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Waschbaerin

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Pietà (ISBN: 9783038481898)

    Bewertung zu "Pietà" von Markus Günther

    Pietà
    Waschbaerinvor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Zitat: "Es geht darum, jeden Morgen aufzustehen und das Heldentum im Alltag zu finden. Sie müssen ein Held der kleinen Dinge werden...."
    "Die Wege der Menschen kreuzen sich nicht zufällig"

    Das Buch "Pietà" von Markus Günther ist kein alltäglicher Roman. Wahrscheinlich wird sich nicht die große Masse darauf stürzen, ist der Inhalt doch sehr speziell und passt nicht in den Modus - "wir wollen Spaß". Es geht um das Leben - ober besser gesagt um den Tod, dem wir uns mit jedem Tag unseres Lebens nähern. 

    Zuerst einmal etwas über das Äußere. Das Buch fasst sich wunderbar an, liegt herrlich in der Hand und ich musste immer wieder über den Einband streichen. Eine liebevolle Geste, die vielleicht auch dem Cover gilt. Genau so wie der junge Mann dort steht, stelle ich mir Lutz vor, den Kopf unschlüssig nach vorn gebeugt, den Blick auf den Boden gerichtet. 

    Lutz, der Protagonist, verbrachte seine Schulzeit in einem kath. Internat. Wessen Gedanken nun sofort auf sex. Missbrauch gerichtet sind, denkt falsch. Es gibt auch kath. Schulen, in denen junge Menschen ganz normal ausgebildet und auf das Leben vorbereitet werden. Erstmals im Leben wird Lutz mit dem Tod konfrontiert, als einer der Padres stirbt. Doch es berührt die Schüler nur in der Beziehung, dass sie neugierig sind, wie ein Toter aussieht. Auch als Freunde von ihm ums Leben kommen, weiß er nicht damit umzugehen. Linkisch steht er vor deren Eltern und weiß nicht was zu sagen ist. In seinem Leben hat der Tod noch keinen Platz. Das Leben liegt vor ihm und verspricht großartig zu werden. Das Studium bringt ganz neue Freiheiten und auch Erkenntnisse. Was ist Geschichte? fragt sein Professor. Und je mehr Lutz nach einer Antwort sucht, umso mehr stellen sich ihm Fragen nach dem Leben, auch seinem eigenen. Seite 115: "Natürlich habe auch ich, wie viele andere, oft davon geträumt, alle Fesseln anzustreifen. ..." Doch unaufhörlich drängt sich das wirkliche Leben und der Umgang mit dem Tod in seinen Alltag, als bei seiner Mutter Krebs festgestellt wird. Unheilbar. Das Unfassbare nicht wahrhaben wollen. Nicht annehmen können, bis es sich nicht mehr leugnen lässt. Seite 130: "Ich ahnte nicht, das ich die letzte Chance vertan hatte, mich von Mensch zu Mensch mit ihr auszutauschen, bevor die Wesensveränderungen einsetzen, die jeden todkranken Menschen zu einem Fremden machen und unüberbrückbare Gräben aufreißt". Noch immer die albernen Reden: "Weiterkämpfen und nicht aufgeben". Bis seine Mutter sagt: "Ich kann nicht mehr". Jedoch, wann ist man als junger Mensch bereit, seine Mutter herzugeben?. Wahrscheinlich glauben selbst erwachsene Kinder noch immer wider besseres Wissen, die eigenen Eltern würden sie durch ihr ganzes Leben begleiten, bis sie selbst alt werden. Welch ein Trugschluss!

    Zuerst stirbt seine Mutter und kaum ist sie unter der Erde, erkrankt auch sein Vater allerschwerst. Bezeichnend Seite 143: " ... Ich hatte verstanden, dass man ärztliche Warnungen dieser Art doch ernst nehmen musste und dass Menschen auch gegen meinen ausdrücklichen Willen sterben können". 

    Auf Seite 144: " Der Tod ist nicht einfach ein Ereignis, er ist ein Wesen, das kommt, manchmal mit Radau hineinplatzt mitten ins Leben, sich manchmal aber auch katzengleich auf leisen Pfoten unbemerkt hineinschleicht und behende sein grauenhaftes Geschäft verrichtet". 

    "Trauer macht einsam", lesen wir auf Seite 152. Wie wahr. Niemand kann uns die Trauer abnehmen, niemand kann sie uns erleichtern. Trauer ist immer individuell und nicht auf mehrere Schultern zu verteilen. 

    Doch das Buch wäre zu traurig, gäbe es nicht auch ein Blick auf die Zukunft. Seite 188: "Die Wege der Menschen kreuzen sich nicht zufällig". Lutz lernt seine neue Freundin Michaela kennen. 

    Besonders gut gefiel mit ein kurzer Abschnitt auf S. 227: " Von allen Metaphern und Redensarten, mit denen Menschen versuchen, über Sterbende zu sprechen ist diese vielleicht die treffendste: Wer stirbt, macht sich auf den Weg. Das heißt, dass er sich langsam entfernt, dass er eine Zeitlang noch in Ruf- und Sichtweite ist, dass er dann aber in unerreichbarer Ferne verschwindet. Und es heißt auch, dass er nur ein Stück weit begleitet werden kann; die letzten Schritte aber tut er ganz allein". 

    "Pietà" ist ein wundervolles Buch über das Leben, welches für uns alle eines Tages mit unserem Tod zu Ende geht. Der Autor ist ein Meister der leisen Töne und vermag auch noch die schlimmsten Ängste und Gefühle in versöhnliche Worte zu kleiden, was selbst das Unfassbare für uns Menschen durchlebbar erscheinen lässt. Wir halten das alles aus. 

    Der fontis Verlag hat mit diesem Buch wieder ein außergewöhnliches  Werk verlegt.


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    Cover des Buches Meine Stimme für das Leben (ISBN: 9783765507045)

    Bewertung zu "Meine Stimme für das Leben" von Denis Mukwege

    Meine Stimme für das Leben
    Waschbaerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Durch dieses Buch bekommen die vergewaltigten Frauen und Mädchen im Kongo eine Stimme. Die vermeintlichen Sieger nehmen sich ohne zu fragen
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    Cover des Buches Das wirkliche Leben (ISBN: 9783423282130)

    Bewertung zu "Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné

    Das wirkliche Leben
    Waschbaerinvor einem Monat
    Wie es sich lebt, wenn die Seele getötet wurde

    Seit einigen Monaten scheint es, als würden mich  Bücher über mißbrauchte Kinder regelrecht von sich aus suchen. So auch der Debütroman von Adeline Dieudonné, "Das wirkliche Leben". 

    Es ist kein sexueller Mißbrauch, der hier geschieht. Doch Mißbrauch ist so vielfältig wie das Leben selbst. In diesem Buch mißbraucht ein Ehemann und Vater seine Ehefrau und seine Kinder, damit er sich selbst gut fühlt und seine Gewaltbereitschaft sowie  sein Frust ein Ventil haben. 

    "Bei uns zu Hause gab es vier Schlafzimmer. Meines. Das meines Bruders Gilles. Das meiner Eltern. Und das der Kadaver." So ist der Einstieg in diesen Roman. Die Protagonistin erzählt rückwirkend über das schwierige Familienleben in dem Haus ihrer Eltern in der Reihenhaussiedlung. 

    Ihren Vater beschreibt sie sehr anschaulich. Vor meinem inneren Auge entstand ein großer und massiger Mann, der sich als Alleinherrscher fühlte und seine Abende vorm TV-Gerät mit viel Alkohol verbrachte. Seine einzige Leidenschaft war die Jagd - vor allem das Großwild hat es ihm angetan. Das Trophäenzimmer welches die Kinder nicht betreten durften, in dem auch der Stoßzahn eines Elefanten lag, zeugte von seinen Erfolgen. Doch irgendwo in diesem Monster war auch eine zarte Seite. Manchmal legte er eine Schallplatte auf, hörte ein ganz bestimmtes Lied und heulte wie ein kleines Kind. Der Quäler hatte auch eine gequälte Seite. Leider erfahren wir bis zum Schluss nicht, was es mit diesem Lied auf sich hat. Seine Familie hielt er sich zu seiner Bequemlichkeit. Seine Frau, seine Kinder hatte ihm das Leben angenehm zu gestalten. Jederzeit, auch wenn er nicht anwesend war, stand er drohend irgendwie im Hintergrund seiner Frau und den Kindern. Die Mutter wird Amöbe genannt. Jemand der nie richtig anwesend war, jedoch immer bereit, die Gewalt ihres Ehemannes zu ertragen, wenn er seine Wut ausleben wollte. Und das kommt recht oft vor, zeigte sich schon Tage im voraus. Wie ein Schatten ihrer selbst geht sie durch den Alltag. Nur ihre Ziegen im Garten hauchen ihr Leben ein. Dort fühlt sie sich, ist lebendig. 

    Die beiden Kinder stehen wie ein geparktes Auto zwischen allem. Sie sind da, spielen im Leben der Erwachsenen jedoch eine untergeordnete Rolle. Sie durften mal gerade eben den Raum ausfüllen, der noch übrig blieb. 

    Ein Unglück, das beide Kinder ansehen und durchleben mussten, brachte die Veränderung. Da die Eltern unfähig waren ihren Kindern Trost zu spenden, ihnen zur Seite zu stehen, übernahm die Schwester die Rolle von Vater und Mutter gleichzeitig. Sie nahm ihr eigenes Leben, als auch das ihres kleinen Bruders in ihre Hände weil sie erkennen musste, dass nur sie etwas zum Guten verändern könnte. Es war auch eine Sache des eigenen Überlebens. Doch wenn die Eltern so versagen, sind die Möglichkeiten eines jungen Mädchens begrenzt. Bei dem Unglück schien nicht nur der nette Eisverkäufer gestorben zu sein, sondern auch die Seele ihres kleinen Bruders. Seine Seele starb bei Anblick der Explosion, wogegen die Seele der Mutter schon eine lange Zeit zuvor unter den ewigen Schlägen und verbalen Mißhandlungen ihres Ehemannes verkümmerte, bis nichts mehr davon übrig war. Beide scheinen gleichermaßen leblos zu funktionieren.

    Es ist schon eine sehr seltsame Familie, die uns die Autorin da präsentiert. An seinem Sohn bekam der übermächtige Vater erst ab dem Moment Interesse, als ihn dieser zu seinen Schießübungen begleiten konnte. Nach einiger Zeit war der Sohn treffsicherer als der Vater. Und als Leser erwartet man nach etwa 3/4 des Buches auf den großen Knall in dieser eigenartigen Familie.

