Herbstrose

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    Cover des Buches Lebensgeister (ISBN: 9783257300420)

    Bewertung zu "Lebensgeister" von Banana Yoshimoto

    Lebensgeister
    Herbstrosevor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Eine warmherzig erzählte Geschichte von der Gnade, aber auch der Last zu überleben.
    Beständig ist nur das Nichts …

    Zuvor waren sie noch beim Baden in einer heißen Quelle und hatten viel Spaß, dann kam der Autounfall – die achtundzwanzigjährige Sayoko überlebt schwer verletzt, ihr Freund und Lebenspartner Yoichi ist tot. Zwei Jahre braucht sie, bis die körperlichen Blessuren verheilt sind und sie wieder alleine im Leben zurechtkommt, doch sie wird nie wieder die sein, die sie vorher war. Den Schmerz ihres Verlustes versucht sie allabendlich in einer Bar zu ertränken, bis sie eines Tages merkt, dass sie mehr sehen kann als andere Menschen. Durch ihre Nahtoderfahrung lebt sie in einer anderen Sphäre, in einer Zwischenwelt, und ist plötzlich in der Lage, Verstorbene zu sehen und die Lebenden neu wahrzunehmen. „Er fehlte mir, meine Trauer war unbeschreiblich. Doch als ich das Schlimmste überstanden hatte, merkte ich auf einmal, wie sich die Welt um mich herum lichtete und durchsichtig wurde – eine verblüffende Erfahrung“ (S. 31). In diesem Bewusstseinszustand versucht sie nun, Yoichis Atelier zu räumen und seinen Nachlass zu verwalten … 

    Banana Yoshimoto ist der Künstlername der am 24.7.1964 in Tokio geborenen japanischen Schriftstellerin Mahoko Yoshimoto, für den sie sich aufgrund der Schönheit der roten Bananenblüten entschieden hat. Sie ist seit dem Jahr 2000 verheiratet und hat einen Sohn. 

    Sehr feinsinnig und empfindsam beschreibt die Autorin in diesem Buch die Zeit die ein Mensch benötigt, um Tod und Leben, den vorigen und den jetzigen Zustand, wieder in Einklang zu bringen. Die Protagonistin lebt zwischen Trauern und Hoffen, zwischen Traum und Wirklichkeit. Sie lässt die schönen Erinnerungen zu und durchstreift Orte in Kyoto, an denen das Paar gemeinsam glücklich war. Sayoko wendet sich aber auch dem Heute zu, knüpft neue Freundschaften, besucht die Eltern des Verstorbenen in Tokyo und bemüht sich um ein besseres Verhältnis auch mit ihren eigenen Eltern. Sie lernt zu akzeptieren, dass der Tod allgegenwärtig ist und die Toten im Herzen weiter leben. 

    „Lebensgeister“ ist eine besinnliche, eine nachdenkliche Geschichte, die sich mit okkulter Gedankenwelt, japanischer Lebensanschauung und buddhistischer Denkart auseinandersetzt. Die bildhafte Schreibweise ist vielleicht etwas ungewohnt und fremdartig, hindert jedoch nicht den Lesefluss. Sich häufig wiederholende Gedanken und Erinnerungen der Protagonistin sind hier ein gutes Stilmittel, um ihre innere Zerrissenheit und Verzweiflung auszudrücken. Spezielle japanische Ausdrucksweisen und Begriffe sind durch Fußnoten erklärt, was ich als sehr hilfreich empfand. 

    Fazit: Ein feinfühlig geschriebenes Buch, das trotz seiner Thematik nicht traurig stimmt, sondern den Leser eher zum Nachdenken anregt. 

