Havers

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    Cover des Buches Das Windsor-Komplott (ISBN: 9783426227404)

    Bewertung zu "Das Windsor-Komplott" von S J Bennett

    Das Windsor-Komplott
    Haversvor einem Tag
    Konventionell gestrickte Wohlfühllektüre

    Lust auf einen englischen Cozy-Krimi? Dann ist „Das Windsor-Komplott“ genau die richtige Lektüre. Bereits der Untertitel „Die Queen ermittelt“ lässt vermutlich schmunzeln, denn bereits die die Vorstellung, dass Queen Elizabeth II. in die Fußstapfen eines Sherlock Holmes treten könnte, erscheint doch recht absurd. Einen wachen Verstand mag sie ja trotz ihres hohen Alters haben, und die nötige Zeit für kriminalistische Unternehmungen sollte ja auch kein Problem sein, aber schon wegen ihres Bekanntheitsgrades sind verdeckte Ermittlungen mit Sicherheit kaum durchführbar. Aber dafür hat sie ja ihre Privatsekretärin Rozie sowie zahlreiche Bedienstete, die sie mit scharfem Verstand das ein um das andere Mal auf die richtige Fährte schickt.

    Nun ja, wer das Genre mag und eine Vorliebe für die eher harmlosen Krimis à la Barnaby hat, ist mit diesem Buch gut bedient. Mein Fall war es nicht wirklich. Die Autorin hat sich bemüht, keine Frage, aber die Handlung war oberflächlich, strotzt vor Klischees, das geschilderte Leben in Windsor Castle entspricht eher den Vorstellung der Klatschpresse und hat mit dem zugigen, verstaubten Kasten mit Sicherheit wenig gemein. Einzig die Stellen, an denen Lizzy als Privatperson durchscheint - als Ehefrau (hier köstlich: der Prinzgemahl) oder als Omi -stechen aus dieser konventionell gestrickten Wohlfühllektüre heraus und verleihen ihr einen gewissen Charme.

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    Cover des Buches Die neue Nebenbei-Diät (ISBN: 9783747103296)

    Bewertung zu "Die neue Nebenbei-Diät" von Elisabeth Lange

    Die neue Nebenbei-Diät
    Haversvor einem Tag
    Kurzmeinung: Neues Kleid für Altbekanntes
    Neues Kleid für Altbekanntes

    Alle Jahre wieder steigt die Zahl der Diätwilligen nach dem Jahreswechsel steil an, auch wenn die wenigsten die „guten Vorsätze“ tatsächlich durchhalten. Gründe dafür sind unrealistisch gesteckte Ziele, Frustrationen über langsame Fortschritte und nicht zuletzt aufwendige oder kostenintensive Diätpläne, die sich nur schwer in den Alltag integrieren lassen.

    In diesem Ratgeber nimmt die Autorin die unterschiedlichsten Diäten unter die Lupe, das reicht von Formula-Diäten, über Atkins bis hin zu Fastenwochen. Aber halt, da war doch noch etwas, ein Programm, das den Namen „Programm“ eigentlich nicht verdient, da es nur den zeitlichen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen die Nahrungsaufnahme erlaubt ist , kaum Verbote ausspricht, aber dennoch Gewichtsverlust verheißt. Eine Diät, die man einfach so nebenbei durchziehen kann mit Namen „Intervall-Fasten“.

    Hört sich auf den ersten Blick gut an, doch ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie die Autorin anschaulich erläutert. Aber machen wir uns nichts vor, auch wenn es kaum Verbote gibt, muss dennoch die Kalorienzufuhr im Blick behalten und unterstützend Sport/Bewegung in den Tagesablauf integriert werden. Das war’s dann auch schon, nichts Neues für diejenigen, die sich mit der Thematik bereits auseinandergesetzt haben.

    Ein entbehrlicher Ratgeber, der bestenfalls für Menschen taugt, die sich erstmals mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen und die ersten Schritte Richtung Gewichtsreduktion unternehmen. Für alle anderen völlig überflüssig.

