TheRavenking

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    Cover des Buches Death By Shakespeare: Snakebites, Stabbings and Broken Hearts (ISBN: 9781472958228)

    Bewertung zu "Death By Shakespeare: Snakebites, Stabbings and Broken Hearts" von Kathryn Harkup

    Death By Shakespeare: Snakebites, Stabbings and Broken Hearts
    TheRavenkingvor einem Monat
    Der Tod bei Shakespeare

    Es gibt unzählige Bücher über Shakespeare, brauchen wir wirklich ein weiteres?

     

    Kathryn Harkup, die in ihrem vorigen Sachbuch die Giftmorde Agatha Christies untersuchte, wendet sich nun dem Sterben im Werk Shakespeares zu. Es geht um Krankheit, Seuchen, Mord, Suizid und Krieg.

    Die Welt des britischen Barden war eine ganz andere als unsere heutige. Das medizinische Wissen war dürftig, fehlerhaft, man wusste wenig über den menschlichen Körper und hing oftmals noch altem Aberglauben nach. Ärzte waren oft nur unfähige Scharlatane, und als Kranker war man häufig besser dran wenn man nicht in ihre Fänge geriet.  Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug gerade mal 38 Jahre.

    Shakespeare hatte zwar mehr Ahnung von Medizin als die meisten seiner Zeitgenossen, trotzdem zeigt Harkup, dass es sich dabei oft nur um Halbwissen handelte, auch unterliefen dem Dichter häufig Fehler, wenn über Gifte und deren Wirkung auf den menschlichen Körper schrieb.

    Das Buch befasst sich mit einem sehr weiten Themenspektrum und wirkt dadurch gelegentlich etwas desorganisiert. Harkup kann natürlich nicht das Gesamtwerk Shakespeares untersuchen, das würde den Rahmen eines populärwissenschaftlichen Werkes sprengen. Deshalb greift sie einige der aus medizinischer Hinsicht besonders interessanten heraus, aber es werden auch die bekanntesten Dramen behandelt.

    Zunächst wendet sie sich aber der Biographie Shakespeares zu (über welche wir immer noch sehr wenig wissen), sowie der allgemeinen Theaterszene im elisabethanischen und jakobinischen Zeitalter. Besonders interessant dabei ist zu erfahren, wie Todesszenen am damaligen Theater inszeniert wurden. Was man als Kunstblut verwendete, woher man die Kostüme nahm oder überhaupt wie der allgemeine Zustand der Spielstätten damals aussah. Die hygienischen Verhältnisse waren gelinde gesagt katastrophal und es war wohl Gang und Gäbe, dass die Besucher ihre Notdurft einfach im Theater während der Vorstellung verrichteten. Manchmal kam es zwischen den Zuschauern zu handfesten Meinungsverschiedenheiten, welche zu Schlägereien oder sogar zu Duellen führen konnten.

    Grausame körperliche Strafen gehörten im 16. und 17. Jahrhundert zum Alltag. Die Leichen der Hingerichteten wurden tagelang ausgestellt. Man war an Gewalt gewohnt und nahm deshalb an Grausamkeiten, welche sich auf der Bühne abspielten keinen Anstoß. Titus Andronicus ist wohl Shakespeares gewalttätigstes Drama, aber seine Zeitgenossen wie Thomas Kyd verfassten wesentlich brutalere Stücke.

    Kathryn Harkup beschäftigt sich eingehender mit den Todesfällen der bekanntesten Shakespeare-Stücke: Richard III, Romeo und Julia, Hamlet, Othello, Macbeth, Antonius und Kleopatra und King Lear.

    Sie zeigt, dass Kleopatra kaum an einem Schlangenbiss gestorben sein kann, so wie es die Legende besagt. Handelt es sich doch dabei um eine äußerst schmerzhafte und langwierige Art des Todes, dabei hatte sich die ägyptische Königin gerade für einen raschen und schmerzlosen Tod entschieden.

    Eine der interessanteren Theorien in diesem Buch ist die, dass Hamlets Vater an Syphilis litt, und er seiner Frau, Hamlets Mutter, den Vorwurf gab, ihn mit der Krankheit angsteckt zu haben. Es gibt dafür Hinweise im Text, aber sie sind natürlich vielfältig interpretierbar.

    Das Stück Troilus und Cressida enthält soviele Verweise auf Syphilis, dass es auch als „pox play“ bekannt ist. Wobei mit dem Ausdruck „pox“ nicht nur die Pocken, sondern auch andere Seuchen bezeichnet wurden, welche bei den von ihnen Befallenen zu schweren körperlichen Entstellungen führten.

    Auch die Selbsttötung kommt in Shakespeares Werken häufiger vor. Laut Harkup hatte er eine erstaunliche moderne Einstellung zu Suiziden. Selbstmördern und Depressiven wird bei Shakespeare oft Mitleid und Anteilnahme entgegengebracht, dabei wären sie zur damaligen Zeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden bzw. hätte man ihren Leichen ein ordentliches Begräbnis verwehrt. Ophelia aus Hamlet ist hierfür ein besonders schönes Beispiel, deren zerrütteter seelischer Zustand von Shakespeare besonders einfühlsam geschildert wird.

    Man kann aus diesem Buch also jede Menge erfahren. Wahrscheinlich ist das Thema Shakespeare einfach unerschöpflich. Deshalb sei Death By Shakespeare nicht nur Freunden des Makabren, sondern überhaupt allen Anhängern Shakespeares empfohlen.

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    Cover des Buches The Perfect Alibi (ISBN: 9781899000036)

    Bewertung zu "The Perfect Alibi" von Christopher St John Sprigg

    The Perfect Alibi
    TheRavenkingvor 2 Monaten
    Cover des Buches So schöne Lügen (ISBN: 9783832165277)

    Bewertung zu "So schöne Lügen" von Tara Isabella Burton

    So schöne Lügen
    TheRavenkingvor 3 Monaten
    Eine verhängnisvolle Frauenfreundschaft

    „Selbst wenn dich jemand liebt (oder glaubt, dich zu lieben, oder behauptet dich zu lieben), liegt es immer nur daran, dass du denjenigen an jemand anderen erinnerst, oder du hilfst denjenigen darüber hinweg, dass er jemanden verloren hat, oder aus einer Opernloge schräg gegenüber sieht jemand anderer zu, der eifersüchtig gemacht werden soll, und du warst dabei nur das Mittel zum Zweck.“

    Louise möchte gerne in der Welt vorankommen, doch das ist gerade in New York gar nicht so einfach. Als erfolglose Schriftstellerin tingelt sie durch ihr ereignisloses Leben, bis sie durch Zufall der verwöhnten reichen Lavinia begegnet. Aus irgendeinem Grund scheint Lavinia von ihr angetan zu sein und führt sie in das glamouröse Leben der wohlhabenden New Yorker ein. Doch Lavinia ist nicht unbedingt der reizende Mensch, der sie zu sein vorgibt, - wie Louise bald schmerzlich erfahren muss.

    So schöne Lügen wirkte auf den ersten Blick wie eine Mischung zweier meiner Lieblingsromane: Der Talentierte Mr. Ripley und American Psycho, aber es entbehrt die Thrillerspannung des ersteren und die schwarzhumorige Gesellschaftskritik des letzteren. Von Anfang an weiß man als Leser, dass Louise Lavinia töten wird, man weiß nur nicht warum und wie. Dieser Kunstgriff, der in Büchern wie Donna Tartts Die Geheime Geschichte hervorragend funktioniert verpufft hier aber wirkungslos, denn weder ist Erzählerin Louise sympathisch genug um wirklich als Identifikationsfigur dienen zu können, noch bietet die Reise in die Welt der New Yorker High Society  genug Aufregendes um den Leser bei der Stange zu halten.

    Sprachlich ist das alles flott und gekonnt erzählt, aber es kommt nicht so recht Stimmung auf.

    Ein wesentliches Manko des Buches ist für mich der Charakter von Lavinia, die für mich keine glaubwürdige Figur ist. Selbst wenn wir in Betracht ziehen, dass reiche Menschen sich manchmal merkwürdig verhalten und anders ticken als Normalsterbliche, bzw. in ihrer eigenen Welt leben ist diese seltsame, exzentrische Person mit ihren schrulligen Eigenarten doch etwas zu romanhaft überzogen.

    Bücher dieser Art funktionieren nur, wenn sie es schaffen sowohl die schillernde Oberfläche des glamourösen Milieus als auch die darunter schlummernden menschlichen Makel und Gebrechen, die Heuchelei und Gier, den Moder hinter der glatten Fassade zu beschreiben.

    So schöne Lügen besitzt weder den unwiderstehlichen Sog, den Leser in seine Welt hineinzuziehen noch die notwendige Radikalität, mit dieser seichten, statusorientierten Gesellschaft abzurechnen. Ein Zeichen zu setzen, damit irgendetwas beim Leser hängen bleibt; ein bleibendes Unwohlsein, eine Wunde, ein Schock. Dass schließlich alles traurig ausgeht ist nicht wirklich überraschend, dass es einen nicht übermäßig zum Nachdenken anregt, dann aber schon.

    Sicher, es mag wesentlich schlechtere Bücher über dieses Thema geben, aber wahrscheinlich ist man besser bedient, wenn man lieber noch einmal Fitzgeralds Der Große Gatsby aus dem Bücherregal nimmt. Da steht bereits alles drin, was man über die Reichen wissen muss. Daraus kann man mehr fürs Leben mitnehmen. Und eleganter geschrieben ist es auch.

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    Cover des Buches Death in White Pyjamas: & Death Knows No Calendar (British Library Crime Classics) (ISBN: 9780712353168)

    Bewertung zu "Death in White Pyjamas: & Death Knows No Calendar (British Library Crime Classics)" von John Bude

    Death in White Pyjamas: & Death Knows No Calendar (British Library Crime Classics)
    TheRavenkingvor 3 Monaten
    Cover des Buches L'assassin de minuit (Le Masque) (ISBN: 9782702426005)

    Bewertung zu "L'assassin de minuit (Le Masque)" von Thomas Narcejac

    L'assassin de minuit (Le Masque)
    TheRavenkingvor 3 Monaten
    Cover des Buches Gaslight Gothic: Strange Tales of Sherlock Holmes (ISBN: 9781770531598)

    Bewertung zu "Gaslight Gothic: Strange Tales of Sherlock Holmes" von J. R. Campbell

    Gaslight Gothic: Strange Tales of Sherlock Holmes
    TheRavenkingvor 3 Monaten
    Cover des Buches Sherlock Holmes dans tous ses états (ISBN: 9782743617349)

    Bewertung zu "Sherlock Holmes dans tous ses états" von Jean-Paul Gratias

    Sherlock Holmes dans tous ses états
    TheRavenkingvor 5 Monaten
    Cover des Buches Locked Room Murders (ISBN: 9781720746508)

    Bewertung zu "Locked Room Murders" von Robert Adey

    Locked Room Murders
    TheRavenkingvor 5 Monaten
    Ein Must-Have für Krimi-Nerds

    Man kann sich Jahre oder gar Jahrzehnte lang mit einer Sache beschäftigen ohne sich jemals tiefere Gedanken über ihre Beschaffenheit zu machen. Soweit ich mich erinnern kann habe ich immer schon gerne Krimis gelesen, aber es hat relativ lange gedauert bis ich merkte, dass es Menschen gab, die sich damit beschäftigten diese Detektivgeschichten auf fast wissenschaftliche Art zu analysieren und das Genre in gewisse Untergruppen aufzuteilen, welche über bestimmte Merkmale verfügen. Als ich das erste Mal Agatha Christie’s Hercule Poirots Weihnachten gelesen habe, hatte ich z.B. überhaupt keine Ahnung, dass es sich dabei um eine locked-room mystery handelt, der Geschichte eines Mordes in einem verschlossenen Raum. Und ich wusste erst recht nicht, dass gerade diese Form von Kriminalgeschichte bei einer bestimmten Gruppe von Menschen besondere Begeisterungsstürme auslöst.

    Der Brite Robert Adey war Experte für diese Form der Kriminalliteratur. Er sammelte im Laufe seines Lebens alle Romane und Kurzgeschichten über unmögliche Verbrechen und schuf dieses Nachschlagewerk. Nachdem die ursprüngliche Ausgabe vergriffen bzw. nur für einen sehr hohen Preis noch aufzutreiben war, hat der Verlag Locked Room International diese Neuauflage herausgegeben.

    Das Buch ist folgendermaßen aufgebaut: Im ersten Teil werden alphabetisch die jeweiligen Romane und Kurzgeschichten aufgeführt, am Ende folgt dann die Auflösung.

    Ein Nachteil liegt darin, dass sich Adey vor allem auf englischsprachige Autoren konzentriert und auch moderne Titel aus dem 21. Jahrhundert haben keinen Eingang in das Werk gefunden.

    Deshalb gibt es mittlerweile sogar eine Fortsetzung in die auch Filme, TV-Serien und Comics aufgenommen wurden.

    Für den Durchschnittsleser fällt so ein Buch eher in die Kategorie interessante Skurrilität, aber für Rätselkrimi-Fans stellt es eine wahre Goldgrube dar. Ein spanischer Buchblogger hat sogar beschlossen in den kommenden Tagen wegen des Lock-Downs durch die Corona-Krise nur Locked-Room-Mysteries zu lesen. Hier würde man genug Titel finden um sogar Jahre durchzuhalten.

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    Cover des Buches Death in Captivity: A Second World War Mystery (British Library Crime Classics) (ISBN: 9780712352130)

    Bewertung zu "Death in Captivity: A Second World War Mystery (British Library Crime Classics)" von Michael Gilbert

    Death in Captivity: A Second World War Mystery (British Library Crime Classics)
    TheRavenkingvor 5 Monaten
    Cover des Buches DIE SEKUNDE VOR DEM TOD (ISBN: 9783748582908)

    Bewertung zu "DIE SEKUNDE VOR DEM TOD" von Sidney H. Courtier

    DIE SEKUNDE VOR DEM TOD
    TheRavenkingvor 5 Monaten

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    "Was einer für sich selbst ist, was ihn in die Einsamkeit begleitet, und was keiner ihm geben oder nehmen kann, ist offenbar für ihn wesentlicher, als alles, was er besitzen oder auch was er in den Augen anderer sein mag." Arthur Schopenhauer
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