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Libertine

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    Cover des Buches Auf Erden sind wir kurz grandios (ISBN: 9783442770083)

    Bewertung zu "Auf Erden sind wir kurz grandios" von Ocean Vuong

    Auf Erden sind wir kurz grandios
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: kein Roman, wie er zu Dutzenden in vielen Bücherregalen steht
    Die Geschichte eines Sohnes, der die Magie von Sprache entdeckte

    ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ erzählt vom Leben des Icherzählers Little Dogs, das mit anderen Leben verwoben ist. Auch ihre Geschichten sind es, die es erzählt. Die Geschichte der Mutter des Icherzählers und die Geschichte seiner echten Liebe.

    Doch auch diese Geschichten sind mit weiteren Geschichten verwoben. Die Geschichte der Großmutter, die Geschichte eines Krieges, der noch immer in den Leuten steckte.

    Seine Geschichte ist mit so vielen weiteren Geschichten verwoben, die sein Leben beeinflussen und die er wiederum beeinflusst. Es beleuchtet Facetten eines Lebens, die oft im Dunkeln bleiben. Die Beziehung von einem Sohn und seiner Mutter – schmerzhaft und persönlich. Diese Mutter ist es auch, wie bereits zu Beginn des Buches adressiert wird.


    »Lass mich von vorn anfangen.

    Ma,
    ich schreibe, um dich zu erreichen – auch wenn jedes Wort auf dem Papier ein Wort weiter weg ist von dort, wo du bist.«


    Sein Leben streift viele Leben, die tiefe Verletzungen haben und doch nach einem kleinen bisschen Glück streben. Und so stark diese auf ihn wiegen, wird er verwoben mit diesen Leben erwachsen. Bei aller Persönlichkeit zeugt ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ von der Einzigartigkeit einer jeden Identität, in ihrem Alltäglichen und ihrem Besonderen.

    ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ ist zugleich eine Geschichte, die von dem Wert von Sprache zeugt. Little Dog lernt eine Sprache, die seiner Mutter nie so richtig nah wird. Sprache wird zu etwas überlebenswichtigem. Umso bedeutender ist es, dass er in diesem Buch seine Mutter anspricht. Während der Beginn des Buches noch eine Art Briefform hat, wird er zum Ende hin fragmentarischer. Sprache wird wieder zum Fragment.


    »Ich war ein amerikanischer Junge, der nachäffte, was er im Fernsehen sah. Ich wusste nicht, dass der Krieg immer noch in dir war, dass es überhaupt einen Krieg gegeben hatte, dass er, einmal hineingelangt, nie mehr weggeht – aber doch nur widerhallt, als Geräusch, das das Gesicht deines eigenen Sohnes formt. Bumm.«


    ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ gelingt es, die Geschichte von Menschen zu erzählen, die unheimlich persönlich und überindividuell zugleich sind. Vuongs Schreibstil ist intensiv, zärtlich und besonders. Er erzählt von Schmerz, Liebe, Fremde, Familie und dem Aufwachsen.

    Obwohl Vuong von Momenten erzählt, die den Leser:innen fremd oder unbekannt sein könnten, werden sie beim Lesen unheimlich nah. Die Lesenden werden mitgerissen in diese Leben, von denen er erzählt, obwohl er nur Ausschnitte aus diesen zeigt.

    In ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ ist stets ein Existieren zwischen zwei als scheinbar entgegengesetzt wirkenden Polen spürbar. Zwischen Schmerz und Familie, Sprachlosigkeit und Sprache, Fremde und Nähe, Ich und Du.


    »Du hast mir einmal gesagt, dass das menschliche Auge Gottes einsamste Schöpfung ist. Wie so viel von der Welt durch die Pupille zieht und diese doch nichts davon bewahrt. Das Auge, allein in seiner Höhle, weiß nicht einmal, dass es ein anderes gibt, genau wie es selbst, nur Zentimeter entfernt, ebenso hungrig, ebenso leer.«


    ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ ist kein Roman, wie er zu Dutzenden in vielen Bücherregalen steht. Er erzählt nicht die Geschichte einer Handlung, die einen Anfang und ein Ende kennt. Vielmehr ist es ein ständiges ineinandergreifen von Geschichten, deren Enden sich in den Anfang und Mitten anderer Leben weben und umgekehrt. Es zeigt ein ständiges Ineinander und berührt dabei ungemein. Es ist schwer zu beschreiben, was den Lesenden in ›Auf Erden sind wir kurz grandios‹ erwartet. Das muss selbst entdeckt werden.

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    Cover des Buches Mordlichter (ISBN: 9783352009679)

    Bewertung zu "Mordlichter" von Madita Winter

    Mordlichter
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Wer skandinavische Krimis liebt, sollte definitiv einen Blick auf ›Mordlichter‹ werfen
    Geheimnisse am Polarkreis

    Das Leben im nordschwedischen Polarkreis ist manchmal eine Herausforderung. An kalten Tagen hält ein voller Handyakku kaum eine Stunde und das Wetter ist unberechenbar. Wenn ein Sturm über das Land fegt, kann ein Fehler tödlich sein. Selbst wenn man seit der frühesten Kindheit daran gewöhnt ist. 

    Anelie Andersson ist nicht am Polarkreis aufgewachsen. Für ihren Mann hat sie ihren Wohnort und ihren Arbeitsplatz gewechselt – in eine Gegend, in der Morde eine Seltenheit sind. Anelies berufliche Zukunft ist ungewiss. Bleibt ihre Stelle bestehen oder wird sie zukünftig zu einer anderen Polizeistation wechseln müssen?

    Diese Sorgen sitzen so tief, dass sich Anelie sogar einen Mord wünscht. Doch bald schon merkt sie, dass man vorsichtig sein muss, was man sich wünscht. Denn als ein junger Mann, eingewickelt in Tierfelle, stirbt, bleiben viele Fragen offen. Hat er gegen die harten Seiten der Natur verloren oder was ist mit ihm geschehen?


