Weltentraeumerin

  • Mitglied seit 08.12.2015
  • 44 Freunde
  • 354 Bücher
  • 169 Rezensionen
  • 325 Bewertungen (Ø 4.33)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne181
  • 4 Sterne89
  • 3 Sterne38
  • 2 Sterne15
  • 1 Stern2
  • Sortieren:
    Cover des Buches Seeker (ISBN: 9780765382566)

    Bewertung zu "Seeker" von Veronica Rossi

    Seeker
    Weltentraeumerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Leider wird aus der tollen Idee und den Charakteren mit Ecken und Kanten nichts gemacht
    Verschenktes Potenzial

    ! ACHTUNG – ENTHÄLT SPOILER ZUM VORGÄNGER !

    Die Handlung war letztendlich mein Hauptproblem. Ich fand die Idee unheimlich cool. Aber hatte ich erwartet, in diesem Teil mehr Antworten dazu zu erhalten, warum ausgerechnet diese vier zu den apokalyptischen Reitern geworden sind und zu welchem Zweck, dann lag ich falsch, denn das wird nie geklärt.
    Wo also ist die Epik, die ich mir von der Idee erhofft habe? Man erfährt irgendwie nichts zu den Hintergründen, weder in Bezug auf ihre Kräfte noch auf die Dämonen, und das ist unheimlich schade, weil das Ganze einfach so viel Potenzial gehabt hätte, das jetzt kümmerlich im Sand verkommt.

    Anstelle epischer Kämpfe oder zumindest irgendwelcher weltbewegender Ereignisse dümpelt die Handlung gefühlt nämlich eher herum, es passiert nicht wirklich viel und gegen Ende begann ich endgültig, das Interesse zu verlieren und schneller zu lesen.
    Hinzu kam, dass ich oft die Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte und nicht verstanden haben, warum die Charaktere Dinge taten, die sie taten ... manchmal wirkte es einfach vollkommen random, und das hat mich erst gestört und führte dann am Ende dazu, dass mir die Handlung endgültig egal wurde.

    Dabei mag ich die Charaktere und gerade auch die Freundschaft zwischen Gideon, Marcus und Jode. Ich mochte die Dialoge zwischen ihnen. Die Neckereien, aber auch das Vertrauen und das Zusammenstehen. Davon hätte ich gerne mehr gehabt, aber für meinen Geschmack hat ab irgendeinem Punkt die Liebesgeschichte zu viel Raum eingenommen, denn plötzlich ging es nur noch darum, dass die beiden sich näherkommen, die Konflikte zwischen den beiden, bla, bla, bla.
    Nicht, weil ich die Charaktere nicht mochte oder dass die beiden zusammengekommen sind, aber weil es gefühlt nur noch darum geht und sich alle Gedanken darum drehten - Stichwort verschenktes Potenzial.

    Dabei mochte ich Gideon als Protagonisten, ich mochte es, dass er nicht perfekt ist, sondern Ecken und Kanten hat und sie sich eingesteht - also vor allem seinen Jähzorn. Ich mochte seine Beziehung zu seinem Pferd und zu den anderen Reitern, ich mochte seine Art, die manchmal leicht spöttisch ist und oft für unterhaltsame Dialoge sorgte. Ich mochte sein strategisches Handeln und ihn einfach generell als Charakter.
    Seine Perspektive wechselt in diesem Band mit Daryn ab, und auch wenn ich zugebe, dass ich Gideons Passage lieber mochte, war sie mir durchaus sympathisch, aber ja, wie gesagt, Liebesgeschichte und so.

    Was ich allerdings ganz gut fand, war die Auseinandersetzung mit Gideons fehlender Hand und der Prothese, zumindest soweit ich das beurteilen kann - jedenfalls mochte ich es, dass er zwar sauer ist, dass Samrael ihm seine Hand genommen hat, das Fehlen dieser aber nicht als etwas angesehen wird, das ihn schlechter oder unvollständiger macht.
    Weniger gelungen fand zumindest ich die Darstellung der Depression von Daryns Mutter - die Beschreibung, dass die sich wochenlang in ihrem Schlafzimmer einschließt und weint, hat etwas unnötig stereotypisches und ich fand die Auseinandersetzung insgesamt unzureichend.

    Die Charaktere und die Idee hätten so viel Potenzial zu einer richtig coolen Story gehabt, das allerdings komplett verschenkt wurde, und auch wenn der Schreibstil an sich fesselnd war, habe ich die letzten Seiten fast überflogen. Was schade ist, aber die Handlung konnte mich einfach gar nicht überzeugen.

    Fazit: Tolle Dynamik zwischen vielschichtigen Charakteren und eine coole Idee mit viel Potenzial, das leider komplett verschenkt wird. Die Hintergründe bleiben komplett ungeklärt und statt eines epischen Showdowns passiert nicht wirklich viel und die Handlungen der Charaktere blieben für mich oft unnachvollziehbar und willkürlich. Zudem nahm mir die Liebesgeschichte zu viel Platz ein, sodass beispielsweise die Freundschaft leider in den Hintergrund trat.



    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Nevernight (ISBN: 9781250073020)

    Bewertung zu "Nevernight" von Jay Kristoff

    Nevernight
    Weltentraeumerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Unheimlich gut geschriebene Dark Fantasy!
    Unheimlich gut geschriebene Dark Fantasy

    Vom ersten Satz an konnte ich das Buch begeistern Was vielleicht auch daran lag, dass ich den Schreibstil ziemlich schön fand und überhaupt war dieses Buch unheimlich gut geschrieben. Allerdings - der Stil wird nicht für jede*n was sein, und auch die Sprache ist so alles andere als einfach zu verstehen.

    Die Story ist düster. Mein erster Eindruck von ihr war Tod und Sex, und genaugenommen ändert sich auch nicht viel daran (es gibt unerwartet lange und detaillierte Sexszenen). Sehr viel Blut, Folter und Gewalt, in einem Setting, das einerseits an eine römische Republik, andererseits an Venedig erinnert, mit despotischen Herrschern und einem extrem coolen World Building. In der Welt gibt es nämlich drei Sonnen und nur alle 2,5 Jahre ist wirklich Nacht, angelehnt daran gibt es eine allseits präsente Religion.
    Die Story ist düster und brutal, aber sie verheimlicht das nicht. Sie ist allerdings auch unterhaltsam, und das liegt vor allem an den Fußnoten. Das Buch ist als Erzählung einer außenstehenden Person angelegt, die keine Identität enthält, was sie aber nicht davon abhält, Kommentare einzuweben - seltener in den Fließtext, deutlich häufiger in die Fußnoten.

