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Schreibfischgedanken

  • Mitglied seit 29.10.2018
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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Hugo, das Kind in den besten Jahren9783407781420

    Bewertung zu "Hugo, das Kind in den besten Jahren" von Christine Nöstlinger

    Hugo, das Kind in den besten Jahren
    Schreibfischgedankenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: An vielen Stellen wirkt er absurd, was ihn nur umso interessanter, amüsanter und inspirierender macht.
    Es ist ein modernes, fantasiereiches Werk, das auf mehreren Ebenen zum Denken anregt und dabei nicht bedeutungsschwer wirkt.

    Sehr viel Fantasie steckt in Nöstlingers Kinderroman Hugo. An vielen Stellen wirkt er absurd, was ihn nur umso interessanter, amüsanter und inspirierender macht. Neben der normalen Erzählebene gibt es eine tiefere Ebene, die auf gesellschaftliche Missstände hinweist.

    Die Geschichte handelt von Hugo. Er ist ein altes Kind in seinen besten Jahren. Seine Mission ist es eine Gewerkschaft alter Kinder zu gründen, um eine Rente für alle alten Kinder zu erkämpfen. Dafür fliegt er auf einem Zeitungspapier umher und sammelt Unterschriften sämtlicher alter Kinder.

    Im Buch wird das Unmögliche Normalität, so kann Hugo nicht nur fliegen, sondern es gibt auch Kinder, die so klein sind, dass die in ein Buch passen und so schön singen können, dass jeder einschläft, der ihnen zu hört, es gibt Kampfhasen und Hunde, die einen Putsch gegen die Stadt planen sowie dicke große Kinder, deren Aufgabe es ist auf dem Kirchturm zu sitzen oder Weberinnen, die Landschaften in 3D Teppichen verewigen. In dem Buch steckt so viel Fantasie, dass es nicht möglich ist, dies hier knapp darzustellen. Interessant ist jedoch, dass im Laufe des Buches jede weitere aufkommende Absurdität für den Leser normaler wird. Was zeigt, wie sehr das Buch Horizonte öffnet.

    Neben der Geschichte, die schnell erzählt ist, ist das wohl das Besondere. Das Buch lässt sich nicht von der Realität einschränken. Nöstlinger schreibt einfallsreich und beim Lesen bleibt es nicht aus, dass man lächeln muss oder Parallelen zur eigenen Welt sucht. Stellenweise hat mich das Buch auch an die Konstruktionen von Walter Moers erinnert.

    Schade fand ich, dass Hugo zu seinen Eltern ein so schlechtes Verhältnis hat. Das Buch geht dem Klischee nach, dass Eltern immer doof sind und stets nur alles verbieten. Das wird schon in den Namen Miesmeier 1 und Miesmeier 2 deutlich. Immerhin zeigt diese Benennung eine gewisse Geschlechterneutralität.

    Es ist ein modernes, fantasiereiches Werk, das auf mehreren Ebenen zum Denken anregt und dabei nicht bedeutungsschwer wirkt.

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    Cover des Buches Der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach9783407785176

    Bewertung zu "Der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach" von Christine Nöstlinger

    Der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach
    Schreibfischgedankenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Manchmal hatte ich das Gefühl, die Geschichte ist wenig hoffnungsvoll, aber genau dadurch animiert sie sich für seine Träume einzusetzen.
    Unkomplexe Handlung, spannende Beziehungskonstellationen und tolle Figurencharakterisierung

    Es wird deutlich, dass sich der Titel an der Redewendung „Besser ein Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ orientiert. Allein über diesen Spruch könnte man stundenlang philosophieren und in der Tat kann man sich auch über die Geschichte, die immer wieder mit dem Spruch in Verbindung kommt, lange und kontrovers austauschen.

