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SharonBaker

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    Cover des Buches Bullet Train (ISBN: 9783455013221)

    Bewertung zu "Bullet Train" von Kotaro Isaka

    Bullet Train
    SharonBakervor 4 Tagen
    Skurril, schräg, abgefahren ...

    Im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen sitzen so einige spezielle Reisende. Da haben wir zwei Profikiller, die einen großen Auftrag von einem der schlimmsten Bosse der japanischen Unterwelt ausführen sollen, nämlich seinen entführten Sohn und das Lösegeld zurückzubringen. So weit, so gut, aber es steigen noch weitere Personen ein und die Fahrt entwickelt sich zum Desaster für die zwei Killer. Erst verstirbt das Entführungsopfer und dann verschwindet auch noch der Koffer mit dem Geld. Somit beginnt ein großes Katz- und Mausspiel. Wo ist der Koffer? Wer hat den Sohn getötet? Und wie viele Profis sind noch am Board? Alles spitz sich immer mehr zu, während der Zug seinem Endziel entgegen rauscht.


    Diese Geschichte hat mich sofort angesprochen. Vielleicht weil ich ein Faible für Japan habe oder ich einfach skurrile Geschichten mit großem Unterhaltungswert einfach mag. Dass das gute Stück auch verfilmt wurde, war dabei eher zweitrangig. Somit bin ich in den Zug gestiegen und ob mir die Reise gefallen hat, erzähle ich euch nun.

    Ein Zug, fünf Killer und die große Frage, wer kommt lebend an. Zumindest ist es nicht die Deutsche Bahn, dann wäre das Buch bestimmt ein paar Hundert Seiten dicker geworden. Aber nun gut zurück zur Geschichte, diese wird nämlich aus verschiedenen Richtungen erzählt. Da haben wir Kimura, der seinen Sohn rächen möchte und deshalb einsteigt, um diesen trotzigen Schüler zu töten, der sein Kind vom Dach geschupst hat. Der Prinz ist dieser Schüler und er hat ein kriminelles Gen in sich, was seines Gleichen sucht. Er beobachtet Menschen und versucht sie damit in die Enge zu treiben und so jede Menge Unheil zu provozieren, was er dann studieren kann. Dazu kommen noch die Zitrusfrüchte, das sind Lemon und Tangerine, sie haben den großen Auftrag vom Oberboss bekommen und sind zu Beginn guter Dinge, das Entführungsopfer sitzt neben ihnen und der Koffer ist verstaut. Und zu guter Letzt haben wir noch Nanao, der Marienkäfer, ein weiterer Profi mit dem Auftrag, den Koffer mit Geld zu stehlen. Diese Figuren treten für den Leser ans Licht, aber da sind noch einige Graustufen, die mit in den Zug eingestiegen und durch den Prinzen wird noch mehr Chaos gestiftet. Diese Reise wird zur Achterbahnfahrt der Undurchschaubarkeit.

    Der Schauplatz des Geschehens ist auf dem Zug begrenzt und so nimmt es ein bisschen die Gestalt eines Kammerspiels an, aber das mag ich absolut. Wir lernen die Figuren, ihre Gedanken, ihren Stress und ihre Beweggründe kennen. Erleben so manchen herzigen Dialog mit, Aufeinandertreffen der schrägen Art und schauen in die Tiefen der Machenschaften der dunklen Unterwelt. Ein Buch, was man aufschlägt und man einfach dran bleiben möchte, man taucht ab, lässt sich bestens Unterhalten und als Kinofilm könnte ich es mir auch bestens vorstellen, obwohl mein Kopfkino schon mega war. Witzige Zusammenkünfte, skurrile Situationen und Figuren, die diese Zugfahrt mit Leben füllen. Die Sprüche der Zitrusfrüchte, einfach genial, das Pech vom Marienkäfer, top einfach einiges und dieser Prinz lässt einen erschauern. Somit hat diese Geschichte so richtig Spaß gemacht mit seinen Wendungen, Überraschungen und auch Toten, denn so einige haben sich ein bisschen verzettelt.

    Kotaro Isaka hat nicht nur eine rasante Zugfahrt geschrieben, sondern auch eine Personenstudie abgegeben. Dazu hat er verschiedene Figuren zusammen gemixt und mit Humor, Spannung und Überraschungen verfeinert. Mich hat dieser Thriller bestens Unterhalten, obwohl ich es nicht als Thriller beschreiben würde, es ist ein Spannungsroman mit ein paar Leichen halt, aber die Charakterzüge für Thrillerleser werden hier glaube ich, nicht so erfühlt. Aber für alle, die skurrile, einfallsreiche und ungewöhnlich andere Geschichten mögen, ist es perfekt. Ich fand diesen Einfallsreichtum klasse und hatte richtig gute Lesestunden.

    Bullet Train ist eine abgefahrene, skurrile und rasante Zugfahrt mit Killerstudie. Sehr unterhaltend und mit Kopfkinoeffekt.

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    Cover des Buches Die sieben Männer der Evelyn Hugo (ISBN: 9783548066738)

    Bewertung zu "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" von Taylor Jenkins Reid

    Die sieben Männer der Evelyn Hugo
    SharonBakervor 24 Tagen
    Sogwirkung, Drama, unterhaltend ...

    Monique Grant ist Journalistin bei einer der größten Zeitschriften, nämlich dem Vivant. Allerdings hält sich ihr Erfolg in Grenzen und sie braucht endlich eine richtig gute Story. Und als ob das Schicksal ihr flehen erhört hätte, soll ausgerechnet sie die Filmikone Evelyn Hugo interviewen. Monique ist total aus dem Häuschen und fragt sich die ganze Zeit, warum ich, warum besteht Evelyn Hugo auf mich? Nervöse und aufgeregt macht sie sich auf dem Weg und wird total überrascht. Evelyn Hugo möchte auspacken über ihr Leben, ihre sieben Ehemännern, ihren Erfolg, aber nicht in einem Interview, nein, sie möchte das Monique eine Biografie schreibt und erst nach ihrem Tod veröffentlicht. Was für eine Aufgabe, was für eine Wahnsinnsstory und Moniques Durchbruch. So lässt sich die Journalisten auf den Deal mit dem Filmstar ein und ahnt da noch nicht, dass das auch ihr Leben beeinflussen wird. Was hat Evelyn Hugo zu erzählen? Was ist das Geheimnis ihres Lebens? Und wo darin taucht die Verbindung mit Monique auf?


    Man kommt einfach nicht an Taylor Jenkins Reid vorbei, ihre Bücher tauchen überall auf, letztes Jahr durch Daisy Jones & The Six und nun mit Evelyn Hugo, ein wahrer Hype jagt durch die virtuelle Bücherwelt. Natürlich ist das nicht an mir vorbeigegangen und weckte meine Neugier. Ausgesucht habe ich mir nun Evelyn Hugo, um die Autorin kennenzulernen, denn die schöne Welt der Reichen und Berühmten ist, doch immer mal einen Blick hinter die Kulissen wert. Ob ich mich nun diesem Hype anschließen kann, erzähle ich euch nun.

    Der Beginn ist klar, eine Legende versteigert ihre Kleider und tritt somit wieder in den Schein der Öffentlichkeit, und alle geraunten Geheimnisse und geschriebenen Skandale erwecken wieder die Neugier der Menschen. Was steckt hinter dieser erfolgreichen Frau dieser Filmikone, die sich immer wieder neuentdeckt hat und sogar einen Oscar ihr eigen nennen kann. Aber noch viel interessanter, wie kam es zu sieben Ehemännern und wer davon war die Liebe ihres Lebens, alles Fragen, alles Vermutungen, die sich die Menschen da draußen stellen und sich das Licht der Wahrheit wünschen. Ein Stück Glamour, ein Stück Erfolg, ein Stück ihrer Schönheit und jede Menge Klatsch und Skandale für die Raubtiere Namens Leserschaft. Dabei ist Evelyn Hugo als armes Mädchen zur Welt gekommen. Ihre Mutter ist früh gestorben, hat aber dem Traum von der Schauspielerei in ihrer Tochter hinterlassen. Früh erkannte das junge Mädchen, das ihr Körper sie zur begehrenswerten Frau macht und sie diesen nur geschickt einsetzen muss, um zu bekommen, was sie wollte. Und das Erste, was sie wollte, war, den Vater zu verlassen und nach Hollywood zu kommen und so beginnt die Erfolgsgeschichte von Evelyn Hugo. Mehr möchte ich nicht verraten, denn Rest müsst ihr selber lesen.

    Taylor Jenkins Reid hat es geschafft, dass ich das Buch nicht aus den Händen legen konnte. Ich bin regelrecht dran kleben geblieben und musste immer mehr, mehr, mehr lesen. So ist das ein Buch, was einen förmlich in einen Lesesog hineinzieht und die alte Welt der Stars und Sternchen wieder aufleben lässt. So ein bisschen hat man Marilyn Monroe vor sich, denn auch Evelyn wird als Sexbombe betitelt und hat damit ihren Ruf weg. Aber auch an Elizabeth Taylor denkt man, immerhin war diese Acht Mal verheiratet und man fragt sich, was steckte bei ihr dahinter. Ganz klar ist, wenn man Erfolg haben will, muss man auf sich aufmerksam machen und das klappt halt nicht immer nur mit Talent, man muss sich auch verkaufen können und so eine Ehe ist doch herrliche Publicity. So ist Erfolg im Film auch immer eine Gratwanderung zwischen Talent, Glück und dem Interesse des Publikums geschuldet. So muss der Schein gewahrt werden und die Figur Evelyn hat einiges zu verbergen und hat das Geschick zu wissen wie. So tanzen wir durch die 50-, 60-, 70- und 80iger Glamourwelt der Reichen und Schönen.

    Aber nicht nur das sind Themen in diesem Buch, sondern es taucht auch schwerer Stoff auf wie die Rassenfeindlichkeit und LGBTQ+ Bewegung. Alles wird im Wandel der Zeit dargestellt, vom Tabu zum Kampf, zur öffentlichen Wahrnehmung und dem Recht auf Gleichstellung mit der Hetero weißen Gesellschaft. So steckt in Evelyn Hugo eine Frau im Wandel der Zeit, die weiß, was sie will und wie sie darum kämpfen muss. Und doch ist sie mir nicht sympathisch, einiges kann ich nicht nachvollziehen und so bleibt sie für mich oft etwas kalt und überzeichnet. Vielleicht muss das so und damit konnte ich auch am Ende leben, denn Monique fand ich noch einen ticken schlimmer, dieses Kleinmädchen Verhalten und dann großes Selbstbewusstsein. Na ja, sie waren beide nicht mein Fall und trotzdem war das Buch klasse, die Klatschpressen Einschübe gut gewählt, das Drama gut gesetzt und die Unterhaltungskurve richtig gut ausbalanciert. Somit ein richtiges gutes Buch zum Wegsuchten, mit Glanz, Glitzer und Abgründen, so könnte doch die Hollywoodwelt aussehen.


    Die sieben Männer der Evelyn Hugo ist ein Blick hinter die Kulissen einer Hollywooddiva, unterhaltend, schockieren und mit einer absoluten Sogwirkung. Es ist halt nicht alles Gold, was glänzt. 

    Kommentare: 3
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    Cover des Buches Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen (ISBN: 9783442315604)

    Bewertung zu "Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen" von Mario Giordano

    Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen
    SharonBakervor einem Monat
    Lebendig, humorvoll, farbenfroh ...

    Barnaba Carbonaro kehrt mit über 80 Jahren in sein geliebtes München zurück und besucht die Familie seines Sohnes. Im Gepäck hat er nichts und doch scheint er einen Plan zu haben. Für seinen Sohn und dessen Familie steht das berühmte Familienfoto an, aber keiner glaubt den älteren Herrn, dass das der einzige Besuchsgrund ist. Und richtig, Barnaba hat noch etwas Großes vor, denn noch nicht alles, was er sich im Leben vorgenommen hat, ist erledigt. Und so erzählt er seiner Enkelin Maria von seinem Leben, von seiner bettelarmen Kindheit, seinen Träumen, seiner Sehnsucht und von Zitrusfrüchten. Wie er sich als Analphabet zum großen Händler auf dem Münchner Großmarkt hochgearbeitet hat. Vom Zufall, vom Glück, aber auch vom Niedergang und den bodenlosen Fall. Ein bewegtes Leben und doch merkt er erst jetzt, was er als Patriarch alles geschafft hat. Also warum ist Barnaba wirklich im München? Wird der große Ossobuki noch mal einen großen Wurf landen? Und welche Geheimnisse wird er offenbaren? 


    Mario Giordano hat mir damals mit seiner Poldi Reihe, die ich viel zu spät entdeckt hatte, aber die mich im ersten Lockdown begleitet, unheimlich gut gefallen. Welch ein Witz, welch ein Spaß und einfach beste Unterhaltung. Dort hatte er schon immer den großen italienischen Familienroman angedeutet und nun hat er es wirklich geschafft und ein richtiger Schinken ist es geworden. Ob er mir damit die Lesezeit versüßen konnte, erzähle ich euch nun.

    Barnaba ist der Sohn eines ehemaligen Priesters, der die Finger nicht von der Schneidertochter Pancrazia lassen konnte. Gemeinsam ziehen sie nach Taormina und dort im kleinen Dorf, im Nirgendwo in Sizilien beginnt die große Heldensage von Barnaba. Dieser kleine Junge hat Großes vor, er will in Reichtum ersticken, er will ganz nach oben und er hat das Zeug dazu. Bettelarm geht er lieber auf die Zitrusplantagen als in die Schule und sein unglaublicher Rechensinn ebnet ihm so manchen Weg. Natürlich läuft nicht alles glatt in seinem Leben, aber es ist vollgestopft mit jeder Menge Leben, Liebe, Wut, Zorn, Streit, Macht und dem Schicksal. So wird mancher Plan missglücken, sich andere Wege auftun und doch so einige Lebenswege sich erneut kreuzen. Barnaba hat viel vor im Leben und versucht sich im Sizilien einen Namen zu machen, und als ihm das gelingt und er sich endlich als Geschäftsmann beweist und München kennenlernt, schmeckt er auch den Geschmack der Freiheit. So pendelt sein Leben zwischen Familie und Sehnsucht hin und her und hat viele Überraschungen für ihn parat. Barnaba muss kluge Entscheidungen treffen und das ist nicht immer so einfach.

    Mario Giordano hat hier den Anfang eines Familienepos geschaffen, der mit Gegensätzen der Zeit spielt und einen Protagonisten geschaffen, der diese Zeiten verdammt gut durchschifft, ein Lebenskünstler und Rechengenie. So lernen wir das ärmliche Sizilien kennen, die Machtverhältnisse zwischen Mafia und Bevölkerung, aber auch den Glauben an Wunderheilung und welche Macht eine sizilianische Mutter hat. Überhaupt, was es bedeutet, ein Patriarchat zu sein und welche Aufgaben dieser hat. Erstaunlich gut ist der Unterschied beschreiben, wie Barnaba seine Familie führt und sein Sohn Nino eine liebende Familie hat. Auch das Frauenbild kommt hier nicht zu kurz, obwohl sie immer hinter dem Mann steht und sich der Entscheidung des Mannes fügen muss, wird seine Enkelin Maria Geschäftsfrau und überrascht ihren Großvater mit guten Ideen. Dazu noch der Tanz durch die Geschichte mit zwei Kriegen und jede Menge Geister, die unseren Hauptprotagonisten begleiten. Somit gibt es einiges zu erzählen und das der Autor daran Freude hatte, merkt man sehr.

    Dieses Buch ist mit viel Humor, Charme und Augenzwinkern geschrieben, dabei wird viel unterhaltsames erzählt und auch so einige Spannung aufgebaut. Man muss Barnaba einfach mögen, diesen kleinen Mann, der sich geschickt durch die Jahrzehnte bewegt und sich trotz seiner mangelnden Ausbildung bewährt. Ein richtiges Schlitzohr, vor dem man sich in acht nehmen muss, dem man aber auch Vertrauen kann. Ein richtiger Abenteuerroman über Zitrusfrüchte und dem Aufbau eines kleinen sizilianischen Familienclans. Der Autor erzählt hier geschickt, lebendig und farbenfroh. Er lässt seinen Leser förmlich in die Seiten eintauchen und dabei den Geruch von Mandarinen riechen und die Süße schmecken. Allerdings hat der Roman für mich auch kleine Längen, an manchen Stellen war es doch recht ausschweifend und manche Szenen, die einen sehr interessiert hätten, lässt er weg und erwähnt sie in einem Beisatz. So ist der Anfang opulent, überschwänglich und extrem ausgeschmückt und die letzten Jahre in Zeitraffer vom 50 Seiten abgehandelt, fand ich ein bisschen Schade. Man erfährt zwar alles, aber es hat nicht die gleiche Leichtfüßigkeit. Nun muss ich leider Barnaba verlassen und bin aber auch hocherfreut, das im nächsten Teil die Damen an die Reihe kommen. Machen wir uns nichts vor, die haben bestimmt noch mehr auf dem Kerbholz als der Held zu Beginn dieser Familiensaga.

    Terra di Sicilia ist der Auftakt zu einer Familiensage, lebendig, humorvoll, farbenfroh und geruchsintensiv erzählt. Ein Sommerroman für die perfekte Urlaubsstimmung und eine Reise durch die Zeit.

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    Cover des Buches Die Kinder sind Könige (ISBN: 9783832181888)

    Bewertung zu "Die Kinder sind Könige" von Delphine de Vigan

    Die Kinder sind Könige
    SharonBakervor einem Monat
    Sozialkritisch, erhellend, wachrüttelnd ...

    Mélanie ist gerade dabei eine neue Story für Instagram hochzuladen, als ihr kleiner Sohn Sammy von draußen hereinkommt und seiner Mutter aufgeregt berichtet, das er seine kleine Schwester Kimmy nicht finden kann. Sofort bricht Panik aus, der ganze Wohnkomplex wird abgesucht und schlussendlich, die Polizei alarmiert. Immerhin sind Mélanie und ihre Kinder berühmte Persönlichkeiten, denn sie sind erfolgreiche Youtuber mit Millionen von Fans und einem Einkommen, was sie lieber Verschweigen würden. Für die Polizei unentdecktes Neuland, so untersuchen sie die Familie, deren Umgebung und stutzen daran, das es noch keine Lösegeldforderung gibt. Die Polizistin Clara übernimmt derweil die Analyse der online Präsents und entdeckt so einiges. So bemerkt sie das Kimmy immer weniger in die Kamera schauen möchte und auch das hohe Pensum an Onlineaktivität. Nur hilft das, um Kimmy zu finden? Wo könnte die Kleine stecken? Oder hat sie einer von den Millionen an Fans entführt?


    Delphine de Vigan ist eine Autorin, die sich immer aktuellen und heiklen Themen annimmt, um die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, und haut einen damit immer um. Ich muss gestehen, ich habe hier noch nicht einmal den Klappentext gelesen, sondern einfach angefangen zu lesen, weil es ein Vigan ist. Und was soll ich sagen, das hat mich umgehauen und warum versuche ich, euch jetzt zu erzählen.

    Mélanie ist ein Kind der „Big Brother“ Ära, dem Trash-TV und den ganzen anderen Abkömmlingen dieser Zeit und fortwährend neuer Formate. Sie selbst hat sich oft auch in solchen Sendungen gewünscht, aber bei den Castings immer eine Absage erhalten. Ihr einziger Erfolg war gekrönt von zwanzig Minuten Öffentlichkeit, einen direkten Rauswurf und keine Chance auf Ruhm und Unvergessenheit. Nun ist sie verheiratet, Mutter von zwei Kindern und genau jetzt hat sie Erfolg mit der Vermarktung ihrer Familie. Endlich bekommt sie die ganze Liebe ihrer Follower, die Likes, die Herzchen, die zuckersüßen Kommentare, endlich ist sie an der Spitze und kann sich darin sonnen, diese unendliche Liebe, die ihr entgegenschlägt, lässt alles Negative ausblenden. Das ihre eigenen Eltern nicht gern mit ihr Kontakt haben und die Schwester bevorzugen und das Mélanie in ihrer eigenen Welt lebt und nicht mit bekommt, was sie ihren Kindern damit nimmt.

    Dagegen haben wir Clara, die Polizistin, die einen Ruf hat, der Respekt und Anerkennung bedeutet, denn sie ist gut in dem, was sie tut und ein Arbeitstier. So leidet aber auch ihr Privatleben, denn als Flic ist man jederzeit einsatzbereit. Clara ist Einzelgängerin, strukturiert und im hier und jetzt, für sie sind Internet und sozial Media Arbeitsmittel und keinen privaten Gebrauch wert. Das kommt vermutlich von ihren Eltern, die schon die Anschaffung eines Fernsehers kritisch beäugt haben. So ist sie unbelastet und kann sich der Analyse von Mélanie neutral widmen, ist aber schnell eingenommen und erstaunt, wie man mit nichts, so viel Erfolg haben kann und das es für diese Art von Kindern zur Schaustellung keine gesetzlichen Grundlagen gibt. So ist Clara, des Lesers kritischer Blick und dieser macht einen unglaublich fassungslos.

    Dieses Buch geht unter die Haut, schockiert, macht sprachlos und ist top aktuell und lässt einen wirklich nachdenklich zurück. Man überdenkt sein eigenes soziales Medien Verhalten und ganz ehrlich, wie oft schaut man in fremde Leben. Ich bin ja kein Fan von allem zeigen, aber das haben ganz viele nicht und so begleitet man diese den ganzen Tag, Abstimmungen, Reals, Storys und oft frage ich mich, haben die nichts anderes. Aber Kinder, die noch nicht selbst entscheiden können und gar nicht wirklich wissen was sie wollen, weil sie nichts anderes kennen, vor den Karren zu spannen, weil man das für sein eigenes Wertgefühl braucht, ist wirklich ein Skandal. Und was mich am meisten geschockt hat, ist, dass es keine rechtlichen Grundlagen gibt. Keine Zeitvorgaben, keine Ruhepausen, keine Überprüfung der Eltern, nichts, diese Romanfigur beutet die Kindheit aus und macht so viel kaputt, ohne es wirklich zu merken. Es ist so schwer in Worte zu fassen, was dieser Roman während des Lesens mit einem macht.

    Delphine de Vigan ist eine Autorin, die man einfach lesen sollte, da ihre Bücher nicht nur zeitgemäß sind, sondern auch so wichtig. Hier beschreibt sie zwei Seiten, ein Mal die Sozial Media Entwicklung und dagegen der kritische Blick. Man sollte sich vieles mehr bewusster machen und sein Leben nicht über sein Handy bestimmen lassen, dafür benötige ich nicht dieses Buch, aber es macht vieles noch klarer, rüttelt wach und ist kraftvoll in seiner Erzählung. Dabei erzählt Delphine de Vigan nüchtern, sozialkritisch, beklemmend, aber auch mit einer Portion Humor diese literarische Geschichte und ich hoffe, ganz viele lesen genau und hören besser hin.

    Die Kinder der Könige ist eine Geschichte unserer Zeit, sozialkritisch, erhellend und wachrüttelnd. Großartig erzählt und einfach schrecklich brillant. Große Leseempfehlung.

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    Cover des Buches BRENNWEITE (ISBN: 9783442759187)

    Bewertung zu "BRENNWEITE" von Bernhard Aichner

    BRENNWEITE
    SharonBakervor 2 Monaten
    Rasant, spannend, unverwechselbar ...

    Bronski und Svenja machen Urlaub in Südtirol und während Svenja an einem herrlichen, wohltuenden Pärchenurlaub denkt, entdeckt Bronski eine neue Story. In einem Kloster ganz in der Nähe soll ein Wunder geschehen sein und ein Mönch, der blind war, wieder sehen können. Die Spürnasen machen sich auf, um der Geschichte auf den Grund zu gehen. Sie sind die Ersten ganz nah dran und wollen richtig Auflage mit diesem unscheinbaren Mann machen. Dieser lässt sich auf die Exklusivbehandlung ein und hat nur eine Bitte er möchte seine Schwester treffen und um Verzeihung bitten. Also geht es auf nach Köln und dort hat das Wunder eine Vorahnung und vereitelt einen Terroranschlag. Aber ist das wirklich göttliche Fügung? Ist dieser neue Messias wirklich echt? Oder ist es ein Plan eines Wahnsinnigen? Unser Reporterteam muss höllisch aufpassen, denn der Horrortrip fängt erst richtig an.


    Nun liegt schon der dritte Bronski Teil vor und man wird des Lesens einfach nicht müde. Ich bin ein absoluter Fan von dieser Art des Erzählens, diese kurzen Sätze, die abwechselnden Kapitel zwischen Beschreiben und Dialog, das macht einen rasanten Spannungsbogen und unterhält einfach großartig. Das kann der Autor einfach megaklasse und deshalb habe ich auch diesen Teil wieder inhaliert und ob er mir auch so gut gefallen hat wie die Vorgänger, erzähle ich euch nun.

    Bronski ist einfach ein Typ, der sich immer tief in einen Schlamassel hinein gräbt und das Unglück anzieht. So hat er in letzter Zeit seine Beziehung extrem vernachlässigt. Svenja muss immer da sein, für alles Verständnis haben, aber sie als Frau kommt zu kurz und nun setzt sie ihm die Pistole auf die Brust. Aber statt diesen Urlaub zur Rettung der Beziehung zu nutzen, stürzen sich die beiden auf eine neue Story und auf ein rasantes Abenteuer. Es hätte so einfach sein können, Urlaub und Svenja und nun kämpft Bronski an tausend Stellen gleichzeitig. Beziehung, Tochter, Schwester und ein Wunder, was er hinterfragen muss und welches ihm schwer unter die Haut geht. Bronski on Fire und es wird wieder brenzlig bis zur letzten Sekunde. Ob es diesmal für ihn gut gehen wird?

    Meine Güte, woher nimmt Bernhard Aichner nur seine Ideen und diese irren Typen, die die Welt zerstören wollen. Was die Bösewichte angeht, sind diese immer richtig aalglatt, fies und so widerlich, dass man einfach geschockt über deren Ausmaße ist. So fängt es erst harmlos an und entwickelt dann eine rasante Grandwanderung, die einen echt mitreißt und einfach lesen, lesen, lesen lässt. Aber nicht nur das packt der Autor in seine Geschichten, nein, auch das Zwischenmenschliche hat hier Platz, die Sorge um die Tochter, aber auch die Beziehungsprobleme und Bronskis Schwester Anna mit ihrer Familie und ihren eigenen Schwierigkeiten. So brennt es an allen Stellen und Bronski muss entscheiden, wo er zuerst hinmuss, um das Feuer zu löschen.

    Bernhard Aichner hat mich einfach wieder um den Finger gewickelt und es ist einfach wieder ein rasanter Lesetrip gewesen. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen, wenn man nämlich den Buchdeckel öffnet, muss man einfach so lange lesen, bis man die letzte Seite umblättert. Ich kann nie aufhören und muss es einfach durchsuchten. Somit war für mich der dritte Bronski wieder eine runde Sache, die Figuren werden weiterentwickelt, die Fälle bleiben genauso böse wie im ersten Fall und diese journalistischen Einblicke lassen mich immer erschauern. Was man nicht alles für eine Story macht und wie man den Leuten die Presse schmackhaft verkauft, ist einfach unglaublich und passt aber zu der ganzen reißerischen Geschichte. So hält der Autor nicht nur sein Tempo, sondern auch die Qualität der Reihe spielend aufrecht und man ist einfach süchtig. Nach mehr Bronski, nach mehr Svenja und nach mehr Storys, die immer in einer Achterbahn der Gefahr enden. Übrigens, von den kleinen kirchlichen Einblicken mag ich gar nicht erst anfangen, aber die Seitenhiebe waren gut gelegt.

    Brennweite ist geschickt erzählt mit der typischen aichnerischen Unverwechselbarkeit. Unglaublich rasant, spannend und eine Achterbahn der Gefahr.

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    Cover des Buches Müll (ISBN: 9783455014303)

    Bewertung zu "Müll" von Wolf Haas

    Müll
    SharonBakervor 2 Monaten
    Originell, Humor, Lesespaß pur ...

    Der Tatort ist ein Mistplätze und genau dort unter eigentlich ordnungsgemäßer Entsorgung findet man ein Knie in Wanne 4 für Sperrmüll. Wo ein Knie ist, da ist der Rest nicht weit, denken sich die anderen Mistler und der Wetteifer ist gestartet. Bevor die Polizei dem Einhalt gebieten kann, ist die Leiche fasst komplett, nur das Herz fehlt. Die Kripo ist sprachlos, wütend und verärgert, was denken sich bloß diese Müllmänner und wollen die Mannschaft zusammenstauchen, da dreht sich Simon Brenner mit seinem Snoopy-Kaffeebecher um und verweist sie auf die Kamerabilder, die sie bestimmt schon gesichert haben. Somit ist erst mal Ruhe, aber für Brenner geht es jetzt erst los, denn der Fall nimmt sich seiner an und das Chaos bricht los. Worein ist der Brenner da gestolpert? Wo wird er das Herz vom Toten finden? Und welche Probleme werden nun dazu kommen?


    Ich bin ja Brenner-Neuling und kenne bis heute nur Teil acht und nun Teil neun und kann begeistert sagen, Wahnsinn. Wie bitteschön kann man so süffisant schreiben und einem damit umhauen, da hat man an jeden Satz seinem Spaß und frisst sich durch die Geschichte. Oh, jetzt habe ich es vorweggenommen, dann erzähle ich euch nun, warum ich so hingerissen bin.

    Allein die Figur Simon Brenner bekommt schon den Aufdruck „Original“, denn gibt es nicht noch einmal ein wahres Unikum. Nun ist der Brenner bei den Mistlern gelandet und fühlt sich bei der Truppe ganz wohl, aber nicht nur das, er ist auch noch Bettgeher geworden und das ist nochmals ein ganz eigenes Thema. Eigentlich sollte es ruhiger in seinem Leben werden, aber er zieht die Sonderheiten regelrecht an. So musste ja eine Leiche irgendwann auf dem Mistplätze auftauchen, aber nicht nur das, auch seine Vergangenheit damals bei der Kripo hält wieder Einzug in seinem Leben. Der Alexander Kopf ist nun leitender Ermittler und den hat er ausgebildet und seine Sprüche von damals sind auch noch heute legendär. So wollte der Brenner nix damit zu tun haben und doch holt ihn der Fall ein und zwar in Form der Tochter des Toten, tja und der Brenner halt Menschenfreund pur. So lernt er die Iris kennen, geht mit dem Kopf einen trinken und verstrickt sich immer mehr in Körperteile, Organhandel und einem neuen Fall. Aus der Nummer kommt er nicht mehr raus und so muss er seine alten Instinkte aktivieren und seiner Spürnase nachgehen.

    Wolf Haas kann so richtig schön süffig schreiben, von spitzfindig zu tagesaktuell umspringen und nicht nur unterhalten, sondern auch einen Hieb auf unsere Gesellschaft geben. Das macht er aber so charmant und mit Fingerspitzengefühl, das es die Geschichte eher perfekt macht als unangenehm begleitet. So muss sein Hauptprotagonist einiges erleben und nicht alles geht ohne blaue Flecken aus. Dieser brummige ältere Herr, denn Brenner ist im gesetzten Alter aber kein bisschen Lebensruhiger und so fällt er mit dem Fall auch in einige Katastrophen. So hilft er der Iris mit dem Praktikanten, der hilft den Kurierfahrer mit der Festplatte und diese Festplatte gehört der Transportfirma, welchen den Toten auf den Mistplätze verfrachtet hat. So gibt es viele skurrile Figuren, einige Lebensgeschichten und jede Menge Verwirrspiel. Aber Brenner hat ja kriminalistische Instinkte und immer ein gutes Händchen für brenzlige Situationen und so kommt der Leser auf seine Kosten.

    Absolut großartig erzählt, ironisch, humorvoll und schwarz wie die Hölle, was für ein Spaß, ich sag euch ein Engländer kann es nicht besser. Dazu ist es auch noch anspruchsvoll und hebt sich deshalb so herrlich von einem Krimi ab. Wolf Haas hat in mir einen neuen Leser gefunden, der sich nun auch die alten Fälle vorknöpfen möchte, weil dieser Erzähler mit seinem Erzählten einfach genial sind. Dieser Autor nimmt so schön viel auf die Schippe, verbiegt, wo er verbiegen kann und haut auch ganz gern mit Klischees um sich und genau das macht es auch irgendwie realistisch und passend für diese Welt. Ich mag diesen Erzählstil total und laufe unglaublich gern mit Brenner durch Wien und liebe es deshalb noch ein bisschen mehr.

    Müll ist eine turbulente Suche nach einem Herz und der Vergangenheit. Meisterlich erzählt, originell und mit jeder Menge schwarzem Humor ein wahrer Leckerbissen.

    Kommentare: 1
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    Cover des Buches Dreivierteltot (ISBN: 9783737359146)

    Bewertung zu "Dreivierteltot" von Christina Stein

    Dreivierteltot
    SharonBakervor 2 Monaten
    Rasant, fesselnd, mörderisch ...

    Emma und ihr Freund Jon wandern den schottischen West Highland Way. Es sollte der Urlaub werden, aber die Stimmung ist gereizt und das Laufen extrem beschwerlich. Dann taucht auch noch ein komischer Typ auf, Sky, der einfach mit ihr flirtet und als ob das nicht schon unverschämt wäre, bekommt sie auch noch blöde Nachrichten von ihrer Freundin. So hatte sie sich das alles nicht vorgestellt, aber es kommt noch schlimmer, auf ihren Weg finden sie eine Tote und die ist alles andere als unbekannt. Wen wird Emma finden? Was ist das nur für ein furchtbarer Trip? Und kann Emma Klarheit in das Chaos schaffen?


    Hier ist also der dritte Thriller von Christina Stein und ich kann behaupten, ich habe sie alle gelesen, inhaliert, verschlungen oder aufgefressen. Somit bin ich wohl ein kleines Fan-Girl und liebe einfach ihre spannenden, sogwirkenden Jugendthriller sehr. Nun entführt sie uns nach Schottland und ob mir diese Wanderung auch so zusagte wie ihre beiden anderen Bücher, erzähle ich euch nun.

    Emma steht allein mitten auf dem schottischen West Highland Way und fragt sich, warum sie sich das nur angetan hat. Eigentlich wollten doch Jon und sie diese Tour genießen und Pläne für die Zukunft schmieden, aber irgendwie ist daran nicht zu denken, denn ihr Freund rennt vorneweg und sie kommt kaum hinterher. Aber das ist nicht das Einzige, was sie stört, nein, auch die komischen Blicke der anderen Wanderer machen ihr zu schaffen und da gibt es noch Sky mit seinem Hund. Während also Emma immer weiter läuft, ihren Freund verflucht, nehmen die Merkwürdigkeiten um sie herum immer mehr zu, was dazu führt, das sie sich immer unwohlerfühlt und langsam an ihrer Wahrnehmung zweifelt. Bildet sie sich das alles ein oder passiert das wirklich?

    Tja, und genau das ist die große Frage und damit spielt die Autorin mit uns Lesern. Können wir den glauben, was wir lesen? Was passiert da mit Emma? Oder ist das alles ein großes Katz-Maus-Spiel, nur wer ist wer? Christina Stein kann einfach einen komplett in eine Geschichte hineinziehen, sie so intensiv erzählen, dass man in einen richtigen Lesesog verfällt und erst aufhören kann, wenn man das Rätsel geknackt hat. So wandern wir mit Emma los, wundern uns über ihre komische Beziehung, hängen uns daran auf und merken nicht gleich, das ihr Umfeld auch komisch auf unsere Hauptprotagonistin reagiert. Und dann diese Freundin, muss diese wirklich im Liebesurlaub auftauchen und sich mit Emma treffen. Viele Faktoren und Kleinigkeiten, die einen zu Beginn verwundern, ärgern und irgendwann am eigenen gelesenen zweifeln lassen. So hetzt man durch die Seiten, ist verstört bei manchem Geschehen und wundert sich über einige Figuren. Geschickt schifft uns die Autorin immer mehr in die schottischen Highlands ein und lässt uns mit vielen Fragezeichen einfach stehen und baut auch noch Rückblenden ein, die nicht wirklich zur Erleuchtung führen. Dabei erzählt Christina Stein intensiv, flott und rätselhaft.

    Außerdem hat die Autorin noch ein tolles Setting gewählt mit perfekter Atmosphäre, Nebel, Regen und Sonnenschein. Da bekommt so eine kleine Moorlandschaft doch einen ganz besonderen Reiz. Ich habe dieses Buch schnell verschlungen und hatte wirklich meine kleinen Schauer dabei, es packt ein, lässt einen nicht los und hat wieder eine tolle Sogwirkung. Allerdings kann dieses hier nicht mit seinen Vorgängern mithalten, so fühlte ich mich zwar bestens unterhaltend, aber der Knall fehlte zumindest für mich, aber das hat dem Spaß daran nicht gestört. Für mich war es wieder beste und knifflige Unterhaltung, die dem Alltag ausblenden konnte und das ist Gold wert.

    Dreivierteltot ist nicht nur eine Wanderung durch die schottischen Highlands, sondern eine Jagd nach der eigenen Wahrnehmung. Rasant, fesselnd und mörderisch.

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    Cover des Buches Der Salon (ISBN: 9783785727607)

    Bewertung zu "Der Salon" von Julia Fischer

    Der Salon
    SharonBakervor 2 Monaten
    Familienroman, Zeitreise, Gefühlsachterbahn ...

    Leni macht eine Friseurlehre bei ihrer Mutter im beschaulichen Herbsthausen und hat große Träume. Ihren ersten Schritt macht sie damit, dass sie in einem vornehmen Friseur in München anfängt und dort fleißig voranschreitet. Währenddessen hadert ihr Bruder Hans mit seinem Medizinstudium und kämpft mit seinem Gewissen, seiner Scham und seinem Stolz. Seine eigentliche Liebe gehört der Jazzmusik und einer verheirateten Frau, Charlotte. Drei Menschen im Strudel der Zeit, mit Höhen und Tiefen und dem Aufbruch in eine neue Ära. Wird Leni auch noch Zeit für ihr Herz haben? Für was wird sich Hans entscheiden? Und kann Charlotte der Ehehölle entfliehen?


    Julia Fischer hat ja schon lange einen Platz in meinem Bücherregal und zwar einen Stammplatz und was liebe ich ihre Art zu schreiben und ihre Bücher. Nun wagt sie sich an etwas Historisches ran und lässt die Zeit nach dem Krieg beziehungsweise die Fünfzigerjahre mit ihren wirtschaftlichen Aufschwung in München erblühen. Der Auftakt zu einer Familiensaga und ob mir dieser gefallen hat, erzähle ich euch nun.

    Wir schreiben das Jahr 1956 und befinden uns in Herbsthausen ganz in der Nähe von München. Dort lebt Käthe Landmann mit ihren Kindern Hans und Leni und dort wartet sie immer noch auf die Rückkehr ihres Mannes Otto aus dem Krieg. Keiner glaubt mehr an dieses Wunder, aber Käthe hält sich daran fest und gibt alles für ihre Kinder. Leni muss früh in den Friseursalon mit einsteigen, damit sie das Studium für den Hans finanzieren können. Medizin muss es sein, wie der Vater sich das gewünscht hat. Allerdings haben beide Kinder auch noch Träume und die sich einzugestehen und zu verwirklichen ist hier die Geschichte. Immerhin ist es eine Zeit im Aufbruch und im Wandeln und doch liegt über allem noch der Hauch der Vergangenheit und die Zwänge der Gesellschaft werden wieder enger. Während Leni also zur starken, anpackenden Frau heranwächst, was die Männerwelt nicht wirklich ertragen kann, muss sich Hans sich selbst und seiner Familie stellen.

    Was für packende Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen und durch ihre Verschiedenheit einen geschichtlichen Rundumblick bieten. Während Leni aus der Provinz kommt und sich durch ihren Fleiß und ihrem Talent was aufbaut, hadert ihr Bruder ständig mit sich selbst. Das Andenken des Vaters nicht zu beschmutzen und doch ist der Kriegsschatten auf seiner Seele groß, außerdem schuften seine Mutter und Schwester so hart für ihn, das kann doch nicht vergebens sein, und doch liegt ihm die Medizin nicht, seine Gabe ist die Musik und darin geht er auf. Und über Hans kommen noch mehr Figuren ins Spiel, Charlotte ein ehemaliges Mannequin, welche in einer Ehehölle steckt und in die er sich unsterblich verliebt, sowie seine Freunde Karl, Schorch und Frieda. Frieda ist die einzige Medizinstudentin und muss sich so einige Sprüche anhören, aber sie kann sie alle elegant parieren. Schorsch hat der Krieg große Verluste zugesetzt, die sein Leben heute noch beeinflussen. Er ist ruhig, hilfsbereit und heimlich in Leni verliebt. Ein besonnener Mann, der sich selbst sehr zurücknimmt, um für jeden da zu sein. Und Karl aus gutem Hause, dessen Lebensweg schon vorgeschrieben ist, der sich nicht wirklich bemühen muss, da ihm alles zufliegt, auch Lenis Herz.

    So lässt die Autorin verdammt viel einfließen, da haben wir die Gedanken nach dem Krieg, die Scham, das Vergessen und die Ausbeutung der Geächteten. Den Verlust von geliebten Menschen, das Sehnen nach vergangenen Zeiten und die Ohnmacht, das auch die Verbrecher wieder mit in der Politik Amt regieren. Auch das Frauenbild finde ich richtig gut eingefangen, wie sie trotz ihrer Arbeit beim Aufbau des Landes wieder hinter ihren Herd gestellt werden und alle ihrer Rechte aberkannt, das Bild ist schauderhaft und Leni hierin eine Revolutionärin. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, das Modell sein Früher geächtet und als billig empfunden wurde und heute will es jedes junge Mädchen werden. Es ist verrückt und noch gar nicht so lange her. Auch Fridas Rolle ist gut eingebunden und lässt auch so einige Einblicke einfliessen. Außerdem lässt Julia Fischer diese Zeit durch ihre Worte und Beschreibungen richtig bildgewaltig aufblühen und man sieht alles in Farbe und gestochen scharf.

    Somit hat mich der Auftakt gepackt, diese Zeitreise war ein Genuss und das Ende einfach tragisch, das man einfach wissen möchte, wie geht es weiter, was passiert noch und tauchen alle Figuren wieder auf. Wie gut das die Autorin verraten hat, dass dieses Jahr noch der zweite Band erscheint, das macht mich glücklich und freut mich immens, denn ich muss wissen, wie es weitergeht. Ein Auftakt, der jedes Abendprogramm blass aussehen lässt und man lieber zu diesem Buch greift, absolut packend aufregend ist und einem regelrecht in die Seiten hineinzieht.

    Der Salon ist mehr als nur ein Familienroman, es ist eine Zeitreise und ein geschichtlicher Ritt, der fabelhaft unterhält, einen ergreift, auf eine Gefühlsachterbahn schickt und besser als Kino ist. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

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    Cover des Buches Flüssiges Gold (ISBN: 9783455013290)

    Bewertung zu "Flüssiges Gold" von Paolo Riva

    Flüssiges Gold
    SharonBakervor 2 Monaten
    Cosy-Crime, Italien-Flair, gute Unterhaltung ...

    Es ist Markttag im idyllischen Montegiardino, die Sonne lacht, das Café ist gut besucht, die Stimmen vom Markt sind heiter und die Schlange am Olivenölstand wie immer lang. Commissario Luca liebt sein kleines Heimatstädtchen und schlendert über den Markt, um die ersten Steinpilze zu ergattern, dabei wird geplaudert, gelacht und sich verabredet. Bis ein Schuss fällt und das ruhige Treiben beendet. In Montegiardino passiert sonst nie etwas, das Höchste ist Mal ein Verkehrsdelikt und nun wurde eine Frau angeschossen. Luca eilt zur Hilfe und fordert Verstärkung an, aber hier steckt wohl mehr dahinter und Luca muss ermitteln. Wer hatte es auf Signora Gori abgesehen? Wer hat da geschossen? Und was verschweigen die Olivenbauern in dieser Region vor Luca?


    Ein neuer Commissario steht am Start und der Verlag meinte, das wäre doch auch was für mich. Immerhin, wer sehnt sich gerade nicht nach Sonne, Ruhe und Unbeschwertheit, so schnappte ich mir direkt diesen Bella-Italia-Krimi und schnupperte in die Seiten und schwups waren 150 Seiten schon verschlungen. Ob mich nun Luca auch überzeugen konnte, erzähle ich euch jetzt.

    Commissario Luca ist der italienische Bruno (Franzose und eine Figur aus der Buchreihe von Martin Walker). Ein Dorfpolizist, der gutes Essen liebt, seine Heimat willkommen heißt und für jeden im Ort ein Ohr hat. Dazu kommt, dass ihn die Damenwelt anhimmelt und erst recht einen Witwer mit einer kleinen Tochter. So lebt er auf dem Berg mit Emma und seinen drei Eseln, idyllisch, harmonisch und friedlich. Aber das war nicht immer so, unser Commissario hatte auch ein Leben davor und dieses war bei weitem nicht so beschaulich wie jetzt. Aber was man gelernt hat, hat man gelernt und so sind seine polizeilichen Antennen direkt ausgefahren und sein Ermittlungstrieb erwacht. In seinem Dorf wird keiner angeschossen und auch eine patzige Vice-Questora lässt er nicht so einfach auf seine Mitmenschen los. So hat Luca auf einmal viel mehr zu tun als sonst, aber er geht darin auf und lässt sich nicht ausspielen.

    Paolo Riva hat definitiv einen Good-Feel-Krimi geschrieben, der einen in sommerliche Stimmung bringt, Lust auf Pasta macht und Sehnsucht nach der Toskana weckt. Es versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung, man wird selber ruhiger und fühlt sich wohl, auch wenn dort ein Verbrechen passiert, möchte man doch eher die Esel füttern oder mit am Tisch sitzen, wenn es Pasta und Wein gibt. Somit passt die Atmosphäre für mich ganz gut. Luca ist auch sympathisch, auch wenn er ein bisschen zu sehr als Gutmensch rüber kommt, er dürfte auch gern ein bisschen rauer sein oder impulsiver, aber nein, er ist ein bisschen schüchtern und manchmal ein bisschen begriffsstutzig, was die Frauenwelt anbelangt. Ansonsten ist der Fall auch gut angesiedelt, Olivenhaine und der ganze Skandal ums wertvolle Olivenöl, darüber hatte ich schon einen Roman gelesen, und hier kratzt der Autor auch nur an der Oberfläche, aber ich fand es trotzdem gut eingeflochten und lässt einen so manchen Einkauf überdenken.

    So ist dieser Auftakt für mich gelungen, hat mich ins sonnige Italien versetzt, hat mich mit einem guten Gefühl zurückgelassen, auch wenn hier noch ein bisschen mehr Potenzial drin gesteckt hat, so war einiges doch ein bisschen platt und vorhersehbar. Commisaario Luca ist halt keine Brunetti oder Montalbano, aber muss er auch gar nicht sein. Für mich passte halt die Grundstimmung und ich mag nun mal auch Cosy-Krimis unglaublich gern, die nicht immer politisch oder total verstrickt sein müssen, sondern einfach gut unterhalten und Laune machen. Tja, und Luca steckt am Ende ja doch noch in großen Schwierigkeiten, da muss man doch weiterlesen.

    Flüssiges Gold ist ein Auftakt zu einer neuen italienischen Krimireihe, die in der idyllischen Toskana spielt und uns ins Dolce Vita Feeling versetzt. Gute Unterhaltung, Atmosphäre passt und richtig guter Cosy-Crime. Nun muss es heute Pasta geben.
     

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    Cover des Buches Boom Town Blues (ISBN: 9783709979396)

    Bewertung zu "Boom Town Blues" von Ellen Dunne

    Boom Town Blues
    SharonBakervor 3 Monaten
    Packend, facettenreich, Sogwirkung ...

    Patsy Logan nimmt sich eine Auszeit vom Job, von ihrer Ehe, ihrer Traurigkeit und ihrem Leben. So packt sie ihre Tasche und fliegt nach Irland, um dort zur Ruhe zu kommen, sich Gedanken über ihr Leben zu machen und um sich der einen Sache zu widmen, die sie schon so lange aufschiebt, dem mysteriösen Tod ihres Vaters. Doch lange wird sie nicht von ihrem Beruf verschont, denn sie wird um Amtshilfe gebeten. Ein Mord geschieht in der österreichischen Botschaft, und da die Tote eine Deutsche ist, muss halt Patsy ran. Das irische Team ist wenig begeistert und so soll Patsy auch nur über die Schulter schauen, aber schnell ist klar, das hier mehr dahinter steckt, als zuerst zu ahnen. Habgier, Finanzkrise, Wirtschaftsboom und das Gesetz des Stärkeren stehen auf dem Plan, nur wie passt das alles zusammen. Warum musste die junge deutsche Frau sterben? Wie wird Patsy dem irischen Ermittler das Leben schwer machen? Und kommt sie mit ihrer eigenen Suche voran?


    Endlich ein neuer Patsy Fall und was bin ich froh, das diese Kommissarin weiterhin für uns Leser da ist. Immerhin ist sie eine starke Frau mit Ecken, Kanten und doch weichem Kern, eine knallharte Ermittlerin und eine Figur, die der Literatur guttut. Nun endlich in Dublin, aber immer noch mit Schicksalsschlägen und ob mir ihre Reise durch die Stadt und der irischen Geschichte gefallen hat, erzähle ich euch nun.

    Patsy hat ihre Tasche gepackt und ist nach Irland gereist, um ihre Wunden zu lecken und sich über ihr Leben klarer zu werden. Wie soll es im Job weitergehen? Will sie die stagnierende Karriere aushalten? Was ist mit ihrer Ehe, hat das noch einen Sinn? Oder ist ihre Zukunft ganz woanders? So ist unsere Frau der Stunde ziemlich im Zwielicht ihres Lebens angekommen und steht vor dem Punkt, aufgeben oder hinnehmen oder einfach neu anfangen, aber da kommt ein Anruf von LKA und Patsy kann nicht Nein sagen. So steht sie in der österreichischen Botschaft und soll Amtshilfe leisten, fragt sich nur, wie. Mit ihrem österreichischen Kollegen Sam Feurstein nimmt sie bei dem irischen Ermittlungen teil und darf nicht wirklich agieren, aber es juckt Patsy in den Fingern. Bei beiden Außenseitern setzen nämlich die Antennen ein und beide gehen diesem Gespür einfach nach, um einige Ecken und auf eigene Faust, das wird keinen schmecken, aber ruhig rumsitzen können beide nicht. Genau dafür lieben wir Patsy, dickköpfig, eigensinnig und mit dem richtigen Gespür zumindest was ihren Beruf angeht, denn Rest muss sie mit ihrem schwarzen Humor nehmen.

    Ellen Dunne hat nicht nur eine ganz einmalige coole Frauenfigur geschaffen, sondern nimmt uns außerdem mit auf die irische Insel. Die Autorin beschreibt die Plätze von Dublin und zwar nicht nur die Touristenroute, sondern nimmt uns auch in Ecken mit, die das rauere Leben der Leute dort beschreibt. So durchwandern wir auch die Geschichte Irlands und gehen dabei die Höhen und Tiefen deren Wirtschaftslage durch. Ein Land, was viel einstecken muss und mit vielen zu kämpfen hat, dadurch ist das Setting schon eine Wucht. Übrigens flechtet sie dieses Wissen gekonnt und unaufdringlich in die Geschichte mit ein, das man das Wissen förmlich in sich aufsaugt, ohne den Fall aus den Augen zu verlieren. Dazu kommt noch Patsys Privatleben und wir sind ständig in Bewegung, zwischen Frust, Wut, Scham und Bauchflattern können ihr Hin und Her mit Druchleben und so hält sich die Spannungskurve ständig hoch, denn man möchte einfach beiden Fäden folgen.

    Leute, was soll ich euch sagen, Ellen Dunne macht für mich hier alles richtig, die Mischung ist gut abgestimmt, die Atmosphäre stimmt und ihre Figuren sind verdammt gut gewählt und ausbalanciert. Man bekommt einen richtig guten Kriminalfall präsentiert und doch geht man mit Patsy unter die Haut. Ich hatte richtig gute Lesestunden, bin mit ihr durch Dublin gestreift und habe mit ihr mehrere schwarze Tees getrunken und konnte die irische raue See auf den Lippen schmecken. Dazu die kleinen geschichtlichen Einschübe, die erst nicht passen wollten und dann das Ganze perfekt abrundeten und den Fall richtig gut nachwirken ließ. Nun habe ich einen Blues, weil ich nun doch auf Patsy wieder warten muss, oder? Patsy muss einfach wiederkommen, jawohl.

    Boom Town Blues, ist ein richtig guter Kriminalfall mit geschichtlichem Background und einer knallharten Ermittlerin. Packend, facettenreich und mit starker Sogwirkung. Patsy rockt.

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