Kapitel7

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    Cover des Buches Das Erbe der Elfen (ISBN: B00JRF6RCE)

    Bewertung zu "Das Erbe der Elfen" von Andrzej Sapkowski

    Das Erbe der Elfen
    Kapitel7vor einem Monat
    Kein guter Hörbuch-Stoff

    Info vorab: Diese Rezension ist noch ausführlicher auf meinem Blog erschienen: https://kapitel7.de/andrzej-sapkowski-das-erbe-der-elfen-der-hexer-1-hoerbuch/


    Mein Eindruck ist, dass die Geschichte um Ciri sich nicht besonders gut für ein Hörbuch eignet. Zumindest nicht für jemanden, der noch wenig von der Welt der Hexer weiß. Sapkowski hat eine so umfangreiche Welt geschaffen, dass man sich regelrecht hineinarbeiten muss. Mich hat ein ziemlicher information overload getroffen.

    Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst ist die Welt der Geschichte vergleichsweise komplex. Neben einer Reihe an aktuellen politischen Machtspielen hat sie eine umfangreiche Vergangenheit mit Kriegen und noch mehr Machtinteressen. Die Bewohner dieser Welt sind mit Elfen, Menschen, Zwergen, Zauberern, zahlreichen Monstern, Kreaturen und den eigenartigen Hexern nicht weniger umfangreich und vielfältig. Oben drauf kommen das Magiesystem, die Sache mit der Quelle und die Vorhersehung.

    In Buchform ist die Geschichte in Vergleich zu anderer Fantasy dennoch vergleichsweise dünn. Wo andere Bücher 800 Seiten haben, hat dieses knapp 400. Wir haben all diese Hintergründe also auch noch auf engen Raum komprimiert.

    Und als wäre das noch nicht genug, hilft auch die Erzählweise nicht gerade dabei, den Überblick zu behalten. Neben verschiedenen Handlungssträngen warten Zeitsprünge durch Rückbleden oder Visionen Ciris, die es nötig machen, sich permanent auf eine veränderte Erzählsituation einzustellen.

    Weit weniger als am Inhalt habe ich an Oliver Siebecks Performance auszusetzen. An der ein oder anderen Stelle spricht etwas zu sehr gehaucht spricht, was daher kommt, dass er auf Tempo und Stimmung der Geschichte eingeht. Actionreiche Szenen spricht er schneller, nachdenkliche Szenen langsamer, was der Dramatik nur zuträglich ist. 

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    Cover des Buches Verfall und Untergang (ISBN: 9783257243819)

    Bewertung zu "Verfall und Untergang" von Evelyn Waugh

    Verfall und Untergang
    Kapitel7vor einem Monat
    Humor top, Plot so la la la

    Info vorab: Eine ausführlichere Version dieser Rezension ist auf meinem Blog erschienen: https://kapitel7.de/evelyn-waugh-verfall-und-untergang/


    Mein Feedback zu Verfall und Untergang fällt ein wenig zwiegespalten aus. Der Plot des Romans zählt nicht zu denen, von welchen man in den Bann gezogen wird. Spannung ist aber wohl auch kaum das Hauptanliegen, im Zentrum steht die satirische Kritik. Es sind vor allem die absurden Wendungen und die Gags, die den Lesefluss aufrecht erhalten.

    Und so lässt sich dem Schicksal Paul Pennyfeathers trotzdem sehr gut folgen. Die Handlung ist durch und durch amüsant, denn Paul stürzt von einer seltsamen Situation in die nächste. An jedem Ort, an dem er landet, trifft er auf skurrile Gestalten. Die Welt ist voller eigensinniger Exzentriker, die alle etwas bestimmtes parodieren.

    Das alles macht Verfall und Untergang zu einem Buch, das kaum zu meinen all time favourites zählen wird, zu dem man aber guten Gewissens greifen kann, wenn man auf der Suche nach einer amüsanten, lockeren Lektüre ist.

