Toxicas

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Die verstummte Frau (ISBN: 9783959675338)

    Bewertung zu "Die verstummte Frau" von Karin Slaughter

    Die verstummte Frau
    Toxicasvor 2 Monaten
    Konnte mich begeistern!

    Die Story beginnt gewohnt rasant und lässt den Leser Zeuge eines grauenvollen Verbrechens werden. Will Trent übernimmt die Ermittlungen und hat schon bald eine erste Spur. Doch es scheint, als müsste er in der Vergangenheit graben, um den Mörder zu fassen. Dabei kann ihm nur seine Verlobte Sara helfen, deren verstorbener Mann Jeffrey damals die Ermittlungen führte. Zusammen wollen Sie den kranken Killer stoppen, der die Frauen auf perfide weise ermordet.

    „Vielleicht folgt er ihnen in den Wald. Er schlägt sie bewusstlos und trägt sie an eine abgelegene Stelle, abseits der Hauptwege. Er betäubt sie mit Drogen und vergewaltigt sie. Er lässt sie liegen und kommt zurück, um bei jedem Besuch weiteren Schaden anzurichten.“ (Zitat)

    Die Charaktere Will Trent und Sara Linton sind ja mittlerweile schon bekannt und dennoch faszinieren sie mich immer wieder aufs Neue. Gerade Will gibt in diesem Werk Einblicke in seine traurige Vergangenheit, die mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper jagte.

    „Das Stapelsystem hatte ihn durch qualvolle Zeiten gebracht. Wenn Pflegeeltern ihn misshandelten oder ein Lehrer ihn anbrüllte, dass er dumm sei, packte er dieses schlimme Gefühl in ein Fach, und wenn alle Fächer voll waren, stellte er ein neues Tablett auf den Stapel.“ (Zitat)

    Aber auch Sara leistet wieder hervorragende Arbeit und trägt einen entscheidenden Teil zur Stellung des Mörders bei. Hierbei gibt sie dem Leser wieder faszinierende Einblicke in die Welt der Pathologie.

    „Es ist eine Legende, dass Haare und Nägel weiterwachsen. Vielmehr ist es so, dass die Haut sich zurückzieht, was die Nägel länger erscheinen lässt. Balsamierungsflüssigkeit zieht nicht in die Follikel ein, deshalb verliert das Haar seinen Glanz.“ (Zitat)

    Der Schreibstil war gewohnt fesselnd und hat mich so stark an das Buch gebunden, dass ich es kaum zur Seite legen konnte. Sehr bildhaft beschreibt Slaughter die Geschehnisse rund um die Morde der Frauen. Dabei legt sie Wert aufs Detail, was mir hin und wieder den Atem stocken ließ. So grauenhaft, wie sie die Ausübung der Morde beschreibt, musste ich doch die ein oder andere Pause einlegen, um verarbeiten zu können, was ich da gerade gelesen habe.

    Die aufgebaute Spannung entlädt sich dann vollends im Schlussteil, der eine große Überraschung verbirgt, mit der ich partout nicht gerechnet habe.

    Persönliches Fazit: Ein Pageturner, der mich ob der detaillierten Ermittlungsarbeit begeistert hat. Aufgrund der schrecklichen Details ist das Buch womöglich nichts für schwache Nerven - Trigger-Warnung!

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    Cover des Buches Patient Null - Wer wird überleben? (ISBN: 9783548064130)

    Bewertung zu "Patient Null - Wer wird überleben?" von Daniel Kalla

    Patient Null - Wer wird überleben?
    Toxicasvor 3 Monaten
    Gelungene Lektüre

    Dieser Thriller hat mich wegen seiner Bezüge zur aktuellen Situation angesprochen. Zwar wird hier mit der Pest ein weitaus schlimmeres Übel über die Welt gejagt, aber gerade das macht die Spannung aus.

    Im Fokus steht Dr. Alana Vaughn. Sie ist Expertin für Infektionskrankheiten bei der NATO und wird aufgrund dessen nach Genua gerufen, um eine Patientin mit einer neuen Art der Lungenpest zu untersuchen. Es stellt sich heraus, dass dieser Erreger gegen Antibiotika resistent ist. So kann sich die Pest ungehindert ausbreiten. Dr. Vaughn weiß, dass sie den „Patient Null“ schleunigst finden muss. Gemeinsam mit Byron Menke von der WHO macht sie sich auf die Suche.

    Die Charaktere sind speziell, so dass ich mich nicht mit ihnen identifizieren konnte. Das machte sie leider auch etwas unsympathisch. Trotzdem - oder gerade deswegen - gefielen sie mir. Es müssen weder Sympathisanten sein noch Stereotypen. Die machen das Ganze nur zu einem 08/15-Mainstream-Einheitsbrei. Es war schön, auch mal Figuren zu beobachten, die ich nicht sonderlich mag.

    Italien als Kulisse war neu für mich und hat sehr gut zum Plot gepasst.
    Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die miteinander verknüpft sind. Dadurch bekommt auch die Handlung einiges an Tempo, Längen sind so gut wie nicht vorhanden. Zwar gab es einige Passagen, die sehr fachlich gehalten waren, doch der Autor hat es geschafft, das Fachchinesisch verständlich zu halten und so zu vermeiden, dass man Passagen nicht oder nur schwer versteht.

    Alles in allem konnte ich viele Parallelen zur jetzigen Situation finden, was das Lesen umso interessanter gemacht hat. Eine wirklich gelungene Lektüre.

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    Cover des Buches Turmschatten (ISBN: 9783360013569)

    Bewertung zu "Turmschatten" von Peter Grandl

    Turmschatten
    Toxicasvor 4 Monaten
    Großartiger Thriller mit interessanten Polit-Elementen

    Nach diesem Klappentext musste ich das Buch unbedingt lesen! 

    Ephraim Zamir wurde damals im KZ, nachdem seine Mutter vor seinen Augen erschossen wurde, weil sie ihre Kinder nicht freigeben wollte, zusammen mit seinem Zwillingsbruder zu Versuchszwecken von Dr. Mengele missbraucht. Er hat das KZ als einziger seiner Familie überlebt und ist danach aus Deutschland verschwunden. Im Alter von 72 Jahren jedoch kauft er sich einen alten Turm und lässt ihn sich zu einer regelrechten Festung ausbauen, in der er mit seiner Haushälterin Esther lebt. Doch Esther ist nicht nur seine Haushälterin, sie ist wie eine Tochter für ihn, die in ihm nach all den Jahren wieder menschliche Emotionen hervorruft.

    Als er den Bau einer Synagoge finanzieren will, gerät er ins Visier von Neonazis, die beschließen, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, indem sie in seinen Turm eindringen und ihm drohen. Doch der Plan geht gründlich schief: Nur die Haushälterin ist da, und der gerade mal 13-jährige Thomas, den sie als Lockvogel eingesetzt haben, um in den Turm zu gelangen, erschießt Esther, um sich vor seinen Kameraden zu profilieren. Bei Zamirs Rückkehr gelingt es ihm tatsächlich, die drei erwachsenen Neonazis in seine Gewalt zu bringen. Er startet einen Online-Stream, in dem er die Geiseln verhört, ihnen ihre Vergehen vorhält und die Bevölkerung zur Abstimmung aufruft: Leben oder Tod?

    Hui, und da beginnt das Kopfkarussell. Ich hasse Rassismus und Faschismus! Was würde ich tun, wenn es so eine Abstimmung gäbe und da wirklich zum Teil abgrundtief böse Menschen sitzen, deren Taten teilweise abscheulich und eindeutig nichts mit ihrer Gesinnung zu tun hatten? Was würdet ihr tun?
    Der Autor hat es geschafft, mich teilweise auch in die Köpfe der Bösen schauen zu lassen. Wer sind sie wirklich, also so ganz tief drin, da wo ihre Kameraden niemals hinschauen? Sind sie vielleicht einfach nur arme Tropfe, die fehlgeleitet, fehlgeprägt wurden und sich einfach nur nach Zusammenhalt und Familie sehnen? Oder doch knallharte Arschlöcher? Oder gibt es da Unterschiede?

    Diese Story hat mich echt mitgerissen, durch die vielen Kapitelwechsel, mit denen auch die Protagonisten und Zeiten sich ablösen, erhält man einen guten Einblick in die verschiedenen Leben und Schicksale. Viele Wendungen und Verkettungen von Ereignissen, die wie eine Reihe Dominosteine fallen, haben mich durch das Buch gepeitscht. Ich konnte mich in die meisten Charaktere bis ins Innerste hineinversetzen, und das Buch wird noch länger in meinem Kopf nachhallen, so viel steht fest. Es bringt einen wirklich zum Nachdenken und zeigt gut die Strukturen von Kameradschaften und Politik auf. Schockierend, wie schnell man als Junge, wie Thomas, in so etwas hineingeraten kann. Aber auch das Fernsehen und wir als Menschen werden mit dieser Geschichte gesellschaftskritisch angesprochen. Der Autor hat hier einige wichtige Themen miteinander perfekt verwoben und zum Denken angeregt. Ich bin sprachlos, wirklich gut gemacht!

    Persönliches Fazit: Ein großartiger Thriller mit interessanten Polit-Elementen, den sich niemand entgehen lassen sollte. Weder rechts noch links. Vielleicht hilft's dem Einen oder Anderen. 


    Alice / RO

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    Cover des Buches Tears of Tess - Buch 1 (ISBN: 9783865526168)

    Bewertung zu "Tears of Tess - Buch 1" von Pepper Winters

    Tears of Tess - Buch 1
    Toxicasvor 5 Monaten
    Ein beeindruckendes Buch

    Dieses Buch beginnt mit einem dramatischen, noch ruhigen Prolog. Tess und Brax sind ein glückliches Paar aus Australien und möchten ihre Zweisamkeit bei einer romantischen Reise nach Mexiko auskosten. Tess möchte die Gunst der Stunde nutzen, um Brax von ihren geheimen, sexuellen Fantasien und Neigungen zu erzählen. Was zunächst wie ein Liebes-Trip klingt, entpuppt sich bald zu einer Geschichte, aus der keiner mehr unverändert herauskommt. Tess wird von einem Frauenhändler entführt und verkauft. Der Albtraum beginnt ...


    Ich lerne Tess als eine sehr sympathische, mutige und starke Frau kennen, die auch in den schlimmsten Momenten versucht, ihren Lebenswillen aufrecht zu erhalten. Sie beeindruckt mich mit ihrer Robustheit und Tapferkeit.


    Q, ein weiterer Charakter in diesem Buch, verkörpert zunächst den reichen Bad Boy. Er ist sexy, sehr attraktiv, hat aber auch seine düsteren Seiten und wirkt oftmals recht besitzergreifend. Bei ihm weiß ich nicht, woran ich genau bin. Er bleibt ein aufregendes Rätsel. Bei den Sexszenen mit ihm bin ich einige Male rot angelaufen :D Später erzählt die Autorin mehr über seine Vergangenheit und gibt einen guten Blick hinter die Kulissen frei. Dadurch wird mir vieles, was er tut und sagt, verständlicher.


    Als beide Protagonisten aufeinander treffen, fühlt sich das an wie ein unruhiger Vulkan. Man hat etwas Angst davor, dass er ausbricht, findet die Vorstellung dennoch faszinierend und kann den Ausbruch kaum erwarten.


    Der Schreibstil ist frisch, modern und liest sich flüssig. Die Sprache ist leicht verständlich, facettenreich und ziemlich explizit.


    Die Kapitel sind mit Schwalben verziert, die mir gut gefallen. Im Laufe des Buches wird inhaltlich auf sie eingegangen.


    Fazit: Ein beeindruckendes Buch, welches mich fassungslos und emotional völlig durchgenommen (passt ja zum Genre) zurücklässt. Puh! Nichts für Zartbesaitete, aber für Leser mit Mut zu etwas Neuem. Das Cover wirkt schlicht und harmlos. Das täuscht! Oh! Ja!


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    Cover des Buches Shalom Berlin (ISBN: 9783492061919)

    Bewertung zu "Shalom Berlin" von Michael Wallner

    Shalom Berlin
    Toxicasvor 6 Monaten
    Gelungener Polit-Krimi

    Bevor ich auf die Handlung näher eingehe, möchte ich unbedingt das Cover hervorheben, denn hier strahlt uns das Brandenburger Tor in vollem Glanz entgegen. Dies und auch der spannende Klappentext haben mich absolut neugierig auf das Buch gemacht.

    Der Hauptprotagonist Alain Liebermann ist Ermittler. Er lebt mit seiner jüdischen Familie in Berlin und bekämpft dort den Terror als Mitglied des mobilen Einsatzkommandos Staatsschutz. Alain ist clever und macht einen guten Job. Als er mit dem Fall von Hanna Golden konfrontiert wird, merkt er jedoch schnell, dass er es hier mit einem antisemitischen Fall zu tun hat. Vorsicht ist geboten, und Alain ermittelt präziser denn je. Doch leider kann er nicht verhindern, dass plötzlich seine Familie im Mittelpunkt der Geschehnisse steht.

    Der Plot beginnt sachte und nimmt dann langsam an Fahrt auf. Den Schreibstil des Autors empfand ich als angenehm, aber dennoch recht anspruchsvoll. Gerade die raffinierten Wendungen konnten mich hier überzeugen und haben mich regelrecht an das Buch gefesselt.

    Die Beschreibung von Alains jüdischer Familie war sehr ausgeprägt. Sie wurden sehr realistisch beschrieben, und es fiel mir leicht, Zugang zu ihnen zu finden. Alain hingegen wirkte oft nachdenklich, wenn das auch die einzige Eigenschaft war, die ich ihm entlocken konnte. Trotz meiner Sympathie ihm gegenüber blieb er mir leider etwas fremd bzw. zu unantastbar.

    Michael Wallner legt den Aspekt auf mehrere Bereiche, so auch auf die Bundespolitik. Was er darüber in Erfahrung bringt und dem Leser durch Alain schildert, hat mich mehr als überrascht und außerordentlich gut unterhalten.

    Den Schlussteil finde ich grandios umgesetzt, da die Auflösung zwar etwas verstrickt wirkt, den Plot jedoch perfekt zum Abschluss bringt und abrundet, ohne dabei Fragen offen zu lassen.

    Persönliches Fazit: Für mich ein gelungener Polit-Krimi, der erneut das wichtige Thema Antisemitismus zur Sprache bringt. Fesselnder Plot mit interessanten Charakteren und einer konkreten Botschaft!


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    Cover des Buches Rückkehr nach Birkenau (ISBN: 9783351034634)

    Bewertung zu "Rückkehr nach Birkenau" von Ginette Kolinka

    Rückkehr nach Birkenau
    Toxicasvor 6 Monaten
    Ein herzergreifendes Buch

    Ginette Kolinka ist eine bemerkenswerte Frau. Die heute 94-Jährige führt regelmäßig Schulklassen durch Ausschwitz, um ihnen ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte über Demütigung und abgrundtiefen Hass, die einem eine Gänsehaut über den Körper jagt.

    Mit 19 Jahren wird Ginette verhaftet und kommt in Ausschwitz-Birkenau an. Zusammen mit ihrem Vater Léon, ihrem 12-jährigen Bruder Gilbert und ihrem Neffen soll sie ihre Strafe wegen angeblicher Denunzierung absitzen. Schon kurz nach der Ankunft werden die vier getrennt und Ginette in ein Frauenlager überstellt. Ihr Vater und ihr Bruder werden auf grausame Weise vergast.

    Das Leben in Birkenau geht nicht spurlos an Ginette vorbei. Sie wird von Depressionen, Panikattacken und Alpträumen geplagt, dabei ist ihr Leidensweg noch lange nicht vorüber. Ginette erzählt von ihrer Arbeit in den Konzentrationslagern, davon, dass sie sich mit fünf anderen Mädchen ein Bett teilen musste und von dem endlosen Hungergefühl. Laut eigener Aussage war der Hunger das Einzige, an das sie permanent gedacht habe.

    Als sie 1945 endlich befreit und nach Lyon zurücküberstellt wurde, machte sie sich gleich auf die Suche nach Verwandten, die hoffentlich überlebt hatten. Und tatsächlich wurde sie in Paris fündig. Später lernte sie ihren Ehemann kennen und betrieb mit ihm vierzig Jahre lang ein Wirk- und Strickwarengeschäft auf dem Markt von Aubervilliers. Erst als Ginette Witwe war kam sie zu der Erkenntnis, dass sie über das Erlebte in Ausschwitz sprechen muss.

    Die Erzählungen von Ginette faszinierten und erschraken mich zugleich. Fasziniert war ich von der starken Frau, die den Mut hat, über die schlimmen Erlebnisse zu sprechen und den Menschen vor Augen zu führen, wie schrecklich es damals in Ausschwitz zuging und wie wichtig es ist, dass sich das niemals mehr wiederholen darf! Die Schilderungen ihrer Qualen, sei es der Hunger oder die Demütigungen, die sie über sich hat ergehen lassen müssen, haben mir Tränen in die Augen getrieben und mich fassungslos zurückgelassen. Unvorstellbar, was Ginette und Millionen anderen Unschuldigen dort widerfahren ist.

    Zum Schluss hat Ginette nur einen Wunsch - und dem schließe ich mich uneingeschränkt an: „Wenn ihr hört, wie Eure Eltern, Verwandte oder Freunde rassistische, antisemitische Äußerungen von sich geben, fragt sie warum. Ihr habt das Recht zu diskutieren, sie von ihrer Meinung abzubringen, ihnen zu sagen, dass sie sich täuschen.“

    Persönliches Fazit: Ein herzergreifendes Buch über eine unglaublich starke und mutige Frau. Diese grausame Geschichte darf sich nicht wiederholen, da sind wir uns alle einig!

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    Cover des Buches Wisting und der Tag der Vermissten (ISBN: 9783492061414)

    Bewertung zu "Wisting und der Tag der Vermissten" von Jørn Lier Horst

    Wisting und der Tag der Vermissten
    Toxicasvor 7 Monaten
    Potenzial zur neuen Lieblingsreihe

    Hach, mal wieder ein norwegischer Krimi. Darüber kann ich eigentlich nie etwas Schlechtes sagen. Ich bin einfach zu vernarrt in die Skandinavier – absolute Atmosphären-Götter für mich!

    Auch dieser Krimi konnte mich absolut überzeugen. Umso erschrockener war ich, als ich festgestellt habe, dass es bereits eine Reihe um Kommissar William Wisting gibt, die komplett an mir vorbeigegangen ist. Beim hier rezensierten Buch handelt es sich um ein Spin-off, die Reihe hängt also mit den bisher veröffentlichten Büchern zusammen, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden.

    Aber wenden wir uns erstmal dieser Geschichte zu. Vor 24 Jahren verschwand Katharina Haugen. Zurück hinterließ sie neben ihrem Koffer einige vertrocknete Rosen und einen Code aus Ziffern und Zahlen, den keiner entschlüsseln kann. Jedes Jahr besucht Kommissar William Wisting den Ehemann der Verschwundenen – bis dieser eines Tages selbst verschwindet. Und da geht es erst richtig los, denn der Ehemann gehörte damals zu den Verdächtigen. Ihm konnte allerdings nie eine Beteiligung an Katharinas Verschwinden nachgewiesen werden. Zu allem Überfluss tauchen seine Fingerabdrücke jetzt auch noch in einem anderen Cold Case auf.

    William Wisting als Protagonist ist ein absoluter Sympathieträger. Keine Spur von Klischee, kein Alkohol, keine schreckliche Vergangenheit, kein Egoist. Im Gegenteil. Sein Ein und Alles ist seine kleine Enkeltochter, für die er ein gutes Vorbild sein möchte. Die Charaktere insgesamt sind menschlich und nicht perfekt – jeder hat seine Stärken, aber auch Schwächen.

    Dieser Thriller kommt fast ohne Blut aus. Dafür kann der Autor mit der düsteren Stimmung punkten und mit spannenden Ermittlungen. Besonders gut ist hierbei, dass die Ermittlungsarbeit nicht von heute auf morgen geschieht, sondern dass dies authentisch dargestellt wird und man sich für sie Zeit nimmt. Da der Autor selbst etliche Jahre als Polizist tätig war, kann er die Abläufe realistisch schildern.

    Das Buch lässt sich langsam angehen, zieht dann jedoch rasant an Tempo an. Je tiefer ich in die Geschichte gezogen wurde, desto weniger konnte ich das Buch an die Seite legen. Mit Spannung warte ich auf den nächsten Teil, denn ich fand es sehr schade, mich von Wisting verabschieden zu müssen.

    Persönliches Fazit: Nach und nach werden hier die verschiedenen Schichten freigelegt. Diese Reihe könnte das Potenzial zur neuen Lieblingsreihe haben. Leseempfehlung - nicht nur an Freunde von Krimis, sondern an jene Leser, die gern Ermittlungen mitverfolgen!

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    Cover des Buches Der Fund (ISBN: 9783442757831)

    Bewertung zu "Der Fund" von Bernhard Aichner

    Der Fund
    Toxicasvor 7 Monaten
    Suchtgefahr!

    Bevor ich mit der Rezension loslege, muss ich zuerst die Aufmachung lobenswert erwähnen. Die knallgelben Seiten des Buchschnitts stechen unglaublich von dem schlichten schwarzen Cover hervor und sind ein echter Eyecatcher. Schon allein dafür lohnt es sich, das Buch zu erwerben!

    „Es ist der Moment, der alles verändert“. Mit diesen Worten beginnt das Buch, und nach einem rasanten Einstieg in die Geschichte, werden wir auch gleich Zeuge von Ritas Fund. Aber was war Rita für ein Mensch und warum musste sie sterben?

    Bernhard Aichner lässt uns in dieser fesselnden Story an Ritas Leben teilhaben – bevor sie ihren tödlichen Fehler begeht. Diese Erzählungen haben mir besonders gut gefallen, denn dadurch wird Rita im Plot trotz ihres Todes zur Hauptfigur. Nur durch den dynamischen Schreibstil war es mir möglich, wesentliche Charakterzüge bei Rita zu erkennen und eine Nähe zu ihr herzustellen.

    Desweiteren begleiten wir diverse Dialoge eines uns unbekannten Ermittlers mit verschiedenen Verdächtigen und Augenzeugen. Diese Unterhaltungen sind recht kurzgehalten und mit Spielstrichen versehen. Sie vermitteln dem Leser auch nur die nötigsten Informationen, sind jedoch völlig ausreichend, denn auch mit wenig Worten verleiht Aichner den Figuren eine ausreichende Tiefe. Außerdem lässt er somit genug Raum für eigene Spekulationen.

    Der Plot selbst entwickelt sich schnell und fesselnd und lässt den Leser teilweise verstörend zurück. Häufige Wendungen bringen Abwechslung in die Handlung, machen die Story aber keinesfalls unrealistisch. Im Gegenteil! Ich habe schon lange nicht mehr einen so psychologisch hochinteressanten und einzigarten Thriller wie diesen gelesen. Die Grundstimmung in diesem Buch ist absolut brillant ausgearbeitet und lässt den Leser voller Spannung erschaudern.

    Der Schreibstil ist direkt, ohne jegliche Umschweife. Auf diese Weise gelingt es Aichner problemlos, den Leser in jede Atmosphäre mitzunehmen, ihn zu integrieren, ihn und den Plot zu verschmelzen und ihm schier den Atem zu rauben. Absolut grandios! Man merkt, ich bin ziemlich beeindruckt.

    Und obwohl sich der Leser (mich eingeschlossen) schon auf eine bestimmte Ausgangstheorie eingestellt hat, wartet am Ende nochmal eine Überraschung.

    Persönliches Fazit: Ein wahrer Pageturner mit Suchtgefahr! Wer auf der Suche nach einem psychologisch konstruierten Plot ist, der wird an diesem Thriller nicht vorbeikommen. Bitte lesen!

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    Cover des Buches Das Ritual des Wassers (ISBN: 9783651025844)

    Bewertung zu "Das Ritual des Wassers" von Eva García Sáenz

    Das Ritual des Wassers
    Toxicasvor 7 Monaten
    Pageturner wie der Vorgänger

    Bereits der erste Teil „Die Stille des Todes“ konnte uns überzeugen (schaut hier). Und was wäre eine Ermittler-Serie ohne die persönlichen Verstrickungen der Protagonisten? So kommt es, dass Krakes erste große Liebe ermordet aufgefunden wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie Opfer eines Ritualmordes geworden. Kurze Zeit später wird die nächste Leiche gefunden, und die Verbindung scheint offensichtlich: die Opfer sind kurz davor, Mutter oder Vater zu werden, denn auch Annabel war schwanger.

    Wie auch im Vorgänger geht es hier um historische Begebenheiten; dieses Mal hängt alles mit den Kelten und ihren Wasserritualen zusammen (übrigens ein sehr interessantes Thema, auch abseits des Buches). Doch Inspector Ayala ist immer noch krankgeschrieben, erholt sich von den Verletzungen aus den letzten Ermittlungen. Er kann nicht sprechen, kommuniziert nur schiftlich. Auch sein Privatleben ist alles andere als geordnet. Denn er wird (vielleicht) bald Vater und schwebt genauso wie die werdende Mutter in großer Gefahr.

    Die Autorin bleibt bei Altbewährtem und erzählt auch hier in mehreren Zeitebenen. Gegenwärtig wird nicht nur der aktuelle Fall aufgeklärt, sondern der Mörder kommt ebenfalls in kurzen Sequenzen zu Wort. In der Vergangenheit begleiten wir den jugendlichen Inspector und seine Jugendfreunde, die ein Ferienlager besuchen. Anfangs noch verwirrend und anscheinend willkürlich zusammengesteckt, ergeben die Puzzlestücke einen Sinn, je mehr man enthüllt. Trotz vieler Verdachtsmomente und Vermutungen war mir erst eindeutig klar, worauf alles hinausläuft, als ich dem Finale schon sehr nah war. Die Autorin konnte meine Annahmen relativ früh zerstreuen, hat mich über Umwege dann aber wieder zu ihnen zurückgeführt.

    Im ersten Teil konnten die Charaktere mich noch nicht allzu sehr mitreißen, und ich war gespannt auf die weitere Entwicklung. Der Autorin ist, wie ich jetzt sagen kann, eine sehr authentische Zeichnung der Figuren gelungen. Neben Ayala sind auch Alba und Esti die Persönlichkeiten, die einen großen Teil des Charmes ausmachen. Sie sind einfach liebenswert und so realitätsnah, dass man sich als Leser problemlos in sie hineinversetzen kann. Damit es nicht langweilig wird, hat die Autorin ihnen Milán und Manu an die Seite gestellt, die definitiv ein Gewinn für die Ermittlungen, aber auch für den Fortgang der Reihe sind.

    Während ich bei „Die Stille des Todes“ noch mit den spanischen Namen Probleme hatte, konnte ich hier lückenlos anschließen und war schnell wieder daran gewöhnt. Ansonsten gibt es ein Personenregister, in dem man auch mal fix nachsehen kann. Das hat auch dazu beigetragen, dass sich die Story viel besser und flüssiger lesen ließ und sich nicht unnötig zog. Lediglich die ständige Einbindung von Krakes Privatleben beziehungsweise die Bedrohung, die seine Arbeit auf seine engsten Freunde hat, sind hier etwas zu viel, da es schon im ersten Band einer der Hauptstränge war.

    Persönliches Fazit: Teil zwei dieser spannenden Reihe ist ebenso empfehlenswert wie der Vorgänger. Ein Pageturner und somit eine Empfehlung an Freunde von sogartigen Plots. Jetzt heißt es, die Zeit bis zum dritten Teil herumzubekommen!

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    Cover des Buches Milchmann (ISBN: 9783608504682)

    Bewertung zu "Milchmann" von Anna Burns

    Milchmann
    Toxicasvor 7 Monaten
    Regt zum Nachdenken an

    Bei diesem Buch hat es mir ganz besonders der Titel angetan. „Milchmann“. Einen Milchmann gab es früher, kenne ich aus den Erzählungen meiner Oma. Und was soll an so einem jetzt spannend sein, dass man ein Buch darüber schreibt und Preise gewinnt? Ich ließ mich also überraschen und war direkt von Anfang an begeistert. Warum? Weil es in diesem Buch keine Namen gibt. Es gibt den Milchmann, die Schwester, den Schwager. Die Brüder Dings und Dings, und Irgendwer McIrgendwas. Das liest sich, als ob man sich daran erst gewöhnen muss, aber überhaupt nicht. Ich konnte die Story lesen ohne zu stolpern, ohne überlegen zu müssen wer mit wem in welcher Beziehung steht.

    Die Geschichte wird aus der Perspektive der mittleren Schwester erzählt. Sie wird gestalkt, und zwar von Milchmann. Dabei muss sie sich nicht nur verbal gegen ihn zur Wehr setzen, sondern auch die Tiraden ihrer Mutter aushalten, die gespielte Sorge ihrer Schwester, muss die Gerüchte ertragen, die über sie in die Welt gesetzt werden. Alles in allem: Sie hat es nicht leicht.

    Die Autorin hat es geschafft, mit wenigen Worten und leichter Sprache einen Roman zu schaffen, der so viel mehr erzählt, als man im ersten Moment denkt. Sie bringt die Gedanken und Gefühle der mittleren Schwester so lebendig rüber, dass man denken könnte, sie sei es selbst gewesen. Sie hat mich mit diesem Buch aus der Komfortzone gelockt und ich habe es nicht bereut. Diese Buch ist es definitiv wert, dass man ihm eine Chance gibt!

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