    Die Fußnoten wirken zum Einen so, als hätte der Autor spontan beschlossen, alles an Info Dumping über die Welt einfach dort hinein zu packen - Infos, die selten wirklich handlungsrelevant sind, aber dann in den Fußnoten sätzelang ausgeführt werden wie in einem Lexikon, dank ironischer Kommentare des Erzählers jedoch deutlich witziger. Und sie unterstreichen, wie unglaublich durchdacht, wie unfassbar gelungen und komplex dieses World Building ist.
    Und ja, ich bin sonst auch kein Fan von Info Dumping, aber eine so direkte Art ist mir noch nicht begegnet, und die Weise, in der die Infos rübergebracht werden, ist so unterhaltsam, dass ich die Fußnoten geliebt habe.

    Zum Anderen gibt es dann nämlich noch Fußnoten, die wirken wie überdrehte Kommentare um drei Uhr nachts bei der hundertsten Überarbeitung. Absurde Kommentare schafften es, mich zum Lachen zu bringen. Manchmal waren sie albern, manchmal selbstironisch, manchmal gesellschaftskritisch, auf jeden Fall aber unterhaltsam.

    Moralisch graue Charaktere hat dieses Buch zahlreiche zu bieten. Angefangen mit der Protagonistin, die nach Rache strebt, manchmal etwas impulsiv sein kann, manchmal listig, und die alles andere als ein Unschuldsengel ist. Sie ist schlagfertig, direkt, kalkulierend, spöttisch. Sie flucht, raucht teilweise wie eine Kettenraucherin, bringt gleich zu Beginn einen Menschen um und ist alles in allem ein unheimlich faszinierender, tiefgründiger und vielschichtiger Charakter.

    In kurzen Rückblicken wird zwischendurch ihre Vergangenheit erzählt, sodass absolut nachvollziehbar wird, warum sie so handelt, wie sie handelt. Manchmal ist dieses Handeln moralisch fragwürdig, manchmal überraschend wenig fragwürdig. Ich würde jetzt nicht unbedingt mit ihr befreundet sein, aber ich fand sie als Protagonistin extrem cool.
    Genau wie ihre Fähigkeit, Schatten beeinflussen zu können. Und nicht zuletzt ihr Kater aus Schatten, der sie stets begleitet, ihre Angst trinkt (weswegen sie meist auch keine hat, was ihr Verhalten mit Sicherheit prägt) und mit dem sie ebenfalls sehr unterhaltsame Schlagabtausche führt.

    Und die anderen Charaktere sind genauso gut gezeichnet, ebenfalls oft tiefgründig, oft moralisch grau, und allein die Tatsache, wie sehr Gut und Böse verwischt, fand ich einfach nur noch unheimlich faszinierend. Die Tatsache, dass alle irgendwie grausam sind, lässt einen unheimlich faszinierenden Handlungsraum entstehen, in dem fast alles möglich erscheint, einen, der untypisch für die meisten anderen Fantasystorys ist.

    Und auch die Handlung ist einfach ziemlich cool. Auch hier - der Plot ist komplex, unheimlich gut geschrieben, voller Twists, von denen ich ein paar vielleicht erahnt habe, von einigen aber auch überrascht war. Durchweg hohe Spannung fesselte mich an die Seiten.
    Und ich mochte die mitschwingende Diversität - bisexuelle Charaktere, BIPoC und generell den selbstverständlichen Einbezug anderer sexueller Orientierungen. Was ich allerdings problematisch fand, war die transexkludierende Gleichsetzung von Geschlechtsorganen mit dem männlichen respektive weiblichen Geschlecht.
    Mein zweiter kleiner Kritikpunkt wäre, dass ich zwischendurch schon das Gefühl hatte, dass sich so ein bisschen ein male gaze darin widerspiegelt, wenn Mia natürlich unerträglich ist, wenn sie ihre Regelblutung hat, und ein bisschen zu oft die Kurven hervorgehoben werden.

    Fazit: Unheimlich guter Schreibstil, geniales, komplexes World Building, tiefgründige, moralisch graue Charaktere und ein gelungener, spannender Plot mit unerwarteten Wendungen - eine Dark Fantasy-Geschichte, die unfassbar gut geschrieben ist, die Grenzen der Moral verwischt und brutal und düster ist, aber auch hin und wieder mit feinem Humor unterhält!

    Kommentare: 6
    4
    Teilen
    Cover des Buches Wozu wir fähig sind (ISBN: 9783649670193)

    Bewertung zu "Wozu wir fähig sind" von Laila El Omari

    Wozu wir fähig sind
    Weltentraeumerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Unterhaltsamer Jugendthriller mit Potenzial zu mehr, für Zielgruppe aber passend!
    Unterhaltsamer Jugendthriller

    Das Buch konnte mich definitiv unterhalten. Es lässt sich flüssig lesen und auch aufgrund der geringen Seitenzahl flogen die Seiten nur so vorbei. Es erfüllte damit definitiv den Anspruch, den ich an einen Jugendthriller habe.

    Spannung wird anfangs dadurch generiert, dass nicht klar ist, was Alexander und Leonora wollen - nur dass sie nicht zufällig dort sind, ist von Anfang an klar. Als Leser*in verfolgt man die Geschichte abwechselnd vor allem aus der Sicht von Alina und Leonora, zwischendurch kommen noch ein paar andere Perspektiven dazu.
    Dennoch erfährt man auch als Leser*in nicht sofort, was los ist, und nur nach und nach enthüllt sich eine Story, bei der Rache eine wesentliche Rolle spielt. Relativ früh habe ich mir dann auch die wesentlichen Zusammenhänge zusammengereimt, die allerdings auch kurz darauf enthüllt wurden - also fast alle, einige Dinge kommen erst am Ende raus.

