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MoMe

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    Cover des Buches Atlas der Unordnung (ISBN: 9783806244274)

    Bewertung zu "Atlas der Unordnung" von Delphine Papin

    Atlas der Unordnung
    MoMevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Wer das aktuelle Zeitgeschehen & das Gezerre um Gebiete & die Verschiebungen von Grenzen besser verstehen möchte, findet hier Antworten.
    Ein Atlas der besonderen Art

    Ob bewusst oder unbewusst, täglich begegnen uns Grenzen. Sie stehen seit vielen Jahren wieder vermehrt im Fokus der Geopolitik. Wir lesen und hören ständig von ihnen. Seien es Migrations- und Flüchtlingsströme, Nahostkriege, Pandemien oder Eurokrise, ständig füllen Grenzen die Schlagzeilen. Gerade durch den aktuellen Krieg war mein Wunsch relativ groß dieses Thema besser zu verstehen. Daher war ich ganz begeistert, dass „Atlas der Unordnung“ nun auch auf Deutsch erhältlich ist, während die französische Originalausgabe schon 2016 erschien und 2021 überarbeitet wurde.

    „Atlas der Unordnung“ ist optisch schon ein tolles Buch. Das gebundene Werk ist hochwertig verarbeitet, ebenso die vielen Karten, die unterstützt durch Schaubilder und Info-Grafiken einen tieferen Blick in ein sehr vielschichtiges Thema gewähren. Das Cover mag ich sehr, denn es vermittelt dem Betrachtenden gleich zu Beginn einen kurzen Eindruck, wie skurril Grenzen sein können und wie komplex vor allen Dingen.

    In das Sachbuch bin ich sehr leicht eingestiegen und fand gleich auf der ersten Seite sehr erschreckend, wie gut Lord Curzon of Kedestons Einschätzung zu Grenzen und deren Notwendigkeit schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren. Sie sind so präzise formuliert, dass sie noch immer aktuell sind. Auch die nachfolgende Zitatensammlung verschiedenster Personen des öffentlichen Lebens, hauptsächlich Politikern, zum Thema Grenzen lässt bei manchem tiefblicken.
    Die Einleitung sorgte ebenfalls dafür, dass ich problemlos in den „Atlas der Unordnung“ hineinkam, denn zuerst wurde erklärt, was eine Grenze überhaupt ist und welche Gegebenheiten dazu führt, dass sie entstehen kann. Sehr gut fand ich zudem, dass sofort Begriffe wie Annexion und Expansion erklärt wurden, was im Zusammenhang mit Grenzen extrem wichtig zu wissen ist.
    Ziemlich erschrocken hatte mich auch, dass nur rund 50 Staatsgrenzen durch friedliche Abspaltung entstanden. Die restlichen Grenzen wurden kriegerisch erwirkt.

    Das Hauptthema von „Atlas der Unordnung“ sind geografische Land- und Seegrenzen zwischen den jeweiligen Staaten. Wie es sich für einen Atlas gehört werden hier selbstverständlich alle Regionen der Welt abgedeckt. Auch die Unterteilung des Buches in fünf Kernthemen war übersichtlich und gelungen.
    In jedem Abschnitt gibt es erst mal einen einleitenden Sachtext zum jeweiligen Kernthema, anschließend folgt das Anschauungsmaterial in Form von Land- und / oder Meereskarten sowie Infografiken. Durch die Fallbeispiele wird verständlich visualisiert, worum es im Detail geht.
    Außerdem wurden mir die verschiedensten Grenztypen erklärt und grafisch verständlich aufbereitet, so wie deren Vor- und Nachteile aufgeführt. So gab es schlüssige Erklärungen weshalb auch natürliche Grenzen (u. a. Flüsse, Meere, Berge, Wüste) ebenfalls Konfliktbeladen sind und bei näherer Betrachtung gar nicht so natürlich sind. Immerhin werden Grenzen ausschließlich von Menschen definiert.

    „Atlas der Unordnung“ bietet wirklich ein breites Spektrum an Wissen und ich kam bei vielem kaum aus dem Staunen heraus. So war die Erkenntnis für mich sehr faszinierend, dass Grenzen, wie wir sie heute definieren, sich erst ab dem 17. Jahrhundert herausbildeten. Davor waren Grenzen oftmals keine konkreten Linien. Oder das Frankreichs Grenzen noch immer in Bewegung sind. So wächst Frankreichs Meereshoheitsgebiet noch immer beständig.

    Sehr spannend war für mich ebenfalls das Thema Mauern und Migration. Welche Gründe gab es damals Mauern, Zäune, etc. zu errichten und welchem Zweck dienen sie heute. Ebenso wird auf das Thema Migration aus mehreren Gesichtspunkten eingegangen, was ich sehr interessant und informativ empfand.
    Faszinierend war für mich auch die Datumsgrenze. Schon skurril, dass wir auf unserem Planeten mal einen ganzen Tag zurück oder vorweg leben können, je nachdem auf welchem Flecken wir uns befinden.
    Besonders aufmerksam gelesen habe ich das letzte Kapitel – umstrittene Grenzen. Sie brachten mir nicht nur das aktuelle Zeitgeschehen und den Kampf um Staatenerweiterung näher, sondern auch, warum auch die Konflikte in und um Jerusalem so stark schwelen.

    „Atlas der Unordnung“ ist sehr nützlich für das Verständnis der Geopolitik und präsentiert sich mit seinen vielen Karten und Infografiken für eine breite Leserschaft. Mit seinem Inhalt, der auf dem neuesten Stand ist, finden hier Jung und Alt alle möglichen Antworten auf interessante Fragen.

    Fazit:
    „Atlas der Unordnung“ ist ein besonderes Buch, welches mithilfe von Detailkarten anschaulich alle Regionen der Welt abdeckt und alle Grenzfragen behandelt, die es gibt.

