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RalfEbersoldt

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    Cover des Buches Kompendium der Kriminalistik (ISBN: 9783862377343)

    Bewertung zu "Kompendium der Kriminalistik" von Manfred Lukaschewski

    Kompendium der Kriminalistik
    RalfEbersoldtvor einem Monat
    Kurzmeinung: Drei sehr gute Bücher, die Hobby-Kriminalisten aufzeigen sollten, dass sie keine Mitarbeiter:innen der Polizei sind. Auch nicht ehrenamtlich
    Von wegen "Kriminaistik für Dummies"...!

    Millionen Menschen weltweit kennen und lieben die Abenteuer, die Sherlock Holmes und sein Partner, Dr. Watson, der eigentlich die Fälle lösr. Beide sind fiktive Figuren, die im Jahr 1866 aus der Feder des britischen Schriftstellers Arthur Conan Doyle entsprungen sind. Selbstverständlich möchte ich hier niemandem die Einhörner vergraulen, immerhin treiben beide Figuren noch heute Verbrecher ins Netz...! Wahnsinn, was man unter einer Lupe alles sehen kann.

    Die Realität ist oft weniger abenteuerlich, weniger lustig und weniger romantisch. Um in einem Krimninalfall ermitteln und den Täter richterlich zur Rechenschaft ziehen zu können, benötigt man Beweise, angefangen beim corpus delicti, dem Tatgegenstand. Jedoch haben die vielen Geschichten um Sherlock Holmes erheblich zur heutigen Kriminalistik beigetragen, denn das Wissen aus den Büchern wurde aufgenommen und erweitert, sodass die heutige Kriminalistik in mehrere Dutzend  größtenteils mathematische Themenbereiche unterteilt ist, von denen man alle als Einzelfach studieren kann.


    Manfred Lukaschewski, im Oktober 1951 in Altenzaun (Altmark,Sachsen-Anhalt) geboren, zählt zu den Menschen, die sich mit Zahlen und Mit Maathemathik gut auskennen. Während seines Studenten- und Berufslebens war er unter anderem Traktorfahrer und Flugsicherheitsassistent. Später hat er Jura studiert und darin den Dokor gemacht und ist heute Kriminalrat außer Dienst (a..D.), weil Ruhestand. Für alle, die keine Krimis schauen: der Dienstgrad eines Kriminalrat ist höher als der eines Kriminalhauptkommissar.

    Lukaschewski verfügt also über genügend fachliches Wissen, um sämtliche Fachbegriuffe für uns Hobby-Kriminalisten zu bünden. Um ihm Respekt dafür zu zollen, sollten wir und einige Begriffe aus der Nähe anschauen.



    Man findet zum Beispiel banale Begrifflichkeiten wie 


    A n g e b l i c h e r Häftling,


    Wie bitte? Banal? In Kriminalserien im Fernsehen sieht man oft Beamte, die in Gefängniszellen

    von Verdächtigten geschleust werden, um sich das Vertrauen und/oder ein Geständnis zu erschlechen. Einige Bürgerinnen und Bürger behaupten folglich schon mal »Die haben garantiert ihre V-Leute im Knast. Die sind doch alle selber koruppt.«

    Das ist nicht banal, sondern UNZULÄSSIG!


    Anlassfarben,


    durch Oxidation bei hohen Temperaturen hervorgerufene Farbveränderung an der Oberfläche von Metallen, insbesondere Stahl.

    Anlassfarben entstehen beim Bearbeiten von Metall (Schneidbrennerspuren) bei der Beschädigung in Betrieb befindlicher Glühlampen, durch Einwirkung elektrischer Energie, oder von Flammen.


    Juristische Angelegenheiten wie Straftatbestände und medizinische Themen, wie zum Beispiel Themen aus Anatomie (Lehre über den Aufbau des menschlichen Körpers), Physiologie (Lehre über die Funktionen des menschlichen Körpoers) und Pathologie (Lehre der Krankheiten).


    Die Geologie zum Beispiel gibt Aufschluss über die Beschaffenheit des Tatortes oder des Ortes, an welchem die/der Tote abgelegt wurde. Die Meteorologie verrät das Wetter am Tag der Tat.


    Magen-Darm-schwimmprobe,

    Methode zum Nachweis, ob Neugeborene gelebt haben.

    Schwimmen der abgebundene magen-darm-Trakt oder Teile von ihm, hat das Kind eine

    gewisse Zeit geatmet, Luft verschluckt und gelebt.

    Vorsicht bei Fäulnis!


    Magnetstift,

    Schreibstift mit magnetischer Schreibspitze (klingt lohisch, oder?).

    Er dient zur Fertigung magnetischer Unterschriften auf Magnetband zum Zweck der 

    Kennzeichnung bzw. Sicherung der magnettonaufzeichnung vor Verfälschung.




    Auf 378 Seiten und in insgesamt 3 Büchern namens "Kompendum der Kriminalistik" hat Manfred Lukaschewski alle kriminalistisch relevanten Begriffe für uns gebündelt.

    Alleine durch das Auswendiglernen der Begriffe und deren Definitionen wird man noch lange kein Kriminalist und kein Profiler. Man muss die Definitionen auch verstehen und einordnen können. Kleiner Tipp: auf dem zweiten Bildungsweg kann man aus öffentlicher Hand finanziert die Mittlere Reife und das Abitur nachmachen, und sich dann altersunabhängig bei der Zentralvergabe für Studienplätze (ZVS) in Dortmund anmelden.



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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Der Profiler (ISBN: 9783453603592)

    Bewertung zu "Der Profiler" von Axel Petermann

    Der Profiler
    RalfEbersoldtvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Nach 35 Jahren Mordermittlungen erzählt Petermann über die Anfänge der Operativen Fallanalyse und über Justizirtümer.
    "Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt irgendwann zur Quelle" (Dieter Hallervorden).

    Zu Beginn zwei Zitate von Axel Petermann: über sich selbst: „Ich schlüpfte in die Rolle eines Mörders, um das Verbrechen mit seinen Augen sehen zu können.“ und „Ich bin Profiler. Ein Spezialist für ungeklärte Morde. Ein Grübler und Querdenke unter den Mordermittlern.“


    Während seiner 35 Jahre bei der Bremer Mordkommission hat er  - auch in leitender Funktion -  etwa1.000 Fälle bearbeitet, und während dieser Zeit einen der ersten Fälle in Deutschland bearbeitet, bei dem der Täter mittels DNA-Analyse überführt werden konnte. Außerdem ist er im Bundesverband ANUAS e.V., einer Hilfsorganisation für Opferangehörige, aktiv. Ver seiner Fälle wurden im Bremer "Tatort" in leicht veränderter Form verfilmt. 

    “Der Profiler“ ist sein drittes Buch, beinhaltet 298 Seiten und ist im Juli 2015 erstmals erschienen, inzwischen in der 8. Auflage, und ist iein SPIEGEL-Bestseller.




    Im ersten Fall geht es um die zum Tatzeitpunkt 19-jährige Heike Rhimbach, die bei der Tat nahezu hingerichtet wurde. Sie wurde erstochen, erwürgt und erhängt, sodass jede dieser Vorgehensweisen für sich selbst hätte vollkommen genügt, um die junge Frau zu töten – deshalb lautet diese Art des Tötens Mehrfachmord.

    Die verbliebene Mutter hatte dieses Ereignis auch knapp 20 Jahren nicht verabeiten können – was umso schwerer ist, wenn der Mörder noch immer nicht gefasst ist und ständig jemand im Zuge der Ermittlungen alte Wunden aufreißt. Die Mutter war es, die Axel Petermann um Hilfe bat. Mit der Bedingung, dass er für sie als >>Pro-bono-Ermittler<< arbeite, stimmte sie zu. (Zitat Petermann) „..., aber der Preis für meine kostenlose Beratung ist die völlige Unabhängigkeit bei der Bewertung der Recherchenergebnisse.“ Dann bat er sie im Gegenzug, ihren Anwalt von dessen Schweigepflicht zu entbinden und ihm die Akten zu Verfügung zu stellen.


    Im Verlauf der Ermttlungen lernt Axel Petermann auch den Vater Rhimbach kennen, der nach Angaben des Anwalts der Familie wenige Jahre nach der Ermordung seiner Tochter vor Kummer verstorben war. Wie es zu solch einer irreführenden Verwechslung kommen konnte, wurde nie geklärt.




    Über das Profiling verrät Petermann (Zitat): „Ein Täter trifft ständig Entscheidungen, vor, während, und auch nach dem Verbrechen, bestimmt die Tatzeit, sucht den Tatort aus, wählt die Tatwaffe, entscheidet sich für die Art und Weise der Tötung und überlegt, was er mit der Leiche macht. Ob er diese einfach liegen lässr, abdeckt, verstümmelt oder einfach an einen anderen Ort bringt, damit die Tat zunächst noch unentdeckt bleibt und die Familie wie Ermittler von einem freiwilligen Verschwinden ausgehen. Durch seine individuelle Vorgehensweise verrät ein Täter seine Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse werden durch die Spuren am Tatort und an der Leiche dokumentiert.

    Doch es ist nicht der klassische Fingerabdruck an der Tatwaffe, der blutige Fußabdruck eines Schuhs auf dem Linoleum oder das verlorene Haar an der Kleidung des Opfers, es ist vielmehr >>die Spur hinter der Spur<<, mit der ich mich auseinandersetze. Der Täter hinterlässt einen >>psychologischen Fingerabdruck<<, der ihn von anderen Tätern unterscheidet.

    Und noch ein dritter Komplex ist in der Fallanalyse wichtig. Neben den Informationen des Tatortes und den Traumen an der Leiche muss ich mich sehr intensiv mit der Persönlichkeit des Opfers beschäftigen. Es gilt nämlich die Frage zu beantworten, ob der oder die Getötete bewusst vom Täter ausgesucht wurde oder ob das Opfer Pech hatte und einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war. Um auf all diese Fragen Antwort geben zu können, muss ich den Tatort besichtigen, und auch die Ermittlungsakte lesen. Ich muss möglichst alle Informationen über das Opfer darin finden.“ (Zitat Ende)




    Über die Entstehung der Operativen Fallanalyse


    Anfang der Jahrtausendwende gab Petermann die Leitung der Mordkommission in Bremen auf, um mit 2 Köllegen die Abteilung für die Operative Fallanalyse zu gründen. Dabei richtete er sich nach den Methoden von Robert Ressler, der im Jahr 1978 Leiter der Abteilung Verhaltensforschung des FBI geworden war und in den Jahren darauf die Methodik der Fallanalyse stark geprägt hat. Er fragte sich, weshalb Täter ihre Taten auf eine ganz spezielle Art und Weise begehen und – vor allem – warum sich die Vorgehensweisen von Mördern bei gleichen Motiven ähnelte, obwohl sich diese Menschen überhaupt nicht kannten und nicht gegenseitig inspiriert haben konnten. Dazu schreibt Petermann (Zitat):


    Der Täter, der mordet, und der, der verstümmelt, sind identisch. Manchmal aber holt sich ein solcher Täter auch Hilfe. Kein einziger Fall ist belegt, in dem eine zufällig aufgefundene Leiche vom Finder – aus welchen Gründen auch immer -  verstümmelt und versteckt wurde. Verdächtige, die so etwas behaupten, suchen nach Ausreden, erfinden Schutzbehauptungen, um nicht wegen eines Tötungsdelikts bestraft zu werden.“




    Im zweiten Fall ging es um einen Häftling der JVA Bremen, der während einer Schlägerei ein Hämatom am Auge abbekam und beim Gefängnisarzt trotz Behandlung mit Salbe nach einem Schmerzmittel fragte. Der Arzt wunderte sich darüber, dann aber zeigte der Häftling ihm seine Füße: ihm fehlten an beiden Füßen jeweils die mittleren drei Zehennägel, also insgesamt sechs. Weil in der JVA mehrere Cla-Strukturen den Knastalltag bestimmen, ging man lange davon aus, dass der Häftling gefoltert worden sei.

    Dieser Fall wurde im Bremer “Tatort“ “Wer das Schweigen bricht“ verfilmt.

    Der Häftling und Patient war seit seiner Jugend drogenabhängig und seit seiner Kindheit verhaltensauffällig und aggressiv veranlagt. Wegen seiner Impulsivität und wegen seiner Schmerzverträglichkeit nannten ihn viele “Pitbull“ oder “Terrier“. Petermann ermittelte damals in alle Richtungen.


