TheaWolf30

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    Cover des Buches Die Lebenden und Toten von Winsford (ISBN: 9783442754496)

    Bewertung zu "Die Lebenden und Toten von Winsford" von Hakan Nesser

    Die Lebenden und Toten von Winsford
    TheaWolf30vor 17 Stunden
    Kurzmeinung: Ruhige Lebensbeichte (?) einer Frau, die irgendwann genug hat. Sehr lesenswert!
    Lebensbeichte(?) einer Ehefrau, die irgendwann genug hat

    Maria, 55 Jahre alt, hat sich in Exmoor niedergelassen und bewohnt mit ihrem Hund Castor ein einsam gelegenes Haus. Gelegentlich trifft sie sich mit den Bewohnern des Ortes im Pub, kontrolliert im Gemeinschaftszentrum des Ortes ihre Mails und beginnt sogar eine Affäre mit einem Nachbarn. Sie sei Schriftstellerin, erklärt sie jedem, der sie fragt, und brauche die Ruhe und Einsamkeit, um zu schreiben. Dies wird allgemein so akzeptiert. 

    Unruhe in ihr Leben kommt durch einen Mietwagen, dessen Fahrer sie zu verfolgen scheint. Er parkt sie fast ein, und dies nicht nur einmal, außerdem findet sie tote Fasane vor ihrer Haustür und das Wort "Death" in die Staubschicht ihres Autos geschmiert. Außerdem verschwindet plötzlich ihr treuer Hund.  Sie vermute einen Stalker hinter diesen Taten, erzählt Maria ihrem Bettgefährten Mark, doch der Leser weiß längst, dass sie etwas ganz anderes fürchtet: dass ihr Mann doch einen Weg gefunden hat, dem finsteren Gefängnis, in dem sie ihn zurückließ, zu entkommen, und sich nun an ihr rächen will.

    Rückblick: Maria und ihr Mann leben in einem hübschen Haus in einem ruhigen Vorort und ziehen zwei Kinder groß, zu denen keiner von beiden eine besonders innige Beziehung hat. Maria ist Moderatorin beim schwedischen Fernsehen, ihr Mann Martin ein bekannter Literaturprofessor. Die Rollen sind klar verteilt: während Martin der Star in der Familie ist, hinkt Maria trotz ihrer Publicity immer ein paar Schritte hinterher. Man gewinnt den Eindruck, dass Martin sie nicht als ebenbürtige Partnerin sieht und für ihm intellektuell unterlegen hält.  Derweil ist Martin kein Heiliger. Die nach außen gepflegte Familienidylle zerspringt in tausende Scherben, als Martin der Vergewaltigung bezichtigt wird. Er soll sich an einer 23jährigen Studentin vergangen haben, die aufgrund von K.O. Tropfen allerdings Erinnerungslücken hat. Das Verfahren wird daher eingestellt, doch Maria, die sich mit dem Opfer trifft, gerät ins Grübeln: ist ihr Mann wirklich so unschuldig, wie er behauptet?

    Das Ehepaar, das wochenlang von gierigen Journalisten belagert wird, beschließt, Schweden für einzige Zeit zu verlassen und sich in ein Haus in Marokko zurückzuziehen. Dort wollen sie mit dem Auto hinfahren. Auf der Fahrt sind mehrere Stopps geplant; der erste gleich in Polen, wo ein Berufskollege von Martin besucht wird, mit dem er einst einige Sommer in einer Art Literaturcamp auf Samos und in Marokko verbrachte. Maria wird bei den Gesprächen der Männer bewusst ausgegrenzt; sie scheinen über irgendeinen wunden, geheimnisvollen Fleck in der Vergangenheit zu diskutieren. Bei einem Strandspaziergang begeht Maria schließlich eine Art Tat im Affekt, und statt Marokko landet Maria mit Hund Castor in Exmoor - ohne Martin - und erzählt aus ihrem Leben.

    Das ist sicher kein klassischer Krimi, wenn überhaupt ein Krimi. Es ist die ruhige Lebensbeichte bzw. Erzählung einer Frau, deren Tat ich sogar verstehen konnte. Das liegt an Hakan Nesser, der sich darauf versteht, in feinen Nuancen Szenen und Gefühle zu beschreiben, die Maria nicht nur lebendig, sondern auch als Person in ihren Handlungen nachvollziehbar machen, ohne sie gleich zu lieben. Maria ist eine kühle, eher distanzierte Frau, mit der man im wirklichen Leben sicher nur schwer warm werden würde. Sie lässt sich ungern in die Karten schauen, neigt wahrlich nicht zu Gefühlsausbrüchen und gibt sich immer etwas unnahbar. Man gewinnt den Eindruck, dass sie und Martin eher eine Zweckehe geführt haben, vor allem, weil Maria ja auch von ihm schwanger war. In dieser Ehe gab es wenig Liebe, wenig Gefühle; es wurde viel tot geschwiegen, von beiden Seiten, und über fast nichts geredet. Die Kinder wuchsen aus meiner Sicht in einem sterilen, kalten Umfeld auf; kein Wunder, dass sie beide so bald wie möglich aus dem Elternhaus flüchteten. Ja, sicher hatte es auch Martin, der andernorts wirklich emotional und schwärmerisch werden kann, mit dieser kalten Frau an seiner Seite nicht leicht. Wenn man ihre Beziehung so betrachtet, stellt sich dann halt zwangsläufig die Frage: was war zuerst, die Henne oder das Ei? War Maria schon immer so distanziert, oder wurde sie es erst mit diesem überheblichen Gockel an ihrer Seite?

    Rein psychologisch ist dieses Buch ein echtes Meisterwerk und wirft viele Fragen dieser Art auf. Es wird mich sicher noch lange beschäftigen und nicht das erste und einzige Buch dieses Autors bleiben, dass ich lese.






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    Cover des Buches Ein unvergänglicher Sommer (ISBN: 9783844531091)

    Bewertung zu "Ein unvergänglicher Sommer" von Isabel Allende

    Ein unvergänglicher Sommer
    TheaWolf30vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Drei Schicksale werden gekonnt miteinander verflochten - wie immer bei Allende bewegend, lehrreich und tiefgehend!
    Ein unvergänglicher Sommer im tiefen Winter

    Nein, das ist kein leichter netter Sommerroman vor strahlend schöner Kulisse. Dies ist teilweise inhaltliche schwere Kost, und die Handlung spielt großteils im tiefsten Winter. Beim Hören hatte ich das Gefühl, dass der Raum angesichts der detailreichen Beschreibungen von Schnee, Eis und Minusgraden gleich noch mehr abkühlt.... :-)

    Zur Rahmenhandlung: Lucia ist eine chilenische Lehrbeauftragte, die in Brooklyn in der Kellerwohnung ihres Chefs haust, weil sie dort an der Uni eine Gast-Lehrstelle angenommen hat. Lucia ist etwas über 60, hat eine Scheidung und eine Krebserkrankung hinter sich und obendrein eine mit der politischen Historie von Chile eng verflochtene Familiengeschichte im Gepäck. Richard ist verwitwet, Professor an der Uni und lebt mit 4 Katzen in einem Mietshaus, das seinem wohlhabenden Freund gehört, für den er es auch verwaltet. Richard ist langweilig und geizig, und Lucia, die anfangs ein Auge auf ihn geworfen hatte, ist längst das Interesse an ihm verloren gegangen. Doch Richard hat ebenfalls eine tragische Geschichte im Gepäck: er fühlt sich schuldig am Zerfall seiner Familie. Denn einst hatte er eine: Anita, eine Brasilianerin, und zwei Kinder. Seither kommt er emotional und sozial nicht mehr wirklich auf die Beine.

    Richard verursacht an einem bitterkalten Wintertag einen Auffahrunfall. Am Steuer des Lexus sitzt Evelyn, eine blutjunge Frau aus Guatemala, die illegal in den USA wohnt und dort den behinderten Sohn einer im Mafia-Milieu angesiedelten Familie betreut. Voller Panik, ihrem Arbeitgeber seinen geliebten Wagen demoliert zurückzugeben, wendet sie sich an Richard und bittet um Hilfe - zumindest denkt der, es liegt am kaputten Auto. Bald aber wird er eines Besseren belehrt - und braucht ganz dringend Lucia als Unterstützung. Für das ungleiche Trio beginnt eine abenteuerliche Reise nach Kanada, die sie aneinander näher bringt. In Rückblenden erfährt man etwas über die Vergangenheit aller Beteiligten.

    Aber nicht nur das....sondern auch über Geschichte und Politik. Fast mein ganzes Wissen über Süd- und Mittelamerika, besonders über Chile, verdanke ich den Büchern von Isabel Allende. Immer wieder staune ich über ihre Intellektualität, ihre Bildung, ihr Wissen, ihren Umgang mit Sprache. Sie ist für mich eine der größten und besten Autorinnen.

    Dieser Roman begann dennoch sehr schleppend, hatte ein paar Längen und entfaltete erst dann sein Potenzial. Dann aber gewaltig!!!! Ich hätte noch Stunden lang zuhören können, vor allem, weil auch die Sprecherin eine sehr angenehme Stimme hat. Ich kann  dieses Hörbuch wärmstens empfehlen.

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    Cover des Buches Tausend kleine Lügen (ISBN: 9783785753675)

    Bewertung zu "Tausend kleine Lügen" von Liane Moriarty

    Tausend kleine Lügen
    TheaWolf30vor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine Klasse voller Grundschüler. Mütter mit vielen Geheimnissen. Am Ende eine Leiche. - Unterhaltsame Geschichte mit tragischen Komponenten.
    Blick hinter die Kulissen einer schönen Kleinstadt-Fassade

    Es ist eine Klasse voller Grund- bzw. Vorschüler in einem wohlhabenden australischen Küstenort. Die Schule gibt sich exklusiv und mit strikten Regeln. Mobbing wird geahndet, wobei sich auch mit dem Täter beschäftigt wird. Die meisten Mütter sind Hausfrauen und Helikopter-Mamas. Ihre Männer verdienen den Lebensunterhalt. Sie verbringen den Tag großteils mit Klatsch und Tratsch und stürzen sich begeistert auf vermeintliche Fehltritte anderer. 

    Da kommt Jane, alleinerziehend und mit 24 Jahren deutlich jünger als die durchschnittliche Mutter an dieser Schule, gerade recht. Vom ersten Tag an erntet sie schiefe Blicke, vor allem deshalb, weil ihr Sohn Siggi angeblich schon am Infotag ein kleines Mädchen würgt. Jane hat ihre eigene tragische Geschichte, mit der sie kämpft; weshalb sie wirklich in den Küstenort gezogen ist, kommt erst am Ende der Geschichte heraus. Sie findet jedoch zum Glück zwei nette Freundinnen: die stille, wunderschöne und sehr reiche Celeste und die lebenslustige, streitsüchtige Madeline. Wie sich herausstellt, sind diese beiden auch nicht ganz unbelastet....

    Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen  erzählt: xx Tage vor dem Info-Tag, xx Tage vor dem Quizabend, 1 Jahr später usw. Anfangs hat mich das genervt, weil ich Mühe hatte die Reihenfolge der Ereignisse für mich zu ordnen, aber es ging dann schon. Unschön fand ich den Anfang: der Einstieg mit der alten Dame als Beobachterin. Erster Gedanke: oh nein, wo soll das wieder hinführen? - Mich erinnerte das an ein Buch, das aus der Perspektive einer Schildkröte berichtete und das ich abbrechen musste, weil es so nervig und langweilig war. Problem ist nämlich, dass weder die Schildkröte noch die alte Dame IRGENDEINE tragende Rolle in der Handlung spielen.... Zum Glück besinnt sich die Autorin schnell auf einen Perspektivenwechsel und so erfährt man nichts mehr über die entbehrliche schrullige alte Dame, aber umso mehr über Madeline, Celeste und Jane.

    Mit jeder Stunde gewann das Hörbuch für mich an Tiefe. Ich gebe zu: Celestes Drama war manchmal zu ausufernd. Da ich mich mit Gewalt in häuslichen Beziehungen beruflich bedingt schon oft beschäftigen musste,  waren Celestes zermürbende Gedankengänge nicht neu für mich und einfach irgendwann nur mühsam und frustrierend. Andererseits sind sie eben so charakteristisch für misshandelte Frauen und Hut ab vor der Autorin, die das so gut getroffen hat! Janes mangelndes Selbstbewusstsein...hmm. Das konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen, aber immerhin teilweise. Am besten von diesen drei Frauen konnte ich Madeline verstehen. Sie schützt letztendlich ihren Ex-.Mann, weil er immer noch Teil ihrer Familie ist, und dessen Frau Bonnie, von der sie eigentlich glaubte, sie zu hassen.

    Insofern war das Hörbuch dann doch eine positive 5-Sterne-Überraschung für mich, weil es durch die Charaktere lebte, obgleich ich ganz am Anfang dachte: oh je, das wird nix!

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    Cover des Buches Sieben Lügen (ISBN: 9783838794549)

    Bewertung zu "Sieben Lügen" von Elizabeth Kay

    Sieben Lügen
    TheaWolf30vor einem Monat
    Kurzmeinung: Seit Langem mal wieder echt ein (Hör-)buch, das mich mitgenommen hat: eine Geschichte über eine fatale, kranke Freundschaft.
    Geschichte über eine fatale, kranke Freundschaft

    Jane und Marnie kennen sich seit Schultagen und sind eng befreundet. Jane beschreibt es so: "Marnie ist das Licht, und ich bin der Schatten." Tatsächlich scheint Marnie alles zu gelingen: sie macht sich als Foodbloggerin selbstständig und zieht mehrere Werbeverträge an Land, lernt einen ebenso erfolgreichen Mann kennen, lebt in einer schönen Gegend/ Wohnung. Jane dagegen leidet unter dem Liebesentzug ihrer Mutter, trauert um ihren verstorbenen Mann, muss ihrer magersüchtigen Schwester Emma beim Sterben zu sehen....

    Ist Marnie immer für sie da? - Hmm. Njein. Die Freundschaft besteht anfangs noch, hat sich aber zum Nachteil verändert. Jane ist der geduldete Freitagabend-Gast, der zum essen kommt. Ansonsten ist Jane sehr auf Charles, ihren Mann, fixiert, was Jane sauer aufstößt. Sie trauert den guten alten Zeiten nach, als Marnie und sie nur zu zweit waren, in einer WG wohnten, miteinander auf Urlaub fuhren....und vergisst dabei vollkommen, dass sie die erste war, die sich aus dieser Zweierbindung löste, und zwar wegen Jonathan, ihres eigenen Mannes, den sie in sehr jungen Jahren kennen lernte und der Jahre später bei einem Unfall starb.

    Für Jane ist Charles nun der Störenfried in ihrer Beziehung zu Marnie. Und bald erkennt man als Leser, dass Jane ein Rad ab hat und mit Marnie im Großen und Ganzen alles okay ist....Nach Lüge 3 stirbt Charles, und ich muss gestehen, zu diesem Zeitpunkt konnte ich Jane noch emotional verstehen. Das ließ aber im Laufe der Zeit nach und am Schluss fand ich sie nur einen furchtbaren, in Selbstmitleid badenden Menschen.

    Trotzdem habe ich dieses Hörbuch jede Minute geliebt. Es gibt selten Bücher, die mich sofort in den Bann ziehen. Bei diesem hatte ich gleich das Gefühl: es wird gut! Und das war dann auch so. Die Personen waren glaubhaft dargestellt, die Szenen, die geschildert wurden, ebenso. Es hat mich auch emotional mitgenommen: Emmas Krankheit. Ihr Leiden. Die Demenz der Mutter. Janes Gefühlswelt.

    Am besten war jedoch Britta Steffenhagen. Ich kenne kaum eine Sprecherin, die so unglaublich gut liest wie sie. Ich könnte ihr stundenlang zu hören!

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    Cover des Buches Mord auf Vlieland (ISBN: 9783426524893)

    Bewertung zu "Mord auf Vlieland" von Jan Jacobs

    Mord auf Vlieland
    TheaWolf30vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Mord und Mordermittlung auf holländischer Insel - unterhaltsam, angenehm zu lesen, aber auch schnell wieder vergessen.
    Eine Leiche am Schiffswrack

    Bei einem alten Schiffswrack auf einer entlegenen holländischen Sandbank wird die Leiche eines wohlhabenden Inselbewohners von Vlieland gefunden. Der Mann war Hotelier und überall bekannt, aber nicht immer beliebt. Besonders die Frauen hatten es ihm angetan. Ob diese das Interesse erwiderten oder nicht, war dem Hotelier dabei ziemlich egal, wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt. Doch auch sonst gibt es allerlei Leute, die ihm aus Neid oder aufgrund alter Streitigkeiten nichts Gutes hätten wollen können. Ermittlerin Griet Gerritsen darf herausfinden, was hinter dem Mord steckt.

    Ich habe diesem Krimi im Freibad gelesen und dafür war er auch genau die richtige Lektüre, denn er ist angenehm leicht geschrieben und unterhaltsam. Wenn man "spannend" so definiert, dass man nicht gleich weiß, wer der Mörder ist, dann war er auch das. Allerdings war er definitiv nicht außergewöhnlich und es fällt mir schon Tage später schwer, mich an dieses Buch zu erinnern. Es war einfach ein 08/15 Krimi. 

    Die Beschreibung von Vlieland, der holländischen Landschaft, der holländischen Sitten und des holländischen Essens waren vielschichtig und umfassend. Als Holland-Urlaubsfan kannte ich das alles und nette Erinnerungen kamen auf. Allerdings hat sich mir kritisch aufgedrängt, warum Holländer selbst so viel Detailbeobachtung auf ihr Essen legen sollten (?). Es kam mir dadurch so vor, als wäre es explizit  für den deutschen Markt geschrieben, um Lust auf Holland zu machen.

    Die Ermittlerin Grit Gerritsen gehört mal wieder zu jener Gruppe von Ermittlern, die ein kaputtes Privatleben haben und aufgrund traumatischer Erfahrungen in der Vergangenheit traumatsiert/ psychisch belastet oder verbittert sind. Auf Grit trifft irgendwie alles drei zu. Noch dazu trägt sie die Schuld am Tod ihres Ex-Partners usw. Ja, das ist alles nichts Neues und führt wiederum zu der Erkenntnis, dass es zwar ein durchaus lesbarer Krimi ist, aber eben Durchschnitskost.




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    Cover des Buches Wer war Alice (ISBN: 9783442486953)

    Bewertung zu "Wer war Alice" von T. R. Richmond

    Wer war Alice
    TheaWolf30vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Autor versucht, ein besonders innovatives Krimikonzept umzusetzen und verliert sich dabei in zäher Langeweile.
    Zäh und wenig spannend

    Wer war Alice, lautet der Titel dieses Buches, und der Klappentext stellt in Aussicht, dass diese Frau eben nicht die war, die ihr Umfeld kannte, sondern, dass sie so einige Geheimnisse hatte, die auch zu ihrem mysteriösen Tod führten. Der Autor wählt dabei ein eher ungewöhnliches Konzept: Statt durch eine stringente Geschichte zu führen, ergeht er sich in Zeitsprüngen und wählt Briefe, Mails, einzelne Szenen, SMS-Chats usw. als Stilmittel. Für mich war dieses Konzept sehr ermüdend, da es meist nur um Nichtigkeiten ging (z.B. die Postings unter Blogbeiträgen usw.), die wenig bis gar nichts zur Aufklärung des Mordfalls beitrugen. 

    Die FRage, wer diese Alice war, kann ich immerhin nach 450 Seiten Fadesse beantworten: eine nach außen sehr coole, oberflächliche junge Frau, die von einer Party zur anderen zog, Drogen nahm, mit komischen Typen ins Bett ging, und meistens vollgesoffen irgendweche Dummheiten beging. Nebenbei war sie noch Journalistin und versuchte, in dieser Rolle erbrechen aufzudecken und die Täter zu finden. Obwohl der Autor laut Kurz-Bio im Buch angeblich selbst Journalist ist, hatte ich stets das Gefühl, dass die Tätigkeit des Journalisten (nämlich Recherche und Berichterstatung) bei dieser Alice eine sehr absurde Note hatte. Es hatte für mich den Anschein, als schreibe die Gute allerhöchstens für eine Schülerzeitung...und das, wo sie angeblich sooooo begabt war!

    Die ach-so-begabte Alice hatte aus meiner Sicht nicht nur ein Alkohol-Problem, sondern war auch noch keine sehr nette Person. Ich würde sie als echte Zicke bezeichnen, sehr selbst-fokussiert, wenig reflektiert. Letztendlich führten genau diese Eigenschaften dann ja auch zu ihrem Tod. Trotzdem war dieses Buch leider für mich ein Griff ins Klo, ich musste mich zwingen, es zu Ende zu lesen. Zwei Sterne vergebe ich, weil der Autor im Prinzip schon schreiben kann - nur Geschichte und Erzählstil behagen mir eben nicht.


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    Cover des Buches Die rote Frau (ISBN: 9783837141306)

    Bewertung zu "Die rote Frau" von Alex Beer

    Die rote Frau
    TheaWolf30vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Spannender Krimi, der in einer interessanten geschichtlichen Epoche spielt. Sehr männerlastig.
    Krimi, der in einer interessanten geschichtlichen Epoche spielt

    Die Handlung spielt im Jahre 1920. Der 1. Weltkrieg ist vorbei, die Bevölkerung von Wien lebt überwiegend in Armut. Es gibt zu wenig Wohnungen, viele sind krank und/ oder kriegsversehrt. Einer dieser Kriegsversehrten ist Alex Beers Ermittler Emmerich. Er hat einen Granatsplitter in seinem Bein stecken und kämpft sich damit so durch den Alltag, der für ihn wenig Aufregendes vorsieht. Hauptsächlich soll er polizeiliche Handlangerdienste machen; die großen Fälle bekommt er nicht. Diesmal soll er sich um eine Schauspielerin kümmern, die anscheinend Opfer eines Fluchs wurde, denn an ihren Drehorten geschehen die seltsamsten (und vor allem auch gefährliche) Dinge.

    Emmerich durchschaut schnell, dass der Fluch nicht ganz so ernst zu nehmen ist und andere Ursachen hat als schwarze Magie und Hexenkunst. Sein wirkliches Interesse gilt zudem einem ganz anderen Fall: Stadtrat Fürst, ein Wohltäter für die Armen und Schwachen der Gesellschaft, wurde ermordet. Kurz darauf trifft es eine nicht minder generöse reiche Witwe. Emmerich stößt auf zwei Organisationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: während die eine wohltätig für Kranke und Schwache sorgen will, setzt die andere alles daran, genau diese auszurotten. Nun gilt es, Beweise zu sammeln und weitere Unglücke zu verhindern.

    Die Idee, einen Krimi in die schlimme Zeit nach dem 1. Weltkrieg anzusiedeln, finde ich toll. Ich wusste über diese Zeit recht wenig; habe außer vielleicht ein paar Liebesschmanzotten wenig darüber gelesen, und Alex Beer beleichtet diese Zeit mit wachem, schonungslosen Blick. Ich erfuhr viel über die Lebensbedingungen der Armen, Kriegsversehrten und psychisch Beeinträchtigten.

    Der Fall an sich war interessant: zwei Organisationen mit ähnlichem Ziel, aber völlig unterschiedlichen Zugangsweisen. Streckenweise jedoch hatte das Hörbuch so seine Längen und ich dachte mehrmals: Biiiiitteee! Einfach mit mehr Tempo weitermachen in der Handlung wäre toll! Was mich auch etwas gestört hat, war, dass die Handelnden nahezu nur Männer waren. Klar, das liegt auch an der geschichtlichen Epoche, aber ich hatte mir aufgrund des Titels "Die rote Frau" doch erwartet, dass zumindest eine Frau eine tragendere, akiv handelndere Rolle spielt. Rita, die Schauspielerin, hatte aus meiner Sicht auch nur punktuelle Auftritte. 

    Insgesamt war es aber unterhaltsam und interessant, und: Cornelius Obonya liest ganz hervorragend!


     

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    Cover des Buches Cold Case - Das verschwundene Mädchen (ISBN: 9783838792514)

    Bewertung zu "Cold Case - Das verschwundene Mädchen" von Tina Frennstedt

    Cold Case - Das verschwundene Mädchen
    TheaWolf30vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Thriller um einen Serienvergewaltiger, der auch ein verschwundenes Mädchen auf dem Gewissen haben soll.
    Solider Thriller

    Vor 16 Jahren ist Annika verschwunden. Die Leiche der damals 19-jährigen wurden nie gefunden, aber nun taucht ein Auto auf, in dem sich die DNA Spuren eines Serienmörders finden, der in der Umgebung noch immer bzw. wieder sein Unwesen treibt. Dieser Mann dringt in den frühen Morgenstunden in Häuser ein und vergewaltigt Frauen. Nur zwei haben ihn ohne Sturmhaube gesehen; anhand ihrer Beschreibung wird ein Phantombild erstellt. Trotzdem kann ihn die Polizei erstma nicht finden.

    Die Ermittlerin in diesem Fall ist Tess. Sie lebt in einer lesbischen Beziehung mit einer chronisch eifersüchtigen Frau, die sie nicht liebt und nur genommen hat, weil es optische Ähnlichkeiten zur Ex gibt. Nun ja, soll es geben. Tess will mit einer Frau quasi eine Familie gründen; träumt vom Haus mit Garten, Hund und Kindern. Das fand ich ziemich witzig, weil Tess eigentlich von der Autorin sehr rau und oft unnahbar beschrieben wurde; irgendwie hat es für mich nicht so gepasst. Sie kam insgesamt wenig empathisch rüber.

    Es ist sicher kein Geheimnis, dass Tess diesen Fall natürlich bravourös aufklären wird, der Mörder von Annika enttarnt wird und auch die Vergewaltigungen ihr Ende finden. So funktionieren diese Thriller nun mal. Insgesamt war es spannend, aber nichts Ungewöhnliches, dass irgendwie in Erinnerung bleiben wird. Auch die Personen waren nicht allzu faszinierend: zwei Brüder, der eine erfolgreicher Immobilienguru, der andere Alkoholiker, ein psychisch angeschlagener Profiler, der bis zuletzt echt merkwürdig wirkt (zeitweise hielt ich ihn selbst für den Serienvergewaltiger), eine schwangere Polizisten-Kollegin, die an eine Abtreibung denkt,...die Aufzählung klingt spannender, als es die Charaktere dann tatsächlich waren. Insgesamt war der Thriller durchaus okay und ich könnte mir vrstelen, wieder was von der Autorin zu lesen, auch, wenn es nicht dauerhaft in Erinnerung bleiben wird.

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    Cover des Buches Todeskampf (ISBN: 9783868048377)

    Bewertung zu "Todeskampf" von Michael Robotham

    Todeskampf
    TheaWolf30vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Unerfüllter Kinderwunsch, illegale Leihmutterschaft, Ausbeutung von Asylbewerbern: Starkes Thema, Umsetzung könnte besser sein.
    Starkes Thema, Umsetzung könnte besser sein

    Michael Robotham hat sich für "Todeskampf" ein brisantes und auch sehr spannendes Thema ausgesucht: die Leihmutterschaft, konkreter gesagt, die illegale Leihmutterschaft. In "Todeskampf" werden junge Asylbewerberinnen gezwungen, als Brutkasten zu dienen. Sie tragen die genetischen Babys von verzweifelten Eltern der englischen Mittel- und Oberschicht aus, die alles versucht haben, aber bisher kinderlos geblieben sind.

    Kate, die ehemals beste Freundin der indischstämmigen Ermittlerin Alisha Barba, ist so eine Verzweifelte. Samira, eine junge Afghanin, trägt für sie Zwillinge aus. Doch die gute Kate gerät in Troubles mit der dubiosen Vermittlungsagentur, und noch ehe sie Alisha in ihre Probleme einweihen kann, werden sie und ihr Mann von einem Profi-Killer überfahren. Alisha leckt Blut und stürzt sich sogleich in Ermittlungen, die natürlich von offizieller Seite gar nicht genehmigt sind. Dabei stellt sie sich manchmal leider so ermaßen naiv und minderbegabt an, dass man sich schwer tut, sie zu ohrfeigen bzw. das Hörbuch sofort abzubrechen. Sie wird mehrmals zusammengeschlagen und manifestiert von Mal zu Mal mehr ihre Rolle der Anti-Heldin in diesem Thriller. Dass ihre Freundschaft zu Kate einst zerbrach bzw. auf Eis gelegt wurde, lässt sie am Anfang tatsöchlich darüber grübeln, weshalb das denn so war. Obwohl es jeder Leserin/ jedem Leser spätestens nach ihrem Einschub, dass sie beinahe mit Kates Vater geschlafen hatte und dabei in flagranti erwischt wurde, ziemlich klar sein dürfte....Auch ansonsten bleibt sie leider nicht allzu sympathisch: beziehungsgestört, stur, gefühlsarm - einfach etwas komisch, ganz klassisch eine Frau, mit der ich nicht befreundet sein würde. Das trübt etwas das Hörvergnügen.

    Gerettet wird das ganze durch die interessanten Details zum Thema Leihmutterschaft und die im Großen und Ganzen spannende Geschichte, die nur manchmal ein paar Längen hatte. Der Schluss war dann wieder ein Gipfel von Kitsch: eeeeetwas weniger Glück wäre hier mehr gewesen, aus meiner Sicht.



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    Cover des Buches Alles, was wir sind (ISBN: 9783961050673)

    Bewertung zu "Alles, was wir sind" von Lara Prescott

    Alles, was wir sind
    TheaWolf30vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Unglaublich tolle, faszinierende Geschichte rund um "Doktor Schiwago" - Respekt vor der Autorin!
    Ein echtes Meisterwerk

    Lara Prescott ist mit "Alles, was wir sind" ein echtes Meisterwerk gelungen. Das Buch ist toll geschrieben; das Thema allein schon vollkommen fesselnd: inmitten des Kalten Krieges versucht die CIA, Widerstand in der Sowjetunion zu wecken, und das mit Hilfe eines simplen Buches über die Liebe - "Doktor Schiwago". Da ich die Hintergründe nicht kannte, war die Brisanz dieses Buches und der Rahmenhandlung völlig neu für mich, und die Autorin versteht sich darauf, sie den LeserInnen  auf anschauliche, in eine spannende Geschichte eingebettet näher zu bringen.

    Eigentlich sind es ja zwei Geschichten. In der einen schreibt Boris Pasternak an "Doktor Schiwago" und kann nicht verhindern, dass seine Geliebte Olga, selbst in Literaturzirkeln aktiv, in ein Arbeitslager gesteckt wird. Olga soll den Mächtigen verraten, was sich genau hinter "Doktor Schiwago" verbirgt, doch sie nimmt alle Leiden auf sich und bleibt Boris treu, und das bis zu seinem Tode, obgleich er sich überwiegend weniger rücksichtsvoll ihr gegenüber verhält.

    In der zweiten Geschichte geht es um Irina, eine junge Frau, die von der CIA wegen ihrer russischen Wurzeln angeworben und zur Agentin ausgebildet wird. Die Liebesgeschichte, in die sie verwickelt wird, ist eine echte Überraschung und bricht in einem für das breite Publikum gedachten Buch mit der Norm. Zu früh freuen darf man sich dann beinahe doch nicht: das Ende ihrer Liebesgeschichte ist relativ offen und kann natürlich positiv interpretiert werden, aber so wirklich klar ist es nicht. Das wäre wohl für die breite Leserschicht doch zu viel des Guten....

    Zu den Charakteren: Boris Pasternak wurde oft als sehr narzisstisch und selbstgefällig dargestellt. Vermutlich war er einfach ein Mann seiner Zeit, der es zu Ruhm und Ehre gebracht hat, die Grenzen auslotete und überschritt und dabei auch (gern) persönliche Opfer brachte. Er blieb bis zuletzt verheiratet und hielt sich Olga, die alles für ihn tat, als Geliebte. Olga dagegen war schon eine starke Frau, aber sie war absolut auf Pasternak interessiert und opferte wiederum ihre Kinder. Ihre Tochter kam später wegen und mit ihr ins Arbeitslager. Der Sohn wird zum Alkoholiker; sie hat kein Naheverhältnis zu ihm. Pasternak und Doktor Schiwago sind die Dinge, die für sie zählen.

    Irina ist lieb und anfangs etwas naiv. Sie wird im Roman erwachsen. Trotz aller gesellschaftlichen Rahmenumstände fand ich ihre Verlobung mit Teddy feige und unangebracht. Sie geht anfangs den Weg des geringsten Widerstands, emanzipiert sich erst gegen Ende des Buches hin und flüchtet lieber ins Ausland, als sich ihren wahren Gefühlen zu stellen.

    Sally tut mir leid. Zur falschen Zeit geboren, erlebt sie das, was wohl vielen Lesben zu ihrer Zeit passiert ist: berufliches Mobbing, Verunglimpfung, Rausschmiss, und privat ein stetes, einsames Leiden. Es bleibt zu hoffen, dass sie doch noch ihr Glück fand.....


    Insgesamt eine überraschende Zufallsentdeckung, die ich nur empfehlen kann; auch als Hörbuch sehr spannend und gut gelesen!




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