen, der Dmitri Glukhovskys Schreibstil zu schätzen weiß.

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    Cover des Buches Der Dieb (ISBN: 9783257243765)

    Bewertung zu "Der Dieb" von Fuminori Nakamura

    Der Dieb
    Gallert-Oktaedervor 7 Monaten
    Spannende Erzählung im Untergrund-Milieu Tokios

    Diese Geschichte über einen Taschendieb in Tokio beginnt erst recht ruhig. Ohne dass man viel über den Protagonisten erfährt begleitet man ihn, wie er sich einsam durch Menschenmengen bewegt und Wohlhabende um ihr Geld erleichtert. Sein Handwerk wird dabei von Fuminori Nakamura sehr authentisch und detailliert dargestellt. 


    "Die Wärme im Ladeninneren nutzte ich, um meine Finger in den Taschen zu bewegen, sie spreizend und dehnend geschmeidig zu halten. Das nasse Taschentuch, mit dem ich jeweils die Finger anfeuchtete, war immer noch kalt. Zeige- und Mittelfinger hatten fast die gleiche Länge. Ob das angeboren oder erst mit der Zeit so geworden war, weiß ich nicht. Leute, bei denen der Ringfinger länger ist als der Zeigefinger, benutzen Mittel- und Ringfinger. Einige beugen den Mittelfinger leicht nach innen und greifen mit drei Fingern zu. Wie bei allem, was sich bewegt, gibt es auch für das Herausfischen eines Portemonnaies eine ideale, harmonisch fließende Bewegung."


    Die Darstellung düsterer, durch ihre Lebensumstände gezeichneter Antihelden ist eine Meisterschaft Fuminori Nakamuras; eine Vorliebe die angesichts seiner literarischen Inspirationen Dostojewski und Kafka kaum verwunderlich ist. Der Dieb, der einen als Ich-Erzähler durch das Geschehen leitet ist ein Außenseiter der Gesellschaft, der sein Geld mit kriminellen Geschäften erwirbt – und dennoch wird er dem Leser im Laufe der Geschichte schnell sympathisch. Vielleicht weil er trotz allem Prinzipien besitzt, denen er folgt und sich auch für andere Menschen einsetzen kann.


    Wie gesagt beginnt der Roman eher ruhig, nach und nach lernt man den Protagonisten und seine Vergangenheit näher kennen. Man erfährt, warum er Tokio verlassen musste. Doch nun, einige Zeit später, ist er wieder dorthin zurückgekehrt. Und es kommt für ihn schließlich wie es kommen muss. Seine Vergangenheit holt ihn wieder ein. 


    Ein kurzer, doch großartig geschriebener Roman aus Fuminori Nakamuras Bibliographie, von der bislang leider nur ein Bruchteil ins Deutsche übersetzt werden konnte. Ich habe nun innerhalb weniger Monate Der Revolver, Die Maske und Der Dieb von ihm gelesen. Alles Werke, die mich auf die eine oder andere Art begeistern konnten. Ich hoffe darauf, dass der Diogenes Verlag uns in Zukunft noch viele weitere Werke dieses talentierten Schriftstellers präsentieren wird.

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    Cover des Buches Clockwork Orange (ISBN: 9783608939903)

    Bewertung zu "Clockwork Orange" von Anthony Burgess

    Clockwork Orange
    Gallert-Oktaedervor 8 Monaten
    Kann das Böse im Menschen ausgelöscht werden?

    Durch die Verfilmung von Stanley Kubrick 1971 weltweit bekannt geworden, ist die Thematik von Anthony Burgess‘ Clockwork Orange nach wie vor unverbraucht. Alex, der nachts mit seinen Droogs um die Häuser zieht, wehrlose Männer verprügelt, Frauen vergewaltigt, Raubzüge plant und sich mit anderen Gangs prügelt, gerät schließlich in die Hände der Staatsgewalt. Ein Experiment soll an ihm durchgeführt werden, welches das Böse in ihm abtöten soll. Jedes Mal, wenn er auch nur daran denkt in irgendeiner Form eine Gewalttat auszuüben, wird ihn eine gewaltige Übelkeit befallen, die ihn ohnmächtig und hilflos in seinem Handeln macht. Ist es in Ordnung in die Willensfreiheit des Menschen einzugreifen, damit er der Gesellschaft nicht mehr zur Last fällt? Oder liegt in diesem Eingriff nicht ein viel unmenschlicheres Böse, dass den Menschen dazu bringt gegen die eigene Natur zu handeln? Es ist ein kontroverses Thema, dass zu Burgess‘ Zeiten damals gerade diskutiert wurde. Seine Gesellschaftskritik besitzt bis heute Aktualität und zwingt den Leser sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.  

    In dieser Neuübersetzung von Ulrich Blumenbach findet sich neben dem Roman selbst ein ausführlicher Anhang. Hier bespricht Burgess unter anderem das Nadsat, die an das Russische angelehnte Kunstsprache, die die ganze Handlung durchtränkt, seine Haltung zu Gewalt, die Entstehungsgeschichte des Buches und warum die Verfilmung ein anderes Ende nahm, als seine Vorlage. Sehr interessant für alle die sich nach dem Lesen von Clockwork Orange intensiver mit den Inhalten des Romans und dem Autor auseinandersetzen möchten.

     Man kann durchaus geteilter Meinung zum Inhalt von Clockwork Orange sein. Doch der Vorwurf es würde sich hier nur um eine sinnlose Gewaltorgie handeln, ist aus der Luft gegriffen. Anthony Burgess, der ein sehr pazifistisch lebender Mensch ist, schreibt hier einen Roman, der uns zum Nachdenken anregt über das menschliche Wesen und unsere Gesellschaft.

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    Cover des Buches Die Maske (ISBN: 9783257070217)

    Bewertung zu "Die Maske" von Fuminori Nakamura

    Die Maske
    Gallert-Oktaedervor 8 Monaten
    Eine Wanderung durch die Abgründe der menschlichen Psyche

    Fuminori Nakamura entwickelt sich immer mehr zu einem meiner Lieblingsschriftsteller. Vom ersten Satz seiner Erzählung an, hat mich diese Geschichte in ihren Bann gerissen.


    „Was ich dir zu sagen habe, wird für dein Leben von großer Bedeutung sein.“


    Der elfährige Fumihori, das jüngste Kind der mächtigen Kuki-Familie wird von seinem alten Vater zu sich gerufen. Dieser eröffnet ihm, was er für das Leben seines Sohnes vorgesehen hat.


    „Ich will ein Geschwür in die Welt setzen. Unter meiner Obhut wirst du zu diesem Geschwür heranwachsen. Ein Stachel des Bösen, sozusagen.“


    Fuminori Nakamura offenbart in Die Maske sein ganzes schriftstellerisches Können. Über 350 Seiten fühlte ich mich so, als steckte ich in der Haut des Hauptprotagonisten und fieberte mit ihm mit, ob er seinem scheinbar in Stein gemeißelten Schicksal zu entrinnen vermag oder nicht. Eines Tages soll er mit seinen Taten die ganze Welt ins Verderben stürzen. Und der Schlüssel dazu wird ihm von seinem Vater, dessen übermächtige, drohende Präsenz die Buchseiten förmlich durchdringt gleich mitgegeben. Das Waisenmädchen Kaori, in das sich der junge Fumihiro verliebt.

    Die Maske ist ein beeindruckendes erzählerisches Meisterstück, indem das Wesen des Bösen unter einer neuen Perspektive betrachtet wird und beleuchtet wird in wieweit Mord die Natur des Menschen auf ewig verändert.

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    Cover des Buches The War of the Worlds (ISBN: 9783150199510)

    Bewertung zu "The War of the Worlds" von H. G. Wells

    The War of the Worlds
    Gallert-Oktaedervor 8 Monaten
    Science-Fiction Frühwerk von beeindruckender Imagination

    1898 erschienen ist The War Of The Worlds eines der ersten literarischen Werke, dass eine Alien-Invasion thematisiert. H.G.Wells beschreibt ein düsteres Zukunftsszenario, dass in Form eines Berichts aus der Zeit nach der Invasion erzählt wird. Das Erkalten des Mars hat zur Folge, dass die dort lebende Spezies plant Fuß auf die Erde zu setzen. Mehrere fremdartig anmutende zylindrische Kapseln werden auf England abgefeuert. Aus diesen wagen sich bald die Außerirdischen mitsamt ihren monströsen Maschinen heraus und es stellt sich heraus, dass ihre Absichten alles andere als friedlich aussehen… 

    The War Of The Worlds ist ein faszinierendes Gedankenexperiment, indem H.G. Wells ausgiebig versucht zu ergründen, wie eine Alien-Invasion und die daraus resultierenden Konsequenzen aussehen könnten. Dabei nimmt er sich viel Zeit die Aliens und die Reaktion der englischen Bevölkerung auf die hereinbrechende Bedrohung zu beschreiben. Seine Ideen dabei zeugen von einer ausgeprägten Vorstellungskraft, gerade wenn man sich als Leser vor Augen hält, dass das Buch im 19. Jahrhundert veröffentlicht wurde. 

    Die Geschichte selbst tritt in diesem Zukunftsszenario eher in den Hintergrund. Ein namenloser erzählender Protagonist beobachtet die Invasion und versucht sich irgendwie durchzuschlagen. Eine nähere Beleuchtung seines Charakters wie auch bei anderen auftretenden Nebenfiguren wie einem Priester oder einem Soldaten findet nicht statt. Die Personen verkörpern eher Ideen und Geisteshaltungen oder dienen schlichtweg als Beobachter des Szenarios, als dass es sich um echte Individuen handelt. 

    Insgesamt war das Zukunftsszenario, das The War Of The Worlds präsentiert spannend und gedankenanregend. Schade fand ich nur keinerlei Bezug zur namenlosen Hauptfigur herstellen zu können, der man immerhin lange Zeit zur Seite steht und die auch eine Art von Geschichte erlebt. Zum Schreibstil selbst kann ich nicht allzu viel sagen. Ich habe leider den Fehler begangen zu einer englischen Reclam-Ausgabe zu greifen, was sich durch den älteren Sprachgebrauch und das generelle Layout als recht anstrengend zu lesen erwiesen hat. Das soll aber nicht in die Bewertung eingehen. In meinen Augen hat sich The War Of The Worlds mit seinen visionären Ideen seine Betitelung als Science-Fiction-Klassiker redlich verdient.

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    • 14.07.2019

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