Moeps avatar

Moep

  • Mitglied seit 05.05.2013
  • 4 Freunde
  • 351 Bücher
  • 158 Rezensionen
  • 322 Bewertungen (Ø 3,71)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne85
  • 4 Sterne123
  • 3 Sterne65
  • 2 Sterne34
  • 1 Stern15
  • Sortieren:
    Cover des Buches BECOMING (ISBN: 9783442316472)

    Bewertung zu "BECOMING" von Michelle Obama

    BECOMING
    Moepvor 6 Tagen
    Cover des Buches Ich wollte Liebe und lernte hassen! (ISBN: 9783257300536)

    Bewertung zu "Ich wollte Liebe und lernte hassen!" von Fritz Mertens

    Ich wollte Liebe und lernte hassen!
    Moepvor 2 Monaten
    Cover des Buches Liebe passiert, Beziehung ist Arbeit (ISBN: 9783965840683)

    Bewertung zu "Liebe passiert, Beziehung ist Arbeit" von Nele Sehrt

    Liebe passiert, Beziehung ist Arbeit
    Moepvor 2 Monaten
    Kein Ratgeber, sondern populärwissenschaftliches Sachbuch

    Die Psychologin und Paartherapeutin Nele Sehrt möchte in diesem Buch erklären, „wie eine gute Partnerschaft gelingt“. Zwar sprach mich ihre grundsätzliche Haltung, dass „Liebe passiert“, Beziehung aber eben „Arbeit“ ist, schon im Titel sofort an; gleichwohl aber überzeugte mich die Umsetzung ihres grundsätzlich guten Ansatzes leider nicht. Im Klappentext heißt es zwar wiederholt, dass die Leser:innen in diesem Buch lernen, mit Krisen in Beziehung umzugehen sowie die eigenen Bedürfnisse in der Partnerschaft zu erkennen und angemessen zu kommunizieren. Damit weckt die Autorin aber eine Erwartung, die sie letztlich nicht erfüllen kann und auch nicht erfüllen will. Denn bereits im Vorwort stellt sie klar, dass es sich bei diesem Titel nicht etwa um einen Ratgeber handelt. Natürlich hat Nele Sehrt vollkommen Recht darin, dass es keine pauschalen Lösungen und einfache Strategien geben kann. Das bedeutet aber nicht, dass es gar keine Hinweise darauf gibt, „wie eine gute Partnerschaft gelingt“.

    Die Autorin beantwortet in diesem Buch schlicht die von ihr aufgeworfenen Fragen nicht. Sie drückt sich davor, eine klare Aussage zu treffen und ich kann mir nicht vorstellen, dass es einer Diplom-Psychologin nicht möglich ist, konkrete Tipps etwa für eine wertschätzende Kommunikation zu formulieren. Auch die zahlreich eingearbeiteten Fall-Beispiele aus ihrer psychotherapeutischen Praxis stehen weitgehend im luftleeren Raum. Nele Sehrt geht nicht darauf ein, was Hendrik, Saskia und Martha hätten besser machen können, sie kommentiert diese Beispiele einfach gar nicht. Diese hatten für mich daher keinerlei Mehrwert.

    Vielmehr beschreibt die Autorin mit vielen Worten verschiedene psychologische Erkenntnisse zu den Themen Partnerschaft, Kommunikation, Sexualität und Trennung. Es handelt sich um ein gut verständliches Referat des diesbezüglichen aktuellen Forschungsstandes. Die Erläuterungen sind zweifelsohne interessant und insbesondere die evolutionspsychologischen Hintergründe mancher Verhaltensweisen fand ich sehr spannend. Diese Ausführungen blieben jedoch rein deskriptiv und zeigten wenig analytische Ansätze, die zum eigenen Nachdenken und zur Reflexion des eigenen Handelns anregten. Es handelt sich bei diesem Titel daher meines Erachtens nicht um einen Beziehungsratgeber und auch nicht um ein Buch, das zeigt „wie eine gute Partnerschaft gelingt“. Es handelt sich um ein populärwissenschaftliches Sachbuch, in dem nachvollziehbar dargelegt wird, warum welche Schwierigkeiten in einer Beziehung auftreten können. Wer sich konkrete Anhaltspunkte für etwaig bestehende Probleme in der Partnerschaft erhofft oder einfach nach präventiv wirksamen Strategien zur Gestaltung der Beziehung sucht, der oder die wird hier nicht fündig werden.

    Fazit

    Insgesamt war die Lektüre zwar interessant, sie war jedoch schlicht nicht das, was sie zu sein vorgab. Daher empfehle ich „Liebe passiert, Beziehung ist Arbeit“ nur bedingt weiter an jene, die sich gern psychologisches Grundlagenwissen zu den Themen Liebe und Partnerschaft aneignen möchten.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Dreieinhalb Stunden (ISBN: 9783499007583)

    Bewertung zu "Dreieinhalb Stunden" von Robert Krause

    Dreieinhalb Stunden
    Moepvor 2 Monaten
    Zwischen Gehen und Bleiben

    „Alle, die jetzt gingen, verloren ihr Zuhause. Alle, die weiterfuhren, ihre Freiheit.“

    Seite 131

    „Dreieinhalb Stunden“ erzählt die Geschichte einer Bahnfahrt. Am 13. August 1961 fährt der Interzonenzug D-151 in München los in Richtung Ost-Berlin. In den Abteilen sitzen Eltern mit ihren Kindern, junge und alte Paare, eine Spitzenturnerin mit ihrer Trainerin, eine gut gelaunte Band und zahlreiche andere Menschen, deren Heimat die DDR ist. Sie alle wollen eigentlich nur noch eines: Nach Hause. Doch dann verbreitet sich die erschütternde Nachricht wie ein Lauffeuer: An der Grenze von DDR und BRD wird eine und durchdringliche Mauer gebaut. Alle, die in die DDR zurückfahren wollten, müssen nun eine Entscheidung treffen. Fahren sie weiter, zurück in die DDR? Oder nutzen sie diese letzte Chance, noch vor der Grenze aus diesem Zug auszusteigen und ein neues, freies Leben in der BRD zu beginnen? Für diese Entscheidung bleiben ihnen nur noch dreieinhalb Stunden, denn dann hält der Zug zum letzten Mal in der BRD. Die Zeit drängt.

    „Noch nie in ihrem Leben war ein Stehenbleiben so ein Weitergehen gewesen. Ein Weitergehen in eine neue Zukunft, ohne Wiederkehr.“

    Seite 192

    Man merkt den Worten des Autors Robert Krause deutlich an, dass er bislang als Regisseur und Drehbuchautor gearbeitet hat. Denn seine Sprache ist ausdrucksstark, sie erschafft lebendige Bilder und lässt vor meinem inneren Auge sofort einen Film ablaufen. Von der ersten bis zur letzten Seite konnte ich das stetige Rattern des Zuges und das ohrenbetäubende Dröhnen der Presslufthämmer hören; ich konnte die Verzweiflung, aber auch die Erleichterung in den Gesichtern der Passagiere sehen. Ich war mit ihnen hin und her gerissen zwischen Gehen und Bleiben.  

    Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und ermöglicht so tiefe Einblicke in die verschiedenen Charaktere, ihre Vergangenheit und ihre Beweggründe – fürs Aussteigen oder Weiterfahren. Die zahlreichen Perspektivwechsel ermöglichen einen durchweg gelungenen Spannungsbogen, der bis zum Schluss aufrecht erhalten bleibt und mit diversen Wendungen zu überraschen vermag. Ich persönlich war völlig gebannt von dem Dilemma, in dem sich die Reisenden befinden und konnte „Dreieinhalb Stunden“ kaum aus der Hand legen. Besonders gefallen hat mir, dass der Autor wie beiläufig sein gründlich recherchiertes historisches Hintergrundwissen in die Geschichte einstreut und mit müheloser Leichtigkeit zum Nachdenken über die großen Fragen des Lebens anregt: Was ist Freiheit? Welchen Wert hat Freiheit für mich?

