Patno

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    Cover des Buches Zerrissen (ISBN: 9783426525494)

    Bewertung zu "Zerrissen" von Michael Tsokos

    Zerrissen
    Patnovor 4 Tagen
    Ein Muss für alle Thrillerjunkies

    Als Karol Mazur und Lars Moewig in den Morgenstunden des 28.07.2020 das Kickboxstudio „Drachenhöhle“ in Berlin-Wedding betreten, offenbart sich ihnen ein grausiger Anblick. In einem zusammengenähten Boxsack finden sie eine unbekleidete, männliche Leiche. Grauenvolle Bilder im Kopf! 

    Michael Tsokos, Professor für Rechtmedizin an der Charité, beauftragt Dr. Fred Abel mit diesem brisanten Fall. 

    Das Geschehen  ist nachzulesen in dem True Crime Thriller „Zerrissen“, der am 01.10.2020 bei Knaur Taschenbuch erschienen ist. 

    Überstunden für Abel, der gerade als Gutachter vor Gericht in einem schweren Missbrauchsfall an einem kleinen Mädchen aussagen muss. Zu allem Übel kommt hinzu, dass das Opfer die Nichte seiner Kollegin Sabine ist. 

    Neben der Arbeit am Sektionstisch klinkt sich Fred Abel wieder in die Ermittlungen ein. Die Spur führt zu vier Brüdern eines libanesischen Clans. Doch wer diesen schweren Jungs auf die Pelle rückt, muss mit einem Gegenschlag rechnen. Und plötzlich gerät Abels schwangere Freundin Lisa in die Fänge des Clans. 

    Von Null auf Hundert in 3 Seiten! 


    „Ein verzweifelter Schmerzensschrei entfuhr ihm, und er presste die Zähne fest aufeinander, dass sie zu brechen drohten. Der Schrei trieb seinen Peiniger nur an. Sie hoben ihn hoch, stopften ihn in ein stinkendes, dunkles Etwas. Wie Fleischabfälle in einen Müllsack. Ledergeruch. Schmerzhafte Enge. Er keuchte. Das Atmen fiel im schwer. „Zunähen!“ befahl die tiefe Stimme.“ ( Auszug aus „ Zerrissen“)


    Schnell bin ich mitten im Geschehen, versuche diesen verzwickten Fall zu durchschauen. Die Mitglieder des Clans sind clever und schwer zu greifen. 

    Wow, ist das spannend. Rasant fliege ich durch die Seiten. Besonders der Missbrauchsfall des kleinen Mädchens geht mir nahe. Ich fühle mit der Mutter. Einerseits zweifele ich an ihrer Unschuld, anderseits gibt es aber keinen anderen Verdächtigen. Wie hängen die Fälle zusammen? Wer zieht hier die Fäden im Hintergrund? 

    Es ist bedrückend, dass diesem Thrillerstoff authentische Fälle zugrundeliegen. Eindrucksvoll beschreibt Michael Tsokos Berlin als Schauplatz krimineller Machenschaften. 

    Ich mag die Charakterdarstellung des Fred Abel. Er arbeitet präzise und hält sich an die Fakten, auch wenn er damit die Schwester seiner Kollegin Sabine unter Tatverdacht stellt. 

    Außerdem freue ich mich, Paul Herzfeld zu begegnen, der sonst in anderen Fällen im Mittelpunkt der Handlung steht. 


    „Zerrissen“ ist der 4. Band der Fred Abel Reihe und kann unabhängig von den vorangegangenen Büchern gelesen werden- ein True-Crime-Thriller nach meinem Geschmack - realitätsnah, spannungsgeladen und lesenswert.

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    Cover des Buches Cloris (ISBN: 9783406755354)

    Bewertung zu "Cloris" von Rye Curtis

    Cloris
    Patnovor 11 Tagen
    Ungewöhnliche Abenteuergeschichte mit eigenwilligen Charakteren

    Wieder ist es das atmosphärische Buchcover, dass mich inspiriert, den Debütroman von Rye Curtis näher unter die Lupe zu nehmen. 

    Für Abenteuerromane bin ich zu begeistern. Außerdem interessiert mich, wie sich dieser junge Autor in die Gedankenwelt einer alten Dame hineinversetzt. 