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    Cover des Buches Die Gräber der Verdammten (ISBN: 9783596704941)

    Bewertung zu "Die Gräber der Verdammten" von Christopher J. Sansom

    Die Gräber der Verdammten
    Haversvor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Historisch, politisch und spannend - für mich mit Abstand das bisher beste Buch der Shardlake-Reihe. Lesen. Unbedingt!
    Historisch, politisch und spannend - für mich mit Abstand das bisher beste Buch der Shardlake-Reihe.

    C. J. Sansoms Reihe um Matthew Shardlake, den buckligen Anwalt, der seinen Geschäften im England der Tudorzeit nachgeht, verfolge ich seit Beginn mit Interesse und zunehmender Begeisterung, zeichnen sich diese Kriminalromane doch durch historische Akkuratesse und lebendige, stimmungsvolle Beschreibungen aus, die in spannende Handlungen eingebettet sind.

    Im nunmehr siebten Band „Die Gräber der Verdammten“ befinden wir uns im Jahr 1549. Heinrich VIII. ist tot, sein Nachfolger, der elfjähriger Edward VI. wird in Regierungsgeschäften von dem ehrgeizigen Herzog von Somerset vertreten. Das Land versinkt im Chaos. Engländer kämpfen seit Jahren gegen Schotten („Rough Wooing“, 1543 – 1551), Protestanten gegen Katholiken, die Wirtschaft bricht zusammen. Das Geld verliert täglich an Wert, die Menschen hungern. Wer Schafe hat, kann sich freuen, denn der Export von Wolle boomt. Profiteure sind die meist adligen Großgrundbesitzer, die ihre Weideflächen dadurch vergrößern, indem sie sich Gemeindeland aneignen und einzäunen, Land, das üblicherweise den Kleinpächtern zur Verfügung stehen sollte.

    In Norfolk, der führenden Region für die Schafzucht und Wollverarbeitung, macht sich Unmut breit, die Bauern rebellieren und reißen die Einfriedungen nieder, auch die Zäune auf dem Land des Freibauern Robert Kett. Aber anders als erwartet schlägt er sich auf ihre Seite und wird zu ihrem Anführer. Die anfänglichen Erfolge sind trügerisch, denn die königliche Armee schlägt mit Macht zurück. Kett wird gefangen genommen, wegen Hochverrat angeklagt und zum Tod durch Erhängen verurteilt und schließlich am 7.12.1549 in Norwich hingerichtet.

    Diese Ereignisse bilden den historischen Hintergrund für den Todesfall, den Shardlake, mittlerweile in Diensten der jungen Elizabeth (später Königin Elizabeth I.), genauer unter die Lupe nehmen soll. Ein entfernter Verwandter wird des Mordes an seiner Ehefrau beschuldigt und steht in Norwich vor Gericht. Gemeinsam mit seinem Helfer Nicholas macht sich Shardlake auf den Weg gen Norden. Dort treffen sie überraschenderweise auf Jack Barak, den ehemaligen Assistenten des Anwalts, der den beiden bei ihren Nachforschungen behilflich ist, die sie nicht nur in die adelige Gesellschaft sondern auch mitten hinein in das Lager von Ketts Rebellen führen. Barak schließt sich ihnen an, Nicholas wendet sich gegen sie, und zwischen beiden Lagern steht Shardlake, der unfreiwillig zum Verbündeten von Robert Kett wird.

    983 Seiten, gespickt mit historischen Fakten, eingearbeitet in einen hochspannenden Kriminalfall. Zu keinem Zeitpunkt langatmig, im Gegenteil. Mit anhaltendem Interesse verfolgt der/die Leser/in den Fortgang der Handlung, hoffend, dass der Protagonist den Geschehnissen, die sich komplett seinem Einflussbereich entziehen, mit heiler Haut entkommen und den Mordfall aufklären kann. Historisch, politisch und spannend - für mich mit Abstand das bisher beste Buch der Shardlake-Reihe. Lesen. Unbedingt!