    Zugegeben, ich hing nicht unbedingt atemlos an den Seiten, aber ich bin ja jetzt auch schon ein bisschen aus der Zielgruppe raus und wie gesagt, es war definitiv unterhaltsam, die Abfolge der Handlungen zu verfolgen, die sehr oft ins moralisch Graue gehen.
    Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass sich die Frage stellt, inwieweit das Verhalten einiger Charaktere moralisch vertretbar ist. Für meinen Geschmack hätte das allerdings noch weiter ausgebaut werden können, für das Potenzial, das die Geschichte dahingehend hat, waren mir die Charaktere definitiv nicht tiefgründig genug und das Verhalten wurde zu wenig hinterfragt.

    Am faszinierendsten ist da vielleicht Alexander mit seinem selbstbewussten Auftreten, das allen anderen, auch Leonora, immer drei Schritte voraus ist, der mit seinem Charme andere in seinen Bann zieht und der die Stränge in der Hand zu halten scheint. Aber auch hier hatte ich am Ende das Gefühl, dass Potenzial für mehr gewesen wäre, trotzdem hat sich das beim Lesen nicht wirklich störend ausgewirkt und das Ende ist abgeschlossen.

    Ungewöhnlich ist (leider) auch, dass das Buch in Deutschland spielt - Bonn, vermute ich - und die Protagonist*innen nicht mehr zur Schule gehen, sondern schon studieren. Andererseits wird vor allem das Milieu der Oberschicht mit den ganzen eigenen Vorurteilen, Überheblichkeiten und Intrigen gezeichnet, was ein faszinierendes Setting ist.

    Fazit: Unterhaltsamer Jugendthriller über Abgründe, die sich auftun, allerdings auch mit einer Geschichte und Charakteren, aus denen mehr hätte gemacht werden können - für die Zielgruppe aber sehr passend!



    Kommentare: 2
    2
    Teilen
    Cover des Buches Shadow of the Fox (ISBN: 9781335145161)

    Bewertung zu "Shadow of the Fox" von Julie Kagawa

    Shadow of the Fox
    Weltentraeumerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Spannendes Fantasyabenteuer mit einem interessanten World Building, einem coolen Plot und einer super ausgearbeiteten Protagonistin!
    Eine toll ausgearbeitete Protagonistin in einem spannenden Fantasyabenteuer


    Obwohl die Handlung in einer fiktiven Welt spielt, ist das Setting japanisch angelehnt. Ich gebe zu, ich kenne mich zu wenig mit japanischer Kultur aus, um zu bewerten, wie nah diese umgesetzt wurde, aber die Welt ist auf jeden Fall an sie und vor allem auch an japanische Mythologie angelehnt. Ich fand das World Building sehr cool, und bin sehr gespannt darauf, in den Folgebänden mehr über die Götter, Dämonen und yokai zu erfahren.

    Am Anfang hatte ich Probleme, in die Geschichte reinzukommen, was daran lag, dass das erste Kapitel in der dritten Person aus einer ganz anderen Perspektive erzählt wird, dann fand ich mich plötzlich bei Yumenko wieder, und dann wechseln sie und Tatsumi ab, allerdings erzählen beide aus der Ich-Perspektive und der Wechsel wird nicht kenntlich gemacht. Somit war ich erst mal verwirrt, bis ich herausgefunden habe, dass in der Regel ein Kapitelwechsel auch einen Sichtwechsel bedeutet.

    Ich mochte Yumenko als Protagonistin sehr gerne und fand auch ihre Charakterisierung sehr gelungen. Kistunen können sich in Füchse verwandeln und sind bekannt für ihre Streiche. Yumenko ist als Waise bei den Mönchen aufgewachsen, die stets versucht haben, sie so menschlich wie möglich zu erziehen. Sie ist einerseits ein sechzehnjähriges Mädchen, ein wenig naiv - ohne dass ich das jemals als anstrengend empfunden hätte, da sie schnell lernt und sich meist gut zurechtfindet - und ohne viel Wissen von der Welt. Sie hat jedoch die Lehren der Mönche internalisiert, was sie auch zu einem sehr mitfühlenden, empathischen Charakter macht und ihr zwischendurch fast weise Züge verleiht.

    Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch als fester Teil ihres Charakters, dass sie eben eine Kitsune ist. Sie spielt anderen Menschen - bis dato vor allem den Mönchen - unheimlich gerne Streiche, ohne dass sie es jemals böse meint. Und das wirkt nicht erzwungen oder konstruiert, sondern ganz selbstverständlich wie ein Teil ihres Charakters, was ich toll umgesetzt fand - und was außerdem unterhaltsam ist. Auch in der manchmal leicht spielerischen Weise, in der sie redet, in ihrer stetigen Neugier und schnellen Begeisterungsfähigkeit spiegelt sich das wider.

    Aber auch Tatsumi ist ein interessanter Charakter, der dazu erzogen wurde, keine Emotionen zuzulassen, weil das dem Dämon die Macht geben würde, Besitz von ihm zu ergreifen, und der sich nur als Waffe sieht, die Befehle ausführt. Ich mochte die Dynamik zwischen den beiden.
    Am Anfang dachte ich noch, okay, ein weiterer düsterer Typ in einem Young Adult-Fantasy-Roman, der keine Gefühle zulässt, aber letztendlich fand ich das auch richtig gut umgesetzt. Denn Yumenko wird ihm nicht als unterlegen dargestellt, weil sie Gefühle zeigt, stattdessen wird das wertgeschätzt und als erstrebenswert und positiv dargestellt. So tut er ihr leid, weil er keine Emotionen zeigt und sie hinterfragt das, zeigt ihm, wie schön Sanftheit und Freundlichkeit sein können, und das war einfach auch mal eine sehr gesunde und schöne Annäherung an dieses Thema.