    »Dieses Wolkenphänomen kennt er gut genug, um zu wissen, dass sich da etwas ganz Übles zusammenbraut. Der Wetterbericht hat zwar einen Schneesturm vorhergesagt, aber eigentlich erst für den kommenden Tag. Nur hält sich der Polarkreis leider nicht an derartige Vorhersagen, er hat seine eigenen Regeln in puncto Wetter, die keiner wirklich durchschaut.«


    Doch je länger die Ermittlungen andauern, desto mehr Fragen tauchen auf. Wo war der Verstorbene zwischen seinem Verschwinden und seinem Tod?

    Andersson merkt schnell, dass sie etwas Großem auf der Spur ist. Aber nicht nur die Verdächtigen legen ihr Steine in den Weg – auch ihre Chefin und mögliche Zeugen sind nicht hilfsbereit. 


    »Die Dunkelheit bricht herein, obwohl es erst früher Nachmittag ist. Der Schnee schenkt ihm noch für einige Zeit eine milchige Helligkeit. Er hat jedoch gerade keine Augen für die Schönheit dieser winterlichen Zauberwelt, die ihn so schmeichelnd umgibt.«


    Madita Winter gelingt es, die Leser:innen in ihrem Kriminalroman ›Mordlichter‹ immer tiefer in die Geschehnisse am Polarkreis hineinzuziehen. Die düstere Atmosphäre des Romans, begleitet von wohligen Momenten, schlägt die Leser:innen in ihren Bann. Anelie Andersson ist eine tolle Protagonistin, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. 

    Doch auch die Nebencharaktere in ›Mordlichter‹ können sich sehen lassen. Winter entführt in ihren Kriminalroman in Gegenden, die ihren eigenen Regeln folgen. Altes und Neues treffen aufeinander und erzeugen Spannungen.


    »Für einen Moment glaubt er, einen Schatten zwischen den Bäumen gesehen zu haben. Ich sehe schon Gespenster. Wahrscheinlich nur ein Tier, redet er sich Mut zu.«


    Wer skandinavische Krimis liebt, sollte definitiv einen Blick auf ›Mordlichter‹ werfen. Eine raue, wunderschöne Wildnis, die sich dem Menschen nicht beugen will. Tiefes Misstrauen herrscht in der Gesellschaft, nicht alle begrüßen die Veränderungen, die bevorstehen. Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter geht für Anelie Andersson!

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    Cover des Buches Coraline (ISBN: 9783401606460)

    Bewertung zu "Coraline" von Neil Gaiman

    Coraline
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Eine wunderschöne und herrlich illustrierte Schmuckausgabe
    Die dunklen Erlebnisse einer Entdeckerin

    Coraline lebt mit ihren Eltern in einem Haus, das allerlei Überraschungen bereithält. Nicht nur ihre Nachbarn sind reichlich merkwürdig: Ein Mann, der seinen Mäusen das Singen beibringen will, und zwei alternde Damen, die am liebsten von ihren goldenen Zeiten als Schauspielerinnen sprechen.

    Gemein haben sie, dass sie sich nicht einmal Coralines Namen merken können und am liebsten von sich selbst erzählen. Für die aufgeweckte und neugierige Coraline scheint dabei kaum Platz zu sein, denn die Erwachsenen scheinen zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein.

    Doch noch merkwürdiger als die schrulligen Nachbarn ist eine Tür in der Guten Stube des Hauses. Sie ist verschlossen und führt nirgendwohin. Als ihre Mutter die Tür für sie öffnet, ist dahinter nicht mehr als eine Backsteinmauer. Früher einmal soll hier ein Durchgang in die noch leerstehende Wohnung nebenan gewesen sein.

    »Kurz nach dem Umzug entdeckte Coraline in dem Haus, in das sie gezogen waren, eine Tür.
    Das Haus war schon sehr alt. Unter dem Dach hatte es eine Mansarde und tief unten im Boden einen Keller und es gehörte ein überwucherter Garten mit riesigen alten Bäumen dazu.«

    Als Coraline eines Tages etwas in der Tür verschwinden sieht, ist ihre Neugier geweckt. Und Coraline wäre nicht Coraline, wenn sie den aufgetauchten Durchgang nicht durchqueren würde. Was sie auf der anderen Seite findet, ist ebenso ungewöhnlich wie erschreckend.

    Denn hinter der Tür findet sie eine Wohnung, die genauso aussieht wie ihre eigene. Auch ihre Nachbarn und ihre Eltern sind dort. Mit dem Unterschied, dass es nicht diese sind. Auf der anderen Seite des Durchganges leben Coralines andere Mutter und ihr anderer Vater. Sie sehen ihren Eltern ähnlich, doch anstelle von Augen besitzen sie glänzende, schwarze Knöpfe. Und je länger Coraline dort ist, desto seltsamer werden sie. Als es Coraline schließlich gelingt, wieder in ihr echtes Zuhause zu gelangen, sind ihre echten Eltern verschwunden. Und Coraline ahnt, wo sie hinmuss, um sie zu retten.

    »Sie sah ein bisschen wie Coralines Mutter aus. Außer …
    Außer dass ihre Haut so weiß wie Papier war.
    Außer dass sie größer und dünner war.«

    Gaiman erzählt in ›Coraline‹ eine Geschichte über Ängste und Mut. Über das Seltsame und Wunderbare, über Familie und Entdeckungsdrang. Die atemberaubenden Illustrationen von Aurélie Neyret fangen die schauerliche und phantasievolle Geschichte ein und können die Nackenhaare der Leser:innen zu Berge stehen lassen.

    Wie auch in Gaimans Romanen ›Der Ozean am Ende der Straße‹ und ›Das Graveyard-Buch‹ erzählt ›Coraline‹ von einer Welt, die Kindern offen steht, von Erwachsenen jedoch vergessen wird oder nicht mehr betreten werden kann. Eine Welt, die von Fantasie und dem Besonderen bevölkert ist und die ebenso schauderhaft wie wundersam ist. Neil Gaiman selbst bringt dies im Nachwort wunderbar auf den Punkt:

    »Diese Geschichte ist für Kinder, die Abenteuer lieben; Erwachsene hingegen erleben sie wie einen Albtraum. Coraline ist der seltsamste meiner Romane. Es ist der Roman, für den ich am längsten gebraucht habe. Und auf den ich am stolzesten bin.«

    Leider habe ich ›Coraline‹ nicht als Kind gelesen, sondern es ist erst als Erwachsene zu mir gekommen. Aber die spannende und wundersame Geschichte der kleinen Entdeckerin Coraline verliert dadurch nicht: Auch für Erwachsene ist die Geschichte super lesenswert. Die Beschreibung der anderen Mutter lässt selbst ältere Leser:innen nicht kalt. Eine wunderschöne und herrlich illustrierte Schmuckausgabe, die nicht nur für Fans von Neil Gaiman definitiv einen Blick wert ist.

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    Cover des Buches Das Nest (ISBN: 9783257071733)

    Bewertung zu "Das Nest" von Katrine Engberg

    Das Nest
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: die Schattenseiten einer Familie und ihre Geheimnisse und all jene, die mit dieser verstrickt sind
    Die Geheimnisse einer Familie

    Michael hat sich seinen Arbeitstag zweifellos anders vorgestellt. An den meisten Tagen braucht er für seine Arbeit Geduld und Konzentration, wenn er die Vorgänge in der ARC beobachtet. Darauf, eine Leiche zwischen den Müllsäcken zu finden, war er definitiv nicht vorbereitet.

    Auch für die Ermittler um Jeppe Kørner und Anette Werner ist ein solcher Tatort neu. Wie konnte eine Leiche zwischen die Müllsäcke gelangen? Konnte diese unbemerkt von einem Müllcontainer über ein Müllauto bis in die Anlage gelangt sein oder hatte jemand mit Zugang zur ARC sie dort abgelegt?

    Vor allem als die Identität der Leiche bekannt wird und ein Zusammenhang zu mehreren Personen aus der Mülldeponie hergestellt wird, häufen sich die Fragen. Als dann auch noch ein Junge verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.


    »Die ARC war in vieler Hinsicht einzigartig. Unter dem Leitsatz Wir nehmen entgegnen und geben zurück war die Verbrennungsanlage von Anfang an sehr viel mehr gewesen als nur eine Mülldeponie.«


    Der vierte Band der Kopenhagen-Krimireihe um das Ermittlerduo Kørner und Werner verstrickt die Geschichte einer Familie mit den Machenschaften eines Konzerns und Fragen des Klimawandels. Denn je mehr Jeppe und Anette über die Familie des verschwundenen Jungen herausbekommen, desto klarer wird, dass etwas mit der Familie nicht stimmt.

    Auch andere bekannte Gesichter der Buchreihe fehlen in ›Das Nest‹ nicht. Esther de Laurenti lässt es sich nicht nehmen, entscheidende Puzzleteile zur Ermittlung beizutragen – gewollt oder ungewollt. Auch ihr Mitbewohner Gregers darf nicht fehlen.


    »Im Ersten Weltkrieg hatten die Kasematten darunter als Unterkünfte für siebenhundertfünfzig Soldaten gedient, und im Zweiten Weltkrieg wurden sie während der dänischen Besetzung von den Deutschen genutzt. Stand man in den verwitterten Gängen unter dem Meeresspiegel, hatte man bis heute das Gefühl, Pulverdampf und Angstschweiß zu riechen. Mit Langeweile vermischte Panik saß noch immer im Mauerwerk und flüsterte die Geschichten Hunderter toter Männer.«


    Doch Engbergs Ermittler sind mehr als ihre Fälle. Die Herausforderungen von Familie, Ehe, Partnerschaft, als Single und Versuchungen müssen ebenfalls gemeistert werden. Denn Katrine Engberg zeichnet ihre Charaktere als facettenreiche Menschen, die versuchen, der unterschiedlichsten Probleme Herr zu werden. Die Herausforderungen des Alltags werden hinter der Arbeit der Ermittler nicht zu Kleinigkeiten degradiert, sondern verweben sich mit dieser.

    Engberg hat ein großes Talent für authentische, lebensnahe Figuren. Ihre Krimis sind voll an aktuellen und auch an geschichtlichen Themen. Und die Landschaft Kopenhagens bietet einen idealen Schauplatz für einen Fall, der zwischen Altem und Neuem schwankt.


    »Das Meer schloss sich über seinem Kopf, er sank dem Grund entgegen, fort vom Licht der Oberfläche. Ein Streifen Tang strich über seine Arme und lud ihn ein, sich tiefer sinken zu lassen.«


    ›Das Nest‹ ist der neue Fall des Ermittlerduos Kørner und Werner. Er beleuchtet die Schattenseiten einer Familie und ihre Geheimnisse und all jene, die mit dieser verstrickt sind. Es bleibt spannend, wie es im fünften Band der Krimireihe weitergehen wird.

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    Cover des Buches Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange (ISBN: 9783789120022)

    Bewertung zu "Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange" von Suzanne Collins

    Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: zeigt einen Teil der Entstehungsgeschichte der Hungerspiele, wie man sie aus der Trilogie ›Die Tribute von Panem‹ kennt
    Schuld und Unschuld des Coriolanus Snow

    Zwei Kinder aus jedem der zwölf Distrikte. Gemeinsam in eine Arena gebracht, um sich gegenseitig zu töten. So lange, bis nur noch ein Kind übrig bleibt. Seit dem Sieg des Kapitols über die Rebellen im Krieg dient dies als Ermahnung. 

    Als Coriolanus Snow als Mentor an den Hungerspielen teilnimmt, finden diese bereits zum zehnten Mal statt. Doch Mentoren soll es in dem Jahr zum ersten Mal geben.

    Die Familie Snow, einst prachtvoll und Teil der Elite, kann nur mit Mühe noch den Schein aufrechterhalten. Nach dem Krieg sind sie verarmt und Coriolanus und seine Cousine Tigris zu Vollwaisen geworden. Nur ihre Großmutter, die jeden Morgen die Hymne von Panem singt, ist ihnen geblieben. 


    »Coriolanus besuchte hin und wieder Freunde und wusste daher, dass die meisten Familien ihre Wohnungen allmählich wiederherstellten. Die Snows dagegen konnten sich nicht mal ein paar Meter Leinen für ein neues Hemd leisten. Er dachte an seine Klassenkameraden, wie sie die Kleider aus ihren Schränken holten und in ihre maßgeschneiderten Anzüge stiegen, und fragte sich, wie lange er den Schein noch wahren konnte.«


    Als Mentor eines Tributs erhofft Coriolanus sich eine Chance, zu glänzen. Vor allem, wenn er diese gewinnen sollte. Doch zu seinem Schrecken wird ihm nicht nur ein Tribut aus Distrikt 12 zugeteilt, die noch nie als Favoriten gegolten haben, sondern auch noch das Mädchen. Muskeln und Kampferfahrung sind bei ihr fehl am Platz. Dafür besitzt sie zwei Dinge, die sich bald schon als ungeheuer wertvoll herausstellen könnten: Gesangstalent und Charme.

    Er weiß, dass er ihr Vertrauen gewinnen muss, wenn er die Spiele gewinnen will und dass dies nicht einfach werden wird. Denn sein Tribut Lucy Gray Bird ist weder auf den Mund gefallen noch leichtgläubig. Und schon bald merkt Coriolanus, dass er dabei ist, eine Grenze zu überschreiten.

    Die Hungerspiele sind in vielen Bereichen noch weit von denen entfernt, die die Leser:innen aus der Trilogie ›Die Tribute von Panem‹ kennen. Vor den Spielen sind die Tribute ausgehungert und werden in einem Affenhaus gehalten, in dem es von Ratten wimmelt. Viele Elemente der Spiele, die in der Trilogie längst selbstverständlich sind, werden in ›Die Tribute von Panem X‹ geboren. 


    »Vierundzwanzig Tribute, aus jedem der zwölf besiegten Distrikte jeweils ein Junge und ein Mädchen, wurden per Los dazu ausgewählt, bei den Hungerspielen in einer Arena auf Leben und Tod gegeneinander zu kämpfen. So stand es im Hochverratsvertrag, mit dem die Dunklen Tage der Rebellion beendet worden waren.«


    Doch im Verlauf von ›Die Tribute von Panem X‹ ändert sich nicht nur Coriolanus‘ Verhältnis zu Lucy Gray. Auch sein Band zu Sejanus, dessen Familie einst in Distrikt 2 lebte, ändert sich. Ebenfalls bedeutend für seine Entwicklung wird die Bekanntschaft der Obersten Spielmacherin. Sie ist eine absolute Befürworterin der Spiele und interessiert sich vor allem für ihre Mutationen. Grausamkeit und Wahn begleiten sie.

    Coriolanus hat ein Ziel vor Augen: das Ansehen seiner Familie retten und zu altem Glanz zurückfinden. Doch wie weit ist er bereit, dafür zu gehen? Und wie werden die Grundsteine gelegt, die aus Coriolanus Snow den Mann machen werden, der in der 64 Jahre später spielenden Trilogie ›Die Tribute von Panem‹ so bedeutungsvoll ist.


    »Coriolanus galt noch immer als reich, doch seine einzige Währung war sein Charme, den er nun auf dem Weg durch die Menge großzügig versprühte. Die Gesichter hellten sich auf, wenn er Schüler und Lehrer gleichermaßen freundlich grüßte, sich nach ihren Familien erkundigte und hier und da ein Kompliment fallen ließ.«


    Ziel und Wesen der Hungerspiele ist ihre Grausamkeit. Ausgehungerte Kinder dazu zu bringen, sich gegenseitig umzubringen, während das Kapitol und die Distrikte dabei zusehen. Und während die Zuschauer Teil der Hungerspiele werden, werden dies gewissermaßen auch die Leser:innen. Man verfolgt die Spiele, erfährt die Grausamkeiten, die geschehen und kommt gar nicht umhin, sich zu überlegen, wer die Spiele gewinnen wird. Diese Dimension von ›Die Tribute von Panem X‹ ist so groß, dass sie allein mehrere Hausarbeiten füllen könnte.

    Collins hat mit ›Die Tribute von Panem X‹ einen Roman veröffentlicht, der das Werden eines Mannes zeigt, der für ganz Panem bedeutend sein wird. Wir lernen seine grausamen Lehrmeister kennen, sein Abwägen, seine Pläne. Denn wenn Coriolanus Snow eins bereits als Jugendlicher ist, so ist dies berechnend.

    ›Die Tribute von Panem X‹ zeigen einen Teil der Entstehungsgeschichte der Hungerspiele, wie man sie aus der Trilogie ›Die Tribute von Panem‹ kennt. Für mich nimmt es leider einen Teil der Spannung, beim Lesen bereits zu wissen, was einmal aus Coriolanus Snow werden wird. Umso mehr interessiert, wie es dazu kommen konnte. Wer die Trilogie noch nicht gelesen hat, kann also gerne das Prequel ›Die Tribute von Panem X‹ zuerst lesen, um auch diese Spannung zu haben. Ich persönlich mochte die Trilogie insgesamt zwar mehr, doch auch ›Die Tribute von Panem X‹ hat Charaktere, die mir sehr nahe gegangen sind. Für Fans der Trilogie meiner Meinung nach ein Muss.

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    Cover des Buches Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen (ISBN: 9783570166185)

    Bewertung zu "Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen" von Holly Black

    Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: empfiehlt sich für alle, die einfach nicht genug von den Elfenkrone-Bänden bekommen können
    Die Geschichte eines Jungen, der sich wünschte, sein Herz wäre aus Stein

    Cardan war schon vor ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹ der Schönste und der Grausamste im Reich der Elfen. Doch was erwartet man von einem Jungen, der statt mit Liebe mit Katzenmilch und Abweisung aufgezogen wurde?

    Wer ›Elfenkrone‹, ›Elfenkönig‹ und ›Elfenthron‹ gelesen hat, weiß, dass Cardan Jude und ihrer Schwester das Leben im Elfenreich mehr als schwer gemacht hat. Und sie waren nicht die Einzigen, die unter ihm gelitten haben.

    Doch im Elfenreich ist nur wenig wie es scheint. Wer sich freundlich gibt, muss dies nicht unbedingt sein. Zugleich steckt nicht hinter jeder Tat, die böse scheint, auch eine böse Absicht. Wer ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹ lesen will, sollte unbedingt zuvor die Elfenkrone-Reihe von Holly Black gelesen haben, um das Maximale aus dem Buch herauszubekommen. Denn ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹ füllt Leerstellen aus Cardans Leben, die die Leser:innen zuvor nur indirekt füllen konnte und nun unmittelbar miterleben kann.


    »Unter normalen Umständen hätten sie bis in alle Ewigkeit verfeindet sein müssen.
    Er kann sein Glück kaum fassen, kann nicht nachvollziehen, wie es anders kommen konnte.«


    Wohl kaum eine Figur in der Elfenkrone-Reihe macht eine so große Entwicklung durch wie der Elfenprinz Cardan. Mag diese für die Leser:innen und andere Figuren der Reihe überraschend gewirkt haben, zeigt ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹, an welchen Stellen sich diese bereits angedeutet hat und was wirklich geschah.

    Dass Cardan nicht zum Heiligen ernannt wird und seine Grausamkeit für die Figuren der Elfenkrone-Reihe dennoch Realität bleibt, wird dadurch wohl nicht in Zweifel gezogen.


    »Cardan weiß, dass sie nicht nur wegen Mardoc so geworden ist. Er selbst hatte auch die Hand im Spiel.
    Zeitweise kommt es ihm absurd vor, dass sie ihn liebt.«


    Dieser Band ist unglaublich schön illustriert von der talentierten Rovina Cai. Neben großen, doppelseitenfüllenden Illustrationen sind fast alle Seiten mit Ornamenten geschmückt, die Cardan in seiner Extravaganz und Schönheit ebenso gelungen einfangen wie den Zauber des Elfenreiches.

    ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹ ist voller Geschichten, die einen Blick auf Cardans Leben werfen, unmittelbar aus dessen Perspektive erlebt. Wer also den schönen Prinzen noch näher kennenlernen will und zum Beispiel mehr über die Vorgeschichte mit Locke und Nicasa erfahren möchte, ist bei diesem Buch genau richtig.


    »Da er erst kürzlich aufgehört hat, selbst den Schurken zu geben, muss Cardan erneut an den gewundenen Pfad der Entscheidungen denken, der ihn an diesen unwahrscheinlichen Ort geführt hat, hierher, wo er mit ihr über den Himmel rast – mit dem Ziel, den Schwierigkeiten ein Ende zu bereiten, statt neue in die Welt zu setzen.«


    ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹ ist kein Roman wie die drei Hauptbände der Elfenkrone-Reihe. Es ist vielmehr einer Sammlung vieler Geschichten, die den zukünftigen König von Elfenheim, Cardan, in seiner Vielseitigkeit zeigen. Wer abseits der drei Hauptbände mehr über das Elfenkrone-Universum erfahren möchte, kann auch einen Blick in ›Die verlorenen Schwestern‹ werfen, das von Judes Schwester handelt.

    ›Wie der König von Elfenheim lernte, Geschichten zu hassen‹ empfiehlt sich für alle, die einfach nicht genug von den Elfenkrone-Bänden bekommen können und Lust auf schöne und stimmungsvolle Illustrationen haben. Es liegt hier keine durchgehende Handlung im engeren Sinn vor, sondern eher eine Art Geschichtensammlung über Cardans Leben.

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    Cover des Buches Die Leben der Heiligen (ISBN: 9783426227657)

    Bewertung zu "Die Leben der Heiligen" von Leigh Bardugo

    Die Leben der Heiligen
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: sieht nicht nur wirklich toll aus, sondern liest sich auch wunderbar
    Geschichten von Mysterien, dem Leben und dem Tod

    Wer die ›Legenden der Grisha‹ von Leigh Bardugo gelesen hat – oder die ›Glory or Grave‹- oder ›King of Scars‹-Dilogie –, wird sich an die Geschichten der Heiligen erinnern, die in ›Die Leben der Heiligen‹ zusammengefasst sind.

    Sind sie zuerst als unliebsames Geschenk an Alina gelangt, gewinnen sie rasch an Bedeutung. An vielen Stellen mussten sich die Leser:innen im Grishaverse bereits fragen, wie viel an den Geschichten um die Leben der Heiligen dran ist. Erlebt man in der Trilogie ›Legenden der Grisha‹ mit, wie eine junge Frau zu einer Heiligen wird, ist es an manch anderer Stelle die Vergangenheit der Heiligen, die die Figuren interessiert. Selbst aus der ›Glory or Grave‹-Dilogie sind die Geschichten der Heiligen nicht wegzudenken – zumindest nicht für Inej. 

    In der ›King of Scars‹-Dilogie zeigt sich, welches Leben manch Heiliger führt, nachdem es ihm oder ihr gelungen ist, durch seine Taten Einzug in die Bücher Ravkas zu erhalten.


    »In einem der vielen Kriege Ravkas zog ein General seine Armee in feindlichem Gebiet auf, eines raschen Sieges gewiss. Das Wetter jedoch hatte anderes im Sinn. Der Wind schnitt mit kalten Klauen durch die dünnen Mäntel der Soldaten.«

    Sankt Juris mit dem Schwert


    Der Glaube an Heilige hat im Grishaverse eine besondere Bedeutung. Ob er als Instrument eingesetzt wird, die Figuren motiviert oder Wissen über die Vergangenheit bereithält. ›Die Leben der Heiligen‹ macht es nun möglich, dass Fans des Grishaverse ihre eigene Ausgabe mit den Geschichten der Heiligen in den Händen halten können. Das Buch ist wundervoll gestaltet und wirklich toll von Daniel J. Zollinger illustriert worden.

    Ich empfehle jedoch, dass zumindest die Trilogie ›Legenden der Grisha‹ zuvor gelesen werden sollten, um sich durch so manche Geschichte nicht doch etwas vorwegzunehmen. 


    »Es gab ein Dorf, irgendwo im Westen, das sich in den Schutz eines hohen Bergs schmiegte, der wegen seiner krummen Form Gorubun genannt wurde. Von der Spitze des Bergs aus konnte man gerade so das blaue Versprechen des Meers erkennen und beim richtigen Wetter trug der Wind den Salzgeruch von der fernen Küste heran.«

    Sankta Lizabeta von den Rosen


    Es handelt sich bei ›Die Leben der Heiligen‹ nicht um einen Roman, wie wir ihn sonst so oft aus der Feder Leigh Bardugo kennen. Vielmehr ist es eine Sammlung von Geschichten, ähnlich der ›Sprache der Dornen‹, die einzeln gelesen werden können, ohne eine zusammenhängende Handlung zu besitzen.


    »Es gab einen begabten Heiler und Erfinder, der am Rand eines Bauerndorfs lebte. Ilya war ein Einsiedler und am glücklichsten, wenn er in seiner Werkstatt für sich blieb, aber wenn man ihn fragte, so konnte man auf ihn zählen und er mischte Stärkungsmittel oder half einem mit dem Pflug.«

    Sankt Ilya in Ketten


    ›Die Leben der Heiligen‹ sieht nicht nur wirklich toll aus, sondern liest sich auch wunderbar. Die Geschichten sind zwar oftmals bekannt, aber das macht den Reiz des Buches aus. Es versammelt all jene Geschichten, die bereits in der einen oder anderen Form Einlass in das Grishaverse bekommen hatten. Also eine tolle Ergänzung für alle Fans von Leigh Bardugos Trilogie ›Legenden der Grisha‹ oder der Dilogien ›Glory or Grave‹- oder ›King of Scars‹.

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    Cover des Buches Azurie 1: Tochter aus Mondlicht und Tränen: Magische Fantasy in einer von Westafrika inspirierten Welt (ISBN: B099TL18CL)

    Bewertung zu "Azurie 1: Tochter aus Mondlicht und Tränen: Magische Fantasy in einer von Westafrika inspirierten Welt" von Jessica Amankona

    Azurie 1: Tochter aus Mondlicht und Tränen: Magische Fantasy in einer von Westafrika inspirierten Welt
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: ›Azurie. Tochter aus Mondlicht und Tränen‹ ist intensiv
    Eine Frau, die ihrem Schicksal trotzt

    Joya ist in einer anderen Welt aufgewachsen, als jene, in der sie sich behaupten muss. Es war nicht leicht für die Icherzählerin von Jessica Amankonas ›Azurie. Tochter aus Mondlicht und Tränen‹ in einem Dorf groß zu werden, in dem sie das einzige Mädchen ist. Die wenigen anderen Frauen, die sie in ihrer Kindheit kannte, verschwanden irgendwann oder starben.


    Die Eltern, denen nur ein Kind erlaubt ist, entscheiden sich zumeist dafür, einen Jungen zur Welt zu bringen. Das sparrt das Stellen einer Mitgift und der Sohn kann in der Familie bleiben und für die alternden Eltern sorgen. Joyas Eltern sind die einzigen ihrer Generation, die sich für eine Tochter entschieden haben.


    Doch da es nur wenige Mädchen und Frauen gibt, leben diese gefährlich. Entführungen sind keine Seltenheit und eine ständig währende Bedrohung. Joya übersteht diese Zeit nur, weil sie sich wie ein Junge kleidet. Schlagartig ändert sich ihr Leben an dem Tag, als ihr Vater möchte, dass sie ein Kleid anzieht und sich so im Hause der Familie Berima präsentiert.



    »Siehst du dich so, Joya? Als seinen Besitz? Wo ich derjenige bin, der dich im Arm hält.«

    War Joyas Leben zuvor hart und entbehrungsreich gewesen, wird es nun zu einer Falle. Wer sonst, als die reichste Familie im Ort, sollte es sich leisten können, die einzige Frau im Dorf Zira zu kaufen? Dies ist das Leben, dem sie sich stellen muss. Zu Besitz degradiert, für den bestmöglichen Preis verkauft und erworben. Und das, obwohl da doch ein anderer junger Mann ist, der ihr Interesse geweckt hat. Doch Joya wird nicht gefragt.


    Aber die Familie, die Joya kaufen möchte, ist nicht für ihre Güte bekannt. Joya merkt schnell, dass sie Geheimnisse verbirgt, die noch dunkler sind, als sie es sich vorgestellt hat. Doch wer ist die treibende, bösartige Kraft in der Familie, Vater, Sohn oder beide?



    »Vielleicht war Patrice Berima mir geschickt worden, um alles, was ich über die Welt zu wissen glaubte, in Fetzen zu reißen. Vielleicht war er die Flamme der Wahrheit, die nun in meiner Dunkelheit brannte.«

    Amankonas Auftakt zur Reihe ›Azurie‹ zeigt eine düstere Welt, in der Entführung, Frauenhandel und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung stehen. Während Joya in einem Dorf groß wird, in der Strom eine Seltenheit ist und auf die Geschicke eines Medizinmannes vertraut wird, wartet auf sie das Leben in der Stadt. Dass es dort nicht zimperlicher zugeht, zeigt sich bald, denn Bestechung, Prostitution und Kindersoldaten sind dort Teil des alltäglichen Lebens.


    In dieser atmosphärischen, oft düster anmutenden Welt ist Joya eine Art gute Seele mit Biss. Sie lehnt die Verbrechen ab, die um sie herum geschehen und ist nicht bereit, andere für ihren Vorteil bezahlen zu lassen. Obwohl ihr als Frau oftmals die Hände gebunden sind, ist sie nicht auf den Mund gefallen.



    »›Soll ich dich tragen, Prinzessin?‹, warnte er sie. Sie hievte sich in Windeseile hoch, stand mit wackeligen Beinen und wehenden Haaren neben ihm. ›Dachte ich mir. Du sagst kein Wort, wenn wir drin sind.‹«

    ›Azurie. Tochter aus Mondlicht und Tränen‹ ist intensiv. Die Themen, die Amankona in ihrem Debüt-Roman verarbeitet, sind definitiv keine leichte Kost. Während diese oftmals ihren Schatten auf Patrice und Joya werfen, sind es die unbekümmerten Momente zwischen den beiden, in denen die Leser:innen aufatmen können. Schafft es Patrice, aus dieser Welt, die ihn so begünstigt hat und ihn grausame Dinge tun ließ, auszubrechen? Es bleibt spannend, wie es mit der Geschichte um die letzte Azurie Joya weitergehen wird und auch, wie sich Patrice‘ Charakter entwickeln wird.

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    Cover des Buches Das neunte Haus (ISBN: 9783426227176)

    Bewertung zu "Das neunte Haus" von Leigh Bardugo

    Das neunte Haus
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: ein guter Roman, der aber bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat
    Die Rätsel der Toten, Verbindungspartys und ein verschwundener Vergil

    Alex studiert in Yale. Doch haben sie weder glänzende Schulnoten noch gute Beziehungen dorthin gebracht. Alex‘ Leben war alles andere als vorzeigbar. Als ihr der Studienplatz angeboten wird, liegt sie im Krankenhaus. Als einzige hat sie ein Verbrechen überlebt, bei dem mehrere Jugendliche brutal starben. Alex‘ Freunde, mit denen sie zusammenlebte, versuchte über die Runden zu kommen, Drogen nahm und vertickte.

    Was Alex nach Yale bringt, ist das gleiche, das ihr Leben schon von frühester Kindheit an bestimmt hat. Die Geister, die niemand sehen kann außer ihr, und die doch überall sind. Sie verwandeln Alex‘ Leben in einen Alptraum. Die meisten Geister lassen sie in Ruhe, solange sie ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt. Doch wie Alex am eigenen Leib erfahren muss – nicht alle. 

    Was für Alex ein Fluch ist, ist für das neunte Haus, Lethe, ein Segen. Die Aufgabe Lethes ist es, die alten Acht zu überwachen. Verbindungen der Universität, in denen im Geheimen Magie praktiziert wird. Knochenmagie, Portalmagie, Tiermagie und andere. Doch die Beschwörungen und Praktiken der alten Acht sind gefährlich. Die Magie kann fehlgeleitet werden und Unschuldige verletzten oder gar töten. Eine der größten Gefahren besteht darin, dass Geister die Rituale stören. Und genau hier kommt Alex ins Spiel. Doch zum Glück ist sie dabei nicht allein, sondern hat ihren Mentor Daniel Arlington an ihrer Seite.


    »Er hatte die Angewohnheit, sich abwesend die braunen Haare aus der Stirn zu streichen, die in einem den Wunsch auslöste, ihm das abzunehmen. Aber Darlingtons Anziehungskraft wurde von der gesunden Angst aufgehoben, die er ihr einimpfte. Schlussendlich war er ein reicher Junge in einem schönen Mantel, der sie zum Kentern bringen konnte, ohne es zu wollen.«


    Doch als Darlington verschwindet, ist nichts mehr so, wie es vorher war. Die Lage spitzt sich weiter zu, als die Leiche einer jungen Frau in der Nähe der Universität gefunden wird. Doch obwohl auf den ersten Blick alles darauf hindeutet, dass die alten Acht dabei ihre Finger nicht im Spiel hatten, beschleicht Alex ein ungutes Gefühl.

    Und wenn sich Alex erst einmal an einer Sache festgebissen hat, dann lässt sie so schnell nicht mehr los. Vor allem, wenn die Vergangenheit des toten Mädchens Parallelen zu Alex‘ eigener aufweist. Ein Mädchen, das mit dem Gesetz im Konflikt war und das nur wenige wirklich zu vermissen scheinen.


    »Alex hingegen war mit nichts verbunden, sie fühlte sich, als hätte bei ihr jemand zu früh alle Fäden durchtrennt.«


    Ich liebe Leigh Bardugos Bücher. Ich habe alles gelesen, was sie zum Grishaverse veröffentlicht hat – die ›Legenden der Grisha‹-Trilogie, die ›Glory or Grave‹-Dilogie, die ›King of Scars‹-Dilogie und alle Einzelwerke wie ›The Demon in the Wood‹, ›Die Sprache der Dornen‹ und ›Die Leben der Heiligen‹. Ich war also unglaublich gespannt auf Bardugos neuestes Fantasy-Buch ›Das neunte Haus‹.

    Leider hat ›Das neunte Haus‹ meine Erwartungen nicht erfüllen können. Versteht mich nicht falsch, es ist definitiv ein gutes Buch, das viele sehr mögen. Und die Zutaten der Geschichte sind super: Geheimnisvolle Verbindungen, ein mysteriöses Verbrechen, unheimliche und atmosphärische Gestalten, eine Protagonistin mit Biss und eine liebevoll ausgearbeitete Welt. Vor allem der Bräutigam hat es mir angetan. Aber obwohl die Zutaten spitze sind, konnte die Geschichte bei mir einfach nicht richtig zünden. Vielleicht liegt es daran, dass durch die ganzen unterschiedlichen Verbindungen viel erklärt wird und erst spät deutlich wird, wie die ganzen scheinbar nebensächlichen Szenen miteinander zusammenhängen.

    Da die Geschichte von Alex Stern mit ›Das neunte Haus‹ aber definitiv noch nicht zu Ende erzählt ist, hoffe ich sehr, dass sie weitergeht und freue mich schon auf die Fortsetzung. Denn nun sind mir die Verbindungen und die Gesetze der Welt vertraut und ich glaube, dass die Zutaten sich nun entfalten können.


    »Alex hatte sich gefragt, was so besonders war an den Studenten, die jedes Jahr von den Verbindungen gewählt wurden. Aber es waren nur Favoriten – Legaten, Überflieger, Charisma-Königinnen, der Redakteur der Daily News, der Quarterback des Football-Teams, jemand, der eine besonders kantige Aufführung von ›Equus‹ auf die Bühne gebracht hatte, das niemand hatte sehen wollen.«

    ›Das neunte Haus‹ ist ein guter Roman, der aber bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Ich liebe das Rätsel um den Bräutigam und seine Verlobte und Alex‘ Schlagfertigkeit. Ich werde an der Geschichte auf jeden Fall dran bleiben, weil ich Bardugos Schreibkünsten und ihrem Gespür für Menschen und deren Verwicklungen absolut vertraue.

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    Cover des Buches Haut nah (ISBN: 9783426301715)

    Bewertung zu "Haut nah" von Yael Adler

    Haut nah
    Libertinevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Informativ, kurzweilig und witzig
    Orientierung im Informations-Wirrwarr von Websites und Zeitschriften

    Jetzt mal ehrlich: Gefühlt alle zehn Websites lauert irgendein Tipp, was man auf jeden Fall tun sollte, um eine traumhafte Haut zu bekommen. Egal ob Pickel, Cellulite, Falten oder die perfekte Bräune. Fünf Klicks und zwei Websites weiter überfallt mich dann der heißeste Tipp überhaupt, dass ich genau das nicht machen soll. Also wie denn nun?

    Klar, man muss weder perfekt sein noch so aussehen. Aber Hautfragen sind nicht nur ästhetische Fragen, vor allem wenn es um Themen wie Hautkrebs geht. Aber natürlich ist es auch vollkommen okay, sich einfach nur zu fragen, wie man diesen nervigen Pickel auf der Stirn am besten wegbekommt.

    Hinter dem ganzen Internet-Wirrwarr voller Tipps und Tricks können sich manchmal tolle Ideen verbergen, oft jedoch auch einfach nur Mist. Das ist im besten Fall dann teuer, im schlimmsten Fall gefährlich. Dazu ist Yael Adlers Buch ›Haut nah‹ ein toller Gegenpol.


    »Sie ist knapp zwei Quadratmeter groß und umhüllt alles, was wir in uns tragen. Die Haut ist unsere Verbindung zur Außenwelt.«


    Von Leberflecken, über Dehnungsstreifen, Narben, Schuppen, Schweiß bis hin zu Popeln. ›Haut nah‹ nimmt sich jeder Menge Themen rund um die Haut an – manche schön anzusehen, manche vielleicht unter Umständen weniger appetitlich, aber in jedem Fall informativ. Ebenso jede Menge Wissen über den Aufbau der Haut, über ihre Veränderung im Verlauf des Lebens, Körperpflege, was Ernährung, Sex oder Verliebtsein mit der Haut zu tun haben und ein Praxisteil erwarten die Leser:innen.

    ›Haut nah‹ ist mit lustigen Illustrationen von Katja Spitzer gespickt und auch Adlers Art zu Schreiben ist sympathisch. Denn Tabus sind in ›Haut nah‹ fehl am Platz.


    »Als erwachsene Frau – und nun spreche ich kurz als Privatperson zu Ihnen – habe ich die Erfahrung gemacht, dass es Männern wirklich und ehrlich völlig egal ist, ob man da Streifen sieht oder nicht. Vielmehr: Sie nehmen in der Regel dort nichts wahr.«


    Natürlich will ›Haut nah‹ nicht den Besuch bei Haus- oder Hautarzt abnehmen, wenn Beschwerden vorliegen, doch es bietet eine Orientierung im Informations-Wirrwarr von Websites und Zeitschriften. Und wenn es den ein oder anderen dazu anregen kann, vielleicht auch mal seine Leberflecken checken zu lassen, ist schon viel getan.

    Bei vielen Themen tut es auch einfach gut zu merken, wie viele sich auch damit plagen. Und was vielleicht einfach der Plagerei nicht wert ist.


    »Leider erschlafft die Haut im Lauf des Lebens. Einerseits, weil sie einem natürlichen Alterungsprozess unterliegt. Andererseits aber auch, weil wir uns Alterungsbeschleunigern aussetzen: Rasant verloren gehen unsere Sprungfasern durch Sonne, Solarium, Zigaretten, Stress, wenig Schlaf, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung.«


    ›Haut nah‹ liefert fast 400 Seiten geballtes Wissen über unser größtes Organ, die Haut. Adler erklärt, warum die Haut so manche Dinge macht, die uns im Alltag ärgern, und wie wir damit umgehen können. Informativ, kurzweilig und witzig.

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