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    Cover des Buches Dark (ISBN: 9783518471012)

    Bewertung zu "Dark" von Candice Fox

    Dark
    Haversvor 7 Tagen
    Verspricht viel und hält wenig

    Ob „Dark“, der neue Thriller aus der Feder der australischen Autorin Candice Fox , ausgebildet in der Patterson’schen Schreibwerkstatt, den Auftakt einer neuen Reihe bildet, steht noch dahin, ist aber zu vermuten, denn die englische Ausgabe trägt im Titel den Zusatz „Jessica Sanchez 1“.

    Worum geht es? Vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und alle miteinander auf irgendeine Art verbunden sind: Blair, die Ärztin, die ihre Gefängnisstrafe wegen Totschlag abgesessen hat und nun auf Bewährung ist. Jessica, die Polizistin, die sie damals verhaftete und nun wegen ihrer erwarteten Millionenerbschaft von ihren Kollegen gemobbt wird. Ada, die Gang-Chefin, in Knastkreisen bestens bekannt. Und Sneak, die drogenabhängige Prostituierte und Ex-Zellengenossin von Blair, die auf der Suche nach ihrer spurlos verschwundenen Tochter ist und Hilfe bei Blair sucht. „Zusammen sind sie die einzige Hoffnung eines vermissten Mädchens“, so der Klappentext. Nur dass es ein „zusammen“ nicht wirklich gibt, ein Team nicht zu erkennen ist, weil jede der vier Frauen ihre eigenen Pläne hat.

    Nun ja, aus dieser Ausgangslage könnte man eine spannende Story entwickeln, aber Fox vergibt diese Chance, was in erster Linie ihrer distanzierten und emotionslosen Schreibe und einer banalen Handlung geschuldet ist. Daraus entsteht ein langatmiger und konstruiert wirkender „Ja-was-nun?“ ohne Thrillerpotenzial, aufgefüllt mit überflüssigen Details, ohne bemerkenswerte Handlungsfortschritte und mit einem vorhersehbaren Ende. Die Folgebände werde ich mir definitiv nicht antun. Wie dieses Buch auf Platz 1 der Krimibestenliste landen konnte, ist mir ein Rätsel.

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    Cover des Buches Greenfeast: Herbst / Winter (ISBN: 9783832199746)

    Bewertung zu "Greenfeast: Herbst / Winter" von Nigel Slater

    Greenfeast: Herbst / Winter
    Haversvor 8 Tagen
    Ein alltagstaugliches Jahrezeiten-Kochbuch

    Mein „Erstkontakt“ mit Nigel Slater liegt schon viele Jahre zurück. Bei einem England-Besuch stolperte ich in der Wochenendausgabe des „Observer“ (mittlerweile dem „Guardian“ angeschlossen) über seine Kolumne, in der er nicht nur Rezepte veröffentlichte sondern auch noch seine emotionale Verbundenheit mit diesen Gerichten beschrieb. Seine Artikel lese ich noch immer, freue mich aber auch darüber, dass es die Rezepte in deutscher Übersetzung seit einigen Jahren gesammelt in seinen Kochbüchern gibt. Dabei sieht man, dass diese Rezeptsammlungen auch ein Stück weit die Veränderungen widerspiegeln, die das Koch- und Essverhalten im Lauf der Jahre durchlaufen hat.

    Für all diejenigen, die wie Nigel Slater weniger Fleisch auf dem Teller möchten, bieten die beiden Greenfeast-Bücher jede Menge Anregungen. Während in dem ersten Band „Frühjahr/Sommer“ die Erzeugnisse des Gartens eher „leicht“ verarbeitet werden, stehen in dem vorliegenden “Greenfeast Herbst/Winter“ herzhafte und wärmende Suppen, Kuchen oder Eintöpfe mit kohlenhydratreichen Zutaten auf dem Speiseplan, die oft unter Zuhilfenahme des Backofens zubereitet werden und allesamt vegetarisch sind.

    Die Einteilung startet mit dem Grundrezepte für das klassische englische Porridge und einer dunklen, vielseitig einsetzbaren Gemüsebrühe. Danach folgen die Kapitel „Aus der Pfanne“, „Auf Toast“, „Im Ofen“, „Auf dem Teller“, „Mit einer Kruste“, „Mit dem Schöpflöffel“, „Auf dem Herd“ und „Zum Nachtisch“, meist für zwei Esser, einige aber auch für 4 Personen ausgelegt. Eine Unterteilung, die sich bei der Suche nach einem Rezept eher zur Inspiration als zu einem konkreten Anlass eignet.

    Die Zutaten sind weitestgehend in jedem Supermarkt erhältlich, selbst Tahin oder die frischen Kräuter gibt es mittlerweile beim Discounter, und außerdem gibt es sehr oft Hinweise zu Ersatzmöglichkeiten. Und auch wenn manche Kombinationen auf den ersten Blick exotisch erscheinen mögen, schlussendlich überzeugt deren Zusammenspiel auf der Zunge. Die Zubereitung der Gerichte ist detailliert beschrieben, unkompliziert und deshalb auch von unerfahrenen Hobbyköchen zu leisten. Nicht zu vergessen, der zeitliche Aufwand ist überschaubar, stundenlange Vorbereitungen sind nicht erforderlich. Und damit man sich eine Vorstellung davon machen kann, was einem erwartet, gibt es zu jedem Rezept ein ehrliches Foto ohne Effekthascherei.

    Ein alltagstaugliches Jahreszeiten-Kochbuch mit durchgängig vegetarischen Rezepten, die die Geschmacksvielfalt und den Genuss in den Mittelpunkt stellen.

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    Cover des Buches Heißes Blut (ISBN: 9783958902381)

    Bewertung zu "Heißes Blut" von Un-Su Kim

    Heißes Blut
    Haversvor 10 Tagen
    In der Sinnkrise

    „Heisses Blut“ ist nach „Die Plotter“ der zweite Band der Abscheu-Trilogie des südkoreanischen Autors Un-Su Kim. Abscheu deshalb, weil die Protagonisten ihr Sein reflektieren. Die Welt, in der sie leben und ihr eigenes Handeln verachten. Die Welt, das ist die Hafenstadt Busan, eine Metropole, in der Verbrecherbanden das Leben und Sterben kontrollieren, und dessen heruntergekommenes fiktives Viertel Guam den Hintergrund für diesen Thriller bildet. Dort geht Vater Son seinen Geschäften nach, unterstützt von seiner rechten Hand Huisu, durch dessen Augen wir auf diesen Mikrokosmos blicken.

    Huisu, in der Mitte des Lebens angekommen, zieht Bilanz, und die ist ernüchternd. Obwohl seine Position innerhalb der Hierarchie gesichert ist, gibt es nichts, auf das er stolz sein könnte. Er hat keine Familie, lebt ein einsames Leben und ist bis über beide Ohren verschuldet. Und es sind schlussendlich diese Schulden und sein „heisses Blut“, die ihn zu einer unüberlegten Handlung verleiten und das gewachsene Gefüge von Busans Unterwelt erschüttern.

    Un-Su Kim, geboren in einem Flüchtlingsdorf in den Slums von Busan und dort in bitterer Armut aufgewachsen, führt uns ein Milieu vor Augen, in dem die Menschen kaum Wahlmöglichkeiten haben, wenn es darum geht, das Überleben zu sichern. Eine geschlossene Gesellschaft, in der Patriarchen wie Vater Son die Vaterrolle übernehmen und sich um ihre „Kinder“ kümmern, ihnen ihren Platz zuweisen, den diese nicht in Frage stellen. Im Gegenzug wird dafür bedingungslose Loyalität erwartet.

    „Heisses Blut“ ist spannend, teilweise hart in den Schilderungen, eher Drama als Thriller, verhaftet in der Tradition der Noir-Romane. Mit einem Protagonisten, der sowohl seine Position in diesem hierarchischen Gefüge als auch die Möglichkeiten, die ihm für sein weiteres Leben noch bleiben, betrachtet. Der Autor beschreibt einerseits akribisch und mit einer großen Portion Melancholie das Innenleben seiner Figur, zeigt aber auch andererseits an dessen Werdegang ein gesellschaftliches Gefüge auf, in dem so manchem keine Wahl bleibt, wenn es ums Überleben geht. Lesen!

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    Cover des Buches Böses Blut (ISBN: 9783764507688)

    Bewertung zu "Böses Blut" von Robert Galbraith

    Böses Blut
    Haversvor 15 Tagen
    Ganz großes Kino, Mrs Rowling!

    Wir schreiben das Jahr 2014. Vierzig Jahre ist es her, seit die Mutter, Ehefrau und Ärztin Margot Bamborough spurlos verschwunden ist. Es gibt keinen Hinweis auf ihren Verbleib, und auch ihre Leiche ist seither nicht aufgetaucht. Eine Ungewissheit, die quälend für die Hinterbliebenen ist. Ihre Tochter, damals gerade ein Jahr alt, spricht Cormoran Strike in einem Pub während seines Familienbesuches in Cornwall an und bittet ihn, sich den Fall nochmals anzuschauen. Eher zögernd nimmt er den Auftrag an und beginnt gemeinsam mit Robin Ellacott diesem Cold Case neu aufzurollen.

    Es gestaltet sich schwierig, denn es gibt kaum brauchbares Material, auf das die beiden Privatdetektive zurückgreifen können. Der damals für diesen Fall verantwortliche Ermittler hatte offenbar massiv mit psychischen Problemen zu kämpfen. Heillos überfordert verstieg er sich in astrologischen Hirngespinsten, seine Notizen wirr und kaum aussagekräftig. Die damaligen Zeugen müssen erneut befragt werden, ihre Aussagen sind widersprüchlich und helfen auf den ersten Blick auch nicht weiter. Strike und Ellacott müssen bei Null anfangen, und der Leser begleitet sie bei jedem Schritt, 1200 Seiten bis zur Auflösung.

    Wer nun glaubt, das wäre eine geschwätzige Story mit vielen Längen, irrt, denn hier zeigt sich einmal mehr die Qualität, die Rowlings Schreiben ausmacht. Sie kreiert in diesem überaus komplexen Plot ein spannendes Szenario mit unglaublich vielen Handlungssträngen sowie erwarteten und unerwarteten Wendungen (höchst interessanten Personen, Familiengeschichten, zeitgeschichtlichen Kommentaren und nicht zuletzt die Beziehung der beiden sympathischen Protagonisten), das den Leser tief in das Strike/Ellacott-Universum eintauchen und zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lässt. Der Leser nimmt an den Ermittlungen teil, verfolgt Spuren, verwirft seine Schlüsse, verzweifelt an der Vielzahl der Möglichkeiten und wartet gespannt auf die Entlarvung des Täters. So und nicht anders muss ein spannender Kriminalroman sein. Ganz großes Kino, Mrs Rowling!

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    Cover des Buches Lange Nacht (Darktown 3) (ISBN: 9783832181437)

    Bewertung zu "Lange Nacht (Darktown 3)" von Thomas Mullen

    Lange Nacht (Darktown 3)
    Haversvor einem Monat
    Historischer Kriminalroman mit Mehrwert

    Thomas Mullens Darktown-Trilogie ist mit dem abschließenden Band „Lange Nacht“ im Jahr 1956 angekommen. Es brodelt in Atlanta, nicht zuletzt, weil sich mittlerweile eine Bürgerrechtsbewegung formiert hat, angeführt von einem charismatischen jungen Pastor, Martin Luther King, der dazu aufruft, mit gewaltfreien Mitteln das Ende der Rassentrennung herbeizuführen. Zwar können die Aktivisten erste kleine Erfolge verbuchen, doch prinzipiell hat sich an der Lage der Schwarzen in den Südstaaten nicht verändert. Noch immer müssen sie sich tagtäglich mit Vorurteilen auseinandersetzen, werden in ihren Möglichkeiten eingeschränkt.

    Die Protagonisten sind aus den vorherigen Bänden bekannt: Joe McInnis, seit acht Jahren Leiter von Atlantas „Negro Police“, der einzige Weiße in der Truppe. Lucius Boggs, Sohn eines Predigers und seit Beginn Teil von McInnis‘ Team, und Tommy Smith, mittlerweile aus dem Dienst ausgeschieden und nun Polizeireporter bei der Atlanta Daily Times, der einzigen schwarzen Tageszeitung Amerikas. Als er Bishop, seinen Chef, tödlich verletzt im Büro auffindet, alarmiert er McInnis, den einzigen Polizisten, dem er traut, denn er ist sich dessen sicher, dass allein schon die Hautfarbe reicht, um verdächtigt zu werden. Dass er damit richtig liegt, zeigt sich spätestens dann, als sich das FBI in die Ermittlungen einmischt. Offenbar war Bishop einer brisanten Story auf der Spur, deren Enthüllung mit aller Macht verhindert werden sollte. Und plötzlich sind nicht nur Bundesagenten sondern auch korrupte Schnüffler und politische Gruppierungen aus den verschiedensten Gründen an dem Fall interessiert...weiter in den Kommentaren

    „Lange Nacht“ ist mehr als ein historischer Kriminalroman. Natürlich ist dieser Blick zurück ein Stück Zeitgeschichte, aber gleichzeitig auch eine aktuelle gesellschaftspolitische Bestandsaufnahme des amerikanischen Alltags. Und das betrifft nicht nur die Südstaaten, was einmal mehr die jüngsten Ereignisse in den USA beweisen. America the beautiful und Land of the Free ? Das gilt offenbar nur für diejenigen, die eine weiße Hautfarbe haben. Alle anderen haben mit einer Realität zu kämpfen, in der Diskriminierung, Behördenwillkür und Polizeibrutalität an der Tagesordnung sind. Mullens Trilogie zeigt uns in erschreckender Weise die moralische Verkommenheit eines Landes, das durch tief verwurzelten Rassismus geprägt ist, inklusive der dazugehörigen politischen Interessen und Einflussnahmen. Und das hat sich seit 1948 bis heute kaum verändert.

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    Cover des Buches all‘orto (ISBN: 9783039020836)

    Bewertung zu "all‘orto" von Claudio Del Principe

    all‘orto
    Haversvor einem Monat
    Ein Kochbuch, das Lust auf Gemüse macht

    Claudio del Principe ist nicht nur ein Koch sondern auch ein Purist, der unsere Geschmacksknospen wieder empfänglich für die einfachen Genüsse machen möchte. Bewiesen hat er das in seinen bisher erschienen Kochbüchern „a casa“, „al forno“ und „a mano“, allesamt höchst empfehlenswert. Nun also „all‘ orto“, in dem er das Hauptaugenmerk auf die Erzeugnisse des Gemüsegartens lenkt.

    Vorausschicken sollte man aber auch noch, dass er ein Verfechter des Slow Food-Kochens ist d.h. kurz mal auf die Schnelle ein paar Zutaten zusammengerührt ist nicht sein Stil. Man sollte sich Zeit nehmen, nicht nur zum Essen sondern auch zum Kochen, was mit Sicherheit für den einen oder anderen problematisch ist. Und auch die Beschaffung der Zutaten, oft nur in Italien weit verbreitet, ist nicht immer einfach, vor allem dann, wenn man keine gut sortierten Läden oder Märkte vor der Haustür hat, sondern nur in den üblichen Supermärkten einkaufen kann. Wir haben glücklicherweise einen gut sortierten Hofladen, der zur Saison die meisten der vorgestellten Gemüse vorrätig hat. Im besten Fall hat man natürlich einen eigenen Garten, in dem man die eher schwer zu beschaffenden Gemüsesorten selbst anbaut.

    Del Principe nimmt uns mit in den Garten und zeigt uns Rezepte, die quer durch dessen Vielfalt führen. Die Ordnung ist alphabetisch, von Artischocke bis Zwiebel ist alles vorhanden. Im Mittelpunkt des Rezepts steht das jeweilige Gemüse, zu Beginn kurz einleitend und mit schönen Fotos vorgestellt. Besondere Fähigkeiten für die Zubereitung werden nicht vorausgesetzt, der Zeitaufwand variiert von „geht schnell“ bis hin zu „ist unter der Woche kaum zu realisieren“. Inspiriert von der italienischen Küche wechseln sich alltagstaugliche, bodenständige und saisonale Gerichte mit eher überflüssigen, weil kapriziösen und immens zeitaufwändigen Rezepten, insbesondere bei den Rote Bete, ab. Diese vermitteln eher den Eindruck von dekorativem Beiwerk, so dass der Teller dann weniger wie ein Mittagessen als vielmehr wie ein ambitioniertes Gesamtkunstwerk daherkommt.

    „All’orto“ macht Lust auf Gemüse, ist aber mit Sicherheit nicht für jeden Hobbykoch geeignet. Dennoch, es ist eine Empfehlung für all diejenigen, die Freude am Kochen haben und sich dafür auch gerne etwas mehr Zeit nehmen, sei es bei der Beschaffung, aber auch bei der Zubereitung der erforderlichen Zutaten.

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    Cover des Buches Real Tigers (ISBN: 9783257300802)

    Bewertung zu "Real Tigers" von Mick Herron

    Real Tigers
    Haversvor einem Monat
    Ein uneingeschränktes Lesevergnügen

    Gleich zu Beginn ein Geständnis: Ich bin kein Fan von Spionagethrillern. Deshalb wundere ich mich darüber, dass mir Mick Herrons Reihe mit Jason Lamb und seinen „Slow Horses“ solch großen Spaß macht, ich das Erscheinen der nachfolgenden Bände kaum erwarten kann und sie deshalb auch im Original lese.

    Die Kenntnis der beiden Vorgänger ist nicht zwingend erforderlich, um dieses Buch genießen zu können, deshalb hier nur eine kurze Zusammenfassung: Die „Slow Horses“ sind ein Team von ehemaligen Agenten des MI5, die entweder bei ihren Einsätzen gravierende Fehler gemacht haben oder wegen persönlicher Probleme für den britischen Geheimdienst nicht mehr tragbar sind. Entlassen kann man sie nicht, also wurden sie weit ab vom Schuss im „Slough House“, deshalb auch „Slow Horses“, untergebracht und verbringen dort ihre Tage mit langweiligen und völlig überflüssigen Routinearbeiten. Die Leitung hat Jackson Lamb, ein unkultivierter, nicht teamfähiger Ehemaliger mit üblen Manieren, aber einem messerscharfen Verstand. Soweit zu den Rahmenbedingungen.

    Nach den „Dead Lions“ bekommen es die Slow Horses nun mit „Real Tigers“ zu tun, die ihre Krallen ausfahren und die Macht sowohl im Geheimdienst als auch im Land an sich reißen wollen. Zum einen sind da Ingrid Tearney, noch Leiterin des MI5, und Diana „Lady Di“ Taverner, die diese mit hinterhältiger Höflichkeit von ihrem Posten verdrängen möchte, zum anderen Peter Judd, der neue Innenminister, der in Downing Street 10 einziehen möchte. Ein machiavelistischer Strippenzieher, dessen Charakterisierung jedem Vergleich mit Boris Johnson standhält.

    Und was hat das mit den Slow Horses zu tun? Nun, Catherine, trockene Alkoholikerin und diejenige aus Slough House, die Lamb am nächsten ist, wird von einem ehemaligen Weggefährten entführt. Einer ihrer Kollegen erhält den Auftrag, ein geheimes Dossier im Austausch für Catherine zu beschaffen, was allerdings in einem Desaster endet. Aber Lamb wäre nicht der schlaue Fuchs, der er zweifelsfrei ist, wenn er die Manipulationen seines Teams und die Hintergründe nicht durchschauen würde.

    Das Buch ist eine gelungene Mischung aus spannendem Spionagethriller und ätzender Satire, das nicht mit gelungenen Seitenhieben auf die britischen Politiker geizt. Die Personen sind allesamt außergewöhnlich, interessant und stimmig charakterisiert, obwohl man keine davon zum Freund haben möchte. Außerdem kann Herron mit Sprache umgehen, seine Formulierungen sind treffend und intelligent, und auch das macht nicht nur „Real Tigers“ sondern die gesamte Reihe zu einem uneingeschränkten Lesevergnügen.

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