Stephan59

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Am zwölften Tag (ISBN: 9783462045475)

    Bewertung zu "Am zwölften Tag" von Wolfgang Schorlau

    Am zwölften Tag
    Stephan59vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Toller Plot - enttäuschendes Ende
    toller Plot - am Ende enttäuschend

    Denglers siebter Fall. Zwölf Tage, an denen die handelnden Personen, vor allem Dengler und Olga, sein Sohn Jakob mit seinen Freunden, der Bauer Zemke mit seiner Frau und die Rockerclique in verschiedenen Handlungssträngen an unterschiedlichen Orten zu einem Gesamtbild verwoben werden. Dazwischen immer wieder die Hintergrundinformationen des Fleischkaisers, dessen erhellende Aussagen zur Massenfleischproduktion später mit den Filmen aus den Tierställen gut mit der Wirklichkeit dieser Industrie kontrastiert werden. Das hat mir durchaus gefallen und nach und nach nimmt der Fall, der zunächst keiner zu sein scheint, richtig Fahrt auf.

    Die Hintergrundrecherchen sind offenbar fundiert, darauf den Plot eines Krimis aufzusetzen, hat mich angesprochen.

    Allerdings haben mich einige Punkte gestört. Am Ende war ich regelrecht enttäuscht.

    Die, die den Krimi noch nicht gelesen haben, sollten hier nicht weiterlesen:

     

    SPOILER

     

    Die Rockerbande, die mit Menschenhandel, Prostitution, Drogen und den osteuropäischen Arbeitssklaven ihr Geld verdient, als tumbe und rohe Gesellen zum Abfackeln eines Bauernhofs einzusetzen, wobei die Ermordung einer Gruppe junger Tierschützer gleich mit geplant ist, war mir zu weit hergeholt. Wer in solchen kriminellen Geschäften einen guten Reibach macht und auch weiter machen will, wird nicht das unkalkulierbare Risiko eines mehrfachen Mordes eingehen.

    Ein gestelltes Foto vor einer Fototapete, um den Urlaub in Barcelona darzustellen mit dem Handy fotografiert, das war mir zu unglaubwürdig.

    Als der Bauer mit seiner Frau zum Hof fährt, kommt ihnen der gerade mit einer MP beschossene Mercedes entgegen? 1. Wieso fährt der noch? 2. Warum hält er auf der Flucht überhaupt an? 3. Der Bauer soll die Schüsse nicht gehört haben?

    Der Bauer und seine Frau werden im ersten Stock ihres Hauses gefesselt und geknebelt und mit dem Haus quasi gleich mit angezündet. Während neben der Frau das Bett schon so lichterloh brennt, dass sie ihre Handfesseln dort mithilfe der Flammen durchbrennen lassen kann – im Erdgeschoss wütet ja auch bereits das Feuer -, kann sie noch so agieren? Das ist absolut unglaubwürdig. Die Frau wäre längst im Rauch des Feuers erstickt.

    Und dann der Fleischkaiser. Als der skrupellose, schwerreiche Fleischproduzent den osteuropäischen Arbeiter mal eben tranchiert und dann, als die Polizei auf sein Grundstück kommt und ihn erwischt, auch noch vor laufender Kamera den Jugendlichen gegenüber, die bei dieser Festnahme absolut nichts zu suchen haben, die Machenschaften und Expansionspläne der Fleischmafia mal eben so offenlegt…, tut mir Leid, das war der Punkt, da bin ich aus der Geschichte ganz ausgestiegen. Auch hier entspricht das Handeln des Fleischkaisers überhaupt nicht seiner bisherigen Charakterisierung. Dieser Mann würde töten lassen und ebenso wenig seine geschäftlichen Pläne offenlegen.

    Daher nur zwei Sterne für den Plot und die anfangs wirklich interessante Geschichte.

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    Cover des Buches Das Gesicht des Drachen (ISBN: 9783734106033)

    Bewertung zu "Das Gesicht des Drachen" von Jeffery Deaver

    Das Gesicht des Drachen
    Stephan59vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Packender Plot
    Packender Plot

    Mein erster Lincoln Rhyme – Krimi, insofern kann ich mögliche Schwächen in Stil und Spannungsbogen gegenüber den vorherigen Romanen nicht beurteilen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, gerade die Menschenhandel Thematik sowie die vielen Einblicke in die chinesische (Lebens-) Philosophie und das skrupellose Agieren/Denken des Schlangenkopfs, der für die Ermittler sehr lange ein „Geist“ bleibt. Die Charaktere der Protagonisten Lincoln Rhyme und Amelia Sachs sind für mich recht überzeugend psychologisiert, auch Sony Li und natürlich der menschenverachtende Charakter des Verbrechers kommen für mich glaubhaft rüber. Gestört hat mich die Vielzahl der mit den Ermittlungen betrauten Personen verschiedener, zum Teil konkurrierende Organisationen, das war mir zu unübersichtlich. Die Analyse der Spuren und die Wendungen des Falls haben mir dagegen gut gefallen, auch wenn Deaver für mich da zum Teil etwas sehr detailverliebt rüber kam.

    Deshalb vier Sterne für den Krimi. Ich werde sicherlich noch einen der früheren Fälle lesen!

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    Cover des Buches Broken Hill (ISBN: 9783455405446)

    Bewertung zu "Broken Hill" von Nicholas Shakespeare

    Broken Hill
    Stephan59vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Was Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anrichten
    Was Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anrichten

    Die Ereignisse rund um das traditionelle Picknick der Bewohner von Broken Hill, Australien, am Neujahrstag 1915 sind Gegenstand dieser Erzählung.

    Der Alltag in dem kleinen Ort, einer Minenstadt im fernen Australien, die Träume, Wünsche, Hoffnungen ihrer Bewohner und die Lebensrealität in der kleinen Gemeinde lassen Broken Hill vor dem inneren Auge des Lesers als lebensnahe Kulisse entstehen.

    Die alltäglichen kleinen Sorgen und Nöte, aber auch der ferne Krieg in Europa mit seinen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage sowie die zunehmenden Spannungen zwischen den alteingesessenen Bewohnern und den arabischstämmigen Neubürgern, ihre unterschiedlichen Lebenswelten und die wachsende Vergiftung des Klimas durch den Krieg, werden am Beispiel dieses kleinen, verschlafenen Nests schnell deutlich.

    Und so greift der ferne Krieg direkt in den Alltag der Leute ein, werden fremdenfeindlich motivierte Nickeligkeiten zum Auslöser eines Attentats, dass die vorgeblich heile Welt des Örtchens nachhaltig Zeit zerstören wird.

    Was Fremdenfeindlichkeit, zum Teil unverhohlener Rassismus und das Nichtverstehen unterschiedlicher kultureller Hintergründe und Zwänge anrichten können, wird in dieser Erzählung plastisch geschildert.

    Ein Lehrstück ungeahnter Aktualität.

    Die zum Teil schablonenhafte Charakterisierung einzelner Personen tut der Geschichte insgesamt keinen Abbruch. Deshalb aber nur vier Sterne.

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    Cover des Buches Trutz (ISBN: 9783518468647)

    Bewertung zu "Trutz" von Christoph Hein

    Trutz
    Stephan59vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein guter Plot, leider mit kleinen Enttäuschungen
    Ein guter Plot, leider mit kleinen Enttäuschungen

    Christoph Hein schildert am Beispiel zweier Familien den denunziatorischen, in der Praxis systemimmanent menschenverachtenden Terror in der UdSSR in der Zeit des Stalinismus. Rainer Trutz muss als vom Naziregime verfolgter Autor mit seiner Lebensgefährtin in die Sowjetunion fliehen. Da er kein verfolgter Kommunist ist und seine Frau als Funktionärin einer in Nazideutschland gleichgeschalteten Gewerkschaftsorganisation religiöser Sozialisten angehört hat, werden sie nicht mit offenen Armen empfangen und müssen sich und ihren kleinen Sohn irgendwie durchbringen. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion geraten sie in die bürokratische Maschinerie des stalinistischen Gulag-Systems, die ihr weiteres Leben bestimmen wird.

    Parallel wird die Geschichte der Familie des Mathematik- und Sprachwissenschaftlers Wladimir Gejm erzählt, der sich in der Phase des kommunistischen Aufbruchs mit der Weiterentwicklung der antiken Mnemonik zur Erweiterung der menschlichen Gedächtnisfähigkeiten befasst. Beide Familiengeschichten treffen sich in o. g. Forschungsprojekt und bestimmen auch die Weiterentwicklung der beiden gleichalten Söhne der Familien.

    Die Geschichte ließ sich gut lesen, vor allem die Zeit in Deutschland und der ersten Jahre in Russland haben mich durchweg gefesselt. Im Weiteren hatte ich das Gefühl, dass der Autor sich mit der Beschreibung des Unterdrückungsapparates des stalinistischen Systems zu sehr auf unbekanntes Terrain begibt, sodass ich im letzten Drittel des Buches wirklich durchhalten musste, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte ausgehen wird.

    Allein der überraschend und urplötzlich eingebaute, gewaltsame Tod von Rainer Trutz passte für mich nicht in die Geschichtsentwicklung hinein. Eine wesentliche Figur des Buches verschwand sang- und klanglos. Zwar wurde daran die Brutalität des stalinistischen Unterdrückungsapparates deutlich, der Erzähler berief sich ja auf Widersprüche in den Akten, aber an dieser Stelle war ich das erste Mal nahe daran, aus der Geschichte auszusteigen. Dass es Wladimir Gejm dann im Weiteren nicht besser erging und sein Ableben ebenfalls mit ein paar Zeilen abgehandelt wurde, habe ich als genauso störend empfunden, aber dann schon in dieselbe Kategorie gepackt: spontanes Verschwinden eines für den Roman tragenden Protagonisten.

    Am Ende treffen sich die Söhne der beiden, Maykl Trutz und Rem Gejm als alte Männer wieder. Dieses Zusammentreffen war für mich versöhnlich, wenn auch die Lebensgeschichte ihrer beiden Familien noch einmal in Kurzform erzählt und quasi zusammengefasst wurde.

    Ein guter Plot, eine teilweise überzeugende Umsetzung, aber mit kleinen Enttäuschungen.

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    Cover des Buches Der zweite Schlaf (ISBN: 9783453424784)

    Bewertung zu "Der zweite Schlaf" von Robert Harris

    Der zweite Schlaf
    Stephan59vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: interessanter Start - schwacher Schluss
    interessanter Start - schwacher Schluss

    Die Lektüre des Romans „Der zweite Schlaf“ von Robert Harris hat mich anfangs gefesselt. Ein Priester, der durch eine mittelalterliche Welt reitet, meilenweit von London entfernt, um einen ums Leben gekommenen Kollegen zu bestatten. Wir befinden uns Jahrhunderte nach einer Katastrophe, die unsere heutige Zivilisation ausgelöscht hat, in einer Welt, die das Wissen um das Davor weitgehend verloren hat. Die Kirche hält die Menschen von jeglicher Erkenntnis dieser Vergangenheit fern und die baulichen Zeugnisse unserer Zeit, soweit sie überdauert haben, sind überwucherte Ruinen, Artefakte, deren Bedeutung verloren gegangen ist.

    Der Priester bleibt länger in dem kleinen Dorf als er beabsichtigt hat, kommt in Kontakt mit dem verbotenen, häretischen Wissen und sieht sich mit einem tiefen Glaubenskonflikt und seinem Hingezogen Sein zu einer verwitweten Frau konfrontiert. So weit, so gut.

    Schließlich gibt es eine Expedition, die sich aufmacht mit Grabungen der Vergangenheit und dem verlorenen Wissen auf die Spur zu kommen. Dann aber wird die bis dahin in epischer Breite dargestellte Geschichte zu einem erzählerischen, hin zu einem Ende, das mich unzufrieden zurückließ. Ich will nicht zu viel verraten, aber das letzte Drittel des Romans wird den tollen Plot nicht gerecht. Schade

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    Cover des Buches Mitternacht in Tschernobyl (ISBN: 9783100025388)

    Bewertung zu "Mitternacht in Tschernobyl" von Adam Higginbotham

    Mitternacht in Tschernobyl
    Stephan59vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: fundiert und bewegend
    fundiert und bewegend - unbedingt lesenswert!

    Higginbbotham legt mit diesem umfassenden, gut aufgearbeiteten und informativen Buch mehr als nur eine fundierte Dokumentation der Atomkatastrophe von Tschernobyl und den Vorgängen rund um den Bau des Kernkraftwerks und die Stadt Pripjat vor. Allein die sauber recherchierte Vorgeschichte in der UdSSR, aber auch in der europäischen und US-amerikanischen Atomindustrie lohnt schon eine Lektüre des Buches. Blinder Fortschrittsglaube, die katastrophalen Auswirkungen des atomaren Desasters für die Einsatzkräfte vor Ort und die Bevölkerung, die Spätfolgen des atomaren Wahnsinns spiegeln sich in Fakten, Einzelschicksalen und in kaum fassbaren realen Zahlen wieder. Unbedingt lesenswert!

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    Cover des Buches All das zu verlieren (ISBN: 9783630875538)

    Bewertung zu "All das zu verlieren" von Leïla Slimani

    All das zu verlieren
    Stephan59vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: überzeugende Psychologisierung der Protagonistin - andere Figuren bleiben leider schwach
    überzeugende Psychologisierung der Protagonistin - andere Figuren bleiben schwach

    Auf eine Empfehlung hin habe ich mir den zweiten Roman der Preisträgerin des honorigen Prix Goncourt („Dann schlaf auch du“, 2017, frz. Original „Dans le jardin“, 2016) gekauft und war hin und hergerissen. Die Geschichte von Adèle, die ein zerstörerisches Doppelleben führt, und ihrem eher blassen, soliden Ehemann Richard, hielt mich über weite Strecken gefangen.


    Adèle, die nur in immer neuen sexuellen Abenteuern mit immer neuen Männern sich selbst spüren kann, sich zugleich dafür verachtet und immer tiefer abrutscht in die typischen Verhaltensweisen einer Suchtkranken, wird am Ende mit all ihren Versuchen, doch noch einen Weg in die äußerliche Normalität einer langweiligen Existenz, dem von ihrem Mann kontrollierten Landleben zu finden, scheitern. Sie geht den Weg der Selbstzerstörung wohl bis zum unwiderruflichen Ende, wie man am Schluss des Buches, angesichts ihres tief destruktiven Rückfalls, vermuten darf.


    Die Geschichte dieser Frau ist verstörend und am Ende doch zu offensichtlich, gerade die Szenen ihrer sexuellen, destruktiven Fantasien und Erlebnisse haben mich literarisch nicht überzeugt. Zu augenscheinlich werden hier für mich männliche Klischees einer Femme fatal bedient. Da hätte ich eine mehr weibliche Sicht erwartet. Richard, ihr Ehemann, der Adèls Doppelleben aufdeckt und es nicht schafft, sich als Co-Abhängiger von ihr zu trennen, um die zerstörerische Abwärtsspirale von Adèls Suchtkarriere zu stoppen und sie in die Verantwortung zu nehmen, bleibt seltsam blass, eine Randfigur, die außer einem Wutausbruch, dem angerissenen Hassimpuls auf Adèle und der Flucht aus Paris aufs Land, über keine spezifischen Charakterisierungen verfügt.


    Darum nur drei Sterne für den in der Psychologisierung der weiblichen Protagonistin überzeugenden Roman.

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    Cover des Buches Yo (ISBN: 9783947865109)

    Bewertung zu "Yo" von Alex J. Nitrak

    Yo
    Stephan59vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eine fantasievolle und magische Welt!
    Eine fantasievolle und magische Welt!

    Pardalis ist eine wahrhaft magische Welt. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Fantasy-Romanen, oft sind mir der dargestellte Rahmen der Handlung und die Erlebnisse zu weit hergeholt. Hier war das alles einmal anders.

    Yo, die unverhofft in diese fremde Welt eintaucht und zudem als Retterin wider Willen vor der zerstörerischen Bedrohung dieses fantastischen Kosmos agieren muss, begibt sich auf eine Reise in eine Welt voller Wunder, bevölkert von fremdartigen Wesen, in der die Protagonistin Kraft und Mut, aber auch Selbstzweifel und Verlust durchleben muss. Yo muss viele Abenteuer bestehen, wird mit Liebe und Verrat, Kameradschaft und Tod konfrontiert, bis sie am Ende der zerstörerischen Omieda selbst gegenüberstehen wird, gerüstet, aber doch gescheitert? Verwundet, aber doch gereift.

    Ein wundervolles Buch, das ich gerne gelesen habe.

    Lesenswert!

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    Cover des Buches Mörderisches Lavandou (ISBN: 9783548291260)

    Bewertung zu "Mörderisches Lavandou" von Remy Eyssen

    Mörderisches Lavandou
    Stephan59vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: enttäuschend
    enttäuschend

    Ich habe mich über die vielen positiven Rezensionen doch sehr gewundert, aber vielleicht bin ich auch zu kritisch. Es war zwar spannend zu lesen, die Provence und die verschiedenen Charaktere kennenzulernen, aber so wie der Polizeichef in seinem Charakter für mich zu farbloc und oberflächlich blieb, sowenig konnte ich den zur Schau gestellten Grausamkeiten abgewinnen. Diese standen für mich in keinem Verhältnis zu den Ernmittlungen, noch hat sich mir erschlossen  -  ohne nun zuviel zu verraten -, wie die letztendliche Lösung des Falles, also der Ursprung der Morde als Motivation dazu ausreichen sollte. Tut mir Leid, aber ich konnte nicht viel Gutes daran finden.

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    Cover des Buches Stella (ISBN: 9783446259935)

    Bewertung zu "Stella" von Takis Würger

    Stella
    Stephan59vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Empathie kam nicht auf
    Empathie kam nicht auf

    Viel ist über dieses Buch geredet, in den Feuilletons geschrieben worden, auch über das Vorgehen des Verlags, daraus unbedingt einen Bestseller zu machen. Daran will ich mich nicht beteiligen, sondern nur darüber etwas schreiben, wie der Roman auf mich gewirkt, was ich dabei gedacht und empfunden habe. Ich bin mit den Hauptfiguren zu keinem Zeitpunkt wirklich warm geworden. Ist es Würgers Schreibstil oder seine bewusste Vermeidung von Emotionalität? Stella, die ja explizit die historische Figur der Stella Goldschlag verkörpert, wie Fritz, ihr Schweizer Geliebter, kommen mir nicht nah. Die unvorstellbaren Leiden der jüdischen Bevölkerung, ihre Verfolgung bis zur Ausrottung, Stellas eigens Handeln, um ihre Eltern vor dem Tod zu retten, wie ihr individuelles Scheitern, werden in der Figur der Stella nicht sichtbar. Der SS-Nazi Tristan, die weiteren Akteure, Claqueure und Nazi-Chargen bis hin zu den Soldaten der SS-Panzerdivision Wiking, ich habe das Buch gern gelesen, so ist es nicht, aber all diese Personen bleiben Staffage, seltsam hohl, Theaterdekoration.

    Die jedem Kapitel mit einem der Nazi-Gebote des Josef Goebbels vorangestellten, geschichtlichen Ereignisse, die aus einer Fülle der Kriegstage und Monate zusammengestellt und ausgewählt sind, geben zumindest einen gewissen historisch greifbaren Rahmen ab. Aber die Zitate aus den Gerichtsakten, die Stellas Tätigkeit als „Greifer“ deutlich machen, sie stehen seltsam leer und unverbunden im Raum.

    Selbst der Bombenterror der alliierten Luftangriffe auf Berliner Wohnviertel löst in der literarischen Verarbeitung bei mir keinen doch zu erwartenden Schock aus.

    Ein Verdienst Würgers ist es, Stella Goldschlag und damit Not und Elend der Juden unter der Nazi-Verfolgung im Berlin der 30er und 40er Jahre erneut ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt zu haben.

    Ich finde, der Autor hat hier aber eine große Chance vertan und bei dem ausgesprochen heiklen Thema, der literarischen Darstellung einer Originalgestalt der Zeitgeschichte, die als verfolgte Jüdin in Berlin andere Juden den Nazi-Schergen auslieferte, versagt.

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