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    Cover des Buches Das Phantom des Alexander Wolf (ISBN: 9783423143356)

    Bewertung zu "Das Phantom des Alexander Wolf" von Gaito Gasdanow

    Das Phantom des Alexander Wolf
    Kapitel7vor einem Monat
    Das Besondere ist die Atmosphäre

    Info vorab: Eine ausführlichere Version meiner Rezension ist auf meinem Blog erschienen: https://kapitel7.de/gaito-gasdanow-das-phantom-des-alexander-wolf/


    Das Phantom des Alexander Wolf zählt für mich zu den Büchern, bei denen man am Ende Schwierigkeiten hat, den einen Handlungsfaden nacherzählen zu können. Der Roman ist eine Momentaufnahme aus dem Leben der Protagonisten. Er baut keine Geschichte, er baut eine Atmosphäre.

    Diese Atmosphäre wirkt wie ein Sog. Ich bin beim Lesen geradezu durch die Seiten geflogen. Es gibt kaum welche von jenen Stellen, die sich dazu anbieten, das Buch zuzuklappen und am nächsten Tag weiterzulesen. Gasdanows Stil hat eine Melodie, die bis zum Ende trägt. Dadurch ist der Roman ein kurzweiliger Zeitvertreib, aber dennoch ist es schade, dass die Erinnerung daran am Ende so schnell verfliegt.

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    Cover des Buches Aeneis (ISBN: 9783742413871)

    Bewertung zu "Aeneis" von Vergil

    Aeneis
    Kapitel7vor einem Monat
    Die Odysee der Trojaner in guter Umsetzung

    Info vorab: Eine ausführlichere Version dieser Rezension ist auf meinem Blog erschienen: https://kapitel7.de/vergil-aeneis-hoerspiel/

    Generell bin ich Hörspielen gegenüber zunächst immer skeptisch. Ein Hörspiel bedeutet immer Kürzungen und starke Bearbeitung. Dabei kann schnell viel kaputt gehen. Auch was Soundeffekte angeht wird in solchen Umsetzungen gern übertrieben. Hier ist das zum Glück nicht der Fall.

    Diese Hörspiel-Version der Aeneis hat mir gut gefallen. In kurzen und knackigen dreieinhalb Stunden wird der Kern der Geschichte recht gut getroffen. Der Fokus liegt dabei auf den Irrfahrten der Trojaner, die Zeit nach der Landung in Italien wird relativ knapp abgehandelt. Hier hätte ein paar Minuten mehr nicht geschadet.

    Dass die Aeneis als ein Stück Prosadichtung sowieso für den mündlichen Vortrag ausgelegt war und nicht darauf, in Stille gelesen zu werden, hilft bei der Umsetzung in einem Audioformat natürlich. Alles in allem kann man sich mit diesem Hörspiel einen verregneten Nachmittag gut vertreiben kann.

    Die Sprecher sind hier gut gewählt. Insgesamt fünfzehn Personen sind es, die den Charakteren ihre Stimmen leihen. Sie lassen sich unterscheiden, klingen nicht zu ähnlich. Man weiß jederzeit, wer gerade spricht. Was die Soundeffekte angeht, sind sie im Hörspiel so eingesetzt, dass sie der Atmosphäre Leben einhauchen, man damit aber nicht bombardiert wird. Anders ausgedrückt, das Maß passt.

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    Cover des Buches Game of Thrones - Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros (ISBN: B07GKQCD1M)

    Bewertung zu "Game of Thrones - Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros" von George R. R. Martin

    Game of Thrones - Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros
    Kapitel7vor einem Monat
    Feuer, Blut und süße Träume

    Info vorab: Eine noch ausführlichere Version dieser Rezension ist auf meinem Blog erschienen: https://kapitel7.de/george-r-r-martin-feuer-und-blut-erstes-buch


    Leider ist Feuer und Blut nicht besonders spannend. Wer einen Roman mit einer aufregenden Handlung erwartet hat, der wird enttäuscht. Auch wer einfach nur eine gute Erzählung erwartet hat, kommt nicht auf seine Kosten.

