Lo_Roja

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Narbenfrau (Nick Stein-Reihe 1)B0861NCB26

    Bewertung zu "Narbenfrau (Nick Stein-Reihe 1)" von Gerlinde Friewald

    Narbenfrau (Nick Stein-Reihe 1)
    Lo_Rojavor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Extrem konstruierter, wenngleich dynamischer Thriller
    Nick Stein auf Verbrecherjagd

    In "Narbenfrau" begibt sich der international bekannte und berühmte Psychologe Nick Stein auf Verbrecherjagd in seinem Heimatort Mödling. Der Fall dreht sich um das Opfer Susanne, die Nick aus seiner Jugend kennt. Da diese, unter anderem auch von ihm, in ihrer Teenager-Zeit aufgrund ihres Äußeren gemobbt wurde, entwickelt sie eine Sucht nach Schönheitsoperationen. Mit der Einarbeitung dieses Aspekts spricht Gerlinde Friewald eine Problematik an, die viele junge Frauen in der aktuellen Zeit betreffen. Durch medizinischen Fortschritt sind immer mehr Eingriffe, vor allem kosmetische, möglich. Jedoch ist dies nicht der Hauptgrund, weshalb sehr viele Frauen zur Spritze greifen. Instagram und die sozialen Medien stellen Idealbilder des weiblichen Geschlechts dar. So posten attraktive junge Models oder Influencerinnen Bilder von sich, die sie besonders vorteilhaft darstellen. Große Brüste, volle Lippen, ein faltenfreies Gesicht und sogar ein runder, knackiger Po fügen sich in das Idealmaß einer Frau ein. Durch die Verbreitung und hohe Anzahl solcher Bilder im Netz verspüren viele den Druck, ebenfalls so aussehen zu müssen und gehen zum Schönheits-Doc. In Friewalds Thriller wird dieser durch Carl und seine Arzthelferin Carina verkörpert. 

    Auch diese beiden kennt Nick aus seiner Jugend. Carina beschreibt er als unattraktiv für sich, Carl wird als Macho und als Patriarch dargestellt. Jedoch wird deren Rollenverteilung im Laufe der Handlung vertauscht. Die Praxis von Carl ist ein Ort, an dem das Thema Schönheit ausgehandelt wird. Auch wenn er betont, dass er seinen Patientinnen immer wieder dazu rät, einen maßvollen Umgang mit kosmetisches Eingriffen zu pflegen, so hegt er doch dunkle Fantasien. 

    Insgesamt ist Friewalds Thriller "Narbenfrau" ein Buch, das Fetische und sexuelle Störungen thematisiert und in den Fokus rückt. Dadurch bekommen auch diejenigen eine Stimme, die oftmals marginalisiert werden von der Gesellschaft aufgrund ihrer sexuellen Neigung. Dabei blickt der Leser in die Abgründe menschlicher Triebe und Begierde. Besonders das Thema Nekrophilie kommt hier als dunkle Seite rüber. 

    Nick Stein ist als Hauptprotagonist äußerst fragwürdig, ebenso wie der Fall, der um seine Person konstruiert wurde. In der Realität ist es normal, dass ihm der Fall sofort entzogen worden wäre, sobald der persönliche Kontakt zum Opfer offensichtlich wurde. Auch die immer tiefer werdende Verwicklung in sein altes Kontaktfeld ist besonders konstruiert. Jedoch entsteht auf diese Weise eine gewisse Dynamik, die den Plot bereichert. Zudem wird Stein überhöht-parodistisch als Womanizer und Macho porträtiert. Leider wird er dadurch als Psychologe unglaubwürdig und eine eher fragwürdige Figur. 

    Zusammenfassend ist der Plot dynamisch, entwicklet sich recht schnell und gewinnt auch an Spannung. Jedoch weist die Handlung einige Überspitzungen und Inkohärenzen auf, was dem Thriller die nötige Tiefe entzieht.

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    Cover des Buches Flugangst 7A9783426510193

    Bewertung zu "Flugangst 7A" von Sebastian Fitzek

    Flugangst 7A
    Lo_Rojavor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Leider kein Pageturner in typischer Fitzek-Manier.
    Seichter Thriller mit vorhersehbarem Ende

    Sebastian Fitzek ist als Meister des Wahnsinns bekannt geworden und einer der führenden deutschen Thriller-Autoren. In seinem Werk "Flugangst 7A" entwickelt er einen dramatischen Plot in luftiger Höhe mit tiefem Fall am Ende, wobei er auf aktuelle Anlässe in der Zeitgeschichte Bezug nimmt. 

