LaLecture

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    Cover des Buches Stella9783446259935

    Bewertung zu "Stella" von Takis Würger

    Stella
    LaLecturevor einem Jahr
    Spannender Ansatz, wenig gelungene Umsetzung

    „Stella“ - Die einen können es schon nicht mehr sehen, die anderen wollen unbedingt darüber diskutieren. Finde ich, dass der Autor die hitzige Debatte um das Buch verdient? Ja! Finde ich, dass das Buch die ganze Aufmerksamkeit wert ist? Nicht unbedingt... „Stella“ spaltet die Gemüter vor allem wegen des Themas: der schockierenden, wahren Geschichte, auf der es basiert. Doch so sehr die Verwendung eines so sensiblen Themas auch diskutiert werden sollte - meiner Meinung nach kommen in der Kritik des Romans viele andere Aspekte zu kurz. Daher möchte ich meine Meinung in zwei Teile teilen. STELLA ALS ROMAN Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass ich, hätte Stellas reale Vorlage nicht eine solche Debatte ausgelöst, an den Roman nach dem Lesen nicht mehr viele Gedanken verschwendet hätte. Als Roman fand ich es nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut - einfach nicht erwähnenswert. Takis Würgers Schreibstil wird häufig für seine Einfachheit kritisiert, doch ich finde ihn recht angenehm. Kurze Sätze und einfache Worte wirken oft plump, bei Würger jedoch nicht. Auch die eingestreuten historischen Fakten, die einen Überblick über die Zeit geben, und die Beschreibungen Berlins, die die Stimmung der Zeit vermitteln, haben mir sehr gut gefallen. Auch die Idee des Romans - jetzt mal abgesehen von der Tatsache, dass es Stella wirklich gab - hatte viel Potential. Anhand einer Figur wie Stella, die irgendwann vor der Frage steht, wie weit sie gehen würde, um geliebte Menschen zu retten, aber auch anhand von Leuten wie Friedrich oder Tristan, die entscheiden müssen, ob sie sich dem System beugen oder sich dagegen auflehnen, hätte man spannende moralische Fragen diskutieren können. Leider wird diese Möglichkeit meiner Meinung nach kaum genutzt, unter anderem, weil die Problematiken erst in der zweiten Hälfte des Buches aufkommen und der Roman mit knapp 200 Seiten recht kurz für eine wirkliche Entwicklung der Geschichte ist. Mit allen anderen Aspekten des Romans hatte ich leider meine Probleme, unter anderem mit den Figuren. Friedrich erschien mir das ganze Buch über einfach unfassbar farblos. Er ist der klischeehafte, vielleicht auch ein Stück weit realistische junge Mann, der zum ersten Mal in der großen Stadt ist, für den sich zum ersten Mal eine Frau interessiert. Er rennt im Grunde die ganze Zeit nur Kristin und Tristan hinterher, lässt sich herumschubsten und manipulieren und merkt viel zu spät, was Sache ist, was ich besonders in Bezug auf das Kriegsgeschehen irgendwann nicht mehr glaubwürdig fand. Er hat zu relativ wenigen Dingen eine Meinung und sagt sie noch seltener, weshalb das Ende für mich dann sehr abrupt und aus dem Nichts kam. Kristin erinnerte mich in ihrer Art an Sally Bowles aus „Cabaret“: Fröhlich lebt sie in den Tag hinein, scheint blind für die Gefahren durch die Nazis und nimmt sich, was sie will. Sie wirkte auf mich zum Teil sehr gekünstelt, wie sich jemand eine „mysteriöse, selbstbewusste Frau“ vorstellen würde, und war mir unfassbar unsympathisch. Daher konnte ich die Beziehung der beiden auch absolut nicht nachvollziehen - sowohl was sie an ihm findet als auch andersrum. Auch die Dialoge der Figuren, die wohl betonen sollten, wie „cool“ und „ungewöhnlich“ Kristin und Tristan sind, wirkten auf mich eher künstlich und übertrieben. Dafür, dass der Roman so kurz ist, entwickelt sich die Handlung auch seeehr gemächlich, wodurch man sich nach der Hälfte irgendwann fragt, wann denn nun Stella und ihre Geschichte auftauchen, und das Ende ziemlich abrupt kam. Und dann ist da noch die Sache mit der Farbenblindheit, deren Sinn (symbolisch?) ich nicht verstanden habe und die meiner Meinung nach nicht glaubwürdig umgesetzt wurde. STELLA IM KONTEXT Der größte Teil der Stella-Debatte dreht sich aber natürlich um die Tatsache, dass es Stella Goldschlag wirklich gab - eine Jüdin, die andere Juden an die Nazis verraten hat. Die Tatsache an sich, dass hier eine reale Person in einen Roman eingearbeitet wird, finde ich nicht sonderlich schockierend sondern eigentlich ganz spannend. Der fiktionale Rahmen erlaubt, gerade bei einer so polarisierenden Person, interessante Spekulationen über die Motivation hinter den Taten, könnte die Person Stella menschlicher (was nicht „sympathischer“ heißen soll!) erscheinen lassen als reine Gerichtsakten es tun. Leider finde ich, dass das nur bedingt gelungen ist, da die Charakterisierungen, wie bereits erwähnt, eher flach sind und das Buch nur einen kleinen Teil von Stellas Leben zeigt (und damit meiner Meinung nach wichtige Aspekte über die reale Person weglässt, beispielsweise ihren späteren überzeugten Antisemitismus). Auch die umstrittene Einarbeitung der Gerichtsakten vom Prozess der echten Stella sind meiner Meinung nach zwar ein interessantes Stilmittel, aber nicht perfekt umgesetzt. Einerseits bilden sie einen spannenden Kontrast zur Darstellung der lebenslustigen, scheinbar naiven und ein wenig ignoranten Stella aus dem Buch, andererseits werden sie mit nur einem Satz erklärt und ergeben für Leser*innen, die vorher nicht von der Existenz der realen Stella wussten, erst gegen Ende des Buches Sinn. Dafür, dass hier die echten Lebensgeschichten von Menschen verwendet werden, finde ich es schade, dass sie so wenig erklärt und einbezogen werden. Wichtig wäre meiner Meinung weiterhin gewesen, zumindest in einem Nachwort darauf hinzuweisen, welche Aspekte von Stella der historischen Realität entsprechen und welche für den Roman erfunden wurden. Natürlich ist ein Autor den Leser*innen in der Hinsicht nicht verpflichtet, weil es nicht seine Verantwortung ist, was sein Publikum für wahr hält und wie gut die Menschen sich über die historischen Tatsachen informieren. Gerade bei einem so kontroversen Thema hätte Takis Würger sich dadurch jedoch meiner Meinung nach eine Menge Stress und Anschuldigungen ersparen können. Stattdessen lässt er selbst im Epilog die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bewusst offen und setzt lediglich an den Beginn des Romans die Erklärung, dass Teile der Geschichte wahr seien. Was mich zu meinem letzten Punkt bringt: die Vermutung, dass der ganze Trubel um den Roman zumindest teilweise beabsichtigt war. Wer ein solches Thema (Holocaust), eine solche Vorlage (Stella) für einen Roman wählt, bewusst viele Dinge weglässt und offen lässt, was Fiktion und was Realität ist, schreit geradezu nach kritischen Diskussionen. Ein Marketing-Trick? Eine Taktik, um ein Buch, das ohne die reale Vorlage - meiner Meinung nach - eher belanglos gewesen wäre, zu verkaufen? Häufig habe ich gelesen, Takis Würger habe mit der Wahl von Stella als Figur Fragen danach aufwerfen wollen, wie weit man gehen würde, um geliebte Menschen zu retten, und wie weit man sich von einem System wie dem im Dritten Reich unterdrücken lassen würde. Das sind ja auch durchaus spannende moralische Fragen (die, wie bereits erwähnt, nicht zu meiner Zufriedenheit behandelt wurden), aber mal ehrlich: Wenn es nur darum und nicht auch um eine gewisse Provokation gegangen wäre, hätte man dann nicht auch eine fiktive Figur wählen können anstelle einer, deren reales Vorbild auch lange nach dem Krieg von der Richtigkeit ihrer Taten überzeugt zu sein schien? FAZIT „Stella“ hatte eine Menge Potential, denn die moralischen Fragen, die hätten aufgeworfen werden können, sind sehr spannend und auch die Person Stella Goldschlag als Vorlage hätte einiges hergeben können. Leider finde ich die Figuren eher blass bzw. gekünstelt, ihre Beziehung unverständlich und die Handlung nicht gut entwickelt - nur der Schreibstil überzeugte mich halbwegs. Die Verwendung realer historischer Personen ist interessant, hätte jedoch ein paar Erklärungen vertragen können. Ich finde es gut, dass der Roman zu so viel Diskussion anregt, finde ihn dafür aber eigentlich nicht gut genug 😅.

