NiWa

  • Mitglied seit 31.07.2013
  • 249 Freunde
  • 1.029 Bücher
  • 850 Rezensionen
  • 992 Bewertungen (Ø 3.89)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne224
  • 4 Sterne492
  • 3 Sterne226
  • 2 Sterne46
  • 1 Stern4
  • Sortieren:
    Cover des Buches Pepper-Man (ISBN: 9783426524329)

    Bewertung zu "Pepper-Man" von Camilla Bruce

    Pepper-Man
    NiWavor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Zwischen abstoßender Realität und grauenhaftem Horror-Märchen: Absolut genial erzählt!
    Zwischen abstoßender Realität und grauenhaftem Horror-Märchen

    Die bekannte Autorin Cassandra Tripp ist spurlos verschwunden. Zurück bleibt ein schauriges Manuskript, das sich direkt an ihre Hinterbliebenen wendet und ein abscheuliches Geheimnis enthüllt.

    "Pepper-Man" ist ein Gruselmärchen, das sich in diesen kleinen, finsteren Spalt zwischen abstoßender Realität und grauenhafter Horror-Vorstellung ins Herz der Leser brennt. 

    Aufgrund des Klappentexts bin ich auf diese Geschichte neugierig geworden. Zwar deutet das Cover eher in Richtung Fantasy, aber ich hatte eine gruselige Lektüre mit Gänsehautfaktor vermutet. Bekommen habe ich so viel mehr. Der Schauer ist definitiv vorhanden, wenn auch auf mehreren Ebenen, die Autorin Camilla Bruce in absoluter Perfektion bedient.

    Die Schriftstellerin Cassandra Tripp ist verschwunden und niemand weiß, wohin es sie verschlagen hat. Ist die einsiedlerische Exzentrikerin verunglückt? Ist sie gestorben oder hat sogar den Freitod gewählt? Hat sie sich abgesetzt, um ihrer Popularität auf einer karibischen Insel zu entgehen? Oder ist sie in ihre fantastische Welt abgetaucht, die nur wenigen Menschen offen steht?

    Jedenfalls hat sie für ihre Nichte und ihren Neffen ein Manuskript hinterlassen, in dem sie den beiden Erben ihre Geschichte erzählt. Und diese Geschichte fährt wie eiskalter Wind durch die Knochen, dreht den Mageninhalt um, und lässt erstaunt die Augenbrauen hochziehen, weil sie arg, grausam und märchenhaft ist.

    Camilla Tripp hat mit "Pepper-Man" ein vielschichtiges und tiefgreifendes Werk geschaffen, das sich nur schwer rezensieren lässt. Wichtig ist, dass es auf real-emotionaler Ebene auf sexuelle Übergriffe, Kindesmissbrauch und familiäre Gewalt eingeht. Gleichzeitig entführt die Autorin in eine Fabelwelt, die magisch, fantastisch und außerordentlich gefährlich ist.

    Der Erzählstil ist bissig, manchmal grimmig, offen und bemerkenswert fesselnd. Ich konnte mich kaum von den Seiten lösen, weil die Geschichte ungewöhnlich und packend aufgebaut ist. Es beginnt mit Cassandras Kindheit, zieht sich über die Jugendjahre, hinein in das Leben als Erwachsene und endet da, wo die Protagonistin ihr Vermächtnis ihren Angehörigen übergibt. Es handelt von Zurückgezogenheit, Ab- sowie Ausgrenzung und eine Zuflucht, welche die Hauptfigur gefunden hat. 

    Camilla Bruce spielt mit dem feinen Riss zwischen Fiktion und Realität. "Pepper-Man" lässt sich als verstörende Wahnvorstellung oder fantastisches Gruselmärchen betrachten. Dabei liegt es am Leser selbst, die Wahrheit für sich zu finden. 

    Einerseits greifen fantastische Elemente in die Erzählung der Protagonistin ein. Düstere Magie mischt in ihrem Leben mit, die sie von ihrem sozialen Umfeld trennt. Andrerseits ist es ein unheilvoller Grundton, der deutlich zeigt, dass man sich als Leser in der Version einer gestörten Wahrnehmung bewegt. Autorin Camilla Bruce nutzt geschickt Metaphern, arbeitet mit Sinnbildern und breitet einen dunklen Fantasy-Mantel über eine erschütternde Geschichte, deren Grauen der Realität entspringt.