    Der Hauptprotagonist ist Mats Krüger, der als Psychiater tätig ist und sich auch zahlreicher Fälle angenommen hat, die als unheilbar oder schwer heilbar galten. Er wird als äußerst erfolgreich auf seinem Gebiet dargestellt. Seine große Empathiefähigkeit trägt maßgeblich dazu bei, da er sich in seine Patienten reinfühlt und dann problemorientiert nach Lösungen sucht. Jedoch hat Mats zwei signifikante Schwachstellen: die zerrüttete Beziehung zu seiner Tochter Nele aufgrund dessen, dass er seine Frau während ihres Krebsleidens verlassen hat und seine Flugangst. Und mit dieser Angst nimmt die Handlung ihren Lauf. Diese Schwäche lässt Mats extrem menschlich und fehlbar wirken und macht ihn damit zu einem Antihelden. Da eigentlich jede Entscheidung seines Handelns zur Katastrophe führt, können Aspekte aus der klassischen griechischen Tragödie hier erkannt werden. Mats ist daher ein runder Charakter, der emotionale Tiefe zeigt und dessen Beziehungen zu anderen Figuren deutlich werden. Jedoch gerät die Handlung immer mehr in eine zyklische Darbietungsweise, vieles ist redundant und nicht besonders kniffig, wie wir es eigentlich von Fitzek kennen, verarbeitet. Dadurch verliert der Thriller an Spannung und an Dynamik. 

    Auch das Setting lässt nicht viel Entwicklung zu. Der Großteil des Plots findet in einem Flugzeug statt, das einen abgeschlossenen Raum widerspiegelt. Somit wird das enge Korsett von Mats' Angst betont, aber auch die ausweglose Situation, in der er sich befindet. Nichtsdestotrotz ist vor allem ab der Hälfte des Buches die Handlung eher statisch und kreist um Mats' Überlegungen und Gedanken, wie er am besten aus einem Dilemma herauskommen kann. 

    Das Dilemma, das Fitzek in "Flugangst 7A" anspricht, ist ein klassisches Moral-Dilemma. Es geht darum, das Leben vieler für das Leben einer einzelnen Person zu opfern oder umgekehrt. Diese Entscheidung ist für jeden individuell vertretbar und ein Urteil kann hier nicht gefällt werden. Jedoch ist die Konfrontation mit einer solchen Extremsituation immer wieder prekär, da sie in der Weltgeschichte schon oft vorkam (e.g. Abschießen von Flugzeugen bei Terror). 

    Leider sind die Motive der Täter in diesem Fall nicht besonders triftig bzw. entsprechen nicht der Tradition, die Fitzek im Laufe der Jahre aufgebaut hat. So ist beispielsweise das Festhalten Neles von einem verblendeten Veganer wirklich sehr dürftig und schafft nicht diesen Wow-Erkenntnismoment, den wir von ihm erwarten würden. 

    Alles in allem ist das Buch zwar lesenswert, jedoch nicht besonders spannend und emotional ansprechend. Es fällt ein bisschen aus der Reihe, wenn man die anderen Thriller von Fitzek bereits gelesen hat und liebt. Aufgrund fehlender Handlungsdynamik und relativ einfachen Figuren mit wenig Action verliert das Werk an Charakter, auch wenn es ein grundlegendes moralisches Dilemma beleuchtet.


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    Cover des Buches Mädelsabend9783462054149

    Bewertung zu "Mädelsabend" von Anne Gesthuysen

    Mädelsabend
    Lo_Rojavor einem Monat
    Kurzmeinung: Pageturner mit hoch-aktuellem Bezug
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    Cover des Buches Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge9783426307670

    Bewertung zu "Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge" von Alexander Oetker

    Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge
    Lo_Rojavor einem Monat
    Kurzmeinung: Dichter Plot mit packendem Ende!
    Verschwimmende Grenzen zwischen Gut und Böse

    In "Tödliche Zwillinge" stellt Alexander Oetker den klassischen Kampf zwischen den beiden Polen Gut und Böse dar. Jedoch wird der Plot in einem Zerrspiegel entwickelt, da die Grenzen zwischen den beiden Extremen immer mehr verschwinden. Somit wird die traditionelle Sicht auf die Mitglieder von Europol und der Mafia überwunden. 

