Sonnenschein12

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    Cover des Buches Ein Mordsgeschenk für Agathe (ISBN: 9783458364825)

    Bewertung zu "Ein Mordsgeschenk für Agathe" von Hanna Reet

    Ein Mordsgeschenk für Agathe
    Sonnenschein12vor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Die ideale Lektüre für einen Sommertag im Strandkorb (und falls das nicht möglich ist: Garten oder Balkon!), leicht, locker-flockig...
    Leiche weg, Oma weg...oder stimmt das doch alles nicht?

    „Ein Mordsgeschenk für Agathe“ von Hanna Reet ist die ideale Lektüre für einen Tag im Strandkorb: die Sonne scheint, die Ostseewellen plätschern, die Möwen kreischen, der Blick aufs blaue Meer...Ich habe das Buch an einem verregneten Sonntag (mit dem Gedankenspiel, die Heizung anzustellen) gelesen – aber habe durch das Buch Urlaubsfeeling bekommen!

    Familie Christiansen will ihrer Mutter/Großmutter/Urgroßmutter Agathe (man achte auf den Namen: Agathe Christiansen!) zum 90. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk machen: zum einen vier Tage Familienurlaub auf einer Ostseeinsel, zum anderen aber auch eine ganz außergewöhnliche Überraschung: „Aber erstens war Udos Idee zu speziell, speziell im Sinne von genial, zweitens war Hermanns Gegenvorschlag, Friseur-Flatrate bis Lebensende, ziemlich uninspiriert, auch ein wenig popelig für einen 90. Geburtstag...“ (S. 9/10): sie schenken Agathe einen Kriminalfall mit Leiche – der Clou dabei: Agathe soll nicht ahnen, dass „der Fall“ fingiert ist... Einheimische und Freunde werden instruiert und übernehmen die verschiedenen Rollen!

    Aber es kommt, wie es kommen muss, es läuft alles etwas aus dem Ruder: Agathe reagiert leider keineswegs so, wie es die Familie erwartet, die Pensionswirtin beseitigt einfach Spuren („Sie machte ihre Sache nicht schlecht. Hollywood würde zwar in absehbarer Zeit nicht anrufen, aber für einen deutschen Fernsehfilm reichte ihr Talent bestimmt.“, S. 42), die „Leiche“ wird von Familienmitgliedern beim Hefeweizen erwischt und zur Rede gestellt („Wenn Agathe Ihnen hier irgendwo begegnet, ist die ganze Sache etwas witzlos.“ S. 39). Aber nicht nur das ständig neue Katastrophen rund um das Geschenk hereinbrechen, an jahrzehntealte Animositäten unter den Familienmitgliedern erinnert man sich plötzlich wieder, Geheimnisse werden entdeckt und bekommen neue Bedeutung... die Familie wird immer hektischer und stolpert von einem Fettnäpfchen (sorry: Fehlernäpfchen) ins nächste... Verwechselungen und Missverständnisse pflastern ihren Weg... Und dann passiert der Super-Gau – aber der wird hier nicht erzählt!

    Ich habe mich bei der Lektüre amüsiert, der Schreibstil ist spritzig-locker, ich war immer ganz gespannt, welches „Unglück“ als nächstes passiert... Der Schluss war etwas vorhersehbar, aber er passte - und eine kleine Überraschung war doch noch drin!

    Es ist kein „wie-können-wir-die-Welt-retten?“- Buch, aber angenehm und witzig zu lesen, eine schöne Entspannung – und aus diesem Grund von mir mit einer Leseempfehlung versehen!

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    Cover des Buches Die Hanse im Kampf (ISBN: 9781707994472)

    Bewertung zu "Die Hanse im Kampf" von Adrian Adler

    Die Hanse im Kampf
    Sonnenschein12vor 13 Tagen
    Kurzmeinung: Fiktive Geschichte mit sehr gut recherchierten historischen Daten vermischt, gibt interessanten Eindruck von Hamburg im 14. Jahrh. wieder!
    Die Hansestadt Hamburg und die Hanse im 14.Jahrhundert

    „Die Hanse im Kampf“ von Adrian Adler ist ein intensiv recherchiertes Buch über Hamburg im 14. Jahrhundert und der Kampf der Hanse in Nord- und Ostsee.

    Der Autor stellt den (fiktiven) Martin in den Mittelpunkt seiner Geschichte, wir lernen ihn 1368 mit 9 Jahren kennen und lassen ihn um 1400 nach dem Endkampf der Hanse gegen die Piraterie zurück. Wir begleiten Martin nach Bergen, Brügge und Granada und sind bei all seinen persönlichen Ereignisse anwesend.

    Die Handlung und die Charaktere sind gut erdacht und ausgearbeitet, der Spannungsbogen ist (fast) durchgängig hoch. Adrian Adler beschreibt die historischen Tatsachen anhand von Beispielen sehr eindrucksvoll: z.B. dass Martins Schwester Wiebke keine Schule besuchen darf – Mädchen war der Zugang zu Bildung verwehrt oder dass Henker am untersten Ende der gesellschaftlichen Spirale angesiedelt waren: Peter, Martins Freund, ist der Sohn eines Scharfrichters und erklärt Martin: „… und auch ich muss später mal dieses Gewerbe ausüben (…). Man kann sich leider nicht aussuchen, womit man seinen Lebensunterhalt verdient. Zumindest ich habe keine Wahl.“ (S. 73)

    Für mich als Leserin „schwächelte“ die Handlung kurz vor Schluss etwas: beim Kampf der Hanse gegen die Piraten verlor sich für mich die Spur von Martin etwas – er ging quasi im Kampfgetümmel unter – nicht wörtlich, aber handlungstechnisch… Ich kann die Ambitionen des Autors zwar nachvollziehen, dass Ende der Piraterie historisch korrekt darstellen zu wollen, aber für mich ging dies leider zu Ungunsten meines Lesevergnügens…Aber der Schluss hat mich wieder versöhnt und ich konnte das Buch befriedigt zuklappen!

    Besonders zu erwähnen ist hier der ausgezeichnete Anhang mit einem ausführlichen Personenregister (wer ist fiktiv, wer real), Wissenswertes, Geschichtsdaten, Worterklärungen – bis hin zu Unternehmungstipps, wo Besucher*innen auch heute noch Spuren der Hanse entdecken können. Chapeau, Herr Adler!

    Mir hat der Roman – bis auch die erwähnte Schwäche – gut gefallen, ich habe Hamburg im 14. Jahrhundert gut kennengelernt, habe viel Neues über die Hanse erfahren – also kann ich das Buch mit gutem Gewissen weiterempfehlen!

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    Cover des Buches Der Tuchfuchs - Historischer Roman (ISBN: 9798645906436)

    Bewertung zu "Der Tuchfuchs - Historischer Roman" von Ellen Flynn

    Der Tuchfuchs - Historischer Roman
    Sonnenschein12vor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Tuchhandel in Manchester im 18. Jahrh.: Kooperation, Konkurrenz, Intrigen - oder: wie schafft es eine Frau, eine Tuchmanufaktur zu eröffnen?
    Eine Frau will eine Tuchmanufaktur eröffnen - darf sie das?

    Nein, sagt Mr. Weston: „Dasselbe gilt für den Markt. Er sollte sich auf jene beschränken, die seine Gesetze verstehen. Das schließt all jene aus, die nicht in der Lage sind über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und das gilt (…) im Besonderen für Frauen.“ (S.48, E-book) Und Mr. Fildes legt nach: „‘Eine Frau kann kein Handwerk erlernen!‘ giftete er. ‚Ihre Fähigkeiten sind naturgemäß anders gelagert als die eines Mannes. Es liegt in ihrem Wesen, zu bewahren, statt zu erwerben. Sie braucht einen Mann, der sie führt. Es fehlt ihr am nötigen Weitblick.‘“ (S.147) Nun denn…


    Ellen C. Flynn nimmt uns in ihrem Debutroman „Der Tuchfuchs“ mit nach Manchester in das 18. Jahrhundert. Die oben zitierten Herren vertreten besonders harsch die gesellschaftliche Meinung, aber Gillian Pollett, eine junge Witwe, hat die Webkunst von ihrem Vater gelernt und lässt sich von solchen Vorurteilen nicht beirren. Sie überzeugt letztendlich Aidan Towell, sie zu unterstützen, wobei auch er – gemäßigter – seine Ressentiments hat…


    Es gelingt Gillian, ihre Manufaktur zu eröffnen, aber der Tuchhandel in Manchester gleicht im Jahr 1773 einem Haifischbecken: Gerüchte, Konkurrenz, Intrigen, jeder versucht dem anderen zu schaden, (fast) jeder kämpft gegen jeden… und John Weston hasst Aidan , weil er sich hochgearbeitet hat und in das Tuchgeschäft eingestiegen ist („Sie wurden geboren, um zu dienen. Ich wurde geboren, um Entscheidungen zu treffen.“ S. 62) Und alles nimmt seinen Lauf…


    Es ist sehr spannend zu lesen und da die drei Hauptprotagonisten (Gillian, Aidan und John Weston) in ihrem eigenen Erzählstrang in der Ich-Form berichten, kennen wir ihre Ideen, Gedanken, Sorgen, Hoffnungen, Wünsche und Träume und entsteht eine fast „persönliche“ Beziehung. In den Dialogen findet sich teilweise ein großartiger Wortwitz wieder, so dass ich mehrmals schmunzeln musste. Mir hat auch gut gefallen, dass die Charaktere nicht nur klischeehaft „schwarz“ oder „weiß“ waren, sondern durchaus „Macken“ hatten (manchmal merkten sie es selbst nicht, aber wir Leser*innen!). Aber auch Nebencharaktere waren von der Autorin liebevoll ausgearbeitet, z.B. Agnes, Aidans pragmatische Haushälterin, habe ich ins Herz geschlossen – ebenso wie „Dutch“, Aidans rechte Hand! Der Spannungsbogen ist durchgängig hoch und durch die verschiedenen Ich-Erzähler auch abwechslungsreich!


    Manchmal stockt aber leider kurzfristig der Lesefluss, z.B. „Doch in dem gepolsterten Sessel war das unmöglich. Der war gemacht, um darin zu flanieren.“ (S. 196) Hmh, denkt man sich, flanieren… und schaut nach: umherschlendern, umherschweifen – im Sessel? Mir hat auch ein Glossar gefehlt, z.B. könnten die Schwierigkeiten beim Färben etwas ausführlicher beschrieben werden, z.B. warum es so schwierig war, Wolle in grün zu färben… Ich bin relativ sicher in Geschichte, aber zur politischen Situation in England kurz vor der Boston Tea Party 1773 musste ich doch mehrmals passen – auch das könnte in einem Glossar näher erläutert werden! Und wenn ich schon gerade bei „Wünsch Dir was“ bin: im E-Book wäre eine Kapitelübersicht von großem Vorteil…


    Aber nun wirklich genug „gemeckert“: insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, die Handlung und die Charaktere waren vielseitig ausgedacht, es war spannend und ich habe wieder einmal „nebenbei“ einiges gelernt – und damit haben sich meine Erwartungen an einen historischen Roman erfüllt! Deshalb kann ich das Buch - mit den erwähnten kleinen Einschränkungen - auch wärmstens weiterempfehlen!

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    Cover des Buches Leandro und der Brief aus Venedig - Teil 2: Ein Brieftauben Fantasy Abenteuer (ISBN: 9781081798109)

    Bewertung zu "Leandro und der Brief aus Venedig - Teil 2: Ein Brieftauben Fantasy Abenteuer" von Tim Stern

    Leandro und der Brief aus Venedig - Teil 2: Ein Brieftauben Fantasy Abenteuer
    Sonnenschein12vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Auf ihrem Weg nach Damaskus haben Leandro und Sophia jede Menge lebensbedrohliche Angriffe zu überstehen - aber sie finden auch Freunde..
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    Cover des Buches Leandro und der Brief aus Venedig: Ein Brieftauben Fantasy Abenteuer (ISBN: 9781091237520)

    Bewertung zu "Leandro und der Brief aus Venedig: Ein Brieftauben Fantasy Abenteuer" von Tim Stern

    Leandro und der Brief aus Venedig: Ein Brieftauben Fantasy Abenteuer
    Sonnenschein12vor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Von (Brief- und anderen) Tauben, Ratten und der Pest im 17. Jahrhundert in Venedig - humorvoll, dramatisch, spannend - kurz: sehr lesenswert
    Leandro wird erwachsen und übernimmt Veranwortung...

    Eine gute Freundin hatte mir die beiden ersten Bände von „Leandro und der Brief aus Venedig“ von Tim Stern mit den Worten: „Ist eigentlich nicht Dein Genre, aber mir haben sie so gut gefallen, vielleicht hast Du ja doch Lust?“ geliehen. Ein „Brieftauben Fantasy Abenteuer“ (so der Untertitel) - ich??? 9 Monate standen die beiden Bücher im Regal, bis ich vor drei Tagen auf einmal Lust bekam, mal „kurz reinzuschauen“ - und zack, war es um mich geschehen....

    Von der ersten Seite an war ich in Venedig des 17.Jahrhunderts - und gleich mitten in einem brüderlichen Brieftaubenstreit: Artus und Leandro entstammen einer der bedeutendsten Brieftaubendynastien und Artus wirft seinem jüngeren - noch etwas übermütigen - Bruder Leandro vor, dass er für die Strecke Kairo – Damaskus zwei Tage statt 11 Stunde gebraucht habe, Leandro erklärt daraufhin: „Aber ich wollte mir noch Ägypten anschauen. Und mein Brief ist ja zuverlässig angekommen.“ (S.13)

    Gleichzeitig tobt aber in Venedigs Unterwelt (im wahrsten Sinne des Wortes) ein heftiger Machtkampf: die zugezogene Wanderratte Drago fordert: „Eine freie Stadt für freie Ratten!“ (S. 10) und gewinnt mit seinen radikalen Parolen „Schwächlinge, Minderwertige und Überflüssige werden aussortiert.“ (S.78) eine immer größere Anhängerschaft. Dies verärgert die alteingesessenen Ratten, die seit Jahrhunderten friedlich mit den Menschen zusammenlebten. Um seine Ziele zu erreichen verfolgt Drago einen teuflischen Plan: er wird die Pest nach Venedig bringen. Mit Hilfe eines venezianischen (menschlichen) Kaufmanns gelingt ihm das auch...

    Damit sind die Menschen natürlich überfordert, aber der Doge von Venedig ruft einige der wichtigsten internationalen Pestärzte zu einer Konferenz nach Venedig, aber „jeder der Experten hatte seine persönliche Theorie und verspottete insgeheim die jeweilige Auffassung seiner rivalisierenden Kollegen.“ (S. 112). Der junge Dottore Alessandro setzt sich durch und benennt die Ratten als ursächliches Problem... Der Emir von Damaskus kann vielleicht helfen.... Und so soll eine Brieftaube nach Damaskus gesandt werden, damit der dortige Emir behilflich sein kann, die Rattenplage zu beseitigen!

    Nun beginnt ein spannender Showdown, das in jeden James-Bond-Film sehr gut passen würde – aber das muss man einfach selbst lesen! Denn - verständlich bei einer Trilogie – endet es mit einem Cliffhanger, aber ich habe ja zum Glück das 2. Buch parat!

    Tim Stern hat es wirklich geschafft, mich - trotz meiner Skepsis - von der ersten bis zur letzten Seite dieses Buches zu fesseln, seine Charaktere, ob Tauben, Ratten (bis auf Drago und sein Führungszirkel), oder der kluge Uhu Galileo, der einfach alles weiß und in Schüttelreimen spricht, oder die Fledermaus Moskito, die so gern eine Brieftaube wäre – ich habe sie alle schnell in mein Herz geschlossen und mit ihnen gebangt... Dass Tim Stern einigen seiner Tiere Sätze sagen lässt, die mich an gewisse Menschen erinnert haben, erhöht das Lesevergnügen.

    Venedig ist wunderbar beschrieben, leider war ich erst einmal vor vielen Jahren dort, aber für Venedig-Liebhaber ist dieses Buch sicherlich ein besonderes „Schmankerl“.

    Ein faszinierendes Buch, dass mich an der einen oder anderen Stelle auch etwas zum Nachdenken angeregt hat, da viele Strukturen durchaus mit heutigen Situationen vergleichbar sind... Ich kann „Leandro und der Brief aus Venedig“ mit wirklich gutem Gewissen weiterempfehlen – und ich werde es mir selbst kaufen! So, und nun gehe ich, um Band 2 zu lesen!!!

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    Cover des Buches Jamaica Inn (ISBN: 9783458364580)

    Bewertung zu "Jamaica Inn" von Daphne du Maurier

    Jamaica Inn
    Sonnenschein12vor einem Monat
    Kurzmeinung: Historischer Thriller (gibt es das?), sehr spannend!!! Man bewegt sich mit Mary im düsteren Moor u. fürchtet sich! Eindrückliche Charakter!
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    Cover des Buches Unter den Linden 6 (ISBN: 9783550200601)

    Bewertung zu "Unter den Linden 6" von Ann-Sophie Kaiser

    Unter den Linden 6
    Sonnenschein12vor einem Monat
    Kurzmeinung: 1907: interessanter Roman über die - aus heutiger Sicht - unvorstellbaren Schwierigkeiten von Frauen eine Zulassung zur Uni zu erhalten!
    Der steinige Weg von Frauen zur Bildung...

    „Unter den Linden 6“ von Ann-Sophie Kaiser beschreibt die unterschiedlichen Wege dreier Frauen in der Zeit von 1907 – 1915. Anni, Hedwig (beide fiktiv) und Lise (gemeint ist Lise Meitner, eine österreichische Kernphysikerin, deren Weg hier sehr gut nachempfunden werden kann) treffen sich durch Zufall und es beginnt eine Freundschaft.

    Gemeinsam ist ihr Wunsch auf / nach Bildung, während ihre Herkunft kaum unterschiedlicher sein könnte: Lise hat bereits in Wien in Physik promoviert und möchte gern in Berlin bei Max Planck weiterforschen. Hedwig kommt aus einem gutbürgerlichen Haushalt, hat zwar das Abitur, aber Vater und Ehemann lehnen ein Frauenstudium kategorisch ab. Hedwig will einen Sanatoriumsaufenthalt ihres Mannes nutzen und fälscht seine Unterschrift unter die „Erlaubnis“ zum Studieren. Jedoch scheitern beide vorerst an den Gepflogenheiten des universitären Betriebes: „Bei uns in Preußen läuft es so: Sie sind eine Frau und Frauen können an dieser Universität nicht immatrikulieren. Wir sind eine Traditionsuniversität!“ (S.36) Höchstens als Gasthörerinnen sind sie zugelassen – wenn es der Professor erlaubt, deshalb muss dieser Status auch mühsam erkämpft werden… Anni arbeitet als Dienstmädchen und hat sich bisher heimlich durch die Bücherregale ihres Arbeitgebers „gearbeitet“. Sie muss eine neue Stelle in Berlin antreten und hofft, dass ihr neuer „Herr“ auch wieder eine gut ausgestattete Bibliothek besitzt…

    Ich habe diese drei Frauen auf ihren Wegen begleitet, habe bei Lise viel über Radioaktivität erfahren (und auch so, dass sogar ich als Physikmuffel einiges verstanden habe!), bei Hedwig einige interessante Neuigkeiten über den Kampf der Frauen auf Bildung, die Frauenbewegung in ihren Gründerjahren (politische Versammlungen waren für Frauen absolut verboten!). Anni war mir besonders sympathisch, da sie den weitesten und beschwerlichsten Weg zur Bildung zu gehen hatte, aber sie verfolgt ihn konsequent und meistert die Hürden.

    Der Roman hat mich nachdenklich zurückgelassen: ich habe so selbstverständlich studiert, ohne jemals darüber nachzudenken, dass diese Möglichkeit ein langer und mühsamer Kampf voraus gegangen war, bei dem meine „Vorgängerinnen“ vielen Anfeindungen ausgesetzt waren (hier noch einmal zur Erinnerung: das Frauenwahlrecht wurde erst 1919 erlaubt!). Die Autorin merkt in ihrem Nachwort an: „Allerdings liegt der Frauenanteil unter deutschen Professoren und Professorinnen auch heute – hundert Jahre später – noch bei nicht einmal einem Drittel.“ (S.452)

    Der Schreibstil war ausgesprochen flüssig, die Kapiteleinteilung mit der Zuordnung der jeweiligen Protagonistin sehr hilfreich, der Zeit- und Lokalkolorit wunderbar eingefangen (bei einigen Szenen war ich regelrecht „dabei“), aber einige kleine Einschränkungen muss ich leider machen: meiner Meinung nach hätte der Mittelteil etwas gekürzt werden können, so war es teilweise etwas langatmig, zum Schluss nahm die Handlung wieder an Fahrt auf. Für zwei weitere Punkte ist die Autorin nicht unmittelbar verantwortlich: das Cover (das von der Idee her gut zum Buch passt) wirkt verrutscht, die oberste Frauenfigur scheint fast geköpft zu sein, während am unteren Bildrand noch viel freier Platz ist. Und schöne Grüße an das Lektorat: auf S. 268 steht statt „mich dünkt“ (‚dünken‘ veraltet für ‚scheinen‘ – passt perfekt an dieser Stelle) „mich düngt“ – da war ich doch etwas irritiert, auch andere kleine Fehler hatten sich eingeschlichen…

    Aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich hatte den Eindruck, dass Frau Kaiser sehr ausführlich und methodisch recherchiert hat und uns dadurch ein lebhaftes Bild der damaligen Zeit zeichnen konnte. Und ich habe wieder eine Menge gelernt… Deshalb: eine klare Weiterempfehlung…

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    Cover des Buches Das Antiquariat der Träume (ISBN: 9783423219310)

    Bewertung zu "Das Antiquariat der Träume" von Lars Simon

    Das Antiquariat der Träume
    Sonnenschein12vor einem Monat
    Kurzmeinung: Die Idee, Figuren aus der Literatur als Johans "Freunde und Berater" in Erscheinung treten zu lassen, hat mich fasziniert-sehr schönes Buch!
    Wenn Romanfiguren zu Freunden und Beratern werden...

    Ich schreibe selten etwas über Cover, aber hier muss ich es einfach machen: das Cover von „Das Antiquariat der Träume“ von Lars Simon hat mich sofort angesprochen und ich finde es bezaubernd und wundervoll, es passt hervorragend zum Titel und zum Buch!

    Johan hat einen schweren Schicksalsschlag erlitten: seine große Liebe Lina, die er nur kurz kannte, ist bei einem Schiffsunglück ertrunken. Er bricht mit seinem bisherigen Leben in Stockholm und zieht aufs Land und betreibt dort ein Antiquariat und ein Literaturcafé (bei der Beschreibung der Torten lief mir das Wasser im Mund zusammen – ich wäre am liebsten sofort nach Hedekas gereist, mich ins Café gesetzt und eine Schillertorte gegessen…), er verdient nicht viel, aber er hat sein Auskommen.

    Ihn lässt aber der Gedanke an Lina nicht mehr los, besonders als er herausfindet, dass der von ihr angegebene Name nicht stimmt! Aber er sucht weiter… Beraten wird er dabei von seinen „Freunden“, Romanfiguren aus Büchern, die Johan schätzt oder mal geschätzt hat: so unterstützt ihn z.B. Sherlock Holmes mit seinem detektivischen Wissen, allerdings mit der ihm eigenen Arroganz: „Mit solchen Methoden sollten Sie sie bei Scotland Yard bewerben, einem Sammelbecken für Kriminologen mit beschränkter Kompetenz.“ (S. 47) oder der Franziskanermönch William von Baskerville (aus „Der Name der Rose“) hinterfragt seine Suche: „Aber ich frage mich, wenn Ihr sie doch längst tot und in der Obhut des Herrn wisst (…), sagt mir, warum sucht Ihr sie dann noch immer?“ (S.27) Aber seine Freunde sind sich uneins, ob Johan weiterhin nach Lina suchen soll…Sie führen auch direkte Streitgespräche – an einer meiner Lieblingsstellen war ein weißes Kaninchen maßgeblich beteiligt!

    Die Dialoge sowohl mit den „Freunden“ als auch die mit „realen“ Personen haben mir gut gefallen, sie zeichneten sich durch Wortwitz, Ironie und Selbstironie aus. Die Charaktere der Romanfiguren waren gut herausgearbeitet, deshalb hat es meinen Lesefluss nicht gestoppt, wenn ich ihre „heimatlichen Bücher“ nicht kannte – ja, eigentlich mehr noch: sie haben mich neugierig gemacht, dass ich sie jetzt vielleicht mal in ihrer „Originalbesetzung“ lesen möchte!

    Aber auch die „realen“ Figuren waren authentisch und bildhaft beschrieben – allen voran Agnes, Johans Hilfe im Literaturcafé und die Schöpferin der wunderbaren Torten, aber auch ihren Bruder, den Pastor, konnte ich mir lebhaft vorstellen. Auch eine gewisse Situationskomik kommt nicht zu kurz, z.B. bei dem „Gespräch“ mit Harry Haller (aus „Der Steppenwolf“) und der sehr realen Annika im Supermarkt…

    Die Geschichte ist in mehreren Zeitebenen geschrieben, aber die Kapitel sind mit Ort und Datumsangabe versehen, so dass wir Leser*innen immer informiert sind, wo und wann wir uns gerade befinden.

    Wie Johans Suche nach Lina ausgeht? Das werde ich hier bestimmt nicht verraten: das Ende ist vollkommen überraschend und doch stimmig – aber mich hat es leider ein klitzekleines Bisschen enttäuscht, aber das ist vermutlich Geschmacksache…

    „Das Antiquariat der Träume“ ist ein schönes Märchen für literaturbegeisterte Erwachsene, die sicher große Freude an dem Buch haben und von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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    Cover des Buches Der Schrecken verliert sich vor Ort (ISBN: 9783847905295)

    Bewertung zu "Der Schrecken verliert sich vor Ort" von Monika Held

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    Sonnenschein12vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Buch gegen das Vergessen: wie kann ein Auschwitz-Überlebender weiterleben? Kein leichtes, aber trotzdem wunderbares Buch, sehr eindrücklich!
    Kann es ein Leben nach Auschwitz geben?

    „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held gehört auf jeden Fall zu meinen Lese-Highlights 2020 und hat ausgesprochen gute Chancen, in meine persönliche ewige „beste-Bücher-Liste“ aufgenommen zu werden!

    Nein, es ist absolut kein „leichtes Buch“ und ich glaube, ich habe es auch nur geschafft, weil ich es in einer privaten Leserunde mit vier anderen Menschen gelesen  habe, so konnten wir uns gut austauschen und unsere Gefühle offen aussprechen, so unter dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“.

    Ja, denn bei einigen der Schilderungen von Heiner über seine Auschwitz-Zeit müssen wir heftig mitleiden – ich dachte, ich würde jetzt bald alle Gräuel-Taten, die die Nationalsozialisten in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern begangen haben, kennen – aber weit gefehlt: der grausamen menschlichen Phantasie sind in den KZs   anscheinend keine  Grenzen gesetzt worden!

    Heiner, ein junger Kommunist aus Wien, wird im September 1942 nach Auschwitz deportiert, aus seinem Transport von 1860 Menschen haben nur vier überlebt... Hinzu kommt, dass Heiner sein eigenes Todesurteil in der Tasche trägt: auf seinem Schutzhaftbefehl steht R.U., dass dies Kürzel „Rückkehr unerwünscht“ bedeutet, erfährt Heiner erst später,,, Aber Heiner überlebt Auschwitz, weil er Zeuge sein wollte, dieses Ziel ganz fest vor Augen rettet gewissermaßen sein Leben. Er wird auch in einem wichtigen Auschwitz-Prozess als Zeuge geladen, aber nach dem Urteil bleibt eine Leere: „Er hatte das Lager überlebt – wo war der Sinn? Die Täter waren verurteilt, saßen ihre Strafen ab ohne Reue, ohne Einsicht, ohne Schock über das, was sie getan hatten.“ (S.83)

    Bei diesem Prozess lernt er die die junge Deutsche Lena kennen. Lena und Heiner verlieben sich, heiraten. Aber im gemeinsamen Leben zeigen sich immer wieder Stolperfallen, Worte, Gerüche, Erinnerungen. Lena drückt es so aus: „Er besteht aus einem Leitmotiv mit endlosen Varianten. (…) Er sieht einen Backsteinschornstein und sagt: Schau, Lena, Birkenau (…) Weißt Du, wie oft das Wort Rampe im Alltag vorkommt? Die Post hat eine Rampe, die Bahn hat eine Rampe, jedes Warenhaus hat eine Rampe und Heiner denkt nur an die eine. Du kaufst dir einen schönen Mantel und was sagt er: Schau, Lena, der Markenname ist Selection. Nichts ist ohne doppelten Boden und an jeder Ecke warten Erinnerungen.“ (S.93)

    Aber Lena und Heiner arbeiten an ihrer Liebe und schaffen es, sie sich zu erhalten, wir erleben die Silberhochzeit mit. Wichtiger noch, sie schaffen es - zumindest ansatzweise - Ruhe für den stark traumatisierten Heiner zu finden (wobei ich – ehrlich gesagt – den Eindruck hatte, dass Lena den schwierigeren Teil hatte... Aber: darf ich das überhaupt denken?). Das Buch ist auch eine wunderschöne Liebesgeschichte, ohne auch nur andeutungsweise jemals kitschig zu werden. Es ist das Ringen zweier Menschen mit vollkommen unterschiedlichen Erinnerungen für ein gemeinsames Leben.

    Ein weiterer Aspekt hat mich in dem Buch auch beschäftigt: anhand einer Reise nach Polen in den frühen 80-er Jahren lässt die Autorin die damalige Situation bildhaft aufleben: der Streik von über 700.000 Menschen, Solidarnosc, Kriegsrecht, Karol Wojtyla besucht als Papst Johannes Paul II seine Heimat, der Widerstand, die Aufbruchsstimmung – durch die Augen von Lena und Heiner sind wir dabei – der Mut der Polen hat mich beeindruckt!

    Dieses Buch hat eine Vielzahl von Emotionen bei mir ausgelöst: Angst, Erschrecken, Trauer, Wut, Mitleid, Rührung, Verständnis und Unverständnis– ich habe geweint, aber an einigen Stellen auch geschmunzelt. Mit wenigen Worten konnte Frau Held so vieles ausdrücken!

    Wie eingangs gesagt: für mich persönlich ein ganz wichtiges Buch, ein „Buch gegen das Vergessen“, ein Buch, dass ich ganz dringend weiterempfehlen muss!

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    Cover des Buches Gnadensee (ISBN: 9783842520561)

    Bewertung zu "Gnadensee" von Ingrid Zellner

    Gnadensee
    Sonnenschein12vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Von der Insel Reichenau nach Island, kurze Stopps in der hinduistischen Mythologie-dieser Krimi war sehr spannend und informativ-lesenswert
    Mehr als ein Regional-Krimi...

    Eine gute Freundin hatte mir die Krimis von Ingrid Zellner sehr empfohlen, ihr hatte besonders der indischstämmige Kriminalkommissar Surendra Sinha gefallen...  Wenn ich eine Reihe starte, bemühe ich mich immer, mit dem ersten Band zu beginnen, so dass man gut die Entwicklung der Hauptprotagonisten beobachten kann. Hier hatte ich jedoch nicht beachtet, dass „Gnadensee“ noch nicht zur „Surendra-Sinha-Reihe“ gehört – aber zum Glück (!) hat er schon zwei kleine „Auftritte“, er hat sich also schon mal vorgestellt...

    Wie Kommissar Sinha richtig feststellt, ist es eine sehr ungewohnte Situation, „dass wir drei verschiedene Fälle reinbekommen, ist zwar nichts Neues; aber, dass jemand in allen drei Fällen auf einmal verwickelt und trotzdem eindeutig unverdächtig ist, passiert eher selten.“ (S. 139 E-book)

    Und genau das passiert Lona: sie ist in allen drei Fällen involviert, kein Wunder, dass sie glaubt, sie ziehe zur Zeit das Unglück an! Aber nein, ich werde jetzt nicht ins Detail gehen und diese Fälle aufzählen...

    Lona Mende ist eine sympathische junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Freund ihren 24. Geburtstag feiern möchte, zum verabredeten Zeitpunkt kommt er jedoch nicht... Lona lebt auf der Insel Reichenau im Bodensee (gegoogelt: Welterbe-Insel, durch einen Damm mit dem Festland verbunden) im Landkreis Konstanz. Eine Freundin von ihr lebt in Meersburg, so dass der Bodensee in seiner ganzen landschaftlichen Schönheit immer präsent ist. In dieser Umgebung finden auch die Verbrechen statt – also ist sehr viel Lokalkolorit vorhanden, ich habe die Beschreibungen genossen!

    Aber Lona fliegt für eine „Auszeit“ nach Island. Auch hier besticht die Autorin mit wunderbaren Landschaftsbeschreibungen, die neue Sehnsuchtsorte entdecken lassen und sofort zum Kofferpacken einladen!

    Und dann gibt es noch einen kleinen Exkurs in die hinduistische Mythologie: Herr Sinha (wir sind noch per Sie!) berichtet Lona bei einem zufälligen Treffen vom Hindugott Ganesha, wie er zu seinem Elefantenkopf gekommen ist und warum eine Ratte sein Reittier geworden ist...

    Aber zurück zum Krimi: er ist spannend, fesselnd, aufregend, mitreißend – ich habe mit Lona mitgelitten... Wobei ich an einer Stelle mal wieder den Kopf geschüttelt habe: warum müssen Frauen abends unbedingt allein in unbewohnten Gegenden spazieren gehen? Aber das ist zugegebener weise nur ein kleiner Einwand... Auch rätselt man länger über den geheimnisvollen Satz: „Die Sonne schmeckt am besten rückwärts.“ (S. 73, E-book), dessen Lösung aber nach einigen Irrungen und Wirrungen klar wird!

    Der Spannungsbogen wird stets hochgehalten (gewissermaßen auf mehreren Ebenen), das Ende zwar überraschend, aber nachvollziehbar, es blieben keine Fragen offen – deshalb von mir eine klare Leseempfehlung (und ich werde als nächstes Buch von Ingrid Zellner natürlich die „Adlerschanze“ lesen!)

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