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    Cover des Buches Notes on a Nervous Planet9781786892676

    Bewertung zu "Notes on a Nervous Planet" von Matt Haig

    Notes on a Nervous Planet
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr interessante und gut formulierte Gedanken, die zum Nachdenken über das Leben im 21. Jahrhundert andenken ​
    Regt zum Nachdenken an! ​

    In „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“ („Reasons to Stay Alive“) hat Matt Haig bereits einen sehr ehrlichen, anschaulichen Bericht seiner eigenen Depression und Angsstörung verfasst. „Notes On a Nervous Planet“ fasst das Thema nun weiter und stellt die Frage: Was, wenn unsere moderne, schnelle, technisch entwickelte Welt die Entwicklung solcher psychischen Störungen begünstigt?

    Haig widmet sich vielen interessanten, zweischneidigen Aspekten unseres Jahrhunderts: exzessive Handynutzung, neue Entwicklungen von Schönheitsstandards durch moderne Technik, die Wirkung von immer überall verfügbaren Nachrichten und dem Fokus auf das Schlechte, das Phänomen, dass wir mehr Zeit haben und uns dennoch so fühlen, als hätten wir keine.
    Für all diese Phänomene hat er viele Zahlen und Fakten zur Hand und macht sich, besonders auf Basis seiner eigenen Erfahrungen, Gedanken darüber, wie man in unseren modernen Zeiten leben kann, ohne davon überfordert zu sein und krank zu werden.

    In einigen dieser Punkte und ihren Einflüssen habe ich mich und mein Leben durchaus wiedererkannt. Zum Teil habe ich mich von Haig und seinen Erfahrungen verstanden gefühlt, wodurch mich seine Gedanken sehr zum Nachdenken über meinen eigenen Lebensstil angeregt haben. Er findet für viele Dinge auch sehr treffende, eindringliche Worte, die mich sehr beeindruckt haben.

    Es ist aber auch wichtig anzumerken, dass es sich auch bei diesem Buch wieder nicht um ein wissenschaftliches Sachbuch sondern vor allem um persönliche Gedanken des Autors handelt. Er hat einige Zahlen parat, greift jedoch kaum auf neurobiologische und psychologische Erkenntnisse zurück, die seine Fragen beantworten und seine Thesen stützen würden. Er schreibt, er frage sich, wie Gehirne in der heutigen Zeit funktionieren, wirft jedoch hauptsächlich mit Zahlen über Technik um sich, ohne großartige Erkenntnisse über deren Zusammenhang mit Hirnfunktionen zu liefern.
    Das Buch taugt also eher als Denkanstoß als als Informationsquelle.

    Der Titel „Notizen“ ist ebenfalls durchaus ernstzunehmen. Das Buch ist zwar in Kapitel aufgeteilt, die sich einem bestimmten Thema widmen, doch nicht immer ist dieses Thema klar erkennbar und den Kapiteln fehlt es häufig an einer klaren Struktur - Haig zufolge mit Absicht. Es handelt sich eher um Notizen als klare, informative Aussagen.
    Dadurch habe ich mich beim Lesen häufig gefragt, was genau Haig mit dem Buch bezwecken will und ob er eine klare Aussage im Sinn hatte.

    Haigs Ehrlichkeit über seine eigene Erkrankung ist wirklich interessant und macht seine Ausführungen deutlich glaubwürdiger, da man versteht, wieso er sich für das Thema interessiert und wie er seine Erfahrungen gesammelt hat. Teilweise wurden seine privaten Erfahrungen aber auch zu spezifisch (z.B. wenn es um seine persönlichen Ängste ging) und dadurch für das große Ganze Thema nicht mehr interessant waren.
    Zwischenzeitlich driftet Haig für meinen Geschmack auch zu sehr ins Negative ab, wenn er - obwohl er betont, Technik habe gute und schlechte Seiten - lange Zeit bestimmte Entwicklungen rein negativ betrachtet.
    Besonders scheinen ihn Roboter und künstliche Intelligenz zu beschäftigen, die potentiell einmal menschliche Jobs übernehmen könnten. Er erwähnt dieses Thema so häufig, dass es schon ein wenig auffällig wird.


    Fazit

    Matt Haigs zweites Buch über psychische Gesundheit widmet sich den technischen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts und ihren Einfluss auf die Psyche. Dabei äußert er viele kluge, gut formulierte Gedanken und regt zum Nachdenken an. An wissenschaftlichen Erkenntnissen der (Neuro-)Psychologie fehlt es jedoch.

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    Cover des Buches Ich und der Weihnachtsmann9783423289658

    Bewertung zu "Ich und der Weihnachtsmann" von Matt Haig

    Ich und der Weihnachtsmann
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannende Weihnachtsgeschichte über Mut, Hoffnung und Akzeptanz ​
    Spannend, aber nicht so lustig wie die ersten beiden Teile ​

    „Ich und der Weihnachtsmann“ ist der dritte und bislang letzte Teil in Matt Haigs Trilogie rund um den Weihnachtsmann, das Waisenkind Amelia und Wichtelgrund.

    Auch wenn sich das Buch theoretisch unabhängig von den ersten beiden Teilen lesen lässt, empfiehlt es sich, die Reihenfolge einzuhalten, da im Rückblick am Anfang des Buches die Handlung der ersten beiden Bücher beinahe komplett wiedergegeben wird.

    Im Laufe von „Ein Junge namens Weihnacht“ und „Das Mädchen, das Weihnachten rettete“ habe ich die schräge, bunte und liebenswerte Welt der Wichtel liebgewonnen. Auch in diesem Band kommen wieder einige unterhaltsame Informationen hinzu, beispielsweise über Wichtelhochzeiten, die Wichtelschule und - als Special Guest sozusagen - den Osterhasen.

    Die Figuren sind weiterhin etwas schräg und sympathisch und Amelia, die diesmal aus der Ich-Perspektive erzählt, weiterhin recht authentisch mit ihrem Bedürfnis dazuzugehören und geliebt zu werden. Das Buch zeigt gut, wie wichtig diese Dinge für Menschen, besonders Kinder sind, und dass das Gefühl nicht dazuzugehören einen zu verzweifelten Taten bringen kann.
    Allerdings verhält Amelia sich dadurch in dem Buch auch häufig nicht nur leichtsinnig sondern auch klischeehaft und frustrierend, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen.

    Frustrierend war die Handlung des Buches für mich auch sonst häufig.
    Einerseits ist sie spannend und es passiert, nachdem die Geschichte eine Weile braucht, um in Gang zu kommen, ziemlich viel, insbesondere am Ende. Im Vergleich zu den ersten beiden Büchern hat dieses auch die komplexeste und interessanteste Handlung. Sie baut sich konsequenter auf und wirkt in sich stimmiger und gleichmäßiger. Und natürlich fehlt auch diesmal die Botschaft von Hoffnung und Akzeptanz nicht.

    Andererseits ist dieses Buch auch deutlich düsterer und enthält deutlich weniger Witz als die anderen beiden, was ich sehr schade fand. Teilweise fand ich es sogar regelrecht frustrierend, weil es im Gegensatz zu den ersten Büchern lange sehr negative Passagen ohne einen Hoffnungsschimmer für die Figuren gab.
    Zudem ist die alte Leier mit dem Misstrauen gegen Menschen, die hier wieder das Hauptmotiv für die Bösen ist, mittlerweile langweilig geworden.

    Die Motivation hinter den erneuten Versuchen Weihnachten zu verhindern ist in diesem Buch erstaunlich komplex und politisch - vielleicht etwas zu sehr für eine junge Zielgruppe. Ich hatte auch das Gefühl, dass einige Hintergründe nicht ganz stimmig waren und zum kompletten Verständnis einige Informationen fehlten.

    Das Ende des Buches konnte mich mit den Ereignissen dann wieder ein wenig versöhnen, da es einige Überraschungen und natürlich auch ein Happy End bereithält.

    Schade finde ich übrigens, dass der Klappentext des Verlages bereits Teile der Handlung verrät, die erst im letzten Drittel aufgedeckt werden, was zu falschen Erwartungen führen und der Geschichte einen Überraschungseffekt nehmen könnte.


    Fazit

    Der dritte Teil der Weihnachts-Trilogie überzeugt wieder durch niedliche, kreative Szenen in Wichtelgrund, sympathische Figuren und diesmal eine erstaunlich komplexe Handlung. Allerdings fand ich diesen Teil deutlich weniger unterhaltsam, ein wenig zu komplex und teilweise frustrierend.

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    Cover des Buches Das Mädchen, das Weihnachten rettete9783423281287

    Bewertung zu "Das Mädchen, das Weihnachten rettete" von Matt Haig

    Das Mädchen, das Weihnachten rettete
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schöne und wieder sehr unterhaltsame Fortsetzung über Wichtelgrund und den Weihnachtsmann ​
    Schöne, unterhaltsame und liebevoll gemachte Fortsetzung ​

    „Das Mädchen, das Weihnachten rettete“ ist der zweite Teil von Matt Haigs Weihnachtstrilogie rund um Wichtelgrund und Nikolas, den Weihnachtsmann. Durch die einführenden Erklärungen am Anfang kann man es auch lesen, ohne den ersten Teil, „Ein Junge namens Weihnacht“, gelesen zu haben, doch es empfiehlt sich die Reihenfolge einzuhalten, da in diesem Buch viel über die Handlung des ersten Teils verraten wird.

    Mit Amelia kommt in diesem Buch eine weitere Hauptperson hinzu, die deutliche Parallelen zu Nikolas aufweist: Auch sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen, verliert früh ein Elternteil und versucht sich allein durchzuschlagen mit ihrem einzigen Freund, einem Tier, an ihrer Seite. Auch sie begegnet auf ihrem Weg bösartigen Erwachsenen und muss sich mit Mut und Herzensgüte gegen sie zur Wehr setzen.
    Wie auch Nikolas ist sie eine mutige und sympathische Protagonistin, allerdings ist sie auch voller Wut, weil sie häufig enttäuscht wurde, was sie zu einer etwas vielschichtigeren und authentischeren Figur macht.

    Ähnlich wie im ersten Teil geht es auch hier wieder darum, mutig zu sein, Hoffnung zu behalten und an das Gute zu glauben und daran, dass man ein bessere Leben haben kann und verdient - eine schöne weihnachtliche und ermutigende Botschaft.

    Im Gegensatz zu „Ein Junge namens Weihnacht“ wird die Geschichte dieses Mal jedoch nicht nur aus einer Perspektive erzählt. Kapitel über die Ereignisse in Wichtelgrund, in denen die Trolle versuchen Weihnachten zu verhindern, wechseln sich ab mit Kapiteln über Amelias Leben in London. Zwischendurch sind auch Kapitel über die Wichtelfrau Nusch eingestreut, die auf eigene Faust ermittelt. Zum Teil hat die Story ein wenig was von einem Krimi mit der Verschwörung gegen Weihnachten und verleiht dem Buch so mehr Spannung als dem ersten.
    Die drei Perspektiven, die einander früher oder später kreuzen, sind jedoch für ein so kurzes Kinderbuch auch etwas viel auf einmal, sodass die Storyline von Nusch etwas zu kurz kommt, was schade ist, da ihr Sohn Mim eine der liebenswertesten Figuren des Buches ist.

    Auch dieses Buch ist wieder sehr unterhaltsam geschrieben mit netten Scherzen für Jung und Alt. Man bekommt mehr Einblicke in das Leben in Wichtelgrund und lernt zum Beispiel Wichteluhrzeiten wie „Zehn vor beinahe Bettzeit“ und „Fünf nach ziemlich spät“ kennen und bekommt erklärt, wie der Weihnachtsmann es schafft, in einer Nacht alle Kinder der Welt zu beschenken. Charles Dickens und Queen Victoria haben Gastauftritte, die sicher vor allem für ältere Leser*innen amüsant sind, ebenso wie die Erfindung des Telefons.
    Ein absolutes Humor-Highlight sind definitiv auch die Trolle.


    Fazit

    „Das Mädchen, das Weihnachten rettete“ ist eine gelungene Fortsetzung, die weitere kreative Hintergründe über das Leben des Weihnachtsmannes „enthüllt“ und eine sympathische neue Protagonistin sowie eine spannende Handlung mit weihnachtlicher Botschaft aufweist. Zudem ist es wieder sehr humorvoll, sowohl für jüngeres als auch für älteres Publikum.

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    Cover des Buches Der Trafikant9783036959092

    Bewertung zu "Der Trafikant" von Robert Seethaler

    Der Trafikant
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Geniale Kopplung aus alltäglichen Teenagersorgen mit den düsteren politischen Einflüssen der Zeit ​
    Geniale Kopplung aus alltäglichen Teenagersorgen mit den düsteren politischen Einflüssen der Zeit ​

    Mein erster Seethaler-Roman war eine absolut positive Überraschung für mich. Da ich die Verfilmung (die übrigens extrem nah am Buch und als Verfilmung gut gelungen ist!) nur gut, aber nicht herausragend fand, und Bücher über die NS-Zeit oft eher meide, hatte ich nicht erwartet, dass ich diesen Roman innerhalb eines Tages verschlingen und von ihm absolut fasziniert sein würde.

    Seethalers Schreibstil macht definitiv einen großen Teil der Qualität dieses Romans aus. Er ist bildlich, anschaulich und entführt einen gemeinsam mit Franz ins Wien der 30er-Jahre, ohne jedoch jemals langatmig zu sein. Zudem enthält er durchaus subtilen Humor, der mit dafür sorgt, dass das Buch trotz seiner düsteren Thematik nicht komplett deprimierend ist.

    Die Genialität des Buches ergibt sich aus den zwei Handlungen, die parallel ablaufen:
    Vordergründig geht es um Franz‘ typische Probleme eines Jugendlichen, hauptsächlich seine Suche nach einer ersten Liebe. Er verliebt sich, wie es für einen Teenager wohl realistisch ist, Hals über Kopf in die erste Frau, die sich für ihn interessiert. Anezka ist in ihrem Verhalten gegenüber Franz nicht sympathisch, doch vermutlich authentisch, ebenso wie Franz’ blinde Naivität. Seine Geschichte ist ebenso schmerzhaft wie glaubwürdig und gespickt mit schönen, nachdenklichen Gesprächen mit Sigmund Freud.

    Währenddessen läuft im Hintergrund schleichend ab, was wir alle aus den Geschichtsbüchern kennen: Österreich macht einen Rechtsruck durch und treibt immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland in die Arme. Auch die Anfeindungen gegen Juden nehmen zu - während die anderen Menschen Wiens größtenteils wegschauen. Ohne in erster Linie ein Buch über den Nationalsozialismus zu sein, zeigt der Roman so auf eindringliche und treffende Art, wie ein Land eine erschreckende Entwicklung nehmen kann, die bzw. deren Ausmaß von vielen erst bemerkt wird, wenn es bereits zu spät ist. Anhand von Figuren wie Otto Trsnjek und dem Roten Egon wird auch gezeigt, wie damals mit Menschen umgegangen wurde, die sich getraut haben, gegen die Entwicklungen Stellung zu nehmen.
    Wie viele Geschichten über diese Zeit ist der Roman in der Hinsicht nicht nur bedrückend sondern auch eine Warnung, die durchaus in der heutigen Zeit noch Relevanz hat.

    Die Vermischung dieser beiden Handlungsebenen macht für mich die Intensität und Authentizität des Romans aus. Auch Franz, der an Politik nicht sonderlich interessiert ist, bekommt zunächst nur am Rande mit, was sich in Österreich abspielt. Erst, als die Ereignisse ihn persönlich betreffen, wacht er auf - eine durchaus glaubwürdige Entwicklung. Dadurch hat der Roman nie etwas Belehrendes an sich und vermittelt dennoch eine wichtige Botschaft.


    Fazit

    „Der Trafikant“ ist ein atmosphärisch dichter, wunderbar geschriebener Roman, der gekonnt die authentische Geschichte eines Teenagers und seiner ersten Liebe mit den düsteren Ereignissen in Österreich Ende der 30er-Jahre verbindet. Seethaler beweist hier ein Gefühl für Worte sowie großes Erzählgeschick.

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    Cover des Buches The Butchering Art: Joseph Lister's Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine9780374117290

    Bewertung zu "The Butchering Art: Joseph Lister's Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine" von Lindsey Fitzharris

    The Butchering Art: Joseph Lister's Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Detailreiche und informative Beschreibung der furchtbaren Umstände in Krankenhäusern des 19. Jahrhunderts und der Entwicklung antiseptischer
    Detailreich und informativ, jedoch nur für starke Mägen ​

    Lindsey Fitzharris widmet sich in diesem Sachbuch einem wirklich spannenden Thema, das in sonstigen medialen Darstellungen des 19. Jahrhunderts gerne mal unter den Tisch fallen gelassen wird: die katastrophale hygienische Situation in (britischen) Krankenhäusern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

    Zu Beginn des Buches widmet Fitzharris sich einer allgemeinen Bestandsaufnahme der Situation in Krankenhäusern, insbesondere der Chirurgie, Mitte des 19. Jahrhundert. Dabei geht sie auf den Beruf des Chirurgen und die damalige Abgrenzung der praktischen Medizin zur Wissenschaft ein, auf die Trennung zwischen praktizierenden und dozierenden Chirurgen, auf die verschiedenen Theorien zu Krankenhauskeimen und darauf, wieso vor Joseph Lister kaum Maßnahmen dagegen ergriffen wurden.
    Für mich eröffnete sie damit ein Themenfeld, über das ich bisher kaum etwas wusste, und beschreibt es sehr ausführlich, detailreich und informativ.

    Diese ausführliche Einführung hat jedoch auch zur Folge, dass das eigentliche Thema des Buches, Antisepsis, erst nach der Hälfte wirklich zur Sprache kommt. Man sollte das Buch also eher lesen, wenn man allgemeines Interesse an dem Thema Hygiene, Chirurgie und Infektion zu dieser Zeit hat und nicht, wenn man konkrete, kompakte Informationen über die Entwicklung von Desinfektionsmitteln haben will.

    Fitzharris beweist dabei eine Leidenschaft für ihr Fachgebiet und besonders fürs Detail, weshalb die blutigen Beschreibungen von Operationen und ihren Umständen zwar Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen, jedoch auch nur für starke Mägen geeignet sind. Auch die düsteren, aber realistischen Beschreibungen der schmutzigen und ärmlichen Lebensumstände in wachsenden Großstädten zur Zeit der Industrialisierung sorgen für eine anschauliche und unheimliche Atmosphäre.

    Hauptperson des Buches ist Joseph Lister, der eine Methode zur Desinfektion von Wunden, insbesondere während Operationen, entwickelt hat. Fitzharris erzählt von seinem Leben und davon, wie seine Erfahrungen als Student und später Chirurg ihn dazu motiviert haben, Methoden gegen den Tod durch Krankenhauskeime und Infektionen zu finden. Zu lesen, wie er sich mit seiner Intelligenz und seinem Selbstbewusstsein gegen die Skeptiker seiner Zeit durchgesetzt und seine eigene Arbeit stets hinterfragt hat und verbessern wollte, war für mich sehr beeindruckend und inspirierend.

    Auch die Skepsis und Kritik, denen Lister nach seinen Entdeckungen noch gegenübertreten musste, haben mich überrascht und auf interessante Weise gezeigt, dass und warum die wissenschaftliche Gemeinschaft nicht unbedingt offen gegenüber revolutionären Ideen war, die ihre bisherigen Ansätze diskreditieren.

    Dabei berücksichtigt Fitzharris zwar nicht Listers Wunsch, seine private Biografie aus der Darstellung seiner wissenschaftlichen es Arbeit herauszuhalten, legt den Fokus jedoch stets auf Listers wissenschaftliches Streben und erwähnt Privates nur dann, wenn es für seine Arbeit wichtig war.

    Fitzharris arbeitet mit einer Vielzahl von Quellen und hat für ihr Buch offensichtlich eine beeindruckende, vermutlich jahrelange Recherchearbeit geleistet. Daher finden sich im Anhang des Buches auch etliche Quellenangaben. Im restlichen Teil des Buches werden diese jedoch nicht über Fußnoten angekündigt, was das Lesen angenehmer macht, weil man nicht das Gefühl hat, bei jedem zweiten Satz in den Anhang blättern zu müssen. Möglicherweise wäre es aber gut gewesen, die ausführlicheren Anmerkungen, die nicht nur die Quelle sondern auch Erklärungen beinhalten, zu kennzeichnen.

    Bei allem Respekt für Fitzharris‘ Ausführlichkeit und Leidenschaft für das Thema, kommt sie doch auch manchmal etwas zu sehr von ihren eigentlichen Erzählungen ab. Wenn sie den Namen einer weiteren Person, vor allem eines anderen Chirurgen, nennt, schweift sie häufig für einen recht weitreichenden Exkurs in deren Leben ab, und nimmt ihrer Erzählung so ein wenig die Übersichtlichkeit. Man fragt sich, ob wirklich alle genannten Namen und Details, auch aus Listers Kindheit und seinem Studium, notwendig waren, um die Geschichte seiner Arbeit zu erzählen.


    Fazit

    In „The Butchering Art“ zeichnet Lindsey Fitzharris ein bildreiches, anschauliches und gleichermaßen faszinierendes wie schockierendes Bild der katastrophalen hygienischen Zustände in Krankenhäusern Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit offensichtlicher Begeisterung für das Thema und manchmal etwas zu großer Detailtreue erzählt sie die faszinierende Geschichte des unbeirrbaren Joseph Lister und seiner Suche nach einem Mittel gegen Infektionen.

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    Cover des Buches Ein Junge namens Weihnacht9783423280884

    Bewertung zu "Ein Junge namens Weihnacht" von Matt Haig

    Ein Junge namens Weihnacht
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Liebenswerte und unterhaltsame Geschichte über die Kindheit des späteren Weihnachtsmannes ​
    Liebenswert und humorvoll ​

    Die Idee, die Lebensgeschichte des Weihnachtsmannes zu erzählen, ist eine wirklich sehr süße für ein Kinderbuch und wird von Matt Haig kreativ und liebevoll umgesetzt. Zwar sind Wichtel und der Weihnachtsmann natürlich keine neue Erfindung, doch Haig hat hier seine eigene, unterhaltsame und herzallerliebste Version der Geschichte des Weihnachtsmanns geschaffen. Die Beschreibungen von Wichtelgrund sind bunt, farbenfroh und machen auch Erwachsenen Spaß.

    Zudem ist die Geschichte sehr passend für eine weihnachtliche Botschaft. Nikolas stammt aus armen Verhältnissen und erlebt eine schwere Kindheit, doch er wird, wie man anfangs bereits erahnen kann, dennoch zu einem guten Menschen, der andere glücklich machen will. Hoffnung, der Glauben an das Gute im Menschen und daran, dass das scheinbar Unmögliche möglich ist, sind wiederkehrende Themen des Buches. Nikolas‘ Geschichte mitzuerleben und die Freude an guten Taten zu teilen macht gute Laune und Nikolas und die gastfreundlichen Wichtel sind für junge Leser*innen sicher gute Vorbilder.

    Das Buch ist wirklich sehr unterhaltsam geschrieben mit Humor, der sowohl für Kinder als auch für Erwachsene unterhaltsam und durchaus intelligent ist. Haig schweift öfters in süße Erklärungen und Ergänzungen ab, die gut wiedergeben, wie Kinder vielleicht denken würde. Dennoch wird der Humor dabei für Erwachsene nur selten zu albern oder flach - ein wenig „Pipi-Kaka-Humor“ ist jedoch dabei. Besonders amüsiert habe ich mich über den Runnig Gag mit der Maus und dem Käse.

    Dadurch, dass Nikolas erst als Figur vorgestellt werden und seine lange Reise auf sich nehmen muss, kommt die Geschichte eher langsam in Gang, während in der zweiten Hälfte plötzlich sehr viel auf einmal passiert. Teilweise hätte ich mir eine bessere Verteilung davon gewünscht, was ausführlich und was kurz und knapp beschrieben wird.

    Ein wenig erstaunt war ich auch davon, wie vergleichsweise brutal das Buch doch zwischendurch ist. So tötet Nikolas, wenn auch in Notwehr, einen Troll auf recht blutige Weise und auch eine recht wichtige Person stirbt im Laufe des Buches, sodass man, wenn man das Buch gemeinsam mit Kindern liest, nicht darum rumkommen wird, über das Thema Tod und Verlust zu sprechen. Zum Teil beißen sich diese doch recht dramatischen Ereignisse in meinen Augen mit der sonst so positiven Handlung des Buches.


    Fazit

    Eine liebenswerte, kreative und humorvolle Geschichte über die Kindheit des Weihnachtsmannes, die Groß und Klein in weihnachtliche Stimmung bringen wird.

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    Cover des Buches Das klassische Weihnachtsbuch9783596521500

    Bewertung zu "Das klassische Weihnachtsbuch" von Nicole Seifert

    Das klassische Weihnachtsbuch
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schöne Idee, meiner Meinung nach aber leider eine eher langweilige und nichtssagenden Zusammenstellung an Geschichten ​
    Schöne Idee, aber leider enttäuschend umgesetzt ​

    Auf der Suche nach schönen, kurzen Weihnachtsgeschichten griff ich im Laden zu diesem Buch. Die Idee, Weihnachtsgeschichten von Klassiker-Autor*innen wie Selma Lagerlöf, Thomas Mann und Maxim Gorki in einem Buch zu versammeln, fand ich toll, da ich auch gerne Klassiker lese. Daher störten mich auch die altmodische Sprache und eher ruhige Erzählweise nicht.

    Leider fehlte mir aber bei vielen Geschichten die weihnachtliche Botschaft beziehungsweise generell eine klar erkennbare Aussage (beispielsweise über Nächstenliebe, Familie, etc.), die ich bei weihnachtlichen Kurzgeschichten erwartet hätte. Zwar erzählen die Texte alle von Weihnachten, doch einige enden gefühlt mitten in der Geschichte, andere beschreiben lediglich den Weihnachtsabend einer Familie.
    Bei dem Kapitel aus den „Buddenbrooks“ und dem Text von Gustav Freytag handelt es sich um Romanausschnitte, die für mich, die ich die Figuren alle nicht kannte, eher verwirrend waren.

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    Cover des Buches Schutzengel9783257241709

    Bewertung zu "Schutzengel" von Paulo Coelho

    Schutzengel
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr spirituell und eher für Menschen empfehlenswert, die offen für den Glauben an übernatürliche Erfahrungen sind ​
    Sehr spirituell und mystisch, leider gar nicht meins ​

    Bei „Schutzengel“ handelt es sich, wie Coelho auch im Vorwort schon betont, nicht um einen Roman sondern eher um einen Erfahrungs- und Reisebericht von Coelho (im Buch stets beim Vornamen genannt) und seiner Frau Chris. Ihm zufolge sind alle im Buch beschriebenen Ereignisse tatsächlich passiert.

    Wie man anhand der Inhaltsangabe bereits erahnen kann, beschäftigt sich „Schutzengel“ intensiv mit Aspekten von Coelhos religiösen und spirituellen Ansichten. Problematisch war hier für mich, dass nie genau erklärt wird, woran er eigentlich genau glaubt, ob dieser Glaube einen Namen hat, eine Religion oder eine Sekte oder vielleicht eher eine Philosophie ist, und wo man mehr Informationen darüber finden kann. Man wird in Coelhos Glauben förmlich hineingeworfen, mit aus dem Christentum bekannten Begriffen wie Gott und Engeln, aber auch mit Walküren und Magiern konfrontiert, von denen mir nicht klar war, wie genau sie da reinpassen und - im Falle des Magiers - was genau man sich darunter vorstellen soll.

    Mit einigen Ideen dieses Glaubens konnte ich durchaus etwas anfangen, beispielsweise mit den Erklärungen zu dem „zweiten Bewusstsein“ und der Channeling-Mediation, deren Sinn ich durchaus auch aus nicht-religiöser Sicht nachvollziehen konnte.
    Viele andere Aspekte des Buches erscheinen einem aber wohl nur glaubhaft, wenn man offen dafür ist, an die Existenz von Engeln, Dämonen und anderen Welten zu glauben. Hätte ich vorher gewusst, worum es in dem Buch geht, hätte ich es genau aus diesem Grund wohl nicht gelesen.

    Die Beschreibung der Reise durch die Wüste allgemein ist recht interessant. Neu für mich war zum Beispiel die Information, dass man in der Wüste stets mit langer Kleidung herumlaufen sollte, da man sonst durch die Sonne auf der Haut so schnell dehydrieren kann, dass man es nicht einmal merkt.
    Da das Buch aber sehr kurz ist und den Fokus auf die spirituellen Begegnungen des Paares legt, gibt es leider nicht viele solcher informativer Szenen.

    Problematisch und nicht wirklich nachvollziehbar fand ich auch die Beziehung von Paulo und Chris, wie sie im Buch beschrieben wird. Sicher steckt eine Menge mehr dahinter, als im Buch erklärt wird, aber auf mich wirkte es, als würde er sie nicht sonderlich nett behandeln und kaum Rücksicht auf ihre Gefühle nehmen. Dadurch konnte ich das ganze Buch über nicht nachvollziehen, wieso Chris diese Reise mit Paulo unternimmt.


    Fazit

    Was und wieviel man aus diesem Buch mitnehmen kann, hängt sicher sehr damit zusammen, wie offen man für den Glauben an Übernatürliches und spirituelle Erfahrungen ist, von denen Coelho hier schreibt, sie seien real. Ich persönlich konnte damit leider nichts anfangen und war zudem verwirrt von den fehlenden Erklärungen zu diesem Glauben und der seltsamen Beziehung zwischen Paulo und Chris.

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    Cover des Buches PERSUASION9781435136625

    Bewertung zu "PERSUASION" von Jane Austen

    PERSUASION
    LaLecturevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ruhige, romantische Geschichte mit sympathischem Paar und dem typischen Austen-Humor ​
    Einer der romantischsten Austen-Romane ​

    Ich bin auch ein großer Fan der Austen-Klassiker „Stolz und Vorurteil“ und „Emma“, doch seit ich „Persuasion“ das erste Mal gelesen habe, habe ich es in mein Herz geschlossen. Die Geschichte der wiedererblühten Liebe zwischen Anne und Captain Wentworth ist meiner Meinung nach eine der romantischsten, die Jane Austen verfasst hat.

    Es geht in diesem Roman um eine Beziehung, die nicht nur Standesdünkel und unsympathische Familienmitglieder überwinden muss, sondern auch eine große Kränkung und eine Entscheidung, die sicherlich nicht jeder Mensch verzeihen würde: Anne hat Wentworth schon einmal zurückgewiesen.
    Ihre Entscheidung, die sie damals nicht aus eigener Überzeugung sondern aufgrund der Überredung ihrer mütterlichen Freundin Lady Russell getroffen hat, mag sie charakterschwach erscheinen lassen, doch ich finde sie vor allem authentisch. Dass ein junges Mädchen mit 19 Jahren noch recht formbar und offen für die Urteile ihrer älteren Bekannten ist, halte ich für sehr glaubwürdig.

    Acht Jahre später wirkt Anne deutlich reifer und weiser - ebenfalls ungewöhnlich für Austen, eine mit 27 für diese Zeit recht alte unverheiratete Frau zu einer Protagonistin zu machen und ihr eine „zweite Chance“ zu geben. Annes deutlich erwachseneres und Wentworths reflektiertes Verhalten machen die beiden jedoch gerade zu einem sehr angenehmen Paar und einer gelungenen Abwechslung zu Austens sonst oft jungen und stürmischen Heldinnen.

    Die Gefühle, die beide auch nach all den Jahren noch für einander hegen, mögen - gerade angesichts ihrer kurzen Bekanntschaft vor ihrer Verlobung - aus heutiger Sicht übertrieben und kitschig wirken, doch sie sind auch sehr romantisch. Anne ist sich bewusst, was sie an Wentworth verloren hat, und er denkt trotz seiner Kränkung noch immer sehr gut von ihr. Wie die beiden sich einander annähern, ohne sich bewusst zu sein, was die andere Person fühlt, macht Spaß mitzuverfolgen und erwärmt das Herz. Die vielen unglücklichem Zufälle und Missverständnisse, die ihnen dabei Steine in den Weg legen, sorgen dabei für eine gewisse Spannung.

    Angenehmerweise umgeht Austen dabei jedoch den Punkt, an den viele Liebesromane kommen, an dem die Missverständnisse zwischen den Figuren gezwungen und übertrieben wirken. Anne und Wentworth mögen nicht glauben können, dass ihre Liebe noch eine Chance hat, doch dumm oder blind sind sie deshalb nicht.
    Das Ende des Romans ist in meinen Augen eines der schönsten und romantischsten von allen Austen-Romanen.

    Bei all dem Lob für die Hauptfiguren gibt es allerdings auch etwas zu bemängeln. Anne ist mit ihrer ruhigen, besonnenen und hilfsbereiten eine durchaus sympathische Hauptfigur, doch dadurch wirkt sie, zumindest in ihrer älteren Version, auch etwas zu perfekt.

    Schade finde ich auch, dass Anne und Wentworth nicht so richtig darüber sprechen, was damals zwischen ihnen schiefgelaufen ist. Wentworth gibt sich die Schuld, obwohl es eigentlich mehr Annes war, und sie selbst erklärt und entschuldigt sich nicht für ihre damalige Entscheidung, deren Hintergründe Wentworth nur über Dritte erfährt. Von den Gesprächen her, die die beiden im Buch führen, müsste man annehmen, dass Wentworth denkt, Anne sei damals nur das Geld wichtig gewesen und sie habe ihn nicht geheiratet, weil er arm war. Das nimmt der Liebesgeschichte für mich ein wenig die Romantik.

    Neben der Liebesgeschichte weist der Roman natürlich auch Austens brillanten, bösen Humor, ihre Beobachtungsgabe und ihre treffenden Beschreibungen der Gesellschaft und einer bunten Sammlung an Figuren auf. Annes hypochondrische Schwester Mary, ihr von Standesdünkel und Eitelkeit durchtränkter Vater, die jungen und noch recht naiven Schwestern Musgrove und der ruhige Captain Benwick - in „Persuasion“ versammelt sich eine bunte Mischung an Figuren, von denen man sich gut vorstellen kann, dass sie einem so auch in echt begegnet wären und begegnen. Wie so oft ist einer der Punkte, den Jane Austen schonungslos ehrlich anspricht, die Ehe, besonders die Zweckehe zwischen Menschen, die nicht unbedingt romantisch zusammenpassen, so zum Beispiel ihre Schwester Mary und Charles Musgrove.
    Besonders die Szenen in den Familien Elliot und Musgrove fand ich daher stets sehr erheiternd.


    Fazit

    „Persuasion“ überzeugt mit seiner ruhigen, romantischen Geschichte über eine Liebe, die eine zweite Chance bekommt. Zudem enthält der Roman die für Jane Austen typischen, treffenden wie bösen Beschreibungen

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