    Am 7. August 2021 wird der gleichnamige Film in der ARD ausgestrahlt und ich kann es kaum erwarten.

    Fazit

    Alles in allem ein ebenso fesselnder wie bewegender Roman über einen Zug zwischen zwei Welten! Ich empfehle „Dreieinhalb Stunden“ uneingeschränkt weiter an all jene, die sich auf eine ganz besondere Weise mit diesem Stück deutscher Geschichte auseinandersetzen möchten.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Ausweglos (ISBN: 9783423219778)

    Bewertung zu "Ausweglos" von Henri Faber

    Ausweglos
    Moepvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ebenso lebendig geschriebener wie spannender Thriller. Deutliche Leseempfehlung!
    Dem Serientäter auf der Spur

    Sirenen durchdringen die Stille. Das Blaulicht hinter mir wirft meine Silhouette an die Wand. Sie wollen, dass ich stehen bleibe. Aber ich laufe.“

    Die Ermittlungen beginnen mit einem ominösen Anruf: Kommissar Elias Blom erhält einen Tipp, dass der „Ringfingermörder“ nach langer Zeit mal wieder zugeschlagen hat. Die junge Emma wurde brutal ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Auffällig ist, dass ihr der Ringfinger fehlt und der Täter zahlreiche schwer zu entschlüsselnde Symbole am Tatort hinterlassen hat. Alles deutet auf den Serientäter hin, der schon seit Jahren nicht gefasst werden kann. Doch dieses Mal ist etwas anders: Es gibt einen Zeugen. Dieser Zeuge ist Noah, der Nachbar. Er wurde vom Ringfingermörder auf dem Dachboden überrascht und mit vorgehaltener Waffe aufgefordert, ihn zu Noahs Frau in die Wohnung zu bringen. Doch Noah führte den Täter nicht etwa in seine eigene Wohnung, sondern in die seiner Nachbarin Emma… Die zentrale Frage ist: Kann Elias Blom den Ringfingermörder mit der Hilfe von Noahs Zeugenaussage nun endlich stellen?

    Dieser Thriller wird aus drei Blickwinkeln jeweils in der Ich-Perspektive erzählt: Wir begleiten den Zeugen Noah und seine Ehefrau Linda sowie den Ermittler Elias durch die turbulente Zeit nach dem Mord. Die Charaktere sind originell und ihm genau richtigen Maß rätselhaft. Zahlreiche Perspektivwechsel ermöglichen einen vielschichtigen Zugriff auf das Geschehen und bergen diverse überraschende Wendungen. Gleichwohl ist die Handlung keineswegs zu kompliziert oder gar verwirrend. Henri Faber gelingt es sehr gut, die verschiedenen Erzählstränge miteinander zu verknüpfen und sie am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Zwar erscheint die Auflösung teilweise ein wenig unrealistisch, bis auf diese kleinere Schwäche aber vermochte sie mich zu überzeugen. Mit diesem Ende hätte ich nicht gerechnet.

    „Ausweglos“ ist einer jener Thriller, die sich quasi von selbst lesen. Kaum hatte ich das Buch begonnen, konnte ich es schon nicht mehr aus der Hand legen. Der Autor baut durchgehend einen hohen Spannungsbogen auf und formuliert ebenso lebendig wie abwechslungsreich. Dass ein Thriller eine fast schon poetische Sprache wählt, habe ich bislang selten erlebt. Mich persönlich hat der ausdrucksstarke Schreibstil des Autors sehr gefesselt.

    Fazit

    Da mich „Ausweglos“ von Henri Faber durch und durch in seinen Bann gezogen hat und ich mich insgesamt sehr gut unterhalten fühlte, kann ich diesen Thriller nur uneingeschränkt weiterempfehlen!

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Double the Blessing (ISBN: 9783451032851)

    Bewertung zu "Double the Blessing" von Jana Highholder

    Double the Blessing
    Moepvor 3 Monaten
    Cover des Buches Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen? (ISBN: 9783446270558)

    Bewertung zu "Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?" von John Green

    Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?
    Moepvor 4 Monaten
    Was bedeutet es, im Anthropozän zu leben?

    „Der Begriff Anthropozän ist die vorgeschlagene Bezeichnung für das gegenwärtige geologische Zeitalter, in dem der Mensch den Planeten und seine Biodiversität grundlegend verändert hat.“

    Seite 15

    Spätestens seit die Verfilmung seines gleichnamigen Romans „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ im Jahr 2014 junge Kinozuschauer:innen begeisterte, ist der amerikanische Autor John Green zu internationaler Bekanntheit gelangt. Bislang veröffentlichte er überwiegend Jugendromane, nun hat er mit seinem neuen Titel einen Genre-Wechsel vollzogen. „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“ ist sein erstes Sachbuch. Es handelt sich um eine Sammlung von Essays „zum Leben auf der Erde“, in denen John Green in Anknüpfung an seine frühere Karriere als Buchrezensent für „Booklist“ Bewertungen für so ziemlich alles formuliert, was ihn am Leben fasziniert. Wir erfahren, warum die Pinguine aus Madagaskar den Autor so begeistern, was genau ihn an Kanadagänsen unendlich nervt und wie er eigentlich zum Internet steht. Im Rahmen seines Bewertungskonzepts ist John Green vor allem eines: Konsequent. Sowohl die obligatorische Copyright-Seite als auch die abschließende Eigenwerbungsseite werden einer wohl begründeten Bewertung unterzogen.

    „Ich lebe im Internet und ich habe keine Ahnung, was das eigentlich bedeutet. Ich gebe dem Internet drei Sterne.“

    Seite 101

    Verheißungsvoll kündigt der Klappentext an, dass dieser Titel „unsere Lebenswirklichkeit“ sowie die „menschengemachte Gegenwart“ in den Blick nehme. Dies ist zwar in dieser Vagheit nicht falsch, doch so möchte ich ergänzen, dass John Green über weite Teile eine amerikanische Perspektive auf die Gegenwart einnimmt. Allzu oft schreibt er über Veranstaltungen, Traditionen oder Produkte, mit denen durchschnittliche Europäer:innen nicht viel anzufangen wissen. Einige Essays empfand ich eher als langweilig, da ich mir den Hintergrund der Bewertung nicht ohne weitere Recherche erschließen konnte.

    Seinen lebendigen und humorvollen Schreibstil ließ John Green glücklicherweise auch in einem sachlichen Rahmen nicht vermissen. Neu ist die starke persönliche Note, die er diesem Text verliehen hat. Wer also schon immer mal einen authentischen Blick auf den überaus sympathischen Menschen hinter den erfolgreichen Bestsellern werfen wollte, wird hier spannende Einblicke erleben. In gewohnter Ausdruckstärke nimmt John Green uns mit in seine höchstpersönliche Gedankenwelt.

    Fazit

    Insgesamt war der neue John Green eine nette Feierabend-Lektüre, durch die ich viel Neues über die (amerikanische) Gegenwart gelernt habe, obgleich ich gestehen muss, dass mir einige Texte doch sehr fremd blieben. Ich gebe „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“ wohlwollende vier Sterne.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Der Morgen davor und das Leben danach (ISBN: 9783453360488)

    Bewertung zu "Der Morgen davor und das Leben danach" von Ann Napolitano

    Der Morgen davor und das Leben danach
    Moepvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Enttäuscht leider durch zu viele Rückblenden, zu wenig Tiefe und eine schräge Übersetzung
    Kratzen an der Oberfläche

    „Was passiert ist, Edward, ist in deine Knochen eingebrannt. Es lebt unter deiner Haut. Es wird nicht weggehen. […] Und seit ich dich zum ersten Mal traf, bist du dabei zu lernen, wie du damit leben kannst.“

    Seite 390

    Dies sind die Worte von Dr. Mike. Er ist Psychotherapeut und betreut Edward, der im Alter von 12 Jahren als einziger von 192 Passagieren einen Flugzeugabsturz auf dem Weg von New York nach Los Angeles überlebte. Die Geschichte ist inspiriert von einem realen Ereignis, bei dem nur ein neunjähriger Junge den Absturz eines Flugzeugs überlebte. Die Autorin fragte sich: Wie muss sich ein Kind fühlen, dem so etwas Schreckliches passiert ist? Wie kann das Leben weitergehen – danach? Wir finden in diesem Buch Hinweise darauf, wie die Antwort auf diese Fragen aussehen könnte. Denn wir begleiten Edward dabei, wie er Schritt für Schritt wieder Fuß fasst im Leben. Wir ziehen gemeinsam mit ihm bei seiner Tante und seinem Onkel ein, flüchten aus ihrem großen, so fremden Haus und lernen mit der gleichaltrigen Shay eine wunderbare Freundin kennen. Wir erfahren aber auch, was am Morgen „davor“ geschah und wie es zum Absturz des Flugzeugs kam. Die Autorin hat immer wieder Rückblenden eingebaut, sodass wir einige der verstorbenen Passagiere kennenlernen und die dramatische Situation an Bord miterleben. 

    Mich persönlich konnten diese Rückblenden nicht so mitnehmen, wie wohl von der Autorin intendiert. Zwar gefällt mir ihr Ansatz, dass nicht nur das vermeintliche „Glückskind“ Edward im Fokus der Erzählung stehen soll und dass auch die verstorbenen Passagiere die Aufmerksamkeit bekommen sollen, die sie verdienen. Es werden im Rahmen der Rückblenden auch durchaus Themen aufgegriffen, die sehr zum Nachdenken über das eigene Leben anregen. Aber: Die Rückblenden bringen die Geschichte nicht voran! Vielmehr nehmen sie Raum ein, der meines Erachtens der vertieften Betrachtung von Edwards Innenwelt gebührt hätte. So aber hat man den Eindruck, dass Edward nur einer von vielen ist. Der Zugang zu Edward und seinen Erlebnissen bleibt in der Folge nur sehr oberflächlich. 

    Viele Fragen bleiben offen – nicht zuletzt jene danach, wie es möglich war, dass Edward als einziger den Flugzeugabsturz überlebte. Die Autorin beschränkt sich hier leider auf das „große Glück“, welches Edward hatte. Leider wird auch die Frage, ob Edwards Schicksal wirklich als Glück oder nicht vielmehr als Pech einzuordnen ist, nicht so tiefgehend beleuchtet wie ich es erwartet hatte. Meiner Meinung nach hat die Autorin es sich in der Auseinandersetzung mit Edwards komplexem Trauma zu einfach gemacht. 

    Leider kommt auch die Übersetzung bisweilen äußerst wunderlich daher. Daher fällt es mir schwer, den Schreibstil der Autorin zu beurteilen. An zahlreichen Stellen fragte ich mich, ob sie sich wirklich so seltsam ausdrückt oder ob ihre Formulierung einfach nur eine unpassende Übersetzung erfahren hat (z.B. „Er wurde aufgebrochen, als er zwölf Jahre alt war“ (S. 378) – wahrscheinlich wurde „broke“ hier etwas schräg übersetzt).

    Fazit

    Mit Blick auf den Klappentext und die Leseprobe hatte ich andere Erwartungen an die Geschichte. Ich hatte einen Roman erwartet, der ganz tief eintaucht in Edwards Welt, der mit leisen Tönen und psychologischem Feingefühl unter die Haut geht. Leider blieb die Geschichte insgesamt jedoch zu oberflächlich, um diese Erwartung zu erfüllen. 

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Aus der Mitte des Sees (ISBN: 9783257071467)

    Bewertung zu "Aus der Mitte des Sees" von Moritz Heger

    Aus der Mitte des Sees
    Moepvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eine entschleunigende Erfahrung, die viele Fragen zum eigenen Nachdenken aufwirft – und leider völlig offen lässt.
    Ora et labora – ein Leben lang?

    „Ich glaube, ich bin damals auch Mönch geworden, um Fragen zu vermeiden.

    Ich habe die Antwort vor den Fragen gegeben.“

    Seite 216

    „Kann man das leben, mit dem Zölibat?“ (S. 156) – Dies ist die erste Frage des 19-jährigen Lucian, der nichts mehr möchte als sein Leben im Benediktinerkloster in den Dienst Gottes zu stellen. Bruder Lukas ist verlegen um Antworten. Er fragt sich, was bewegt einen jungen Mann zu diesem großen Schritt ins Kloster? Was hält ihn dort? Ora et labora – ein Leben lang? Nachdem Lukas‘ enger Vertrauter – Bruder Andreas – vor Kurzem erst das Kloster verlassen hat, um eine Familie zu gründen, sind die Zweifel da. Lukas gerät ins Wanken. Er trauert um seinen „verlorenen“ Freund Andreas, hadert mit sich und seinen Überzeugungen; die intensive Begegnung mit einer sehr besonderen Frau lässt Lukas mit Gott um die Frage nach dem richtigen Leben ringen.

    „Ich bin ein Möchtegern, ein Mönchtegern, ein Leben lang schuldig.“

    Seite 225

    „Aus der Mitte des Sees“ ist eine Geschichte, die auf ganz leisen Sohlen daherkommt. Die Beschreibungen der Landschaft und Naturereignisse sind atmosphärisch dicht und ermöglichen ein regelrecht meditatives Eintauchen in das klösterliche Leben am See. Das Schwimmen im See ist Lukas‘ Ankerpunkt, sein Weg zu klaren Gedanken; das Wasser trägt ihn zu schwierigen Entscheidungen und beinhaltet eine Gottesmetapher, die mir persönlich sehr gefallen hat. Das Lesen dieser Geschichte ist eine sehr beruhigende Erfahrung. Manch einen mag dies überaus langweilen und davor sei an dieser Stelle gewarnt. Auch ich habe lange gebraucht, um richtig in die ruhige Stimmung des Buches hineinzufinden.

    Die Geschichte selbst ist ein innerer Monolog aus der Perspektive von Bruder Lukas, der an den geschilderten 14 Tagen seinen Überlegungen freien Lauf lässt. Hier gewährt Lukas spannende Einblicke in das alltägliche Leben im Kloster, in seine Aufgaben, die täglichen Gebetsrituale und die strengen Regeln im brüderlichen Miteinander. Leider ist diesem Stilmittel des inneren Gedankenstroms auch eine gewisse Unstrukturiertheit, ja das Fehlen eines irgendwie gearteten roten Fadens immanent. Lukas springt oft in seinen Gedanken, redet mal diesen und mal jenen an. Dem zu folgen, erfordert viel Konzentration.

    Sehr schade finde ich, dass dieses Buch unfassbar viele ebenso spannende wie wichtige Fragen aufwirft, diese aber letztlich einfach nicht beantwortet. Warum ist Bruder Lukas ins Kloster eingetreten? Kann man wirklich leben mit dem Zölibat? Ist ein Leben ohne Sünde möglich? Man weiß es einfach nicht. Dadurch gerät das Buch zu einer bloßen Skizze, einer vagen Ahnung dessen, was es hätte sein können.

    Fazit

    „Aus der Mitte des Sees“ ist eine entschleunigende Erfahrung, die einen um vielseitige Einblicke in das Leben mit und für Gott bereichert, einen neue Perspektiven einnehmen lässt, viele Fragen zum eigenen Nachdenken aufwirft – und leider völlig offen lässt.

    Kommentare: 1
    2
    Teilen
    Cover des Buches Genug (ISBN: 9783711721051)

    Bewertung zu "Genug" von Louise Juhl Dalsgaard

    Genug
    Moepvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: so schön, so chaotisch und so schrecklich schmerzhaft wie das Leben selbst
    Sehr besonderes Porträt einer jungen Frau am Rande des Abgrunds

    „Fast jeden Tag spaziere ich runter zum See, da stehe ich dann und rufe. Dass ich MEHR haben will, obwohl ich mehr als GENUG habe.“

    Seite 149

    Louise Juhl Dalsgaard schreibt aus der Perspektive einer jungen Frau Anfang 20 darüber, wie es ist, sich zu verlieren. Die namenlose Protagonistin leidet seit knapp 10 Jahren an einer schweren Essstörung, die sie gefangen nimmt, ihre Gedanken lähmt und sie wieder und wieder ganz nah an den Abgrund ihrer Existenz führt. Doch, wie kehrt man um, wenn man am Abgrund steht? Und wohin führt der Weg, wenn nicht zurück?

    Diese Geschichte ist besonders. In poetischen Worten skizziert die Autorin das Gefühlschaos ihrer Protagonistin; mal leicht wie eine Feder, leise und kaum zu hören; mal wiegen ihre Worte tonnenschwer, mal brüllen sie einem die Wahrheit laut und schonungslos ins Gesicht, dass einem hinterher die Ohren klingeln. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die Autorin ein so schwieriges und sensibles Thema in wenigen Worten so geschickt verpackt, dass das Lesen kaum leichter fallen könnte und doch die nötige Tiefe nicht vermissen lässt.

    Das ganze Buch besteht aus kurzen, weitgehend unzusammenhängenden Texten, die manchmal nur aus wenigen Sätzen bestehen und manchmal mehrere Seiten füllen. Gelegentlich arbeitet die Autorin Auszüge aus der Krankenakte der Protagonistin ein, denen wir entnehmen können, wie die jeweilige Sozialarbeiterin, der behandelnde Arzt oder die Therapeutin die Situation der jungen Frau einschätzen. Obgleich die einzelnen Texte nicht zusammenhängen und keine klare „Handlung“ des Buches erkennbar ist, konnte ich der Erzählung stets gut folgen. Man sollte sich vor dem Lesen jedoch vergegenwärtigen, dass „Genug“ vielmehr das Porträt dieser jungen Frau ist, als eine linear aufgebaute Geschichte. Dieses Buch besteht allein aus schlaglichtartigen Einblicken in die Gedankenwelt der Protagonistin, in ihr schwieriges Verhältnis zu den eigenen Eltern, in die innige Beziehung zu ihrem Bruder, in die Enttäuschungen und Kämpfe der Kindheit und der Gegenwart.

    „Genug“ ist lebendig, ehrlich und empathisch. Es bietet viele interessante Impulse zum Nachdenken und zur Reflexion des eigenen Selbst. Für meinen persönlichen Geschmack war es aber leider doch etwas zu wenig Text. Ich wäre gern noch tiefer gegangen und hätte gern noch mehr erfahren über das Leben und Leiden der Protagonistin

    Fazit

    „Genug“ ist ein sehr spezieller Roman, der in ebenso leichtem wie poetischem Ton eine Frau porträtiert, deren Sicht auf die Dinge so schön, so chaotisch und so schrecklich schmerzhaft ist wie das Leben selbst.

    Kommentieren0
    2
    Teilen

    Über mich

    Lieblingsgenres

    Krimis und Thriller, Science-Fiction, Jugendbücher, Sachbücher, Romane, Biografien, Klassiker

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Hol dir mehr von LovelyBooks