    Feuer und Blut versucht Geschichtsschreibung zu sein. Eine Art Add-on für Fans der Reihe, die nach noch mehr Details dürstet. Nur leider ist es Geschichtsschreibung der übelsten Sorte. Die Sorte nämlich, die Schüler im Unterricht für den Rest ihres Lebens das Fach Geschichte meiden lässt wie die Pest. Gutes Storytelling? Fehlanzeige.

    Der Text ist eine bloße Reihung von Fakten, die irgendwann völlig belanglos wirken und sich gefühlt permanent wiederholen. Wenn irgendwann die fünfte Prinzessin Probleme mit ihrer Jungfräulichkeit hat, während der dritte Ehestreit tobt, fehlt am Ende auch jeder Grund, sich die zig sehr ähnlichen Namen merken zu wollen.

    Sämtliche der erwähnten Figuren bleiben komplett platt, ihnen fehlt jede Tiefe. Auch die Welt erhält keinerlei Tiefe. Trotz mehr als 30 Stunden Spielzeit! Alleine das hinzukriegen ist eine Kunst für sich. Da hilft es auch wenig, dass zum Schein verschiedene Quellen und Geschichtsschreiber gegeneinander abgewogen werden. Die eine Quelle ist immer der propagandistische Moralapostel, der andere spricht ständig über Sex und Geschlechtsteile – bald langweilt auch das.

    Man muss es beinahe schon tragisch nennen, dass diesem Band der Vorgeschichte noch mindestens ein weiterer folgen soll. Dabei muss Geschichtsschreibung keinesfalls so unfassbar fad sein. Journalisten schaffen es schließlich oft genug, Reportagen und Dokumentationen spannend zu gestalten. Und auch die sehr empfehlenswerte Podcast-Parodie Hardcore Game of Thrones hat die Geschichte von Westeros um einiges unterhaltsamer präsentiert.


    Reinhard Kuhnert trifft an diesem Wunderwerk der Langeweile die geringste Schuld. Zwar hat er nicht die lebendige Stimme anderer Hörbuchsprecher wie Dirk Bach oder Rufus Beck, aber auch die hätte hier wenig geholfen. Bei manchen Texten gibt der beste Vortrag nichts her.

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    Cover des Buches Feuer und Blut - Erstes Buch (ISBN: 9783764532239)

    Bewertung zu "Feuer und Blut - Erstes Buch" von George R. R. Martin

    Feuer und Blut - Erstes Buch
    Kapitel7vor 4 Monaten
    Feuer und Blut und süße Träume

    Wer einen spannenden Roman erwartet hat, der wird enttäuscht. Auch wer einfach nur eine gute Erzählung erwartet hat, wird enttäuscht.

    Was Feuer und Blut versucht zu sein, ist Geschichtsschreibung. Eine Art Addendum für Fans der Serie, die noch mehr wissen wollen. Nur leider ist es Geschichtsschreibung der übelsten Sorte. Die Sorte nämlich, die Schüler im Unterricht für den Rest ihres Lebens das Fach Geschichte meiden lässt wie die Pest. Gutes Storytelling? Fehlanzeige.

    Der Text ist eine bloße Reihung von Fakten, die irgendwann völlig belanglos wirken und sich gefühlt permanent wiederholen. Wenn irgendwann die fünfte Prinzessin Probleme mit ihrer Jungfräulichkeit hat, während der dritte Ehestreit tobt, fehlt am Ende auch jeder Grund, sich die zig sehr ähnlichen Namen merken zu wollen.

    Sämtliche der erwähnten Figuren bleiben komplett platt, ihnen fehlt jede Tiefe. Auch die Welt erhält keinerlei Tiefe. Trotz mehr als 30 Stunden Spielzeit! Alleine das hinzukriegen ist eine Kunst für sich. Da hilft es auch wenig, dass zum Schein verschiedene Quellen und Geschichtsschreiber gegeneinander abgewogen werden. Die eine Quelle ist immer der propagandistische Moralapostel, der andere spricht ständig über Sex und Geschlechtsteile – bald langweilt auch das.

    Eine längere Kritik habe ich auf meinem Blog kapitel7.de geschrieben.

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    Cover des Buches Die Insel des Dr. Moreau (ISBN: 9781543036985)

    Bewertung zu "Die Insel des Dr. Moreau" von H. G. Wells

    Die Insel des Dr. Moreau
    Kapitel7vor 4 Monaten
    Science-Fiction Klassiker mit Thriller-Qualitäten

    Die Insel des Dr. Moreau ist ein spannender und unterhaltsamer Roman. Wie auch z.B. Frankenstein greift Wells das Thema des künstlichen Menschen auf. Der Roman spielt im Jahr 1887, zu einer Zeit also, in der riesiger Forscherdrang herrschte. Der Optimismus nach dem Motto „alles ist möglich“ wird in der Forschung des Dr. Moreau ins Extreme gesteigert. Sogar aus Tieren Menschen zu machen scheint möglich.

    Doch anders als Frankenstein, das hier und da etwas altbacken daherkommt, wirkt die Atmosphäre in Die Insel des Dr. Moreau tatsächlich bedrohlich. Das kommt vor allem durch das Bedrohungsszenario und die Angst Prendicks um das eigene Leben. Ein Thriller könnte kaum mehr Spannung erzeugen als diese Jagd.

    Denkt man an das Thema Gentechnik, kann man sich fragen, ob Wells‘ Roman, der zurecht ein Klassiker der schaurigen Science Fiction Literatur ist, einfach nur seiner Zeit vorraus war. Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist durchgehend spannend. Eine klare Empfehlung.

    Einen ausführlichen Beitrag zum Buch habe ich auf meinem Blog kapitel7.de geschrieben.


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    Cover des Buches Das hündische Herz (ISBN: 9783423143714)

    Bewertung zu "Das hündische Herz" von Michail Bulgakow

    Das hündische Herz
    Kapitel7vor 4 Monaten
    Schweinehund?

    An dieser Stelle möchte ich zuerst den Übersetzer loben. Alexander Nitzberg hat eine deutsche Version geschaffen, die sich angenehm lesen lässt. Der Text nimmt von Beginn an mit. Das liegt auch daran, dass Bulgakow mit hohem Tempo erzählt. Übermäßig lange Beschreibungen sucht man vergebens, die Handlung geht rasant voran.

    Zusätzlich zur gebotenen Action besticht Das hündische Herz mit einer Menge Witz. Das Benehmen des Hundes, bzw. des Genossen Lumpikow ist frech und skandalös. Auch Filipp Filippowitsch ist kein Heiliger, er nutzt seine privilegierte Stellung in der Moskauer Gesellschaft schamlos und egoistisch aus. Die Kombination beider Charaktere führt zu zahlreichen Absurditäten und macht Kritikpunkte am System bitterböse sichtbar.

    Ein ausführlicher Beitrag zum Buch ist auf meinem Blog kapitel7.de erschienen

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    Cover des Buches Tyll (ISBN: 9783499268083)

    Bewertung zu "Tyll" von Daniel Kehlmann

    Tyll
    Kapitel7vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Unterhaltsam und zu Recht hochgelobt mit vielen Eastereggs und Interpretationsmöglichkeiten.
    Ein unsterblicher Narr und Deutschland im Dreißigjährigen Krieg

    Einmal mehr beweist sich Daniel Kehlmann als ein großartiger Erzähler. Tyll ist einerseits angenehm zu lesen, bietet aber gleichzeitig eine große Zahl an Eastereggs und Interpretationsansätzen. Das Buch ist ein großer Spaß.