    Bei mir hallt dieser Roman nach und beschäftigt mich. Während des Lesens zog es mich in unterschiedliche Richtungen, hat mir dabei definitiv außergewöhnliche Momente und Anstoß zum Nachdenken beschert.

    Ich empfehle "Pepper-Man" an Leser, die sich mit schwierigen Themen auseinandersetzen und sich gleichzeitig - wie ich - durch einen Hang zu dunklen Geschichten auszeichnen. Für mich ist es ein beachtenswerter Roman, der mich nachhaltig bewegt.

    Kommentare: 7
    10
    Teilen
    Cover des Buches Die Gotteswelle (ISBN: 9783959670326)

    Bewertung zu "Die Gotteswelle" von Patrick Hemstreet

    Die Gotteswelle
    NiWavor 3 Tagen
    Cover des Buches Cryptos (ISBN: 9783743200500)

    Bewertung zu "Cryptos" von Ursula Poznanski

    Cryptos
    NiWavor 7 Tagen
    Cover des Buches Blutige Nachrichten (ISBN: 9783837152906)

    Bewertung zu "Blutige Nachrichten" von Stephen King

    Blutige Nachrichten
    NiWavor 8 Tagen
    Cover des Buches Devolution (ISBN: 9783442490066)

    Bewertung zu "Devolution" von Max Brooks

    Devolution
    NiWavor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Die mysteriöse Komponente steht definitiv im Vordergrund, was für mich insgesamt einen gut zu lesenden Mystery-Thriller ergibt.
    Vulkanausbruch im Akte-X-Stil

    Greenloop gilt als dörfliche Gemeinschaft der Zukunft. Umweltbewusst und beinah autark hat sich ein exklusiver Verein am Fuße eines Vulkans eine neue Heimat geschaffen. Doch dann speit der Berg Feuer und schneidet die Siedlung von der Außenwelt ab, während nachts grauenvolle Schreie ertönen.

    „Devolution“ ist eine Mischung aus Horror- und Katastrophenroman, welcher übliche Thriller-Elemente vor der Kulisse der amerikanischen Wälder im Stil von Akte X ablaufen lässt.

    Katherine und ihr Mann sind in Greenloop angekommen. Es handelt sich dabei um eine futuristische Siedlung, die sich dem Zusammenspiel aus Natur und Technik verschrieben hat. Häuser, Versorgungswege und der Alltag sind so konzipiert, dass sie der Umwelt kaum schaden. 

    Dementsprechend exklusiv sind die Bewohner, welche sich aus gut situierten Personen - wie zum Beispiel angesehene Künstler oder Wissenschafter - zusammensetzen. Die Siedlung liegt abgeschieden, wird mittels Drohnen und Elektro-Mobilen mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen versorgt, und bietet somit ein idyllisches Bild, das sich dem Leben in Einklang mit der Natur verschrieben hat. 

    Als der Vulkan ausbricht, hüllt er die USA in Asche. Nicht nur, dass Greenloop von der Außenwelt abgeschnitten ist, sondern laut Radioberichten herrscht Katastrophenalarm in weiten Teilen der USA.

    Katherine ist gedanklich noch gar nicht richtig in ihrer neuen Heimat angekommen und schon wendet sich das Blatt. Die Katastrophenstimmung bricht über die Bewohner herein, die Verbindung zum Rest der Welt ist gekappt und Lebensmittel sind knapp. Als ob diese Umstände nicht Besorgnis erregend genug wären, wird die Siedlung von fremden, affenähnlichen Kreaturen eingekreist, von denen eine spürbare Gefahr ausgeht. 

    „Devolution“ ist ein solider Mystery-Thriller, der sich thematisch auf die affenartigen Kreaturen stützt. Diese amerikanische Legende ist mir bisher nicht in Büchern begegnet, aber ich finde es einwandfrei umgesetzt. Max Brooks geht seinen Thriller von mehreren Seiten an, die mich fasziniert durch die Story leiteten:

    Katherines Perspektive auf das Geschehen wird anhand ihrer Tagebuchaufzeichnungen erzählt. Der Leser erhält Einblick in ihre Sichtweise der Ereignisse, wie sie die anderen Bewohner und Menschen wahrnimmt, und bemerkt dabei, wie sich aus der zurückgezogenen Frau eine mutige Kämpferin entwickelt. 

    Die Rahmenhandlung bildet der Autor eines Sachbuchs, der sich innerhalb des Thrillers mit dem Mysterium von Greenloop auseinandersetzt. Dazu zieht er Katherines Tagebuch heran, vergleicht ältere Berichte von Sichtungen affenartiger Kreaturen und beleuchtet die Umstände des Vulkanausbruchs und des Katastrophenalarms. 

    Zusätzlich werden Artikel, Interviews und Notizen herangezogen, die ein abwechslungsreiches Bild ergeben. 

    Kahterines Aufzeichnungen sind einem Tagebuch entsprechend gemächlich. Anfangs beschreibt sie die Siedlung und ihre neuen Nachbarn, die Rituale im Dorf und wie merkwürdig es ist, derart abgeschieden von der Welt zu leben. Sobald der Vulkan ausbricht, überschlagen sich die Ereignisse. Es herrscht allgemeine Unruhe, wozu sich langsam die Bedrohung durch die affenartigen Kreaturen einschleicht.

    Mir hat es gefallen. Der ungewöhnliche Erzählstil lenkt vom typischen Handlungsablauf ab, wodurch erhöhte Faszination für das Geschehen entsteht. Denn die Handlung selbst ist auf einen schablonenhaften Abzählreim beschränkt, den man aus vielen ähnlichen Thrillern kennt. Allerdings baut der Autor die Kulisse um den Vulkanausbruch, die Katastrophenstimmung und die Gefahr aus dem Wald überaus geschickt auf, sodass ich von Anfang bis Ende gefesselt an der Story dran geblieben bin. 

    Natürlich kommt amerikanischer Thriller-Kitsch ins Spiel, Akte-X-Flair treibt den Sachbuch-Autor der Story an, und die mysteriöse Komponente steht definitiv im Vordergrund, was für mich insgesamt einen gut zu lesenden Mystery-Thriller ergibt. 

    Meiner Meinung nach ist „Devolution“ ein fesselnder Mystery-Thriller, der sich trotz des eher ruhigen Tempos und des typischen Handlungsverlaufs durch die Rahmenbedingungen und die Erzählweise von anderen Werken abhebt. Ich denke, wer sich auf affenartige Kreaturen im Akte-X-Stil einlässt, steht ein interessanter Besuch in der futuristischen Siedlung Greenloop bevor.

    Kommentare: 11
    15
    Teilen
    Cover des Buches Bluebird, Bluebird (ISBN: 9783945133712)

    Bewertung zu "Bluebird, Bluebird" von Attica Locke

    Bluebird, Bluebird
    NiWavor 18 Tagen
    Cover des Buches Lava und Wellen: Tod in einer Tropennacht (ISBN: 9783492502078)

    Bewertung zu "Lava und Wellen: Tod in einer Tropennacht" von Sabine Strick

    Lava und Wellen: Tod in einer Tropennacht
    NiWavor 19 Tagen
    Cover des Buches Das Dorf der toten Seelen (ISBN: B0886K9D9J)

    Bewertung zu "Das Dorf der toten Seelen" von Camilla Sten

    Das Dorf der toten Seelen
    NiWavor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Die Spannung grummelt vor sich hin, der Vergangenheitspart verstaubt, und die Auflösung ist gar nicht nach meinem Geschmack.
    Gruselige Kulisse, schwacher Thriller

    Alice wagt sich an ihr erstes großes Filmprojekt. Als Absolventin der Filmhochschule Stockholm dreht sie einen Dokumentarfilm über Silvertjärn. Das abgelegene Dorf steht seit Jahrzehnten leer, weil von einem auf den anderen Tag sämtliche Einwohner verschwunden sind. Bis heute ist das Geheimnis um Silvertjärn ungeklärt, was Alice als Aufhänger für ihre Doku verwenden will.

    "Das Dorf der toten Seelen" ist ein Psychothriller der schwedischen Autorin Camilla Sten, der sich der gruseligen Kulisse eines Geisterorts bedient, und à la Blair-Witch-Project zu punkten versucht.

    Die Ankunft im Dorf ist gemächlich, das Filmteam richtet sich ein, die Mitarbeiter beschnuppern sich und es kommt zu ersten Merkwürdigkeiten. Die Handys funktionieren nicht, krächzendes Lachen erklingt, es passieren Unfälle und schon verschwindet jemand aus dem Team. 

    Die Kulisse des leerstehenden Dorfes hat mich bei diesem Thriller sofort angesprochen. Meiner Meinung nach ist es faszinierend, wenn Menschen an einem Ort leben, ihren Alltag verrichten, und Jahrzehnte später die Spuren dieser Personen unangetastet zu finden sind. Das hat etwas von einem Blick in die Vergangenheit, eine Verbindung, die man zu längst gegangenen Menschen und ihrem Leben erhält.

    Camilla Sten nimmt sich dieses Lost-Place-Phämonens an und bedient damit eine schaurige Atmosphäre, die sie souverän in ihrem Psychothriller umsetzt. Protagonistin Alice und ihr Team erkunden das leerstehende Dorf. Sie betreten verstaubte Wohnstuben, öffnen knarzende Türen, steigen morsche Treppen hoch und setzen sich mit den Theorien über das Verschwinden der Einwohner auseinander. Niemand weiß, was damals geschehen ist.

    Als Leser oder Hörer ist man dem Filmteam einen halben Schritt voraus. In einem zweiten Erzählstrang taucht man im damaligen Silvertjärn ab. Lernt Alices Großmutter - eine gestandene Einwohnerin des Orts - kennen, und beobachtet nach und nach das Treiben, welches eben zum mysteriösen Verschwinden führt.

    Ich wollte diesen Thriller unbedingt mögen, weil ich die Kulisse großartig finde. Sie ist für Spannungsromane prädestiniert. Leider hat die Autorin mit Handlung und Figuren nicht die Kurve gekriegt. 

    Die merkwürdigen Ereignisse im Filmteam sind spannend aber rar, zwischenmenschliche Konflikte von früher treten auf, und manchmal wird es leicht gruselig. Leider kommt die Story von der Spannungskurve her nicht in Fahrt. Einerseits wird die Schaueratmosphäre - meinem Empfinden nach - viel zu gemäßigt transportiert. Ein Knacksen hier, ein Räuspern dort, oder ein heiseres Lachen macht keinen fesselnden Thriller aus. Andrerseits war das Filmteam zu sehr von emotionalen Spannungen innerhalb der Gruppe überladen. Alice und ihr Team kennen sich. Sie waren früher befreundet und ziehen vergangenen Ballast in die aktuelle Situation rein. Meiner Ansicht nach haben diese Aspekte viel zu sehr von den mysteriösen Begebenheiten abgelenkt.

    Den Handlungsstrang als Silvertjärn noch ein bewohnter Grubenort war, fand ich ebenfalls kümmerlich umgesetzt. Es gibt hier einen Antagonisten, der relativ viel im Dorf mitzureden hat. Das war mir zu glatt, zu simpel und seine Machtposition war für mich nicht nachvollziehbar. 

    Die Aufklärung des Mysteriums am Ende hat mich gleichfalls nicht überzeugt. Da spielen etliche Zufälle rein, und ich mag die eingeschlagene Richtung - genauso in anderen Romanen - nicht. 

    Alles in allem hat mich "Das Dorf der toten Seelen" bis auf die schaurige Szenerie nicht überzeugt. Die Spannung grummelt vor sich hin, der Vergangenheitspart verstaubt, und die Auflösung ist gar nicht nach meinem Geschmack. Trotzdem denke ich, dass man mit den richtigen Erwartungen das sanfte Schauerambiente spürt und sich bei Interesse auf die Suche nach Silvertjärn begeben kann. 

    Kommentare: 13
    17
    Teilen
    Cover des Buches Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter: Roman (ISBN: 9783958354050)

    Bewertung zu "Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter: Roman" von Robert R. McCammon

    Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter: Roman
    NiWavor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Was als historischer Krimi begann, ist mittlerweile zur mitreißenden Zeitreise geworden, von der ich nicht die Finger lassen kann.
    Die Jagd nach Mister Slaughter

    Die New Yorker Zweigstelle der Londoner Herrald-Vertretung bekommt Arbeit: Es liegt an Matthew Corbett und Hudson Greathouse den gefährlichen Massenmörder Tyranthus Slaughter von seinem Gefängnis aus zum New Yorker Hafen zu transportieren. Obwohl sich Corbett und Greathouse der Bedrohung durch den Mann bewusst sind, haben sie ihn eindeutig unterschätzt, und die Jagd beginnt.

    „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ ist der dritte Fall - jedoch das fünfte deutschsprachige Buch - der historischen Reihe um den jungen New Yorker Matthew Corbett, die in den Kolonien von Amerika um 1700 spielt.

    Matthew hat sich dank einer glücklichen Fügung vom Waisenknaben zum Gerichtsschreiber gemausert, und es mittlerweile zum angesehenen Agenten der Privatdetektei der Herrald-Vertretung in New York gebracht. 

    Mittlerweile hat sich Matthew Corbett in sein Agenten-Dasein an der Seite seines Kollegen Hudson Greathouse eingelebt. Er genießt Ansehen in New York, kleidet sich wie ein mondäner Gentleman und hat sich seine Leidenschaft - die Lösung von Rätseln und den Sinn für Gerechtigkeit - unvorhergesehen zum Beruf gemacht. 

    Matthew und Greathouse sollen den Massenmörder Tyranthus Slaughter von dessen Gefängnis in Philadelphia, zum New Yorker Hafen überstellen. Obwohl sie vorsichtig sind, haben sie nicht mit dem ausgefuchsten Wesen ihres Gefangenen gerechnet, der ihnen ein unmoralisches Angebot macht und damit eine weitreichende Falle stellt. 

    Darauf folgt eine packende Jagd auf den Massenmörder, von dem eine größere Bedrohung ausgeht, als man auf den ersten Blick ahnt. 

    Mit der historischen Reihe um Matthew Corbett und diesen dritten Fall hat sich Robert McCammon ein weiteres Mal in mein Herz geschrieben. Diesmal jagt Matthew über mehrere Stationen den grausamen Mörder, der aufgrund seiner soziopathischen Art unfassbar scheint. 

    Dabei lernen Matthew und der Leser fesselnde Seiten des amerikanischen Kontinents und der unterschiedlichen Lebensweisen kennen. Es gibt einen Ausflug in ein Indianer-Dorf, dadurch Einblick in das Leben der Ureinwohner, eine geschmacklose Einführung in Techniken der Fleischverarbeitung und neuartige Geschäftsideen, bei denen sogar heutzutage womöglich ein Hauch Innovation mitschwingt. 

    Der Fall hält von Beginn an die Spannung, ist diesmal temporeich erzählt und aufgrund historischer Details vom aufstrebenden Geist der amerikanischen Lebensart geschwängert. New York schlägt den Weg zur Großstadt ein, ganze Indianervölker werden in die Ecke gedrängt, und es wird die Seele eine Nation geboren, die in Ansätzen schon den Staub des Wilden Westens fühlen lässt.

    Dieses dritte Abenteuer mit Matthew hat mir enorm großen Spaß gemacht. Besonders beeindruckt war ich vom perfiden Mister Slaughter, der in seiner Boshaftigkeit nachvollziehbar dargestellt ist. Außerdem gefiel mir die Begegnung mit den Indianern, weil sie für mich ein Symbol für Amerika verkörpern.

    Von Handlung, Stimmung und Atmosphäre her, ist diese Jagd eine gelungene Melange aus Agententhriller, Krimi und historischem Roman, die ich unbedingt weiterempfehle. Es ist fast, als ob sich in Matthew Corbett ein Vorfahre aus James Bond und Sherlock Holmes vereint, der trotz des ambitionierten Vergleichs glaubwürdig wirkt. 

    Meinem Empfinden nach steigert sich die Reihe mit jedem Band. Was als historischer Krimi begann, ist mittlerweile zur mitreißenden Zeitreise geworden, von der ich nicht die Finger lassen kann. Deshalb bin ich mächtig auf den nächsten Teil gespannt.


    Die Reihe:

    1) Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band I 

    2) Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II 

    3) Matthew Corbett und die Königin der Verdammten Band I 

    4) Matthew Corbett und die Königin der Verdammten Band II 

    5) Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter

    6) Matthew Corbett in den Fängen des Kraken

    Kommentare: 7
    14
    Teilen
    Cover des Buches CHAOS: The Brother Story (ISBN: B086Q3Z359)

    Bewertung zu "CHAOS: The Brother Story" von Alec Xander

    CHAOS: The Brother Story
    NiWavor 23 Tagen
    Kurzmeinung: Die Mischung aus Milieu-Studie und Gay Romance liegt bestimmt nicht jedem Leser.
    Chaotische Verhältnisse

    Die Jugendlichen, Bastian und Lucas, verlieben sich. Es ist schon schwierig genug, wenn sich zwei Jungs zueinander hingezogen fühlen, doch dann kommt auch noch ein dunkles Geheimnis ans Licht.