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    Cover des Buches Die schwedischen Gummistiefel (ISBN: 9783552057951)

    Bewertung zu "Die schwedischen Gummistiefel" von Henning Mankell

    Die schwedischen Gummistiefel
    Herbstrosevor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Mankells letztes, und meiner Meinung nach berührendstes und menschlichstes, Buch.
    Im Herbst des Lebens …

    Seit dem Arzt Fredrik Welin vor vielen Jahren ein Kunstfehler unterlaufen ist, lebt er zurückgezogen auf einer einsamen schwedischen Schäreninsel. Eines Nachts erwacht er und bemerkt, dass sein Haus in Flammen steht. Sein Leben kann er zwar retten, aber das Haus brennt vollständig ab und dem Siebzigjährigen bleibt nur noch das, was er am Leibe trägt - und zwei linke Gummistiefel. Ein Glück, dass da noch der alte Wohnwagen ist, den seine Tochter zurückgelassen hat, so hat er wenigstens ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Als die Polizei ihn dann der Brandstiftung verdächtigt, verliert er beinahe den Lebensmut – wären da nicht der ehemalige Postbote Jansson, die Journalistin Lisa Modin und seine schwangere Tochter Louise, die seine Hilfe benötigen. Während er Louise aufsucht, die in Paris in Schwierigkeiten geraten ist, brennt auf den Schären ein weiteres Haus … 

    In Deutschland ist der schwedische Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell (1948-2015) hauptsächlich durch seine Krimi-Reihe um Kommissar Wallander bekannt. Er schrieb jedoch auch sehr viele andere Romane und Kriminalgeschichten, die meist sozialkritische Themen behandeln und einen angeschlagenen Protagonisten mit Beziehungsproblemen und Zukunftsängsten zum Hintergrund haben. 

    „Die schwedischen Gummistiefel“ ist der letzte Roman des 2015 an Krebs verstorbenen Erfolgsautors und ist als eine Art Fortsetzung von „Die italienischen Schuhe“ zu verstehen. Es geht auch hier um Fredrik Welin, der damals völlig unverhofft seine Jugendliebe wieder traf. Neun Jahre sind nun seit ihrem Tod vergangen, und Welins zurückgezogenes Leben auf der einsamen Schäreninsel seiner Großeltern nimmt erneut eine schicksalhafte Wendung. Er ist auch inzwischen nicht zum Menschenfreund geworden und hält nur zu wenigen Leuten Kontakt, die alle ein bisschen sonderbar sind, genauso wie er selbst. Dazu zählt der pensionierte Postbote Jansson, der ihn ab und zu aufsucht und ihn mit seinem Boot gelegentlich aufs Festland übersetzt. Nun, da ihm nichts mehr geblieben ist und er als Brandstifter verdächtigt wird, fragt sich Fredrik Welin ernsthaft, ob er noch einen wirklichen Grund hat, weiter zu leben. Vielleicht seine Tochter Louise, die er erst vor zehn Jahren kennen gelernt hat und die ihm fremd geblieben ist? Er weiß nichts von ihrem Leben – und auch als sie auf seinen Anruf hin auf die Insel kommt erzählt sie ihm nur, dass sie schwanger sei. Dann ist da noch die Journalistin Lisa, die einen Bericht über den Brand schreiben soll, und die in dem alten Mann ungewollt längst vergessene Gefühle weckt. 

    Ein sehr persönliches Buch über Alter, Einsamkeit und Tod, das der Krebskranke Mankell kurz vor seinem Tod geschrieben hat – und gleichzeitig eines der poetischsten über die schwedische Schärenlandschaft. Anrührend menschlich, wie der alte Welin über das Leben seiner Großeltern nachdenkt, wie er von seinem Vater, der als Kellner die Familie ernährte, erzählt und nicht zuletzt wie ihn beim Zählen der Jahresringe einer entwurzelten Eiche die Furcht vor dem Tod überkommt. Doch trotz aller Schwermut ist es ein hoffnungsvolles Buch, in dem man mit dem Protagonisten beruhigt in die Zukunft blicken kann. Ermutigend und zuversichtlich auch die letzten beiden Sätze: „Bald würde der Herbst kommen. Aber die Dunkelheit schreckte mich nicht mehr.“  

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    Cover des Buches Madame Mao (ISBN: 9783104907543)