    Zunächst ist anzumerken, dass der Thriller über eine reiche und dichte Figurenkonstellation verfügt. Gerade zu Beginn wird der Leser mit einer Vielzahl an Namen und Lebenentwürfen konfrontiert, sodass es an dieser Stelle erst einmal schwerfällt, dieses Puzzle zu ordnen. Jedoch birgt gerade das den Reiz zu erkennen, dass nicht jeder der Figuren eine klar definierte Position einnimmt. Vor allem Charaktere wie Zuffa, Bolatelli oder die Al-Hamsis sind eher typisierte Figuren, bei denen keine Entwicklung deutlich wird, die der Plot aber auch nicht von ihnen verlangt. Bolatelli spiegelt den stereotypen Mafiaboss wider, der aus der Ferne seinen Schergen diktiert, was zu tun sei. Er fordert volle Loyalität und nicht-hinterfragten Gehorsam, hält sich an Prinzipien und eine eigene Form von Ethik. Die Al-Hamsis versuchen Bolatelli dessen Herrschaftsgebiet streitig zu machen, sie wollen ihr Drogen- und Menschengeschäft im Süden Europas ausdehnen und sich dort die Vormachtstellung sichern. Vor allem profitieren die beiden Brüder von der Flüchtlingssituation in und um Frankreich und Spanien. Hier tut sich ein weiterer Handlungsspielort auf, nämlich die Grenze zu Europa. 

    An dieser Grenze versuchen Islamisten neue Mitglieder zu rekrutieren und diese nach Europa einzuschleusen, um weitere Anschläge zu verüben. Diese Gruppe stellt das dar, das es zu bekämpfen gilt. Um das Ziel zu erreichen, wird Europol hinzugezogen. Oetker arbeitet also mehrere aktuelle und zeitgeschichtliche Aspekte in seinen Thriller mit ein, wodurch sein Werk an Bedeutung gewinnt. Der Leser bekommt durch den Hintergrund des Autors first-hand-Eindrücke in die Verfahrensweisen beider Seiten. 

    Gleichzeitig erhält die Handlung eine deutliche Färbung durch Lokalkolorit. Der Leser taucht ab in die Welt im Süden Frankreichs, kann sich das gemächliche Treiben am Hafen und die nächtliche Gemütlichkeit in den Bars und Restaurants vorstellen. Diese Idylle wird dann dem rasanten Kampf gegen Terror in Marokko bzw. Spanien diametral gegenübergestellt. Durch die oft wechselnden Schauplätze gewinnt die Handlung an Schnelligkeit und Dynamik und gleichzeitig steigt die Spannungskurve. Dies ist sehr gelungen. 

    Ein letzter, sehr nennenswerter Aspekt des Thrillers ist die Besetzung der Hauptprotagonistinnen. Es ist nicht nur vollkommen untypisch, dass Zwillinge in diese Rolle schlüpfen, sondern auch, dass es Frauen sind, die gleichzeitig in wichtigen und mächtigen Positionen stehen. Zara ist bei Europol besonders angesehen, da sie eine herausragende Ausbildung und Karriere hingelegt hat. Dadurch haben auch die männlichen Kollegen vor ihr Respekt und schätzen ihre Arbeit. Auch wenn Zoe eigentlich auf der dunklen Seite steht, da sie für die Mafia unter Bolatelli arbeitet, ist auch sie eine Powerfrau. Allein der Titel "Fürstin der Unterwelt" zeugt von der Achtung, die ihr in diesem Metier entgegengebracht wird. Beide Frauen werden als tough dargestellt, treten selbstsicher auf und kämpfen auf ihre Art und Weise für das Richtige. Diese Frauenpower leistet demnach einen maßgeblichen Beitrag zu einer feministischen Debatte. Dadurch stehen die Zwillinge verstärkt in direkter Opposition zu denen, die sie bekämpfen wollen, zu den Islamisten, die mit ihrem Frauenbild das Gegenteil zu erreichen suchen. 

