Roman-Tipps

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Dornenthron9783426524947

    Bewertung zu "Dornenthron" von Boris Koch

    Dornenthron
    Roman-Tippsvor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Atmosphärisch, finster - und manchmal wirklich schaurig
    Ein alters Märchen, Magie und eine tödliche Dornenhecke

    Bereits Cover und Klappentext des Fantasy-Romans „Dornenthron“ von Boris Koch schrien für mich förmlich danach, dass ich es unbedingt lesen muss. Ich liebe Märchen und Legenden – eine finstere Neuinterpretation von Dornröschen hat somit sofort meine Neugierde wecken können! Und mit einem ziemlich schaurigen und richtig tollen Prolog beginnt dieses Werk, welches der Auftaktband einer Dilogie ist.


    Es war einmal…

    „Als die brennende Fackel auf den Boden des Schachts prallte, landete sie zwischen dürren Zweigen und faustgroßen Steinen.“

    (S. 9 „Dornenthron“ von Boris Koch, Knaur Verlag)


    „Dornenthron“ spielt in einer Welt, die ungefähr der Antike oder Mittelalter nachempfunden ist. Die Story teilt sich auf in verschiedene Handlungen, die aus unterschiedlichen Perspektiven im Form des personalen Erzählers erzählt wird. Da gibt es z. B. Ukalion, den illegitimen Sohn des Königs Tiban, der als Müller in einem Dorf lebt und dem der König eines Tages das gesamte Leben auf unglaublich grausame Weise zerstört. Ukalion verliert alles und wird nur noch von dem Wunsch nach Rache angetrieben. Seine einzige Möglichkeit sieht er darin, sich nach Ycena, der ehemals prunkvollen Kaiserstadt des untergegangenen Kaiserreichs, zu begeben und die schlafende Kaisertochter zu wecken, um Kaiser zu werden. Denn vor vielen Jahrhunderten versetzten 13 Hexen Ycena in einen ewigen Schlaf und isolierten es mit einer undurchdringlichen und tödlichen Dornenhecke von der Außenwelt. Derjenige, wer die Kaisertochter rettet, wird der neue Kaiser werden. Doch ist das alte Märchen wirklich wahr? In einer weiteren Handlung geht es um die ehemalige Duftfinderin Tyra, deren Sohn von einem mysteriösen Gaukler entführt wurde, der wahrscheinlich ein Hexer ist. Tyra folgt den Spuren des Entführers, wobei sie auch einige Hilfe bekommt. Dann gibt es noch die Geschwister Perle und Ion, die in den Wilden Wald flüchten und dort eine interessante und zugleich gruselige Begegnung haben. Den Hofnarren Arlac am Hof des Königs – und auch Anthia, die Schwester eines Räubers, und der Bibliothekar Inrico haben sich ein Ziel in den Kopf gesetzt. Aus jedem Blickwinkel erfährt man mehr darüber, wie grausam und unerbittlich der König über das Königreich Lathien herrscht. Und jeder von ihnen hat einen Grund, diese tyrannische Herrschaft beenden zu wollen.


    Atmosphärisches und düsteres Märchen


    „Sie ist verflucht, überall lauern Ungeheuer und Überreste der alten Hexerei. Die ganze Stadt ist von Hexerei verseucht und wird von albtraumhaften Kreaturen geplagt.“


    (S. 107 „Dornenthron“ von Boris Koch, Knaur Verlag)


    Was mir an diesem Buch so richtig gut gefallen hat, ist definitiv der Schreibstil, der deutlich vom Stil her an Märchen erinnert, und die finstere und geheimnisvolle Atmosphäre. Ich mag die Beschreibungen der von Hitze und Ungeheuern heimgesuchten Ruinenstadt Ycena und der gefährlichen Dornenhecke und das Ziel, das sich die Charaktere setzen: nämlich einen tyrannischen König zu stürzen, indem sie einem Märchen nachgehen. Ebenso ist die Magie interessant, da sie einen ganz speziellen Preis von demjenigen fordert, der die Magie wirken möchte. Ich fand es auch großartig, dass durch die Story nicht nur das Märchen Dornröschen neuinterpretiert, sondern auch mit anderen Märchen sehr fantasievoll und spannend kombiniert wurde und auch diese in ein schaurigeres Licht rückte, wodurch ein komplexes und düsteres Werk entstanden ist. Es ist auch sehr beeindruckend, wie der Autor die einzelnen Handlungen miteinander verwebt, wo doch am Anfang und noch viel weiter ein Zusammenhang für mich gar nicht zu erkennen war und mich somit immer wieder überraschen konnte. Hier gibt es auch so viele Momente, die wirklich gruselig, manchmal richtig schaurig wirken und mich vor Spannung die Luft anhalten ließen. Der Roman fokussiert sich – wie bereits erwähnt – auf eine atmosphärische und finstere Handlung mit einem schönen Schreibstil und einem gemäßigten Tempo, sodass man hier nicht mit sonderlich actionreichen Wendungen rechnen kann. Und – was für mich immer ein Highlight in Büchern ist – es gibt eine Karte, wodurch ich immer nachvollziehen konnte, wo sich die einzelnen Charaktere gerade befinden.

    Die Charaktere hätten allerdings mehr Leben gebraucht, sie kamen mir relativ blass vor und konnten nicht ganz mein Herz erreichen, obwohl ihre Abenteuer auf jeden Fall sehr spannend sind. Vom Anfang bis kurz vor dem Ende der Geschichte wird alles schön und detailreich beschrieben, manchmal wird es auch recht langatmig, um sich dann wieder zu verbessern. Am Ende jedoch kam mir alles sehr abrupt, abgehackt und bruchstückhaft vor – da hätte ich mir mehr Seiten und mehr von der anfänglichen Ausführlichkeit gewünscht.

    Insgesamt hat mir „Dornenthron“ wirklich Spaß gemacht zu lesen, da ich sehr gut in diese fantasievolle Welt abtauchen konnte und gerne mit den Charakteren den finsteren Geheimnissen nachgegangen bin. Ich freue mich schon sehr auf Fortsetzung!


    Fazit:

    Atmosphärische und finstere Neuinterpretation des Märchens Dornröschen mit vielen Geheimnissen, gruseligen Momenten, einem den Märchen nachempfundenen Schreibstil und auch kombiniert mit weiteren bekannten Märchen. Mir hat die Story wirklich gut gefallen!

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    Cover des Buches Vengeful - Die Rache ist mein9783596705023

    Bewertung zu "Vengeful - Die Rache ist mein" von V. E. Schwab

    Vengeful - Die Rache ist mein
    Roman-Tippsvor 2 Tagen
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    Cover des Buches Mapmaker Malique9783743931442

    Bewertung zu "Mapmaker Malique" von Serenity Amber Carter

    Mapmaker Malique
    Roman-Tippsvor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Unterhaltsames Sci-Fi-Abenteuer mit humorvollen Ereignissen, sympathischen Charakteren und Fantasy-Elementen
    Humorvolle Kombination aus Science-Fiction und Fantasy

    Mit „Mapmaker Malique – Iriliquium“ von Serenity Amber Carter hat die Autorin den 1. Band einer Science-Fiction Buchreihe geschaffen, die von den ziemlich halsbrecherischen und kurzweiligen Weltraumabenteuern des intergalaktischen Kartografen Malique und seiner beiden Teamkameradinnen Kryokrishna und Eunuvea handelt. Die Story ist zwar ein Science-Fiction, enthält jedoch auch Fantasy-Elemente – was mich tatsächlich überrascht hat – und glänzt mit sympathischen Charakteren, humorvollen Ereignissen und sehr viel Fantasie. Insgesamt hat mir die Geschichte – bis auf wenige Punkte – sehr gut gefallen.


    Weltraumabenteuer mit Hindernissen


    Die Story setzt auf der Erde ein und zeigt Malique, der kürzlich seine Ausbildung zum intergalaktischen Kartografen erfolgreich abgeschlossen hat und pünktlich zu seinem 16. Geburtstag endlich seinem bisherigen Leben entfliehen kann, um seinen größten Traum wahr werden zu lassen: Die Erkundung von Galaxien und Planeten. Als erstes wird er zur Raumstation ISSO geschickt, wo er auf ganz unterschiedliche Lebewesen trifft und nicht nur ein eigenes Raumschiff für seine Mission der Kartografie erhält, sondern auch ein Team aus zwei Leuten (Kryokrishna und Eunuvea) an die Seite gestellt bekommt, die sich über ihre neue Mission so gar nicht freuen. Und aus Maliques strahlendem Traum wird alsbald ein ziemlich abenteuerlicher und gefährlicher Trip von Planet zu Planet, wobei sie nicht nur auf feindliche Lebewesen und unfreundliche Lebensbedingungen treffen, sondern auch Konflikte im eigenen Team zu überwinden haben.


    Fokus liegt auf sympathischen Charakteren und unterhaltsamen Abenteuern


    „Also ich denke ja, dass sie uns auf jeden Fall angreifen. Schließlich haben die schon zweimal auf uns geschossen! Da wollen die sicherlich nicht nur reden.“


    (S. 160 des eBooks „Mapmaker Malique“ von Serenity Amber Carter)


    Die Charaktere haben mir größtenteils sehr gut gefallen, sie waren mir sofort sympathisch und bringen mit ihren ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten die Handlung voran. So gibt es z. B. den Kartograf und Tollpatsch Malique, der zurückhaltend und unsicher ist, es immer wieder schafft in Fettnäpfchen zu treten und in peinliche Situationen zu geraten. Dabei ist er noch Teamkapitän und muss Entscheidungen treffen. Kryokrishna, die Verteidigerin des Teams, ständig genervt, schlecht gelaunt, ungeduldig und zynisch – doch sofort bereit, das Team zu verteidigen und Gegenständen wie auch Lebewesen um sich herum Namen zu geben. Und Eunuvea, Kämpferin des Teams, total beliebt, ständig heiter, lebensfroh und zuversichtlich. Aber auch weitere Charaktere spielen eine wichtige Rolle – und einige von ihnen haben ein Geheimnis.

    Die Handlung wird hauptsächlich aus der Sicht von Malique, Kryokrishna und Eunuvea erzählt in Form des personalen Erzählers, aber auch aus der Sicht von anderen Charakteren. Jedoch – und das habe ich bisher nur selten in Büchern gesehen – wechselt die Perspektive innerhalb eines Kapitels. Positiv ist, dass ich dadurch sozusagen einen größeren Blickwinkel bekommen habe, was die Gefühle und Gedanken mehrerer Charaktere betrifft. Jedoch fiel es mir manchmal auch recht schwer, schnell umzuschalten und herauszufiltern, aus welcher Sicht nun erzählt wird.

    Der Anfang von „Mapmaker Malique – Iriliquium“ war wirklich gut, ich habe leicht in die Geschichte gefunden und freute mich darauf, wohin das alles führen wird. Auch der Schreibstil ist flüssig, sodass die Seiten ziemlich schnell dahinflogen. Später wurde es für mich aber für eine ganze Weile ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mit fortlaufender Geschichte stellte sich mir immer intensiver die Frage: Worauf läuft die Geschichte überhaupt hinaus? Und: Gibt es jetzt ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Gibt es Details, die auf etwas Größeres hinweisen? Anfangs war ich verwirrt, dass der Science-Fiction auf scheinbar nichts Genaues hinausläuft. Die Story lebt nämlich von vielen kleinen und kurzweiligen Abenteuern, die mal rasant, actionreich, chaotisch, manchmal langatmig, humorvoll und/oder mysteriös sind, aber jede größtenteils unabhängig von den anderen steht. Ab und zu flaute die Spannung ab, um sich später immer weiter aufzubauen. Beschreibungen die Landschaft, Welt und Technik betreffend bleiben zu einem großen Teil der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Das hat zur Folge, dass ich mich selber weniger auf Hintergründe fokussiert hatte, sondern ich mich mehr von der Geschichte an sich mitreißen lassen konnte. Denn im Vordergrund stehen sehr fantasievolle, flockig leichte Abenteuer, wobei man die Charaktere immer besser kennenlernen kann und es so einige erstaunliche Lebewesen, Erfindungen und Planeten zu entdecken gibt. Letztendlich hat mir „Mapmaker Malique – Iriliquium“ wirklich gut gefallen und für einige schöne und abwechslungsreiche Lesestunden gesorgt. Auf mich wirkt es allerdings auch wie die Vorbereitungen auf weitere Bände, denn gegen Ende bleiben auch Fragen offen und Hinweise für weitere Abenteuer werden erkennbar. Ich freue mich auf die Fortsetzung!


    Fazit:

    Kurzweiliges Science-Fiction-Abenteuer mit Humor, Fantasy-Elementen und sympathischen Charakteren. Im Vordergrund stehen kurze und sehr fantasievolle Weltraumreisen. Alles in allem hat mir der erste Band sehr gut gefallen.

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    Cover des Buches Four Dead Queens9783492281713

    Bewertung zu "Four Dead Queens" von Astrid Scholte

    Four Dead Queens
    Roman-Tippsvor einem Monat
    Kurzmeinung: Spannender Fantasy-Thriller mit einer komplexen und bizarren Welt - hat mir wirklich gut gefallen
    Fantasy-Thriller mit Science-Fiction-Elementen

    „Four dead Queens“ von Astrid Scholte ist ein Fantasy-Thriller, an dem ich einfach nicht vorbeikommen konnte. Erstmal ist das mysteriöse Cover schon ein wahrer Blickfang, doch der Klappentext und ganz besonders die Sätze auf dem Cover („Eine Verschwörung – Zwei Gejagte – Drei Tage, um den Mörder zu finden“) haben meine Neugierde wecken können. Ich dachte, dass es ausschließlich ein Fantasy-Roman wäre, die Story entwickelt sich aber letztendlich auch zu einem Science-Fiction mit Thriller-Elementen, der mich in vielerlei Hinsicht überraschen konnte. Hier geht es um Intrigen, Schwarzmärkte, grausame und merkwürdige Regeln, der Aufklärung eines Mordes – und auch um Gefühle. Da es ein Debütroman und noch dazu ein Einzelband ist, in dem eine so komplex ausgebaute Welt dargestellt wird, finde ich die Geschichte absolut erstaunlich. Allerdings haben einige Kleinigkeiten gefehlt, um zu einem Buchhighlight zu werden.

    Eine Verschwörung, vier Morde, ein unterdrückendes System, eine Diebin und ein Bote

    Die Handlung von „Four dead Queens“ erfährt man zum einen aus der Sicht der Diebin Keralie in Form des Ich-Erzählers, zum anderen aus der Sicht der vier Königinnen der einzelnen Quadranten von Quadara in Form des personalen Erzählers. Dadurch unterteilt sich die Handlung in verschiedene und zusammenhängende Handlungsstränge, durch welche man bereits auf den ersten Seiten viel über diese Welt erfährt und gleichzeitig in der Geschichte vorangebracht wird. Die Story beginnt in Concord, der Hauptstadt von Quadara. Keralie ist eine der besten Diebinnen vom Quadranten Toria und arbeitet sozusagen für Mackiel, der die gestohlenen Dinge in seinem Auktionshaus verkauft. Eines Tages soll sie für ihn Erinnerungschips von dem Boten Varin stehlen. Doch als sie herausfinden muss, dass auf den Chips die Ermordung der vier Königinnen von Quadara aufgezeichnet worden ist, werden sie und Varin in eine blutige Verschwörung gezogen. Und viel Zeit bleibt ihnen nicht, um den Täter aufzudecken, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, und dessen Pläne zu verhindern, bevor etwas Schlimmes passiert. Oder ist es vielleicht schon passiert? Und auch jede der vier Königinnen hat ein Geheimnis, welches vielleicht für alles entscheidend sein könnte…

    Die Welt von „Four dead Queens“

    Astrid Scholte hat hier eine sehr bizarre und komplexe Welt erschaffen, die recht gewöhnungsbedürftig ist und ich so bisher noch nie gesehen habe. Quadara ist ein riesiges Gebiet, das in vier Quadranten (Toria, Eonia, Archia und Ludia) unterteilt ist, wobei jeder Quadrant eine ganz bestimmte Aufgabe hat und durch eine Mauer, welche den Frieden zwischen den Quadranten sicherstellen soll, von den anderen getrennt ist. Toria ist für die Importe und Exporte zwischen den Quadranten zuständig. Ludia steht für Mode, Kunst und Unterhaltung. Die ländliche Insel Archia sorgt für die Landwirtschaft und natürliche Ressourcen. Das verschneite und im Norden liegende Eonia kümmert sich um die Entwicklung von Technologien und Medizin. Ich fand Eonia definitiv am faszinierendsten und am grausamsten, wodurch in der Story von der Autorin so einige Ereignisse eingebaut werden, die mir nicht nur einen kalten Schauer verursachten, sondern auch das Herz schwer machten. Jeder Quadrant hat eine eigene Lebensart und strenge Regeln, die eingehalten werden müssen, wie z. B. dass Archia keine Maschinen für die Landwirtschaft einsetzen darf. Die Hauptstadt Concord ist der Mittelpunkt von Quadara, Treffpunkt aller Völker und Regierungssitz der vier Königinnen, die dort im Palast gemeinsam leben, aber jede getrennt für sich ihren Quadranten regiert. Das sind interessante Ideen, die auch unterhaltsam und gut anschaulich dargestellt werden – ungewöhnlich ist jedoch, dass die Königinnen ziemlich merkwürdige Regeln haben. Eine davon ist, dass sie den Palast niemals verlassen dürfen.

    Gleich zu Anfang des Buches findet man als erstes eine wirklich schöne Karte Quadaras, danach die Regeln der Königinnen, erst dann geht es mit der Geschichte los. Ich muss sagen, ich habe die ersten Regeln gründlich gelesen, dann jedoch nur noch überflogen und konnte mich später nicht mehr richtig daran erinnern. Das macht jedoch nichts, denn jedes Kapitel, das aus der Sicht von einer der Königinnen erzählt wird, hat eine der Regeln zu Anfang jedes Kapitels. Und im Buch gibt es auch nochmal ein Verzeichnis zum Nachschlagen.


    Was mir gefallen hat – und was weniger gut gewesen ist


    „Als er von seiner Kunst gesprochen hatte, hatte ich kurz den Jungen gesehen, der mehr als dieses Leben wollte. Aber ohne Hoffnung war er zermürbt worden, alles Kämpferische in ihm ausgelöscht. Erzogen zur Gleichgültigkeit, erzogen dazu, nichts zu wollen. Auch wenn ich das Gefühl kannte, erschöpft zu sein und wütend über das eigene Schicksal, hatte es mich angetrieben, während sich Varin davon zu Asche hatte verbrennen lassen.“


    (S. 149 des eBooks „Four dead Queens“ von Astrid Scholte, Piper Verlag)


    Was mir nicht gefallen hat, beschränkt sich tatsächlich darauf, dass die Geschichte vom Anfang bis zur Mitte des Buches zwar unterhaltsam und interessant gewesen ist (denn diese Welt mit ihren Regeln ist schon ziemlich extrem und einzigartig), aber es wollte sich zuerst keine Spannung aufbauen. Die Szenen haben sich zum Teil gezogen, den Charakteren fehlte an Leben und ich fand zu ihnen einfach keinen Draht. Ab Mitte des Buches wurde es jedoch immer besser – und auch die Charaktere entwickelten sich in eine spannende Richtung. Und ab der Mitte habe ich das Buch dann auch regelrecht verschlungen! Keralie kam mir anfangs nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht vor, doch im Laufe der Zeit erfährt man ihr Geheimnis und auch, dass sich hinter ihrer selbstsüchtigen Fassade eine wirklich tolle Protagonistin verbirgt. Der selbstlose, verständnisvolle und loyale Varin wirkte auf mich ziemlich oberflächlich, doch auch er erhält immer mehr Tiefe, hat ein grausames und ergreifendes Geheimnis, das einem das Herz brechen kann.

    Ich mag Astrid Scholtes flüssigen und bewegenden Schreibstil, der mich problemlos der Geschichte folgen ließ. Die Ideen mit den Erinnerungschips fand ich auch wirklich gut. Doch was mich absolut packen konnte: Die Autorin schafft es immer wieder in die Irre zu führen, mit einem Puzzlestück etwas zu beweisen, um dies mit einem weiteren wieder zu widerlegen. Es hat mir Spaß gemacht, mitzurätseln, hatte einige Charaktere als Mörder in Verdacht…. – Doch diese geniale und vollkommen unerwartete Auflösung ist einfach phänomenal gewesen! Und am Ende bleibt kein Konflikt ungelöst, keine Frage unbeantwortet.

    Fazit:

    Ein Fantasy-Thriller mit Science-Fiction-Elementen und einer unglaublich komplexen und bizarren Welt. Anfangs hat sich alles bezüglich der Story und der Charaktere stark gezogen, jedoch ab Mitte des Buches konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen!

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    Cover des Buches Gelobtes Land9783966981224

    Bewertung zu "Gelobtes Land" von Christine Heimannsberg

    Gelobtes Land
    Roman-Tippsvor einem Monat
    Kurzmeinung: Großartiger und bewegender Abschluss einer eindrucksvollen und dystopischen Trilogie!
    Der Kampf um Freiheit und Wahrheit

    „Gelobtes Land – Leev“ von Christine Heimannsberg ist der 3. Band der „Gelobtes Land – Reihe“ und führt somit die dystopische Trilogie über eine vom Klima und vom Menschen veränderte Welt zu einem eindrucksvollen Ende. Ich war unglaublich gespannt darauf, welches Ende diese Geschichte nehmen wird, und habe dementsprechend ungeduldig auf den letzten Band gewartet. Auch „Leev“ hat mir wieder wirklich gut gefallen.


    Der Kampf um Freiheit und Wahrheit


    „Ich bin Teil einer Bewegung.
    Wir haben keinen Namen. Kein Erkennungsmerkmal. Nichts, das uns als eine Gruppe kennzeichnet. Außer dem Glauben daran, dass es die Liebe ist, die alles zusammenhält.“


    (S. 8 des eBooks „Gelobtes Land – Leev“ von Christine Heimannsberg)


    Die Handlung im dritten Band führt die Geschichte auf einen Höhepunkt der Konflikte und beginnt kurz nach dem Ende des 2. Bandes „Gloov“. Lore, Jul, Sim und Jame wissen nun, dass weder die Alte noch die Neue Welt für sie ein zu Hause sein kann, denn in beiden Welten gibt es Unterdrückung, nur eben in der einen deutlich sichtbar, in deren anderen hinter einer auf dem ersten Blick schönen Fassade verborgen. Und wieder einmal mussten Lore und die anderen fliehen, müssen sich in den Bergen bei den Rebellen verstecken und im Widerstand gegen das Oberhaupt der Neuen Welt helfen, damit endlich eine Welt errichtet werden kann, in der es wirklich für jeden Freiheit und Wahrheit gibt. Doch der Kampf gegen Maklaren ist schwieriger als sie denken, denn das so fanatisch verehrte Oberhaupt weist mit Leichtigkeit jede Anschuldigung von sich und richtet es auf Sisdal und ihren aus Alt- und Neuländern bestehenden Widerstand. Doch dass die Neue Welt noch ganz andere und erschreckende Probleme als nur das unterdrückende System hat, findet Lore nach kurzer Zeit heraus. Und genau das ist ein wirklich großartiger und realistischer Wendepunkt, welcher mir richtig gut gefallen hat, denn dieser verleiht der Story einen wunderbaren Spannungsbogen, eine schön unheimliche Atmosphäre und macht alles noch ein Stück komplizierter. Gleichzeitig ist es auch ein geschickter Verbindungsstrick zu einigen Charakteren in der Alten Welt. Und die Lösung für das Problem bringt Lores und Juls Familien in Gefahr.


    Gibt es noch Hoffnung?


    „Jedes Mal, wenn ich jetzt etwas esse, frage ich mich, ob es verseucht ist. Das Aussehen ist trügerisch. Um uns herum grünt und blüht es, die Luft fühlt sich klar und rein an. Aber Kontaminierung kann man weder riechen noch schmecken. Sie brennt nicht, sie verbreitet keine Kälte.“


    (S. 73 des eBooks „Gelobtes Land – Leev“ von Christine Heimannsberg)


    Der Schreibstil von Christine Heimannsberg hat auch im dritten Band nicht nachgelassen, ist eher noch genialer und fesselnder geworden und konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite packen und nicht mehr loslassen. Mit den Worten erschafft sie eine unheimliche Atmosphäre und zeichnet ein unglaubliches und faszinierendes Szenario, das erschreckend und bewegend ist, da es ein so realitätsnahes Bild unserer Welt darstellt bzw. wie es tatsächlich werden könnte. Aber sie schafft es auch Gefühle wie Hoffnung wirklich zu wecken. Ich mochte Lores Gedanken und Träume von einer besseren Zukunft, von einem Stück Land und goldenen Weizenfeldern.

    Was das Tempo betrifft, so ist dies größtenteils gemäßigt. Einige Stellen plätschern ruhig dahin, aber Spannung zieht sich durch die gesamte Story und baut sich zum Ende hin immer weiter auf. Wie in den vorherigen Bänden liegt der Fokus wenig auf actionreiche Begebenheiten, eher auf die Darstellung der grauenerregenden Situation und der Systeme der Neuen und Alten Welt sowie dem Kampf um ein besseres System.

    Wie im zweiten Band erfährt man die Handlung aus der Sicht von Lore (in Form des Ich-Erzählers) und aus der Sicht von verschiedenen anderen, wie z. B. Jul, Sim, Jame, Sisdal, Lilith (in Form des personalen Erzählers). Auf diese Weise bekommt man nicht nur ein umfassendes Bild aller Ereignisse, sondern erfährt auch die Gedanken und Gefühle des jeweiligen Charakters. Es hat mich gefreut, die Charaktere wiederzusehen! Sie haben Tiefe, entwickeln sich und haben auch hier noch einige persönliche Konflikte zu bestehen.

    Atomare Verseuchung, Krankheiten, Nahrungsmangel, Klimawandel, autoritäre Regierungen, Lügen, keine Freiheit – in „Leev“ kommen alle Schwierigkeiten zusammen und es werden von beiden Systemen nochmal die Schrecken in Erinnerung gerufen, aber auch wenige positive Aspekte, sodass man über alles nochmal reflektieren kann. Ich wartete ungeduldig auf die Auflösung, ob es für eine solche Welt, in der die Autorin aktuelle Probleme aus unserer Realität eingeflochten hat, überhaupt noch Hoffnung gibt. Das Ende ist absolut gelungen und passend – und bei der Schlussszene hatte ich doch wirklich Tränen in den Augen.


    Fazit:

    Großartiger Abschluss für eine eindrucksvolle und dystopische Buchreihe, die aktuelle und realitätsnahe Themen einbindet und so weit strickt, dass das erschreckende und katastrophale Ausmaß davon vor Augen geführt wird. Mir hat die Trilogie hervorragend gefallen, wobei Christine Heimannsbergs Schreibstil deutlich hervorsticht. Sollte man unbedingt gelesen haben!

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    Cover des Buches Caldera 3: Das Erwachen des Feuerbergs9783522506083

    Bewertung zu "Caldera 3: Das Erwachen des Feuerbergs" von Eliot Schrefer

    Caldera 3: Das Erwachen des Feuerbergs
    Roman-Tippsvor einem Monat
    Kurzmeinung: Drittes Abenteuer der Schattenwandler im magischen Dschungel Caldera - ich liebe diese Tierfantasy-Reihe!!!
    Könnte ein Vulkanausbruch für Caldera das Ende bedeuten?

    Seit ca. 2 Jahren verfolge ich diese unglaublich schöne Tierfantasy-Reihe von Eliot Schrefer um die mutigen, niedlichen und herzerwärmenden Schattenwandler im magischen Dschungel Caldera und freue mich jedes Mal riesig auf den nächsten Teil. Und wieder einmal hat der Autor nun auch mit dem 3. Band „Caldera – Das Erwachen des Feuerbergs“ eine richtig rasante, bewegende, actionreiche und abenteuerliche Story erschaffen, die mein Herz für diese Reihe noch höher schlagen lässt! Für die Schattenwandler wird es diesmal sogar noch ein Stück gefährlicher und unmöglicher den Dschungel zu retten – denn wie kann man eine Naturgewalt aufhalten? Oder gibt es noch einen anderen Weg? Dieses großartige Abenteuer zusammen mit den geliebten Schattenwandlern zu verfolgen hat mir wieder richtig Spaß gemacht!


    Könnte ein Vulkanausbruch das Ende bedeuten?

    „Ein ausbrechender Vulkan – gibt es in ganz Caldera auch nur ein lebendiges Wesen, das diese Katastrophe verhindern kann?“


    (S. 11 des eBooks „Caldera – Das Erwachen des Feuerbergs“ von Eliot Schrefer, Thienemann-Esslinger Verlag)


    Nach all den Gefahren und dem aussichtslosen Kampf gegen die Ameisen stehen die Schattenwandler nun vor einem noch schwierigeren Problem – denn wie sollen sie die Vernichtung Calderas durch die Lava aufhalten? Ist das überhaupt möglich oder sollten sie lieber ihr zu Hause verlassen? Diesmal haben es die Dschungeltiere mit einem Rätsel zu tun, das durch Wissenschaft gelöst werden muss – und wer wäre da nicht am besten für geeignet, als das Pfeilgiftfröschchen Rumi zusammen mit seinen Freunden? Der 3. Band „Caldera – Das Erwachen des Feuerbergs“ setzt direkt im Anschluss an die Ereignisse aus dem 2. Band „Caldera – Die Rückkehr der Schattenwandler“ an. Auch hier geht es wieder darum, dass die Tiere lernen müssen zu vertrauen – und auch zu vergeben, sowohl anderen als auch sich selbst. Und dass in einigen Tieren nicht nur noch ungeahnte Fähigkeiten schlummern, sondern diese sich auch weiterentwickeln und sie dadurch überraschende Dinge vollbringen können. Denn jede magische Fähigkeit kommt hier spektakulär zum Einsatz und sorgt für einen spannenden und eindrucksvollen Lauf der Handlung. Um ihr zu Hause zu retten, müssen sie an einen für sie ganz neuen und weit entfernten Ort gehen, wo ganz andere Gefahren auf sie warten, die sie nur mit Hilfe ihrer Magie bewältigen können. Aber während sie versuchen das Ende Calderas zu verhindern, werden ihnen noch eine Menge anderer Probleme in den Weg geworfen – und ihnen läuft die Zeit davon.


    Großartige Charaktere, spannende Handlung und absolut bewegend


    „Als er das sanfte Pochen von Gogis Herzschlag fühlt, wird Rumi bewusst, wie selten er seinen Freunden so nahe war. Sonst waren seine potenziell giftige Haut und seine berechnende Art immer im Weg. Doch jetzt fühlt er sich Gogi näher denn je. Und wie konnte das geschehen? Indem er sein vermeintlich dunkelstes Geheimnis preisgegeben hat.“


    (S. 105 des eBooks „Caldera – Das Erwachen des Feuerbergs“ von Eliot Schrefer, Thienemann-Esslinger Verlag)


    Ich liebe die Schattenwandler, denn sie sind lebhaft und facettenreich, haben alle absolut liebenswürdige Eigenschaften, Stärken, aber auch Schwächen. In jedem Band werden sie bis an ihre Grenzen geführt und müssen diese überschreiten. Es macht einfach unglaublich Spaß mit ihnen diese Abenteuer zu erleben! Und mit jedem neuen Band lernt man immer einen Schattenwandler näher kennen, denn jeder Band wird aus der Sicht eines bestimmten Schattenwandlers erzählt, wobei auch die Vergangenheit des jeweiligen mit im Spiel ist. Der 1. Band wird aus der Sicht des Panthermädchens Mali erzählt, die mutig, kämpferisch und ernst ist, strategisch denkt und einen starken Beschützerinstinkt hat. Im 2. Band erfährt man aus der Sicht des tollpatschigen, gefühlvollen und herzensguten Kapuzineräffchens Gogi die Handlung. Und im 3. Band kann man aus der Sicht des nachdenklichen Pfeilgiftfrosches Rumi die Geschichte erfahren. Rumi ist ein Genie, wenn es um das Lösen von Rätseln und Wissenschaft geht, und so zermartert er auch seinen Kopf, um eine Möglichkeit zu finden den Dschungel zu retten. Doch was Gefühle angeht, so fällt es ihm schwer diese zu äußern bzw. offen zu zeigen. Auf Rumis Schultern lastet ein dunkles und dramatisches Geheimnis, welches er sich aus Angst nicht traut seinen Freunden zu erzählen. Dadurch, dass man die Story aus Rumis Sicht erfährt, bekommt man seine kalkulierenden Gedanken mit, ebenso wie seine Angst und Trauer, was die düstere Untergangsstimmung nochmal dramatischer macht. Die Abstufungen der Gedanken- und Gefühlswelt der einzelnen Schattenwandler ist klasse, denn die Unterschiede zwischen ihnen werden dadurch sehr deutlich sichtbar.

    Weitere wichtige Charaktere sind wieder die Fledermaus Lima (auch Schattenwandler), die mit ihrer piepsigen Stimme wie ein Wasserfall plappert und immer gut gelaunt ist, wodurch sie ihre Freunde aufmuntern kann. Der verständnisvolle Ara Sky und das treue Faultier Banu (beides Schattenwandler). Aber auch Malis Familie (u. a. Chumba) und einige weitere Tiere nehmen eine wichtige Rolle ein.

    Eliot Schrefer erschafft mit seinem flüssigen Schreibstil, dem ich problemlos folgen konnte, interessante Ideen und eine spannende Handlung, bei der auch Humor und Dramatik nicht zu kurz kommen. Da die Geschichte der Schattenwandler weitererzählt wird, sollte man vor dem 3. Band die vorherigen Bände gelesen haben. Auch die Aufmachung des Buches ist besonders, denn es gibt schöne Kapitelverzierungen und ab und zu Illustrationen. Die Cover sind auch echt schön, wobei ich es wirklich toll finde, dass auf dem Cover der Schattenwandler hervorsticht, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird.

    Ist das Abenteuer der Schattenwandler nun zu Ende?

    Ich habe anfangs gedacht, dass es eine Trilogie ist. Aber – so scheint es – ist die Geschichte um diese magischen Dschungeltiere noch nicht vorbei, denn es warten noch weitere Abenteuer. Zum Glück, denn ich will noch mehr von den Schattenwandlern lesen! Und ich bin richtig gespannt, aus welcher Sicht der 4. Band erzählt wird.

    Fazit:

    Auch das dritte Abenteuer der Schattenwandler konnte mich mit einer rasanten und spannenden Handlung, herzerwärmenden Charakteren, actionreichen Ereignissen und großartiger Magie begeistern! Ich freue mich auf weitere Geschichten mit Mali, Gogi, Lima, Rumi und Sky!

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    Cover des Buches Wellenflügel: Die Tiefen des Sees9783739674513

    Bewertung zu "Wellenflügel: Die Tiefen des Sees" von Awen Eibner

    Wellenflügel: Die Tiefen des Sees
    Roman-Tippsvor einem Monat
    Kurzmeinung: Atmosphärische und interessante Story mit einem schönen Schreibstil - eine Familiengeschichte im Fantasygewand,
    Ein altes und magisches Familiengeheimnis

    „Wellenflügel – Die Tiefen des Sees“ ist der Auftaktband einer Fantasy-Trilogie von Awen Eibner und gleichzeitig ihr Debütroman. Ich finde, dass bereits der Klappentext eine sehr geheimnisvolle und atmosphärische Story verspricht – und genau so ist es auch. Awen Eibners Roman punktet mit einem flüssigen Schreibstil, einer schönen Atmosphäre und fantasievollen Ideen, wobei Action hier keine Rolle spielt, dafür der Fokus umso bedeutungsvoller auf den Charakteren und der Magie liegt. Interessant ist, dass es tatsächlich eine Familiengeschichte im Fantasygewand ist. Bis auf wenige Kleinigkeiten hat mir die Story wirklich gut gefallen.


    Ein magisches und altes Familiengeheimnis


    „Einen kurzen Moment lang hatte sie alles gleich und anders gesehen – die Höhe war beängstigend und potenziell gefährlich, aber auch berauschend; der Wind war eine Bewegung größerer Luftmassen, aber auch eine Möglichkeit, sich in den Himmel zu schrauben und dem Boden zu entsagen; das Seewasser war vertraut und unvertraut gewesen, als ob es ein anderes Wasser, vielleicht das des Meeres, hätte sein müssen.
    Aber es war Wasser, und da war Wind, und da war sie. Mehr hatte sie nicht gebraucht.“


    (S. 18 des eBooks „Wellenflügel – Die Tiefen des Sees“ von Awen Eibner)


    Die Handlung spielt zu einem großen Teil im und um das Schloss der reichen Adelsfamilie Susurr im Land Dominien und wird abwechselnd aus der Sicht von verschiedenen Charakteren erzählt. Hauptsächlich jedoch aus der Sicht von den Geschwistern Keanu und Gwyneira, wobei es zu zwei parallel verlaufenden Handlungen kommt. Beide Geschwister sind magisch begabt, müssen dies jedoch geheim halten – auch innerhalb der Familie, ob bewusst oder unbewusst -, da in dem wälderreichen Dominien Magie als böse und unnatürlich angesehen wird. Doch es gibt auch Länder, die eine andere Meinung vertreten, wie zum Beispiel das kalte Land Folium. Während Keanu nun alt genug ist, um die verantwortungsvollen Familiengeschäfte zu übernehmen, die seit dem mysteriösen Tod seines Vaters von seinem Onkel geleitet worden sind, und sich mit dem Problem einer Heirat und eines bevorstehenden Festes beschäftigen muss, geht Gwyneira ganz anderen Dingen nach. Zum Beispiel der Erprobung ihrer Magie und einer Erkundungstour durch das Kellergewölbe des Schlosses, wobei sie nichtsahnend durch ihre Magie auf ein Rätsel stößt, dass sie Stück für Stück einem alten und magischen Familiengeheimnis auf die Spur bringt. Was beide nicht wissen: Eine Spionin ist auf sie aufmerksam geworden und ein Familienmitglied verfolgt ganz bestimmte Pläne.


    Positives und Negatives


    Awen Eibners Schreibstil ist flüssig, weshalb ich diesem auch schnell folgen konnte, – und bereits auf den ersten Seiten sehr blumig und atmosphärisch, was mir auch sehr gefallen hat, denn die Fantasywelt und alles darin wird dadurch lebendig. Ebenso werden sowohl Landschaften als auch die Magie und zum Beispiel bestimmte Begebenheiten mit einer sehr großen Liebe zum Detail beschrieben. Leider werden diese Beschreibungen am Anfang und auch später immer mal wieder so sehr ausschweifend und langatmig, dass mir die Spannung total genommen wurde, ich nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit folgen konnte und mein Lesefluss stark gehemmt wurde. Das sind dann aber auch wirklich ziemlich zähe Stellen, bei denen der kunstvolle Schreibstil eher negativ wirkt und alles unglaublich schleppend macht. Doch nachdem ich diese Stellen hinter mir lassen konnte, flogen die Seiten schnell dahin und ich konnte mich wieder besser auf die Story konzentrieren.

    Was das Tempo betrifft, so ist dieses hier eher gemäßigt. Die Handlung baut sich sacht auf und plätschert mit fortschreitenden Seiten in ruhigem Lauf weiter. Dabei kommt der Roman tatsächlich ohne Action aus, denn der Fokus liegt auf einem zu lösenden Rätsel, der Suche nach weiteren Hinweisen dafür, einem recht schaurigen Familiengeheimnis, der Magie und den Charakteren.

    Awen Eibners Ideen sind definitiv sehr fantasievoll und spannend umgesetzt. Besonders im Hinblick auf das Magiesystem, welches sich u.a. zusammensetzt aus Wasser-, Feuer-, Erd-, Metall- und Luftmagie, und was Steine und Geister betrifft. Die Charaktere haben mir insgesamt auch gefallen, denn diese sind gut gezeichnet, wobei einige mit ihrer Entwicklung, Verhaltensweisen und magischen Fähigkeiten herausstechen. So zum Beispiel die distanzierte Gwyneira, die versucht ihre Magie zu kontrollieren, sich in eine Raubmöwe verwandeln kann und auch in gewissen Abständen verwandeln muss, damit sie sich nicht plötzlich in der Öffentlichkeit verwandelt und somit verrät, dass sie magische Fähigkeiten besitzt. Ihr ruhiger und nachdenklicher Bruder Keanu, der Magie über Metalle ausüben kann und die Verantwortung der Familiengeschäfte übernehmen muss. Ihre beliebte Schwester Nasrin, die ein Händchen für Pflanzen hat. Die Spionin Thyra, die ihre Mission unbedingt erfüllen möchte. Und, wer unter allen Charakteren enorm heraussticht: Siraes, Thyras Freund, der aufgrund seiner Ansichten und Denkweise ausgesprochen genial ist. Das wird sehr deutlich in einer ziemlich humorvollen und eindrucksvollen Unterhaltung zwischen ihm und Thyra im Schloss Susurr, wobei ich ein Schmunzeln absolut nicht unterdrücken konnte. Ich hoffe, dass er in den Folgebänden wieder vorkommen wird bzw. auch an größerer Bedeutung gewinnt.

    Auch wenn die Story überwiegend nicht die Grenzen des Anwesens der Susurrs in Dominien verlässt, so erfährt man dennoch schon etwas über andere Länder dieser Welt, besonders von Folium, die anscheinend eine andere und fortschrittlichere Sichtweise bezüglich Magie haben. Ebenso scheinen die einzelnen Länder auch unterschiedliche Gepflogenheiten zu haben, wobei Dominien, was die Stellung der Frau und Magie angeht, sehr rückständig und altertümlich wirkt. Eine Karte und ein Personenverzeichnis befinden sich am Ende der Geschichte, sodass man immer etwas nachschlagen kann.

    Vieles wird hier angerissen und bietet noch eine Menge Spielraum dafür, dass die Spannung in den weiteren Bänden noch stark zunehmen wird. Insgesamt hat mir „Wellenflügel – Die Tiefen des Sees“ – trotz der ab und zu langatmigen Stellen – wirklich sehr gut gefallen. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen und bin gespannt auf die Fortsetzung.


    Fazit:

    „Wellenflügel – Die Tiefen des Sees“ von Awen Eibner punktet mit einer atmosphärischen und interessanten Story und einem schönen Schreibstil. Action gibt es hier eigentlich gar nicht, aber auch wenn die Handlung dahinplätschert, ist es spannend und sticht als Familiengeschichte im Fantasygewand deutlich hervor. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

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    Cover des Buches Die glorreichen Sechs9783734106507

    Bewertung zu "Die glorreichen Sechs" von Royce Buckingham

    Die glorreichen Sechs
    Roman-Tippsvor einem Monat
    Kurzmeinung: Es gibt positive Punkte, aber hauptsächlich ist die Story zäh und langatmig.
    Steuern eintreiben - nicht die leichteste Aufgabe

    „Die glorreichen Sechs“ von Royce Buckingham ist das erste Buch, das ich von dem Autor gelesen habe, und es ist tatsächlich ein Einzelband. Der Klappentext hat mir hier so richtig gut gefallen und meine Spannung auf einen humorvollen und chaotischen Fantasy-Roman bis aufs Äußerste geschürt, dass ich es kaum erwarten konnte, das Buch endlich zu lesen. Allerdings habe ich anscheinend zu viel erwartet, denn die Geschichte konnte mich nicht so packen wie erhofft.


    Steuern eintreiben – eine Gefahr für sich


    „Jetzt verlangt man von uns, in fremde Länder zu ziehen, die wir gerade erst erobert haben, und Menschen aufzufordern, uns ihr Geld als Tribut für die Königin zu geben, die bis vor Kurzem ihre geliebten Freunde und Verwandte getötet hat.“
    „Das ist eine Herausforderung, gewiss“, räumte Caspar ein.
    „Wohl eher ein Todesurteil.“


    (S. 139 des eBooks „Die glorreichen Sechs“ von Royce Buckingham, Blanvalet Verlag)


    Die Geschichte wird abwechselnd erzählt aus der Sicht von Prinz Caspar, Königin Neveah und der ehemaligen Dienerin Opal. Dabei gibt es drei Handlungsstränge, die gegen Ende zusammenlaufen.

    In „Die glorreichen Sechs“ dreht es sich darum, dass der verwöhnte Prinz Caspar, der nur das gemütliche Palastleben kennt, unerwarteterweise den meistgehassten Titel im Königreich verliehen bekommt: Zollmeister. Damit ist sein Traum von einem ruhigen Dasein als Botschafter dahin, denn er muss Steuern in den Grenzlanden, fremden und gefährlichen Ländern, eintreiben, die erst vor Kurzem noch nicht unter der Herrschaft der Königin Neveah gewesen sind. Noch dazu muss er die glorreichen Sechs befehligen: eine forsche, unehrenhafte und bunt zusammengewürfelte Truppe, die sich gerne über ihren verweichlichten Kommandanten lustig machen, der versucht, in der neuen und für ihn ungewohnten Situation zurechtzukommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Auf ihrer Reise durch die Grenzlande passieren sie viele abenteuerliche Orte, unwillige Steuerzahler mit ganz unterschiedlichen Kulturen und vielen Gefahren, z. B. durch aggressive Stämme – eine Menge Möglichkeiten für den jungen Kommandanten, um sich zu bewähren. Währenddessen kann man Opal bei ihrer Flucht durch das Land begleiten und Neveah, wie sie ihren blutigen Plan Stück für Stück in die Tat umsetzt.


    Positives und Negatives


    „Die Menschen werden widerstrebend jemandem etwas zahlen, dem sie etwas schuldig sind, aber sie werden sterben für jemanden, an den sie glauben.“


    (S. 74 des eBooks „Die glorreichen Sechs“ von Royce Buckingham, Blanvalet Verlag)


    Wie bereits geschrieben, hat mir der Klappentext richtig gut gefallen und mich auf einen humorvollen Fantasy-Roman hoffen lassen. Der Anfang war auch wirklich gut, denn da konnte ich schon mal die glorreichen Sechs bei der Arbeit des Steuereintreibens miterleben, was definitiv amüsant vonstatten geht. Auch später, wenn es zu Caspars, Opals und Neveahs Perspektive wechselt, bleibt hin und wieder Humor vorhanden, wie z. B. lustige Begebenheiten, Dialoge, Verhaltensweisen oder Gedanken, über die ich etwas lachen konnte. Allerdings bekommt der Roman eine recht ernsthafte Note, sodass ich mir oftmals gar nicht mehr sicher gewesen bin, ob bestimmte Szenen tatsächlich humorvoll sein sollen oder ob das alles ernsthaft gemeint wird, da es nicht klar erkennbar ist. Das ist jedoch nicht das, was mich gestört hat. Denn das ist die Langeweile gewesen. „Die glorreichen Sechs“ hat Höhen und Tiefen….leider sind die Tiefen ziemlich stark vertreten. Trotz des flüssigen Schreibstils gibt es irgendwie in der gesamten Geschichte so lange Stellen, die einfach richtig zäh sind und meinen Lesefluss stark gedrosselt haben. Szenen, die endlos mit Belanglosigkeiten in die Länge gezogen werden, dass meine Nerven arg strapaziert worden sind. Weshalb ich recht bald keine besonders große Motivation mehr hatte weiterzulesen und alles sehr schleppend voranging. Doch dann ist immer wieder ein Funke Spannung dazugekommen, der mein Interesse geweckt hatte und mich denken ließ: Jetzt geht es endlich los! Und dann dauerte es nicht lange zur nächsten Enttäuschung, denn die Spannung flaute schnell wieder ab. Auf den letzten hundert Seiten legt die Story jedoch endlich an Spannung zu.

    Die Welt, die Royce Buckingham erschaffen hat, finde ich allerdings wirklich gut, denn sie bietet viel Spielraum für eine tolle Geschichte. Dabei sind die amüsanten Namen der Gegenden, Städte, Gebirge und Meere/Seen sehr einfallsreich, aber ebenso gewöhnungsbedürftig, wie z. B. das Arrogante Meer, die Spinnenbeinberge und die Stadt Reinfall. Ganz am Anfang des Buches gibt es eine Karte, sodass man z. B. die Reiserouten gut nachvollziehen kann. Auch die Idee der Story ist klasse – aber mit der Umsetzung komme ich größtenteils nicht zurecht. Ich meine „größtenteils“, weil es für mich zum einen langweilig gewesen ist, zum anderen es doch mal zu Lichtblicken gekommen ist, die meine Neugier auf den Fortgang der Geschichte gestärkt haben.

    Was die Charaktere betrifft, so haben sie es an einigen Stellen geschafft meine  Aufmerksamkeit zu wecken, blieben für mich jedoch zu oberflächlich. Der kindliche und verwöhnte Prinz Caspar brachte mich von Anfang an zum Schmunzeln, ebenso wie seine Versuche die Situation unter Kontrolle zu bringen, dabei jedoch meistens alles zu vermasseln. Er ist unglaublich ehrenhaft, höflich und sehr nobel – und macht eine interessante Entwicklung vom verweichlichten Prinzen zum mutigen Helden durch. Dann gibt es noch den sprechenden Drachen Cliff, der zusammen mit dem derben und ständig Witze reißenden Übersetzer Heath ein amüsantes Team bildet. Den feigen, in sein Aussehen verliebten Barden Belorian, der sich gerne aus Schwierigkeiten und Kämpfen heraus hält. Die ständig schmutzige Pferdemeisterin und Fährtensucherin Yvette. Die schroffe und berechnende Buchhalterin Tara, die zugleich ein Mathe-Genie ist. Und noch viele andere.

    Letztendlich habe ich bezüglich der glorreichen Sechs auch mehr so eine Art amüsante und abenteuerliche Heldenreise oder meinetwegen „Schurkenreise“ erwartet, dass der Fokus auf die Charaktere gelegt wird, die man nach einiger Zeit immer besser kennen lernt. Leider kommen hier relativ viele Verluste von Charakteren vor, ebenso tauschen viele Charaktere sozusagen ihre Rollen.


    Fazit:

    Bei „Die glorreichen Sechs“ von Royce Buckingham habe ich leider viel zu viel erwartet. Die Welt und die Idee der Story gefällt mir gut, ebenso hin und wieder die Charaktere, obwohl mir da mehr Tiefgründigkeit und einen größeren Fokus auf diese gefehlt hat. Auch sind definitiv einige humorvolle und unterhaltsame Stellen vorhanden, doch größtenteils hat sich die Geschichte sehr zäh gezogen, sodass meine Motivation darunter leider stark gelitten hat.

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    Cover des Buches Priest of Bones9783608964141

    Bewertung zu "Priest of Bones" von Peter McLean

    Priest of Bones
    Roman-Tippsvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Düsterer, heftiger und unglaublich spannender Fantasy-Roman - ich habe das Buch regelrecht verschlungen!
    Heftiger Fantasy-Roman

    Auf den Fantasy-Roman „Priest of Bones“ von Peter McLean – Auftaktband der Reihe „Der Kampf um den Rosenthron“ – habe ich so ungeduldig gewartet und mich total gefreut, als es endlich erschienen ist! Hierbei hat der Klappentext meine Erwartung auf eine spannende, dramatische und actionreiche Fantasygeschichte mit facettenreichen Charakteren in die Höhe geschraubt. Es ist das erste Buch, das ich von dem Autoren gelesen habe, und mir hat es richtig gut gefallen, da der Schreibstil und die Charakterzeichnung mich faszinieren konnten und die Handlung einfach mega spannend ist. Ich hab das Buch regelrecht verschlungen – für mich ein Buchhighlight!


    Ein Kampf, der nicht endet


    „Nach dem Krieg kehrten wir heim. Fünfundsechzigtausend an Schlachtenkoller leidende Berufstotschläger kamen in ihre Heimat zurück, wo es keine Arbeit und nichts zu beißen gab und die Pest wütete.“


    (S. 13 des eBooks „Priest of Bones“ von Peter McLean, Klett-Cotta Verlag)

     

    Drei Jahre hat der Soldatenpriester Tomas Piety in dem albtraumhaften Krieg gekämpft – dann haben sie gesiegt. Doch für ihn und seine Soldaten, die plötzlich ohne „Arbeit“ und Ziel dastehen, weil der Krieg ihnen alles genommen hat, geht der Kampf weiter. Zusammen mit seiner rechten Hand Bloody Anne, seinem Bruder Jochan und vielen ehemaligen Soldaten kehrt Tomas in seine Heimatstadt Ellinburg zurück, um seine Geschäfte weiterzuführen. Denn vor dem Krieg ist er ein angesehener, respektierter, aber auch gefürchteter „Geschäftsmann“ gewesen, dem viele Herbergen, Gasthäuser, Spielcasinos und Bordelle gehört haben. Doch als sie in Ellinburg ankommen, muss er erkennen, dass sich viel geändert hat. Die Menschen leiden Hunger, sind größtenteils arbeitslos, erholen sich nur langsam von der Pest. Und andere Kriminelle haben die Kontrolle über Tomas Geschäfte übernommen – seine Straßen gehören ihm nicht mehr, sie haben ihm alles weggenommen. Das kann er nicht durchgehen lassen. Tomas beginnt seine gefährliche Gang die „Pious Men“ wieder aufzubauen, seine Geschäfte mit aller Härte zurückzuerobern, wobei ihm die Kriegserfahrung sehr hilfreich ist, und sorgt dafür, dass die Leute in seinen Straßen wieder Arbeit und Essen bekommen. Dann taucht plötzlich Ailsa auf, eine Spionin der Krone, und fordert Tomas‘ Hilfe gegen einen Gegner, der den Krieg diesmal direkt nach Ellinburg bringen könnte. Und alles wird problematischer, als es anfangs erschienen ist.


    Soldaten, Gangster und Magier in einer düsteren Welt


    „Immer der rechte Mann am rechten Platz, lautete meine Führungsphilosophie.“


    (S. 134 des eBooks „Priest of Bones“ von Peter McLean, Klett-Cotta Verlag)

     

    Die Story spielt in der trostlosen, düsteren und schmutzigen Industriestadt Ellinburg, wobei alles sich in einer Zeit befindet, die einer Kombination aus Mittelalter und Industriezeitalter entspricht. In „Priest of Bones“ von Peter McLean dreht es sich zum größten Teil darum, wie Tomas durch strategische und brutale Maßnahmen seine Geschäfte zurückerobert, seine Stellung in Ellinburg festigt und seine Gang ausbaut. Währenddessen spielen auch Schwierigkeiten mit Schlachtenkoller (Traumata durch den Krieg), Hexerei, Aberglaube und Konflikte zwischen den Charakteren eine große Rolle, so z. B. die Probleme zwischen Tomas und seinem Bruder Jochan oder die recht schaurige Entwicklung, die der zwölfjährige Billy the Boy durchlebt. Und dass es einen noch größeren Gegner als „einfache“ Straßengangs und die Stadtwache gibt, nämlich einen, der unbemerkt versucht die Kontrolle über die Stadt und das Land zu erlangen. Aber auch die Mittel, welche die Krone (Regierung) anwendet, sind verblüffend. In diesem Fantasy-Roman gibt es so viele Intrigen, Ränkespiele, Machtkämpfe, Action und Wendungen, dass keine Langeweile aufkommen kann.

    Was mich hier bereits auf den ersten Seiten faszinieren und packen konnte, ist Peter McLeans Schreibstil, da er unglaublich gut realistisch, rasant und spannend schreibt. Besonders hat mir die geschickte Charakterzeichnung im Zusammenhang mit der actionreichen und düsteren Story gefallen, die bei mir ein großartiges und bildgewaltiges Kopfkino verursacht hat. Beschreibungen der Schrecknisse während des Krieges verfehlen nicht ihre Wirkung, denn diese sind so echt und schaurig geschrieben wie die Machtkämpfe in den Straßen Ellinburgs und einige der Geheimnisse aus der Vergangenheit von Bloody Anne, Tomas und Jochan Piety. Da lief es mir schon mal kalt den Rücken hinunter!


    Faszinierend und spannend


    „Meine Leute wussten, dass etwas Unrechtes getan worden war, und wenn in meinen Augen etwas Unrechtes getan worden war, folgte das strenge Strafgericht auf dem Fuße.“


    (S. 15 des eBooks „Priest of Bones“ von Peter McLean, Klett-Cotta Verlag)

     

    So grausam, brutal und hoffnungslos wie diese Welt ist, so sind auch zu einem großen Teil die Charaktere, denn diese sind definitiv düstere Persönlichkeiten, die sich dadurch ganz wunderbar in die Story fügen. Da die Handlung aus der Sicht des Soldatenpriesters und Bandenchefs Tomas Piety erzählt wird, erfährt man seine Gedanken, Beweggründe und Pläne direkt. Tomas ist ein sehr gefühlskalter und pragmatisch denkender Charakter – und so abgestimmt ist auch der Schreibstil, was hier richtig großartig gelungen und beeindruckend ist. Er hat einen hohen Gerechtigkeitssinn, doch was für ihn Gerechtigkeit ist, muss es nicht auch für andere bedeuten. Er nutzt alles aus, was für ihn ein Vorteil bedeuten könnte, ihn seinem Ziel näher bringt, sei es das Anwenden oder die Androhung von Gewalt, der Glaube an die Götter, das Verwenden von Magie oder das Schüren von Hoffnung – wobei er tatsächlich auch das Beste für seine Leute will und ihnen auch hilft, jedoch oft auf eine grausame und rücksichtslose Weise, wobei es zu vielen blutigen und brutalen Kämpfen und zu viel Zerstörung kommt.

    Auch die anderen Charaktere sind äußerst interessant und haben mir gefallen. So z. B. Tomas‘ treue Freundin und rechte Hand Bloody Anne, die ihrem Namen alle Ehre macht und die eine ausgezeichnete und furchtlose Soldatin ist. Tomas‘ schwer gestörter, unberechenbarer und launischer Bruder Jochan, der sich wie ein Berserker in Kämpfe stürzt. Die skrupellose Agentin Ailsa. Tante Enaid, eine ruppige Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Der zwölfjährige Billy the Boy, bei dem sich magische und beängstigende Fähigkeiten bilden. Der dicke Luka mit seiner manipulativen Stärke. Cookpot, der genauso gut im Diebstahl wie in Kochen ist. Sir Eland, ein falscher Ritter. Und noch ganz viele weitere.

    Ganz am Anfang des Buches gibt es eine Karte von Ellinburg und ein Verzeichnis über die Charaktere, sodass man alles gut nachschlagen bzw. nachvollziehen kann.

    Der Showdown war einfach heftig! Ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung!

    Fazit:

    Heftiger und spannender Fantasy-Roman um Gangster, Soldaten und Magier. Ich habe das Buch „Priest of Bones“ von Peter McLean regelrecht verschlungen und warte nun sehnsüchtig auf die Fortsetzung! Absolute Leseempfehlung!

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    Cover des Buches Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland9783764532345

    Bewertung zu "Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland" von Christina Henry

    Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
    Roman-Tippsvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Fantasievoll, bizarr, verrückt und finster ist die Neuerzählung von "Alice im Wunderland" - oft auch ziemlich grausam und blutig.
    Leben in einem Albtraum

    Von „Alice im Wunderland“ kenne ich viele Verfilmungen, das Buch habe ich allerdings leider noch nie gelesen. Da ich die Geschichte total gerne mag, weil sie fantasievoll, amüsant und verrückt ist, konnte ich nicht widerstehen, als der Auftaktband und die finstere Neuerzählung „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry erschienen ist – denn auch der Klappentext verspricht eine richtig gute Geschichte.


    Leben in einem Albtraum


    „Das war das Problem, wenn man nicht ganz richtig im Kopf war. Man wusste oft nicht, ob einem die eigenen Augen die Wahrheit sagten.“


    (S.26 des eBooks „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry, Penhaligon Verlag)


    Der finstere Fantasy-Roman „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry beginnt damit, dass Alice sich seit zehn Jahren in einem nicht enden wollenden Albtraum befindet. Sie ist gefangen in einem schrecklichen und düsteren Irrenhaus in der Alten Stadt, wo sie ihren Albträumen ausgeliefert ist und ihre einzige Kontaktperson Hatcher ist, ein verrückter Axtmörder aus der Nachbarzelle, der zu ihrem treuen Freund wird. Sie kann sich an nichts erinnern, außer an einen Mann mit Kaninchenohren, der ihr anscheinend etwas Schreckliches angetan hat. Doch als in der Klinik ein Feuer ausbricht, gelingt Alice und Hatcher die Flucht. Nun fangen die Probleme aber erst richtig an. Denn tief im Keller des Irrenhauses ist ein gefährliches und blutrünstiges Wesen eingesperrt gewesen, welches nun auch entkommen konnte. Es wird Jabberwock genannt und hinterlässt überall nur Zerstörung und Tod, während es auf der Jagd nach Alice und Hatcher ist und auf der Suche nach einem magischen Gegenstand, um vollkommene Macht zu erhalten. Alice und Hatcher sind die einzigen, die den Jabberwock aufhalten können. Doch dafür brauchen sie noch einige Ausrüstungsgegenstände und Informationen, weshalb für die beiden eine lange, kräfteraubende und ziemlich verrückte Reise durch eine finstere, grausame und bizarre Welt beginnt – bzw. durch eine düstere, stinkende und verwinkelte Stadt, wo hinter jeder Ecke eine Gefahr lauert.


    Blutige Neuerzählung


    „Der hat mehr vergessen als du oder ich jemals wissen könnten.“


    (S. 46 des eBooks „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry, Penhaligon Verlag)


    Ich hatte am Anfang wirklich Schwierigkeiten in die Geschichte zu finden, da mir alles viel zu konfus vorgekommen ist, sich keine Spannung aufbaute und die Umgebung deutlich zu vage beschrieben worden ist, sodass ich mir alles nicht so gut vorstellen konnte und es für mich anstrengend gewesen ist der Story weiter zu folgen. Ich fand es merkwürdig, dass sich ausgerechnet im Keller des Irrenhauses, in dem sich Alice befindet, der Jabberwock eingesperrt sein soll. Warum ist im Keller eines Irrenhauses ein blutrünstiges und gefährliches Wesen eingesperrt?! Und warum sind Alice und Hatcher die Einzigen, die gegen den Jabberwock kämpfen können? Doch gegen Mitte des Buches kommt Spannung auf, alles spielt sich ein und es geht genauso fantasievoll, bizarr und verrückt weiter mit vielen Verstrickungen und Überraschungen – aber das ist es ja auch, was ich von einer Nacherzählung von „Alice im Wunderland“ erwartet habe. ^^ Definitiv anfangs gewöhnungsbedürftig, aber es wird dann doch sehr mitreißend.

    Ebenso ist die Neuerzählung nicht nur finster, sondern auch richtig blutig und grausam. Denn Alice und Hatcher werden in dieser Welt von einer Stelle zur nächsten geschickt, wodurch für die beiden eine albtraumhafte, erschreckende und blutige Reise durch eine bizarre Welt beginnt, wo sie auf nicht wenige finstere Gestalten treffen. Der Roman gibt schonungslos Einblicke in Abgründe des Horrors. Und verdreht die Romanvorlage auf geschickte und interessante Weise, sodass man hier auf bekannte Charaktere aus „Alice im Wunderland“ trifft, die nun eine düstere, grausame und schaurige Rolle spielen.


    „Mit einem Mal wusste Alice, wie Hatcher empfand, warum er seine Liebe zu ihr damit zeigte, dass er anbot, sie zu erschießen, bevor irgendein Krimineller sie in seine Fänge bekam.“


    (S. 129 des eBooks „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry, Penhaligon Verlag)


    Mit dem Schreibstil, den Dialogen und dem Verhalten der Charaktere verhält es sich genauso, denn diese sind auch recht absonderlich, sodass ich schwankte zwischen Schmunzeln und einem mulmigen Gefühl.

    Die Geschichte erfährt man aus der Sicht von Alice im Form des personalen Erzählers. Im Laufe der Geschichte lernt man Alice und Hatcher immer besser kennen. Während Alice erst vorsichtig und verwirrt durch die Welt stolpert, sich jedoch allmählich zu einer mutigen Heldin verwandelt, ist Hatcher jemand, der sich furchtlos in jede Gefahr stürzt und davon getrieben wird, seine Aufgabe zu erfüllen. Mit der Zeit erfährt man auch, welches dunkle Geheimnis die beiden umgibt, von dem sie selber noch nichts wissen. Denn beide können sich an die Zeit vor dem Irrenhaus nicht mehr erinnern, doch kommen nach und nach ihre Erinnerungen bruchstückhaft zurück. Die Auflösung ihres schaurigen Geheimnisses, was ihnen vor ihrem Zwangsaufenthalt in der psychiatrischen Klinik widerfahren ist, konnte mich wirklich schocken. Ich finde, dass Christina Henry die Charaktere und ihre Hintergründe sehr passend zu der Geschichte gestaltet hat.

    „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry ist eine interessante Neuerzählung und konnte mich insgesamt trotz einiger Anfangsschwierigkeiten und einer Gewöhnungsphase sehr gut unterhalten. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

    Fazit:

    Finstere Neuerzählung von „Alice im Wunderland“, die so fantasievoll, bizarr und verrückt wie das Original ist, nur manchmal etwas zu sehr grausam und blutig. Zwar hatte ich bis ungefähr zur Mitte des Buches Schwierigkeiten in die Geschichte zu finden, dann wurde es jedoch sehr schön mitreißend, denn es gibt so einiges, was überraschen kann. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

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