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M_L-Ange

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Beatrice von Burgund (ISBN: 9783948968212)

    Bewertung zu "Beatrice von Burgund" von Dorothea von Choltitz

    Beatrice von Burgund
    M_L-Angevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein hochinteressantes Buch, das ein sorgfältiges Korrektorat verdient hätte. Poetische Sprache, historisch lehrreich, manchmal arg blumig.
    Ein Roman wie eine Wagner-Oper, groß und teils mitreißend, teils aber etwas mühsam.

    Es fällt schwer, diesem umfangreichen und durchaus gewichtigen Werk gerecht zu werden. Ich sehe darin wunderbare und auch störende Aspekte.

    Als ich das Buch das erste Mal in der Hand hielt, war ich recht beeindruckt: Ein schweres Exemplar, fester und hochwertig wirkender Einband, schönes stimmiges Titelbild, anständig gesetzt. Nach einigen Wochen ist freilich der Einband, dem ein Schutzumschlag fehlt, schon recht abgenutzt, und das lag vielleicht daran, dass ich das Werk öfter aus der Hand gelegt habe.

    Dorothea von Choltitz lässt die Kultur des Hochmittelalters lebendig werden und erzählt ganz aus der Sicht ihrer bemerkenswerten Titelheldin. Der Roman beschreibt acht wichtige Jahre ihres Lebens und ist in viele kurze Kapitel unterteilt, die jeweils einen Wochenspruch aus dem Kirchenjahr als Motto tragen und auch jeweils in der passenden Woche spielen. Das ist ein schöner Kunstgriff. Leider zerfällt dadurch auch die Handlung in lauter kleine Abschnitte, was sich manchmal störend auf den Handlungsfluss auswirkt. Jedes einzelne Kapitel ist wirklich schön geschrieben und ich habe noch nirgends sonst so poetisch geschriebene Liebesakte gelesen. An manchen Stellen freilich gleitet die Poesie in eine schwärmerisch-überladene Wortverliebtheit ab, die schon fast irritiert. Auch die Person der Beatrice ist für moderne Menschen schwer zu fassen. Sie verkörpert ganz den Typus der mittelalterlichen Adligen, und das Buch ist dort am stärksten, wo ihr Verhalten mit unseren Erwartungen eben nicht konform geht. Aus jeder Seite spricht gründliche und professionelle Recherche und ein professioneller Hintergrund. Das ermöglicht der Autorin, die Zeit Beatrices und Friedrichs in aller Pracht und aller Brutalität zu zeigen und dabei doch immer ganz eng an der Hauptperson zu bleiben. In dieser Hinsicht ein Genuss, für den die Höchstwertung noch zu wenig wäre.

    Natürlich darf es niemandem einfallen, die Figuren nach heutigen Maßstäben zu messen. Dazu trägt auch die inbrünstige Religiosität der Beatrice bei und z.B. ihre Bewunderung für Bernhard von Clairvaux. Gerade diese Details geben dem Buch aber eine Authentizität, die ich bewundere.

    Nach soviel Lob ein wenig die andere Seite: zwischen all den wunderbaren Szenen liegt  vieles an Schilderung, das eher der Chronistin als der Romancière geschuldet ist, und auch einige Szenen, die vielleicht keine von beiden zwingend benötigte. Das und die kurzen, abgeschlossenen Kapitel lassen den Lesefluss immer wieder stocken, so dass ich für die fast 550 Seiten etliche Wochen benötigt habe. Es baut sich kein wirklich hoher Spannungsbogen auf, außer zum Ende hin; ähnlich wie bei einem Feuilletonroman hat jedes Kapitel für sich solch einen kurzen Bogen, aber keine Cliffhanger. Tatsächlich sind die letzten 100 Seiten vielleicht die besten oder zumindest am besten lesbaren im Buch, auch wenn sie teils brutal und dann auch weniger poetisch sind.

    Was mich dabei noch gestört hat, ist die nachlässige Umsetzung. Es gibt Rechtschreib- und Grammatikfehler in großer Zahl, teils finden sich wiederholte Wörter oder halbe Sätze, die offenbar noch von einer Korrektur übrig geblieben sind. Ich habe mich gefragt, ob hier versehentlich eine unkorrigierte Version in Druck gegeben wurde. Sicher kann dies in einer zweiten Auflage beseitigt werden, deshalb habe ich es in meiner Bewertung nicht berücksichtigt. Anmerkung: Die Autorin hat freundlicherweise bereits angekündigt, dass die Taschenbuchausgabe noch einmal durchgesehen wird.

    Fazit: Ein groß angelegter und ehrgeiziger Roman, mit wunderbaren Seiten, bei dem man nebenher viel lernt, aber auch mit Passagen, die Geduld benötigen. Nichts für Beckmesser; für geschichtlich Interessierte eine klare Empfehlung.

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    Cover des Buches Jakob Wolff - Die Teufelshand (ISBN: 9783945230558)

    Bewertung zu "Jakob Wolff - Die Teufelshand" von Verena Jung

    Jakob Wolff - Die Teufelshand
    M_L-Angevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sechster Band der Reihe. Hexenmeister Wolff ist diesmal im Frankreich Napoleons. Gute Unterhaltung mit großen Themen und kleinen Schwächen.
    Was passiert, wenn man dunkler Magie vertraut?

    Hexenmeister Jakob Wolff ist in Frankreich unterwegs, und wieder einmal kommt die Zeit, dass er ein Leben nehmen muss, um sein eigenes zu verlängern. So sehr er das hasst, kann er doch nicht entkommen. Diesmal versucht er sich etwas aus der Verantwortung zu stehlen: Ein Findungszauber soll ihm jemanden weisen, der den Tod verdient hat. Ob das so ein guter Plan ist, wenn hinter der Magie der Teufel selber steckt?

    Das Buch ist flüssig zu lesen und auch in der elektronischen Version sauber produziert. Schade, dass ein paar grammatische Ungereimtheiten den Eindruck der ersten paar Seiten stören - sie sind keineswegs charakteristisch für den Rest. Die Figur des Hexenmeisters überzeugt im Großen und Ganzen, und wenn er sich in einer Szene als Mediziner ungeschickt anstellt, ist das halt sein Pech. Ohnehin ist Jakob eigentlich eine tragische Figur: Er ist sich seiner eigenen Unzulänglichkeiten durchaus bewusst, kann aber nicht dagegen an. Dieser spannende Zug seiner Persönlichkeit zieht sich durch das ganze Buch und tröstet über ein paar wenig überzeugende Nebenfiguren hinweg. Die historischen Details gefallen zumeist. Allerdings wirkt dieses Frankreich für die Zeit allzu friedlich, und der reichlich verfügbare Kaffee irritiert mich ein wenig.

    Jakobs Freundin Lilo kommt in diesem Band erst spät ins Spiel. Wäre dies ein Film, könnte man sagen, die anderen Nebenrollen - vor allem das spätere Opfer - spielen sie an die Wand, denn ihre Persönlichkeit kommt nur bruchstückhaft zur Geltung. Das Opfer ist dagegen die wohl überzeugendste Person im ganzen Buch. Hier spricht eine gründliche Recherche aus jedem Satz, und man könnte sagen, dass diese Person der heimliche Star des Buchs ist. In gewisser Weise ist das Opfer auch als einziger... OK, keine Spoiler.

    Mir hat Jakobs Seelenkonflikt gut gefallen. Er muss sich gleich mehreren der schwersten Fragen stellen, die es gibt. Seinem Meister ist er nicht gewachsen, das haben schon ganz andere versucht, aber immerhin verbucht Jakob doch einen Erfolg. Und noch ist seine Geschichte ja nicht zu Ende erzählt.

    Fazit: Das Buch wird desto besser, je länger es dauert. Für Freunde des Genres auf jeden Fall eine Empfehlung.

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    Cover des Buches Reise um die Erde in 80 Tagen (ISBN: 9783962690021)

    Bewertung zu "Reise um die Erde in 80 Tagen" von Jules Verne

    Reise um die Erde in 80 Tagen
    M_L-Angevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Klassiker der Reise- und Bildungsliteratur, wenn auch typisch 19. Jhd.
    Sollte man gelesen haben, trotz der Klischees

    Phileas Fogg, der Prototyp des reichen englischen Gentleman, will beweisen, dass es tatsächlich möglich ist, die Erde in 80 Tagen zu umrunden, so wie die Zeitung geschrieben hat. Er wettet sein halbes Vermögen darauf und fährt los.

    Leider ist ein entscheidender Teil der Bahnlinie durch Indien noch nicht fertig gestellt - da hatte die Zeitung ungenau informiert. Die Reise wird deshalb zum Abenteuer und Fogg muss mit Hilfe seines französischen Dieners mächtig improvisieren, um noch eine Chance zu haben, seine Wette zu gewinnen. Dabei ist wenig hilfreich, dass Agent Fix von Scotland Yard ihn für einen Bankräuber hält und verfolgt.

    Die Völker und Menschen, die Fogg unterwegs trifft, entsprechen weitgehend den Klischees der damaligen Zeit; das Interesse des Autors liegt ganz klar daran, zu zeigen, wie die Reise als solche gelingt. Es sei deshalb vor raffgierigen indischen Händlern, brutalen Khali-Jüngern, opiumrauchenden Chinesen und angriffslustigen Indianern gewarnt, die wie eine Landschaft aufziehen und wieder verschwinden. Sie dienen nur dazu, Fogg Schwierigkeiten zu machen und erheben keinen Anspruch darauf, fair geschildert zu werden. Das ist schade; freilich hatte Verne natürlich auch wenig Gelegenheit zu einer Vor-Ort-Recherche.

    Übrigens bewegt sich Fogg  die meiste Zeit auf dem Boden des British Empire, was die Sache natürlich erleichtert. Er ist wirklich der Idealtyp eines Engländers, mit Erfahrung von früheren Reisen, aber eigentlich völlig uninteressiert an den Dingen, die um ihn her vorgehen. Ihn interessiert einzig seine Wette; alle Schwierigkeiten werden mit Geld oder notfalls Gewalt aus dem Weg geräumt. Aufgrund des Zwischenfalls in Indien bekommt er allerdings Gesellschaft von einer reizenden indischen Dame, in die er sich natürlich am Ende doch verliebt. Bei allen Schwierigkeiten, die sich unterwegs bieten, behält er seinen Gleichmut und eine unerschütterliche Zuversicht. Das hat ihn zu einem meiner ersten Helden gemacht. Passepartout, sein Diener, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt und bildet einen schönen Gegenpol. Dabei steht er allerdings ein wenig in der Tradition des französischen Theaters, wo Diener oft eher Witzfiguren waren. Dennoch ist er es, der mehr als einmal die Situation rettet. Und selbst der hinterhältige Fix entpuppt sich am Ende doch als warmherziger, wenn auch allzu pflichtbewusster Mensch.

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    Cover des Buches The Haunted Monastery (ISBN: 9780751509625)

    Bewertung zu "The Haunted Monastery" von Robert van Gulik

    The Haunted Monastery
    M_L-Angevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Krimi aus dem alten China. Richter Di beendet eine Serie von Sexualverbrechen in einem taoistischen Kloster.
    Ein spannender Thriller aus dem alten China mit großartigem Setting

    Die Richter-Di-Bücher von Robert van Gluck gehören zu meinen liebsten Krimis. Das liegt einerseits an dem Setting im China des 16. Jahrhunderts (obwohl Richter Di eine historische Figur des 7. Jh ist), andererseits an dem großartigen Ermittler Richte Di und seinen Gehilfen. Der Richter ist eigentlich ein ständig überarbeiteter Verwaltungsbeamter, so wie das im damaligen China wohl üblich war.

    In diesem Buch kommt Di von einer Reise nach Peking zurück in seinen Verwaltungsbezirk Han-yuan und muss vor einem Gewittersturm in einem alten Kloster Schutz suchen. Und schon geht es los. Was mit einem überraschend offen stehenden Fenster anfängt, führt Di auf die Spur eines Rätsels. Drei junge Mädchen haben anscheinend Selbstmord begangen. Di ermittelt und kommt einer. Serie grausamer Sexualverbrechen auf die Spur. Am Ende stellt er den Täter, kann aber die Taten nicht beweisen und muss sich anhören, wie der Verbrecher ihm etwas von höherer Moral erzählt. Doch Richter Di findet einen Weg, für Gerechtigkeit zu sorgen. Ganz nebenher löst er noch ein paar Fälle zusätzlich.

    Praktisch während des ganzen Buchs sorgt der Regen für ein Element der Düsterkeit, das die Stimmung in dem geheimnisvollen Kloster verstärkt. Auch die Mönche, die am liebsten gar keine Informationen weitergeben, und der Abt, der Dis Arbeit ständig behindert, sind überzeugend gezeichnet. In einigen Situationen, die für Di gefährlich werden, kann man seine Angst förmlich spüren.

    Einige Szenen sind aus heutiger Sicht vielleicht etwas stereotyp und auch die Rolle der Frauen ist nicht unbedingt so, wie man es sich heute wünschen würde, aber es ist eben auch ein älteres Buch. Allein schon für die farbige und interessante Schilderung der Lebensumstände im China des 16. Jh. unbedingt lesenswert.


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    Familienvater und Teilzeitautor.

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