Tintenelfe

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    Cover des Buches Draussen (ISBN: 9783550081811)

    Bewertung zu "Draussen" von Volker Klüpfel

    Draussen
    Tintenelfevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannend und rätselhaft!
    Spannend und rätselhaft

    Als die 17jährige Cayenne im Wald von einem unbekannten Mann angegriffen wird, zahlt sich zum ersten Mal das jahrelange Survival-Training aus, das Stephan ihr und ihrem jüngeren Bruder Joshua mit aller Härte angedeihen lässt. Der Ernstfall, für den sie trainiert haben, ist eingetreten. Man hat sie gefunden. Nur weiß Cayenne nicht, warum sie sich versteckt halten und wer hinter ihnen her ist. Sie will endlich Antworten von Stephan, der sie zwar beschützt, aber sonst aus allem ein großes Geheimnis macht.

    „Draußen“ gliedert sich in drei Handlungsstränge, wobei zwei davon parallel in der Gegenwart verlaufen. Man begleitet Cayenne und ihr kleines Grüppchen durch den Urwald von Brandenburg, wo sie trainieren und sich verbergen. Zeitgleich zieht Jürgen Wagner im Bundestag seine Strippen, spielt Lobbyisten in die Hände, erpresst Abgeordnete und lässt andere die Drecksarbeit erledigen. Außerdem erhält man als Leser Einblicke in das Tagebuch eines Fremdenlegionärs – eine fremde Welt durchdrungen von Gewalt, Gehorsam und dem Pathos von Ehre und Kameradschaft. Zwischen Prepperszene, Survival-Abenteuercamps, Politik und Fremdenlegion mäandernd trifft man auf Fremdenhass und Reichsbürger, so dass ich schnell ungeduldig wurde, zu erfahren, worauf es denn nun hinauslaufen würde. So viel schien möglich.

    Ich fand „Draußen“ wahnsinnig spannend und habe den Thriller an einem Tag durchgelesen, da ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Cayenne, Joshua und Stephan bilden ein interessantes Gespann, einerseits einander so nah und gleichzeitig so geheimnisumwittert, dass ich manchmal Zweifel hatte, ob ich mit der „richtigen Seite“ sympathisieren würde. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich genug Material hatte, um überhaupt spekulieren zu können, was sich hinter dem „Versteckspiel“ verbergen könnte.

    © Tintenhain

    Vollständige Rezension auf dem Blog unter

    https://tintenhain.de/2019/11/11/volker-kluepfel-michael-kobr-draussen/

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    Cover des Buches Faye - Herz aus Licht und Lava (ISBN: 9783743201910)

    Bewertung zu "Faye - Herz aus Licht und Lava" von Katharina Herzog

    Faye - Herz aus Licht und Lava
    Tintenelfevor einem Jahr
    Kurzmeinung: zauberhafte Feengeschichte in Island
    Magisch, elfisch, zauberhaft gut

    Katharina Herzog versteht es, den magischen Zauber Islands einzufangen und in eine faszinierend-schöne und zugleich düstere Welt zu entführen, die sich vor allem in der Schönheit und Urwüchsigkeit der wilden Natur Islands zeigt. Das Setting hat mir ausnehmend gut gefallen und es passt natürlich wundervoll, dass sich hier eine Geschichte abspielt, die die nordische Mythologie und die Legenden vom kleinen Volk aufgreift.

    Allerdings haben mich Namen wie Laurin Elrondson dann doch etwas erschüttert oder auch, dass der echte Hammer von Thor in einem Museum in einem kleinen Dorf ausgestellt wird. Also keine Nachbildung, sondern DER Hammer. Auch die künstlerische Freiheit, die einen Holunder zur Weltenesche hat werden lassen, fand ich etwas gewöhnungsbedürftig. Aber von diesen Punkten abgesehen, hat mich „Faye“ sehr gut unterhalten.

    Katharina Herzog schreibt locker und humorvoll, das hat mir besonders gut gefallen und es passt auch gut zur Ich-Erzählerin Faye. Sie liebt Pflanzen und hat einen grünen Daumen. Auch Tiere mag sie unheimlich gern, so dass sie sich über den Raben, der immerzu in ihrer Nähe auftaucht, auch gar nicht wundert. Faye ist eine sehr sympathische Protagonistin, auch wenn sie mir manchmal etwas auf dem Schlauch zu stehen scheint. Das kann aber auch daran liegen, dass ich die Geschichte sehr vorhersehbar fand und bereits im ersten Drittel die meisten Sachen erahnen konnte.

    © Tintenhain
    vollständige Rezension auf dem Blog
    https://tintenhain.de/2019/07/21/katharina-herzog-faye/

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    Cover des Buches R.I.P. (ISBN: 9783442756650)

    Bewertung zu "R.I.P." von Yrsa Sigurdardóttir

    R.I.P.
    Tintenelfevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Nicht ganz so spannend wie erhofft, aber sehr gut umgesetzter Thriller mit wichtigem Thema
    Schonungslos und realistisch

    Dieses Mal sieht sich Huldar mit einem besonders perfiden Fall konfrontiert. Ein junges Mädchen wird auf der Toilette im Kino brutal ermordet. Ihre letzten Minuten können alle ihre Freunde auf Snapchat mit ansehen. Psychologin Freyja, die neben ihrem Job im Kinderhaus auch ein BWL-Studium begonnen hat, kommt schnell auf die Idee, dass der Fall etwas mit Mobbing zu tun haben könnte. Doch so richtig will ihr keiner glauben. Das liegt auch daran, dass Huldars Vorgesetzte Erla Freyja nicht leiden kann und deshalb schon mal gar nichts auf ihre Meinung gibt. Doch als ein zweites Opfer auf ähnliche Weise verschwindet und auch hier wieder Snaps gesendet werden, verdichten sich die Hinweise. Nur kennen sich die Opfer nicht und es gibt scheinbar keinen Zusammenhang.

    Ich mag Huldar und Freyja sehr, weil sie Charaktere mit Ecken und Kanten sind. Ein bisschen wünsche ich mir ja schon, dass zwischen den beiden mal was passiert. Seit ihrem One-Night-Stand im ersten Band, bei dem Huldar einen falschen Namen genannt hat, schleichen sie umeinander herum. Gleichzeitig mag ich es aber auch, dass eben nichts passiert. Freyja plagt sich damit, dass sie in ihrem Leben etwas ändern will. Das BWL-Studium soll ein erster Schritt sein und mit diesem tut sie sich unglaublich schwer. Da ist sie schon wieder froh, von Huldar um Hilfe gebeten zu werden.

    Huldar hat hingegen auf dem Kommissariat zu kämpfen. Mit seinem Teamgefährten Guðlaugur versteht er sich ganz gut und sie ergänzen sich prima. Allerdings macht Erla, mit der er eine Liebesbeziehung hatte, ihm nach wie vor das Leben schwer. Das geht so weit, dass sie ihn mit langweiligen Alltagsaufgaben abspeist, obwohl ein Mordfall aufzuklären und ein Junge verschwunden ist und Huldars jahrelange Erfahrung hier viel eher von Nutzen wäre.

    ©  Tintenhain
    Vollständige Rezension unter
    https://tintenhain.de/2019/08/06/yrsa-sigurdardottir-r-i-p/

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    Cover des Buches Davor und Danach (ISBN: 9783791501000)

    Bewertung zu "Davor und Danach" von Nicky Singer

    Davor und Danach
    Tintenelfevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ich hab ein bisschen mehr erwartet, aber es ist ingesamt gut erzählt und geht auch auf das Flüchtlingsthema detailliert ein.
    Nicht viel Davor

    Hunger! Durst! Hitze! Kälte! Auf ihrem langen Weg aus dem Sudan nach Schottland hat Mhairi bereits alles erlebt. Nach der monatelangen Flucht vor den Auswirkungen des Klimawandels gelingt es Mhairi, in den ersehnten Norden zu gelangen. Hier gibt es noch genügend Wasser, hier kann man überleben. Zumindest bis zu einem bestimmten Alter, denn aufgrund der Überbevölkerung gibt es eine begrenzte Lebenszeit. Kurz vor der schottischen Grenze trifft Mhairi auf einen kleinen Jungen. Er spricht nicht, doch er heftet sich an Mhairis Fersen als wüsste er, dass er mit ihr zusammen überleben kann. Doch der Junge erinnert Mhairi an Muhammad, den Jungen, der am Anfang der Flucht bei ihr war und so viele Eselswitze kannte. Und an Muhammad möchte sie nun wirklich nicht erinnert werden.

    „Davor und Danach“ von Nicky Singer wird als „Eine berührende Geschichte über Klimawandel, Überbevölkerung und den Umgang mit Flüchtlingen.“ angekündigt und ich war schon sehr gespannt. Das Cover ist ein Eyecatcher, vor allem, weil Titel und Autorin nicht darauf stehen. Statt dessen findet man beides an Rücken und (überklapptem) Schnitt. Der Klimawandel, der eine Massenflucht auf der ganzen Welt einsetzen lässt, wird meiner Meinung nach nur unzureichend beschrieben. Die Überbevölkerung wird thematisiert und zeigt sich vor allem in der Begrenzung der Lebensjahre und des daraus resultierenden Handels. Sehr deutlich und aufwühlend jedoch wird der Umgang mit Flüchtlingen gezeigt.

    ...

    Vollständige Rezension auf dem Blog
    https://tintenhain.de/2019/02/06/nicky-singer-davor-und-danach/

    © Tintenhain

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    Cover des Buches Kluftinger (ISBN: 9783550081798)

    Bewertung zu "Kluftinger" von Volker Klüpfel

    Kluftinger
    Tintenelfevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Klufti-Fans kommen hier auf ihre vollen Kosten. So privat war der Kommissar noch nie.
    Klufti für Fans

    An Allerheiligen, als sich ganz Altusried zum „Gräberlauf“ auf dem Friedhof trifft, sieht sich der Kommissar zu seinem Entsetzen mit einem Holzkreuz, das seinen Namen trägt, konfrontiert. Dass ihm jemand ans Leder will, wird bald offensichtlich. Totenbildchen, auf denen er als junger Mann abgebildet ist, werden in der Kirche verteilt und eine Todesanzeige mit einer Liedzeile geben den Hinweis, dass der Grund dafür, dass ihm nach dem Leben getrachtet wird, wohl in seiner Vergangenheit zu suchen ist.

    So lernen wir in Rückblenden den Kommissar als jungen Mann kennen, treffen seine Jugendfreunde und erfahren auch, wie es dazu kam, dass er zur Polizei ging. Auch die erste Dienstzeit und der Wechsel zur Kriminalpolizei werden beleuchtet und man trifft auch bereits auf alte Bekannte. Dabei spielen Klüpfel und Kobr mit weiteren Regionalkrimis und Kluftinger trifft zum Beispiel auf Kommissar Jennerwein, der bei der Kemptener Polizei anfangen will.

    Es gibt auch eine frühe, etwas konstruiert wirkende Begegnung mit Dr. Langhammer, der auch als Jugendlicher schon ein außerordentlicher Klugscheißer ist, aber den man in diesem Band auch weniger als sonst ertragen muss. Da die Schlagabtausche zwischen Klufti und Langhammer inzwischen etwas ermüdend geworden sind, war dies tatsächlich sehr erholsam. Insgesamt kommt „Kluftinger“ mit weniger Klamauk aus. Es sind ernste Themen, die angesprochen werden und der Kommissar kommt nicht immer so gut dabei weg. Natürlich gibt es trotzdem jede Menge Humor und auch Grund zum lauten Lachen. Klufti als frisch gebackener Opa ist eben auch eine Nummer für sich.

    Wer sich schon immer gefragt hat, wofür die beiden Initialen A. I. stehen, wird nun auch endlich Antwort darauf erhalten, wie denn nun Kluftingers Vornamen lauten. Damit wird im zehnten Band ein lang gehütetes Geheimnis gelüftet, auch wenn es erste Andeutungen bereits bei „Himmelhorn“ gab. Stattdessen darf sich der geneigte Leser nun aber fragen, ob das Enkelkind ein Bub oder ein Mädel ist und wir dürfen gespannt bleibe, ob wir eines Tages den Namen des kleinen Butzeles erfahren werden.
    Da dieser Band mit einem Cliffhanger endet, können wir uns wohl auch auf eine Fortsetzung der Reihe freuen und ich kann für mich sagen, dass ich es kaum erwarten kann.

