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SharonBaker

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Cover des Buches Das Glück im Sternbild Zebra (ISBN: 9783455017564)

Bewertung zu "Das Glück im Sternbild Zebra" von Antoine Laurain

SharonBakervor 9 Monaten
Witz, Esprit und Augenzwinkern ...

Xavier Lemercier ist Pariser Makler und fühlt sich gerade sehr einsam. Durch Zufall muss er einen Wandschrank in einer verkauften Wohnung ausräumen und so fällt ihm das Teleskop des königlichen Astronomen Guillaume Le Gentil de La Galaisiére in die Hände. Geputzt und gewienert steht es nun auf seinen Balkon und ist für den Nachthimmel mit seinen Sohn bereit. Aber Xavier muss ja auch probieren, ob das jahrhundertalte Teleskop noch funktioniert und tatsächlich er kann seinen Blick über Paris und seine Dächer schweifen lassen. Und wie es so will, bleibt er an einem Balkon hängen, dort steht eine Frau, zerreißt einen Brief und lässt somit Xavier und seine Gedankenwelt nicht los. Immer wieder schaut er zu ihr rüber, als er ein Zebra in ihren Wohnzimmer stehen sieht, zweifelt er an sein Bewusstsein und fängt doch an zu träumen. Bis sie eines Tages in seiner Agentur steht und als Makler beauftragt. Kann Xavier ihr näher kommen? Wie soll er das mit dem Teleskop erklären? Und ist er bereit für eine neue Liebe?

Antoine Laurain ist ein Garant für herrliche französische Literatur und wird immer in meinem Bücherregal zu finden sein. Und wie jedes Jahr halte ich Ausschau nach einem neuen Werk von ihm und bin dann immer ganz entzückt, wenn da wirklich etwas in der Verlagsvorschau steht. Direkt beim Buchhändler angefragt und nun gelesen. Wie es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Eigentlich beinhaltet dieser Roman zwei Geschichten, zwei Zeitebenen und eine große Suche, nämlich nach der Liebe. Hier wird sogar Geschichte in nette Unterhaltung verpackt, denn den Astronom Guillaume Le Gentil de La Galaisiére gab es wirklich. Er machte sich 1761 auf, um die Venuspassage zu beobachten und astronomische Werte festzuhalten. Aber der Weg nach Indien ist weit und das Glück von Guillaume nicht auf seiner Seite. Seine Reise ist, wie die von Odysseus, eine Irrfahrt durchs Meer und im entscheidenden Moment verlässt ihn das Glück. Seine Geschichte und seine Erlebnisse werden hier abwechselnd mit Xaviers Geschichte erzählt und haben einen abenteuerlichen Flair. Fremde Strände, fremde Umgebung, Guillaume wird von Astronom zum Wissenschaftler und kartografiert Inseln und entdeckt vielerlei mehr. Seine Erlebnisse sind das komplette Gegenteil von denn die Xavier jetzt beschreitet.

Xavier ist einsam, sucht nach jemanden in seinem Leben und wird durch seinen Fund des Teleskops mit neuer Triebigkeit belohnt. So lernt er Alice Capitaine kennen, Tierpräparatorin, Mutter und sie möchte ihre Wohnung verkaufen. Es beginnt ganz unbeschwert, sanft und vorsichtig, ein kleiner Funke, doch bevor er zum Feuer werden kann, passiert ein Ungeschick und bringt alles zum Vereiteln. Ist Xavier etwa auch von der Venuspassage verflucht? Oder treibt unser Autor da ein verzückendes Spiel mit uns.

Antoine Laurain ist einfach ein gekonnter Erzähler. Diesmal verwendet er sogar eine historische Figur, dessen Lebensweg von vielen Unglücks Umständen geprägt ist und doch am Ende sein Platz findet. Manchmal muss man im Leben einige Umwege machen, um ans Ziel zu kommen. Parallel dazu lässt er Xavier nach seinem Glück suchen und das sogar mit der Hilfe und Anleitung von Guillaume, der seine Erlebnisse zu Papier gebracht hatte. So taucht der Astronom immer wieder auf und nimmt an vielen Passagen teil. Ob nun sein Teleskop, seine erfolglose königliche Aufgabe, sein Werk überall spielt es auch in Xaviers Leben eine Rolle. Geschickt, eingefädelt, reizend erzählt und mit dem typischen Antoine Laurain Flair.

Den Löwenanteil des Buches hat unser historischer Weltenbummler und irgendwie ist Xavier nur ein kleines Häppchen, aber gekonnt verwoben und mit viel Zuneigung zueinander erzählt. Ich mochte, die Geschichte, hätte mir noch ein bisschen mehr Xavier gewünscht, aber mehr hätte vielleicht auch nicht gutgetan. Wieder wunderbar entzückend dieser Roman, obwohl ich mir hier vom deutschen Verlag einen anderen Titel gewünscht hätte. Warum nicht das Original „Die Launen eines Sterns“ oder wie die Engländer „Ein verliebter Astronom“, es geht zwar auch um Sterne, aber doch eher um Planeten und das Zebra hat nun auch nicht so den hohen Stellenwert.

Das Glück im Sternbild Zebra ist wieder ein gelungener Antoine Laurain Roman mit Witz, Esprit und Augenzwinkern. Ich werde seiner Bücher einfach nicht müde.

Cover des Buches Labyrinth der Freiheit (ISBN: 9783832166977)

Bewertung zu "Labyrinth der Freiheit" von Andreas Izquierdo

SharonBakervor einem Jahr
Ein absolut würdiger Abschied!

Carl, Isi und Artur bekommen keine Zeit zum Durchatmen. Nicht nur das die Zeit, in der sie Leben immer unbeständiger wird und die Inflation alles auffrisst, nein, auch ihr Leben ist in Gefahr. Jeder Tag ist von Armut, Hunger, der größer wird und auch von Unruhen bestimmt, diese nehmen immer mehr zu und machen den Alltag nicht leichter. So kommt es, dass in Berlin 1922 alles heran rauscht, umtriebig ist und die bösen Geister aus der Vergangenheit wieder erwachen. Isi entgeht nur knapp einen Anschlag, Carl verliert seine Liebe zum Film und Artur wird die Freiheit zu tun und zu lassen, was er möchte immer mehr beschnitten. Alle drei geraten immer mehr ins Spiel andere, werden gejagt und einer Verschwörung unterstellt. Artur gibt alles, um die seinen zu beschützen, das Überleben zu garantieren und muss doch auf Messerschneide tanzen. Wird er es auch diesmal schaffen, seinen Freunden zu helfen? Kann Isi mit sich selbst Frieden schließen? Und wird Carl weiterhin Filme machen?