    Im dritten Fall wurde von einem Jäger der Torso einer Frauenleiche, also ohne Kopf und ohne Beine, in der Weser gefunden, er wunderte sich über Fäulnisgeruch und lautes Summen. Ihre Arme und Hände waren dran, also ging es dem Täter nicht um das Vertuschen der Identität der Toten, sondern um das Vortäuschen der Mordursache. Mögliches Indiz für eine Täter-Opfer-Beziehung?


    Im letzten Kapitel beschreibt Petermann zwei Cold Cases, also zwei Fälle, deren Ermittlungen einst aufgenommen und später auf Eis gelegt wurden, jedoch nie abgeschlossen werden konnten,. Einer der beiden Fälle war ein Mord mit drei Verdächtigen, von denen einer verurteilt und später im Revisionsverfahren wieder freigelassen wurde – Petermann war zu Beginn dieses Falls selbst noch Polizeischüler. 

    Der letzte Fall handelt von einem Ehepaar, bei dem die Frau wenige Jahre nach der Hochzeit ihren Mann als Alkoholiker entlarvt hatte. Während der Ehe erlitt er drei Schlaganfälle, die seine Libido auf Null beschränkt hatten, inzwischen war er trockener Alkoholiker geworden. Als er im nach 23 Jahren Ehe im Streit seinen nächsten Alkoholkonsum ankündigte, hatte seine Frau Bilder von früher vor den Augen, in ihr fiel alles zusammen und griff nach einem Hammer, ihr Mann überlebte schwer verletzt und trug später lebenslange Behinderung davon.




    Die Fälle, die Axel Petermann beschreibt, sind alle medial nachvollziehbar, weil er nicht verfremdet.. 



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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Eiskalt in Nippes (ISBN: 9783939284147)

    Bewertung zu "Eiskalt in Nippes" von Bernhard Hatterscheidt

    Eiskalt in Nippes
    RalfEbersoldtvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Seit Jahrtausenden glauben manche, man könne Menschen verschwinden lassen, in dem man sie einfach zumauert - bis die Wahrheit raus will.
    Ein Krimi über eine Gefriertruhe hinter der Mauer des Schweigens.

    Hin und wieder liest oder sieht man schon mal in einem Krimi oder Psycho-Thriller, dass eine Frau einen Mann tötet, ihn zerstückelt, ihn danach einfriert, und vielleicht auch noch seiner Geliebten (und vielleicht ihrer früheren besten Freundin) sein Geschlecht zum Essen serviert.


    Ganz so schlimm wurde der Mann, dessen Leichnam in einer Tiefkühltruhe versteckt, und diese dann eingemauert wurde, zwar nicht hingerichtet, aber wenigstens (…) wurde er vorher getötet, und nicht etwa lebendig begraben.




    Bereits sein erster Köln-Krimi namens “Mörderischer Fastelovend“ aus dem Jahr 2010 wurde erfolgreich. Sein zweiter, namens „Eiskalt in Nippes“, um den es hier geht, wurde im Jahr 2011 erstveröffentlich, seit 2013 bereits in der vierten Auflage. Dies ist nicht nur Hatterscheidts eigener Berufserfahrung, und deshalb authentischer Erzählweise, zu verdanken.




    Bernhard Hatterscheidt ist 1965 in Essen geboren. 1982 hat er mit der Ausbildung bei der Polizei begonnen und war anschließend bei der Einsatzhundertschaft tätig. Im Jahr 1996 wechselte er nach der Ausbildung zum Kriminalkommissar zur Kölner Kriminalpolizei, wo er 7 Jahre lang enger Mitarbeiter des Leiters der Kölner Kriminalpolizei gewesen ist. „Ich hab` mir immer vorgestellt, es wären Puppen“ hat er mal während einer Lesung die Frage beantwortet, ob er inzwischen genug gesehen habe. Seit einigen Jahren bearbeitet er im Innendienst interne Korruptionsdelikte.








    Das Haus in Nippes, in dem die Truhe gefunden wurde, wechselte in den letzten Jahrzehnten häufig den Besitzer. Als der ehemals selbstständige Hausmeister Tadeusz Piontek für seinen Arbeitgeber und aktuellen Besitzer im Keller eine Wand beseitigte, fand er eine Tiefkühltruhe, öffnete diese und blickte einem nackten Mann iunmittelbar ns Gesicht.


    Zum Einsatzort gerufen wurden zunächst zwei Beamtinnen der Schutzpolizei zur Feststellung und zur Sicherung des Fundortes, außerdem Paul Westhoven, Leiter der Mordkommission am Walter-Pauili-Ring, die Krminalbeamten Jochen Gerber und Heinz Dember. Staatsanwalt Asmus, und die Gerichtsmedizinerin, Dr. Doris Weber, Dembers` derzeitige On-Off-Beziehung.




    Nach Besichtigung des Tatorts eröffnete Gerber Westhoven unter vier Augen, dass bei Gerbers` Vater eine fortgeschrittene Demenz diagnostiziert wurde. Weil seine Eltern in Hamburg lebten, hatte er bereits einen Antrag auf Versetzung gestellt, diesem wurde stattgegeben.


    Glücklicherweise konnte in Hamburg schnell ein Tauschkollege mit gleichem Dienstgrad gefunden werden. Die Versetzung Gerbers` sollte allerdings am Freitag der folgenden Woche vollzogen werden.




    Nachdem die Truhe samt des Inhalts noch am selben Tag in die Kölner Gerichtsmedizin am Melatengürtel gebracht worden war, stellte Dr. Doris Weber während der Erstbeschauung, die wegen des Auftauens erst 2 Tage später stattfinden konnte, bei dem geschätzt 35-bis 40-jährigen Toten zahlreiche Schädelverletzuingenm in verschiedenen Größen und Formen fest. Über seinem linken Auge war eine intensive, violettfarbene Schwellung sichtbar (also ein "Veilchen“) und über der Augenbraue auf derselben Seite eine (Zitat) “Rissverletzung mit unregelmäßiger Wundrandeinkrustierung“.


    Nur wenige Tage später bemerkte die 81-jährige Seniorin Erna Schmitz in ihrem Stammlokal “Em Kappes“ in Nippes ein Fahndungsplakat, auf dem das Gesicht einer Leiche zu sehen ist. Sie ist sich sicher, den Mann zu kennen. Sie notierte sich die Nummer der zuständigen Kriminalpolizei und rief dort am späten Abend aus ihrem Seniorenappartment in Wissen an. Zum Bedauern der Beamten mit unterdrückter Rufnummer. Danach telefonierte sie mit einer andere Person, um sich zu erkundigen, ob es sein könne, dass der gefundene Mann der sein sollte, den sie zu kennen glaubte.


    Am nächsten Vormittag wollte sie sich persönlich bei der Kriminalploizei in Köln-Kalk erkundigen, ob ihre Annahme stimmte.


    In der Nähe des Präsidiums der Kriminalpolizei hörte die inzwischen bekannte Polizeiinformantin und Taxifahrerin Jatrin Oehmchen Autorreifen quietschen und einen Rollator fliegen. Sie stieg aus, rannte auf den Unfallort zu, und erkannte Frau Schmitz, die noch am Unfallort in ihren Armen starb.




    Im Verlauf des Buches schrieb Hatterscheidt in kurzen Passagen aus der Sichtweise des Täters. Also, was er macht und wie es ihm geht.


    Er ist Firmeninhaber und einstiger Kompagnion des getöteten Mannes, und er kannte Frau Schmitz.


    Nach einem Besuch Heinz Dembers und seiner neuen Kollegin Antoinette “Toni“ Krogmann aus Hamburg bei einem weiblichen Gründungsmitglied des Stammtisches, dem auch Frau Schmitz angehörte, erfuhren die beiden, dass Frau Schmitz ihren Mörder sogar sehr gut kannte.








    Bernhard Hatterscheidt lässt uns in all seinen Büchern nicht nur am polizeilichen Alltag teilhaben (wie zum Beispiel et Kathrin Oehmchen, dat jrundsätzlich yet op Kölsch ze verzälle hät) sondern auch an der stets unterschiedlichen Gedankenwelt der Beamtinnen und überwiegend Beamten.


    So freut sich zum Beispiel der Leiter Paul Westhoven hinsichtlich eines Aushanges im Kommissariat über seine Beförderung in der Besoldungsstufe. Kaum hatte er seiner Frau am Telefon davon erzählt, ohne dass er bisher eine Beförderungsurkunde erhalten hatte, las er am Abend zuhause bei einem Glas Wein mit seiner Frau einen Brief von seiner Ex-Frau, die ihn über die Erhöhung des Unterhalts für seine knapp 12-jährige Tochter informierte.




    Auch hat Hatterscheidt stellenweiseweise dezent erotische Stimmung aufkommen lassen.




    “Fast gleichzeitig blickten nun auch die anderen zum Eingang. In der Tür stand Doris Weber, die sich suchend umblickte, und, als sie die vier sah, zielstrebig auf sie zukam. Paul Westhoven, der sie nur in ihrem grünen OP-Kittel in der Pathologie oder in Jeans am Tatort kannte, musste schlucken. Das war eine ganz andere Dr. Weber. In dem dunkelbraunen, kurzen Lederrock mit hohen Stiefeln, dazu ein eng anliegender, beigefarbener Pullover mit Hüftgürtel, der von einer großen, bronzefarbenen Sonne zusammengehalten wurde, sah sie umwerfend aus.


    Ihren Mantel trug sie über dem Arm. Die blonden Haare hatte sie streng zu einem Pferdeschwanz gebunden, was das Gesicht mit dem rot geschminkten Lippen betonte.








    Insgesamt 186 Seiten. Drei Leichen. Ein Buch. Eiskalt in Nippes.






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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Die 50+ schönsten Stadtgeschichten (ISBN: 9783750471801)

    Bewertung zu "Die 50+ schönsten Stadtgeschichten" von Jakob Welik

    Die 50+ schönsten Stadtgeschichten
    RalfEbersoldtvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: In diesem Buch präsentieren 50 Autorinnen und Autoren fiktiv oder real erlebt ihre Heimat. So geht Heimat - und nicht auf Kosten anderer.
    Eine Anthologie voller Leben: #Autorenleben.

    Heimat - für die einen ein Aufreger, andere können davon nicht genug bekommen. Und manche gehen dabei sogar soweit, dass sie glauben, im Besitz des Hausrechts zu sein und über andere bestimmen zu können.

    Selbstverständlich ist es keine Straftat, sich seiner Wurzeln zu besinnen. Alle Tiere in freier Wildbahn wandern entweder ihr ganzes Leben lang hin und her oder sie kehren ein einziges Mal in ihre Heimat zurück, um dort zu sterben, wo sie geboren sind.
    Einige große Entdecker der Menschheitsgeschichte sind widerum dort beerdigt worden, wo sie zuletzt gelebt haben.


    Jakob Welik, 1985 in Bremen geboren und aufgewachsen, ist Buchautor im Selfpublishing und Moderator, und hat in seiner Anthologie "Die 50+ schönsten Stadtgeschichten" den Autorinnen und Autoren die Möglichkeit gegeben, fiktiv oder real erlebt aus ihrer Heimatstadt zu erzählen.
    Entstanden ist so ein insgesamt 324-seitiges Buch, in welchem unter anderem aus Wien, aus München, aus Köln, aus Lemgo und aus Zweibrücken erzählt wird, 


    Eine Literaturausschreibung ist ein soziales Projekt, eine Win-Win-Situation: jede/ der Autorinnen und Autoren konnten so ihren Namen bekannt geben und haben jeweils ein Freiexemplar erhalten.


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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Wenn Kinder töten (ISBN: 9783426301869)

    Bewertung zu "Wenn Kinder töten" von Stephan Harbort

    Wenn Kinder töten
    RalfEbersoldtvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: In Film-Komödien werden Kinder als "Satansbraten" dargestellt, was tatsächlich als "lustig" empfunden wird.
    Ein "Satansbraten" kommt manchmal auch allein.

    “Wenn Kinder töten“ ist leider keine Farce. Zwei Drittel aller Länder der Erde sind Länder der sogenannten “Dritten Welt“, von 194 Nationen sind also fast genau 128 Länder Dritte-Welt-Länder. Stellt man sich ernsthaft vor, dass Kinder töten, denkt man vielleicht an manche Länder im asiatischen Raum, in Afrika (Kindersoldaten) oder auch an die Kriminalität in Südamerika.

    Moment, kriminelle Kinder gibt es auch in westlichen Ländern. Einen Mord zu begehen, heißt aber “Du - ja du! - bist das Leben nicht wert“ oder “Dich wird sowieso niemand vermissen!“ (Niedere Beweggründe nach Paragraph 211 Strafgesetzbuch). Was also muss man einem KIND angetan haben, damit es mordet?


    Der Kriminalist Stephan Harbort hat sich für sein Buch “Wenn Kinder töten“ mit diesen Fragen beschäftigt. Der im Jahr  1964 in Düsseldorf geborene beschäftigt sich seit 25 Jahren mit der Operativen Fallanalyse und hat darüber mehr als 20 Bücher und Hausarbeiten geschrieben.
    In seinem 267-seitigen Buch, das 2018 beim Droemer-Verlag veröffentlicht wurde, schreibt er im Vorwort:


    „Um eine Person beispielsweise mit einer Geld-, oder Freiheitsstrafe belangen zu können, muss sie schuldfähig im Sinne des Paragraph 20 StGB sein. Gemeint ist damit die Fähigkeit, (Zitat) >>das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.<< Ihr Fehlen wird in Paragraph 19 StGB für Kinder unwiderleglich vermutet. Und weil die Bestrafung ein persönliches Verschulden voraussetzt, können Kinder nach dem Gesetz, also unter 14 Jahren, in Deutschland grundsätzlich nicht belangt werden.“




    Das Ende der Unschuld


    Im April 1993 kehrte der damals vierjährige Derrick nicht vom Spielen nach Hause. Er war bei allen sehr beliebt, auch wegen seiner Streiche. Nach der Tat sagte Eric, sein dreizehnjähriger späterer Mörder, als der vom Spielen heim kam >>Papa, es geht mir jetzt besser.<<
    Über dessen Aufgeschlossenheit gegenüber den Polizeibeamten schreibt Harbort: „Eric genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit, das Interesse an ihm als Person, an dem, was er zu sagen hat, das ist nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern eine völlig neue Lebenserfahrung.“




    Wohin mit ihm?


    Leopold`s Onkel tauchte irgendwann mit einer Waffe auf und sagte, er habe Ärger mit einem Nachbarn gehabt und müsse die Waffe jetzt verstecken, weil er sonst einen Riesenärger haben würde. Der zwölfjährige “Leo“, wie ihn alle nannten, machte sich später auf die Suche nach der Pistole, um damit anzugeben und in der Gegend zu schießen.

    Leopold hatte einen Spielfreund, den 10-jährigen Anton, der aus gutem Hause stammte und sich stets davor fürchtete, zu Hause Ärger zu bekommen. Einmal wollte er Anton auf  einem Autoschlauch in die Mitte eines Sees locken, um ihm dort den Schlauch von unten aufzuschlitzen, ließ davon aber ab, Irgendwann während der Vernehmungen gab er zu, sogar öfter mit Anton zu tun gehabt zu haben – einzig deshalb, weil er von Anton zu allem eingeladen wurde und nichts bezahlen musste.

    Leopold zeigte Anton die Pistole, verständlicherweise hatte Anton Angst. Daraufhin hielt er im die Pistole in den Nacken und drückte ab. Anton überlebte nicht.




    Tod im Klassenzimmer


    Als sich Veronica McQueen mit einem Gute-Nacht-Kuss an ihre sechsjährige Tochter Kayla wandte und nach ihrem Befinden in der Schule und den Umgang mit den Schulkameraden erkundigte, sagte Kayla: >>Alle. Bis auf einen!<< Dedrick, ein fast genau gleichaltriger Junge aus ihrer Klasse beschimpfte, beleidigte, bedrängte und schubste sie und die anderen Kinder.

    Im Februar 2000 stirbt Kayla im Klassenzimmer durch eine von Dedrick mitgebrachte Pistole.




    Im Fadenkreuz


    Der 13-jährige Mitchell und der 11-jährige Andrew begangen im März 1998 an der Schule, an der sie am selben Tag zum Unterricht erwartet wurden, einen Amoklauf, bei dem fünf Menschen getötet wurden und zehn Menschen verletzt, teilweise schwer.




    Wie stirbt man richtig?


    Dieser Fall erzählt vom damals 13-jährigen Mirko, der sich auf öffentlichen Veranstaltungen und auf Spielplätzen aufhielt, um seine Beute für sexuelle Zwecke zu erspähen: nämlich wesentlich jünger als er, gerne Mädchen, aber bevorzugt Jungen. Mirko war bereits seit frühester Kindheit verhaltensauffällig und galt als Problemkind. Er wechselte während seiner Kindheit die Pflegeeltern wie die Heime und wurde in mehreren Einrichtungen selbst missbraucht.

    Ende März 1991 wurde ein zehnjähriger Junge tot aufgefunden. Stolz erzählte er den Beamten von seinen Taten, immerhin hörte ihm jetzt endlich mal jemand zu: >>Ich wollte mal sehen, wie man richtig stirbt.<<




    Die Teufelin


    Die 12-jährige Jasmin aus der Provinz Alberta in Kanada war ein offenbar frühreifes Mädchen besuchte das Gymnasium. Ihr gelang es nicht nur, ihre Eltern zu manipulieren, sondern sie kleidete sich so, dass sie von den meisten älter geschätzt wurde. Ihre größte Leidenschaft waren Gothic, Black-Metal und virtuelle Welten verwunschener Seelen. Dort lernte sie auch ihre Verehrer kennen, mit denen sie sich auch im realen Leben traf, sie waren 16, 19 und 23 Jahre alt. Während sie mit manchen jungen Männern nur eine Liason hatte, schien es ihr mit dem 23-jährigen ernst zu sein.

    Außer den vielen Gemeinsamkeiten waren beide besonders vom Film “Natural Born Killers“ angetan. Um – wie sie selbst sagte - >>ungestört bei ihm leben<< zu können, mussten ihre Mutter, ihr Vater und ihr Bruder aus dem Weg geräumt werden.




    Totale Zerstörung


    Im letzten Fall des Buches geht es um den Jörg Nübling, einen wegen sechsfachen Mordes verurteilten Mann, der nach mehr als 30 Jahren immer noch im Gefängnis ist. Zuhause erfuhr er durch seinen alkoholkranken Vater sehr viel körperliche Gewalt, nicht nur er, sondern auch seine Mutter und seine Geschwister. Er müsste zehn Jahre alt gewesen sein, vermutet er später, da kam er in die Sonderschule. Dutzende Male war er von zu Hause abgehauen, immer wieder bekam er “Dresche“ mit Gegenständen wie Stromkabel oder Gürtel.

    Während der Sommer- wie Winterferien fehlte das Geld für die Reisen nach Hause, weshalb er als einziges Kind im Heim verweilen musste. Im Alter von vierzehn Jahren begang er seinen ersten Mord – für 20 Mark.




    Im Nachwort schreibt Harbort: „Wenn Kinder töten, fällt es schwer, zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse, Schuld und Unschuld zu unterscheiden. Wir suchen viel zu oft vergebens nach zweifelsfreien Zusammenhängen, Bedingungen, Ursachen – das tötende Kind, scheinbar so vertraut, bleibt uns trotz aller Annäherungsversuche wesensfremd und rätselhaft, zumal es Sätze wie >>Keine Ahnung, warum ich das gemacht habe.<< oder >>Weiß nicht, wie das passiert ist.<< sagt und auch so meint. Diese Zwischenwelt, die wir nach wie vor weder erreichen noch verstehen, macht uns Angst.“


    Wie Stephan Harbort auch schreibt, spähen die meisten erwachsenen Gewalt- und Sexualstraftäter ihre Opfer vorher aus, um zu wissen, wie sie leben, wann sie heim kommen, wann der möglichst beste Zeitpunkt ist etc., während die meisten Kinder eher impulsiv töten und bereits vorher zu ihren späteren Opfern einen persönlichen Bezug hatten. Meist sind es die Menschen, von denen sie über einen längeren Zeitraum körperlich-, und/oder seelisch misshandelt worden sind.

    Mir fällt außerdem auf, dass die meisten der hier erläuterten Täterin und Täter 12 und 13 Jahre alt gewesen sind, für die meisten ist es das Frühstadium der Pubertät. Man dürfte demnach also annehmen können “Wer trotz aller Verschmähungen bis hierhin gewaltfrei durch die Kindheit gekommen ist, hat die kritische Phase überstanden und gute Aussichten auf ein späteres straffreies Leben? (Fragezeichen!). Das klingt jedenfalls danach, als sei der Beginn der Pubertät – aus der Sicht missverstandener Kinder – ein guter Zeitpunkt, endlich mal abzurechnen, den Erwachsenen zeigen, was sie drauf haben.

    Viele Pubertierenden sind der 18 näher als der eigenen Kindheit – wann wollen die Eltern das endlich kapieren? Aber wenn Gefahr droht oder man sich selbst überschätzt oder gar festgefahren hat, ist man froh, wenn die schützende und helfende Hand naht, um wieder in die Spur zu kommen. Manche Kinder haben dieses Gefühl von Sicherheit nie kennengelernt.



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    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Blut schweigt niemals (ISBN: 9783426302132)

    Bewertung zu "Blut schweigt niemals" von Stephan Harbort

    Blut schweigt niemals
    RalfEbersoldtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Alles, wo DNA drin ist, ist für die Ermittlungen interessant. "Blut schweigt niemals" - mal wieder ein Meisterwerk von Stephan Harbort.
    "Blut schweigt niemals" - Harborts Buch über Cold Cases zum Warmmachen.

    Stephan Harborts Buch “Blut schweigt niemals“ ist seit Ende Januar 2020 im Online-Handel und seit Anfang Februar auch in den Ladengeschäften angeboten worden - und war in manchen Geschäften nach kurzer Zeit bereits begriffen.
    Der Titel klingt vielversprechend Verursacht er vielleicht Kopfkino? Intrigen..., Eifersucht..., Erbe..., Mord..., Familie..., Ehre...,Caligula..., Borgias?

    Derjenige, der es ganz genau weiß, ist natürlich (...) der Autor selbst: Stephan Harbort, geboren 1964 in Düsseldorf, schloss nach dem Abitur und der Ausbildung bei der Polizei im Jahr 1993 das BWL-Studium mit dem Staatsexamen ab.
    Irgendwann hat er weitere Herausforderungen gesucht - und gefunden: er ist nicht umsonst Deutschlands bekanntester Serienmordexperte, hat den Begriff Serienmord auch international salonfähig gemacht und ist Gastredner in dutzenden Fernsehsendungen über Kriminalistik und über Profiling.


    Als “Cold Cases“ bezeichnet man Altfälle, die aus vielerlei Gründen lange in Aktenschränken warten, bis sie wieder zum Leben erweckt werden, oder sagen wir “warm gemacht“ werden.


    Harbort im Vorwort de Buches; 

    „Die amtlichen Zahlenkolonnen des Bundeskriminalamts weisen für das Berichtsjahr 2018 insgesamt 2.417 Delikte aus, die als >>Mord, Totschlag oder Tötung auf Verlangen<< qualifiziert werden. Seit Jahrzehnten ist diese Aufklärungsquote stabil.“


    Im ersten Kapitel namens “Das Schweigen der Anderen“ verschwand im Jahr 1981 die 16-jährige Melitta Janssen spurlos. Sie war von ihrem Ex-Freund, Hans Godehardt schwanger. Er iwar zum Zeitpunkt des Kennenlernens 20 Jahre alt und stammte aus einer wohlhabenden Bauernfamilie. Sein Vater war mit der Verbindung zu der >>Dahergelaufenen<< und >>Schlampe<<, wie er sie nannte, nicht einverstanden, und er nötigte seinen Sohn immer wieder, diese Verbindung zu beenden, und drohte als Strafe Enterbung an.

    Im Jahr 2011 richtete sich die Kriminalpolizei unter neuer Leitung an die Fernsehsendung “Aktenzeichen XY ungelöst“. Hans Godehardt hatte, nachdem sein Vater in der Zwischenzeit verstorben war, hatte den Hof mit nur mäßigem Erfolg übernommen, wurde Frührentner. Er war mit vier Frauen liiert, mit zweien davon verheiratet, und ebenso oft geschieden.
    Dass Hans Godehardt seine Freundin umgebracht hatte, blieb vor Gericht unbestritten. Die Tatmotive für den Paragraphen “Mord“, also § 211 Strafgesetzbuch (StGB), konnten nicht nachgewisen werden. Somit war die Tat auf § 212 StGB, also Totschlag, herabzusetzen, weshalb Hans Godehardt das Gericht im Jahr 2017 aufgrund der Verjährung des § 212 verließ.


    Der zweite Fall heißt “Einer von 362.263.371". Anfrang Januar des Jahres 1986 wurde nahe Siegburg, etwa 30 Kilometer von Köln entfernt, eine Frau in ihrer Küche der Mühle, in der sie wohnte,leblos aufgefunden, am Hals der Toten waren mehrere Drosselungen zu erkennen, außerdem wies der tote Körper mehrere Hämatome sowie Ritz- und Schnittwunden auf, und der Täter hatte ihr beide Brüste abgeschnitten. Keine Spuren eines sexuellen Missbrauchs.
    Wie zunächst ermittelt werden konnte, war Dagmar Rettinghaus 38 Jahre alt geworden und hatte in dieser Mühle eine gutgehende Praxis gepachtet, in der sie als selbstständige Heilpraktikerin arbeitete. Von ihrem inzwischen Ex-Freund Martin Benrath hatte sie sich am Silvesterabend getrennt,

    Zwar wurde im Laufe der Ermittlungen bei Martin Benrath ein Jagdmesser gefunden, allerdings kann es ihm nicht als Tatwaffe nachgewiesen werden. Außer Martin Benrath gab es noch einen Verehrer: den Pächter der Burg. Er soll sich, berichteten Zeugen, ihr gegenüber öfter obszön geäußert haben und er war regelmäßiger Puffgänger. Doch er hatte ein Alibi.
    Martin Benraths Verfahren wurde 14 Monate nach Auflösung der Soko im April 1986 eingestellt. Ab dem Jahr 2003 wurde der Fall mit neuen Methoden der DNA-Analytik bearbeitet, dies betraf praktisch alle menschlichen Körperzellen (Blut, Muskelgewebe, Haut, Knochen, Haare, Speichel und Schweiß).

    „Das Ergebnis...“, hat Harbort hinsichtlich der am Tatort gefundenen Spuren geschrieben “..., hat nach statistischen Berechnungen der Wissenschaftler eine beachtliche Beweiskraft. Denn in der europäischen Bevölkerung soll unter 362 Millionen, 263 Tausend und 371 Menschen (362.263.371) nur eine Person existieren, die wie Joachim Benrath mit der Geschädigten ein derartiges Merkmalgemisch zurücklassen würde.“


    Harbort hat später geschrieben: „Bei der Methodik der Operativen Fallanalyse handelt es sich definitionsgemäß >>um ein kriminalistisches Werkzeug, welches das Fallverständnis bei Tötungs- und sexuellen Gewaltdelikten sowie anderen geeigneten Fällen von besonderer Bedeutung auf der Grundlage objektiver Daten und möglichst umfassender Informationen zum Opfer, mit dem Ziel vertieft, ermittlungsunterstützende Hinweise zu erarbeiten..<<“


    Der dritte Fall namens “R1962Jürgen“ handelt von der 24-jährigen Claudia Rückert, die in ihrem eigenen Auto von einem Mann mit einem Schraubendreher überfallen wurde. Er leitete sie mit dem Schraubendreher an ihrem Hals zu einem wenige Kilometer entfernten Waldgebiet. Wie sie später berichtete, war er nicht nur ungepflegt, sondern er stank zudem nach Alkohol und Zigaretten. Am Waldrand angekommen, befahl er ihr im Auto, sie solle sich ausziehen, dann verband er ihr die Augen und schlug und vergewaltigte er sie mehrfach.
    >>Dir passiert nichts.<<, versicherte er ihr und befahl ihr, auszusteigen, um ihr den Schraubendreher mehrfach in den Brustkorb zu rammen. Auch stach er ihr mehrfach in den Rücken.
    Im Jahr 2017 wurde im Rahmen dieser Ermittlungen der mittlerweile 58-jährige Jürgen Reuter verhaftet. Er war bis dato erheiratet, getrennt lebend, ohne Job, und hatte eine Tochter. Außerdem war er stark alkoholkrank und wurde im Rausch ausfallend und oft auch aggressiv. Und er zwang seine Frau gelegentlich gegen ihren Willen zum Sex. Der Richter verhängte die Höchststrafe: 15 Jahre. Die besondere Schwere der Schuld konnte nicht festgestellt werden, weil die Vergewaltigung bereits verjährt war. Somit konnte der Täter nach Haftprüfung vorzeitig entlassen werden.


    Der Fall “Ein ganz normaler Mörder“ erzählt von der 24-jährigen Anna Dressler, die in ihrer Salatbar in Köln hinterrücks überfallen, erstochen wurde, ihre Leiche hatte der Täter ins Kühlhaus dieser Gastronomie gesperrt und ihre Taschen mitgenommen, das Bargeld in Höhe mehrerer hundert Euro in der Kasse gelassen.


    Im Fall “Eine Frage der Ehre“ wurde im Jahr 2001 das Skelett eines zum Tatzeitpunkt neunjährigen Mädchens gefunden. Ein geistig behinderter wurde wegen dieses Falles aufgrund falscher Beweislage verurteilt, jedoch zu Unrecht, wie sich herausstellte. Später wurde Uwe Bönhardt dringend tatverdächtig, ihn brachte man bereits mit einem Kindsmord in Verbindung als er 15 Jahre alt gewesen war. Bönhardt und sein damaliger Kumpel Uwe Mundlos begangen gemeinsam nach einem Banküberfall Selbstmord, sie zählten zum Trio des NSU, das 2001 getötete Mädchen hieß Peggy Knobloch.


    Der letzte Fall erzählt die Geschichte der Susanne Richter, die im Jahr 2002 im Alter von 15 Jahren auf Mallorca ihr Leben lassen musste. Sie war offensichtlich ein körperlich frühreifes (Aussehen einer 18-jährigen) und persönlich nicht gerade einfaches Mädchen, das seine Mitmenschen stets zu manipulieren wusste. Für ihr Alter war sie auch sexuell sehr aktiv, wie Zeugen aus ihrem näheren Umfeld berichteten.
    Ihre Eltern waren auf Mallorca im Hotelgewerbe selbstständig, wo sie nach kurzem Aufenthalt in einer Pflegefamilie und Aufenthalten in Heimen wohnte. Dort wohnte der ebenfalls aus Deutschland stammende 39-jährige Tobias Toffel zur Untermiete. Toffel war mindesten durchschnittlich intelligent, hatte aber so gut wie keine sozialen Kontakte, hatte nur bei den meisten Frauen keine Chance, und wenn konnte er nie eine Beziehung längere Zeit aufrecht erhalten, ebenso, wie er jede Arbeitsstelle nach nur wenigen Wochen verlor. Sein mangelndes Selbstbewusstsein versuchte er stets mittels Lügen über sich selber zu kaschieren, wie viel Geld er angeblich auftreiben könne, alles, was er anpacke, würde zu Gold, nur eben nicht sofort, und so weiter.
    Strafrechtlich in Erscheinung getreten war er häufig wegen Betrug und wegen Unterschlagung, dafür saß er auch nach Geldstrafe und Bewährung eine Gefängnisstrafe ab. Im Gefängnis lernte er einen Mann kennen, mit dem er eine nach und nach immer intensivere Freundschaft einging. Eines Tages berichtete er ihm von seinem Geheimnis: er erzählte ihm von der Sommernacht, in der >>Das kleine Flittchen<<, wie er Susanne Richter nannte, ihn mal wieder als >>Fettes Schwein<< und >>Du stinkst!<< gedemütigt hatte. Obwohl sie - wie er sagte - richtig besoffen gewesen sei, habe er ihr mit dem Handrücken eine feste Ohrfeige gegeben, dass sie mit dem Kopf gegen die Türzarge fiel und dort verstarb. Mit dem Chloroform in der der sogenannten “Vergewaltigungstasche“, welche die Polizei in seinem Bully gefunden hatte (mit Porno-DVDs, Vibrator, Slip) habe er >>..., nur Katzen töten<< wollen.
    Doch auch sein bester Kumpel erwies sich als falscher Fuffziger.


    Im Nachwort schreibt Stephan Harbort über den Cold Case: „Um herauszufinden, welche Aufdeckungsbarrieren bei Altfällen existieren und bei späteren Cold-Case-Ermittlungen besondere Beachtung verdienen, habe ich für Deutschland 46 nachträglich aufgeklärte Todesfälle daraufhin untersucht (Studienschablone siehe Anhang.“

    und

    „Besonders anspruchsvoll wird es immer dann..., wenn den Ermittlungsbehörden Versäumnisse passieren. Fehler unterlaufen oder aus anderen Gründen die Hände gebunden sind. Auch das kommt vor: 60 bis 100 Tötungsdelikte bleiben hierzulande jedes Jahr ungeklärt. Im Jahr 2018 waren es genau 96 Fälle.“, dieses Zitat aus dem Vorwort hier am Ende.

    Wie bezeichnen Chirurgen als “Halbgötter in Weiß“, weil wir verdrängen, dass auch sie Fehler machen könnten. Und dennoch sind sie auch nur Menschen. Jeder Kriminalfall besteht aus einem riesigen Puzzle mit dutzenden Teilen und hunderten bis tausenden Spuren - und wo gehobelt wird, da fallen nun mal Späne. „Errare humanum est“ („Irren ist menschlich“) hat der französische Philosoph René Descartes einmal gesagt. So manche Angehörige möchten sich auch gerne irren.


    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Der Liebespaar-Mörder (ISBN: 9783770011902)

    Bewertung zu "Der Liebespaar-Mörder" von Stephan Harbort

    Der Liebespaar-Mörder
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Mal wieder hat uns Stephan Harbort dank seines fundierten Fachwissens in die Seele eines Serienörders schauen lassen.
    Die Schuld der anderen - Bekenntnisse eines Liebespaar-Mörders.

    Die Schuld der anderen. "Sie sind ein notorischer Lügner!" hat so mancher Richter schon einmal sein Urteil begründet. Nach Aussagen mancher Psychologen soll ja das Lügen in Maßen gesund sein, eine gewisse Form des Eigenschutzes steht jedem von uns zu. Wie viel Lügen aber ist "gesund"? Und ist nicht auch jede Schuldsprechung an andere, wenn es bei einem selbst gerade nicht rund läuft, auch eine Form der Lüge?

    Stephan Harbort hatte während seiner Beamtenlaufbahn bei der Kriminalpolizei bereits etliche notorische LügnerINNEN am selben Tisch gegenüber sitzen gehabt. Im Jahr 1964 in Düsseldorf geboren ging er nach seinem Studium an der Fachhhochschule zum Diplom-Verwaltungswirt im Jahr 1984 zur Polizei. Als Polizeihauptkommissar und als Kriminalist hat er sich die Serientötung zu seiner Berufung gemacht und so den Begriff Serienmord international mitgeprägt, er kennt alle Serienmorde Deutschlands seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
    Im Jahr 2004 hat er dieses Buch namens "Der Liebespaar-Mörder" geschrieben, das im Jahr 2005 erschienen ist.

    Im Vorwort schreibt Harbort:

    "Serienmörder sind einerseits primitive >>Sexmonster<<, die Kinder, Jugendliche und Frauen wahllos attackieren, massakrieren, ihre Gräueltaten ritualisieren. Und die Polizei bekommt sie andererseits nicht zu fassen, weil es kühl kalkulierende und agierende Intelligenzbestien sind. Dieses Zerrbild wurde generiert und wird unterhalten von Urängsten und Unkenntnis. Wenn wenig oder nichts erklärt werden kann, entsteht eine Legende: Mythos Serienkiller. Ein schlichtes Sammelsurium von irrationalen und falschen Vorstellungen.
    Tatsächlich haben Serientäter viele Gesichter. Sie sind polizeibekannte Kriminelle, vielfach aber auch unbescholtene Bürger: Klempner, Maurer, Schlosser, Hausfrauen, Taxifahrer, Polizeibeamte, Soldaten, Ärzte - Serienkiller wie du und ich. Jedermänner. Durchschnittstypen. Und alle Leben mitten unter uns, haben häufig Familien, Kinder, Freunde. Doch gelingt es den Tätern immer wieder, sich schlangengleich durch das allzu löchrige Netz der sozialen Selbstkontrolle zu winden. Obwohl sich die Täter in vielen Fällen im Kreise ihrer Lieben durch eigenes Tun verraten oder durch unübersehbare Indizien entlarvt werden, passiert nichts."


    Der einstige Serienmörder Ted Bundy zum Beispiel studierte Jura und fuhr während der 1960er Jahre in den USA einen VW Käfer, wdurch er vielen anderen Studenten ähnelte. Bei Frauen hatte er gute Karten, galt als attraktiv.
    Charles Manson ein Hippie durch und durch schaffte es während der 1970er Jahre, seinen Mitmenschen zu sagen und zu singen, was sie hören wollten. Doch irgendwann hörte er nur noch das, was er selbst hören wollte, und dennoch gelang es ihm, dass Menschen in seinem Auftrag töteten.
    Es sind also nicht nur die unhygischen und geistig verkrüppelten, denen sicher viele von uns eine Karriere als Serienmörder zutrauen würden. Und auch wir tun es uns selbst manchmal schwer mit der (Selbst-)Reflexion. Sind aber irgendwann einsichtig ("Na ja..., im Nachhinein muss ich dir recht geben."). Eine Eigenschaft, mit der sich Manson nicht gerade hätte schmücken können.

    Ein paar wenige Beispiele aus dem Buch zur Veranschalichung der Vorgehensweise:
    Am 28. November 1955 wurde ein hellblauer Ford mit zwei darin befindenden Leichen geborgen. Das Auto lag auf dem Grund eines Baggerlochs. Laut Obduktion handelte es sich bei beiden Leichen um Tötungsdelikte. Identifiziert wurden der 26-jährige Wilfried Mehnert und seine 23-jährige Verlobte Lieselotte Ingensandt. Abwehrverletzungen bei beiden nicht vorhanden.
    Harbort kommentiert dies mit "Ein (fast) perfekter Mord. Das Verbrechen wäre höchstwahrscheinlich nie aufgedeckt worden, wenn nicht der Wasserspiegel der Kiesgrube nach einer ungewöhnlich langen Trockenperiode um 30 bis 40 Zentimeter gesunken wäre. Es hätte nur noch wenige Tage gedauert, bis das Baggerloch endgültig zugeschüttet worden wäre. Allen Beteiligten war klar, dass man es miz einem äußerst kaltblütigen und gewaltbereiten Täter zu tun bekam, der sehr sorgfältig und spurenarm agierte, dessen abgründige Passion vollends mysteriös blieb."
    Anscheinend wusste der Täter von Wilfried Mehnerts Lebensstil (finanziel gut situiert, bei allen beliebt...). Nur passten beide Taten deshalb nicht zusammen, weil die Tötung des Juristen Dr. Martin zweifelsfrei auf Habgier zurück zu führen ist, während im zweiten Fall Bezug zwischen Opfern und Täter hergestellt wurde. Alle weiblichen Opfer wurden als attraktiv und/oder bildhübsch beschrieben.
    Auffällig ist aber, dass alle bisherigen Opfer finanziell gut dagestanden waren. Die Opfer im dritten Fall waren der 26-jährige Peter Seiffert und seine Bekannte, die 23-jährige Helga Kortmann. Beide Leichen wurden nach einem Feuer einer Strohmiete gefunden. Laut Obduktion waren sie allerdings bei Feuerlegung bereits tot. Beiden Opfern waren >>mit stumpfer Gewalt erhebliche Kopfverletzungen beigebracht worden.<< Helga Kortmann wurde vor der Tötung an beiden Handgelenken gefesselt. Auf Peter Seiffert wurde geschossen.

    Dem ermittelten Angeklagten trauten auch die 200 im Gerichtssaal geladenen Gäste keinen Mord zu. Stephan Harbort kommentiert das Aussehen des Haupttäters Erwin Reichensteins während der Verhandlung im Jahr 1959 wie folgt:
    "..., ein offenes, freundliches Gesicht; wache, braune Augen, volles, kastanienbraunes >>preußisch<< kurz geschnittenes, nach links gescheiteltes Haar. Er lächelte fast belustigt, wirkte selbstsicher. Man hätte sich das >>Monster<< ganz anders vorgestellt."
    Über den Mittäter und Kronzeugen Fritz Büning schreibt Harbort "Während der Untersuchungshaft einen Selbstmordversuch unternommen. Auch der frisch gebügelte, dunkelblaue Anzug konnte über die offenkundige Unsicherheit und Unbescholtenheit des Mannes nicht hinwegtäuschen. Nur hin und wieder sah er scheu in die Runde, sonst hielt er seinen Kopf gesenkt."

    Erwin Reichenstein sprach (Zitat Harbort) "..., ruhig, gefasst, flüssig, knapp."
    Seinen leiblichen Vater hatte Reichenstein nie kennen gelernt. Seine Mutter brachte ihn im Jahr 1928 zur Welt, als sie gerade einmal sechzehn Jahre alt war. Sie heiratete im Jahr 1941, wodurch er den Nachnamen Reichenstein, den seines Stiefvaters, annahm. Zwischen den Jahren verfolgte ihn allerdimgs ein roter Faden: Die Mutter wollte ihn nie haben, wodurch er bei seinen Großeltern unterkam. >>Dort funktionierte es aber nicht<<, wie Reichenstein während der Verhandlung argumentierte, so kam er als 7-jähriger zu Pflegeeltern. Nach gerade mal zwei Monaten musste er wieder zurückgeholt werden. Desweiteren folgten eine Unterbringung in einer Kinderpflegerinnenschule, in einem Kinderheim, und andere. Außerdem bei einem Bauern, wo er zwei Mal ausbüchste - >>Daort ging es mir nicht gut.<< und >>..., haben mich häufig zu Unrecht geschlagen", kommentierte er. Bei seinen Mitschülern war er allerdings genauso wenig beliebt.
    Medienberichte, in denen es um ihn und seine Taten ging, kommentierte Reichenstein folgendermaßen:
    "Rätselhafter Fall war ein beinahe perfektes Verbrechen."
    Reichenstein: >>Was heißt hier `beinahe`! Schmierfinken!<<
    "Die Düsseldorfer Kriminalpolizei steht vor ihrem schwersten Mordfall der Nachkriegsgeschichte!"
    Reichenstein: >>Wie wahr! Und an mir werdet ihr euch die Zähne ausbeißen!<<
    "Von dem Ford M15, in dem die Leichen der beiden Ermordeten im Baggerloch gefunden wurdn, fehlt an der rechten Tür eine solche einen Meter lange zwei Zentimeter breite und sechs Millimeter hohe Chromzierleiste."
    Reichenstein: >>Verloren? Ihr Ahnungslosen. Bin doch kein Anfänger! Ihr wisst wohl nicht, mit wem ihr es zu tun habt!<<
    "Das Geheimnis des Baggerlochs. Tod eines jungen Brautpaares noch ungeklärt (...). Auffällig waren seine hohen Ausgaben und seine elegante Kleidung. Er war Stammgast in guten, teuren Lokalen."
    Reichenstein: >>Hab` ich doch richtig geguckt. Wer so seinen Wagen führt, mieser Bonze. Schmarotzer. Das hast du jetzt davon! Und die feine Dame. Musste mit weg! Hätte ja auch mal den Mund aufmachen können. Jetzt nicht mehr!<<
    Und dann zitiert Harbort einen Satz des Mittäters Büning, den ich persönlich für maßgebend halte, weil er (Reichenstein) seine Taten, seine Morde rechtfertigt: "Jedesmal, wenn man in die Nähe von Autos mit Liebespaaren gekommen sei...", sagte Büning, "..., habe Reichenstein über die >>Kapitalisten<< geschimpft, die sich >>Autos und Frauen und alles<< kaufen könnten.
    Als Reichenstein bei einem solchen Spaziergang einen parkenden Wagen >>beschleichen<< und die Insassen >>aufs Korn nehmen<< wollte, um sie zu berauben und >>die Alte flachzulegen<<, habe er (Büning) sich geweigert. Daraufhin habe Reichenstein >>ganz wütend<< gedroht >>Du stirbst keinen schönen Tod! Du kriegst die Nieren durchlöchert und nicht einfach einen Fangschuss!<<
    Zu Reichensteins Motiven zählte auch das Morden aus Habgier, seit Kain und Abel neben Hass, Neid und Eifersucht eines der ältesten Mordmotive der Welt.

    "Um eine Serientäterschaft annehmen oder feststellen zu können...", schreibt Harbort im Epilog, "..., stehen dem Kriminalisten mehrere Methoden zur Verfügung. Zunächst das so genannte Modus-Operandi-System. Demzufolge ist zu prüfen, ob einzelne Tathandlungssequenzen oder Rahmenbedingungen bei verschiedenen Verbrechen den Modus Operandi desselben Täters abbilden. Die Tathandlungen basieren auf rationalen Überlegungen und Entscheidungen, die ausnahmslos instrumentell, strategisch, pragmatisch ausgerichtet sind."

    Stephan Harbort besuchte Erwin Reichenstein im Jahr 2003 in dessen Wohnung. Reichenstein war zu dieser Zeit bereits fünfundsiebzig Jahre alt und hatte insgesamt vierunddreißig Jahre seine verpfuschten Lebens in Gefängnissen verbracht.

    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Der klare Blick (ISBN: 9783426787625)

    Bewertung zu "Der klare Blick" von Stephan Harbort

    Der klare Blick
    RalfEbersoldtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sicher habe ich jetzt, nach dem Lesen von "Der klare Blick" einen besseren (Durch-)Blick, habe einiges dazugelernt.
    Wer Menschen besser verstehen möchte, sollte bei sich selbst anfangen können.

    Sicher kennen viele von uns die Situation, wenn man über Stunden intensiv mit einem kniffligen und/oder anstrengenden Thema beschäftigt ist. Man streckt die Arme, man reckt sich, man reibt sich die Augen, und “wie durch ein Wunder“ hat man den klaren (Durch-)Blick.

    In puncto Fallanalyse festgefahren zu sein, ist - davon gehen wir einfach mal aus – sicher für keinen der Beteiligten angenehm. Erst recht dann nicht, wenn Menschen durch (Un-)Taten Anderer einen geliebten Menschen verloren haben.

    Stephan Harbort dürfte solche Situationen sehr gut kennen. Er ist 1964 in Düsseldorf geboren, Kriminalhauptkommissar, seit den 1980er Jahren bei der Polizei, und hat sich seit mehr als 20 Jahren auf Serienmorde und auf die dazugehörige Fallanalyse spezialisiert. Den Begriff “Serienkiller“ hat er – auch international – entscheidend mitgeprägt.

     

    Harbort war bisher auch in Fernsehsendungen zu sehen, in denen er Hinterbliebene und Angehörige von Serienmördern begleitet und ihnen die Augen geöffnet hat. Insbesondere ehemalige (Ehe-)Partnerinnen- und Partner haben nach Verhaftung auch weitere Verluste und Niederlagen hinnehmen müssen.  „Wo und ab wann hätte ich etwas von ihrer bzw. seiner Neigung merken müssen?“
    In seinem Buch “Der klare Blick“ aus dem Jahr 2016 verhilft er uns anhand wissenschaftlicher Daten- und Fakten, unser eigenes Verhalten, aber auch das anderer, besser einschätzen zu können.

     

     

     

    Alltagshypothesen

     

    Fall 1:

    Ein älteres Ehepaar, 68 und 70 Jahre alt, ehemalige Besitzer einer Metzgerei, wird erhängt in ihrem gemeinsamen Haus aufgefunden. Teils entkleidet. Beide waren massiver Gewalt ausgesetzt. Alles ist durchwühlt. Abwehrverletzungen sind bei beiden nicht vorhanden.

     

    „Kriminalistisches Denken ist vornehmlich darauf ausgerichtet…“, schreibt Harbort, „…, fallbezogen und etappenweise neue Erkenntnisse zu generieren, indem alle zur Verfügung stehenden Quellen (beispielsweise Spurenträger, Etappenaussagen Gutachten oder Beweismittel) berücksichtigt und auf ihre Tatrelevanz bzw. Beweisqualität geprüft werden. Im Wesentlichen geht es darum, möglichst realitätsnahe Gedanken- und Sinneszusammenhänge herzustellen.

     

    Nur wenn es gelingt, möglichst viele Ideen aus einem Sachverhalt abzuleiten, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit eines Volltreffers auf ein Vielfaches. Wer sich indes nur auf jene Vermutung verlässt, die ihm – aus welchen Gründen auch immer – besonders einleuchtend erscheint, der beraubt sich unnötigerweise seiner intellektuellen Qualitäten und wird zwangsläufig Opfer der eigenen gedanklichen Einengung.“

    Im Mordfall an die ehemaligen Besitzer der Metzgerei gibt es drei Zeugen, alle drei waren an diesem Abend während des Mordes als Spaziergängers am Haus des Geschehens vorbei gegangen: einen Vater, dessen 20-jährige Tochter, und dessen 17-jähriger Sohn. Alle drei Personen hörten die Hilfeschreie, doch sie vermuteten ein Wehgeschrei, durch eine Kolik hervorgerufen.

     

    Harbort dazu:

    „Das Verhalten des Vaters und seiner Kinder offenbart aber noch ein weiteres häufig zu beobachtendes Versäumnis bei der alltäglichen Hypothesenbildung – die unterlassene oder einseitig vorgenommene Überprüfung der eigenen Annahme: fehlende bzw. fehlerhafte Bedingungskontrolle. Es hätte im vorliegenden Fall nichts dagegen gesprochen, bei der Metzgerei zu klingeln und nachzufragen, ob tatsächlich jemand erkrankt ist, ob möglicherweise ärztliche Hilfe benötigt wird – schließlich waren die Familie Krauss keine fremden Menschen, denen man nicht zu nahe treten möchte. Stattdessen waren der Vater und seine Kinder eine Zeitlang vor der Metzgerei und bewerteten das Ausbleiben weiterer Schreie unkritisch als Bestätigung im Sinne ihrer Annahme, es liege ein Krankheitsfall vor, der in Wirklichkeit ein Mordfall war.



    Alltagshypothesen beeinflussen entscheidend, wie wir soziale Gegenstände beurteilen, wie wir denken, fühlen, ob wir handeln oder untätig bleiben – auch wie erfolgreich wir sind, hängt entscheidend davon ab.

     …


    Alltagshypothesen taugen in erster Linie als Basis für Entscheidungen und Prognosen, die auf gewöhnliche Ereignisse oder bekannte Problemstellungen abzielen – sie sind im übertragenen Sinne die Verhaltens-DANN des Menschen
    “Es wird schon irgendwie gutgehen".

    Harbort unterteilt in: Operative Fallanalyse, Sequenzierung…

    „In dem sich nun anschließenden Verfahrensschritt müssen die Fallanalytiker das Täterverhalten sequenzieren und eine zeitliche Abfolge festlegen. Dabei stellen sich immer wieder dieselben Fragen: wann hat der Täter welche Entscheidung getroffen? Gab es ggf. Handlungsalternativen?“

    Im Abschnitt “Alltägliche Fallbearbeitung“  schreibt Harbort:

    „Derlei Abgründe tun sich in meinem Privatleben zwar nicht auf, dennoch habe ich in den vergangenen 20 Jahren gelernt, die Methodik bzw. Qualitätsstandards der operativen Fallanalyse, aber ebenso Praktiken und Verfahrensweisen der Sachverhaltsforschung bzw. Tatermittlung bei Bedarf als Werkzeug-System bei Bedarf auch privat zu nutzen.“

    Auch wird Harbort ungewohnt autobiographisch. Im Abschnitt “Welcher Beruf passt zu mir?“ reflektiert er sich selbst, er schildert, wie er bereits im zarten Alter von 14 Monaten – wider der Erwartungen seiner Mutter – dem Laufstall entkommen konnte (Gefängnisse scheinen es ihm angetan zu haben…), um sich ein Stockwerk nach unten zu begeben und sich dort am Rockzipfel seiner Mutter hochzuziehen.

    Weiter erzählt er von einem unerwarteten Erfolg während eines Vorlesewettbewerbes in der Schule (weil unvorbereitet gestartet), und von seiner kleinen “Karriere“ als Laiendarsteller am Schultheater.

    Im vorletzten Fall des Buches geht es um die Serienkindsmörder Jürgen Bartsch und Erwin Hagedorn (beide Fälle werden noch heute vielfach in den Medien in der Kategorie “Deutsche Kriminalgeschichte“ gesendet), im letzten Fall ist etwas zu lesen, was – ich persönlich! – noch viel schlimmer finde, als die Handlungen pathologisch-kranker und pervers-sadistischer Kindsmörder:
    Ein 5-jähriges Mädchen verschwindet beim Spielen zunächst spurlos. Noch am selben Tag wird nach dem Kind polizeilich gefahndet – ergebnislos, die Kindesleiche wird am nächsten Tag gefunden, das Kind wurde mit seiner eigenen Strumpfhose erwürgt. Die Eltern reagieren emotionslos und beteuern ihre Unschuld. Nach Monaten werden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt. Im Jahr 2005 meldet sich eine Frau, die zu diesem Zeitpunkt wegen Diebstahls kurzzeitig im Gefängnis sitzt. Sie ist im selben Alter, in dem das einst getötete Mädchen zu diesem Zeitpunkt gewesen wäre. Was auch gar nicht verwunderlich ist, denn sie ist eine frühere Freundin der Verstorbenen, und ist am Tag der Tötung auf ihrem Fahrrad der damals 26-jährigen Mutter auf dem Fahrrad gefolgt (sie hatte ihre Tochter auf dem Gepäckträger9, und mitverfolgen können, wie die Frau ihre eigene Tochter erwürgt hatte. Erst viele Jahre später konnte die Zeugin davon berichten.

    Im Abschnitt “Wenn es keiner gewesen sein will“ beschreibt Harbort einen Fall aus seinem Privatleben. Am Morgen nach einem gemeinsamen Abend mit einem befreundeten Ehepaar findet er auf dem Küchentisch eine Cola-Lache, eine unverschlossene Cola-Flasche mit Schraubverschluss in Reichweite sowie Brotkrümel vor. Sofort begibt er sich auf Spurensuche, er sequenziert und analysiert. Am Ende dieses Abschnitts schreibt er:

    „Die fallanalytisch geprägte Betrachtungsweise ermöglicht es Ihnen überdies, der Problematik des Einzelfalls nicht (nur) intuitiv begegnen zu müssen. Auch lernen sie informatorische Unsicherheit, aber auch emotionale Zwiespältigkeit in ihrem Sinne zu instrumentalisieren, sofern Sie sich vorher an objektiven Daten orientieren und die zu bearbeitenden Sachverhalte möglichst vollständig nachvollziehen.
    Ein letzter Hinweis noch, der mir besonders wichtig erscheint: Bei der Fallanalyse ist weniger der intellektuelle Einzelgänger gefragt, sondern der Teamplayer. Das Wissen des Einzelnen ist begrenzt, verschiedene Einsichten und Ansichten in den Prozess der Fallanalyse einfließen zu lassen, hat sich vielfach bewährt.

    Probieren Sie es doch einfach mal aus!“

     

    Ein Buch von Stephan Harbort zu lesen, in dem keine richterlichen- und psychologischen Gutachten verarbeitet sind, war mir bisher neu. Umso überraschender die zahlreichen Tipps und Phasen der operativen Fallanalyse.

    Bevor man ab nun eine Brille mit Rastermuster trägt, damit man seine Mitmenschen besser ein- bzw. zuordnen kann, sollte man sich auf Rückschläge einstellen. Denn eine Berufsausbildung oder gar ein Studium wird dieses Buch nicht ersetzen können.

     

     

    Mit besten Empfehlungen

    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Mörderischer Fastelovend (ISBN: 9783941557697)

    Bewertung zu "Mörderischer Fastelovend" von Bernhard Hatterscheidt

    Mörderischer Fastelovend
    RalfEbersoldtvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wer besitzt mehr kriminelle Energir: Ein Hase oder ein Mönch (und das zu Karneval)? Ein spannender Krimi von Berhard Hatterscheidt
    "Mörderischer Fasteloven" - Ein Krimi über einen Mönch und den Wolf im Hasenpelz.

    Ein Hase hoppelt von Loch zu Loch und warnt seine Mümmelmänner mit einem Pfotenklopfen auf die Erde bei drohender Gefahr. Aber seit wann kennen wir Hasen als Raubtiere bzw. seit wann morden Hasen?! An Karneval oder an “Fastelovend“, wie der Kölner auch sagt, ist vieles möglich.

    Kriminalhauptkommissar Bernhard Hatterscheidt, im Jahr 1965 in Essen geboren, arbeitet seit 1982 bei der Polizei. Nach seiner Ausbildung zum Kriminalkommissar kam er 1996 zur Kölner Kriminalpolizei, wo er sieben Jahre lang enger Mitarbeiter des Leiters der Kölner Kripo gewesen ist. Heute bearbeiteter als Kriminalhauptkommissar Amts-und Korruptionsdelikte.



    In einem Grill-Imbiss in der Kölner Keupstraße wurde Ralf Baum mit einer Pistole ins Auge geschossen, er verstarb noch vor dem Aufprall auf den Boden, so vermutete der Gerichtsmediziner später während der Obduktion. Laut dem Inhaber des Grills, der türkischer Herkunft ist und wenig Deutsch sprach, wie Kriminalhauptkommissar Westhoven später während der Vernehmung feststellen durfte, trug der Täter ein Hasenkostüm. Er drückte wortlos den Abzugshahn und drohte dem Imbissbesitzer, falls er was sagen würde.

    Elke Schwarz, die Schwester des getöteten Mannes zeigte Rührung, konnte es kaum fassen, dass ihr Bruder nun tot war. Sie sagte aus, dass ihr Ehemann und ihr Bruder gut befreundet gewesen sei. Zur Überraschung der Kriminalbeamten verhedderte sich dieser später jedoch in Ausreden.
    In den Verdacht der Kripo geriete auch die Ex-Freundin des Getöteten. Sie bestätigte der Kripo die Aussage von Elke Schwarz, dass sie sich nach 2 Jahren plötzlich trennte, und begründete die aprupte Trennung mit seinen perversen Internetgeschäften. Ins Detail gehen wollte sie jedoch nicht, es war ihr zu unangenehm.

    Einen Tag später, Westhoven war gerade mit seiner Frau mitten im privaten Karnevalsgeschehen, als er zunächst einen Anruf abwies und später auf eine SMS reagierte, und via Anruf erfuhr, dass eine Frau namens Susanne von Ehlen  umgebracht wurde. Diese Frau war lediglich mit Strapsen und Strümpfen bekleidet, und ihr steckte ein Messer bis zum Griff im Bauch, außerdem wurde ihr der Schädel eingeschlagen. Neben ihrem Bett lagen Kleenextücher und jede Menge Kondome, also offensichtlich eine Prostituierte.

     Westhoven besichtigte zusammen mit den Kollegen der Spurensicherung die Wohnung der Toten. In ihrem Schrank, den Westhoven vorsichtig geöffnet hatte, fand er eine Webcam und in einem anderen Schrank jede Menge Kostüme, also vermutlich eine zusätzliche Geldeinnahmequelle. Auf einen Notizblock hatte sie Daten und Uhrzeiten der Kundenbesuche festgehalten, außerdem die Art der Bezahlung, also bar oder Konto, und auch die sexuellen Vorlieben der Kunden. Auf diesem Notizblock hatte sie auch einige Monate zuvor den Namen “Ralfi B.“ sowie das Datum des Besuchs und dahinter “teen“ notiert.

    Als später Westhovens` Kollegen Dember und Gerber die Wohnung des getöteten Ralf Baum durchsuchten, entdeckten sie in einer Zwischenwand des Wohnzimmerschranks hunderte DVDs mit Mädchen, die maximal 15 Jahre alt waren. Auch von der Prostituierten besaß er weitere Videos, in denen sie in Schulmädchenkleidung zu sehen war.

     

    Am Aschermittwoch wurde im Volksgarten eine dritte Leiche gefunden. Es handelte sich um eine 21-jährige, die in einer streng gläubigen protestantischen Familie aufgewachsen war, noch zu Hause wohnte, und optisch wesentlich jünger aussah.

    Elke Schwarz durchsuchte später heimlich den Schreibtisch ihres Gatten, weil dieser auf eine Frage von ihr ungewohnt aggressiv reagierte. Im Schreibtisch fand sie einen Briefumschlag, den sie vorsichtig mit Wasserdampf öffnete. Sie fand darin pornographische Bilder mit Minderjährigen.

    Noch am Rosenmontag, und noch bevor Westoven erstmals die Wohnung von Ralf Baum aufsuchte, hatte Westhovens Ehefrau, übrigens eine Blondine, die ohne ihren Mann Karneval feiern musste, eine Begegnung mit einem als Mönch verkleideten Mann mit auffallend rotem Kopfhaar, der sie zunächst auf ein Kölsch einlud. Anna Westhoven reagierte gelassen und zeigte ihm ihren Ehering am Finger. Daraufhin wurde der Mann hartnäckig und zugleich respektlos, indem er fragte, wo denn ihr lieber Göttergatte nun sei.  Als sie antwortete, dass ihr Mann bei der Kripo arbeitete und dienstlich unterwegs war, vermutete er, dass ihr Mann (Zitat): >>…, bestimmt bei dem Nuttenmord.<< sei. Darüber sei im Radio berichtet worden. Nachdem er noch hinzufügte, dass – seiner Ansicht nach – Nutten grundsätzlich ein gefährliches Leben führen, und dies auch so wollen, schlich sie sich nach draußen und fuhr mit dem Taxi davon. >>Ein mörderischer Fastelovend<<, wird der Gerichtsmediziner später bemerken.

    Beide getöteten Frauen hatten blondes Kopfhaar und eine kindliche äußerliche Erscheinung. Außerdem waren beide nach der Tötung mit gespreizten Beinen zur Schau gestellt worden.

    Am Veilchendienstag, also einen Tag nach Rosenmontag, meldete sich eine Taxifahrerin als Zeugin und erschien im Präsidium mit einer äußerst interessanten Nachricht: Sie berichtete nämlich, dass sie am Karnevalssamstag einen in einem Hasenkostüm gekleideten Fahrgast hatte. Und zwar etwa zur Uhrzeit, als Ralf Baum erschossen wurde.


    Später erfuhr die Kripo, weshalb Uta Palanke so furchtbare Angst vor Manfred Schwarz hatte. Dieser behandelte sie nämlich oftmals sehr ruppig und gestikulierte mit Gewalt, wenn sie nicht tat, was er wollte, außerdem war er Zuhälter eines Pädophilenrings.

    Dass einige Tage später mitten in der Kölner Innenstadt ein Mann von einem anderen Mann vor die gerade losfahrende Bahn gestoßen wurde und dabei ums Leben kam, sorgte nun endgültig für schlechte Stimmung im Polizeipräsidium.

    Eigenen späteren Angaben nach wurde der Täter noch in der Bahn von drei jungen Männern und einer jungen Frau aufgrund seiner kupferroten Haare gemobbt. Mittels mehrerer Zeugenaussagen konnte ein Phantombild gezeichnet werden, welches in der lokalen Zeitung gedruckt wurde. Der Nachbar des Täters meldete sich daraufhin bei der Kripo  und identifizierte ihn anhand des Bildes.

    In dessen Wohnung, welche die Kriminalbeamten in einem katastrophalen Zustand vorfanden, konnten unterm Bett ein Mönchskostüm und in der Nachttischschublade jeweils ein ausgeschnittener Zeitungsartikel über die Ermordung an Susanne von Ehlen und an Elisabeth Düster festgestellt werden.  Als Westhoven ihn schließlich eindringlich darauf an sprach, begann er in zwei Vernehmungssitzungen freudig darüber die beiden Morde zu erzählen, als hätte er die Taten während der Vernehmungen noch einmal erlebt. Auch von einem kurzen Gespräch attraktiven Blondine erzählte er, die er (Zitat) >>Geile Schlampe<< nannte. Während seiner Taten und während der Vernehmungen stellte er sich vor, so sagte er selber aus, dass er seine Mutter tötete, die ihn alleine großziehen musste und ihn seit frühester Kindheit schlug, und häufigen Sexkontakt mit verschiedenen Männer gegen Bezahlung hatte und dabei stets eine Perücke mit blonden Haaren trug.

    Der Täter, der Rolf Baum erschoss, besaß etwa ebenso viele Kostüme wie Susanne von Ehlen und Uta Palanke.



    Hauptkommissar Paul Westhoven ist zum zweiten Mal verheiratet. Während in seinem Privatleben seine Frau die Hosen an hat, genießt bei seinen Kollegen, insbesondere bei Heinz Dember und bei Jochen Gerber, den Ruf, strebsam zu sein, und lässt im Job kaum Privates durch blicken. Hat er sich erst mal in einen Fall verbissen, lässt er nicht mehr los, weshalb ihm auch den Beiname “Terrier“ zugesprochen wird. Seine Hartnäckigkeit hinterlässt bei manchen Zeugen den Eindruck nach mehr persönlichem Interesse als notwendig, so zum Beispiel bei Uta Palanke, der langjährigen Freundin der getöteten Prostituierten, und er sich von ihr – im Rahmen der Ermittlungen – den Aufbau einer Amateur-Pornoseite zeigen lässt und sie ihn missverständlich anbaggert. Immerhin ist Westhoven professionell genug, um abzulehnen.

    Im Roman verliebt sich Heinz Dember in die attraktive Gerichtsmedizinerin Doris Weber, die ihm allerdings über Wochen verschweigt, dass er nur der Nebenbuhler ist, weil ihre Wochenenbeziehung ihr eigentlicher Lebensinhalt ist. Während dem letzten Treffen zwischen ihr und Dember sagt sie es ihm erst, fühlt sich einen Augenblick später doch zu ihm hingezogen, und verlässt ihn wegen des gerissenen Kondoms dann doch. Am Ende ist sie von Heinz Dember schwanger.
    Über Jochen Gerbers  Privatleben ist aus “Mörderischer Fastelovend“ nichts bekannt.

     

     

     

    Anmerkung Rezensent:

    Aus kriminalistischen Sachbüchern weiß ich, dass nicht wenige Psychopathen (Menschen mit Bewusstseinsstörungen und lediglich nutzbringend in der Lage sind, sich in andere hineinzudenken) und Soziopathen (Menschen, die weder gedanklich noch emotional beim Opfer sind, und nur ihren eigenen Vorteil sehen) gerne der Öffentlichkeit und auch der Justiz und der Polizei zeigen, dass sie schlauer sind als andere. Viele dieser Tätergruppen wurden innerhalb eines oder mehreren Entwicklungsstadien emotional gehemmt, was eine äußerst rationale Denkweise verursacht und dazu führt, dass sie nicht zu Ende denken, also irgendwann allgemein wie auch bei ihren Taten Fehler begehen – die sie selbstverständlich nicht reflektieren können.

     

    Für mich als Leser ist irreführend, dass der Autor (oder der Verlag?) hin und wieder mitten im Geschehen einen neuen Absatz beginnt und dort namenlos Handlungen beschreibt, die mit dem eigentlichen Geschehen nichts zu tun haben.

    Zum Beispiel beschreibt er, wie eine männliche Person im Radio von der Tötung an Elisabeth Düster erfährt und deshalb unmittelbar vor Verzehr einer Mahlzeit deshalb masturbiert.

    Noch besser (ironisch gemeint), als Manfred Schwarz zu Hause bemerkt, dass er alleine und seine Frau die Fotos im Schreibtisch bemerkt hat und er anschließend mit Uta Palanke im Video-Chat chattet.

    Unmittelbar darunter hat der Autor in einer neuen Zeile eine spätere Aussage von Frau Schwarz gegenüber der Kripo eingefügt. Mit der Vernehmung von Frau Schwarz geht es dann gar im nächsten Absatz erst weiter.

    Außerdem sind Gedankenzitate mal mit Satzzeichen gekennzeichnet und mal nicht.


    Inhaltlich ein gelungener Kriminalroman, der spannend, mit bewegenden Geschichten über Menschen aus dem Leben, und mit viel Leidenschaft geschrieben wurde.


    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Cover des Buches Ich musste sie kaputtmachen (ISBN: 9783770011742)

    Bewertung zu "Ich musste sie kaputtmachen" von Stephan Harbort

    Ich musste sie kaputtmachen
    RalfEbersoldtvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Bis zu seinem Lebensende erlebte Joachim Kroll nichts als Verschmähungen und Verleumdungen. Von allem hatte er nur eine Vorstellung.
    "Der Wolf im Schafspelz" - Rezension des Buches "Ich musste sie kaputt machen" von Stephan Harbort.

    Nach “Killerinstinkt“, “Killerfrauen“, “Aus reiner Mordlust“, “Das HANNiBAL-Syndrom“ und “Die Maske des Mörders“ ist dieses Buch, nämlich “Ich musste sie kaputt machen!“ für mich sowohl zum Lesen als auch zum Rezensieren die größte Herausforderung gewesen. In den anderen genannten Büchern erläutert Stephan Harbort anhand mehrerer SerientäterINNEN jeweils ein Thema. In diesem Buch definiert er anhand mehrerer Morde den als “Jahrhundertmörder“ in die Kriminalgeschichte eingegangene Joachim Georg Kroll.

         Der Düsseldorfer Kriminalhauptkommissar und Sachbuchautor Stephan Harbort untersuchte alle deutschen Serienmörderprofile seit 1945, außerdem hat er die Bezeichnung “Serienmörder“ auch international mitgeprägt. Deshalb ist ihm auch der Fall Kroll bestens bekannt. Man kennt Harbort als Gastredner in verschiedenen Fernsehsendungen mit kriminalistischen Themen und als Gast in verschiedenen Talk-Shows.

     

     

     

    Niemand im Gerichtsaal vernahm Joachim Kroll als ein Mann, der mehr als 20 Jahre lang mordete, die deutsche Justiz an der Nase herumführte. Insgesamt konnte man ihm 8 von 11 Morden sowie einen versuchten Mord nachweisen, die er auch alle gestand.

     

    Das Opfer Krolls versuchten Mordes, eine zum Tatzeitpunkt  20-jährige Frau, beschrieb ihn während der polizeilichen Vernehmung als klein, schmächtig, abstehende Ohren, stechender Blick, Stirnglatze, 3-Tage-Bart, insgesamt eine ungepflegte Erscheinung. Außerdem sprach er laut Aussagen anderer Zeugen und Nachbarn außer einem >>Morjen<< oder >>Tach<< stets sehr wenig, und wenn, dann in unvollendeten Sätzen, außerdem leise und unverständlich, manchmal nuschelte er.

     

    Sein  Lebens- und Leidensweg begann bereits in frühester Kindheit. Im Jahr 1933 geboren, wuchs er mit seinen Eltern, sein Vater war Bergmann, seine Mutter Hausfrau, und mit mehreren Geschwistern auf. Seine Eltern waren auch für die damaligen Verhältnisse arm, obwohl sein Vater berufstätig war, in einer der vielen Wohnungen, in denen sie wohnten, teilten sich mehrere Kinder ein Zimmer, Joachim Kroll schlief gemeinsam mit manchen seiner Geschwister in der Küche.

         Zu dieser Zeit (Mitte des 20. Jahrhunderts) war es noch üblich, dass der Mann Alleinverdiener war, und somit gleichzeitig auch das Familienoberhaupt. Eine alleinstehende und/oder geschiedene Frau mit Kindern wurde gesellschaftlich verpöhnt, weshalb so manche Ehefrau, Hausfrau und zugleich Mutter es missbilligend duldete, wenn der Vater die Kinder mit Gewalt für ihre (Un-)Taten bestrafte. Manche Väter gebrauchten dabei auch Gegenstände, und manche Kinder lernten dabei mehr als nur den Ledergürtel kennen. So auch Joachim Kroll.

         Manchmal hörte seine Mutter ihm ein paar Minuten lang zu, was allerdings sehr selten der Fall war, schließlich war sie Hausfrau und hatte noch mehrere Kinder zu versorgen. Außerdem wurden seine Geschwister üblicherweise vorgezogen bzw. sie hatten sich vorgedrängt, und er hatte hinten anzustehen.

     

    Dem Schulunterricht konnte er nie wirklich folgen, und er nässte bis spät ins Erwachsenenalter öfter ins Bett, weshalb sein Vater ihm bereits im Kindesalter prognostizierte, ein Versager, ein Taugenichts zu werden. Seine Geschwister ordneten sich dieser Meinung unter, die ihn folglich entweder mobbten, auch musste er die Fehler seiner Geschwister ausbaden, oder sie beachteten ihn gar nicht erst.

         Ohne Schulabschluss zog es ihn in die Welt hinaus, er wollte seinen Peinigern entfliehen. Nur hatte er ohne erlernten Beruf auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance – das Arbeitsamt gab es damals nicht, höchstens die “Stütze“, wie man sie damals mundartlich nannte.

          Zwar entwickelte er bereits in seiner Kindheit Interesse an elektronischen Geräten wie Radios und Fernseher, die er auch reparieren konnte und somit immer mal wieder jemandem einen Gefallen tat. Nur blieb ihm seine ersehnte Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker ohne Schulabschluss erspart. Auch hatte er ein Händchen für Motoren, konnte also auch Motorräder reparieren, nur konnte er auch damit beruflich nichts anfangen. Zeit seines Lebens schlug er sich also als Hilfsarbeiter mit Gelegenheitsjobs durch.  Immer wieder landete er als Hilfsarbeiter bei Bauern, wo er auch das Töten und das Ausweiden von Tieren gelernt hatte. Doch auch während seiner etlichen Arbeitsstellen hätte man ihn, wenn er nicht als >>faul!<< gegolten hätte, überhaupt nicht beachtet, konnte nirgendwo Anschluss finden.

     

    Da man ihn im Elternhaus auch als Mensch nicht wahrgenommen hatte, wurde er logischerweise auch zu Hause nicht sexuell aufgeklärt. Egal um was es ging: er hatte nur eine Vorstellung von allem. Somit war sein Sexualleben ebenso primitiv wie sein Lebenswandel. Sexualität kannte er nämlich aus Erotik-Zeitschriften wie den “St. Pauli Nachrichten“ und dergleichen. Seine ersten sexuellen Erfahrungen mit Mädchen und mit Frauen sollten auf sich warten lassen, deshalb probierte er sich selbst zunächst an Kühen, um herauszufinden, wie sich eine Vagina überhaupt anfühlt, was anderen Menschen an Sex überhaupt so wichtig ist - er wollte dazugehören.

         Seine erste sexuelle Erfahrung mit einem Mädchen hatte er kurz vor seinem 21. Geburtstag – und er hatte sich im Nachhinein gewünscht, diese Erfahrung nicht gemacht zu haben. Sie war damals 17 Jahre alt, nicht hässlich und im Umgang mit Jungs und mit Männern nicht unerfahren. Kroll ging mit ihr aus, von ihr erfuhr er Zuneigung, er verliebte sich sofort in sie. Vor lauter Angst, dass der Traum zerplatzen könnte, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte, kam er bereits beim Petting zum Orgasmus. Drei Tage später versuchten sie es erneut, aber wieder dasselbe Malheur. Das bereits erfahrene Mädchen konnte damit überhaupt nicht umgehen. >>Was soll das denn!<<, so ihr Kommentar. Und als es beim dritten Mal nicht besser wurde, war er nur noch die >>Pulle<<, die >>Lusche<<. Sie hatte genug: >>Jetzt reicht´s aber, du bringst es ja eh nicht. Hau ab!<<

    So erging es ihm nicht nur mit diesem Mädchen, sondern auch mit anderen Mädchen, und auch mit Frauen, auch mit denjenigen, die sich nicht ihm freiwillig hingegeben hatten. im Laufe der Jahre redete er sich immer öfter ein, dass es mit den Frauen nie klappen wird, weshalb seine Opfer mit den Jahren immer jünger waren.

         Während seiner späteren Streifzüge in den verschiedensten Orten und Städten hatte er einmal auf einer Wiese einem Pärchen beim Sex beobachten können, das erregte ihn.  Außerdem fand er noch viel später zufällig einen Parkplatz, in dem ein Paar den Beischlaf im Auto vollzog, wieder war er erregt. Diesmal schlich er sich sogar ganz nah heran. Der muskulöse junge Mann bemerkte den Spanner und stieg aus dem Auto, um ihn zu vermöbeln. Es kam zum Tumult, in dem Kroll irgendwann sein Messer, das er bei sich trug, zückte und es dem Mann in die Brust stieß, der letztlich innerlich verblutete. Dieser Mann war Krolls einziges männliches Opfer.

         Alle anderen Opfer reichten altersgemäß vom Grundschulkind bis hin zur 60-jährigen Frau. Kroll hatte kein bestimmtes Beuteschema, auch hatte er keine “Unterschrift“, seine Tötungen unterschieden sich im Detail, wenngleich all seine Opfer Rötungen am Hals aufwiesen, die der jeweiligen Obduktion nach durch erwürgen herbeigebracht worden waren.

         In seinen späteren “Wohnungen“ (es waren meist nur möblierte Appartements) befriedigte er sich mittels aufblasbaren Puppen. Er würgte sie, strangulierte sie, hängte sie auf, das erregte ihn. Er gierte förmlich danach, zu sehen, wie jemand stirbt, wie er die Macht über Leben und Tod haben kann – anstatt dass jemand Macht über ihn hat. Ein anderes seiner Opfer, ein Mädchen im Vorschulalter, hatte er gewürgt und in einem Bach ertrinken lassen, und dabei zugesehen, wie es, bereits im Bach liegend, noch zappelte. Beim letzten Opfer, einer 8-jährigen aus der umliegenden Nachbarschaft, fand er letztlich seinen “Höhepunkt“: er lockte sie in seine Wohnung, schmuste mit ihr, drückte sie, bis sie tot war, nahm sie auseinander, und “vernaschte“ sie sprichwörtlich. Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, weil das Toilettenabflussrohr durch Eingeweide verstopft war.

     

     

     

     

    Stephan Harbort schreibt im Nachwort (Zitat):

     

    >>Es fällt schwer, sich für das Schicksal dieser gefühlskalten und hoffnungslos überforderten Menschen zu erwärmen. Schließlich sind sie selbst und alleine schuld – jedenfalls juristisch. Aber hinter jedem `Monster` steckt auch ein Mensch. Und die Strafen, die wir verhängen und vollstrecken, sagen nicht nur etwas über die Gesinnung und das Wesen der Täter aus. Können wir es uns unter dem verfassungsmäßig garantierten und alles überstrahlenden Aspekt der Menschenwürde leisten, an diesem unbestreitbaren elend vorbeizuschauen, es zu ignorieren, bis der Tod des Delinquenten die (Er-)Lösung bringt?

    Wenn wir nicht selbst zu Tätern werden wollen, müssen wir uns der Diskussion stellen. Also: wohin mit ihnen?<<

     

    Joachim Georg Kroll, der einstige Sexualmörder, verstarb im Jahr 1991 einsam im Gefängnis. Ihm wurde nie die Möglichkeit gegeben, ein fertiger Mensch zu werden.  Manche/r würde mundartlich etwa urteilen "Doch: mit den Nerven und mit sich selbst!" - wohl würde aber sicher niemand sagen, dass dieser Mann sprichwörtlich “eine arme Sau“ gewesen ist, sondern, wie etwa  einige aufgebrachte Bürger damals, ein “perverses Schwein!“, dem man den Tod wünscht.

         Die Schnelllebigkeit scheint nicht zuzulassen, dass wir anderen zuhören – es sei denn, es geht um Sensationslust, und manchen anscheinend darum, andere “fertig zu machen“. Wir haben keine Zeit, manche noch nicht mal für sich selbst. Was wäre wohl aus Menschen wie Joachim Kroll geworden, wenn es den letzten Weltkrieg nicht gegeben hätte? In welcher Welt wäre Joachim Kroll aufgewachsen, wie wäre er geworden?

         Während die Kriminalistik und die Kriminalpsychologie durch neue Kenntnisse weiterentwickelt worden sind, scheint die Menschheit stehengeblieben zu sein: Wir (alle) machen es uns im Einschätzen anderer Menschen sehr einfach, wir urteilen und verurteilen. Als möglichen Selbstschutz? Die vielen heutigen Möglichkeiten, sich mitzuteilen, verleiten manche sogar dazu, möglichst viel aus ihrem Leben und möglichst viel aus ihrer Emotionswelt von und über sich preis zu geben. Stellt sich doch automatisch die Frage: Wie hätte Joachim Kroll agiert und gelebt, hätte er unsere heutigen Möglichkeiten gehabt? Vermutlich hätte er – wie andere es heutzutage auch tun – seine Opfer bereits im Internet auserkoren, vielleicht aber auch nicht, weil er sich hätte jemandem anvertrauen können, er also diese Dämonen, die ihn jahrzehntelang begleiteten und mit denen er klar kommen musste, nie kennengelernt hätte.

     

    Wenn ein Joachim Kroll fragte >>Willste poppen?<<, dann genügte ihm hinsichtlich seiner primitiven und geistig unterbelichteten Art zum einen das Vokabular vollkommen, um alles auszudrücken, das Kind beim Namen zu nennen, und zum anderen war es aus seiner Sichtweise vollkommen korrekt und ehrlich, dass er vorher fragte. Allerdings war er aufgrund seiner Lebenserfahrungen nicht in der Lage, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Zwar konnte er bereits als Kind beurteilen, dass ihm die Art, wie er von allen behandelt wurde, nicht gefallen hat, allerdings wurde er von allen immer nach demselben Muster behandelt – nämlich negativ, und das hatte ihn geprägt. Und eben wegen seiner Kindheitserfahrungen kamen Wörter wie positiv und bzw. oder negativ in seinem Wortschatz erst gar nicht vor, die Kriminalbeamten mussten ihm erläutern, was gemeint ist.

        

    Der Maslow-Pyramide entsprechend von unten begonnen, nämlich physiologische Bedürfnisse (Grundbedürfnisse, dazu zählt neben Essen, Trinken und Schlafen auch der Sex), Sicherheitsbedürfnisse, und soziale Bedürfnisse  hatte Joachim Kroll nie kennengelernt, ganz zu schweigen von den Individualbedürfnissen und der Selbstverwirklichung an der Spitze der Maslow`schen Pyramide. Empathie für andere, also sich auch emotional in andere Menschen hineinversetzen zu können, konnte er nie entwickeln, weil selbst nie kennen gelernt. Je älter man wird, desto immer schwieriger wird es, jemanden in die sprichwörtlich “richtige Spur“ zu bringen, denn Empathie ist kein Brettspiel, sondern Empathie entwickelt man bestenfalls zu Hause, nämlich während der prägendsten Jahre, also während der eigenen Kindheit.

         Übrigens entspricht das Profil des mundartlich “typischen Psychopathen“ eher in selteneren Fällen dem seelisch, geistig und körperlich verkümmerten Einzelgänger, auch wenngleich Joachim Kroll zu dieser Gruppe zählte. Nicht wenige Psychopathen, egal welchen Geschlechts, sind berufstätig und führen nach außen hin ein scheinbar unbeschwertes (Familien-)Leben.

         Und eben die Spur von Kroll war genau in diesem Stadium, in dem er bis zum Ende lebte, und in das er auch seine Opfer brachte: kaputt! Denn aus seiner primitiven, unterentwickelten Sichtweise hatte er nicht getötet oder gemordet, sondern, wie er sagte “kaputt gemacht.“


    Mit besten Empfehlungen
    Ralf Ebersoldt

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    Das Schreiben habe ich Ende der 90er Jahre für mich entdeckt. Nach einem riesigen Datenverlust wegen eines defekten Rechners sind von meinen ursprünglichen Werken nur wenige übrig geblieben, ein paar meiner früheren Werke findet man mit Angabe meines realen Namens in Google. Rezensionen verschiedenster Werke veröffentliche ich mit meinem realen Namen, eigene Werke veröffentliche ich unter einem Pseudonym (siehe Webseite).

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