Libertine

  • Mitglied seit 21.10.2019
  • 79 Bücher
  • 11 Rezensionen
  • 40 Bewertungen (Ø 4.58)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne23
  • 4 Sterne17
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Cover des Buches Die schönsten norwegischen Märchen (ISBN:9783458364009)

    Bewertung zu "Die schönsten norwegischen Märchen" von Hans-Jürgen Hube

    Die schönsten norwegischen Märchen
    Libertinevor einem Monat
    Von vielköpfigen Trollen und weißen Bären.

    Auf über 200 Seiten hat Hans-Jürgen Hube sie gesammelt: die schönsten norwegischen Märchen. Sie sind voll von mutigen Prinzen, entführten Prinzessinnen, liebenswerten Helfern und rollenden Trollköpfen. Missgünstige Brüder, die den jüngsten nicht mitnehmen wollen und sich über ihn lustig machen, finden ebenso Einzug in die Geschichten wie Stiefmütter, die sich der verhassten Stiefsöhne entledigen wollen. 

    Eingeleitet werden die einzelnen Geschichten von der vertrauten Märchen-Formel »Es war einmal«, doch geschlossen nur selten von der altbekannten »Und wenn sie nicht gestorben sind«-Formel.

    Neben bekannten Märchen-Elementen, wie dem Raub der schönen Prinzessin, finden sich viele, den norwegischen Märchen eigene Elemente, wie die vielköpfigen Trolle und den bösartigen Trollhexen.

    »Als Lillekort ein Weilchen gewandert war, traf er ein altes, krummes buckliges Weib, das nur ein Auge hatte.«

    Zudem variieren die einzelnen Märchen erheblich in ihrer Länge. Während manche Geschichten kaum eine Seite lang sind, erstrecken sich wieder andere auf ein halbes Dutzend Seiten. Unter den Elementen, von denen sich einige immerfort zu wiederholen scheinen, fallen doch jene Geschichten besonders auf, die eigenere Inhalte erzählen. 

    Unter meinen liebsten norwegischen Märchen dürfen sowohl der Weißbär König Valemon, die Mühle auf dem Meeresgrunde, Lillekort als auch Allschwarz und Allweiß nicht fehlen.

    Auf jeden Fall zähle ich Die schönsten norwegischen Märchen schon jetzt zu den Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe und deren Cover mir mit am meisten gefallen hat.

    Ich finde, dass das Cover die Stimmung der Geschichten wunderbar einfängt und große Lust macht, das hübsche und handliche Büchlein wieder und wieder in die Hand zu nehmen.

    »Es waren einmal zwei Brüder, der eine hieß Treu, der andere Ungetreu; und Treu war stets gut und aufrichtig, Ungetreu aber böse und voller Lügen; niemand konnte sich auf ihn verlassen. Ihre Mutter war eine arme Witwe, die nur wenig zum Leben hatte …«

    Wer sich für Märchen interessiert, sollte, obwohl auch ein paar der Märchen durch die sich wiederholenden, jedoch märchentypischen Elemente eintönig wirken können, doch auch einmal einen Blick auf norwegische Märchen werfen, unter denen sicherlich der eine oder andere Liebling gewonnen werden kann.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Nordische Mythen und Sagen (ISBN:9783847906674)

    Bewertung zu "Nordische Mythen und Sagen" von Neil Gaiman

    Nordische Mythen und Sagen
    Libertinevor einem Monat
    Kurzmeinung: Es gibt selten Bücher, bei denen ich mich bereits in die Einleitung verliebt habe. Neil Gaiman ist das mit diesem Buch geschafft.
    Vom Ende und vom Anfang der Götter.

    Spätestens seit der Verfilmung der Marvel-Comics sind Thor, Loki, Odin und weitere Vertreter der nordischen Götter wieder im Bewusstsein von vielen. 

    Doch schon mit der Edda liegen literarische Werke vor, die in altisländischer Sprache über die Götter und Helden erzählen: von Odin, Loki, Balder und vielen weiteren, zum Teil heute noch bekannten Figuren der Welt der nordischen Mythen. 

    Zwischen den Schriften der Edda und den Comics von Marvel liegen viele, viele Jahrhunderte. Wie lange die mündliche Überlieferung der Geschichten der nordischen Götter zuvor bereits existiert hat, weiß vielleicht nur Odin selbst. Doch auch in den Jahrhunderten zwischen der Verschriftlichung der Edda und der Wiederauferstehung der nordischen Götter durch Tom Hiddleston, Chris Hemsworth und Anthony Hopkins war es um die Götter nicht still.

    Myths of the Norsemen: Retold from the Old Norse Poems and Tales von Roger Lancelyn Green, erschienen im Jahre 1960, und Werke des 1941 geborenen Autors Kevin Crossley-Holland über die nordische Mythologie haben nicht nur Neil Gaiman tief beeindruckt.

    Es gibt selten Bücher, bei denen ich mich bereits in die Einleitung verliebt habe. Neil Gaiman ist das mit seinen Nordischen Mythen und Sagen gelungen. Eine Wirkung, die auch im Verlauf des knapp 250 Seiten langen Buches nicht nachließ.

    »Odin und Vili und Ve töteten den Riesen Ymir. Es musste geschehen, denn es gab keine andere Möglichkeit, die Welten zu erschaffen. Dies war der Anfang von allem, der Tod, der alles Leben möglich machte.«

    Neben der Wiedergabe der alten, nordischen Geschichten gelingt es Gaiman, weit mehr als den Inhalt der Geschichten wiederzugeben: Er gibt die Faszination für sie weiter. Möglichst zugänglich, spannend und greifbar geschrieben, können die Geschichten der alten Götter durch ihn Leser von heute ohne Vorwissen und besondere Sprachkenntnisse erreichen und abholen in eine Welt, die noch anderen Gesetzen folgte.

    »Thor sagte nichts. Er dachte an den vergangenen Abend, daran wie er mit dem hohen Alter gerungen und den Ozean getrunken hatte. Er dachte an die Midgardschlange.«

    Neil Gaiman legt mit Nordische Mythen und Sagen keine historisch-kritische Version der Edda vor, sondern eine Nacherzählung von Geschichten, die spannend sein und unterhalten will, und dennoch den alten Göttern der nordischen Welt nah bleibt. Von Ymir bis zu Ragnarök und über all die Gestalten, die ihre Welt bevölkern.

    Einige der 15 Geschichten des Buches zeichnen sich durch Witz und Humor aus, wie die Geschichten, wie Sif ihr Haar verliert oder Thor seinen Hammer. Andere hingegen werden durch Spannung und Tragik getragen, wie die Geschichten, wie Höd seinen Bruder verliert oder Tyr seine Hand.

    »Die Tatsache, dass diese Welt und ihre Geschichten enden würden, und die Art, wie sie eines Tages enden und neu entstehen sollten, machte die Götter und die Riesen und alle anderen Figuren zu tragischen Helden und zu tragischen Schurken.«

    Doch eines eint die Geschichten von Neil Gaiman, obwohl ihnen allen eine Art Ende innewohnt: Sie sind voller Leben und begeistern für Nordische Mythen und Sagen.


    Rezension erstmals erschienen auf Libertine Literatur

    Kommentare: 1
    3
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Das wandelnde Schloss (ISBN:9783426525388)

    Bewertung zu "Das wandelnde Schloss" von Diana Wynne Jones

    Das wandelnde Schloss
    Libertinevor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine Liebeserklärung an die Phantastik, liebevoll entworfene Figuren und an kleine Helden und Heldinnen, die gemeinsam Großes bewirken.
    Von einem Mädchen, das an sein Unglück glaubte.

    Als Diana Wynne Jones (1934–2011) im Jahre 1986 den ersten Band der Howl-Saga veröffentlichte, war sie im Literaturbetrieb längst keine Unbekannte mehr. Neben eigenständigen Werken der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur hatte sie bereits die ersten Bände ihrer Chrestomanci– und ihrer Dalemark-Serie veröffentlicht. 

    Das wandelnde Schloss erzählt die Geschichte der jungen Sophie Hatter, die in einem Hutladen arbeitet und besondere Hüte schneidert, bis sie eines Tages von einem bösen Fluch in eine alte Frau verwandelt wird. Sophie, die überzeugt davon ist, das nur das Unglück auf sie warte, weil sie die älteste von drei Schwestern ist, kann sich niemandem in ihrem Heimatort anvertrauen. 

    Sie geht fort und entschließt sich, als ihr die Strapazen ihres neuen Alters bewusst werden, zum Schloss des Zauberers Howl zu gehen, von dem behauptet wird, dass er junge Mädchen entführe und auffresse. 