    Alles in allem ist "Tödliche Zwillinge" von Alexander Oetker ein exzellenter Thriller, der an Spannung kaum zu überbieten ist und zentrale Themenkomplexe unserer Zeitgeschichte in den Plot einflechtet. Das zum Teil offene Ende macht Lust auf mehr.

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    Cover des Buches Unverkennbar Unzertrennbar9783347000063

    Bewertung zu "Unverkennbar Unzertrennbar" von Marny Meyer

    Unverkennbar Unzertrennbar
    Lo_Rojavor einem Monat
    Kurzmeinung: Nette, aber eintönig-erzählte Geschichten.
    Wahre Love-Stories, die Mut machen

    Die Autorin Marny Meyer verpackt in ihren 10 Kurzgeschichten in "Unverkennbar unzertrennbar" wahre Liebesgeschichten. Sie arbeitet verschiedene Themen in jede einzelne Geschichte ein und zeigt auch deutlich die Konflikte auf, die Liebe im Alltag und in Grenzsituationen aushalten muss. 

    Besonders positiv ist hervorzuheben, dass die Autorin heteronormative Mindsets aufhebt und diese Grenzen sprengt. Dadurch, dass sie nicht nur die oftmals als "normal" betrachtete Liebe zwischen Mann und Frau beleuchtet, sondern auch homosexuelle Erotik und Beziehungen darstellt, bricht sie normative Gesellschaftsvorstellungen auf. So leistet sie einen maßgeblichen Beitag zur Öffnung der Gesellschaft und zu einer inklusiven und toleranten Gemeinschaft. Auf diese Weise kann sich nahezu jeder Leser mit den Charakteren identifizieren. 

    Auch die Porträtierung von Alltagskonflikten, kleinen Problemchen oder großen Herausforderungen, denen sich Paare im Laufe ihrer Beziehung stellen müssen, verleiht den Geschichten einen authentischen Charakter. Jeder kennt diese Konfrontationen mit beispielsweise kulturellen Unterschieden, sodass der Identifiizerungsgrad mit den Personen relativ hoch ist. 

    Jedoch bieten die Figuren keine charakterliche Tiefe, es findet in den meisten Fällen nur eine Entwicklung bis zu einem gewissen turning point statt, jedoch flacht die Handlung danach meist sehr stark ab, was bei Kurzgeschichten auch oft der Fall ist. Besonders sprachlich wurden leider nicht alle Möglichkeiten der Erzähltechnik ausgeschöpft. So findet der Leser wenig Abwechslung in den sprachlichen Ausdrücken, die sich in fast allen Kurzgeschichten gleichen. An dieser Stelle wäre mehr Potenzial vorhanden gewesen, da jede Geschichte ihren eigenen Charakter hat. Auf diese Weise werden alle zehn Handlungen sehr eintönig und im Laufe des Romans auch langweilig. 

    Alles in allem ist diese Sammlung aus Kurzgeschichten über die wahre Liebe ein Kaleidoskop aus Liebesbeziehungen, die unseren soziokulturellen Alltag widerspiegeln.

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    Cover des Buches Ich schweige für dich9783442487080

    Bewertung zu "Ich schweige für dich" von Harlan Coben

    Ich schweige für dich
    Lo_Rojavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Auch wenn der Titel wenig mit dem Plot zu tun hat, guter Handlungsverlauf.
    Die Fassade des amerikanischen Traums bröckelt...

    In "Ich schweige für dich" stellt Harlan Coben die traditionelle Vorstellung des amerikanischen Kleinstadttraums infrage. Adam wird mit einer doppelten Katastrophe konfrontiert, als er zunächst herausfindet, dass seine Frau Corinne eine Schwangerschaft vorgetäuscht hat und danach spurlos verschwindet. Dadurch wird Adam gezwungen, seine Ehe mit Corinne zu hinterfragen, die eigentlich auf Vertrauen und Ehrlichkeit basiert. Doch nach einem Streit ist Adam auf sich alleine gestellt, denn Corinne kommt nicht wieder nach Hause und ist weder für ihn, noch für die beiden gemeinsamen Söhne erreichbar. Daraufhin startet Adam auf eigene Faust eine Suche. 

