Svenjas_BookChallenges

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    Cover des Buches Die Frau ohne Namen (ISBN: 9783499001444)

    Bewertung zu "Die Frau ohne Namen" von Greer Hendricks

    Die Frau ohne Namen
    Svenjas_BookChallengesvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Pekkanen und Hendricks sind einfach der Hammer - was für ein schockierender Thriller und ein echter Pageturner von vorne bis hinten!
    Was für ein packender Pageturner!

    So gefällt mir das Cover

    Das Cover gefällt mir sehr gut - nicht nur aufgrund der leicht bedrohlichen Farbgebung, sondern auch, weil es ein Gefühl von Unwohlsein bzw. Unbehagen hervorruft. Es wirkt mysteriös und auf unterschwellige Weise bedrohlich, was hervorragend zur Handlung passt.

    Meine Meinung

    Schon der Debütroman des Autorenduos Pekkanen und Hendricks, erschienen als "The Wife Between Us" (wurde unter dem Titel "Die Wahrheit über ihn" neu aufgelegt), hat mich absolut begeistert. Ins Thriller-Genre bringen diese beiden Autorinnen frischen Wind und setzen auch in ihrem neuen Roman "Die Frau ohne Namen" auf rasante Perspektivwechsel, um Spannung zu erzeugen und Unbehagen zu schüren. Und das funktioniert auch bei dieser Story unheimlich gut. Warum ist das so?

    Die Hauptfigur des Roman ist die 28-jährige Jess - oberflächlich betrachtet eigentlich ein ziemliches Durchschnitts-Mädchen, mit dem zumindest ich mich gut identifizieren konnte. Jess lebt in New York, hetzt als Kosmetikerin Tag für Tag durch die ganze Stadt, trifft sich am Abend mit ihrer besten Freundin Lizzie und setzt eher auf One-Night-Stands als auf feste Beziehungen. Wie gesagt - auf den ersten Blick scheint an ihr nichts ungewöhnlich oder besonders zu sein und das sieht sie selbst mit Sicherheit genauso. Aber... dann kommt das große Aber. Jess entscheidet sich relativ spontan dazu, an einer psychologischen Studie teilzunehmen, die mit 500 Dollar honoriert wird - leicht verdientes Geld, mit dem sie ihre Familie unterstützen kann. An einem Wochenende soll sie auf einem Computer einfach einige Fragen zum Thema Moral beantworten und das wars. So weit, so harmlos. Doch damit fängt das Grauen erst an.

    Es bleibt nämlich nicht bei einem simplen Fragebogen - vielmehr findet Dr. Shields, die Psychologin, die die Studie durchfährt, aus irgendeinem Grund Gefallen an Jess. Sie sieht in ihr genau die Frau, die sie für undurchsichtiges Vorhaben braucht. Und so lädt sie Jess zu persönlichen Sitzungen ein, in deren Verlauf sie das Innerste ihrer Testperson komplett nach außen kehrt, und gibt ihr merkwürdige Aufgaben, die nicht nur Jess, sondern auch dem Leser zunehmend dubioser erscheinen. Dr. Shields spinnt ein Netz um die junge Frau (und auch um den Leser), aus dem man sich am Ende kaum mehr herauswinden kann...

    Ein absolut spannender Plot, der vor allem dadurch befeuert wird, dass die Kapitel abwechselnd aus Jess´ und aus Dr. Shields Sicht geschrieben sind. Während man in Jess´ Passagen zunehmend die Verwirrtheit und das wachsende Unbehagen der Protagonistin spürt, sind Dr. Shields Kapitel durch den Wechsel der Erzählperspektive regelrecht beängstigend und beklemmend. Dr. Shields spricht nicht von sich in der ersten Person und sie spricht Jess in ihren Schilderungen direkt an, auch wenn sie über sie spricht. Ganz so, als würde sie hinter einem Baum lauern und wie ein irrer Stalker mit sich selbst über ihr Opfer sprechen. Das ist dermaßen gruselig, dass man ganz unwillkürlich eine Gänsehaut bekommt.

    Und genau das zeichnet auch den zweiten Roman aus der Feder von Pekkanen und Hendricks aus - die meisterhafte Art, auf subtile Weise Spannung zu erzeugen, eine beklemmende Atmosphäre des Unwohlseins zu erschaffen und den Leser an seine Grenzen zu bringen. Wie schon bei "The Wife Between Us" kann man zwar bereits ab circa der Hälfte des Buches zwischen den Zeilen herauslesen, worum es Dr. Shields mit ihrer Studie tatsächlich geht und zumindest auch erahnen, wie weit sie für ihre Forschung gehen würde - das tut aber weder der Spannung noch der Handlung Abbruch. Denn die Autorinnen setzen auf eine eher ruhige und dafür subtil bedrohliche Erzählweise, bauen geschickt Plot Twists ein und lassen den Leser die Hilflosigkeit der Protagonistin Jess buchstäblich am eigenen Leib spüren. In dem Moment, in dem Dr. Shields die Kontrolle über sich selbst verliert und dabei auch zu viel von sich preisgibt (dem Leser und Jess), wird einem klar, dass es gar nichts bringt, ihr Geheimnis zu kennen. Entkommen muss man ihr. Und das, so stellt sich bald heraus, ist alles andere als einfach.

    Ich bin also aufs Neue begeistert von Pekkanens und Hendricks Erzählweise und von ihrem meisterhaften Stil. Kaum ein anderer Thriller hat mich emotional so aufgewühlt und allein durch die vielen Psychospielchen und den impliziten Horror dermaßen in Atem gehalten wie zuvor "The Wife Between Us" und jetzt "Die Frau ohne Namen". Für mich gibt es, wie auch schon bei seinem Vorgänger, nur einen Schwachpunkt: Das Ende. Irgendwie wird das Ende dem nervenzerreißenden Hin und Her und der sensationell schaurigen Atmosphäre der vorhergehenden 400 Seiten nicht gerecht. Gerade am Ende flacht der Spannungsbogen etwas ab und die Auflösung kann es nicht aufnehmen mit den genialen Plot Twists in der Mitte. Was den Roman aber letztlich nicht weniger spannend macht.

    Mein Fazit

    Aufs Neue haben mich Hendricks und Pekkanen mit diesem grandios subtilen Thriller, der so meisterhaft inszeniert und emotional aufwühlend ist, absolut begeistert. Dr. Shields hat mich stellenweise wirklich das Fürchten gelehrt und mich sogar bis in meine Träume verfolgt. "Die Frau ohne Namen" ist ein packender Pageturner, der zwar in einem für mich etwas schwachen Ende gipfelt, einen aber trotzdem bis zur letzten Seite in Atem hält. So schnell werde ich dieses Buch sicher nicht vergessen!

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    Cover des Buches Der Store (ISBN: 9783453272309)

    Bewertung zu "Der Store" von Rob Hart

    Der Store
    Svenjas_BookChallengesvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein meisterhaftes Zukunftsszenario mit erschreckenden Ideen - aber leider mit halbgarem Plot und allzu beliebigen Charakteren.
    Eine spannende Zukunftsvision - und fast schon ein Meisterwerk, aber nur fast...

    So gefällt mir das Cover

    Das Cover hat mich erst so richtig aufmerksam gemacht auf den Debütroman des US-amerikanischen Schriftstellers Robb Hart. Ich mag das schlichte und doch so aussagekräftige Design im Papp-Look unheimlich gerne und finde auch das Spiel mit dem Strichcode auf dem Deckel wahnsinnig gelungen. Ein richtig tolles und vor allem einmal originelles Cover-Design!

    Meine Meinung

    Man stelle sich eine Zukunft vor, in der...

    • Arbeiten gleichzeitig Privileg und einziger Lebensinhalt ist
    • man praktisch an seinem Arbeitsplatz wohnt, lebt, isst, schläft usw.
    • man sowohl auf Arbeit als auch in seiner Freizeit auf Schritt und Tritt von seinem Arbeitgeber überwacht wird
    • man Tag und Nacht ackert, um sein Leistungs-Rating zu halten, damit einem das Gehalt nicht gekürzt oder man gar gekündigt wird
    • man weit davon entfernt ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen

    ... willkommen bei "Der Store"!

    Hauptschauplatz und mit Sicherheit einer der gruseligsten Arbeitgeber der Literatur- und Menschheitsgeschichte ist in Robb Harts Roman der fiktive Weltkonzern Cloud - ein weltweit agierender Versandhändler, für den ohne Frage ein uns allen bestens bekannter Onlineshop Pate stand. Als Leser begleiten wir die beiden ganz unterschiedlichen Figuren Zinnia und Paxton auf ihrem Werdegang bei Cloud: Vom sehr unpersönlichen Vorstellungsgespräch über den Einzug in die firmeneigene Einzimmer-Wohnung auf dem Betriebsgelände (der sogenannten Mother-Cloud) bis hin zu ihrem eintönigen und irgendwie auch sinnlosen Arbeitsalltag. Und schnell wird einem klar: Cloud besitzt in dieser Zukunftsvision einfach alles und jeden. 

    Ein Armband, das nicht nur als Türöffner, Stechuhr und Schichtleiter fungiert, sondern auch jeden noch so kleinen Schritt seines Trägers aufzeichnet. Ein Gesundheitssystem, das eigentlich keines ist, weil man jeden Besuch bei einem Arzt oder gar im firmeneigenen Krankenhaus teuer bezahlen muss und obendrein Lohnkürzungen hinnehmen muss, wenn man länger ausfällt. Ein Arbeitsumfeld, in dem man jegliche Identität und jegliche Befähigung zum eigenständigen Denken an der Eingangstür zur Mother-Cloud abgibt. Ein System, in dem man als Arbeitnehmer zu funktionieren hat und eigentlich nicht viel mehr ist als ein mittelmäßig bezahlter Lohnsklave. Ja, der Lebens- und Arbeitsalltag in Robb Harts Roman kann einen schon ziemlich erschrecken und führt einem gleichzeitig vor Augen, wie gut wir es aktuell eigentlich haben. Zumindest im Vergleich zu dem, was da noch kommen könnte.

    Kurzum: Robb Harts Cloud ist eine perfide Diktatur der besonderen Art. Aber warum lassen die Angestellten das eigentlich alles mit sich machen? Harts Antwort darauf: Weil sie keine andere Wahl haben. "Der Store" spielt in einer Zukunft, in der die Klimaerwärmung harte Realität geworden ist. Viele Regionen der Erde sind mittlerweile unbewohnbar und mussten aufgegeben werden. Die Folge: Ganze Städte sind verlassen, Unternehmen pleite, die Menschen arbeitslos. In Clouds klimatisierten Mother-Clouds lässt es sich hingegen sicher, angenehm und sorgenfrei leben - vorausgesetzt natürlich, man gibt seine Identität nach dem Einstellungstest ab. Denn Cloud ist ein vollkommen autarker Überwachungsstaat, der seine Mitarbeiter abhängig macht und von dieser Abhängigkeit profitiert. 

    Bei diesem gewaltigen Setting und dem absolut ausgeklügelten, einmal auf ganz andere Weise düsteren Zukunftsszenario ist der eigentliche Plot des Romans eigentlich zweitranging. Denn als Leser wird man vor allem getrieben von einer absurden Faszination für ein unvorstellbares Arbeitsumfeld, das leicht unsere eigene Zukunft sein könnte, und von Harts erschreckend detailreichen Beschreibungen eines Unternehmenskonzepts, das prinzipiell nichts anderes ist als moderne Sklaverei - natürlich immer unter dem Deckmantel des Wohltäters, der seine Schäfchen im Trockenen beziehungsweise in diesem Fall im Klimatisierten hält. 

    Mir gefällt Robb Harts explizite Gesellschaftskritik ausgesprochen gut und ich liebe seine Ideen, die so grotesk und überspitzt wie leider nur allzu vorstellbar sind. Trotzdem empfinde ich "Der Store" auch irgendwie als halbgar und in gewisser Weise unfertig. Als eher dokumentarische Dystopie ohne Protagonisten und eigentlich auch ohne Handlung hätte mir das Buch tatsächlich richtig gut gefallen - vor allem, weil das wirklich einmal etwas komplett anderes gewesen wäre. Die Geschichte aber, die Hart um Zinnia und Paxton und eine eher halbherzig eingeworfene Widerstandsbewegung spinnt, wirkt an vielen Stellen schlicht erzwungen und undurchdacht. 

    Den Figuren fehlt es an Tiefe, über die Motive der handelnden Charaktere erfährt man wenig bis gar nichts und Logikfehler werden mehr oder weniger gekonnt links liegen gelassen. Ein Beispiel: Wenn Cloud quasi der einzige ernstzunehmende Arbeitgeber ist (und das muss ja so sein, sonst würden die Mitarbeiter ja einfach gehen und sich woanders Arbeit suchen), an wen werden dann überhaupt die abertausenden Pakete verschickt, die sozusagen stündlich die Mother-Cloud verlassen, in der Paxton und Zinnia arbeiten? An andere Mother-Clouds? Das ergibt ja nur schwerlich Sinn. Prinzipiell ist Harts Zukunftsvision auf jeden Fall plausibler und realistischer als die meisten anderen Dystopien - sicher wird in der Zukunft eher ein Großkonzern die Weltherrschaft übernehmen als ein einzelner Mensch oder eine Partei. Harts Detailreichtum bleibt jedoch leider an der Oberfläche und umschifft Ecken und Kanten, bei denen man hätte in die Tiefe gehen müssen, um das Ganze erst so richtig greifbar zu machen. Vielleicht achte ich als Leser auch einfach zu sehr auf Details, auf das Ungesagte und stolpere dann über all die Dinge, die unerwähnt bleiben. Aber gerade die hätten "Der Store", glaube ich, zum Meisterwerk gemacht.

    Mein Fazit

    Robb Hart spielt in seinem Roman "Der Store" meisterhaft mit der Faszination des Lesers für das Unvorstellbare. Seite um Seite schaut man hin und verliert sich in dieser gruseligen Welt des Überwachens. Einige Details haben mich an Klassiker wie "1984" von George Orwell erinnert und mir gefällt Robb Harts gesellschaftskritischer und überspitzter Ton außerordentlich gut. Ich für meinen Teil hätte die eher halbgare Story um die beiden Protagonisten Zinnia und Paxton, die in einem wenig spektakulären und für mich unbefriedigenden Ende gipfelt, nicht gebraucht. Dieser Roman punktet für mich mit seinem grandiosen Setting und Harts großartigen Ideen - er verliert aber durch fehlende Tiefe und einen Plot, der mit der Genialität des Schauplatzes einfach nicht mithalten kann. Großen Spaß hat mir das Lesen aber trotzdem gemacht und gerade wer sich für Dystopien und realistische Zukunftsvisionen interessiert, sollte dieses Buch unbedingt zur Hand nehmen.

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    Cover des Buches Influence – Fehler im System (ISBN: 9783423230117)

    Bewertung zu "Influence – Fehler im System" von Christian Linker

    Influence – Fehler im System
    Svenjas_BookChallengesvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein spannendes Szenario - leider aber ziemlich Hollywood-like, was ohne Special Effects und dergleichen kaum funktioniert.
    Spannendes Szenario - leider mit ziemlich müdem Plot

    So gefällt mir das Cover

    Das Cover gefällt mir richtig gut, weil es einerseits eher schlicht gehalten ist und andererseits das Thema des Thrillers hervorragend aufgreift. Genau aus diesem Grund ist es mir beim Stöbern förmlich ins Gesicht gesprungen.

    Meine Meinung

    Man stelle sich vor, das Internet würde weltweit zusammenbrechen und wir alle wären für unbestimmte Zeit offline. Was erst einmal nach einer gesunden Auszeit von Social Media und Co. klingt, kann schnell verheerende Folgen haben: Bankautomaten funktionieren nicht mehr, Sicherheitssysteme versagen, die Polizei ist heillos überfordert, die Menschen brechen in Panik aus - das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. In seinem neuen Roman beschäftigt sich Christian Linker genau damit: Was passiert, wenn wir plötzlich alle offline sind? Dieses Thema, ein absolut brandaktuelles und super spannendes Gedankenspiel, hat mich an diesem Buch besonders gereizt. Und was Christian Linker uns zeigt, kann einem wirklich Angst machen.

    Anarchie, Kriminalität, eine abwesende Polizei und ein Land im puren Chaos - in diesem Szenario findet sich Linkers Protagonist Amir wieder, als er eines Morgens aufsteht und sich auf den Weg nach Köln macht, um sich dort mit dem Netzaktivisten Habakuk zu treffen. Gemeinsam wollen sie hochbrisante Informationen über eine der mächtigsten Firmen der Welt leaken. Doch dazu kommt es erst gar nicht - dank des Zusammenbruchs des Internets, der sogenannten Cyberkalypse, sind die Daten auf dem Speicherchip, der Amir von einem Whistleblower übergeben wurde, plötzlich vollkommen wertlos. Oder vielleicht auch doch nicht, denn als Amir und Habakuk sich in all dem Chaos endlich treffen, werden sie unvermittelt von zwei Verfolgern attackiert, die anscheinend bis zum Äußersten gehen würden, um den Speicherchip in ihren Besitz zu bringen.