    Inzwischen ist Cloris Waldrip 92 Jahre alt und blickt auf ihr Leben zurück. Sie hat sich abgewöhnt, über andere Leute vorschnell zu urteilen. „Die Leute sind, wie sie sind, ich glaube, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

    „Und jene Cloris Waldrip, die ich zweiundsiebzig Jahre gewesen war, wäre ich wohl auch geblieben, wäre nicht am Sonntag, dem 31.August 1986, das kleine Flugzeug, in dem ich saß, vom Himmel gefallen.“ (Auszüge aus „Cloris“) 

    Es grenzt an ein Wunder, dass Cloris den Flugzeugabsturz überlebt. Sie befindet sich mitten in der Wildnis der Bitterroot Mountains. Keine Rettung in Sicht! Irgendwie muss sie sich in die Zivilisation durchschlagen mit nur einem Stiefel, einer Bibel und Karamellbonbons. Plötzlich hat Cloris das Gefühl, nicht allein zu sein. Irgendwo da draußen scheint ein Schutzengel ihren Weg zu überwachen. 

    Inzwischen hat die Suche nach dem vermissten Flugzeug begonnen.  Bis auf Rangerin Debra Lewis glaubt keiner an Überlebende.

    So macht sie sich mit einer Gruppe „Friends of the Forest“auf die Suche nach der Absturzstelle und der Vermissten. 

    Aber will Cloris überhaupt gefunden werden? 


    Die Buchidee ist nicht neu, aber die schrägen Charaktere verleihen der Geschichte den besonderen Charme. 

    Manchmal ist Cloris Gedankenwelt wunderlich, aber ich mag die alte Dame, die sich beharrlich durch die Wildnis kämpft, im Plauderton über ihr Leben referiert und irgendwann sogar Gefallen an ihrem Abenteuer findet. 

    Mit Lewis und ihrer verkorksten Welt habe ich gehadert. Nachdem sie drei Ehen in den Sand gesetzt hat, versucht sie sich die Welt mit Merlot schön zu trinken. 

    Auch zu den anderen Mitglieder des Suchtrupps finde ich wenig Zugang. Die Charaktere wirken mit ihren Macken etwas überzeichnet. 

    Überhaupt hat der Autor einen Hang zum Bizarren. 

    Reißerisch beschreibt er z.B. die Leichen im Flugzeug in allen Einzelheiten. Gruselig! 

    Rye Curtis versteht es Spannung zu erzeugen. Seine Sprache ist oft bildhaft, bisweilen sogar schwarzhumorig. Das hat mir gefallen. 

    Wie oft bei Debütanten habe ich auch hier das Gefühl, dass der Autor zu viel Input in seine Story gepackt hat. 

    Insgesamt hat sich Curtis mit seinen ersten Roman wacker geschlagen. Ich denke, er hat das Zeug zum Bestsellerautor.

    Eine bizarr unterhaltsame Abenteuergeschichte, die gelesen werden will. 

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    Cover des Buches Writers & Lovers (ISBN: 9783406756986)

    Bewertung zu "Writers & Lovers" von Lily King

    Writers & Lovers
    Patnovor 12 Tagen
    Hochgelobt, aber für mich eher Mittelmaß

    Das Cover fiel mir im Buchladen ins Auge. Der Klappentext lässt auf eine humorvolle Geschichte voller Emotionen hoffen. Genau mein Ding. 

    So lerne ich die 31jährige Casey kennen, die nicht nur den plötzlichen Tod ihrer Mutter verarbeiten muss, sondern auch die Trennung von ihrem Freund Luke. 

    Casey geht nach Boston. Mit einem Schuldenberg im Gepäck jobbt sie als Kellnerin. Verzweifelt versucht sie dem Strudel der Abhängigkeit zu entkommen. Dabei gerät sie immer wieder an die falschen Männer. 

    Einziger Lichtblick in ihrem Leben ist das Schreiben. Seit nunmehr 6 Jahren arbeitet sie an ihrem Roman und träumt davon, ihn eines Tages zu veröffentlichen. 