    In dem Buch geht es um Lotte, die langsam in die Pubertät kommt bzw. ist. Sie ist nicht besonders gut in der Schule, nicht unbedingt eine Vorzeigetochter und macht hin und wieder Unsinn. Sie ist aber auch keine Rabaukenkönigin oder irgendwie kriminell auffällig. Sie ist ein normales durchschnittliches Kind, das sich nun zum ersten Mal verliebt. Interessant sind daher die Charakterbeschreibungen und die Figurenkonstellationen. Mit ihren Eltern will Lotte nicht viel am Hut haben. Ihr bester Freund ist der Mundi, zumindest behauptet dieser das. Für Lotte scheint Mundi einfach nur praktisch zu sein. Geschickt nutzt sie es aus, dass Mundi anscheinend Gefühle für sie hegt und nutzt dies zu ihrem Vorteil. Ihr Herz schlägt hingegen für Schurli, der erst vor Kurzem in ihrem Wohnhaus eingezogen ist. Ihn versucht sie zu beeindrucken und überschreitet dafür auch gerne Grenzen.

    Das Buch enthält, wie für Nöstlinger typisch, keine Moral oder einen erhobenen Zeigefinger. Es ist nicht offensichtlich pädagogisch und das macht es so wertvoll. Die Figur Lotte ist teilweise noch nicht mal sympathisch. An vielen Stellen wirkt sie eher gemein, berechnend, selbstsüchtig und immer nur auf ihre eigenen Vorteile bedacht. Doch gerade durch diese Figurencharakterisierung zeichnet sich Nöstlinger aus. Sie bietet mit ihrer kurzen Erzählung ein riesiges Gesprächsangebot. Sollte man sich so verhalten? Ist es wirklich besser, das zu behalten, was man hat und nicht das zu wollen, was man vielleicht nicht oder zumindest nur schwer bekommen kann? Sollte man wirklich so schnell resignieren und seine Hoffnung aufgeben oder lohnt es sich zu kämpfen?

    Manchmal hatte ich das Gefühl, die Geschichte ist wenig hoffnungsvoll. Dann wurde mir jedoch bewusst, dass sie gerade dadurch animiert, sich für seine eigenen Wünsche einzusetzen. Auch wenn die Handlung wenig komplex ist, ist es durch die spannende Beziehungskonstellation und Figurencharakterisierung eine Geschichte, bei der man wissen möchte, wie es weiter geht.

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    Cover des Buches Miss Gladys und ihr Astronaut9783548289540

    Bewertung zu "Miss Gladys und ihr Astronaut" von David M. Barnett

    Miss Gladys und ihr Astronaut
    Schreibfischgedankenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch zum wunderbar Weglesen, nicht schmalzig, sondern einfach herzerwärmend
    Keine Literatur nur für Frauen

    Das Buch wird in Foren oft als Frauenliteratur geführt. Auch wenn ich diese Schublade sowieso schon unsinnig finde, – warum sollte Literatur geschlechtsspezifisch sein? Welche Kriterien machen es dazu? Und darf das andere Geschlecht dann kein Interesse an dem Buch haben? … aber das ist ein anderes Thema; vorerst muss ich mich wohl mit dieser Kategorie abfinden – es ist definitiv kein Buch, dass nur von Frauen interessant gefunden werden könnte. Der Verlag schreibt, es sei ein Buch über eine außergewöhnliche Freundschaft. Der Aspekt der Freundschaft ist durchaus vorhanden, auch wenn ich Ihn nicht überwiegend zwischen Miss Gladys und dem Astronauten sehe, da er in den Beziehungen zwischen anderen Charakteren viel deutlicher wird. Es ist viel mehr eine Geschichte über Schicksalsschläge des Lebens und wie man damit umgeht. Zugegeben ist diese Zusammenfassung vielleicht nicht so marketingwirksam und würde vielleicht auch ein weniger passendes Lesepublikum ansprechen. Außerdem ist der Titel so schön griffig und legt den Fokus auf einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte.

