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Madame_Klappentext

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Die Erfindung der Sprache (ISBN: 9783463000237)

    Bewertung zu "Die Erfindung der Sprache" von Anja Baumheier

    Die Erfindung der Sprache
    Madame_Klappentextvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Adam hats direkt in mein Herz geschafft, so sympathisch schrullig wie er ist
    Tolle Figuren und herzerwärmende Geschichte

    Inhalt: Oda, Hubert und Adam sind eine ganz normale Famile. Naja, vielleicht nicht ganz, denn Adam ist besonders, da er eine ganz eigene Beziehung zur Sprache hat. Außerdem sind ihm feste Strukturen sehr wichtig, um seinen Alltag meistern zu können. Adam stehen nicht nur seine Eltern zur Seite, sondern auch seine Oma Leska und Opa Ubbo und mit ihm die gesamten Einwohner von Platteoog. Als Erwachsener muss Adam nun seine gewohnten Verhaltensweisen über Bord werfen, um seinen verschwundenen Vater zu finden, damit seine Mutter zurück ins Leben findet. Eine ungewöhnliche Reise nimmt ihren Anfang, die Adam viel abverlangt.

    Leseeindruck: Ach, wie schnell man Charaktere doch ins Herz schließen kann. Adam ist von Beginn an ein Sympathieträger und das nicht trotz seiner Macken, sondern genau deswegen. Er ist nicht perfekt und das ist genau richtig so. Er mag lieber mit Maschinen reden als mit Menschen und muss immer bestimmte Verhaltensmuster einhalten, um voran zu kommen. Ja, vielleicht sind Adam und mit ihm auch eine Menge der anderen Charaktere an der einen oder anderen Stelle überzeichnet, denn es gibt wirklich keine einzige Figur, die nicht irgendwie besonders ist, aber genau das mancht den Charme der Geschichte aus. Allesamt werden sie von ihrer menschlichen und auch verletzlichen Seite gezeigt, das macht es unheimlich einfach eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Trotz der Schwere des Themas hat mich die Leichtigkeit der Geschichte beeindruckt. Zum einen entsteht die genau durch die überzeichneten Charaktere und Situationen, von denen man sich nur schwer vorstellen kann, dass diese einem auch in der Realität begegnen können. Zum anderen ist die Sprache selbst so großartig. Leska mit ihrem tschechischen Akzent oder eben Adams rationale Art mit dem Drang immer Listen zu verfassen, lockern die Ernsthaftigkeit immer wieder auf. Ingesamt ist es eine eher heitere Story, die einen super vom eigenen Alltag ablenkt und dafür sorgt, dass man in Gedanken auf Reisen geht.

    Adams Reise ist dabei so etwas wie ein ungewollter Roadtrip. Er stolpert von einer eigenartigen Situation in die nächste und bleibt dabei einfach immer der liebenswerte Held (sehr passend ist in diesem Zusammenhang übrigens der Bezug zum klassischen Heldenepos). Ich muss aber auch zugeben, dass Adam für mich die Geschichte trägt, denn es gibt so viele Figuren in der Geschichte, die am Rande auftauchen, dass es mir hin und wieder schon zu viel geworden ist. Immer wieder habe ich Adam herbeigesehnt, deshalb konnte bei mir die Gegenwartshandlung auch deutlich mehr punkten als die Rückblicke zur jungen Oda. Vielleicht hat es aber auch daran gelegen, dass ich so überhaupt keinen Draht zu Hubert aufbauen konnte. Ja, er soll rätselhaft sein, das macht ihn aus, aber leider trägt er in meinen Augen auch nicht allzuviele Sympathiewerte in sich. Im Prinzip haben die meisten Probleme ihren Ursprung in seiner Person. Auch wenn es am Ende eine Erklärung für Huberts Verhalten gibt, hat mich die Lösung doch nicht so zufriedengestellt, wie ich es mir gewünscht habe. Aber das mag im Auge des Betrachters liegen. In jedem Fall ist Adams Entwicklung mehr als gelungen und ich freue mich so für ihn.

    Man mag sich fragen, wass es mit dem Titel „Die Erfindung der Sprache“ auf sich hat. Das ist quasi das Buch in der Geschichte, das der Auslöser für Adams Reise ist. Allerdings hat der Titel bei mir bewirkt, dass ich mit falschen Erwartungen an das Buch gegangen bin. Ich habe mir ein Buch über Sprache erträumt. Das ist es aber nicht. Ja, Sprache spielt eine nicht unwesentliche Rolle, aber es sind doch eher die Zahlen, die Adams Leben prägen. Trotzdem kommt Sprache nicht zu kurz, denn es gibt unzählige Anspielungen auf Sprachtheorie, die ganz nebenbei mit eingebaut werden und sich wie selbstverständlich ins Geschehen einordenen. Mich hat das an alte Unitage erinnert und ich hätte nie gedacht, dass man Linguistik so gekonnt in einen Unterhaltungsroman einbauen kann. Wirklich einfallsreich.

    Lieblingsnebencharakter: Im Prinzip besteht dieses Buch aus unzähligen Nebencharakteren, denn alle, die nicht zur Adams Familie gehören, könnten hier genannt werden. Irgendwie ist es bei der Fülle schwer sich zu entscheiden und noch dazu waren sie mir manchmal auch zu viel. Schließlich ist mir doch Adam besonders ans Herz gewachsen, deshalb sollen hier die Charaktere genannt werden, die für Adam wichtig waren und sind:

    • Zola – weil sie Adam zu der Reise animiert hat und ihn sofort mit all seinen Ecken und Kanten akzeptiert hat.
    • Zola, die Katze – einfach weil es sie gibt und Treue belohnt werden muss.
    • der Koffer – weil er nie von Adams Seite weicht und sicher noch viel mehr Reisen unternehmen will.
    • Martha – weil sie Adam wichtig ist – zu Recht.
    • die Reklametafel – weil es sie gibt, lest selbst.

    Fazit: Adams Geschichte bewegt auf mehreren Ebenen. Es ist eine rührende Familiengeschichte, zeichnet aber auch die Reise zu sich selbst nach und macht dabei unheimlich viel Spaß. Außergewöhnliche Charaktere treffen auf verrückte Situationen. Manchmal scheint das etwas zu viel zu sein und doch bietet der Roman eine tolle Mischung aus Komik und Drama. Hin und wieder hätte ich mir mehr Adam und weniger drumherum gewüscht, aber macht euch am besten selbst ein Bild, denn unterhaltsam ist das Buch in jedem Fall.

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    Cover des Buches Die Bücherfrauen (ISBN: 9783103970807)

    Bewertung zu "Die Bücherfrauen" von Romalyn Tilghman

    Die Bücherfrauen
    Madame_Klappentextvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Die Story ist nicht schlecht, entspricht aber überhaupt nicht den Erwartungen nach Cover und Klappentext
    Ein Schwerpunkt hätte der Story gut getan

    Inhalt: Die Kleinstadt Prairie Hill in Kansas wurde von einem Tornado schwer getroffen, auch von der Gemeindebibliothek ist nur noch eine Mauer übrig. Der Nachbarort New Hope blieb zwar verschont, aber dort wurde die Bibliothek schon vor Jahren in ein Kulturzentrum verwandelt. Vor diesem Hintergrund treffen drei Frauen aufeinander, die gerade dabei sind ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Angelina will endlich ihre Dissertation zu den Carnegie-Bibliotheken beenden. Traci ist eine junge Künstlerin und sucht noch nach ihrem Platz im Leben und Gayle hat bei dem Tornado all ihren Besitz verloren und versucht nun die Kraft für einen Neuanfang zu finden.


    Leseeindruck: Dieses Buch ist so viel: Es beschreibt die Geschichte der Carnegie-Bibliotheken, befasst sich mit der Geschichte Kansas und dem gesellschaftlichen Leben in der Provinz, zeigt Probeme der hiesigen Teenager auf, wirft einen Blick zurück in die Geschichte New Hopes, macht Klimakatastrophen zum Thema und auch ganz persönliche familiäre Schicksale dürfen nicht fehlen. Worum es in dem Buch aber wahrlich nur am Rande geht sind Bücher. Dieses Manko stört mich ungemein, denn man geht aufgrund des Covers und des Klappentextes mit völlig falschen Erwartungen an das Buch. Das macht es nicht leicht sich auf die Story einzulassen. Ständig habe ich darauf gewartet, dass ich den Charme der alten Bibliothek zu spüren bekomme, oder zumindest den Elan der Frauen, die sich dort regelmäßig treffen, aber leider war dem nicht so, denn dieses Buch will zu viel gleichzeitig. Hätte man den Fokus auf ein oder zwei Probleme gelegt, hätte man diese tiefgründig und umfassend beackern können. So kratzt man ständig nur an der Oberfläche. Noch dazu hat sich bei mir nie das Gefühl eingestellt, einen in sich schlüssigen Schmöker vor mir zu haben. Es ist eine Aneinanderreihung von Episoden, die sich nie zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Das Beste Beispiel hierfür sind die drei Frauenfiguren, aus deren Sicht die einzelnen Kapitel erzählt sind. Während Angelina und Traci irgendwann zusammenfinden, bleibt Gayle immer außen vor und eher eine Nebenfigur. Trotz ihres harten Schicksals schafft man es einfach nicht, eine Bindung zu ihr aufzubauen, weil sie zum einen wenig Raum erhält und zu anderen auch recht blas bleibt.


    Leider bleibt auch die Charakterentwicklung sehr oberflächlich, was ich wieder der Tatsache zuschreibe, dass es einfach zu viele Problemfelder gibt, die nicht sinnvoll zusammengeführt werden. Außerdem ist auch die zeitliche Abfolge nicht immer logisch, genau wie das Verhalten der Figuren. Das alles hat es schwer gemacht, sich in der Romanwelt zurecht zu finden. Angelina zum Beispiel soll seit etwa 10 Jahren an ihrer Dissertation schreiben, begibt sich aber nach Kansas zum recherchieren, schreibt Gespräche nur bruchstückhaft mit und sucht noch nach dem wissenschaftlichen Mehrwert ihrer Arbeit. Sollte man nach 10 Jahren nicht schon weiter sein? Für mich taten sich von Seite zu Seite immer mehr Fragen auf, als dass sie beantwortet wurden. Auch der Stil ist eher holprig und die eine oder andere Stelle lässt mich vermuten, dass hier nicht immer sauber übersetzt wurde. Dabei kenne ich das Original nicht und kann mich nur auf mein Gefühl verlassen.


    Es ist so schade, dass dieses Buch sein Potential nicht ausschöpft, denn gerade die Geschichte um Angelinas Großmutter ist spannend und verliert sich dann wieder abseits der Bibliotheksstoryline. Hoffnung und Enttäuschung prägen nicht nur das Leben der Charaktere, sondern auch das Lesen selbst.


    Lieblingsnebencharakter: Es ist wirklich schwer eine emotionale Verbindung zu den Charkteren herzustellen, denn viele von ihnen bleiben einfach farblos oder lassen keine Entwicklung erkennen. Positiv in Erinnerung geblieben ist mir Rachel. Sie hat ebenfalls ein ergreifendes Schicksal und ist eine der wenigen Figuren, die als Verbindungsglied zu den anderen fungiert.


    Fazit: Insgesamt habe ich das Buch dann doch recht zügig gelesen, weil man durch die kurzen Kapitel schnell voran kommt und die einfach gestrickte Story einem nicht viel abverlangt. Man erfährt viel über die kleinstädtischen Verhältnisse im Mittleren Westen der USA und auch der Aspekt der Carneigie-Bibliotheken ist durchaus interessant, alles in allem bleibt die Story aber zu oberflächlich und es finden sich immer viel zu schnell Lösungen, ohne dass es eine Entwicklung dahin gäbe. Ich hatte so gehofft, mich in dieses Buch zu verlieben, bleibe nun aber leider enttäuscht zurück.

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    Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: 9783462053289)

    Bewertung zu "Kim Jiyoung, geboren 1982" von Nam-Joo Cho

    Kim Jiyoung, geboren 1982
    Madame_Klappentextvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Aufühlend, erschütternd und dabei geht es uns alle an, denn in jeder von uns steckt ein wenig Jiyoung. Absolut lesenswert.
    Distanziert und doch so emotional

    Inhalt: Es ist die Geschichte einer durchschnittlichen jungen Koreanerin, die hier erzählt wird. Kim Jiyoung wächst in behüteten Verhältnissen auf, studiert, findet einen Job und Ehemann und bekommt ein Kind. Dabei ist die junge Frau einer Menge von gesellschaftlichen Pflichten ausgesetzt, denn nicht sie selbst allein kann über ihr Leben bestimmen, sondern  die Männer in ihrem Umfeld beeinflussen ihre Entscheidungen zu einem großen Maß, denn sie ist nur eine Frau, wie eben so viele andere durchschnittliche Frauen. 

    Leseeindruck: Dieses Buch hat meine Aufmerksamkeit erregt, weil es in Korea spielt und ich bisher noch kaum in Berührung gekommen bin mit koreanischer Literatur,  außerdem ist Kim Jiyoung fast mein Jahrgang und ich war neugierig wie eine  Frau am anderen Ende der Welt wohl ihr Leben lebt. Ich habe einen Kulturschock und unzählige Unterschiede zu unserer  europäischen Gesellschaft erwartet. Es sollte ganz anders kommen…

    Zunächst kommt man ganz gut rein in die Story um Jiyoung und deren Familie. Die Sprache ist klar, ohne viel Ausschmückungen, fast schon distanziert und kommt mit nur wenigen Emotionen aus. Einzelne Szenen werden dabei immer wieder mit statistischem Material und belastbaren Fakten unterfüttert. Trotzdem ist dieses Buch eines der emotionalsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Jiyoungs Geschichte weckt die verschiedensten Emotionen bei den Leser*innen, angefangen bei Mitgefühl über Traurigkeit bis hin zu blanker Wut. Warum  ist das so? Ganz Einfach. Es geht eben nicht nur um das Schicksal irgendeiner jungen Koreanerin, sondern um das Schicksal so vieler Frauen auf der ganzen Welt und nicht nur in Korea.

    Jiyoung soll Erwartungen erfüllen,  die von außen an die herangetragen werden: Sei umsichtig, fleißig, bescheiden und eine gute Mutter eines Sohnes. Es hat mich schockiert, wie ganz selbstverständlich anders Frauen gegenüber Männern behandelt werden. Jiyoung und ihre Schwester bekommen viel mehr häusliche Aufgaben als ihr Bruder, sie haben die unpraktischer Schuluniform und sie müssen viel stärker für ihre berufliche Akzeptanz kämpfen als die männlichen Kollegen. Das schlimmste dabei ist, dass nicht nur Männer dieses System der Ungleichbehandlung unterstützen, sondern auch viele Frauen die gewohnten Bahnen beibehalten und unreflektiert übernehmen. Jiyoungs Mutter und Schwiegermutter üben ebenso diesen Druck aus. Dabei hat man ständig das Gefühl, die begangenen Fehler liegen bei Jiyoung, obwohl man im Innersten weiß,  dass dem nicht so ist. So oft hätte ich mir mehr Unterstützung für sie gewünscht, denn jeder Mensch hat es verdient, dass er Rückhalt bekommt. Hier ist es dagegen so, dass alles gegen Jiyoung ausgelegt wird und statt Rückhalt gibt es Vorwürfe. Ein wirklich erschütternder Gesellschaftsbericht, der sich trotz der Entfernung zu Korea sehr nah und greifbar anfühlt. Nicht nur Frauen in Korea machen diese Erfahrung. Überall auf der Welt erleben Frauen ähnliche Dinge. Ich fühle mich im Moment so privilegiert, weil ich nur wenige Erfahrungen mit Jiyoung teile und doch sind auch mir nicht alle Situationen fremd. Diese Erkenntnis, dass ein wenig Jiyoung in all uns Frauen steckt, hat mich erschreckt, aber auch aufgeschreckt, denn nur wenn man ein Problem als solches erkennt, kann man daran arbeiten. 

    Lieblingsnebencharakter:  So sehr Jiyoungs Mutter auch in den gesellschaftlichen Konventionen gefangen ist, versucht sie doch für alle ihre Kinder da zu sein und lenkt die Familienangelegenheiten mit viel Geschick. Schade, dass sie dies ganz im Hintergrund tut, aber immerhin. So sehr hätte ich mir gewünscht Jiyoungs Ehemann Daehyon wäre zu meinem Liebling geworden, weil ich mir sehr sicher bin, dass er sie unheimlich und ehrlich liebt, nur leider kann er dieser Liebe keine öffentlichen Taten folgen lassen. 

    Fazit: Dieses Buch bewegt. Es ist ein gesellschaftlicher Weckruf und dabei bei weitem nicht nur für Frauen lesenswert. Ich bin mir sicher, dass jeder Leser viel Mehrwert aus dieser Geschichte ziehen kann. Man muss es nur wollen. Trotz aller Sachlichkeit steckt dieser Roman voller Emotionen und ist es wert gelesen zu werden. Ich bin mir sicher, dass er auch so schnell nichts an Aktualität verlieren wird – leider. Umso wichtiger ist es, dass ihn so viele Menschen wie möglich lesen. Leute, lest dieses Buch, bitte!

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    Cover des Buches Wo wir Kinder waren (ISBN: 9783749900008)

    Bewertung zu "Wo wir Kinder waren" von Kati Naumann

    Wo wir Kinder waren
    Madame_Klappentextvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Was für eine tolle Familie. Fiktion trifft auf Fakten und das alles in Verbinung mit der Spielzeugherstellung. Eine gelungene Mischung
    Eine bewegende Familiengeschichte

    Inhalt: Das thüringische Sonneberg ist seit mehreren Jahrhunderten die Spielzeugstadt schlechthin. In jeder Familie werden Spielzeuge oder Spielzeugteile hergestellt und/oder verkauft. So auch in der Familie Langbein, die eine Puppenfabrik besitzt. Albert Langbein hat mit viel Herzblut die Fabrik aufgebaut, die im Laufe der Jahrzehnte so einige private wie politische Unruhen überstehen musste. Dabei war es immer der familiäre Zusammenhalt, der die Puppenfabrik am Leben gehalten hat. Die Urenkel Alberts Eva, Iris und Jan blicken auf eine bewegte Familiengeschichte zurück, um damit den Blick nun auch in die Zukunft richten zu können.

    Leseeindruck: Die Idee historische Wirklichkeit mit einer guten fiktiven Geschichte zu verknüpfen hat mir sofort gefallen. Dabei mag die Familie Langbein aus der Feder von Kati Naumann entsprungen sein und doch steht sie symbolisch für so viele Sonneberger Familien, die zunächst von der Heimarbeit gelebt haben und es in einigen Fällen zu gutbürgerlichen Mittelständlern geschafft haben. Es galt sich in mehreren politischen Systemen zu behaupten, um überleben zu können. Vom Kaiserreich über die Nazidiktatur bis hin zur DDR ist alles dabei. Diese Abwechslung hat mir wirklich gut gefallen. Die Entwicklung der Fabrik hält dabei keine allzu großen Überraschungen parat, wenn man etwas mit der deutschen Geschichte vertraut ist. Trotzdem tut das der Spannung keinen Abbruch, da mit der Puppenfabrik eben auch eine abwechslungsreiche Familiengeschichte verknüpft ist. Die Langbeins bilden die bürgerliche Mittelschicht ab und sind wirklich (fast) alle tolle Sympathieträger. Dieses Verbundenheitsgefühl mit der Familie Langbein macht für mich den Reiz der Gechichte aus, schließlich werden so die Auswirkungen der großen deutschen und europäischen Politik am kleinen Beispiel einer Familie deutlich und auch greifbar. Vor jedem politischen Umbruch habe ich mitgefiebert, was das wohl mit der Familie, aber eben auch mit der Fabrik machen wird. Ein weiterer beständiger Leseantrieb ist die Erzählstruktur. Kapitel, die in der Vergangenheit spielen wechseln sich mit Kapitel aus der Gegenwart ab, in der Iris, Eva und Jan versuchen ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Die Leser*innen ehrfahren so Stück für Stück von verschiedenen Familiengeheimnissen und können die eine oder andere Schlussfolgerung ziehen. Dabei hat mir besonders gut gefallen, dass nicht alles in der Familie Langbein nach Plan läuft. Es gibt Unglücke, Streit aber auch eine Menge Zusammenhalt. Dieses authentische und wenig verkitschte Familienbild hat mir wirklich sehr gefallen, denn damit ist der ganze Roman gleich sehr authentisch.

    Neben den familiären Beziehungen spielt natürlich auch das Handwerk der Spielzeugmacher eine große Rolle. Techniken, Material und Herstellungsweisen werden am Rande immer wieder mit eingeflochten und man bekommt einen umfassenden Einblick in diese traditonelle Handwerkskunst. Ich bin selbst ein echter Plüchtiernarr und habe die einzelnen Produktionsschritte mit viel Interesse verfolgt, wobei es auch nie zu viel Information ist, um den Erzählfluss zu stören. Eine tolle Mischung, wie ich finde.

    In der Gegenwartshandlung nimmt das Ausmisten und Loslassen viel Raum ein, dabei habe ich immer wieder bemekt, wie ich mir selbst meine Gedanken über die verschiedenen Erbstücke gemacht habe. Würde ich es behalten und wenn ja, warum und überhaupt wohin damit? Während des Lesens habe ich immer mal wieder meine Gedanken schweifen lassen, um zu überlegen, wie ich mit Familienstücken umgehen würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich irgendwann wieder an Iris, Jan und Eva erinnern werde, um mir ihren Rat einzuholen. Die drei haben echt Eindruck bei mir hinterlassen, wobei ich in der Ausmistthematik eindeutig Team Eva bin, ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich selbst nicht, aber macht euch selbst ein Bild.

    Lieblingsnebencharakter: Die Charaktere der Geschichte sind alle sehr verschieden und es fällt schwer sie zu vergleichen, da jeder auch so unterschieldiche Erfahrungen gemacht hat. Daher fällt es mir unfassbar schwer einen Liebling zu küren. Es fällt viel leichter das Gegenteil auszuwählen, den unsympatischsten Charakter: Das ist ohne viel nachzudenken Victor Pulvermüller. Mehr will ich dazu auch nicht sagen, denn er (und seine Familie) sind kein weiteres Wort wert.

    Nachdem ich das Buch nun schon vor einigen Tagen beendet habe, spukt mir eine Figur immer wieder im Kopf rum und daher möchte ich ein paar Sätze zu ihr verlieren, auch wenn sie alles andere als ein Nebencharakter ist: Flora. Schon in der ersten Szene, in der sie auftaucht, ist der Funke übergesprungen. Dieses herzensgute Mädchen musste ich einfach gernhaben und habe bis zum Schluss nicht aufgehört damit. Warum? Weil sie in meinen Augen die Geschichte trägt. Ihr Herz und Verstand prägen die Famlie, genau wie es Mine (Alberts Frau) getan hat. Ohne die Frauen Langbein hätte es mit Sicherheit keine über Generationen erfolgreiche Puppenfabrik gegeben, auch wenn immer die Herren der Schöpfung deren Direktor waren und die Frauen in der vermeinlich zweiten Reihe ihren Dienst getan haben. Flora wird mir mit ihrer Einstellung zum Leben sicher ein Vorbild bleiben.

    Fazit: Dieses Buch hat mich einfach in vielerlei Hinsicht begeistert. Das Handwerk der Spielzeugmacher, die bewegte Familiengeschichte, aber auch die Themen Zusammenhalt und Neuanfang sorgen für eine Themenvielfalt innerhalb des Romans. Der Stil ist flüssig und sorgt mit dem Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit dafür, dass man förmlich durch die Kapitel fliegt. Sobalb man die ersten Worte liest, ist man drin in der Geschichte und begibt sich auf eine Zeitreise. Man merkt dem Roman an, dass Kati Naumann selbst aus einer Sonneberger Familie mit Spiezeugtradition kommt, denn der Roman ist nicht nur gut recherchiert, sondern hat mit Familie Langbein, die stellvertretend für so viele andere Familien steht, eine Seele bekommen. Egal, ob ihr Puppen mögt, von mir gibt es für einen tollen historischen Roman eine klare Leseempfehlung

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    Cover des Buches Milena und die Briefe der Liebe (ISBN: 9783746635934)

    Bewertung zu "Milena und die Briefe der Liebe" von Stephanie Schuster

    Milena und die Briefe der Liebe
    Madame_Klappentextvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine tolle Frau, die ihren Weg geht und zurecht im Mittelpunkt der Handlung steht.
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    Cover des Buches Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht (ISBN: 9783462054057)

    Bewertung zu "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht" von Andrea Petković

    Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht
    Madame_Klappentextvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Tolle Erzählungen über den eigenen Willen, die eigene Identität und auch ein wenig Tennis.
    Sehr persönliche Erzählungen

    Inhalt: In diesem Buch versammeln sich die verschiedensten Erzählungen, deren Verbindungen das Tennis und die Lebensgeschichte von Andrea Petković sind. Dabei gewährt sie nicht nur Einblicke in ihr privates und sportliches Leben, sondern zeichnet auch ein feines Bild ihres gesellschaftlichen Umfelds.

    Leseeindruck: Tennis gehört nicht zu meinen liebsten Sportarten, vielleicht auch, weil ich immer glaubte, dass nur die privilegierte Elite in diesem Sport erfolgreich sein könnte. Der Name Andrea Petković sagt mir trotzdem etwas, schließlich gehörte sie mal zu den Top10-Spielerinnen der Welt. Also schaute ich mal in die Leseprobe, weil die Kombination aus Literatur und Sport mein Interesse weckte. Tja was soll ich sagen? Ich habe keine Seite bereut. Man merkt schnell, dass die Autorin eine tolle Beobachtungsgabe hat. Ihr Umfeld zeichnet sie auf eine einfühlsame und ehrliche Art, dass man mit jeder Geschichte deutlicher spürt wie viele persönliche Erfahrungen in jeden Satz geflossen sind. Gerade die Identitätsfrage hat mich besonders berührt. Die ständige Frage danach wohin man gehört, muss prägend, aber auch aufreibend gewesen sein (und ist es vielleicht immernoch) Die deutsche Serbin oder doch die serbische Deutsche? Eine Frage, auf die man je nach Situation anders antworten kann. Dabei stelle ich mir nach dem Lesen die Frage, warum diese Frage überhaupt beantwortet werden muss. Muss immer alles (und jeder) in Schubkästen verfrachtet werden, aus denen es kein Entkommen gibt, sobald man einmal ein Label verpasst bekommen hat? Die kurzweiligen Erzählungen untermauern geradezu, dass ein Mensch unglaublich viele Facetten in sich vereinigen kann, ohne dabei zwangsläufig Gegensätze auszulösen. So zeugen die Geschichten mal von einer selbstbewussten Protagonistin, die aber auch mal unsicher, zurückhaltend oder auch melancholisch sein kann.
    Durch die eher kurzen Erzählungen kommt man schnell voran, wobei ich selbst die Zeit zwischen den Geschichten genutzt habe, meine Gedanken zu sortieren. Andrea Petković erzählt so dicht, dass man manchmal regelrecht durchatmen muss, um den Geschichten ihren würdigen Raum innerhalb der eigenen Gedankenwelt zu geben.

    Lieblingsnebencharakter: So abwechslungsreich wie die Geschichten sind auch die Figuren, die darin vorkommen, daher kann ich nur schwer sagen wer mein Liebling ist. Ganz sicher weiß ich aber, dass mir Danica nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Eine Kämpferin, die hinter ihrer Stärke ihre Zerbrechlichlichkeit verbergen will. Schon bemerkenswert, was sie für einen bleibenden Eindruck hinterlässt, obwohl sie nur wenige Wochen ein Teil von Andrea Petkovićs leben war.

    Fazit: Ein abwechslungsreicher Erzählband über das Leben einer Profisportlerin, aber auch über ein ganz normales Mädchen und später Frau, das seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Die Geschichten laden gerade dazu ein über den Lauf des Lebens nachzudenken, egal ob man nun Tennis mag oder nicht, denn es geht um viel mehr.

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    Cover des Buches Der Wintergarten (ISBN: 9783442142620)

    Bewertung zu "Der Wintergarten" von Jan Konst

    Der Wintergarten
    Madame_Klappentextvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Famile, vier Generationen und die Wirren der deutschen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Großartig
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    Cover des Buches Männer in Kamelhaarmänteln (ISBN: 9783446268388)

    Bewertung zu "Männer in Kamelhaarmänteln" von Elke Heidenreich

    Männer in Kamelhaarmänteln
    Madame_Klappentextvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Traum von einem Buch. Klug, emotional, lehrreich und unterhaltsam. Ein echter Lesegenuss, egal wie man selbst zu Kleidung steht.
    So viel mehr als Kleidung

    Inhalt: In Elke Heidenreichs neuem Buch geht es um Kleidung und gleichzeitig um noch so viel mehr. In den kurzen unterhaltsamen Erzählungen, die sich im Buch aneinanderreihen, dreht es sich ums erwachsen werden, den eigenen Stil, Freundschaften, Liebe und tatsächlich auch einfach mal „nur“ um Kleidung. Die Andekdoten sind wieder einmal sehr abwechslungsreich und bringen einen dazu über den eigenen Umgang mit Kleidung nachzudenken.

    Leseeindruck: Klamotten shoppen ist für mich in letzter Zeit immer mehr zur Pflicht geworden, vorbei sind die Zeiten, in denen ich als Teenager auch mal etwas ausprobieren wollte. Mittlerweile weiß ich ziemlich genau, was mir gefällt und lasse mich dabei kaum auf Experimente ein, denn eines habe ich gelernt. Meine Sachen sind in der Hauptsache dazu da, um mich wohl zu fühlen und praktisch muss es sein. Warum habe ich also ausgerechnet zu einem Buch gegriffen, in dem sich auf den ersten Blick alles um Klamotten dreht? Ich wollte mal wieder ein Buch von Elke Heidenreich lesen und es hat mich unglaublich interessiert, wie ein Bücherwurm wie sie zum Thema Kleidung steht. (Spoiler!!! Trotz aller großen und klien Katastrophen ist sie soooo entspannt bei dem Thema – bewundernswert)

    Ich wurde nicht enttäuscht, die Geschichten sind allesamt unterhaltsam und gleichzeitig auch lehrreich. Nicht selten habe ich nach einem Kapitel noch eine Weile vor mich hin überlegt, wie ich in bestimmten Situationen wohl reagiert hätte. Dabei wechseln sich humorvolle Storys mit nachdenklichen und auch traurigen ab. Noch mehr Abwechslung entsteht durch die Mischung aus fiktionalen Anekdoten und autobiografischen Geschichten. Nicht immer kann man sich sicher sein, um welche Art es sich gerade handelt, aber genau das hat auch seinen Reiz. Mich hat es außerdem beeindruckt wie viel privates Elke Heidenreich preis gibt, schließlich sind der Blick in den Kleiderschrank und die damit verbundenen Erkenntnisse sehr intim. Das Buch wirkte auf mich aus diesem Grund in allen Belangen authentisch. Die Geschichten haben mich so viel gelehrt – Kleidung kann Kunst sein, ein Bad-Hair-Day ist einfach nur selbst im Kopf gemacht, wie jemand mit Kleidung umgeht sagt viel über seinen Charakter aus. Ich könnte noch lange so weiter machen, denn wirklich in jeder Geschichte lässt sich eine Lehre erkennen. Am meisten beeindruckt hat es mich aber, wie schnell die Autorin komplexe Situationen erzeugen kann. Nach nur wenigen Sätzen ist man voll drin in der Szene, auch wenn sie noch so gegensätzlich zur vorherigen ist. So gibt es eine Frida Kahlo Geschichte, die zwar nur ein paar Seiten lang ist, aber mich so gepackt hat, dass augenblicklich mehr über dieser besondere Künstlerin erfahren wollte. Diese Gabe, die Leser*innen von einer Sekunde auf die andere aus der Wirklichkeit in die Geschichte zu holen, findet man nicht so oft. Elke Heidenreich hat sie definitiv.

    Lieblingsnebencharakter: In diesem Buch geht es ja nicht vorrangig um Charaktere und doch ist mir eine Geschichte ganz besonders ans Herz und nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Es ist die Geschichte um Nero. Nero spielt(e) in Elke Heidenreichs Leben sicher nicht nur eine Nebenrolle, allerdings kommt er in diesem Buch „nur“ am Rande vor. Ich habe ein paar Tränchen verdrückt und finde es unglaublich herzerwärmend welch schöne und ergreifende Worte für den Vierbeiner gefunden wurden. Ein toller Kater, dem hier sehr liebenswürdig gedacht wurde.

    Fazit: Ein Buch über Kleidung und deren Wirkung auf unser Leben. Abwechslungsreiche Geschichten bringen den Leser zum Lachen, Weinen aber auch Nachdenken. Auch wenn das Buch sehr kurzweilig ist und durchaus geeignet ist für die kleine Lektüre zwischendurch, halt es doch nach. Die Geschichten laden regelrecht zum Nachdenken und nochmaligen Lesen ein. Dieses Buch nimmt man bestimmt noch viele weitere Male in die Hand, um sich in den Geschichten zu verlieren.

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    Cover des Buches Zugvögel (ISBN: 9783103974706)

    Bewertung zu "Zugvögel" von Charlotte McConaghy

    Zugvögel
    Madame_Klappentextvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Dieses Buch ist besonders und zwar auf so vielen Ebenen: sprachlich, thematisch und erzählerisch.
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    Cover des Buches Endling - Weggefährten und Freunde (ISBN: 9783423640695)

    Bewertung zu "Endling - Weggefährten und Freunde" von Katherine Applegate

    Endling - Weggefährten und Freunde
    Madame_Klappentextvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Wichtige Themen wie Artenschutz, Vielfalt und Freundschaft sind in eine actionreiche Story verpackt.
    Tolle Unterhaltung für jedes Alter

    Inhalt: Nachdem Byx, die junge Dalkin im ersten Band miterleben musste, wie ihre Art gejagd wurde und zur ausgestorbenen Art erklärt wurde, versucht sie nun mit ihrer Menschenfreundin Khara, dem cleveren Renzo, dem Wobbyk Tobble und dem Felijaga Gambler die letzte verschollene Dalkin-Kolonie zu finden, um damit einen grausamen Krieg zu verhindern. Auch dieses Mal steckt der Weg voller Gefahren und die Freunde müssen zusammenhalten, um ihr Ziel zu erreichen.

    Leseeindruck: Der erste Teil der Endling-Trilogie hat mir schon sehr gefallen, umso gespannter war ich, wie die Story wohl weitergehen würde. Gerade zweite Bände tun sich manchmal schwer, weil zum einen die Erwartungen vom Auftakt so hoch sind und zum anderen ja auch noch Luft nach oben bleiben sollte, für ein tolles Finale. Dieser zweite Band ist aber wirklich gelungen. Man trifft lieb gewonnene Charaktere wieder und taucht tiefer in die Welt Nerradas ein. Die Story knüpt nahtlos an das Ende des ersten Bandes an. Die bunte Truppe ist nun auf dem Weg zur Dalkin-Kolonie und muss wieder eine Menge Abenteuer überstehen. Dabei gefällt es mir wirklich, dass jeder andere Stärken hat, die dann zum Tragen kommen. Genauso werden aber auch Schwächen und Ängste thematisiert. Auf diese Weise bleiben alle natürlich und echt . Es sollte für Leser, egal welchen Alters recht einfach sein, sich mit einer oder auch mehreren Figuren zu identifizieren. Zudem machen die einzelnen Charaktere auch eine Entwicklung durch, die sie alle stärker macht. Byx wird zur Anführerin, Tobble wird immer mutiger und auch die anderen entdecken neue Seiten an sich. Insgesamt sind die Entwicklungen stimmig und nachvollziehbar, so bekommen die Figuren nach und nach mehr Tiefe. Auch der Plot entwickelt sich weiter. Die Geschehnisse von Nedarra und Dreyland werden immer komplexer und man erkennt nach und nach die Zusammenhänge. Außerdem ist das Schicksal der Dalkins jetzt nicht mehr „nur“ eine persönliche Sache für Byx, sondern hat Auswirkungen auf die gesamte Welt. Schließlich können Dalkins erkennen, ob jemand die Wahrheit sagt. Eine nützliche und gefährliche Gabe zugleich.

    Dieser Band greift auch in kleinen Episoden die Handlung des ersten Bandes wieder auf, damit wird dem eigenen Gedächtnis auf die Sprünge geholfen, ohne dass sich zu viel wiederholt. Der erste Band sollte allerdings schon zu Beginn gelesen werden, da einem sonst einfach zuviel entgeht. Außerdem ist der zweite Band in meinen Augen weniger brutal oder blutig als der erste, wobei man trotzdem nicht zimperlich sein sollte, denn es gibt eine Menge Kämpfe zu bestehen. Die Mischung aus Action und nachdenklichen Szenen macht diese Reihe einfach besonders. Zudem ist es großartig, wie es die Autorin schafft so wichtige Themen wie Artenschutz, Respekt und Vielfalt in eine Kindergeschichte zu packen ohne die jungen Leser in Angst und Schrecken zu versetzten und sie trotzdem für das Thema zu sensibilisieren. Eine Geschichte, die uns Menschen den Spiegel vorhält und auf deren Fortsetzung ich mich schon wahnsinnig freue.

    Lieblingsnebencharakter: Ich bleibe dabei: Gambler der große schwarze Felijaga. Er ist alles andere als eine Nebenfigur, aber ich möchte ihn so gern knuddeln (wofür er mich sicher von oben herab abschauen würde, oder schlimmeres) Ein gutmütiger Kater mit einer harten Schale, aber einem so guten Herz. Großartig auch die Szene, in der man erkennt, dass auch ein Felijaga Angst hat. (Ich werde natürlich nicht verraten wovor, damit ich keinen Ärger bekommen :-) )

    Fazit: Wieder eine tolle Abenteuergeschichte, in der Mut, Freundschaft und Ehrlichkeit die Grundpfeiler bilden. Man trifft alte Bekannte wieder und auch neue Figuren schließt man sofort ins Herz. Eine Geschichte mit toller Botschaft für jung und alt. Ein zweiter Band, der einer packenden Story folgt und dabei noch genug offen lässt für ein hoffentlich ebenso tolles Finale

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