PoldisHoerspielseite

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    Cover des Buches Die glorreichen Sechs9783734106507

    Bewertung zu "Die glorreichen Sechs" von Royce Buckingham

    Die glorreichen Sechs
    PoldisHoerspielseitevor 9 Tagen
    Die glorreichen Sechs (Royce Buckingham)

    Prinz Casper hatte mit einer ebenso einfachen wie angesehenen Position am Hofe seiner Tante gerechnet. Doch stattdessen schickt sie ihn als Steuereintreiber durch ihr Königreich, was dem verwöhnten jungen schwer fällt – nicht nur wegen der Unannehmlichkeiten der Reise, sondern auch weil er sich bei seinen neuen Untergebenen erst Ansehen erarbeiten muss. Dabei lernt er mehr über das Land, seine Sitten und überraschenderweise auch seine Tante, die Königin…

    Royce Buckingham hat mit „Die glorreichen Sechs“ einen neuen Fantasy-Roman verfasst, der wie schon „Die Klinge des Waldes“ in sich abgeschlossen ist und dem Leser ein komplett neues Setting bietet – mal eine Abwechslung zu den zahlreichen Mehrteilern. Unter 600 Seiten hat er dafür vorgesehen und schafft es, das Königreich, in dem Hauptfigur Prinz Casper lebt, sehr lebendig wirken zu lassen. Verschiedene Völker, unterschiedliche Landschaften, zahlreiche fremdartige Sitten und Gebräuche – das alles wirkt sehr lebendig und abwechslungsreich. Durch verschiedene Erzählstränge hat der Autor es auch geschafft, die sehr organisch einzubauen, doch an einigen Stellen hätte ich mir mehr Informationen zu einem bestimmten Aspekt gewünscht. Man merkt, wie liebevoll und detailreich er diese Welt gestaltet hat, wie umfangreich sie erdacht wurde, aber eben auch, dass an der einen oder anderen Stellen zugunsten der Handlung und einer nicht aus dem Ruder laufenden Seitenanzahl Details weggelassen werden mussten. Verständlich und nicht so ausgeprägt, den Roman nicht zu mögen, mein Wissensdurst ist aber nicht ganz gestillt.

    Im Gegensatz dazu sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet und hinterlassen jeder seine eigenen Spuren in der Handlung – allen voran natürlich Prinz Casper, der sich vom verhätschelten und naiven Prinzen zu einem wahren Anführer und klug entscheidenden Mann entwickelt. Diese Wandlung ist gekonnt in die Gruppendynamik der titelgebenden „glorreichen Sechs“ eingebunden und schreitet mit ihr voran. Es ist sehr anschaulich geschildert, wie die Gruppe immer weiter zusammenwächst und Casper langsam integriert wird. Toll ist auch, wie der Humor funktioniert und man nach ernsten oder bedrohlichen Passagen wieder etwas zu lachen hatte – auch wenn dies anfangs etwas zu ausgeprägt ist, was auf Kosten der Handlung und des Tempos geht.

    „Die glorreichen Sechs“ ist ein lebendiger und lesenswerter Roman, der mich mit seiner Charakterentwicklung, aber auch mit der Vielschichtigkeit der Welt und der clever erzählten Handlung überzeugt. Ein paar langatmige Passagen zu Beginn und eine gewisse Vorhersehbarkeit einiger Entwicklungen stören nur wenig, da auch immer mit viel Humor und Wortwitz für Stimmung gesorgt wird.

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    Cover des Buches Die Traumdiebe9783453272699

    Bewertung zu "Die Traumdiebe" von Cherie Dimaline

    Die Traumdiebe
    PoldisHoerspielseitevor einem Monat
    Die Traumdiebe (Cherie Dimaline)

    Nach einer großen Klimakatastrophe, die die Hälfte der Erdbevölkerung ausgelöscht hat, hat auch Frenchie seine Familie verloren. Er hat zwar in einer Gruppe von ganz unterschiedlichen Personen neuen Halt gefunden, wird aber wie die anderen auch gnadenlos von der kanadischen Regierung gejagt. Denn nur den indigenen Ureinwohnern der Wälder ist die Fähigkeit zu Träume geblieben, und nur durch ihr Knochenmark können die anderen Menschen diese Fähigkeit zurückerlangen...

    Mit „Die Traumdiebe“ hat die kanadische Schriftstellerin Cherie Dimaline ihren Debütroman vorgelegt und dabei besonders in ihrem Heimatland für Aufsehen gesorgt. Auch hierzulande ist das Buch mittlerweile erschienen und bietet auch für mich einige vielversprechende Ansätze, auch wenn der ganz große Wurf für meinen Geschmack nicht gelungen ist. „Die Traumdiebe“ setzt dabei nur wenige Jahre nach der heutigen Zeit an, die zwischenzeitlichen Ereignisse um Klimawandel und Naturkatastrophen, aber auch die von Menschen geführten Kriege werden (leider) nur sehr kurz angerissen. So entsteht der Eindruck, dass die Idee mit der fehlenden Fähigkeit zu Träumen etwas aus der Luft gegriffen scheint, anders als bei ähnlich gelagerten Dystopien wird zumindest mir der Zusammenhang nicht ganz klar. Auch die Handlung wirkt nicht immer auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet, oft geht es einfach nur um die Flucht von Frenchie und seiner neuen Familie vor dem Zugriff der Regierung. Das sorgt zwar für einige spannende Momente, ist aber mit der Zeit ein wenig repetitiv geraten und bringt dann nur wenige neue Elemente mit ein.

    Doch es gibt auch viele positive Aspekte von „Die Traumdiebe“. So hat mir besonders die sehr dichte und greifbare Atmosphäre des Romans sehr gut gefallen, man kann sich sehr gut in den Wald versetzen, in dem die Handlung zu großen Teilen spielt. Auch die Bedrohung für Frenchie und die anderen Charaktere ist immer greifbar, durch die Geschichten, die die anderen erzählen, wird auch stückchenweise die Idee mit den Träumen und der Rolle der indigenen Bevölkerung darin aufgedeckt. Während einige Figuren Statisten bleiben, beschreibt Dimaline andere ausführlich und greifbar, allen voran natürlich Ich-Erzähler Frenchie, aber auch andere Charaktere werden interessant geformt und mit einem präsenten Ausdruck versehen. Etwas schade fand ich, dass einige Ideen verpufft sind und nicht so recht zu einem Ende geführt werden. So gibt es aber auch noch genügend Lücken, die mit einer Fortsetzung des Romans gefüllt werden können.

    „Die Traumdiebe“ wartet mit einigen reizvollen Ideen auf, führt aber leider nicht allesamt vollständig aus. So bleiben manche der durchaus interessanten Grundsätze recht blass, weil sich die Geschichte im Mittelteil nur wenig fortzubewegen scheint. Etwas mehr Tempo hätte dem Roman da gutgetan, die Atmosphäre ist aber sehr dicht und eindringlich geraten. Auch die Charaktere sind insgesamt gut ausgearbeitet. Der letzte Funke wollte bei mir dennoch leider nicht überspringen.

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    Cover des Buches Sündengräber9783809026976

    Bewertung zu "Sündengräber" von Kristina Ohlsson

    Sündengräber
    PoldisHoerspielseitevor einem Monat
    Sündengräber (Kristina Ohlsson)

    Der
    Tod eines Mannes, der den Ehering seiner Tochter am Finger trägt, wirft
    einige Fragen auf – nicht nur nach dem Schützen, der den Mord begangen
    hat. Federika Bergmann wird auf den Fall angesetzt, doch zunächst fehlt
    ihr noch die heiße Spur. Federikas Partner Alex Recht wird währenddessen
    von einem Bestatter um Hilfe gebeten, der verzweifelt auf der Suche
    nach seiner Familie ist. Nur langsam erkennen die beiden, dass beide
    Fälle zusammenhängen müssen...

    Mit „Sündengräber“ schließt
    Kristina Ohlsson ihre Thriller-Reihe um Federika Bergmann ab – vorerst
    zumindest, denn das Ende ist nicht vollständig abschließend, sondern
    ermöglichen durchaus noch die Rückkehr zu den lieb gewonnenen Figuren.
    Und diese bekommen von der schwedischen Autorin auch wieder jede Menge
    Aufmerksamkeit geschenkt und werden mit einer großen Herausforderung in
    ihrem Privatleben konfrontiert. Und obwohl dies besonders im Mittelpunkt
    recht viel Raum einnimmt, wirken diese Passagen nicht störend, sondern
    fügen sich stimmig ein – insbesondere, wenn man die vorigen Teile der
    Buchreihe kennt. Mir gefällt, wie einem die Charaktere dabei noch näher
    rücken und man mit ihnen mitfiebert, was eine ganz neue Art von Spannung
    in den Roman mit einbringt. Der Fall an sich ist ebenfalls sehr
    dynamisch umgesetzt und bietet ein anfangs undurchsichtiges Geflecht,
    dessen Zusammenhänge sich erst nach und nach erschließen. Viele
    überraschende Erkenntnisse sorgen dabei für Abwechslung, manches wirkt
    dann aber doch eine Spur zu konstruiert und aufgesetzt. Und leider
    zerfranst die Geschichte auch mehr, als man es von der Autorin kennt. So
    werden einige Nebenschauplätze aufgemacht, die reizvoll wirken, aber
    schlussendlich nicht aufgelöst werden, was deren Wirkung leider
    verpuffen lässt.

    Der Schreibstil von Kristina Ohlsson hat mir
    auch in „Sündengräber“ sehr gefallen, da er so nahbar und lebendig ist.
    Durch viele eingebaute Details werden die beschriebenen Szenen vor dem
    inneren Auge lebendig. Ähnliches gilt auch für die Charaktere: Federika
    und Alex bekommen neue Facetten verliehen und deutlich weiterentwickelt,
    die Nebenfiguren wirken präsent und haben eine individuelle
    Ausstrahlung, die die Stimmung des Romans gekonnt beeinflusst. Durch die
    kurzen Kapitel und den damit verbundenen vielen Szenenwechsel entsteht
    eine dynamische Stimmung, der Leser muss sich immer wieder auf neue
    Situationen einstellen. Die einzelnen Stränge lassen sich dabei aber gut
    verfolgen, sodass es nicht unübersichtlich wird.

    „Sündengräber“
    ist trotz kleinerer Kritikpunkte sehr lesenswert, nur die vielen
    Nebenschauplätze, die dann nur wenig zum Gesamtwerk beitragen, sind mir
    nicht ganz gelungen in Erinnerung geblieben. Der lebendige Schreibstil,
    ein geschickt zusammengesetzter Fall und lebendige Charaktere sorgen
    aber für eine spannende Handlung, die durch das Privatleben der beiden
    Hauptfiguren gekonnt ergänzt wird. Ein lesenswertes Buch, selbst wenn
    man die vorigen Teile der Reihe nicht kennt.

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    Cover des Buches Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv9783734162084

    Bewertung zu "Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv" von Jodi Taylor

    Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv
    PoldisHoerspielseitevor einem Monat
    Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv (Jodi Taylor)

    Madeleine Maxwell – von allen schlicht „Max“ genannt – hatte sich ihr Dasein als Archäologin anders vorgestellt, definitiv abenteuerlicher und mit weniger staubigen Büchern. Als sie ein Angebot an St. Mary's Institut zu arbeiten, sieht sie trotz harter Arbeit die Chance, dem eher tristen Arbeitsalltag zu entkommen – ahnt aber noch nicht wirklich, was da alles auf die zukommt. Nicht nur in den Laboren, wo eigentlich immer irgendetwas schiefgeht, sondern auch auf den Zeitreisen, die Max bald antritt...

    Es gibt Menschen, die erwarten von Büchern einen logisch durchdachten Plot, ein in sich stimmiges Gesamtkonzept und eine Stringenz in der Erzählweise. Diese werden mit dem Debütroman von Jodi Taylor nur wenig anfangen können. Denn „Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv“ ist alles andere als glattgebügelt und wirkt herrlich anarchisch – zugegeben hätte ein guter Lektor aber auch noch mehr aus dem Urban-Fantasy-Roman herausholen können. Beispielsweise, indem er nicht nur den Charakter der Hauptfigur betont hätte, sondern auch ihre Kollegen oder anderen Nebenfiguren mehr Raum gegeben hätte. Diese wirken nämlich ziemlich blass, sodass man keine wirkliche Bindung zu ihnen aufbauen konnte. Im Gegensatz hierzu Max, die mit viel Witz, Charme und einem Hauch zum Chaos sehr lebendig gestaltet ist. Ihr wunderbarer schwarzer Humor und die Fähigkeit, sich irgendwie aus den schwierigsten Situationen zu befreien, machen sie zu einem sehr gelungenen Zentrum der Handlung – umso mehr, da sie aus der Ich-Perspektive erzählt und dem Leser so noch näher rückt.

    Die Handlung ist nicht gerade fortlaufend, sondern eher eine Aneinanderreihung von vielen Ideen der Autorin. Immer neue Situationen, zahlreiche einzelne Abenteuer, aber kein fortlaufendes Problem, das gelöst werden muss, kein Endgegner mit finsterem Plan, keine Bedrohung für die Menschheit. Das ist zugegeben gewöhnungsbedürftig, aber gerade deswegen ist der Roman auch so anders und bietet ein neues Leseerlebnis, das ausgetretene Pfade verlässt. Und die Atmosphäre ist sehr dicht und immer leicht, oft sogar stark skurril, was die Einzigartigkeit des Romans unterstreicht.

    So gerne ich es auch würde, ich kann diesem Roman leider nicht die volle Punktzahl geben. Am fehlenden roten Faden liegt es nicht, ich fand es im Gegenteil sogar erfrischend, hier mal Abwechslung geboten zu kommen. Aber bis auf die wundervolle Hauptfigur konnte ich zu keinem Charakter eine Bindung aufbauen, dazu sind alle viel zu blass geblieben und bekommen kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch ist „Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv“ lesenswert, skurril und äußerst charmant.

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    Cover des Buches Sühne9783453272675

    Bewertung zu "Sühne" von Steffen Jacobsen

    Sühne
    PoldisHoerspielseitevor 2 Monaten
    Sühne (Steffen Jacobsen)

    Krebs im Endstadium – die Diagnose für den Pharmaunternehmer Frank Linden weckt Gewissensbisse über Taten aus seiner Vergangenheit. Er entschließt sich, einige brisante Informationen an einen Journalisten auszugeben. Doch die Übergabe endet für beide Seiten tödlich. Michael Sander, der ein Freund des getöteten Journalisten war, will den Fall in Eigenregie lösen. Doch auch seine Frau, die Kommissarin Lene Jensen, wird auf den Fall angesetzt und stößt auf ein gut gehütetes Geheimnis...

    Es ist bereits der fünfte Band, den Steffen Jacobsen mit „Sühne“ für seine beiden Protagonisten Lene Jensen und Michael Sander verfasst hat. Wieder kann das ungewöhnliche Ermittlerduo dabei überzeugen, umso mehr, da sie an verschiedenen Ansatzpunkten beginnen und der Fall so aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Das sorgt für viel Dynamik, zumal man durch die einzelnen Puzzleteile immer nur einen kleinen Teil der Informationen erhält, die erstmal zu einem sinnvollen Ganzen zusammengesetzt werden wollen. Da die Handlung jedoch stimmig aufgebaut ist, fällt es dem Leser leicht, dem Ganzen zu folgen. Dabei ist „Sühne“ durchaus komplex, viele Schichten an privaten wie beruflichen Ereignissen aus Frank Lindens Vergangenheit fügen sich dabei ineinander. Doch durch die klare Struktur und die prägnanten Szenen bleiben die vielen Informationen im Gedächtnis, zumal das Interesse schon früh durch einige gelungen gesetzte Reizpunkte geweckt wird. Die Handlung entwickelt sich dabei recht temporeich weiter, durch die Kürze der Kapitel und die vielen dynamischen Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählebenen wird viel Spannung erzeugt, die sich durch das komplette Buch zieht und nicht nachlässt – auch, weil die Auflösung des Ganzen wirklich erst ganz am Ende präsentiert wird und der Leser zuvor höchsten Bruchstücke oder Teillösungen kannte.

    Die Themenwahl sorgt dabei für zusätzliche Spannung, da die Vorgänge hinter den Kulissen der Pharmaindustrie näher beleuchtet werden – natürlich rein fiktiv, aber so realistisch geschildert, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Die Geheimnisse, die dabei im Laufe der Zeit aufgedeckt werden, sind erschreckend, menschenverachtend und nur auf Profit erdacht. Das ist sicherlich ein wenig klischeebeladen, wird durch einige gelungene Ideen aber durchaus differenziert betrachtet. Dazu tragen auch die Charaktere bei – neben dem sehr gelungen konzipierten Duo aus Lene und Michael im Vordergrund sind es auch die Nebenrollen dieses Bandes, die für eine dichte Stimmung sorgen. Sehr interessant ist es auch, wie immer mehr Details über Frank Linden und sein Leben ans Licht kommen und sich auch von ihm ein lebendiges Bild formt.

    „Sühne“ überzeugt nicht nur durch den gelungenen Spannungsaufbau und viele packende Szenen, sondern auch durch die interessante Themenwahl. Die düsteren Geheimnisse der modernen Pharmaindustrie, aber auch gelungen eingestreute Elemente aus dem Privatleben des Unternehmers fügen sich zu einem sehr stimmigen Ganzen zusammen. Ergänzt durch die dynamische Erzählweise mit den beiden unterschiedlichen, und doch eng verbundenen Hauptfiguren ist ein sehr lesenswerter Thriller entstanden, der auch nach dem Lesen noch einige Zeit nachhallt.

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    Cover des Buches Wer zweimal stirbt9783442757473

    Bewertung zu "Wer zweimal stirbt" von Leif GW Persson

    Wer zweimal stirbt
    PoldisHoerspielseitevor 2 Monaten
    Wer zweimal stirbt (Leif Persson)

    Statt Pilzen findet der junge Pfadfinder Edvin bei einem Waldausflug einen Totenkopf. Geistesgegenwärtig nimmt er ihn mit und präsentiert ihm seinem Nachbarn Evert Backström, der als Kommissar bei der Stockholmer Polizei tätig ist und den Fall direkt übernimmt. Doch zunächst muss er natürlich erst einmal herausfinden, um wen es sich bei dem Opfer handelt – und schon dabei stößt er seinen Kollegen nicht nur einmal mit seiner arroganten Art vor den Kopf...

    Mit „Wer zweimal stirbt“ hat der schwedische Autor Leif Persson bereits den vierten Roman seiner Krimi-Reihe um Ermittler Evert Backström veröffentlicht. Und ganz im Stile auch anderer Vertreter des skandinavischen Krimis ist seine Hauptfigur alles andere als ein klassischer Held, sondern im Gegenteil sogar reichlich unsympathisch. So ist er vollends von sich und seinem Können überzeugt, was er auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen Mitmenschen präsentiert – und zugegeben ist er mit seinem Scharfsinn tatsächlich ein fähiger Ermittler. Doch auch seine rückständige Weltsicht, seine diskriminierenden Kommentare und sein unbestreitbares Alkoholproblem sprechen nicht gerade für seinen Charakter. Leider fällt es gerade deswegen schwer, eine Bindung zu der Figur aufzubauen, da er kaum in positiven Momenten gezeigt wird. Das ist sicherlich ein interessantes Stilmittel des Autors, der so den Fall differenzierter betrachten kann, hat bei mir an einigen Stellen aber die Freude an dem Buch merklich gemindert. Sprachlich ist der Roman allerdings gut und stilsicher geschrieben, besonders der fein eingebaute Wortwitz kann überzeugen.

    Der Fall in diesem Roman geht nur von wenigen Indizien aus und baut sich dann immer weiter auf. Interessanterweise ist dabei der Start mit den geringen Hinweisen spannender geraten als der spätere Verlauf – vielleicht weil die Handlung dort mehr auf den Punkt gebracht ist. Persson neigt im Mittelteil zu zu langen Ausführungen, die nur wenige neue Informationen einbringen und auch die Figuren nicht prägnanter erscheinen lassen. Auch wird die Dynamik hier heruntergefahren, manche Abschnitte in dem Roman wirken eher starr. Doch am Ende fängt sich die Geschichte wieder und präsentiert dann ein spannendes und packendes Finale, das die gut durchdachten Hintergründe ebenso kurzweilig wie unterhaltsam aufdeckt. Und auch wenn man einige Teillösungen vorausahnen konnte, gibt es viele erstaunliche Überraschungen, die sich jedoch gut in das Gesamtbild einfügen.

    „Wer zweimal stirbt“ kann von mir nicht uneingeschränkt empfohlen werden, dafür ist die Hauptperson zu unsympathisch, verlaufen manche Passagen zu starr. Doch zu Beginn und am Ende wird eine atmosphärische Spannung erzeugt, auch der Fall ist gut durchdacht und führt in einige überraschende Richtungen. Durch den gekonnten Schreibstil und den eingebauten Witz habe ich das Buch dennoch als lesenswert empfunden.

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    Cover des Buches Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland9783764532345

    Bewertung zu "Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland" von Christina Henry

    Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
    PoldisHoerspielseitevor 2 Monaten
    Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland (Christina Henry)

    Seitdem Alice mit 16 Jahren verschwunden und nach zwei Wochen blutüberströmt und völlig verwirrt wieder aufgetaucht ist, lebt sie in einer Irrenanstalt, kann sich selbst aber kaum an die damaligen Ereignisse erinnern. Nur ein weißes Kaninchen ist ihr in Erinnerung geblieben. Als ein Feuer ausbricht, nutzt sie gemeinsam mit ihrem Freund, dem Axtmörder Hatcher, die Gelegenheit zur Flucht und kehrt an den Ort ihres Verschwindens zurück – in das düstere Wunderland...

    Zugegeben, völlig neu ist die Idee nicht, bekannte Werke der Kinder- und Jugendliteratur zu nehmen und diese in einen neuen, meist deutlich düsteren Kontext zu setzen. Christina Henry ist dieser Ansatz mit „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ jedoch sehr lesenswert gelungen. Sie knöpft sich Lewis Carrols sowieso schon skurriles Werk vor, treibt seine Ideen auf die Spitze und fügt eine große Portion Splatter hinzu. Gewalt, Sex, düstere Bedrohungen – der Roman strotz nur so vor überhaupt nicht kindgerechten Themen und behält sich dennoch eine gewisse Märchenhaftigkeit bei. Diese Gratwanderung ist erstaunlich gut gelungen: Stets erkennt man noch die Grundzüge der aus der Kindheit lieb gewonnenen Geschichte und freut sich, die Charaktere wiederzutreffen, ist dann aber doch so abgestoßen von der Finsternis, der Bösartigkeit, die diese ausstrahlen. Die Stimmung ist dabei sehr dicht, und zumindest Alice und Hatcher bekomme dabei auch eine gewisse Tiefe verliehen. Ich mag den oft eher nüchternen Schreibstil der Autorin, der sehr gut zu diesem Roman passt und genügend Raum für viel düsterer Stimmung lässt.

    Die Handlung entwickelt sich oft eher langsam weiter, daher bleibt genügend Raum, diese verdrehte Version des Wunderlandes zu erkunden und Freude an dem Schrecken zu finden, der dabei verbreitet wird. Sicherlich gibt es dabei auch Szenen, die mich nicht wirklich fesseln konnten, das ist aber glücklicherweise die Ausnahme gewesen. Zwar zieht sich dabei ein Bogen durch die gesamte Handlung, eine sich aufbauende Spannung konnte ich weniger ausmachen – der Roman lebt von dem Moment, in dem er gerade spielt. So wirkt dann auch der eigentliche Showdown eher wie eine weitere Episode auf Alice Weg, ohne zum wirklichen Höhepunkt des Romans zu werden.

    „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ ist ein sehr gelungener Vertreter seines Genres und übertritt einige Grenzen, die andere Varianten von Kinderbüchern nicht zu übertreten gewagt haben. Gerade die heftigen Gewaltszenen und die Verkommenheit der Welt fügen sehr interessante Facetten des Wunderlandes hinzu. Gepaart mit einer zwiespältigen Heldin und den reichhaltigen Ideen Carrols ist so ein lesenswerter und unterhaltsamer Roman entstanden.

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    Cover des Buches Der Bär und die Nachtigall9783453320031

    Bewertung zu "Der Bär und die Nachtigall" von Katherine Arden

    Der Bär und die Nachtigall
    PoldisHoerspielseitevor 2 Monaten
    Der Bär und die Nachtigall (Katherine Arden)

    Wasja wächst als jüngstes von fünf Geschwistern auf dem Hof ihres Vaters auf, nachdem ihre Mutter kurz nach ihrer Geburt verstorben ist. Ihre Brüder und Schwestern können aber ihre Wildheit und ihre Abenteuerlust kaum verstehen, sie lauschen lieber den Geschichten der Dienerin Dunja über die alte Märchen- und Sagenwelt. Wasja weiß aber mehr darüber als ihre Geschwister, denn nur sie kann die Geister sehen, die in den Weiten der Wälder, aber auch ganz nahe an ihrem Haus leben...

    Auf dem Fantasy-Büchermarkt türmen sich die immer wieder gleichen Themen (wenn auch oft sehr gekonnt umgesetzt), sodass es schwierig ist, an etwas völlig Neues heranzukommen. In meinen Augen hat Katherine Arden jedoch genau dieses geschafft und mit ihrem Erstling „Der Bär und die Nachtigall“ einen Roman geschaffen, der mich mal wieder völlig fasziniert hat. Sofort zieht sie den Leser in die eigentümliche fremdartige Stimmung Russlands im 14. Jahrhundert hinein, beschreibt aber eben bei weitem nicht nur da harte alltägliche Leben, sondern konzentriert sich vor allem auf die reichhaltige Märchen- und Sagenwelt. Kenner der Materie werden auf zahlreiche Ideen treffen, die die Autorin daraus entliehen, aber zu einem sehr stimmigen Ganzen geformt hat. Das ist mystisch, märchenhaft und sehr atmosphärisch geraten, wofür sich Arden dann auch die entsprechende Zeit lässt. Hier überschlagen sich keine Handlungen, alles geht eher bedächtig voran, doch das ist so fesselnd und eingängig geraten, dass ich mich nicht in einer Zeile gelangweilt habe. Dafür sorgt auch ihr lebendiger Sprachstil auf hohem Niveau, die Texte wirken sehr geschliffen und durchdacht.

    Die Handlung hangelt sich an Wasjas Leben entlang. Zunächst stehen noch andere Figuren im Fokus, Wasjas Kindheit, ihr Aufwachsen in der großen Bauernfamilie wird gekonnt beschrieben. Einige besonders einprägsame Erlebnisse bestimmen später auch ihr Handeln, ihr ganzes Wesen, was für den Leser sehr spannend zu lesen ist. Doch natürlich gibt es auch eine große Gefahr für Wasja und ihre Familie, und diese bringt dann auch einige sehr gruselige Momente mit ein, selbst wenn dieser Handlungsfaden erst spät richtig an Bedeutung gewinnt. Die Vielfalt an Charakteren ist schon etwas erschlagend, insbesondere da die Namen naturgemäß etwas fremdartig in unseren Ohren klingen. Doch durch den klaren Aufbau und die markante Wirkung der Figuren – jede mit ihrem ganz eigenen Hintergrund versehen – wirkt das Ganze gut verständlich, etwas Konzentration ist dabei aber durchaus gefordert.

    „Der Bär und die Nachtigall“ verbindet russische Märchen, eine mysteriöse, fast schon sehnsuchtsvolle Stimmung und eine spannende Handlung miteinander, präsentiert bis ins Detail ausgearbeitete Charaktere und eine langsame, dafür umso fesselndere Geschichte. Ich konnte völlig in das Buch eintauchen und war fast ein wenig enttäuscht, als das Buch ausgelesen war. Doch da es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, darf man sich auf eine Rückkehr in die liebgewonnene Welt freuen.

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    Cover des Buches Puppentod9783442483341

    Bewertung zu "Puppentod" von Erik Axl Sund

    Puppentod
    PoldisHoerspielseitevor 2 Monaten
    Puppentod (Erik Axl Sund)

    Als
    in Stockholm ein Teenager von einem Balkon stürzt, wird zunächst von
    einem Selbstmord ausgegangen – tragisch, aber nicht weiter beachtlich.
    Doch der Ermittler Kevin Jonsson glaubt nicht daran und entdeckt, dass
    sich das Mädchen zuvor mit einem Unbekannten zum Sex verabredet hat. Die
    Spuren deuten auf einen Serientäter hin, und schließlich gerät Jonsson
    immer mehr unter Zeitdruck. Denn auch andere Teenager scheinen sich auf
    den „Puppenspieler“ eingelassen zu haben...

    Auch in ihren vorigen
    Romanen hat das Autorenduo mit dem Pseudonym Erik Axl Sund keine
    leichte Kost vorgesetzt und explizite, brutale Gewalt dargestellt. Auch
    „Puppentod“ bildet davon keine Ausnahme, dennoch habe ich das Buch als
    noch heftiger wahrgenommen, da die Gewalt darin deutlich sexualisierter
    ist. Es geht um junge Frauen und Mädchen, die schlimmstes erleben
    müssen, völlig unter die Kontrolle von machthungrigen Männern geraten
    und ihr Leben lag mit den Folgen zu kämpfen haben – und das auf
    verschiedenste Weise. Das ist starker Tobak und an vielen Stellen kaum
    zu ertragen, stellt aber genau deswegen das Leid der Opfer umso
    lebendiger dar. Manche Schilderungen wirken dabei nüchtern, kühl, sodass
    dem Leser Raum für Abstand gegeben wird, andere Male wird eher
    angedeutet als direkt beschrieben – was die Sache oft nur schlimmer
    wirken lässt. Dabei ist aber auch nicht jede Formulierung, jeder Dialog
    stimmig, wirkte sprachlich manchmal nicht ganz ausgereift, der Lesefluss
    wurde dadurch zumindest für mich aber nicht allzu sehr gestört.

    Die
    Handlung entwickelt sich oft nur langsam voran und legt dann Wert auf
    die Beschreibung der Situationen, die Gefühlswelt der Figuren, dann
    wiederum geht es sprunghaft voran, sodass man kaum mitkommt. Nicht alle
    Zusammenhänge wurden dabei klar beschrieben, das durchaus komplexe
    Geflecht war nicht immer leicht zu durchschauen, was das Verständnis
    jedoch eher erschwert hat, als dass es die Handlung vorangebracht hat.
    Spannung kommt dabei streckenweise durchaus auf, gerade gegen Ende zieht
    das Tempo noch einmal an. Viele Szenen haben jedoch eher die Wirkung
    eines Dramas. Eine interessante Mischung, die Genregrenzen verwischen zu
    lassen, und zu großen Teilen ist das auch gelungen.

    Der Leser
    sollte sich hier auf ein heftiges Werk einstellen, dass mich auch nach
    dem Lesen noch weiterbeschäftigt hat – die erzeugten Bilder sind schon
    wuchtig, das muss man ertragen können. Die oftmals eher dramatischen
    Züge, dass allseits vorherrschende Gewaltthema, die vielen gut
    geschilderten Charaktere helfen über die eine oder andere konzeptionelle
    und inhaltliche Schwäche hinweg, sodass „Puppentod“ durchaus lesenswert
    ist. Stimmung und eine spannende Handlung miteinander, präsentiert bis
    ins Detail ausgearbeitete Charaktere und eine langsame, dafür umso
    fesselndere Geschichte. Ich konnte völlig in das Buch eintauchen und war
    fast ein wenig enttäuscht, als das Buch ausgelesen war. Doch da es sich
    um den ersten Teil einer Reihe handelt, darf man sich auf eine Rückkehr
    in die liebgewonnene Welt freuen.

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    Cover des Buches Die Sekte - Deine Angst ist erst der Anfang9783734107849

    Bewertung zu "Die Sekte - Deine Angst ist erst der Anfang" von Mariette Lindstein

    Die Sekte - Deine Angst ist erst der Anfang
    PoldisHoerspielseitevor 3 Monaten
    Deine Angst ist erst der Anfang (Mariette Lindstein)

    Auch nachdem Sektenführer Franz Oswald aufgrund der Aussage von Sofia Baumann im Gefängnis gelandet ist, leidet die junge Frau unter Albträumen und Panikattacken. Schon bald fühlt sie sich auch im realen Leben bedroht. Doch schafft der skrupellose Mann es tatsächlich, aus dem Hintergrund, die Fäden weiter in der Hand zu halten? Sofia fasst einen radikalen Entschluss...

    Wer dachte, im ersten Band "Es gibt kein Entkommen" aus der Reihe "Die Sekte" sei die Geschichte um Sofia Baumann zu Ende erzählt, der irrt gewaltig. Denn auch wenn die Verhaftung des Sektenführers theoretisch das Ende bedeuten könnte, legt Autorin Mariette Lindstein mit "Deine Angst ist erst der Anfang" eine sehr gelungene Fortsetzung vor. Nach einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse wird zunächst von Sofias Leben nach ViaTerra beschrieben, welche inneren Narben sie in ihrer Zeit davongetragen hat, wie sie immer noch unter dem psychischen Druck leidet. Das ist feinfühlig und psychologisch angehaucht erzählt, die Spannung hält sich dabei jedoch in Grenzen - das ist aber überhaupt nicht schlimm, da die Autorin hier so nahbar schreibt und den Lesern an den Ängsten ihrer Hauptfigur teilnehmen lässt. Das ist sehr eingängig geraten, zumal auch hier schon Andeutungen gemacht werden, wie groß der Einfluss des Inhaftierten immer noch ist.

    Auf dessen perfides Spiel geht der Thriller in zweiten Teil näher ein und webt ein enges Netz um die beiden so konträren Hauptcharaktere. Die Attacken von Oswald sind mal subtil, werden aber immer heftiger und bedrohlicher, er beeinflusst Sofias Leben auf sehr präsente Weise. Es ist unglaublich packend zu lesen, wie der Kampf der beiden willensstarken Charaktere vorangetrieben wird, welche Dynamik sich trotz der räumlichen Trennung zwischen ihnen entwickelt. Dass dabei moderne Medien ihren Einfluss nehmen, ist umso gelungener, auch wenn Sofias Verhalten nicht immer nachvollziehbar ist. Oft läuft sie sehenden Auges in ihr Verderben, ohne aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt zu haben. Das tut dem Spannungsaufbau sicherlich gut, schadet aber zumindest in den Details der Glaubwürdigkeit. Dennoch ist der Verlauf packend, sehr gut geschrieben und mit einer immer bedrohlichen Stimmung versehen.

    Zwar kann dieser zweite Teil nicht in allen Punkten mit dem Vorgänger mithalten, die Handlung ist dennoch packend, dramatisch und clever durchdacht erzählt. Es wird in vielen eingängigen Bildern von Sofias labiler Gefühlslage beschrieben, bis Oswald schließlich zum neuen Schlag gegen sein ehemaliges Mitglied ausholt. Beide Teile sind sehr lesenswert, sodass es Thriller entstanden ist, der nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

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