Leserrezension_2009

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    Cover des Buches Das große Wörterbuch der Kochkunst (ISBN: 9783854761969)

    Bewertung zu "Das große Wörterbuch der Kochkunst" von Alexandre Dumas

    Das große Wörterbuch der Kochkunst
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Das große Wörterbuch der Kochkunst" von Alexandre Dumas

    Eingereicht von ChiefC.
    Eine Unverschämtheit! Wie kann man den Namen Alexandre Dumas', des Schöpfers der unsterblichen drei Musketiere und des Grafen von Monte Christo, einfach für ein neues Kochbuch missbrauchen! Eine ältere Dame kochte vor Wut, als sie bei der Frankfurter Buchmesse 2002 am Stand des Wiener Mandelbaum Verlags den vermeintlichen Frevel entdeckte. Verlagschef Michael Baiculescu versuchte, die Frau zu beruhigen: Aber Dumas hat das Buch geschrieben", erklärte er. Das kann nicht sein, er ist tot", zürnte die Besucherin und stapfte wütend davon.
    Tatsächlich brachte den großen Romancier in Deutschland, anders als in Frankreich, bis vor wenigen Jahren kaum jemand mit Kochkunst in Verbindung. Dass sich das mittlerweile geändert hat, ist dem Verleger-Ehepaar Veronika und Michael Baiculescu zu verdanken. Vor vier Jahren brachten sie Dumas' kulinarisches Vermächtnis in einer dreibändigen Ausgabe erstmals in deutscher Sprache heraus. Sein großes Wörterbuch der Kochkunst" erschien 2002 zum 200. Geburtstag Dumas. Er war einer der schillerndsten und phantasievollsten Fabulierer, die die Welt je gekannt hat. Der Autor Michael Kleeberg nennt ihn gar einen der größten Glücksbringer in der Geschichte der Literatur."
    Und, in der Tat, haben nicht fast jedem von uns die edlen Streiter d'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis zumindest für ein paar Stunden zur Flucht aus dem grauen Alltag verholfen?
    Aber die berühmen Musketiere sind nur vier von rund 37 000 Romanfiguren, die Dumas im Laufe seines Lebens erschuf, die Zahl seiner Werke ist Legion. Im Vorwort seines Wörterbuchs schreibt er sich selbst vierhundert bis fünfhundert Bände zu. Michael Baiculescu hat sogar eine Liste von 646 Büchern zusammen getragen.
    Der Grand dictionnaire de cuisine" sollte Dumas' letztes Werk sein, bevor er 1870 starb.
    Als nach seinem Tod die Habseligkeiten des Dichters zum Verkauf standen, lästerte ein Spötter angesichts der großen Anzahl an Kochbüchern: Es müsse sich wohl um die Bibliothek von Dumas` Köchin und nicht um seine eigene handeln.
    Weit gefehlt, denn der Dichter aß nicht nur gerne, was man ihm im Laufe seines Leben immer mehr ansah, er kochte auch mit Leidenschaft. Und am Ende seines Lebens beschloss er, von A bis Z, eine Geschichte der Weltküche zu verfassen.
    Dichter und Intellektuelle, die Kochbücher schreiben?
    Anders als in Deutschland, verwundert das in Frankreich niemanden. Dort sind die meisten Kochbuch-Klassiker nicht etwa von Köchen geschrieben worden. Brillat-Savarin, bis heute Gott aller Gourmets, war von Beruf Jurist. In Frankreich gehören Essen und Trinken einfach zur Kultur. Wohl jeder kennt das Bonmot: In Deutschland isst man, um zu leben. In Frankreich lebt man, um zu essen. Ganz egal, womit Monsieur und Madame ihre Brötchen verdienen.
    Die deutsche Küche erntet denn auch in Dumas' Kompendium nicht allzu viele Lorbeeren. Um ehrlich zu sein: Sie kommt gar nicht groß vor. Zwar findet man Kalbshirn à l'allemande, maskiert mit einer Sauce à l'allemande. Deren Hauptbestandteile sind Butter und, man staune, Champignons, die doch so französisch klingen. Und natürlich tischt Dumas unter dem Stichwort Sauerkraut" auch die bis heute weltweit verbreitete Ansicht auf, dies sei das Gericht schlechthin für die Deutschen, die davon nicht genug haben können."
    Doch nicht nur die deutsche, auch die Küchen anderer Länder bekommen von Dumas ihr Fett ab: So beklagt er unter dem Stichwort Kasserol(l)e", dass nur die Franzosen dieses wunderbare Kochutensil richtig zu würdigen wüssten. Denn, so Dumas: Man weiß ja, dass sich die Spanier nur von Schokolade, Garbansos und ranzigem Speck ernähren, die Italiener von Makkaroni, die Engländer von Roastbeef und Pudding, die Holländer von im Ofen gebratenem Fleisch, Kartoffeln und Käse, die Deutschen von Sauerkraut und geräuchertem Speck." - Und von Kalbshirn, muss man hinzufügen.
    Man sieht: Obwohl Dumas weit gereist war und als Reiseschriftsteller ebenfalls große Erfolge feierte: In Sachen Küche blieb er Chauvinist, trotz seines Anspruchs, ein universales Küchenlexikon zu verfassen.
    Diesem Ziel wurde er vielleicht nicht ganz gerecht, aber wer könnte das denn? Dennoch ist Dumas Wörterbuch, das im Original 1200 Seiten umfasst, ein Füllhorn an Kulturgeschichte, an Anekdoten und natürlich an Rezepten. Und wo unsereins zu Nahrungsmitteln, die mit K anfangen, vielleicht gerade mal Kartoffeln, Kohl oder Kotelett einfallen, da schwärmt der wortmächtige Dichter von Kaninchenrouladen mit Pistazien, da schwelgt er in Kapaun mit Trüffeln, da schwadroniert er von seinen heiß geliebten Kasserolle-Gerichten. Und selbst Kängurus, Kiebitze und Kletten verwertet er kulinarisch.
    Rund 1300 seiner Rezepte sind in dem Wörterbuch" abgedruckt, das der Mandelbaum Verlag seit 2006 in neuer Ausstattung heraus gibt und zwar als einbändigen Prachtband mit wunderschönen Illustrationen.
    Rund 80 Prozent der Rezepte kann man laut Michael Baiculescu sehr wohl nachkochen." Das gilt allerdings nicht unbedingt für sein opulentes Lieblingsrezept Hecht à la Chambord". Dafür benötigen Sie unter anderem elsässische Krebse, Karpfenzungen und Hahnenkämme.
    Und oft stellte das Französisch des 19. Jahrhunderts Übersetzerin Veronika Baiculescu, die Ehefrau des Verlegers, auf harte Proben. Denn Dumas' Sprache ist teilweise ebenso veraltet wie diverse Küchenutensilien und -techniken. Und manche Wörter sind fast genauso ausgestorben wie die Zutaten, die sie bezeichnen.
    Der von Dumas beschriebene Wiener Gugelhupf hat allerdings den Praxistest in der heimischen Küche der Baiculescus bravourös bestanden. Er gelang köstlich, obwohl Michael Baiculescu vorab wegen der vielen von Dumas geforderten Eier um die Konsistenz des Backwerks gefürchtet hatte. Doch schon Dumas lobte bei der Beschreibung des Rezepts die Geschicklichkeit der Wiener Bäckerinnen und die Wiener Küche, die er ansonsten für minderwertig hielt.
    Trotz dieser Vorurteile und der teils schwer nachvollziehbaren Rezepte - die sich in beiden Fällen aber durchweg amüsant lesen: Dieser Prachtband sorgt für Gaumen- und Geisteskitzel. Bon appétit!

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    Cover des Buches Der Tod ist mein Beruf (ISBN: 9783746612126)

    Bewertung zu "Der Tod ist mein Beruf" von Robert Merle

    Der Tod ist mein Beruf
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Der Tod ist mein Beruf" von Robert Merle

    Eingereicht von jed:
    Kann jemand, der jeden Abend als liebevoller Familienvater zu den Seinen zurückkehrt, tagsüber am Mord von tausenden von Menschen beteiligt sein?
    Der Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolph Höß (der in diesem Buch Rudolf Lang heißt), konnte es. Der Leser folgt ihm in "Der Tod ist mein Beruf" von Robert Merle - von der Darstellung seiner Kindheit bis ins Vernichtungslager mit jeder Seite, die er umblättert. Wenn auch nur auf dem Wege der Buchstaben, nicht auf dem Wege des Begreifens.

    Meine Meinung:
    Es ist eigentlich fast unmöglich, eine Rezension über ein Buch zu schreiben, dass sich derart realitätsnah mit dem wohl dunkelsten Kapitel unserer Geschichte beschäftigt: der Ermordung der Juden während des Nationalsozialismus.
    Man kann nicht sagen: Unglaubliche Geschichte, erscheint mir alles ein bisschen sehr überzogen - denn das, was Robert Merle hier akribisch aufarbeitet, beruht auf den Erinnerungen des wahren Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß (die übrigens auch im DTV-Verlag erschienen sind) sowie auf den Protokollen des Psychologen, der sich im Gefängnis mit ihm auseinandergesetzt hat.
    Wovon macht man den Eindruck, den das Buch hinterlässt, dann abhängig? Ich für meinen Teil auf jeden Fall davon, dass ich es in mittlerweile 20 Jahren immer wieder gelesen habe, immer Neues darin entdecke und immer wieder sprachlos bin vor der Grausamkeit, die sich mir hier, angesichts der Taten der Nazis, auftut.
    Merle beschönigt nichts, entschuldigt nichts. Er zeichnet vielmehr nüchtern den Lebensweg eines Menschen nach, der von Kindheit an nichts anderes kennengelernt hat als autoritäre Strukturen und der sich dann am sichersten fühlt, wenn er einfach ausführt, was man ihm sagt. Und sei es, Millionen von Menschen in den Tod zu schicken.
    Dass er mit dieser Einstellung aufsteigt im System der Nazi-Diktatur, dass dies aber auch eine immer stärkere Verrohung bedeutet, hilft dem Leser vielleicht die Frage zu beantworten, wie es zu all dem kommen konnte.
    Und genau aus diesem Grund empfehle ich jedem dieses Buch, der wissen möchte, warum nur einige widersprochen haben während der Nazi-Zeit und andere einfach getan haben, was man ihnen sagte - selbst wenn es jeder Menschlichkeit widersprach.

    FAZIT:
    Ein MUSS für jeden Bücherschrank!

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    Cover des Buches Im Namen des Schweins (ISBN: 9783627001483)

    Bewertung zu "Im Namen des Schweins" von Pablo Tusset

    Im Namen des Schweins
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Im Namen des Schweins" von Pablo Tusset

    Eingereicht von hom:
    Das Böse à la Catalana. Ein Schlachtfest zwischen Himmel und Hölle.
    Vorbemerkt sei: Die Vorbemerkung auf dem Buchdeckel: „…der Krimi, der es nicht ist“ - entliehen einer früheren Rezension - weist in die richtige Richtung. Wenngleich Kommissar Pujol und sein Ziehsohn T als Protagonisten vordergründig Jagd auf einen perversen Verbrecher machen, der übergewichtige Hausfrauen in industriellen Schlachthäusern nach
    allen Regeln des Ritus zur Schlachtbank führt, handelt es sich bei Pablo Tussets zweitem großen Roman „Im Namen des Schweins“ keinesfalls um einen Vertreter des Genre Klassischer Kriminalroman. Sondern …

    Gegensätzlich wie grotesk führen uns drei zentrale Handlungsstränge letztlich weg vom initiierenden, plakativen Großgemetzel: Zum einen die Geschichte des ältlichen Kommissars Pujol; in der Hauptsache befasst mit der Aufklärung des Falls in einem abgelegenen Bergdorf; zudem aktiv im Aufpeppen seines bislang müden Privatlebens. Dies alles findet statt „In der Welt“, namentlich in der lebenswerten Mischung aus einem quirligen Szene- Barcelona, einem beschaulichen Suburb-Barcelona und einem Wochenendwohnsitz-
    Ambiente für Betuchte vor den Toren Barcelonas. Daneben die Episode seines Ziehsohns Tomas, „T“. Jungkommissar, im richtigen Leben Kollege Pujols in Barcelona, sportlich, attraktiv - und ausgebrannt. „T“ nimmt eine Auszeit in New York, „Im Paradies“.
    Die zweiteMetropole des Werkes kommt im Vergleich zur katalonischen allerdings bedrohlich und kalt - als Kulisse für „T“s psychotische Wandlungen - daher. Denn „T“ changiert hier peripher mühelos zwischen eiskaltem Gelegenheitsmörder und heiß-romantischem Latin Lover, der sich in Suzanne verliebt, um deren Schicksal wir daher ab sofort zittern müssen. Es ist demnach auch weniger „T“, als vielmehr die Leserschaft, die im Rahmen der New Yorker Love Story ein wachsendes „Paradise Lost“-Gefühl entwickelt.

    Nach seiner schwarzen Romanze in New York, und das ergibt den dritten Strang, wird „T“ zu „P“ und zum Undercover-Agenten in eben jenem Bergdorf, das Schauplatz des Schlachthausmordes war. Er ist „In der Hölle“ gelandet. Tusset inszeniert hier ein surreales Dorfleben - strikt im Gegensatz zum naheliegenden und doch unerreichbaren Barcelona.
    Die Bewohner sind skurril und - beinahe inzestuös - auf sich selbst fixiert. Ein spannendes wie unterhaltsames Umfeld, in dem „P“ (ehemals „T“) nun ermittelt und nebenbei weiter mordet.

    Auf der intellektuellen Überholspur zitiert Tusset im Handlungsverlauf Dante Alighieri, Hieronymus Bosch, Quentin Tarantino und jeden. Peu a peu baut sich ein doppelter Boden an Essenzen und Bedeutsamkeiten auf. So heißt das Bergdorf bei Barcelona „San Juan del Horla“, und falls wir nicht adhoc Maupassants Klassiker „Der Horla“ assoziieren, dürfen wir erfahren, dass Maupassant hier verrückt geworden sei. Letzteres - sei notiert - ohne jede realistische Grundlage und vielmehr um der hochkarätigen Unterhaltung Willen. In gleicher Weise deutet ein vielzitierter „rechter Flügel“ des Triptychons „Garten der Lüste“ von Bosch auf eine Gruppe aus drei Personen, inklusive einem Schwein als Nonne, und metaphorisch auf die Drei-Gliederung der Handlung rund um das Schwein. Und zwar deutet er auf genau dieses. Und nicht etwa auf mehr, wie sich aufgrund des bedeutungsschweren Zitats ja auch vermuten ließe.

    Von Referenzen in diesem Stile wimmelt es nur so im Roman: Sie alle zeigen Pablo Tussets Begeisterung, uns Rätsel - vom Typus „Um die Ecke gedacht“ - aufzugeben; und zwar nicht etwas zur Handlungslenkung, sondern, um sich mit uns Lesern augenzwinkernd zu verbünden: „Wir denken an das Gleiche, oder?“

    Womit spätestens aus dem Kriminalroman ein klassischer Fantasy-Roman geworden wäre. Einer, der sich gegen Interpretationen sträubt, aber auf höchstem Niveau unterhält und amüsiert. Unterhält, weil er ein hohes Identifikationspotenzial besitzt, und wir uns unweigerlich die Frage stellen, in wie viel Hölle wir selbst unmerklich leben. Eine Frage übrigens, die Kommissar Pujol zu einem guten Teil aufgrund seines ebenso plötzlichen - wie
    gemäldeartig inszenierten - Ablebens erspart blieb. Und amüsant, weil er selbstironisch mindestens drei gute Geschichten dekonstruiert und die Splitter zu einem höchst unterhaltsamen, größeren Ganzen wieder zusammenfügt.

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    Cover des Buches Brautflug (ISBN: 9783810515803)

    Bewertung zu "Brautflug" von Marieke van der Pol

    Brautflug
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Cover des Buches Terror (ISBN: 9783453029057)

    Bewertung zu "Terror" von Dan Simmons

    Terror
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Cover des Buches Die Stunde, in der ich zu glauben begann (ISBN: 9783866122062)

    Bewertung zu "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" von Wally Lamb

    Die Stunde, in der ich zu glauben begann
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Cover des Buches Die Brautprinzessin (ISBN: 9783608938715)

    Bewertung zu "Die Brautprinzessin" von William Goldman

    Die Brautprinzessin
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Die Brautprinzessin" von William Goldman

    Eingereicht von Daniela M.:
    Ein pinkes Cover springt einem förmlich ins Auge, von Prinzessinnen oder gar Bräuten ist die Rede? Das löst sicher nicht nur bei vielen Männern einen spontanen Fluchtreflex aus! Alle die bis hierher gelesen haben beglückwünsche ich und ermutige sie, auch weiter zu lesen. Es ist nicht so wie Sie denken! Dieses Buch ist kein typisches Frauenbuch (obwohl die Frauen es lieben werden) - es ist ein grandioses Abenteuer.

    "Die Brautprinzessin" strotzt nur so vor Humor, Spannung und Action, doch natürlich kommen auch Gefühle (Ja klar - Gefühle und trotzdem nicht schnulzig, das geht!) nicht zu kurz. Also trauen Sie sich, denn dieses Buch ist jedes Wagnis wert. Wenn Sie das Lesen nicht mal wagen, dann können Sie sowieso nicht mit den Figuren mithalten. (Ich weiß, ich bin streng!)

    Es handelt sich hierbei um eine Geschichte in der Geschichte. William Goldman erzählt zunächst von sich selbst und seiner Familie.0AAls Kind bekam er von seinem Vater "Die Brautprinzessin" von S. Morgenstern vorgelesen. Er liebt dieses Buch über alles und auch sein Sohn soll es lesen. Dieser ist jedoch gelangweilt und sein Vater stellt fest, dass das Buch wirklich langweilig ist. Tatsächlich wurde ihm selbst eine gekürzte Fassung vorgelesen.

    So verfasst auch er eine gekürzte Geschichte für seinen Sohn. Diese erzählt von der wunderschönen Butterblume und ihrer großen Liebe Westley, von Entführungen, Folter, großer Freundschaft und Kämpfen. Man ist bei Prinzen und Königen zu Gast, wandert durch unwegsames Gelände, lernt die außergewöhnlichsten Menschen kennen... nun: Man ist einfach dabei!

    Das Besondere an diesem Buch ist, dass nicht immer nur alles fein säuberlich in Gut und - das ach so grausame - Böse unterteilt ist. Der Autor treibt ganz bewusst ein Verwirrspiel mit dem Leser und lenkt nicht mit künstlichen Ach-wir-sind-alle-so-glücklich-Szenen und ähnlichem Trallalla vom Thema ab. Jetzt höre ich mich sicher furchtbar fies an.... ach lesen Sie besser erstmal das Buch und bilden sich dann ein Urteil.

    Jedenfalls habe ich mich köstlich amüsiert, denn das Buch steckt voller Überraschungen und Wendungen, die sich von jeglichem Einheitsbrei distanzieren. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass0Aich noch nie ein originelleres Buch gelesen habe. Unterstützt wird das Ganze durch eine passende Typografie. Unterschiedliche Schriftfarben, das blitzgescheite Nutzen von Klammern und auch die Anpassung von Wörtern an ihren Klang bzw. ihre Bedeutung ließen mich noch mehr in dieser Geschichte versinken.

    Ein Genuss für jeden Freund von humorvollen Texten sind sicher die Zwischentexte, die William Goldman immer mal einfügt. Da redet er sich so einiges von der Seele und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ach, was habe ich gelacht! (Nun sagen Sie nicht, Sie lachen nicht gern?!)

    s
    ..c
    .....h
    .........a
    .............d
    ..................e

    Es ist wirklich vorbei! Wie gut, dass mich nichts daran hindert, dieses Buch wieder und wieder zu lesen.

    Machen Sie sich auf etwas gefasst! Das wohl eigensinnigste (natürlich im positiven Sinne) und eigenständigste Buch, das ich kenne, befindet sich gerade in Ihrem unmittelbaren Blickfeld! Sie müssten nur noch... Muss ich wirklich noch mehr dazu sagen?

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    Cover des Buches Menschenhafen (ISBN: 9783785760062)

    Bewertung zu "Menschenhafen" von John Ajvide Lindqvist

    Menschenhafen
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Menschenhafen" von John Ajvide Lindqvist

    Eingereicht von Kavai:
    "Dante wankte, fiel auf die Seite und legte sich platt auf den Steg. Als Simon bei ihm war, lag der Kater regungslos neben dem äußersten Poller. Das Ding, mit dem er gespielt hatte, war kein Seil, denn es bewegte sich. Es war eine Art Insekt, ein wurmartiges Insekt. Simon ignorierte es und ging neben dem Kater in die Hocke.
    "Dante, mein Guter, was ist mit dir?"
    Die Augen des Katers waren weit aufgerissen, sein Körper schüttelte sich einige Male wie von Schluchzern.Es lief etwas aus seinem Maul. Simon hob den Kopf des Katers an und sah, dass es Wasser war. Ein Strom aus Wasser ergoss sich aus dem Maul des Katers. Dante hustete, Wasser spritzte heraus. Dann lag er still. Seine Augen starrten leer."
    Dante ist und war Simons Kater. Simon ist und war Zauberer. Simon ist alt. Er liebt Anna-Greta. Diese (ganz wunderbar beschriebene) Liebe ist der Kern, um den sich die Geschichte herumwindet wie ein Apfel.
    Anders ist Anna-Gretas Enkel. Seine Liebe ist seine Tochter. Diese Liebe ist das Fleisch des Apfels, um den sich die Schale schält.
    Seine Tochter Maja ist vier. Zusammen mit ihren Eltern macht sie einen Ausflug auf eine kleine Insel, die den Namen Gavasten trägt. Es ist Winter.
    Auf dieser Insel steht ein Leuchtturm. Sie gehen hinein und schauen sich den Reflektor an. Maja, die immer voller Unruhe ist, stürmt als erste hinaus. Kurz danach kommen ihre Eltern. Maja ist nicht zu sehen. Sie suchen. Die Insel ist klein. Das Meer ist mit Eis bedeckt. Das Eis mit Schnee. Sie hat einen roten Schneeanzug an. Sie müßten sie sehen, wenn sie da wäre.
    Doch sie ist und bleibt verschwunden.
    Ein paar Jahre später kehrt Anders in das Haus zurück, in dem die Familie damals gewohnt hat. Seine Ehe ist zerbrochen. Er trinkt. Er zieht in ein windschiefes Haus, das Smäcket heißt. Dort hat er damals mit seiner Frau und seiner Tochter gelebt. Notdürftig und seelengepeint richtet er sich ein.
    Eines Nachts schreibt ihm seine Tochter eine Nachricht: "Frag mich."
    War es seine Tochter?
    So wie Dante, der Dichter, uns in die Abgründe der Erde führte, so führt uns Dante, der Kater, in die Abgründe des Wassers. Der Schlüssel ist ein Insekt, das den Namen Spiritus trägt.
    Welch gruselige Tiefen und Kräfte das Wasser hat, das sich in der See(le) breitmacht, dies zeigt John Ajvide Lindqvist auf beängstigend überzeugende Weise. Er schwächelt nie. Keinen Moment. Es ist so verrückt, was er schreibt, aber so raffiniert ist dies eingebunden in die machtvolle und ganz und gar wirklichkeitsgetreue Wiedergabe seiner Charaktere. Durch diesen Kontrast wird das Übersinnliche sinnlich und berührt die Haut und das pochende Herz wie ein Gespenst, das ganz unwahrscheinlich, aber doch ganz wirklich, eines nachts, vielleicht im Traum, meine Hand packt.
    Zwei Gespenster sind das Böse in diesem Buch. Teenagergespenster auf einem Lastenmoped. Ich weiß nicht, wie ein Lastenmoped aussieht. Aber dies Bild von den beiden auf ihrem Fahrzeug, hat sich mir eingebrannt. Sie kommen in der Nacht. Und bringen Angst und Schrecken...Elin! Elin!
    Wird durch Anders alles anders?
    "Frag mich", sagt das Buch.
    "Trag mich - aus dem Laden, aus der Bibliothek, nimm mich mit zu Dir.
    Was weißt Du vom Wasser. Es gibt weit mehr Dinge im Wasser, als die Schulweisheit sich träumen läßt. Buuh, ich werd Dich erschrecken. Ich bin bei Dir, wenn Anders Nachts allein in seinem Haus sitzt. Dann verlaß ich Dich und Du bist mit ihm allein. Im nächsten Augenblick zersplittert eine der Scheiben im Wohnzimmer und Anders schreit auf...
    Laß mich nicht fallen! Krampfhaft hälst Du mich fest. So ist es gut. Lies mich weiter. Nicht zittern! Du mußt keine Angst haben. Alles ist gut! Ich bin ja nur ein Buch."

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    Cover des Buches Angst & Desaster (ISBN: 9783837082784)

    Bewertung zu "Angst & Desaster" von Niclas Quinten

    Angst & Desaster
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Angst & Desaster" von Niclas Quinten

    Eingereicht von Peter K.:
    Die Kurzgeschichten von Niclas Quinten erzählen von Melancholie und Hoffnung, von den kleinen Schrecknissen und glücklichen Momenten des Alltags. Er zeichnet und beschreibt die handelnden Personen ironisch und nicht ohne Sympathie. Hier versteht sich einer auf das Erzählen von Geschichten. Reine Fabulierfreude mit genauer Beobachtung gepaart.

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    Cover des Buches Requiem für einen Hund (ISBN: 9783882217353)

    Bewertung zu "Requiem für einen Hund" von Daniel Kehlmann

    Requiem für einen Hund
    Leserrezension_2009vor 11 Jahren
    Rezension zu "Requiem für einen Hund" von Daniel Kehlmann

    Eingereicht von Peter K..
    Ja, hier er erklärt Kehlmman ein Stück seiner Arbeitsweise. Beindruckend ist die Gesprächsführung und die angerissenen Themen. Nach der Lektüre dieses schmalen Bändchens habe ich "Ruhm" nochmal anders gelesen. Um Kehlmann als Autor zu verstehen, ist dieses Buch sehr hilfreich. Kehlmann ist bei allen anderen Eigenschaften auch ein Literaturtheoretiker auf hohem Niveau. Bin gespannt wann ihm eine Poetikvorlesung angeboten wird.

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