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    Cover des Buches Der Buchspazierer (ISBN: 9783866124776)

    Bewertung zu "Der Buchspazierer" von Carsten Sebastian Henn

    Der Buchspazierer
    MoMevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Ein modernes Märchen über den Zauber und die Macht von geschriebenen Geschichten.
    Ein modernes Märchen über die Kraft der Bücher

    Als ich „Der Buchspazierer“ im Buchladen im Regal stehen sah, war ich ganz verzaubert von dem gebundenen Werk und seinem Cover. Ich mochte es auf Anhieb. Nachdem lesen muss ich sagen, dass die beiden Figuren, die auf dem Cover abgebildet waren, nicht denen entsprachen, die ich beim Lesen vor Augen hatte. Aber das macht mir nichts, denn noch immer bin ich vom Buchkleid ganz angetan.

    Nicht so angetan war ich am Anfang von der Geschichte selbst. Herr Henn schrieb mir viel zu ausschweifend und sein detailverliebter Szenenaufbau ließ mich mit den Augen rollen. Hinzukam, dass ich den Eindruck hatte, in einer Dauerwerbesendung eines Teleshoppingkanals über Bücher festzustecken. Abgerundet wurde das Ganze von einem alleswissenden Erzähler, der es liebte, ständig Perspektivwechsel zu vollführen, ohne dass ich es habe kommen sehen. Das störte mich schon ein wenig, weil dieses Hin und Her Gehüpfe zwischen den Figuren Verwirrung bei mir schürte. So glaubte ich manchmal einem Logikfehler auf der Spur zu sein, der aber gar keiner war.
    „Das kann ja heiter werden“, dachte ich mir so und hatte Angst vor den nächsten Seiten mit ihrem schwülstigen und teilweise antiquierten Schreibstil.

    Doch zum Glück entpuppte sich „Der Buchspazierer“ als eine ganz zauberhafte Geschichte. Ja, es war jetzt sicherlich keine sehr anspruchsvolle und tiefgründige Lektüre, aber sie war so voller Wärme und Liebe für das geschriebene Wort.
    Das Lesen der Geschichte glich einem gemütlichen Spaziergang durch die Gassen eines beschaulichen Städtchens in Begleitung des charmanten Buchhändlers Carl Kollhoff. Auf seiner täglichen Buchauslieferungsroute lernte ich seine Kundschaft aber auch ihn näher kennen, erfuhr von ihren Leben, Ängsten und Sorgen. Mittendrin in dieses so festgefahrene Leben von Carl platzt ein quirliges neunjähriges Mädchen mit Namen Schascha, die ordentlich Schwung in die Geschichte brachte.

    Carsten Henn spielte in „Der Buchspazierer“ gern mit deutlichen Gegensätzen. Während Carl trotz seines stattlichen Alters von 72 Jahren eher naiv und in seinem Verhalten kindlich schüchtern wirkte, hatte Schascha mit ihren 9 Jahren schon eine ziemlich altkluge Art und die Gabe, hinter die Fassaden der Mitmenschen zu blicken. Ihre aufgeweckte Art war aber durchaus erfrischend und so stand Schascha sinnbildlich dafür, alte Strukturen aufzubrechen und diese für Schönes und Neues zu öffnen.

    „Der Buchspazierer“ lebte von seinen unterschiedlichen Charakteren. Jeder hatte sein persönliches Päckchen zu tragen, sie alle versteckten sich hinter Alltagsmasken. Das machte diese Geschichte zu einer gemütlich kuscheligen und ganz märchenhaften Erzählung, in der nicht nur viele wundervolle Werke namentlich Einzug hielten, sondern auch die Magie von Büchern eingefangen wurde.

    Fast jeder Charakter in dieser Geschichte machte eine Entwicklung seiner selbst durch. Auch wenn sich hier das Buch nicht selbst zu ernst nahm und sich manches schon sehr einfach in eine neue Richtung und günstigen Lösungsansätzen wendete, so blieb doch der Zauber bestehen.

    Das Finale berührte mein Herz und ich kam nicht umhin, ein paar Tränchen zu verdrücken. Ja, für den ein oder anderen mag es ein wenig zu viel Kitsch bereithalten, aber ich fand die Dosierung genau richtig.
    Das Ende gefiel mir genauso, wie es geschrieben wurde, für mich hätte da gern noch stehen dürften: „Und wenn sie nicht gestorben sind, so liefern sie noch heute auf einem schönen Spaziergang Bücher aus“.

    Fazit:
    Eine Geschichte, die durch ihre Rührseligkeit Liebe, Wärme und Geborgenheit schenkt, aber auch nicht auf eine gute Portion Drama verzichtet. Ein tolles Buch für alle, die Bücher lieben und es gemütlich mögen.

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    Cover des Buches Märchenhafte Momente (ISBN: 9783946820468)

    Bewertung zu "Märchenhafte Momente" von Michael G. Spitzer

    Märchenhafte Momente
    MoMevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Die Bandbreite der Geschichten zwischen Fantasy, typischen Märchenerzählungen und Trash war groß. Hier ist für jeden etwas dabei.
    Bei 15 Kurzgeschichten ist für jeden etwas dabei

    Ehrlich gesagt habe ich mich vom Wort „märchenhaft“ blenden lassen, denn das habe ich mit Märchen gleichgesetzt. Die fünfzehn Geschichten waren aber größtenteils keine Erzählungen im typischen Stil, sondern Kurzgeschichten, die oftmals stark im Fantasybereich angesiedelt waren.
    So war ich anfänglich schon enttäuscht darüber, dass mein geliebtes Märchenfeeling gar nicht zur Geltung kam.
    Vielleicht wäre meine Erwartungshaltung nicht so sehr hoch gewesen, wenn der Titel eine andere Assoziation hervorgerufen hätte. So aber hatte ich eine Weile Sorge, dass mich keine Geschichte wirklich würde begeistern können.
    Zum Glück lag ich falsch, denn so verschieden sich die Schreibenden ihre Erzählungen um die ausgewählten Bilder ausdachten, so vielfältig waren eben diese auch. So kann jeder in den fünfzehn Storys etwas finden, das zu seinem Geschmack passt.

    Die Bandbreite zwischen Fantasy, typischen Märchenerzählungen und Trash war groß. Mal rührten die Geschichten das Herz, manchmal brachten sie mich auch zum Lachen. Andere wiederum mochte ich nicht so sehr, aber das darf bei einem so mannigfaltigen Buch auch so sein.
    Die Altersempfehlung ab 12 Jahre finde ich in Ordnung, bin mir aber nicht sicher, ob die Geschichten junge Menschen so begeistern können.

    Ein wirklicher Blickfang waren die Fotografien. Meiner Meinung nach gelang es fast allen Schreibenden eine passende Geschichte dazu zu entwickeln, was mit Sicherheit nicht einfach gewesen sein dürfte, weil die einzelnen Erzählungen nur maximal vier Doppelseiten DIN A4 lang waren.
    Meine Lieblingsgeschichten waren „Die verlorene Zeit“ von Symone Hengy, „Die Gaben der Erkenntnis“ von Tea Loewe und „Dornröschens letzter Arbeitstag“ von Haike Hausdorf.

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    Cover des Buches Geständnis eines Hochbegabten (ISBN: 9783963116155)

    Bewertung zu "Geständnis eines Hochbegabten" von Thomas Einsingbach

    Geständnis eines Hochbegabten
    MoMevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Eine spannende Mischung aus Realität und Fiktion, gebündelt zu einem Thriller, der unter die Haut geht und zum Rätseln einlädt.
    Eine spannende Mischung aus Realität und Fiktion

    Bei der Entscheidung, „Geständnis eines Hochbegabten“ lesen zu wollen, war für mich der Klappentext am reizvollsten und das Wissen, dass sich der Autor beim Schreiben des Buches von einem echten Fall hat inspirieren lassen. Das Cover hingegen gefällt mir nur bedingt, denn die Anordnung des Titels ist schon extrem gewöhnungsbedürftig. Dabei finde ich die farbliche Komposition durchaus gelungen. Besonders neugierig hat mich die rote Schrift auf der Rückseite des Buches gemacht, was da wohl geschrieben steht?

    Der Prolog sorgte sofort für einen packenden Einstieg. Ich begleitete einen Gefangenen zu seiner Hinrichtung und diese Szene führte mir eindrucksvoll den thailändischen Vollzug der Todesstrafe vor Augen. „Death by Gunfire“ gibt es mittlerweile nicht mehr, aber zudem Zeitpunkt, wo die Handlungen spielen, war dies die Art, wie die Todesstrafe vollstreckt wurde. Mir blieb die Luft weg, ich spürte Mitleid mit dem Mann, aber auch dessen Verzweiflung und Angst.
    Mit diesem Gefühl und dem Entsetzen startete ich in den ersten Abschnitt. „Geständnis eines Hochbegabten“ wurde insgesamt in vier Teile unterteilt, wobei nur der Prolog und Teil 1 den Charakter eines True Crime Berichtes hatten. Das erzeugte wahnsinnig viel Spannung und ich erfuhr Details über die Ereignisse, die zur Entdeckung des grausig ermordeten Politikerehepaares und den dazugehörigen Ermittlungen führten.

    Die verblieben drei Teile wurden in der Ich-Form geschrieben, sodass ich stets den freiberuflichen Journalisten Max Weiden begleitete. Der Fokus lag einzig auf dem sehr komplexen und ziemlich undurchsichtigen Fall. Das Geschehen zog sich über mehrere Jahre, sodass die Unterteilung in vier Abschnitte sehr nützlich gewesen ist.
    Mir gefiel dabei sehr die recht klare Abgrenzung vom Prozessgeschehen, vom inneren Konflikt des erzählenden Protagonisten Max Weiden zwischen dem eigenen Anspruch nach professioneller Distanz und dem Wunsch dem Landsmann näherzukommen, ihm vielleicht aus seiner Ausweglosenlage helfen zu können.

    Thomas Einsingbach gelingt es eindrucksvoll, lebendige Schauplätze mit handelnden Figuren so zu erschaffen, dass alles unglaublich realistisch wirkt und dadurch sehr bewegend wird. Die Details rund um das thailändische Rechtssystem, politischen Rankespielchen und Strukturen der dortigen Drogenmafia, über Verteilebenen und Bezeichnungen wurden verständlich aufbereitet und so in den Kontext eingebettet, dass ich sie nachvollziehen konnte.
    Einzig im zweiten Teil, als ich Max als Prozessbeobachter begleitete, entstanden hier und da ein paar kleine Längen. Die jedoch sofort ab dem Moment passé waren, als Max zwar allmählich der Beziehungsaufbau zum Verurteilen Sven Luring gelingt, er aber noch mit einer intensiveren Recherche haderte.
    Besonders intensiv wurde es, wenn ich die Tagebucheinträge von Sven Luring las. Sie wurden im Buch mit einem anderen Schriftbild verdeutlicht, sodass nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein plausibler Bruch entstand und ich dem Geschehen insgesamt flüssig folgen konnte. Die Haftbedingungen im thailändischen Gefängnis sind wirklich unfassbar schlecht und die Schilderungen davon gingen mir unter die Haut.

    Die Geschichte vom „Geständnis eines Hochbegabten“ wird über mehrere Monate, gar Jahre erzählt, doch dank Datumsangaben und flüchtigen Hinweisen, was zwischenzeitlich geschah, fiel es mir nie schwer den Überblick zu behalten. Was mich besonders beeindruckt hatte, war, dass auch die Familie des mutmaßlichen Mörders nicht vergessen wurde. Ihr Schicksal hat mich sehr ge- und berührt und zeigte erschreckend neutral, welche Tragödien sich nach solch einer Hiobsbotschaft abspielen können.

    „Geständnis eines Hochbegabten“ ließ sich ungemein flüssig lesen, was auch daran lag, dass es dem Autor glänzend gelang dem thailändischen Lokalkolorit mit reichlich zeitgeschichtlichen Ereignissen und real existierend Figuren zu verknüpfen und sie gekonnt mit unserer europäischen Lebensart- und Einstellung gegenüberzustellen. Gewürzt mit reichlichen und äußerst verschiedensten Emotionen entstand eine sehr bewegende Leseatmosphäre.

    Bis zum Schluss hoffte und bangte ich mit, würde es gelingen, den zum Tod Verurteilen zu retten? Aber auch die wahren Hintergründe blieben bis zur Auflösung im Dunkeln. Es gab keine vollständige Erklärung über die Ereignisse, aber genug Indizien, um sich selber ein akzeptables Ende zu stricken.
    Gerade dies gefiel mir ungemein gut, da das Buch „Geständnis eines Hochbegabten“ den Charakter eines originalen True Crime Geschehnisses beibehielt.

    Fazit:
    Eine spannende Mischung aus Realität und Fiktion, gebündelt zu einem Thriller, der unter die Haut geht, zum Rätseln einlädt und zum Nachdenken anregt. Der True Crime Charakter verleiht dem Buch extrem viel Lebendigkeit.

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    Cover des Buches Absolut rekordverdächtig (ISBN: 9783522306065)

    Bewertung zu "Absolut rekordverdächtig" von Christoph Drösser

    Absolut rekordverdächtig
    MoMevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein leicht verständlich erklärtes Kindersachbuch mit viel Humor und Wissen, dass unser Leben in heute aktuellen Zahlen darstellt.
    Ein tolles Kindersachbuch für neugierige Kids ab 8 Jahren und interessierte Erwachsene

    Das auffällige Cover weckte sofort die Neugierde, aber gleichzeitig auch Befürchtungen. Würden zu viele Zahlen auf Dauer nicht knochentrocken und total langweilig sein? Und überhaupt, woher will Christoph Drösser eigentlich wissen, ob die ganzen Zahlen auch zu uns persönlich passen?

    Von diesen und weiteren Fragen getrieben war der Griff zum Buch unabwendbar. Schon in der Einleitung wurde klar, dass manche Werte einfach nicht auf den jeweiligen Lesenden zutreffen werden. All diesen Angaben wurde ein durchschnittlich achtzigjähriger Mensch zugrunde gelegt. Am Ende beim Kapitel „Woher kommen die Zahlen“ wird noch einmal genauer darauf eingegangen, dass dieses unter anderem die Werte von heute sind und sich zukünftige Zahlen sehr wohl noch im Laufe unseres Lebens ändern können. Ein super Beispiel war auch bald gefunden. So liest der durchschnittliche Deutsche etwa 750 Bücher in seinem Leben. Diesen Wert habe ich schon lange geknackt, da es bei mir allein pro Jahr mindestens 100 Bücher sind. Dennoch war die Neugierde ungebrochen.

    Die bunten Seiten luden uns fröhlich zum Lesen ein und wir starteten bei 1. Klar, wir werden nur einmal geboren und sterben auch nur ein einziges Mal. Dafür schlägt unser Herz fast 3,4 Milliarden Mal und damit endet auch das Buch. Doch dazwischen haben wir so manch spannende Zahlen entdeckt und waren oftmals völlig sprachlos vor Erstaunen. Das schöne daran, dass „Absolut rekordverdächtig: Dein Leben in Zahlen“ ein Türöffner für ein interessantes Erwachsenen-Kind-Gespräch gewesen ist. So war das Gekicher natürlich groß, als wir lasen, dass wir täglich fast 14-mal pupsen. Und das Gesicht verzog sich, als enthüllt wurde, wie viele Liter Urin uns so im Laufe eines Lebens verlässt.

    „Absolut rekordverdächtig: Dein Leben in Zahlen“ wurde kindgerecht und mit viel Gefühl für optische Reize aufgebaut. Wer Angst vor den ganzen Zahlen hat, den können wir beruhigen. Christoph Drösser gelang es hervorragend, die ganzen Werte mit sehr komplexen Themen wie menschliches Zusammenleben, Konsum und die damit einhergehende Umweltverschmutzung oder auch Nachhaltigkeit so zu verknüpfen, dass die Zahlen schmückendes Beiwerk waren.
    Besonders die liebevoll gestalteten und stets absolut passenden Illustrationen von Nora Coenenberg machten die Texte und komplexen Zahlen alltagsnah und sehr begreifbar. Mir persönlich gefiel, dass durch die Infografiken nicht nur die Werte für Kinder deutlich fassbar wurden, sondern sie auch zum Nachdenken anregte. Das eigene Verhalten zu hinterfragen, weil die Denkanstöße so positiv formuliert wurden, war eine richtige Bereicherung.

    Christoph Drösser wurde nie müde darauf hinzuweisen, dass die Zukunft in manchen Bereichen so ungewiss ist, dass die angegeben Zahlen womöglich nicht mehr stimmen würden. Aber auch, dass es manchmal gar nicht sinnvoll ist, Durchschnittswerte zu ermitteln. So sitzt das durchschnittliche Deutsche während seines 80-jährigen Lebens rund 23 Tage im Gefängnis. Eher unwahrscheinlich. Dennoch ein interessanter Punkt, der auch hier zum Reden einlud. Genauso wie die überraschenden Fakten über umweltschädliche Rekorde. So landen rund 376 Kilogramm Textilien im Laufe eines Lebens im Müll. Und wer jetzt sagt, dass er sie brav zum Altkleider-Container bringt, wird schnell aufgeklärt, dass dies nicht hilft, die Umweltverschmutzung einzudämmen.
    Aber, und das war mir an dieser Stelle ganz wichtig, es wird zwar gemahnt, aber nicht ermahnt. Auf eine positive Art wird den Lesenden vermittelt, wie es besser gehen könnte und da wird manchmal sogar ein direktes Beispiel gebracht. So muss altes, trockenes Brot nicht in den Müll. Mit einem supereinfachen Rezept kann ein leckeres Mahl gezaubert werden.

    „Absolut rekordverdächtig: Dein Leben in Zahlen“ ist unglaublich vielfältig und bietet mit seiner großen Bandbreite einen herrlichen Fundus an Wissen für Kinder und interessierte Erwachsene. Wer sich nicht von vorne nach hinten durchlesen möchte, hat die Möglichkeit, am Ende des Buches nach bestimmten Begriffen zu suchen und kann diese fix nachzuschlagen.

    Fazit:
    Eine faszinierende Momentaufnahme der verschiedensten Zahlen in einem durchschnittlichen deutschen Menschenleben. Locker aufbereitet für Kinder ab 8 Jahren mit einer Menge Wow-und-Aha-Effekten nicht nur für die Kids.

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    Cover des Buches TEAM HELSINKI (ISBN: 9783785727942)

    Bewertung zu "TEAM HELSINKI" von A.M. Ollikainen

    TEAM HELSINKI
    MoMevor einem Monat
    Kurzmeinung: Nur etwas für hart gesottene Freunde skandinavischer Krimis und Lesenden mit einem langen Atem. Viele Klischees und wenig Spannung.
    Ein schwacher Reihenauftakt

    Frisch aus Finnland kommt „Team Helsinki: Die Tote im Container“ als Start einer auf fünf Teile angelegten Krimireihe, in der es um eine vierköpfige Ermittlergruppe geht: Team Helsinki. Die kurze Vorstellung im inneren Buchdeckel fand ich praktisch, da es so einen schönen Überblick gab.
    Der Fall, den das Team übernehmen soll, klang auch spannend. Eine junge schwarze Frau wird ermordet in einem mit Meerwasser gefüllten Container gefunden, welcher auf dem Grundstück einer bekannten Unternehmerfamilie abgeladen wurde.

    So machte ich mich mit großer Vorfreude ans Lesen, nur um gleich zu Beginn schon vor den ersten Schwierigkeiten zu stehen. Der Einstieg war verwirrend für mich, da ich gleich mit vier verschiedenen Perspektivwechseln konfrontiert wurde. Dazu kam, dass die Figuren scheinbar gar nichts miteinander zu tun hatten, wodurch ich nicht so richtig Fuß in der Geschichte fassen konnte. Es gesellte sich dann noch ein gewöhnungsbedürftiger Schreibstil hinzu, der bisweilen extrem ausführlich auch die allerkleinsten Details und Informationen beschrieb. Das fand ich extrem ermüdend und sorgte dafür, dass meine Gedanken öfter mal spazieren gingen und ich sehr viele Lesepausen einlegen musste.

    Im weiteren Verlauf der Geschichte kristallisierte sich heraus, dass hauptsächlich die auktoriale Erzählperspektive zum Tragen kam und ich verschiedenste Personen durch die Ereignisse begleiten durfte. Der Fokus lag aber überwiegend auf der Ermittlerin Paula Pihjala und ihrem Team.
    Unterteilt wurde das Buch in drei Teile, die wiederum in mehrere Kapitel gegliedert wurden. Ab dem zweiten Teil kam noch eine Ich-Perspektive hinzu, die an eine Art Tagebucheintrag erinnerte und optisch durch ein anderes Schriftbild hervorgehoben wurde.

    „Team Helsinki: Die Tote im Container“ ist ein Kriminalroman, dessen Hauptaugenmerk auf der Ermittlungsarbeit des Teams liegt. Allerdings hatte ich ständig das Gefühl, dass die Recherche nicht wirklich vorankommt. Auch hatte ich früh eine Ahnung, was es mit der Toten auf sich hat und fragte mich, weshalb die Ermittler so ewig für die Lösung benötigten.
    Irgendwie kam für mich nur alles sehr schwerfällig in Gang, was die Spannung gering und meine Langeweile hochhielt.

    Zwischendrin gab es ein paar angedeutete persönliche Hintergründe des Helsinkier Teams, doch das reichte mir nicht aus, damit die Figuren an Tiefe gewannen. Generell empfand ich die Charaktere als extrem blass, die fremdklingenden Namen erleichterten es mir auch nicht unbedingt den Überblick zu behalten.

    Um ehrlich zu sein, war ich nach gut der Hälfte von „Team Helsinki: Die Tote im Container“ kurz davor das Buch abzubrechen. Obwohl die Thematik schon eine gut recherchierte Brisanz vermittelte, war mir alles andere einfach zu simpel gestrickt. Das Einzige, was mich tatsächlich noch am Ball bleiben ließ, war die Neugierde auf die komplette Auflösung.

    Und tatsächlich. Es hat sich gelohnt, dran zu bleiben, denn im letzten Viertel zog die Spannung drastisch an und eine wilde Rätseljagd setzte sich in Gang. Wer ist nun wirklich für den Mord an der jungen Schwarzen schuldig? Wer ist die ominöse Schreiberin und was hat alles miteinander zu tun?
    Diese Fragen wurden raffiniert und mit einem guten Sinn für verwinkelte Dramatik aufgelöst. Hier war ich dann schon sehr angetan von „Team Helsinki: Die Tote im Container“.
    Das Finale war gut gelungen und riss für mich einiges wieder heraus. Vor allem aber weckte es meine Neugierde auf den nächstens Band, denn nicht alle Rätsel wurden gelöst.

    Fazit:
    Der Reihenauftrag von Team Helsinki ist nur etwas für hart gesottene Freunde skandinavischer Krimis und Lesenden mit einem langen Atem. Der Krimi braucht lange, bis er in Fahrt kommt, doch dann wird es packend.

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    Cover des Buches Marta schläft (ISBN: 9783423219891)

    Bewertung zu "Marta schläft" von Romy Hausmann

    Marta schläft
    MoMevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein ungewöhnliche Psychothriller, der ein großes Verwirrspiel für den Lesenden bereithält. Gut konstruiert, das Ende leider ein Flop
    Ein Psychothriller, der sich langsam entfaltet

    An „Marta schläft“ hatte ich ehrlicherweise keine großen Erwartungen. Weder der Klappentext noch das recht schlichte schwarz-weiße Cover sagten groß etwas aus. Einzig ein paar Meinungen, die ich bisher so aufgeschnappt hatte, versprachen eher ein durchwachsenes Lesevergnügen. Aber so etwas spornt mich ja eher an, denn ich möchte mir gern eine eigene Meinung bilden, da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind.

    Ich kam recht gut in „Marta schläft“ rein. Zu Beginn wurde ich mit drei unterschiedlichen Erzählperspektiven vertraut gemacht. Icherzählerin Nadja berichtete mir im aktuellen Zeitgeschehen von ihren Gedanken, Gefühlen und wie sie in eine ziemlich abstruse Situation hineinschlitterte, welche sie versuchte, mit ihren zahllosen Ängsten und Zweifeln zu meistern.
    Der personale Erzähler nahm mich mit zu Nelly und deren Erlebnisse im Jahr 2014. Und dann gab es noch mysteriöse Briefausschnitte, wo nicht klar war, wer schreibt da an wen. Insgesamt schien alles irgendwie so gar nicht miteinander zusammenzuhängen und ich war anfänglich wirklich sehr ratlos. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis die Geschichte an Fahrt aufnahm.

    Romy Hausmann ließ sich mit ihrer Inszenierung Zeit. Es war nicht so, dass ich mich gelangweilt hätte, aber das Spannungslevel war schon recht niedrig. Ein paar vereinzelte Theorien schwirrten durch meinen Kopf, aber irgendwie wollte nichts wirklich passen.
    Doch plötzlich lüftete sich der Vorhang, eine kleine Ecke erlaubte mir einen Blick auf das große Ganze und ich war mit einem Mal völlig gefangen in der Geschichte.
    Ein perfides Psychospiel entblätterte sich da vor meinen Augen und ließ mich vor Aufregung zittern. Oh ja, ich konnte es gar nicht fassen, wie sich alles so schlüssig und unfassbar gut ausgearbeitet vor mir ausbreitete. Und immer, wenn ich dachte: „Jetzt habe ich es durchschaut“, brachte Romy Hausmann eine so scharfe Wendung in die Ereignisse, dass ich es vor Spannung kaum aushielt.
    Dazu kam der fesselnde Schreibstil, der mich durch die ich-Perspektive emotional richtig nah ran an Nadja brachte, mich aber durch den personalen Erzähler wieder auf Distanz schickte. Das erzeugte ein Wechselbad der Gefühle. Ich litt, bangte und hoffte mit Nadja, hatte Mitleid mit ihr und wünschte ihr Kraft dies alles durchzustehen.
    Auf der anderen Seite musste ich oft den Kopf vor Fassungslosigkeit schütteln, weil die menschlichen Abgründe wirklich sehr dunkel sein können.

    Das alles klingt jetzt nach einem absoluten Lesehighlight und bis auf den letzten Meter war ich auch fest überzeugt, dass es eins für mich werden würde. Doch dann, tja, da kam das Ende. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Mir leuchtet der Schluss von „Marta schläft“ kein bisschen ein. Für meinen Geschmack passte er überhaupt nicht zum Buch. Er wirkte so lustlos dahin geklatscht, irgendwie musste ja das Ganze zum Ende kommen. Empfand ich die Entwicklungen bis zu einem gewissen Punkt als vollkommen logisch und realistisch, so saß ich nach dem Zuschlagen des Buches einfach nur ratlos davor. So ein packender Psychothriller und dann das. Schade. Das Ende hat mir diese Geschichte schlussendlich vermiest. Ich konnte das Handeln der einzelnen Figuren einfach nicht mehr nachvollziehen, es passte irgendwie nicht zu dem Bild, dass ich mir von ihnen während des Lesens gemacht hatte. Außerdem wirkte es nicht schlüssig und ich fragte mich ernsthaft, wozu dieser ganze Aufwand so umständlich betrieben wurde, wenn es am Ende auch so viel einfacher hätte gelöst werden können, wie es zum Schluss auch kam.

    Fazit:
    Ein Thriller, der braucht, bis er sich zur vollen Blüte entwickelt hat, dann aber auf den letzten Metern so rasant in sich zusammenfällt, dass es dem Buch insgesamt nicht gerecht wird.

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    Cover des Buches Todesschmerz: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez 6 - Thriller (ISBN: B08MCBFRJF)

    Bewertung zu "Todesschmerz: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez 6 - Thriller" von Andreas Gruber

    Todesschmerz: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez 6 - Thriller
    MoMevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Thriller, der packend geschrieben ist und dessen Handlungen zügig vorangetrieben werden.
    Ein spannungsvoller Thriller

    „Todesschmerz“ passte mit seinem Cover optisch wieder super zu den restlichen Bänden der „Todesreihe“, auch wenn mir anfänglich nicht klar war, was die Fische zu bedeuten hatten. Aber ich kann euch schon jetzt verraten, dass dies im Buch aufgeklärt wird und diesen Schachzug fand ich klug durchdacht. Interessant fand ich allerdings, dass zum ersten Mal eine Karte im Buch abgedruckt wurde. Zu sehen war Norwegen, dem neusten Schauplatz für Sneijder und sein Team. Aber wirklich benötigt habe ich die Karte beim Lesen nicht.
    Für alle, die die anderen fünf Bände noch nicht kennen, sei verraten, dass die Bücher in sich abgeschlossen sind. Ihr könnt ohne Vorkenntnisse problemlos den Ereignissen folgen. Allerdings empfehle ich von vorne zu beginnen, da die Kernfiguren sich und miteinander im Verlauf weiterentwickelt haben.

    Der Prolog war gleich voller Spannung aufgebaut, auch wenn ich den Handlungsverlauf an sich nicht überraschend empfand. Aber das war auch gar nicht notwendig, denn ein kleines Detail sorgte sofort dafür, dass ich voller Neugier auf die nächsten Ereignisse war. Außerdem war es mir eine wahre Freude, Sneijder und sein Team endlich wieder begleiten zu können. Mir sind sie alle mittlerweile sehr ans Herz gewachsen und der gemeine Klappentext lag mir da schon wie ein Stein im Magen. Was für grausame Dinge würden den Protagonisten widerfahren und warum muss so ein tolles Team wieder auseinandergerissen werden?
    Die Geschichte entwickelte sich anfänglich eher gemütlich, wurde aber mit reichlich hitzigen und scharfzüngigen Dialogen gewürzt, die mir Freude bereiteten. Außerdem wurde der Radius der Erzählungen durch verschiedene Perspektivwechsel erweitert, sodass ich einen größeren Überblick über die Geschehnisse erhielt. Zusätzlich zum Gegenwartsstrang führte Andreas Gruber einen zweiten Erzählfaden ein, der sich von der Vergangenheit ins aktuelle Zeitgeschehen vorarbeite. Zwar lud dieser auch wieder reichlich zum Spekulieren ein, war aber lange nicht so raffiniert gesponnen worden, wie ich es sonst von der Todesreihe gewohnt bin.

    „Todesschmerz“ ließ sich absolut flüssig lesen und die Dynamik innerhalb der Geschichte war rasant. Manche Ereignisse überschlugen sich förmlich, dennoch kamen die meisten Wendungen nicht überraschend für mich. Zwar büßte die Handlung nichts von seiner Spannung ein, aber ein Klitzekleines bisschen Enttäuschung machte sich schon breit. Natürlich freute ich mich, dass ich oft genau richtig lag, aber der Reiz bei Andreas Grubers Büchern ist eigentlich der, dass ich meistens daneben liege.
    Dennoch hatte mich das Handlungsgerüst von „Todesschmerz“ überzeugen können. Andreas Gruber überließ nichts dem Zufall und das grenzt meiner Meinung nach schon extrem an Genialität. Nichts wird ohne Grund gesagt und alles führt am Ende auch zu etwas Neuem.
    Einige Szenen waren ordentlich blutig und grauenhaft geschildert worden, sodass besonders empfindsame Lesende hier Probleme haben könnten. Dies steigerte meinen Adrenalinkick beim Lesen und ich fieberte mit den Protagonisten mit.

    Insgesamt, trotz einiger Vorhersehbarkeiten konnte mich „Todesschmerz“ überzeugen. Die Verwicklungen und Entwicklungen machten mich letzten Endes sprachlos. Vor allem als mir bewusst wurde, dass besonders in diesem Metier der Strafverfolgung niemanden wirklich zu trauen ist. Besonders betroffen war ich vom Schluss, als überdeutlich wurde, dass der sonst so harte Maarten S. Sneijder auch ein Mensch aus Fleisch und Blut ist. Mir ging besonders die letzte Szene sehr nahe, allerdings weckte sie auch meine Neugierde auf den siebten Teil. Denn der scheint intensiv mit „Todesschmerz“ verwoben zu sein.

    Fazit:
    „Todesschmerz“ glänzte wieder durch seinen raffinierten Aufbau und spannungsgeladenen Szenen. Vieles war vorhersehbar und nicht das beste Buch der Reihe, dennoch konnte mich der Thriller insgesamt überzeugen.

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    Cover des Buches Usir (ISBN: 9783967411362)

    Bewertung zu "Usir" von Roxane Bicker

    Usir
    MoMevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein wahres Potpourri an Mysterien quer durch die ägyptische und griechisch-römische Mythologie - hier muss der Lesende sehr sattelfest sein
    Abschluss der Trilogie „Die Herren des Schakals“

    Endlich war es so weit. Das Geheimnis um die Herren des Schakales sollte sich in USIR, dem letzten Teil der Trilogie, lüften und ich brannte so sehr darauf, alles zu erfahren. Doch der Einstieg in die Geschichte fiel mir unglaublich schwer. Ich bekam überhaupt gar keinen Zugang zu den aktuellen Geschehnissen und fühlte mich total verloren. Ständig überkam mich das Gefühl, elementare Dinge aus den vorherigen Bänden vergessen zu haben. Normalerweise kann ich mich noch gut an einzelne Geschichten erinnern, auch wenn die Lesezeit schon eine Weile her war. Doch bei USIR wollte mir das irgendwie nicht gelingen. Da es sich hierbei um eine Serie handelt, sodass die einzelnen Teile nicht unabhängig voneinander lesbar sind, hätte ich mir am Anfang ein Personenregister und eine kurze Zusammenfassung der vorherigen Ereignisse gewünscht. Vielleicht wäre ich dann nicht so hilflos in die Geschichte gestolpert.

    Total schockiert war ich allerdings von den Protagonisten. Was um Himmelswillen war mit meinen geliebten Figuren Rosa, Daisy, Paul, Franz und Carl gesehen? Die sonst so gradlinige Rosa steckte plötzlich in einer Sinnkrise und der elegante Franz verkam vor Liebeskummer zu einem zotteligen Brummbären. Daisys ursprünglicher Liebreiz war im entfernten London verschwunden und Carl buddelte fröhlich in ägyptischen Sand. Ich war fassungslos.
    Es dauerte eine Weile, bis mir dämmerte, dass zwischen den Ereignissen aus ASET und USIR zwei Jahre lagen und sich natürlich die Welt dazwischen weitergedreht hatte. Aber mit solchen gravierenden Veränderungen hätte ich nie gerechnet.

    Gefühlt dauerte es ewig, bis ich endlich dem Faden folgen konnte, der mich zu den aktuellen Ereignissen in München zur Weihnachtszeit 1891 führte. Die alte Detektivgruppe hatte sich wieder zusammengefunden, auch wenn der ursprüngliche Grund von finsteren Entwicklungen überschattet wurde. Plötzlich hatte ich nicht mehr das Gefühl von Freunden, sondern von Fremden zu lesen.
    Mittendrin wurde eine seltsame Schnitzeljagd eröffnet, die mit reichlich Flirterei untermalt wurden, die für meinen Geschmack völlig deplatziert waren. Zwischendurch blitzten ein paar spannende Szenen auf, die jedoch immer wieder von Augenblicken zunichtegemacht wurden, die ich einfach nicht verstand. Manchmal verging Zeit zwischen einzelnen Handlungen, aber diese waren nie klar abgegrenzt. So verlor ich manchmal auch den Überblick, war verwirrt, musste mich neu orientieren und die ursprüngliche Spannung war dann wieder futsch.

    So freute ich mich dann über den Schauplatzwechsel, der mich ins schöne Italien zu den Städten Neapel und Pompeji bringen sollte. Doch hier ging ich dann endgültig in dieser konfusen Geschichte unter. Roxane Bicker kramte kräftig in ihrem gewaltigen Fundus an altägyptischer, griechisch-römischer Mythologie. Eigentlich voll mein Thema in Kombination mit einem historischen Roman. Aber mir wollte es einfach nicht gelingen, den Überblick zu behalten. Mir erschlossen sich die Details nicht und es wollte sich einfach kein schlüssiges Gesamtbild erzeugen lassen. Es war spürbar, wie viele Kenntnisse Roxane Bicker in diesem breit gefächerten Wissensgebiet hatte und auch die Plotidee war erkennbar. Doch für mein Empfinden schaffte es die Autorin nicht, mir alles schlüssig zu vermitteln. Eine Übersicht über die Gottheiten hätte ich nützlich gefunden oder ein Glossar am Ende. Zwar versuchte Roxane Bicker mir das alles verständlich in der Geschichte zu vermitteln, aber ich verlor regelmäßig den Faden. Ganz raus war ich dann, als das Ganze auch noch großzügig mit griechischen Heldensagen vermengt wurde und Dichter wie Dante und Vergil Einzug hielten.

    Das Ende von USIR ließ mich fragend und ernüchternd zugleich zurück. Ich war so traurig und enttäuscht. Die Fäden vom Anfang wurden teilweise nicht schlüssig beendet, es blieben Fragen offen und für meinen Geschmack war das Finale von der Trilogie einfach nur lieblos.

    Das schöne und zur Reihe stimmige Cover sowie der einladende und flüssige Schreibstil von Roxane Bicker vermochten es zwar mich gnädig zu stimmen, aber der Rest konnte mich leider nicht überzeugen. Und das, obwohl das Handlungsgerüst gut war. Aber die einzelnen Effekte mochten bei mir einfach nicht zünden. Es war so so schade, denn diese Serie wurde mit jedem Band besser. Die Hauptfiguren wuchsen mit ihren Aufgaben und Abenteuern, sie wurden eine tolle Gemeinschaft. Doch in USIR zerfiel alles, was in INEPU und ASET aufgebaut wurde. Auch den Krimianteil vermisste ich fast vollständig.

    Fazit:
    Der Plot war gut, leider wurde die Idee nicht so an mich transportiert, dass ich die Szenarien auch wirklich verstanden hätte. Schade. Für mich leider nur ein müdes Leseerlebnis. Wer Band 1 und 2 schon kennt, sollte sich den finalen Abschluss aber nicht entgehen lassen, da dies nur meine Meinung widerspiegelt.

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    Cover des Buches American Mafia FairyTales: Cinderella (ISBN: B09H2SLD2T)

    Bewertung zu "American Mafia FairyTales: Cinderella" von Grace C. Stone

    American Mafia FairyTales: Cinderella
    MoMevor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine schöne Märchenadaptionen mit erotischen Szenen. Eine perfekte Geschichte für zwischendurch.
    Cinderella als Hotelerbin trifft auf den Erben einer Mafiadynastie

    Auf geht es wieder ins Märchenland der amerikanischen Mafia. Dieses Mal: Cinderella. Ein Märchen, das sehr vielfältig bislang erzählt wurde, daher war ich extrem neugierig, wie Grace C. Stone die Geschichte umsetzen würde.

    Cinderella wurde durch Ella ersetzt und muss nicht im Haus, sondern im Hotel putzen. Das eigentlich bald ihr gehören soll, doch interimsmäßig von ihrer Stiefmutter geführt wird, bis Ella das einundzwanzigste Lebensjahr erreicht. Dass Ella es nicht leicht hat, versteht sich von selbst, die Adaption in die Moderne war hier auf jeden Fall gelungen.

    Den Prinzen mimt der schöne und geheimnisvolle Connor, der sympathisch herüberkam. In Grace C. Stones Erzählung kennen sich die zwei Figuren eigentlich schon seit ihrer Kindheit, haben sich aber aus den Augen und dem Gedächtnis verloren.

    Die Ereignisse werden knackig und rasch erzählt, es kommt sofort Spannung auf. Das grobe Handlungsgerüst deckt sich mit der märchenhaften Erzählung von Cinderella. Die Abweichungen zum Märchen gefielen mir, da sie wie eine Frischzellenkur wirkte. Gewürzt wurde alles mit einer ordentlichen Portion Erotik, die bisweilen sehr detailliert geschildert wurde. Das Schöne daran, ich durfte durch den Perspektivwechsel zwischen Ella und Connor beide Seiten näher kennenlernen und wie sie die jeweiligen Ereignisse wahrnahmen. Hilfreich war hier besonders die Ich-Form, sodass ich mitten im Geschehen war.
    Sehr gut gefiel mir, dass auch die Antagonistin selbst zu Wort kommen durfte, sodass ich hinter ihre Pläne und ihre Fassade einen Blick werfen durfte.

    Grace C. Stones Schreibstil war ausgesprochen flüssig und von einer angenehmen Bildlichkeit. So fiel es mir nicht schwer, der Handlungen zu folgen und sie mir entsprechend vorzustellen.
    Neben jeder Menge Glitzer und Glamour gab es auch ein paar fiese und hinterlistige Momente, welche der Kurzgeschichte den letzten Schliff gaben.

    Fazit:
    „American Mafia Fairy Tales: Cinderella“ ist eine perfekte Geschichte für zwischendurch. Lockerleicht mit einem Schuss Dramatik und einer guten Portion romantischer Sinnlichkeit.

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