    Für mich bleibt die Frage, ist diese Familie tatsächlich ein Einzelfall? Da ich mich in letzter Zeit - angeregt durch einen Tatsachenbericht - mit Kindes/mißhandlung/ mißbrauch befasse, komme ich immer mehr zur Überzeugung, dass es mehr solcher schwierigen Familienverhältnisse gibt, als ich mir je vorstellen konnte. Dieser Roman beschreibt lediglich eine Art von Mißbrauch, der jedoch in vielen Facetten daherkommen kann.

    Weshalb ich dann doch ein 3/4 Sternchen abzog liegt daran, dass es für mich hie und da eine Länge gibt, Dinge zwar kurz angesprochen, aber von der Autorin nicht weiter verfolgt wurden.

    Auf jeden Fall ist dies ein lesenswerter Roman.

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    Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)

    Bewertung zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

    Winterbienen
    Waschbaerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Winterbienen, Drohnen, Königinnen und Arbeiterinnen - alle sorgen dafür, dass ein reibungsloses Leben im Bienenstaat funktioniert.
    Ein Leben im Jahresverlauf mit den Bienen

    Das Buch "Winterbienen". von Norbert Scheuer kommt völlig schnörkellos daher. Geschrieben in Form eines Tagebuches erleben wir den Alltag von Egidius Arimond, der nahe der belgischen Grenze lebte. Früher war er einmal Lehrer. Doch seiner Epilepsie wegen wurde er vom Nazi-Staat ausgemuster. Als "Unwertes Leben" bezeichnet er sich selbst in seinen Eintragungen. Dabei hat er noch viel Glück gehabt. Vielleicht hatte man ihn vergessen abzuholen und in ein Lager zu bringen, in das andere Menschen mit seiner Erkrankung verbracht wurden. 

    Der Schreibstil von Norbert Scheuer ist gleichförmig - so wie der Alltag des Protagonisten. Keine großen Höhen, nichts Aufregendes. Alles geht seinen gleichmäßigen Gang. Die Tage verbringt Egidius in der Bücherei, forscht in alten Büchern über seinen Vorfahre, den Mönch Ambrosius Arimond, der im Jahre 1489 das einbalsamierte Herz von Cusanus über die Alpen nach Bernkastel-Kues zurückbringen soll. So hatte er es dem Sterbenden versprochen. 

    Kleine Anmerkung von mir: In Bernkastel-Kues gibt es eine Ausstellung zu Cusanus, die ich vor 2 oder 3 Jahren einmal besuchte. Sehenswert.

    Jedoch, ganz so ruhig und fromm wie sein Vorfahre, war Egidius Arimond nicht. Er macht eher den Eindruck eines heißblütigen Weiberhelden, auf den die Frauen nur so flogen. Und so manch eine Ehefrau deren Mann an der Front kämpfte, ließ sich von ihm trösten. Dabei machte er auch vor der Ehefrau eines hohen SS-Offiziers nicht halt, was ihn beinahe ins Unglück gestürzt hätte.  

    Die andere große Liebe galt seinen Bienen. Auch da ging das Leben seinen steten und gleichmäßigen Gang, den die Natur vorgibt. Winterbienen, Königinnen, Drohnen und Arbeiterinnen - alle wissen wo ihr Platz ist und was von ihnen erwartet wird. Die Natur gibt es vor. 

    Nur wenn Egidius in einem der Bücher auf seinem Tisch einen Zettel vorfindet, wird sein Leben abenteuerlich. In getarnten Bienenstöcken transportiert er Juden über die Grenze nach Belgien. Gegen Bezahung versteht sich, denn die Medikamente, die seine Epilepsie unterdrücken, lässt sich der Apotheker am Ort teuer bezahlen.

    "Winterbienen" ist ein völlig unaufgeregtes Buch. Selbst wenn Egidius in den präparierten Bienenstöcke Flüchtlinge transportiert ist Gleichmut angesagt. Nichts bringt ihn aus der Ruhe und dem ist auch der Schreibstil angepasst. Nichts Abenteuerliches und keinerlei Spannung - selbst als er aufzufliegen droht. Trotz Krieg, SS im Ort, Flugzeugangriffen und Bombenanwürfen - immerhin schreibt man das Jahr 1944 - ruht Egidius völlig in sich selbst. Faszinierend. Vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb so wunderbar zu lesen. 

    Ich wollte es nicht mehr aus der Hand legen.

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    Cover des Buches Opferkind (ISBN: 9783775159517)

    Bewertung zu "Opferkind" von Astrid Dauster

    Opferkind
    Waschbaerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Mir war klar, das Böse gibt es im Menschen. Doch nicht, wie sich das Böse zeigt: Hier bei einem Vater, Mitglied einer satanistischen Loge.
    Man kann die Hölle überleben, wenn man an den Himmel glaubt

    Die Rezension zu diesem Buch "Opferkind", fällt mir so schwer wie bisher noch bei keinem anderen Buch zuvor. 

    Aus dem Vorwort der Autorin Astrid Dauster: "Unvorstellbares und Unglaubliches habe ich überlebt durch ebenso Unvorstellbares und Unglaubliches. Die ersten 13 Jahre meines Lebens waren geprägt von zum Teil unvorstellbaren Misshandlungen von Körper, Geist und Seele, die mich letzten Endes dazu bringen sollten, mich selbst zu töten. Ich war das Opfer eines psychopathischen Vaters, der zudem Satanist war....."

    Aus dem Vorwort von Dr. Walter Meili:".... Nun, es gibt eben Dinge, die schwierig zu beweisen sind und dennoch existieren. Psychotherapeuten begegnen Opfern von Satanismus jedenfalls immer wieder. In drei dtsch. Bundesländern wurden im Jahr 2005 alle 3.225 kassenärzlichen Psychotherapeuten befragt, ob sie in ihrer Tätigkeit schon Opfern von ritueller (also satanistischer) Gewalt begegnet seien. Rückmeldungen kamen von 1.523 Therapeuten. Davon hatten 182 Therapeuten Opfer von satanistischer Gewalt in ihren Praxen gesehen. Rund 95 Prozent der Fälle wurden von den Theraputen als glaubwürdig eingeschätzt."

    Dieses Buch ist die Lebensgeschichte der Autorin Astrid Dauster.  Begleitet wurde sie bei ihrem Erinnern, als auch später während ihres Schreibprozesses von Dr. Walter Meili, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Traumatherapeut. 

    Wie die Autorin schreibt,wurde sie von frühester Kindheit an von ihrem Vater sexuell missbraucht. Doch nicht genug damit. Da ihr Vater, Leiter einer vernetzten satanistischen Loge war, überließ er seine kleine Tochter auch anderen Mitgliedern der Sekte. Ihre leisen Hilferufe wurden nicht erhört. Teils weil die Menschen die wussten was passierte ohnmächtig waren etwas daran zu ändern, teils weil andere ihr nicht glaubte. Es ist wohl das schrecklichste Buch, das ich je gelesen habe, denn es ist keine Fiktion, nein, es beruht auf realem Erleben. 

    Als die Autorin 13 Jahre alt war, verstarb ihr Vater. Das Martyrium hatte nun vorläufig ein Ende. Ihr Körper, ihr Geist waren gnädig und ließen das Mädchen alles vergessen, was ihr in den vergangenen Jahren angetan wurde. Erst viele Jahre später wurde ihr bewusst, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Zuerst war es nur eine Ahnung. Doch nach und nach erinnerte sie sich, musste alles in Gedanken erneut durchleben. Welch eine Hölle. Sie lässt den Leser teilhaben an ihren Qualen, als auch an ihrer Hoffnung und dem Halt, welchen sie in ihrer Begegnung mit Gott (Schäfer) fand, wenn es unerträglich wurde. 

    Ihre Nahtoderfahrungen, wann immer sie glaubte es nicht mehr ertragen zu können, die Loslösung von ihrer äußeren Hülle, der Abstand zu dem Geschehen, werden von Dr. W. Meili fachlich erklärt. Z. B.  auf Seite 220 "Triggern" oder Seite 279/280 "dissoziatives Vergessen" usw. Die vielen fachlichen Erklärungen sind jeweils in einem anderen Schriftbild verfasst, damit sie sich vom übrigen Text abhebt. Diese Erläuterungen sind auch dringend notwendig, damit man als Laie das Geschehen versteht.

    Obwohl das Buch nur 404 Seiten umfasst, brauchte ich mehr als 2 Monate zum Lesen. Manchmal schaffte ich maximal 5 Seiten am Stück, da ich nicht länger ertragen konnte, woran uns die Autorin teilhaben lässt. Der Untertitel: "Ich habe die Hölle überlebt, weil ich an den Himmel glaubte", besser könnte man es nicht ausdrücken. 

    Es klang für mich ungeheuerlich. Mich beschlichen Zweifel an der Wahrheit, wie es sicherlich auch anderen Lesern ergehen wird. Kann es tatsächlich sowas geben? Ist das nicht alles übertrieben? Ging da nicht die Phantasie mit der Autorin durch? Spinnt oder übertreibt sie nicht maßlos? Meine Zweifel mehrten sich und so begann ich mehrere Wochen lang zu recherchieren.

    Der Zufall wollte es, dass ich in der Zeit als ich das Buch las, auf ARTE eine Berichterstattung über die "Colonia Dignidad" sah - eine ehemals dtsch. Kolonie in Chile. Auch dort wurden Kinder über viele Jahre missbraucht, misshandelt, Menschen übelst gefoltet. Dieses Thema war von da an in meinem Kopf verankert. Ich musste nicht mehr nach Sendungen oder Zeitungsberichten dieses Themas zu suchen, sie fanden mich von selbst. Nur wenige Zeit später, ebenfalls auf ARTE, ging es um Videos mit sexueller Gewalt. Grausamkeiten, die ins Netzt gestellt werden. Mitarbeiter von you tube, die sich Tag für Tag Videos anschauen, damit die unerträglichen im Netz, an denen sich Voyaristen weiden,  gelöscht werden. Dass es auch da vielfach um misshandelte Kinder geht, versteht sich von selbst. Im Internet stieß ich auf ein Lied von Xavier Naidoo aus dem Jahre 2012, in dem er (sexuelle) Gewalt an Kindern aufs Heftigste anprangerte, worauf er selbst von bestimmten Gruppierungen aufs Heftigste bekämpft wurde und auch heute noch wird. Dass er, bedingt durch seinen eigenen Mißbrauch wusste wovon er rappte, es auf seine Art mit der Musik ausdrückte, die Menschen wehrten ab und er steht dafür noch heute am Pranger. Ich begriff, über sowas redet man nicht, schon gar nicht so. Das Thema ist eklig, damit will im Grunde niemand behelligt werden, nicht nah an sich herankommen lassen. Das gibt es, doch nicht in unserer wohlgeordneten Welt. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an den Fall Dutroux in Belgien. Nach seiner Verhaftung betonte D. immer, er sei nur ein kleines Rädchen in einem großen Getriebe. Zeugen verloren, bevor sie hätten aussagen können, bei Unfällen ihr Leben. (Wikipedia)  Mir fielen wieder Artikel in der FAZ über den "kinderfreundlichen" Moderator der BBC, Jimmy Savile ein. Ich stolperte bei meinen Recherchen im Internet über "Casa Pia" und noch einige solcher Vorgänge  mehr. Danach war ich mir sicher, was die Autorin Astrid Dauster in dem Buch "Opferkind" beschreibt, hat sie nicht erfunden. Es gibt Menschen, die sind abgrundtief böse, ohne Gewissensbisse, und andere, die decken es ab, aus welchem Grund auch immer.

    Dass die Autorin viele Jahre, in denen sie sich nicht mehr an ihre Kindheit erinnerte, ein ganz normales Leben mit Ehemann und Kindern führen konnte, grenzt an ein Wunder. Das Bewusstsein verdrängt, doch es vergisst nichts. So auch bei A. D., weshalb sie anfing und sich erinnerte. Für ihre Familie war es eine große Belastung. Ihr Ehemann stand ihr immer zur Seite, bis er selbst nicht mehr konnte. Als ob das alles noch nicht genug sei, bekam sie die Diagnose Krebs, den sie jedoch überstand. Und wieder Nahtoderfahrung. Egal was geschah, immer begleitete sie ihr Glaube an Gott und richtete sie wieder auf.

    Dies ist ein ganz außergewöhnliches Buch, das völlig aus dem üblichen Rahmen fällt.




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    Cover des Buches Feuerland (ISBN: 9783958625723)

    Bewertung zu "Feuerland" von Pascal Engman

    Feuerland
    Waschbaerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein phantastischer Sprecher, dazu ein tolles Buch kann nur 5 Sterne für das Hörbuch geben.
    Colonia Rheine - aufgebaut nach dem Vorbild der früheren Colonia Dignidad

    "Zum Gedenken an die junge idealistische Generation chilenischer Männer und Frauen denen die Folterkammern der Diktatur das Leben und ihre Träume genommen haben. Die Colonia Dignidad war eine dtsch. Kolonie im Süden von Chile, deren Fläche in etwa der Größe Liechtensteins entsprach. Seit 1961 wurden dort Kinder von Sektenmitgliedern, von denen viele früher SS-Soldaten  waren, sexuell mißbraucht. Nach dem Militärputsch im September 1973 kooperierte die Colonia Dignidad mit der Dima...."

    Diese Sätzen sind der Einstieg in das Hörbuch "Feuerland" von Pascal Engman, die auch gleichzeitig die Richtung dieses Romans vorgeben. Es geht um Kindesentführung mit dem Zweck des Organhandels, um Mord  und viel Gewalt. Im Grunde nichts, womit ich mich beschäftigen möchte. Nichts, das mich ansonsten anspricht. Und trotzdem gebe ich diesem Hörbuch die höchste Bewertung: 5 Sterne. 

    Der Roman spielt wechselweise in Schweden - überwiegend Stockholm - sowie in Chile. Die örtlichen Sprünge, dazu von Beginn an die vielen unterschiedlichen Namen, verlangten meine ganze Aufmerksamkeit. Den Anfang hörte ich deshalb auch zweimal, damit ich mir das Wichtigste einprägen konnte. Doch danach war ich auch sofort mitten in der Handlung und von dem Geschehen gefesselt. 

    In Stockholm wird ein exclusives Uhrengeschäft überfallen. Jedoch keine einzige Uhr wird geklaut, sondern nur eine Kundenliste. 

    Etwa zum gleichen Zeitpunkt sitzt die vom Dienst suspendierte Kommissarin Vanessa Frank vor einer Psychologin und soll ihr Trinkverhalten erklären, da sie angetrunken am Steuer ihres Wagens gestoppt wurde. 

    Ebenfalls in Stockholm treffen wir auf Nicolas, einen ehemaligen Elite-Soldaten, der wegen einer Befehlsverweigerung unehrenhaft entlassen wurde, und dessen Schulfreund Ivan. Letzterer ist ein Dummkopf der glaubt, dass seiner kleinen Hände wegen keine Frau nach ihm schauen würde. Dabei sind die kleinen Hände wohl sein geringster Makel.  

    Ortswechel: In Chile trifft der Leser auf Carlos, der Besitzer und Herrscher der Colonia Rheine, einem kriminellen Imperium, nachempfunden der ehemals tatsächlich existierenden Colonia Dignidad.  Carlos ist der uneingeschränkte Herrscher über Leben und Tod in seiner Kolonie und nimmt sich die Frauen wie es ihm beliebt. Wenn nötig mit Gewalt. 

    Um diese Personen hat der Autor den Krimi - oder ist eher eine Thriller? - entwickelt. In Stockholm werden zwei der reichsten Männer entführt und gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder frei gelassen. Hinter diesen Entführungen steht Nicolas, ein kluger und heller Kopf mit Eiswasser in den Adern. Selbst als er wegen des Verrates durch Ivan, Opfer eines Mordanschlages werden soll, reagiert er überlegt ruhig und besonnen. Im Einzelkampf gut ausgebilet und erprobt, entledigt er sich seiner beiden Angreifer. 

    Noch ein Name: Joseph wollte ursprünglich Nicolas für seine schmutzigen Geschäfte gewinnen. Doch dieser lehnt ab. Damit will er nichts zu tun haben. Vor allem, Gewalt gegen Kinder ist für ihn ein absolutes No-Go.  Dagegen ist Ivan weniger zimperlich. Es geht bei der Entführung der Kinder um Flüchtlinge oder Straßenkinder, die eh niemand vermisst. Also was solls wenn sie verschleppt werden und sonstwas mit ihnen geschieht. Hauptsache man zollt ihm endlich den bisher verweigerten Respekt. 

    Dies ist das Grundgerüst des Romans. Dass die Kinder nach Chile in die Colonia Rheine verschickt werden, wo die Ärzte in dem Krankenhaus schon darauf warten deren Organe zu entnehmen um diese an todkranke reiche Kunden zu verkaufen, weiß der Leser fast von Beginn des Buches an. Die Spannung wird weniger dadurch erzeugt dass diese Verbrechen begangen werden, vielmehr geht es um diese Kaltblütigkeit, mit der die Täter handeln. Die Kinder sehen sie als Ware, mit der Geld verdient wird. Mitleid gibt es bei den Tätern nicht. Hauptsache die Kasse stimmt. Mehrmals fragte ich mich beim Lesen, gibt es tatsächlich dermaßen boshafte Menschen ohne jegliches Mitgefühl? Etwa zur gleichen Zeit kam auf ARTE ein Themenabend zur Colonia Dignidad und Tage später auf dem gleichen Sender eine Dokumentation über Filme, Gewalt meist gegen Frauen und Kinder, die im Internet kursieren und tagtäglich gelöscht werden, weil sie entsetzlich sind.

    Danach hörte ich dieses spannende Hörbuch nicht nur, ich empfand es. Wie oft las man schon in der Zeitung von Organhandel, Handel mit Kindern. Man ist entsetzt, sagt wie schrecklich und denkt nicht weiter darüber nach, vergisst das Hässliche. Gerade weil man es am liebsten von sich schiebt. Zu schmutzig, zu pervers. Jedoch gibt es diese oder ähnliche Gewalt im ganz "normalen" Alltag. Das Hörbuch "Feuerland" ist Fiktion und doch nicht völlig unreal. 

    Vanessa und Nicolas ergeben in diesem Buch das ideale Ermittler-Duo. Hoffentlich fallen dem Autor noch mehr Verbrechen ein, bei denen von diesen zusammen ermittelt wird.

    Doch was wäre ein Hörbuch ohne perfekten Sprecher? Frank Stieren ist mir schon von anderen Projekten bekannt. Er hat nicht nur eine sehr angenehme Erzählstimme, nein, jeder einzelnen Person gibt er ein Eigenleben. 

    Einfach perfekt.



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    Cover des Buches Der schmale Grat (ISBN: 9783453281233)

    Bewertung zu "Der schmale Grat" von Hubert Messner

    Der schmale Grat
    Waschbaerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Da schreibt kein Herrgottin Weiß, sondern ein einfühlsamer Mensch der weiß, dass auch Demut zum Leben gehört.
    Die Fülle eines Lebens

    Dieses Buch packte mich von der ersten Seite an - "Der schmale Grat" von Hubert Messner und Lenz Kooppelstätter. "Ein Arzt und Abenteurer zwischen Leben und Tod", ist der Untertitel.

    Schon die Überschrift des 1. Kapitel hat es in sich: "Sterben". Wo man den Tod doch sehr gerne aus dem Leben verdrängt, nicht darüber nachdenken will. Der erste Satz: "Und dann wird dir zum ersten Mal im Leben klar: Unter deinen Händen stirbt ein Kind." Das hat nichts von einem Herrgott in Weiß. Das sind Worte eines einfühlsamen Menschen und es klingt nach Demut.

    Geboren und aufgewachsen in einer großen Familie mit vielen Geschwistern in Südtirol, konnte Hubert Messner als Kind ein sehr freies Leben führen. Seine tiefe Verbundenheit mit diesem Landstrich, seine Liebe zu seiner Heimat, durchzieht das ganze Buch. 


    Der Beschreibung seiner Kindheit entnehme ich eine tiefe Lebensfreude. Mit dem Vater ging es schon in ganz jungen Jahren in die Berge zum Klettern. Dabei wurde wohl der Grundstein zu seiner Abenteuerlust gelegt, die eigenen Grenzen ausprobieren. Dass sich ein Schuljunge, der es gewohnt ist, seine eigene Freiheit auszuloten und seine Grenzen zu erweitern es nicht ertragen kann, plötzlich in einem Internat dieses Freiheitsgefühls wieder beraubt zu werden, versteht sich von selbst. Schon damals ließ er sich nicht verbiegen. Erst das 3. Internat passt. Sich selbst bezeichnet er als Streber. Wahrscheinlich musste er das auch sein um all das in seinem Leben unterzubringen, was er anpacken wollte. Aus dem angestrebten Spotstudium wurde am Ende ein Medizinstudium und da die Fachrichtung Neonatologie.

    So wie H. M. den Leser an seinem beruflichen Werdegang teilhaben lässt, springt seine Begeisterung für seinen Beruf beim Lesen über. Viele Beispiele aus seinem ärztlichen Alltag werden aufgeführt. Doch er sagt auch: "Doch ein Mensch ist nicht Herr über alle Lebenslagen" und weiter: "Man muss auch ein Kind sterben lassen".

    H. M denkt weiter. (S. 98) "Wie klein ist zu klein?" Dabei hat er die Frühchen im Blick, bei denen wohl Schäden bleiben. Es gibt Statistiken darüber. Aber am Ende betrifft es einen kleinen Menschen. Muss immer alles getan werden, was die moderne Medizin möglich macht, fragt man sich selbst bei seinen Worten. Dabei verweist er auf die Ethik älterer Ärzte (S. 99): "Ist das Leben tatsächlich lebenswert?" Ein Arzt muss mehr beherrschen als die fachliche Perfektion. Es braucht auch die Fähigkeit zu erkennen, "was will das Kind" (S. 101) Wahrscheinlich ist das die Voraussetzung zu akzeptieren: "Das Sterben ist kein Versagen, es ist ein Loslassen". (S.152)

    Beim Lesen kam ich aus dem Staunen des Wunders Leben nicht mehr heraus und wollte mir gar nicht vorstellen wie es ist, ein Frühchen von nicht einmal 1.000 Gramm in Händen zu halten und über dessen weiteres Schicksal mitzuentscheiden. H. M. spricht auch über die Not der Entscheidung eines Arztes, wenn sich mehrere Möglichkeiten bei der Behandlung auftun und man sich in kürzester Zeit für eine entscheiden muss, ohne genau zu wissen, ob sich diese später tatsächlich als die richtige heraus stellt. Ethische Fragen sind Teil seinr Überlegungen.

    Vielleicht brauchte H. M. das Abenteuer des Bergsteigens als Ausgleich zu der emotionalen Anspannung in seinem Beruf. Dem Wissen, wenn es darauf ankommt, funktionieren zu müssen. Die Durchquerung Grönlands mit seinem Bruder Reinhold oder im Himalaja vor einem Achttausender zu stehen, bereit sein diesen Riesen zu besteigen. Um dann, als es so weit ist sich einzugestehen, dass er das jetzt nicht kann, obwohl er gut vorbereitet und gut in Form ist. Doch er hat gelernt, auf seine inner Stimme zu hören.

    Bei dieser ganzen Fülle des Lebens verwundert es nicht, dass H. M. nach vielen Jahren Arbeit im Hospital müde geworden, eines Tages entscheidet, dass es jetzt genug sei. Dass er diese stete Anspannung seines Berufes und den ewigen Zeitdruck nicht mehr, dafür aber Zeit mit seiner Familie will und sich auf eine Alm zurückzieht. Dieser Schnitt, einen eingeschlagenen Weg mit all seinen Konsequenzen zu gehen, passt auch da wieder in sein Lebensmuster.


    Sehr interessant, der Bildteil des Buches.

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    Cover des Buches Mathilda oder Irgendwer stirbt immer (ISBN: 9783833741364)

    Bewertung zu "Mathilda oder Irgendwer stirbt immer" von Dora Heldt

    Mathilda oder Irgendwer stirbt immer
    Waschbaerinvor 3 Monaten
    Nicht meins

    Schon nach der ersten CD war mir klar, "Mathilda oder irgendwer stirbt immer" von Dora Heldt und ich, wir passen nicht zusammen. Hatte ich einen witzigen Roman im Genre "Frauen-Krimi" mit Esprit im Sinn, so musste ich feststellen, meine Erwartungen passten mit dem Ergebnis nicht zusammen.

    Zwar habe ich vor einiger Zeit schon mal was Dora Heldt gelesen was mir als Unterhaltungslektüre auch sehr angenehm war, aber dieses Buch hatte ich nicht so dümmlich in Erinnerung, wie mich das Hörbuch anmutet. Da ich in einer Leserunde bin war es für mich klar, dass ich die 4 CDs bis ans bittere Ende höre. Vor allem mit der Hoffnung, dass irgendwann doch noch der Funke überspringen würde. Dem war nicht so. 

    Zuerst dachte ich, vielleicht ist es Satire. Doch dafür fehlt die beißende Sprache und der notwendige Witz. Die ganze Geschichte plätschert klischeehaft dahin und zieht sich teilweise wie Gummi. Ich muss nicht jeden kleinsten Handgriff des familiären Alltags im Haushalt  beschrieben bekommen. Dafür reicht meine Phantasie. Das sind verzichtbare Füller. In einem Buch kann man das überlesen, bzw. die Seite umblättern, aber bei einer Hör-CD ist das nicht möglich.

    Ganz sicher gibt es Hörerinnen, die das mögen. Leider gehöre ich nicht dazu. Werde die CDs n unsere öffentl. Bücherei weiterverschenken.

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    Cover des Buches Der Empfänger (ISBN: 9783608964639)

    Bewertung zu "Der Empfänger" von Ulla Lenze

    Der Empfänger
    Waschbaerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Der Besitz des vermeintlich "reichen Onkels aus Amerika" passte in einen einzigen Koffer.
    Mitläufer

    Das Buch "Der Empfänger" von Ulla Lenze ist in unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelt, was dem Leser sehr viel Konzentation beim Lesen abverlangt. Immer wieder wechselt die Autorin von der Vorkriegszeit in den USA, in die 50er Jahre Westdeutschlands. 

    Wie fing es an? Ein Brüderpaar - von einem sehr strengen Vater erzogen - der seine Söhne regelmäßig übelst verprügelte  - wollte nach dem 1. Weltkrieg in die USA auswandern. Josef schaffte es, doch sein Buder verlor auf unglückliche Weise (hing es mit dem prügelnden Vater zusammen?) ein Auge und ihm wurde der Wunsch verwehrt. 

    Der Roman beginnt mit dem Besuch Josefs Anfang der 50er Jahre im vom Kriege zerstörten Deutschland. Hatte man dort den wohlhabenden Amerikaner erwartet der regelmäßig Care-Pakete schickte, so wurde man bei der Ankunft von Josef enttäuscht. Vor der Tür stand ein armer Schlucker, dessen ganze  Habe in einen einzigen Koffer passte. Josef gehörte zu den US - Einwanderern, für die das Geld nicht auf der Straße lag. Er verdiente seinen Lebensunterhalt in New York in einer Druckerei. Was dort produziert und unter die Leute gebracht wurde, war nicht ganz legal, aber auch nicht ganz gegen die Gesetze. Eine Grauzone. Es reichte, dass die dortigen dtsch. Agenten auf den Amateurfunker Josef aufmerksam wurden und ihn köderten. Dieser erlag der Lockung des Geldes und wurde Teil eines Agentenrings der Nazis in den USA.

    Natürlich musste ihm klar sein, auf was er sich einließ. Aber er fragte nie konkret nach, was er in die alte Heimat funkte, wollte es auch nicht so genau wissen. Seine Tätigkeit würde er später damit rechtfertigten, dass er nicht eingeweiht war und seine Nachfragen nicht konkret beantwortet wurden. Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Als die USA in den 2. Weltkrieg eintraten, wurde Josef verhaftet und landete auf Long Island im Gefängnis. 

    Ich würde Josef als den typischen Mitläufer bezeichnen. Alles bleibt schwammig - genau wie das Gesicht des Mannes auf dem Cover des Buches. Genau so war Josef, keine klare Struktur, weder im Lebenslauf noch im Charakter. Er fing vieles an, doch nichts machte er mit vollem Einsatz oder Überzeugung. Er arbeitete ein wenig für den dtsch. Geheimdienst - jedoch nicht so, dass er sich schuldig fühlen müsste. Egal ob es sich ums Geldverdienen handelte, um seine Beziehungen zu verschiedenen Frauen im Laufe der Jahre oder als er glaubte, dass ihn endlich die Liebe  zu seiner Lebensgefährtin erwischt hätte - war sich aber auch darin nicht richtig sicher: Überall ließ er sich ein Hintertürchen offen, durch das er entwischen konnte. 

    Die einzig wirkliche Bindung, verbunden mit Verantwortungsgefühl, empfand er nur für seinen Hund um den er sich auch noch während seiner Haft sorgte. Man darf nicht vergessen, Josef war ein Kind seiner Zeit.  Der erste Weltkrieg ließ Europa in Trümmern zurück. Nicht nur die Städte waren zerstört, auch die alten Machtstrukturen und alte Ordnungen hatten keine Gültigkeit mehr. 

    Wie die Autorin betont, ist dieses Buch keine reine Phantasie. Der Roman basiert auf den Erzählungen ihres Onkels. Obwohl ich sehr viel über Nazi-Deutschland las, bisher war mir nicht bewusst, wie weit deren Arm reichte. Ja, dass man diesen schon so weit in die USA streckte um auch dort Fuß zu fassen - was aber letztlich und Gott sei Dank - vom FBI abgeblockt wurde und nicht gelang. Dies wird in dem Buch nur angerissen, nicht weiter vertieft, denn es wäre ein Buch für sich. 

    Doch zurück zu Josef. In Deutschland hielt ihn auf Dauer nichts. Zu weit hatte er sich in den vergangenen Jahren davon entfernt und er ließ wieder seine alten Verbindungen spielen, nach Südamerika ausreisen zu können, traf dort auf ehemalige Nazi-Weggefährten. Doch nun war er gewarnt, erteilte denen, die in Südamerika geheime Übernahmepläne schmiedeten und Deutschland wieder unter ihre Macht bekommen wollten eine Absage.

    Mich packte dieses Buch von der ersten Seite an. Nicht nur was den Inhalt anbelangte, sondern auch der klare Schreibstil von Ulla Lenze.

    Lesenswert!

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    )}
    Cover des Buches Wir waren Niemand. Meine Flucht aus Rumänien. Von Temesvar nach Graz 1989. (ISBN: 9783701181407)

    Bewertung zu "Wir waren Niemand. Meine Flucht aus Rumänien. Von Temesvar nach Graz 1989." von Milan Radin

    Wir waren Niemand. Meine Flucht aus Rumänien. Von Temesvar nach Graz 1989.
    Waschbaerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Unterdrückung und Schikanen. Am Ende blieb den Menschen in Rumänien nur die Flucht. Wie eine Regierung ihre eigenen Landsleute vertrieb.
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    )}

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    Vor mehreren Jahren absolvierte ich im Rahmen eines Funkkollegs an der Fernuniversität Hagen ein Studium "Literarische Moderne".
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