    Das Buch beginnt mit einem Ausschnitt aus Thomas Majors, der Astronaut, Kindheit, genauer gesagt der Moment, der anscheinend prägend ist, für den kompletten weiteren Verlauf seines Lebens. Teile seiner Geschichte wechseln sich mit der Geschichte von Miss Gladys und ihren Enkeln ab, bis zu einem fehlgeleiteten Telefonat, in dem der Astronaut aus Versehen Miss Gladys anruft, das beide Geschichten miteinander verbindet.

    Die Geschichte enthält viele Aspekte: Verluste, Betrug, Selbstzweifel, Isolation, auf der Seite von Major Tom und Durchhaltevermögen, familiäre Bund sowie Liebe auf der Seite der Familie Omerod. Egal, in welchen Schwierigkeiten sie stecken, sie versuchen gemeinsam einen Weg zu finden, wobei aber deutlich wird, dass die Hauptverantwortung auf der 15 Jahre alten Tochter liegt und man während des Lesens oft das Bedürfnis hat sie irgendwie zu unterstützen.

    Eine Hommage an David Bowie
    Neben einer liebevoll erzählten Geschichte schafft Barnett mit seinem Roman auch ein schönes Gedenkstück an David Bowie, was wohl am deutlichsten in der Namensgebung „Major Tom“ zu sehen ist. Sicherlich ist das eher interessant für die „ältere“ Generation, was im Buch auch indirekt thematisiert wird. Dennoch wurde damit ein schönes Stück Zeitgeschichte verewigt.

    Fazit
    Ich habe die Lektüre dieses Buches sehr genossen. Es ist keine hochtrabende Literatur, aber eine Geschichte, die schon etwas außergewöhnlich ist. Sie ist nicht kitschig, aber schön, sie ist nicht unbedingt realistisch, aber so, dass man sich in die erdachte Welt gut hineinversetzen kann. Man spürt das Leid der Charaktere, rollt mit den Augen über den Zynismus und ist gespannt, wie alles ausgehen wird. Es ist eine Geschichte, die einem zeigt, wie man sein individuelles Glück finden kann. Alles in allem ein sehr vergnüglicher, kurzweiliger Unterhaltungsroman.

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    Cover des Buches Der Goblin-Held9783404285266

    Bewertung zu "Der Goblin-Held" von Jim C. Hines

    Der Goblin-Held
    Schreibfischgedankenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine stimmige Fantasy-Kurzgeschichtensammlung, bei der man sich wünscht, jede Geschichte sei ein eigenes Buch
    Ein mitreißendes, spannendes, emotionales und berührendes Buch mit vielen Geschichten

    Jim C. Hines ist bekannt für seine Goblinreihe, in der er die Welt der Goblins und vor allem eines ganz besonderen Goblins names Jigs samt seines Schoßtiers die Feuerspinne Klecks, näher beschreibt. Acht Jahre nach dem ersten Band seiner Reihe hat er sich dazu entschlossen, noch einmal in die Goblinwelt einzutauchen und eine Kurzgeschichtensammlung zu veröffentlichen.

    In dieser Geschichtensammlung erfährt man aber nicht nur neue Abenteuer von Jigs, sondern auch wie die anderen Charaktere in seinem Buch zu dem wurden, was sie sind oder wie es ihnen ergangen ist. Nur ein paar der Geschichten haben mit dem Hauptcharakter zu tun. Zusätzlich zu den Geschichten der Charaktere aus der Goblinwelt gibt es noch ein paar Lieblingsgeschichten von Hines. Das Buch ist also sowohl eine tolle Ergänzung für Hinesfans, aber Leser, die das erste Mal in Kontakt mit Jigs kommen, werden gut unterhalten.

    Bei Geschichtensammlungen ist eine Herausforderung die richtige Konstellation zu finden. Hines schafft es thematisch vielfältig zu schreiben, sodass für jeden Lesegeschmack etwas dabei ist – z. B. unschmalzige Liebesgeschichte, unmoralische Abenteuergeschichten mit gewollten und ungewollten Helden, oder Geschichten über Schwarze Magie.

