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RalfEbersoldt

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    Cover des Buches Tote singen keine Lieder (ISBN: 9783960584476)

    Bewertung zu "Tote singen keine Lieder" von Bernhard Hatterscheidt

    Tote singen keine Lieder
    RalfEbersoldtvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Was nach einem Abklatsch des Tatort "Reifezeugnis" (1974) mit Nastassja Kinski klingt, entpuppt sich als Krimi voll schmutziger Wäsche.
    Sollte eine Musikstudentin zählen können?

    Der Herr Musikprofessor mit dem Taktstock. Aus sechs Tatverdächtigen und fünf Ermittlerinnen und Ermittlen einen Krimi zu "basteln" daraus ist das Ergebnis des aktuellen Krimis "Tote singen keine Lieder" von Bernhard Hatterscheidt geworden.


    Der Autor Bernhard Hatterscheidt ist im Jahr 1964 in Essen geboren und seit 1982 bei der Polizei. Nach seiner Ausbildung war er Teil der sogenannten “Einsatzhunderschaft“. Im Jahr 1996 wurde er bei der Kölner Kripo zum Kriminalkommissar ausgebildet und blieb dort bis 2010, mit dem Rang des Kriminalhauptkommissars. Seit 2010 ist er intern für die Bearbeitung von Amts- und Korruptionsdelikten zuständig.

    Neid, Habgier, niedere Beweggründe und Eifersucht zählen zu den neun ältesten Mordmotiven der Menschheit. Eben jede unterscheiden den Mord, nämlich § 211 im Strafgesetzbuch vom § 212 des StGB, also dem Totschlag.
    Die 24-jährige Lene Lemmerling wurde nicht geschlagen, bis sie den Verletzungen erlag. Sondern es war sogar ein Overkill, also mehrere Arten des Tötens, wobei eine davon zum Tod des Opfers völlig ausgereicht hätte. Man hatte dem Opfer die Zähne ausgeschlagen und zusätzlich den Brustraum verletzt. Anfangs vermutete man, dass die Studentin auch vergewaltigt wurde. Das stellte sich als Fehlvermutung heraus. Allerdings war die Studentin schwanger. Und wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte, von ihrem Musikprofessor, der durchaus hätte ihr Vater sein können.

    Die Studentin wohnte mit einem Zwillingsbruder-Paar in einer Wohngemeinschaft. Auch mit den beiden unterhielt sie eine intime Affäre. Beide gaben an, die Studentin sehr gemocht zu haben. In Ermittlerkreisen vermutete man, dass sie deshalb "sehr gemocht" wurde, weil sie sexuell zur Verfügung stand. Außerdem war diese Studentin hübsch und, wie viele wussten, sexuell experimentierfreudig. Sollte ihr beides etwa zum Verhängnis geworden sein?

    Über den Herrn Musikprofessor munkelte man, dass er den Studentinnen gute Noten gab, solange sie ihm sexuell zur Verfügung standen. Und, dass er ein Fan der "Fifty Shades..."-Bücher gewesen ist. Offensichtlich war, dass er ein Faible für bildhübsche Frauen hatte. Seine Frau Gemahlin wurde als Beschuldigte sogar in Polizeigewahrsam genommen, immerhin hätte sie ein Tatmotiv gehabt, denn die ermordete Studentin war schwanger von ihrem Mann. Auch sie galt als sehr attraktiv.

    Allen Ermittlern aller Mordkommissionen der Welt bleiben die berühmten 72 Stunden, um einen Mordfall zu klären, ab dann wird es immer schwieriger, den Täter ausfindig zu machen. So auch in diesem Fall.
    Wobei es sich nicht um einen Täter handelte, sondern um eine Täterin, die mit ihren roten Locken auch noch teuflisch gut aussah: bei ihr waren "Engelchen & teufelchen" nicht weit auseinander.


    Im Fernsehen sieht man manchmal ehemalige Mordermittler aus dem true-life, die Jahrzehnte lang der Gesellschaft gedient haben, und, um den Lebensabend in Ruhe und in Zufriedenheit  zu verbringen, sich alles von der Seele reden möchten.
    Auch Bernhard Hatterscheidt kann aus den Vollen schöpfen. Neben seinem Beruf sind seine größte Leidenschaften seine Familie, seine Pferde und das Schreiben.  “Mörderischer Fastelovend“ heißt sein erster Kölner Krimi, welcher im Jahr 2019 erschienen ist. Darin erschoss jemand im Hasenkostüm verkleidet in einer Dönerbude. In seinem zweiten Krimi namens “Eiskalt in Nippes“ fand ein Hausmeister beim Durchbruch einer Wand eine Tiefkühltruhe. Darin befand sich sogar noch Fleisch: Menschenfleisch.

    “Tote singen keine Lieder“ heißt sein Jubiläumskrimi, den ich eingangs erläutert habe. Dieser Krimi seiner zehn ist so zeitnah am Geschehen wie kein anderer: es gibt eine Pandemie, sogar der Taser kommt zum Einsatz, der ja noch nicht lange eingesetzt werden darf, und – weil die Beschuldigte auf einen Pflichtverteidiger verzichten möchte – die notwendige Verteidigung gemäß dem § 140 Strafprozessordnung (StPO) kommt auch zum Tragen.

     

    Alles in allem ein sehr spannender Krimi auf 228 Seiten, erschienen im LEMPERTZ-Verlag, die Überschrift “Sex sells“ wäre völlig deplatziert gewesen.
    Nach drei Krimis und drei Besuche seiner Lesungen war ich doch sehr verwöhnt, was das Krimi-Genre betrifft. Der jetzige Krimi hat alles übertroffen.

    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Dem Wahnsinn entkommen (ISBN: 9783948545000)

    Bewertung zu "Dem Wahnsinn entkommen" von Ralf Scharrer

    Dem Wahnsinn entkommen
    RalfEbersoldtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Geschichte, die Ralf Scharrer uns in seinem Buch erzählt, ist traurig, es ist seine. Ein Thema, dass uns als Gesellschaft alle angeht.
    Das Ende einer Kreuzfahrt

    Einem anderen Menschen ins Leben zu pfuschen, dieser Person nachzustellen, ihr die Identität zu rauben, ist schon ein starkes Stück. Aber wofür eigentlich? Hat die stalkende Person denn keine eigene Identität? Mit all diesen Fragen hat sich der gebürtige Franke und Autor Ralf Scharrer über Jahre beschäftigt und in seinem Buch "Dem Wahnsinn entkommen" seine Erfahrungen anonymisiert erzählt. Denn es ist eigentlich seine Geschichte, die aus einer Zeit handelt, in der er noch "anders" gewesen ist.




    Während einer Kreuzfahrt hat Anna Max kennengelernt. Zunächst standen die Zeichen auf Liebe. Irgendwann fiel auch das "Ich liebe dich". Nach kurzer Zeit jedoch kristallisierte sich heraus, dass man von Liebe völlig verschiedene Ansichten hatte. Aber auch das sah Max anders, Von Seiten Max war es eher psychische Abhängigkeit, Und Max ließ und ließ nicht locker. Er kontrollierte. Über viele Jahre. Alle SMS, E-Mails, Anrufe, sogar die Kleidung... Rechtliche Unterstützung gab es damals noch nicht, es ging weiter. Anna musste sich aus Angst in Mülltonnen verstecken. Jeder Schulterblick konnte vom Straßenverkehr ablenken und jeder Blick auf den Straßenverkehr konnte einen Einschnitt ins Leben bedeuten.
    Max ist allgegenwärtig, auch im Schlaf. Alles dreht sich nur um Max - das ist sein Ziel. Weil er seinen Willen nicht bekommen hat.

    Egal, wie "gut" oder wie stark man ist: es gibt immer jemanden, der "besser" oder stärker ist - deshalb kann jeder Mensch Opfer von Mobbing oder von Stalking werden. Jeder Mensch.
    Den Nachstellungsparagraph 238 im Strafgesetzbuch (StGB) gibt es in Deutschland erst seit 2007. In den dortigen Absätzen ist aufgelistet, dass man zum Beispiel nicht die privaten Gemächer der Zielperson aufsuchen darf, sich nicht als diese Person ausgeben darf, und viele andere Einschränkungen.




    Den Kopf in den Sand zu stecken, war für Ralf Scharrer nie eine Option. Weil es in seinem Heimatort keine Schauspielschule gab, ging er dort hin, wo es eine gab: nach Köln. Bereits im Alter von 18 Jahren hatte seinen Lebensunterhalt mit einem eigenen Feinkostladen bestritten.


    Inzwischen ist Ralf Scharrer unfreiwillig zum Experten für Stalking geworden, und damit auch medial bekannt, denn er hat damals keine rechtliche Unterstützung bekommen. Vereine und Selbsthilfegruppen gab es damals noch nicht. Ergo hat er selbst seine Selbsthilfegruppe gegründet, die "Aktiv gegen Stalking heißt" (www.aktiv-gegen-stalking.de)..
    Sein Buch "Dem Wahnsinn entkommen" war übrigens für den Deutschen Buchpreis nominiert.




    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches 100 Prozent tot (ISBN: 9783770041343)

    Bewertung zu "100 Prozent tot" von Stephan Harbort

    100 Prozent tot
    RalfEbersoldtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der Bub bekam Schläge, noch bevor er jemals richtig sprechen konnte. Dazu im Kleinkindalter 2 Hirnhautentzündungen. Noch Fragen?
    Stumme Schreie - wenn Kinder innerlich weinen.

    Wenn wir lesen, dass eine Straftat gegen Menschenleben oder gegen die Menschenwürde begangen wurde, wobei ja meist noch andere Straftaten mit begangen werden, dann haben wir eine Vorstellung davon, was dem Täter so alles als Strafe blühen sollte.


    Alle Bedienstete von Strafverfolgungsbehörden sehen nur die Spitze des Eisberges: nämlich den Anfang vom Ende eines  scheinbar integrierten Menschen. Trotz ihres Studiums (Jura, Psychologie, u.a.) müssen sie mithilfe vieler wissenschaftlicher Beweise der Tat zusammentragen.

    Das Täterprofil ist nicht im Ganzen relevant, sondern alles, was zur Tat passt. An der Leiche wurde Speiseeis gefunden? Dann wäre die Eissorte in Verbindung mit dem Täter interessant. Welche Musik er generell hörte, könnte nur bei exzessiver Gewalt ein Indiz sein. Deswegen sind aber nicht alle Heavy-Metal-Freaks gewaltbereit, eher die wenigsten. Zwar hat es in der Vergangenheit wenige Gewalttäter gegeben, die mit Autismus und/oder Legasthenie (Lese- oder Schreibschwäche) geboren waren, deswegen sehen aber noch immer nicht alle Schriftsteller gleich aus. Aber: »Guck mal, wie der schon aussieht...!«


    Und wehe dem, die Medien berichten von einer verkorksten Kindheit. Dann fühlen sich viele nämlich selbst lebenserfahren genug, um urteilen zu können oder vielmehr, um sich selbst und die eigenen Erfahrungen über andere zu stellen.

    Lasst uns gemeinsam schauen, ob meine Vermutung stimmt. Und lasst uns gemeinsam herausfinden, ob wir mit den Erfahrungen des Täters mithalten könnten. Achtung, TRIGGERWARNUNG!




    Der Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort ist 1964 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur 1984 absolvierte er eine Ausbildung bei der Polizei, danach ein Studium, welches er 1993 mit dem Verwaltungs-Fachwirt an der FH abschloss.

    Im Jahr 1994 begann er mit seinen Arbeiten im Bereich Operative Fallanalyse, ab 1997 mit Schwerpunkt Serienmörder. Seine Aufsätze und mehr als 20 Fach- und Sachbücher sind auch international bekannt.


    Sein Buch »Zu hundert Prozent tot« beschäftigt sich in einzig mit einem Serienmörder, dem späteren »Phantom von Grunewald« (Berlin),weil dessen Taten schon alleine in der Menge, und natürlich auch in der Art der Begehung, grausam sind.

    Mit Anhang insgesamt 320 Seiten, erschienen 2010 im Droste Verlag GmbH in Düsseldorf.


    Das spätere »Phantom....« wurde im Jahr 1960 in Altenbochum geboren. Zum Zeitpunkt seiner Geburt arbeitete seine Mutter als Näherin in einer Schneiderei. Nach Geburt jobbte sie gelegentlich als Putzfrau, denn die Kredite des Hauses wollten bedient werden, und sie verwaltete die Finanzen. Sie war übergewichtig und galt als hässlich.

    Der Vater war drei Jahre jünger als seine Frau und arbeitete unter der Woche als Berufskraftfahrer. Außerdem war er an den Wochenenden bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, aus beiden Gründen stand er hinten an, er wurde nur als starke Hand gebraucht. Die eigentliche Erziehung war Aufgabe der Mutter.

    Mit im Haus wohnten die Großeltern des Jungen.


    Seine ersten Monate verlieben reibungslos, er war der Sonnenschein. Im Alter von 14 Monaten schnitt sein Gescht allerdings Grimassen, lief blau an, und er bekam Fieber, Schütteldrost hatte Schaum vor`m Mund. Der Arzt, der Hausbesuche machte, konnte zwar nichts finden, sagte aber, das würde schon wieder werden, Bettruhe sei nun wichtig.

    Zunächst, so war man sich sicher, würden keine Veränderungen zurück bleiben. Im kleinkindalter überkam ihn erneut ein Anfall, diesmal noch schlimmer, mit Atemnot, Schüttelfrost, Fieber und schaumigem Speichel vor dem Mund. 

    Nach einer Untersuchung in einem Krankenhaus diagnostierte man bei ihm eine Meningitis als Folge einer Hirnhautenzündung. 


    Bereits als Kleinkind bettelte er bei seinen Eltern auf subtile Art nach Liebe und nach Anerkennung. Zum Beispiel steckte er einmal seinem Vater ein Auto in die Brotdose, die er zur Arbeit mit nahm. Wenn der Bub etwas nicht verstand und aufsässig wuirde, war die führende des Vaters gefragt: dieser prügelte den Jungen bereits als Kleinkind mit einem metallüberzogenen Lederriemen. Anstatt, dass die Mutter dem Jungen half, war ihr Kommentar »Ich will dich nicht mehr sehen!« 


    In der Schule kam er anfangs recht gut mit, war unter den Besten seiner Klasse. Dies war jedoch der Mutter zu verdanken, die oft stundenlang mit ihm nach der Schule büffelte. Auch sonst verstand er nicht sehr viel und er war sein Leben lang ein Abgestoßener. Er beschränkte sein Wissen bereits früh auf bestimmte Themen. Was ihm nicht lag, ließ er außen vor. Und wer ihn nicht mochte, den konnte er nicht leiden.

    Auch mit dem Alter wurde er immer aufsässiger. Er begann zu stehlen und im Alter von 9 Jahren fand er Gefallen an Kindern, die jünger waren als er – sie empfanden ihn als schlau, sie konnte er für eigene Zwecke manipulieren. 


    Im Alter von 10 Jahren stahl er reihenweise Fahrräder. Außerdem erpresste er einen örtlichen Blumenhändler um 1 Million D-Mark. Der Täter war binnen weniger Tage ausgemacht. Die Beamten brachten einen handschriftlich geschriebenen Erpresserzettel mit, den er vorlesen und anschließend selber schreiben sollte. Seine Antwort: »Warum? Den habe ich doch schon geschrieben.«

    Die Idee dazu hatte er aus dem Fernsehen. Die Prügel dazu bezog er vom Vater. Durch die bereits jahrelangen Gewaltexzesse wurde sein Drang, der Täter anstatt das Opfer zu sein, immer stärker. Vor allem wegen der permanent verschmähten Liebe, die er ständig erfuhr.


    Im Jahr 1976 landete er wegen seines Verhaltens in der Jugendpsychiatrie und bedrohte dort eine 12-jährige, auch sexuell. Für diese Tat lockte er sie in eine nahe gelegene Hütte. Er nötigte sie, sich auszuziehen, ansonsten werde er sie »zusammenhauen«, wie er später sagte. Anschließend streichelte er ihr Brüste und verbrannte sie mit Zigarettenglut..

    Eigentlich sollte er an diesem Tag für ein paar Tage nach Hause in Urlaub fahren dürfen. Als der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie bei den Eltern anrief, weinte der Täter.


    Zwischenfrage: Liest eigentlich noch jemand mit?


    Als er 12 Jahre alt war, wurde er vom Auto angefahren und erleidet einen komplizierten Schienbeinbruch, der ihm einen wochenlangen Krankenhausaufenthalt bescherte. Auch dort onanierte er notorisch, bis sein Glied irgendwann wundgescheuert war. Eine Krankenschwester nahm sich seiner an und rieb ihm die wund geriebenen Stellen mit Salbe ein.


    Als 18-jähriger, ausgestoßen und gesellschaftlich geächtet, stieg er als Anhalter zu einer Unbekannten ins Auto. Sie trug lange, blonde Haare, er schätzte sie auf etwa Ende 20 Jahre alt. Er stellte sich vor, wie er sie in den Wald zerrt und vergewaltigt.

    Zitat aus dem Buch: »Als sie einige hundert Meter gefahren sind, ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Jetzt müsste er die Frau nur noch dazu bringen, den Wagen abzuschalten, sie vergewaltigen und über sie herfallen. Doch er tut nichts dergleichen. Erst einmal abwarten, entscheidet er.

    Er besitzt noch immer nicht die notwendige Kaltblütigkeit, den unbedingten Willen, diese vorfantasierte Tat auszuüben,

    Er ist aber auch ein wenig erleichtert, dass es nicht dazu gekommen ist. Allerdings berauscht er sich auch nach Wochen noch daran, es ketztlich doch getan zu haben.«


    Ein weiteres Zitat aus dem Buchtext, welches sehr viel über seine Persönlichkeit aussagt:


    »Anonymität ist für ihn eine zwingende Vorbedingung, um sich in die Rolle des Täters hineinzufinden und dies auch durchhalten zu können. Sobald er das Opfer nicht verdinglichen kann und er mit vollem Namen in Aktion treten soll, geht nichts mehr.«

    Seine größte Angst bei den Taten war schon immer, dass er mal eine nicht komplett »tot gemacht« hatte, wie Harbort ihn im Buch zitiert.


    Selbst nachdem er im Alter von 20 Jahren mit bestandenem Gesellenbrief als Maurer wieder im Elternhaus einzieht, wird er bevormundet. Über eine Bekannte seiner Eltern erfuhr er, dass er in Berlin mehr verdiene als im Ruhrgebiet, außerdem könne er dort den Zivildienst verweigern. Er wollte schon immer von daheim weg.

    Ende Mai 1981 sein erster nicht erzwungener und nicht bezahlter Sex,. Mit einer Frau, die er im »Tanzpalast«, seinem neuen Arbeitgeber, kennen lernte. Zum ersten Mal kein Verlangen nach Gewalt. Doch am nächsten Morgen bat diese Frau ihn, ihren Sohn zu akzeptieren. Er flüchtete.


    Ab dann musste er sich monatelang mit One-Night-Stands begnügen. Und im September 1981 vergewaltigte er eine junge Frau, die sich losreißen konnte. Vier Stunden nach der Tat war er erneut unterwegs und überwältigte auf der Straße eine südkoreanische Studentin. 


    Die Frauen, die er bei seinem Arbeitgeber traf, waren für ihn Tabu. Doch irgendwann lernte er dort eine bildhübsche Frau kennen, die ihn allerdings von Beginn an ablehnte. Er probierte es wieder und wieder, sie wollte noch nicht mal von ihm nach Hause gebracht werden. Doch irgendwann gab sie nach und sie wurden ein Paar. Sie brachte einen Sohn mit, er glaubte, so etwas wie eine Familie zu haben. Dabei war er für sie nur eine Affäre.

    Nach nur drei Monaten veränderte sich ihr Verhältnis zueinander zusehens. Er schmierte dem Jungen morgens die Brote, sie blieb liegen. Er wusch ab, sie nicht. Auch ihre Körperpflege vernachlässigte sie. Man schwieg sich nur noch an, Beziehungsprobleme, geschweige die Bewältigung davon, waren ihm fremd. Nach wenigen Wochen packte er einfach seine Sachen und ging. Sie wurde nicht sein einziges Opfer.


    Und? Hatte dieser Mann mehr als zu viel erlebt oder nicht? Er kannte seit frühester Kindheit nichts außer Schläge. Seinem Vater war er zu weiblich. Als er einmal als Kind aus Schuhkartons einen Kaufmannsladen aufbaute und stolz seinem Vater vorführen wollte, bekam er Prügel und gesagt, dies sei Mädchenkram.

    Er hatte viel erlebt. Vor allem von früh an und wenig Liebe. Niemand wird als Mörder geboren. Uns, die in Freiheit leben (übrigens unser dritthöchstes Rechtsgut), stehen sowohl Bürgerrechte als auch Menschenrechte zu (siehe Grundgesetz). Menschrechte (wie z.B. Menschenwürde) gelten auch im Gefängnis. Doch dafür möchte ich wieder dem Experten das Feld überlassen.


    Zitat aus dem Vorwort :


    »Ich muss gestehen, dass mich das Schicksal dieses Mannes und das seiner Opfer tief berührt haben. Er ist ein Paradebeispiel dafür, dass Menschen in fatale Lebenssituationen geraten können, die sie ohnmächtig erttragen müssen und für deren lebensgeschichtliche Konsequenzen sie nicht verantwortlich gemacht werden dürfen.

    Danach gilt dieser Mann auch in juristischem Sinne zu Recht als Straftäter, der unaussprachliches Leid über seine Opfer und deren Familien gebracht hat, vor dem wir geschützt werden müssen. Auch heute noch.

    Wir können es uns einfach machen, und ihn genauso behandeln, wie man zeitlebens mit ihm verfahren ist: ignorieren, ausgrenzen, vergessen.Doch damit würden wir auch das Schicksal jener Frauen missachten, die ihm zum falschen Zeit am falschen Ort begegneten und getötet wurden oder sonst seelischen Schaden davontragen. Und wir würden abermals den Fehler begehen, Täter und Tat gleichzusetzen, ihn auf seine Verbrechen zu reduzieren.«



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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Kompendium der Kriminalistik (ISBN: 9783862377343)

    Bewertung zu "Kompendium der Kriminalistik" von Manfred Lukaschewski

    Kompendium der Kriminalistik
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Drei sehr gute Bücher, die Hobby-Kriminalisten aufzeigen sollten, dass sie keine Mitarbeiter:innen der Polizei sind. Auch nicht ehrenamtlich
    Von wegen "Kriminaistik für Dummies"...!

    Millionen Menschen weltweit kennen und lieben die Abenteuer, die Sherlock Holmes und sein Partner, Dr. Watson, der eigentlich die Fälle lösr. Beide sind fiktive Figuren, die im Jahr 1866 aus der Feder des britischen Schriftstellers Arthur Conan Doyle entsprungen sind. Selbstverständlich möchte ich hier niemandem die Einhörner vergraulen, immerhin treiben beide Figuren noch heute Verbrecher ins Netz...! Wahnsinn, was man unter einer Lupe alles sehen kann.

    Die Realität ist oft weniger abenteuerlich, weniger lustig und weniger romantisch. Um in einem Krimninalfall ermitteln und den Täter richterlich zur Rechenschaft ziehen zu können, benötigt man Beweise, angefangen beim corpus delicti, dem Tatgegenstand. Jedoch haben die vielen Geschichten um Sherlock Holmes erheblich zur heutigen Kriminalistik beigetragen, denn das Wissen aus den Büchern wurde aufgenommen und erweitert, sodass die heutige Kriminalistik in mehrere Dutzend  größtenteils mathematische Themenbereiche unterteilt ist, von denen man alle als Einzelfach studieren kann.


    Manfred Lukaschewski, im Oktober 1951 in Altenzaun (Altmark,Sachsen-Anhalt) geboren, zählt zu den Menschen, die sich mit Zahlen und Mit Maathemathik gut auskennen. Während seines Studenten- und Berufslebens war er unter anderem Traktorfahrer und Flugsicherheitsassistent. Später hat er Jura studiert und darin den Dokor gemacht und ist heute Kriminalrat außer Dienst (a..D.), weil Ruhestand. Für alle, die keine Krimis schauen: der Dienstgrad eines Kriminalrat ist höher als der eines Kriminalhauptkommissar.

    Lukaschewski verfügt also über genügend fachliches Wissen, um sämtliche Fachbegriuffe für uns Hobby-Kriminalisten zu bünden. Um ihm Respekt dafür zu zollen, sollten wir und einige Begriffe aus der Nähe anschauen.



    Man findet zum Beispiel banale Begrifflichkeiten wie 


    A n g e b l i c h e r Häftling,


    Wie bitte? Banal? In Kriminalserien im Fernsehen sieht man oft Beamte, die in Gefängniszellen

    von Verdächtigten geschleust werden, um sich das Vertrauen und/oder ein Geständnis zu erschlechen. Einige Bürgerinnen und Bürger behaupten folglich schon mal »Die haben garantiert ihre V-Leute im Knast. Die sind doch alle selber koruppt.«

    Das ist nicht banal, sondern UNZULÄSSIG!


    Anlassfarben,


    durch Oxidation bei hohen Temperaturen hervorgerufene Farbveränderung an der Oberfläche von Metallen, insbesondere Stahl.

    Anlassfarben entstehen beim Bearbeiten von Metall (Schneidbrennerspuren) bei der Beschädigung in Betrieb befindlicher Glühlampen, durch Einwirkung elektrischer Energie, oder von Flammen.


    Juristische Angelegenheiten wie Straftatbestände und medizinische Themen, wie zum Beispiel Themen aus Anatomie (Lehre über den Aufbau des menschlichen Körpers), Physiologie (Lehre über die Funktionen des menschlichen Körpoers) und Pathologie (Lehre der Krankheiten).


    Die Geologie zum Beispiel gibt Aufschluss über die Beschaffenheit des Tatortes oder des Ortes, an welchem die/der Tote abgelegt wurde. Die Meteorologie verrät das Wetter am Tag der Tat.


    Magen-Darm-schwimmprobe,

    Methode zum Nachweis, ob Neugeborene gelebt haben.

    Schwimmen der abgebundene magen-darm-Trakt oder Teile von ihm, hat das Kind eine

    gewisse Zeit geatmet, Luft verschluckt und gelebt.

    Vorsicht bei Fäulnis!


    Magnetstift,

    Schreibstift mit magnetischer Schreibspitze (klingt lohisch, oder?).

    Er dient zur Fertigung magnetischer Unterschriften auf Magnetband zum Zweck der 

    Kennzeichnung bzw. Sicherung der magnettonaufzeichnung vor Verfälschung.




    Auf 378 Seiten und in insgesamt 3 Büchern namens "Kompendum der Kriminalistik" hat Manfred Lukaschewski alle kriminalistisch relevanten Begriffe für uns gebündelt.

    Alleine durch das Auswendiglernen der Begriffe und deren Definitionen wird man noch lange kein Kriminalist und kein Profiler. Man muss die Definitionen auch verstehen und einordnen können. Kleiner Tipp: auf dem zweiten Bildungsweg kann man aus öffentlicher Hand finanziert die Mittlere Reife und das Abitur nachmachen, und sich dann altersunabhängig bei der Zentralvergabe für Studienplätze (ZVS) in Dortmund anmelden.



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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Der Profiler (ISBN: 9783453603592)

    Bewertung zu "Der Profiler" von Axel Petermann

    Der Profiler
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Nach 35 Jahren Mordermittlungen erzählt Petermann über die Anfänge der Operativen Fallanalyse und über Justizirtümer.
    "Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt irgendwann zur Quelle" (Dieter Hallervorden).

    Zu Beginn zwei Zitate von Axel Petermann: über sich selbst: „Ich schlüpfte in die Rolle eines Mörders, um das Verbrechen mit seinen Augen sehen zu können.“ und „Ich bin Profiler. Ein Spezialist für ungeklärte Morde. Ein Grübler und Querdenke unter den Mordermittlern.“


    Während seiner 35 Jahre bei der Bremer Mordkommission hat er  - auch in leitender Funktion -  etwa1.000 Fälle bearbeitet, und während dieser Zeit einen der ersten Fälle in Deutschland bearbeitet, bei dem der Täter mittels DNA-Analyse überführt werden konnte. Außerdem ist er im Bundesverband ANUAS e.V., einer Hilfsorganisation für Opferangehörige, aktiv. Ver seiner Fälle wurden im Bremer "Tatort" in leicht veränderter Form verfilmt. 

    “Der Profiler“ ist sein drittes Buch, beinhaltet 298 Seiten und ist im Juli 2015 erstmals erschienen, inzwischen in der 8. Auflage, und ist iein SPIEGEL-Bestseller.




    Im ersten Fall geht es um die zum Tatzeitpunkt 19-jährige Heike Rhimbach, die bei der Tat nahezu hingerichtet wurde. Sie wurde erstochen, erwürgt und erhängt, sodass jede dieser Vorgehensweisen für sich selbst hätte vollkommen genügt, um die junge Frau zu töten – deshalb lautet diese Art des Tötens Mehrfachmord.

    Die verbliebene Mutter hatte dieses Ereignis auch knapp 20 Jahren nicht verabeiten können – was umso schwerer ist, wenn der Mörder noch immer nicht gefasst ist und ständig jemand im Zuge der Ermittlungen alte Wunden aufreißt. Die Mutter war es, die Axel Petermann um Hilfe bat. Mit der Bedingung, dass er für sie als >>Pro-bono-Ermittler<< arbeite, stimmte sie zu. (Zitat Petermann) „..., aber der Preis für meine kostenlose Beratung ist die völlige Unabhängigkeit bei der Bewertung der Recherchenergebnisse.“ Dann bat er sie im Gegenzug, ihren Anwalt von dessen Schweigepflicht zu entbinden und ihm die Akten zu Verfügung zu stellen.


    Im Verlauf der Ermttlungen lernt Axel Petermann auch den Vater Rhimbach kennen, der nach Angaben des Anwalts der Familie wenige Jahre nach der Ermordung seiner Tochter vor Kummer verstorben war. Wie es zu solch einer irreführenden Verwechslung kommen konnte, wurde nie geklärt.




    Über das Profiling verrät Petermann (Zitat): „Ein Täter trifft ständig Entscheidungen, vor, während, und auch nach dem Verbrechen, bestimmt die Tatzeit, sucht den Tatort aus, wählt die Tatwaffe, entscheidet sich für die Art und Weise der Tötung und überlegt, was er mit der Leiche macht. Ob er diese einfach liegen lässr, abdeckt, verstümmelt oder einfach an einen anderen Ort bringt, damit die Tat zunächst noch unentdeckt bleibt und die Familie wie Ermittler von einem freiwilligen Verschwinden ausgehen. Durch seine individuelle Vorgehensweise verrät ein Täter seine Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse werden durch die Spuren am Tatort und an der Leiche dokumentiert.

    Doch es ist nicht der klassische Fingerabdruck an der Tatwaffe, der blutige Fußabdruck eines Schuhs auf dem Linoleum oder das verlorene Haar an der Kleidung des Opfers, es ist vielmehr >>die Spur hinter der Spur<<, mit der ich mich auseinandersetze. Der Täter hinterlässt einen >>psychologischen Fingerabdruck<<, der ihn von anderen Tätern unterscheidet.

    Und noch ein dritter Komplex ist in der Fallanalyse wichtig. Neben den Informationen des Tatortes und den Traumen an der Leiche muss ich mich sehr intensiv mit der Persönlichkeit des Opfers beschäftigen. Es gilt nämlich die Frage zu beantworten, ob der oder die Getötete bewusst vom Täter ausgesucht wurde oder ob das Opfer Pech hatte und einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war. Um auf all diese Fragen Antwort geben zu können, muss ich den Tatort besichtigen, und auch die Ermittlungsakte lesen. Ich muss möglichst alle Informationen über das Opfer darin finden.“ (Zitat Ende)




    Über die Entstehung der Operativen Fallanalyse


    Anfang der Jahrtausendwende gab Petermann die Leitung der Mordkommission in Bremen auf, um mit 2 Köllegen die Abteilung für die Operative Fallanalyse zu gründen. Dabei richtete er sich nach den Methoden von Robert Ressler, der im Jahr 1978 Leiter der Abteilung Verhaltensforschung des FBI geworden war und in den Jahren darauf die Methodik der Fallanalyse stark geprägt hat. Er fragte sich, weshalb Täter ihre Taten auf eine ganz spezielle Art und Weise begehen und – vor allem – warum sich die Vorgehensweisen von Mördern bei gleichen Motiven ähnelte, obwohl sich diese Menschen überhaupt nicht kannten und nicht gegenseitig inspiriert haben konnten. Dazu schreibt Petermann (Zitat):


    Der Täter, der mordet, und der, der verstümmelt, sind identisch. Manchmal aber holt sich ein solcher Täter auch Hilfe. Kein einziger Fall ist belegt, in dem eine zufällig aufgefundene Leiche vom Finder – aus welchen Gründen auch immer -  verstümmelt und versteckt wurde. Verdächtige, die so etwas behaupten, suchen nach Ausreden, erfinden Schutzbehauptungen, um nicht wegen eines Tötungsdelikts bestraft zu werden.“




    Im zweiten Fall ging es um einen Häftling der JVA Bremen, der während einer Schlägerei ein Hämatom am Auge abbekam und beim Gefängnisarzt trotz Behandlung mit Salbe nach einem Schmerzmittel fragte. Der Arzt wunderte sich darüber, dann aber zeigte der Häftling ihm seine Füße: ihm fehlten an beiden Füßen jeweils die mittleren drei Zehennägel, also insgesamt sechs. Weil in der JVA mehrere Cla-Strukturen den Knastalltag bestimmen, ging man lange davon aus, dass der Häftling gefoltert worden sei.

    Dieser Fall wurde im Bremer “Tatort“ “Wer das Schweigen bricht“ verfilmt.

    Der Häftling und Patient war seit seiner Jugend drogenabhängig und seit seiner Kindheit verhaltensauffällig und aggressiv veranlagt. Wegen seiner Impulsivität und wegen seiner Schmerzverträglichkeit nannten ihn viele “Pitbull“ oder “Terrier“. Petermann ermittelte damals in alle Richtungen.


    Im dritten Fall wurde von einem Jäger der Torso einer Frauenleiche, also ohne Kopf und ohne Beine, in der Weser gefunden, er wunderte sich über Fäulnisgeruch und lautes Summen. Ihre Arme und Hände waren dran, also ging es dem Täter nicht um das Vertuschen der Identität der Toten, sondern um das Vortäuschen der Mordursache. Mögliches Indiz für eine Täter-Opfer-Beziehung?


    Im letzten Kapitel beschreibt Petermann zwei Cold Cases, also zwei Fälle, deren Ermittlungen einst aufgenommen und später auf Eis gelegt wurden, jedoch nie abgeschlossen werden konnten,. Einer der beiden Fälle war ein Mord mit drei Verdächtigen, von denen einer verurteilt und später im Revisionsverfahren wieder freigelassen wurde – Petermann war zu Beginn dieses Falls selbst noch Polizeischüler. 

    Der letzte Fall handelt von einem Ehepaar, bei dem die Frau wenige Jahre nach der Hochzeit ihren Mann als Alkoholiker entlarvt hatte. Während der Ehe erlitt er drei Schlaganfälle, die seine Libido auf Null beschränkt hatten, inzwischen war er trockener Alkoholiker geworden. Als er im nach 23 Jahren Ehe im Streit seinen nächsten Alkoholkonsum ankündigte, hatte seine Frau Bilder von früher vor den Augen, in ihr fiel alles zusammen und griff nach einem Hammer, ihr Mann überlebte schwer verletzt und trug später lebenslange Behinderung davon.




    Die Fälle, die Axel Petermann beschreibt, sind alle medial nachvollziehbar, weil er nicht verfremdet.. 



    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Eiskalt in Nippes (ISBN: 9783939284147)

    Bewertung zu "Eiskalt in Nippes" von Bernhard Hatterscheidt

    Eiskalt in Nippes
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Seit Jahrtausenden glauben manche, man könne Menschen verschwinden lassen, in dem man sie einfach zumauert - bis die Wahrheit raus will.
    Ein Krimi über eine Gefriertruhe hinter der Mauer des Schweigens.

    Hin und wieder liest oder sieht man schon mal in einem Krimi oder Psycho-Thriller, dass eine Frau einen Mann tötet, ihn zerstückelt, ihn danach einfriert, und vielleicht auch noch seiner Geliebten (und vielleicht ihrer früheren besten Freundin) sein Geschlecht zum Essen serviert.


    Ganz so schlimm wurde der Mann, dessen Leichnam in einer Tiefkühltruhe versteckt, und diese dann eingemauert wurde, zwar nicht hingerichtet, aber wenigstens (…) wurde er vorher getötet, und nicht etwa lebendig begraben.




    Bereits sein erster Köln-Krimi namens “Mörderischer Fastelovend“ aus dem Jahr 2010 wurde erfolgreich. Sein zweiter, namens „Eiskalt in Nippes“, um den es hier geht, wurde im Jahr 2011 erstveröffentlich, seit 2013 bereits in der vierten Auflage. Dies ist nicht nur Hatterscheidts eigener Berufserfahrung, und deshalb authentischer Erzählweise, zu verdanken.




    Bernhard Hatterscheidt ist 1965 in Essen geboren. 1982 hat er mit der Ausbildung bei der Polizei begonnen und war anschließend bei der Einsatzhundertschaft tätig. Im Jahr 1996 wechselte er nach der Ausbildung zum Kriminalkommissar zur Kölner Kriminalpolizei, wo er 7 Jahre lang enger Mitarbeiter des Leiters der Kölner Kriminalpolizei gewesen ist. „Ich hab` mir immer vorgestellt, es wären Puppen“ hat er mal während einer Lesung die Frage beantwortet, ob er inzwischen genug gesehen habe. Seit einigen Jahren bearbeitet er im Innendienst interne Korruptionsdelikte.








    Das Haus in Nippes, in dem die Truhe gefunden wurde, wechselte in den letzten Jahrzehnten häufig den Besitzer. Als der ehemals selbstständige Hausmeister Tadeusz Piontek für seinen Arbeitgeber und aktuellen Besitzer im Keller eine Wand beseitigte, fand er eine Tiefkühltruhe, öffnete diese und blickte einem nackten Mann iunmittelbar ns Gesicht.


    Zum Einsatzort gerufen wurden zunächst zwei Beamtinnen der Schutzpolizei zur Feststellung und zur Sicherung des Fundortes, außerdem Paul Westhoven, Leiter der Mordkommission am Walter-Pauili-Ring, die Krminalbeamten Jochen Gerber und Heinz Dember. Staatsanwalt Asmus, und die Gerichtsmedizinerin, Dr. Doris Weber, Dembers` derzeitige On-Off-Beziehung.




    Nach Besichtigung des Tatorts eröffnete Gerber Westhoven unter vier Augen, dass bei Gerbers` Vater eine fortgeschrittene Demenz diagnostiziert wurde. Weil seine Eltern in Hamburg lebten, hatte er bereits einen Antrag auf Versetzung gestellt, diesem wurde stattgegeben.


    Glücklicherweise konnte in Hamburg schnell ein Tauschkollege mit gleichem Dienstgrad gefunden werden. Die Versetzung Gerbers` sollte allerdings am Freitag der folgenden Woche vollzogen werden.




    Nachdem die Truhe samt des Inhalts noch am selben Tag in die Kölner Gerichtsmedizin am Melatengürtel gebracht worden war, stellte Dr. Doris Weber während der Erstbeschauung, die wegen des Auftauens erst 2 Tage später stattfinden konnte, bei dem geschätzt 35-bis 40-jährigen Toten zahlreiche Schädelverletzuingenm in verschiedenen Größen und Formen fest. Über seinem linken Auge war eine intensive, violettfarbene Schwellung sichtbar (also ein "Veilchen“) und über der Augenbraue auf derselben Seite eine (Zitat) “Rissverletzung mit unregelmäßiger Wundrandeinkrustierung“.


    Nur wenige Tage später bemerkte die 81-jährige Seniorin Erna Schmitz in ihrem Stammlokal “Em Kappes“ in Nippes ein Fahndungsplakat, auf dem das Gesicht einer Leiche zu sehen ist. Sie ist sich sicher, den Mann zu kennen. Sie notierte sich die Nummer der zuständigen Kriminalpolizei und rief dort am späten Abend aus ihrem Seniorenappartment in Wissen an. Zum Bedauern der Beamten mit unterdrückter Rufnummer. Danach telefonierte sie mit einer andere Person, um sich zu erkundigen, ob es sein könne, dass der gefundene Mann der sein sollte, den sie zu kennen glaubte.


    Am nächsten Vormittag wollte sie sich persönlich bei der Kriminalploizei in Köln-Kalk erkundigen, ob ihre Annahme stimmte.


    In der Nähe des Präsidiums der Kriminalpolizei hörte die inzwischen bekannte Polizeiinformantin und Taxifahrerin Jatrin Oehmchen Autorreifen quietschen und einen Rollator fliegen. Sie stieg aus, rannte auf den Unfallort zu, und erkannte Frau Schmitz, die noch am Unfallort in ihren Armen starb.




    Im Verlauf des Buches schrieb Hatterscheidt in kurzen Passagen aus der Sichtweise des Täters. Also, was er macht und wie es ihm geht.


    Er ist Firmeninhaber und einstiger Kompagnion des getöteten Mannes, und er kannte Frau Schmitz.


    Nach einem Besuch Heinz Dembers und seiner neuen Kollegin Antoinette “Toni“ Krogmann aus Hamburg bei einem weiblichen Gründungsmitglied des Stammtisches, dem auch Frau Schmitz angehörte, erfuhren die beiden, dass Frau Schmitz ihren Mörder sogar sehr gut kannte.








    Bernhard Hatterscheidt lässt uns in all seinen Büchern nicht nur am polizeilichen Alltag teilhaben (wie zum Beispiel et Kathrin Oehmchen, dat jrundsätzlich yet op Kölsch ze verzälle hät) sondern auch an der stets unterschiedlichen Gedankenwelt der Beamtinnen und überwiegend Beamten.


    So freut sich zum Beispiel der Leiter Paul Westhoven hinsichtlich eines Aushanges im Kommissariat über seine Beförderung in der Besoldungsstufe. Kaum hatte er seiner Frau am Telefon davon erzählt, ohne dass er bisher eine Beförderungsurkunde erhalten hatte, las er am Abend zuhause bei einem Glas Wein mit seiner Frau einen Brief von seiner Ex-Frau, die ihn über die Erhöhung des Unterhalts für seine knapp 12-jährige Tochter informierte.




    Auch hat Hatterscheidt stellenweiseweise dezent erotische Stimmung aufkommen lassen.




    “Fast gleichzeitig blickten nun auch die anderen zum Eingang. In der Tür stand Doris Weber, die sich suchend umblickte, und, als sie die vier sah, zielstrebig auf sie zukam. Paul Westhoven, der sie nur in ihrem grünen OP-Kittel in der Pathologie oder in Jeans am Tatort kannte, musste schlucken. Das war eine ganz andere Dr. Weber. In dem dunkelbraunen, kurzen Lederrock mit hohen Stiefeln, dazu ein eng anliegender, beigefarbener Pullover mit Hüftgürtel, der von einer großen, bronzefarbenen Sonne zusammengehalten wurde, sah sie umwerfend aus.


    Ihren Mantel trug sie über dem Arm. Die blonden Haare hatte sie streng zu einem Pferdeschwanz gebunden, was das Gesicht mit dem rot geschminkten Lippen betonte.








    Insgesamt 186 Seiten. Drei Leichen. Ein Buch. Eiskalt in Nippes.






    Mit besten Empfehlungen


    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Die 50+ schönsten Stadtgeschichten (ISBN: 9783750471801)

    Bewertung zu "Die 50+ schönsten Stadtgeschichten" von Jakob Welik

    Die 50+ schönsten Stadtgeschichten
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: In diesem Buch präsentieren 50 Autorinnen und Autoren fiktiv oder real erlebt ihre Heimat. So geht Heimat - und nicht auf Kosten anderer.
    Eine Anthologie voller Leben: #Autorenleben.

    Heimat - für die einen ein Aufreger, andere können davon nicht genug bekommen. Und manche gehen dabei sogar soweit, dass sie glauben, im Besitz des Hausrechts zu sein und über andere bestimmen zu können.

    Selbstverständlich ist es keine Straftat, sich seiner Wurzeln zu besinnen. Alle Tiere in freier Wildbahn wandern entweder ihr ganzes Leben lang hin und her oder sie kehren ein einziges Mal in ihre Heimat zurück, um dort zu sterben, wo sie geboren sind.
    Einige große Entdecker der Menschheitsgeschichte sind widerum dort beerdigt worden, wo sie zuletzt gelebt haben.


    Jakob Welik, 1985 in Bremen geboren und aufgewachsen, ist Buchautor im Selfpublishing und Moderator, und hat in seiner Anthologie "Die 50+ schönsten Stadtgeschichten" den Autorinnen und Autoren die Möglichkeit gegeben, fiktiv oder real erlebt aus ihrer Heimatstadt zu erzählen.
    Entstanden ist so ein insgesamt 324-seitiges Buch, in welchem unter anderem aus Wien, aus München, aus Köln, aus Lemgo und aus Zweibrücken erzählt wird, 


    Eine Literaturausschreibung ist ein soziales Projekt, eine Win-Win-Situation: jede/ der Autorinnen und Autoren konnten so ihren Namen bekannt geben und haben jeweils ein Freiexemplar erhalten.


    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Wenn Kinder töten (ISBN: 9783426301869)

    Bewertung zu "Wenn Kinder töten" von Stephan Harbort

    Wenn Kinder töten
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: In Film-Komödien werden Kinder als "Satansbraten" dargestellt, was tatsächlich als "lustig" empfunden wird.
    Ein "Satansbraten" kommt manchmal auch allein.

    “Wenn Kinder töten“ ist leider keine Farce. Zwei Drittel aller Länder der Erde sind Länder der sogenannten “Dritten Welt“, von 194 Nationen sind also fast genau 128 Länder Dritte-Welt-Länder. Stellt man sich ernsthaft vor, dass Kinder töten, denkt man vielleicht an manche Länder im asiatischen Raum, in Afrika (Kindersoldaten) oder auch an die Kriminalität in Südamerika.

    Moment, kriminelle Kinder gibt es auch in westlichen Ländern. Einen Mord zu begehen, heißt aber “Du - ja du! - bist das Leben nicht wert“ oder “Dich wird sowieso niemand vermissen!“ (Niedere Beweggründe nach Paragraph 211 Strafgesetzbuch). Was also muss man einem KIND angetan haben, damit es mordet?


    Der Kriminalist Stephan Harbort hat sich für sein Buch “Wenn Kinder töten“ mit diesen Fragen beschäftigt. Der im Jahr  1964 in Düsseldorf geborene beschäftigt sich seit 25 Jahren mit der Operativen Fallanalyse und hat darüber mehr als 20 Bücher und Hausarbeiten geschrieben.
    In seinem 267-seitigen Buch, das 2018 beim Droemer-Verlag veröffentlicht wurde, schreibt er im Vorwort:


    „Um eine Person beispielsweise mit einer Geld-, oder Freiheitsstrafe belangen zu können, muss sie schuldfähig im Sinne des Paragraph 20 StGB sein. Gemeint ist damit die Fähigkeit, (Zitat) >>das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.<< Ihr Fehlen wird in Paragraph 19 StGB für Kinder unwiderleglich vermutet. Und weil die Bestrafung ein persönliches Verschulden voraussetzt, können Kinder nach dem Gesetz, also unter 14 Jahren, in Deutschland grundsätzlich nicht belangt werden.“




    Das Ende der Unschuld


    Im April 1993 kehrte der damals vierjährige Derrick nicht vom Spielen nach Hause. Er war bei allen sehr beliebt, auch wegen seiner Streiche. Nach der Tat sagte Eric, sein dreizehnjähriger späterer Mörder, als der vom Spielen heim kam >>Papa, es geht mir jetzt besser.<<
    Über dessen Aufgeschlossenheit gegenüber den Polizeibeamten schreibt Harbort: „Eric genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit, das Interesse an ihm als Person, an dem, was er zu sagen hat, das ist nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern eine völlig neue Lebenserfahrung.“




    Wohin mit ihm?


    Leopold`s Onkel tauchte irgendwann mit einer Waffe auf und sagte, er habe Ärger mit einem Nachbarn gehabt und müsse die Waffe jetzt verstecken, weil er sonst einen Riesenärger haben würde. Der zwölfjährige “Leo“, wie ihn alle nannten, machte sich später auf die Suche nach der Pistole, um damit anzugeben und in der Gegend zu schießen.

    Leopold hatte einen Spielfreund, den 10-jährigen Anton, der aus gutem Hause stammte und sich stets davor fürchtete, zu Hause Ärger zu bekommen. Einmal wollte er Anton auf  einem Autoschlauch in die Mitte eines Sees locken, um ihm dort den Schlauch von unten aufzuschlitzen, ließ davon aber ab, Irgendwann während der Vernehmungen gab er zu, sogar öfter mit Anton zu tun gehabt zu haben – einzig deshalb, weil er von Anton zu allem eingeladen wurde und nichts bezahlen musste.

    Leopold zeigte Anton die Pistole, verständlicherweise hatte Anton Angst. Daraufhin hielt er im die Pistole in den Nacken und drückte ab. Anton überlebte nicht.




    Tod im Klassenzimmer


    Als sich Veronica McQueen mit einem Gute-Nacht-Kuss an ihre sechsjährige Tochter Kayla wandte und nach ihrem Befinden in der Schule und den Umgang mit den Schulkameraden erkundigte, sagte Kayla: >>Alle. Bis auf einen!<< Dedrick, ein fast genau gleichaltriger Junge aus ihrer Klasse beschimpfte, beleidigte, bedrängte und schubste sie und die anderen Kinder.

    Im Februar 2000 stirbt Kayla im Klassenzimmer durch eine von Dedrick mitgebrachte Pistole.




    Im Fadenkreuz


    Der 13-jährige Mitchell und der 11-jährige Andrew begangen im März 1998 an der Schule, an der sie am selben Tag zum Unterricht erwartet wurden, einen Amoklauf, bei dem fünf Menschen getötet wurden und zehn Menschen verletzt, teilweise schwer.




    Wie stirbt man richtig?


    Dieser Fall erzählt vom damals 13-jährigen Mirko, der sich auf öffentlichen Veranstaltungen und auf Spielplätzen aufhielt, um seine Beute für sexuelle Zwecke zu erspähen: nämlich wesentlich jünger als er, gerne Mädchen, aber bevorzugt Jungen. Mirko war bereits seit frühester Kindheit verhaltensauffällig und galt als Problemkind. Er wechselte während seiner Kindheit die Pflegeeltern wie die Heime und wurde in mehreren Einrichtungen selbst missbraucht.

    Ende März 1991 wurde ein zehnjähriger Junge tot aufgefunden. Stolz erzählte er den Beamten von seinen Taten, immerhin hörte ihm jetzt endlich mal jemand zu: >>Ich wollte mal sehen, wie man richtig stirbt.<<




    Die Teufelin


    Die 12-jährige Jasmin aus der Provinz Alberta in Kanada war ein offenbar frühreifes Mädchen besuchte das Gymnasium. Ihr gelang es nicht nur, ihre Eltern zu manipulieren, sondern sie kleidete sich so, dass sie von den meisten älter geschätzt wurde. Ihre größte Leidenschaft waren Gothic, Black-Metal und virtuelle Welten verwunschener Seelen. Dort lernte sie auch ihre Verehrer kennen, mit denen sie sich auch im realen Leben traf, sie waren 16, 19 und 23 Jahre alt. Während sie mit manchen jungen Männern nur eine Liason hatte, schien es ihr mit dem 23-jährigen ernst zu sein.

    Außer den vielen Gemeinsamkeiten waren beide besonders vom Film “Natural Born Killers“ angetan. Um – wie sie selbst sagte - >>ungestört bei ihm leben<< zu können, mussten ihre Mutter, ihr Vater und ihr Bruder aus dem Weg geräumt werden.




    Totale Zerstörung


    Im letzten Fall des Buches geht es um den Jörg Nübling, einen wegen sechsfachen Mordes verurteilten Mann, der nach mehr als 30 Jahren immer noch im Gefängnis ist. Zuhause erfuhr er durch seinen alkoholkranken Vater sehr viel körperliche Gewalt, nicht nur er, sondern auch seine Mutter und seine Geschwister. Er müsste zehn Jahre alt gewesen sein, vermutet er später, da kam er in die Sonderschule. Dutzende Male war er von zu Hause abgehauen, immer wieder bekam er “Dresche“ mit Gegenständen wie Stromkabel oder Gürtel.

    Während der Sommer- wie Winterferien fehlte das Geld für die Reisen nach Hause, weshalb er als einziges Kind im Heim verweilen musste. Im Alter von vierzehn Jahren begang er seinen ersten Mord – für 20 Mark.




    Im Nachwort schreibt Harbort: „Wenn Kinder töten, fällt es schwer, zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse, Schuld und Unschuld zu unterscheiden. Wir suchen viel zu oft vergebens nach zweifelsfreien Zusammenhängen, Bedingungen, Ursachen – das tötende Kind, scheinbar so vertraut, bleibt uns trotz aller Annäherungsversuche wesensfremd und rätselhaft, zumal es Sätze wie >>Keine Ahnung, warum ich das gemacht habe.<< oder >>Weiß nicht, wie das passiert ist.<< sagt und auch so meint. Diese Zwischenwelt, die wir nach wie vor weder erreichen noch verstehen, macht uns Angst.“


    Wie Stephan Harbort auch schreibt, spähen die meisten erwachsenen Gewalt- und Sexualstraftäter ihre Opfer vorher aus, um zu wissen, wie sie leben, wann sie heim kommen, wann der möglichst beste Zeitpunkt ist etc., während die meisten Kinder eher impulsiv töten und bereits vorher zu ihren späteren Opfern einen persönlichen Bezug hatten. Meist sind es die Menschen, von denen sie über einen längeren Zeitraum körperlich-, und/oder seelisch misshandelt worden sind.

    Mir fällt außerdem auf, dass die meisten der hier erläuterten Täterin und Täter 12 und 13 Jahre alt gewesen sind, für die meisten ist es das Frühstadium der Pubertät. Man dürfte demnach also annehmen können “Wer trotz aller Verschmähungen bis hierhin gewaltfrei durch die Kindheit gekommen ist, hat die kritische Phase überstanden und gute Aussichten auf ein späteres straffreies Leben? (Fragezeichen!). Das klingt jedenfalls danach, als sei der Beginn der Pubertät – aus der Sicht missverstandener Kinder – ein guter Zeitpunkt, endlich mal abzurechnen, den Erwachsenen zeigen, was sie drauf haben.

    Viele Pubertierenden sind der 18 näher als der eigenen Kindheit – wann wollen die Eltern das endlich kapieren? Aber wenn Gefahr droht oder man sich selbst überschätzt oder gar festgefahren hat, ist man froh, wenn die schützende und helfende Hand naht, um wieder in die Spur zu kommen. Manche Kinder haben dieses Gefühl von Sicherheit nie kennengelernt.



    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Blut schweigt niemals (ISBN: 9783426302132)

    Bewertung zu "Blut schweigt niemals" von Stephan Harbort

    Blut schweigt niemals
    RalfEbersoldtvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Alles, wo DNA drin ist, ist für die Ermittlungen interessant. "Blut schweigt niemals" - mal wieder ein Meisterwerk von Stephan Harbort.
    "Blut schweigt niemals" - Harborts Buch über Cold Cases zum Warmmachen.

    Stephan Harborts Buch “Blut schweigt niemals“ ist seit Ende Januar 2020 im Online-Handel und seit Anfang Februar auch in den Ladengeschäften angeboten worden - und war in manchen Geschäften nach kurzer Zeit bereits begriffen.
    Der Titel klingt vielversprechend Verursacht er vielleicht Kopfkino? Intrigen..., Eifersucht..., Erbe..., Mord..., Familie..., Ehre...,Caligula..., Borgias?

    Derjenige, der es ganz genau weiß, ist natürlich (...) der Autor selbst: Stephan Harbort, geboren 1964 in Düsseldorf, schloss nach dem Abitur und der Ausbildung bei der Polizei im Jahr 1993 das BWL-Studium mit dem Staatsexamen ab.
    Irgendwann hat er weitere Herausforderungen gesucht - und gefunden: er ist nicht umsonst Deutschlands bekanntester Serienmordexperte, hat den Begriff Serienmord auch international salonfähig gemacht und ist Gastredner in dutzenden Fernsehsendungen über Kriminalistik und über Profiling.


    Als “Cold Cases“ bezeichnet man Altfälle, die aus vielerlei Gründen lange in Aktenschränken warten, bis sie wieder zum Leben erweckt werden, oder sagen wir “warm gemacht“ werden.


    Harbort im Vorwort de Buches; 

    „Die amtlichen Zahlenkolonnen des Bundeskriminalamts weisen für das Berichtsjahr 2018 insgesamt 2.417 Delikte aus, die als >>Mord, Totschlag oder Tötung auf Verlangen<< qualifiziert werden. Seit Jahrzehnten ist diese Aufklärungsquote stabil.“


    Im ersten Kapitel namens “Das Schweigen der Anderen“ verschwand im Jahr 1981 die 16-jährige Melitta Janssen spurlos. Sie war von ihrem Ex-Freund, Hans Godehardt schwanger. Er iwar zum Zeitpunkt des Kennenlernens 20 Jahre alt und stammte aus einer wohlhabenden Bauernfamilie. Sein Vater war mit der Verbindung zu der >>Dahergelaufenen<< und >>Schlampe<<, wie er sie nannte, nicht einverstanden, und er nötigte seinen Sohn immer wieder, diese Verbindung zu beenden, und drohte als Strafe Enterbung an.

    Im Jahr 2011 richtete sich die Kriminalpolizei unter neuer Leitung an die Fernsehsendung “Aktenzeichen XY ungelöst“. Hans Godehardt hatte, nachdem sein Vater in der Zwischenzeit verstorben war, hatte den Hof mit nur mäßigem Erfolg übernommen, wurde Frührentner. Er war mit vier Frauen liiert, mit zweien davon verheiratet, und ebenso oft geschieden.
    Dass Hans Godehardt seine Freundin umgebracht hatte, blieb vor Gericht unbestritten. Die Tatmotive für den Paragraphen “Mord“, also § 211 Strafgesetzbuch (StGB), konnten nicht nachgewisen werden. Somit war die Tat auf § 212 StGB, also Totschlag, herabzusetzen, weshalb Hans Godehardt das Gericht im Jahr 2017 aufgrund der Verjährung des § 212 verließ.


    Der zweite Fall heißt “Einer von 362.263.371". Anfrang Januar des Jahres 1986 wurde nahe Siegburg, etwa 30 Kilometer von Köln entfernt, eine Frau in ihrer Küche der Mühle, in der sie wohnte,leblos aufgefunden, am Hals der Toten waren mehrere Drosselungen zu erkennen, außerdem wies der tote Körper mehrere Hämatome sowie Ritz- und Schnittwunden auf, und der Täter hatte ihr beide Brüste abgeschnitten. Keine Spuren eines sexuellen Missbrauchs.
    Wie zunächst ermittelt werden konnte, war Dagmar Rettinghaus 38 Jahre alt geworden und hatte in dieser Mühle eine gutgehende Praxis gepachtet, in der sie als selbstständige Heilpraktikerin arbeitete. Von ihrem inzwischen Ex-Freund Martin Benrath hatte sie sich am Silvesterabend getrennt,

    Zwar wurde im Laufe der Ermittlungen bei Martin Benrath ein Jagdmesser gefunden, allerdings kann es ihm nicht als Tatwaffe nachgewiesen werden. Außer Martin Benrath gab es noch einen Verehrer: den Pächter der Burg. Er soll sich, berichteten Zeugen, ihr gegenüber öfter obszön geäußert haben und er war regelmäßiger Puffgänger. Doch er hatte ein Alibi.
    Martin Benraths Verfahren wurde 14 Monate nach Auflösung der Soko im April 1986 eingestellt. Ab dem Jahr 2003 wurde der Fall mit neuen Methoden der DNA-Analytik bearbeitet, dies betraf praktisch alle menschlichen Körperzellen (Blut, Muskelgewebe, Haut, Knochen, Haare, Speichel und Schweiß).

    „Das Ergebnis...“, hat Harbort hinsichtlich der am Tatort gefundenen Spuren geschrieben “..., hat nach statistischen Berechnungen der Wissenschaftler eine beachtliche Beweiskraft. Denn in der europäischen Bevölkerung soll unter 362 Millionen, 263 Tausend und 371 Menschen (362.263.371) nur eine Person existieren, die wie Joachim Benrath mit der Geschädigten ein derartiges Merkmalgemisch zurücklassen würde.“


    Harbort hat später geschrieben: „Bei der Methodik der Operativen Fallanalyse handelt es sich definitionsgemäß >>um ein kriminalistisches Werkzeug, welches das Fallverständnis bei Tötungs- und sexuellen Gewaltdelikten sowie anderen geeigneten Fällen von besonderer Bedeutung auf der Grundlage objektiver Daten und möglichst umfassender Informationen zum Opfer, mit dem Ziel vertieft, ermittlungsunterstützende Hinweise zu erarbeiten..<<“


    Der dritte Fall namens “R1962Jürgen“ handelt von der 24-jährigen Claudia Rückert, die in ihrem eigenen Auto von einem Mann mit einem Schraubendreher überfallen wurde. Er leitete sie mit dem Schraubendreher an ihrem Hals zu einem wenige Kilometer entfernten Waldgebiet. Wie sie später berichtete, war er nicht nur ungepflegt, sondern er stank zudem nach Alkohol und Zigaretten. Am Waldrand angekommen, befahl er ihr im Auto, sie solle sich ausziehen, dann verband er ihr die Augen und schlug und vergewaltigte er sie mehrfach.
    >>Dir passiert nichts.<<, versicherte er ihr und befahl ihr, auszusteigen, um ihr den Schraubendreher mehrfach in den Brustkorb zu rammen. Auch stach er ihr mehrfach in den Rücken.
    Im Jahr 2017 wurde im Rahmen dieser Ermittlungen der mittlerweile 58-jährige Jürgen Reuter verhaftet. Er war bis dato erheiratet, getrennt lebend, ohne Job, und hatte eine Tochter. Außerdem war er stark alkoholkrank und wurde im Rausch ausfallend und oft auch aggressiv. Und er zwang seine Frau gelegentlich gegen ihren Willen zum Sex. Der Richter verhängte die Höchststrafe: 15 Jahre. Die besondere Schwere der Schuld konnte nicht festgestellt werden, weil die Vergewaltigung bereits verjährt war. Somit konnte der Täter nach Haftprüfung vorzeitig entlassen werden.


    Der Fall “Ein ganz normaler Mörder“ erzählt von der 24-jährigen Anna Dressler, die in ihrer Salatbar in Köln hinterrücks überfallen, erstochen wurde, ihre Leiche hatte der Täter ins Kühlhaus dieser Gastronomie gesperrt und ihre Taschen mitgenommen, das Bargeld in Höhe mehrerer hundert Euro in der Kasse gelassen.


    Im Fall “Eine Frage der Ehre“ wurde im Jahr 2001 das Skelett eines zum Tatzeitpunkt neunjährigen Mädchens gefunden. Ein geistig behinderter wurde wegen dieses Falles aufgrund falscher Beweislage verurteilt, jedoch zu Unrecht, wie sich herausstellte. Später wurde Uwe Bönhardt dringend tatverdächtig, ihn brachte man bereits mit einem Kindsmord in Verbindung als er 15 Jahre alt gewesen war. Bönhardt und sein damaliger Kumpel Uwe Mundlos begangen gemeinsam nach einem Banküberfall Selbstmord, sie zählten zum Trio des NSU, das 2001 getötete Mädchen hieß Peggy Knobloch.


    Der letzte Fall erzählt die Geschichte der Susanne Richter, die im Jahr 2002 im Alter von 15 Jahren auf Mallorca ihr Leben lassen musste. Sie war offensichtlich ein körperlich frühreifes (Aussehen einer 18-jährigen) und persönlich nicht gerade einfaches Mädchen, das seine Mitmenschen stets zu manipulieren wusste. Für ihr Alter war sie auch sexuell sehr aktiv, wie Zeugen aus ihrem näheren Umfeld berichteten.
    Ihre Eltern waren auf Mallorca im Hotelgewerbe selbstständig, wo sie nach kurzem Aufenthalt in einer Pflegefamilie und Aufenthalten in Heimen wohnte. Dort wohnte der ebenfalls aus Deutschland stammende 39-jährige Tobias Toffel zur Untermiete. Toffel war mindesten durchschnittlich intelligent, hatte aber so gut wie keine sozialen Kontakte, hatte nur bei den meisten Frauen keine Chance, und wenn konnte er nie eine Beziehung längere Zeit aufrecht erhalten, ebenso, wie er jede Arbeitsstelle nach nur wenigen Wochen verlor. Sein mangelndes Selbstbewusstsein versuchte er stets mittels Lügen über sich selber zu kaschieren, wie viel Geld er angeblich auftreiben könne, alles, was er anpacke, würde zu Gold, nur eben nicht sofort, und so weiter.
    Strafrechtlich in Erscheinung getreten war er häufig wegen Betrug und wegen Unterschlagung, dafür saß er auch nach Geldstrafe und Bewährung eine Gefängnisstrafe ab. Im Gefängnis lernte er einen Mann kennen, mit dem er eine nach und nach immer intensivere Freundschaft einging. Eines Tages berichtete er ihm von seinem Geheimnis: er erzählte ihm von der Sommernacht, in der >>Das kleine Flittchen<<, wie er Susanne Richter nannte, ihn mal wieder als >>Fettes Schwein<< und >>Du stinkst!<< gedemütigt hatte. Obwohl sie - wie er sagte - richtig besoffen gewesen sei, habe er ihr mit dem Handrücken eine feste Ohrfeige gegeben, dass sie mit dem Kopf gegen die Türzarge fiel und dort verstarb. Mit dem Chloroform in der der sogenannten “Vergewaltigungstasche“, welche die Polizei in seinem Bully gefunden hatte (mit Porno-DVDs, Vibrator, Slip) habe er >>..., nur Katzen töten<< wollen.
    Doch auch sein bester Kumpel erwies sich als falscher Fuffziger.


    Im Nachwort schreibt Stephan Harbort über den Cold Case: „Um herauszufinden, welche Aufdeckungsbarrieren bei Altfällen existieren und bei späteren Cold-Case-Ermittlungen besondere Beachtung verdienen, habe ich für Deutschland 46 nachträglich aufgeklärte Todesfälle daraufhin untersucht (Studienschablone siehe Anhang.“

    und

    „Besonders anspruchsvoll wird es immer dann..., wenn den Ermittlungsbehörden Versäumnisse passieren. Fehler unterlaufen oder aus anderen Gründen die Hände gebunden sind. Auch das kommt vor: 60 bis 100 Tötungsdelikte bleiben hierzulande jedes Jahr ungeklärt. Im Jahr 2018 waren es genau 96 Fälle.“, dieses Zitat aus dem Vorwort hier am Ende.

    Wie bezeichnen Chirurgen als “Halbgötter in Weiß“, weil wir verdrängen, dass auch sie Fehler machen könnten. Und dennoch sind sie auch nur Menschen. Jeder Kriminalfall besteht aus einem riesigen Puzzle mit dutzenden Teilen und hunderten bis tausenden Spuren - und wo gehobelt wird, da fallen nun mal Späne. „Errare humanum est“ („Irren ist menschlich“) hat der französische Philosoph René Descartes einmal gesagt. So manche Angehörige möchten sich auch gerne irren.


    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Der Liebespaar-Mörder (ISBN: 9783770011902)

    Bewertung zu "Der Liebespaar-Mörder" von Stephan Harbort

    Der Liebespaar-Mörder
    RalfEbersoldtvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Mal wieder hat uns Stephan Harbort dank seines fundierten Fachwissens in die Seele eines Serienörders schauen lassen.
    Die Schuld der anderen - Bekenntnisse eines Liebespaar-Mörders.

    Die Schuld der anderen. "Sie sind ein notorischer Lügner!" hat so mancher Richter schon einmal sein Urteil begründet. Nach Aussagen mancher Psychologen soll ja das Lügen in Maßen gesund sein, eine gewisse Form des Eigenschutzes steht jedem von uns zu. Wie viel Lügen aber ist "gesund"? Und ist nicht auch jede Schuldsprechung an andere, wenn es bei einem selbst gerade nicht rund läuft, auch eine Form der Lüge?

    Stephan Harbort hatte während seiner Beamtenlaufbahn bei der Kriminalpolizei bereits etliche notorische LügnerINNEN am selben Tisch gegenüber sitzen gehabt. Im Jahr 1964 in Düsseldorf geboren ging er nach seinem Studium an der Fachhhochschule zum Diplom-Verwaltungswirt im Jahr 1984 zur Polizei. Als Polizeihauptkommissar und als Kriminalist hat er sich die Serientötung zu seiner Berufung gemacht und so den Begriff Serienmord international mitgeprägt, er kennt alle Serienmorde Deutschlands seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
    Im Jahr 2004 hat er dieses Buch namens "Der Liebespaar-Mörder" geschrieben, das im Jahr 2005 erschienen ist.

    Im Vorwort schreibt Harbort:

    "Serienmörder sind einerseits primitive >>Sexmonster<<, die Kinder, Jugendliche und Frauen wahllos attackieren, massakrieren, ihre Gräueltaten ritualisieren. Und die Polizei bekommt sie andererseits nicht zu fassen, weil es kühl kalkulierende und agierende Intelligenzbestien sind. Dieses Zerrbild wurde generiert und wird unterhalten von Urängsten und Unkenntnis. Wenn wenig oder nichts erklärt werden kann, entsteht eine Legende: Mythos Serienkiller. Ein schlichtes Sammelsurium von irrationalen und falschen Vorstellungen.
    Tatsächlich haben Serientäter viele Gesichter. Sie sind polizeibekannte Kriminelle, vielfach aber auch unbescholtene Bürger: Klempner, Maurer, Schlosser, Hausfrauen, Taxifahrer, Polizeibeamte, Soldaten, Ärzte - Serienkiller wie du und ich. Jedermänner. Durchschnittstypen. Und alle Leben mitten unter uns, haben häufig Familien, Kinder, Freunde. Doch gelingt es den Tätern immer wieder, sich schlangengleich durch das allzu löchrige Netz der sozialen Selbstkontrolle zu winden. Obwohl sich die Täter in vielen Fällen im Kreise ihrer Lieben durch eigenes Tun verraten oder durch unübersehbare Indizien entlarvt werden, passiert nichts."


    Der einstige Serienmörder Ted Bundy zum Beispiel studierte Jura und fuhr während der 1960er Jahre in den USA einen VW Käfer, wdurch er vielen anderen Studenten ähnelte. Bei Frauen hatte er gute Karten, galt als attraktiv.
    Charles Manson ein Hippie durch und durch schaffte es während der 1970er Jahre, seinen Mitmenschen zu sagen und zu singen, was sie hören wollten. Doch irgendwann hörte er nur noch das, was er selbst hören wollte, und dennoch gelang es ihm, dass Menschen in seinem Auftrag töteten.
    Es sind also nicht nur die unhygischen und geistig verkrüppelten, denen sicher viele von uns eine Karriere als Serienmörder zutrauen würden. Und auch wir tun es uns selbst manchmal schwer mit der (Selbst-)Reflexion. Sind aber irgendwann einsichtig ("Na ja..., im Nachhinein muss ich dir recht geben."). Eine Eigenschaft, mit der sich Manson nicht gerade hätte schmücken können.

    Ein paar wenige Beispiele aus dem Buch zur Veranschalichung der Vorgehensweise:
    Am 28. November 1955 wurde ein hellblauer Ford mit zwei darin befindenden Leichen geborgen. Das Auto lag auf dem Grund eines Baggerlochs. Laut Obduktion handelte es sich bei beiden Leichen um Tötungsdelikte. Identifiziert wurden der 26-jährige Wilfried Mehnert und seine 23-jährige Verlobte Lieselotte Ingensandt. Abwehrverletzungen bei beiden nicht vorhanden.
    Harbort kommentiert dies mit "Ein (fast) perfekter Mord. Das Verbrechen wäre höchstwahrscheinlich nie aufgedeckt worden, wenn nicht der Wasserspiegel der Kiesgrube nach einer ungewöhnlich langen Trockenperiode um 30 bis 40 Zentimeter gesunken wäre. Es hätte nur noch wenige Tage gedauert, bis das Baggerloch endgültig zugeschüttet worden wäre. Allen Beteiligten war klar, dass man es miz einem äußerst kaltblütigen und gewaltbereiten Täter zu tun bekam, der sehr sorgfältig und spurenarm agierte, dessen abgründige Passion vollends mysteriös blieb."
    Anscheinend wusste der Täter von Wilfried Mehnerts Lebensstil (finanziel gut situiert, bei allen beliebt...). Nur passten beide Taten deshalb nicht zusammen, weil die Tötung des Juristen Dr. Martin zweifelsfrei auf Habgier zurück zu führen ist, während im zweiten Fall Bezug zwischen Opfern und Täter hergestellt wurde. Alle weiblichen Opfer wurden als attraktiv und/oder bildhübsch beschrieben.
    Auffällig ist aber, dass alle bisherigen Opfer finanziell gut dagestanden waren. Die Opfer im dritten Fall waren der 26-jährige Peter Seiffert und seine Bekannte, die 23-jährige Helga Kortmann. Beide Leichen wurden nach einem Feuer einer Strohmiete gefunden. Laut Obduktion waren sie allerdings bei Feuerlegung bereits tot. Beiden Opfern waren >>mit stumpfer Gewalt erhebliche Kopfverletzungen beigebracht worden.<< Helga Kortmann wurde vor der Tötung an beiden Handgelenken gefesselt. Auf Peter Seiffert wurde geschossen.

    Dem ermittelten Angeklagten trauten auch die 200 im Gerichtssaal geladenen Gäste keinen Mord zu. Stephan Harbort kommentiert das Aussehen des Haupttäters Erwin Reichensteins während der Verhandlung im Jahr 1959 wie folgt:
    "..., ein offenes, freundliches Gesicht; wache, braune Augen, volles, kastanienbraunes >>preußisch<< kurz geschnittenes, nach links gescheiteltes Haar. Er lächelte fast belustigt, wirkte selbstsicher. Man hätte sich das >>Monster<< ganz anders vorgestellt."
    Über den Mittäter und Kronzeugen Fritz Büning schreibt Harbort "Während der Untersuchungshaft einen Selbstmordversuch unternommen. Auch der frisch gebügelte, dunkelblaue Anzug konnte über die offenkundige Unsicherheit und Unbescholtenheit des Mannes nicht hinwegtäuschen. Nur hin und wieder sah er scheu in die Runde, sonst hielt er seinen Kopf gesenkt."

    Erwin Reichenstein sprach (Zitat Harbort) "..., ruhig, gefasst, flüssig, knapp."
    Seinen leiblichen Vater hatte Reichenstein nie kennen gelernt. Seine Mutter brachte ihn im Jahr 1928 zur Welt, als sie gerade einmal sechzehn Jahre alt war. Sie heiratete im Jahr 1941, wodurch er den Nachnamen Reichenstein, den seines Stiefvaters, annahm. Zwischen den Jahren verfolgte ihn allerdimgs ein roter Faden: Die Mutter wollte ihn nie haben, wodurch er bei seinen Großeltern unterkam. >>Dort funktionierte es aber nicht<<, wie Reichenstein während der Verhandlung argumentierte, so kam er als 7-jähriger zu Pflegeeltern. Nach gerade mal zwei Monaten musste er wieder zurückgeholt werden. Desweiteren folgten eine Unterbringung in einer Kinderpflegerinnenschule, in einem Kinderheim, und andere. Außerdem bei einem Bauern, wo er zwei Mal ausbüchste - >>Daort ging es mir nicht gut.<< und >>..., haben mich häufig zu Unrecht geschlagen", kommentierte er. Bei seinen Mitschülern war er allerdings genauso wenig beliebt.
    Medienberichte, in denen es um ihn und seine Taten ging, kommentierte Reichenstein folgendermaßen:
    "Rätselhafter Fall war ein beinahe perfektes Verbrechen."
    Reichenstein: >>Was heißt hier `beinahe`! Schmierfinken!<<
    "Die Düsseldorfer Kriminalpolizei steht vor ihrem schwersten Mordfall der Nachkriegsgeschichte!"
    Reichenstein: >>Wie wahr! Und an mir werdet ihr euch die Zähne ausbeißen!<<
    "Von dem Ford M15, in dem die Leichen der beiden Ermordeten im Baggerloch gefunden wurdn, fehlt an der rechten Tür eine solche einen Meter lange zwei Zentimeter breite und sechs Millimeter hohe Chromzierleiste."
    Reichenstein: >>Verloren? Ihr Ahnungslosen. Bin doch kein Anfänger! Ihr wisst wohl nicht, mit wem ihr es zu tun habt!<<
    "Das Geheimnis des Baggerlochs. Tod eines jungen Brautpaares noch ungeklärt (...). Auffällig waren seine hohen Ausgaben und seine elegante Kleidung. Er war Stammgast in guten, teuren Lokalen."
    Reichenstein: >>Hab` ich doch richtig geguckt. Wer so seinen Wagen führt, mieser Bonze. Schmarotzer. Das hast du jetzt davon! Und die feine Dame. Musste mit weg! Hätte ja auch mal den Mund aufmachen können. Jetzt nicht mehr!<<
    Und dann zitiert Harbort einen Satz des Mittäters Büning, den ich persönlich für maßgebend halte, weil er (Reichenstein) seine Taten, seine Morde rechtfertigt: "Jedesmal, wenn man in die Nähe von Autos mit Liebespaaren gekommen sei...", sagte Büning, "..., habe Reichenstein über die >>Kapitalisten<< geschimpft, die sich >>Autos und Frauen und alles<< kaufen könnten.
    Als Reichenstein bei einem solchen Spaziergang einen parkenden Wagen >>beschleichen<< und die Insassen >>aufs Korn nehmen<< wollte, um sie zu berauben und >>die Alte flachzulegen<<, habe er (Büning) sich geweigert. Daraufhin habe Reichenstein >>ganz wütend<< gedroht >>Du stirbst keinen schönen Tod! Du kriegst die Nieren durchlöchert und nicht einfach einen Fangschuss!<<
    Zu Reichensteins Motiven zählte auch das Morden aus Habgier, seit Kain und Abel neben Hass, Neid und Eifersucht eines der ältesten Mordmotive der Welt.

    "Um eine Serientäterschaft annehmen oder feststellen zu können...", schreibt Harbort im Epilog, "..., stehen dem Kriminalisten mehrere Methoden zur Verfügung. Zunächst das so genannte Modus-Operandi-System. Demzufolge ist zu prüfen, ob einzelne Tathandlungssequenzen oder Rahmenbedingungen bei verschiedenen Verbrechen den Modus Operandi desselben Täters abbilden. Die Tathandlungen basieren auf rationalen Überlegungen und Entscheidungen, die ausnahmslos instrumentell, strategisch, pragmatisch ausgerichtet sind."

    Stephan Harbort besuchte Erwin Reichenstein im Jahr 2003 in dessen Wohnung. Reichenstein war zu dieser Zeit bereits fünfundsiebzig Jahre alt und hatte insgesamt vierunddreißig Jahre seine verpfuschten Lebens in Gefängnissen verbracht.

    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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