Schiller-Buchhandlung

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    Cover des Buches Das verlorene Bestiarium (ISBN: 9783423248297)

    Bewertung zu "Das verlorene Bestiarium" von Nicholas Christopher

    Das verlorene Bestiarium
    Schiller-Buchhandlungvor 9 Jahren
    Rezension zu "Das verlorene Bestiarium" von Nicholas Christopher

    Überall auf der Welt gibt es Bestiarien, ältere und neuere, in denen die Tiere beschrieben und gezeichnet wurden, die es auf der Erde gibt. Aber nur in einem Bestiarium, dem "Karawanenbuch", sind jene Lebewesen verzeichnet, die der Legende nach keinen Platz auf der Arche Noah fanden, als die Sintflut kam, und fortan nur noch in Legenden und Mythen weiterlebten.

    Xeno Atlas ist seit frühester Kindheit fasziniert von diesen Fabelwesen, von denen seine Großmutter abends erzählte, während sein Vater als Seemann um die Welt reiste und Xeno eher kühl gegenübertrat. Während seiner Schulzeit erfährt Xeno von dem Karawanenbuch und setzt seitdem alles daran, dieses Buch zu finden - eine Aufgabe, an der schon andere vor ihm gescheitert sind. Doch für Xeno ist die Suche nach dem Buch nicht nur eine wissenschaftliche Arbeit, sondern auch die Suche nach seiner Familiengeschichte, eine Reise zu sich selbst und ein Anker in einer Welt, die ihm mit allem Schönen und allem Schrecklichen begegnet.

    Dieser Roman hat mich sehr gefesselt - obwohl er auf den ersten Blick wie ein Fantasy-Roman erscheinen mag, ist er es nicht, sondern vielmehr die Geschichte eines kleinen einsamen Jungen, der an der Suche nach fantastischen Geschöpfen wächst und erwachsen wird. Ein Buch für jeden, der in einer manchmal tristen Welt ein wenig Zauber und Magie erleben und erlesen möchte.

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    Cover des Buches Auf der Strecke (ISBN: 9783257240689)

    Bewertung zu "Auf der Strecke" von Claus-Ulrich Bielefeld

    Auf der Strecke
    Schiller-Buchhandlungvor 9 Jahren
    Rezension zu "Auf der Strecke" von Claus-Ulrich Bielefeld

    Der erfolgreiche Autor Xaver Pucher wird ermordet aufgefunden - im Nachtzug von Wien nach Berlin. Da die Gründe für den Mord nicht nur in Wien, sondern auch in Berlin zu finden sein könnten, muss die energische Enddreissigerin Anna Habel mit dem Mittfünziger Thomas Bernhardt aus Berlin gemeinsam ermitteln. Während sie zu Beginn immer wieder aneinandergeraten, finden sie im Laufe der Ermittlungen dann doch ein gemeinsame Ebene und können so auf der Frankfurter Buchmesse den Fall aufklären.

    Natürlich gefällt einer Buchhändlerin ein Krimi, der in der Buchbranche spielt! Ich fand aber auch das ungleiche Ermittlerpaar, das sich irgendwie zusammenfinden muss, überzeugend. Anna Habel, die beherzt und manchmal vielleicht auch ein wenig übermotiviert agiert, hat natürlich so ihre Probleme mit dem eher behäbigen Berliner Kollegen. Aber nicht nur daraus bezieht dieser Krimi seinen Reiz, sondern es ist auch ein gut und spannend konstrierter Fall - lediglich die Aufklärung ging dann etwas hoppla - hopp. Aber einem Erstling verzeiht man das gerne und ich hoffe doch, wir werden noch mehr Fälle mit Anna Habel und Thomas Bernhardt zu lesen bekommen! #MA

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    Cover des Buches Nemesis (ISBN: 9783446236424)

    Bewertung zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    Schiller-Buchhandlungvor 9 Jahren
    Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    1944 im Süden der USA: In der Stadt Newark lebt Bucky Cantor, ein sportlicher junger Mann, der wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht eingezogen wurde. In den Sommerferien betreut er die Jungen des Viertels, in dem er lebt und spielt mit Ihnen Baseball. Aber ein Schatten liegt über diesem heißen Sommer: Es gibt Fälle von Polio, die sich im Laufe der Wochen immer stärker ausbreiten und zur Epedemie werden. Auch in Buckys Sportgruppe bricht die Krankheit ein und es gibt die ersten Toten zu beklagen. Als seine Verlobte Marcia, die in den Ferien als Betreuerin in einem Feriencamp in den Bergen arbeitet, ihn bittet, den Posten des Bademeisters zu übernehmen von einem jungen Mann, der eingezogen wurde, nimmt Bucky die Stelle an, obwohl er das Gefühl nicht loswird, seine Jungs im Stich zu lassen. Nach kurzer Zeit im Camp gibt es auch dort den ersten Poliofall......

    Die Romane, die ich von Philip Roth nach "Der menschliche Makel" gelesen habe, haben mich alle enttäuscht. Dieser jedoch hat mich wieder sehr beeindruckt. Wie es Roth gelingt, die beklemmende Stimmung in Newark zu beschreiben, die Unsicherheit im Umgang mit der Epedemie - niemand weiß, wo die Ursache für die Krankheit liegt - das ist meisterhaft. Und auch das Schicksal von Bucky Cantor ist tragisch: Er fühlt sich verantwortlich für den Tod seiner Mutter, die bei seiner Geburt starb. Auch daß er aufgrund seiner Kurzsichtigkeit nicht zur Armee kann, bedrückt ihn. Um so hingebungsvoller kümmert er sich um die Jungen seines Vietrels und versucht, ihnen während der Epedemie Sicherheit und Zuversicht zu geben. Als er nach den ersten Todesfällen die Stadt verlässt, empfindet er das so, als ob er sie im Stichn ließe. Und als dann der erste Poliofall im Camp auftritt, hat er den Verdacht, daß er es war, der die Krankheit dorthin mitgebracht hat. Nachdem er selbst ebenfalls erkrankt, löst er die Verlobung mit Marcia, denn er meint, als Krüppel nicht gut genug zu sein - kurz, er fühlt sich für alles schreckliche, was in seinem Leben passiert, verantwortlich. Ich hätte ihn schütteln mögen!

    Auch stilistisch hat mich das Buch überzeugt: In der Mitte des Buches merken wir plötzlich, wer die Geschichte erzählt: Einer der Jungen, die Bucky betreut hat und der ebenfalls an Kinderlähmung erkrankt ist. Ihm erzählt Bucky viele Jahre später Teile seines Lebens nach seiner Erkrankung.

    Spannend, berührend, zum Nachdenken anregend - ein literarisches Meisterwerk, das mich so schnell nicht losgelassen hat! #MA

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    Cover des Buches Rückkehr nach Missing (ISBN: 9783458174509)

    Bewertung zu "Rückkehr nach Missing" von Abraham Verghese

    Rückkehr nach Missing
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Rückkehr nach Missing" von Abraham Verghese

    Dieser opulente Roman führt uns nach Äthiopien: In den 60er Jahren kommen im Missing, einem Missionshaus in Adis Abeba Zwillingsbrüder zur Welt - Marion und Shiva, Söhne einer indischen Nonne, die im Hsopital als Krankenschwester arbeitet und eines englischen Arztes. Während ihre Mutter während der komplizierten Geburt stirbt, verschwindet der Vater spurlos. Marion und Shiva werden von Hanna, Gynäkologin im Missing und Ghosh, ebenfalls Arzt dort, aufgezogen.
    Die beiden Brüder sind unzertrennlich und scheinen sich ohne Worte zu verstehen. Beide interessieren sich früh für Medizin, allerdings für unterschiedliche Bereiche. Während Shiva seiner Pflegemutter nacheifert und seine Kenntnisse in der Frauenheilkunde vertieft, tritt Marion in die Fußstapfen seines leiblichen Vaters und studiert Chirurgie. Als die beiden Brüder beginnen, sich für das gleiche Mädchen zu interessieren, beginnen sie, sich zu entfremden. Daß Genet Shiva vorzieht, trifft Marion tief und er kann seinem bruder nicht verzeihen.
    Währenddessen wird die politische Lage in Äthiopien immer instabiler und als Marion in falschen Verdacht gerät, muß er das Land verlassen. Er erhält ein Stipendium an einem Armenkrankenhaus in Brooklyn. Dort kann er seine medizinische Ausbildung beenden. Und er trifft Genet wieder. Als er kurz danach schwer knrank wird, kann nur Shiva ihn retten und es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung der beiden Brüder.....
    Eingebettet in die unruhige Geschichte Äthiopiens erzählt dieser Roman spannend nicht nur die Geschichte der beiden Zwillingsbrüder, sondern auch die der Missionsstation Missing und der Menschen, die dort leben, arbeiten, leiden und hoffen. "Halb Dickens, halb Greys Anatomy" lautet eine Zeitungskritik in Amerika - und das trifft den Nagel auf den Kopf! (MA)

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    Cover des Buches Kinderkacke (ISBN: 9783455501506)

    Bewertung zu "Kinderkacke" von Julia Heilmann

    Kinderkacke
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Kinderkacke" von Julia Heilmann

    Über das Kinderkriegen und das Leben mit Kindern gibt es unzählige Ratgeber, die pädagogisch sicher durchaus wertvoll sind. Aber sind sie auch realistisch? Spiegeln sie das reale Familienleben wirklich wieder oder fällt nicht doch ziemlich viel Familienwirklichkeit unter den Tisch?
    Diese Frage beschäftigte Julia Heilmann und Thomas Lindemann bei der Btrachtung der zahlreichen Bücher in ihrem Regal, in denen sie sich nicht wiederfanden. Deshalb haben sie ein ehrliches Elternbuch geschrieben. Schon der Titel ihres Buches „Kinderkacke“ wiest darauf hin, dass hier nichts verklärt und verschwiegen wird, sondern Klartext gesprochen bzw. geschrieben wurde. „Kinder sind kleine Monster und sehr sehr anstrengend. Das Sexleben liegt darnieder, die Schwiegereltern nerven, die Freunde melden sich nicht mehr, das Geld ist knapp und die staatliche Hilfe ein Witz.“ So lautet der Klappentext, den Hoffmann und Campe Verlag, in dem das Buch erschienen ist, formuliert hat. Erstaunlich, dass Julia Heilmann und Thomas Lindemann nach dem ersten Kind nicht gleich Schluß gemacht haben, sondern inzwischen schon 2 Kinder haben. In manchen Presseberichten war gar zu lesen, dass sie über ein drittes Kind nachdenken!
    In ihrem Buch reflektieren sie über verschiedene Themengebiete wie z.B. „Der äußere Kampf – Deutschland ist kein Kinderland“ oder „Der innere Kampf – Angst essen Eltern auf“. Dabei kommen kapitelweise immer entweder Vater Thomas oder Mutter Julia zu Wort. Sie erzählen amüsant und provozierend von ihren eigenen Erfahrungen und von Erfahrungen, die befreundete Familien gemacht haben. Wir lesen, wie man sich als Vater im Kindercafé Wolkenzwerg fühlt, wie man sich als Mutter fühlt, wenn man beim PEKIP aus Versehen einschläft oder wie familienfreundlich die sogenannten Kinderabteile wirklich sind. Nur bei einer Kapitelüberschrift ging mir persönlich die Provokation entschieden zu weit: Den Abschnitt über die Geburt aus Vatersicht mit „Erinnerung an Stalingrad“ zu überschreiben finde ich schlicht geschmacklos und wundere mich, dass hier das Lektorat des Verlages nicht eingegriffen hat. So ein Vergleich ist einfach unpassend, vor allem, weil die beschriebenen Erfahrungen wenig bis nichts mit den Kriegserfahrungen der Menschen, die Stalingrad erlebt haben zu tun haben.
    Von diesem Fauxpax einmal abgesehen finde ich „Kinderkacke" ein wichtiges und wahrhaft ehrliches Buch, dem man viele Leserinnen und Leser wünschen möchte! (MA)

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    Cover des Buches Kein Weg zurück (ISBN: 9783890293905)

    Bewertung zu "Kein Weg zurück" von Graham Bowley

    Kein Weg zurück
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Kein Weg zurück" von Graham Bowley

    Im August 2008 waren mehrere Expeditionen und Einzelbergsteiger im Basislager des K 2, um den zweithöchsten Berg der Erde zu besteigen. Neben Norwegern und Amerikanern, waren auch Serben, Franzosen, Niederländer und Südkoreaner gekommen, um den Berg zu erobern. Angesichts der großen Menge an Menschen gab es einen gemeinsamen logistischen Plan, der es am 1. August 24 Bergsteigern ermöglichen sollte, den Gipfel zu erreichen. An der Schlüsselstelle jedoch, dem sogenannten Flaschenhals, über dem ein gefährlicher Gletscherbruch hängt, gerät die Karawane ins Stocken und 2 Bergsteiger verunglücken tödlich. Durch den Stau im Flaschenhals erreicht ein Großteil der Teams den Gipfel erst gegen Abend, während sich am Flaschenhals eine weitere Tragödie ereigent: Aus dem Gletscher löst sich eine Eislawine, unter der der norwegische Bergsteiger Rolf Bae begraben wird, der zurückgeblieben ist, und nun auf seine Frau gewartet hat. Verhängnisvoll: Es gehen auch die Fixseile verloren, die den Absteigenden Halt und Orientierung geben sollten......
    Akribisch und auf Basis vieler Gespräche, die er mit Überlebenden und Angehörigen führte, trägt der amerikanische Journalist Graham Bowley die Einzelheiten zusammen, die zu dem tragischen Unglück führten, bei dem letztendlich 11 Bergsteiger ihr Leben ließen und zwei weitere unter dramatischen Umständen in letzter Minute gerettet wurden. So läßt er uns teilhaben an der Faszination, die der Berg ausübt, aber auch an der Unbarmherzigkeit der Natur. Manches bleibt offen, da die Schilderungen der Vorfälle sich teilweise nicht decken - kein Wunder, ist doch das menschliche Gehirn in über 8000 m Höhe nur eingeschränkt funktionsfähig.

    Dieses Buch ist wirklich sehr spannend geschrieben - der Vergleich mit Jon Krakauers Bergklassiker "In eisige Höhen" drängt sich auf. Ähnlich wie bei der Tragödie am Everest führt auch hier eine Mischung aus menschlicher Selbstüberschätzung, Leichtsinn und Naturgewalt zu den tragischen Todesfällen. Krakauers Buch war dadurch, daß der Autor selbst an der Expedition beteiligt war, sicher noch emotionaler. Aber Graham Bowley’s Bericht muss den Vergleich nicht scheuen - wer sich für Bergexpeditionen interessiert wird dieses Buch verschlingen! (MA)

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    Cover des Buches Der Bogen des Cellisten (ISBN: 9783833307232)

    Bewertung zu "Der Bogen des Cellisten" von Andromeda Romano-Lax

    Der Bogen des Cellisten
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Der Bogen des Cellisten" von Andromeda Romano-Lax

    Im Mittelpunkt dieses epischen Romans steht Feliu Delargo, der 1892 in einem katalanischen Dorf geboren wird. Nach dem Tod seines Vaters erbt er, noch Kind, von seinem Vater einen Cellobogen, ohne zunächst zu wissen, um was es sich bei diesem Gegenstand überhaupt handelt. Zuerst erhält er beim Dorlehrer Geigenunterricht, denn seine Musikalität wird schnell erkannt. Bei einem Konzert, das der berühmte Pianist Al – Cerraz zusammen mit seinem Trio in seinem Heimatdorf gibt, sieht er zum ersten Mal ein Cello. Sein Lehrer hatte ihn vorbereitet, nach dem Konzert von Al – Cerraz zu spielen, in der Hoffnung, der Pianist würde das Talent des Kindes erkennen. Feliu jedoch steht noch so unter dem Eindruck des Konzertes, dass er auf seiner Geige spielt wie auf einem Cello. Dafür erntet er zwar den Spott des Pianisten, aber er erhält auch eine Empfehlung für einen Lehrer in Barcelona, der er jedoch erst mit 14 Jahren zusammen mit seiner Mutter folgen kann. Er erhält dort Unterricht bei einem einst berühmten Cellisten.

    Mit 17 Jahren wechselt er an den spanischen Hof, um dort beim Hofkomponisten Einzelunterricht zu erhalten. Dort begegnet er dem Pianisten wieder und von da an sind die Wege der beiden Musiker in Freundschaft und Rivalität miteinander verbunden. Feliu wird Mitglied im Trio von Al – Cerraz und reist mit ihm monatelang durch Spanien, beide Männer lieben die selbe Frau, die geheimnisvolle Geigerin Aviva. Eine Liebe, die tragisch enden wird.

    Von 1892 – 1940 spannt die Autorin den Bogen ihres Romans. Es ist ein Roman, in dem die Musik im Mittelpunkt steht, aber auch die Geschichte Spaniens. Vieles in der Figur erinnert an Pablo Casals, den berühmten Cellisten, für den ebenso wie für Feliu im Roman die Cellosuiten Johann Sebastian Bachs von zentraler Bedeutung waren. Und der zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs ebenso eindeutig politisch Stellung bezog und deshalb Spanien verlassen musste wie der Romanheld. Das ist kein Wunder, denn, wie Andromeda Romano – Lax im Nachwort des Romans schreibt, eigentlich wollte sie, die Sachbuchautorin, ursprünglich ein Buch über Casals schreiben.

    Für dieses Buch solltet Ihr Euch Zeit nehmen, um Euch richtig auf die 640 Seiten einlassen zu können. Es ist eine spannende Lektüre für alle MusikliebhaberInnen und für LeserInnen, die sich für die neuere spanische Geschichte interessieren. Und vielleicht geht es Euch dann so wie mir: Ihr möchtet eigentlich gleich etwas von den Cellosuiten Bachs, das Cellokonzert von Edward Elgar oder andere Musikstücke, die in diesem Buch erwähnt werden anhören! (MA)

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    Cover des Buches Der alte König in seinem Exil (ISBN: 9783446236349)

    Bewertung zu "Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger

    Der alte König in seinem Exil
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger

    Arno Geiger erzählt die Geschichte seines Vaters, der an Alzheimer erkrankt ist. 1926 als drittes von 10 Kindern geboren, wächst er auf dem elterlichen kleinen Bauernhof im österreichischen Wolfurt auf. Mit 18 Jahren muss er in den Krieg, gerät in russische Gefangenschaft und überlebt nur knapp eine schwere Erkrankung, bevor er entlassen wird. Zu Fuss wandert er nach Hause in die Heimat, die er nie wieder verlassen möchte. Er heiratet spät, die Ehe wird nicht glücklich, denn seine Frau will reisen, aber er will nicht mehr fort aus seinem Heimatdorf und aus dem Haus, das er eigenhändig gebaut hat.

    Diese Lebensgeschichte enthüllt sich uns Leserinnen und Lesern eher beiläufig, in kurzen Einschüben, Zitaten oder Gesprächen, die der Sohn mit seinem Vater führt. Denn die Hauptsache in diesem Buch ist die Annäherung eines Sohnes an seinen Vater, der nicht mehr Herr über sich selbst ist. Über längere Zeit war das Verhältnis zueinander eher distanziert, aber nun, wo es klar ist, was mit dem Vater los ist, will der Sohn sich ihm widmen. Liebevoll begegnet er dem Vater, führt Gespräche mit ihm und auch wenn diese Gespräche manchmal merkwürdig verlaufen. In verschiedenen Zitaten und Dialogen, die den jeweiligen Abschnitten vorausgestellt sind, erschließt sich einem das ganze Dilemma, das diese Krankheit mit sich bringt: Weisheit und Sinnlosigkeit liegen eng beieinander.

    Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Trotz des schwierigen Themas hat das Buch eine gewisse Leichtigkeit. Arno Geiger jammert nicht, er beschönigt nichts: Die Zeit, die es gedauert hat, bis die Familie erkannte, was mit dem Vater los ist, und die Trauer über diese verlorene Zeit und die Energien die in dieser Zeit für die falschen Dinge aufgebracht wurden. Die Schwierigkeiten mit den Betreuerinnen, die sie einstellen müssen, als sie selbst die Betreuung nicht mehr leisten können, die Entscheidung, den Vater ins Heim geben zu müssen. Manche Situationen sind einfach komisch, auch wenn sie eigentlich tragisch sind, z.B. wenn der Vater dem Nachrichtsprecher Weihnachtsplätzchen anbietet. Dabei sprechen aus seinem Text stets Liebe und Respekt für seinen Vater, der sich immer mehr in eine andere Welt zurückzieht und das macht das Besondere aus im Vergleich zu anderen Büchern von Söhnen über ihre Väter.

    Im Dialog zwischen Vater und Sohn heißt es einmal: "Ich fühle mich nicht verlassen oder enttäuscht. Ich habe Verschiedenes erlebt und Verschiedenes gehabt und Verschiedenes erreicht. Es ist nicht so schlimm, dass jetzt nur mehr wenig Leistung in mir vorhanden ist." "Ich finde, du unterschätzt dich. Ich unterschätze dich nicht. Es ist noch viel vorhanden, wenn auch vielleicht nicht Leistung im herkömmlichen Sinn."

    Wunderbare Lektüre, die man nicht so schnell vergisst - ein Buch, das nicht nur einmal gelesen werden will! (MA)

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    Cover des Buches Die Frauen von Savannah (ISBN: 9783462042863)

    Bewertung zu "Die Frauen von Savannah" von Beth Hoffman

    Die Frauen von Savannah
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Die Frauen von Savannah" von Beth Hoffman

    Cecilia Rose, genannt CeeCee ist zwölf Jahre alt und lebt in den 60er Jahren mit ihrer Mutter in einer Kleinstadt in Ohio. Ihr Vater ist Handelsvertreter und fast nie zu Hause, vor allem seitdem seine Frau immer verrückter wird. CeeCees Mutter stammt aus Georgia und ist ihrem viel älteren Mann in den Norden gefolgt, in dem sie sich nie heimisch fühlte. Sie trauert ihrer Jugend nach, der Zeit, als sie die Zwiebelkönigin gewesen ist. Ihre Leidenschaft sind shoppen und altertümliche Ballkleider, mit denen si dann am hellichten Tag durch die Stadt stolziert. Kein Wunder, daß CeeCee verspottet wird von ihren Klassenkameraden und ein sehr einsames Leben führt. Lediglich ihre Nachbarin, Mrs. Odell, eine alte Dame, gibt ihr Halt und Zuneigung.

    Als eines Tages CeeCees Muter bei einem Autounfall tödlich verletzt wird, nimmt ihre Grosstante Tooti sie auf in ihr Heim in Savannah, in dem sie mit ihrer farbigen Haushälterin Oletta lebt. Zum ersten Mal erfährt CeeCee Liebe und Sorge um sich. Schnell freundet sie sich mit Oletta an, die Martin Luther King verehrt und liest ihr aus der Zeitung oder ihren Kinderbüchern vor. Auch in Miss Goodpepper, einer ziemlich exzentrischen Nachbarin, die Nachts in einer Freiluftbadewanne zu baden pflegt und ihre Blumen mit Musik verwöhnt, findet si eine Freundin. Und als sie sich in der Schule der Schulleiterin vorstellt, schein auch ihr größter Wunsch in Erfüllung zu gehen: Eine Schulfreundin zu haben.....

    Dieser Roman ist ein richtig schönes Lesevergnügen und entführt uns in der Zeit der 60er Jahre, als die Schwarzen begannen, sich gegen die Rassendiskriminierung aufzulehnen. Im Mittelpunkt stehen, wie der Titel es sagt, die Frauen von Savannah und die enge Gemeinschaft, die sie bilden. Es entsteht ein gefühlvolles, atmosphärisch dichtes, auch mit stillem Humor erzähltes Bild über eine verletzte Kinderseele, die langsam zu heilen beginnt. Wunderbar für einen faulen Lesetag auf Balkon, Terrasse oder Couch! (MA)

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    Cover des Buches Wo die Löwen weinen (ISBN: 9783806224238)

    Bewertung zu "Wo die Löwen weinen" von Heinrich Steinfest

    Wo die Löwen weinen
    Schiller-Buchhandlungvor 10 Jahren
    Rezension zu "Wo die Löwen weinen" von Heinrich Steinfest

    "Dies ist ein Roman über das Vorhaben, eine Stadt zu ermorden. Nie erschien mir die Form des Kriminalromans passender, zwingender, befreiender."

    Dieses Motto hat Heinrich Steinfest seinem Roman zu Stuttgart 21 vorangestellt. Wer allerdings einen konventionellen Kriminalroman erwartet, der wird enttäuscht werden, denn Heinrich Steinfest ist sich selbst treu geblieben und legt einen Krimi vor, der sprachlich heraussticht und voller skurriler Ideen steckt. Damit gelingt es ihm, obwohl klar ist, daß er gegen das Projekt ist, die Geschichte auf eine andere Ebene zu heben. Bei ihm wird es eine Geschichte, die auch in einigen Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren haben wird, ganz egal, ob und in welcher Form S 21 letztlich realisiert oder nicht realisiert werden wird.

    3 Männer stehen im Mittelpunkt des Romans: Der Münchner Kommissar Rosenblüt, einst von Stuttgart nach München versetzt, weil er es sich mit einigen hohen Herren verdorben hatte, der jedoch nun zurückkehrt, weil die Spur einer Erpressung ihn zurück in seine Heimatstadt führt.

    Tobik, der beim Unfalltod seiner Frau erleben musste, wie die Tatsachen so hingedreht wurden, daß seine Frau nicht mehr das Opfer war, sondern selbst schuld an ihrem Tod. Er will den Mächtigen, die nicht mehr wissen, was Angst ist, diese zurückbringen, denn nur wer die Angst kennt, ist in seinen Augen wirklich Mensch. Zurückbringen will er die Angst mithilfe eines Spezialgewehrs, das vor allem von Scharfschützen benutzt wird.

    Und Mach, Archäologe, der geholt wird, weil unter dem Planetarium ein geheimnisvoller Artefakt gefunden wurde, der fest verankert und damit unbeweglich ist und so die Bauarbeiten behindert. Er soll versuchen, den Mechanismus zu verstehen, damit die Figur verschoben werden kann.

    Dieser Krimi ist literarisch anspruchsvoll und nicht immer einfach zu lesen. Vor allem im Mittelteil fiel es mir manchmal schwer, dem Handlungsfaden zu folgen. Aber ich wurde belohnt mit vielen treffenden Formulierungen, die ich mir eigentlich hätte aufschreiben sollen, so genau trafen sie den Kern dessen, was beschrieben wurde.

    Spannend, literarisch, skurril - eine absolute Leseempfehlung! (MA)

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