    Die Zusammenstellung dieser Kurzgeschichtensammlung ist von vorne bis hinten stimmig – sie begrüßt den Leser mit der richtigen Geschichte, um ihn in eine andere Welt zu entführen und verabschiedet sich mit der richtigen Geschichte, die den Leser wieder in die Realität entlässt.

    Bei jeder Kurzgeschichte wünscht man sich, sie sei ein ganzes Buch. Hines lässt Bilder entstehen und beschreibt so intensiv, dass es einem vorkommt, als sei man ein Teil der Geschichte. Man fühlt automatisch mit den Charakteren und merkt gar nicht, wie die Zeit beim Lesen vergeht. Jede Geschichte ist einzigartig und kein Abklatsch von schon bekannten Geschichten. Nach der Lektüre ertappt man sich beim Gedanken, was die Charaktere wohl noch erleben könnten.

    Fazit: ein mitreißendes, spannendes, emotionales und berührendes Buch mit vielen Geschichten – also auch gut, wenn man nicht viel Zeit zum Lesen hat und nur zwischendurch für kurze Zeit abtauchen möchte.

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    Cover des Buches Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson mit den WildgänsenB001UBXI2U

    Bewertung zu "Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson mit den Wildgänsen" von Selma Lagerlöf

    Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson mit den Wildgänsen
    Schreibfischgedankenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Besonders schön, ist das Kapitel „Der große Schmetterling“, die Sage über die Entstehung Ölands
    Kinder- oder Erwachsenenbuch? Beides!

    Vor meiner Lektüre war ich fest davon überzeugt, dass es ein Kinderbuch ist. Im Prinzip ist es das auch, denn Lagerlöf soll das Buch im Auftrag des Verbands der schwedischen Volksschullehrer geschrieben haben, um Schulkindern die Landeskunde näher zu bringen. Was auch den Wechsel
    zwischen märchenhafter Geschichte und geografischen, landwirtschaftlichen oder naturnahen Beschreibungen erklärt, der mich das eine oder andere Mal etwas zweifeln ließ, ob gewisse Teile des Buches wirklich für Kinder oder nicht eher für Erwachsene geschrieben sind. Die unterschiedlichen Teile des Buches wechseln sich jedoch so geschickt ab, dass gerade wenn man denken könnte, jetzt nimmt ein Teil überhand, die andere Erzählart wieder auftritt und damit das Leseinteresse am Leben
    hält.


    Eine wirkliche Kategorisierung des Buches ist schwierig. Es liest sich nur teilweise wie ein Kinderbuch, aber auch nicht wie ein Buch, das nur für Erwachsene geschrieben ist. Das macht das Buch jedoch zu etwas Besonderen. Durch die Aufteilung in mehrere kleine, recht unabhängige Geschichten, die verbunden sind mit der Rahmenhandlung der Reise des Nils Holgerssons ist es möglich, einzelne Kapitel ganz unabhängig voneinander zu lesen oder vorzulesen. Also, wie man möchte, eine genüssliche Lektüre in kleinen Happen für zwischendurch oder ein Genuss im Gesamten.

    Wer auf sehr unterhaltsame Weise mehr über Schweden erfahren möchte, über das Land, die Leute und die Geschichte Schwedens ohne dafür gleich zu einem Sachbuch greifen zu wollen, ist hiermit sehr gut bedient. Das Buch ist nicht offen pädagogisch, aber man merkt schon, dass es erzieherische Tendenzen hat. Wer damit kein Problem hat, findet in „Nils Holgerssons Reise durch Schweden“ eine unterhaltsame Landeslektüre. Es bleibt jedoch ein Buch, das das Ziel hat, Kindern Wissen zu vermitteln. Aufgrund der vielen Sagen und des älteren Sprachgebrauchs wäre es aber besser eine gemeinsame Lektüre daraus zu machen.

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    Cover des Buches Vier zauberhafte Schwestern9783596856794

    Bewertung zu "Vier zauberhafte Schwestern" von Sheridan Winn

    Vier zauberhafte Schwestern
    Schreibfischgedankenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Leseempfehlung für Kinder und auch für Erwachsene, die magische Jugendbücher und Geschwistergeschichten mögen.
    Der Name ist Programm: Es geht um vier sympathische Schwestern mit magischen Fähigkeiten.

    Die Geschichte beginnt damit, dass die jüngste der Schwestern nach ihrem neunten Geburtstag endlich auch ihre magischen Fähigkeiten bekommt.
    Im Verlauf des Buches wird der Leser mit durch eine Woche im Leben der vier Schwestern genommen. Da jedoch alles etwas magisch in diesem Buch ist, ist die Woche natürlich auch nicht gewöhnlich … es geht um Schneckeninvasionen, fliegende Brillen uvm. der Höhepunkt der Woche ist ein Musikwettbewerb, an dem die Schwestern sich nicht nur musikalisch beweisen müssen, denn eine Widersacherin darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Diese ist sogar richtig böse dargestellt und trachtet nach dem Leben der Mädchen .

    Das Buch hat eine einfache Struktur, aufgeteilt in Wochentagen. Jeder Tag beinhaltet ein Abenteuer oder ein Herausforderung. Die Charaktere sind vielfältig. Jede für sich ist sympatisch. Der Showdown ist spannender als erwartet.

    Eine klare Leseempfehlung für Kinder und auch für Erwachsene, die Jugendbücher mögen.

    So toll, dass ich auch gleich die anderen Bänder verschlungen habe, fand ich das Buch dann aber doch nicht. Vielleicht reizt es mich später nochmal … .

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    Cover des Buches The Hate U Give9783570312988

    Bewertung zu "The Hate U Give" von Angie Thomas

    The Hate U Give
    Schreibfischgedankenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Am Ende des Buches ist man auf eine gewisse Weise zugleich aufgebracht und zufrieden
    zurecht für den deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert

    „The Hate U Give“ von Angie Thomas ist ein Buch, das nachhallt, eines das definitiv etwas zu sagen hat und das als Jugendbuch genau auf die richtige Art macht. Es macht mit einer interessanten Geschichte und auf verständliche Weise auf Missstände aufmerksam, ohne den Zeigefinger zu erheben oder jemanden anzuprangern. Es zeigt auch, dass nicht immer alles schwarz oder weiß sein kann, dass Stereotype und Klischees in allen Köpfen verankert sind und vor allem aber auch, welche Gefahren und Unglücke aus Vorurteilen entstehen. Das Buch setzt sich mit wichtigen rassistischen Themen auseinander, die uns jeden Tag begegnen, aber die einem selbst manchmal eigenartigerweise eher selten bewusst werden.

    Das Buch spricht eine offenkundige Problematik in der Gesellschaft zwischen schwarzen und weißen an.  In der Geschichte geht es um ein junges Mädchen namens Starr, die zusehen muss, wie ihr schwarzer bester Freund von einem weißen Polizisten erschossen wird. Ihre ganze Persönlichkeit zeigt, wie sie zwischen zwei Welten hin und her gerissen ist. Zum einen lebt sie in einem Ghetto, in dem sie schon als kleines Kind miterleben musste, wie vor ihren Augen ihre beste Freundin erschossen wurde, in dem Unruhen zum Alltag gehören, Jugendliche entweder Drogen nehme oder sie verkaufen und sich rivalisierende Gangs bekriegen. Zum anderen lernt sie aber auch das Leben ihrer Mitschüler an der Privatschule kennen, hat dort einen Freundeskreis und weiß, wie das Leben fern ab aus ihrem Ghetto aussehen kann.

    Man spürt irgendwie von Anfang an, dass das Buch nur ein realistisches Ende haben kann und wenn man die gegenwärtige Situation kennt, erahnt man, dass dies nicht unbedingt ein Happy End sein wird. Ohne jedoch zu viel vorwegzunehmen kann verraten werden, dass man ein bedingtes Happy End erkennen kann, das einen zum Nachdenken bringt und wenn das Buch erreicht hat, dass Menschen noch nach der letzten Seite drüber nachsinnen, hat es sein Ziel wohl erreicht. Am Ende des Buches ist man auf eine gewisse Weise zugleich aufgebracht und zufrieden – ein interessanter Mix der Gefühle und ein Eindruck, der nachhallt und auch nach der Lektüre Einfluss auf das eigene Handeln nimmt. Ein Buch, das gerechtfertigt für den deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert ist.

    Mehr zum Thema "Zwischen zwei Welten" und zu den Besonderheiten des Buches unter:

    https://jessica-neumayer.de/schreibfischgedanken/buchchallenge-2018-juli/

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    Cover des Buches Pocahontas9783453096196

    Bewertung zu "Pocahontas" von Susan Donnell

    Pocahontas
    Schreibfischgedankenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Frauenfigur beginnt stark, um dann umso deutlicher in Klischees und Stereotypen zu verfallen.
    Der Roman beginnt vielversprechend, aber enttäuscht hintenraus.

    Ich muss gestehen, ich kannte die Geschichte Pocahontas bisher eher nur aus dem gleichnamigen Disneyfilm. Natürlich wusste ich, dass mehr hinter der Figur stehen muss, und wollte daher das Buch unbedingt mal lesen. Ich habe mich auf die Erzählung einer starken Frau gefreut, die sich gegen ihren Vater auflehnt, ihre Traditionen umdenkt und ihren eigenen Lebensweg geht. Zudem hatte ich Lust auf eine Indianergeschichte, die mich mit in eine andere Kultur nimmt. Zugegeben Letzteres wurde erfüllt. Der Roman gibt einen interessanten Einblick, wie das Leben der indianischen Völker gewesen sein kann. Es wird jedoch schnell deutlich, dass der Roman trotz erwähnter Recherche im Vorwort wohl überwiegend Fiktion ist und in der Hinsicht der starken Frauenfigur wurde ich enttäuscht. Pocahontas muss sich nicht auflehnen, weil sich alles irgendwie so fügt, wie es für sie gerade problemlösend ist.

     

    Der Hauptcharakter
    Pocahontas ist die Lieblingstochter des Häuptlings. Sie ist eine Prinzessin, die weiß, wie wichtig ihr Handeln für ihr Volk ist und das sie einen Vorbildcharakter hat. Sie ist aber ebenso eine sehr neugierige Person, die Unbekanntes erforschen und Abenteuer erleben möchte. Zumindest im ersten Teil des Buches wird der Eindruck vermittelt, dass sie eine Frau ist, die sich in keine Rolle pressen lassen will. Dennoch gehorcht sie … Im zweiten Teil des Buches ist sie immer noch eine temperamentvolle, wissbegierige und ehrgeizige Diplomatin, die viel zum Frieden zwischen ihrem Volk und den Engländern beiträgt. Durch ihre Hochzeit und der Konversion ins Christentum scheint es so, als wenn sie ein Teil von sich aufgibt, sich selbst nicht treu bleibt. Auch wenn der Erzähler mehrmals betont, dass sie im Herzen irgendwie immer Engländerin war, passt der Anfang des Buches zu dieser Aussage weniger.

    Der Roman beginnt vielversprechend, aber enttäuscht hintenraus. Zwischenzeitig musste ich mich durch die Zeilen schleppen und war wenig gefesselt. Die Lebensgeschichte ist interessant, wenn auch arg dramatisch und etwas zu leidenschaftlich dargestellt. Die Frauenfigur beginnt stark, um dann umso deutlicher in Klischees und Stereotypen zu verfallen, was vielleicht auch an den teilweise christlich-missionarischen Zügen des Romans liegt.

    Mehr zum Thema die Rolle der Frau, den Aufbau der Geschichte und den Schreibstil Donnells unter:

    https://jessica-neumayer.de/schreibfischgedanken/buchchallenge-2018-juni/

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    Cover des Buches Nur wer fällt, lernt fliegen9783596033096

    Bewertung zu "Nur wer fällt, lernt fliegen" von Anna Gavalda

    Nur wer fällt, lernt fliegen
    Schreibfischgedankenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Stimmig, emotional, mitfühlend – eine abgerundete Erzählung mit interessanten Charakteren
    Ein gelungenes Buch

    Gavalda schafft es immer wieder, für verschiedenartige Charaktere zu begeistern. Viele andere Werke liest man, weil man sich mit dem Charakter identifizieren kann und das Buch einen dadurch berührt. Gavaldas Werke berühren immer, egal ob du dich im Buch wiederfindest oder einfach mit den Protagonisten mitfühlst – das war bei „Zusammen ist man weniger alleine so“, eben so wie bei „Ich habe sie geliebt“, „Alles Glück kommt nie“ und sogar bei ihren Kurzgeschichten aus „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“.

    Dabei überrascht Gavalda in ihren Büchern stets mit einem anderen Erzählstil. Es wird nie langweilig mit ihr. Sicherlich, der Gewohnheitsleser muss sich erst mal einfinden und steht den ersten Kapiteln eventuell abgeneigt gegenüber. Die Schicksale in ihren Büchern sind dann aber so interessant, dass man weiterliest und eh man sich versieht, ist das Buch zu Ende, meist viel zu früh – so wie in „Nur wer fällt, lernt fliegen“.

    Inhalt
    Der Inhalt ist eigentlich knapp wieder gegeben, dabei passiert in und zwischen den Zeilen so viel mehr. Dennoch in knapp: In „Nur wer fällt, lernt fliegen“ erzählt Bille von ihrer Lebensgeschichte, während sie nach einem Absturz bei einer Bergwanderung in einer Felsspalte hockt und nicht weiß, ob ihr bester Freund Franck die Nacht überlebt. Sie erzählt ihrem Glücksstern, wie sie und Franck sich kennengelernt haben und welches Elend beide durchleiden mussten.

    Stil
    Dafür nutzt Gavalda eine rotzige Umgangssprache und einen Stil, der schon manchmal an ein Theaterstück erinnert. Das macht das Ganze dann auch rund und verbindet Stil und Inhalt auf einer weiteren Ebene, denn inhaltlich hat ein Stück von Musset eine Schlüsselrolle.
    Gavaldabücher liest man absichtlich langsam, um sie zu genießen, weil man nicht will, dass sie zu schnell vorbei sind. Das liegt auch daran, dass ihr Bücher brillant durchdacht sind.

    Fazit
    Stimmig, emotional, mitfühlend – eine abgerundete Erzählung mit interessanten Charakteren – ein gelungenes Buch, wiedermal, danke Anna Gavalda!

    https://jessica-neumayer.de/schreibfischgedanken/buchchallenge-2018-mai/

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    Cover des Buches Es muss wohl an dir liegen9783426517956

    Bewertung zu "Es muss wohl an dir liegen" von Mhairi McFarlane

    Es muss wohl an dir liegen
    Schreibfischgedankenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Es ist ein Buch wie einen Film, bei dem man auch nicht Pause drücken würde, weil man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.
    Durch Titel und Klappentext hätte ich es fast nicht gelesen – zum Glück habe ich es doch getan.

    Pünktlich zum Frühling dachte ich mir, dass ein Buch, das mit dem Satz „Wieviele Schmetterlinge passen in einen Bauch?“ beworben wird, wohl passender nicht sein kann. Der Titel „Es muss wohl an dir liegen“, finde ich zwar schon etwas abschreckend, da er dann doch zu sehr nach Herzschmerzschnulze klingt, aber ich wurde positiv überrascht. So superschnulzig ist das Buch nämlich gar nicht und meine Befürchtung auf ein weiteres Shades-of-Grey-ich-bin-so-ein-hässliches-Entlein-und-werde-natürlich-zum-stolzen-Schwan-Blödchen zu treffen, wurden zum Glück nicht bestätigt – Im Gegenteil!

    Die optische Aufmachung hält also nicht was sie verspricht und das ist extrem gut so. Das Buch gehört zwar immer noch eher in die Kategorie Unterhaltungs- und weniger zur schöngeistigen Literatur, aber es ist definitiv mehr als eine simple Schmachtschnulze. Es ist ein geistreiches, witziges Buch, das sich schnell weg liest.

    Inhalt
    In der Geschichte geht es um Delia, die seit zehn Jahren mit ihrem Freund Paul zusammen ist und ein sehr geordnetes Leben führt. Zum Beziehungsjubiläum macht sie Paul einen Antrag. Dieser scheint wenig begeistert, überrascht, aber auch nicht abgeneigt. Durch eine versehentlich an sie gesendete SMS erfährt sie auch warum sich Paul nur so verhalten freut. Er hat eine Affäre. Delias Welt bricht zusammen. Nach einem Zwischenfall im Büro kündigt Delia dann auch gleich noch ihren langweiligen Job und ein Zuhause hat sie natürlich nach dem Bruch mit Paul auch nicht mehr. Also nimmt Sie sich eine Auszeit und zieht zu ihrer Freundin nach London. Dort wird sie Stück für Stück ein anderer Mensch; man könnte sogar sagen, mehr sie selbst und entdeckt was sie wirklich vom Leben will. Natürlich spielen dabei auch Männer eine Rolle, z.B. Adam der Skandaljournalist und Widersacher ihres neuen zwielichtigen Chefs und auch Paul will Delia plötzlich um jeden Preis zurück gewinnen.

    Es ist schwer das Buch passend zusammen zu fassen, das merkt man auch am sehr oberflächigen Klappentext des Buches. Wahrheitsgetreu ist die Beschreibung schon, denn grob zusammengefasst ist das schon der Handlungsablauf. Der Text wird dem Buch aber nicht gerecht. Es passiert noch so viele Dinge mehr, die zeigen, dass das Buch doch etwas Tiefe hat und die Charaktere keinen gängigen Klischees entsprechen. Klar, letztendlich ist es die Geschichte einer Frau, die auf die Schnauze fällt, sich wieder aufrappelt, viele wirre Gedanken hat, hin und her gerissen ist und letztendlich gestärkt aus einer Lebensphase heraustritt. Die Kunst der Charakterbeschreibung liegt jedoch darin, dass man anfangs nie weiß, wer jetzt der Gute und wer der Böse ist und man nicht erahnen kann wie es letztendlich ausgeht und für wen sich Delia entscheidet. Man ist die ganze Zeit in Team-Delia, aber ob Team-Delia nun zu Paul zurück kehrt oder ihr Herz neu verschenkt bleibt bis zum Schluss offen. Die Charaktere sind toll beschrieben. Delia ist zum Glück kein Blödchen, sondern eine normale Frau, mit normalem, individuellem Äußeren, die zwar auch sehr naiv ist, aber nicht überzeichnet. Sie ist realistisch dargestellt und keine Trine, bei der man mit dem Holzhammer eingetrichtert bekommt, was für ein armes, kleines Ding sie doch ist. Auch bei den anderen Charakteren ist eine interessante Entwicklung mitzuerleben. Man weiß nicht, was passieren wird und die Autorin spielt gekonnt mit Erwartungen und Überraschungsmomenten.

    So sehr es scheint als wenn ihre Welt gerade vollkommen zerbricht, umso froher ist man, wenn man miterlebt wie sie Stück für Stück wieder aufsteht und mehr sie selbst wird als sie vorher war.
    Mehr zu den Besonderheiten des Buches unter:
    https://jessica-neumayer.de/schreibfischgedanken/buchchallenge-2018-april/

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