Ach, diese Abschlussbände, die mag ich einfach nicht, denn ich möchte nicht Abschied nehmen. Nicht von Isi, nicht von Carl und erst recht nicht von Artur und doch hatte ich das Buch recht schnell gelesen. Konnte mich aber lange nicht dazu aufraffen, darüber zu schreiben, denn dann wäre es wirklich endgültig vorbei mit der Wege der Zeit-Reihe. Und obwohl schon ein paar Monate ins Land gezogen sind, ist mir die Geschichte noch sehr präsent im Kopf und beschäftigt mich immer noch an einigen Stellen. Somit wisst ihr schon, dass es eine Hammer-Reihe ist und ich versuche es mal in Worte zu fassen.

Isi muss hier einige Schicksalsschläge verkraften und wie wir sie schon aus den Vorbänden kennen, lässt sie das nur noch Rebellischer werden. Sie nimmt sich als Anwältin der kleinen Leute einigen Schicksalen an, nur bringt sie da das Fass zum überlaufen und ihre Freunde gleich mit in Gefahr. Carl gibt seinen Traum von Amerika auf und bleibt in Berlin, nur um sich zu fragen, ist Filmemachen noch meins. Der neue Regisseur ist ein Tyrann, die Zeiten des Stummfilms gehen dem Ende entgegen und Carl hadert sehr mit der Entwicklung. Tja, und Artur muss an zu vielen Stellen die Zügel zusammen halten. Isi mit ihrer Sprunghaftigkeit beschützen, sein Revier sauber halten, die Halbwelt überwachen und doch ziehen dunkle Wolken auf und er stößt an seine Grenzen.

Mehr möchte ich gar nicht zum Inhalt verraten, es ist wieder so viel los, so viele Katastrophen, so vieles unvorhersehbar und viel Dramatisches. Ein Potpourri aus Geschichte, Spannung, Unterhaltung und Figuren, die einen so ans Herz gewachsen sind. Wenn ich so zurück denke, ist so viel zwischen den Buchrücken passiert, ein Auf und Ab, an Grausamkeit, Ungerechtigkeit und doch auch immer wieder der Lichtblick dieser Freundschaft. Aber diesmal war es wirklich hart, mein armes Herz hat einige Mal still gestanden, wie oft hatte ich eine Schnappatmung und innerliche Unruhe, weil ich einfach das Schlimmste befürchtete. Hier muss man einfach dran bleiben, das Buch muss man in einem Rutsch lesen, sonst hält man es mit den Nerven nicht aus.

Und mal abgesehen von dem ganzen Drama um diese Freundschaft, hat der Autor auch noch Geschichte so spielerisch hineingepackt, das man gar nicht hinterherkam. Absolut großartig eingeflochten, so vielseitig und überraschend lebendig. Was dem ganzen auch gutgetan hat, waren die herrlichen witzigen Passagen, die einen wirklich das Durchatmen erleichtert haben und diese Reihe einfach zu etwas besonderen gemacht haben. Ganz ehrlich, Chapeau Herr Izquierdo hier ist ihnen ein tolles Epos über Freundschaft in einer untriebigen Zeit gelungen, was Nachhalt und was man im Herzen behält. Dieser Spaziergang durch die Historie mache ich bestimmt nochmals.

Labyrinth der Freiheit ist ein Abschluss, der absolut würdig ist und nochmals alles auffährt. Temporeich, vielseitig und zu Herzen gehend. Absolutes Prädikat.

Cover des Buches Tod in Siebenbürgen (ISBN: 9783847901198)

Bewertung zu "Tod in Siebenbürgen" von Lioba Werrelmann

SharonBakervor einem Jahr
Hier passt die Mischung aus Land, Leute und Krimi perfekt zusammen ...

Paul Schwartzmüller ist freier Journalist und lebt in Köln. In dem Augenblick, wo die Chefredakteurin ihm über die Vakanz seiner Stelle spricht, erhält Paul ein Einschreiben aus Rumänien. In diesem wird ihm mitgeteilt, dass seine Tante Zinzi verstorben ist und ihm ihren Hof hinterlassen hat. Die Nachricht haut Paul erst einmal um, seit seiner Kindheit war er nicht mehr dort und nun muss er sich um einen Bauernhof kümmern, von seiner Vergangenheit kaum zu reden. So fliegt er nach Siebenbürgen und ist überrascht, wie wenig sich alles verändert hat, und zu seinem großen Glück begegnet er auch noch seinen besten Freund aus Kindheitstagen wieder, Sorin und es hätte nicht herzlicher sein können. Aber schnell schlägt die Stimmung um, Sorin wird wegen Mords verhaftet, der Bauernhof ist nicht unbelebt und Maia macht ihm das Leben schwer. Wo soll Paul nur anfangen? Soll er seinen Freund helfen? Und wie sieht es mit seiner Familiengeschichte aus? Wird er sich dieser endlich stellen?


Es gibt gerade viele Krimi-Reihen und auch sehr viele mit regionalem Bezug. Somit ist die Qual der Wahl schon ziemlich groß und man muss schon Abwegen. Hier sprach mich so einiges an wie Siebenbürgen, Schloss Bran und natürlich der mystische Touch rundum Dracula. Das versprach eine gute Mischung aus Hausmannskost, Geschichte und Spannung zu sein. Und das Cover ist wirklich auch ein Hingucker. Und ob sich das alles auch gelohnt hat, erzähle ich euch nun.

Paul Schwartzmüller ist in Siebenbürgen geboren, als Teenager nach Deutschland gekommen und hat nie wieder zurückgeschaut. Warum auch, denn sein Vater hat ihm glauben lassen, dass seine Tante Zinzi schon längst verstorben ist. Nun ist er ein erwachsener Mann, Journalist geworden und jetzt holt ihn doch die Vergangenheit ein. Er muss nach Rumänien reisen, nur dort kann er alles regeln und so ein bisschen fühlt er sich unwohl. Aber dort scheint sich nichts verändert zu haben, es ist immer noch das gleiche Dorf, die gleiche Straße und die gleichen Häuser, als ob Paul nie weggewesen wäre. Seine Gefühlswelt übermannt ihn und tausend Kindheitserinnerungen werden wach. Erstrecht, als sein Freund aus Kindheitstagen auftaucht, zusammen im Teich schwimmen, die Jugendstreiche wieder aufleben lassen und Sorin hat noch einiges mehr für Paul auf Lager. Bis der Spaß vorbei ist und Sorin verhaftet wird. Paul muss nun entscheiden, helfen oder einfach alles hinter sich lassen und nie wieder umschauen. Aber Paul hat noch so viele offene Fragen und auch seine Tante Zinzi so einige Geheimnisse.

