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RenaM

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RenaM hat gelesen…
37 Bücher im Jahr 2026

Cover des Buches Arrivederci am Lago Maggiore (ISBN: null)
Buch wurde am
05. Mai beendet
Cover des Buches Das Gedächtnis der Tiere (ISBN: null)
Buch wurde am
29. April beendet
Cover des Buches Ein Ort, der bleibt (ISBN: null)
Buch wurde am
25. April beendet
Cover des Buches Böse Aussicht (ISBN: null)
Buch wurde am
21. April beendet
Cover des Buches Widdersehen (ISBN: null)
Buch wurde am
20. April beendet
Cover des Buches Mord in der Pension Möwennest (ISBN: null)
Buch wurde am
17. April beendet
Cover des Buches Tee, Tod und die versiegelte Tür (ISBN: null)
Buch wurde am
13. April beendet
Cover des Buches Ein Huhn kommt selten allein (ISBN: null)
Buch wurde am
11. April beendet
Cover des Buches Und sie schenkten ihnen ein Zuhause (ISBN: null)
Buch wurde am
08. April beendet

Rezensionen und Bewertungen

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Cover des Buches Ein Ort, der bleibt (ISBN: 9783463000671)

Bewertung zu "Ein Ort, der bleibt" von Sandra Lüpkes

RenaM
Kurzmeinung: Ziemlich langweilige Geschichte um drei Frauen und einen Garten zu unterschiedlichen Zeiten
Sandra Lüpkes - Ein Ort, der bleibt

Die Autorin Sandra Lüpkes ist sehr erfolgreich mit ihren immer gelungenen Kriminalromanen und als Drehbuchautorin (Wilsberg, Friesland u.ä.). Aber auch mit historischen Romanen konnte sie mich bislang überzeugen.

Diesmal allerdings fand ich den Roman um den Botanischen Garten in Istanbul und drei Frauen mit ihrem Sorgen unendlich langweilig und dröge. Es geschieht so gut wie nichts, es gibt zu viel Beschreibung, ellenlange Auflistung von Wegen und Straßen, die die Protagonistinnen entlanggehen und dazwischen viel um Pflanzen und Blumen.

Im Mittelpunkt steht einmal Magda Heilbronn, eine Professorengattin aus Münster, die mit ihrer Familie 1933 in die Türkei auswandert, da ihr Mann Jude ist und nicht arbeiten darf. Ihr Mann Alfred ist Botaniker und wird nach Istanbul berufen, um dort an der Uni zu lehren und den Botanischen Garten aufzubauen.

Ihm zur Seite gestellt wird die Doktorandin Mehpare, die gleichzeitig für ihn übersetzt. Sie genießt die zu dieser Zeit stattfindenden gravierenden Umwälzungen in der türkischen Gesellschaft, die ihr als Frau z.B. erlauben, zu studieren.

Und dann gibt es noch den Erzählstrang, der im Heute spielt und dessen Hauptfigur ist Imke, Stadtplanerin, die mit ihrem Kollegen bzw. Chef nach Istanbul geschickt wird, um dort alte Gebäude und Komplexe zu sanieren oder umzugestalten. Dazu gehört auch der Botanische Garten.

Trotz der mit der Geschichte der Nazizeit verbundenen Story um Magda ist auch diese wenig fesselnd und wenig interessant. Es wird furchtbar viel geredet um Dinge, die die Handlung aber weder voranbringen noch packende Informationen enthalten. Es treten sehr viele Figuren auf, deren Hintergründe nicht immer wirklich von Belang sind. Insgesamt sind alle Figuren eher blass, distanziert, wecken keine Empathie, kein Mitfühlen.

Mehpare wäre noch die interessanteste Figur, aber auch ihre Geschichte wird eher dröge erzählt und kann nicht recht überzeugen oder fesseln. Am nervigsten aber war der Erzählstrang um Imke, eine ebenso unsympathische und uninteressante Figur, wie auch ihr Vorgesetzter Kai, ein schrecklich arroganter Chauvi. Der Sinn dieser Perspektive erschloss sich mir überhaupt nicht, das hätte es grundsätzlich nicht gebraucht.

Dazu der viel zu häufige Wechsel der Erzählperspektiven, so dass man immer dann, wenn man endlich wieder halbwegs hineingefunden hatte in eine Handlung, sofern es überhaupt eine gab, die diesen Namen verdient, gleich wieder rausgerissen wurde. So gab es nach Seite 300 plötzlich sogar noch weitere Perspektiven.

Insgesamt war dieser Roman wirklich eine Enttäuschung für mich, ich hatte mir eine ähnlich packende und historisch interessante Geschichte erhofft wie in Sandra Lüpkes Roman „Das Licht im Rücken“ um die Leica-Kamera und die dahinterstehende Familie.

Dennoch bleibe ich ihr Fan und hoffe nun auf ihr nächstes Buch.

Sandra Lüpkes - Ein Ort, der bleibt
Rowohlt polaris, April 2026
 Gebundene Ausgabe, 495 Seiten, 25,00 €

Cover des Buches Widdersehen (ISBN: 9783755801061)

Bewertung zu "Widdersehen" von Leonie Swann

RenaM
Kurzmeinung: Ein neuer Schafskrimi – absolut gelungen, herrlich komisch und dabei auch noch tiefgründig
Leonie Swann – Widdersehen

Endlich die Fortsetzung der erfolgreichen Schafskrimi-Reihe von Leonie Swann. Und der neue Band steht dem Beginn in nichts nach – allerdings hätte es nicht geschadet, wenn ich die ersten Romane „Glenkill“ und „Garou“ noch einmal gelesen hätte, bevor ich in „Widdersehen“ eingestiegen bin. Obwohl man das neue Buch auch ganz wunderbar versteht, ohne die ersten Bände zu kennen.

Die Schafherde mit ihrer Schäferin Rebecca ist zurück aus Europa, angekommen wieder auf ihrer alten Weide. Doch zu ihrem Entsetzen grasen dort drei neue Schafe, mit den poetischen Namen Eins, Zwei und Drei. Und nicht nur das, kaum angekommen, verschwindet Rebecca, nachdem sie eine ominöse Nachricht erhalten hat.

Gemeinsam machen sich die Schafe nun daher auf die Suche nach ihrer Schäferin, obwohl sie doch eigentlich einfach nur ihre Ruhe und ihr Gras haben möchten. Aber Leitwidder Othello, Seniorwidder Ritchfield, das verfressene Schaf Mopple the Whale, Madouc, das Schaf auf Probe und nicht zuletzt die schlaue Miss Maple wollen ihre Schäferin zurück.

Auf dem langen Weg, den sie nun zurücklegen müssen, begegnen ihnen nicht nur freundliche Menschen, sie treffen auch auf die eine oder andere Leiche, brechen in einen Supermarkt ein, lernen jemanden kennen, den sie kurzerhand zu ihrem neuen Schäfer küren und bringen schließlich eine Erpresserband zur Strecke.

Das Ganze wird konsequent aus Sicht der Schafe erzählt. Leonie Swann gelingt es erneut, sich komplett in die Tiere hineinzuversetzen, ihnen den einen oder anderen menschlichen Zug zu verleihen und uns somit einen großen Spiegel vorzuhalten, ohne belehrend zu wirken.

Besonders herrlich die Szenen, wenn sich die Schafe Schauergeschichten erzählen, die sie dann kaum noch von der Wirklichkeit unterscheiden können. Was dazu führt, dass ihrem neuen Schäfer eine ganz außergewöhnliche Rolle zukommt, zumindest in der Meinung der Tiere.

Natürlich ist nicht immer alles wirklich plausibel, aber es macht so viel Spaß, diese Geschichte zu lesen, man ist so nah dran an den Schafen, ihren vorrangigen Interessen wie Fressen und Ruhe, ihren Träumen und Sehnsüchten, ihren Eigenarten und Spleens, dass ich durch die Seiten regelrecht gejagt bin. Jedes der Tiere ist ein Individuum, jedes hat seine ausgeprägten Züge, seine Eigenheiten, so dass man sie im Laufe der Lektüre einfach liebgewinnen muss und die ganze Zeit mit ihnen mitfiebert.

Ein wunderbares Buch, ein Wohlfühlbuch trotz des Krimi-Aspekts, ein Roman, der intensiv den Wunsch weckt, noch öfter mit dieser Schafherde Abenteuer zu erleben.

Leonie Swann – Widdersehen
DuMont, April 2026
 Gebundene Ausgabe, 333 Seiten, 25,00 €

Cover des Buches Mord in der Pension Möwennest (ISBN: 9783755800675)

Bewertung zu "Mord in der Pension Möwennest" von Jess Kidd

RenaM
Kurzmeinung: Ex-Nonne auf der Suche nach der verschwundenen Freundin – nicht gänzlich überzeugender Krimi
Jess Kidd - Mord in der Pension Möwennest

Ich liebe normalerweise die Romane von Jess Kidd, die mystische, fantastische Geschichten erzählen voller geheimnisumwobener Figuren. Doch dieses neue Buch ist anders, es fehlen genau diese Mystik, die Fantasie und auch leider ein bisschen die Spannung.

Nora Breen, die 30 Jahre lang als Nonne in einem Kloster lebte, hat ihren Schleier abgelegt, weil sie sich auf die Suche begeben will nach einer verschwundenen Freundin. Frieda war Novizin im Kloster, das sie aber dann hinter sich ließ. Sie korrespondierte danach regelmäßig mit Nora, doch plötzlich kamen keine Briefe mehr.

Die Spur führt Nora in ein heruntergekommenes Seebad und dort in die Pension Möwennest, in der Frieda zuletzt wohnte. Dort leben momentan nur wenige Gäste, ein Ehepaar, ein alter Puppenspieler, ein Mitarbeiter des örtlichen Vergnügungsparks. Geführt wird die Pension von Helen mit Unterstützung ihrer Köchin und Haushälterin Irene. Und schließlich lebt dort noch Helens kleine Tochter Dinah, die nicht spricht, sich ständig irgendwo versteckt und viel Schabernack ausheckt.