    Und ansonsten mochte ich auch die Liebesgeschichte sehr gerne, weil sie sich sehr langsam entwickelt - genaugenommen passiert in diesem ersten Teil noch nicht wirklich was, und ich liebe es, wenn sich sowas langsam entwickelt.
    Nachdem ich meine Einstiegsschwierigkeiten überwunden hatte, erwies sich das Buch als sehr fesselnd und durchgehend spannend. Nicht alle war unvorhersehbar, dennoch hatte ich viel Spaß beim Lesen, woran auch die häufige Action ihren Anteil hatte. Und der Plot ist auf jeden Fall sehr faszinierend, sodass ich schon sehr gespannt bin, wie sich das in den Fortsetzungen weiter entwickeln wird. Dabei steht auch immer die Frage, wem man wie weit trauen kann, im Raum. Wenn ihr Lust auf ein spannendes, unterhaltsames Fantasyabenteuer mit einem interessanten World Building und einem coolen Plot habt, seid ihr hier auf jeden Fall richtig.

    Fazit: Ein super faszinierendes World Building, das an die japanische Mythologie und Kultur angelehnt ist, bietet den Schauplatz für einen spannenden Plot mit einer sehr gut charakterisierten, sehr sympathischen Protagonistin und einem ebenfalls sehr tiefgründigen Protagonisten, dessen fehlende Empathie auf sehr schöne Weise hinterfragt wird. Eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte, coole Actionszenen und eine Prise Sarkasmus trugen außerdem bei, dass ich Spaß am Lesen hatte und gespannt auf die Fortsetzungen bin!



    Kommentare: 4
    3
    Teilen
    Cover des Buches La Passe-miroir (Tome 1-Les Fiancés de l'hiver) (ISBN: 9782070653768)

    Bewertung zu "La Passe-miroir (Tome 1-Les Fiancés de l'hiver)" von Christelle Dabos

    La Passe-miroir (Tome 1-Les Fiancés de l'hiver)
    Weltentraeumerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ungewöhnliche und erfrischend andere Erzählweise mit einem faszinierenden World Building und unüblichen, vielschichtigen Charakteren!
    Ungewöhnliche und erfrischend andere Erzählweise

    Ich fand die Wortwahl sehr schön und der feine Humor konnte ich mich zudem immer mal wieder zum Grinsen bringen. Das World Building mutet manchmal ein wenig märchenhaft an. Lebendige Objekte, wie zum Beispiel Ophélies Schal, aber auch die Welt des Pols, die ihr gerne gemeinsam mit Ophélie entdecken dürft, haben etwas Magisches. Auf jeden Fall ist es eine extrem faszinierende und definitiv ungewöhnliche Welt, die ich gerne entdeckt habe, und ich bin gespannt darauf, in den Folgebänden mehr darüber zu erfahren.

    Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte sich viel Zeit nimmt, um die Handlung ins Rollen zu kriegen. Als Leser*innen lernen wir Ophélie kennen, erleben ihre Abneigung gegen die geplante Heirat und überhaupt entwickelt sich alles erst nach und nach.
    Aber während ich das Buch anfangs noch problemlos beiseitelegen konnte, merkte ich nach etwa einem Drittel, wie es mich plötzlich zu fesseln begann, und ab der Hälfte fiel es mir schwer, das Buch beiseite zu legen. Die Handlung nahm an Fahrt auf und damit auch an Spannung - das Durchhalten am Anfang lohnt sich, denn am Ende hing ich gefesselt an den Seiten.

    Was ich an dem Buch auch mochte, war die eher ungewöhnliche Erzählweise. Weder die Protagonistin noch Thorn sind klassisch schön, was ich als unüblich empfunden habe, und ich mochte Ophélie sehr gerne. Sie ist unscheinbar, spricht meist nur leise und undeutlich und versteckt sich hinter ihrem Schal und ihren Brillengläsern, die die Farbe ihrer Stimmung annehmen. Das mochte ich übrigens auch, die Einbindung dieser Brille - inklusive beschlagener Gläser und verschwommener Sicht, wenn Ophélie gezwungen wird, sie abzunehmen, was ich als sehr authentisch empfunden habe.

    Ich mochte es, wie Ophélie von Anfang an ihre innere Stärke entdeckt und beschließt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Sie ist entschlossen, eigenständige Entscheidungen zu treffen und eine gewisse Selbstständigkeit und Handlungsmacht zu suchen, statt sich einfach in die Rolle der fügsamen Ehefrau zu drängen, und ich mochte die Entwicklung, die sie dahingehend im Verlaufe der Handlung durchläuft.
    Und ich mochte das gerade deshalb, weil es eben keine physische Stärke ist, sondern schlicht und ergreifend der Wille, zu sich selbst zu stehen und sich nicht unterkriegen zu lassen, was sie zu einem beeindruckenden Charakter macht.

    Darüber hinaus habe ich sie übrigens irgendwo auf dem asexuellen bzw. aromantischen Spektrum gelesen. Obwohl in diesem Buch sehr wenig in die Richtung einer Liebesgeschichte geschieht, ahne ich zwar, dass sich das ändern wird, würde aber trotzdem davon ausgehen, dass Ophélie mindestens demi ist, und bin ein bisschen gespannt, ob und wie sich das weiter äußert.

    Hinzu kommt die generell ungewöhnliche Erzählweise, denn wer jetzt mit Thorn einen heißen Adeligen erwartet, dessen harte Schale die Protagonistin knackt, um dann glücklich verliebt die Heirat zu vollziehen, ist fehl am Platz. Es ist eine Zweckheirat, Thorn ist nicht klassisch schön und die Handlung fokussiert sich auf andere Dinge, was ich super erfrischend fand. Überhaupt konnte sie mich immer wieder überraschen, da ich sie auch als relativ unvorhersehbar empfunden habe - gerade weil sie von bekannten Erzählmustern abweicht.

    Dabei sind auch die Charaktere sehr faszinierend, gerade weil bei vielen die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt und man sich auch als Leser*in nie so ganz im Klaren darüber ist, wem man trauen kann. Ich hoffe darauf, viele davon in den Fortsetzungen weiter kennenzulernen, gerade die, über die man bisher weniger erfahren hat - Potenzial ist auf jeden Fall eine Menge da!