    Bewertung zu "Madame Mao" von Anchee Min

    Madame Mao
    Herbstrosevor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Intrigen und Tränen, Liebe und chinesische Politik - wer’s mag.
    Ehrgeiziger Aufstieg, aus ärmlichen Verhältnissen zu Maos Ehefrau

    Sie hatte ein bewegtes Leben, die Schauspielerin, Sängerin und Ehefrau Mao Zedongs. Sie nannte sich gerade Lan Ping, hatte schon einige Liebhaber und war bereits dreimal verheiratet, bevor sie sich mit 23 Jahren aktiv der Kommunistischen Partei anschloss und eine Ausbildung als Soldatin der Roten Armee begann. Dort traf sie auf den 20 Jahre älteren Mao, von dessen charismatischer Ausstrahlung sie sofort hingerissen war. Sie war eine gute, wenn auch wenig erfolgreiche, Schauspielerin und konnte ihr Talent nun erfolgreich einsetzen. Mao verliebte sich in sie, nahm sie zur Geliebten, ließ sich dann von seiner dritten Ehefrau scheiden und heiratete sie zwei Jahre später. Lan Ping erhielt nun den Namen Jiang Qing, wurde aber allgemein Madame Mao genannt. Jetzt konnte sie ihre ehrgeizigen, machtgierigen Pläne durchsetzen und unliebsame Konkurrenten und Widersacher beseitigen lassen. Doch Mao war wankelmütig, seine Gunst währte nicht ewig …  

    Die chinesisch-amerikanische Schriftstellerin Anchee Min wurde 1957 als Tochter eines Lehrerehepaares in Shanghai geboren und wuchs mit den Lehren Maos auf. Mit siebzehn wurde sie zum Arbeitseinsatz in ein landwirtschaftliches Kollektiv geschickt, das sie 1976 verlassen konnte, nachdem sie von einem Talentsucher als Filmdarstellerin entdeckt wurde. Sie sollte in dem von Madame Mao entwickelten Stück Rote Azalee mitwirken. Im selben Jahr verstarb jedoch Mao Zedong, seine Frau wurde inhaftiert und zum Tode verurteilt, und das Projekt wurde fallengelassen. Acht Jahre später gelang es ihr in die USA zu entkommen, wo sie Englisch lernte und 1991 ihren Abschluss am Art Institute of Chicago machte. 1994 schrieb sie ihre Autobiografie „Rote Azalee“, für die sie einige Preise erhielt. „Madame Mao“ ist ihr zweites Werk. Min war drei Jahre lang mit dem Maler Qigu Jiang verheiratet und hat von ihm eine Tochter. Derzeit ist sie mit dem Schriftsteller Lloyd Lofthouse verheiratet und lebt in San Francisco. 

    Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Die Schreibweise erfordert vom Leser ein hohes Maß an Konzentration, da die Ereignisse in rascher Abfolge von den Protagonisten einerseits und von einem neutralen Beobachter andererseits geschildert werden und dazwischen immer mal wieder Bemerkungen eingefügt sind, die sich erst in ferner Zukunft ereignen werden. Mühsam zu merken sind auch die vielen chinesischen Namen und die dazu gehörenden politischen Ämter, sodass sich der Roman zeitweise wie ein Lehrbuch für Geschichte liest. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass das Geschehen sehr emotionslos beschrieben wird. Der Schreibstil ist zwar für westliche Begriffe sehr „blumig“, es wird auch beinahe auf jeder Seite geweint und es fließen reichlich Tränen, aber wirkliche Gemütsbewegungen konnte ich keine entdecken. 

    Klar und sachlich zeichnet die Autorin den Lebensweg der Madame Mao nach, von ihrer Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, ihrem unsteten Leben in Shanghai, ihren diversen Liebschaften und Ehen, ihren jahrelangen Versuchen, sich als Schauspielerin zu etablieren, ihr Leben mit Mao in der Verbotenen Stadt in Peking und nicht zuletzt ihr Selbstbetrug, ihre Selbstüberschätzung, ihre Machtgier und ihre brutalen Machenschaften. Ein provozierender Roman, keine Biographie, denn wie Madame Mao wirklich war bleibt ihr Geheimnis – und unserer Phantasie überlassen. 

    Fazit: Das Leben einer machthungrigen Egoistin, die von einer geachteten zur gefürchteten und verhassten Person wurde – und eine Geschichte, die gewisse Grundkenntnisse in chinesischer Politik voraussetzt.                                                                                             

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    Cover des Buches Der Fünfzigjährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half (ISBN: 9783442754502)

    Bewertung zu "Der Fünfzigjährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half" von Mikael Bergstrand

    Der Fünfzigjährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half
    Herbstrosevor 23 Tagen
    Kurzmeinung: Etwas Klamauk, wenig echter Humor und etwas Ernsthaftigkeit – eine bunte Mischung.
    Freundschaft, die sich bewähren muss

    Nach einem längeren Aufenthalt in Indien ist Göran Borg wieder zurück in Malmö. Er ist unglücklich und unzufrieden dort, zweifelt und verzweifelt am Leben und sehnt sich nach Indien zurück, weshalb er auch regelmäßig eine Therapeutin aufsuchen muss. Doch auch diese schafft es nicht, Göran aus seiner Identitätskrise zu holen. Einzige Hoffnung für ihn ist die bevorstehende Hochzeit seines indischen Freundes Yogi in Delhi. Als er erfährt, dass diese jedoch aufgrund „horoskopieller“ Umstände erst Monate später stattfinden kann, entscheidet er sich trotzdem, sofort nach Indien zu fliegen. Dort erfährt er den wahren Grund, warum die Hochzeit mit der schönen Lakshmi verschoben werden musste - und stellt fest, dass sein Freund in großen Schwierigkeiten steckt. Jetzt gilt es, die eigenen Wünsche und Befindlichkeiten zurück zu stecken und Yogi zur ersehnten Hochzeit zu verhelfen. Eine Teeplantage in Darjeeling könnte die Rettung sein – ein abenteuerlicher Road-Trip nimmt seinen Anfang … 

    Mikael Bergstrand, geb. 1960 in Malmö, war viele Jahre als Journalist für eine schwedische Zeitung tätig, bevor er 2007 mit seiner Frau und drei Söhnen nach Neu-Delhi zog, wo er als Korrespondent und freier Autor für skandinavische Zeitungen arbeitete. Dort sammelte er die Inspirationen für seine Göran-Borg-Trilogie, deren erster Band „Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte“ er nach seiner Rückkehr nach Malmö im Jahr 2011 veröffentlichte. Das Buch über den phlegmatischen Schweden in seiner Identitätskrise wurde zu einem großen Erfolg, war lange auf Platz 1 der Schwedischen Bestsellerliste und wurde in 10 Sprachen übersetzt. Heute lebt Bergstrand zusammen mit seinem Hund Stubbe im schwedischen Küstenort Rörum.  

    Den ersten Teil der Trilogie habe ich nicht gelesen, was zum Verständnis des vorliegenden zweiten Teils „Der 50-jährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half“ auch nicht unbedingt notwendig ist. Anhand des Titels, der Beschreibung und des Covers erwartete ich eine humorvolle, vergnügliche Geschichte mit vielen heiteren  Vorkommnissen – doch leider wurde ich enttäuscht. Zwar ist die Handlung zugegebenermaßen recht amüsant und hat auch ihre spannenden und aufregenden Momente, aber lachen konnte ich über die gelegentlich eingestreuten albernen Witze nicht. Viele Vorurteile und teils abstruse Vorfälle beherrschen das Geschehen und machen den Ablauf ziemlich vorhersehbar. Glücklicherweise werden im Buch auch einige ernsthafte Themen, wie z. B. Angststörungen, selbstlose Hilfe und unbedingte Freundschaft, behandelt, was dem Ganzen letztendlich etwas mehr Struktur verleiht. 

    Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht! 