    Adam wirkt anfangs wie der prototypische Kleinstadtvater, der seine Söhne zum Sport fährt, mit ihnen Pizza bestellt und sich mit den anderen Vätern des Sportteams unterhält. Jedoch bröckelt diese Fassade relativ schnell und der Leser merkt, dass sich Adam eigentlich eher wie ein Außenseiter fühlt, der nicht dazugehört. Ihm ist die Dynamik der Gemeinschaft nicht geheuer und nach Corinnes Verschwinden weiß er nicht mehr, wem er noch trauen kann, denn die Idylle trügt. 

    Corinne jagt einem Kindheitsideal hinterher. Obwohl in ihrer Vergangenheit ihre Lebenswelt in der Kleinstadt augrund externer Faktoren zerstört wurde, möchte sie sich diesen verlorenen Traum wiederholen und schafft es, erfolgreich in die Kleinstadt zurückzukehren und sich dort zu etablieren. Dadurch wird sie als klassische Mutter dargestellt, die sich für ihre Familie aufopfert. Jedoch hat sie Angst um ihre Ehe und begeht dadurch den Fehler, eine Schwangerschaft und eine Fehlgeburt vorzutäuschen, was die Grundpfeiler ihrer Beziehung letztlich noch mehr ins Wanken bringt. Jedoch repräsentiert Corinne einen durschnittlichen Amerikaner mit dem Wunsch nach der Erfüllung des amerikanischen Traums. 

    Der Kriminalfall, der sich danach in der Idylle ereignet, zieht sich schleppend zu einem nahezu erzwungenen Showdown im Wald, bei dem Adam eine zentrale Rolle spielt. Dabei wächst er über sich hinaus und erkennt schlagartig, was richtig und falsch ist. Dieser Moment ist fast schon pathetisch und wirkt etwas deplatziert. Auch wenn die Handlung einen guten Ansatz hat und einem roten Faden durch den Thriller folgt, so ist der Plot nicht abgerundet. Im Fokus steht eher der redundante Quest, dem Adam stets folgt, wobei diese Suche auch nach und nach die Strukturen seiner und Corinnes Persönlichkeit aufdecken. Daher ist der Thriller von Harlan Coben zwar empfehlenswert aufgrund seiner Kürze und Spannung, hat jedoch auch einige Lücken und Inkohärenz zu verzeichnen.

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    Cover des Buches In ewiger Schuld9783442484669

    Bewertung zu "In ewiger Schuld" von Harlan Coben

    In ewiger Schuld
    Lo_Rojavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Zwischen Psycho-Falle und bitterer Realität, spannender Pageturner!
    Starke Frau in der Hauptrolle

    Harlan Coben hat mit seinem Thriller "In ewiger Schuld" mal wieder Hochspannung und Psychospielchen vom Feinsten kreiert. Das Setting ist ein eher familiärer Kontext, da sich die Hauptprotagonistin Maya in einem Spannungsfeld aus starker Mutter und trauernder Witwe zurechtfinden muss. Maya ist ein runder Charakter mit viel psychologischer Tiefe, da sowohl ihre Vergangenheit, als auch ihre gegenwärtige Situation ausreichend beschrieben werden. Dadurch, dass sie aus der Army zwangsweise ausgetreten ist, da sie eine falsche Entscheidung getroffen hat, mit der die Institution nicht konform geht, wird klar, dass sie keine durchschnittliche Person ist. Im Umgang mit ihrer Tochter erscheint sie dem Leser liebevoll und umsorgend, sie stellt das Wohl ihres Kindes über ihr eigenes und gibt alles dafür, dass die Kleine ein sorgenfreies Leben führen kann. Jedoch ist Mayas Dasein auch überschattet von dem Tod zweier ihr sehr nahe stehenden Menschen - ihres Mannes und ihrer Schwester. 

    Maya bleibt nicht die Zeit zum Trauern, sie wird von der Polizei stark verdächtigt, ihren Mann umgebracht zu haben, auch wenn es augenscheinlich kein Motiv dafür gibt. Sie war sogar diejenige, die versucht hat, ihn zu retten. Der Detective, der auf sie angesetzt wurde, repräsentiert den typischen Cop: er versucht es mit jeder Taktik, um Maya aus der Reserve zu locken, jedoch kommt Maya ihm immer wieder zuvor. Der Polizist versucht immer wieder, seine Macht auszuspielen und Druck auf Maya auszuüben und wird dadurch zu einer typisierten Figur. 