    Ich kann gut nachempfinden, wie schwierig es für Casey ist, einen Ausweg aus ihrer Lebenskrise zu finden. Die Mutter fehlt als Ratgeber. Wie der Buchtitel bereits ankündigt, gibt es eine Reihe „Lovers“ in ihrem Leben, doch die Trennung von Luke ist nur schwer zu verarbeiten. 

    Interessiert verfolge ich Casey’s Schreiballtag. Schnell wird klar, wie arbeits- und zeitintensiv, aber auch wie erfüllend, diese Tätigkeit sein kann. Es ist erstaunlich, wie Casey alle Sorgen ausblendet, wenn sie an ihrem Roman schreibt. Ich spüre die Trauer, die sie umgibt, ihre innere Zerrissenheit und ihre Hoffnung auf ein anderes, ein erfülltes Leben. 

    Dennoch finde ich kaum Zugang zu Casey, die hier als Ich-Erzählerin auftritt. In ihren Handlungen wirkt sie auf mich oft befremdlich. 

    Abgesehen davon, habe ich mich mit dem Schreibstil der Autorin schwergetan. Der Einstieg ins Geschehen wirkt hölzern. Vielleicht liegt das auch an der Übersetzung. 

    Lily King springt in den Szenen ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, was meinen Lesefluss hemmt. 

    Mir fehlen die Spannungsmomente. Stellenweise quäle ich mich durch die Seiten. 

    Erst im letzten Drittel erreicht mich die Geschichte. Dann geht darum, ob Casey ihren Roman zu Ende schreibt und ob er veröffentlicht wird.


    Ingesamt konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. 

    „Writers & Lovers“ ist ein hochgelobter amerikanischer Roman, der für mich eher zur Kategorie „solider Durchschnitt“ gehört. 

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    Cover des Buches GOTT (ISBN: 9783630876290)

    Bewertung zu "GOTT" von Ferdinand von Schirach

    GOTT
    Patnovor 14 Tagen
    Das Dilemma der Doppelmoral

    Nach dem Erfolg von „Terror“ wagt sich der Meister der Kurzgeschichte Ferdinand von Schirach an ein neues Theaterstück. 


    Wieder greift er ein kontrovers diskutiertes Thema auf. 


    Am 14.09.2020 ist sein neues Werk „Gott“ bei Luchterhand erschienen.


    Das hochwertig gebundene Büchlein passt optisch in die Schirach-Reihe und beinhaltet neben dem Theaterstück im Anhang drei Essays namenhafter Wissenschaftler zur Suizidbeihilfe. 




    Stellen Sie sich vor, Sie sitzen als Zuschauer im Leipniz-Saal der Akademie der Wissenschaften Berlin und nehmen an einer Tagung des Deutschen Ethikrates teil. 


    Zur Diskussion steht der Fall Richard Gärtner. 


    Der geistig und körperlich gesunde 78jährige Mann möchte nicht mehr weiterleben. Er „hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital beantragt. Das Medikament, das in anderen Ländern von Sterbehilfsorganisationen eingesetzt wird. Herr Gärtner erklärte, er wolle sich das Leben nehmen.“ (Auszug aus dem Buch)


    Mediziner, Juristen, Pfarrer, Ethiker und Politiker kommen zu Wort und tauschen ihre Argumente darüber aus, ob Ärzte dem alten Mann beim Suizid helfen dürfen. 


    Jeder der einzelnen Standpunkte ist für mich schlüssig und nachvollziehbar und doch fällt es mir schwer, mich hier zu positionieren. 


    Ferdinand von Schirach beherrscht es, seine Leser/Zuschauer in das Dilemma der Doppelmoral zu stürzen. 


    Einerseits ist da der hippokratische Eid und der Glaube an Gott, der Zweifel an der Beihilfe zum Suizid aufkommen lässt. Anderseits respektiere ich Herrn Gärtners Wunsch selbst über seinen Tod zu entscheiden, obwohl ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum er keinen Sinn mehr am Leben findet. 


    Wem gehört unser Leben? Ist es unsere letzte Freiheit, selbst zu entscheiden, wie wir sterben wollen? 


    Nachdenklich bleibe ich zurück. Das Gelesene lässt mich nicht los, gerade weil der Autor nicht einen schwerkranken Protagonisten in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt hat, sondern einen lebensmüden älteren Herren. 


    Erst dadurch wird mir bewusst, wie schwierig es ist über Leben oder Tod zu urteilen. 


    Auch die unterschiedlichen Länderregelungen zum Thema Suizid werden im Buch angesprochen 


    Nachdem in Deutschland das Bundesverfassungsgericht am 26.02.2020 in seinem Urteil den § 217 StGB für verfassungswidrig erklärt hat, bleibt zu hoffen, dass sich der Bundestag zukünftig sensibel und mit Weitblick mit dieser Thematik auseinandersetzt. 




    Fazit: 


    Ein typischer Schirach, messerscharf analysiert, intelligent inszeniert, knapp und klar auf den Punkt gebracht. Spitzenklasse! Leseempfehlung!

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    Cover des Buches Das hippe Landkochbuch (ISBN: 9783962571597)

    Bewertung zu "Das hippe Landkochbuch" von Tieghan Gerard

    Das hippe Landkochbuch
    Patnovor 16 Tagen
    Coole Rezepte- genussvoll und ungewöhnlich

    „Das hippe Landkochbuch“ - der Name ist Programm, denn schon beim ersten Durchblättern erkennt man, dass die Rezepte ungewöhnlich sind. 


    Wer hat schon einmal Apfel-Ricotta-Pancakes mit Speckbutter oder Gebackenen Käse mit Erdnussbutter und Marmelade zubereitet? 


    Optisch betrachtet ist dieses Buch ein Hingucker, hochwertig verarbeitet mit integriertem Lesebändchen. 


    Die Buchautorin Tieghan Gerard erzählt viel von sich, wie sie in den Bergen Colorados aufwuchs und im Alter von 15 Jahren begann, die Küche in ihr Reich umzuwandeln. 


    Schnell wird mir klar, wie kreativ die junge Foodbloggerin beim Zubereiten und Anrichten der Gerichte ist. Das gefällt mir. Anhand von tollen Fotos und Zusatzinformationen inspiriert sie ihre Leser und lädt sie ein, ihre Rezepte hier und da auch einmal abzuwandeln. Überrascht bin ich, dass fast alle Zutaten in gut sortierten Lebensmittelgeschäften erhältlich sind. 


    Das Buch ist aufgeteilt in Frühstücksgerichte, Vorspeisen & Snacks, Pasta & Getreidegerichte, Geflügel & Schweinefleisch, Fisch & Meeresfrüchte, Rind & Lamm, Gemüse und Desserts & Süßspeisen. 


    Als Erstes entscheide ich mich für die knusprigen Hafer-Honig-Riegel. Sie sind gut gelungen, schmecken lecker und sind als Pausensnack bestens geeignet. Omas Ofen-Pfannkuchen stehen bei den Kindern hoch im Kurs. 


    Mein Lieblingsrezept ist „Dads einfacher Nudelsalat“ mit selbst gemachtem Basilikum-Pesto. Der Salat ist der Hammer und lässt viel Raum für Kreativität. Ideal für Mitbringpartys und Picknicks. 


    Zum Nachtisch empfehle ich „Moms Haferflocken-Chocolate-Chips-Cookies“ oder die „Schokoladen-Kokos-Karamellriegel“ mit selbst gemachter Karamellsoße. Die Soße schmeckt himmlisch lecker und kann mehrere Wochen aufbewahrt werden. 


    Mit Tieghan Gerard ist Schlemmen erlaubt. Sie spart nicht mit Butter, Salz und Zucker. Vorsicht Hüftgold! 


    „Das hippe Landkochbuch“ bietet genussvolle, abwechslungsreiche Kochideen für jeden Geschmack. Kaufempfehlung! 

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    Cover des Buches Mörderklima (ISBN: 9783947612871)

    Bewertung zu "Mörderklima" von Stefan Schweizer

    Mörderklima
    Patnovor 20 Tagen
    Interessante Buchidee

    Die globale Erwärmung ist ein brandaktuelles Thema. 

    Stefan Schweizer hat sich in seinem neuen Buch mit dem Klimawandel auseinandergesetzt. 

    „Mörderklima“ ist im 26. August 2020 bei MainBook erschienen. 

    Der Buchautor hat mich mit seinen hochinteressanten Fachbüchern über die RAF bereits begeistert und so war ich gespannt, wie er sich in diesem Genre schlägt. 

    Zu einen guten Krimi gehört ein ambitionierter Ermittler. Diese Rolle verkörpert hier der Privatdetektiv Georg von Gleiwitz. 

    Die Geschichte beginnt mit einem Streit zwischen zwei Frauen. Danach ist eine von ihnen tot. Die andere stirbt später an einer Überdosis Schlaftabletten. Mord oder Selbstmord? 

    Gleiwitz begibt sich auf Spurensuche und stößt dabei auf den Forschungsverbund „ClimateSave“. Offenbar wurden hier Daten manipuliert. Aber wer steckt dahinter? 

    Sind es die Klimawandelleugner, die den Klimawandel herunterspielen und dafür sogar über Leichen gehen? Oder kommt der Gegenwind aus den Reihen der Wissenschaftler?

    Was will Professor Meyer mit seiner inszenierten Selbststrangulation in der Öffentlichkeit erreichen? Will er gegen die gesellschaftliche Klimahysterie protestieren? Jedenfalls geht seine Aktion nach hinten los und Georg von Gleiwitz muss Überstunden schieben. Also keine Zeit für seine Kollegin Tabea, die ein Auge auf den blaublütigen Privatdozenten geworfen hat, der seinerseits noch immer seiner großen Liebe Anna nachtrauert. 

    Stefan Schweizer verpackt eine ganze Ladung Fachwissen in seinen verzwickten Kriminalfall. Sein intelligenter, mitunter sogar poetischer Schreibstil ist angenehm zu lesen und trägt mich schnell durch die Seiten. Zwischen den Zeilen liegt eine unterschwellige Spannung. Hier hätte es für meinen Geschmack gern noch eine Schippe mehr sein können. Die fachlich-wissenschaftliche Seite ist perfekt in Szene gesetzt. 

    Allerdings habe ich Schwierigkeiten mit den Charakterdarstellern Sie sind sachlich nüchtern ausgearbeitet. Obwohl sie mit ihren Eigenheiten beschrieben werden wirken auf mich kühl und unnahbar. Es gelingt mir nicht, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. 

    Mir fehlt schlicht und einfach eine starke Romanfigur, mit der man als Leser fiebert. 

    Stefan Schweizer ist ein brillanter Sachbuchautor, ein Rohdiamant als Romanschreiber. 

    Die Buchidee gefällt mir, denn das Thema „Klimawandel“ ist allgegenwärtig. Wir alle sind davon betroffen. 

    „Mörderklima“ hat mich zum Nachdenken inspiriert. 

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    Cover des Buches Die Königin des Ritz (ISBN: 9783426282557)

    Bewertung zu "Die Königin des Ritz" von Melanie Benjamin

    Die Königin des Ritz
    Patnovor einem Monat
    Eine interessante Geschichte mit Anlaufschwierigkeiten

    Der auf Tatsachen beruhende Roman „Die Königin des Ritz“ erweckte bereits aufgrund des Covers meine Aufmerksamkeit. Paris als Schauplatz übt auf mich eine besondere Faszination aus. Ausserdem interessierte mich der Alltag im Luxushotel Ritz vor dem Hintergrund der deutschen Eroberung. 

    Die Geschichte beginnt im Juni 1940. Obwohl inzwischen deutsche Soldaten in den Sesseln lungern und Hakenkreuze den Blumenschmuck zieren, beeindruckt das Ritz seine Gäste nach wie vor mit Glanz und Glamour. 

    Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Blanche und Claude Auzello. Während Claude als Direktor des Hotels Karriere macht, genießt seine amerikanische Frau Blanche die angenehmen Vorzüge, die der Posten ihres Mannes mit sich bringt. 

    Wechselseitig lässt die Autorin die beiden Charaktere zu Wort kommen. Doch für mich entwickelt sich die Story zunächst ganz anders, als der Klappentext vorhersagt. 

    Mit der Ehe der beiden steht es nicht zum besten. Claude offenbart seiner Frau ganz offen, dass er sich hin und wieder bei einer Mätresse austoben muss, weil halt Franzosen das so machen. Blanche kommt mit der Situation schlecht klar. 