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    Cover des Buches Der Alchimist, Jubiläumsausgabe (ISBN: 9783257065541)

    Bewertung zu "Der Alchimist, Jubiläumsausgabe" von Paulo Coelho

    Der Alchimist, Jubiläumsausgabe
    Herbstrosevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Wohlfühlbuch – zum Träumen und sich fallen lassen – einfach nur schön.
    Eine Reise zu sich selbst …

    Nachdem er wiederholt den gleichen Traum hatte, bei den Pyramiden wäre ein Schatz für ihn vergraben, begibt sich der andalusische Schafhirte Santiago auf die gefährliche Reise ins ferne Ägypten. Es lauern mancherlei Gefahren auf ihn, doch in der Weite der Wüste findet er zu sich selbst. Er entdeckt die Liebe und gewinnt die Erkenntnis, dass es sich lohnt, seinen eigenen Lebensweg zu suchen, seinem Lebenstraum zu folgen und niemals aufzugeben. 

    Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren. Er hatte ein bewegtes Leben, das sich selbst wie ein Roman liest. Als Jugendlicher wurde er von seinen Eltern dreimal in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, brach später sein Jura-Studium ab, um zwei Jahre lang Südamerika, Europa und Nordafrika zu bereisen. Wieder zurück in Brasilien schrieb er Theaterstücke und provokative Songtexte über die herrschende Militärdiktatur und landete dafür im Gefängnis. Nach seiner Entlassung 1980 studierte er fünf Jahre lang in einem alten spanischen Orden und pilgerte zu Fuß nach Santiago de Compostela. Diese Erfahrungen prägten alle seine Bücher.

    Coelhos erster Roman „Der Alchimist“ (O Alquimista) erschien 1988, wurde in 60 Sprachen übersetzt und machte ihn gleich weltberühmt. Meiner Meinung nach ist dieses erste Buch auch gleichzeitig sein bestes. Die Geschichte ist reich an Metaphern und kann mit seiner bildhaften Sprache durchaus mit Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ mithalten. Den Leser erwartet ein buntes orientalisches Märchen voller Lebensweisheit und tiefer Erkenntnis. Es stimmt nachdenklich, berührt die Seele und regt zu eigenen Gedanken an. Santiagos Reise wird für ihn eine Reise zu sich selbst – und auch für den Leser, wenn er sich denn darauf einlässt.  

    Fazit: Ein Buch wie ein Schatzkästchen, ein Juwel der Erzählkunst. 

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    Cover des Buches Kostbare Tage (ISBN: 9783257071252)

    Bewertung zu "Kostbare Tage" von Kent Haruf

    Kostbare Tage
    Herbstrosevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Buch, das trotz Sterbeszene zufrieden und glücklich macht – das ich sehr gerne gelesen habe und guten Gewissens weiter empfehlen kann.
    Das Leben ist endlich …

    Seit Dad Lewis erfahren hat dass er nur noch kurze Zeit leben wird, heißt es für ihn Abschied zu nehmen. Abschied von Holt, der kleinen Stadt in Colorado, in der er sein ganzes Leben verbrachte, Abschied von seinen Freunden und Nachbarn, Abschied von seiner geliebten Frau Mary und Abschied von Tochter Lorraine, die zur Unterstützung ins Elternhaus zurückgekommen ist. Zu Sohn Frank hat er jeglichen Kontakt verloren, seit dieser nach der Schule die Familie verlassen hat. Es ist heiß in diesem Sommer, und so sitzt Dad meist auf seiner Veranda, schaut still in den Garten und lässt sein Leben Revue passieren … 

    Der Roman „Kostbare Tage“ des US-Schriftstellers Kent Haruf (1943-2014) erschien erstmals 2013 unter dem Originaltitel „Benediction“ in New York und wurde nun, 2020, in deutscher Sprache vom Diogenes-Verlag herausgebracht. Der in Colorado beheimatete Lehrer schrieb insgesamt sechs Romane, die alle in der fiktiven Kleinstadt Holt spielen und für die er einige Preise und Auszeichnungen erhielt. 

    Wieder nimmt uns der Autor mit nach Hold, der verschlafenen Kleinstadt in der endlosen Weite Colorados. Wir sind zu Gast bei Dad Lewis und seiner Familie und lernen durch sie die Nachbarn, das Personal der Eisenwarenhandlung und den seltsamen neuen Reverend Lyle kennen. Neben den stillen Stunden beim sterbenden Dad erleben wir auch fröhliche Momente mit der kleinen Alice, die jetzt im Nachbarhaus bei ihrer Großmutter wohnt. 

    Kent Haruf versteht es großartig, Gefühle und Stimmungen auszudrücken und die Stärken und Schwächen der Menschen hervorzuheben. Die Geschichte strahlt eine tiefe Ruhe aus, ist stimmig und berührt auch ohne Sentimentalität, er fesselt den Leser mit sparsamen Worten. Sein Schreibstil ist ruhig und distanziert, nach kurzer Zeit hat man sich auch daran gewöhnt, dass die wörtlichen Reden nicht durch Satzzeichen hervorgehoben sind. Bemerkenswert ist der meist liebevolle und feinfühlige Umgang der Protagonisten untereinander, was das Geschehen sehr real und authentisch macht. 

    Fazit: Ein Buch, das trotz Sterbeszene zufrieden und glücklich macht – das ich sehr gerne gelesen habe und guten Gewissens weiter empfehlen kann. 

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    Cover des Buches Nach der Flut das Feuer (ISBN: 9783423147361)

    Bewertung zu "Nach der Flut das Feuer" von James Baldwin

    Nach der Flut das Feuer
    Herbstrosevor einem Monat
    Kurzmeinung: Immer noch aktuelle Mahnung und Warnung – ein Buch, das jeder gelesen haben sollte.
    Rassismus: Warnung und Mahnung …

    Heute aktueller denn je ist der Essay, den der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin (1924 – 1987) bereits 1962 unter dem Titel „The Fire Next Time“ veröffentlichte, und der 1964 unter dem deutschen Titel „Hundert Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung“ erschienen ist. In einer Neuübersetzung von Miriam Mandelkow mit einem Vorwort von Jana Pareigis ist das Werk jetzt wieder unter dem Titel „Nach der Flut das Feuer“, dtv München 2019, erhältlich und ist nun auch als eBook erschienen. 

    Das Buch beginnt mit einem 22 Seiten langen Vorwort, in dem Jana Pareigis über die Verhältnisse während ihres einjährigen Studiums in New York und über einige Episoden aus dem Leben des schwarzen Autors berichtet, der im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal Opfer weißer Polizeigewalt wurde. Er beginnt sein Essay mit einem Brief an seinen Neffen, in dem er ihn mit seinem zukünftigen Leben als Schwarzer in einer weißen Gesellschaft vertraut macht. Er erinnert an die Zeit Mitte des 20. Jahrhunderts, die Zeit der Rassentrennung, als den Schwarzen vieles nicht erlaubt war, als Busse, Toiletten und selbst Lokale noch nach Rassen getrennt waren und Farbige oft nicht bedient wurden. Es war die Zeit des Malcolm X und des Martin Luther King, als die Bewegung der Black Muslims und der Black Panther entstand. 

    Wer begreifen will, welche Auswirkungen Rassismus hat, sollte dieses dünne Buch lesen. Der Schreibstil des Autors ist sehr wortgewaltig, er kann ausgefeilt formulieren, so dass es nicht immer einfach ist, das Gelesene sofort zu verstehen. Manchmal bietet es sich an, einen Satz ein zweites Mal zu lesen, um den Sinn besser zu erfassen – es lohnt sich. Obwohl der Text schon über fünfzig Jahre alt ist, ist er immer noch brandaktuell, wie die derzeitigen Demonstrationen „Black Lives Matter“  in den USA, bei uns und der übrigen Welt zeigen. 

    Fazit: Immer noch aktuelle Mahnung und Warnung – ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. 

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    Cover des Buches Lola (ISBN: 9783518469453)

    Bewertung zu "Lola" von Melissa Scrivner Love

    Lola
    Herbstrosevor einem Monat
    Enttäuschend …

    Lola Vásquez ist 26 Jahre alt, klein und zierlich, und hält sich gerne im Hintergrund ihres Freundes Garcia, von dem jeder glaubt, er wäre den Anführer der Gang The Crenshaw Six in South L.A. Doch in Wirklichkeit regiert Lola die Gang, erbarmungslos, brutal und hartherzig. Ihre kleinen Gaunereien gehen so lange gut, bis sie einen großen Coup landen will und so zwischen zwei rivalisierenden Großbanden gerät. Auch auf Polizei und Staatsanwaltschaft ist kein Verlass, denn auch sie scheinen kräftig mitzumischen. Ab sofort ist Lolas Leben, das ihrer rauschgiftsüchtigen Mutter und das ihres jüngeren Bruders, der auch Mitglied der Gang ist, in großer Gefahr. Jetzt muss sie sich zwischen den verschiedenen Fronten entscheiden, was ihr wahrhaftig nicht leichtfällt – und auch ihr 5jähriges Pflegekind Lucy muss in Sicherheit gebracht werden … 

    Die US-amerikanische Autorin Melissa Scrivner Love ist die Tochter eines Polizisten und einer Gerichtsstenographin. An der New York University studierte sie Englische Literatur, zog danach nach Los Angeles, wo sie für eine Reihe von Fernsehserien arbeitete. „Lola“ ist ihr erster Roman, für ihn erhielt sie den Dagger Award 2018. Sie lebt mit Mann und Kindern in Los Angeles. 

    Die durchweg positiven Pressestimmen waren für mich der Anlass, zu diesem Thriller zu greifen. Leider kann ich mich diesem allgemeinen Loblied nicht anschließen. Der Schreibstil ist   mir zu abgehackt, die Handlung zu verwirrend und die Protagonistin Lola zu skrupellos und brutal, auch wenn sie zu ihrem Pflegekind zugegebenermaßen sehr fürsorglich und liebevoll ist. Auch möchte ich sie weder als faszinierende Heldin bezeichnen, noch war es für mich eine spannende Gesellschaftskritik, wie in manchen Besprechungen zu lesen ist, und die angepriesene Heiterkeit habe ich auch vergeblich gesucht. 

    Fazit: Für mich leider eine Enttäuschung.

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    Cover des Buches Beim nächsten Mann links abbiegen (ISBN: 9783423216616)

    Bewertung zu "Beim nächsten Mann links abbiegen" von Caro Martini

    Beim nächsten Mann links abbiegen
    Herbstrosevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein heiterer Roman ohne großen Anspruch, als Urlaubslektüre oder für ein entspanntes Wochenende bestens geeignet.
    Ein Navi spielt Schicksal

    Dass uns das Navi dann und wann in die Irre führt, diese Erfahrung hat wohl jeder schon gemacht. Doch das alte gebrauchte Navi, das Lucie für 10 € auf dem Flohmarkt kauft, hat seine besonderen Macken. Mit der Stimme von George Clooney schickt es Lucie an Orte, die sie nie erreichen wollte, die aber für ihre Zukunft von entscheidender Bedeutung sind. Kurzum, das Navi spielt Schicksal … 

    Wie im Internet nachzulesen ist, ist Caro Martini ein Pseudonym der deutschen Autorin Ulrike Rylance, die auch unter Ulrike Herwig bereits veröffentlicht hat. Sie studierte englische und deutsche Literatur in Leipzig und London. Wenn sie nicht gerade am Schreiben ist, kümmert sie sich um Mann und Kinder, sowie um ihre zahlreichen Haustiere. 

    Anhand Titel und Cover erwartete ich hier eine besonders humorvolle Geschichte, geboten wurde mir eine durchaus geglückte Mischung zwischen Chick-Lit, Magie und leichter Unterhaltung. Der Schreibstil ist entsprechend schlicht gehalten, so dass man das Buch recht zügig durchlesen kann. Die Autorin lässt die Hauptperson Lucie ihre Geschichte selbst erzählen und so die Leserschaft am Auf und Ab ihrer Gefühle hautnah teilhaben. Die Idee mit dem Navi ist relativ neu und originell, was man von den Handlungen der Protagonistin   nicht behaupten kann - ihre Reaktionen sind ziemlich berechenbar. Trotz gelegentlich witziger Wortwahl und mancher Situationskomik hat die Geschichte einige Längen und enthält ein paar klischeehafte Zufälle zu viel. Das Ende ist schön und stimmig, wenn auch lange schon vorhersehbar.  

    Fazit: Ein heiterer Roman ohne großen Anspruch, als Urlaubslektüre oder für ein entspanntes Wochenende bestens geeignet. 

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    Cover des Buches Der Sommer der Islandtöchter (ISBN: 9783548060200)

    Bewertung zu "Der Sommer der Islandtöchter" von Karin Baldvinsson

    Der Sommer der Islandtöchter
    Herbstrosevor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine schöne Geschichte mit interessantem landschaftlichem Hintergrund, die dem Leser unterhaltsame Stunden beschert.
    Zwei Frauen und ihre Träume

    1978. Monika, die kurz vor ihrer Hochzeit mit ihrem Verlobten Peter steht, macht ein letztes Mal Familienurlaub mit ihren Eltern in Island, wo sie bei Freunden wohnen. Sie träumt von einer Zukunft als Malerin und hofft auf ein Kunststudium, doch ihre Eltern verlangen, dass sie in das Familienunternehmen einsteigt. Dann lernt Monika Kristján kennen, ein Arbeiter in der Fischfabrik der Freunde, und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Er zeigt Verständnis für ihre Träume und Monika kann sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Doch ihre Eltern sind dagegen und haben einen perfiden Plan … 

    2018, vierzig Jahre später. Hannah braucht eine Auszeit, ihre Ehe ist auf dem Nullpunkt und ihren Beruf als Geigerin kann sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. So mietet sie in Island ein Häuschen, um ein ruhiges Jahr mit ihrem kleinen Sohn Max dort zu verbringen und sich über ihre Zukunft klar zu werden. Kaum angekommen, entdeckt sie auf dem Dachboden eine alte Truhe, die mit Seevögeln bemalt ist, die in ihr eine vage Erinnerung wecken. Und mit der erhofften Ruhe ist es auch bald vorbei, als sie im Café ihrer Vermieterin Freyja zu arbeiten beginnt und dort den Maler Jón kennenlernt … 

    Die Autorin Karin Baldvinsson wurde 1979 in Erlenbach/Main geboren. Während ihrer mehrjährigen Tätigkeit für eine isländische Firma lernte sie ihren Ehemann, die Kultur und die Sprache Islands kennen. Unter ihren Namen Karin Lindberg und Karin Baldvinsson schrieb sie schon mehrere erfolgreiche Romane über die raue Insel im hohen Norden, die ihr zur zweiten Heimat geworden ist. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und einem Hund in der Lüneburger Heide. 

    Zwei Erzählstränge bilden die Grundlage des Romans „Der Sommer der Islandtöchter“, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Kapitelweise abwechselnd erfahren wir über die Ereignisse im Leben der beiden Protagonistinnen, während ihres Aufenthaltes auf Island und zuvor in ihrer Heimat. Bald wird klar, dass die beiden Frauen irgendetwas verbinden muss – wodurch sich auch die Spannung ungemein steigert. Mit viel Einfühlungsvermögen und sehr unterhaltsam lässt uns die Autorin am Leben auf Island teilhaben, vermittelt uns die besonderen Eigenheiten der Bewohner und macht uns mit den  Kapriolen des Wetters vertraut. Der Schreibstil ist dabei schön komponiert und angenehm flüssig zu lesen. Die Charaktere und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen wirken authentisch und lebensecht – die Geschichte könnte wohl jederzeit so oder so ähnlich passiert sein. 

    Fazit: Ein angenehmer Frauen- und Familienroman (eine Seltenheit in diesem Genre), der mich vollkommen überzeugt hat und den ich daher gerne weiter empfehle.

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    • weiblich
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