Was für ein gelungener Plot! Wir haben einen Mann, der sich vor der eigenen Geschichte drückt oder dem einfach ganz vieles Verborgen geblieben ist und er nie den Mut hatte, dem nachzugehen und das als Journalist. Dann Rumänien, Siebenbürgen mit einer Geschichte, die man gar nicht kennt oder die einfach nicht so präsent ist wie bei anderen Ländern. Geschichte über dunkle Kapitel in der Vergangenheit und auch heute hat man so einige Nachwehen und Auswirkungen davon. Dazu die lokale Küche und die scheint deftig köstlich zu sein, zumindest hatte ich bei dem Buch ständig Hunger und mit Appetit zu kämpfen, da nimmt man locker beim Lesen ein paar Kilo zu. Und dann natürlich der Mythos Dracula, Fürst der Dunkelheit, Schrecken auf den Schlachtfeld, Verführer und Blutsauger, diese Figur ist immer noch geheimnisvoll, sagenumwogend und für mich immer noch en vogue. Eine perfekte Mischung also aus Geschichte, Aberglaube und Regionalen.

Lioba Werrelmann hat aber nicht nur die perfekte Mischung ausgesucht, nein, sie erzählt auch noch ganz wunderbar. Beschreibt die Landschaft malerisch, lässt vor einen die Bäuerlichkeit des Dorfes aufblitzen und baut geschickt Geschichte mit ein. Dazu hat sie wirklich passende Figuren gezeichnet, die neugierig auf mehr machen und richtig gut Unterhalten. Mit Paul hat sie jemanden erschaffen, der etwas blauäugig durch die Welt läuft, dadurch aber sympathisch ist und immer wieder überrascht wird. Manchmal fragte ich mich, ist er wirklich Journalist, er hinkt in so vielen hinterher. Maia dagegen ist eine Frau, die ihren Mann steht und Paul manchmal das Fürchten lernt. Und so viele mehr, die einfach supergut eingeflochten wurden. Aber nicht nur die Geschichte aus der Vergangenheit ist interessant, nein, auch die Gegenwart hat so ihre Problematik und ich finde es klasse auch diese Aspekte miteinfließen zulassen. Bereicherung an ärmeren Ländern, Korruption, Umweltsünden und noch einige Themen mehr. Ich sag ja, der Mord ist eher Nebensache, Siebenbürgen ist Programm. Und obwohl es viel scheint, ist alles wohl dosiert, gut gesetzt und spannend geschrieben.

Tod in Siebenbürgen ist ein Auftakt zu einer Reihe und ich bin so was von dabei, wenn die Reise dahin wieder losgeht. Für mich nicht nur ein Krimi, sondern so viel mehr.

Cover des Buches Refugium (ISBN: 9783423283649)

Bewertung zu "Refugium" von John Ajvide Lindqvist

SharonBakervor einem Jahr
Rasant, facettenreich, raffiniert ...

Julia Malmros ist eine erfolgreiche Krimiautorin und das bestimmt auch, weil sie als ehemalige Polizistin viel erlebt hat. Nun wird ihr eine besondere Ehre zu teil, sie soll sich nämlich der Millenium Reihe von Stieg Larsson annehmen, dafür benötigt sie allerdings Hackerwissen und so lernt sie Kim Ribbing kennen. So beginnt die Arbeit sehr vielversprechend, Julia legt sich voll rein, haut ihr bestes Buch in die Tasten, nur um dann an der neuen Lektorin abzuprallen. Was ist die Autorin sauer, so sauer, dass sie sich zu einem Interview hinreißen lässt, was ihrer Karriere nicht guttut. Somit nimmt Julia reiß aus, raus aus der Stadt, raus aus ihren Leben und ab ins Sommerhaus zur Mittsommerzeit. Und da taucht auch wieder Kim auf, Kim, der sie berührt, Kim der eine Faszination auf sie ausübt. Aber bevor sie sich ihren Gefühlen stellen kann, werden auf einer Nachbarinsel Schusssalven abgefeuert. Ihr Polizisteninstinkt ist da und mit Kim fährt sie rüber und erblickt ein Schlachtfeld. Alle Gäste wurden brutal ermordet, nur Kim findet eine Überlebende, nämlich die Tochter des Hauses. Und zu allem übel taucht auch noch Julias Ex-Mann auf und ausgerechnet er ist der ermittelnde Beamte. Was ist mit Julias Jugendfreund passiert? Wer steckt hinter dieser furchtbaren Tat? Und warum nimmt sich Kim den Fall so an?


Diesen Thriller hatte ich nicht auf dem Schirm, aber als ich wieder mal meine Lieblingsbuchhandlung betreten hatte, wurde es mir ans Leserherz gelegt. Ach was sage ich, meine Lieblingsbuchhändlerin meinte, ohne dieses Buch dürfte ich den Laden nicht verlassen. Somit keine Wahl und direkt rein gelesen und was soll ich sagen, meine Buchhandlung kennt mich.

Zuerst einmal fand ich diesen Einfall mit der Milleniumwelt von Stieg Larsson ziemlich gut gelungen. Immerhin ist die Protagonistin Autorin und bekommt den Auftrag, diese Reihe weiter zuschreiben. Wusstet ihr, dass die Reihe momentan wirklich von einer Frau weitergeschrieben wird. Dazu die bekannten Figuren aus Journalist Mikael Blomkvist, ist nun eine Autorin und Ex-Polizistin Julia Malmros und aus Lisbeth Salander, der Häckerin ist Kim Ribbing geworden. Zwei neue Figuren, die unglaublich facettenreich sind, mit viel Potenzial hervorgehen und einen regelrecht in die Geschichte hineinziehen. Vor allem ist hier Kim eine tragende Persönlichkeit mit schlimmer Vergangenheit, einem skurrilen Leben und einer ermittelnden Tragweite, die die Polizei in den Schatten stellt. Mir hat dieser Twist unglaublich gut gefallen und hat mir so einige Schmunzler eingebracht. Aber selbst wenn einem die Millenium-Reihe von Stieg Larsson nichts sagt, funktioniert die Geschichte genauso gut.

Dazu dieser undurchsichtige Fall, ein sonniger Sommertag, überall wird Mittsommer gefeiert, Blumen, Wein und Gelächter liegen in der Luft. Auf einen Bootssteg feiert eine Familie mit ihren Geschäftsfreunden am reich gedeckten Tisch und dann tauchen maskierte Männer auf und feuern einfach auf die ausgelassenen Feiernden. Ein Massaker und die Frage, was für ein Grund steckt dahinter. Wem von diesen Personen galt der Anschlag wirklich? Gibt es einen genaueren Grund dafür? Wo setzt man am besten an? Und so gibt es viele Ansatzpunkte und eine Polizei, die gar nicht weiß, wo sie am besten ansetzen soll. Besonders schwer fällt es Jonny Munther, dem Ermittler, sich auf dem Fall zu fokussieren, wenn seine Ex-Frau mit einem viel jüngeren Lover mitermittelt. Das macht ihn fuchsteufelswild und doch ist er für jeden Tipp von Kim dankbar, obwohl er sich fragt, wie dieser Bursche an die Informationen kommt.

Was für ein Auftakt zu einer neuen Trilogie, die mich von der ersten Seite an gepackt hat. Die erst mit der Buchidee anfing, dann zu einer sexuellen Geschichte zwischen Julia und Kim, um dann in einem blutigen Massaker seinen weiteren Verlauf zu finden. Wahnsinnig rasant geschrieben, dazu immer kleine Einschübe zu Kims Vergangenheit, die unglaublich geschickt rein gestreut wurden und dem Ganzen noch mehr Tiefe zu den Figuren gegeben haben. Auch die anderen Figuren sind toll mit Leben gefüllt wurden und richtig gut gezeichnet. So mochte ich auch den verlassenen Ex-Mann total gern, der einen herrlichen grummeligen Polizisten abgab. Dazu der Mordfall, der raffiniert eingefädelt wurde und so international angelegt, dass unser Kim durch die Weltgeschichte reisen konnte. Dieser temporeiche, spannende und auf so vielen Ebenen unterhaltende Thriller hat es absolut in sich und hatte mir wirklich atemlose Lesestunden bereitet.

Mich konnte der Auftakt total überzeugen und ich hatte eine so tolle Lesezeit, dass ich euch dieses Buch nur ans Spannungsherz legen kann. Absolut atmosphärisch, spannend bis unter die Hauten und mit Figuren, die man einfach näher kennenlernen möchte. Genug Potenzial also für Band zwei und nach dem Ende ersehne ich schmerzlich den zweiten Teil her.

Refugium, ist absolut hammerklasse. Temporeich erzählt mit facettenreichen Figuren und raffinierten Fall. Absolut lesenswert.

Cover des Buches Der Schwimmer (ISBN: 9783463000497)

Bewertung zu "Der Schwimmer" von Graham Norton

SharonBakervor einem Jahr
Appetithäppchen seiner Erzählkunst ...

Helen Beamish liebt ihren kleinen Meergarten, weil er einen perfekten Blick auf die irische See gibt. Genau dort gönnt sie sich etwas Ruhe, denn trotz ihres Ruhestandes geht ihr ihre Schwester Margaret auf den Keks, die vor drei Jahren zu Besuch kam und nie wieder ging. Nun sitzt sie auf einer Bank, genießt den Blick und grüßt einen Mann, der zielstrebig zum Stand geht, dort ablegt und schwimmen geht. Helen schläft kurz darauf ein, und als sie wieder aufwacht, ist zwar der Mann verschwunden, aber seine Kleidung liegt noch am gleichen Ort. Für Helen ist klar, hier ist etwas passiert und sie gibt Alarm. Wo ist der Mann hin? Warum findet ihm keiner? Oder hat Helens Wahrnehmung ihr einen Streich gespielt?


Was Neues vom Graham Norton und ich bin dabei. Das muss gelesen werden, das muss verschlungen werden, das ist Literatur, die mich bis jetzt nie enttäuscht hat.

Helen Beamish ist eine ältere Dame, ehemalige Lehrerin, kinderlos und mit einer nörgelnden Schwester gestraft und doch liebt sie ihr kleines Haus an der irischen Küste. Dort hat sie sich zurückgezogen, lebt friedlich vor sich hin und benötigt nicht viel außer ihrem herrlichen Garten mit Ausblick. Nun dieser Vorfall und Helen muss nach Rettung rufen und landet zu erst in Pup, dort trifft sie auf Pat, der ihr zu Hilfe eilt. Der verschwundene Mann bleibt verschwunden. Die Polizei zeigt ihr ein Foto von einem vermissten Mann und Helen meint ihn darauf zu erkennen, aber es nagt an ihr. Aber die Freundschaft zu Pat lenkt sie etwas ab und diese genießt Helen sehr, bis sie eines Tages auf einer Veranstaltung einen Kellner trifft, der dem verunglückten Schwimmer bis aufs Haar ähnlich sieht. Und so gerät Helens Leben doch sehr durcheinander.

Seihen wir ehrlich, diese 100 Seiten Graham Norton sind nur ein Appetithäppchen seiner Erzählkunst. Ein Ansatz seiner großartigen Erzählweise und seiner Personenzeichnungen. Man saugt die Wörter regelrecht auf, man genießt die Bilder im Kopf und doch ist alles viel zu früh vorbei. Dieser Autor muss mindestens 300 Seiten schwere Bücher schreiben, sonst ist es einfach zu kurz. Trotzdem glänzt sein Talent durch diese kurze Geschichte erzählt mit wenigen Worten von einem einsamen Leben. Nach der Suche nach Gesellschaft und Geborgenheit, nach Tiefe und Erfüllung. Ein verschwundener Mann bringt Helens Leben durcheinander, aber macht auch so viel mehr daraus. Eine spannende Geschichte über Menschen und ihre Schicksale. Wieder eine tolle Erzählung mit Spürsinn und toller Figurenbeschreibung, die einfach wieder Lust auf mehr von Graham Norton macht.

Cover des Buches Morgen, morgen und wieder morgen (ISBN: 9783847901297)

Bewertung zu "Morgen, morgen und wieder morgen" von Gabrielle Zevin

SharonBakervor einem Jahr
Zeitreise, Freundschaft, Zockerleidenschaft ...

Sam trifft nach Jahren Sadie wieder an der Bahn, im Gewühl und unter Zeitdruck. Ein schnelles Hallo, ein kurzes, wie geht es dir und dann drückt Sadie ihm schnell ein selbst programmiertes Spiel in die Hand. Und so beginnt ein neues Kapitel ihrer Freundschaft. Sie werden Spieleentwickler, ihr erstes Spiel wird zum Renner, der Erfolg kommt, sie gründen eine Firma und dann schlägt das Leben zu. Erfolg und Niederlagen liegen oft beieinander, aus Freunden werden Rivalen und die Zeit entwickelt sich schnell weiter. Welche Hürden müssen Sam und Sadie durchlaufen? Werden sie noch andere Spiele entwickeln? Und hat ihre Freundschaft bestand?


Die Autorin ist für mich keine Unbekannte, denn vor Jahren hatte ich ihr Buch „Die Widerspenstigkeit des Glücks“ gelesen und das fand ich okay, gut für zwischendurch, denn so richtig habe ich es nicht mehr in Erinnerung. Wiederum ihre schokoladige Jugendbuch-Reihe fand ich mega. Und nun soll sie so ein Knaller Buch geschrieben haben. Ich war skeptisch, nicht so ganz überzeugt und das meinte eine Freundin ändern zu müssen und schickte mir ein Exemplar zu, ob sie meine Skepsis beseitigen konnte, erzähle ich euch nun.

Wir haben hier Sam, der bei seinen Großeltern aufwächst und nach dem schweren Autounfall, wo seine Mutter das Leben verliert, gesundheitliche Einschränkungen hat, denn sein Fuß ist stark verletzt. Im Krankenhaus lernt er Sadie kennen, ein Mädchen mit der gleichen Leidenschaft wie er für Computerspiele. Es entwickelt sich eine großartige Freundschaft, bis Sam hinter Sadies Geheimnis kommt und den Kontakt abbricht, erst Jahre später, auf dem College begegnen sie sich wieder. Ihre Liebe zu Computerspielen ist geblieben und ihre Freundschaft lebt wieder auf und gemeinsam erschaffen sie ihr erstes großen Spiel und ahnen nicht, welche Folgen das für ihr ganzes Leben haben soll.

Sadie war immer der Schatten in ihrer Familie, da die Erkrankung ihrer Schwester viel Raum und Zeit beanspruchte. So flüchte sie ganz gern in ihre Computerspielewelt, wo sie sich das alles so gestalten konnte wie gewollt. Deshalb wollte sie auch unbedingt etwas mit Computern, Design oder in der Richtung studieren und das als Frau in den 90ern war recht ungewöhnlich. Aber Sadie scheint ein großes Talent für Programmierung, Ideen und Design zu haben, und als sie zufällig auf Sam trifft, blüht die alte Zockerleidenschaft der beiden wieder auf. Es beginnt ein neues Kapitel ihrer Freundschaft und auch für sie sind die Folgen unvorhersehbar.

Der Nr. 1 Hit aus dem USA, der über Freundschaft, Verlust, Erfolg, Scheitern, Kreativität und Popkultur handelt. Dazu eine schöne Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte. Und drei Hauptfiguren (Sam, Sadie, Marx), die man einfach mag, trotz ihrer zickigen, kindischen und naiven Art. Erwachsen werden hat ja nicht immer mit reifer werden zu tun. Dann eine ungewöhnliche Freundschaft, die zusammen viel bewegen kann, aber einzeln manchmal zerbrechen könnte, da Schweigen vieles schlimmer macht und durch Rivalität einiges vergiftet. Und doch gehört jeder ins Leben des anderen und ist nicht wegzudenken.

Gabrielle Zevin hat einen ganzen Mix aus Themen parat, die in dieser Zeitreise vorkamen und unsere Welt begleiteten. So werden die 90ziger lebendig und rufen Erinnerungen wach oder man staunt, was man vielleicht verpasst hat. Ich bin kein Gamer und werde es wohl auch nie werden, aber mich hat das ganze Fachchinesisch nicht ganz so abgeschreckt wie erwartet. Trotzdem ist die Autorin recht darin verliebt und hat so manche Längen drin, auch das Kapitel als Computerspiel zuschrieben, war für mich gewöhnungsbedürftig. Ich wusste, worauf sie hinauswollte, aber ist halt nicht meine Welt. Gut beschrieben fand ich die Dynamik der Freundschaft von Kindern zu junge Erwachsene, von Wiedererweckung zu Rivalen, zu uneinsichtigen und doch wichtigsten Menschen im Leben. Ein Auf und Ab und wie im Leben, uneinsichtig, Fehler machend und unter der Last des Ungesagtem leidend. Das hat einem beim Lesen bisschen genervt, wütend gemacht, aber ja, so ist das Leben. Manchmal schwer aufeinander zuzugehen und Fehler einzugestehen.

Mir hat die Geschichte Spaß gemacht, ich habe es trotz der kleinen Längen gern gelesen und es hatte mich auch zeitweise gut gepackt.

Morgen, Morgen und wieder Morgen, ist eine Zeitreise durch die 90ziger, eine Geschichte über Freundschaft, zweiter Chancen, Liebe und die Welt der Computerspiele.

Cover des Buches DAS ENDE – Dein letzter Tag ist gekommen (ISBN: 9783328108214)

Bewertung zu "DAS ENDE – Dein letzter Tag ist gekommen" von Jan Beck

SharonBakervor einem Jahr
Spannend, knifflig, Kopfkino ...

Europol hat sich was ganz Großartiges ausgedacht, die neue Chefin gründet eine neue Abteilung „Internationale Serienkriminalität“ und Björk und Brand sind darin die Stars. Sie sollen nicht nur ermitteln, nein, ihre Arbeit soll auch medienträchtig vermarktet werden und mit den beiden in der Hauptrolle. Dazu wird ihnen extra ein neuer Kollege zur Verfügung gestellt. Beide sind wenig, nein, überhaupt nicht davon angetan, aber ein neuer Fall benötigt ihre ganze Aufmerksamkeit. Im Internet über Livestream werden verschiedene Fenster angezeigt, eins ist schon schwarz und das zweite zeigt die Wohnung eines Mannes, der vor laufender Kamera umgebracht wird. Hier kommen unsere Ermittler ins Spiel und sie haben keinen Ansatzpunkt. Die Personen scheinen nichts miteinander zu tun zu haben und somit rast die Zeit, denn das nächst Fenster öffnet sich und die ganze Welt schaut zu. Können sie den Ort herausfinden? Was steckt dahinter? Und werden sich Björk und Brand öffentlich inszenieren lassen?


Was habe ich einen neuen Teil von Jan Beck und seinen Ermittler Inga Björk und Christian Brand hingefiebert, regelrecht ersehnt habe ich es mir und nun ist es erschienen direkt verschlungen und nun? Jan Beck macht hier auch den Titel zum Programm, nämlich Ende mit der Reihe und ob mir das gefällt, erzähle ich euch nun.

Beide Ermittler sind nun bei Europol angestellt, arbeiten nicht immer zusammen, aber zumindest werden sie für wichtige Aufgaben zusammen geführt. Nun gab es aber in der Chefetage einen Wechsel und die neue Chefin hat ganz andere Pläne. Das Image von Europol muss aufpoliert werden und wie könnte man das besser als mit zwei Persönlichkeiten, die interessant genug sind für die Öffentlichkeit. Gefragt wird von den beiden keiner wirklich eher vor vollendeten Tatsachen gesetzt. Da beide ihren Job, ihre Tätigkeit lieben und dieser Fall extrem brenzlig erscheint, machen sie zuerst mit. Aber die Konsequenzen, die daraus entstehen, behindern ihre Arbeit und machen ihren Einsatz zur Katastrophe. Beide müssen sich entscheiden, ob sie ihre Jobs so machen wollen unter diesen Bedingungen, Druck und der ständigen Überwachung. Die Zeit läuft ihnen davon, die Obrigkeit erkennt die Sachlage nicht und dort draußen braut sich Schlimmes zusammen.

Jan Beck kann ohne Frage großes Kopfkino schreiben. Spannung pur, perfekte Cliffhänger an den Kapitelenden und ein rasanter Schreibstil. Wie immer megaunterhaltend, temporeich zu lesen und Figuren, denen man folgt, ein Fall, der kniffelig ist und einen mitreißt und doch konnte es mich nicht ganz abholen und mitnehmen, im Vergleich zu den anderen drei Teilen.

Vielleicht liegt es ein bisschen am Verlag, der im Klappentext für mich einen Fehler gemacht hat. Vielleicht war ich auch nicht ganz bei der Sache oder es ist einfach die Luft raus bei der Serie. Nein, das finde ich nicht, eigentlich bin ich recht traurig, die zwei Figuren zu verlassen, aber man sieht sich ja immer zweimal im Leben oder zwischen den Buchseiten. Dafür kündigt ja Jan Beck an, dass er schon an einer neuen Reihe arbeitet, Gott sein Dank. Seine Thriller sind nämlich verdammt gut. Na ja seine anderen Bücher finde ich auch richtig gut, also der Mann kann schreiben.

Das Ende konnte mich zwar nicht ganz begeistern, aber hatte mir spannende Lesestunden bereitet. Björk und Brand waren eigentlich wie immer und doch etwas anders. Ich denke, es war der Fall, sehr konstruiert, sehr überladen, viele Figuren und Zeitsprünge, die nicht erkennbar waren und mehr verwirrten als zur Spannung beizutragen, denn ich hatte ständig das Gefühl, was überlesen zu haben. Und das Buchende war wirklich überfrachtet, überhastet und wollte etwas mehr sein als normal und das fand ich nicht ganz gelungen. Trotzdem war sonst alles da, Action für Brand, kühle Sprüche von Björk und knistern in der Luft. Ich werde die zwei vermissen.

Das Ende, dein letzter Tag ist gekommen, kann mit seinen drei Vorreitern nicht mithalten, ist aber ansonsten ein Garant für spannende Lesestunden mit pfiff und kniff.

Cover des Buches 22 Bahnen (ISBN: 9783832168032)

Bewertung zu "22 Bahnen" von Caroline Wahl

SharonBakervor einem Jahr
Frisch, intensiv und berührend ...

Tilda muss den Spagat zwischen Studium, Nebenjob und kleiner Schwester hinbekommen und das ist unglaublich kräftezerrend. Ihr Highlight des Tages ist deswegen das Schwimmen im Freibad, Alltag aus und Freiheit an, zumindest für 22 Bahnen lang. Danach kurzer Plausch und schnell nach Hause zur kleinen Ida und ihrer alkoholkranken Mutter. Hier könnten immer böse Überraschungen lauern und Tilda muss viele kleine Brandherde löschen. So steht ihr Leben im Stillstand und dabei möchte ihr Professor, das sie die Kleinstadt verlässt und sich auf eine Stelle in Berlin bewirbt, um mit ihrem Talent weiter voranzukommen. Tilda liebt Mathe, aber auch Ida und als auch noch Viktor ins Freibad kommt, steht ihre Welt kopf. Wie kann sie ihrer Verantwortung gerecht werden und doch frei für ihr eigenes Leben sein? Kann sie ihre kleine schüchterne Schwester Ida zur Kämpferin machen? Und hat Tilda bei Viktor überhaupt eine Chance?


Dieses Buch kam mit der Frühjahrsvorschau vom Verlag und eigentlich wollte ich es gar nicht lesen. Dann fragte mich eine Freundin danach, ob sie es sich ausleihen dürfte, denn es wird gemunkelt, dass es ein richtig tolles Buch sein soll und na ja, dachte ich, liest du halt mal vorher rein. Sind ja nur um die 200 Seiten. Und was soll ich sagen, ich habe es keine Sekunde gereut, keine und warum versuche ich euch jetzt zu erzählen.

Tilda ist Anfang zwanzig, studiert Mathe, ist ein kluger Kopf und doch im Hier und Jetzt gefangen. Ihre Mutter ist Alkoholikerin und glänzt durch Ständiges nicht vorhanden sein, aber das ist besser als ihre Attacken auf die Kinder. So musste Tilda schnell erwachsen werden, wie gut das sie damals ihre Freundin Marlene und deren Familie hatte, aber nun ist da auch Ida und Tilda kümmert sich hingebungsvoll um sie. Während also ihre alten Freunde in die weite Welt hinausziehen, bleibt Tilda zurück und für Ida macht sie das gern, aber nun bekommt sie eine Empfehlung für eine Stelle in Berlin für ihr Studium und ihr Kopfkarussell dreht voll auf. Nun heißt es mit Ida sprechen oder besser Ida zur Kämpferin ausbilden und das ist ein fast undurchführbarer Plan. Und als ob das nicht allein schon viel Energie kostet, taucht auf einmal Viktor auf. Viktor, der große Bruder von Ivan und mit Ivan, wollte sie mal ans Meer. Eine mutige, starke und großartige Tilda mit ihr möchte man einfach befreundet sein.

Familie, Familie kann man sich nicht aussuchen, die hat man und man könnte ganze Bibliotheken mit deren Geschichten füllen. Tilda hat mit ihrer Familie kein großes Los gezogen.

Caroline Wahl erzählt ihre Geschichte frisch, anders und absolut inspirierend. Dabei spielt Humor eine Rolle, aber man hat auch jede Menge Szenen, die Berühren und aus einer Sommergeschichte eine mit Tiefgang macht. Dieses kurze Buch ist intensiv, berührend und auf so vielen Ebenen einfach lesenswert. Die Figuren waren so stark, Tilda, die Kämpferin, Ida, die kleine Heldin und erst Viktor, der Schweigsame. Schwere Schicksale verpackt in normalen Lebenssituationen, die einem nahe gehen und nicht kalt lassen. Und ja, in manchen hat man das Gefühl von Leichtigkeit und im nächsten einen Kloß im Hals. Ein wahres Spektrum vom Erwachsenwerden und die Last der Welt zu früh geschultert zu bekommen.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie gut mir dieses Buch gefallen hat, was natürlich an den Figuren lag, an dem Kampf ums eigene Leben, Freiheit, aber auch um ein Leben für die kleine Schwester, Wut, Hilflosigkeit und dann auch noch das irre Schmetterlingskarussell der Liebe. So viele Themen, so viel Leben eingefangen in knapp 200 Seiten und ich kann nur sagen Chapeau liebe Autorin, das ist ihnen fantastisch gelungen. Was habe ich die Kassenszenen geliebt, die altklugen Sprüche von Ida, den Paktismus von Tilda und natürlich die Beständigkeit von Viktor. Dieses Buch gibt so viel und bleibt im Kopf und im Herzen.

22 Bahnen ist ein Buch was fantastisch erzählt ist, frisch, intensiv und berührend. Mit Figuren, die einen bewegen und nicht mehr loslassen. Absolute Leseempfehlung.
 

Cover des Buches Café Leben (ISBN: 9783426282809)

Bewertung zu "Café Leben" von Jo Leevers

SharonBakervor einem Jahr
Tolle Idee, aber ich bin mit den Figuren nicht warm geworden ...

Henrietta muss unbedingt diesen Job bekommen, unbedingt, sonst hat sie ein Problem. Obwohl, das hat Henrietta ja so schon, denn sie ist speziell, mit Menschen kann sie nicht so gut und grenzt sich gern aus, da ist der Job für sie wie gemacht. Sie soll an einem Tisch im Café der Rosendale-Krebsambulanz sitzen und todkranken Menschen zuhören und deren Lebensgeschichte aufschreiben, damit die Angehörigen etwas haben, woran sie sich festhalten können. Für Sentimentalitäten hat sie keine Zeit, alles muss akribisch und mit Checkliste aufgeschrieben werden. Doch als Annie an ihrem Tisch tritt, ist schnell klar, dass ihr Plan alles nach Vorschrift zumachen, nicht funktioniert. Annie möchte nämlich gar kein Buch, für wem auch da gibt es niemanden, aber sie möchte sich ihre Geschichte von der Seele sprechen. Henrietta hört zu und merkt schnell, dass in dieser Geschichte etwas nicht stimmt und so beginnt sie herum zu schnüffeln und merkt erst spät, das ihr die Lebensgeschichte näher geht als gedacht. Was wird Henrietta über Annie heraus bekommen? Ist Abstand zum Leben wirklich zu empfehlen? Und wird Henrietta über sich selbst hinaus wachsen?


Als ich damals durch die Verlagsvorschauen blätterte, ist mir dieses Buch ins Auge gesprungen und der Klappentext hörte sich super an. Wir grenzen in unserem Leben den Tod gern aus, aber doch gehört er dazu. Und der Spruch, dass jeder Mensch eine Geschichte hat, die sich zu erzählen lohnte, war dann das i-Tüpfelchen, das ich es unbedingt auch lesen wollte. Außerdem wollte ich wissen, wie die Autorin mit dem Thema umgeht und nun habe ich es gelesen und erzähle euch, wie es mir gefallen hat.

Henrietta lebt mit ihrem Hund Dave zusammen und hält sich gern aus dem Leben raus, nicht nur bei anderen, sondern auch bei ihrem Eigenen. Sie ist diszipliniert, akribisch und empathielos. Klare Fakten, nüchtern aufschreiben und der Nächste bitte. Nur funktioniert das Leben so nicht, was Henrietta auch bei diesem Job, den sie bekommen hat, schnell merkt. Ihr reicht das Bloße zu hören nicht, sie möchte das bitte nach Plan und alles detailliert und nach chronologischer Zeitschiene. Ihre erste Lebensgeschichtspatientin macht ihr aber direkt klar, das sie das vergessen kann. Sie möchte ihre Geschichte nach ihrem Tempo erzählen und Annie hat eine traurige Geschichte zu erzählen. Ihre Schwester verschwand mit Anfang zwanzig, ihr Verschwinden wurde nie aufgeklärt und dann rutschte sie in eine gewalttätige Ehe, aus der sie erst vor zwei Jahren raus kam und als ob sie nicht ein bisschen Frieden verdient hätte, bekam sie Krebs. Ihre Uhr tickt ziemlich laut und sie muss schnell erzählen. Und Henrietta lässt Annies Geschichte über die tote Schwester nicht los und sie beginnt nachzuforschen.

Zwei unterschiedliche Frauen, zwei gegensätzige Leben und doch können beide noch voneinander lernen. Diese Idee der Autorin fand ich ganz toll und auch das es ein bisschen nach Kriminalfall roch, konnte mich zu beginn der Geschichte begeistern, aber mit der Umsetzung kam ich am Ende nicht klar.

Henrietta blieb mit ihrer stocksteifen, unnahbaren Art einfach blass, uninteressant, leider sogar nervig bis unerträglich. Obwohl man daraus einen super Charakter hätte machen können. Gerade mit ihren Wunderlichkeiten und mit ihrer eigenen Geschichte im Hintergrund. Da war mir Annie schon näher, sie blühte nach ihrer trostlosen Ehe auf, fing endlich an zu leben und erfand sich neu bis zum nächsten Schicksalsschlag. Ihre Passagen zu lesen fielen mir leichter, obwohl der Inhalt ein trauriger und schmerzhafter war. Die Einbettung des Verschwindens von Annies Schwester tat der Geschichte ganz gut und doch triftet sie irgendwann ab. Das war ein bisschen zu viel des Guten und macht es auch leider unglaubhafter. Überhaupt wurde ich mit der Erzählweise der Autorin nicht warum. Für mich zu nüchtern, holprig und sperrig. Es waren nur 300 Seiten, aber es fühlte sich viel länger an, weil ich überhaupt nicht in den Lesefluss kam.

Ohne Frage, das Begleiten von Freunden oder Familie bei schlimmen Krankheiten ist ein ganz Wichtiger und es ist nicht einfach, mit einer solchen Situation umzugehen. Jeder braucht etwas anderes, manche können ganz unbedarft mit der Person reden und manchen fällt es schwer, überhaupt dort zu sein. Abgesehen davon, was der oder die Sterbende benötigt. Die Tante von meinem Mann war ganz wunderbar, sie hatte die Gabe, es nie nach einem Krankenbesuch aussehen zu lassen, sondern nach einem gemütlichen Kaffeeklatsch. Wir vermissen sie sehr. Dagegen erinnere ich mich an die schlimme Krankheit meines Vaters, der extrem mitleidig und mürrisch war/ist und es einem nicht leicht gemacht hat. Aber wie wichtig es ist, sich mit dem Tod zu beschäftigen, spiegelt auch diese Geschichte wieder. Es gehört zum Leben, aber es ist immer noch ein Tabu-Thema. Vielleicht sollte man offen darüber reden, mutiger sein, sich dem Thema mehr stellen, denn uns erwartet alle das gleiche.

Café Leben beinhaltet ein wichtiges Thema und die Idee dazu finde ich immer noch großartig, nur wurde ich nicht warm mit Figuren und Schreibstil. Mich konnte es nicht erreichen, abholen oder nahegehen, aber viele andere Leser schon. 

Cover des Buches Das Leuchten der Rentiere (ISBN: 9783455012941)

Bewertung zu "Das Leuchten der Rentiere" von Ann-Helén Laestadius

SharonBakervor einem Jahr
Lehrreich, bildgewaltig, fesselnd ...

Elsa ist neun, als sie sich mit Skiern auf den Weg zu den Rentieren ihrer Familie macht, denn sie möchte unbedingt zuerst da sein und ihr Rentier sehen. Fast dort angekommen, überrascht sie einen Wilderer, der nicht nur ihr geliebtes Rentier abschlachtet, sondern auch ihr zu verstehen gibt, was passiert, wenn sie ihn verrät. Geschockt bleibt sie zurück, sie kennt diesen Mann, er ist ein Schwede aus dem Nachbardorf und ihre Scham nimmt zu, weil sie sich nicht traut, ihren Eltern alles zu erzählen. Dieser Mann ist schon länger ein Problem, doch die Familie scheint machtlos der Situation gegenüber zu sein, da die Polizei und auch die Politik nichts unternimmt. Der Tod von Elsas geliebtem Rentier wird einfach als „Diebstahl“ abgestempelt, aber sie vergisst nicht. Die Zeit vergeht und Elsa wird erwachsen und für sie gibt es kein Leben ohne die Rentiere und das bedeutet, das sie kämpfen muss, für ihre Familie, für ihre Stammesleute und für ihr Recht. Was kann sie als einzelne Frau bewirken? Wie kann sie für ihr Recht kämpfen? Und was muss noch alles passieren, damit die samischen Rentierhirten erhört werden?


Dieses Buch wurde mit dem Vergleich von „Der Gesang der Flusskrebse“ beworben und ganz ehrlich, ich mag so was nicht. Für mich stand der Titel schon allein ziemlich im Vordergrund und da ich die Polarlandschaft und Rentiere faszinierend finde, war das schon der Ausschlag für mich, es lesen zu wollen. Na gut, ich mag auch Bücher über starke Frauen und war gespannt, ob Elsa so eine ist. Ansonsten hatte ich mich wenig mit dem Thema auseinandergesetzt und habe verdammt viel dazu gelernt. Ob es nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltend war, erzähle ich euch nun.

Elsa ist eine Neunjährige, als die Geschichte beginnt und so erleben wir alles durch ihre Kinderaugen. Wir erleben Streit zwischen den Eltern, Wut auf Polizei und Gesetzgebung, ein Bruder, der vieles ändern möchte und nicht darf und ein Dorf, was ausgegrenzt wird. Dazu kommt der Vorfall mit Elsas Rentier und ihr Unverständnis wächst, warum tut keiner was und sie selbst traut sich nicht, alles zu verraten. Aber sie hält an dem Ohr ihres toten Rentiers fest und vergisst nicht. Der Stapel der abgelehnten Anzeigen wird größer, die Mutlosigkeit nimmt unter den Rentierhaltern zu und das Schweigen wird immer lauter. Ein hartes, unnachgiebiges Leben führen die Samen und Elsa will sich der Resignation nicht anschließen, sie möchte für ihr Recht, ihr Leben und für ihr Volk kämpfen. Und vor allem dem Wilderer das Handwerk legen, denn diese Kindheitserinnerung hat ihr ganzes Leben mit Angst, Scham und Wut begleitet.

Meine Mutter hat sich sehr für Native American interessiert und so einige Bücher angesammelt, die nun mir gehören. Meine Begeisterung hielt sich immer in Grenzen, aber auf Bitten und Drängen hatte ich mal eins angefangen und diese Geschichte hat mit so furchtbar wütend gemacht. Ein ganzes Volk wird ausgemerzt, verdrängt, unsichtbar gemacht und wie Abfall behandelt. Keine Rechte, in Reservate abgeschoben, ausgenutzt und ohne Perspektiven weggesperrt. Was für eine Ungerechtigkeit, welche ein Ohnmachtsgefühl und welch rasende Wut man da empfindet. Da hat sich ein patriotisches Volk nicht mit Ruhm bekleckert und dabei ist es nicht mal ihr Land. So, das musste raus, was ich aber nicht wusste, ist, das es die Schweden ähnlich mit dem Samen (veraltet Lappen) auch so machen. Ein Volk, was hoch im Norden von Skandinavien lebt und sich auf einem Siedlungsgebiet niedergelassen hat. Genau wie die Native American müssen sie mit Rassismus, Ausgrenzung, Menschen zweiter Klasse und ohne Rechte leben, denn der Schwede kommt immer zu erst. Allein für den geschichtlichen Aspekt lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Es ist angefüllt mit Beschreibungen von Traditionen, Stammeskleidung, Festen und deren hartes Leben, ohne die Handlung aus dem Blick zu lassen.

Ann-Helén Laestadius hat eine starke Protagonistin erschaffen, Elsa ist hartnäckig, bleibt am Ball, nervt die Gesetzeshüter, zwingt sie zum Handeln und wird auch selbst zur Spurenleserin. Sie kann die Ungerechtigkeit nicht mehr ertragen und auch das sinnlose töten ihrer Rentiere, was auch die Existenz ihres Volkes bedroht. Eindringlich beschreibt die Autorin die Situation aber auch malerisch und bildgewaltig. Was für eine Landschaft, was man im Schnee alles lesen kann und das knirschen von Schritten im Schnee, war beim Lesen hörbar. Erst hatte ich etwas Sorge, das sie die ganze Zeit aus der Sicht der Neunjährigen erzählt, da alles nur umschrieben wurde, ohne das Thema wirklich zu benennen, aber mit ihren Zeitsprüngen und der erwachsenen Elsa war ich total am Ball. Man fiebert einfach mit, man möchte Gerechtigkeit oder zumindest das die Polizei nicht immer die Augen verschließt und man möchte, dass Elsa ihren Platz bekommt. Denn auch eine Frau hat es in der Welt der Rentierhirten nicht einfach. Viele Themen, toll ausgearbeitet und begeistert geschrieben. Ich fand es großartig.

Das Leuchten der Rentiere ist lehrreich, bildgewaltig und fesselnd. Ein Appell gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit. Beeindruckend und mitreißend erzählt noch dazu.

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