    So geht es Seite um Seite zwischen den Eheleuten hin und her, mal zoffen sie sich, mal raufen sie sich wieder zusammen. Die Story dümpelt vor sich hin. Ich vermisse einen Spannungskick, der mich  neugierig macht, auf das was da noch kommt. 

    Erst in der zweiten Hälfte nimmt die Handlung Fahrt auf. Dann beschreibt die Autorin, wie Blanche Aufträge für die Résistance übernimmt, falsche Pässe schmuggelt und schamlos ihre Reize einsetzt, um die Gegner zu verunsichern. Endlich fesselt mich die Geschichte.

    Dass auch Claude inzwischen dem Widerstand beigetreten ist und aktiv gegen die Nazis arbeitet, ahnt Blanche nicht. Die Ereignisse überschlagen sich und Claude muss alle Kräfte mobilisieren, um seine Frau zu schützen. 

    Zu den Charaktere finde ich dennoch kaum Verbindung. Sie wirken auf mich farblos und kühl. Selbst ihre Tätigkeit für die Résistance kaufe ich ihnen nicht wirklich ab. Ich vermisse Leidenschaft und Emotionen. 

    Dabei beschreibt die Autorin das Zeitgeschehen in Paris eindrucksvoll. Ich sehe die deutschen Besatzer vor mir und kann gut nachempfinden, dass sich die Franzosen in ihrer Gegenwart unwohl fühlen. Außerdem kann ich mir das schillernde Luxushotel in lebendigen Bildern vorstellen. 

    Neben den wahren Hintergründen huschen Coco Chanel, Ernest Hemingway und Marlene Dietrich durch die Szenerie und verleihen ihr damit Authentizität. 

    Das Ende stimmt nachdenklich und lässt mich grübelnd zurück. 

    Ich finde es schade, dass es Melanie Benjamin erst so spät gelingt, mich als Leser einzufangen, denn insgesamt ist der Roman professionell ausgearbeitet und niedergeschrieben. 

    Mit kleinen Abzügen in der B-Note ist „Die Königin des Ritz“ durchaus lesenswert. 

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    Cover des Buches Der Unfehlbare (ISBN: 9783406755750)

    Bewertung zu "Der Unfehlbare" von Hubert Wolf

    Der Unfehlbare
    Patnovor einem Monat
    Geballte Ladung Fachwissen

    Hin und wieder suche ich lesetechnisch die besondere Herausforderung. 

    Beim C.H. Beck Verlag entdecke ich Hubert Wolfs Werk „Der Unfehlbare“. Das Cover mit Pius lX. ist ansprechend. Außerdem habe ich vom Katholizismus des 19. Jahrhunderts bislang keinen blassen Schimmer. 

    So lerne ich den kleinen kränkelnden Jungen namens Giovanni Maria Mastai Ferretti kennen, der eine erstaunliche Entwicklung vom Provinzadligen zum mächtigsten und am längsten amtierenden Papst der Geschichte nimmt.

    Dabei ist Giovannis Weg keinesfalls vorbestimmt. Eigentlich will er wie sein Bruder eine Militärlaufbahn einschlagen, was leider aufgrund seines Gesundheitszustands nicht möglich ist.  

    Giovanni ist ein hübscher junger Bursche, der keine genaue Vorstellung von seiner Zukunft hatte. 

    Um so erstaunlicher ist es, dass er später als Pius IX. die unbefleckte Empfängnis Mariens und seine eigene Unfehlbarkeit zum Dogma erhebt. 

    Als Papst gelingt es Ferretti, den neu aufgestellten Katholizismus als Wächter alter Traditionen und als Pfeiler gegen Demokratie und Moderne einzusetzen. 


    Hubert Wolf hat ein umfassendes, tiefgreifendes Werk geschaffen, welches nicht nur das Wirken von Papst Pius IX thematisiert, sondern auch das Vorleben von Giovanni Maria Mastai Ferretti beleuchtet. Ich finde es faszinierend, wie ein von Epilepsie geplagter Durchschnittstyp den Weg in den Papststuhl schafft. War es eine glückliche Fügung oder Cleverness?  Da bin ich mir nicht sicher. Im Verlauf der Handlung scheint mir der Mensch hinter der Fassade eher ein unsicherer Typ zu sein, der an Übersinnliches glaubt und ohne seine Berater kaum eine Entscheidung fällen kann. Und doch erreicht eben dieser Mann, was keinem Papst sonst gelang. Das ist erstaunlich. 

    Der Buchautor gewährt interessante Einblicke in politische, staatliche und soziale Bereiche der damaligen Zeit und stellt Ihre Einflüsse auf die Ausrichtung des Katholizismus dar. 

    Ein bemerkenswerter historischer Abriss. 

    Hubert Wolf schreibt spannend. Es gelingt ihm trotz des schweren Lesestoffes, die Zusammenhänge gut verständlich rüberzubringen. 

    Dennoch fällt es mir gelegentlich schwer, die fachspezifischen wissenschaftlichen Ausführungen in ihrer Gänze zu begreifen, was wohl auf meine rudimentären Vorkenntnisse zurückzuführen ist. Insgesamt nehme ich viele neue Informationen mit und verstehe die bedeutende Rolle von Pius IX. bei der Erfindung des Katholizismus des 19. Jahrhunderts. 

    Ich bewundere die exzellente Recherchearbeit und das enorme Fachwissen des Autors. Respekt! 

    Nun ist das sicher kein Lesestoff für Jedermann. 

    Wer sich jedoch für diese Thematik interessiert, dürfte mit diesem Buch richtig liegen. 

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    Cover des Buches Blut schweigt niemals (ISBN: 9783426302132)

    Bewertung zu "Blut schweigt niemals" von Stephan Harbort

    Blut schweigt niemals
    Patnovor einem Monat
    Interessant, spannend, authentisch

    Obwohl die Aufklärungsrate bei Tötungsdelikten in Deutschland relativ hoch ist, gibt es Fälle, bei denen es nicht gelingt, den Täter zu überführen. Irgendwann werden die Ermittlungen eingestellt. 

    Doch kein Täter darf sich sicher fühlen, denn inzwischen gibt es Spezialisten der Mordkommission, die alte ungeklärte Fälle - sogenannte Cold Cases- erneut überprüfen und nach eventuell übersehenen Hinweisen suchen. Manchmal sind es innovative kriminaltechnische Verfahren, die helfen, alte Spuren neu zu bewerten. 

    In seinem neuen Buch, welches im Februar 2020 bei Droemer Taschenbuch erschienen ist, thematisiert Stephan Harbort solche spektakulären Aufklärungen. Oft liegen hier zwanzig Jahre und mehr zwischen dem Tatgeschehen und der Überführung des Täters. 

    Der Buchautor ist Kriminalkommissar und zählt zu den bekanntesten Profilern Deutschlands. Er berichtet also direkt von der Basis, beschreibt die akribische Arbeit der Experten, die mitunter einer Stecknadelssuche in einem Heuhaufen gleicht und doch oft zu aufsehenerregende Ermittlungserfolgen führt. 

    Mitunter sind Harborts Ausführungen nur schwer zu ertragen, vor allem mit dem Hintergrundwissen, dass es sich um Tatsachenberichte handelt. 

    Ich habe schon viele Bücher von ihm gelesen. Auch schreibtechnisch arbeitet Harbort sehr professionell. Die einzelnen Fälle sind informativ und spannend aufbereitet. Einmal angefangen, gelingt es mir kaum, das Buch aus den Händen zu legen und ich fiebere bei der Überführung der Täter mit. 

    Ich stelle es mir interessant vor, die vergilbten Ermittlungsakten der Polizeiarchive durchzusehen, wobei heutzutage vermutlich die Unterlagen digitalisiert aufbereitet sind. Es muss für einen Ermittlungsbeamten ein gutes Gefühl sein, ein Cold Case aufzuklären und den Angehörigen der Opfer auch nach vielen Jahren Klarheit zu verschaffen. Trotzdem zeigen die Fälle im Buch auch, dass nicht jeder Täter für seine Tat bestraft werden kann, denn das Gericht muss klären, ob es sich beim Tötungsdelikt wirklich um einen Mord handelt, denn nur hier gibt es keine Verjährungsfrist. 

    Keine Lektüre für schwache Nerven! Die kurzen Storys haben es in sich, breiten schonungslos offen Tathergänge aus und blicken in die Abgründe kranker Täterseelen.

    Mich fasziniert die Arbeit der Ermittler und ich habe großen Respekt vor ihren Leistungen. Darüber zu lesen ist hochinteressant und spannend, doch wenn ich das Buch zuklappe, rumort es gehörig in meinem Kopf. Viele dieser Fälle bleiben im Gedächtnis haften. 

    Wer sich für wahre Kriminalfälle interessiert, kommt an Stephan Harbort nicht vorbei. Lesen!!!

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    Cover des Buches Klammerblues um zwölf (ISBN: 9783453424128)

    Bewertung zu "Klammerblues um zwölf" von Carla Berling

    Klammerblues um zwölf
    Patnovor 2 Monaten
    Unterhaltsam inszeniert, cool geschrieben

    Stellt Euch vor, ihr radelt durch Köln und plötzlich steht ein fetter schwarzer hustender Mops vor Euch. Ihr schenkt ihm für einen kurzen Moment Eure volle Aufmerksamkeit und merkt zu spät, dass das Tier an einer Jojo-Leine hängt. Das Fahrrad ist nicht mehr zu halten und der Schotter bahnt sich den Weg in Euer Gesicht. 




    Mit einem solchen Szenario beginnt Carla Berlings Roman „Klammerblues um zwölf“, der im Juli 2020 beim Heyne Verlag erschienen ist. 


    Dieser Buchtitel wirft Fragen auf. Wer tanzt hier mit wem eng umschlungen und warum gerade um zwölf? 


    Ich finde es heraus. 


    Die Hauptheldin der Geschichte ist die 57 jährige Fee, die nach dem Tod ihres Mannes antriebslos in den Tag hineinlebt. Fee verbringt ihre Zeit Musik hörend oder Serien guckend auf dem Sofa und tröstet sich dabei mit Chips und Prosecco. Leider hatte sie ihren Job schon vor dem Teddys Tod aufgegeben. Die Kinder führen ihr eigenes Leben. 


    Nach einem einsamen Silvesterabend steht plötzlich Nachbarin Claudine vor der Tür und befreit Fee endlich aus ihrem Alltagstrott. Sie schlägt ihr vor, gemeinsam mit der 72 jährigen Mary eine WG zu gründen. 


    Eine illustre Damenrunde, die für einige Überraschungen sorgt.




    Heiter beschwingt ist der Einstieg in die Geschichte, doch schnell wird klar, dass sich hinter dem Humor ernstere Töne verbergen. 


    Es geht ums Älterwerden, um Trauerbewältigung und Selbstmitleid, aber auch um Freundschaft, Vertrauen und die Liebe. 


    Carla Berling ist schreibtechnisch ein Vollprofi, sprach -und stilsicher. Sie schafft es, Alltägliches spannend, mit viel Gefühl und Emotionen, in Szene zu setzen. Ihre Charaktere sind liebenswert schräg und dabei greifbar authentisch. Menschen wie Du und Ich mit all ihren Eigenheiten. 


    Sind wir doch mal ehrlich. Wir haben mehr oder weniger Angst vorm Älterwerden. Neben uns gibt es immer mehr Einschläge. Wir verlieren geliebte Menschen. Keiner von uns ist gern allein. 


    Dieses Buch macht Mut sein Glück selbst in die Hand zu nehmen, neue Wege zu gehen und dabei das Leben zu genießen. Schluss mit: Ja, aber... 


    Es ist nie zu spät für einen Neuanfang und erst recht nicht für die Liebe. Man kann auch mit Ü 60 noch Schmetterlinge im Bauch spüren. 


    Ich fand Fees Entwicklung von der trauernden vereinsamten Stubenhockerin zur hippen Durchstarterin klasse. 


    Musik spielt im Roman eine große Rolle. Es gefällt mir, dass Carla Berling viele tolle Musiktitel in ihre Geschichte einbindet. Ohrwürmer im Kopf, die nach einer Playlist zum Buch rufen. 


    Wer sich nun summend durch den Roman gelesen hat, erfährt am Ende auch, was es mit dem „Klammerblues um zwölf“ auf sich hat.




    Unterhaltsames Lesevergnügen mit ernsten Untertönen und Schmunzelgarantie! 


    Schlagt zu bei dieser coolen Lektüre. Ja, aber war gestern! Heute wird gelesen! 



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