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    Cover des Buches Fanatisch (ISBN: 9783649624547)

    Bewertung zu "Fanatisch" von Patricia Schröder

    Fanatisch
    Tintenelfevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Gut konstruierter und spannend erzählter Jugendthriller zum Thema religiöser Fanatismus
    Gut konstruierter und spannend erzählter Jugendthriller

    Sechs Tage nach ihrem Verschwinden tauchen sechs Mädchen eines Abends wieder vor der Haustür ihrer Eltern auf. Sie tragen neue Kleidung, haben eine professionell versorgte Wunde an der Hand und sie sprechen kein Wort.
    Alles beginnt mit einer Nachricht, die die siebzehnjährige Nara Tage zuvor erhält „Stelle dich niemals gegen den göttlichen Willen! Es könnten furchtbare Dinge geschehen“. Kurz darauf verschwindet der geliebte Hund der aus dem Iran stammenden Familie. Doch es kommt noch schlimmer: Denn bald wird auch Naras kleiner Bruder Sinan bedroht. Nara tut alles, um Schlimmeres zu verhindern, doch weiß sie nicht, wer dieser kranke Fanatiker ist, der offensichtlich hinter ihr her ist. Um es herauszufinden, muss sie durch die Hölle gehen.

    Der Jugendthriller beginnt mit einem Zeitungsausschnitt, in dem über die Rückkehr der sechs Mädchen berichtet wird. Im ersten Teil des Buches wird in einer ausführlichen Rückblende erzählt, was in den Tagen zuvor geschah. Man erfährt auch, was in den sechs Tagen des Verschwindens passierte, so dass man in der Hälfte des Thrillers komplett auf dem Wissensstand der Ich-Erzählerin Nara ist. Im zweiten Teil geht es letztendlich um die Folgen der Entführung und die Überführung der Täter.

    Der Aufbau hat mir sehr gut gefallen, auch wenn man durch den anfänglichen Zeitungsausschnitt bereits wusste, worauf es hinausläuft. Immer noch im Raum steht ja die Frage, was eigentlich in den sechs Tagen passiert ist und wie es dazu kam. So tat es der Spannung auch keinen Abbruch zu wissen, dass die Mädchen entkommen würden. Auch der zweite Teil konnte mich von der Spannung her überzeugen und die Auflösung war weitestgehend zufriedenstellend. Die Abschnitte, die mit „Du“ und „Er“ übertitelt sind und außerhalb von Naras Erleben spielen, haben mich tatsächlich eher verwirrt als mir bei der Suche nach dem Täter zu helfen.

    Ein wenig fehlte mir der Tiefgang bei den Figuren. Die Eltern von Nara, die fast immer „arabisch“ bezeichnet wird, stammen aus dem Iran. Der Vater ist aktiv in der benachbarten Flüchtlingsunterkunft, die Flüchtlingskrise ist noch immer spürbar. Irritiert hat mich, dass das Essen meist Arabisch war, abgesehen von dem indischen Lassi. Anfangs wies nur das Kosewort „Azizam“ auf die iranische Herkunft hin.
    Von den Figuren außerhalb der Familie erfährt man nicht allzu viel. Auch die fünf anderen Mädchen bleiben sehr blass, was natürlich damit zu erklären ist, dass Nara sie kaum kennen lernen kann.

    Alles in allem hat mich „Fanatisch“ gut unterhalten und war fast durchgängig spannend. Aufgrund der fanatsisch-religiösen Thematik waren Teile des Thrillers sehr konstruiert, da sie einer biblischen angehauchten Logik folgen mussten. Natürlich habe ich schnell das Stichwort gegoogelt und dadurch schon erfahren, was als nächstes kommen muss, da ein Teil des biblischen Bezugs zunächst verschwiegen wird. Gefallen hat mir der Umgang mit dem Thema Religion und Fanatismus, insbesondere da dieser Zusammenhang zur zeit ausschließlich auf den Islam projiziert wird. Schröder arbeitet auch Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen heraus und zeigt auf, wie das geschriebene Wort zu Fehlinterpretationen verführen kann.

    Patricia Schröder schreibt flott und eingängig und ich hatte vor allem Spaß an den Dialogen zwischen Nara und ihrer besten Freundin Charlotte. Der Thriller ist gut durchdacht und spannend geschrieben, so dass ich ihn weiter empfehlen kann. Allerdings sollte man sich an die Altersempfehlung ab mindestens 14 Jahren halten, da religiöse Fanatiker bekanntlich nicht allzu zimperlich in ihren Methoden sind.

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    Cover des Buches Bis zum Himmel und zurück (ISBN: 9783463406947)

    Bewertung zu "Bis zum Himmel und zurück" von Catharina Junk

    Bis zum Himmel und zurück
    Tintenelfevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Einfühlsamer und berührender Roman mit Schmökerqualitäten.
    Einfühlsamer und berührender Roman mit Schmökerqualitäten

    Die Drehbuchautorin Katja bekommt eine ungeahnte Chance als sie ein Drehbuch für eine Familienserie schreiben soll. Schnell muss ein Konzept her: Ein Apfelhof im Norden, eine Protagonistin, die mit ihrer Familie gebrochen hat und plötzlich mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Ein bisschen Liebe muss natürlich auch dabei sein. Katja beginnt zu schreiben und muss schon bald feststellen, dass ihr Drehbuch wie aus dem eigenen Leben gegriffen ist. Denn unverhofft bekommt Katja einen Anruf mit einer erschreckenden Nachricht und zu alledem steht auch noch eine Halbschwester vor ihrer Tür. Zeit für Katja in das Drehbuch ihres eigenen Lebens einzugreifen.

    Catharina Junks zweiter Roman „Bis zum Himmel und zurück“ hat mich mit seiner Leichtigkeit trotz eines doch eher ernsten, tragischen Themas komplett überrascht. Beim Lesen hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, einen heiteren Wohlfühlroman zu lesen und doch ist er von einer ungewöhnlichen Tiefe und Dramatik gekennzeichnet, die einem das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Dieser gelungene Balanceakt hallt noch immer in mir nach.

    Katja ist eine junge Frau, die im Leben schon viel mitmachen musste und im Schreiben Zuflucht sucht. Hier kann sie sich die Welt gestalten, auch wenn die Realität sie schnell wieder einholt. Ihre Beziehung zu Ratko ist von Unverbindlichkeiten geprägt. Aber Ratko ist sowieso immer voller Pläne, die er nie umzusetzen vermag. Da braucht Katja eigentlich auch nicht weiter planen. Wie angenehm. Dafür ist sie in der Lage, sich schnell auf andere einzustellen und mal eben das Drehbuch für eine Folge der Krimiserie „Wache Mitte“ umzuschreiben, weil die berühmte, leider jedoch unberechenbare Hauptdarstellerin Dorit Wagenfels es gerade so wünscht. Dennoch ist Katja zunehmend davon genervt, dass jeder glaubt, mit ihr umspringen zu können, wie es ihm beliebt.
    Zu Glück gibt es da noch Joost, der zusammen mit der neuen Halbschwester Jella auftaucht und mit dem sie sich vom ersten Augenblick an verbunden fühlt. Er ist es auch, der ein wenig Licht in die Ereignisse aus Katjas Kindheit bringt, so dass die Chance besteht, dass Katja eines Tages ihren Frieden mit ihren Eltern, aber auch mit sich selbst machen kann.

    Catharina Junk schreibt locker und flüssig, nimmt ihre Leser*innen von der ersten Seite an mit und vermag es auf eine unglaublich lebendige Art zu fesseln. Sie schreibt bildhaft, teilweise szenisch und eingängig, so dass man sich sofort mit Katja identifizierten kann, egal wie chaotisch, verwirrend und verletzlich diese junge Frau ist. Sie berührt und bringt die Leser*in gleichzeitig zum Lachen, denn so wie Katja ihr Leben beschreibt, zeugt es von einem gesunden Humor.

    „Bis zum Himmel und zurück“ – der Titel spielt auf „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe“ an – ist ein wunderbar einfühlsamer und berührender Roman, der nicht nur Schmökerqualitäten entwickelt und fabelhaft zu unterhalten vermag, sondern zugleich Tiefgang und Tragik entwickelt. Mich konnte das Buch so sehr begeistern, dass ich demnächst auch Junks Debüt „Auf Null“ („Liebe wird aus Mut gemacht“) lesen möchte, obwohl mich das Thema nicht besonders reizt. Aber ich kann mir nun vorstellen, dass Catharina Junk etwas ganz besonderes daraus macht.
    Von mir gibt es für „Bis zum Himmel und zurück“ eine absolute Leseempfehlung!

    © Tintenhain
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    Cover des Buches Die Schönheit der Nacht (ISBN: 9783426654064)

    Bewertung zu "Die Schönheit der Nacht" von Nina George

    Die Schönheit der Nacht
    Tintenelfevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sprachlich überbordend und wortgewaltig - einfach grandios. Inhaltlich konnte mich der Roman jedoch nur selten abholen.
    Wortgewaltiger Exkurs in die Midlife-Crisis

    Gestohlene Momente im Stundenhotel, das Gefühl, nicht das aus ihrem Leben gemacht zu haben, was hätte sein können – die renommierte Verhaltensbiologin Claire ist sich nicht sicher, ob das was ist, was sie und ihr Mann Gilles seit Jahren miteinander, nebeneinander haben, alles gewesen sein soll. Als ihr Sohn Nicolas seine Freundin Julie vorstellt, lädt das Ehepaar die jungen Leute ein, den Sommer mit ihnen an der Betonischen Küste zu verbringen. Hier hat Claire mit elf Jahren zum ersten Mal zu sich selbst gefunden, immer wieder kehrt sie seitdem ans Meer zurück. Julie hingegen ist zum ersten Mal am Meer und gemeinsam mit Claire, mit der sie sich verbunden und vertraut fühlt, entdeckt sie sich selbst neu. Zwei Frauen auf der Suche nach dem Glück und nach sich selbst.

    Nina Georges neuer Roman beschäftigt sich mit der Frage nach dem Sein, nach dem Sinn und dessen, was ein erfülltes Leben ausmacht. Dabei bedient sie sich in geradezu philophischer Manier Metaphern über das Meer und das Leben. Der Roman lebt von der wohlgeschliffenen, überbordenden Sprache und dem französischen Flair, das mit eingestreuten Vokabeln untermalt wird. Es ist ein Balanceakt zwischen Poesie und Schwülstigkeit, der fast immer gelingt. Nur manchmal fühlte ich mich von wohlgesetzten, geradezu bedeutungsschwangeren Sätzen gerade gepeitscht. Zu sehr drängte sich das Gefühl auf, belehrt zu werden und eine Lebensphilosophie aufgedrängt zu bekommen. Vor allem zu Beginn war ich auf der Suche nach der Geschichte inmitten verschwurbelter, sinntragender Sätze, die, um ihre Bedeutung noch zu unterstreichen, zuweilen kursiv gesetzt werden.

    Mit Claire konnte ich mich kaum identifizieren, obwohl wir doch sicher alle auf der Suche sind. Trotz aller betonten Sinnlichkeit konnten mich ihre Gefühle kaum überzeugen. Sie blieb für mich unnahbar, keine ihrer Beziehungen, sei es die zum Mann, zum Sohn oder zu Julie, konnte mich berühren. Vielleicht lag es auch daran, wie sehr sie das Muttersein ablehnt und wie sie immer über allen Dingen zu schweben scheint. Keine Vorwürfe, keine Verletzungen angesichts der Untreue von Gilles.
    Claires Midlife-Crisis konnte mich nicht abholen, obwohl wir fast im selben Alter sind. Es geht um die Vergänglichkeit und Begehrlichkeit der Jugend, um Sinnlichkeit im Alter, Begehren und stets die Frage, wer man sein können und ob es dafür zu spät ist. Grundtenor ist durchgehend das Thema Sex, der Genuss von Wein, Gerüche und das Meer.

    Auch wenn ich das Buch sehr gut lesen konnte und ich die sprachliche Gewandtheit Nina Georges einerseits sehr bewundere, ihre kunstvollen Formulierungen mir jedoch hin und wieder auch ein wenig „too much“ sind, wird „Die Schönheit der Nacht“ nicht eines meiner Lieblingsbücher werden. Vielleicht komme ich in meinem Leben an die Stelle, an der ich das Buch nochmal lesen möchte. Sehr gefallen hat mir das Nachwort, in dem die Autorin erzählt, wie der Roman entstanden ist und was sie dabei getrieben hat.

    Gespannt bin ich auf die Lesung mit Nina George am 17. Mai in der Buchhandlung Graff, für die ich mir bereits eine Karte geholt habe.

    © Tintenhain
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    Cover des Buches The Wife Between Us (ISBN: 9783499291173)

    Bewertung zu "The Wife Between Us" von Greer Hendricks

    The Wife Between Us
    Tintenelfevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Spannender Psychothriller mit überraschenden Plottwists, aber auch einigen Längen.
    Spannender Psychothriller mit überraschenden Plottwists

    Als dieser Psychothriller (ursprünglich mit dem Titel „Die Andere“) angekündigt wurde, konnte ich es kaum erwarten, ihn zu lesen. Nun weiß ich gar nicht, wie ich das Buch beschreiben soll, ohne zu viel zu verraten, denn es gibt einige unerwartete Twist, die sich – so viel darf ich verraten – alle logisch und zufriedenstellend auflösen.

    Zunächst geht es um Nellie, die den smarten, weltmännischen Richard bei einem Flug kennengelernt hat. Richard verkörpert alles, was die junge Erzieherin, die nebenher noch kellnert, nicht hat: Geld, Sicherheit und ein Leben in Wohlstand. Bei ihm fühlt sie sich geborgen, ein Leben mit ihm scheint die Erfüllung aller Träume zu sein. Zu gut, um wahr zu sein? Doch Nellie fühlt sich auch beobachtet, am liebsten hat sie die Türen fest verriegelt, was auch mit einem Trauma aus ihrer Collegezeit zu tun hat.

    Vanessa hingegen hat alles verloren, was ihr Leben an Richards Seite einst ausmachte: Geld, Sicherheit und ein Leben in Wohlstand. Die Trennung von Richard macht ihr zu schaffen und während sie versucht, die Scherben ihres Lebens wieder zusammenzusetzen, tut sie alles, damit er die neue Frau an seiner Seite nicht heiratet.

    Viel mehr als das darf ich eigentlich schon nicht erzählen, denn schon der erste Twist um die beiden Frauen ist verblüffend. Stück für Stück entblättert sich die ganze Wahrheit um Richard und seine Frauen – erzählt von der Ich-Erzählerin Vanessa (Präsens) und in der dritten Person von Nellie (Präteritum). Den beiden Erzählsträngen, die später verflochten werden, lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Erzählweise sehr gut folgen.

    Sarah Pekkanen und Greer Hendricks, die vor ihrer Zusammenarbeit mit Sarah Pekkanen, deren Lektorin war, stricken gekonnt ein Netz aus Lügen, Geheimnissen und Verwirrung. Zunächst beginnt die Geschichte eher ruhig, wenn auch von Anfang an interessant. Erst spät entfaltet sich dann das ganze Spektrum aus psychologischer Spannung, Twists und Aha-Erlebnissen. Immer mehr Fäden werden zu einem Ganzen zusammengefügt, die Motive der Personen werden deutlicher und man erkennt, wie geschickt die Geschichte konstruiert ist.

    Der Schreibstil ist packend und flüssig, und doch muss man offensichtlich aufpassen, die Twists allesamt zu fassen zu kriegen, wenn ich mir die vielen Fragen auf Goodreads so anschaue. Für meinen Teil blieb keine Frage offen und ich habe alle Wendungen auf Anhieb verstehen können. Das schien aber nicht allen Lesern so ergangen sein.

    Mich hat „The Wife Between Us“ sehr gut unterhalten, auch wenn der Psychothriller an Spannung nicht durchgehend mit anderen Thrillern mithalten kann. Gefallen hat mir die psychologische Zeichnung der Figuren, die sehr realistisch und nicht überzogen dargestellt wurden.

    © Tintenhain
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    Cover des Buches Die Spiegel von Kettlewood Hall (ISBN: 9783426520789)

    Bewertung zu "Die Spiegel von Kettlewood Hall" von Maja Ilisch

    Die Spiegel von Kettlewood Hall
    Tintenelfevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbar atmosphärisch und bildhaft geschriebener Gruselroman im viktorianischen England
    Spanennder und atmosphärischer Gruselroman

    Die vierzehnjährige Iris Barling arbeitet in einer Textilfabrik in Leeds für einen Hungerlohn. Mit diesem muss sie seit dem Tod ihrer Mutter auch noch die unleidliche Großmutter durchbringen, die nicht mal besonders viel für ihre unehelich geborene Enkelin übrig hat. Das Geld reicht vorn und hinten nicht und den Avancen der Männer in der Fabrik und des Vermieters will Iris nicht nachgeben. Das einzige, was Iris von ihrer Mutter besitzt, ist ein hölzernes Pferd, eine Schachfigur, wie sie später von ihrem Lehrer erfährt. Die Mutter war damals zornentbrannt als sie Iris mit dem Pferd spielen sah und seitdem hat Iris die Figur nicht wieder gesehen. Doch Iris ist sich sicher, dass die Figur irgendwo versteckt sein muss und gleichzeitig der Schlüssel zur Vergangenheit ihrer Mutter. Mit der Schachfigur beginnt für Iris ein neues Leben, denn sie öffnet ihr die Türen von Kettlewood Hall, dem Anwesen, in dem ihre Mutter vor langer Zeit als Dienstmädchen beschäftigt war und wo alles begann. Schon bald versteht Iris, warum ihre Mutter niemals über Kettlewood Hall gesprochen hat, denn in dem alten Adelssitz gehen unheimlich Dinge vor sich und die Schatten in den Spiegeln sind nur der Anfang.

    „Die Spiegel von Kettlewood Hall“ ist ein sehr atmosphärischer, viktorianischer Gruselroman, der mich von der ersten Seite an zu fesseln vermochte. Bildhaft entsteht das harte Leben in der Textilfabrik, wo das junge Mädchen täglich an den Maschinen steht – zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück, viermal in der Minute. Und wehe, man kommt aus dem Tritt!
    Mit Iris begegnet der Leser einer authentischen und sympathischen Ich-Erzählerin, die man nur allzu gern auf der Suche nach dem Geheimnis von Kettlewood Hall begleitet. Auch die anderen Figuren wie der vom Leben enttäuschte, sich dem Alkohol hingebende Lehrer, die verbitterte Großmutter und die eigentümlichen Bewohner von Kettlewood Hall sind sehr lebhaft und einprägsam gezeichnet.

    Mit Iris‘ Eintreffen auf Kettlewood Hall wandelt sich die düster-viktorianische Fabrikatmosphäre in eine unheimliche Landhausstimmung mit exzentrischen Adligen und verängstigtem Dienstpersonal. Zwei unheimliche Hunde, die Iris bereits aus ihren Träume kennt, bewachen jeden ihrer Schritte, in den Spiegeln huschen Schatten umher und das Schachspiel, dessen fehlende Figur sich nun wieder an ihrem Platz befindet, scheint ein Eigenleben zu führen. Schlimmer noch, es scheint enger mit der Realität verknüpft zu sein als den Bewohnern Kettlewood Halls lieb sein kann.

    Maja Illisch gelingt es, den Leser von Anfang an zu fesseln und stimmungsvoll in das düstere viktorianische Zeitalter zu führen. Schnell entstehen lebendige Bilder, die die Seiten nur so dahin fliegen lassen. Die Spannung wird nicht unbedingt konstant gehalten, da sich vieles bereits früh abzeichnet und es nicht allzu viele Überraschungen gibt. Jedoch weiß man nie, wem Iris am Ende vertrauen kann und wie das Spiel ausgehen wird, so dass man das Buch dann doch nicht weglegen mag. Besonders gut haben mir von Anfang an die sprachlichen Verknüpfungen mit dem Schachspiel gefallen, die vor allem zu Beginn des Romans immer wieder auftauchen. Allein dadurch wird bereits eine besondere Atmosphäre erzeugt. Mann muss jedoch nicht des Schachspiels kundig sein, um der Handlung folgen zu können.

    Illisch erzählt flüssig und lebendig, die kleine eingeflochtene Liebesgeschichte bleibt zart und unaufdringlich. Die Mischung aus geschichtlichem, gut recherchiertem Hintergrund mit vielen Details, der mystischen Gruselgeschichte, Spannung mit einem Hauch Liebe hat mir unglaublich gut gefallen und ich hätte noch länger auf Kettlewood Hall verweilen können.

    Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung!

    © Tintenhain
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