Doch von Frieda zuerst keine Spur. Dafür gibt es kurz darauf einen Toten und später noch einen zweiten. Der örtliche Inspector scheint unwillig, zu ermitteln, behauptet, es handele sich um Suizid und/oder Unfall. Doch Nora glaubt das nicht und ist weiter bestrebt, herauszufinden, was geschah. Und was mit Frieda geschah.

Das ist mehr oder weniger die Handlung und viel mehr geschieht auch nicht. Immer mal wieder folgt man Nora in ihren Erinnerungen, die erläutern, warum sie als Jugendliche ins Kloster ging (hier wird ein ziemliches Klischee bedient, da hätte man in der Tat ein bisschen mehr Fantasie einbringen können).

Es werden viele Gespräche geführt, deren Inhalt manchmal etwas mysteriös wirkt und wenig zum Fortgang der Handlung beiträgt. Jess Kidds Wortgewalt ist die gleiche wie in ihren wunderbaren anderen Romanen, ihre Beschreibungen der Gegend, des Hotels und der Stimmung dort sind eindrücklich und wortreich, manchmal dann allerdings ein bisschen zu wortreich und langatmig.

Die Motivation von Nora, aus dem Kloster auszutreten um Frieda zu suchen, ist nicht wirklich schlüssig. Sie jedoch, wie auf der Titelseite als gescheiterte Nonne zu bezeichnen, ist hier ziemlich unpassend.

Jedoch ist Nora die blasseste aller Figuren. Die Haushälterin Irene oder das Kind sind dagegen sehr plastisch und eindrücklich beschrieben, wie auch die anderen Pensionsbewohner mit mehr Fantasie, mehr Tiefgang geschildert werden.

Wer Täter oder Täterin der Morde war, ahnt man recht früh, sind doch die verdächtigen Spuren ein bisschen überdeutlich gelegt. Dennoch macht die Lektüre ausreichend Spaß, auch wenn der Roman keineswegs an die bisherigen Bücher von Jess Kidd heranreicht. Bleibt die Hoffnung, dass bald wieder ein solcher neuer Roman von ihr erscheinen wird.

Jess Kidd - Mord in der Pension Möwennest
Originaltitel: Murder at Gulls Nest
aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
DuMont, April 2026
 Klappenbroschur, 383 Seiten, 18,00 €

Cover des Buches Tee, Tod und die versiegelte Tür (ISBN: 9783492066587)

Bewertung zu "Tee, Tod und die versiegelte Tür" von Ross Montgomery

RenaM
Kurzmeinung: Charmante Story mit Witz, Tempo und Humor – klassischer Krimi voller Wendungen
Ross Montgomery - Tee, Tod und die versiegelte Tür

Die ultimative Herausforderung für Ermittler, egal ob Hobbydetektivin oder Inspektor: Ein Mord in einem verschlossenen Raum, ohne Geheimtür und ohne jeden Hinweis auf Täter oder Täterin.

Dies ist der Ausgangspunkt in diesem gelungenen Kriminalroman, der auf herrlich altmodische Art von einem Todesfall in England im Jahr 1910 erzählt. Während die Welt auf den Halley’schen Kometen wartet oder ihn fürchtet, weil das den Weltuntergang bedeuten könnte, schließt sich Lord Stockingham mit seiner Familie auf einer abgelegenen Insel ein, aus eben jenem Grund.

Abergläubisch, wie der Lord ist, müssen alle Türen und Fenster verriegelt und verbarrikadiert werden, die der Familienmitglieder ebenso wie die Räume der Dienerschaft. Und nicht zuletzt auch der Raum, in welchem sich der Lord selbst aufhält. Dennoch wird genau er am folgenden Morgen – die Welt hat den Kometen unbeschadet überstanden – tot in dem versiegelten Raum aufgefunden, mit einem Pfeil im Auge. Tot sind ebenfalls die Fische in seinem Aquarium.

Sofort gerät der zuletzt engagierte Diener in Verdacht, der Ich-Erzähler Stephen Pike, zumal er doch gerade im Gefängnis gesessen hatte. Angeblich wurde er von einer Verwandten des Ermordeten für die Stelle empfohlen.

Stephen muss nun also, um nicht in die Fänge des herbeigeeilten, aber völlig unfähigen Ermittlers zu geraten, selbst den Fall aufklären. Hilfe oder vielmehr heftigen Antrieb bekommt er von der Tante des Toten, Decima Stockingham. Ihres Zeichens eine von der gesamten restlichen Familie gehasste und besonders schrullige alte und kranke Frau, die eigentlich Wissenschaftlerin werden wollte. Sie sorgt nun dafür, dass Stephen nach und nach herausfindet, was geschah und wer in die Tat und andere Schlechtigkeiten verwickelt ist.

Das Ganze wird so munter und temporeich erzählt, dass man wirklich durch die Seiten jagt, von ein paar kleinen, vernachlässigbaren Längen einmal abgesehen. Das Figurenpotpourri umfasst alles, was zu einer adligen englischen Familie der damaligen Zeit gehört, von der absonderlichen Lady über den Säufer bis zu dem arroganten Schnösel und dem verwöhnten Kind. Dazu kommen natürlich noch die üblichen Dienstboten, wie der altgediente Butler, die Hausdame und die nervösen Zofen sowie der eifersüchtige Hausbursche. Hier sind dann manche Stereotypen zu finden, was aber überhaupt nicht stört, sondern für den nötigen Humor sorgt.

Auch wenn nicht alles immer wirklich plausibel erscheint, manches an den Haaren herbeigezogen wirkt, macht der Roman wirklich Spaß. Zumal die Geschichte so geschickt erzählt und so verwickelt ist, dass man wirklich bis kurz vor Schluss nicht ahnt, wer Täter oder Täterin war.

Fazit: ein gelungener altmodischer und durchweg auch spannender Krimi, der gut unterhält und mit sympathischen Figuren aufwartet. Gerne mehr von dieser Art.

Ross Montgomery - Tee, Tod und die versiegelte Tür
Originaltitel: The Murder at World’s End“
aus dem Englischen von Sabine Thiele
Piper, April 2026
 Taschenbuch, 399 Seiten,  17,00 €

Cover des Buches Ein Huhn kommt selten allein (ISBN: 9783492322805)

Bewertung zu "Ein Huhn kommt selten allein" von Dana Lukas

RenaM
Kurzmeinung: Wohlfühlgeschichte, warmherzig erzählt, wenn auch ein wenig zu heile Welt
Dana Lukas - Ein Huhn kommt selten allein

Romane, deren Handlung sich mittelbar um Tiere dreht, sind momentan zahlreich zu finden. Was kein Nachteil sein muss, machen sie doch meist recht viel Spaß und erzählen nette und oft humorvolle Geschichten.

So auch der neue Roman von Dana Lukas, deren voriges Buch sich mit Eichhörnchen befasste. Diesmal stehen Hühner im Mittelpunkt, die eine der Protagonistinnen auf einem Dorffest gewinnt. Sehr zum Entsetzen ihrer Lebenspartnerin Janina will Ceyla die beiden sehr hübschen Tiere tatsächlich behalten und für sie im winzigen Hofanteil, den sie in dem von ihnen bewohnten Mietshaus mitbenutzen dürfen, einen komfortablen Unterschlupf bauen.

Ceyla beginnt sich immer mehr mit Hühnern und ihrer fachfraulichen Haltung zu beschäftigen, während Janina sich auf ihr Studium zu konzentrieren versucht. Die beiden Hühner, die die Namen Simone (nach Simone de Beauvoir) und Frau von Suttner erhalten, wecken schließlich auch die Neugier der anderen Hausbewohner.

Da sind zum einen die alleinerziehende Yasmin und ihr kleiner Sohn Basti, der ab sofort am liebsten „Hühner-TV“ schaut, da ist  Jette, die einsame alte Dame vermisst ihre Tochter und Enkelkinder, die auf der anderen Seite des Erdballs leben. Und da ist Juri, der im Dachgeschoss wohnt, nie vor die Tür geht und jeden Kontakt zu anderen Menschen meidet.

Nach und nach, wie nicht anders zu erwarten, treten die sich bislang aus dem Weg gegangenen Mieter in Kontakt zueinander, legen ihre Zurückhaltungen auf, beginnen sich zu helfen und aneinander Anteil zu nehmen. So wird der schüchterne Basti aufgeweckter, Yasmin findet mehr Zeit für ihre berufliche Tätigkeit und Jette lernt, per Videochat mit ihrer Familie zu telefonieren, wo sie den Enkeltöchtern eifrig von den Hühnern berichtet.

Letzteres ist für mich das Unglaubwürdigste an der Geschichte, dass sich zwei halbwüchsige Mädchen in Australien derart für Hühner in Düsseldorf interessieren, also das erschien mir ein bisschen arg an den Haaren herbeigezogen. Alles andere, so sehr es eine heile Welt beschreibt, ist so charmant, temporeich und humorvoll erzählt, dass der Roman absolut viel Spaß bereitet.

Die Figuren mögen nicht besonders außergewöhnlich sein, sind jedoch mit Empathie, Verständnis und manchem Augenzwinkern dargestellt, so dass man sie einfach mögen muss.

Ein Wohlfühlroman, der ganz nebenbei auch ein bisschen Lust machen könnte, selbst in die Hühnerhaltung einzusteigen. Und Vorfreude weckt auf weitere Werke von Dana Lukas.

Dana Lukas - Ein Huhn kommt selten allein
Piper, April 2026
 Taschenbuch, 345 Seiten, 13,00 €

Cover des Buches Und sie schenkten ihnen ein Zuhause (ISBN: 9783492072380)

Bewertung zu "Und sie schenkten ihnen ein Zuhause" von Laura Baldini

RenaM
Kurzmeinung: Roman um von Anna Freud gegründete Kriegswaisenhäuser in England – spannend, berührend, interessant
Laura Baldini - Und sie schenkten ihnen ein Zuhause

Auch wenn der Titel dieses Roman ein bisschen arg kitschig klingt und auch wenn die Geschichte, die die hier unter Pseudonym schreibende Beate Maly erzählt, manchmal ein bisschen ins Süßliche abgleitet, so ist das Ganze doch sehr fesselnd. Insbesondere der historische Hintergrund macht die Story packend und interessant.

Aus mehreren Perspektiven und auf mehreren Zeitebenen folgen wir den Schicksalen mehrerer Frauen. Da ist einmal Helene, Wienerin, Jüdin, die 1938 vor den Nazis nach England flieht. Ihre Freundinnen sind Lili, die nach Amerika emigriert, und Lotte, ebenfalls Jüdin, der die Flucht nicht mehr rechtzeitig gelingt.

Helene arbeitet in England schließlich zusammen mit Anna Freud, Tochter von Sigmund Freud, die, nicht nur aus wohltätigen Erwägungen, sondern auch um ihre Forschungen zur Kinderpsychologie weiterführen zu können, mehrere Heime gründet für Kriegswaisen und Kinder, deren Familien ausgebombt wurden. Die Kinder verschiedenen Alters werden von Frauen betreut, die gleichzeitig wissenschaftliche Arbeiten betreiben.

Schließlich gibt es noch die Perspektive von Rose, einer jungen Frau in den 80 Jahren des letzten Jahrhunderts, deren Mutter kürzlich starb und die nun, auf der Suche nach deren Geburtsurkunde, herausfindet, dass ihre Mutter ein Adoptivkind war. Auf verschlungenen Wegen versucht Rose nun die Herkunft ihrer Mutter zu finden, was sie schließlich zu genau einem solchen Kriegswaisenheim von Anna Freud führt.

So zusammengefasst klingt die Geschichte eher trocken, aber sie ist spannend erzählt, man fühlt sich gut in die Figuren ein, auch wenn gerade der Erzählstrang um Rose ein bisschen arg gefühlig ist und ein bisschen sehr konstruiert wirkt.

Die Geschichte der Waisenkinder, die Geschichte der Heime, die auch nach dem Krieg noch eine kurze Weile bestanden, ist jedoch sehr emotional und trotzdem sachlich, auch wenn das wie ein Widerspruch klingt. Auch in diesem Erzählstrang wirkt manches arg konstruiert, wie oft in solchen Geschichten, in denen repräsentative Schicksale in wenigen Figuren dargestellt werden sollen. Auch ist, insbesondere die Geschichte von Lotte recht vorsehbar, was auch dazu führt, dass man früh ahnt, woher Roses Mutter in Wirklichkeit stammt.

Dennoch habe ich den Roman nicht nur sehr gerne gelesen, sondern regelrecht verschlungen, auch weil es der fleißigen und mit ihren historischen Kriminalromanen so erfolgreichen Beate Maly wieder gelingt, ihre Figuren so zu gestalten, dass man sich beim Lesen in sie hineinfühlen kann, dass man mit ihnen fiebert, leidet und fühlt. Da sieht man dann auch gern mal über manchen Stereotyp und manche arg süßlich erzählte Passage, manchen arg strapazierten Zufall hinweg.

Für Freundinnen fundierter und spannender historischer Geschichten absolut empfehlenswert.

Laura Baldini -  Und sie schenkten ihnen ein Zuhause
Piper, April 2026
 Gebundene Ausgabe, 333 Seiten, 22,00 €

Cover des Buches Pina fällt aus (ISBN: 9783471370063)

Bewertung zu "Pina fällt aus" von Vera Zischke

RenaM
Kurzmeinung: Berührende Geschichte um Mutterliebe, Einsamkeit, Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft
Vera Zischke - Pina fällt aus

Auf spröde Weise und vielleicht gerade darum zu Herzen gehend erzählt Vera Zischke von Eigenbrötlerinnen und Sonderlingen, von aufbegehrenden Teenagern und einsamen Greisinnen, von unerschütterlicher Mutterliebe, von verzweifelter Sorge und helfenden Händen.

Der 20jährige Leo ist Autist, er lebt in seiner eigenen Welt, in der alles seine Ordnung haben muss. Wenn etwas seinen geregelten Ablauf stört, verwirrt ihn das so, dass er vorübergehend vollends aus seiner üblichen Bahn gerät. Geschieht dies, dann streut Pina Wattestäbchen auf den Boden, die sie dann gemeinsam sorgfältig wieder einsammeln. Pina, seine Mutter, lebt nur für ihn, lebt nur dafür, ihn zu beschützen, zu behüten, seine Welt in seiner Ordnung zu halten. Sie arbeitet in einem Callcenter um mehr Zeit für ihn zu haben, obwohl das weit unter ihren Fähigkeiten liegt und auch weit weg von ihren früheren Träumen ist.

Dass sie bei all dem auf der Strecke bleibt, dass ihre Gesundheit daran kaputt geht, das zeigt sich, als sie plötzlich auf der Straße zusammenbricht. Bewusstlos kommt sie ins Krankenhaus, wo erstmal niemand weiß, wer sie ist und ob sie Familie hat.

Derweil ist Leo – Pina wollte nur kurz einkaufen – bei der Nachbarin Inge, einer alten Dame, die mit ihrem Leben längst abgeschlossen hat, die schon so lange ihre eigene Wohnung nicht mehr verlassen hat. Als Pina nicht zurückkommt, braucht Inge Hilfe, sie weiß nicht mit Leo umzugehen.

Da kommt Zola ins Spiel, ein 16-jähriges Mädchen, das in demselben Mietshaus – das ihrem Vater gehört – ebenfalls eine Wohnung bewohnt. Sie lebt im ständigen Clinch mit ihrem Vater, dem sie nichts rechtmachen kann und der sich selbst grundsätzlich als Obermacher sieht, dem kein Problem zu groß ist.

Und schließlich noch Wojtek, ein weiterer Bewohner des Hauses, ein Einsiedler, dessen einziger Kontakt zur Außenwelt eine Onlinebekanntschaft ist.

Diese drei müssen nun irgendwie für Leo sorgen, was sie zuerst alle nur widerwillig tun. Kennen sie sich doch mit seinem Leben überhaupt nicht aus, sie wollen kein Verantwortung übernehmen, sie kennen sich gegenseitig nicht wirklich. Doch vor allem Zola erweist sich als geeignet, mit Leo umzugehen und so spielt sich das Leben im Haus nach und nach ein. Was auch dazu führt, dass die drei Eigenbrötler sich aus ihren Kokons herausbewegen, dem Leben wieder öffnen. Währenddessen erfährt Pina im Krankenhaus viel Zuwendung durch einen der Pfleger.

Diese Geschichte wird warmherzig, aber ohne Schmalz und Tränendrüse erzählt, dafür mit viel Verständnis, auch für Pina, die sich wirklich für ihren Sohn aufopfert. Dabei aber nicht bemerkt, dass sie dadurch Leo auch vom „wahren“ Leben außerhalb ihrer Obhut fernhält. Dieses lernt er nun durch die anderen drei kennen.

Vieles mag ein wenig überzeichnet sein, nicht jedes Klischee wird gut umschifft. Doch die Sprache, in der Zischke ihre Geschichte erzählt, passt perfekt zum Setting, zu den Figuren und zur Handlung.

Besonders schön die Momente, in denen Leo freudig verkündet, dass er mal Busfahrer werden möchte und das, was daraus schließlich folgt, ein wirklich gelungene Szene, die auch viel über die Veränderungen in den drei Nachbar:innen erzählt.

Ein Roman, der sich lohnt, der nicht nur schön zu lesen ist, nicht nur viel lehrt über den Umgang mit besonderen Menschen, sondern auch zeigt, wie wenig es braucht, um einander hilfreich zur Seite zu stehen.

Vera Zischke - Pina fällt aus
List, März 2026
 Gebundene Ausgabe, 304 Seiten, 22,99 €

Cover des Buches Shared desk (ISBN: 9783651001510)

Bewertung zu "Shared desk" von Laura Dickerman

RenaM
Kurzmeinung: Gute Plotidee schlecht umgesetzt – abgebrochen
Laura Dickerman - Shared Desk

An diesen Roman bin ich mit froher Erwartung herangegangen, die Idee, die dem Plot zugrunde zu liegen schien, wirkte interessant und war mal etwas neues. Aber schlechter Schreibstil und die ebenfalls nicht gut gelungene Übersetzung verdarben mir komplett den Spaß.

Ausgangspunkt der Geschichte ist die Anweisung eines Arbeitgebers, wegen Sparmaßnahmen weniger Bürofläche zu verwenden, was dazu führt, dass sich jeweils zwei Mitarbeiter:innen einen Schreibtisch teilen müssen. Das allerdings nicht, indem sie zusammen an diesem Tisch sitzen, sondern natürlich arbeiten die Beiden zu jeweils anderen Zeiten.

Protagonistin Rebecca muss sich also jetzt ihren Schreibtisch teilen mit Ben. Begegnet sind sich die beiden nicht, sie arbeiten auch – was recht verwirrend ist – für unterschiedliche Arbeitgeber, beide aber bei einem Verlag. Der etwas arge Zufall will es, dass nun beide sich für dasselbe neue Buch interessieren, nämlich den letzten Roman eines kürzlich verstorbenen Autors.

Dieser hatte offensichtlich in irgendeiner Weise etwas mit Rebeccas Mutter zu tun in der Vergangenheit, weshalb dessen Witwe den Roman gern von Rebecca betreuen lassen würde. Der Sohn des Verstorbenen allerdings ist mit Ben bekannt, so dass auch dieser meint, Beziehungen zu haben.

Nun wird es aber vollends verwirrend, denn jetzt wechselt die Zeitebene und wir erleben die Geschichte aus Sicht von Rebeccas Mutter während deren Jugend, als sie mit der späteren Frau des berühmten Autors befreundet war.

Ein wenig nach diesem Perspektivwechsel habe ich den Roman dann aber abgebrochen. Nicht nur waren mir die Erzählweise viel zu ausschweifend, waren die Abschweifungen vom eigentlichen Thema zu häufig und zu langatmig. Es störten auch die endlos langen Beschreibungen, die vielen sinnlosen und manchmal gar unverständlichen Dialoge und schließlich traten einfach zu viele Figuren auf, die wenig erklärt, aber alle mit Namen versehen wurden, danach aber kaum noch einmal in Erscheinung kamen.

Dazu der wirklich schlechte Schreibstil mit ständigen viel zu langen Schachtelsätzen, mit Fehlern in der Übersetzung und vielem mehr. Ob hier das Lektorat schon in der Originalfassung oder erst beim Bearbeiten der Übersetzung schluderte, kann ich nicht sagen, macht aber im Hinblick auf die Qualität keinen Unterschied.

Ein Roman, den ich nicht ehrlich empfehlen kann.

Laura Dickerman - Shared Desk
Originaltitel: Hot Desk
Scherz, März 2026
 Klappenbroschur, 448 Seiten, 18,00 €

Cover des Buches Ziemlich beste Verbrecher (ISBN: 9783986590284)

Bewertung zu "Ziemlich beste Verbrecher" von Sunil Mann

RenaM
Kurzmeinung: Witzige Geschichte um zwei schräge Hobbydetektive mit dubioser Vergangenheit – Fortsetzung erwartbar
Sunil Mann - Ziemlich beste Verbrecher

Aus finanzieller Not heraus Detektiv spielen, auch eine Möglichkeit, die Kasse zu füllen. Hier stehen zwei ältere Herrschaften vor dem Problem, wie sie zu Geld kommen. Alois Mistelzweig und Berta Bartók, die im schlossähnlichen Haus ihrer auf merkwürdige Weise verschwundenen Arbeitgeberin wohnen, müssen dabei nicht nur ihre Geldnöte bekämpfen, sondern auch verhindern, dass jemand nach eben dieser Arbeitgeberin sucht.

Die Bühne ist also bereitet, als Alois, seines Zeichens nicht nur gescheiterter Pianist und Gesellschafter der abwesenden Hausherrin, sondern auch Gelegenheitsdieb, an das falsche Opfer gerät. Die Dame, die er zusammen mit Berta bestehlen wollte, Geneviève Grandson (wir befinden uns in der Schweiz, genauer in Zürich), sieht davon ab, ihn an die Polizei zu übergeben. Stattdessen verlangt sie von ihm, ihre verschwundene Freundin zu suchen.

Also macht sich Alois an die unverhoffte Detektivarbeit, gegen seinen Willen tatkräftig unterstützt von Berta, die bislang als Köchin im Haus besagter Arbeitgeberin tätig war. Emilie, die Freundin von Frau Grandson, verschwand ohne jede Nachricht aus ihrem Seniorenheim. Genau dort beginnen also Alois und Berta mit ihren Nachforschungen. Doch die gestalten sich schwierig, da kaum jemand mit ihnen sprechen, geschweige denn ihnen Auskünfte erteilen will.

Hinzu kommt die eher dubiose Freundschaft zwischen Emilie und Geneviève, dazu merkwürdige Machenschaften in einer Bildungsanstalt und das auffällige Verhalten von Emilies Tochter. So dauert es recht lange und erfordert die Unterstützung einer von Alois‘ eher zweifelhaften Bekanntschaften, bis die beiden selbsternannten Detektive schließlich alles aufklären können.

Diese Aufklärung ist am Ende etwas arg überkonstruiert und ziemlich unvorhersehbar, werden doch neue Beteiligte geradezu aus dem Hut gezaubert. Dennoch ist die ganze Geschichte sattsam spannend, voller interessanter Wendungen und mit viel Humor und Witz geschrieben. Insbesondere das eher nicht auf gegenseitiger Zuneigung beruhende Verhältnis zwischen Alois und Berta sorgt immer wieder für Pointen, für heftige und sehr lustige Dialoge.

Andererseits sind die Figuren etwas flach geraten, trotz diverser Andeutungen zur Vergangenheit insbesondere Bertas, die angeblich lange in Mexico bei Drogenkartellen mitmischte. Nun ja, könnte sein, wird aber eher am Rande immer mal wieder erwähnt. Vielleicht erfährt man in möglichen Fortsetzungsromanen etwas mehr darüber.

Dazu die Pointe um die verschwundene Arbeitgeberin der beiden, was immer wieder für verzweifelte Aktionen der Protagonisten sorgt (und ein Birnbaum spielt dabei eine bedeutsame Rolle ...) . Deren Hintergrund ahnt man natürlich früh. Dafür aber sorgt genau das ganz am Schluss für einen absolut gelungenen Cliffhanger, weshalb man ziemlich sicher davon ausgehen kann, dass auf diesen Roman mindestens eine Fortsetzung folgen dürfte. Man darf gespannt sein.

Ein Roman, der trotz mancher Längen und oft fehlender Plausibilität recht viel Spaß macht.

Sunil Mann - Ziemlich beste Verbrecher
grafit, März 2026
 Taschenbuch, 347 Seiten, 18,00 €

Cover des Buches Ich, die ich Männer nicht kannte (ISBN: 9783608966701)

Bewertung zu "Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman

RenaM
Kurzmeinung: Trotz der langsamen Erzählweise spannend, dabei tiefsinnig und auch erschreckend
Jacqueline Harpman - Ich, die ich Männer nicht kannte

Dieser Roman ist einerseits durchaus verstörend und lässt die Leserin mit vielen Fragen zurück, andererseits aber auch hochdramatisch, fesselnd und berührend. Doch die im Klappentext hergestellten Vergleiche zu „Die Wand“ von Marlen Haushofer oder „Der Report der Magd“ von Margret Atwood passen meiner Meinung nach nicht wirklich. Auch würde ich das Buch nicht als feministisch bezeichnen.

Worum geht es in diesem existentiellen Roman der belgischen Schriftstellerin, der im Original 1995 erschien: In einem unterirdischen Käfig werden 40 Frauen gefangen gehalten. Alle bis auf eine sind erwachsen und wurden ohne für sie erkennbaren Grund dort eingesperrt. Eine von ihnen aber ist noch sehr jung, ein Teenager, sie kam in die Gefangenschaft als Kind und kann sich an ein Leben davor nicht mehr erinnern, auch nicht an ihre Mutter oder andere Menschen.

Sie kennt nur die anderen 39 Frauen, zu denen sie Abstand hält, weil sie sich ausgestoßen, anders fühlt. Bewacht werden die Frauen von wechselnden Bewachern, Männern, die nie reden, die ihnen Essen bringen und sie, wenn sie sich nicht an die Regeln halten, mit Peitschenhieben bestrafen. Ohne Tageslicht bestimmt das künstliche Licht, wann Tag oder Nacht ist, es wird geregelt, wann Essens- und wann Schlafenszeit ist.

Eines Tages nun kommt eine noch nie dagewesene Gelegenheit und die Frauen können fliehen. Nur zögerlich trauen sie sich, ihr Gefängnis zu verlassen, an die Oberfläche zu gehen. Einzig die „Kleine“, wie das junge Mädchen, das seinen Namen nicht kennt, genannt wird, ist mutiger. Nach und nach bewegen sich die Frauen vorwärts, finden weitere Gefangenenkäfige. Essen ist genug vorhanden, überall finden sich Vorratskammern.

So wandern sie über die Erde oder auf welchem Planeten auch immer sie sich befinden. Es vergehen Monate und Jahre, die Gemeinschaft schrumpft durch erste Todesfälle. Die Frauen bilden so etwas wie ein Dorf, bauen sich Hütten, leben weiter von den Vorräten, die sie finden. Es gibt weder Tiere noch Pflanzen und keinerlei andere Menschen.

Schließlich bleibt die „Kleine“ allein zurück und lebt noch viele weitere Jahre, ohne je anderen Lebewesen zu begegnen.

Was geschehen ist, warum die Frauen eingesperrt wurden, wo überhaupt sie sich befinden und was mit anderen Menschen geschah – nichts wird erklärt, alles bleibt der Fantasie der Leserin überlassen.

Mich hat der Roman von der ersten Seite an gefesselt, regelrecht in seinen Bann gezogen. Trotz der sehr geruhsamen Erzählweise, trotz fehlendem Tempo und sehr zurückhaltender Spannung ist dies eine Geschichte, die einen nicht loslässt, die nachwirkt, nicht nur wegen der unbeantworteten Fragen.

Jedoch würde ich es nicht als eine feministische Geschichte bezeichnen, auch wenn hier gezeigt wird, wie gut Frauen ohne Männer leben können. Doch es geht nicht ausschließlich um eingesperrte Frauen, denn die Befreiten finden in den anderen Käfig durchaus auch gefangene Männer. Manches blieb etwas vage, anderes erschien nicht plausibel, wie z.B. die angeblich Jahrzehnte reichenden und stets noch verzehrbaren Vorräte.

Doch gerade die etwas distanzierte Erzählweise, die völlig ohne Dramatisierung, Sentimentalität oder thrillerartige Wendungen auskommt, macht das Ganze so ergreifend, so real, wo es doch Fiktion ist.

Ein erschreckendes, verstörendes, aber wertvolles Buch. Ein Buch, das frau gelesen haben sollte.

Jacqueline Harpman - Ich, die ich Männer nicht kannte
Originaltitel: Moi qui n’ai pas connu des hommes
aus dem Französischen von Luca Homburg
Klett-Cotta, März 2026
 Gebundene Ausgabe, 215 Seiten, 24,00 €

Über mich

Autorin, Bloggerin, Rezensentin, Testleserin Meine Welt dreht sich um Worte. Um die, die ich schreibe und um die, die ich lese.

Lieblingsgenres

Unterhaltung, Literatur, Krimis und Thriller, Historische Romane

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