    So viel zum Ausgangspunkt der Geschichte - ein absolut vielversprechendes Szenario, das mich neugierig gemacht hat. Allerdings offenbart sich recht schnell ein großer Schwachpunkt der Handlung. In einer anderen Rezension habe ich gelesen, dass "Influence" ziemlich Hollywood-like daherkommt. Und das stimmt absolut: Der Plot scheint einem durchschnittlichen Action-Blockbuster entsprungen zu sein - von wilden Verfolgungsjagden und Schießereien über dubiose Machenschaften großer Firmen bis hin zum arglosen Protagonisten-Pärchen, die gar nicht wissen, weshalb sie in die ganze Sache hineingeraten sind, aber sich trotzdem recht schnell in ihr Schicksal fügen und zu Weltrettern avancieren. Das Problem ist: Auf der Leinwand mag ein solch eher halbgarer Plot funktionieren. In einem Buch aber fehlen uns die großartigen Special Effects, der infernalische Soundtrack und auch der heiße Hauptdarsteller, der allein uns vielleicht schon 2 Stunden lang bei der Stange hält. Und der nackte Plot allein konnte zumindest mich nicht überzeugen.

    Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind da die beiden Protagonisten Amir und Habakuk, mit denen ich mich anfangs wirklich schwer getan habe. Man erfährt sehr wenig über die zwei, weil die Verfolgungsjagd eigentlich direkt los geht und man fortan nur noch, ganz wie Amir und Habakuk durch Köln und die Eifel, durch die Seiten hetzt. Emotional hat mich einfach nichts an die zwei gebunden. Das allein macht es einem natürlich schon schwer, der Handlung gespannt zu folgen. Noch problematischer fand ich allerdings das ganze Szenario, das Linker in seinem Roman konstruiert. 

    Was wir aktuell in Deutschland und überhaupt überall auf der Welt erleben, ist ein absoluter Ausnahmezustand. Das Internet steht uns zwar nach wie vor zur Verfügung (Gott sei Dank), aber aufgrund der Corona-Pandemie ist das öffentliche Leben in vielen Ländern beinahe komplett zum Erliegen gekommen und die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften enorm sein. Wenn man aus dem Fenster schaut und dann wieder die Nase in Linkers Buch steckt, fällt es einem extrem schwer zu glauben, dass nur ein Tag ohne Internet die Menschen in wilde Tiere verwandelt. Auszuschließen ist es natürlich nicht - im direkten Vergleich zu unserer aktuellen Situation wirken jedoch viele Aspekte in "Influence" einfach überzogen und weit, weit hergeholt. Wir haben da selbst ernannte Bürgerwehren, die nicht nur wahllos Leute drangsalieren, sondern wenn nötig auch foltern. Die Versorgung mit Benzin, Lebensmitteln und sonstigen Konsumgütern ist bereits nach einem einzigen internetlosen Tag nahezu komplett zusammengebrochen. Der dritte Weltkrieg klopft bereits ans Eingangstor. Wie gesagt: Ein mögliches Szenario fü die Cyberkalypse wäre das vielleicht, wenn wir uns anschauen, in wie vielen Bereichen des täglichen Lebens wir abhängig vom Internet sind. Aber irgendwie glaube ich dann doch nicht, dass wir die ganze Zivilisation im Falle eines Netzausfalls nach wenigen Stunden komplett über Bord werfen und gnadenlos in Anarchie versinken.

    Die Handlung wird außerdem zunehmend absurder - hier wird geballert, dort werden GPS-Sender angebracht und am Ende erfährt der Leser alles und nichts über den Netzausfall und die Daten, die Amir und Habakuk zu Beginn eigentlich leaken wollten. Obwohl es durchaus interessante Punkte an dieser Geschichte gibt (zum Beispiel eben die Abhängigkeit vom Internet, die uns heutzutage vermutlich nicht einmal bewusst ist), ist mir das alles zu abgedreht und zu weit hergeholt. Da habe ich auf jeden Fall schon deutlich plausiblere Weltuntergangsszenarien gelesen.

    Mein Fazit

    "Influence" startet mit einem interessanten Szenario - was wäre eigentlich, wenn das Internet plötzlich weltweit zusammenbricht? Was Christian Linker daraus macht, hat mich allerdings letztlich nicht überzeugt. Wenig von dem, was er beschreibt, ist plausibel, die Handlung selbst wirkt zu großen Teil völlig an den Haaren herbeigezogen und die Protagonisten liefern sich zwar eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit skrupellosen Killern, tragen aber sonst wenig zur Handlung bei. 

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    Cover des Buches Das Geschenk (ISBN: 9783426281543)

    Bewertung zu "Das Geschenk" von Sebastian Fitzek

    Das Geschenk
    Svenjas_BookChallengesvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Trotz spannender Grundthematik insgesamt ein eher schwacher Plot und mir persönlich zu viele Gewalt-Exzesse auf voyeuristischem Niveau.
    Für mich der bisher schwächste Fitzek

    So gefällt mir das Cover

    Das Cover ist in jedem Fall aufmerksamkeitsstark, was ja im Prinzip auf alle Cover zu Fitzek-Romanen zutrifft. Mir gefällt es auch um einiges besser als die Cover zu seinen vorhergehenden Werken, weil es zumindest etwas weniger plakativ ist.

    Meine Meinung

    Bekannterweise bin ich zwar nicht unbedingt der größte Thriller-Leser, dafür aber ein großer Fan von Fitzeks Büchern. Allerdings muss ich sagen, dass mich diese seit "Das Paket" nicht mehr so richtig umhauen können. Zuletzt hatte mich "Der Insasse" sogar regelrecht enttäuscht. Und bevor ich in meiner Rezension zu seinem neuesten Thriller "Das Geschenk" in die Tiefe gehe - auch dieses Buch hat mich leider absolut nicht überzeugt. Ich muss euch außerdem vorwarnen: Es ist schon ein paar Monate her, dass ich den Thriller gelesen habe und da mir nicht besonders viele Details der Handlung im Gedächtnis geblieben sind (das allein sagt vermutlich bereits einiges aus), konzentriere ich mich in dieser Rezension auf meine Gefühle und Gedanken zu dieser Geschichte.

    Ich starte zunächst einmal mit dem Positiven: Das Hauptthema, das Fitzek für seinen neuen Thriller gewählt hat, nämlich der Analphabetismus, ist nicht nur ein spannendes Thema, worüber man leider viel zu wenig liest, sondern auch ein sehr wichtiges, ein brandaktuelles und eines, das Fitzek in seinem Roman auf absolut authentische und glaubhafte Weise aufgreift. Auf der Frankfurter Buchmesse 2019 erzählte Sebastian Fitzek in einem Interview, dass ihm das Thema, seit er sich näher damit beschäftigt hat, persönlich sehr am Herzen liegt - dass er auf das Problem Analphabetismus in Deutschland aufmerksam machen möchte und dass er für seinen Roman "Das Geschenk" auf Expertenhilfe und Berichte von Betroffenen zurückgegriffen hat, um realitätsnah widerzuspiegeln, was Analphabetismus für Betroffene im Alltag bedeutet. Und das merkt man beim Lesen absolut: Das, was Fitzeks Protagonist Milan Berg im Alltag erlebt, was er fühlt und tagtäglich durchmacht, erscheint zwar auf den ersten Blick beinahe zu drastisch, aber dadurch nicht weniger realistisch. 

    Abgesehen davon, dass Analphabetismus definitiv ein Thema ist, auf welches in der Literatur verstärkt aufmerksam gemacht werden sollte, schafft es außerdem eine spannende und absolut ungewöhnliche Ausgangssituation für einen Thriller. Wir haben Milan Berg, der seit Jahren jede Tag aufs neue seinen Alltag organisieren muss, ohne dabei zu viele Personen in seinem Umfeld einzuweihen. Und genau dieser Milan Berg wird vermeintlich Zeuge einer Entführung - nur kann er leider den Zettel nicht lesen, den ein verängstigtes Mädchen in einem Auto an das Fenster presst. 

    Hauptthema und Ausgangssituation schaffen also eigentlich eine hervorragende Grundlage für einen ebenso fesselnden wie tiefgründigen und gesellschaftskritischen Thriller. Leider setzt sich die Handlung nach dem Anfang in meinen Augen extrem abgeflacht fort. Natürlich bleibt man am Ball, weil man der Spurensuche nach dem verschwundenen Mädchen ganz automatisch folgt. Allerdings wirkt der Spannungsbogen an einigen Stellen regelrecht überspannt und auf die Spitze getrieben - und das Ganze steuert in eine Richtung, die man zumindest erahnen kann. Natürlich nicht bis ins kleinste Detail, aber wenn sich am Ende alles aufklärt, ist man nicht überrascht oder schockiert, sondern eher ernüchtert, weil es einfach wieder haargenau Fitzeks Ding ist. Zumindest ging es mir so. Und einmal mehr hatte ich das Gefühl, dass Fitzek sich nicht mehr mit jedem Thriller neu erfindert, sondern auf ein begrenztes Repertoire an Motiven und Plot Twists zurückgreift und damit seinem in früheren Thrillern ausgearbeiteten Schema treu bleibt.

    Außerdem hat mich an "Das Geschenk" ein wesentlicher Punkt extrem gestört: Die nicht mehr nur explizite, sondern an vielen Stellen überzogene und voyeuristische Darstellung von Gewalt. Klar - wer Fitzeks Bücher liest, sollte generell nicht gerade zart besaitet sein. Aber in "Das Geschenk" wird der Gewalt-Exzess einfach auf die Spitze getrieben. Und mir zumindest macht diese Zurschaustellung absolut keinen Spaß mehr. Zumal ich einfach an vielen Stellen das Gefühl hatte, dass die extreme Gewalt in keiner Weise der Handlung dienlich ist, sondern vielmehr eingebaut wurde, um Schwächen im Plot zu kaschieren und den Leser bei der Stange zu halten. Bei mir hat das allerdings mitnichten funktioniert - ich war eher abgeschreckt und angeekelt. Und das obwohl ich absolut nicht zimperlich bin und als Horrorfilm-Fan einiges vertrage. Sinnloses Gemetzel und Aufeinander-Ein-Gedresche finde ich aber auch in Filmen einfach nur widerlich und unnötig. Und ganz genauso ging es mir mit vielen Sequenzen in "Das Geschenk".  

    Mein Fazit

    "Das Geschenk" ist ganz klar der Thriller aus der Feder von Sebastian Fitzek, der mir bisher am wenigsten gefallen hat. Fitzek hält sich, wie auch schon in den Büchern davor, einfach zu sehr an ein starres Schema, um noch zu überraschen. Womit sich "Das Geschenk" für mich aber vor allem ins Aus geschossen hat, ist der übertriebene Gewalt-Exzess, wie er in zu vielen Szenen zur Schau gestellt und beinahe zelebriert wird. Für mich hat das rein gar nichts zur Handlung beigetragen, sondern sie eher noch abgewertet. Und da ich mit dieser voyeuristischen Zurschaustellung von Gewalt einfach gar nichts anfangen kann, hoffe ich sehr stark, dass Fitzeks nächste Bücher wieder davon abrücken. Ansonsten werde ich, und da bin ich ganz ehrlich, kein Vergnügen mehr an seinen Thrillern haben.

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    Cover des Buches Das Schmetterlingszimmer (ISBN: 9783442485819)

    Bewertung zu "Das Schmetterlingszimmer" von Lucinda Riley

    Das Schmetterlingszimmer
    Svenjas_BookChallengesvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Hier ist leider wenig zu Ende gedacht: Platte Figuren, ein wenig durchdachter Plot und auch Stimmung will nicht so richtig aufkommen. Schade
    Im Vergleich leider ein sehr schwacher Riley

    So gefällt mir das Cover

    Das Cover ist typisch Lucinda Riley, passt aber natürlich ganz hervorragend zu der Geschichte - auch wenn ich mir Admiral House mit dem verwunschenen Türmchen und dem prächtigen Garten doch etwas anders vorstelle. Natürlich sind die Motive auf dem Cover außerdem längst nicht neu: Zwischen all den anderen Covern mit Blumenranken, Schmetterlingen und Herrenhäusern wird sich dieses hier nur schwer abheben.

    Meine Meinung

    Wie ihr wisst, bin ich ein großer Fan von Lucinda Rileys Romanen - vor allem ihre "Sieben Schwestern"-Reihe, von welcher dem Turnus nach dieses Jahr der siebte und damit letzte Band erscheinen sollte, hat es mir angetan. Aber auch die Einteiler aus der Feder der britischen Bestsellerautorin haben eigentlich immer ihren Reiz und punkten durchweg mit einem phänomenalen Setting, dunklen Familiengeheimnissen, der gewissen Portion Romantik und spannenden Plot-Twists. Umso mehr habe ich mich auf Rileys neuen Roman "Das Schmetterlingszimmer" gefreut, obwohl bereits der Klappentext im Vergleich zu ihren anderen Romanen verhältnismäßig dünn daherkommt.

    Worum geht es also? In "Das Schmetterlingszimmer" versprechen uns sowohl der Klappentext als auch die ersten Kapitel die mittlerweile fast 70-Jährige Posy Anderson als Protagonistin. Die ersten Kapitel spielen dabei in der Vergangenheit und sind angesiedelt in den Jahren 1943 / 1944, als Posy in etwa 8 Jahre alt war. Wenige Seiten später geht es direkt ins Jahr 2006: Posy ist mittlerweile eine alte Dame und lebt allein auf dem herrschaftlichen Landsitz "Admiral House", der seit Jahrhunderten im Besitz ihrer Familie ist. Posy allerdings ist, ganz anders als erwartet, mitnichten die Hauptfigur in dieser Geschichte: In der Gegenwart nämlich kommt gleich zu Beginn eine Fülle von Figuren dazu, zwischen denen die Kapitel regelrecht hin und her springen. Neben Posys beiden Söhnen Sam und Nick sind das vor allem Posys Schwiegertochter Amy, die Ehefrau von Sam, Nicks ehemalige Angestellte und heimliche Liebe Evie und ihre Tochter, Nicks neue Bekanntschaft Tammy, der super attraktive und sehr mysteriöse Schriftsteller Sebastian und Posys große Jugendliebe Freddie.

    Es gibt also einen großen Pool von Figuren, die alle mehr oder weniger im Mittelpunkt stehen - und hier liegt auch das Problem. Gut zwei Drittel des Romans habe ich mich gefragt, wessen Schicksal hier eigentlich im Fokus steht und worauf die ganze Geschichte im Grund hinaus will. Denn irgendwie ist bei jeder dieser Figuren ganz viel los - das eigentliche Thema der Geschichte, so wie es einem im Klappentext und in den ersten Kapiteln angekündigt wird, gerät dabei in den Hintergrund. Posy tritt zwar durchaus als zentrale Figur und als Bindeglied zwischen allen Charakteren auf, ihre Geschichte spielt jedoch kurioserweise nur eine Nebenrolle. Untypisch für einen Roman von Lucinda Riley, ist das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart außerdem bemerkenswert unausgewogen. In nur wenigen Kapiteln kehrt der Leser in Posys Kindheit und Jugend zurück und in diesen Kapiteln rast Riley regelrecht durch die Lebensgeschichte ihrer vermeintlichen Protagonistin und das, ohne dass dabei wirklich relevante Ereignisse erwähnt werden.

    Was dem Roman also vor allem fehlt, ist ein roter Faden. Hier und da blitzen Stücke davon immer mal wieder in den Kapiteln auf, im Großen und Ganzen aber werden lose Geschichten der verschiedenen Charaktere mehr schlecht als recht irgendwie zusammengeschustert - frei nach dem Motto "Was nicht passt, wird passend gemacht". Enttäuschenderweise verwendet Riley in dieser Geschichte außerdem fast ausschließlich Stereotype: Wir haben Posy als gute Seele, die für alles und jeden Verständnis hat und einfach jedes Problem lösen kann, Amy als treuergebene, fast heilige Ehefrau und Mutter, Sam als nichtsnutzigen, versoffenen Ekel, Sebastian als strahlenden Helden in goldener Rüstung und so weiter und so fort. Die Charaktere bleiben leider allesamt blass und schaffen es vereinzelt erst gegen Ende des 600-Seiters, aus ihrer Rolle auszubrechen. 

    Das Geheimnis, das so vielversprechend angeteasert wird, kommt am Ende dann auch kaum überraschend. Da es quasi nur am Anfang kurz erwähnt und erst irgendwo zwischen Seite 500 und 600 aufgelöst wird, dazwischen aber keine Rolle spielt, verliert man beim Lesen schlicht das Interesse daran und kann sich am Ende kaum mehr als ein wenig überraschtes "Ach!?" entlocken. Auch die anderen Geheimnisse und Lügen, die Riley der Spannung wegen in die wenig mitreißende Handlung eingebaut hat, wirken eher platt als ausgeklügelt - als Leser ist man eigentlich durchgehend wesentlich schlauer als die handelnden Figuren. Die Sachverhalte erschließen sich einem ziemlich schnell und so schaut man den Charakteren eigentlich nur beinahe belustigt und kopfschüttelnd dabei zu, wie sie weiter im Dunkeln tappen. 

    Leider kann "Das Schmetterlingszimmer" auch nicht mit einem faszinierenden Setting punkten. Die Geschichte spielt ausschließlich in England und zum großen Teil auf "Admiral House", was allerdings nur eine Fata Morgana bleibt und seine Magie nicht so recht entfalten kann. Alles in allem hatte ich beim Lesen das Gefühl, die sehr rohe Rohfassung eines Romans zu lesen, in welcher die wesentlichen Elemente gerade einmal zur Hälfte ausgearbeitet sind: Charaktere, Setting, Plot.  

    Mein Fazit

    Als erster Roman aus der Feder der Bestsellerautorin Lucinda Riley hat mich "Das Schmetterlingszimmer" schmerzhaft enttäuscht. Auch wenn sich das Buch durchaus gut lesen lässt und es hier und da doch schafft, den Leser für das Schicksal der ein oder anderen Figur zu interessieren, wirkt es insgesamt wie ein unfertiges Manuskript, an dem einfach nichts zu Ende gedacht ist. Platte Stereotypen, lediglich kurze und belanglose Ausflüge in die Vergangenheit, das Fehlen einer spannenden Spurensuche und der fehlende Fokus auf Posy als Hauptfigur sind für mich die größten Mankos dieser Geschichte. Kein ausgeklügelter Plot, keine unerwarteten Twists - im Großen und Ganzen einfach relativ seichte Unterhaltung, die vermutlich nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Schade!

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    Cover des Buches Das Haus der Verlassenen (ISBN: B07P66VSBJ)

    Bewertung zu "Das Haus der Verlassenen" von Emily Gunnis

    Das Haus der Verlassenen
    Svenjas_BookChallengesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Diese Geschichte geht unter die Haut - ein Hörbuch, das einen nicht so schnell wieder loslässt.
    Dieses Hörbuch geht unter die Haut

    "Das Haus der Verlassenen" ist der Debütroman von Emily Gunnis - ich war vor allem aufgrund der Thematik neugierig auf das Hörbuch. Ich lasse mich unheimlich gern von fesselnden Familiengeschichten und gefährlichen Geheimnissen vereinnahmen und beides verbirgt sich auch zwischen den Buchdeckeln von "Das Haus der Verlassenen". Ins Zentrum der Handlung stellt Emily Gunnis einen Ort, den man sich als ehemals prächtiges Herrenhaus und gleichzeitig als Hölle auf Erden vorstellt. Es geht um ein kirchliches Heim namens St. Margaret´s, in dem in den 1950er Jahren ledige, schwangere Frauen Zuflucht fanden. Wobei Zuflucht definitiv das falsche Wort ist, denn bereits nach den ersten Kapiteln wird klar, dass St. Margaret´s alles andere als ein sicherer Ort war, an dem die jungen Mütter ihre Kinder bekommen und aufziehen konnten. Vielmehr wird das St. Margaret´s im Verlauf der Geschichte gewissermaßen zum Synonym für nackte Grausamkeit - und diese hat mir schier den Atem verschlagen.

    Aber der Reihe nach - worum geht es eigentlich? Die Handlung beginnt mit einem Brief, den die junge Journalistin Sam in der Wohnung ihrer Großmutter findet, die Sam großgezogen hat und seit dem Tod ihres Großvater allein lebt. In diesem Brief, der auf das Jahr 1956 datiert ist, schildert eine junge Frau den alltäglichen Terror, dem sie im St. Margaret´s Heim für ledige Mütter ausgesetzt ist, und fleht den Empfänger an, sie von dort fortzuholen. Genau wie Sam war ich als Leser/Hörer sofort fasziniert von den verzweifelten Worten der Unbekannten. Und damit beginnt eine Spurensuche, die im Handlungsverlauf ebenso Erstaunliches wie Schockierendes zutage fördert.

    Recht schnell lässt sich Sam, selbst Mutter einer kleinen Tochter, von den Berichten und Erlebnissen der unbekannten Ivy in ihren Bann ziehen. Man spürt als Leser deutlich, dass Sam ihre Gefühle kaum unter Kontrolle halten kann - zu sehr bewegt und berührt sie das, was sie nach und nach über Ivys Leben im St. Margraet´s aufdeckt. Auch Sams natürliche Neugierde als Journalistin treiben ihre Nachforschungen an - die Geschichte entwickelt so recht schnell eine Eigendynamik und hat mich schon nach den ersten Kapiteln vollkommen vereinnahmt. Emily Gunnis beschwört mit ihren Beschreibungen von St. Margaret´s den dunklen Schatten einer schrecklichen Vergangenheit herauf und schildert Dinge, die stellenweise nur schwer zu ertragen sind. Es gibt um Erniedrigung, Misshandlung, seelische und körperliche Folter, vor allem aber geht es um unerträgliches Schweigen und um das Vergessen.

    Je tiefer Sam in die Vergangenheit eintaucht, umso klarer wird ihr, dass die Schatten dessen, was damals in diesem Heim passierte, bis in die Gegenwart reichen. Gunnis gelingt es atemberaubend gut, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden. In zahlreichen Rückblenden werden die Geheimnisse nach und nach enthüllt - allerdings wurde mir dadurch etwas zu früh klar, auf welche Weise das Ganze mit Sam und ihrer Familie in Verbindung steht. Ich muss auch sagen, dass, so schrecklich die Enthüllungen am Ende auch sind, ich nicht alle Motive der handelnden Figuren nachvollziehen konnte. Ich hüte mich davor, ins Detail zu gehen, denn damit würde ich vor allem in Hinblick auf die Identität eines Charakters spoilern, aber ich hatte das Gefühl, dass am Ende alle Fäden etwas zu gut ineinander liefen. Hier wirkte die Geschichte, trotzdem sie immer noch spannend und fesselnd war, einen Ticken zu konstruiert und ich hätte mir durchaus ein etwas anderes Ende gewünscht.

    Der Weg dahin aber war wie gesagt wahnsinnig aufwühlend, spannend und emotional. Die Geschichte um Ivy und Sam geht unter die Haut - umso mehr, weil Britta Steffenhagen das Hörbuch gleichzeitig auf sehr gefühlvolle und zurückhaltende, aber auch auf sehr intensive Art und Weise liest. Ihre Stimme hat etwas Rauchiges, Altes und das passt einfach sensationell gut zu der Atmosphäre, die Gunnis mit ihren Worten erzeugt. Beides in Kombination sorgt dafür, dass einen die Geschichte sowohl beim als auch nach dem Hören nicht mehr loslässt. Gerade wer gerne von dunklen Geheimnissen und gefährlichen Spurensuchen liest, wird von diesem Hörbuch begeistert sein.

    Mein Fazit
    Emily Gunnis hat mich mit ihrem Debütroman "Das Haus der Verlassenen" wirklich beeindruckt. Bei dieser Geschichte greifen Szenerie, Atmosphäre und Charaktere perfekt ineinander und erschaffen so eine Handlung, die einen nicht mehr loslässt. Ivys Schicksal und das der anderen Figuren ist aufwühlend und erschütternd und man lauscht ihr auch dank Britta Steffenhagens einzigartiger Stimme fast durchgehend mit angehaltenem Atem. Auch wenn die Handlung auf mich gegen Ende etwas zu konstruiert wirkte, hat mich dieses Hörbuch tief bewegt und ist definitiv Hörgenuss der besonderen Art.

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    Cover des Buches Der Bücherdrache (ISBN: 9783328600640)

    Bewertung zu "Der Bücherdrache" von Walter Moers

    Der Bücherdrache
    Svenjas_BookChallengesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Zurück in die Katakomben von Buchhaim, zurück zu den Buchlingen - dieser kurze Ausflug nach Zamonien ist einfach fantastisch!
    Ein neuer Moers!

    Ein neues Buch von Walter Moers! Als großer Anhänger der zamonischen Literatur war ich begeistert von dieser Nachricht - vor allem, da das neue Werk des Autoren den vielversprechenden Titel "Der Bücherdrache" trägt. Und bereits der Klappentext verrät: Es geht zurück in die Katakomben von Buchhaim. Allerdings anders, als man vielleicht vermuten würde. Denn diesmal ist es nicht der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz, dem wir in das verschlungene Labyrinth tief unter der Stadt der träumenden Bücher folgen, sondern der Buchling Hildegunst zwei. Wer "Die Stadt der träumenden Bücher" und seinen Nachfolger kennt, erinnert sich bestimmt: Die Buchlinge sind kleine, knuddelige Zyklopen, die in der Ledernen Grotte leben und ihr ganzes Dasein dem Lesen und Studieren von Büchern widmen (ein bisschen steckt also in jedem von uns ein Buchling). Jeder Buchling wird nach einem großen zamonischen Schriftsteller benannt und verbringt sein Leben damit, dessen Werk auswendig zu lernen. Und in "Der Bücherdrache" treffen wir nun auf Hildegunst zwei, den Buchling, der nach Hildegunst von Mythenmetz, der Hauptfigur in "Die Stadt der träumenden Bücher" und fiktiver Autor eben dieses Romans, benannt ist.

    Schon dieser Umstand ist nicht nur witzig, sondern genial. So haben wir in dieser Geschichte zwar wieder einen Protagonisten namens Hildegunst, dieser ist aber grundverschieden von seinem Namensgeber und gehört nicht zuletzt einer völlig anderen zamonischen Lebensform an. Ein sehr interessanter Aspekt, denn in "Der Bücherdrache" liegt der Fokus ganz klar auf den Buchlingen, deren Leben und deren Kultur. Schon seit "Die Stadt der träumenden Bücher" habe ich mir gewünscht, noch mehr über diese niedlichen und faszinierenden Wesen zu erfahren. Für mich ist "Der Bücherdrache" also per se das perfekte Buch. Allerdings verlässt Hildegunst zwei bereits zu Beginn der Geschichte die Lederne Grotte, um sich in den Orm-Sumpf aufzumachen. Dort soll nämlich der Legende nach der Bücherdrache Nathaviel hausen - ein Wesen, das vom Orm durchdrängt ist.

    Mir gefällt diese Allegorie - denn gewissermaßen verkörpert Nathaviel die Vorstellung von einem Über-Autoren, der vor Orm nur so strotzt. Jede seiner Geschichten ist literarischer Hochgenuss, er weiß auf jede Frage eine Antwort und ist sozusagen unfehlbar. Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass Walter Moers mit der Kreation des Bücherdrachen das Bild, das seine Leser von ihm haben, in Worte fasst - und damit großartig auf die Schippe nimmt. Schließlich ist Walter Moers einer dieser Autoren, die man nicht nur für genial, sondern fast schon für übermenschlich und definitiv für unfehlbar hält. Und die einen deswegen umso mehr enttäuschen können (mich zum Beispiel hat Moers vor allem mit "Das Labryinth der träumenden Bücher" enttäuscht, das ich sogar abgebrochen habe). Der Verlauf der Handlung in "Der Bücherdrache" zeigt nämlich ganz deutlich, dass das Orm nicht alles ist. Und dass auch der, der vom Orm durchdrängt ist, nicht unfehlbar ist. Vor allem aber, dass er kein erfülltes und glückliches Leben führt. Wenn das nicht eine Aussage ist!

    Im Großen und Ganzen folgt "Der Bücherdrache" dem Stil, den wir auch aus Moers´ anderen Werken kennen. Das Tempo ist eher gemächlich, die Handlung explodiert nicht unbedingt vor Action - dafür liegt der Fokus einmal mehr ganz deutlich auf der Liebe zum Wort. Ein Großteil der Handlung besteht aus Gesprächen zwischen Hildegunst zwei und dem Bücherdrachen und dabei beweist Moers wieder einmal, auf welch spektakuläre Weise er Sprache einsetzen kann. In dem ein oder anderen Schlagabtausch, den tiefsinnigen Monologen des Bücherdrachen und Hildegunsts Nachgrübeln über das, was er mit seinem Leben anfangen will, kann man sich beim Lesen gut verlieren. Man spürt, wie viel Wahrheit in den Worten steckt, lässt sich aber gleichzeitig treiben und taucht so voll und ganz ein in die fantastische Welt der Katakomben und der Worte.

    Natürlich ist "Der Bücherdrache" nicht nur sprachlich, sondern auch optisch wieder ein echtes Highlight. Moers kehrt in diesem Buch zurück zu den skurrilen und einfach genialen Illustrationen, die wir aus seinen früheren Büchern kennen. Wer die pastellfarbenen Aquarelle aus "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" und "Prinzessin Insomnia" also nicht so sehr mochte, kommt hier wieder voll und ganz auf seine Kosten. Überhaupt wird diese Geschichte getragen von dem, was wir aus Moers´ früheren Werken kennen und lieben. Ich mochte sie insgesamt wirklich gerne, muss aber sagen, dass sie sich irgendwie unfertig anfühlt - "Der Bücherdrache" ist weniger ein Roman als viel mehr eine Episode, ein kurzer Ausflug nach Zamonien. Ein Tagestrip sozusagen. Und wenn man so begierig nach neuen Geschichten aus Zamonien lechzt, ist das am Ende ein bisschen unbefriedigend. Der Ausflug ist viel zu schnell vorüber und hallt nicht unbedingt lange nach - vor allem, wenn man so dringend auf "Das Schloss der träumenden Bücher" wartet.

    Mein Fazit
    "Der Bücherdrache" ist durch und durch ein echter Moers - von den großen, auf so fantastische Weise miteinander verschlungenen Worten über die sensationellen Illustrationen bis hin zur sagenumwobenen Welt Zamonien. Wie auch in seinen anderen Geshichten, spielt Walter Moers wieder genial mit sprachlichen Bildern und der Vorstellungskraft des Lesers - und hat mich einmal mehr verzaubert. Auch wenn dieser kurze Ausflug nach Zamonien am Ende tatsächlich etwas kurz war - er hat sich gelohnt.

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    Cover des Buches Scharnow (ISBN: 9783837146240)

    Bewertung zu "Scharnow" von Bela B Felsenheimer

    Scharnow
    Svenjas_BookChallengesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ja, "Scharnow" ist skurril, absurd und originell - aber was zur Hölle soll das? Meinen Geschmack trifft diese abgedrehte Story gar nicht.
    Scharnow - was ist hier eigentlich los?

    Wie so viele andere war ich neugierig: Bela B hat ein Buch geschrieben? Das muss ich lesen! Eigentlich weniger, weil ich DÄ-Fan bin (ich kann zwar nicht leugnen, dass ich die älteren Werke der Band richtig gut finde, aber ich bin bei Weitem kein Hardcore-Fan), sondern weil ich einfach wissen wollte, ob der Hype gerechtfertigt ist oder sich das Buch vielleicht nur aufgrund des Namens seines berühmten Autors verkauft. Ich habe wahnsinnig viele begeisterte Stimmen gelesen, sowohl von Bloggern als auch in Feuilletons - da muss doch was dran sein, dachte ich. Umso cooler, dass Bela B seine Geschichte auch noch selbst eingelesen hat. Auch wenn er mir hier und da ein bisschen zu steif klang und als Hörbuchstimme keinen besonders großen Eindruck bei mir hinterlassen hat, ist das zusätzlich zu den Soundeffekten, mit denen die Handlung untermalt wird, ein echter Pluspunkt für das Hörbuch. Und vermutlich kann nur der Autor selbst eine solche Geschichte mit einer solchen Selbstverständlichkeit lesen, wie das Bela B hier getan ist - das hat mich wiederum sehr beeindruckt.

    Nun aber zum Essentiellen: Der Handlung. Oder eher: Zum Fehlen eben jener. Dieses Buch hat keine erkennbare Handlung, es gibt, bis auf den Handlungsort, wenig, was die einzelnen Episoden miteinander verbindet. In vielen Rezensionen wird dieser Umstand als Genialität, Skurrilität und was weiß ich noch gelobt - ich finde das einfach nur anstrengend. Denn im Prinzip ist "Scharnow" aufgebaut wie ein Roman, springt aber so rasant zwischen den Szenen und den handelnden Figuren hin und her wie ein Film mit schnellen Schnitten. Das ist ohne Zweifel ein ganz eigener, sicherlich auch ein moderner und origineller Erzählstil - es ist aber eben auch ein Stil, dem ich persönlich nicht viel abgewinnen kann. Ich verweile gerne bei den Charakteren, lasse Geschehenes auf mich wirken und verfolge dabei, wie eben das auch auf die Figuren in der Geschichte wirkt. In Bela Bs Buch wurde ich Kapitel für Kapitel mit einer neuen Absurdität konfrontiert, ohne die Chance darauf, das große Ganze zu sehen.

    Der Stil als solcher hat mich auch einen Spannungsbogen schmerzlich vermissen lassen - ich hatte als Leser nicht die Möglichkeit, eine Erwartungshaltung aufzubauen oder mit einer der zahlreich auftretenden Figuren mitzufiebern. In schwindelerregend schneller Abfolge wird der Leser mit teilweise irren Sequenzen beschossen und wenn ich beim Hören ein Gefühl hatte, dann, dass Bela B einfach alles (und damit meine ich ALLES), was ihm gerade in den Sinn gekommen ist, in dieses Buch gepackt hat. So wirken die Kapitel teilweise zusammenhangslos, wirken die einzelnen Episoden überwiegend krude aneinander geschustert. Das ist ganz sicher ein Stil, den man einfach mögen muss.

    Ein großes Problem hatte ich außerdem mit den Figuren. Auch wenn Bela B mit seinem schier unerschöpflichen Pool an Charakteren sicher einen guten und teils sehr authentischen Querschnitt durch das Kleinstadtleben gibt, war mir auch hier einfach zu viel los. Bei Hörbüchern ist ein Zuviel an handelnden Personen generell schwierig und wenn sie dann noch so wenig einprägsam sind wie in "Scharnow", habe zumindest ich das Problem, dass ich beim Hören abschweife und dass mich die Einzelschicksale der Figuren schlicht nicht interessieren. Wir erfahren über fast alle Figuren nur das Augenscheinliche und meist ist das nicht mal besonders ansprechend. Für mich gab es in dieser Geschichte keine Figur, die mich besonders berührt, beeindruckt oder nur mein Interesse geweckt hätte. Auch wenn man nicht leugnen kann, dass die Konstellation der einzelnen Charaktere hier und da zum Brüllen komisch ist und dass die vielen Blickwinkel der Handlung eben etwas Filmisches geben - für mich hätte es die ein oder andere Person weniger aber absolut auch getan.

    Und jetzt zur Handlung beziehungsweise Nicht-Handlung - "Scharnow" besteht aus einer Aneinanderreihung skurriler, absurder und bescheuerter Begebenheiten, die mehr oder weniger lose bis gar nicht miteinander verknüpft sind. Am Anfang dachte ich noch: Was soll das, wohin soll das denn führen? Aber irgendwann habe ich nur noch gedacht: Aha, soso, na gut, okay. Wir finden hier einfach alles: Von mordenden, denkenden Büchern über irre Verschwörungstheoretiker und fliegende Superhelden bis hin zu besoffenen Vollidioten und Aliens. Und noch wesentlich mehr - die Geschichte strotzt nur so vor merkwürdigen Sachen, die jede für sich vermutlich spannend gewesen wären. Aber ich habe mich beim Hören so oft gefragt: Was soll das, was kommt denn jetzt noch - dass ich einfach nur das Ende dieses abgedrehten Buches herbeigesehnt habe. Eigentlich mag ich es skurril, es kann schon auch mal ein bisschen ausgeflippt und unkonventionell sein. Aber wenn ich eine Geschichte so gar nicht einordnen, wenn ich nicht einmal die Geschichte als solche erkennen kann und mich am laufenden Band frage, worauf das Ganze eigentlich hinaus und was der Autor mir damit sagen will - dann kann ich diese Geschichte einfach nicht unterhaltsam und nicht befriedigend finden. Auch wenn all das, was unter der Oberfläche liegt (zum Beispiel die feine Gesellschaftskritik mit sarkastischem Unterton, die stets mitschwingt, und der unterschwellig schwarze Humor) sicher seine Reize hätte - für mich sind die Ansätze in "Scharnow" weder gut noch ansprechend verpackt.

    Mein Fazit
    Man kennt es: Man liest ein Buch, weil es gefühlt überall ist, weil es zahlreiche begeisterte Stimmen dazu gibt und weil man selbst neugierig darauf ist, was wohl dahinterstecken mag - und wird bitter enttäuscht. Dabei will ich gar nicht sagen, dass "Scharnow" schlecht ist. Es trifft einfach nur so wenig meinen Geschmack wie kaum ein Buch zuvor. Mir fehlten hier Handlung, Spannungsbogen, Nähe zu den Figuren, Überraschungsmomente, die auch wirklich überraschen und nicht nur ein genervtes Augenrollen auslösen - eben alles, was für mich ein packendes Buch ausmacht. Bela Bs Scharnow hat mit seiner Absurdität und Originalität ganz sicher seine Fans. Nur ich gehöre definitiv nicht dazu.

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    Cover des Buches On Mars_ . Band 1 (ISBN: 9783962192518)

    Bewertung zu "On Mars_ . Band 1" von Sylvain Runberg

    On Mars_ . Band 1
    Svenjas_BookChallengesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine spannende Geschichte mit einer ebenso coolen wie erschreckenden Idee - hätte aber gut und gerne ein paar Seiten mehr haben können.
    Ein cooler Mix aus Comic und Science Fiction

    Science Fiction und Comics mag ich mittlerweile sehr gerne - als Kombination aus beidem hat mich der Comic aus der Feder von Sylvain Runberg und Grun deshalb besonders gereizt. Gemeinsam mit der Protagonistin Jasmine reist der Leser bei diesem Abenteuer auf den Mars und so aufregend das auch ist - es ist vor allem ernüchternd und erschreckend. Denn diesem großen Fortschritt, der Kolonisierung des Mars und der Erschließung von neuem Lebensraum, steht in dieser Geschichte ein wirklich fragwürdiges Konzept gegenüber. Mit der weiterentwickelten Technik ist es den Menschen in Runbergs Geschichte nämlich nicht nur möglich, durchs Weltall zu fliegen und fremde Planeten zu entdecken, sondern auch, sich der ungewollten Menschen auf der Erde zu entledigen.

    Haupt-Schauplatz in "On Mars" ist ein Strafgefangenenlager, in dem Sträflinge zusammengepfercht in Baracken leben und tagein tagaus an der Errichtung der Mars-Kolonien arbeiten. Dabei werden sie durch GPS-Tracker und Drohnen ständig überwacht und sollten sie aus der Reihe tanzen, droht ihnen Gewalt oder schlimmeres. Die neue Welt, die so schön und faszinierend sein könnte, wird gewissermaßen von dieser grausamen Art der Versklavung überschattet. Diese Idee gefällt mir außerordentlich gut, denn sie stellt Fluch und Segen des technischen Fortschritts auf sehr explizite, drastische und anschauliche Art und Weise dar. Runberg zeigt mit seiner Geschichte, wozu der Mensch 100 Jahre in der Zukunft imstande sein könnte - was er alles erreichen könnte, aber auch, was er seiner eigenen Spezies antun könnte. Ein Widerspruch in sich, der die Geschichte nicht nur spannend, sondern auch brisant und ungewöhnlich macht.

    Nicht nur die Geschichte ist faszinierend und fesselnd, sondern auch die Comic Strips von Grun. Was mir an den Zeichnungen ganz besonders gefällt, ist die farbliche Gestaltung. Zum Beispiel sind die Sequenzen, die auf der Marsoberfläche spielen, in einem Orange-Braun gehalten, das perfekt zur eigenen Vorstellung vom Leben auf dem Mars und zur kargen Landschaft des Planeten passt, während Szenen in den Gebäuden der Mars-Kolonie überwiegend grün und Nachtsequenzen blau dargestellt sind. Mir gefällt dieses Konzept, weil es dem Comic einerseits eine bestimmte Struktur gibt und die Farbwahl zum anderen einfach von vorne bis hinten durchdacht wirkt und die jeweilige Stimmung perfekt wiederspiegelt. Aber auch die Zeichnungen selbst haben mich sehr beeindruckt und die Handlung lebendig werden lassen - Grun legt den Fokus ganz eindeutig auf den technischen Aspekt der Geschichte und stellt zum Beispiel die Anzüge der Arbeiter und Aufseher auf dem Mars sowie die technischen Gerätschaften und die Drohnen sehr detailreich dar. Ich persönlich mag das, weil es mir bei Science Fiction häufig schwerfällt, mir die beschriebenen Techniken vorzustellen - Grun lässt sie mit seinen Strips vor den Augen des Lesers lebendig werden.

    Insgesamt hat mich diese Geschichte von einer Kolonisierung des Mars und den damit verbundenen möglichen Praktiken einer zukünftigen Generation unheimlich gefesselt und fasziniert. Ein bisschen schade finde ich es allerdings, dass dieser erste Band in Bezug auf den Plot tatsächlich eher wie ein kurzer Teaser wirkt. Der Comic selbst umfasst lediglich 56 Seiten und gibt der sehr komplexen Thematik damit nicht viel Raum. Ich hätte gerne mehr erfahren über das Leben auf dem Mars, über die Entwicklung der Menschheit bis zu diesem Punkt und nicht zuletzt auch über die Figuren, von denen man (Hauptfigur Jasmine einmal ausgenommen) nicht sehr viel zu sehen bekommt. Irgendwie sehe ich in der Geschichte großes Potenzial für ein komplexes, tiefgründiges Universum und bin ein bisschen enttäuscht, dass es insgesamt nur zwei Bände geben wird. Wenn man den Band aber als Denkanstoß sieht und die Geschichte in seinem Kopf weiterspinnt, was höchstwahrscheinlich auch die Intention der Autoren war, ist er wirklich großartig erdacht und spannend inszeniert.

    Mein Fazit
    Ein bisschen unbefriedigt lässt mich der Auftakt der insgesamt zweiteiligen Comic-Serie "On Mars" zurück - denn für meinen Geschmack hätte der Comic gute 50 oder auch 100 Seiten mehr und eine noch komplexere Handlung haben können. Nichtsdestotrotz ist Runbergs Idee von einem Strafgefangenen-Exil auf dem Mars ebenso faszinierend wie gruselig. Mir gefällt die dystopische Science Fiction Welt, in die man als Leser eintaucht und die so erschreckend real und absolut vorstellbar wirkt. Es ist etwas, was ich so noch nie gelesen habe und was gedanklich in eine Richtung geht, auf die die Menschheit möglicherweise jetzt schon zusteuert. Ein in vielerlei Hinsicht brisanter und vielleicht auch ein bisschen politischer, in jedem Fall aber ein unterhaltsamer und spannender Comic.

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    Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783957131447)

    Bewertung zu "1984" von George Orwell

    1984
    Svenjas_BookChallengesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch, das aufrüttelt und einen mit einem dumpfen Gefühl in der Magengrube zurücklässt. Aber auch ein Buch, das irgendwie unnahbar ist.
    Ohne Frage ein Klassiker der Weltliteratur

    George Orwells "1984" ist ein Klassiker, der schon lange auf meiner Leseliste und seit Jahren in meinem Regal stand. Mit dem Hörbuch habe ich es endlich angepackt und mich dem Godfather der Dystopie gewidment - so zumindest sehe ich "1984" jetzt. Denn die Geschichte spielt in einer Welt, die mir in mehr oder weniger abgeschwächter Form schon in zahlreichen Romanen, Comics und Filmen begegnet ist. In "V wie Vendetta" ist es ein totalitäres Großbritannien, in "Die Tribute von Panem" der Staat Panem, der aus den ehemaligen USA entstanden ist - in "1984" ist es Ozeanien, eine der drei großen Weltmächte, die ständig in irgendeiner Art und Weise miteinander im Krieg liegen. Genauer gesagt: "1984" spielt in einem London, das man sich so auf gar keinen Fall vorstellen mag.

    An jeder Ecke gibt es Parallelen zum Dritten Reich und dem Nationalsozialismus, was auch überhaupt nicht verwunderlich ist, denn schließlich schrieb George Orwell den Roman bekanntermaßen im Jahr 1948, also drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Er zeichnet das schauderhafte Bild einer Zukunft, die es so geben könnte, wenn die Ideologie der Nationalsozialisten die Oberhand gewinnen würde. Eine Zukunft, in der jeder dank modernster Technik und Spitzeln an jeder Ecke ständig überwacht wird, in der das freie Denken strengstens verboten ist, in der die Menschen alle gleichgeschaltet sind und die Realität jeden Tag aufs Neue genau so zurechtgebogen wird, wie die Partei es gerade braucht. Bei vielen Elementen, die Orwell in seine Geschichte eingebaut hat, ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen: Die Teleschirme in jedem Raum, die alles überwachen und vor denen man weder frei sprechen noch sich frei bewegen kann - hat Orwell im Jahr 1948 etwa schon das Smartphone vorhergesagt? Oder auch Big Brother, die ominöse gottgleiche Gestalt, die gewissermaßen über ganz Ozeanien wacht und nach deren Gunst alle Bürger streben sollen. Oder das Ministerium für Wahrheit, das in Wahrheit eine Fake News Schmiede ist.

    Das nämlich ist der Arbeitsplatz von Winston Smith, dem Protagonisten in "1984". Wie hunderte anderer Menschen verbringt er seine Tage damit, im Auftrag der Partei Publikationen (seien es Zeitungen, Filme oder Bücher) zu korrigieren - je nachdem, welche Wahrheit gerade gilt. Befindet sich Ozeanien beispielsweise wieder einmal nicht mehr mit Eurasien, sondern mit Südostasien im Krieg, werden alle Aufzeichnungen so abgeändert, dass es so aussieht, als würde das Land schon immer gegen Südostasien in den Krieg ziehen. Und beim nächsten Richtungswechsel ist dann wieder Eurasien der immer währende Feind. Diese Praktik wirkt absolut absurd - am absurdesten aber ist, dass die Menschen in Orwells Roman die vielen so schlecht als Wahrheiten verkauften Lügen der Partei gleichmütig hinnehmen, dass sie sich nicht mal ansatzweise die Mühe machen, daran zu zweifeln. Und genau diese Gleichgültigkeit, das starre Geradeaus-Blicken und Nicht-Denken ist es, was "1984" dominiert. Und es ist sicher genau das, was Orwell nach dem Fall des Dritten Reichs am meisten schockiert haben muss - wie kann man alles, was einem gesagt wird, als gegeben hinnehmen? Mit Scheuklappen durch die Welt gehen? Von den Verbrechen der Partei nichts gewusst oder sich schlichtweg nicht dafür interessiert haben?

    Denn zu was die Partei in Orwells Roman imstande ist - das offenbart sich im Verlauf der Handlung und ich kann euch sagen: Es gibt kaum ein Verbrechen, das die Schergen der Partei unter dem wachsamen Blick des großen Bruders nicht begehen. Mit Winston Smith folgt man einem Rebellen, der zwar keineswegs leidenschaftlich oder von Prinzipien getrieben ist, der sich aber in diesem London irgendwie unwohl fühlt. Lange weiß er selbst nicht, warum, fängt aber nach und nach an zu realisieren, dass es die Partei mit ihren Machenschaften ist, die ihn stört und verstört. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen Winston und seiner ebenfalls recht aufrührerischen Parteigenossin Julia und gemeinsam wollen die beiden sich dem Widerstand anschließen, von dem sie überzeugt sind, dass es ihn irgendwo im Untergrund geben muss.

    Das Bemerkenswerte an dieser Dystopie ist die Atmosphäre: Von Anfang an fühlt man sich beim Lesen beziehungsweise Hören unwohl. Man stellt sich eine kalte Stadt in einem grauen Land mit kalten Menschen vor. Ein bisschen musste ich an die Dementoren aus "Harry Potter" denken: Es ist, als würde alle Freude aus einem herausgesaugt. Und während die Menschen in der Geschichte nicht mehr denken wollen oder können, denkt man selbst umso mehr. Die grauen Rädchen drehen sich und man versteht genau, was Orwell empfunden haben muss, als er nach Ende des Zweiten Weltkriegs und nachdem die entsetzlichen Verbrechen des Holocaust offenbart wurden dieses Buch schrieb. "1984" lebt von der erschreckenden Atmosphäre, von der Hoffnungslosigkeit und von den zahlreichen Details - denn mit jedem einzelnen wird die Geschichte noch ein Stück schauderhafter und unvorstellbarer.

    Handwerklich ist dieser Roman sensationell - allerdings wurde er für mich auch zur Qual. Nicht nur, weil das Erzählte eben so schmerzhaft ist und weil Hörbuchsprecher Sebastian Rudolph dieses Kalte, Unnahbare atemberaubend gut zum Ausdruck bringt. Sondern auch, weil mir der Draht zu den Figuren fehlte und die Handlung einfach an vielen Stellen aufgebläht und lang gezogen wirkte. Wie gesagt: Ich will gar nicht das schlecht reden, was die Geschichte transportieren und vermitteln soll - denn wie oben geschrieben tut sie das ohne jeden Zweifel. Als Leser braucht man aber irgendetwas, an dem man sich festhalten kann. Es gibt so gut wie nichts Gutes in dieser Geschichte. Keine Figur, die man irgendwie gern haben kann. Keinen Hoffnungsschimmer, kein Happy End. Und auch wenn mir absolut klar ist, wieso das so ist und auch wenn ich weiß, dass es genau diese Dinge sind, die den Leser aufrütteln und ihm das ganze Elend eines totaliären Staates vor Augen führen sollen, war es doch auch genau das, was es mir so unglaublich schwer gemacht hat, das Buch lesen beziehungsweise hören zu wollen. Ich bewundere Orwell, ganz ohne Frage. Aber "1984" hat mich in vielerlei Hinsicht wirklich geschafft.

    Mein Fazit
    Warum George Orwells "1984" ein so großer Roman und auch 70 Jahre nach seinem Erscheinen noch brandaktuell ist, war mir schon nach den ersten Minuten des Hörbuchs klar. Das Setting ist von vorne bis hinten großartig gestrickt, bis ins kleinste Detail ist Orwells totalitärer Staat ein Sinnbild für pure Willenlosigkeit und pures Grauen. In gewisser Weise hat Orwell in seinem Buch sogar unsere Zukunft vorausgesagt - man denke an Big Brother, die Teleschirme und Fake News (erschreckend genug, dass es in seiner Geschichte etliche Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft gibt). Trotzdem ist das kein Buch, das ich noch einmal lesen werde. Nicht nur die Atmosphäre hat mich wirklich geschafft, sondern auch die fehlende Nähe zu den Figuren, die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit und die wenig überraschende Handlung. Trotzdem: An diesem Buch kommt man auch heutzutage sicher nicht mehr vorbei.

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    Ich bin 23, total buchbegeistert und seit Kurzem Bloggerin bei SvenjasBookChallenge. Hier werden Bücher in spannenden Challenges gegenüber gestellt und bewertet und natürlich gibt es jede Menge Rezensionen und viel Wissenswertes rundum Bücher. Es ist einfach eine Leidenschaft =)

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