    Doch statt auf einen menschenfressenden Zauberer zu treffen, wird sie Teil der seltsamsten und liebenswürdigsten Wohngemeinschaft, die man sich vorstellen kann. 

    »Was mich hergeführt hat, junger Mann?«, fragte sie. Das lag doch auf der Hand, jetzt, wo sie das Schloss gesehen hatte. »Ich bin hergekommen, weil ich deine neue Putzfrau bin, ist doch klar.«

    Mit einer wohl platzierten und dosierten Portion Humor räumt Sophie Hatter in vielerlei Hinsicht in dieser neuen Welt der Zauberei auf. Umgeben von dem sich stets beklagenden Ofenfeuer, dem verliebten Lehrling des Zauberers, verfolgt von einer flotten Vogelscheuche und stets bereit, eine neue Seite an Howl kennenzulernen, findet sie weit mehr als das Unglück, das sie in ihrem Leben erwartet hatte. 

    Klassische Elemente der Phantastik wie die Siebenmeilenstiefel, verzauberte Gegenstände und Tiere, werden gemischt mit originellen Figuren und einer zauberhaften Schreibweise und machen so Das wandelnde Schloss zu einem großen Vergnügen – und dies nicht nur für jene, die bereits den gleichnamigen Film von Studio Ghibli mochten. 

    »Dieser Mann und dieses riesige, wichtige Ding, sein Königtum eben, kamen ihr in ihrem verwirrten Zustand vor wie zwei unterschiedliche Wesen, die nur durch Zufall denselben Sessel besetzten. Und ihr ging auf, dass sie jedes Wort der von Howl sorgsam ausgetüftelten Rede vergessen hatte.«

    Der erste Band der Howl-Saga lebt von dem Unausgesprochenem. Die Personen haben Geheimnisse voreinander, nicht alles ist leicht auszusprechen, ob durch Angst oder einen Fluch. Und obwohl die Kapitelüberschriften bereits einen Vorausblick zulassen, um zu wissen, was das Kapitel bringen wird, trägt das Unausgesprochene als Grundspannung über den Roman hinweg.  

    Das wandelnde Schloss ist eine Liebeserklärung an die Phantastik, an liebevoll entworfene Figuren mit Kanten und an kleine Helden und Heldinnen, die zusammen Großes bewirken können.

    Rezension erstmals erschienen auf Libertine Literatur

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Leben, schreiben, atmen (ISBN:9783257070699)

    Bewertung zu "Leben, schreiben, atmen" von Doris Dörrie

    Leben, schreiben, atmen
    Libertinevor 2 Monaten
    Manche Einladungen sollte man annehmen

    Hast du als Kind gelogen? Hast du schonmal etwas verloren, oder jemanden? Schreibe über dein Elternhaus, was ist noch da? So oder so ähnlich lauten einige der Fragen und Anregungen, die Doris Dörrie in ihrem neuen Buch Leben, schreiben, atmen für den Leser bereit hält.
    In 50 Kapiteln, die zumeist nur wenige Seiten lang sind, begegnen ihnen die Lesenden und mit ihnen der »Einladung zum Schreiben«. Dörrie löst dieses Versprechen ein, das der Untertitel des Buches gibt: Kaum hat man das Buch aufgeschlagen begegnet man der ersten dieser Fragen und Anregungen, die zum Schreiben inspirieren.
    Doch Leben, schreiben, atmen ist kein Frontalunterricht, bei dem Dörrie die Fragen diktiert und die Lernenden brav eine Antwort geben sollen. Vielmehr erinnert das Buch an einen Dialog, denn noch bevor die Lesenden die Frage kennenlernen, gibt die Autorin kurze Erzählpassagen von sich preis, die sich um die kommende Frage drehen.

    »Meine Erinnerungen vermischen sich mit deinen Erinnerungen.
    Wenn ich über Verlorenes schreibe, erinnerst du dich an Verlorenes. Wenn ich über Gewonnenes schreibe, erinnerst du dich an Gewonnenes.«

    Leben, schreiben, atmen ist ein Kennenlernen durch Schreiben und Geschriebenes. Während das Bild der Erzählerin durch ihre Erzähltexte Kontur annimmt, werden die Lesenden auch auf ihre eigenen Konturen stoßen und diese neu abzutasten versuchen.
    Doris Dörrie gelingt es, ihren Lesern – wenn diese sich auf ihre Einladung einlassen und zu Schreibenden werden –, mit einem unerschöpflichen Vorrat an Geschichten vertraut zu machen: Jene Geschichten, die der Mensch durch seine Erlebnisse und Erinnerungen in sich trägt. Fragen, die zunächst leicht beantwortbar erscheinen, entpuppen sich als Goldgruben. Denn Dörries Prinzip, mindestens zehn Minuten am Stück zu schreiben, führt dazu, dass es bei der schnellen Antwort auf eine Frage nicht bleiben kann, Assoziationen werden geweckt, der Lesende gräbt tiefer nach einer Antwort und noch ehe er sich versieht, ist die Antwort auf die Frage weit größer geworden, als sie je ausgesehen hat. Und größer, als dass sie in zehn Minuten niederzuschreiben wäre.

    »Erinnerungen aufschreiben ist wie Perlen auf eine Kette aufziehen. Eine nach der anderen. Nichts ist verloren.«

    Einladung statt Anleitung
    Wer sich auf Dörries Einladung zum Schreiben einlässt, lernt schnell, den eigenen Kopf beim Schreiben nicht mehr als Gegner oder Blockade wahrzunehmen, sondern ihn zur Quelle dessen zu machen.

    »Wenn wir darüber nachdenken, was wir so denken, schämen wir uns schnell. Und wenn wir uns schämen, können wir schlecht schreiben. Wofür schämen wir uns?«

    Leben, schreiben, atmen versucht nicht, letztgültige Regeln darüber festzulegen, wie geschrieben werden soll. Es belehrt nicht und kann dennoch eine große Wirkung auf seine Leser und Leserinnen entfalten: Dörries Fragen inspirieren, sie regen an und helfen, sich selbst zum Schreiben zu verhelfen.
    Doris Dörries neues Werk ist kein Buch, das am Stück gelesen werden soll, um dann in den Untiefen des Bücherregals neben dicken Wörterbüchern zu verschwinden. Vielmehr kann es immer wieder hervorgezogen werden, um erneut zum Schreiben einzuladen.
    Wer nach klaren Vorgaben sucht, wie geschrieben werden soll, wird bei Dörrie nicht fündig. Doch was sich durch das Buch zieht, ist die Aufforderung, das geschrieben werden soll, am besten täglich, mindestens zehn Minuten. Wer lernen will, im eigenen Kopf einen Weg zu pflastern, der zu einem Quell an Inspiration führt, sollte Leben, schreiben, atmen in seinen Werkzeugkasten packen, denn manche Einladungen sollte man nicht ausschlagen.
    Rezension erstmals erschienen auf Libertine Literatur

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe (ISBN:9783846600863)

    Bewertung zu "Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe" von Laini Taylor

    Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
    Libertinevor 2 Monaten
    Von Traumata und Träumen

    Das Leben, das Sarai und die anderen vier überlebenden Kinder der toten Götter in der Zitadelle führen, befindet sich in Auflösung. 

    Während sich Lazlo Strange noch im ersten Band von Strange the Dreamer nichts sehnlicher wünscht, als endlich nach Weep zu gelangen und die Mysterien der Stadt zu ergründen, werden diese bald zu seiner Welt. Denn während Lazlo nach Weep gelangen möchte, müssen die fünf überlebenden Götterkinder, die in der Zitadelle über der Stadt leben, befürchten, entdeckt und umgebracht zu werden.

    In Lazlos Träumen kommen die Muse der Albträume, Sarai, und der Träumer sich bald näher. Doch während sie bei Lazlo auf Offenheit, Verständnis und Wohlwollen trifft, zeigen sich nicht alle Menschen so freundlich. Auch die Empathie und das Verständnis, die Sarai den Menschen entgegenbringen kann, wird nicht von allen Kindern der Götter geteilt.

    Und so finden sich Sarai und Lazlo bald in einem Strudel aus Ereignissen wieder, in dem es um mehr geht, als Abenteuergeschichten und Wunderglauben. Die Menschen von Weep, die die Götterherrschaft überlebten, sind ebenso tief traumatisiert wie die Kinder der Götter, die das Massaker überlebten, das ihre Eltern tötete.

    Dabei schafft es Laini Taylor ein Spannungsfeld zu erschaffen, das sie zwischen die beiden Gräueln spannt, jenen der Götter und jenen der Menschen. Gräuel, mit deren Nachwirkungen noch immer eine ganze Stadt zu kämpfen hat, in der die Erinnerung, der Hass und der Schmerz tief sitzen. 

    Die Menschen und Götterkinder in Strange the Dreamer II sind Überlebende, sie waren bis auf wenige Ausnahmen, nicht an den Taten gegen die jeweils anderen beteiligt. Die Menschen litten lange unter der Götterherrschaft und waren tagtäglich ihrer Gewalt ausgesetzt. Die fünf überlebenden Götterkinder litten entweder direkt unter dem Massaker, das die Götterherrschaft beendete, oder unter seinen Nachwirkungen, da sie allein und mit vielen Entbehrungen aufwachsen mussten.

    Die Wunden auf beiden Seiten sitzen tief und sind alt. Und inmitten dieser Traumata, Ängste und Nöte versuchen der unbedarfte Bibliothekar Lazlo und die Muse der Albträume Sarai eine Antwort auf das Geschehen zu finden, die nicht noch mehr Hass, Tod und neue Traumata bringt. 

    Damit greift Laini Taylor im Gewand eines Jugendbuches und der Phantastik existentielle Themen des Menschseins auf, balanciert fein zwischen absoluten Gut- oder Böse-Kategorisierungen und erschafft vor den Schrecken der Vergangenheit mit Lazlo und Sarai einen Helden und eine Heldin, die ans Herz gehen.

    Langeweile kommt beim Lesen von Strange the Dreamer II nicht auf: Offene Fragen, unterschiedlichste Charaktere und eine besondere Erzähltiefe erfüllen den Roman. So gelingt es Strange the Dreamer II nicht nur, an die Qualität des Vorgängerbandes anzuknüpfen, sondern, sie sogar noch zu übertreffen.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte (ISBN:9783732578504)

    Bewertung zu "Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte" von Laini Taylor

    Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte
    Libertinevor 2 Monaten
    Vom Träumen und Wachen

    Lazlo Strange fehlt es an vielem. Einer Familie, einer Herkunft, Wohlstand und Schönheit. Seinen Nachnamen teilt er mit anderen Findelkindern, seinen Vornamen mit einem stummen Mann, den er nie kennengelernt hat. Doch bei all den Dingen, bei denen Lazlo leer ausgegangen ist, ist er mit einem gesegnet: seiner Fantasie. 

    Lazlo hängt an den alten Geschichten, die er in der Bibliothek, in der er arbeitet, aufstöbert und niederschreibt. Er hängt sogar so sehr an ihnen, dass er nicht zögert, sich Eril-Fane anzuschließen, als dieser in seinem Ort nach Gelehrten sucht.

    Eril-Fane stammt aus der Stadt Weep, die nicht nur ihren richtigen Namen verloren hat, sondern die sich weiteren Mysterien ausgesetzt sieht. Die gleichen Mysterien, die Sarai und die anderen Kinder, die zur Hälfte von Göttern und zur Hälfte von Menschen abstammen, umgeben.

    Sowohl die Kinder der alten Götter, von deren Existenz die Menschen von Weep nichts ahnen, als auch die Menschen von Weep selbst, die unter den alten Göttern litten, versuchen zu überleben und zurück zu ihrem alten, sicheren Leben zu kommen. Und Lazlo ist mittendrin.

    Lazlo und Sarai sind junge Erwachsene, die noch zu jung sind, um sich an die alten Götter zu erinnern. Was sie wissen, stammt aus der Erinnerung anderer und dem, was sie erzählen.

    Doch sie unterscheiden sich von anderen jungen Erwachsenen, wie auch viele Bewohner von Weep sich von anderen Menschen unterscheiden: Sie sind die Versehrten und Traumatisierten. Entweder litten sie durch die alten Götter, die Menschen nahmen, wie es ihnen passte, und auch nur dann zurückgaben, wenn sie es wollten. Oder sie litten unter dem Massaker, bei dem die alten Götter, und so viele andere, ums Leben kamen.

    Es ist ihre Geschichte, die Strange the Dreamer erzählt. Die Geschichte jener, die überlebten, und sich mit dem was war und seinen Folgen für Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen müssen. Dabei hat Strange the Dreamer beides: starke Männer und starke Frauen, die sich in der phantastischen Welt von Laini Taylor mit Schrecken und Ängsten konfrontiert sehen, die auch Menschen jenseits jeglicher Phantastik kennen. Die Angst, jene zu verlieren und nicht beschützen zu können, die man liebt. Die Furcht, dass man selbst oder andere ihrer körperlichen und seelischen Unversehrtheit beraubt werden.

    Dabei schafft es Laini Taylor, dass Lazlo und der Leser nach und nach von den Schrecken und den damit verbundenen Wünschen erfahren, und in diese hineinwachsen müssen. Stilistisch könnte man sich an manchen Stellen mehr „Show, don`t tell“ wünschen, um der phantastischen Welt des Träumers Lazlo näherzukommen. Doch dies kann die Geschichte um Lazlo und Sarai kaum weniger mystisch und spannend werden lassen. Denn eines ist sicher, sobald man sich auf die Geheimnisse der Romanwelt eingelassen hat: Man wird sie nicht mehr so schnell losbekommen

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Das Licht vergangener Tage (ISBN:9783453423213)

    Bewertung zu "Das Licht vergangener Tage" von Nikoletta Kiss

    Das Licht vergangener Tage
    Libertinevor 3 Monaten
    Kanten und Kerben

    Als sich der junge Kunststudent István und die angehende Schauspielerin Rebeka kennenlernen, sind die beiden noch am Anfang ihrer Karriere. Obwohl István ein talentierter Künstler ist, bekommt er durch seine Malerei bereits früh Probleme.

    Rebeka hingegen, die aus gutem Hause kommt und alle Regeln der Etikette beherrscht, wird schon bald auf der Bühne bewundert. So ist es, während sie die Tage mit István verbringt und für ihre Vorsprechen übt, nur eine Frage der Zeit, bis ein gut situierter Professor um ihre Hand anhält. 

    Doch als die Geschehnisse der 1950er-Jahre über Ungarn hereinbrechen, ist es nicht István, der vor Problemen steht, sondern Rebekka: Mit ihrem Vater soll sie das Haus ihrer Kindheit verlassen und in ein kleines Dorf weiter weg ziehen.

    Als Rebekas gewohntes Leben auseinanderbricht, bittet sie ihren Verlobten, Professor Breitner, und ihren Freund István um Hilfe. Doch nur einer der beiden Männer ist bereit, sein gewohntes Leben für sie aufzugeben.

    Das Licht vergangener Tage gehört zu jenen Romanen, die dem Leser auch Tage, nachdem man das Buch gelesen hat, noch im Kopf rumgehen. Nach und nach will die Vielschichtigkeit des Romans betrachtet und durchdacht werden. Er zeigt uns das Leben zweier junger Menschen, mit ihren Wünschen und Vorstellungen für die Zukunft. Und gleichzeitig zeigt er, welche Opfer für diese gebracht werden müssen und welche unerreichbar bleiben.

    Und es ist wohl jene Unerreichbarkeit, die den Figuren ihre Tiefe gibt. Denn während Das Licht vergangener Tage zwischen der Vergangenheit der 1940er- und 1950er-Jahre, in der István, Rebeka und Breitner noch jung waren, und der jungen Vergangenheit der 2010er-Jahre schwankt, in der zwei von ihnen zu alten Menschen geworden sind und einer verstorben ist, weiß der Leser, dass es keine einfache Geschichte werden kann.

    Und so schwebt das Geschehen des Romans zwischen dem, was ist, dem, was hätte sein können, und dem, was nie werden wird. Die historischen Ereignisse, die über die Personen hereinbrechen, sind zu groß für sie und verschlucken sie, um sie an einem anderen Ort wieder auszuspucken.

    Nikoletta Kiss gelingt mit ihrem Roman Das Licht vergangener Tage vieles zugleich: Er ist erfüllt von der Leichtigkeit der Figuren und der Schwere der Ereignisse. Von der Veränderung der Leben, die diese führen können, und der Beständigkeit mancher Wünsche und Ziele.

    Dabei erschafft sie Figuren, die im Gedächtnis bleiben, fernab von Kitsch und Klischee. Das Licht vergangener Tage braucht ein wenig Zeit, um sich zu entfalten, und so kann es mitunter ein wenig dauern, bis man mit den kantigen Besonderheiten der Personen warm wird. Doch sind es eben jene kantigen Besonderheiten, die die Geschichte tragen, auch, lange nachdem man den Buchdeckel geschlossen hat. 

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Der Bär und die Nachtigall (ISBN:9783453320031)

    Bewertung zu "Der Bär und die Nachtigall" von Katherine Arden

    Der Bär und die Nachtigall
    Libertinevor 3 Monaten
    Die Kälte und ihre Kinder

    Immer wieder erzählt die alte Dunja Märchen über Rus und seine Sagengestalten. Pjotrs Kindern und seiner Frau sind sie vertraut, und doch lauschen sie der alten Frau stets aufs Neue, besonders wenn dicke Schneedecken über dem Land liegen und die Familie vor der Wärme des Ofens näher zusammenrückt. 

    Obwohl Pjotrs Frau, Marina, bereits drei Söhne und eine Tochter hat und ausgezehrt ist vom Winter, will sie, als sie wieder schwanger wird, das Kind auf jeden Fall behalten. Denn sie hat zwar eine Tochter, aber diese erinnert wenig an Marinas eigene Mutter, die Geheimnisse und Geschichten umranken. 

    So bringt sie die kleine Wasja zur Welt,  doch sie überlebt nicht, um das junge Mädchen aufwachsen zu sehen.

    Die kleine Wasja wächst ohne ihre Mutter auf, doch umgeben von ihren Geschwistern, Dunja, ihrem Vater und Gestalten, die nur sie sehen kann. »Vergiß uns nicht«, flüstern die Rusalka und der Domowoi, alte Sagenwesen, für die meisten Menschen nur noch in Märchen existent.

    Und während diese Wasja anflehen, sie nicht zu vergessen, ist auch Der Bär und die Nachtigall gefüllt von diesem Wunsch. Liebevoll erzählt steckt in den Seiten des Buches der Zauber alter Erzählungen, von Volksglauben und von Besonderheiten der russischen Erzähltradition. 

    Erfrischend echt sind auch die Figuren, die Katherine Arden in ihrem Roman schafft: Frauen, die sich selbst zu helfen wissen in einer Zeit, in denen ihnen nur die Ehe oder das Kloster offenstand; Männer, die mehr sind als Muskeln, coole Sprüche und Loveinterests. Die Figuren in Der Bär und die Nachtigall sind mit Liebe fürs Detail geschnitzt und laden dazu ein, das Rus aus Katherine Ardens Romanwelt mit ihnen kennenzulernen.

    Wer also besondere Figuren mag, gerne in Märchen oder Sagenwelten eintaucht, oder sich für historische Phantastik interessiert, kann dieses vielversprechende Debüt auf jeden Fall lesen und sich mit mir darüber freuen, dass noch weitere Nachfolgebände kommen werden.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Wir sind das Klima! (ISBN:9783462053210)

    Bewertung zu "Wir sind das Klima!" von Jonathan Safran Foer

    Wir sind das Klima!
    Libertinevor 3 Monaten
    erfrischend authentisch, nah und nicht zuletzt selbstkritisch

    "Wir sind das Klima!" ist eines jener Bücher, das man am liebsten allen Leuten, die man kennt und nicht kennt, empfehlen will. Zugleich ist es aber auch eines jener Bücher, von denen man weiß, dass eine solche Empfehlung sehr gemischte Reaktionen hervorrufen wird.

    Jonathan Safran Foers neues Buch beschäftigt sich mit einem Thema, das derzeit in aller Munde ist. Doch obwohl viel über den Klimawandel, seine Folgen und seine Ursachen gesprochen wird, setzt er sich auf eine Art und Weise mit diesem Thema auseinander, die erfrischend authentisch, nah und nicht zuletzt selbstkritisch ist.

    Denn das, was Foer in diesem Buch tut, geht über das Sammeln von Fakten hinaus: Obwohl diese das Grundgerüst für das Reden über das Klima bilden, genügen sie laut Foer dem Anschein nach nicht allein, um individuelle und kollektive Veränderungen loszutreten.

    Und dann fragte Foer nach dem »Warum«.

    Er fragt, wie es sein kann, dass wir zwar auf der Faktenebene oft wissen, dass der Klimawandel verherrende Folgen für die Welt hat und haben wird, doch sich dieses Wissen oft nicht in Handlung niederschlägt. Es bleibt abstrakt. Viel abstrakter in jedem Fall, als die vertrauten gemeinsamen Mahlzeiten, oder die praktischen Fahrten zum Supermarkt um die Ecke.

    Es ist eine der bedeutendsten Stärken von Foer, das er genau hinsehen will. Und, dass er in der Lage ist, das, was er sieht, unter dutzenden Zwiebelschichten von Emotionen freizuschälen. Foer liebt das Essen und die Traditionen seiner Familie. Sie sind nicht abstrakt, sie sind fest verankert. Doch Foer weiß, dass er sie auf geliehener Zeit genießt.

    Doch "Wir sind das Klima!" ist kein trockenes Sammelsurium an Wissen. Foer verbindet die abstrakten, riesigen Zahlen der Forschung mit einer Geschichte über das Menschsein in seinen schwachen und starken Momenten. Denn obwohl viele Folgen zeitlich und räumlich weit weg erscheinen, sodass der Einzelne sie schwer fassen kann, kämpft sich Foer zu einem anderen Ansatz durch: Seine Bereitschaft, etwas zu verändern, damit es diesem Planeten vielleicht ein wenig besser gehen kann, kommt nicht daher, dass er es emotional begreifen kann, sondern, dass es getan werden muss. Foer kehrt die Reihenfolge um: Nicht emotionales Erfassen sorgt für seine Entscheidung, sondern seine Entscheidung ist der Startpunkt.

    Jonathan Safran Foers Buch gehört bereits jetzt zu den Büchern, die man gelesen haben muss. Und je mehr etwas sich dagegen wehrt, desto mehr sollte man es tun. Sein Schreibstil ist lebendig, seine Ideen und Anekdoten originell und inspirierend, sodass das Buch trotz aller Intensität schnell gelesen ist. "Wir sind das Klima!" kann den Leser nur schwer kalt lassen, wenn sich dieser darauf einlässt, den Buchdeckel aufzuschlagen.

    Kommentare: 1
    4
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Liebe: Dunkler Erdteil (ISBN:9783492974615)

    Bewertung zu "Liebe: Dunkler Erdteil" von Ingeborg Bachmann

    Liebe: Dunkler Erdteil
    Libertinevor 3 Monaten
    Gedichte einer besonderen Frau

    Es dauerte nach dem Tod von Ingeborg Bachmann im Jahre 1973 kaum vier Jahre, bis der nach ihr benannte Ingeborg-Bachmann-Preis 1977 zum ersten Mal verliehen wurde. Seitdem wird der Preis einmal im Jahr verliehen und ist zu einer der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum geworden. "Liebe: Dunkler Erdteil" enthält Gedichte des Zeitraums als Bachmann ungefähr 16 Jahre alt war bis hin zu Gedichten, die sechs Jahre vor ihrem Tod entstanden sind. Viele der Gedichte des Buches sind bislang noch nicht veröffentlicht gewesen und aus ihrem Nachlass entnommen. Im Anmerkungsteil des Buches ist jedoch für jedes Gedicht angegeben, woher es stammte und ob andere Bearbeitungsstufen vorliegen. Der chronologische Aufbau des Gedichtbandes ermöglicht es, den Veränderungen der Gedichte über die Jahrzehnte beizuwohnen. Doch fallen neben der Veränderung der Gedichte vor allem die ihnen gleichbleibenden Elemente auf. Ingeborg Bachmanns Gedichte scheinen stets gefüllt zu sein von einem Lyrischen Ich, dessen Gedanken und Gefühle ihren Gedichten Struktur und Leben geben. Bachmanns Gedichte sind gleichzeitig von Leichtigkeit und einer Schwere erfüllt. Während die Leichtigkeit vor allem durch ihre klare Struktur und ungekünstelte Form kommt, erwächst die Schwere aus ihrem Inhalt. Das Dunkle, Verlorene, nicht recht dazugehörende findet in einigen ihrer Gedichte Gestalt. So laden die in diesem Band zum Teil erstmals abgedruckten Werke auch heute, über 45 Jahre nach ihren Tod, noch dazu ein, gelesen zu werden. 

    Ingeborg Bachmann: Liebe: Dunkler Erdteil
    Gedichte aus den Jahren 1942–1967
    Piper, München 2019
    80 S., EUR 8,99
    E-Book
    ISBN 978-3-492-97461-5

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    )}

    Über mich

    Lieblingsgenres

    Sachbücher, Historische Romane, Comics, Klassiker, Liebesromane, Krimis und Thriller, Fantasy, Gedichte und Dramen, Romane, Jugendbücher

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks