Handlung: Europa im Jahr 2064: Jeder Mensch erhält ein bedingungsloses Grundeinkommen, das sogenannte „Freiheitsgeld“, welches ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Die Handlung spielt in Deutschland, erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten und begleitet unterschiedliche Personen durch ihren Alltag. Besonders der Polizist Ahmad Müller nimmt in der Geschichte eine maßgebliche Rolle ein. Er untersucht die parallelen Todesfälle eines Politikers und Journalisten und kommt dabei unverhofft einer Verschwörung auf die Spur, die mit dem vor dreißig Jahren eingeführten Freiheitsgeld in Verbindung steht.
Meine Meinung: Die Idee, die Auswirkungen eines universellen Grundeinkommens in Europa in einem Science-Fiction-Roman auszuleuchten, ist nah am Puls der Zeit und schürte meine Neugier. Gerade in Deutschland mit seinen ausufernden Sozialsystemen gewinnt man dieser Tage zunehmend den Eindruck, dass jeder nur noch auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und längst nicht mehr der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund steht. Schade ist nur, dass diese Idee zunehmend in den Hintergrund rückt und im Grundrauschen der geschilderten Einzelschicksale verloren geht. Das liegt meiner Meinung nach an zu vielen Charakteren, die kaum Impulse geben, um die Handlung voranzutreiben oder existentielle Lebensfragen und Dilemmas auszuleuchten, die das Freiheitsgeld mit sich bringt. Dies schmälerte den Unterhaltswert der Geschichte erheblich.
Ähnlich erging es mir mit dem gezeichneten Bild eines komplett automatisierten und digitalisierten Deutschlands, das abgesehen von allgegenwärtigen Lieferrobotern und riesigen 3D-Gebäudedruckern nur mit wenigen, echten Überraschungen aufwarten konnte. Selbst die Roboter wirken altbacken angesichts der Fortschritte, die aktuell in der Robotik und beim Thema KI gemacht werden. Auf diese Weise entfaltete sich vor meinem inneren Auge keine faszinierend neue Welt, in die ich als Leser gerne länger abgetaucht wäre. Mit anderen Worten: Ich habe mir mehr Weitblick von diesem Science-Fiction-Werk versprochen.
Bei der Auflösung der vermeintlichen Verschwörung, die die meiste Zeit vor sich hin dümpelt, handelt es sich schlussendlich um einen Dialog mit einer Person, die bis dahin nur als Randnotiz Erwähnung gefunden hat. Obgleich die darin angestellten Überlegungen und vorgebrachten Beispiele fundiert sind und mich zum Nachdenken angeregt haben, konnte mich der Roman am Ende nicht von sich überzeugen.
Fazit: Von diesem erfahrenen Autor darf – gerade was das Erzählerische anbelangt – deutlich mehr an Substanz und Spannung erwartet werden, wenn es um ein solch bedeutungsvolles Thema geht.



















