Ich habe dieses Buch auf der Zugfahrt von Berlin nach Köln gelesen und es hätte von der Lesezeit auf die Minute genau gepasst, wenn die Deutsche Bahn nicht mal wieder Verspätung gehabt hätte. Punktabzug für die DB an dieser Stelle.
Allgemein bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch zum Lesen im Zug empfehlen kann. Mein Sitznachbar hat mich mehrfach beäugt, weil ich Tränen in den Augen hatte. Aber gut, zumindest gab es keine Sexszenen, die ich peinlich berührt hätte weiterblättern müssen.
In dem Buch geht es um die 17-jährige Marla, die jede freie Minute auf der Intensivstation bei ihrem Bruder verbringt, für dessen Unfall sie sich verantwortlich fühlt. Ihre Eltern schicken sie jedoch in ein Feriencamp nach Frankreich, damit sie rauskommt. Marla hat jedoch nichts anderes im Kopf als dieses Camp heimlich wieder zu verlassen.
Dieses Buch hätte nicht funktionieren, wenn es nicht 1996 (oder so) gespielt hätte. Keine Handys, keine Navis, keine sozialen Netzwerke. Super fand ich die Details mit Tamagochis und dem ganzen Zeug aus meiner Kindheit. Großartig.
Marla ist ein Schattenkind, die Schwester eines Jungen, der die Krankheit Duchenne Muskeldystrophie (DMD) hat. Ich wusste von der Krankheit tatsächlich auch nur, weil ich jemanden kenne, der ebenfalls daran erkrankt ist. Menschen, die selbst an der Krankheit leiden und deren Familie und Freundeskreis kann ich nur ans Herz legen vorher in die Triggerwarnung zu gucken, denn das Buch ist schonungslos ehrlich.
Was ich besonders an der Geschichte mochte war, dass ich Hinweise erkannt habe, aber nicht immer geahnt habe, wie sie ausgehen. Es heißt ja immer, man muss das Messer im Film gesehen haben, wenn später damit jemand ermordet wird. Hier gab es das Messer aber manchmal wurde niemand ermordet, sondern Baguette aufgeschnitten. Es konnte mich also überraschen, hat mir aber trotzdem das Gefühl gegeben etwas zu ahnen.
Charaktere, Spannungsbogen, Gefühle, Setting: Hier hat einfach alles gepasst. Ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite abholen konnte.