MarySophie

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    Cover des Buches Miss Kelly und der Zauber von Monaco (ISBN: 9783734108594)

    Bewertung zu "Miss Kelly und der Zauber von Monaco" von Hazel Gaynor

    Miss Kelly und der Zauber von Monaco
    MarySophievor 3 Tagen
    Miss Kelly und der Zauber von Monaco

    Handlung:
    Cannes 1955

    Es ist wieder soweit. Das alljährliche Filmfest findet in Cannes statt. Diesmal besucht auch Grace Kelly das Spektakel, doch im Grunde würde sie sich lieber von den Kameras der Paparazzi fernhalten. Um dem britischen Fotografen James zu entkommen, betritt sie eine kleine Parfümboutique, wo die Besitzerin Sophie Duval sie im Hinterzimmer versteckt. Erfolgreich kann Sophie den Fotografen abwimmeln und der Grundstein für eine Freundschaft zwischen ihr und Grace wurde gelegt.

    Sowohl James, als auch Sophie lässt das unverhoffte Aufeinandertreffen nicht los, doch sie leben in unterschiedlichen Ländern und wollen ihre Heimat nicht aufgeben. Als James das Angebot erhält, über die Hochzeit von Grace Kelly in Monaco zu berichten, muss er nicht lange überlegen. Nicht nur der Auftrag selbst reizt den Fotografen, sondern auch die Möglichkeit, Sophia wiederzutreffen...

    Meinung:
    Ich mag das Cover sehr gerne, es wird von hellen und zarten Farben dominiert und hat sich an der Handlung orientiert. Ganz besonders schick ist die Schrift, welche mit Struktur aufgebracht wurde und in einem wunderschönen Grün-Ton erstrahlt. Im Hintergrund ist ein Teil des Fürstenpalasts der Grimaldis zu sehen, welcher einer der Handlungsorte und ein, wenn nicht sogar das Wahrzeichen von Monaco ist. Im Vordergrund steht eine Frau, bei der sich sowohl vom Aussehen als auch bei der Mode an Grace Kelly orientiert wurde. Als Hintergrundfarbe dient eine warme Farbe, die für mich irgendwie den Sonnenaufgang symbolisiert und damit die besonderen Farben betont, die meist am Morgen herrschen. Sie rundet das Cover ab und lässt es strahlen.


    Ich hatte den Roman vor ein paar Monaten zufällig bei Instagram entdeckt und daraufhin ist er direkt auf meine Wunschliste gewandert. Derzeit interessiere ich mich sehr für die 1950er Jahre, höre nicht nur ständig die Musik, sondern mag es auch, Filme aus dieser Zeit zu schauen. Während dieser Zeit hatte Grace Kelly einige Höhepunkte ihrer Karriere gefeiert und schließlich wurde sie auch in diesem Jahrzehnt die Ehefrau von Fürst Rainier. Ich finde die Frau und spätere Fürstin

    unglaublich interessant und hatte kürzlich bereits einen Roman zu ihrer Person gelesen.
    Auf jeden Fall wollte ich noch mehr über die berühmte Grace Kelly erfahren und mich hat bei diesem neuen Buch von Heather Webb und Hazel Gaynor die Mischung zwischen Realität und Fiktion angesprochen. Ich hatte mir davon eine interessante Geschichte versprochen und war gespannt, wie sie die Hollywoodschauspielerin darstellen. Zudem wollte ich die angesprochene Hochzeit mit Rainier gerne auf diese Art miterleben, habe mich also riesig auf das Buch gefreut und bin sehr dankbar, es vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar erhalten zu haben.


    Es findet eine Unterteilung in drei große Kapitel statt. Diese Überschriften dessen wird mit den drei Noten eines Parfüms in Verbindung gebracht und erzählt die Handlung zu verschiedenen Zeiten. So liegt zwischen den ersten beiden Kapiteln ungefähr ein Jahr Unterschied und zwischen dem zweiten und dritten Abschnitt gibt es einen großen Sprung, ganze 26 Jahre vergehen. Trotzdem gibt es später wenige, kurze Informationen, was die Protagonisten in dieser Zeit getrieben haben und was sich in ihren Leben verändern hat.

    Wie schon aus dem Klappentext hervorgeht gibt es zwei Erzählperspektiven, die eine Sicht auf die Ereignisse geben. Sowohl Sophie, als auch James kommen zu Wort und geben ihre Sicht der Dinge ab und geben außerdem einen anderen Blickwinkel auf den jeweils anderen. Zudem kann man so Situationen besser einschätzen, als auch das Handeln werten und ich fand auch, dass es leichter war, die Charaktere zu beurteilen. Auf diese Weise entsteht eine abwechslungsreiche Handlung, es wird nie langweilig und teils enden die Kapitel einer Person mit einem kleinen Cliffhanger, sodass man wissen möchte, wie die Geschichte weitergehen wird. Und natürlich verleitet das zum immer weiterlesen und auch dadurch hatte ich den Roman innerhalb von drei Tagen ausgelesen.

    Aber auch die Schreibweise trägt zu meinem positiven Eindruck bei. Sie wurde auf einem einfachen Niveau gehalten, hat selten einen anspruchsvollen Hauch und lässt sich locker und leicht lesen. Es gibt vor allem von den damaligen Modetrends, als auch von den Protagonisten und manchen Settings sehr lebhafte Bilder, die der Geschichte einen schönen Rahmen geben.


    Ein weiteres, ganz besonderes Detail sind die Zeitungsausschnitte, die immer mal wieder eingefügt wurden. Diese sind von einer Moderedakteurin geschrieben, die im Verlauf des Romans selbst auftritt. Jeder der Artikel hat einen Zusammenhang mit Grace Kelly, entweder drehen sie sich komplett um die junge Frau oder sie findet eine Erwähnung. Auf diese Weise kann man manche Ereignisse, die im Roman nicht direkt geschildert werden, doch miterleben, wozu u.a. die Verlobung von Grace Kelly mit Fürst Rainier zählen. Ich finde diese Einbindung sehr gelungen und passend, zudem heitert es die Handlung nochmals auf und bringt einen neuen Schwung herein.


    Nicht nur die Hochzeit des Jahrhunderts wird ziemlich genau und mit allerhand Details beschrieben, sondern auch andere historische Ereignisse tauchen im Roman auf. Zwar liegt der Fokus deutlich auf den fiktiven Figuren Sophie und James, erst an zweiter Stelle stehen Informationen über die Hochzeit und das Brautpaar und danach kommen erst historische Ereignisse, die einen politischen Ursprung haben. Diese tauchen sehr reduziert auf und sind recht allgemein gehalten, es gibt lediglich einen groben Überblick dessen. Ich fand es sehr entspannend, nicht ständig mit voller Konzentration lesen zu müssen, sondern mich dabei entspannen zu können und ich fand es ganz wunderbar mal wieder eine locker leichte Geschichte zu lesen.


    Als Haupthandlungsorte dienen Cannes, Grasse, Monaco und auch ein wenig London. Dazu gibt es noch wenige Szenen in New York, die aber fast nicht erwähnenswert sind. Von den vier Hauptsettings hat ein jedes seinen eigenen Charakter bekommen. Während London recht kalt und düster dargestellt wird und ganz einfach daherkommt, erkennt man zu den anderen zwei Orten starke Unterschiede. Grasse erscheint wie ein unglaublich idyllischer und naturverbundener Ort und er lädt zum Träumen und Entspannen ein. Cannes hingegen hat einen luxuriösen und exklusiven Charakter erhalten, der perfekt den Ruf des Ortes wiedergibt und so ein lebendiges Bild erschafft. Ich bin sehr angetan von den Orten und wie jedes seinen eigenen Charme versprüht. Ein besonderes Highlight war für mich Monaco. Nicht nur wegen der Darstellung des Fürstenpalasts, sondern vor allem die Verbindung von Stimmung und Zeichnung der Stadt während der Hochzeit von Grace Kelly und Rainier war ein Traum.

    Insgesamt gibt es also eine sehr angenehme, nicht zu leichte, aber auch nicht zu detailreiche Darstellung der Settings, man kann sich diese gut vorstellen, aber auch ein wenig seine eigene Fantasie nutzen. 


    Leider gibt es nur sehr selten Momente, die stimmungsvoll beschrieben waren. Häufig kamen diese gar nicht vor und dementsprechend konnte ich mit den Protagonisten in keinster Weise mitfiebern. 

    Lediglich das letzte Kapitel und damit die letzten paar Seiten des Buches konnten mich berühren und haben die Geschichte auch zu einem runden Ende gebracht.

    Eine Stelle des Buches hat mich emotional berührt, diese bildet das Ende des Buches und hat die Geschichte zu einem runden Ende gebracht. Ansonsten haben mir Emotionen gefehlt, egal ob diese negativer oder positiver Natur waren. Da hatte ich mir auch deutlich mehr erwartet.


    Ich muss sagen, dass ich viele Ereignisse als Glaubwürdig dargestellt fand, aber leider nicht alle. Es hat mich manches irritiert und ich weiß nicht, ob dies wirklich so realitätsnah ist. Dazu zählt u.a. eine Szene, in der Grace Kelly den Fotografen James aus einer Menge heraus erkennt und daraufhin direkt mit ihm Kontakt sucht. Ich weiß ja nicht, ob sich die junge Frau wirklich so genau jedes Gesicht von Paparazzi´s angeschaut hat, um diese später wiederzuerkennen. Zudem habe ich mich gefragt, ob Grace Kelly in dem Roman nicht etwas zu offen und frei erscheint (zumindest ist das mein Eindruck, den ich durch diverse Artikel und Interviews von ihr habe). Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie in manchen Angelegenheiten wirklich so agiert oder gesprochen hätte und sich anderen Menschen recht schnell anvertraut. Manche Ereignisse waren mir zu unkonventionell und locker, was ich nicht in Verbindung mit einer solch riesigen Hochzeit verbinden würde...


    Vollkommen überzeugen konnte mich keiner der Protagonisten. Bei jedem habe ich ein zwei Punkte, die ich negativ empfunden habe oder sie haben mir in ihrem Auftreten einfach nicht gefallen. Dabei finde ich, dass die Damen für mich besser wegkommen und einen interessanteres Wesen erhalten haben als die Herren. Sophie, aber auch Grace Kelly fand ich in ihrer Art recht angenehm, aber nicht perfekt. Grace Kelly ist für mich etwas blass geblieben und hat mir zu wenig Charakter gezeigt, Sophie währenddessen war mir zu unentschlossen und tat sich schwer damit, eine Entscheidung umzusetzen. Zudem fehlt allen beiden noch ein gewisses Tüpfelchen, was sie einzigartig mach und ihre Darstellung vollendet.

    James fand ich häufig recht unsympathisch und es fiel mir schwer, genau den Charme zu erkennen, den Sophie so sehr an ihm mag. Er war für meinen Geschmack etwas sprunghaft und zu wenig auf Pflichten bedacht. Vieles erschien ihm egal zu sein und auch James hat immer wieder Hoffnungen geäußert, um die er sich im Folgenden aber nur wenig gekümmert hat, sondern immer den Gewohnheiten treu geblieben ist.


    Fazit:
    Ein solider Roman, der mir zu weiten Teilen gut gefallen hat. Ich habe einige Aspekte angesprochen, die mir richtig gut gefallen haben und die mich hundertprozentig überzeugen konnten. Dazu zählen u.a. die Schreibweise, die Aufteilung des Romans, das Setting und die angenehme Anzahl an Fakten, die historisch verankert sind. Doch leider gibt es auch einige Punkte, die mich etwas gestört haben und wegen denen ich keine Fünf-Sterne-Bewertung geben kann.

    Trotz allem bin ich aber sehr froh, den Roman gelesen zu haben und noch mehr über die Grace Kelly zu erfahren, aber auch der an sich interessanten Geschichte von Sophie und James zu folgen. Das Buch eignet sich perfekt für ein Lesewochenende und es hat mir Spaß gemacht, in die Geschichte einzutauchen!

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    Cover des Buches Die Wunderfrauen (ISBN: 9783596700325)

    Bewertung zu "Die Wunderfrauen" von Stephanie Schuster

    Die Wunderfrauen
    MarySophievor 6 Tagen
    Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt

    Handlung:

    1953

    Die Wirtschaftswunderjahre haben begonnen und für Luise, Helga, Marie und Annabel beginnt eine neuer Lebensabschnitt. Luise möchte gerne ein eigenes Lebensmittelgeschäft eröffnen und selbst das verkaufen, was es jahrelang nur in geringen Mengen zu erwerben gab. Dafür ist sie aber auf die Genehmigung ihres Mannes angewiesen, ohne diese würde ihr Traum in weite Ferne rücken.

    Marie ist aus Schlesien geflohen und sucht eine neue Heimat. Und wird dabei immer von den Dämonen der Vergangenheit verfolgt.

    Helga flieht vor einer arrangierten Zukunft vonseiten der Eltern und will ein selbstbestimmtes Leben führen. Sie beginnt eine Ausbildung zur Krankenschwester, doch genau dann trifft sie einen Mann, den sie nicht mehr vergessen kann.

    Als vierte Dame im Bunde gibt es noch Annabel, Gattin eines angesehenen Arztes. Sie fühlt sich häufig einsam, hat keine Aufgaben im Haushalt und so bleibt ihr nur die Betreuung des Sohnes. Und dabei gibt es eine ständige Angst, dass ihr Mann ihr fremdgeht...

    Immer wieder werden sich diese vier Frauen über den Weg laufen, manche nähern sich an, manche empfinden keine Sympathie füreinander. Doch langsam, aber sicher entstehen Freundschaften und die Frauen erkennen Gemeinsamkeiten und ähnliche Ambitionen.


    Meinung:
    Das Cover wurde perfekt an die Handlungszeit angepasst. Nicht nur farblich und die Mode der Frauen, sondern auch die Schriftart des Titels schreit für mich nach den 1950er Jahren. Ich mag diese Details gerne und muss sagen, dass mir das Bild immer besser gefällt, je länger ich es betrachte. Bei den Damen im Vordergrund finde ich es absolut gelungen, wie sie der Zeit entsprechend gekleidet, aber auch frisiert sind. Man erhält allein durch das Betrachten des Covers einen guten Eindruck. Was auch sehr gut passt ist, dass es vier Damen auf dem Cover gibt und der Roman dreht sich ebenfalls um vier komplett unterschiedliche Frauen. So kann man den Protagonistinnen ein jeweiliges Gesicht zuordnen und sie wurden für mich noch lebendiger.


    Ich bin erst durch eine Vorstellung des Romans bei Vorablesen auf ihn aufmerksam geworden und die Inhaltsangabe hat mich wirklich direkt angesprochen. In dieser Woche gab es allerdings auch noch zwei weitere Bücher, die interessant klangen, ich hatte für jedes einen Leseeindruck verfasst und durfte mich über ein anderes Buch freuen. Als ich dann entdeckt habe, dass es bei Lovelybooks eine Leserunde geben wird, habe ich nicht lange gezögert, mich für ein Exemplar beworben und durfte mich diesmal darüber freuen.


    Der Roman dreht sich um vier unterschiedliche Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Sie haben verschiedene Pläne und Ziele und gehen diese unabhängig voneinander an. Nach und nach verbinden sich die vier Erzählstränge, es gibt Zusammentreffen und Überschneidungen.

    So ergeben sich vier Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird und anhand derer man einen Hauch der Stimmung von 1950 erfassen kann. Man erlebt vier Schicksale mit, die lebendig beschrieben werden und anhand derer man hautnah miterleben kann, wie sich die Gesellschaft entwickelt und welche Normen und Regeln damals noch üblich waren. Zudem erhält man so einen stärkeren Bezug zu den vier Damen und ich finde, man kann eine bessere Bindung zu ihnen aufbauen!


    Mir hatte schon die Leseprobe hervorragend gefallen und bereits da ist mir aufgefallen, dass ein ganz lebendiger und genauer Schreibstil vorliegt, der mir richtig gut gefällt. Es gibt nicht nur eine interessante und detailreiche Darstellung der Damen, auch das Setting oder allgemein die Szenerien konnte ich mir bildreich vorstellen.

    Ich würde sagen, dass die Sprache im Grunde recht einfach gehalten wurde, aber durch allerhand Andeutungen, historische Details und den Bayrischen Dialekt erhält sie Anspruch. Immer wieder gibt es Andeutungen zu kleinen Rätseln, die nicht sofort gelöst werden und teilweise auch nach dem Ende des ersten Bandes noch nicht vollkommen gelöst. Es ist also noch genügend Spannungspotenzial vorhanden, um sich bereits jetzt auf die weiteren Teile der Reihe zu freuen und bis dahin hat man allerhand Stoff zum spekulieren!

    Der bayrische Dialekt taucht in einem für mich angenehmen Maß auf. Es gibt nicht zu viele Einstreuungen dessen und auch wenn man mit dieser Mundart nicht so bewandert ist, hatte ich absolut keine Probleme, um den Sinn des Gesagten zu verstehen. Durch die Einbindung dessen entsteht nicht nur Abwechslung, sondern auch viel Authentizität. Und außerdem passt es natürlich perfekt zum Handlungsort, dem Starnberger See.


    Immer wieder gibt es in den Kapiteln ein paar Abschnitte rund um historische Ereignisse. Diese tauchten in einer angenehmen Anzahl auf und haben die eigentliche Handlung nicht überstrahlt. Zudem mochte ich es sehr, wie die Details in die Geschichte eingeflochten wurden und man die Informationen wie nebenbei wahrgenommen hat. So wurde der Lesefluss in keinster Weise beeinträchtigt und es hat einfach Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen.

    Vor allem von dem Lebensgefühl der 1950er Jahre bekommt man einen hervorragenden Eindruck. Nicht nur gesellschaftlich, sondern auch familiär gibt es einige Aspekte, die mir nicht bekannt waren und die mich dementsprechend überrascht haben. Ich konnte ohne Probleme in die Zeit eintauchen und durch Details wie die Mode oder die Ausstattung von Wohnungen und Häusern entstand vor meinen Augen ein lebendiges Bild.


    Und auch die allgemeine Stimmung trägt nicht nur zu einem authentischen Bild bei, sondern auch dazu, dass man sich die Zeit noch besser vorstellen kann. Man merkt deutlich, dass die Welt rund um den Starnberger See in einem kleinen Aufruhr ist und der Fortschritt immer mehr einzieht, aber auch der Wunsch von Frauen, selbstbestimmter zu handeln. Man spürt deutlich die Aufbruchsstimmung der Damen, die nicht mehr ständig die Erlaubnis der Gatten einholen oder von den Eltern bestimmt werden, sondern ihre eigenen Entscheidungen treffen wollen. Die freier Leben wollen und nicht nur in der Welt, sondern auch der Gesellschaft einen Fortschritt sehen wollen. Und genau solch eine Stimmung ist zu spüren, was mir richtig gut gefallen hat. Es entsteht ein Roman, der einem in die Zeit der 1950er Jahre mitnimmt und man erfährt einen Hauch dessen, was die Menschen damals beschäftigt hat und mit welchem Lebensgefühl sie ausgestattet waren.


    Anhand der Stimmung, aber auch zahlreicher historischer Details ergibt sich eine spannende Geschichte, die mit viel Authentizität daherkommt und viel Charme versprüht. Die Protagonisten erscheinen dadurch sehr lebendig und ihre Handlungen realitätsnah. Oft hatte ich das Gefühl, Lebensgeschichten zu lesen, die sich genauso abgespielt haben könnten und an keiner Stelle hatte ich Zweifel, dass das gerade Gelesene in irgendeiner Weise falsch sein könnte. Ich habe einfach vollkommen darauf vertraut, dass die Autorin eine perfekte Recherchearbeit geleistet hat und hatte dadurch viel Spaß am Lesen!


    Als Setting dient fast durchweg die Gegend um den Starnberger See. Ich konnte mir jeglichen Ort, seien es Wohnhäuser oder die Seeklinik von Annabels Mann, die Natur oder den Bauernhof von Luises Bruder gut vorstellen. Eine jede Örtlichkeit hat eine genaue, aber nicht zu umfangreiche Zeichnung bekommen, sodass man ein ungefähres Bild hatte, aber auch seiner Fantasie Platz lassen kann. Manchmal kommt es auch vor, dass in bestimmten Gebäuden eine gewisse Stimmung vermittelt wird. Während diese in Luises Haus ziemlich hoffnungsfroh und modern erscheint, ist sie in Annabels Haus eher altmodisch und kühl. Auch dadurch wird den jeweiligen Gebäuden eine Lebendigkeit verliehen, die mir nochmals dabei geholfen hat, mir diese vorzustellen.


    Bei den Protagonisten standen vor allem die vier Frauen Helga, Marie, Luise und Annabel im Vordergrund. Auf ihnen lag eindeutig das Hauptaugenmerk, alle anderen Personen nahmen eine untergeordnetere Rolle ein. Trotzdem hat man bei jedem einzelnen Charakter gemerkt, dass sich Gedanken um ihn gemacht wurden und so entstehen viele individuelle und unterschiedliche Wesen. Keiner gleicht sich und jeder hat andere Eigenarten, die ihn besonders machen und auszeichnen.

    Am stärksten dargestellt waren die vier Damen, sie hatten den tiefgründigsten Charakter bekommen und sie lernt man auch im Verlauf des Romans am besten kennen. Hier fand ich es angenehm, dass mir nicht jede sofort sympathisch war, gerade mit Helga und Annabel hatte ich anfangs meine Probleme und brauchte einige Zeit, um sie positiver einzuschätzen und aktiver an ihrem Leben teilzunehmen. Zudem finde ich es sehr gelungen, wie die vier Handlungsstränge langsam miteinander verwoben werden und immer mehr Überschneidungen entstehen. Auf diese Weise kann man als Leser beobachten und miterleben, wie Freundschaften entstehen, aber auch, wie man Situationen falsch einschätzen kann und wie dadurch Missverständnisse entstehen.

    Fazit:
    Nach der sehr guten Leseprobe hatte ich natürlich einige Erwartungen und war richtig gespannt, endlich selbst das Buch zu lesen. Ich hatte mir bereits ein paar Gedanken bezüglich der Geschichte gemacht und wollte wissen, inwieweit diese am Ende zutreffen. Und ich muss sagen, dass ich sehr begeistert bin und mich unglaublich auf die nächsten beiden Teile freue. Nicht nur, weil das Ende recht offen und damit spannend gehalten wird, sondern weil mir die vier Protagonistinnen nach und nach immer sympathischer wurden und ich wissen will, was das Leben noch so für sie parat hält. Ich habe absolut keinen Aspekt, der mir nicht gefallen hat, sondern bin vollkommen zufrieden mit dem Roman. Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen und werde mich in Geduld üben muss, bis Band zwei und drei erscheinen...

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    Cover des Buches Wo die Sterne tanzen (ISBN: 9783499275296)

    Bewertung zu "Wo die Sterne tanzen" von Katharina Herzog

    Wo die Sterne tanzen
    MarySophievor 9 Tagen
    Wo die Sterne tanzen

    Handlung:

    Jeden Sommer ihrer Kindheit und Jugend hat Nele auf der Nordseeinsel Juist bei ihrer Oma Lotte verbracht. Dabei hat sie nicht nur traumhafte Tage erlebt, die erfüllt von Sonnenschein, guter Laune und Eis waren, sondern auch den ersten Kuss von ihrem besten Freund Henry bekommen. Und auf der Insel hat Nele ebenfalls ihren späteren Berufswunsch gefasst: sie möchte Musicaltänzerin werden.

    Im Sommer 2019 reist die junge Frau mit ihrer Tochter ein vorerst letztes Mal auf die Insel. Ihre Oma ist gestorben und das Haus soll ausgeräumt und verkauft werden. Zurück auf Juist kommen Nele wieder allerhand Erinnerungen in den Sinn. Sei es an die Oma oder an ihren Jugendfreund, von dem sie arg enttäuscht wurde. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Nele sich von den Sachen und dem Haus ihrer geliebten Oma verabschieden muss, hält sich Henry zur selben Zeit auf Juist auf...


    Meinung:
    Das Cover ist herrlich leicht und in zarten Farben gehalten. Als einzige dunkle Farbe dient der Schriftzug des Verlags, ansonsten überwiegen helle Farben. Ein ganz besonderer Hingucker ist natürlich die goldene Schrift, welche edel und fein wirkt und der Blickfang des Covers ist. Ergänzt wird es durch rosa Details, seien es die Wolken oder die geometrischen Formen am oberen, sowie unteren Rand. Dazu gibt es noch Möwen, die natürlich perfekt zu dem Handlungsort passen und wunderschön gezeichnet wurden mit besonderen Schattierungen. Insgesamt ein schönes Cover, welches auf eine lockere sommerliche Geschichte schließen lässt.

    Bei mir war es mal wieder soweit: ich hatte richtig Lust auf einen kitschig-schnulzigen sommerlichen Liebesroman und mein Auge ist auf den neuen Roman von Katharina Herzog gefallen. Der Handlungsort klingt vielversprechend und ich wollte mich mal wieder an eine Küste / auf eine Insel träumen. Und da dachte ich mir, dass dieses Buch perfekt passt. Zudem habe ich bereits von einigen Jahren einen Roman von ihr im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen und war davon sehr angetan. Und auf genau eine solch eine gute Geschichte hatte ich auch hier gehofft. 

    Erstmals habe ich an einer Aktion der Buchboutique teilgenommen und mein Glück bei der Buchpremiere auf die Probe gestellt, wo genau dieser Roman vorgestellt wurde. Und tatsächlich hat es geklappt und ich durfte mich über eine buchige Reise nach Juist freuen. Auch an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön für die Möglichkeit, das Buch zu lesen!


    Den Kapiteln vorangestellt sind immer kleine Auszüge aus verschiedenen Musicals. Fast alle davon waren mir bekannt und während ich diese Zeilen gelesen habe, hatte ich die jeweilige Melodie im Kopf. Ein sehr schönes Detail, was auch sehr gut zu Neles Karriere als Musicaltänzerin passt!

    Mir war der Beginn des Romans bereits durch die Leseprobe bekannt und auch als ich mit dem Buch richtig begonnen habe, war ich direkt wieder von der Schreibweise angetan. Sie ist einfach gehalten, manchmal verfallen die Protagonisten fast schon in eine Umgangssprache und ich konnte den Roman fix und flüssig lesen. Man hat Zeit um die Charaktere kennenzulernen und sich von ihnen ein Bild zu machen, das Setting war ein absolutes Träumchen und hat sehr lebendige Bilder entstehen lassen. Ich habe nur zu gerne das Buch in die Hand genommen, um weiteres zu erfahren, aber auch um von dem Setting zu schwärmen.


    Ich empfand den Aufbau des Buches als interessant, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Die Kapitel von 2019 wechseln sich immer wieder mit Rückblicken in Neles Vergangenheit ab. Dabei erlebt man entweder eine begrenzte Zeit im Sommer mit ihr auf Juist oder wie sie später in New York lebt und sich ihren Traum als Musicaltänzerin erfüllt hat. Auf diese Weise entstehen Einblicke in Neles Kindheit und Jugend, man sieht sie ein Stück weit aufwachsen und kann dann schauen, wie sie sich über die Jahre entwickelt hat und wie ihre Pläne vorangeschritten sind. Man kann eine Entwicklung sehen und auf diese Weise die Protagonisten besser einschätzen. Zudem wird die Handlung aufgelockert und sie wurde für mich nicht langweilig. Außerdem konnten so auch keine Längen entstehen und man kann Erlebnisse aus der Vergangenheit besser verstehen und sich von den Situationen ein Bild machen.


    Wie ich bereits erwähnt hatte, hat mir das Setting richtig gut gefallen. Ich mochte die Beschreibungen von Häusern und dem Strand, viele Orte konnte ich mir hervorragend vorstellen und diese haben zum Träumen eingeladen. Sei es das Deichschlösschen von Oma Lotte, der Strand oder die Tanzschule einer Nachbarin: jede Örtlichkeit wurde mit prägnanten und eingehenden Worten versehen und hat kleine Details bekommen, die sie einzigartig machen. 

    Dabei ist es der Autorin ebenfalls gelungen, dem jeweiligen Handlungsort eine passende Stimmung zu verleihen. In New York ist das pulsierende Leben der Metropole deutlich wahrzunehmen und man merkt, dass das Leben viel schneller und hektischer vonstatten geht als auf dem beschaulichen und ruhigen Juist. Es waren also Gegensätze zu erkennen und ich denke, dass genau das auch u.a. den Reiz des Romans ausmacht. Man lernt zwei Welten kennen, beide sind attraktiv und geben unterschiedliche Lebensweisen wieder.


    Ich lese nur selten Liebesromane, weil sie mir häufig zu schnulzig und kitschig sind. Deshalb schaue ich ganz genau hin, welches Buch mir gefallen könnte um am Ende einen guten Roman lesen zu können. Und genau das habe ich auch bei diesem Werk von Katharina Herzog getan, ich habe genau überlegt und war mir am Ende sehr sicher, dass es mir gefallen wird. Und das hat es auch. Klar gab es ab und an kitschige Szenen und die Liebe kam auch nicht zu kurz. Doch diese zwei Komponenten sind in einem angenehmen Maß aufgetaucht, haben keine eine zu große Rolle eingenommen und haben so gut zu der Geschichte gepasst.

    Mir war die Handlung ab und an etwas zu vorhersehbar und nur ganz selten konnte sie mich überraschen. Es traten keine Wendungen auf, die die Karten neu gemischt haben und neuen Schwung in die Geschichte gebracht haben. Das hat mir etwas gefehlt, es war ja eh von Anfang an klar, wie das Buch enden wird und in welchen Konstellationen die Protagonisten herausgehen werden. Trotzdem wäre es möglich gewesen, einige, wenige unverhoffte und der Geschichte einen neuen Lauf gebende Aktionen einzubauen.


    Im Grunde treten die Protagonisten freundlich und sympathisch auf. Ganz viele habe ich schnell in mein Herz geschlossen und habe mir sie lebendig vorstellen können. Allen voran natürlich Nele und ihre Oma, aber auch die beste Freundin der Oma habe ich schnell gemocht. 

    Mir ist aufgefallen, dass die Männerfiguren seltener auftreten und auch eine nicht ganz so starke Zeichnung haben. Hier ist es mir deutlich schwerer gefallen, zu ihnen eine Bindung aufzubauen und sie einzuschätzen. Oft waren sie mir nicht so sympathisch wie die Damen und ich fand sie etwas schwach in ihrem ganzen Auftreten. Es scheint, als würde der Fokus eher auf den weiblichen Protagonisten liegen und die Männer spielen eine eher untergeordnete Rolle. Mir hätte es gefallen, wenn das Verhältnis ausgeglichener gewesen wäre.

    Ansonsten hätte es mir noch gefallen, wenn die Protagonisten mehr Emotionen gezeigt hätten, denen man anmerkt, dass sie wirklich aus tiefstem Herzen kommen. Manches wirkte doch ein wenig oberflächlich und hat dazu geführt, dass ich mit den Personen nicht mitfühlen konnte.


    Fazit:
    Katharina Herzog hat einen wunderbar leichten Sommerroman geschaffen, der vor allem durch seine traumhaften Handlungsorte Juist und New York und die lockere Schreibweise besticht. Das Buch hat sich schnell und einfach lesen lassen, die Protagonisten waren sympathisch und es gab eine wundervolle Stimmung, die vor allem vom Setting ausging. 

    Ein solider Roman, der nicht mit großer Spannung aufwartet und wo die Ereignisse etwas vorhersehbar sind, der sich jedoch perfekt zum Entspannen eignet und seinen eigenen Charme ausstrahlt.

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    Cover des Buches Töchter der Elbchaussee (ISBN: 9783746636498)

    Bewertung zu "Töchter der Elbchaussee" von Lena Johannson

    Töchter der Elbchaussee
    MarySophievor 12 Tagen
    Töchter der Elbchaussee

    Handlung:
    Nach vielen Jahren der Entbehrung, Angst und Hoffnung ist der Zweite Weltkrieg endlich vorbei. Und obwohl die Freude darüber groß ist, müssen viele Familien mit Verlusten klarkommen. Auch Frieda wurde nicht verschont und muss lernen, ohne manche geliebte Menschen zu leben. Und gleichzeitig ist sie froh, dass sie sich endlich wieder mit der Arbeit in der Schokoladenmanufaktur ablenken kann, auch wenn sie lernen muss, sich mit wenigen Mitteln zu behelfen. Sie hat für den weiteren Betrieb bereits Pläne, möchte sie u.a. ihre Nichte Sarah als Nachfolgerin für die Schokoladenmanufaktur ausbilden. Doch in dieser Angelegenheit möchte auch Friedas Sohn und Nachfolger noch ein Wörtchen mitreden...

    Außerdem glaubt Frieda plötzlich eine Person wiederzusehen, die sie viele Jahre lang verdrängt hat. Schafft Frieda es, dass ein harmonisches Familienleben bestehen bleibt?

    Meinung:

    Das Cover orientiert sich wieder stark an den anderen beiden Teilen. Wieder ist eine Dame von hinten zu sehen, die sich auf ein prachtvolles Gebäude zubewegt. Die Szenerie im Hintergrund ist wieder in beige-goldenen Tönen gehalten und strahlt viel Klasse aus. Diesmal trägt die Frau ein grünes Kleid, in genau derselben Farbe wurde auch die Titelschrift gehalten und somit ergibt sich ein rundes, stimmiges Bild. Insgesamt finde ich das Cover schön, es ist durchdacht und die Farben passen hervorragend zusammen.

    Was habe ich mich auf den finalen Band der Elbchaussee-Reihe gefreut. Nicht nur auf das Wiedersehen mit Frieda, sondern auch auf einen hoffentlich grandiosen Abschluss der Reihe. Zugleich haben mir die anderen beiden Bände richtig gut gefallen und ich wollte noch nicht, dass es  nach diesem Roman vorbei ist...

    Ich war auf jeden Fall richtig gespannt auf das Buch und habe mich schon seit Wochen darauf gefreut. Den Roman dann noch als Rezensionsexemplar vom Verlag gestellt zu bekommen, war ein Träumchen. Herzlichen Dank dafür!


    Es handelt sich bei dem Roman um eine Klappbroschur, die zum einen alle drei Teile der Reihe nebeneinander darstellt, zum anderen gibt es einen Kartenausschnitt von Hamburg, auf dem vor allem die Hafengegend abgebildet ist. Man kann sich so ein wenig besser in das Setting einfühlen und kann auf der Karte nach Orten suchen, die im Roman erwähnt werden. Mir gefällt es gut, dass es dieses Detail gibt, somit wird der Handlung noch mehr Lebendigkeit verliehen, man kann sich grob orientieren und sich einen kleinen Eindruck von Hamburg verschaffen.


    Ich habe gerade mal nachgeschaut, Teil zwei habe im Januar gelesen. Einige Hintergrundinformationen waren mir noch im Gedächtnis geblieben, weniges ist mir entfallen. Doch insgesamt hatte ich trotzdem einen angenehmen Start in den Roman, viele Details sind mir schnell wieder eingefallen und ich konnte mich nach kurzer Zeit wieder ohne Probleme im Roman zurechtfinden. Sobald ich einmal begonnen hatte, habe ich das Buch nur noch selten beiseite gelegt. Ich bin mit dem Lesen schnell vorangekommen und hatte viel Spaß daran, bekannte Protagonisten wiederzusehen und sie ein weiteres und letztes Mal einige Zeit lang zu begleiten.

    Ich hatte mit dem Schreibstil absolut keine Probleme, ich fand ihn sehr angenehm und bin durch ein flüssiges Lesen flott vorangekommen. Ich finde, dass die Geschichte eindrucksvoll beschrieben wurde, es wurde nicht zu viel Drama eingefügt und daher wirkt sie wunderbar realistisch.

    Es wurde eine recht einfache und leichte Sprache verwendet, die häufig in eine Umgangssprache abdriftet. Außerdem nutzen manche Protagonisten gerne norddeutsche Aussagen und Dialekte, was natürlich perfekt zu dem Handlungsort passt und der Geschichte Charme und Bodenständigkeit verleiht.


    Auch diesmal gibt es eine Unterteilung in drei Teile, die dann jeweils nochmal in Kapitel gegliedert wurden. Ich fand, dass die Kapitel eine angenehme Länge hatten, sie waren weder zu lang, noch zu kurz und man konnte immer mal zwischendurch ein paar Seiten lesen. Mein Lesefluss wurde dadurch angeregt und oft habe ich viel mehr gelesen, als ich ursprünglich geplant hatte.

    Den Kapiteln voran steht immer der Monat und die Jahreszahl der folgenden Handlung. Man kann auf diese Weise immer nachvollziehen, wie viel Zeit seit dem Beginn der Handlung vergangen ist, wie sich Protagonisten entwickelt haben und ihr Alter bestimmen.

    Auf 416 Textseiten vergehen ganze 17 Jahre und man hätte ohne Zeitangabe schnell den Überblick verlieren können. Glücklicherweise gab es die Einbindung von Jahreszahlen, es wurden nämlich auch immer mal wieder ein paar Monate oder gar Jahre übersprungen und man hätte sich in der Zeit schnell täuschen können.


    Wie ich gerade angedeutet habe, wird immer wieder ein Zeitraum übersprungen, um die Handlung nicht in die Länge zu ziehen. So entgehen dem Leser zwar ein paar Jahre, die man nicht so genau miterlebt, doch wichtige Ereignisse, die in dieser Zeit geschehen sind, finden trotzdem Erwähnung. Auf diese Weise hatte ich an keiner Stelle den Eindruck, dass ich etwas Wichtiges verpasse oder mir Informationen vorenthalten werden.

    Zudem werden Längen verhindert. Die Geschichte weitet sich nicht ins Unendliche aus und bleibt in einem angenehmen Rahmen. Nie hatte ich den Eindruck, dass an einer Textstelle zu viel oder zu wenig gesagt wird und so war man immer gut über das Geschehen informiert.


    Ich konnte mir das Setting ziemlich gut vorstellen, sei es die Stadt selbst, die Firmengebäude von Hannemann& Krüger oder die Villa in der Elbchaussee von Frieda. Jedes Gebäude wurde mit wenigen Worten umrissen, manche davon kennt man bereits aus den Vorgängerbänden, andere, wenige tauchen erstmals auf. Das Setting nimmt nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Platz ein und gliedert sich perfekt in die Handlung mit ein. Ganz besonders eindrucksvoll fand ich die Darstellung der Elbchaussee mit ihren Villen. Hier war meine Vorstellungskraft am stärksten und ich habe mir diese Ecke Hamburgs traumhaft ausgemalt.


    Regelmäßig tauchen historische Details auf, die der Geschichte viel Wahrheitsgehalt geben. Diese erstrecken sich von politischen Ereignissen, bis hin zur Wohnungs- und Nahrungsnot. Außerdem haben manche Protagonisten mit den Folgen des Krieges zu kämpfen, andere wiederum haben liebe Menschen verloren, die sie betrauern. Es tauchen allerhand Informationen auf, die teils am lebendigen Beispiel gezeigt wurden und auf diese Weise noch eingängiger erscheinen. Trotzdem war immer zu erkennen, dass die Geschichte rund um Frieda und die Schokoladenmanufaktur im Vordergrund steht und alle historische Erklärungen und Sachverhalte eher im Hintergrund. Auf jeden Fall konnte man sich so ein Bild von den Folgen des Krieges machen. Sie wurden geschickt in die Handlung eingefädelt, dass es sehr passend erscheint und Details nie fehl am Platze wirken.


    Es ist immer Spannung vorhanden, sei es durch das plötzliche Auftauchen von Personen oder durch die Entwicklung der politischen Lage und damit verbunden ist ja auch die Zukunft von Hannemann&Krüger. Doch nie ist das Drama zu groß oder zu sehr aufgebauscht. Es wurde eine gute Waage aus ruhigen und aufregenderen Momenten gefunden, sodass immer wieder eine neue Wendung entsteht und man als Leser oft überrascht wird. Auf diese Weise können Längen erst gar nicht entstehen und außerdem wurde man nochmals dazu angespornt, weiterzulesen.


    Ganz viele Protagonisten sind bereits aus den zwei vorherigen Bänden bekannt. Nur wenige neue Personen tauchen auf und alle haben eines gemeinsam: sie sind lebendig, authentisch und haben ihre Eigenarten. Dadurch kommt keiner zu stereotyp daher, sondern zeichnet sich aus und erhält einen Wiedererkennungswert.

    Ich finde, dass die Mehrzahl der Protagonisten als sympathisch und freundlich auftritt, nur selten gibt es mal eine ambivalente Figur, von der man einen anderen Eindruck hat. Im Grunde tritt nur eine Person negativ auf, was mir ein bisschen zu wenig ist. Hier hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht, dass Personen auch mal schlecht gelaunt auftreten und nicht immer ihre gute Miene zum bösen Spiel beibehalten. Mehr Gefühlsausbrüche wären schön gewesen, so wurden viele Emotionen ein wenig unterdrückt.

    Auch diesmal steht wieder Frieda im Mittelpunkt und man merkt deutlich, dass sie älter geworden ist und das ist auch an ihrem Auftreten erkennbar. Sie ist nicht mehr das junge Mädchen aus dem ersten Band, sondern hat allerhand Erfahrungen gesammelt und musste sich von geliebten Menschen verabschieden. Und auch der Krieg hatte Einfluss auf die Frau und sie noch stärker gemacht. Eine sympathische Hauptprotagonistin, die man immer wieder für ihre Kraft und Ideen bewundern kann!


    Fazit:
    Obwohl ich in meiner Rezension fast ausschließlich positive Dinge genannt habe, bin ich nicht komplett überzeugt. Mir hat irgendwie noch das gewisse Etwas gefehlt, was den Roman zu einem Highlight werden lässt. So hat er mir gut gefallen und hatte viele angenehme Aspekte, haut mich aber nicht um. Ich kann selbst nicht genau benennen, was mir fehlt oder was ich gerne noch gelesen hätte. Vielleicht hätte es schon gereicht, einen alten Jugendfreund von Frieda nicht auftauchen zu lassen. Dadurch entsteht ein ständiges hin und her, alte Geschichten werden wieder hervorgeholt, worauf ich auch gerne hätte verzichten können. Vielleicht hätte eine sehr spannungsreiche und aufregende Szene auch schon meinen Eindruck verändert. Ich weiß es nicht.

    Im Grunde gefällt mir der Roman sehr gut, alle offenen Fragen werden geklärt und die Elbchaussee-Reihe findet ein rundes und stimmiges Ende. Eine fantastische Reihe, die bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat und die ich nur weiterempfehlen kann!


    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sterne

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    Cover des Buches Willkommen im Flanagans (ISBN: 9783548061214)

    Bewertung zu "Willkommen im Flanagans" von Åsa Hellberg

    Willkommen im Flanagans
    MarySophievor 15 Tagen
    Willkommen im Flanagans - Das Hotel unserer Träume

    Handlung
    London 1960

    Mit einer ihrer legendären Silvesterfeiern begrüßt Linda Lansing in ihrem Hotel das Jahr 1960. Sie ist gespannt, was das neue Jahr bringen wird und will weiterhin fleißig daran arbeiten, dass das Flanagans seinen Ruf beibehält. Wäre da nicht ihr Cousin, der ebenfalls Teilhaber des Luxushotels ist und dieses komplett für sich haben möchte. Dieser Kampf geht schon seitdem Linda ihre Anteile des Hotels von ihrem Vater geerbt hat und sich nach langem Überlegen der neuen Aufgabe gestellt hat. Linda hat dem Hotel zu neuem Ruhm verholfen und dabei stets die tatkräftige Unterstützung von Freunden und ihren Angestellten gehabt. Wird es Linda schaffen, sich gegen ihren Cousin zu wehren und das Flanagans zu behalten?


    Meinung:
    Vollkommen überzeugen kann mich das Cover nicht. Ich mag die Farbvielfalt, die Blumen, das Hotel am unteren Rand und auch das runde, goldene Schild, welches wie ein Zimmernummernschild eines Hotels anmutet. All diese Aspekte finde ich grandios und sie ergeben ein buntes und einladendes Bild. Mich stört die Dame etwas, sie ist für meinen Geschmack dem Betrachter ein bisschen zu sehr zugewandt. Ich mag es einfach nie, wenn man so genau Gesichter auf Covern sieht, mit reicht es vollkommen, wenn man eine Person von hinten sieht, oder sie dem Betrachter lediglich ihr Profil zeigen würde.


    Ich habe den Roman zufällig bei Vorablesen gesehen und das in einer Woche, in der mich drei der vorgestellten Bücher angesprochen haben. Kurzerhand habe ich für jedes Buch einen Leseeindruck verfasst und habe die Plattform entscheiden lassen, ob und welches Buch ich erhalte. Am Ende ist es das Flanagans geworden, womit ich sehr zufrieden bin, allein die Leseprobe war hervorragend und hat mir gut gefallen. An dieser Stelle möchte ich Vorablesen, sowie dem Ullstein Verlag nochmals für das Rezensionsexemplar danken, so viel sei schon mal gesagt: es war mir ein großes Vergnügen, ins Flanagans zu reisen!


    Der Beginn des Buches war mir ja bereits durch die Leseprobe bekannt, trotzdem hat er mich direkt wieder in seinen Bann gezogen. Ich wollte eigentlich nur mal eben in den Roman reinlesen und hatte knapp 80 Seiten innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Den genau diese Wirkung hatte das Buch auf mich: ich wollte es nicht aus der Hand legen, wollte immer weiterlesen und war von der Geschichte komplett begeistert. Ich hatte unglaublich viel Freude beim Lesen und wurde von der Handlung angezogen. Und all diese Faktoren haben natürlich leider dazu geführt, dass ich den neuen Roman von Åsa Hellberg innerhalb weniger Tage ausgelesen hatte und nun geduldig auf Band zwei warten muss...

    Mir hat die Sprache hervorragend gefallen. Sie gibt lebendige Einblicke in das Leben der Protagonisten, aber auch in den Hotelalltag. Situationen und Personen werden lebendig, viele Szenen konnte ich mir bildlich und ziemlich genau vorstellen. Insgesamt entsteht so eine lebhafte Geschichte, die mitreißend ist und das Buch zu einem besonderen Leseereignis macht.


    Es gibt einen Erzähler, der eine normale und nicht wertende Sicht auf die Geschehnisse gibt. Man merkt, dass er immer einige Geheimnisse für sich behält und diese dem Leser erst nach und nach präsentiert. Auf diese Weise bleibt die Handlung stets spannend und es entstehen weder Längen, noch wird die Handlung zu hektisch geschildert. Im Gegenteil, die Autorin hat eine angenehme Art der Erzählung gewählt, es wechseln sich immer wieder ruhigere und aufregendere Kapitel ab und diese Mischung hat mir gefallen.

    Auf jeden Fall gibt der Erzähler nicht nur einige Geheimnisse preis, sondern auch immer wieder Einblicke in Gefühls- und Gedankenwelten und man kann sich so von verschiedenen Protagonisten ein ziemlich genaues Bild machen. Dazu trägt auch bei, dass man immer wieder andere Perspektiven erlebt, nicht nur Linda, die Besitzerin des Flanagans kommt zu Wort, sondern auch Angestellte des Hotels. Man kann die Protagonisten so auf verschiedene Weisen kennenlernen und sie auch ziemlich gut einschätzen. Zudem gibt es auf diese Weise Einblicke in verschiedene gesellschaftliche Schichten und man lernt Menschen mit unterschiedlichen Lebensplänen kennen. Auch so entsteht wieder eine bunte Mischung, die mein Interesse ebenfalls angeregt hat.


    Eher spartanisch wurden historische Details eingefügt. Nur sehr sehr selten kommt mal das Wort auf die Politik, es steht eher die Lebensweise der Charaktere im Vordergrund. Sei es das Ansehen und die Entwicklung der Frau, wie diese langsam aber konstant immer häufiger Führungspositionen einnehmen oder wie die Bevölkerung auf Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben reagiert. Anhand solcher Details kann man sich ein recht gutes Bild der Gesellschaft machen, auf diese Weise erhält der Roman einen realitätsnahen Bezug und gibt einen Einblick in die Vergangenheit.


    Insgesamt hat mir der Aspekt, dass man das Leben auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen kennenlernt, sehr gut gefallen. Man lernt Personen kennen, die dem Adel angehören und noch nie in ihrem Leben fürchten mussten, wie ihre Zukunft aussieht und ob sie finanziell abgesichert sind. Man lernt allerhand wohlhabende Gäste des Flanagans kennen und kann sich von der prachtvollen Kulisse einen Eindruck verschaffen. Und dann gibt es auf der anderen Seite die Angestellten des bekannten Hotels, die tagtäglich dafür schuften müssen, dass der luxuriöse Standard aufrecht erhalten wird und die betuchten Gäste sich wohlfühlen. Man lernt so zwei Seiten der Gesellschaft kennen und erfährt, was für ein Aufwand nötig ist, um den täglichen Hotelbetrieb, aber auch den Status des Flanagans aufrechtzuerhalten. 


    Ich hatte ja bereits erwähnt, dass der Erzähler recht regelmäßig Geheimnisse preisgibt und die Handlung auf diese Weise immer wieder aufs Neue mischt und spannend macht. Man konnte spekulieren und ab und an war ein wenig vorhersehbar, was als nächstes folgen wird. Doch meistens kann man nicht durchschauen, was geschehen wird und welche Auswirkungen Aktionen auf die Zukunft haben werden. Die Handlung bleibt immer spannend, teilweise auch durch das Umdenken von Protagonisten, was vollkommen unerwartet kommt. Ich habe zwar schon spannungsreichere Bücher gelesen, hier bleibt sie auf einem guten Niveau, nimmt nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Platz ein. Die Autorin hat in diesem Zusammenhang ein gutes Verhältnis gefunden und ich habe zu diesem Aspekt absolut nichts zu meckern.


    Von dem Setting bin ich ziemlich begeistert. Gerade das Flanagans ist einfach umwerfend beschrieben und hat ganz viel Charme und Stimmung versprüht. Ich konnte mir sowohl die Suiten und Zimmer der Gäste, als auch das Appartement von Linda und die Arbeits- aber auch Wohnräume des Personals hervorragend vorstellen. Obwohl sie nicht mit vielen Worten und seitenlangen Beschreibungen dargestellt werden, ergab sich vor meinen Augen stets ein lebhaftes und genaues Bild, was den Charakter des jeweiligen Ortes sehr gut ausdrückt.

    Dazu gibt es noch wenige Kapitel, deren Handlung in Schweden stattfindet und auch hier ist es der Autorin gelungen, diesem neuen Ort eine eigene Stimmung und eigene Attribute zu verpassen. Insgesamt entsteht so ein sehr ansprechendes Setting, was mir richtig gut gefallen hat und mit dem ich sehr zufrieden bin. Ein Highlight ist natürlich das Flanagans, welches einfach traumhaft sein muss.


    Es treten vollkommen verschiedene Protagonisten auf. Manche sind grundehrlich, sympathisch und aufrichtig. Sie muss man einfach mögen und wünscht ihnen nur das Beste. Andere wiederum sind unerträglich, nicht durchschaubar und kommen immer wieder mit anderen Bosheiten ums Eck. Und einige wenige sind recht unscheinbar, zeigen aber im richtigen Moment ihr wahres Wesen und das sie ihr Herz an der richtigen Stelle haben. Es gibt also eine große Vielfalt, die ein breites Bild der Gesellschaft zeigt und mich überzeugt hat.

    Als Hotelbesitzerin des Flanagans steht Linda Lansing im Vordergrund, eine starke und charismatische Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Sie hat eine ganz besondere Aura, der man sich nicht entziehen kann und sie ist sympathischer und freundlicher Protagonist. Es macht Spaß, mehr Facetten von ihr kennenzulernen und sie während ihrer täglichen Arbeit zu begleiten. Was Linda besonders auszeichnet ist, was sie für ein bodenständiger Mensch ist. Obwohl sie ein Luxushotel führt, sich immer ausgewählt kleidet und allerhand wohlhabende Freunde hat, ist sie doch sehr normal und absolut nicht abgehoben. 


    Fazit:

    Schnell hat mich der Roman um das Luxushotel in seinen Bann gezogen und ich bin unglaublich gerne in diese Welt gereist. Durchweg habe ich mich gut unterhalten gefühlt, ich bin mit dem Lesen sehr flott vorangekommen und wollte gar nicht, dass das Buch endet. Mir haben die Charaktere gefallen, das Setting war traumhaft, die Schreibweise hat den ganzen positiven Eindruck nochmal verstärkt. Ich bin begeistert, freue mich auf Band zwei und kann für das Buch mit frohem Herzen eine Empfehlung aussprechen.Eine locker leichte Geschichte, die seinen Reiz hat und ein angenehmes Verhältnis von spannungsreichen und ruhigeren Szenen hat.

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    Cover des Buches Das Brauhaus an der Isar: Im Sturm der Zeit (ISBN: 9783499276743)

    Bewertung zu "Das Brauhaus an der Isar: Im Sturm der Zeit" von Julia Freidank

    Das Brauhaus an der Isar: Im Sturm der Zeit
    MarySophievor 18 Tagen
    Das Brauhaus an der Isar - Im Sturm der Zeit

    Handlung:
    München 1919

    Clara Bruckner ist immer mit der Gewissheit aufgewachsen, dass ihr Bruder mal das Brauhaus der Familie übernehmen wird. Doch er hat den Krieg nicht überlebt und nun liegt es an ihr, das Handwerk des Brauens zu lernen. Immerhin wird sie eines Tages das Brauhaus Brucknerbräu führen und die Geschicke leiten. 

    Clara hat einige Probleme mit ihrer neuen Aufgabe, allen voran glaubt sie an die Prohibition von Alkohol und es ist auch nicht immer leicht, von den fast durchweg männlichen Angestellten akzeptiert zu werden. Doch genau darin liegt auch der Anreiz: Frauen haben mehr Rechte und können etwas bewegen. Und diese Aussicht gefällt Clara, die dem Fortschritt nicht abgeneigt ist. In diesen für sie schwierigen und kraftraubenden Zeiten lernt die junge Frau einen Mann kennen, der Clara verwirrt und nicht in ihr hektisches Leben passt. Zudem ist die Welt in einem ständigen Wandel, vor allem auf politischer Ebene...


    Meinung:
    Das Cover ähnelt dem des ersten Teils. Wieder ist eine Frau von hinten zu sehen, diesmal in modernerer Kleidung und jetzt wendet sie ihr Profil halb dem Betrachter zu. Im Hintergrund sind einige Gebäude zu sehen, die leicht verblasst sind und die ich in München, dem Handlungsort des Buches verorten würde. An der Seite des Bildes gibt es einige Blätter, die dem Cover einen Rahmen geben und farblich sehr gut passen. Ich mag die gewählten Farben und finde das gesamte Bild ansprechend. Es ist auffallend und man verspürt das Bedürfnis, das Buch in die Hand zu nehmen und zu betrachten.


    Vor fast einem Jahr, im August 2019 habe ich den ersten Teil der Reihe „Das Brauhaus an der Isar“ gelesen. Und diesen habe ich inhaliert, geliebt und in höchsten Tönen gelobt. Natürlich wollte ich da auch Band zwei lesen, in der Hoffnung, dass er mich genauso umhaut und begeistern wird. Aus diesem Grund war ich dem Rowohlt Verlag unglaublich dankbar, dass ich ein Rezensionsexemplar erhalten habe und wieder in die Welt von Familie Bruckner reisen durfte. Auch an dieser Stelle nochmal ein ganz herzliches Dankeschön!


    Die Handlung von Band zwei setzt einige Jahre nach der von Band eins ein. Es gibt keinen fließenden Übergang, sondern einen Zeitsprung und diesmal stehen auch nicht Antonia und Melchior im Mittelpunkt, sondern deren gemeinsame Tochter Clara. Die Situation ist also eine Neue und es ist nicht so schlimm, wenn einem nicht mehr jedes Ereignis aus Band eins im Gedächtnis geblieben ist. Ich konnte mich noch an die grobe Handlung erinnern, aber nicht mehr an jedes Detail und hatte absolut keine Probleme, in die Geschichte zu starten und mich darauf zu konzentrieren.


    Vor dem Textbeginn werden auf zwei Seiten noch die wichtigsten Protagonisten benannt und man kann direkt erkennen, dass einige alte Bekannte wieder auftauchen und sich neue Namen einprägen.

    Es gibt einen direkten Start in den Roman, die Autorin hält sich nicht mit Einführungen auf, sondern Details werden erst nach und nach preisgegeben. Man kann sich einen guten Eindruck von den Protagonisten, den gesellschaftlichen Fortschritten und den politischen Geschehnissen machen und während diesen Seiten sind mir bereits allerhand Informationen aus Band eins wieder eingefallen.


    Durchweg herrscht eine einfache und umgangssprachliche Schreibweise vor, die immer wieder gespickt wurde mit dem bayrischen Dialekt, der ernste Abschnitte aufgelockert hat und dem Roman Authentizität verliehen hat. Übrigens gibt es am Ende des Romans noch eine Art Wörterbuch, in dem bayrische Begriffe und Wendungen ins Hochdeutsche übersetzt werden. Fand ich gut und passend, gerade wenn man sich in dieser Mundart nicht auskennt!

    Zudem erhält der Sprachstil durch versteckte Botschaften, die immer wieder auftauchen, ebenfalls einen angenehmen Anspruch. So muss man beim Lesen mitdenken und wird auch selbst gefordert. Außerdem fördert es ein aufmerksames Lesen und ich habe viele Schwankungen und Details wahrgenommen, die ich sonst vielleicht überlesen hätte.

    Und zuletzt wird man auch durch die Einbindung von politischen Geschehnissen gefordert. Diese treten in einer hohen Anzahl auf und um sich Zusammenhänge zu merken ist es ebenfalls wichtig, dass man genau liest und manches in Gedanken nochmal Revue passieren lässt.

    Anhand all dieser genannten Komponenten entsteht eine anspruchsvolle, trotzdem leicht lesbare Sprache, die mir hervorragend gefallen hat. Ich bin der Geschichte mit viel Interesse gefolgt und bin mit dem Lesen schneller vorangekommen, als anfangs gedacht. 


    Die Autorin hat verschiedene Sichtweisen genutzt, um dem Leser die Ereignisse näher zu bringen. Dabei wird die Geschichte stets von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Auf diese Weise entstehen viele Einblicke und man kann sich ein wenig besser in die Gedanken- und Gefühlswelt der Charaktere einfinden. Teilweise konnte ich dadurch manche Personen und Aktionen besser verstehen, teilweise hat diese Art der Erzählsituation dazu beigetragen, dass sich mein negativer Eindruck von Situationen oder Protagonisten verstärkt.


    Ich war überrascht davon, dass sich diese Fortsetzung nicht direkt um Antonia dreht, sondern sich vielmehr mit ihrer Tochter Clara beschäftigt. Es sind ein paar Jahre zwischen den Büchern vergangen, über die es nur sehr spartanische Informationen gibt und im Grunde kann man den zweiten Band auch lesen, wenn man keine Vorkenntnisse besitzt. Zumindest hatte ich keine Probleme damit, mich im Roman zurechtzufinden, immerhin hatte ich Teil eins vor ziemlich genau einem Jahr gelesen und mir sind in der Zwischenzeit allerhand wichtige Informationen entfallen.

    Obwohl ich die Geschichte rund um Clara als interessant empfunden habe und sie zu weiten Teilen als recht sympathisch und zugänglich empfunden habe, haben mir Clara und Melchior doch ein wenig gefehlt. Sie tauchten zwar immer mal auf, waren jedoch nicht so stark wie ihre Tochter gezeichnet und man konnte deutlich merken, dass das Hauptaugenmerk nicht mehr auf ihnen lag. Was ich sehr schade finde, denn das Ehepaar Bruckner ist für mich ein großer Sympathieträger!


    In ihren Roman hat die Autorin allerhand historische Informationen eingebunden. Angefangen von der Mode, über die Politik bis hin zur Entwicklung der Frau. Es wurden viele Themen angesprochen, sodass ein breites Bild von dem Leben und den Handlungen von Politikern entsteht.  Ich finde es richtig gut, wie vielfältig sich der Roman in dieser Hinsicht erweist, man konnte einen zarten Eindruck von dem Leben in den 1920er Jahren erhalten. Doch leider war es mir ein bisschen zu viel Politik, die eingebunden wurde. Es ist ein wichtiges Thema und ich mag es, dass verschiedenste Sachverhalte eine Erwähnung finden, doch oft sind Clara und ihr Brucknerbräu in den Hintergrund geraten. An diesen Stellen hätte es mir gefallen, wenn der Text kürzer und prägnanter gewesen wäre.

    Zudem wurden gerade am Anfang manche Themen wie die immer mehr aufkeimende Freikörperkultur oder sportliche Betätigungen der Damen erwähnt. Und es gab in der ersten Hälfte des Buches auch ab und an eine Erwähnung dessen, ohne das zu sehr in die Tiefe gegangen wird. Doch leider werden diese Themen irgendwann vollkommen fallengelassen und es wird nichts weiter zu der Entwicklung dessen gesagt.


    Als Handlungsort dient ausschließlich München und das Umland. Von den Beschreibungen der Stadt konnte ich mir lediglich das Wohnhaus der Familie Bruckner, sowie die dazugehörige Brauerei und die Wohnung von René vorstellen. Ansonsten wollten vor meinen Augen partout keine Bilder entstehen und ich bin bei dem restlichen Setting ein wenig im Dunklen getappt.

    Auch diesmal war mein Highlight wieder das Haus von den Bruckners. Es hat eine ganz tolle Aura und ich konnte es mir genaustens vorstellen. Das Gebäude strahlt eine unglaubliche Würde aus und ich stelle es mir einfach traumhaft vor. Schade, dass nicht noch mehr Szenen in diesem glanzvollen Rahmen stattgefunden haben.


    Die Protagonisten lassen mich etwas zwiegespalten zurück. Mir hat es gefallen, dass manche, allen voran Clara, sehr lebendig daherkommen und man sie richtig gut kennenlernt. Außerdem wurden auch wenige, historisch verbürgte Personen eingebunden, was der Geschichte, vermischt mit den politischen Geschehnissen, einen angenehmen Wahrheitsgehalt gegeben hat, zudem wurde Authentizität vermittelt. 

    Doch leider fand ich manche Protagonisten etwas schwierig und anstrengend. Als Beispiel dient René. Ich bin aus ihm nicht schlau geworden und fand einige Handlungen von ihm merkwürdig und habe sie kritisch betrachtet. Er wurde als komplexer Charakter angelegt, aber es wurde nicht tief genug in seine Psyche eingedrungen und ich glaube, dass hat mir u.a. gefehlt.

    Bei Clara konnte man teilweise sowohl den Charakter ihrer Mutter, als auch ihres Vaters erkennen. Sie vereint Eigenschaften von beiden Seiten und hat im Grunde ein sympathisches und freundliches Wesen. Sie ist willensstark, denkt fortgeschritten und ist für die Zeit ein moderner Protagonist. Ganz oft fand ich ihre Art zu agieren sehr interessant und habe sie gedanklich bei ihren Vorhaben vollkommen unterstützt. Doch ab und an musste ich über Aussagen oder Handlungen ein wenig den Kopf schütteln. Doch gerade dadurch, dass sie mir nicht immer hundertprozentig gefallen hat, bekommt ihr Charakter Ecken und Kanten und im Ganzen entsteht eine interessante Darstellung, die mich auf ihre Weise überzeugt hat.


    Fazit:

    Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich von dem ersten Band geschwärmt habe und dieser hat definitiv zu meinen Jahreshighlights gehört. Und dementsprechend hatte ich an die Fortsetzung hohe Erwartungen, die leider nicht vollkommen erfüllt wurden. Und obwohl das Buch viele gute Facetten hat, konnte es mich diesmal nicht hundertprozentig begeistern.

    Dafür war mir das Verhältnis zwischen politischen Ereignissen und der eigentlichen Geschichte nicht ausgewogen genug und ich hatte mit einigen, wenigen Protagonisten ein paar Problemchen. Leider haben mich diese zwei Punkte immer mal wieder gefuchst und ich konnte nicht so einfach darüber hinwegsehen.

    Ansonsten hat Julia Freidank einen interessanten Roman geschaffen, der viele Informationen und eine lesenswerte Geschichte beherbergt. Und ich weiß nicht weshalb, aber irgendwie schreit für mich das Ende nach einer Fortsetzung... Mal schauen, ob mein Gefühl hinhaut:)

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    Cover des Buches Wunder (ISBN: 9783423086547)

    Bewertung zu "Wunder" von R.J. Palacio

    Wunder
    MarySophievor 21 Tagen
    Kurzmeinung: MItreißend, berührend und magisch!
    Wunder

    Handlung:
    August ist zehn Jahre alt und im Grunde ein ganz normaler Junge. Er lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester in New York, er mag Star Wars und ist ein aufgeweckter, aufmerksamer und lieber kleiner Kerl. Nur ein Merkmal macht August besonders, doch ist für andere Kinder leider ein Grund, ihn zu meiden. August hat ein entstelltes Gesicht. 

    Genau deshalb hat der Junge bisher auch noch nie eine Schule besucht, sondern wurde jahrelang von seiner Mutter daheim unterrichtet. Doch mit dem Beginn der fünften Klasse soll sich dies ändern. August ist nervös, hat Angst und ist sich unsicher. Er fürchtet sich, dass er gemobbt wird, die Kinder ihn ausgrenzen und er ein Außenseiter bleiben wird. Und trotzdem stellt sich August dieser Herausforderung und geht seinen Weg.


    Meinung:
    So ganz meinem Geschmack entspricht das Cover nicht. Es ist für ein jüngeres Publikum zugeschnitten und würde mir in einer Buchhandlung nicht sonderlich auffallen. Mir ist es etwas zu bunt und ich finde, dass es besser gepasst hätte, wenn der Junge gar nicht erst auf dem Bild zu sehen wäre. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Idee, die einzelnen Buchstaben des Titels in Kreisen anzuordnen, ganz gut gefällt.


    Vor wenigen Wochen hatte ich den Film im TV gesehen und war absolut begeistert. Mir hat die Geschichte rund um August Pullmann unglaublich gut gefallen und ich war emotional sehr berührt. Und wie immer, wenn mir ein Film gut gefällt, schaue ich danach im Internet, auf was für einer Vorlage er beruht, natürlich mit der Hoffnung, dass es sich um eine Buchvorlage handelt. Und genau das war hier der Fall und das Jugendbuch ist direkt auf meine Wunschliste gewandert. Diesen habe ich dann auch schon kurze Zeit später als Geburtstagsgeschenk bekommen und ich konnte es kaum erwarten, die Geschichte zu lesen.


    Als ich die Geschichte dann endlich begonnen habe, wurde das Buch immer nur für eine kurze Zeit aus der Hand gelegt. Ich mochte es unglaublich gerne, weiterzulesen und wollte, dass es gar nicht endet. Ich habe mich in die Geschichte einfühlen können und war von ganz vielen Aspekten angetan. Sei es die Schreibweise, die Personenzeichnung, die Stimmung. Einfach alles hat gepasst und war perfekt.


    Das Jugendbuch wird in verschiedene Abschnitte unterteilt, die jeweils einen Einblick in das Leben unterschiedlicher Charaktere geben. Die meisten Abschnitte erhält natürlich August, aber auch seine Schwester oder Klassenkameraden haben ein paar Seiten, in denen sie sich nicht nur vorstellen, sondern ihre Sicht auf die Dinge geben. Auf diese Weise entsteht eine abwechslungsreiche Geschichte, man versteht manche Personen besser und hat noch einen anderen Blick auf andere Protagonisten. 

    Die Kapitel grenzen sich nicht nur durch die Nennung, welche Person jetzt zu Wort kommt ab, sondern auch durch den Erzählstil. Ein jeder hatte eine unterschiedliche Art, Ereignisse zu beschreiben und ein jeder wird dadurch einzigartiger und menschlicher.

    Das Besondere ist, dass all die Abschnitte von Kindern oder Jugendlichen sind, es kommt im ganzen Roman kein Erwachsener in diesem Zusammenhang zu Wort. Ich fand es sehr passend und es wird jugendliche Leser auch mehr ansprechen, können sie sich doch teilweise in manche Charaktere einfühlen und haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Ich glaube, dass es aber auch ganz nett gewesen wäre, wenn man mal eine erwachsenere Sicht auf einige Ereignisse bekommen hätte und sich so ein vollkommen neues Bild ergeben hätte.


    Die Schreibweise war locker und einfach gehalten. Sie ändert sich immer wieder aufgrund der wechselnden Erzählperspektiven, ist jedoch immer gut und schnell lesbar. Mit wenigen Worten werden nicht nur Protagonisten lebendig, sondern man kann sich Räume oder die Stadt vorstellen. Ich habe mich häufig wie ein heimlicher Beobachter gefühlt und war schon nach wenigen Seiten komplett in der Geschichte drinnen und habe mich fast wie ein Teil dessen gefühlt. Vielleicht hatte ich diesen Eindruck deshalb, weil ich den Film kurz vorher gesehen habe und mir noch viele Szenen lebendig vor Augen standen.

    Die Kapitel wurden recht kurz gehalten, sodass das Buch sich auch für jüngere Leser anbietet. Zudem ist es so möglich, einige Seiten zu lesen, wenn nur wenig Zeit vorhanden ist. Was natürlich sehr verleitet und dazu beiträgt, dass die Handlung viel schneller fortschreitet und das Lesevergnügen nicht so lange anhält, wie man es sich vielleicht wünschen würde.


    Es gibt unheimlich viele stimmungsvolle Szenen, in denen ich richtig mitgefühlt habe. Seien es fröhliche oder traurige Momente, eine jede Stimmung wurde an den Leser übermittelt und hat so dazu geführt, dass ich das Buch noch weniger aus der Hand legen wollte. Vor allem August hat mich in seiner freundlichen, ruhigen und zurückhaltenden Art sehr berührt, er ist ein mutiger, sympathischer kleiner Kerl, der unglaublich viel Stärke zeigt. Man kann aus seinen jungen Erfahrungen einiges mitnehmen und an vielen Textstellen konnte man von ihm lernen. 

    Ich habe lange Zeit nicht mehr so mitgefiebert und wurde emotional auf diese Weise berührt. Allein schon für diesen Aspekt lohnt es sich, das Werk von Raquel J. Palacio zu lesen! 


    Ich hatte bereits erwähnt, viele Orte des Settings konnte ich mir lebhaft vorstellen. Sei es die Schule oder das Haus der Familie Pullman, ein jeder Ort hat viel Lebendigkeit mitbekommen und war gut vorstellbar. Teilweise wurden in den jeweiligen Handlungsorten auch Stimmungen übertragen und man konnte fühlen, wie sich z.B.: eine bedrückte Aura über das gesamte Haus legt und alle Bewohner davon erfüllt sind. So entsteht ein ganz besonderer Charme und Anreiz, weiter in die Geschichte einzutauchen und noch mehr über August und seine Familie zu erfahren.


    Als Protagonisten dienen vor allem Kinder in Augusts Alter, es gibt nur wenige Erwachsene, die dafür aber wiederholt auftreten. Dazu zählen natürlich Mr. und Mrs. Pullman, sowie einige Lehrer. Obwohl die Kinder deutlich im Mittelpunkt stehen, haben auch die erwachsenen Protagonisten einen durchdachten Charakter erhalten und sie zeichnen sich in ihrem Auftreten aus. Ein jeder hat besondere Wesenszüge erhalten und macht sich dadurch einzigartig.

    Ich finde es toll, wie sich die Kinder und Jugendlichen ändern, sie nicht nur älter, sondern auch reifer werden und eine Wandlung erleben. Sie wenden sich anderen zu, erkennen, dass ein Handeln falsch war und legen ihre Oberflächlichkeit ab. Kaum einer besitzt noch dasselbe Denken wie am Anfang, sondern ist weltoffener geworden und hat gelernt, dass erste Eindrücke und Vorbehalte gegenüber anderen Menschen nicht angebracht sind. Auch hier vermittelt die Autorin wieder ein starkes Statement und zeigt an lebendigen Beispielen, dass man sich nicht auf den ersten Eindruck und das Äußere eines Menschen verlassen soll, sondern es sich lohnt, andere kennenzulernen.

    August ist der Mittelpunkt des Buches. Immer wieder gibt es einen Bezug zu seiner Geschichte und ihn lernt man im Verlauf der 448 Seiten am besten kennen und erhält dadurch zu ihm den stärksten Bezug. Ich habe August in seiner unschuldigen und liebenswerten Art schnell ins Herz geschlossen. Er ist ein aufgeweckter Junge und es war eine Bereicherung zu lesen, was ihn glücklich macht, ihn aber auch am Verhalten anderer Menschen stört. Oft wollte ich ihn in den Arm nehmen und habe zu ihm eine Bindung aufbauen können. Er hat mit Emotionen nicht gegeizt und wirkte daher lebendig und authentisch. Ich mochte es an August auch sehr, wie er viele Angelegenheiten durchdenkt und sich um andere Menschen sorgt. Obwohl er ein kleiner zehnjähriger Junge ist, finde ich ihn in seinem Auftreten viel stärker als manche erwachsene Protagonisten aus anderen Büchern!

    Fazit:

    Eine unglaubliche Geschichte über einen mutigen, liebenswerten kleinen Jungen, der seinen Weg geht und zeigt, dass erste Urteile absolut nicht angebracht sind. Ich finde es richtig stark, welche Botschaften die Autorin dem Leser mit auf den Weg gibt und wie viel Liebe, Empathie und Wärme sie den Protagonisten, ach der ganzen Geschichte eingehaucht hat. 

    Ich habe bereits ein weiteres Buch entdeckt, welches weitere Blickwinkel auf die Geschichte von August Pullman gibt. Ganz bald will ich mir dieses bestellen und lesen, ich merke, dass mich das Schicksal und die Tapferkeit des kleinen Jungens noch nicht loslässt. 

    Ich möchte für das Buch eine ganz große Leseempfehlung aussprechen. Es ist unfassbar berührend und mitreißend, ich bin absolut begeistert und kann keinen Punkt nennen, der mir nicht gefallen hat. Holt euch das Buch, lest es und lasst euch von August Pullman bezaubern!

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    Cover des Buches Die Kurärztin von Sylt (ISBN: 9783746635583)

    Bewertung zu "Die Kurärztin von Sylt" von Gisa Pauly

    Die Kurärztin von Sylt
    MarySophievor 24 Tagen
    Die Kurärztin von Sylt

    Handlung:
    Sylt 1927

    Tessa Meldorf tritt auf Sylt ihre Anstellung als Kurärztin an. Und schnell wird klar, dass die Bevölkerung davon nicht begeistert ist, eine Frau als Ärztin auf der Insel zu haben. Von vielen Seiten gibt es immer wieder Spitzen und negative Anmerkungen und kaum jemand nimmt das Können der jungen Frau in Anspruch. 

    Zur gleichen Zeit vollendet sich langsam der Bau des Eisenbahndammes. Doch noch vor der Fertigstellung gibt es einen tödlichen Unfall, an dem man der Kurärztin die Schuld gibt. Für Tessa beginnt eine schwierige Zeit und ein Spießrutenlauf, nur der Kurdirektor hält noch zu ihr...


    Meinung:
    Das Cover finde ich ganz angenehm, es zeigt einige Aspekte des Buches und vermittelt einen ersten Eindruck auf die Handlung. Es gibt wieder einen ähnlichen Aufbau wie des zweiten Bandes, es sind viele Wolken am Himmel zu sehen, außerdem ein kleiner Abschnitt vom Meer und eine Düne. Auch die Schriftaufteilung und -farbe orientiert sich an Band zwei und schafft Gemeinsamkeiten. Diesmal ist eine Frau zu sehen, die eine Arzttasche vor sich hält und die ich deshalb mit Tessa, der Hauptprotagonistin des Buches in Verbindung bringe. Zudem befindet sich auf dem Cover noch ein Zug, der den Fortschritt darstellt und den Bau des Hindenburgdamms symbolisiert. Insgesamt ein gut zu betrachtendes Bild, welches angenehm ist und perfekt zu dem Roman und der Reihe passt.


    Ich hatte ja erst vor kurzem den ersten und zweiten Band der Insel-Saga gelesen und hatte mir fest vorgenommen, den finalen Teil schnellstmöglich zu lesen. Und genau das habe ich auch getan und ich bin sehr froh, die Reihe jetzt abhaken zu können und mich weiteren Büchern von meinem Sub zu widmen. Im Grunde war es gar nicht nötig, die Romane hintereinander zu lesen, sie nehmen keinen richtigen Bezug aufeinander und haben keine Verbindung. So kann man sie auch gut unabhängig voneinander lesen, was ich ganz gerne mag.


    Auch bei diesem dritten Band hat mir der Schreibstil der Autorin gefallen. Die Geschichte ließ sich flott und einfach lesen, ich hatte mit keinen Wörtern Probleme und nie war mir ein Zusammenhang unverständlich. Es wird eine einfache Sprache genutzt, mit der ich gut zurechtgekommen bin und auch diese hat dazu beigetragen, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage ausgelesen habe. 

    Geheimnisse werden nach und nach gelüftet, sodass die Neugierde des Lesers befriedigt wird, aber nicht vollends erlischt. Bis zum Ende bleiben viele Sachverhalte ungeklärt und erst mit der letzten Seite wurden alle Heimlichkeiten aufgelöst und geklärt. Aufgrund dessen kann man gut mitspekulieren und raten, wie sich am Ende die Dinge ergeben werden, wie manche Protagonisten zusammenhängen und wie ein mögliches Ende aussehen könnte. Auf diese Weise blieb die Geschichte immer spannend und das trägt natürlich dazu bei, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag.


    Die Spannung spielt, wie schon in den beiden vorherigen Bänden eine ganz große Rolle. Sie wird auf einem konstant gutem Niveau gehalten und ist mein großes Highlight. Immer wieder bekommt man als Leser ein paar Brotkrumen hingestreut und kann mit diesen Spekulationen anstellen. Es bleiben trotzdem allerhand Zusammenhänge lange ungelöst und es gibt stets offene Fragen, die wirklich erst auf den letzten fünfzig Seiten geklärt werden. Man konnte sich nie sicher sein, wie die Geschichte wirklich endet und oft lag ich mit meinen Überlegungen falsch.

    Und obwohl sich die Spannung wie ein roter Faden durch die Handlung schlängelt und sich wirklich in jedem Kapitel wiederfindet, gibt es auch regelmäßig Abschnitte, die einen ruhigeren Unterton haben, in denen Annäherungen beschrieben sind oder es eine andere Art der Entschleunigung gibt. So kann man sich auch als Leser etwas entspannen, einfach nur die Szenen genießen und nicht an mögliche Geheimnisse und Zusammenhänge denken. Und genau dieses Zusammenspiel hat mir gut gefallen.

    Zudem mochte ich es, wie man deutlich gemerkt hat, dass die Handlung gen Ende des Buches immer weiter gestiegen ist und die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Es ist spürbar, dass der Roman mit einem großen Finale enden wird, in dem es einen großen Knall gibt und daraufhin alle offenen Fragen geklärt werden und Geheimnisse aufgedeckt werden. Und genau so kam es dann auch. Und ich war damit auch recht zufrieden. Alles ergibt einen Sinn, es gibt ausreichende Beschreibungen und Details und das Ende kam mir auch nicht zu schnell und wurde auch nicht zu hektisch beschrieben. 


    Mir hat es hier komplett gefehlt, dass es eine zeitliche Angabe gibt. Es gibt nur sehr sehr selten einen Hinweis darauf und meist hängt man komplett in der Schwebe. Zudem finde ich es unglaublich schwer einzuschätzen, wie viel Zeit vergangen ist oder in welchem Monat man sich befindet. Eine Angabe dazu wäre wirklich gut gewesen, nicht nur, um sich in dem Roman besser zurechtzufinden, sondern auch um zu sehen, innerhalb von wie vielen Wochen sich Protagonisten näherkommen oder sich weiterentwickeln.


    Sonderlich viele historische Details sind nicht vorhanden. Die Hauptrolle spielt dabei noch die Fertigstellung und Instandnahme des Hindenburgdamms. Ansonsten lernt man die Zeit der späten 1920er Jahre vor allem durch die Lebensweise der Protagonisten kennen. Manche sind der Zeit gegenüber aufgeschlossen und passen sich an. Tragen kürzere Kleider und haben ihre Haare der Mode entsprechend schneiden lassen. Andere halten an den früheren Normen fest und bevorzugen einen konventionellen Lebensstil. So erhält man auf lebendige Weise einen Einblick in die damalige Zeit, kann sich von der Entwicklung der Frau ein Bild machen und wie dieser Fortschritt von der Männerwelt aufgenommen wird.


    Ich mochte das Setting zu weiten Teilen gerne. Auch wenn manche Gebäude mit recht wenigen und einfachen Worten beschrieben wurden, konnte ich sie mir meist recht gut vorstellen und hatte ein eingängiges Bild vor Augen. Sie waren stärker gezeichnet als anfangs gedacht und haben einen guten Eindruck der Insel vermittelt. 

    Aber auch bei diesem Band hatte ich wiederholt das Problem, dass mir die Dimensionen zu groß waren. Ich war selbst noch nie auf Sylt und kenne die Insel nur anhand von Bildern und Dokumentationen. Und daher hatte das Setting für mich unglaubliche Ausmaße, vielleicht wäre es ganz gut gewesen, dem Roman eine Karte beizufügen, wo die wichtigsten Orte markiert werden...


    Es gibt Protagonisten mit verschiedenen Wesen und Charakterzügen, die sich alle voneinander unterscheiden. Ein jeder hat unterschiedliche Ziele und Hoffnungen, die er umsetzen möchte. Auf diese Weise ergibt sich ein vielfältiges Bild der Bevölkerung und die Protagonisten wirken lebendig. Etwas schade fand ich, dass manche nur negativ aufgetreten sind und nicht den Moment erreicht haben, indem sie sich etwas ändern und einsehen, dass ihr Verhalten falsch war. Stattdessen blieben sie ihrer Meinung treu und haben nichts anderes akzeptiert oder sich für eine falsche Handlung entschuldigt.

    Im Mittelpunkt steht Tessa, die ich nicht immer so sympathisch empfunden habe, wie ich es gern gehabt hätte. Tessa ist teilweise richtig stark aufgetreten und man hat gemerkt, dass sie für ihre Tätigkeit als Ärztin brennt und sie ein freundlicher und umgänglicher Mensch ist. Doch leider gab es immer wieder Szenen, in denen ich Tessa nicht mochte, ihre Aussagen oder Handlungen nicht richtig fand und negativ eingeschätzt habe. Zudem war sie zwar an sich ein starker Charakter, doch so richtig den Mund aufmachen und die Meinung sagen konnte sie nur selten.


    Fazit:

    Ich bin froh, die Insel-Saga gelesen zu haben, im Gesamten hat sie mir recht gut gefallen und mich gut unterhalten. Ich finde, dass dieser letzte Band auf jeden Fall der Spannendste und Abwechslungsreichste ist und für mich der Beste der Trilogie. Zwar habe ich auch hier kleine Kritikpunkte und der Roman bekommt keine 5-Sterne-Bewertung, aber ihn habe ich am zufriedensten weggelegt und habe hier am wenigsten zu meckern. Eine solide Reihe, die ein würdiges Ende gefunden hat und die mir auf jeden Fall viel Freude beim Lesen bereitet hat.


    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sterne

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    Cover des Buches Die Modeschöpferin (ISBN: 9783426525104)

    Bewertung zu "Die Modeschöpferin" von Katja Maybach

    Die Modeschöpferin
    MarySophievor einem Monat
    Die Modeschöpferin

    Handlung:
    Rom 1961

    Die Modeschöpferin Simonetta de Rosa und ihr Team arbeiten mit Hochdruck an der neuen Kollektion. Immerhin ist es nicht mehr lange bis zur Präsentation und Simonetta will eine erstklassige Arbeit abliefern. Sie kann sich aber nicht vollkommen auf ihre Mode konzentrieren, sondern gleichzeitig passieren unvorhersehbare Ereignisse, die ihr Leben auf den Kopf stellen.

    Nicht nur ist ihre Schwestern Chiara wieder in der Stadt, mit der Simonetta seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Gleichzeitig fällt die Designerin einer Modespionage zum Opfer. Und etwa zur gleichen Zeit wird ein Mord begangen, der Simonetta einiges hinterfragen lässt.

    Trotz dieser Steine, die der Modeschöpferin im Weg liegen, darf sie ihre Arbeit nicht vergessen und muss an die Modenschau denken. Vor ihr liegen harte und aufregende Tage...


    Meinung:
    Das Cover ist ansprechend und wunderbar nostalgisch. Ich mag die Mischung aus farbigen und verblassten Elementen, sie harmonieren perfekt miteinander und ergeben ein interessantes Bild. Die roten Details sind natürlich ein besonderes Highlight und dienen als Eyecatcher. Je länger ich die Dame im roten Kleid betrachte, desto mehr sehe ich darin Simonetta de Rosa, die Hauptprotagonistin des Buches. Insgesamt finde ich das Cover gelungen, es passt perfekt zum Inhalt und besitzt seinen eigenen Charme.

    Tatsächlich ist mir das Buch in der Vorschau gar nicht aufgefallen. Erst durch eine Mail des Verlags habe ich es entdeckt und mich gefragt, warum ich den Roman erst so spät entdeckt habe. Er verspricht einen Einblick in das Leben der 1960er Jahre, sowie in die Modewelt Italiens und die harte Arbeit, die hinter Modekollektionen steckt. Zudem werden in der Inhaltsangabe auch Rückschläge genannt und so bin ich davon ausgegangen, dass man eine realitätsnahe Geschichte miterleben wird. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an den Verlag, nicht nur für das Rezensionsexemplar, sondern auch für das Aufmerksammachen auf den Roman!


    Mir war schnell klar, dass ich das 304 seitenstarke Buch innerhalb von vielleicht einem Tag ausgelesen haben werde. Der Grund dafür ist nicht nur die interessante und abwechslungsreiche Handlung, sondern auch die sehr angenehme Schreibweise. Diese war sehr locker und einfach gehalten, es wurden immer wieder kleine Geheimnisse bekannt gegeben und ich konnte mich beim lesen fallen lassen. Mir hat es gefallen, wie sich berauschende und aufregende Szenen mit ruhigen Momenten abgewechselt haben, in denen die Protagonisten etwas in sich gegangen sind und man eine neue Seite von ihnen kennengelernt hat.

    So ist die Handlung an mir vorbeigerauscht und tatsächlich habe ich das Buch dann auch innerhalb kurzer Zeit ausgelesen. Es bietet eine leichte und nicht zu anspruchsvolle Lektüre, es gibt zarte Einblicke in die Modewelt und man kann ansatzweise miterleben, wie stressig das Leben und die tägliche Arbeit in dieser Branche ist.

    Erzählt wird die ganze Geschichte von einem Erzähler, der mal die Position von Simonetta, mal die von ihrer jüngeren Schwester Chiara einnimmt. Auf diese Weise bekommt man nicht nur Informationen über den Streit von beiden Parteien, sondern kann auch einen Einblick in die unterschiedlichen Lebensweisen und Ziele erhalten. Außerdem gibt es so die Möglichkeit, die Gedankenwelt beider Personen kennenzulernen und man kann über verschiedene Aspekte, Handlungen und Aussagen besser urteilen.


    Als Handlungsort dient ausschließlich Rom und einige umliegende kleine Örtchen. Teilweise konnte man einen Hauch der dortigen Stimmung erhaschen und manche Plätze und Gebäude sind recht gut beschrieben. Andere Settings wiederum konnte ich mir nur schwer vorstellen und bin bei der Vorstellung etwas im Dunklen getappt. So hält sich die Waage und es wurde eine angenehme Abwechslung gefunden, immerhin handelt es sich hier um ein recht dünnes Buch und der Fokus lag eindeutig nicht auf der Beschreibung der Spielplätze.

    Am besten vorstellbar war für mich das Firmengebäude von Simonetta de Rosa. Dort war für mich auch die Stimmung am stärksten und in diesen Kapiteln habe ich mich wie ein heimlicher Beobachter gefühlt. Sei es das Büro der Designerin, der Innenhof oder die Räumlichkeiten anderer Mitarbeiter: ich konnte mir das Haus und die Räume ziemlich gut vorstellen und war von der cleanen und schnörkellosen Darstellung sehr angetan.


    Wie gerade schon erwähnt, ab und an sind starke Stimmungen vorhanden, die man auch als Leser deutlich miterlebt. Und diese sind besonders intensiv im Unternehmen von Simonetta. Dort werden sie am meisten transportiert und man wird Zeuge unterschiedlicher emotionaler Ausbrüche, die mal stärker, mal schwächer auftreten. Gefühlsausbrüche wirkten stets realistisch und waren nicht zu übertrieben, man konnte gut nachvollziehen, weshalb die Charaktere an dieser Stelle auf diese Weise reagieren.

    Abgesehen von einigen Textstellen in der Firma von Simonetta gibt es keine weiteren Abschnitte, wo ich in irgendeiner Weise emotional berührt war oder eine andere Stimmung selbst miterlebt habe. Oft wird die Handlung recht emotionslos und distanziert beschrieben, was auch wieder ein Zeichen der Schnelllebigen Zeit ist, aber auch der leicht oberflächlichen Modewelt.


    Im Grunde war schon Spannung da, sei es durch die Modespionage oder durch den bereits in der Inhaltsangabe erwähnten Mord. Zudem gibt es im Text immer mal wieder Hinweise, die ein Spekulieren zulassen und die Fährte in die falsche Richtung legen. So wird die Handlung nur schwer vorhersehbar und man kann sich bei verschiedenen Sachverhalten nie sicher sein.

    Und obwohl auf diese Weise eigentlich die Voraussetzung für eine sehr spannende Handlung gelegt wurde, war die Dramatik am Ende nicht so stark, wie man vermutet. Ich habe die Geschichte meist ganz normal aufgenommen und finde, dass es recht wenige spannungsreiche Szenen gibt, die auch den Leser mitreißen. Vielleicht ist bei mir dieser Eindruck entstanden, weil die Emotionen eine untergeordnetere Rolle spielen und nicht so präsent sind, sondern meist von den Protagonisten unterdrückt werden.


    Die Darstellung der Protagonisten hat mir ganz gut gefallen. Simonetta und Chiara stehen eindeutig im Mittelpunkt und haben die stärkste Zeichnung erhalten. Die anderen Personen spielen eine deutlich zweitrangigere Rolle, wobei sie doch häufiger ziemlich präsent sind. Auf jeden Fall haben auch sie ihre Macken und Eigenarten bekommen und man konnte sich von vielen ein gutes Bild machen.

    Simonetta hat mir in ihrem Auftreten besser gefallen als Chiara, auch wenn ich bei ihr bemängeln muss, dass sie mir nicht emotional genug war. Jegliche Empfindung wurde schnell unterdrückt und sie ist gern so aufgetreten, als könnte sie nichts vom Hocker hauen. Mir hätte es gefallen, wenn Simonetta mehr Facetten gezeigt hätte und sie nicht nur die taffe Modeschöpferin gewesen wäre. Ich verstehe zwar, dass man sich in diesem Business eine harte Schale zulegt und versucht, Empfindungen nicht nach außen zu tragen, aber selbst im stillen Kämmerchen wirkten manche, emotionalere Momente nicht mitreißend oder tiefgehend.

    Chiara hatte zwar viele Eigenheiten bekommen und auch eine intensive Zeichnung, aber für mich war sie doch ziemlich blass. Sie ist mir nicht entschlossen, durchgreifend genug und ich konnte an vielen Stellen leider keine Sympathie für sie aufbringen. Erst am Ende des Buches habe ich in Chiara etwas gesehen, was mir gefallen hat und ich habe mir gewünscht, dass sie dies schon eher gezeigt hätte. So hatte ich Probleme mit ihrer Art und ihrem Auftreten, zudem fand ich es schade,

    dass sie neben der großen Simonetta nicht gleichrangiger auftritt.


    Fazit:

    Ich habe zuvor noch kein Werk von Katja Maybach gelesen und war daher gespannt darauf, die Autorin kennenzulernen. Und mit diesem Buch rund um die italienische Modewelt der 1960er Jahre hat sie einen soliden Roman geschaffen, der sich locker leicht lesen lässt und eine gute Geschichte beherbergt. Ich habe das Buch mit viel Interesse gelesen und viele Aspekte haben mir gefallen und haben dazu geführt, dass ich den Familienroman schnell ausgelesen hatte.

    Doch leider hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen. Dafür haben mir einige Stimmungen gefehlt, mehr emotionalere Momente und eine stärkere Zeichnung von Chiara. Bei diesen Punkten hätte ich gerne mehr gehabt und sie sind für mich noch ausbaufähig.

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    Cover des Buches Mohnschwestern (ISBN: 9783959674003)

    Bewertung zu "Mohnschwestern" von Ilona Einwohlt

    Mohnschwestern
    MarySophievor einem Monat
    Mohnschwestern

    Handlung:
    1943

    Lotte kann es selbst kaum glauben. Aus heiterem Himmel steht ein Soldat in ihrem Garten und blickt ihr in die Augen. Und so plötzlich wie er da stand, so schnell ist er auch wieder verschwunden. Doch Lotte kann ihn nicht vergessen. Und dem jungen Mann geht es ähnlich. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege und eine zarte, aber auch starke Liebe entsteht. Eine Beziehung will Wilhelm aber nicht zulassen, er arbeitet im Widerstand und will Lotte schützen. Ein Bild voller Mohnblumen wird das Symbol ihrer Liebe und erinnert sie an viele gemeinsame Stunden. Aber kann ihre Liebe durchhalten und den Krieg überstehen? 


    2018

    Hazel ist nicht richtig zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Sie kann einen Mann nicht vergessen, obwohl dieser sie betrogen hat. Bei Mathilda, einer alleinstehenden Rentnerin, der Hazel Gesellschaft leisten will, sieht sie ein Bild voller Mohnblumen. Hazel ist fasziniert davon und möchte gerne mehr von dem Bild wissen. Aber auch von Mathilda...


    Meinung:
    Das Cover finde ich gut. Ich mag die Mischung aus verblassten Farben und lebendigen Details wie die Blumen oder das Paar im Vordergrund. So entsteht ein charmanter Wechsel, zudem ist das gesamte Bild ausgeglichen und sehr angenehm zu betrachten. Vielleicht wäre es ganz cool gewesen, die Mohnblumen in einem kräftigeren Rot zu gestalten, damit ein direkterer Bezug zum Titel entsteht. Zudem haben die genannten Blumen für mich stets das charakteristische Rot und ich bringe sie nur schwer mit einem zarteren Orangeton in Verbindung. Doch vielleicht wurden sie auch absichtlich verblasst dargestellt, um etwas Vergangenes zu symbolisieren oder um die Verbindung zu der Handlung in der Vergangenheit darzustellen. Insgesamt aber trotzdem ein gelungenes und stimmiges Bild, welches mir in einer Buchhandlung aufgefallen wäre.


    Und genau wegen dem Cover bin ich auf den Roman aufmerksam geworden. Erst dadurch wurde mein Interesse geweckt und ich habe den Wunsch verspürt, die Inhaltsangabe zu lesen. Und auch diese hat mich angesprochen, wodurch ich das Buch nun unbedingt lesen wollte. Ich hatte im Vorhinein keine andere Meinung gelesen oder auch nur nachgeschaut, wie andere Leser das Buch anhand von einer Sterne-Bewertung beurteilt haben. Und genau deshalb konnte ich vollkommen ohne eine Beeinflussung den Roman lesen und mir ein eigenes Urteil bilden. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei dem HarperCollins Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanken!


    Tatsächlich empfand ich den Anfang des Buches etwas verwirrend. Der Prolog lässt sich nicht wirklich zuordnen, tatsächlich habe ich ihn recht schnell vergessen und erst am Ende wieder daran gedacht und ein wenig gerätselt, was er aussagen will und in welchem Zusammenhang er zu der restlichen Handlung steht. Dann gibt es ein Kapitel, in denen Erlebnisse eines Abends im Jahr 1944 geschildert werden und danach gibt es einen Zeitsprung zum Jahr 1943. Ich weiß nicht ob ich es so gut finde, dass es den Abschnitt aus dem Jahr 1944 schon so früh gibt. Weniges wird bereits verraten und mir hätte es besser gefallen, wenn dieses Kapitel chronologisch in die restliche Geschichte eingebunden worden wäre. Sodass es nur den Prolog gibt und direkt danach die Haupthandlung beginnt. So fand ich es etwas verwirrend und ich brauchte meine Zeit, um mit den ständigen Wechseln klarzukommen. 

    Obwohl ich von dem Anfang nicht ganz überzeugt war, hat mir schon dort die Schreibweise richtig gut gefallen. Viele der beschriebenen Szenen konnte ich mir sehr bildhaft vorstellen und auch die Protagonisten kamen lebendig und authentisch daher. Insgesamt lässt sich das Buch flüssig und einfach lesen, man kommt schnell voran und die Geschichte endet schneller, als ich wollte. Immer bleibt Platz für Spekulationen und häufig wird man von einigen Wendungen überrascht. Wenn die Handlung von 1944 nicht direkt am Anfang gewesen wäre, wäre die Handlung des Romans noch spannender gewesen. 

    Auch die Abschnitte aus der Gegenwart haben ihren eigenen Charme und ich fand es besonders interessant, wie kurz und bündig diese gehalten wurden. Sie muten fast wie eine Art Kurzgeschichte oder eine kleine Erzählung an. Zudem könnte man sie auch unabhängig von der restlichen Handlung lesen, sie ergeben eine eigenständige Geschichte, die etwas Besonderes an sich hat.


    Wie sich schon anhand der Inhaltsangabe erkennen lässt, spielt die Geschichte auf zwei zeitlichen Ebenen. Einmal reist man mit Lotte und Wilhelm in die Zeit des Zweiten Weltkrieges, erlebt die tägliche Angst mit und kann nachvollziehen, wie die Menschen zu den Ereignissen stehen. Abwechselnd dazu gibt es dann noch Abschnitte aus der Gegenwart, in denen man Hazel ein Stück ihres Weges begleitet. An sich gefällt mir dieser Wechsel gut, es entstehen durch Hazels Kapitel immer wieder ruhigere Momente und man sich nochmals deutlich vor Augen rufen, wie schrecklich die Kriege waren und wie dankbar wir sein können, diese Schreckensjahre nicht miterlebt zu haben. Doch ich muss sagen, dass mich die Handlung in der Gegenwart auch etwas zwiegespalten zurücklässt. Sie ist wunderbar geschrieben und hat Charme. Doch manchmal wirkte sie auch etwas fehl am Platz und sie konnte mich einfach nicht so überzeugen. Zu Lotte, Wilhelm und ihren Freunden hatte ich einen Zugang gefunden und konnte sie einschätzen. Hazel hingegen blieb immer etwas blass und war mir nie lebendig genug. Die Handlung zur Zeit des Zweiten Weltkrieges hat mich mehr angesprochen und war deutlich spannender. Hazels Kapitel waren ein netter Zusatz, der nicht zwingend notwendig gewesen wäre.


    Mit dem Setting hatte ich insoweit Probleme, dass mir irgendwie ein Stadtname gefehlt hat. Dieser wurde nie explizit genannt, was ich merkwürdig fand. Den ansonsten bin ich mit der Darstellung des Settings vollkommen zufrieden. Ich konnte mir viele Örtlichkeiten ziemlich genau vorstellen, seien es Häuser, Straßen oder Wohnungen. Etwas schwierig war es, die Dimensionen von Entfernungen zu erfassen, damit hatte ich ein paar kleine Probleme, aber insgesamt bin ich mir dem Setting vollkommen zufrieden, mir ist es immer wichtig, dass ich von den Orten genaue Bilder vor Augen habe und sie mit vorstellen kann, was hier der Fall war.


    Als kleines Vorwort erwähnt die Autorin, dass nicht alle Details exakt so überliefert wurden und die Protagonisten, Handlungen und Orte erfunden sind. Fand ich gar nicht schlimm, es herrscht künstlerische Freiheit und daraus kann ja trotzdem ein hervorragender Roman entstehen. Ein großes Thema nehmen der Widerstand und die Judenverfolgung ein, ansonsten werden nur sehr wenige historische Begebenheiten erwähnt oder genannt. Was mir ein wenig gefehlt hat. Denn so hat es etwas den Anschein, als wäre der Krieg in der Stadt nicht richtig angekommen und die Menschen leben bis auf wenige Ereignisse, die mal kurz die Augen öffnen, einfach weiter. Lebensmittel- oder Stoffknappheit gibt es nicht wirklich und auch in anderen Angelegenheiten scheint die Stadt nicht vom Krieg betroffen zu sein.


    Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich mit den Protagonisten aus der Vergangenheit gut zurechtgekommen bin, sie als lebendig und gut durchdacht bezeichnen würde und sie gerne eine begrenzte Zeit lang begleitet habe. Sie hatten alle unterschiedliche Wesen und Ziele, manche haben den Krieg gutgeheißen, andere kritisiert und sich ihre eigene Meinung gebildet. Kein einziger Charakter kommt stereotyp daher, sondern wirkt individuell. Ich finde auch, dass bei vielen eine Entwicklung zu sehen ist, allen voran natürlich bei Lotte, ihrer Familie und ihren Freunden. Sie ändern sich merklich durch den Krieg und bekommen andere Sichtweisen und nehmen nicht alles so hin. Sie hinterfragen manche Dinge immer mehr und wollen aktiv etwas an der Situation ändern. 

    In der Handlung der Gegenwart steht Hazel eindeutig im Mittelpunkt und ich werde auch nur zu ihrem Wesen etwas sagen. Alle anderen spielen eine sehr untergeordnete Rolle und im Grunde lernt man sie kaum kennen. Hazel finde ich schwierig. Sie ist nicht vollkommen zufrieden mit ihrem Leben, macht aber auch keine richtigen Anstalten, etwas zu ändern. Neben den stark gezeichneten und energischen Protagonisten zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ist es klar, dass Hazel da nur blass herüberkommt und sie mich als Leser einfach nicht erreichen konnte. Es ist auch keine Entwicklung zu sehen, immerhin begleitet man die junge Dame einige Jahre und sie müsste eigentlich reifer werden und manches anders einschätzen, als vor einigen Jahren.

    Fazit:
    Ich bin ohne Erwartungen in den Roman gestartet und bin positiv überrascht. Ich hatte noch nie von der Autorin gehört und im Vorhinein keine Meinung dazu gelesen. Die Handlung klang für mich einfach spannend und ich konnte mich ganz darauf konzentrieren, mir vollkommen unbeeinflusst ein Urteil bilden.

    Und ich fand den Roman wirklich gut. Mir hat die Handlung gefallen, ich bin der Geschichte mit Interesse gefolgt und hatte das Buch viel zu schnell ausgelesen. Trotzdem hatte ich leider einige Kritikpunkte, die ich angesprochen habe und für die ich einen Stern abziehe.

    Wenn ihr auf einer leichteren Lektüre rund um den Zweiten Weltkrieg seid und keinen Roman sucht, der zu viel in die Tiefe geht, kann ich euch dieses Buch absolut empfehlen. Es hat mir gut gefallen, wird mir aber leider nicht ewig in Erinnerung bleiben.

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