    Den Namen Till Eulenspiegel hat man in der Regel schon einmal gehört. Der tatsächliche Schelm, der die Vorlage für diesen Roman ist, soll im 14. Jahrhundert umhergezogen sein. Daniel Kehlmanns Tyll Ulenspiegel aber ist zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges unterwegs, also gute 300 Jahre später. Wir haben also eine Ähnlichkeit, aber keine Nacherzählung.

    In Abschnitten, die auf der Zeitliste immer wieder vor- und zurückspringen, werden verschiedene Episoden erzählt. Im Fokus dabei ist Tyll, aber nicht nur. Auch der abgesetzte „Winterkönig“ Friedrich und seine Gattin Liz, die entscheidend zum Ausbruch des Krieges beitrugen, nehmen im Roman großen Raum ein.

    Bringt man die Episoden in eine chronologische Reihenfolge, erhält der Leser ein Panorama vom Leben des Narren Tyll, das mit seiner Kindheit beginnt.

    Als Leser wird man schnell feststellen, dass weniger die Hauptfigur Tyll der tatsächliche Fokus ist, als vielmehr die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In den unterschiedlichen Episoden entfaltet sich ein buntes Panorama der Zeit mitsamt ihrer Probleme, Nöte und Entwicklungen. Dieses reicht von der Gesellschaft mit ihren starren Strukturen und Zwängen bis hin zur Entstehung der deutschen Literatur, die noch in ihren Kinderschuhen steht. Ein komisches Highlight ist die heute absurd anmutende Logik, mit der die kirchlichen Repräsentanten nach Ketzern oder auch Drachen jagen.

    Tyll ist zu Recht hochgelobt und ich kann den Roman nur weiterempfehlen.

    (Diese Rezension ist eine gekürzte Fassung. Die Langform mit Interpretationsansätzen und Motiven findet sich hier.)

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    Cover des Buches Ich und Kaminski (ISBN: 9783518737309)

    Bewertung zu "Ich und Kaminski" von Daniel Kehlmann

    Ich und Kaminski
    Kapitel7vor 9 Monaten
    Wer sind wir beide eigentlich, Ich und Kaminski?

    Dies ist nur ein Ausschnitt aus meiner Rezension zu Ich und Kaminski. Der vollständige Text ist auf kapitel7.de erschienen.


    Von Beginn an wirkt der Erzähler suspekt. Er ist ein selbsteingenommener Unsympath. Es fällt auf, wie sehr er alles kritisiert und bemängelt. Das Hotel ist nie gut genug, nie schmeckt irgendwelches Essen, nie macht jemand anderes seinen Job gut genug. Diese permanente negative Einstellung ist ungewohnt und führt daher immer wieder zu Lachern.

    Kehlmann schreibt mit Ich und Kaminski eine Satire auf den Egoismus und die Gefallsucht eines Journalisten, der vom Aufstieg träumt. Sebastian Zöllner hat eine große Motivation: Er will öffentliche Anerkennung und allen gefallen. Dadurch fehlen ihm Integrität, Charakter und klare Prinzipien. Er ist wankelmütig und narzisstisch. Seinen Geltungsdrang und sein Eigeninteresse stellt er über alles. Nichts drückt das besser aus, als der rücksichtslose Plan, eine möglichst skandalöse Biographie des hoffentlich bald sterbenden Kaminski zu verfassen.

    Viele der im Buch vorkommenden Medienfiguren sind wie Zöllner. Sie interessieren sich für sich selbst und für das Image, das sie in der Öffentlichkeit abgeben. Sein und Schein sind ein großes Thema. Was passt eignet sich besser, um mit diesem Motiv zu spielen, als ein quasi blinder Maler? Ironischerweise scheint es eben dieser Beinahe-Blinde zu sein, der sich als einziger wenigstens ansatzweise dafür interessiert, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Der Maler gibt mit seinen Gemälden Dingen eine Gestalt, die Medienfiguren geben sich selbst ein Image. Welches davon ist wirklicher? Oder sind beide gleich Illusion? Ein interessantes Spiel mit dem Thema Gestalt.

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