    Fazit: Ungewöhnliche und erfrischend andere Erzählweise mit einem faszinierenden, ebenso außergewöhnlichen World Building und unüblichen, vielschichtigen Charakteren. Die Handlung braucht ein wenig, um ins Rollen zu kommen, weiß dann aber definitiv zu fesseln und zu überraschen. Die unscheinbar wirkende Protagonistin überzeugt mit innerer Stärke, in dem sie sich nicht unterkriegen lässt und zu sich selbst steht. Insgesamt ein vielversprechender Auftakt mit viel Potenzial für die Fortsetzungen!



    Kommentare: 2
    2
    Teilen
    Cover des Buches Sorcery of Thorns (ISBN: 9781481497619)

    Bewertung zu "Sorcery of Thorns" von Margaret Rogerson

    Sorcery of Thorns
    Weltentraeumerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Magie, lebende Bücher, tolle Charaktere, wundervolle Dialoge und eine geniale Liebesgeschichte - definitiv ein Jahreshighlight!
    Magie, lebendige Bücher und einfach eine tolle Geschichte!

    Ich brauchte ein paar Seiten, um in die Geschichte reinzukommen und hatte schon Angst, nicht mit diesem Buch zurechtzukommen, aber nach ein paar Seiten war ich nur noch verliebt.
    So verliebt, dass ich am Ende fast traurig war, dass es sich nur um einen Einzelband handelt, obwohl die Geschichte absolut gelungen zum Abschluss geführt wird, nicht zu kurz wirkt und absolut stimmig ist. Einfach, weil ich traurig war, die Charaktere nicht wiederzusehen. Aber eins nach dem anderen.

    Fangen wir doch erst mal an mit dem World Building. Die Autorin verrennt sich nicht in einem ausufernden Weltenkonzept und bei einem Einzelband kann dieses natürlich nicht herausragend kompliziert werden, von daher fand ich die gewählte Tiefe perfekt. Sie erschafft eine faszinierende High Fantasy-Welt, die nicht mittelalterlich ist, sondern schon ein paar technische Errungenschaften aufweist, mit einem ziemlich coolen Magiesystem. (Und mit lebendigen Büchern!)

    Die Atmosphäre ist dabei durchweg eher düster, gleichzeitig konnte ich mich nur schwerlich von dem Buch losreißen, tauchte ganz ein in die fremde Welt und vermisste sie schmerzlich, als ich das Buch irgendwann beendete.
    Action und Spannung sind stets präsent, sodass es nie wirklich langweilig wird, im Gegenteil. Dass der Aufbau des Spannungsbogens dabei nicht neu ist, störte mich nicht im Geringsten, zumal ich die Wege, die die Handlung dann einschlug, selten erahnen konnte.

    Daneben bin ich einfach nur super verliebt in die Charaktere. Elisabeth ist eine tolle Protagonistin. Sie ist in der Bibliothek aufgewachsen, liebt Bücher über alles und kann mit dem Schwert kämpfen. Sie ist manchmal etwas neugierig und handelt etwas impulsiv, ist aber gleichzeitig entschlossen und mutig und war mir insgesamt absolut sympathisch.

    Ansonsten konzentriert sich die Handlung auf einige wenige Charaktere, aber wow, ich liebe Nathaniel. Wegen der Tiefe und vor allem wegen des Sarkasmus. Auch faszinierend fand ich eine andere relevante Figur. Und Elisabeths beste Freundin war mir auch sehr sympathisch. Und was ich sehr cool fand, war, dass ganz selbstverständlich eingeflochten wurde, dass ein Charakter bisexuell und einer aromantisch ist.
    Ich gebe zu, die Motivation der*des Antagonist*in fand ich eher weniger nachvollziehbar und ein bisschen platt, aber hey, bei dem Rest kann ich da problemlos drüber hinwegsehen.

    Vor allem habe ich diese unglaublich coolen Dialoge geliebt, die allein schon unheimlich viel dazu beigetragen haben, dass ich so viel Spaß am Lesen hatte. Die Dialoge sind wundervoll.
    Oh, und ich habe die Liebesgeschichte geliebt. Was ich dabei vor allem toll fand, war, dass sich die beiden absolut auf Augenhöhe begegnet sind. Ich habe niemanden als stärker oder schwächer wahrgenommen, stattdessen sind sie respektvoll miteinander umgegangen und ... ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich diese Beziehung geliebt habe.

    Schon während des Lesens wollte ich eigentlich gar nicht, dass diese Geschichte jemals endet, aber sie hat es getan, und am liebsten würde ich dieses Buch wieder und wieder lesen. Magie, lebende Bücher, tolle Charaktere, wundervolle Dialoge und eine geniale Liebesgeschichte - was will man mehr?

    Fazit: Eine coole Welt mit Magie und lebendigen Büchern, eine mutige und entschlossen handelnde, sehr sympathische Protagonistin, eine spannende Handlung, wundervolle Dialoge und eine unglaublich tolle Liebesgeschichte auf Augenhöhe - definitiv ein Jahreshighlight!

    Kommentare: 2
    3
    Teilen
    Cover des Buches Firestorm (The Worldmaker Trilogy, Band 3) (ISBN: 9781509840519)

    Bewertung zu "Firestorm (The Worldmaker Trilogy, Band 3)" von Lucy Hounsom

    Firestorm (The Worldmaker Trilogy, Band 3)
    Weltentraeumerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Genialer, epischer und durchdachter Plot und beeindruckende Entwicklung der tiefgründigen Charaktere - ein fesselnder Abschluss!
    Genialer Plot und tolle Entwicklung der Charaktere

    ! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZU DEN VORGÄNGERN !

    Ich bin immer noch komplett geflasht von diesem unglaublich genialen Plot, der einfach nur richtig gut ausgearbeitet, tiefgründig und überwältigend ist. Gerade auch, wenn man beachtet, wie sich das Ganze entwickelt ... angefangen mit dem ersten Band, in dem Kyndra keine Ahnung hatte, wer sie ist, und die größte Gefahr die Einschläge waren, hin zu einem Krieg, um die Zukunft einer ganzen Welt zu ändern, zu einer Geschichte über Kolonialismus, Macht und ihren Preis. Ich habe selten so einen komplexen, durchdachten Plot wie diesen gelesen, der in diesem Band einen würdigen Abschluss erhält.