    Auch Mayas Schwiegerfamilie steht ihr gegenüber in einer diametralen Opposition. Sie verkörpern den stereotypen Gegenpart, der die Schwiegertochter nie ganz aufnehmen möchte und auf sie einzureden versucht. Das Anwesen der Familie wirkt schlossähnlich und gleicht damit eher einem Schauerplatz. Dieses Setting stellt die klare Dichotomie zwischen den beiden Parteien dar und verdeutlicht den unüberwindbaren Graben, der sich zwischen ihnen entwickelt hat. 

    Shane hingegen wirkt wie eine Art Vermittler. Er versucht Maya zu beschützen und nimmt daher eine beratende, aber auch eher handlungsunfähige Position ein. Damit widerspricht er dem idealistischen Bild eines Army-Mitglieds, der vor nichts Angst hat. Seine Loyalität hingegen wird immer wieder auf seine Zugehörigkeit zu dieser Institution zurückgeführt. 

    Maya ist der Protoyp einer starken, unabhängigen Frau, die handlungsbestimmt durchs Leben geht und die Konsequenzen für ihr Handeln kennt. Sie wird vom Autor mit Attributen ausgestattet, die sie als feministische Kämpferin präsentieren und die einer stereotypen Frau zuwider laufen. So ist ihre Liebe zu Waffen, ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Männern und ihre Vergangenheit zum Militär zentral und zeigen ihre wichtige Rolle im Plot. Das Ende verdeutlicht auch hier, dass Maya eine kalkulierte und forsche Person ist. 

    Alles in allem ist Harlan Cobens Thriller ein fesselnder Pageturner mit einem krassen Ende. Dadurch werden die typischen Lesererwartungen nicht erfüllt, sondern vor einem Zerrspiegel der Realität dargestellt. Sehr gelungener Thriller!

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    Cover des Buches Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können9783499633744

    Bewertung zu "Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können" von Natascha Wegelin

    Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können
    Lo_Rojavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Gut gelungenes Einstiegsbuch, aber nicht für Finanz-Fortgeschrittene geeignet.
    Einstieg in die Finanzwelt

    Natascha Wegelin hat eine Debatte angestoßen, die längt überfällig war. Endlich spricht jemand direkt an, was schon seit geraumer Zeit Realität ist: Frauen befassen sich oft nicht selbst mit ihrer privaten Altersvorsorge, sondern wälzen dieses Thema beruhigt auf ihre Männer ab - mit fatalen Konsequenzen. In einer Zeit, in der nahezu jede dritte bzw. zweite Ehe geschieden wird und beide Parteien sich oftmals gegenseitig ruinieren, ist es wichtig, selbst den Durchblick zu haben. Und die Autorin von "Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können" ruft zum Handeln auf. 

    Das sonst als eher trockenes Thema der Finanzplanung und Vorsorge beschriebene Feld wird von Wegelin in ein entspanntes und kommunikatives Setting eines Familien-Grill-Essens gesetzt, bei dem eine natürliche Gesprächssituation dargestellt wird, indem die Autorin selbst als Figur auftritt. Dabei erläutert sie die Grundsätze der Finanzplanung und wie frau das selbst schaffen kann. So geht sie auf die Prinzipien ein, mit der sich jede Frau selbst analysieren kann. Leider wird hier zu viel Wert auf das Thema "Schulden" gelegt, anstatt sofort auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie man bereits Angespartes anlegen kann und für die Altersvorsorge nutzen kann. Daher kommt es erst nach circa Dreiviertel des Buches zum Punkt, nämlich zu den verschiedenen Anlegearten wie Aktien, ETFs usw. Für Frauen, die sich schon zuvor mit einigen Anlegemöglichkeiten beschäftigt haben und bereits Grundkenntnisse erworben haben, ist dieses Buch nicht zufriedenstellend. Es hat vor allem Frauen, die auf dem Feld der Finanzen noch ganz neu sind, zur Zielgruppe und betont hier auch immer wieder den Aspekt der Schulden. Daher ist es kein Sachbuch, das man Fortgeschrittenen empfehlen kann. Leider besteht auch hin und wieder Verwirrung beim Thema "Rentenversicherung", da die fiktive Natascha sich am Anfang des Buches besonders über ihren Versicherungsvertrag aufregt und von dessen Tücken und Fallen berichtet, aber im Laufe des Buches immer wieder in Nebensätzen fallen lässt, dass man mit dieser Versicherung auch privat vorsorgen kann. Das ist leider nicht ganz kohärent. 

    Trotzdem ist Wegelins Sachbuch ein Plädoyer dafür, dass sich Frauen mehr auf sich selbst verlassen sollen und endlich auf diesem Gebiet der finanziellen Unabhängigkeit Selbstsicherheit erwerben, um im Alter nichts zu bereuen und keine bösen Überraschungen zu erleben. Meiner Meinung nach schreibt sich das Buch daher in einen aktuellen Diskurs ein, der mit der Feminismus-Debatte ein Ziel verfolgt und einen großen Beitrag zur realen Freiheit leistet!

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    Cover des Buches Frida Kahlo und die Farben des Lebens9783746635910

    Bewertung zu "Frida Kahlo und die Farben des Lebens" von Caroline Bernard

    Frida Kahlo und die Farben des Lebens
    Lo_Rojavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Trotz Einarbeitung historischer Gegebenheiten eher seichte Handlung
    Starke Frau auf der Suche nach ihrem Selbst

    Der Plot des Romans "Frida Kahlo und die Farben des Lebens" verbindet Fakten mit Fiktion. Das Leben des Ausnahme-Talents Frida Kahlo wird auf vielfältige Weise von der Autorin Caroline Bernard dargestellt. 

    Die Handlung startet in medias res, der Leser wird also mitten in die Szenerie in Mexiko in Fridas Jugend hineingeworfen und lernt eine lebensfrohe, junge und verliebte Frau kennen. Relativ bald kommt es jedoch zu einem ersten Spannungsmoment, da sie einen schweren Verkehrsunfall erleidet und dadurch auch ihre Leidensgeschichte beginnt. Im Laufe des Buches erfolgt eine Verwebung ihrer Krankheit mit der Persönlichkeitsentwicklung der heranwachsenden Frau. Immer wenn sich Probleme in ihrem Leben ergeben, werden auch ihre Schmerzen detailliert beschrieben. Auf diese Weise bekommt der Leser einen tiefen Einblick in den ewigen Kampf in Frida Kahlos Leben, der sie aber gleichzeitig auch zum Malen gebracht hat. 

    Der zweite Gesichtspunkt, der Bernards Roman hervorragend verarbeitet ist, ist der Zusammenhang der Malerei und Kahlos Kunst mit ihrer Suche nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, aber auch Erfüllung. Dabei hat sich die Hauptprotagonistin dem Kampf für die Frauenrechte verschrieben und bricht mit ihren Bildern, die zum Teil aus dem Lebenskontext vieler Geschlechtsgenossinnen gegriffen sind, zahlreiche Tabus. So stellt sie beispielsweise die Erfahrung einer Fehlgeburt in den Fokus der Öffentlichkeit und möchte die schmerzhaften körperlichen, aber auch seelischen Schäden hervorheben. Dies ist der Autorin sehr gut gelungen und sie hat damit einen wichtigen Beitrag zum Feminismus geleistet, den auch Frida Kahlo zeit ihres Lebens besonders als Ziel hatte. 

    Vor allem Fridas Beziehung zu Diego Rivera wird in dem Roman herausgearbeitet und besonders betont dargestellt. Da dieser Mann auch historisch gesehen eine zentrale Figur der Künstlerszene ist und erheblichen Anteil an Fridas Erfolg und ihrer Lebensgeschichte hat, ist es natürlich wichtig, ihn als Charakter in die Figurenkonstellation einzufügen. Vor allem seine Art als "Womanizer" hat es Frida nicht immer leicht gemacht, eine Beziehung mit ihm zu führen. Leider liegt der Fokus des Romans zu häufig auf der Schilderung Riveras anstatt auf Frida Kahlo. Dieser zirkuläre Aspekt des Plots ist ein wiederkehrendes Motiv. Dadurch kommt es zu Redundanzen, die die Spannung und auch den Aufbau der Handlung immer öfter abflachen lassen oder gar zerstören. Darum zieht sich der Roman an manchen Stellen. Alles in allem eine nette Geschichte, aber in vielerlei Hinsicht wurde das Potenzial der Lebensgeschichte Frida Kahlos nicht vollständig ausgeschöpft.


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    Cover des Buches Das Savoy - Aufbruch einer Familie9783746635101

    Bewertung zu "Das Savoy - Aufbruch einer Familie" von Maxim Wahl

    Das Savoy - Aufbruch einer Familie
    Lo_Rojavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Netter Coming of Age Roman aber leider ohne Spannungsbogen
    Krimifall im Hotel-Imperium

    Maxim Wahl entführt die Leser in das England der 30er-Jahre. Jedoch legt er den Fokus weniger auf gesellschaftliche oder politische Umbrüche, die in dieser Zeit stattfanden, sondern spinnt eine schöne Coming of Age Geschichte rund um die junge Hotelerbin Violet. 


    Violet kommt aus relativ wenig thematisierten Verhältnissen, ihre Herkunft erscheint dem Leser verschleiert. Über ihre Mutter und damit auch ihre Beziehung zum Hotel Savoy kommt nur als Randnotiz vor, ihr Vater hingegen ist eine typisierte Figur, die im Laufe des Romans auch einmal vorkommt. Jedoch darf man seinem Rat nicht trauen, er wirkt nicht vertrauenswürdig und hat mit dem Savoy nur wenig zu tun. In einer Zeit, in der die gesellschaftliche Rahmensituation Frauen nur wenig Freiheit sowohl beruflich, als auch familiär ließ, lebt Violet nicht in diesem Spannungsfeld. Sie hat einen guten Job bei BBC und auch eine freiwillige Liebesbeziehung zu ihrem Mentor, der keine patriarchalischen Ansichten teilt. Auch die zweite Liebschaft, die parallel zur anderen abläuft, engt Violet nicht ein. Dieser Mann bewundert sie eher, als seine einfache Rolle innerhalb des Hotelkomplexes zu kompensieren. 


    Leider geht Maxim Wahl hier nicht authentisch mit den historischen Gegebenheiten um, da Violet sicherlich mehr soziale Zwänge empfinden hätte müssen aufgrund ihres Geschlechts. Aus diesem Grund kann der Roman "Das Savoy" hier nicht komplett überzeugen. 


    Auch die eher dürftige Einarbeitung eines Kriminalfalls rund um den Großvater Larry, der das Savoy weitervererben wird, erscheint nicht natürlich in die Geschichte eingebettet. Die Spannung, die man während des Lesens erfährt, ist eher künstlich herbeigeführt, da man zunächst nicht weiß, wer es auf Larry abgesehen hat. Nachdem sich später aber die Lesererwartung erfüllt, kommt es auch nicht zu einem wirklichen Wendepunkt oder "Aha-Moment". 


    Positiv ist jedoch, dass Violet immer in ihrer jeweiligen Gefühlslage porträtiert wird und auf ihre verschiedenen Gedankengänge eingegangen wird. Sie wägt bestimmt und sicher ab, wie die Zukunft des Hotels aussehen soll und ob sie ein Teil davon werden möchte, oder die Herrschaft lieber an den eher zweifelhaft wirkenden Sohn Larrys abgibt. Dessen Frau wirkt besonders dominant, machtgeil und besessen davon, es endlich zu etwas zu bringen in der Londoner Gesellschaft. 


    Parallel zu diesen Handlungssträngen treten zwei Herren, die als Gäste ins Savoy einchecken, in die Figurenkonstellation ein. Einer ist ein Jude aus Deutschland, der es vermeidet, Stellung zur akutellen politischen Situation in München zu beziehen. Der andere scheint irgendwie in die kriminellen Machenschaften verwickelt zu sein, die es auf Sir Larry abgesehen haben. Hier besteht definitiv noch Spannungspotenzial für Band zwei, auch wenn der Titel "Aufbruch einer Familie" nicht direkt angewendet werden kann. Die Familie ist nicht mit Flucht oder Unterdrückung konfrontiert, wie man es in Verbindung mit der Jahreszahl 1932 erahnen könnte, sondern eher handelt es sich um einen Richtungs- und damit auch Führungswechsel im Hotel Savoy. Daher kann man gespannt auf den zweiten Teil blicken, der noch einige offene Geheimnisse und Handlungsstränge zu behandeln hat.

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    • weiblich
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