JanaBabsi

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    Cover des Buches Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch (ISBN: 9783736313262)

    Bewertung zu "Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch" von Brittainy C. Cherry

    Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch
    JanaBabsivor 7 Tagen
    Kurzmeinung: Definitiv ein Jahreshighlight 2020
    Wenn wir am dringendsten Nähe brauchen, distanzieren wir uns am meisten

    Shay Gable, die eigentlich Shannon Sofia heißt, und Landon Harrison besuchen die gleiche Highschool. Die Beiden kennen sich schon seit Jahren. Niemand weiß warum, aber sie hassen sich - sie können sich nicht ausstehen und lassen das den jeweils Anderen auch immer wieder spüren. Im Normalfall gehen sie sich aus dem Weg, sie haben aber teilweise den gleichen Freundeskreis und hin und wieder trifft man dann zwangsläufig aufeinander. So auch in diesem Fall – Shay geht mit ihren Freunden zu einer Party, die unglücklicherweise bei Landon zu Hause stattfindet. 

    Der engste Freundeskreis von Landon hat sich in sein Zimmer zurückgezogen, um gemütlich einen Joint zu rauchen und da vorher reichlich Alkohol geflossen ist, kommt Reggie auf eine Idee. Alle kennen das Verhältnis zwischen Shay und Landon und so stellt Reggie die Wette auf, dass Landon es nicht schaffen wird, dass Shay sich in ihn verliebt. Dummerweise geht Shay gerade in diesem Moment an der offenen Zimmertüre vorbei und wandelt die Wette ab: Sie wettet, dass Landon es sein wird, der sich zuerst in Shay verliebt und nicht anders herum. 

    Top, die Wette gilt ………

    „Wie die Stille vor dem Fall – Erstes Buch“ ist Teil der Chances-Reihe der Autorin Brittainy C. Cherry. Es gibt noch ein Buch aus der Reihe, „Wie die Ruhe vor dem Sturm“, welches ich jedoch nicht gelesen habe. Aufgrund dessen weiß ich nicht, inwieweit es zu den hier handelnden Protagonisten Erklärungen oder eine Vorgeschichte gibt. 

    Es handelt sich um ein Buch für junge Erwachsene, Leseempfehlung ab 16 Jahren, und befasst sich mit den Themen Depression, Suizid, sexuelle Gewalt, toxische Beziehung und Drogenmissbrauch, weswegen die Autorin eine Trigger-Warnung eingefügt hat. 

    Landon leidet schon seit einiger Zeit unter Depressionen. Der Vorteil ist, dass er sich seiner Situation bewusst ist. Er gehört nicht zu den Menschen, die denken, dass mit ihm alles in bester Ordnung ist. Nein, er weiß, dass er eine dunkle Seite hat, die jederzeit die Oberhand gewinnen kann und an vielen Tagen tut sie das auch. 

    Wenn man meine Klassenkameraden gefragt hätte, was mein Name bedeutete, so hätten sie vermutlich geantwortet: Arschloch. Und das zu Recht. […..] Ich war ein Arschloch, auch wenn ich es gar nicht sein wollte.

    Sein Elternhaus ist zerrüttet, seine Eltern sind mehr im Ausland als zu Hause und so muss Landon sich, seit dem Selbstmord seines Onkels vor einem Jahr, mehr oder weniger alleine durchschlagen. Auch wenn er nach Außen hin den Großkotz und Aufreißer gibt, merkt man als Leser ziemlich schnell, dass er damit eine Schutzmauer um sich baut, damit ihn niemand verletzen kann. Eigentlich sehnt er sich nach jemandem, der ihn liebt, der ihm Geborgenheit und Wärme gibt und, der ihn so nimmt, wie er ist. Mit 17 Jahren kann man das aber leider noch nicht offen zugeben. Dann geht er diese Wette mit Shay ein und sie schaut ihm problemlos bis auf den Grund seiner Seele…..

    Bei Shay ist ebenfalls nicht alles Gold, was glänzt. Auch, wenn sie nach außen hin ein perfektes Elternhaus zu haben scheint, trifft auch bei ihr das Sprichwort „unter jedem Dach ein Ach“ zu. Die Ehe ihrer Eltern ist nicht mehr die Beste, Shays Vater bestreitet den Lebensunterhalt aus dubiosen Geschäften und trotz, dass ihr das alles sehr zu schaffen macht, hat Shay noch genügend Energie, ihre Mutter permanent wieder aufzubauen und anderen Menschen zu helfen. Sie ist ein rundherum freundliches Mädchen und aufgrund dessen überall sehr beliebt. Sie glaubt bei Abschluss der Wette tatsächlich, dass sie Landon dazu bringen kann, sich in sie zu verlieben – allerdings kennt sie die dunklen Ecken seiner Seele zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 

    Was sich zwischen den Beiden dann entwickelt, ist eine bittersüße Liebe. Für den einen Teil ist sie heilend, für den anderen Teil ist sie toxisch und zerstörend. 

    Ich habe das Buch als eBook gelesen. Die gedruckte Ausgabe umfasst 416 Seiten und die Geschichte wird abwechselnd in der Ich-Form von Shay und Landon erzählt. Die Autorin hat einen sehr ansprechenden Schreibstil, aber auch die Übersetzerin Katja Bendels hat hier einen guten Job gemacht. 

    Alle Charaktere sind liebevoll gezeichnet und entwickeln sich entsprechend der Geschichte weiter. Shays Großmutter ist ein Charakter, der sich von allen anderen abhebt. Mit Shays Mutter komme ich nicht so ganz klar, ich kann ihr Verhalten nicht nachvollziehen. 

    Brittainy C. Cherry benutzt eine Ausdrucksweise, die mir sehr gut gefällt, ich habe in diesem Buch sehr viele Passagen markiert, weil sie mir sehr nahe gegangen sind. 

    „Manchmal schießt man auf Leute, die es nicht verdient haben“

    „Das Haus fühlt sich an, als hätte man ihm das Licht genommen.“ 

    Natürlich kann auch mit dieser Geschichte das Rad der Liebesromane nicht neu erfunden werden. Die Autorin hat aber etwas geschafft, was ich tatsächlich seit langer Zeit in einem Buch vermisst habe. Sie konnte mich berühren, sie konnte mich so mitnehmen, dass ich am Ende des Buches geweint habe – und ich gehöre aufgrund meines Alters nicht unbedingt zur Leser-Zielgruppe. 

    Definitiv war das kurz vor Ende des Jahres noch ein Lese-Highlight für 2020. 

    Es ist auch nicht hier und jetzt zu Ende, es gibt ein Wiedersehen mit Shay und Landon in einem Zweiten Buch. 

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    Cover des Buches Die Schweigende (ISBN: 9783328104858)

    Bewertung zu "Die Schweigende" von Ellen Sandberg

    Die Schweigende
    JanaBabsivor 14 Tagen
    Manche Erinnerungen hinterlassen Narben auf der Seele

    München, 1956

    Die 16jährige Karin tut das, was alle Jugendliche in diesem Alter tun – sie trifft sich mit Freunden, geht am Baggersee schwimmen, entwickelt ihren eigenen Kleidungs- und Schminkstil und ist deswegen ein Dorn im Auge der tugendhaften Nachbarinnen. Jegliche Ermahnungen ihrer alleinerziehenden Mutter, sie möge die beiden Damen doch bitte nicht provozieren, prallen wirkungslos an Karin ab. Sie möchte ihren Spaß haben und ihr Leben genießen. Irgendwie findet sie immer einen Weg, die Verbote ihrer Mutter zu umgehen. Wenn sie auf ihren 11jährigen Bruder Pelle aufpassen soll, besticht sie diesen mit einem Comic-Heft oder anderem, damit er die Klappe hält und sie nicht verrät. Als ihre Mutter für 2 Tage auf einer Weiterbildung ist, lässt Karin einen Freund bei sich übernachten, weil er Angst vor den Prügeln seines Vaters hat. Die beiden Nachbarinnen haben natürlich gesehen, wie Mani am Morgen das Haus verlassen hat und erstatten Anzeige gegen Karins Mutter. Ihr wird zur Last gelegt, sie habe gegen den Paragraphen 180 des Strafgesetzbuches verstoßen und sich der Kuppelei* strafbar gemacht. 

    Dann geht alles sehr schnell: Das Jugendamt wird eingeschaltet, Karins Mutter wird das Sorgerecht für ihre beiden Kinder Karin und Pelle entzogen, die Beiden werden einem vom Gericht bestimmten Vormund unterstellt und im Erziehungsheim Sankt Marien, einer kirchlichen Einrichtung, untergebracht. 

    München, 2019

    Jens Remy stirbt mit knapp 69 Jahren im Krankenhaus an einem Herzinfarkt. Zufällig ist gerade seine Tochter Imke bei ihm und seine vorletzten Worte gelten seiner Frau Karin. Imke soll ihr sagen, wie sehr er sie geliebt habe und dass sie das große Glück in seinem Leben war. Seine letzten Worte sind an Imke direkt gerichtet: „Such nach Peter“, dann verstirbt er. 

    Von den 3 Töchtern Geli, Imke und Anne hat Imke den besten Draht zu ihrer Mutter und da Karin seit dem Tod ihres Mannes zu verwahrlosen droht, geht Imke ihr ein wenig mehr als üblich zur Hand. Auf Peter angesprochen und den letzten Willen ihres Vaters, ihn zu suchen bzw. zu finden, reagiert Karin so, wie sie in all den Jahren zuvor reagiert hat, wenn eine ihrer Töchter sie auf ihre eigene Vergangenheit angesprochen hat: Sie verweigert standhaft die Auskunft und lebt nach dem Motto: „Keinen Blick zurück“. 

    Geli, Imke und Anne fragen sich seit Jahren, warum ihre Mutter so gefühlsarm ist. Sie war noch nie in der Lage, ihre Kinder in den Arm zu nehmen und ihnen mütterliche Wärme und Geborgenheit zu vermitteln. Außerdem hat sie verschiedene Eigenarten, die ihre Kinder nicht verstehen, so kann sie z. B. keine geschlossenen Türen ertragen. Wäre Jens nicht so ein liebevoller Vater gewesen, die 3 Mädels wären in einer emotional kalten Welt aufgewachsen. Warum Jens sie über alles geliebt hat, hat Karin auch nie wirklich verstanden.

    Die Suche nach Peter ist nicht einfach, es gibt aus der damaligen Zeit keine Unterlagen mehr und wenn doch, dann könnte nur Karin die Einsichtnahme in die Akten beantragen, was sie aber vehement verweigert. Imke findet trotzdem einen Weg diese Papiere einsehen zu dürfen und während sie nach Peter sucht, findet sie eigentlich ihre Mutter. 

    Neben dem, dass Imke all die schrecklichen Dinge über die Zeit im Erziehungsheim Sankt Marien ans Tageslicht bringt, droht gleichzeitig ihre Familie auseinanderzufallen, denn seit dem Tod des Vaters werden die Schwestern zu Rivalinnen. 

    Karin wird seit dem Tod ihres Mannes wieder von Albträumen geplagt ….. findet sie irgendwann doch noch ihren Frieden oder zerbricht sie an der Tatsache, dass Imke die dunklen Seiten ihres Lebens nach oben kehrt?

    Ich liebe die Bücher von Ellen Sandberg. Auch in „Die Schweigende“ verarbeitet sie wieder einen Teil der dunklen deutschen Vergangenheit, perfekt verwoben in eine fiktive Geschichte. 

    Die Charaktere sind so lebensecht beschrieben und die Geschichte so dicht, dass man das Gefühl hat, selbst mittendrin im Geschehen zu sein. Die Beschreibung der Vorkommnisse, die Beschreibung der Schauplätze… man hat das Gefühl alles aus einer versteckten Perspektive zu beobachten – und, was für mich das Wichtigste an einer solchen Geschichte ist - man kann es fast am eigenen Leibe mitfühlen. 

    Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt. Auf der einen Seite ist die Geschichte der jungen Karin, die 1956 beginnt, und ihr Leben in einem kirchlichen Erziehungsheim schildert, auf der anderen Seite ist es die Geschichte der Karin, die im Jetzt und Hier des Jahres 2019 lebt, verwoben mit der Geschichte ihrer 3 Töchter Geli, Imke und Anne, die nach dem Tod ihres Vaters ihren Zusammenhalt verlieren. Abwechselnd erzählen die einzelnen Charaktere aus ihrer Sicht. 

    Eigentlich mag ich von den 3 Schwestern nur Imke wirklich, denn Geli und Anne sind sehr egoistisch und was sie sich gegenseitig und ihrer Mutter antun, das ist echt nicht ohne. 

    Wie so oft mag ich es lieber, über die Vergangenheit zu lesen – es ist unfassbar, welche Gräueltaten damals im Namen Gottes an Schutzbefohlenen begangen wurden. Auch wenn die Geschichte im großen und ganzen Fiktion ist, bin ich sicher, dass es damals genau so zugegangen ist – nicht nur in diesem kirchlichen Kinderheim, sondern in allen Einrichtungen, in denen Menschen, egal welchen Alters, zu anderen Menschen in einem Abhängigkeitsverhältnis standen. 

    Manches im Verhalten der 4 Frauen ist vielleicht ein wenig überzogen geschildert, aber für mich macht genau das die Geschichte zu dem, was sie ist. 

    Das Buch umfasst 544 Seiten, der Schreibstil der Autorin lässt mich an den Seiten kleben, so dass ich am Neujahrstag knapp die Hälfte des Buches zusammenhängend gelesen habe. 

    * Anmerkung:
    Unter Kuppelei verstand man die Förderung und Tolerierung außerehelichen Geschlechtsverkehrs, was seit 1872 unter Strafe steht. Der Paragraph ist noch heute gültig, wurde jedoch angepasst. 

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    Cover des Buches Der Glanz der neuen Zeit (ISBN: 9783785726853)

    Bewertung zu "Der Glanz der neuen Zeit" von Fenja Lüders

    Der Glanz der neuen Zeit
    JanaBabsivor einem Monat
    Hamburg, Speicherstadt, 1919

    Der 1. Weltkrieg ist vorbei, die Firma Kopmann & Deharde hat sowohl den Krieg als auch die nachfolgende Inflation überstanden, im Kaffeekontor befindet sich jedoch nicht mehr eine einzige Kaffeebohne. Auch wenn der Krieg vorbei und die Seeblockade der Engländer aufgehoben ist, gibt es nur wenige deutsche Handelsschiffe, die Waren liefern und da vor allen Dingen Produkte des täglichen Lebens und keine Luxusgüter wie Kaffee. Trotzdem gehen Mina und ihre Schwester Agnes jeden Tag ins Kontor um nach dem Rechten zu sehen. 

    In Kürze wird Frederik Lohmeyer, Minas Ehemann, aus Berlin zurückerwartet. Mina und Frederik haben kurz vor dem Tod von Karl Deharde geheiratet, weil das die einzige Möglichkeit war, die Firma in der Familie halten zu können, denn Mina hat als Frau keinen Zutritt um an der Kaffeebörse zu handeln. 

    Frederik Lohmeyer hält sich noch immer in Berlin bei der Armee auf, fordert jedoch regelmäßig seine ihm zustehende Apanage. Darüber hinaus interessiert er sich eher nicht dafür, wie es seiner Frau und seiner Tochter geht bzw. ob und wie die Geschäfte wieder anlaufen. 

    Mina möchte endlich wieder mit Kaffee handeln und so bittet sie ihren Schwiegervater in Guatemala um Hilfe. Schließlich muss es ja irgend einen Nutzen haben, dass ihr Ehemann der Sohn eines Kaffeeplantagenbesitzers ist. Frederik Lohmeyer ist über diese Kooperation nicht sehr erfreut und als ihm Mina dann auch noch den Geldhahn zudreht, zeigt sich endlich sein wahrer Charakter. 

    Mit Hilfe von guten Freunden schafft Mina es jedoch auch weiterhin, die Zügel der Firma nicht aus der Hand zu geben. 

    „Der Glanz der neuen Zeit“ ist der 2. Band der Speicherstadt-Saga. Das Buch ist Teil einer Trilogie, kann aber durchaus auch für sich alleine gelesen werden. Um die Hintergründe zu verstehen – und weil die Geschichte so schön ist - empfiehlt es sich jedoch, zuvor Band 1 zu lesen. 

    Die Autorin hat es auch hier wieder geschafft, den Charakter ihrer Protagonisten authentisch und lebensecht zum Leser zu transportieren. 

    Mina ist zu einer starken Frau herangewachsen und lässt sich kein X für ein U vormachen. Sie ist Mutter einer 20 Monate alten Tochter. Ella wird von Fräulein Brinkmann betreut, die schon die Erzieherin von Agnes und Mina war und die im Hause Deharde eine ganz besondere Stellung eingenommen hat. 

    Minas Vater hat immer gesagt, sie habe den Kaffee im Blut und so wundert es nicht, dass die Kooperation zwischen Vater Lohmeyer und Mina zustande kommt und Mina alle Hebel in Bewegung setzt, dass der Kaffee den weiten Weg von Guatemala nach Hamburg auf einem Schiff antreten kann. Zur damaligen Zeit war nicht nur der Handel an der Kaffeebörse für Frauen untersagt, nein, auch für Bankgeschäfte brauchten sie die Erlaubnis ihres Ehemannes. Mina schafft es auch ohne ihren Ehemann, einen Kredit zu bekommen. 

    Das Leben wäre jedoch sehr viel schwerer zu ertragen, wenn Mina nicht gute Freunde hätte. Da ist Heiko, der Bruder von Edo, mit dem Mina schon seit vielen Jahren in tiefer Freundschaft verbunden ist. 

    Irma von Gusnar, ihre beste Freundin aus dem Mädchenpensionat, quartiert sich für einige Zeit bei Mina und ihrer Familie ein und ist ihr sowohl in geschäftlichen, als auch in Herzensangelegenheiten eine große Hilfe. 

    Das Verhältnis zu ihrer Schwester Agnes ist sehr eng. Im Gegensatz zum 1. Buch „Der Duft der weiten Welt“ gibt es dieses Mal keine Eifersucht auf den jeweils anderen und die beiden Frauen ergänzen sich sehr gut. Agnes hat den besseren Draht zu Großmutter Hiltrud, was hin und wieder von Nutzen ist. 

    Auch Großmutter Hiltrud hat eine Wandlung durchgemacht. Sie ist sehr viel sympathischer als in Band 1 und sie stärkt sowohl Mina als auch Agnes den Rücken. Gerade mit ihrem Verhalten bezüglich Frederik Lohmeyer hat sie mich überrascht – aber .. die Zeiten ändern sich und damit auch die Menschen. 

    Auch Edo taucht wieder auf. Kurz nachdem er Deutschland verlassen hat um nach Amerika auszuwandern, wurde auch er an die Waffen gerufen. Leider war der Krieg nicht gnädig mit ihm und er kehrt als menschliches Wrack nach Hamburg zurück. Gerade der Handlungsstrang von Edo war es, bei dem ich öfter mal darüber nachdachte, ob sich das wirklich so zugetragen haben könnte. Mir erschien hier die eine oder andere Sache etwas unglaubwürdig, das kann aber durchaus auch subjektiv sein. 

    Alles in allem ist „Der Glanz der neuen Zeit“ wieder ein tolles Buch, geschrieben von der Autorin Fenja Lüders. Der Schreibstil ist einfach zu gut zu lesen, die Geschichte entwickelt sich fortlaufend weiter und man möchte gar nicht mehr aufhören zu lesen. 

    Der 3. Teil „Der Traum von Freiheit“ erscheint leider erst am 25.06.2021, bis dahin muss ich mich gedulden. 

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    Cover des Buches Enna Andersen und das verschwundene Mädchen (ISBN: 9782496701531)

    Bewertung zu "Enna Andersen und das verschwundene Mädchen" von Anna Johannsen

    Enna Andersen und das verschwundene Mädchen
    JanaBabsivor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Für mich war dieser Krimi leider nicht das, was ich mir anhand des Klappentextes erhofft hatte.
    Der 1. „Cold Case“-Fall für Enna Andersen und ihr Team

    Aufgrund des Unfalltodes ihres Mannes war Enna Andersen 1 Jahr lang vom Dienst beurlaubt. Vor ihrem Ausscheiden war sie stellvertretende Leiterin des Dezernats 11 der Polizeidirektion Oldenburg im Bereich „Organisierte Kriminalität“, nun soll sie Leiterin einer neuen Abteilung des LKA Niedersachsens werden und sich auf die Aufklärung von Altfällen konzentrieren. 

    Gemeinsam mit ihren neuen KollegInnen Pia Sims (frischgebackene Kommissarin) und Jan Paulsen (degradierter Hauptkommissar) bezieht sie ein Büro in unmittelbarer Nähe zur Oldenburger Innenstadt, keine 5 Gehminuten vom Kindergarten ihres 5jährigen Sohnes Elias entfernt. 

    57 gefaltete Zettel – 57 ungeklärte Kriminalfälle aus den letzten 20 Jahren; Enna Andersen und ihr Team ermitteln ihren aktuellen Fall durch die Ziehung einer Nummer auf einem gefalteten Zettel.

    Es handelt sich um den Fall der neunjährigen Marie Hansen, die im Jahr 2010 auf einer Klassenfahrt spurlos aus dem Wangerooger Landschulheim verschwunden ist. Die damalige „SoKo Marie“ wurde nach knapp einem Jahr aufgelöst und die Akte vorläufig geschlossen. Bis heute ist ungeklärt, was mit dem Mädchen damals passiert ist. Eine Leiche wurde nie gefunden. Besteht sogar die Möglichkeit, dass Marie Hansen noch lebt? 

    Enna Andersen, Pia Sims und Jan Paulsen rollen den Fall noch einmal auf. 

    Bei „Enna Andersen und das verschwundene Mädchen“ handelt es sich um den ersten Teil einer Krimi-Reihe, in der Kommissarin Enna Andersen und ihr Team ermitteln. 

    Über ihren neuen Job ist sie nicht sonderlich begeistert, sie empfindet diese Arbeit als etwas, was für alte Männer ist, die den Arsch nicht mehr hochkriegen. Ihre neuen Kollegen Pia Sims (24) und Jan Paulsen (49), die jeder für sich etwas sperrig sind, machen ihr den Job auch nicht gerade leichter, im Gegenteil.. 

    Tatsächlich nervt mich von Anfang an, dass Sims und Paulsen es nicht 2 Sätze lang schaffen, sich wie erwachsene Menschen miteinander zu unterhalten. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit muss einer dem anderen einen Seitenhieb reinwürgen. Zum Ende hin raufen sich die Beiden dann doch noch zusammen, aber bis dahin bin ist meine Schmerzgrenze irgendwie schon überschritten. Ebenso bin ich leicht genervt von der Tatsache, dass die meisten handelnden Personen immer mit komplettem Vor- und Zunahmen betitelt werden, am häufigsten Pia Sims und Jan Paulsen. 

    Für die neuen Ermittlungen müssen sich die 3 Kommissare erneut alle Personen vornehmen und befragen, die auch schon im Jahr 2010 zur Sache befragt wurden. Nach 9 Jahren sind die Erinnerungen an den Vorfall getrübt oder verfälscht, erschwerend kommt hinzu, dass gegen eine Person internationale Ermittlungen durchgeführt werden und diese nicht befragt werden darf. Die Vernehmungen gestalten sich schwierig. 

    Da Andersen und ihr Team nicht wirklich etwas greifbares haben, an dem sie ansetzen können, werden alle möglichen Motive aufgetischt - Missbrauch von Schutzbefohlenen, Pädophilie, Mafia, Entführung …. angefangen bei der Familie von Marie Hansen, bis hin zum Lehrpersonal, das 2010 die Schüler im Landschulheim beaufsichtigt hat. 

    Der Schreibstil der Autorin ist flüssig zu lesen, der Spannungsbogen, der zu einem Krimi gehört, blieb leider aus. Die Ermittlungen bewegen sich in verschiedenen Richtungen, aber das waren mir dann doch irgendwie zu viele Richtungen und zu viel konstruiert und die Auflösung des Ganzen hat in mir dann auch nicht ein Gefühl der Zufriedenheit hergestellt. Irgendwie war alles sehr verworren. 

    Die Geschmäcker sind verschieden und das ist auch gut so. Für mich war dieser Krimi leider nicht das, was ich mir anhand des Klappentextes erhofft hatte. Aber, es gibt für jede Geschichte die passenden LeserInnen.

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    Cover des Buches Barrie - Wie ich eine Hündin rettete - und sie mich (ISBN: 9783749900121)

    Bewertung zu "Barrie - Wie ich eine Hündin rettete - und sie mich" von Sean Laidlaw

    Barrie - Wie ich eine Hündin rettete - und sie mich
    JanaBabsivor 2 Monaten
    Ein syrischer Hund findet Heimat in England

    Seán Laidlaw arbeitet als Bombenentschärfer beim Militär und seine Arbeit findet in den schlimmsten Krisengebieten statt. Als er aus Afghanistan zurück kommt, bringt er im Gepäck eine posttraumatische Belastungsstörung mit. Er kommt mit seinem Leben in der Zivilisation nicht klar, versinkt in Depressionen und es ist ihm alles zu viel. Gemeinsam mit seinem Freund Mitch eröffnet er das Gesundheits- und Fitness-Unternehmen Beyond Limits, aber auch das reißt ihn nicht aus seiner Lethargie. Auf der Beerdigung eines Millitär-Kameraden bekommt er das Angebot, für die Räumung von Sprengfallen nach Rakka/Syrien zu gehen und er ergreift die Chance.

    Es war wie eine Gelegenheit, mich an den letzten Ort zurückzuversetzen, an dem es mir gut gegangen war. Vielleicht war das ein Weg, um wieder besser zurechtzukommen.

    Bei einem seiner Einsätze entdeckt Seán in den Trümmern einen Hundewelpen. Über die Dauer von einigen Tagen erlangt er das Vertrauen des misstrauischen Tieres und dann nimmt er den kleinen Hund mit ins Camp. Nach kurzer Zeit ist Seán so sehr in Barrie verliebt, dass er beschließt, nach dem Ende seines Einsatzes die Hündin mit nach Großbritannien zu nehmen. Er beginnt schon von Syrien aus, alles für ihre große Reise zu planen. Nach einem kurzen Heimaturlaub darf Seán aufgrund der erhöhten Kriegsaktivitäten nicht mehr nach Syrien zurück, Barrie befindet sich aber nach wie vor im Militär-Camp in Rakka. Seán möchte Barrie nicht in Syrien zurücklassen, er selbst darf nicht mehr einreisen und nun beginnt eine große Maschinerie zu laufen, die alles versucht, dass Barrie auf legalem Wege von Syrien nach Großbritannien übersiedeln darf. Viele Menschen machen das Unmögliche möglich und nach knapp 6 Monaten kann Seán seine Hündin im 500 km entfernten Flughafen Charles de Gaulle in Paris abholen. 

    In den nächsten Wochen stellt Seán fest, dass nicht nur er die Rettung für Barrie war, sondern auch sie für ihn bzw. für seine psychische Verfassung therapeutische Auswirkungen hat. 

    Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund. 

    Ich weiß nicht genau, ob dieser Spruch tatsächlich von Hildegard von Bingen ist, oder nicht. Es war auf jeden Fall das Erste, was mir eingefallen ist, nachdem ich dieses Buch gelesen habe. Dass Tiere, hier insbesondere Hunde, positive therapeutische Eigenschaften haben, ist nichts neues. Es wundert mich deswegen nicht, dass es Seán psychisch besser geht, nachdem Barrie in sein Leben getreten ist. Ich habe seit 2001 Hunde und ich könnte mir ein Leben ohne diese nicht mehr vorstellen. 

    Seán Laidlaw beschreibt in seinem Buch seinen Werdegang – sowohl beruflich, als auch privat, seit dem Zeitpunkt seiner Jugend. Er beschreibt, wie er zum Militär kam, die Zustände im Kriegsgebiet Afghanistan und welche Auswirkungen dieser Aufenthalt im Kriegsgebiet auf seine Psyche und somit auf sein Leben hatte. Er sieht den Einsatz in Syrien als seine Rettung und da er in Rakka junge Männer als Bombenentschärfer ausbildet, beschreibt er auch seine Arbeit und wie genau man in einem von Bomben durchseuchten Gebiet diese Bomben findet und unschädlich macht. Der Leser ist dabei, als Seán den Welpen findet und von da an an jedem weiteren Tag, an dem Hund und Mensch gemeinsam durchs Leben gehen. 

    Die Geschichte von Seán und Barrie passierte im Jahr 2018 und es ist mit Sicherheit eine außergewöhnliche Geschichte. Barrie erinnert mich ein klein wenig an die syrische Flüchtlingshündin, die ich 2015 in meinem Haus aufgenommen hatte. Über sie wurde von der UNHCR schon im Flüchtlingscamp auf der Insel Lesbos berichtet und auch ich wurde damals von den Medien und den Social Media überrannt. Von daher kann ich nachvollziehen, wie es Seán empfunden haben muss, auf einmal – wegen eines Hundes – im Rampenlicht zu stehen. 

    Die großen Themen, die das Buch anschneidet – die Rettung eines Hundes aus dem Kriegsgebiet Syrien – interessieren mich sehr. Ich hatte hier jedoch ein rührseliges, emotionales Buch erwartet aber leider ist aus jedem einzelnen Satz herauszulesen, dass Seán ein Soldat ist. Die Geschichte liest sich eher wie ein militärischer Bericht denn als ein Buch, das die Herzen der Leser schmelzen lassen soll. 

    Schade, ich hätte gerne ein paar Tränchen für Barrie geweint, aber der Erzählung ihres aufregenden Abenteuers und der damit einhergehenden Gesundung ihres Herrchens fehlen jegliche Emotionen. 

    Ein großes Lob für alle beteiligten Menschen und Organisationen, dass sie Barrie aus diesem Kriegsgebiet herausholen konnten. Ich wünsche der Hündin und ihren Menschen, dass sie noch lange ein glückliches Leben führen und, dass sie fernab von öffentlicher Aufmerksamkeit, ganz für sich alleine, ihren gemeinsamen Weg weiter gehen können. 

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    Cover des Buches Dark Side Of My Heart: Mafia Romance (ISBN: B08HM4HDCF)

    Bewertung zu "Dark Side Of My Heart: Mafia Romance" von Bonnie Sharp

    Dark Side Of My Heart: Mafia Romance
    JanaBabsivor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Auch wenn mich das Thema nicht zu 100 % erreichen konnte, handelt es sich um ein Buch von einer Autorin, die ihr Handwerk versteht ....
    Mafia-Romance

    Fabricio Moniz Cardozo ist der Kronprinz, der Nachfolger von Marcos Moniz Cardozo und somit der zukünftige Boss der PCC (Primeiro Comando da Capital), einer brasilianischen Mafia-Organisation. Am Tag nach seinem 18. Geburtstag darf er sich endlich beweisen – er soll einen Geschäftspartner seines Vaters töten, nachdem dieser von ihm hintergangen wurde. 

    Als John Aston auf dem Parkdeck sein Auto verlässt, ist er in Begleitung eines Mädchens und Fabricio ist wie versteinert, der Anblick dieses „Engels“ lässt ihn sein Vorhaben vergessen und sein erster Auftrag entwickelt sich zu einem Desaster, weswegen die ganze Familie Moniz Cardozo Miami verlassen und sich in ihrem Haus in São Paulo verstecken muss. 

    Ein Jahr später schickt Marcos Moniz Cardozo seinen Sohn Fabricio zurück nach Miami – unter falscher Identität soll er nun endlich seinen Auftrag zu Ende bringen: Er soll John Aston töten. Die Mission wurde nun aber um eine Person erweitert, denn Fabricio soll auch Astons Tochter Anna töten.

    Obwohl Aston unter Polizeischutz steht und in einem Safe House untergebracht ist, findet Fabricio ihn mit Hilfe einiger seiner Handlanger, die auf der Gehaltsliste der PCC stehen. Bevor Fabricio Aston tötet, geht er jedoch einen Deal mit ihm ein. Aston bietet ihm seine Kontaktliste, die ihn zum erfolgreichsten Waffenschieber Amerikas machen kann, im Gegenzug dazu soll Fabricio seine Tochter Anna nicht töten, sondern sie vor den Leuten des Golf-Kartells und denen seines eigenen Vaters beschützen. 

    Fabricio geht auf diesen Deal ein. 

    Bei „Dark side of my heart“ handelt es sich um eine Mafia-Romance. 

    Fabricio ist genau der Typ Mann, dem man als Frau besser nicht begegnen sollte. Er denkt, er ist der Nabel der Welt und nimmt sich, was er will. Dabei es ist ihm egal, ob es sich um Polizeibeamte handelt, die er mittels „Lohnzahlungen“ auf seine Seite zieht oder ob es sich um eine Frau handelt, von der er sich sexuell angezogen fühlt. Er nimmt es sich einfach, ohne Rücksicht auf Verluste. Sein Motto lautet, dass er die gleiche Frau nicht mehr als einmal vögelt und sein Selbstbewusstsein ist in der Hinsicht riesengroß

    Mit meiner jugendlichen Überheblichkeit war ich der Meinung, dass die Frau, die mich nicht begehrte, erst noch geboren werden musste. 

    Lediglich Anna weckt ihn ihm das Begehren, eine Frau mehrmals besitzen zu wollen; leider hat Anna da andere Ansichten und so muss er zu einer ziemlich üblen List greifen, seinen Willen zu bekommen. 

    Aufgrund seines Verhaltens, seiner Äußerungen und seinem Umgang mit Frauen, steht Fabricio jetzt nicht auf Platz 1 meiner Sympathie-Liste. Aber es macht mich neugierig, wie es mit Anna auf lange Sicht weitergehen wird. 

    Anna wurde von ihrem Vater hervorragend auf das Leben als Tochter eines Waffenhändlers vorbereitet. Sie kann jede Waffe abfeuern, die es gibt. Sie kann Escrima, eine philippinische Kampfkunst, sie kann einen Angreifer nur mit einem Stock bewaffnet abwehren und sie weiß, wo ein Körper am verwundbarsten ist. Anna hat ihren Vater gleichzeitig gehasst und geliebt. Sie liebte den Teil von ihm, der ihr Zöpfe flocht und sie ins Bett trug, wenn sie auf dem Sofa eingeschlafen ist. Aber sie hasste den anderen Teil von ihm, der sein Geld mit dem Tod von Menschen verdiente, indem er mit Waffen handelte. Nach dem Tod ihres Vaters soll nun ausgerechnet der Typ auf sie aufpassen, der ihrem Vater das Leben genommen hat? Anna hat nicht vor sich kooperativ zu zeigen und Fabricio muss mehr als einmal in die Mafia-Trickkiste greifen. Durch ihren blinden Aktionismus in Sachen Tierschutz läuft sie dann auch noch Gefahr, dass ihre neue Identität aufgedeckt wird. 

    Als Bindeglied zwischen Anna und Fabricio fungiert Izabel, Fabricios Schwester. Auch Fabricio und Izabel sind nicht unter ihren Realnamen nach Miami zurückgekehrt, sie sind offiziell auf dem Papier ein Ehepaar und die Beiden sind sich im Klaren darüber, dass Izabel eigentlich nur mit nach Miami durfte, um für ihren Vater den Spitzel zu machen. Izabel hat aber andere Pläne, sie möchte studieren, Party machen und nachdem sie sich mit Anna angefreundet hat, begehen die zwei eine riesengroße Dummheit. Es sind zwei junge Mädels, die bisher nicht wirklich ein Leben hatten. 

    Das Buch ist in 27 Kapitel aufgeteilt, die abwechselnd (jedoch nicht regelmäßig wechselnd) aus der Sicht von Fabricio und Anna in der Ich-Form erzählt werden. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, flüssig zu lesen und ich wollte natürlich möglichst schnell wissen, wie sich die ganze Geschichte entwickelt. Die Autorin weist ganz am Anfang des Buches darauf hin, dass es anstößige Inhalte gibt, die manche Menschen triggern könnten. Die sexuellen Szenen sind nicht geschönt und die Ausdrucksweise entspricht genau dem Charakter des Genres. Hier wird gefickt und gevögelt und am Schwanz gesaugt und wer damit nicht umgehen kann, der sollte bitte die Finger von diesem Buch lassen. 

    Mir hat die Geschichte um Fabricio und Anna (Anjo) gut gefallen, es hat mir jedoch ein klein wenig an Tiefe der Protagonisten gemangelt. Wo ich mich mit den Charakteren aus Alexandra Fischers historischen Romanen absolut identifizieren konnte, war zwischen den Charakteren aus Bonnie Sharps Mafia-Romance und mir eine leichte Distanz. 

    Auch wenn mich das Thema nicht zu 100 % erreichen konnte, handelt es sich um ein Buch von einer Autorin, die ihr Handwerk versteht und von der ich sehr gerne lese.

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    Cover des Buches Blinde Vögel (ISBN: 9783499259807)

    Bewertung zu "Blinde Vögel" von Ursula Poznanski

    Blinde Vögel
    JanaBabsivor 3 Monaten
    Lyrik auf Facebook

    Studenten finden in einem Waldstück, nahe einem Campingplatz, 2 Leichen. Eine männliche Person, getötet durch einen Kopfschuss, eine weibliche Person, stranguliert mit einer Wäscheleine. Neben dem Toten befindet sich eine Pistole, weswegen die Polizei von einer Beziehungstat ausgeht, wonach er zuerst sie stranguliert und dann sich selbst getötet haben könnte. 

    Die ersten polizeilichen Recherchen ergeben, dass es sich bei der männlichen Person um Gerald Pallauf aus Salzburg handelt. Bei der jungen Frau finden sich keinerlei Hinweise auf ihre Identität. Die Befragung von Pallaufs Mitbewohner Sachs ergibt, dass es sich bei ihr um eine Sarah aus Deutschland handelt und Pallauf sie bis zu ihrem Besuch bei ihm vor wenigen Tagen nicht gekannt hat. Von Sarah ist jedoch weder ein Nachname noch ein Wohnort bekannt. 

    Wie in einem solchen Fall üblich, überprüfen die Ermittler die Social-Media-Konten von Gerald Pallauf in der Hoffnung, dort einen Hinweis zur Tat zu erhalten und tatsächlich findet sich hier der Punkt, der die beiden Toten miteinander verbindet. Pallauf und Sarah waren beide Mitglied in einer Facebook-Lyrik-Gruppe. Mehr Gemeinsamkeiten weisen sie jedoch nicht auf. 

    Während Kommissar Florin Wenninger die Ermittlungen im Real Life vorantreibt, erstellt sich Kommissarin Beatrice Kaspary einen Fake-Account bei Facebook und wird Mitglied der Lyrik-Gruppe. Nach kurzer Zeit gibt es einen weiteren Toten in Salzburg – ebenfalls ein Mitglied der Lyrik-Gruppe. Langsam wird deutlich, dass der Tod von Gerald und Sarah kein Selbstmord gewesen sein kann. Handelt es sich bei der Facebook-Gruppe wirklich um Menschen, die sich mit Lyrik beschäftigen oder versteckt sich nicht doch etwas ganz anderes dahinter?

    In ihrem 2. Fall stellen Kaspary & Wenninger die Verbindungen zwischen den Personen her und decken die Hintergründe auf. 

    In „Blinde Vögel“ greift die Autorin Ursula Poznanski ein sehr aktuelles Thema auf: Soziale Netzwerke, hier insbesondere Facebook, und die Anonymität des Internets. Nachdem Bea sich unter einem falschen Namen einen Facebook-Account zugelegt hat, um hinter den Kulissen nach Hinweisen zum Tod von Gerald und Sarah zu suchen, schildert die Autorin im Verlauf der Geschichte einige (viele!!) fiktive Diskussionen bzw. Unterhaltungen, die in dieser Lyrik-Gruppe geführt werden. Manche Unterhaltungen werden mit Zeilen aus Gedichten vervollständigt, manchmal wird auch nur ein Gedicht gepostet, ohne darüber hinausgehende begleitende Zeilen des Gruppenmitglieds. 

    Dass ich es mit Gedichten nicht so habe, dafür kann die Autorin nichts. Mir fiel es stellenweise sehr schwer, die Aussage einer Gedichtzeile in Verbindung zum Kontext der Diskussion zu setzen. Ich habe diese Stellen einfach nur runter gelesen. Aus diesem Grunde konnte ich hier auch keinen roten Faden finden, der mich vielleicht zum Täter geführt hätte. Bis zum Schluss konnte ich keinen Zusammenhang finden. 

    Die Facebook-Dialoge sind stellenweise sehr ausführlich, was für mich persönlich der ganzen Sache etwas Langatmigkeit eingehaucht hat. Spannung kam hier nur sehr schwer auf. 

    Neben dem eigentlichen Fall werden auch die persönlichen Hintergründe von Beatrice Kaspary und Florin Wenninger beleuchtet. Beatrice muss sich neben ihrer Arbeit noch um ihre 2 kleinen Kinder kümmern, ihr Ex-Mann macht ihr durch sein Unverständnis das Leben nicht gerade einfacher und auch Florin hat Probleme mit seiner Partnerin, ist er doch scheinbar in eine andere Frau verliebt. Beide Charaktere sind sympathisch geschildert, hinterlassen jedoch keinen nachhaltigen Eindruck bei mir.

    Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen. Mit knapp 480 Seiten ist die Geschichte sehr umfangreich geworden und – wie schon erwähnt – stellenweise in meinen Augen ziemlich langatmig geraten. Die Spannung stellt sich erst zum Schluss ein, als sich nach und nach die Hintergründe offenbaren. Allerdings hat die Auflösung des Falles dann überraschenderweise überhaupt nichts mit Lyrik zu tun sondern mit Vorkommnissen, die sich in den 1990er Jahren ereignet haben. Der Zusammenhang hat sich mir dann leider so gar nicht erschlossen.

    Vielleicht kann mich ja ein anderes Buch der Autorin überzeugen. Ich hatte mit „Blinde Vögel“ ein paar angenehme Lesestunden, zu mehr hat es dann aber auch nicht gereicht. Diese Rezension lag ein paar Wochen auf Halde, eigentlich nicht meine Art, aber ich wusste tatsächlich nicht, wie ich dieses Buch beschreiben soll. 

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    Cover des Buches Ich lass dich nicht los (ISBN: 9783442480982)

    Bewertung zu "Ich lass dich nicht los" von Madeleine Reiss

    Ich lass dich nicht los
    JanaBabsivor 3 Monaten
    Kinder sollten nicht vor den Eltern sterben

    „Ich hab Dich lieb, jeden und jeden Tag“ ist der letzte Satz, den der 5jährige Charlie an seine Mutter Carrie gerichtet hat, bevor er am Strand seinem Vater entgegengelaufen ist. Er wollte mit ihm gemeinsam noch einmal zum Wasser gehen. Kurze Zeit später kommt Damian zu Carrie zurück – ohne seinen Sohn. Er war zur Toilette und habe noch eine kleine Joggingrunde gedreht, Charlie sei ihm unterwegs jedoch nicht begegnet. Die anschließende stunden- nein tagelange Suche nach Charlie bleibt erfolglos; der Junge ist und bleibt verschwunden. Wäre Carrie doch nur nicht eingeschlafen …. 

    „Ich lass Dich nicht los“ ist der Debütroman der englischen Schriftstellerin Madeleine Reiss. Mit dieser Geschichte gewann sie den Buchwettbewerb der bekannten englischen Talk-Show „The Alan Titchman Show“. Der Originaltitel lautet „Someone to Watch Over Me“. Übersetzt wurde das Buch von Karin Diemerling.

    Die Geschichte beginnt 3 Jahre nach dem Verschwinden von Charlie. Neben der Trauer um ihren verschwundenen Sohn und ihre immerwährenden Selbstvorwürfe, ist ihre Ehe mit Damian an der Sache zerbrochen. Am Abend vor der Eröffnung ihres eigenen Ladens, der „Schatzkiste“, den sie in Zukunft gemeinsam mit ihrer Freundin Jen führen wird, erfährt der Leser in einem Rückblick durch Carries Gedanken, was an diesem unsagbaren Tag vor 3 Jahren am Strand passiert ist. 

    Der zweite Erzählstrang handelt von Molly, ihrem Ehemann Rupert und ihrem gemeinsamen Sohn Max. Obwohl die beiden Familien auf den 1. Blick nichts gemeinsam haben, sind ihre Schicksale doch irgendwie miteinander verknüpft. Ich weiß auch nicht, ob ich das Schicksal von Molly und Max schlimmer finde oder das von Charrie und Charlie. 

    Dieses Buch liegt schon eine ganze Weile auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und tatsächlich frage ich mich, warum ich das Buch dort so lange habe liegen lassen. Einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. 

    Es ist schlimm zu lesen, wie Carries Leben sich nach Charlies Verschwinden verändert hat. Ihre Ehe ist in die Brüche gegangen und sie vermisst ihren Sohn jeden einzelnen Tag. Auch wenn sie ausreichend zu tun hat in ihrem neuen Laden, wird die Lücke, die Charlies Verschwinden aufgerissen hat, sich niemals wieder schließen. Carrie ist zerfressen von Vorwürfen, sie hätte das Unglück verhindern können (hätte sie auch, aber das ändert nichts mehr an der Situation).

    Genau so schlimm finde ich aber auch den Erzählstrang von Molly, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann Rupert ist. Verhaltensweisen von Rupert, die Molly am Anfang ihrer Ehe als Aufmerksamkeit und Fürsorge interpretiert hat, wandelten sich im Laufe der Zeit in Kontrollsucht, die vor Körperverletzung und Freiheitsberaubung nicht halt macht. 

    Obwohl die beiden Frauen überhaupt nichts miteinander zu tun haben, sich noch nicht einmal kennen, gibt es einen Tag in ihrem Leben, an dem sich ihre Schicksale überschneiden. 

    Wie schon erwähnt, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, als ich einmal in die Geschichte eingetaucht war. Ob der Schreibstil der Autorin im Original auch so gut ist, vermag ich nicht zu beurteilen, die Übersetzerin hat jedoch ihren Job sehr gut gemacht. Das Buch lässt sich flüssig lesen. 

    Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Carrie und Molly geschrieben, zum Schluss kommt auch noch Max als Erzähler hinzu. Die Charaktere sind realistisch und mit Tiefgang angelegt und ihren Weg mit zu verfolgen, berührt mich emotional sehr. Das ein oder andere Mal fließen auch Tränen. 

    Die beiden Handlungsstränge laufen erst kurz vor Ende des Buches zusammen und die Geschichte wird dann auch noch richtig spannend. Der Schluss ist vielleicht ein wenig zu dramatisch, dann aber eigentlich genau passend für diese eine Person. 

    Bücher, die mich so in ihrer Geschichte gefangen halten, auch nachdem ich die letzte Seite schon lange zugeklappt habe, sind sehr selten geworden. Sicherlich werde ich „Ich lass Dich nicht los“ noch einmal lesen, zu einem späteren Zeitpunkt. 

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    Cover des Buches Die Fotografin - Die Stunde der Sehnsucht (ISBN: 9783764506650)

    Bewertung zu "Die Fotografin - Die Stunde der Sehnsucht" von Petra Durst-Benning

    Die Fotografin - Die Stunde der Sehnsucht
    JanaBabsivor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Petra Durst-Benning erschafft mit ihren Frauenfiguren immer starke aber authentische Persönlichkeiten.
    Müsingen / Westfront 1914 - 1919

    Der Brand hat die Druckerei nicht gänzlich vernichtet, sondern es war nur das Warenausgangslager betroffen. Anton kümmert sich als Außendienstmitarbeiter um die Akquise und Betreuung von Neu- und Altkunden, Mimi behält in der Druckerei in Münsingen den Überblick. Die Beiden haben sehr viele neue Ideen, die sie in ihrer Druckerei umsetzen möchten – das größte Projekt im Jahr 1914 soll ein Adventskalender werden. Anton bringt schon im Juni Bestellungen für über 20.000 Kalender mit und die Zukunft der Druckerei scheint gesichert. 

    Am 28. Juni 1914 werden in Sarajevo der Thronfolger Österreich-Ungarns Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Chotek ermordet. Was danach passierte, steht in allen Geschichtsbüchern; das Deutsche Reich sichert Österreich-Ungarn seine uneingeschränkte Bündnistreue zu, am 28.07. erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, Russland macht teilmobil und am 01.08. erklärt das Deutsche Reich dem russischen Zarenreich den Krieg. Am 02. und 03.08. marschieren die deutschen Truppen in Luxemburg und Belgien ein und damit begann für die Deutschen der 1. Weltkrieg.

    Die Mobilmachung macht auch vor Münsingen nicht Halt und so ziehen die Männer von der Alb in den Krieg. Wer nicht eingezogen wird, der meldet sich freiwillig, wie Wolfram und Anton, und die Frauen sind auf einmal auf sich gestellt. 

    In diesen Zeiten zeigt sich nun, dass persönliche Befindlichkeiten überhaupt keinen Platz im täglichen Leben haben, denn Mimi, Bernadette und Corinne müssen nun zusammenhalten um ihr Überleben zu sichern. 

    Bei „Die Fotografin – Die Stunde der Sehnsucht“ handelt es sich um den 4. Teil der Fotografinnen-Saga aus der Feder der Autorin Petra Durst-Benning. Für mich zeugt es von großer handwerklicher Kunst, wenn eine Autorin nach 1.440 bereits geschriebenen Seiten (Band 1 – 3) den Leser noch immer bei der Geschichte zu halten vermag. Und am Ende des Buches fange ich schon an, mich auf den 5. und letzten Teil zu freuen. 

    In diesem Band steht der 1. Weltkrieg im Vordergrund und seine Auswirkungen auf die Menschen. Sowohl auf die Menschen, die zu Hause geblieben sind, als auch auf die, die direkt im Kriegsgeschehen involviert sind. 

    Es ist ja nicht nur so, dass auf einmal in der Druckerei keine Männer mehr sind, die die Arbeit machen können, es gibt nach einiger Zeit auch keine Verbrauchsmaterialien mehr. Druckerfarbe und Papier bekommt Mimi nur noch dann geliefert, wenn sie Propagandamaterial druckt oder Lebensmittelbezugskarten. Auch wenn ihr dieser Job nicht gefällt, so ist es allemal besser, als gar nichts zu tun zu haben. 

    Bernadette und Corinne, die sich beide auf den Tod nicht ausstehen können, stehen auf einmal mit tausenden von Schafen alleine da. Wolfram hat sich freiwillig an die Front gemeldet, die anderen Schäfer und Hirten wurden eingezogen. Der Winter naht und die Schafe müssen auf die weit entfernten Winterweiden. Für diesen Job ist niemand anderer als die hochschwangere Corinne geeignet. 

    Bernadette wird vom Münzinger Bürgermeister als seine Stellvertreterin ernannt und sie ist fortan für die Belange der Bürger zuständig. Kein einfacher Job, schon gar nicht in Kriegszeiten. 

    Recht schnell stellen die 3 Frauen fest, dass es niemandem hilft, wenn sie sich nicht gegenseitig unterstützen und so wachsen sie immer mehr zu einer festen Einheit zusammen. 

    „Uns alle werden die Gräuel des Krieges ein Leben lang begleiten. Ich sage dir – nur wenn wir tot sind, werden wir das Ende des Krieges gesehen haben.“  (Seite 442)

    Die Geschichte wird in mehreren Handlungssträngen erzählt. Zum einen ist der Leser natürlich tief in die Geschehnissen um die 3 Frauen in Münsingen involviert, zum anderen erzählt Anton von seiner Zeit als Sanitäter an der Westfront (sehr bewegend !!) und natürlich gibt es auch wieder den Handlungsstrang von Paon, Alexander, der als Maler gerade in Kriegszeiten richtig Geld verdient. In diesem Band wird nun auch endlich die Herkunft von Mylo aufgedeckt, der vom 1. Tag in der Kunstschule seine schützende Hand über Alexander gehalten hat.

    Wer sich noch an den Gewerkschafter Johann Merkle erinnert, in den Mimi einmal über beide Ohren verliebt war. Oder Christel, Antons Freundin, die mit Antons Ersparnissen aus Laichingen verschwunden ist …. in diesem Band gibt es ein Wiedersehen mit ihnen.

    Petra Durst-Benning erschafft mit ihren Frauenfiguren immer starke aber authentische Persönlichkeiten. Es handelt sich nicht um Übermenschen, sondern um Frauen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und sich auch schon mal gegen die herrschenden Konventionen auflehnen. In einem Krieg nutzt einem Auflehnung nicht sehr viel, denn es gibt keine Alternativen. Aber Mimi, Bernadette und Corinne schaffen es immer wieder, für sich selbst und für einige andere Frauen aus dem Dorf Lösungen zu finden, die die härteste Zeit ihres Lebens erträglicher machen. 

    Nun gilt es auf den 5. und letzten Teil der Fotografinnen-Saga zu warten. „Die Fotografin – Das Ende der Stille“ erscheint im Frühjahr 2021. 

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    Cover des Buches Dschihad Online (ISBN: 9783473585137)

    Bewertung zu "Dschihad Online" von Morton Rhue

    Dschihad Online
    JanaBabsivor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Mit solchen Themen sollen Kinder/Jugendliche nicht alleine gelassen werden. Das Buch ist empfohlen ab 14 Jahren.
    Im Krieg hat am Ende nur einer Recht – der Gewinner

    Von 1992 bis 1995 befanden sich die Bewohner der damaligen Jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina im Krieg. Während der serbische Teil der Bevölkerung für einen Verbleib in der jugoslawischen Föderation kämpfte, wollten die Bosniaken einen unabhängigen Staat bilden. 

    Dieser Krieg eskalierte zwischen dem 11. und 19. Juli 1995 und diese schrecklichen Kriegstage gingen als „Massaker von Srebrenica“ in die Geschichte ein. Rund um die Stadt Srebrenica wurden circa 8.000 Bosniaken getötet (wohl eher abgemetzelt), in der Regel handelte es sich um männliche Personen im Alter zwischen 14 bis 78 Jahren. 

    Viele Menschen flüchteten damals vor Folter, Krieg und Zerstörung aus ihrem Heimatland. 

    Auch die Eltern von Amir und Khalil sind vor diesem Krieg geflüchtet und haben in Amerika eine neue Heimat gefunden. Während Amir in Bosnien geboren ist und – genau wie seine Eltern – nur eine Aufenthaltsgenehmigung hat, wurde Khalil in den USA geboren und hat somit die amerikanische Staatsbürgerschaft. 

    Die Eltern entschließen sich, wieder zurück nach Bosnien zu gehen, um dem Rest der Familie zu helfen und lassen ihre beiden Söhne zurück. Khalil ist 16 Jahre alt, Amir ist älter, aber sein genaues Alter hat sich mir irgendwie nicht erschlossen (oder ich habe es überlesen). Amir ist gläubiger Moslem, Khalil nimmt es mit der Religion nicht ganz so genau. 

    Bevor die Eltern ihre Söhne verlassen, zahlen sie die Miete für 6 Monate im Voraus. Weil Amir aber wegen Ladendiebstahls verurteilt wurde, soll er ausgewiesen werden und so verlassen beide die Wohnung und ziehen in die Souterrainwohnung von Bekannten.

    Khalil ist der beste Schüler seiner Klasse, er schwärmt für ein Mädchen und hat einen soliden Freundeskreis. Nach und nach verschlechtert sich ihre Lage, sie haben kein Geld mehr für die Miete, sie haben kein Geld zum Leben. Sie wohnen in einem kalten und klammen Keller (Wohnung kann man das nicht nennen) und halten sich mit Diebstählen über Wasser. Der letzte große Coup war der Diebstahl eines kompletten Geldautomates. 

    Khalil schwänzt immer öfter die Schule und lügt immer öfter seine Freundin an. Amir schaut sich auf YouTube Videos von Dschihadisten an, die dafür Werbung machen, sich ihnen anzuschließen und dafür im Paradies die Belohnung zu erhalten. Da Amir innerlich sehr zerrissen ist, fallen die Worte dieser Islamisten aus den Videos auf fruchtbaren Boden. Auf Facebook folgt er einigen radikalislamistischen Seiten. 

    „Ich schwöre bei Allah, ich fühle mich verloren. Ich würde so gern in einem muslimischen Land leben. Immer wieder sage ich mir, wenn ich in einem muslimischen Land leben würde, wäre ich strenggläubig. Hier in den USA bin ich mit so vielen Haram-Dingen (verbotenen Dingen) in Berührung gekommen. Alles, was ich brauche, sind ein guter Rat und ein paar schöne Worte, die meinem Herzen helfen.“ (Seite 67)

    Amir zieht seinen Bruder immer mehr hinein in diesen Strudel und irgendwann fährt Khalil zu einer Mission … im Kofferraum seines Autos befindet sich eine Bombe. 

    Drückt Khalil tatsächlich auf den Auslöser?

    Morton Rhue hat auch mit diesem Buch ein aktuelles Thema aufgegriffen, genau wie in seinem Buch „Die Welle“. Es handelt sich hier um ein Jugendbuch mit welchem der Autor seine Leser dazu bringen möchte, die Dinge zu hinterfragen. Es gibt immer 2 Seiten der Medaille, aber man sieht immer nur das, was andere einen sehen lassen. 

    Bei Amir und Khalil handelt es sich um 2 Jugendliche, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben. Sie fragen sich – zu Recht – warum es im Nahen Osten Dutzende von US-Militärstützpunkten gibt oder warum US-Kriegsschiffe im Persischen Golf liegen, die sofort Raketen und Kampfflugzeuge losschicken könnten. An keiner Stelle im Atlantik oder Pazifik liegen jedoch islamische Flotten. Es gibt auch keine muslimischen Drohnen, mit deren Hilfe amerikanische Bürger getötet werden. Wohl gibt es aber amerikanische Drohnen (Predator / Reaper), die zum Zweck der gezielten Tötung von Menschen in Afghanistan, Pakistan, Bosnien, Serbien, Irak, Lybien, im Jemen und in Syrien eingesetzt werden/wurden. Wenn bei solchen Aktionen unbeteiligte Zivilisten ums Leben kommen, so wird das als eine schreckliche Tragödie dargestellt.

    Warum bezeichnet man einen amerikanischen Soldaten, der bereit ist, sein Leben für sein Volk zu opfern, als Patrioten und Helden, und einen Moslem, der dasselbe tut, als Extremisten und Terroristen? Warum wird der Tod von unschuldigen muslimischen Frauen und Kindern durch eine amerikanische Drohne als Unfall abgetan, als Versehen, als „Kollateralschaden“? Aber wenn ein Moslem amerikanische Frauen und Kinder tötet, ist das eine Gräueltat, „ein barbarisches Massaker an unschuldigen Zivilisten“? (Seite 149)

    Die Geschichte von Amir und Khalil soll zum Nachdenken anregen. Der Schreibstil des Autors ist – meiner Meinung nach sehr kühl, auf Abstand. Tatsächlich lese ich die Seiten des Buches einfach so runter, emotionslos. Ich fühle nicht die Zerrissenheit der beiden Jungs, ich kann sie aber trotzdem verstehen. Jugendliche brauchen Führung, die sie normalerweise von ihren Eltern bekommen sollten. Die Eltern der Beiden sind in Bosnien und sie haben ihre Kinder sich selbst überlassen. Es ist meiner Meinung nach nicht verwunderlich, dass sie sich von den Versprechungen der Islamisten einwickeln lassen. Jeder Jugendliche, egal welcher Nationalität, driftet ab, wenn er nicht von zu Hause entsprechende Führung und Rückhalt bekommt in seinem Leben. 

    Mit 250 Seiten ist dieses Buch schnell gelesen und auch wenn es vom Schreibstil her eher nüchtern ist, kann man sich gedanklich mit dem Thema auch weit über das Lesen hinaus befassen. 

    Genau wie „Die Welle“, könnte ich mir „Dschihad online“ als Schul-Lektüre vorstellen, über die man im Anschluss diskutiert und sich austauscht. Mit solchen Themen sollen Kinder/Jugendliche nicht alleine gelassen werden. Das Buch ist empfohlen ab 14 Jahren. 

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