    Genauso beeindruckend ist die Entwicklung der Charaktere. Ich liebe es, wie sehr sich die Charaktere weiterentwickelt haben, wie nachvollziehbar das passiert ist, wie schleichend - bis man zurückblickt und sie kaum wieder erkennt. Generell sind die Charaktere auch einfach super tiefgründig und vielschichtig, wie Hagdon, der mit den Verbrechen, die er begangen hat, kämpft.

    Die Charaktere sind einfach unheimlich gut ausgearbeitet, und gerade das fand ich so toll an der Trilogie. Genauso übrigens wie die Tatsache, dass die Hauptcharaktere zwar alle eher heterosexuelle Beziehungen führen, aber nicht-heterosexuelle Beziehungen ganz selbstverständlich erwähnt werden. Und es gibt ein paar BIPoC-Charaktere wie Ma. Außerdem mag ich es, wie Frauen ganz selbstverständlich hohe Positionen einnehmen - das alles fließt beiläufig ein, macht das Ganze aber auch wieder aus und beweist, dass bereits unterschwellige Diversität einen Unterschied macht.

    Bei der mittlerweile recht hohen Anzahl an Charakteren gibt es häufige Sichtwechsel, die den*die Leser*in meist an sehr verschiedene Schauplätze Acres mit sehr unterschiedlichen Konflikten schleudern, und ich müsste lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich nicht manchmal lieber bei einer Perspektive länger geblieben wäre.

    Die größte Veränderung hat mit Sicherheit Kyndra durchlaufen (dicht gefolgt von Gareth), die jetzt voll und ganz eine Sternengeborene ist, ihre Kräfte einsetzt und dadurch gefühlslos, quasi soziopathisch ist. Was ich übrigens ebenfalls ziemlich gut umgesetzt fand, weil sie einerseits sie ist, aber andererseits sehr gut rüberkommt, dass sie keine Empathie mehr empfindet und sehr rational entscheidet. Was sie für mich zu dem mit Abstand am interessantesten und faszinierendsten Charakter macht.
    Ich mag es dabei, dass Macht immer ihren Preis in dieser Reihe hat, und dass Kyndra eine gefühlslose Heldin ist, auch wenn sie mit Sicherheit längst nicht mehr im alleinigen Fokus der Handlung steht, wie sie es im ersten Band noch weitaus mehr getan hat.

    Und auch das World Building finde ich immer noch einfach nur toll, gerade mit der Geschichte von Acre, den teils sehr fortschrittlichen Aspekten, die beweisen, dass High Fantasy nicht immer mittelalterlich sein muss, mit den verschiedenen Wesen und auch den Fragen nach Moral und Herrschaft.
    Ich mag auch die düsteren Wege, die die Reihe manchmal einschlägt, Stichwort Gareth, oder die Handlungen, die eben manchmal Fragen von Moral, Skrupel und Gewissen aufrufen, gerade in Bezug auf Kierik und Kyndra.

    Darüber hinaus war dieses Buch auch einfach unglaublich fesselnd. Ich musste wissen, wie es weitergeht, war gefangen in dieser epischen Geschichte und konnte mich absolut nicht von ihr lösen. Wie gesagt, das Ende fand ich absolut gelungen. Es blieben ein paar Fragen offen, was mich aber in der Regel nicht stört, was ich sogar lieber mag, als wenn alles aufgelöst und abgepackt wird - so bleibt Raum für die eigene Fantasie.

    Fazit: Unheimlich fesselnder Abschluss einer tollen Trilogie, die sich vor allem durch die Tiefe und die beeindruckende Entwicklung der Charaktere und des Plots, der gleichzeitig extrem durchdacht, genial und episch ist, auszeichnet!

    Kommentare: 2
    4
    Teilen
    Cover des Buches The Toll (Volume 3) (Arc of a Scythe, Band 3) (ISBN: 9781481497060)

    Bewertung zu "The Toll (Volume 3) (Arc of a Scythe, Band 3)" von Neal Shusterman

    The Toll (Volume 3) (Arc of a Scythe, Band 3)
    Weltentraeumerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Spannender und fesselnder Abschluss mit überraschenden Wendungen und sympathischen Charakteren!
    Unheimlich fesselnder, gelungener Abschluss einer tollen Trilogie!

    ! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZU DEN BEIDEN VORGÄNGERN !


    Ich gebe zu, ich kann nachvollziehen, warum viele den Abschluss etwas schwächer fanden als die Vorgänger, denn die Erzählweise ist ein wenig anders. Nicht vom Stil, aber nachdem bei den anderen beiden Teilen vor allem Citra und Rowan die Protagonist*innen waren, wird dieses Buch aus verschiedenen Sichten erzählt, die teilweise wenig mit dem Scythedom zu tun haben.
    Eine große Rolle spielt zum Beispiel Greyson, der Einzige, der noch in Verbindung mit dem Thunderhead steht und deswegen eine besondere Rolle einnimmt, und der gleichzeitig bei der Sekte der Tonist*innen Aufnahme gefunden hat. Die ehemalige Nimbus-Agentin Loriana, die auf einer besonderen Mission zu bestimmten Koordinaten geschickt wird. Eine Bergungsmission des ehemaligen Endura. Plus Goddards Treiben und Scythe Faradays Suche nach den Geheimnissen der Gründungs-Scythes. Plus ein paar andere Perspektiven.

    Die Perspektiven wechseln also und besonders anfangs wird auch zwischen verschiedenen Zeitpunkten hin- und hergesprungen, teilweise mit Wochen oder sogar Jahren Unterschied. Was jetzt super verwirrend klingt, fand ich allerdings tatsächlich sehr gut umgesetzt. Dem Autor gelingt es, das bewusst stilistisch so einzusetzen, dass er Verknüpfungen schafft und nach und nach sichtbar macht, sodass allmählich ein zusammenhängendes Bild entsteht.
    Auch sonst gibt es zwischendurch ein, zwei Kapitel mit einer nennen wir es experimentellen Erzählweise, plus die Ausschnitte aus Scythe-Tagebüchern und anderem zwischen den Kapiteln. Ich mochte den Stil ganz gerne, und war auch nie überfordert mit den verschiedenen Perspektiven, stattdessen gelang es dem Autor so, Spannung aufzubauen und verschiedene Aspekte der Ereignisse, die einzelnen Charakteren verborgen geblieben wären, zu beleuchten.

    Von allen neu eingeführten Charakteren fand ich Jerico am sympathischsten, und war zudem überrascht, dass es sich bei Jerico um einen genderfluiden Charakter handelt - womit ich nicht gerechnet hatte, weil nicht-binäre Charaktere leider immer noch viel zu selten repräsentiert werden, und was ich dementsprechend umso cooler fand.
    Auch die Idee, dass Jerico in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, in der Kinder ohne Geschlecht erzogen werden und dann mit dem Erreichen des Erwachsenenalters selbst eins wählen dürfen, fand ich dabei super interessant.

    Aber auch sonst fand ich Jericos Charakter toll. Und auch Greyson wurde mir sympathischer. Scythe Faraday ist ebenfalls ein Charakter, den ich ins Herz geschlossen habe, und generell kann ich nur sagen, dass es dem Autor gelungen ist, viele tiefgründige und sympathische Charaktere zu schaffen - und trotz der Vielzahl an Personen das Ganze NICHT in einem unübersichtlichen Durcheinander enden zu lassen.

    Insgesamt ist genug Spannung da, dass ich dieses über 600 Seiten umfassende Werk innerhalb eines Tages verschlungen hatte, weil ich mich nicht mehr davon lösen konnte. Die Handlung habe ich dabei auch als unvorhersehbar empfunden, wusste bis zum Schluss nicht, wie der Autor das auflösen will, hatte Ahnungen und wurden dann doch wieder vollkommen überrascht.

    Fazit: Spannender und fesselnder Abschluss mit einigen Perspektiven-, Orts- und Zeitwechseln, die aber gekonnt umgesetzt wurden, sowie mit überraschenden Wendungen und sympathischen Charakteren!

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Cover des Buches Ein Lied für die Vermissten (ISBN: 9783827013651)

    Bewertung zu "Ein Lied für die Vermissten" von Pierre Jarawan

    Ein Lied für die Vermissten
    Weltentraeumerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Wunderschöner, poetischer Schreibstil und melancholische Atmosphäre, während sich Erinnerungen zu einem zusammenhängenden Bild fügen!
    Ein Kaleidoskop aus Erinnerungen

    Das Buch zeichnet sich durch seinen einzigartigen Stil aus. Schon der Schreibstil selbst ist sehr individuell und ziemlich poetisch, was ich aber sehr gerne mochte. Dieser Stil sorgte dafür, dass die oft melancholische und leicht bedrückende Atmosphäre absolut bei mir ankam.

    Gleichzeitig ist dies kein Buch, das man einfach so weglesen kann, stattdessen erfordert es die volle Aufmerksamkeit. Die Geschichte besteht aus Rückblicken des Protagonisten Amin, die allerdings nicht chronologisch erzählt werden. Stattdessen springt er zwischen den verschiedenen Zeitebenen - vor allem 2006 und 1996 - und dann verschiedenen Zeitpunkten hin und her, und nicht immer fiel es mir leicht, ihm dabei zu folgen.
    Dennoch macht genau das diese Geschichte auch aus: dass sie aus einem Kaleidoskop aus verschiedenen Augenblicken besteht, die nach und nach zusammengesetzt werden, bis sich am Ende ein Bild mit Verbindungen gibt - bei dem auch scheinbar willkürlich gewählte Erinnerungen vom Anfang plötzlich eine Bedeutung erhalten. Ich fand es authentisch, dass die Erinnerungen anfangs eher über Assoziationen aneinandergereiht werden, schließlich erfolgt das eigene Erinnern oftmals genauso.

    Und auch wenn die Handlung nur aus Erinnerungen bestand, konnte sie mich doch absolut in ihren Bann ziehen, vielleicht gerade wegen dieses besonderen Stils und der Atmosphäre. Dadurch ist es ein eher ruhiges, melancholisches, aber deswegen nicht weniger tiefgründiges und eindrückliches Buch. Dies ist auch grade deswegen der Fall, weil einige ernste Themen wie der Umgang mit Kriegsverbrecher*innen, Traumata, psychische Erkrankungen oder Gewalt gegen Frauen angesprochen werden.

    Wir tauchen also ein in eine Stadt und ein Land, die von wiederholten Konflikten geprägt sind. Und darum geht es in diesem Buch: wie mit dem überwundenen Bürgerkrieg umgegangen wird. Und vor allem auch, wie vieles schlichtweg verschwiegen wird.
    Dem Autor, dessen Eltern selbst den Libanon im Bürgerkrieg verlassen haben, gelingt es dabei, ein sehr einnehmendes und bedrückendes Bild von der Gesellschaft und dem über allem schwebenden Einfluss, den der Krieg auch nach seinem Ende noch hat, zu zeichnen - verlorene Kindheiten, die Frage von Schuld, zerstörte Gebäude ... all das erhält mit diesen poetisch-schönen Worten eine Form.

    Dabei wird aus der Nachbemerkung und der Danksagung deutlich, wie viel Recherche der Autor in dieses Werk gesteckt hat, sodass die beschriebenen Ereignisse in ihrer Individualität vielleicht fiktiv sein mögen, dabei jedoch auf tatsächliche Geschehnisse basieren. Teilweise in dem Buch auftauchende Aussagen von Offizieren oder Zeug*innen sind real.

    Der Protagonist Amin bleibt bis zum Ende ein passiver Erzähler, der die Erinnerungen und Geschichten zusammenträgt und zusammensetzt, was dazu führte, dass er für mich als Charakter nur schwer greifbar war. Umgekehrt passt es aber eindeutig zu der Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird. Andere Charaktere wie seine Großmutter erhalten mehr Tiefe und sind gerade in dem Fall seines Kindheitsfreundes Jafar auch sehr faszinierend.
    Das Ende lässt dann ein paar Fragen offen, was ich sehr authentisch finde, und ich mochte es, wie es zum sogenannten Arabischen Frühling überleitet.

    Fazit:
    Verschiedene Erinnerungen werden asynchron durch den eher passiv bleibenden Protagonisten erzählt, bis sie sich am Ende zu einem zusammenhängenden Bild zusammensetzen. Die Handlung bleibt dadurch recht ruhig und nicht immer ist es dabei leicht, die Zeitsprünge einzuordnen. Dem außergewöhnlichen, poetischen Stil gelingt es, die bedrückende, melancholische Atmosphäre im Nachkriegs-Libanon herüberzubringen, und die intensive Recherche des Autors spiegelt sich auch in dem gelungenen Einweben vieler ernster Themen wider.

    Kommentare: 4
    4
    Teilen
    Cover des Buches Das Haus der tausend Welten (ISBN: 9783453319790)

    Bewertung zu "Das Haus der tausend Welten" von T. S. Orgel

    Das Haus der tausend Welten
    Weltentraeumerinvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Coole Idee und viel Potenzial, leider konnte mich die Handlung überhaupt nicht fesseln und ich kam nicht an die Charaktere heran.
    Coole Idee, die mich leider nicht fesseln konnte

    Irgendwie brauchte die Handlung ewig, um in die Gänge zu kommen, was vielleicht daran liegt, dass sie aus der Sicht vier verschiedener, am Anfang berührungsloser Charaktere erzählt wird, die alle eingeführt werden. Bis das geschehen ist, sind 200 Seiten vergangen und erst dann ging die eigentliche Handlung um das Haus der tausend Welten überhaupt los.
    Somit hatte ich das Gefühl, ewig zu warten, bis die Ereignisse losgehen, und dann hat die Handlung es irgendwie verpasst, mich mitzunehmen, denn so wirklich fesseln konnte mich das Buch nie. Ich hatte kein Problem damit, es beiseitezulegen, und hatte auch nie wirklich den Drang weiterzulesen.

    Was vielleicht daran lag, dass mir die Charaktere ziemlich egal waren. Und ich muss sagen, ich war relativ überfordert mit der Zuordnung und vier Perspektiven sind ja nun auch nicht überragend viel. Verwirrt hat mich, dass zwischendurch die Sichtweise mitten im Absatz gewechselt wird, wenn zwei der erzählenden Charaktere an derselben Handlung beteiligt sind.
    Obwohl ich aber sonst jemand bin, der Charaktere ganz gut zuordnen kann, war ich hier teilweise total verwirrt, wer die auftretenden Personen waren, was sie ausmacht und überhaupt. Teilweise konnte ich bis zum Ende nicht wirklich die Namen zuordnen und wurde dann damit überrascht, dass Charaktere wichtig wurden, die ich als beiläufige Randcharaktere registriert hatte. Es gibt ein Personenverzeichnis am Ende, das ich leider zu spät entdeckt habe, allerdings bezweifle ich, dass es mir viel geholfen hätte.

    Hinzu kam, dass mir irgendwie keiner der Charaktere wirklich sympathisch wurde. Was vielleicht auch daran lag, dass sie in meinen Augen alle relativ blass blieben, trotz Potenzial, und mir teilweise die Motive nicht ganz klar waren - oder besser: Die meisten wirkten wie passive Mitläufer*innen. Es gibt ein paar angedeutete Backstories, aber im Großen und Ganzen konnte ich mir zu keinem der Charaktere wirklich ein Bild machen, was eben dazu führte, dass sie mir relativ egal waren.
    Und es ist nicht so, als hätten sie kein Potenzial gehabt. Trotzdem konnte mich nichts davon berühren und nichts hat für mich wirklich Tiefe entwickelt oder Form angenommen. Ich hatte das Gefühl, dass fast alle Charaktere vor allem aus Egoismus handeln, und ja, ich habe mir die Genrebeschreibung für Grimdark vorher durchgelesen, und düster und brutal klang nach etwas, das mir gefallen könnte. Allerdings finde ich dabei gerade das moralisch Graue interessant, und das kam hier irgendwie nicht zum Tragen.

    Was mich auch verwirrt hat, war die Sache mit der Magie. Es gibt irgendwie Shao, das vor allem der Oberschicht vorbehalten ist, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, fast jeder der Charaktere hat irgendeine magische Begabung, die meist erst dann zutage tritt, wenn sie gerade irgendwie nützlich ist, und ansonsten auch nicht weiter erklärt wird. Was dazu führte, dass das auf mich vollkommen willkürlich wirkte.

    An sich fand ich es ganz cool, dass es verschiedene "Völker" gibt und Ako auch eine BIPoC ist (und lesbisch dazu), aber ich fand teilweise die Darstellung nicht ganz unproblematisch. Sie wird nämlich dauernd als "die Schwarze" beschrieben, und ich sag mal so, wenn keine weiße Frau als "die Weiße" beschrieben wird, ist das problematisch.

    Neben der ganzen Kritik aber auch mal ein positiver Punkt: Die Idee hinter dem Ganzen fand ich tatsächlich ganz cool. Ein Haus, das im Inneren um Einiges größer ist, zahlreiche verschiedene Räume verbirgt und quasi wie der Albtraum eines Hauses, das einen gefangen hält und mit immer neuen und brutaleren Gefahren aufwartet? Definitiv eine sehr coole Idee. Dementsprechend fand ich es schade, dass mich die Umsetzung nicht überzeugen konnte, denn das Konzept fand ich ziemlich faszinierend und das Ende hat auch nochmal einen interessanten Konflikt aufgemacht. Trotzdem war das Buch wohl leider nicht mein Fall.

    Fazit:
    Sehr coole Idee, deren Umsetzung mich aber leider nicht überzeugen konnte, da ich bis zum Schluss nicht wirklich in die Handlung reingekommen bin und mich das Buch überhaupt nicht fesseln konnte. Mir fiel es schwer, die Nebencharaktere zuzuordnen, und allgemein waren mir die Charaktere relativ egal, auch weil sie eher blass blieben.

    Kommentieren0
    3
    Teilen

    Über mich

    Ich bin eine 21-jährige Bloggerin und kolossale Tagträumerin

    Lieblingsgenres

    Klassiker, Jugendbücher, Fantasy

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks