MilaW

  • Mitglied seit 06.03.2017
  • 14 Freunde
  • 206 Bücher
  • 200 Rezensionen
  • 204 Bewertungen (Ø 3.83)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne38
  • 4 Sterne101
  • 3 Sterne58
  • 2 Sterne7
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Cover des Buches Ein Sonntag mit Elena (ISBN: 9783446267954)

    Bewertung zu "Ein Sonntag mit Elena" von Fabio Geda

    Ein Sonntag mit Elena
    MilaWvor 4 Tagen
    Was im Leben wichtig ist

    Es wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der seit acht Monate Witwer ist. Sein ganzes Leben lang ist der Ingenieur um die Welt gereist und hat Brücken gebaut. Dabei hat er oft vergessen, sich um seine Familie zu kümmern, reiste um die Welt, war ganz von seiner Arbeit erfüllt. Nun ist er einsam, die Kinder und Enkelkinder wohnen weit weg. Nach einem geplatzten Familienessen trifft der Mann auf die ebenfalls verwitwete, 35 Jahre alte, Elena und ihren Sohn. Diese Begegnung wird die beiden zum Nachdenken bringen und verändern.

    Die Erzählerin ist Guiliana, die dem Protagonisten entfremdete Tochter, die gar nicht anwesend ist. Es werden Guilianas Erinnerungen mit den von ihr (nach)erzählten Erlebnissen des Vaters vermischt. Das ist ein interessanter Kunstgriff, schafft jedoch Distanz zu dem Hauptprotagonisten und hat es mir schwer gemacht, mit ihm mitzufühlen. Es passiert sehr wenig, man bekommt eher einen Eindruck der Einsamkeit und Leere im Leben des namenlos bleibenden Mannes und viele melancholische Beschreibungen. Besonders bis zur Begegnung mit Elena zieht es sich ziemlich und es werden oft dieselben Gedankengänge wiederholt. Viele Freundschaften sind kurzlebig, weil die Menschen sich nicht genug umeinander kümmern. Wenn man sich nur um die Arbeit kümmert, leidet das Familienleben und die Partnerschaft. Keine großen, überraschenden Erkenntnisse, aber durchaus poetisch dargestellt.
    Ein leiser, nachdenklicher Roman, der mich nicht so ganz erreichen konnte.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Das Grab der Jungfrau (ISBN: 9783406756580)

    Bewertung zu "Das Grab der Jungfrau" von Stefan von der Lahr

    Das Grab der Jungfrau
    MilaWvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Ein netter Thriller, amüsant zu lesen, mit ein paar gut ausgedachten Wendungen, aber auch einigen Schwächen.
    Etwas holpriger, aber spannender Auftakt der Reihe

    Cyrill Knightley hat gerade einen mysteriösen Papyrus entdeckt, als ihn ein plötzlicher Herztod ereilt. Sein Schüler Bill Oakbridge macht sich auf den Weg nach Rom, um weitere Informationen zu recherchieren. Gemeinsam mit dem Priester Montebello entdeckt er ein Geheimnis, das die Grundfesten der christlichen Kirche zu erschüttern vermag. Schon bald machen ganz verschiedene Parteien Jagd auf den Papyrus.


    Die Geschichte ist gut konstruiert und spannend, aber leider ist die Umsetzung etwas holprig. Der Autor neigt vor allem in Dialogen zu Wiederholungen. Häufiges Beispiel: Etwas passiert, jemand erzählt einer dritten Person davon und dann wird das Ganze von der gegnerischen Partei nochmal herausgefunden und erzählt. Hier hätte man mit ein paar erzählerischen Kniffen oder einfach nur einer Raffung viel erreicht. Viel lieber, als ständig die Handlung wiedergekäut zu bekommen, hätte ich mehr über die Personen erfahren. So bleiben sie oft eindimensional. (Mafiascherge 1 ist eigentlich ein guter Junge, Mafiascherge 2 ist so dumm und naiv, dass es schon in Komik umschlägt, deutscher Priester ist wahnsinnig homophob, bürokratieversessen und verknöchert... *gähn*) Auch die Dialoge schlagen manchmal etwas zu sehr ins Pathetische oder Banale aus. Der Autor scheint eine große Liebe zu Italien zu hegen, er streut gern Sätze und ganze Abschnitte auf Italienisch ein. Leider sind die Abschnitte im ebook nicht verlinkt, das macht es unbequem nach der Übersetzung zu suchen. Man kann sich schon zusammenreimen worum es geht, aber eine einfache Verfügbarkeit des Anhangs wäre einfach benutzerfreundlicher.

    Ganz typisch für Thriller entwickeln die Hauptpersonen bei Bedarf absurd abseitige Heldenfähigkeiten, um sich aus aussichtslosen Situationen zu befreien (Wie gut, dass ich ganz zufällig nicht nur Expertin für altertümliche Papyri bin, sondern auch alles über Psychologie und Verhalten weiß und Tiere und Menschen nach Wunsch manipulieren kann, eine hervorragende Taschendiebin bin, alle möglichen lebenden und toten Frendsprachen spreche und nebenher Motorrad fahre. Einfach nur, falls mal jemand fragt, ob ich in einem Thriller mitmachen will.). Unmögliche Aufgaben lösen sich durch absurde Zufälle und Superschurken werden natürlich geschwätzig, sobald sie sich obenauf wähnen. Das alles werte ich jetzt nicht als absolut kritische Punkte, da es einfach sehr typisch für Thriller ist, aber ein wenig gestört hat es mich doch.

    Das klingt jetzt schlimmer, als es ist. Mir hat die Lektüre Spaß gemacht. Es handelt sich ja um den ersten Thriller des Autoren, da ist sicherlich noch Luft nach oben im Stil. In den Folgebänden nutzt der Autor hoffentlich die Gelegenheit die Hauptpersonen noch besser vorzustellen.

    Schön zum Abschalten und Weglesen, aber kein absolutes Must-read.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Die Marschallin (ISBN: 9783406754821)

    Bewertung zu "Die Marschallin" von Zora del Buono

    Die Marschallin
    MilaWvor 22 Tagen
    Eine besondere Frau

    Zora Del Buono erzählt in diesem Roman die Lebensgeschichte der Frau, deren Namen sie trägt, ihrer Großmutter. Die Erzählung folgt Zoras wechselvollem Leben von 1919 bis 1980. Aufgewachsen ist Zora in Bovec einem Dorf in Slowenien, das im ersten Weltkrieg an der Socatalfrontlinie lag und nahezu komplett zerstört wurde. Zora folgt dem Sanitätsoffizier Pietro del Buono nach Italien. Während Pietro ein angesehener Radiologe wird, zieht Zora drei Söhne groß und regiert den Haushalt mit eiserner Hand. In Bari bauen die beiden nach Zoras Plänen ein Haus, das es bald nicht nur durch seine Architektur zu einiger Bekanntheit bringt. Zora ist eine besondere Persönlichkeit. Intelligent, engagiert und sehr willensstark. Mussolino ist Zora ein Graus, sie unterstützt nach Kräften die Kommunisten und ist besonders von Tito angetan.


    Die politische Lage durch die Lebensgeschichte einer politisch so engagierten und oft widersprüchlichen Frau zu sehen ist interessant. Zoras Persönlichkeit an sich muss sehr anstrengend gewesen sein. Besonders am Ende des Buches wird sehr deutlich, wie ihr Kontrollzwang zu tiefen Konflikten besonders mit den Schwiegertöchtern führt.


    Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Autorin zu viel Wissen unterbringen wollte. Die Kapitel sind episodenhaft, durch oft große Zeitsprünge getrennt und begleiten verschiedene Personen der Familie an verschiedenen Orten, was mich immer wieder kurz die Orientierung verlieren lies. Das oft tragische Schicksal der Mitgleider der Familie und Freunde der Del Buonos böte noch Stoff für mehrere Romane. Zora selbst fasziniert, bleibt aber merkwürdig fremd. Man erhält wenig Einblick in das Gefühlsleben der Personen, viele Handlungen bleiben dadurch unverständlich. Gleichzeitig fand ich die historischen Hintergründe spannend und gut verständlich aufgearbeitet. Die Sprache ist einfach gehalten, dadurch gut lesbar, aber auch nicht direkt ansprechend.


    Es fällt mir schwer, diesen Roman zu bewerten. Ich habe ihn mit Interesse gelesen, aber nicht mitgefiebert. Ich habe Einiges über die geschichtlichen und politischen Verhältnisse in Italien gelernt, aber die handelnden Personen blieben mir sehr fremd. Definitiv eine empfehlenswerte Lektüre für diejenigen, die Interesse an der jugoslawischen/italienischen Geschichte und Politik haben, aber streckenweise anstrengend.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Cover des Buches Writers & Lovers (ISBN: 9783406756986)

    Bewertung zu "Writers & Lovers" von Lily King

    Writers & Lovers
    MilaWvor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Buch über das Glück seinem Traum zu folgen und die Steine auf dem Weg dorthin, über Lebensentscheidungen und die Bewältigung von Krisen.
    der steinige Weg zum eigenen Buch

    Casey träumt davon einen Roman zu veröffentlichen. Doch nach dem Tod ihrer Mutter quälen sie Selbstzweifel. Erdrückenden Schulden zwingen sie dazu zu kellnern. Als sie zwei ganz unterschiedliche Männer kennenlernt, erkennt sie, dass sie sich nicht nur in Bezug auf die Liebe entscheiden muss.

    "Euphoria" von der Autorin mochte ich wirklich gern, also war ich richtig gespannt auf dieses Buch. Es ist ganz anders, als ich es erwartet hätte. Und eigentlich so gar nicht mein Fall. Die Autorin schreibt in Ich-Form über eine Autorin in der Sinn-/Schreibkrise, die sehr nah an der eigenen Lebensgeschichte ist. Das, was (meiner klischeehaften Vorstellung nach) ideenlose Autoren in Seminaren zur Überwindung der Schreibkrise schreiben. Gefühlt schon 100mal gelesen und so mittelmäßig interessant gefunden.

    Ich hatte entsprechend Probleme in die Geschichte reinzukommen. Die Hauptperson ging mir zunächst auf den Keks. Ein Pechvogel, in Selbstzweifeln gefangen, deprimiert, körperlich am Ende, erdrückt von Schulden und Sorgen. Lichtblick nicht nur für die Hauptperson, aber auch für mich als LeserIn sind Caseys FreundInnen/KollegInnen, die (schwarzen) Humor und Freundlichkeit reinbringen.

    Der Anfang ist auch vom Schreibstil her holprig. Ich weiß nicht, ob es ein Übersetzungsproblem ist, aber einge Sätze kamen mir gerade am Anfang des Buches komisch vor. Beispielsweise: "Ich zeigte sie ihm mit Fleiß nicht." (S.42 ebook)

    Aber dann nahm mich die Erzählweise doch gefangen und ich musste zugeben, dass manche Erkenntnisse der Hauptfigur gar nicht so blöd waren, manches sogar unangenehm wahr. Ein Buch über das Glück seinem Traum zu folgen und die Steine auf dem Weg dorthin, über Lebensentscheidungen und die Bewältigung von Krisen. Am Ende war mir die plötzliche Auflösung von bergeweise Unglück und Problemen doch etwas zu plötzlich und simpel gestaltet. Gefallen hat mir aber, dass Casey sich nicht in ihrem Leid suhlt, sondern Auswege findet und Unterstützung von ihren FreundInnen erfährt. Auch allzuviel Kitsch und Zuckerguss wird gekonnt vermieden.

    Nach Anfangsschwierigkeiten habe ich Casey ins Herz geschlossen und ab der Hälfte in Rekordgeschwindigkeit gelesen. Wäre es nicht von Lily King geschrieben worden, hätte ich es wohl kaum gelesen, aber es hat sich gelohnt.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Das wilde Leben der Vögel (ISBN: 9783406749780)

    Bewertung zu "Das wilde Leben der Vögel" von Walter A. Sontag

    Das wilde Leben der Vögel
    MilaWvor einem Monat
    Kurzmeinung: Aufgrund der Fülle der Informationen nicht immer einfach zu lesen, aber sehr interessant und voller überraschender Forschungsergebnisse.
    überraschend vielfältig

    Walter A. Sontag ist Associate Scientist am Naturhistorischen Museum in Wien. Der Biologe erforscht die Variabilität und Persönlichkeit von Vögeln in aller Welt. In diesem Buch erzählt er von seinen oft überraschenden Erkenntnissen. Vögel leben in ganz verschiedenen Gebieten der Erde und haben sich an ihre jeweilige ökologische Nische angepasst. Die Tiere unterscheiden sich nicht nur äußerlich in eine Vielzahl von Arten, sondern entwickelten eigene Persönlichkeiten und besitzen oft mehr Intelligenz, als wir ihnen zutrauen.


    Da ich wenig Ahnung von Vogelkunde habe, fiel mir der Einstieg ein wenig schwer. Ich hatte das Gefühl, dass der Autor möglichst viel Information in den schmalen Band pressen wollte. Ein Glossar mit ein paar mehr Erklärungen hätte mir weitergeholfen. Schön ist aber das Verzeichnis der besprochenen Tiere und das Literaturverzeichnis.


    In den vier Kapiteln geht es um die Mannigfaltigkeit der Vogelarten, ihre Beziehung zu anderen Tieren, ihre Fortpflanzungsgewohnheiten und ihre Beeinflussung durch den Menschen. Auch die aktuelle Forschung und die Theorien verschiedener ForscherInnen werden erläutert. Es werden zahlreiche Beispiele gegeben und mit schönen Farbfotos ergänzt. Man spürt auf jeder Seite die Begeisterung des Autors. 


    Aufgrund der Fülle der Informationen nicht immer einfach zu lesen, aber für Vogelnarren sehr interessant und voller überraschender Forschungsergebnisse über oft zu Unrecht unterschätzte Tiere.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Cover des Buches Hannah Arendt (ISBN: 9783458358725)

    Bewertung zu "Hannah Arendt" von Alois Prinz

    Hannah Arendt
    MilaWvor einem Monat
    Kurzmeinung: Guter Einstieg in die Denkwelt der Hannah Arendt.
    eine komprimisslose Denkerin

    "Ihr »Ton« sei ihre Person, hat Hannah Arendt einmal ihren Kritikern entgegengehalten, und damit gemeint dass man ihre Bücher und ihre »Philosophie« nicht trennen kann von ihrer persönlichen Haltung, ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit und ihrer Einstellung zu Politik, Freundschaft und Liebe." (aus der Nachbemerkung des Autors zur Neuausgabe)

    Laut Alois Prinz kann man Hannah Arendt nur verstehen wenn man ihre Beziehungen zu anderen Menschen, die historischen Hintergründe, ihre Erlebnisse und ihre Persönlichkeit kennt. Eben dies alles versucht er in seiner Biographie zu verbinden. Da gibt es viel zu erzählen, denn Hannah Arendt hat einen wechselvollen Lebensweg und ihre Denkweise bleibt vielen ihrer ZeitgenossInnen unverständlich. 

    Prinz zeichnet das Bild einer scharfsinnigen Denkerin, die gern streitet, keine Kompromisse und falsche Höflichkeit zulässt und damit oft aneckt. Zentral sind für Sie die Diskussionen mit Anderen. Berühmt ist ihre Beziehung zu Heidegger mit dessen Philosophie und politischer Einstellung sie ihr Leben lang hadert, aber sie pflegte auch enge Freundschaften u.a. zu Karl Jaspers, Walter Benjamin und Mary McCarthey.

    Das Ganze ist informativ und gut lesbar aufbereitet. Arendts Werke werden eher in den Kontext gesetzt, als das tiefgehend ihr Inhalt beschrieben wird.

    Eine Biographie, die sich gut eignet, um sich einen Überblick zu verschaffen und Arendts Werke biographisch und historisch einzuordnen und deren Rezeption zu verstehen. Ein guter Einstieg in Arendts Denkweise.

    Kommentare: 4
    5
    Teilen
    Cover des Buches Unter den Linden 6 (ISBN: 9783550200601)

    Bewertung zu "Unter den Linden 6" von Ann-Sophie Kaiser

    Unter den Linden 6
    MilaWvor 2 Monaten
    Das Recht auf Bildung

    Anfang des 20. Jahrhunderts dürfen Frauen in Berlin erstmals studieren, aber nur wenige können diese Möglichkeit nutzen. Ann-Sophie Kaiser erzählt von drei jungen Frauen, die aus ganz unterschiedlichen Kontexten kommen: Lise, Hedwig und Anni.

    Lise ist inspiriert durch Lise Meitner, die berühmte österreichische Kernphysikerin. Hedwig ist eine der ersten Studentinnen an der Berliner Universität, die einige Hindernisse zu überwinden hat. Anni arbeitet als Dienstmädchen, träumt aber davon mehr zu lernen. Geschickt werden Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten der Zeit in die Geschichte verwoben, sodass man ein Gefühl für die Zeit bekommt.
    Die Protagonistinnen sind sympathisch gezeichnet, die Geschichte spannend. Besonders interessant ist auch das Nachwort, in dem die Autorin noch einmal auf die historischen Hintergründe und ihre Recherchen eingeht.
    Ein guter historischer Schmöker, der auf die Kämpfe der Frauen um das Recht auf Bildung aufmerksam macht.

    Kommentare: 1
    2
    Teilen
    Cover des Buches City of Girls (ISBN: 9783100024763)

    Bewertung zu "City of Girls" von Elizabeth Gilbert

    City of Girls
    MilaWvor 2 Monaten
    Selbstbestimmung

    "Es kommt der Punkt im Leben einer Frau, an dem sie es leid ist, sich ständig nur zu schämen. Danach steht ihr frei zu werden, wer immer sie wirklich ist."
    (S. 398)
    Mit 19 Jahren und abgebrochenem College weiß Vivian nicht so recht, was sie mit sich anfangen soll. Zum Glück hat ihre Tante ein Theater in New York, wo das verwöhnte Landei unterkommt. Sie schneidert Kostüme für die Revuegirls und stürzt sich in das flimmernde Nachtleben der New Yorker 40er Jahre.
    In hohem Alter erzählt Vivian von dieser Zeit in ihrem Leben.
    Dabei spart sie nicht an ironischen Kommentaren über ihr manchmal sehr unbedarftes und naives jüngeres Ich.
    Diese Erzählweise hat meinen Geschmack gut getroffen. Beispielsweise die pragmatisch geplante Entjungferung der Hauptfigur empfand ich als eine der ehrlichsten und amüsantesten Sexszenen, die ich je gelesen habe. Die Handlung mag zwar banal und die Personen teilweise schablonenhaft sein, aber die Autorin hütet sich vor Romantisierung.
    Ihre Heldinnen sind selbstbewusst, sexuell unabhängig und sie zieht das verlogene konservativen Ehewerben genüsslich durch den Kakao.
    Es geht tatsächlich wie im Titel angekündigt um ein New York der Frauen. Vivian verbiegt sich nicht, um den Erwartungen ihrer Familie zu entsprechen, sondern schafft sich in New York einen Kreis von Freundinnen, die sich gegenseitig unterstützen. Vivians Leben ist sehr wechselhaft, hat Höhen und Tiefen und es fühlt sich am Ende fast an, als hätte man mehrere Bücher gelesen. Nicht immer kann dabei das hohe Erzähltempo des Anfangs gehalten werden, aber dafür werden neue Facetten beispielsweise über das Leben in der Nachkriegszeit in New York beleuchtet.
    Insgesamt ein leichtes, humorvolles Buch mit ernsten Anklängen, dass ich gerne weiterempfehle.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Cover des Buches flüchtig (ISBN: 9783552059726)

    Bewertung zu "flüchtig" von Hubert Achleitner

    flüchtig
    MilaWvor 2 Monaten
    flüchtige Begegnungen

    Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern verbannt seine Musikinstrumente, um sich im Schreiben von Belletristik zu versuchen. Herausgekommen ist ein poetischer etwas langatmiger Roman.

    Maria war schon immer unkonventionell. Pragmatisch und ehrlich stößt sie so manchen vor den Kopf, ist aber auch eine ungeheuer faszinierende Person. Eines Tages verschwindet sie nach dreißig Jahren Ehe ohne Begründung und landet nach verschiedenen Zwischenstationen in Griechenland. Der zurückgelassene Ehemann Herwig versucht zu verstehen, warum sie ging.
    Mir persönlich hat die Schreibweise gefallen, ich fand sie schön poetisch. Auch Musik bzw. Songtexte spielt eine große Rolle. Die Erzählung ist jedoch etwas überladen. Es wird sehr viel Nebensächliches erzählt, viele flüchtige Begegnungen und manchmal geht der rote Faden verloren. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass dem Autor nach einem schön erzählten Beginn die Luft ausgegangen ist.
    Man muss sich einlassen auf diese Reise, aber es lohnt sich.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Cover des Buches Die toxische Macht der Narzissten (ISBN: 9783406750076)

    Bewertung zu "Die toxische Macht der Narzissten" von Marie-France Hirigoyen

    Die toxische Macht der Narzissten
    MilaWvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Gute Zusammenfassung von Informationen über Narzissmus und seine Begünstigung durch die westliche individualistisch geprägte Gesellschaft.
    Narzissmus in der westlichen Gesellschaft

    Die französische Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen beschäftigt sich vor allem mit seelischer Gewalt in (Liebes-)Beziehungen und am Arbeitsplatz. In ihrem neusten Buch beschäftigt sie sich mit Narzissmus und seiner Verankerung in der heutigen Gesellschaft. Sie erklärt die Entstehung des Begriffs und wie pathologischer Narzissmus diagnostiziert wird. Dann erklärt sie, wie die heutige Gesellschaft durch die Fokusierung auf Individualismus, Konsum und Leistung Narzissmus fördert und geht dabei unter anderem auf die Arbeitswelt, sogenannte soziale Medien und Beziehungen ein.

    Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf Narzissten an der Macht in der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Ausführlich beschreibt sie das allseits bekanne Beispiel von Donald Trump.

    Sehr interessant fand ich ihre Darstellung davon, wie schwierig und historisch bedingt unterschiedlich die Abgrenzung von Narzissmus und "gesundem" Selbstwertgefühl ist und wo sich ForscherInnen uneinig sind. Vieles war mir nicht neu, da über einen angeblichen Anstieg narzisstischer Tendenzen schon viel geschrieben und diskutiert wurde, aber die dargestellten Informationen sind fundiert und gut durchdacht. Viele Beispiele sorgen für Anschaulichkeit, die Textabschnitte sind angenehm kurz, die Kapitel logisch strukturiert. Auch als Nichtexperte konnte ich die Gedankengänge nachvollziehen und empfand die Lektüre nicht als schwierig.

    Die im Titel angekündigten Strategien, um sich gegen Narzissten zu wehren, fallen leider sehr dünn aus. Die Autorin setzt ihre Hoffnung hauptsächlich auf die heranwachsende Generation von Jugendlichen, die Konsum kritisch sehe, gegen Umwelterschmutzung protestiere und sich der Gesellschaft verantwortlich fühle. Dieselbe Generation, der sie im gesamten restlichen Buch bspw. durch Social Media, antiautoritäre Erziehung, Überführsorge oder mangelnde Fürsorge der Eltern eine besonders hohe Anfälligkeit für Narzissmus bescheinigte. Da hätte ich mir schon mehr gewünscht um den Zusatz "und wie wir uns dagegen wehren" im Titel zu rechtfertigen.

    Insgesamt kann ich das Buch jedoch besonders für Fachfremde als gute Zusammenfassung von Informationen über Narzissmus und seine Begünstigung durch die westliche individualistisch geprägte Gesellschaft weiterempfehlen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen

    Über mich

    • 01.01.1990

    Lieblingsgenres

    Comics, Romane, Sachbücher, Klassiker, Historische Romane

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks