Peter_Waldbauer

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    Cover des Buches Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen (ISBN: B07C3PQ44V)

    Bewertung zu "Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen" von Peter Waldbauer

    Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen
    Peter_Waldbauervor 2 Jahren
    Cover des Buches Lexikon der antisemitischen Klischees: Antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung (ISBN: 9783938396070)

    Bewertung zu "Lexikon der antisemitischen Klischees: Antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung" von Peter Waldbauer

    Lexikon der antisemitischen Klischees: Antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Der versteckte Antisemitismus (von Laszlo Trankovits)

    Murnau - Der Antisemitismus lebt. Als Hollywood-Star Mel Gibson im vergangenen Sommer betrunken am Steuer seines Autos aufgehalten wurde, beschimpfte er den vermeintlich jüdischen Polizisten mit dem Vorwurf, dass «Juden an allen Kriegen der Welt schuld» seien.
    Dieser offen anti-semitische Ausbruch aber ist eher ungewöhnlich. Denn zu ihrer Abscheu vor Juden bekennen sich heute höchstens Verwirrte und Rechtsradikale. Seit dem Holocaust ist zumindest im Westen die offene Diskriminierung von Juden ein Tabu. Im Alltag aber wirken unzählige versteckte Vorurteile. Juden gelten vielen als Weltverschwörer und globale Strippenzieher, als raffgierig und machthungrig. Wer das «Lexikon der antisemitischen Klischees» liest, registriert rasch die brennende Aktualität der oft Jahrhunderte alten Vorurteile.
    Der Autor Peter Waldbauer widmet sich in seinem kleinen Buch nicht nur anti-semitischen Hirngespinsten, zum Beispiel dem Vorwurf, Juden würden in ihr ungesäuertes Brot zum Passahfest das Blut ermordeter Christenkinder verarbeiten. Waldbauer entlarvt auch gängige Sichtweisen als abstruse Klischees.
    Das beginnt schon mit der Unterstellung, der Gott der Juden sei ein rachsüchtiger Gott, der der Christen ein versöhnender: Schließlich findet sich auch der Satz «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» zunächst im alttestamentarischen Buch Jesaja. Der Autor beschreibt, wie Jahrhunderte der Verfolgung und Ausgrenzung Juden in Geldgeschäfte und Handel drängten. Und er weist nach, dass es früher wie heute abwegig ist, eine jüdische Dominanz in der Finanzwelt zu unterstellen, gar die Vorstellung, Juden würden in den USA oder anderswo Wirtschaft und Politik manipulieren können.
    Über den aktuell wachsenden linken Antisemitismus, die Fragwürdigkeit vieler angeblich nur Israel-kritischer Äußerungen oder die Judenfeindlichkeit in der islamischen Welt geht es in diesem Büchlein nicht. Der Autor, ein Börsenspezialist, beschäftigt sich mit gängigen Vorurteilen und ihrer Entstehungsgeschichte. Dabei begeht er auch mal sachliche Fehler, zum Beispiel unterstellt er, Israel würde aus dem Ausland finanziert. Dabei ist Israel eines der wenigen blühenden Wirtschaftszonen im Nahen Osten.
    Manche Klischees über Juden, das macht das Buch auch deutlich, stimmen allerdings: beispielsweise die Tatsache, dass es im Westen einen weit überproportional hohen Anteil jüdischer Wissenschaftler, Ärzte, Denker, Schriftsteller und Nobelpreisträger gibt. Diese «Sonderrolle» von Juden in der Welt erklärt sich wohl auch als eine Reaktion auf die unvergleichliche Verfolgung und Diskriminierung der Juden in der Geschichte.

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    Cover des Buches Der Bestattungsratgeber (ISBN: 9783955580322)

    Bewertung zu "Der Bestattungsratgeber" von Peter Waldbauer

    Der Bestattungsratgeber
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Vorsorgevertrag hilft Angehörigen (von Freya Rickert, EKZ Bibliotheksservice)

    Der Betriebswirt, der während seines Studiums als Gehilfe in der Bestattungsbranche gearbeitet hat, will hier vor dubiosen Geschäftemachern warnen. Er wendet sich an
    Hinterbliebene und Vorsorgewillige. An den Anfang stellt er die Kosten einer Bestattung und den durchschnittlichen Verdienst des Bestatters, der ins Auge sticht. Es folgt ein Überblick über den Sterbefall, Bestattungsarten (auch Natur- und Sonderbestattungen) sowie Graborte und -arten. Dann werden Ratschläge gegeben, wie man Bestatter auswählt und wie man sanft oder hart mit ihnen verhandelt. Es folgen wirtschaftliche Angaben zu Überführung,
    Feuerbestattung, Fremdleistungen, die Rechnung und ihre Fallen, Sterbegeld-
    Versicherungen, Vorsorgeverträge, die Gebührenordnung und ihre Tücken sowie wichtige Adressen und Webseiten. Im Schlusswort rät er, man solle sein Geld besser für die Lebenden ausgeben.

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    Cover des Buches Homo Saarlandicus. Was es heißt, ein Saarländer zu sein (ISBN: 9783730602706)

    Bewertung zu "Homo Saarlandicus. Was es heißt, ein Saarländer zu sein" von Peter Waldbauer

    Homo Saarlandicus. Was es heißt, ein Saarländer zu sein
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Warum die Saarländer die Besten sind (Saarbrücker Zeitung, 29,08.2015)

    Von Berufs wegen befasst sich Peter Waldbauer mit Ökonomie, doch jetzt hat er dem „Homo saarlandicus“ ein Denkmal gesetzt. Um es auf den Punkt zu bringen: Kein Deutscher ist sympathischer als der Saarländer.
    Spricht man Peter Waldbauer auf seine Herkunft an, wird der sonst nicht wortkarge Dozent für Betriebswirtschaft und Rechnungswesen, fast ein bisschen verlegen. Ja, gibt er zu, er sei gebürtiger Pfälzer, aus Zweibrücken. „Mit zehn Jahren bin ich aber ins Saarland gezogen.“ Nach Homburg-Einöd. Nicht direkt eine Weltreise. Für ihn aber ein Riesenschritt. Weil er dann wesentliche Zeit seines Lebens, rund 30 Jahre nämlich, im schönsten aller Bundesländer lebte. So sieht Waldbauer das jedenfalls. Und sein Buch, das Anfang September erscheint und am 10. September in Saarbrücken vorgestellt wird, liest sich quasi als eine einzige große Liebeserklärung an unsere Region im Südwesten der Republik und namentlich ihre Bewohner. „Homo saarlandicus – Was es heißt, ein Saarländer zu sein “ hat der Autor es überschrieben. Und in der Tat ist es eine höchst schmeichelhafte, augenzwinkernde, bisweilen aber auch klischeetrunkene Charakterisierung des Landes und seiner Eingeborenen geworden. Die seien quasi Cousins der Franzosen, sogar im Äußeren. Selbst die notorisch hochnäsigen Pariser würden die Saarländer irgendwie als fernen Verwandten anerkennen. Seine Lebensart – „der Saarländer arbeitet, um zu leben, nicht umgekehrt“ – hebe ihn positiv von den ständig sich abrackernden Rest-Deutschen ab. Und er sei der Genießer par excellence: lieber ein kleines Auto fahren und bloß ans Elternhaus anbauen, statt beim guten Essen Abstriche zu machen. Zudem, konstatiert Waldbauer, sei der Saarländer auch angenehm bodenständig und pragmatisch. Der Homo saarlandicus löse Probleme stets mit eenem, denne er kennt, der enner kennt… „Dem offiziellen Weg“ dagegen, so Waldbauer, „misstraut er.“

    Fügt man all das zusammen, erscheint der Saarländer wohl wie eine abenteuerliche Mixtur aus dem mittlerweile verrenteten frankophilen „Tatort“-Kommissar Palu, der erst mal dem Rouge zusprach, bevor er ermittelte, und dem Batschkappschwadronierer Heinz Becker. Rein äußerlich also schwerlich die attraktivste Mischung, auf jeden Fall aber sehr reizvoll.

    Liest man in Waldbauers Buch freilich Sätze wie diesen, „Die Saarbrücker Bahnhofstraße ist lang, breit und mondän“, und, die Saarlouiser Altstadt erinnere an das „French Quarter in New Orleans“, beschleicht einen doch das leise Gefühl: Dieser Pfälzer macht sich einen Jux mit den Saarländern. „Nein, nein“, entgegnet Waldbauer beinahe schon empört. Man müsse das relativ zur Umgebung sehen. „Man muss schon weit fahren, um eine vergleichbare Großstadtatmosphäre wie in Saarbrücken zu finden. Saarbrücken hat richtigte Glitzerpaläste“, sagt er.

    Was man dem Saarland-Freund Waldbauer sicher nicht vorhalten kann, ist, dass er keine Vergleichsmöglichkeiten hätte. Einige Jahre war er mit dem 1999 verstorbenen Börsenguru André Kostalny auf dessen weiten Vortragsreisen unterwegs, hat sich von ihm wohl auch einige Finanztricks abgeguckt. Und heute lebt Waldbauer des Berufs wegen in Schwetzingen, der Spargel-Metropole mit einem der schönsten Schlösser und Barockgärten weit und breit. Doch gerade seine arbeitsamen Mitbürger im Rhein-Neckar-Raum, so Waldbauer, hätten ihn zu seiner Liebeserklärung gereizt: „Im Vergleich zu denen ist der Saarländer zugleich weltoffener und entspannter.“ Das liest man hier natürlich gern. Lateinlehrer allerdings dürften zumindest an Waldbauers Buchtitel wenig Freude haben. „Homo saravianus“ müsste es wohl korrekterweise heißen. „Saarlandicus“ klingt aber besser. Fast wie im „Asterix“-Heft – und wie die sympathischen Ur-Franzosen, meint Waldbauer, lieben die Saarländer „ihren Status als kleines gallisches Dorf“.

     

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    Cover des Buches Arm durch Arbeit (ISBN: 9783548373126)

    Bewertung zu "Arm durch Arbeit" von Markus Breitscheidel

    Arm durch Arbeit
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Was soll das?

    Also bitte! Die Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor und die Übernahmechancen aus Zeitarbeitsverhältnissen sind bekannt - dafür braucht es keine Undercover-Recherche.
    Dass der Autor behauptet, er habe von seinem geringen Verdienst nicht leben können und deshalb Hartz IV beantragen müssen ist wohl ein Witz.
    Selbstverständlich brauchte Breitscheidel nicht zum Amt. Der Autor hatte seinen Bestseller "abgezockt und totgepflegt" 70.000 mal verkauft, was ungefähr dem gleichen Eurobetrag als Autorenhonorar entspricht. Hinzu kommen seine Einnahmen aus den zahlreichen Lesungen und PR-Terminen (Spesenerstattung ist immer viel höher als die tatsächlichen Ausgaben).
    Hat er die ganzen Einnahmen vor den Behörden verschwiegen, nur um seine Rolle durchhalten zu können? Und falls ja, hat er die Unterstützung nach dem Ende seiner Undercovertätigkeit wieder zurückgezahlt? Das wären doch die viel brennenderen Fragen?
    Richtig süß ist die Episode als Erntehelfer. Wer es bisher noch nicht gewusst hat, weiß es jetzt: 12 Stunden bei großer Hitze auf den Knien herumrutschen und dabei Erdbeeren pflücken ist: anstrengend!

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    Cover des Buches Der Bohlenweg (ISBN: 9783453601550)

    Bewertung zu "Der Bohlenweg" von Dieter Bohlen

    Der Bohlenweg
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Bohlens BWL

    Bohlen hat zwar BWL studiert, aber nicht immer so ganz aufgepasst. Auf Seite 385 unten schreibt er:

    "Ich glaube, dass wir mit Daniel das Maximum erreicht und das Minimaxprinzip optimal angewendet haben. Man soll mit minimalem Einsatz das Maximum herausholen. Genau das haben wir gemacht."

    Genau das hat Dieter Bohlen bestimmt nicht gemacht, weil das nämlich gar nicht möglich ist. Wer unter dem ökonomischen Prinzip das Anstreben maximalen Resultates bei minimalem Aufwand versteht, begeht den größten Fehler betriebswirtschaftlichen Denkens überhaupt. Dieses Ziel ist nicht lösbar! Die Leser mögen einmal versuchen, folgendes Ziel zu erreichen: Durcharbeiten eines Buches bei minimalem Zeitaufwand und gleichzeitiges Anstreben maximalen Lernerfolges.

    Beides gleichzeitig ist nicht möglich: Entweder ist der Ertrag vorgegeben und ich versuche ihn mit minimalem Aufwand zu erreichen, oder aber ich will aus einem bestimmten Aufwand das Maximale herausholen. Beide Größen, Aufwand und Ertrag, gleichzeitig zu optimieren, ist nicht möglich. Auch nicht, wenn man Dieter Bohlen heisst.

    Bohlens Stärke liegt denn auch nicht in der allgemeinen BWL, sondern im Marketing. Zweifelsohne hat er es darin zur Meisterschaft gebracht: im Marketing, nicht in der Musikkunst. Das Anpreisen seiner Produkte beherrscht er in Perfektion. Auf einem Blue System-Konzert forderte er sein Publikum ein halbes Dutzend Mal auf, seine CDs im Handel zu erwerben.

    Entsprechend der Marketinglehre hat Bohlen auch alle seine Musikhits konzipiert, seien es die von Modern Talking, von Blue System, von den Superstars oder die vieler anderer Künstler, die er produziert hat:

    1. Zielgruppe festlegen: am lukrativsten ist die untere bis mittlere Mittelschicht, weil die zahlenmäßig am größten ist.

    2. eingängige Melodie wählen: keine komplizierten Kompositionen (Ohrwurmeffekt).

    3. gefällige Titel, die leicht zu merken sind: mit Anfangsreim und vielen Vokalen

     (Cherie Cherie Lady, Lady Lai, Laila).

    4. leicht verständliche Texte: Lovesongs mit wiederkehrender Thematik („dem Alltag entfliehen“).

    5. englische Texte: am leichtesten zu singen und mitzusingen, international verständlich, somit größeres Marktpotenial.

    6. tanzbar, damit sie in Diskotheken gespielt, häufiger gehört und dadurch nachgefragt werden (Kauf des Produkts).

    7. attraktive Künstler, denn die Verpackung machts („Sex sells“).

    8. romantische Covergestaltung: karibische Ferienorte (Maledivien), Sonnenuntergänge, Luxuskarrossen (Marketing-Regel aus dem Lehrbuch: Das Produkt muss in Form und Farbe den Erwartungen des Abnehmers entsprechen).

    9. aus einem Erfolgshit viele ähnliche Titel herauspressen (Minimal-Maximal- Prinzip der BWL).

    Bohlens Musik ist die eines kühl kalkulierenden Verstandesmenschen, eine rationale Musik. Es ist keine, Musik, die aus der Seele kommt, wie beispielsweise jene von Michael Cretu, Elton John oder Stevie Wonder, und deshalb ist Bohlen auch kein echter Künstler.

    Weder autorisiert ihn seine dünne Fiestelstimme zum Sänger (auch wenn sie bei Blue System dank Studio-Technik diabolisch klang), noch lässt seine geringe Bühnenpräsenz den Entertainer erkennen. Bohlen, auf der Bühne meist einfallslos gekleidet mit Jeans oder Lederjacke, deutet das Gitarrespielen nur an; schwenkt stets mit ausgestrecktem Arm zur Decke oder ins Publikum und imitiert mit Faxen das, was seine Musik eigentlich emotional in ihm auslösen sollte. Dabei grinsen seine gemeiselten Gesichtszüge aggressiv in die Kamera. Bei langsamen Titeln, die Bohlen am Klavier vorträgt, hat man stets den Eindruck, dass er Gefühle nur heuchelt. Ergriffen ist Bohlen nie, wohl aber weiß er, was sein Publikum erwartet.

    So ist es kaum verwunderlich, dass die Musik des Dieter Bohlen wie „aus der Konserve“ klingt, weil sie „auf Halde produziert“ wurde, dass ein Titel wie der andere klingt, dass der jeweilige Interpret austauschbar bleibt. Sie ähnelt einem Industrieprodukt, das, einmal technisch optimiert, immer gleich sein sollte. Deshalb hören wir bei Bohlens schnellen Titeln fast immer den gleichen (tanzbaren) Foxtrott-Rhythmus, und seine langsamen Songs erinnern in ihrem eingängigen Grundmuster an "Alle meine Entchen".

    Auch verwendet Bohlen sehr oft die gleichen Textbausteine: „I can see in your eyes“, „my dreams come true“ oder „I miss you so”. Abgenutzte Worthülsen, tausendmal gehört. Lücken in Melodie und Text füllt er aus mit „baby“ oder „oh babe“. Wiederholungen sind so unvermeidbar.

    Beispielsweise taucht die Textzeile aus dem ersten Modern Talking-Hit "You`re my heart, you`re my soul" wieder auf in "Take me tonight" von „Superstar“ Alexander. Dort heißt sie in leicht abgewandelter Form: „I feel it in my heart, I feel it in my soul.” Beide Zeilen gleichen sich wie ein Ei dem Anderen, auch wenn fast zwanzig Jahre und zwei verschiedene Künstler dazwischen liegen.

    Heart and Soul, Herz und Schmerz; der Kitsch, aus dem die Träume sind und Lieschen Müllers Musikgeschmack.

    Dieter Bohlen gibt diesen Punkt seines Schaffens auch unumwunden zu, er hat damit überhaupt kein Problem. Bohlen komponiert zuerst den Titel und sucht dann nach einem geeigneten Künstler dafür. Bei echten Künstlern ist es jedoch genau umgekehrt. Zuerst müssen sie tief empfinden und suchen dann die musikalische Ausdrucksform für ihre Gefühle, ihr Leiden oder ihre Botschaft. Bohlen hingegen komponiert abstrakt, man könnte sagen, er zäumt das Pferd vom Schwanz auf. Nur so schafft er es, in einer Nacht ein ganzes Album zu komponieren. Es ist eine reine Fleißarbeit.

    Bohlen ist nicht der erste „Künstler“, der Unterhaltungsprodukte nach industriellem Schema fertigt. Romanautor John Grisham erstellt seine Justizthriller nach gleicher Masche. Schon im 19. Jahrhundert strickte die Schriftstellerin Hedwig Courths-Mahler auf diese Weise 200 Liebesromane. Weit über 700 Schmonzetten schaffte die Engänderin Barbara Cartland. Auch Georges Simenon fabrizierte seine 400 Krimis im 14 Tage-Rhythmus. Etwa die gleiche Anzahl produzierte bisher der Österreicher Thomas Brezina, der bei Kinderbüchern den Dreh raus hat.

    Wenn Bohlen sich in diesem Punkt vehement wehrt, seine Titel könnten nicht alle gleich klingen, weil er Musik für ganz unterschiedliche Künstlertypen geschrieben habe: Für Blue System und Roy Black, für Bonny Tyler und Peter Alexander, für die Wildecker Herzbuben und Chris Norman; so hat er insofern recht, dass er über ein „Produktsortiment“ verfügt. Trotzdem ist allen seinen Kompositionen gemeinsam, dass das Kunstprodukt vom Ende her entwickelt wurde. Seine Titel sind alle exakt zugeschnitten auf Zielgruppen, also kommerziell.

    Dank seines Marketingtalentes, seinem Gespür für den Zeitgeist und seiner Wendigkeit ist es Bohlen gelungen aus einem mittelmäßigen Produkt (seiner Musik und seiner Person) einen Hit zu machen.

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    Cover des Buches Der nackte Berg (ISBN: 9783492239219)

    Bewertung zu "Der nackte Berg" von Reinhold Messner

    Der nackte Berg
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    fragwürdig

    In der Talkshow "Nachtcafe" mit Moderator Wieland Backes wollte sich Messner einmal vor Jahren auf seine so typische Art in Szene setzen. Da Backes zu den (eher seltenen) Talkshow-Moderatoren gehört, die etwas im Kopf haben, war er nicht gewillt, sich von Messner sang- und klang- und kommentarlos zuschwallen zu lassen und stellte ihm eine Frage, die an der Psyche des Bergsteigers kratzen sollte: Ob es denn nicht sein könne, so Backes, dass Messner auch eine Mitschuld trage am Tod seines abgestürzten Bruders Günther, weil dieser sich beim gemeinsamen Aufstieg zum 8.125 Meter hohen Nanga Parbat auf seinen älteren Bruder Reinhold verlassen habe. Eine Verantwortung also, der Messner entweder nicht nachkommen wollte oder gar nicht konnte.

    Jene Frage also, die Wieland Backes an Reinhold Messner stellte, ob denn bei Messner nicht auch eine gehörige Portion Selbstsucht und Eitelkeit mit im Spiel sei, die ihn zwar zu Höchstleistungen antreibe, die aber auch, wie im Falle seines Bruders, sehr gefährlich und bedenklich sei, geruhte der „Star der Berge“ in keiner Weise zu beantworten. Statt dessen nahm er einfach das gefallene Stichwort „Tod“ auf und philosophierte munter drauf los: Ja, der Tod sei ein Phänomen, das ihn ungeheuer fasziniere und vor dem er auch überhaupt keine Angst habe. Nur durch den Tod, nur durch das Ende der Fahnenstange, existiere doch überhaupt erst das Leben und wer den Tod verneine, der verneine das Leben und so weiter in der Art und mit dem Unsinn... Messner, der Philosoph. Frage nicht beantwortet.

    Die genauen Umstände des Todes von Günter Messner, Reinholds jüngerem Bruder, sind nach wie vor ungeklärt. Er kam 1970 in Pakistan um und wurde erst Mitte Juli 2005 geborgen, als Gletcherleiche auf rund 4.600 Meter Höhe. Der offene Streit wegen Günthers Tod wird zwischen Messner und seinen Ex-Kameraden seit vielen Jahren erbittert geführt. Messner wirft seinen ehemaligen Kollegen Rufmord vor, weil sie seine Version des Bergunfalls anzweifeln.

    Was wirklich geschah am Nanga Parbat, zwischen Messner und einem damals 24-jährigen Bruder, lässt sich von keiner Seite beweisen. Sicher ist nur, dass Günther Messner am 27. Juni 1970 dem allein zum Gipfel aufgebrochenen Reinhold spontan nachstieg. Er holte ihn ein und beide erreichten den Gipfel. Was dann passierte, bleibt Spekulation. Nach Messners Schilderung stiegen die Brüder, wegen des schlechten Gesundheitszustandes von Günther, über eine weniger steile, jedoch unerforschte Seite des Berges hinab. Irgendwo auf dem Weg nach unten wurde der hinter ihm gehende Günther, laut Bruder Reinhold, von einer Eislawine erfasst und stürzte in den Tod. Sechs Tage nach Beginn des Aufstiegs traf Messner wieder bei der Expedition ein. Seine Kameraden beschuldigten ihn, seinen Bruder allein im Berg zurück gelassen zu haben. Nach dem Unfall kam es zu schweren Auseinandersetzungen. Messner warf den Kameraden vor, ihm nicht zu Hilfe gekommen zu sein. Es kam zu vierzehn Prozessen, die Messner verlor.

    Für Messner begann mit der Überschreitung des Nanga Parbat seine Weltkarriere als Bergsteiger. Seitdem hat Messner die Leiche seines Bruders drei Mal öffentlich präsentiert. Das erste Mal Ende Januar 2004, vor acht Mikrofonen. Es ging um Günthers Wadenbein und Messner sagte: „Ich will endlich meine Ruhe haben.“

    Im August 2005 barg Messner in Pakistan dann den Bergstiefel seines Bruders. Messner entnahm DNA-Proben, schmuggelte sie nach Europa und verbrannte die Knochenreste am Fuße des Nanga Parbat. Ein Fotograph dokumentierte die „Feuerbestattung“ und fünfzehn Leser der Wochenzeitung Die Zeit durften als Zeugen die Trauerfeier begleiten. Als die Gerichtsmedizin Innsbruck bestätigte, dass die Gewebeproben von seinem Bruder stammten, sagte Messner: „Günther soll seine Ruhe behalten.“

    Die Ruhe hielt genau ein Jahr. Im August 2006 reiste Messner mit fünfundzwanzig Angehörigen nach Pakistan und wohnte einer erneuten Feuerbestattung seines Bruders bei. Der Gletscher hatte mittlerweile den Kopf von Günther Messner freigegeben. Aber Messner ging es nicht nur um Trauerarbeit. Außer seiner Großfamilie begleitete ihn ein Dokumentarfilmer des Bayerischen Fernsehens und das Team des Filmemachers Joseph Vilsmaier (Herbstmilch, Schlafes Bruder). Messner hatte Vilsmaier dazu eingeladen, aus der Tragödie seines Bruders einen Film zu machen. Sogar die Schlusseinstellung stand schon fest: die trauernde Familie versammelt sich um den Kopf von Günther Messner, der in Flammen aufgeht.

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    Cover des Buches Karambolagen (ISBN: 9783548364940)

    Bewertung zu "Karambolagen" von Hellmuth Karasek

    Karambolagen
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    ideenarm

    Das ideenärmste Buch, das man sich vorstellen kann. Karasek zählt einfach alle prominenten Namen auf, die er in seinem Journalistenleben kurz gestreift hatte. Billy Wilder, über den er eine Biographie geschrieben hatte, gleich dreimal. Steven Spielberg, Günter Grass (zweimal), Peter Handke, Friedrich Dürrenmatt, Heinz Rühmann, Romy Schneider, Marlene Dietrich, Wolf Biermann, Helmut Kohl und andere.

    Aggressives Namedropping, getragen von Geltungsbedürfnis, denn die kurzen Essays von zwei, drei Seiten sind an Banalität kaum zu überbieten. Zwei Fälle seien hierfür exemplarisch gewählt.

    Seine Begegnung mit Brigitte Bardot beschränkte sich darauf, dass er sie, den Wunschtraum seiner Jugend, beim Urlaub in St. Tropez einmal am Strand von weitem gesehen habe. Von weitem!

    Laut Karasek habe B.B. ihm zugenickt und gelächelt. Oder hat Karasek sich dies nur eingebildet? Haben zwanzig Jahre die Erinnerung womöglich verklärt?

    Karasek schlief auch nicht im Bett von Marilyn Monroe, wie er in der Kapitelüberschrift suggeriert. (Schon gar nicht gleichzeitig mit ihr, wie mancher Leser vielleicht vermuten könnte.)

    Karasek übernachtete in einer luxuriösen Bungalowsuite des Beverly Hills Hotel. Die Monroe „soll“ dort vor sechsundzwanzig Jahre auch übernachtet haben. Ob es genau die gleiche Suite-Nummer war, ist ebenso wenig bewiesen, wie die Frage, ob Maryiln Monroe in demselben Bett schlief wie Karasek.

    Die Monroe könnte zwar im Hotel abgestiegen sein, aber woanders geschlafen haben. Oder das Bett könnte in den sechsundzwanzig Jahren ausgetauscht worden sein.

    Zum Thema Bett berichtet Karasek noch stolz, er habe beim Dreh von Regisseur Woody Allen zusehen dürfen. Natürlich „eine sehr intime Szene, wo eine Frau und ein Mann miteinander ins Bett gingen“. Besagte Szene habe Woody Allen dann aber später aus dem fertigen Film herausgeschnitten, bedauert Karasek.

    Und erst sein Schreibstil. Kein verrissener Autor des Literarischen Quartetts könnte jemals so schlecht formulieren wie Karasek. Sehen Sie sich einmal diesen Satz an (Seite 91, im Kapitel über Peter Handke, es ging um eine Tagung der Gruppe 47):

    „Ich war erst zum zweiten Mal dabei und noch nicht so eingeschliffen in den Chor des als Regen über die Autoren nach der Lesung niederprasselnden Kritiker-Parlandos.“

    Wo war bloß der Lekor?

    „...in den Chor des als Regen über die Autoren nach der Lesung...“

    Wieviele Substantive (nur durch Präpositionen getrennt) will Karasek denn noch aneinanderreihen?

     Schließen wir mit den Worten von Elke Heidenreich. Die frühere Moderatorin der ZDF-Büchersendung Lesen wurde im Focus gefragt, ob sie sich vorstellen könne, Hellmuth Karasek in ihre Sendung einzuladen.
    „Nee“, antwortete sie.
    Focus: „Warum nicht?“
    Heidenreich: „Da hatten wir ja nun genug davon, all die Jahre. Das reicht erst mal.“

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    Cover des Buches Auf der Flucht (ISBN: 9783548368177)

    Bewertung zu "Auf der Flucht" von Hellmuth Karasek

    Auf der Flucht
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Karasek als Klempner

    In seinen Memoiren plaudert Karasek über sich selbst und kann sich nicht so recht entscheiden, in welcher Richtung sein Pferd steht. Einerseits sei er ein „Trittbrettfahrer“ gewesen, den andere immer mitschleppten: Rudolf Augstein, Billy Wilder und natürlich Marcel Reich-Ranicki. Er sei der „Harry Klein“ des Kulturbetriebs gewesen; jener Harry, der bei Derrick den Wagen vorfährt.

    Andererseits will er im Literarischen Quartett hinter den Kulissen entscheidend mitbestimmt haben, welche Bücher in der Sendung besprochen wurden. Den Rausschmiss der Kollegin Sigrid Löffler habe eigentlich er, der zahme Karasek, vorangetrieben. Grund sei Löfflers vernichtendes Urteil gewesen über den Spielberg-Film Schindlers Liste. Karaseks Leidenschaft fürs Kino ist bekannt.

    Auch dass Reich-Ranicki seine Autobiografie Mein Leben schrieb, die ein fulminanter Bestseller wurde, habe Karasek maßgeblich angeregt („Das musst du aufschreiben“).

    „Reich“, wie Karasek seinen Mentor nennt, hatte ihm übrigens einmal finanzielle Hilfe angeboten, als er Probleme mit dem Finanzamt hatte.

    Karasek kommt auch auf seinen ehemaligen Freund Martin Walser zu sprechen. Walser verfüge über eine „erotische Lebensstrategie“ und habe sich „seine libidinöse Welt an den Bodensee geholt“, sogenannte „Literatur-Groupies“.

    In seiner Biographie erfahren wir auch, dass Karasek im Vahinger Schwimmbad „über die vielen Fettbäuche der Männer erschrak“; und, dass er seine Frau betrog und sie ihn.

    Erotik ist und bleibt das Lieblingsthema des Kulturprofessors, im Quartett noch relativ bescheiden: „Ein hocherotisches Buch“, jubelte Karasek, als der Roman "Mann und Frau" der Israelin Zeruya Shalev besprochen wurde. In seiner Autobiographie dann wieder so: „Ich hatte die Tochter des Hausbesitzers gewonnen und weiß noch, dass ich das erste Mal mit einem Interruptus beendete, wie Onan im Alten Testament, nur ohne Wüstensand.“

    Und für alle, die jetzt Mitleid mit dem armen Karasek haben:“... und mir das Mädchen als zweites Mal eine Fellatio anbot, absolut verhütungssicher.“

    Karasek schildert uns die Begegnung mit einer amerikanischen Studentin in den fünfziger Jahren in Tübingen. Er wurde von ihr zum Tee eingeladen, musste dort auf die Toilette und lässt seine Leser wissen, dass er „im Stehen pinkelte“. (Wie interessant, Herr Karasek. Das richtige Thema für seine Memoiren.)

    Alsbald trat der Supergau ein, denn „die Toilette war verstopft“, Karsek spülte noch einmal und es „kamen Exkremente“, die die Kloschüssel „bis zum Rand füllten.“

    Und Karasek? Was machte er, während die Studentin mit dem Tee auf ihn wartete? Sie ahnen es schon. Karasek „starrte auf die Kloake“, zog Jacke und Hemd aus und „beseitigte mit dem nackten Arm die Verstopfung.“

    Also, wenn wir das nächste Mal einen Klempner brauchen - wen laden wir dann wohl zum Tee ein?

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    Cover des Buches Kliniken und Nebenwirkungen (ISBN: 9783596197590)

    Bewertung zu "Kliniken und Nebenwirkungen" von Paul Brandenburg

    Kliniken und Nebenwirkungen
    Peter_Waldbauervor 3 Jahren
    Klasse!

    Dr. Brandenburg ist Notfallmediziner. Genauso schreibt er auch. Das Wesentliche schnell auf den Punkt gebracht; die nackte Kerninformation ist es, die zählt. Es werden nicht alle möglichen Gegen-Standpunkte ausdifferenziert, sich nicht nach allen Seiten umständlich abgesichert (einerseits...andererseits). Dies ist keine wissenschaftliche Studie, kein akademischer Schreibstil.
    Nein, Dr. Brandenburg hat zu allen Themen im Buch eine klare Meinung und die äußert er unmißverständlich. Dabei mag einiges unter den Tisch fallen, mancher manches vermissen. Es ist das Recht des Autors aus seiner eigenen Erfahrung zu schöpfen. Quellen müssen vor allem von Journalisten benannt werden können, die sich von außen (als "Fremde") einem Thema nähern.

    Fünf wichtige Kapitel im Buch sind: die Frage der KV (privat oder gesetzlich?), das Abrechnungssystem der Krankenhäuser (Fallpauschale), die Notaufnahme, mögliche Behandlungsfehler und die Frage, inwieweit der Patient selbst dazu beiträgt das Gesundheitssystem zu überlasten (ungesunde Lebensweise). Hier erfährt der Leser Erhellendes, Wichtiges und Neues.
    Auf Unmut (vor allem bei Chefärzten) dürfte Brandenburg mit seinem Kapitel 43 stoßen (Warum wehren Ärzte sich nicht gegen die Zustände im Krankenhausbetrieb?). Zitat: "In Deutschland gibt`s in der Frühbesprechung prinzipiell einen Glassplittereinlauf".

    Formulieren und schreiben kann der Autor auch. Beispielsweise: "Wie der Kommunismus scheitert aber auch die DRG-Theorie an der menschlichen Natur..."(S. 52).
    Am deutlichsten zeigt er dies im letzten Kapitel seines Buches ("Sterben müssen"). Sehr berührend sind seine Erfahrungen mit dem Tod. Gegen Ende des Buches heisst es metaphorisch:
    "Manchmal wartet man lange auf ihn und atmet auf, wenn er endlich da ist. Manchmal sieht man ihn gar nicht ins Zimmer kommen, auch wenn man die Tür genau bewacht."
    Und der Autor bietet Trost:
    "Den Weg des Sterbens müssen Sie nicht allein gehen, egal wie lang er sich ziehen mag. Nur den allerletzten Schritt, aber der ist ganz kurz."
    Und dann die Schlußzeile: "Sie gehen nur vor. Wir anderen folgen Ihnen sehr bald."

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