    „Chaos. The Brother Story“ ist eine ungewohnte Geschichte, die meinem Empfinden nach zwischen Liebesgeschichte, Familiendrama und Milieu-Studie angesiedelt ist. 

    Bastian und Lucas sind Teenager. Sie lernen sich in der Schule kennen und es ist Sympathie auf den ersten Blick. Rasch entwickeln sie tiefere Gefühle füreinander. Die Schmetterlinge flattern, die triste Realität wird plötzlich bunt, bis ein Geheimnis das Leben der Jugendlichen erneut Grau verfärbt.

    Bastian lebt bei seiner alleinerziehenden Mutter, die sich mit mehreren Jobs über Wasser hält. Meiner Meinung nach leistet sie Beachtliches. Aber sie hat den enervierenden Drang ihren Sohn den kompletten Haushalt aufzuhalsen und ihn als Dienstboten zu betrachten. Der Junge gilt als Sonderling, existiert eher als zu leben, und konzentriert sich darauf, den Mobbing-Attacken seiner Umwelt zu entgehen.

    Lucas ist ein schelmischer Draufgänger, der Schlagfertigkeit und rauen Charme für sich gepachtet hat. Geprägt vom Leben in Pflegefamilien und Heimen, kann ihn nichts aus der Bahn werfen. Zumindest nicht, bis er Bastian begegnet und seine Welt ins Schleudern gerät.

    Die Liebesgeschichte der Jungs an sich fand ich nett. Ehrlich gesagt, mit dem titelgebenden Hintergrund der beiden konnte ich nicht so viel anfangen. Vom ersten Gefühl her wirkt die verzwickte Situation absonderlich auf mich. Ich gebe zu, dass sich etwas in mir sträubt, wenn ich daran denke. Allerdings hat Autor Alex Xander diese Entwicklung logisch begründet und für mich verständlich erklärt. Obwohl ich die Verbindung gedanklich nicht gut heiße, ist sie für mich emotional nachvollziehbar und grundsätzlich akzeptabel.

    Für mich lag der Fokus auf dem sozialen Milieu um die Plattenbausiedlung, die Menschen und ihr Leben, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Diese Aspekte sind intelligent durchdacht und in schillernden Farben ausgearbeitet. Es hat mir sehr gut gefallen, dass Alex Xander die Umstände der Menschen beleuchtet, veranschaulicht, wie und warum sie in dieser Welt gefangen sind, und wieso ihnen großteils die Kraft fehlt, daraus auszubrechen. 

    Während manche Figuren als handlungstreibende Platzhalter dienen, haben mich gewisse Nebencharaktere vom ersten Moment an bezaubert. Zum Beispiel gibt es die alkoholkranke Nachbarin Herta, die zuerst als dürres, nerviges Klappergestell die Story betritt. Obwohl sie einen abstoßenden Eindruck macht, habe ich sofort Sympathie für sie empfunden, weil sie - wie andere Menschen - ein gutes Herz am rechten Fleck und ein trauriges Leben zu ertragen hat. 

    Die Handlung selbst gleitet dahin. Manche Ereignisse lassen an eine Seifenoper denken, andere wiederum sind äußerst realistisch in den Verlauf eingebaut. Obwohl es dramatische Spitzen und gefährliche Situationen gibt, war sie mir zu gleichmäßig dargestellt. Trotzdem ist es insbesondere diese Gleichförmigkeit, welche dem Roman greifbare Tiefe verleiht.

    Am Ende bleibe ich etwas ratlos zurück. Obwohl ich „Chaos. The Brother Story“ gern gelesen habe, macht mir das exotische Gesamtpaket die Bewertung und eine Weiterempfehlung schwer. Die Mischung aus Milieu-Studie und Gay Romance liegt bestimmt nicht jedem Leser. Im Endeffekt vergebe ich wohlwollende vier Sterne, weil mir die Figuren, der scharfsinnige Blickwinkel und das Plädoyer für Toleranz imponieren.

    Kommentare: 8
    16
    Teilen

    Über mich

    Enttäuscht vom neuen LB-Profil.

    Lieblingsgenres

    Sachbücher, Science-Fiction, Historische Romane, Romane, Klassiker, Krimis und Thriller, Liebesromane, Jugendbücher

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks