SiCollier

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    Cover des Buches Selma Lagerlöf. Die Liebe und der Traum vom Fliegen (ISBN: 9783878001355)

    Bewertung zu "Selma Lagerlöf. Die Liebe und der Traum vom Fliegen" von Maria Regina Kaiser

    Selma Lagerlöf. Die Liebe und der Traum vom Fliegen
    SiColliervor 3 Monaten
    Ein Überblick über das Leben Selma Lagerlöfs

    Letztlich besteht die große Anziehungskraft der Romane und Erzählungen Selmas auch in der mühelosen Vermischung von Übernatürlichem und irdischer Realität. (Seite 205)

    Meine Meinung

    Eine Rezension zu dem Buch fällt mir nicht leicht, hat es mich doch etwas zwiegespalten zurück gelassen. Ich hätte auf jeden Fall meiner Gewohnheit folgen und das Nachwort zuerst lesen sollen. Mit diesem Vorwissen hätte mir das Buch vermutlich (deutlich) besser gefallen. Denn im ausführlichen Nachwort stecken viele der Informationen, die ich eigentlich im Hauptteil erwartet habe. Mit der Kenntnis des Nachworts wäre ich auch mit den großen Zeitsprüngen zwischen den Kapiteln besser zurechtgekommen. Oder kurz: das Nachwort hat deutlich mehr meinen Erwartungen an das Buch entsprochen als die eigentliche „Handlung“, die auf Seite 172 zu Ende geht.

    Apropos große Zeitsprünge (als Beispiel, was ich meine): Gerade war Selma Lagerlöf noch ein junges Mädchen - und schwupps, schon ist sie vierzig. So erschien es mir jedenfalls. Vierzig Jahre insgesamt vergangen - das habe ich beim Lesen (gefühlsmäßig) gar nicht bemerkt. Seit mir das bewußt geworden war, schaute ich immer wieder in die Überschriften, die ja dankenswerterweise (und somit leicht auffindbar) die Jahresangaben dabei haben. Damit wurde es dann leichter, der verfließenden Zeit zu folgen.

    Irritiert war ich auch auf S. 68, als da plötzlich - wie aus heiterem Himmel - vom fertigen „Gösta Berling“ zu lesen war. Vielleicht hatte ich etwas falsche Vorstellungen von dem Buch: ich war der Meinung (bzw. hatte erwartet), daß auch die Werke und deren Entstehung in das Buch mit einfließen. Die (idealisierende) Beethoven-Biographie (als Roman) von Felix Huch kommt mir etwa in den Sinn. 

    Alles in allem wirkte der Hauptteil auf mich wie eine Aneinanderreihung von Einzelszenen, die durch den (sehr schönen und gut lesbaren) Schreibstil sowie die immer selbe Hauptperson zusammengehalten wurden, aber keine durchgehende Erzählung bilden. Das Wort „Anekdote“ ist zwar nicht ganz zutreffend, mir fällt jetzt aber kein anderes ein, weshalb ich es dabei belasse: auf mich wirkte das Buch wie eine Anekdotensammlung über Selma Lagerlöf, die eine Menge Szenen aus ihrem Leben beschreiben, sich über Werk und Wirkung aber nahezu völlig ausschweigen. Wenn ich über einen Künstler (sei es Schriftsteller, sei es Musiker) lese, möchte ich jedoch immer auch etwas über das Werk erfahren, das meist untrennbar mit der Biographie verbunden ist. 

    Diese Informationen kamen dann jedoch geballt im sehr guten Anhang. Dieser wiegt vieles zuvor Kritisierte auf und machte das Buch letztlich auch für mich lesenswert, denn ich empfand es als äußerst praktisch, hier vieles thematisch geordnet über das Leben von Selma Lagerlöf lesen zu können. Dieser Anhang ist vorbildlich und sollte in der Ausführlichkeit bei solchen Büchern (und vielen anderen Sachbüchern auch) Schule machen! Hier merkt man auch deutlich die in der Leserunde von der Autorin erwähnte umfangreiche Vorarbeit zu diesem Buch, die sich letztlich offensichtlich doch ausgezahlt hat. Nun habe ich doch Lust bekommen, wieder etwas von Selma Lagerlöf zu lesen.

    Insgesamt bin ich also, wie eingangs geschrieben, etwas zwiegespalten. Der Hauptteil konnte mich nicht so ganz überzeugen, wohingegen der Anhang geradezu vorbildlich in Anordnung und Ausführlichkeit ist. In der Summe ergibt sich ein, mit den erwähnten (subjektiven) Kritikpunkten, durchaus interessantes Buch, das einen ersten Überblick über das Leben einer großen und auch heute noch lesenswerten Autorin vermittelt.

     

    Mein Fazit

    Das Buch vermittelt einen groben Überblick über das Leben Selma Lagerlöfs und ist für einen ersten Überblick recht gut geeignet, vor allem durch das ausführliche und geradezu vorbildliche Nachwort.

     

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    Cover des Buches The Medicine Knife (The Spanish Bit Saga, No 12) (ISBN: 9780553283181)

    Bewertung zu "The Medicine Knife (The Spanish Bit Saga, No 12)" von Don Coldsmith

    The Medicine Knife (The Spanish Bit Saga, No 12)
    SiColliervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Eine abenteuerliche Reise nach Santa Fe führt zur ersten Begegnung mit den Spaniern, erzählt aus Sicht der Präriebewohner.
    Auf ins Unbekannte

    It had been a hard concept for Sky Eyes to grasp. In his experience in his own country, when two cultures came in contact, each tried to force its beliefs on the other. There was none of that here.* (Seite 34f)

     

    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Bei der Jagd zerbricht eine Lanzenspitze. Durch Erzählungen eines Besuchers von einem befreundeten Stamm kommt Sky Eyes auf die Idee, eine Expedition in den spanischen Süden nach Sante Fe zu organisieren, um dort Felle gegen Pfeil- und Lanzenspitzen, Messer und andere Gebrauchsgegenstände einzutauschen, die das Leben in den Plains erleichtern würden.
    Zusammen mit seiner Frau Pale Star sowie einigen weiteren ausgewählten Begleitern macht er sich auf den Weg. Doch Gefahren lauern nicht nur unterwegs, sondern auch am Ziel selbst. Es braucht mehr als nur Glück, damit die Reise nicht im Desaster endet.


    Meine Meinung

    Es sind rund fünf Jahre vergangen, seit Woodchuck zurück zum Volk kam. Er wie Sky Eyes haben sich so weit integriert, daß sie für Außenstehende von den anderen Stammesangehörigen nicht zu unterscheiden sind, wären da nicht die ungewöhnlichen blauen Augen. Die einzigen eisernen Gegenstände beim Volk sind das Spanish Bit, die wichtige Medizin des Volkes seit den Tagen von Heads Off (siehe Band 1 "Trail of the Spanish Bit" dt.: Garcia, der Fremde (1988, NA 1993 als "Kojotes Tochter")), sowie die beiden Messer von Sky Eyes und Woodchuck. Alles andere ist aus natürlichen verfügbaren Materialien oder Steinen hergestellt. Als bei der Jagd eine steinerne Speerspitze zerbricht, kommt Sky Eyes, angeregt durch die Gespräche mit einem Gast eines befreundeten Stammes, auf die Idee, eine Expedition nach Santa Fe zu unternehmen, um Messer, Speer- und Pfeilspitzen sowie andere Gegenstände einzutauschen, die das Leben erleichtern würden. Eine kleine Gruppe macht sich auf den weiten und gefahrvollen Weg in den Süden.

    Es geht nicht ganz ins Unbekannte, da einer der Teilnehmer diese Reise schon einmal gemacht hat und daher als Führer dient. Es liegt auf der Hand, daß die Reise nicht ohne Probleme verläuft. Von feindlichen Menschen bis hin zu feindlicher Natur. Immer wieder ist es erstaunlich, wie anschaulich Coldsmith das Leben der Präriebewohner schildert, so daß man meint, selbst dabei gewesen zu sein. Interessant die Begegnung mit Pueblobewohnern. Hier treffen zwei völlig verschiedene Lebensarten aufeinander - keiner kann sich das Leben der anderen so recht vorstellen. Und dennoch kommt man zu gegenseitigem Verständnis und Verständigung.

    Ganz anders - und typisch „weiß“ - das Aufeinandertreffen mit den Spaniern. Statt Neugier herrscht hier Mißtrauen nach dem Motto „jeder ist ein Feind, bevor er nicht das Gegenteil bewiesen hat“. Lieber einen zu viel als zu wenig töten. Typisch militärisches Denken herrscht, und hätte Sky Eyes aus seinem früheren Leben das nicht gekannt und einordnen können - wer weiß, was aus der Expedition geworden wäre.

    Zum Nachdenken Anlaß gibt die Stelle, als Sky Eyes seiner Frau Pale Star erklären muß, daß es in seiner (früheren) Welt so ist, daß alle den selben Gott verehren. Selbst ins Grübeln kommt er, als er dabei erkennt, daß in einem Krieg alle Parteien den selben Gott um den Sieg sowie die Vernichtung der jeweils Anderen anflehen. Der Autor verwendet in der Reihe, wie in „Über den Autor“ am Ende des Buches zu lesen ist, bewußt niemals den Begriff „Indianer“, sondern beschreibt die Stämme und deren Angehörige  schlicht als Menschen, ohne Verwendung bestimmter Stereotypen. Gerade, wenn sich die verschiedenen Welten wie in der beschriebenen Szene direkt begegnen, wird deutlich, wie hoch entwickelt die damaligen Natives auch intellektuell waren. Vielleicht - oder vermutlich bestimmt - sähe die Welt heute anders aus, wären sie in den folgenden Jahrhunderten nicht einem Vernichtungskrieg ausgesetzt gewesen, den sie verloren haben, sondern hätte es einen wirklichen Austausch mit gegenseitigem Lernen gegeben.

    Im Unterschied zu den beiden vorigen Bänden der Reihe ist hier von Melancholie nichts zu spüren. Es ist die erste Begegnung von Angehörigen des Volkes mit den Spaniern, seit um 1540 Heads Off, früher als Juan Garcia bekannt, zum Volk kam und dort blieb, so wie über hundert Jahre später dann Sky Eyes (Andre du Pres) und Woodchuck (Jean Cartier) von französischer Seite kamen und blieben. Während diese sich nahtlos an das Leben des Volkes in der Prärie anpaßten und Teil von ihm wurden, kommt es im Weiteren - liest man sich die Rückentexte der nächsten Bände durch - zu vermehrten Begegnungen zwischen dem Volk und Spaniern wie Franzosen. Doch was sich hier an Vorurteilen gegenüber den einheimischen Bewohnern angedeutet hat, wird dort anscheinend mehr und mehr wirkmächtig: die „Überlegenheit“ der Weißen sowie deren Besitzansprüche auf etwas, „was rechtmäßig jemand anderem gehört“, wie es 1864 Cheyenne Zeke in „Climb the Highest Mountain“ (Savage Destiny Band 5 von Rosanne Bittner) zu seinen Kindern sagen wird. Was zu diesem Zeitpunkt vom Volk übrig sein wird, bleibt abzuwarten. 

    Am Ende dieses Bandes sollte man sich mit den Figuren über den Ausgang der Expedition freuen und zu ihren Gunsten hoffen, daß der anstehende Winter nicht zu hart wird und die guten Zeiten noch möglichst lange andauern.

     

    Mein Fazit

    Die erste Begegnung des Volkes mit der „weißen Welt“ zeitigt Chancen wie Risiken, glaubhaft und spannend vom Autor aus Sicht der ursprünglichen Bewohner Amerikas geschildert. 

     

     

    Sinngemäße Übersetzung

    * = Es war ein Konzept, das Sky Eyes nur schwer verstehen konnte. Nach seiner Erfahrung in seinem eigenen Land war es so, wenn eine Kultur in Kontakt mit einer anderen kam, versuchte sie, ihre Ansichten der anderen aufzuzwingen. Etwas Vergleichbares gab es hier nicht.

     


     

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    Cover des Buches Der Weg zu den Dünen (ISBN: 9783963620430)

    Bewertung zu "Der Weg zu den Dünen" von Irene Hannon

    Der Weg zu den Dünen
    SiColliervor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Wohlfühlbuch für vergnügliche Lesestunden
    Wenn das Schicksal den Plänen einen Strich durch die Rechnung macht

    Aber die Menschen sind überall gleich. Es ist so, wie meine Großmutter vor langer Zeit zu mir sagte: Das Aussehen und die Sprache können verschieden sein, aber darunter regen sich in allen Herzen die gleichen Gefühle. (Seite 174)

    Meine Meinung

    Nun wurden es doch rund zwei Jahre, bis ich wieder zu einem Hope-Harbor-Buch gegriffen habe. Es ergab sich einfach nicht, dafür war die Rückkehr auf die Insel jetzt umso schöner. Nach einigen, teils eher rauhen, Western brauchte ich etwas zum „Ausruhen“ - da war dieses Buch genau das richtige. Dabei konnte ich gleich feststellen, daß das zwar das zweite Buch der Reihe ist, die Romane jedoch inhaltlich selbständig und auch ohne Kenntnis des anderen Buches verständlich sind. Soweit notwendig, werden entsprechende Informationen eingeflochten.

    Bei einem Blick in die Inhaltsangabe zum Vorgänger fiel mir auf, daß beide Bücher ähnlich beginnen (und vermutlich auch ähnlich enden), was ihnen aber keinen Abbruch tut. Schließlich ist bei so einem Buch der Ausgang meist aus dem Buchrückentext zu schließen; es geht nicht so sehr um eine spannende Handlung, die sich in unbekannte Richtung entwickelt, sondern wie bei so vielen anderen Büchern ist der Weg das Ziel. Und dieser Weg war äußerst angenehm zu lesen.

    Während die Architektin BJ Stevens schon recht genaue Vorstellungen von ihrem weiteren Leben hat, sieht das bei Eric Nash ganz anders aus. Seit Beginn des Studiums arbeitete er planmäßig darauf hin, Partner in einer Anwaltskanzlei in einer Großstadt zu werden, mit entsprechendem Verdienst und Ansehen. Jetzt sind diese Pläne von außer her durchkreuzt worden und er muß sich über seine Zukunft klar werden; aufkommende Gefühle für BJ machen die Entscheidung nicht gerade einfacher. Denn sie weiß genau, was sie will: so ein Leben, wie er es anstrebt, auf keinen Fall. Die sich daraus ergebenden Probleme und (inneren) Konflikte entwickeln sich folgerichtig und werden nachvollziehbar beschrieben.

    Die Originalausgabe erschien 2016, also relativ kurz nach der Flüchtlingskrise. Ob diese der Anstoß war, sei dahingestellt, jedenfalls taucht die Thematik unverhofft auch in diesem Buch auf, natürlich auf amerikanische Weise: Luis, einer der Arbeiter von BJ, ist ein Flüchtling aus Kuba. Solche erhalten in den USA automatisch eine Green Card und, wenn sie wünschen, Unterstützung. Problematisch wird es erst beim Einleben, beim Verarbeiten der Vergangenheit. Beides ist, vor allem bei Luis, nicht einfach, und gibt dem Buch eine ernste Note und einen gewissen Tiefgang, wie das auch schon beim ersten Band der Reihe der Fall war. Auch hier hat die Autorin wieder schwierige Themen in einen Unterhaltungsroman gepackt, ohne dabei den Wohlfühlfaktor zu vernachlässigen.

    An meine eigenen Erfahrungen aus früheren Zeiten fühlte ich mich erinnert, als BJ dem Vorstand der Wohltätigkeitsorganisation „Helfende Hände“ ein neues Projekt vorschlug und Bedenkenträger versuchten, das zu Fall zu bringen (vgl. S. 136f). Wenn erst einmal Gremien zu entscheiden haben, und es um Verantwortung geht, ist es halt überall am Einfachsten, wenn alles so bleibt, wie es ist. Im Buch wie im richtigen Leben.

    Für manchen Schmunzler sorgten die beiden Pfarrer, die zwar befreundet sind, sich nichtsdestotrotz zur Freude ihrer Umgebung wie der Leser immer wieder spitzzüngige Wortgefechte liefern.

    Am Ende fügt sich dann alles, wie es sich für ein Wohlfühlbuch gehört, zu einem runden Schluß. Ich bin gespannt, ob ich dieses Mal meinen Vorsatz, das nächste Buch der Reihe bald zu lesen, in die Tat umsetze.

     

    Mein Fazit

    „Hope Harbor“ (Hoffnung Hafen) - das Buch macht dem Namen der Stadt, in der die Handlung angesiedelt ist, alle Ehre und hat mir einige vergnügliche und wohltuende Lesestunden bereitet.

     

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    Cover des Buches Wie ein Sandkorn im Wind (ISBN: 9783404135219)

    Bewertung zu "Wie ein Sandkorn im Wind" von Kathleen O'Neal Gear

    Wie ein Sandkorn im Wind
    SiColliervor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eher historischer Roman denn Western mit Verständnis für die indianische Sichtweise.
    Wenn eine weiße Frau einen indianischen Traum träumt

    Das ganze Leben war anscheinend nicht mehr, als dem Tod in die Augen zu schauen. (Seite 154)


    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Colleen Merrill ist in einer unglücklichen Ehe mit einem brutalen Mann gefangen, beide sind 1865 mit einem Treck auf dem Weg in den Westen. Im Traum sieht sie immer wieder und zusehends realer einen Cheyenne Krieger. Dieser hat ebenfalls Visionen von ihr und weiß, daß er sie treffen muß.
    Im Verlauf der Reise wird sie näher mit Matthew Douglas bekannt, der sie vor den Angriffen ihres Mannes rettet. Als Halbcheyenne vermag er ihr auch bei der Deutung der seltsamen Träume zu helfen. Aber nichts und niemand kann das unvermeidliche Schicksal aufhalten.

     

    Meine Meinung

    Auf dem Cover findet sich ein Hinweis auf „Der mit dem Wolf tanzt“, was vermutlich dem Erscheinungsjahr 1994 und damit der zeitlichen Nähe dazu geschuldet ist, denn dieses Buch ist in jeder Hinsicht anders.

    Das fängt schon beim Erzählstil an; Blake schrieb in meist kürzeren Sätzen sehr handlungsbezogen, während hier ausführlicher erzählt wird, kurze sich mit langen Sätzen abwechseln und Beschreibungen der realen wie der Geisterwelt vorkommen. Es ist beim Lesen daher von Vorteil, wenn man sich mit der indianischen Denkweise und Spiritualität etwas auskennt oder sich vorher in Grundzügen damit vertraut macht. Denn sonst könnte man auf den Gedanken kommen, das Buch enthielte Fantasyelemente - dem unbedarften Leser mag es so erscheinen, auch wenn es von der Autorin gewißlich nicht so gemeint ist.

    Im Nachwort gibt die Autorin eine Einordnung der im Buch beschriebenen Geschehnisse. Zwar sind die Hauptfiguren Colleen Merrill, Wounded Bear und Matthew Douglas fiktiv, doch die Expedition und den Treck des Buches gaben es wirklich, desgleichen die Anführer Sawyer (zivil) und Williford (militärisch) sowie deren ständige Konflikte und Reibereien. Auch wenn es Colleen nicht gab: hätte es sie gegeben, die Treckmitglieder hätten vermutlich genau so reagiert, wie im Roman beschrieben - nicht unbedingt ein Ruhmesblatt. Die Straße, die im Verlauf der Expedition gebaut werden sollte, wurde später nie mehr benutzt, zumindest das hatten Cheyenne und Sioux, durch deren letzte Jagdgründe die Route führte, erreicht.

    Träume, Visionen, Tiere, die Botschaften übermitteln - das gehörte für die Indianer zu ihrer Religion und Vorstellungswelt, war realer Bestandteil ihres Daseins; so findet man es in vielen Büchern (nicht nur Romanen). Ungewohnt, daß hier ein Weiße in diese Vorstellungswelt mit einbezogen wird. Sie selbst wie auch der Leser fragen sich nach dem Grund, und beide müssen sich bis ans Ende des Buches gedulden, wenn die Autorin im obligatorischen Showdown die bis dahin aufgelaufenen Rätsel entwirrt und die offenen Fragen so weit beantwortet, daß ein „weißer“ Verstand beruhigt wird, während ein letztes „Rotes“ von mystischem Nebel umwoben bleibt.

    Nach und nach werden Zusammenhänge offenbar, die erst gegen Ende ein vollständiges Bild ergeben und deutlich wird, wie geschickt die Autorin die verschiedenen Handlungsläufe miteinander verwoben hat, so daß ein sinnvoller und folgerichtiger Ablauf entstanden ist.

    Der Roman war von Anfang an ganz anders, als ich ihn erwartet hatte; dadurch brauchte ich eine Weile, bis ich mit ihm „warm“ geworden war. Jedoch entwickelte er auch zu der Zeit, in der ich mich noch etwas schwer tat, einen Lesesog, daß ich unbedingt dauernd weiter lesen und wissen wollte, was als nächstes geschieht. Nachdem ich mich jedoch auf das Buch eingelassen hatte, war alles „fremdeln“ vorbei, und ich konnte das Buch genießen, bis hin zum Ende, das ich zwei Mal las, weil ich das Gefühl hatte, etwas überlesen zu haben. 

    Wenn schließlich der letzte Schuß gefallen und die Geschichte auserzählt ist, wird man das Buch vielleicht zufrieden, aber möglicherweise in leicht melancholischer Stimmung zuklappen. Denn wie im richtigen Leben mag ein Kapitel zu Ende sein, aber ein neues, von dem man nicht weiß, was es bringen wird, ist aufgeschlagen. Aber dies ist nicht mehr Teil dieser Geschichte und bleibt vorerst in den Nebeln einer unbekannten Zukunft verborgen.

     

    Mein Fazit

    Um ein historisches Ereignis hat die Autorin eine spannende Geschichte gewoben, die geschickt die „weiße“ mit der „roten“ Welt in Beziehung setzt und Lösbarkeit wie Unlösbarkeit so manchen Konflikts aufzeigt.

     

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    Cover des Buches RETURN TO THE RIVER (Spanish Bit Saga, Band 11) (ISBN: 9780553281637)

    Bewertung zu "RETURN TO THE RIVER (Spanish Bit Saga, Band 11)" von Don Coldsmith

    RETURN TO THE RIVER (Spanish Bit Saga, Band 11)
    SiColliervor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Wer den "Spirit" der Prärie gefühlt hat, will immer wieder dorthin zurück, auch wenn es einer langen gefährlichen Reise bedarf.
    Zurück zum Volk - die Faszination des harten Lebens

    Cartier drew a deep breath. Here he was, he realized, thinking like one of the People, rather than like a civilized European with a certain amount of education.
    Well, why not? This was their country, as France was his. Was it not possible that the spirits were different here? Not better or worse, but different?*
    (Seite 85)

     

    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Etwa fünf Jahre nach den Ereignissen im „River of Swans“ wird Cartier/Woodchuck aus seiner Lethargie geweckt. Er soll eine Expedition als Scout begleiten, die die Mündung des Mississippi erkunden soll. Im Fort Michi-ghan konnte er den Tod seiner Frau verdrängen, doch jetzt, unterwegs in der Wildnis, kommen alle Erinnerungen an jene Zeit mit Macht zurück. Er ertappt sich dabei, Heimweh nach dem Volk und der Prärie zu haben.
    Unterwegs macht er Bekanntschaft mit einem jungen Indianer, der sich der Expedition anschließt, da er die am Fluß lebenden Stämme kennt. Dieser gibt Cartier/Woodchuck den Anstoß, die Expedition zu verlassen und zurückzukehren in das Gebiet, das er gefühlsmäßig als Heimat empfindet. Es beginnt eine lange und gefahrvolle Reise nach Hause - an den River of Swans.

     

    Meine Meinung

    „Ob diese Melancholie allerdings schon jetzt auf Dauer ist, wird sich im nächsten Band zeigen.“ - so habe ich gegen Ende der Rezension zum Vorgängerband „River of Swans“ geschrieben. Um es vorwegzunehmen: die Antwort ist eindeutig „Jein“.

    Etwa fünf Jahre sind vergangen, Cartier/Woodchuck macht immer noch Dienst im Fort Michi-ghan. Seine Sinne hat er nach dem tragischen Tod seiner Frau betäubt, ohne rechtes Ziel lebt er vor sich hin, verbannt die Gedanken an seinen Sohn aus dem Gedächtnis und ist innerlich mehr oder weniger auch gestorben. Die Melancholie, die über dem Ende des letzten Bandes lag, setzt sich anscheinend nahtlos fort. Allerdings nur so lange, bis er eines Tages als Scout mit dem Marquis Pierre de Foixainne auf eine Expedition gesandt wird, die die Mündung des Mississippi ins Meer suchen soll.

    Kaum hat Cartier/Woodchuck das Fort verlassen, beginnt er sich zu verändern, und mit ihm die Stimmung des Buches. Es wird immer deutlicher, daß er nach seiner damaligen Rückkehr nie mehr ganz zurück in die „weiße“ Welt gefunden hat. Eines der schon im „River of Swans“ angedeuteten grundsätzlichen Probleme deutet sich an, akut zu werden: wenn zwei Welten aufeinander prallen, wird es schwierig. Irgendwann muß man sich entscheiden. Je weiter die Expedition in die Wildnis vordringt, je mehr verschwindet „Cartier“ und umso deutlich taucht „Woodchuck“, wie sein indianischer Name lautet, wieder auf. Mit ihm seine Vergangenheit beim Volk sowie zunehmendes „Heimweh“ in die Prärie. Je weiter ihn die Reise vom Fort Michi-ghan weg führt, um so weniger weiß er, wo er hin gehört - und wo er hin will. Es bedarf eines Anstoßes von außen, bis er eine Entscheidung fällt. Diese dann jedoch konsequent.

    Ist diese getroffen, verändert sich auch die Stimmung des Buches. Die Melancholie verschwindet zusehends, während Woodchuck sich auf den Weg nach Hause, zurück zum Volk macht. Es versteht sich, daß diese Reise weder einfach noch ungefährlich verläuft und manche Überraschung bereit hält.

    Erstaunlich finde ich immer wieder, wie gut Don Coldsmith seine Welt geschildert hat und vor allem, wie gut er diese durch die Augen der Native Americans betrachten und beschreiben kann. Damit erhält man auch als Leser eine recht gute Vorstellung davon, wie das Leben der Stämme um die Mitte des 17. Jahrhunderts ausgesehen hat. Und vor allem in diesem Buch, wie verschieden das war - je nach dem, ob es schon Kontakt zu „Weißen“ gab oder nicht. Während die Stämme um Fort Michi-ghan herum bereits bis zu einem gewissen Grade korrumpiert sind, leben die weiter westlich gemäß ihren Traditionen noch nahezu unberührt von fremden Einflüssen. 

    Genau dies ist eines der Hauptthemen des Buches. Was sich im Vorgänger schon andeutete, wird hier um so klarer und kommt schließlich zum Ausbruch, als gegen Ende die beiden Welten hart und unversöhnlich aufeinanderprallen. Dabei wird überdeutlich, daß die europäischen Ankömmlinge Amerika quasi als ihr Eigentum betrachteten, das es zu besiedeln und „kultivieren“ galt. Völlig außer Acht gelassen wurde, daß der Kontinent bereits bewohnt war und daß diese Menschen möglicherweise ältere Rechte bzw. überhaupt Rechte hatten so zu leben, wie sie selbst es wünschen. (Zu) Wenige Weiße sahen das so. Wohin das letztlich im 19. Jahrhundert geführt hat, ist in den Geschichtsbüchern nachzulesen. Wobei diese meist von den Siegern geschrieben worden und entsprechend einseitig sind.

    Hier kommt dieser Konflikt stellvertretend im Zusammentreffen von Sky Eyes und Woodchuck zum Ausbruch, wobei sich zeigt, daß es ein sowohl als auch nicht gibt, nur ein entweder - oder. Wie für diese beiden die Entscheidung ausfallen wird, bedarf keiner großen Weitsicht. Aber die Grundthematik ist da, und wenn man sich die Klappentexte der nächsten beiden Bände ansieht, wird schmerzlich bewußt, daß das ungestörte Leben des Volkes möglicherweise nicht mehr allzulange Bestand haben wird.

    Aber am Ende dieses Buches ist die Melancholie verflogen, die Kämpfe dieser Erzählung ausgestanden und die Hoffnung auf ein ruhiges Leben übermächtig. Gönnen wir Figuren wie uns diese friedlichen Momente, bevor der Ernst des Lebens im nächsten Band wieder zuschlägt.

     

    Mein Fazit

    Woodchuck, für die „weiße Welt“ verloren, zieht es zurück zum Volk, nach Hause. In einer langen Reise über den halben Kontinent muß er mehr als einen Kampf bestehen, um zu überleben. 

     

    Singemäße Übersetzung:

    * = Cartier atmete tief durch. Hier, so wurde ihm bewußt, dachte er mehr wie das Volk als wie ein zivilisierter Europäer mit einem gewissen Grade an Erziehung und Bildung.
    Nun, weshalb nicht? Das war ihr Land, so wie Frankreich das seine war. War es nicht möglich, daß die Seele hier eine andere war? Nicht besser oder schlechter, sondern anders?

     > Hier < gibt es eine Aufstellung aller 29 Bände der Serie

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    Cover des Buches River of Swans (ISBN: 0553277081)

    Bewertung zu "River of Swans" von Don Coldsmith

    River of Swans
    SiColliervor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Mit großer Sympathie für die Natives das erste richtige Aufeinandertreffen von „weiß“ und „rot“ in der Reihe. Großartig beschrieben.
    Der Weg nach Hause ist lang und gefahrvoll

    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Das Buch beginnt etwa vier Jahre nach dem Ende des Vorgängers „Pale Star“. Diese ist inzwischen mit Hunting Hawk verheiratet, der im Fort Mishi-ghan als Scout für die Franzosen tätig ist. Als Lieutenant du Pres auf eine Erkundungsmission in den Westen geschickt wird, begleiten ihn Sergeant Cartier sowie Hunting Hawk und Pale Star als Scouts. Verkompliziert wird die Situation dadurch, daß sowohl Pale Star als auch du Pres sich zueinander hingezogen fühlen.
    Eigentliches Ziel der Expedition ist, einen Wasserweg in den Westen zu finden. Pale Star weiß, daß es diesen nicht gibt, und nur Hunting Hawk ahnt, daß sie versucht, einen Weg zurück zu ihrem Volk zu finden. Eine ganze Weile kommen die vier gut voran, bis schließlich eine Katastrophe die Mission an ihr vorzeitiges Ende bringt. Nun heißt es für die Überlebenden, in der Wildnis zu überleben. 


    Meine Meinung

    Da hier die Geschichte von Pale Star weitererzählt wird, habe ich diesen zehnten Band gleich nach dem neunten gelesen. Der Bruch, den ich in der Rezension zum Vorgänger erwähnt habe, wird hier noch deutlicher spürbar. Über hundert Jahre, nachdem Heads Off zum Volk kam, beginnen die Weißen, ins Indianerland vorzudringen. Teilweise (zunächst) erfolglos, aber wie wir aus der Geschichte wissen, stetig und letztlich siegreich.

    Im Fort Mishi-ghan der Franzosen treffen beide Welten aufeinander. Auf die „Eingeborenen“ wird noch nicht ganz so sehr herabgesehen, wie das später der Fall sein wird, aber die Szene, als ein Jesuit versucht, die Indianer zu missionieren ist typisch. Sicher war der Autor nicht dabei, aber nach dem, was aus der Geschichte bekannt ist, dürften dessen Worte und Reaktionen nur zu sehr der Wahrheit entsprechen. Und das wirft kein gutes Licht auf die Eindringlinge.

    Lieutenant du Pres und Sergeant Cartier sind da etwas anders gestrickt, wie im Verlauf ihrer Expedition klar wird. Sie begegnen dem Neuen und den Einheimischen nicht von oben herab, sondern neugierig und auf gleicher Ebene - gute Voraussetzungen für den Erfolg ihrer Mission. Daß diese aber, zumindest im ursprünglichen Sinne, keinen haben wird, wird schon aus dem Vorwort deutlich.

    Die vier begeben sich nun also die die Reise, die Pale Star im neunten Band gemacht hat, nur in umgekehrter Richtung. Auch wenn Hunting Hawk ahnt, wohin sie seine Frau führt - denn sie hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß sie eines Tages zurück zu ihrer Familie will -, läßt er sie gewähren, weil er sehen will wie es sich entwickelt. Von dem „Liebesdreieck“ ahnt er freilich nichts, wie auch die beiden anderen Beteiligten, die ihre Gefühle verstecken.

    Wer den Verlagswerbetext gelesen hat, weiß wie es ausgeht, und wenn man das Buch liest, ahnt man es desgleichen sehr bald, nur wie der Autor das „Problem“ lösen will, bleibt über viele Seiten im Dunkeln. Aber, da es die Beschreibung einer mißglückten Expedition ist, kommt es, wie es kommen muß, und an Ende sind Pale Star und du Pres, der von ihr wie den anderen Indianern Sky Eyes genannt wird, in der Wildnis alleine, verletzt und auf sich gestellt. Nur dank der Kenntnisse und Erfahrungen Pale Stars haben sie eine Überlebenschance. Nun möchte Pale Star nicht nach Hause, jetzt müssen sie ihr Volk finden.

    Wie schon bisher, gelingt es Coldsmith auch hier wieder auf rund einhundertsiebzig Seiten eine Geschichte zu erzählen, für die mancher andere Autor vielleicht deren vierhundert gebraucht hätte, und dennoch hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, als ob etwas zu wenig beschrieben wäre oder fehlen würde. Die Figuren erwachten zum Leben, die Landschaften oder den reißenden Fluß konnte ich mir gut vorstellen, die Handlung entwickelte sich folgerichtig, die Figuren dachten und handelten glaubwürdig und situationsangemessen.

    Und genau darin manifestiert sich auch der schon erwähnte Bruch auch innerhalb der Handlung. Die „weiße“ Welt trifft auf die „rote“, wobei Erstere bedenkenlos die Letztere zurückdrängen würde, um sich auszubreiten (wie es letztlich auch geschehen ist). Das wird recht deutlich an den Tagebucheinträgen du Pres, die dieser auch nach dem anscheinenden Scheitern der Mission fortführt, und in welchen er schreibt, daß das Land sich sehr zum Kolonisieren eignet und nur darauf wartet, in Besitz genommen zu werden. Ein Konflikt, der sich so schnell nicht lösen läßt und daher erst einmal beiseite geschoben wird. „Die weißen Siedler wollen, was rechtmäßig jemand anderem gehört, und sie sind zahlenmäßig überlegen und haben die überlegenen Waffen.“**, wird Cheyenne Zeke rund zweihundert Jahre später zu seinen Kindern sagen. (in: Rosanne Bittner „Climb the Highest Mountain (Savage Destiny 5)"), und exakt dies ist die Einstellung, die wir hier auch vorfinden, nur daß sie hier noch nicht die absolute Geltung erlangt, wie zu späteren Zeiten.

    Für mich interessant waren die Parallelen, die ich vermeinte, zu anderen Büchern zu entdecken. Die Entwicklung von du Pres, der Sky Eyes genannt wird, hat mich teilweise sehr an die eines anderen Militärs erinnert, gut zweihundert Jahre später. Beschrieben von Michael Blake wurde er „Der mit dem Wolf tanzt“ genannt. Am Ende von „Rivers of Swan“ mußte ich unwillkürlich an die letzten Seiten eines ganz anderen Buches denken, nämlich „Der stille Don“ von Michail Scholochow. Wie sich die Bilder gleichen...

    Und ein Weiteres unterscheidet dieses Buch von den vorigen, denn es sei zugegeben: dieses ist das erste der neunundzwanzig der Reihe, das ich mit einer Träne im Auge beendet habe. Das war nicht einmal bei den Savage Destiny Büchern so, die - so schlimm es für Figuren wie Leser auch wurde - letztlich doch irgendwie hoffnungsvoll endeten. Hier legt sich über die letzten Seiten eine Melancholie, die bis zum Ende nicht mehr weichen will. Ein Hinweis darauf, was eine (ferne) Zeit bringen wird? Ein Schatten legt sich auf die Zukunft und läßt mich dem Ende der Reihe mit einer gewissen Bangigkeit entgegen sehen. Was wird aus dem stolzen und freien Volk werden?

    Ob diese Melancholie allerdings schon jetzt auf Dauer ist, wird sich im nächsten Band zeigen. Dieser setzt einige Jahre später ein und schließt offensichtlich direkt an das Ende dieses Buches an.

     

    Mein Fazit

    Die Reihe entwickelt einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen kann. Das Aufeinandertreffen von „weiß“ und „rot“ sowie den verschiedenen Denkweisen hat Coldsmith nachvollziehbar, mit großer Sympathie für die Natives beschrieben und Figuren geschaffen, die man so schnell nicht wieder vergißt.

     

    Sinngemäße Übersetzungen:

    * = S. 125: Jahrhunderte der Zivilisation waren in einem Augenblick verschwunden, und er war eins mit den Söhnen der Prärie
    S. 136: Irgendwie fühlte er, daß er trotz all seiner Schulbildung in den Akademien Europas hier der Ungebildete war.

     

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    Cover des Buches PALE STAR (Spanish Bit Saga, Band 9) (ISBN: 9780553276046)

    Bewertung zu "PALE STAR (Spanish Bit Saga, Band 9)" von Don Coldsmith

    PALE STAR (Spanish Bit Saga, Band 9)
    SiColliervor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Der erste Kontakt mit Weißen seit über hundert Jahren, von Coldsmith eindrucksvoll beschrieben.
    Eine neue Zeit scheint am Horizont der Spanish Bit Saga auf.

    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Da die Büffel ausbleiben und somit die Nahrung knapp zu werden droht, zieht das Volk in ein ihm unbekanntes Gebiet. Beim Holzholen werden die vierzehnjährige Pale Star und zwei weitere Kinder von Kriegern eines dort ansässigen Stammes entführt und verschleppt. Bald finden die Entführer jemanden, der Pale Star kauft.
    Mit Traveler, der eine Art fahrender Händler ist, und seiner Frau Plum Leaf zieht sie zu ihrem Stamm, um zu überwintern. Im Frühjahr soll es dann nordwärts zum Stamm Travelers gehen, von wo aus Pale Star hofft, einen Weg nach Hause zu finden. Doch bis dahin ist es noch lange hin, und in der Gegend treiben sich üble Feinde Travelers herum. 

     

    Meine Meinung

    Es war entweder ein Neuanfang, oder der Anfang vom Ende.“, hieß es auf S. 34 im Vorgängerband „The Sacred Hills“. Das war auch das Gefühl, das ich über weite Strecken beim Lesen dieses neunten Bandes der 29-bändigen Spanish Bit Saga hatte. Es gab einen Bruch zu den bisherigen Bänden, der sich weithin an nichts Konkretem festmachen ließ und dennoch da war.

    Es beginnt damit, daß das erste Mal seit einer Ewigkeit die Büffel nicht kommen - eine Hungersnot droht, weswegen man sich entschließt, in ein unbekanntes Gebiet zum Überwintern auszuweichen. Dort angekommen, gibt es zwar keinen Kontakt mit etwaigen lokalen Stämmen, doch selbige gibt es. Bei erster Gelegenheit schlagen die zu und entführen drei Kinder des Volkes, darunter auch Pale Star, die Titelheldin. Nun gab es schon früher Entführungen, man denke an den vierten Band „Die Rückkehr des großen Mondes“, der vor rund hundert Jahren spielte, und in welchem der Sohn von Heads Off entführt wurde. Der hatte aber stets die Rückkehr zu seinem Stamm vor Augen; Pale Star möchte zwar auch zurück, doch je weiter die Handlung fortschreitet, um so unwahrscheinlicher wird es, daß sie je den Weg zurück findet.

    Es hat sich etwas verändert, denn in dem Gebiet, in welches sie verschleppt wird, gibt es Weiße - Franzosen und Engländer. Diese bekriegen sich und ziehen die ansässigen Stämme auf ihre Seite, so daß die Feindschaft auf die Indianerstämme übertragen wird. Das hat die Indianer verändert. Selbst für Stämme, die keinen direkten Kontakt haben, hat sich das Leben verändert, da sie durch fliegende Händler, wie beispielsweise Traveler, mit Produkten der „Zivilisation“ versorgt werden. Das ungläubige Staunen, als Pale Star beispielsweise erstmals eine Decke sieht, ist sehr nachvollziehbar beschrieben. Selbst da, wo sie noch nicht gewesen sind, haben die Engländer und Franzosen das Leben verändert.

    Pale Star kommt in eine ihr sehr fremde Welt mit seltsamen Sitten und Gebräuchen, ihr völlig unverständlichen Sprachen und Animositäten, die sie kaum verstehen kann. Sie ist völlig verblüfft und geschockt, als sie von der (Un-)Sitte des Skalpierens erfährt - ein Mensch wird auf die Haare reduziert, für die man auch noch eine Belohnung erhält?! Etwas, was die Weißen eingeführt haben, denn es braucht ja einen „Beweis“, daß ein Feind getötet wurde. Daß man den Haaren nicht ansieht, ob sie von Freund oder Feind stammen, spielt eine eher geringe Rolle.

    „Aber was sollen wir tun?“ Die Große wirkte verwirrt. „Wir tun, was wir können, und sind für das bereit, was auch immer als nächstes geschieht. Irgend etwas passiert bestimmt.“ („Das Erbe des Großen Hundes“, Spanish Bit Saga, Band 2, Seite 132) Dieser Ausspruch ihrer Ururgroßmutter Tall One, der Denken und Handeln von Pale Star recht gut beschreibt, kam mir mehr als ein Mal beim Lesen in den Sinn. Sie ist bereit, lernt und paßt sich an, um zu überleben. Wie schon im direkten Vorgängerband, tauchen auch hier die Vorfahren in Legenden, Erzählungen und Erinnerungen auf - Erinnerungen, die wir Leser damals direkt beim Entstehen miterlebt haben und deren Fernwirkung wir nun verfolgen können.

    Ein Bruch übrigens auch in der Zeitrechnung der Bände. Pale Star wird etwa zur Zeit des Endes des Vorgängerbandes (oder kurz danach) geboren, die eigentliche Handlung setzt ein, als sie etwa vierzehn Jahre alt ist. In der Zeittafel des Buches heißt es, es sei 1630 bis 1631 angesiedelt, es muß jedoch um 1641 bis 1642 spielen.

    Wer keine Spoiler wünscht, sollte die Einführung von Ardath Mayhar erst nach der Lektüre lesen, da ein Großteil der Handlung vorweggenommen wird. Die Einführung ist insofern hochinteressant, als sie die Ereignisse in einen größeren Zusammenhang stellt und  deutlich wird, weshalb Pale Star so gut mit der Situation, in der sie sich wiedergefunden hat, zurecht kam, sich anpassen konnte, um zu überleben, und Dinge psychisch praktisch unbelastet überstand, an denen andere (weiße) Frauen zerbrochen wären.

    Auch wenn zwischen der Handlung des Buches und unseren Tagen über dreihundertfünfzig Jahre liegen, könnten wir eine Menge von den Menschen jener Tage und von Pale Star lernen. Denn sie und ihresgleichen lebten ein Leben, nach dessen Ende sie die Erde intakt für die zukünftigen Generationen zurück ließen. „Wir mögen wünschen, daß - bevor wir sterben - wir hätten etliche wichtige Lektionen von diesen Menschen gelernt, welche unsere Vorfahren als Gesindel betrachteten und versuchten, sie vom Angesicht der Erde auszurotten.“** (Vorwort S. XI)

     

    Mein Fazit

    Die Zeiten ändern sich, auch für das Volk. Pale Star geht gezwungenermaßen auf eine weite Reise, auf der sie viel Leid, aber auch manche Freude erfährt und viel dazu lernt, was ihr später helfen wird. Wahrhaftig, eine neue Zeit scheint am Horizont auf. Don Coldsmith hat das großartig beschrieben.

     

    Übersetzungen
    * = Es war ein Land, in dem jeder wahnsinnig geworden zu sein schien. Wie konnte man sich in solch einer verrückt gewordenen Welt verteidigen?

    ** = Der Originaltext lautet:
    We may wish, before we are done, that we had learned some important lessons from these people whom our ancestors considered vermin and tried to wipe from the face of the earth. (Ardath Mayhar, März 1988)

     

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    Cover des Buches Septimus Harding, Spitalvorsteher (ISBN: 9783717523864)

    Bewertung zu "Septimus Harding, Spitalvorsteher" von Anthony Trollope

    Septimus Harding, Spitalvorsteher
    SiColliervor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Mit hintergründigem Humor und einer gehörigen Portion Sarkasmus erzählt Trollope, wie Mr. Harding sich gegen Angriffe zur Wehr setzt.
    Wenn ein Weltverbesserer aktiv wird

    Ha, es würde ihm keine Sekunde Unbehagen verursachen, schon morgen seine Politik zu ändern, wenn es die Zeitung fordert. (Seite 259)

     

    Meine Meinung

    Das ist eines der ganz wenigen Bücher, die ich gelesen habe, ohne vorher zu wissen, worum es geht. Einfach deswegen, weil ich schon lange etwas von Anthony Trollope lesen wollte. Um es kurz zu machen: es hat sich gelohnt, sehr gelohnt. Auch wenn das Thema - heute würde man so etwas wohl als „Shitstorm“ bezeichnen - nicht unbedingt meines ist. Aber Trollope hat einen so einmaligen Schreibstil, daß selbst so eine ernste Thematik amüsant zu lesen ist.

    Dabei könnte alles so schön sein: Septimus Harding, Witwer, ist Vorsteher eines Armenasyls mit zwölf Insassen. Seine älteste Tochter ist mit dem Erzdiakon der Diözese verheiratet, seine jüngste Tochter Eleanor wird wohl bald einen Mr. Bold heiraten, die Bewohner des Heims sind zufrieden und Mr. Harding auch. So könnte es eigentlich bleiben, wäre Mr. Bold nicht ein Weltverbesserer erster Ordnung. Und so bringt er einen Ball ins Rollen, der sich zur einer Lawine entwickelt, die nicht mehr zu stoppen ist, und Mr. Hardings Leben (das seines zukünftigen Schwiegervaters) zu zerstören droht. Wie das bei Weltverbesserern so war und ist, nehmen sie auf äußere Umstände oder gar Folgen ihres Tuns wenig bis keine Rücksicht noch denken sie groß darüber nach, wenn sie eine Entwicklung in Gang setzen.

    So auch hier, als Mr. Bold öffentlich die Frage stellt, ob die Bezüge von Mr. Harding eigentlich im Sinne des Stifters des Armenasyls gerechtfertigt sind oder ob statt des Vorstehers nicht die Insassen das Geld bekommen sollten. Da ist es mit der Ruhe denn vorbei. Mr. Harding ist verunsichert, Eleanor verärgert, die Armen hoffen auf Reichtum, der „Ihnen zustehen würde“, der Erzdiakon sieht alles völlig in Ordnung - wo kommen wir hin, wenn kirchliche Institutionen und vor allem Pfründe infrage gestellt werden?! - der Bischof ratlos. Als dann die Tageszeitung „Jupiter“ den Fall groß aufgreift und landesweit über das kleine Städtchen und die Berechtigung des Mr. Harding auf sein Einkommen diskutiert wird, ist das Chaos perfekt.

    Mit teilweise beißender Ironie, einem gewissen Sarkasmus sowie einer gehörigen Portion Humor entwickelt Trollope die Handlung, die zwar im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, sich in ähnlicher Form aber durchaus auch heute so ereignen könnte. Die Funktion, die im Buch die einflußreiche Zeitung „Jupiter“ hat, würden heute die sogenannten „sozialen Medien“ übernehmen, wo sich ja auch ohne viel Vorwissen (warum muß man von einer Sache eigentlich etwas verstehen, wenn man sich dazu äußern will?) munter zu allen möglichen und unmöglichen Themen verbreitet wird und Forderungen aufgestellt werden, die an Absolutheit kaum zu überbieten sind.

    Und die Moral von der Geschicht? Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Etwas, was für Aktivisten aller Zeiten Gültigkeit hat. Ich habe nämlich (meistens) den Eindruck, daß man - wie Mr. Bold - alles nur sehr einseitig durch eine getönte Brille sieht, danach handelt - und das große Ganze völlig aus dem Blick verliert. Mit entsprechenden Konsequenzen. Aber an die denken diese Aktivisten ja nicht, denn für diese müssen sie weder gerade stehen noch gar Verantwortung übernehmen.

    Im Nachwort meiner Ausgabe heißt es übrigens zum Abschluß desselben (S. 381): „Die folgenlose Aufrichtigkeit des Spitalvorstehers, die für andere als reine Donquichotterie erscheint und Harding an den Rang sprachlicher und gesellschaftlicher Konventionen rückt, ist insofern ein beredeter Kommentar Trollopes auf seine eigene Zeit.
    Inwiefern dies auch ein Kommentar auf andere Zeiten, zum Beispiel unsere, ist, bliebe zu untersuchen.

     

    Mein Fazit

    Wenn ein Weltverbesserer aktiv wird und gut gemeint nicht gut gemacht ist, kann eine Entwicklung aus dem Ruder geraten. Mit Ironie, Sarkasmus und einer großen Portion warmherzigem Humor erzählt Trollope eine Geschichte, die so oder ähnlich auch heute ablaufen könnte. Vergnügliche Lesestunden mit einem durchaus ernsten Thema sind garantiert.

     

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    Cover des Buches Preußische Eisenbahngeschichte (ISBN: 9783170074668)

    Bewertung zu "Preußische Eisenbahngeschichte" von Wolfgang Klee

    Preußische Eisenbahngeschichte
    SiColliervor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Wer sich für die Eisenbahn in Preußen interessiert, wird um dieses Buch nicht herumkommen.
    Vom Anfang bis zum Ende - 100 Jahre preußische Eisenbahngeschichte

    Hier bewahrheitete sich Hansemanns Prophezeiung, daß Privatbahnen im Gegensatz zu Staatsbahnen nur nach der Maxime der eigenen Profitsteigerung handeln und dabei die Entwicklung bzw. Förderung des ganzen Landes zu kurz kommen würden. (Seite 96)


    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Die Geschichte der preußischen Eisenbahnen beginnt bereits vor Inbetriebnahme der ersten deutschen Eisenbahn 1835 zwischen Nürnberg und Fürth in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wenn auch nur mit Pferdebahnen.
    Eingebettet in die Geschichte Preußens gibt der Autor eine umfassende Darstellung der Entwicklung der Eisenbahn im Staatsgebiet des damaligen Preußen bis hin zum eher unrühmlichen Ende der K.P.E.V. und Aufgehen in der Deutschen Reichsbahn nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

     

    Meine Meinung

    Eigentlich sollte ich mich dafür ja gar nicht interessieren, bin ich doch im Gebiet der ehemaligen Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen geboren. Zumal die Dampflokomotiven der K.Bay.Sts.B. als die schönsten Deutschlands gelten. Aber dann bekam ich, das muß zwischen 1975 und 1978 gewesen sein, Albert Sauters Buch „Die Königlich Preussischen Staatseisenbahnen“ in die Hände. Seither schlägt mein Eisenbahnerherz in Preußen. Da inzwischen Pläne für Dioramen und Module, die zu Zeiten der K.P.E.V. (= Königlich Preußische Eisenbahn-Verwaltung) angesiedelt sein sollen, konkreter werden, wurde es also höchste Zeit, sich wieder mit der preußischen Eisenbahngeschichte zu beschäftigen - dieses Mal jedoch etwas gründlicher.

    Erst beim Lesen stellte sich heraus, wie gründlich der Autor sein Thema bearbeitet hat. Es ist nicht nur eine Geschichte der Eisenbahn, sondern selbige wird eingebettet in die Politik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Dabei wird deutlich, wie sehr der Eisenbahnbau das Leben der Menschen wie letztlich auch den Staat selbst beeinflußt und verändert hat.

    England war den deutschen Staaten im Hinblick auf die Industrialisierung um Jahrzehnte voraus. Das wird im einleitenden Kapitel deutlich, in welchem Klee die Zustände in Preußen vor dem Eisenbahnbau schildert. Aber auch während der ersten Jahrzehnte des Bahnbaus hinkt Deutschland weit hinterher. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, daß in jener Zeit die Produktions von Gütern noch in mittelalterlicher Manier stattfand. Kein Wunder, daß selbst die Schienen importiert werden mußten - in deutschen Landen gab es zunächst keine Firma, die solche herstellen konnte.

    Es hat mich daher erstaunt zu lesen, daß schon vor dem Bau der ersten Eisenbahn manch weitsichtiger Zeitgenosse ein umfassendes Eisenbahnnetz entwarf - und von den Mitmenschen als „Spinner“ abgetan wurde. Da das absolutistische Preußen kein Geld hatte, mußten Bahnen durch private Gesellschaften gebaut werden. Zusätzlich zur Errichtung der ersten Bahnstrecken wurde also auch die Gesellschaftsform der Aktiengesellschaft etabliert, so daß beide gleichzeitig in ihren Kinderschuhen steckten. Hinzu kamen die Probleme der deutschen Kleinstaaterei - selbst das große Preußen hatte Landesgrenzen zum Ausland, die zu überwinden waren, wollte man die getrennten Landesteile verbinden. 

    Um so erstaunlicher ist es, daß dennoch die Bahnstrecken gebaut wurden - und das in einem für heutige Zeiten atemberaubenden Tempo. Oft dauerte es gerade mal zwei Jahre zwischen erster Planung und Eröffnung des ersten Teilstückes - in der Zeit haben sich heute gerade mal die Bürgerinitiativen gegen einen Streckenneubau konstituiert, geschweige denn daß auch nur ein vernünftiger Plan vor liegt. Der Verkehr soll heute zwar auf die Schiene, nur Schienen will man halt nicht. Das war seinerzeit etwas anders, da hat man eher darum gekämpft, daß die Schienen möglichst nahe am eigenen Ort vorbei- oder am besten gleich durch führten. 

    Neben der Entwicklung der Eisenbahn in Preußen kommt jedoch das Umfeld nicht zu kurz. Politische Entwicklungen, Auswirkungen auf die Menschen und Schilderung der teilweise erbärmlichen Umstände, unter denen die damaligen Menschen leben mußten - all das ergibt ein umfassendes Bild jeder Epoche, die letztlich zu einem Höhepunkt deutscher Eisenbahn- und Wirtschaftsgeschichte führen sollte.

    Sehr deutlich wird allerdings auch, daß privat gebaute und geführte Eisenbahnen niemals das Wohl des ganzen Staates bzw. der Bevölkerung im Auge haben, sondern stets vor allem den eigenen Profit. Das ist an sich nichts Verwerfliches, ist es doch nicht die Aufgabe privater Unternehmen, Strukturförderung oder gar -politik zu machen, sondern Gewinne zu erwirtschaften. So ergaben sich von Anfang an und immer stärker Gründe und Situationen, in denen der Staat selbst die Bahnen baute und betrieb. Das führte letztlich unter Bismarck zur Verstaatlichung der privaten Gesellschaften unter dem Dach der Königlich Preußischen Eisenbahn-Verwaltung. Auch dies eine Entwicklung, die man heute geflissentlich ausblendet und von der Staatsbahn zurück auf Privatbahnen geht.

    Das Ende kam kurz und schmerzhaft. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verfügte die größte Eisenbahnverwaltung der Welt (das war die K.P.E.V. nämlich) praktisch nur noch über Schrott. Erst diese desolaten Zustände verhalfen den seit Jahren immer wieder erhobenen Stimmen zu einer reichseinheitlichen Bahn zum Durchbruch. Sang- und klanglos gingen die einstens glänzenden Länderbahnen unter. „So war das glanzlose Ende auch ein deprimierendes. Ein Neuanfang aber war gemacht, immerhin!“ (S. 214)

     

    Mein Fazit

    In gut lesbarer Form vereinigt der Autor Eisenbahn-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte zu einer umfassenden Gesamtdarstellung der Entwicklung der Eisenbahn im Königreich Preußen von den Anfängen bist zum Ende 1920. Wer sich für die Eisenbahn in Preußen interessiert, wird um dieses Buch nicht herumkommen.

     

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    Cover des Buches The Sacred Hills (Double d Western) (ISBN: 9780385189248)

    Bewertung zu "The Sacred Hills (Double d Western)" von Don Coldsmith

    The Sacred Hills (Double d Western)
    SiColliervor 6 Monaten
    Kurzmeinung: "Es war entweder ein Neuanfang, oder der Anfang vom Ende."
    Wenn Feinde zusammen arbeiten müssen, können sie Freunde werden

    „Father?“ asked Little Star cautiously. „The frogs stopped singing, so we hid in the bushes. Where is Mother?“
    Looks Far rushed forward and dropped to his knees, gathering both children in his embrace. Only now were the tears able to come.*
    (Seite 23)


    Zum Inhalt (eigene Angabe)

    Harte Zeiten brechen für das Volk an. Von Norden her kommen, einer Invasionsarmee gleich, die Blue Paint, um sich hier niederzulassen. Dabei töten sie alle Einwohner, die sie vorfinden - Männer, Frauen und Kinder ohne Erbarmen oder Unterschied. Ob der schieren Zahl der einfallenden Krieger können weder das Volk noch deren ärgste Feinde, die Head Splitter, nennenswerten Widerstand leisten. Alles ist verloren, wenn nicht das Undenkbare geschieht: beide Stämme begraben ihre Feindschaft und tun sich gegen die gemeinsame Gefahr zusammen. Mit wenigen Gefährten macht sich Looks Far auf den Weg ins Lager der Head Splitter. Nicht wissend, ob er überhaupt dazu kommt, seinen kühnen Plan vorzutragen - oder schon vorher gleich umgebracht wird. 


    Meine Meinung

    „It was either a new beginning, or the beginning of the end.“ (S. 34)** Besser läßt sich die Situation zu Beginn und über weite Strecken des Buches nicht beschreiben. Wie sehr hier ein Scheidepunkt erreicht ist, wird nicht nur an der recht düsteren Stimmung ob der drohenden existentiellen Gefahr deutlich, sondern auch daran, daß - nach bisherigen Maßstäben der Reihe - relativ viele Tote zu beklagen sind. 

    Die Handlung setzt etwa fünfundzwanzig Jahre nach Ende des Vorgängerbandes ein, womit ein weiteres deutlich ist: von der „Gründergeneration“ ist niemand mehr am Leben, das „Personal“ hat endgültig zu einer anderen Generation gewechselt. Wenn man die Ankunft von Juan Garcia/Heads Off im ersten Band als Nullpunkt ansieht, so treffen wir viele Ereignisse von früher nun wieder, in Form von Erzählungen, Erinnerungen oder gar Legenden. Das ist einer der Vorzüge dieser (oder überhaupt einer solchen) Reihe: so wie wir uns an Früheres aus der Familiengeschichte erinnern, so tun dies auch die Figuren und mit ihnen wir Leser; vielleicht sogar mit einer gewissen Wehmut, da wir die Protagonisten früherer Tage nicht nur aus Erzählungen (wie die aktuellen Figuren) kennen, sondern quasi selbst bei deren Abenteuern dabei waren. 

    Das Buch habe ich als Übergang in eine neue Zeit empfunden insofern, als die alte Generation hiermit endgültig abgetreten ist, auch wenn manche der zweiten Generation als inzwischen alte Menschen noch am Leben sind. Nach dem düsteren Beginn wird diese „neue Zeit“ sichtbar und fühlbar. Die Bedrohung durch die eindringenden Blue Paints ist dermaßen groß, daß letztlich keine andere Wahl bleibt, als alte Feindschaften zu begraben und der neuen Gefahr gemeinsam entgegenzutreten. Während der langsamen und vorsichtigen Annäherung kippt nach und nach die Stimmung und Neues scheint aus der Zerstörung auf - sehr schön dargestellt im Gespräch zwischen Looks Far und Wolf’s Head (vgl. S. 76ff). Mit ihnen beginnt der Leser Hoffnung zu schöpfen, obwohl die Situation nach wie vor aussichtslos ist. Alleine die Tatsache, daß das der achte von neunundzwanzig Bänden ist läßt eine gewisse Hoffnung aufkeimen, denn damit es weitere Bände gibt, muß das Volk überleben.

    Auf einer ganz anderen Ebene ist das Buch, dessen Handlung um 1625/1627 angesiedelt ist, jedoch hochaktuell, vielleicht für alle Zeiten und alle Länder: die Annäherung der seit Menschengedenken verfeindeten Stämme zeigt sehr deutlich, daß man sich ähnlicher ist, als man gedacht hätte. Aus Feinden werden Freunde - eigentlich auch eine Vorlage für unsere Zeit, wenn man statt Waffen einmal Worte sprechen ließe.

    Gerade solche ruhigen Momente habe ich als sehr emotional empfunden, in denen der Ernst der Lage - Figuren wie Lesern - zum vollen Bewußtsein kam (vgl. z. B. S. 79). Schon früher hatte ich über die Reihe geschrieben, daß Coldsmith die Gabe hat, eine Geschichte auf etwa 170 Seiten zu erzählen, für die andere vielleicht vier- bis fünfhundert Seiten benötigen. Ich konnte mir alles lebhaft vorstellen, die Handlung entwickelte sich in genau dem Tempo, das die Geschichte zur Entfaltung benötigt, am Ende hatte ich nicht das Gefühl, als ob etwas fehlen würde. Coldsmith kann mit wenigen Worten viel ausdrücken. Ich bin gespannt, wie das in seinen „dicken“ Romanen ist, die ich irgendwann auch lesen möchte.

    Über lange Strecken war ich genau so ratlos wie die beiden Medizinmänner, die sich vergeblich nach einer Lösung den Kopf zerbrachen. Und als eines der wenigen Male habe ich noch vor den Figuren verstanden, wie die Lösung aussehen kann, aussehen muß. Als mir dies durch eine unbedachte Äußerung einer der Figuren bewußt wurde, schlich sich ein fast schon diabolisches Grinsen auf mein Gesicht. Denn die Lösung war hart, grausam und brutal - unter den Umständen jedoch die einzig Mögliche. Denn hier geht es um das Überleben des ganzen Stammes im Angesicht eines übermächtigen Feindes. Falsches Mitleid ist da fehl am Platze.

    Am Schluß verknüpfen sich also alle losen Fäden zu einem zufriedenstellenden Ende, das sogar noch eine Überraschung bereit hält. Auf jeden Fall sind die Voraussetzungen für den Fortgang der Reihe so, daß man dieses Buch beruhigt zuklappen und sich auf das nächste freuen kann.

    Mein Fazit

    Eine existentielle Gefahr bedroht das Fortleben des Volkes - es muß das Undenkbare gedacht und getan werden. Coldsmith gelingt überzeugend der Übergang von der „Gründergeneration“ der Reihe zu den Urenkeln, die sich ganz anderen Problemen als ihre Vorfahren ausgesetzt sehen. 

     

    Sinngemäße Übersetzungen:

    * = „Vater?“ fragte Little Star vorsichtig. „Die Frösche hörten auf zu singen, darum haben wir uns in den Büschen versteckt. Wo ist Mutter?“
    Looks Far eilte heran, fiel auf seine Knie und umarmte beide Kinder. Erst jetzt konnten die Tränen fließen.

    ** = Es war entweder ein Neuanfang, oder der Anfang vom Ende.

     

     

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