Xirxe

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    Cover des Buches Das zweitbeste Leben (ISBN: 9783716027837)

    Bewertung zu "Das zweitbeste Leben" von Tayari Jones

    Das zweitbeste Leben
    Xirxevor 2 Stunden
    Kurzmeinung: Ein Leben, das geheim gehalten werden muss im Gegensatz zu einem ganz normalen. Bigamie - am Ende sind Alle VerliererInnen.
    Wenn die eigene Existenz ein Geheimnis ist

    Dana und ihre Mutter Gwen sind ein Geheimnis, denn Danas Vater und Gwens Ehemann James hat bereits eine Familie: Ehefrau Laverne und Tochter Chaurisse. Während Letztere glauben, ein glückliches normales Familienleben zu haben, wissen Dana und Gwen von James 'erster' Familie. Insbesondere Dana leidet darunter, ihren Vater geheim halten zu müssen und nur einmal die Woche zu sehen. Als sie zufälligerweise die gleichaltrige Chaurisse kennenlernt, freunden die Beiden sich an ohne dass ihre Halbschwester weiß, wer Dana ist.
    Die erste Hälfte des Buches wird aus der Sicht von Dana erzählt, die bereits als Kleinkind verinnerlichen musste, nicht über ihren Vater zu reden. Ohne ihn anzuklagen, macht sie jedoch deutlich, wie schwierig diese Situation für sie ist und wie sehr ihr Selbstbewusstsein darunter leidet. So sehr, dass sie es in ihrer ersten Beziehung hinnimmt, wieder verheimlicht zu werden. Mit zunehmendem Alter wird ihre Neugier auf ihre Halbschwester und deren Mutter immer größer und gemeinsam mit Gwen spionieren sie ihnen gelegentlich nach.
    In der zweiten Hälfte erzählt Chaurisse, die auch während ihrer Freundschaft mit Dana ahnungslos bleibt, von ihrem Leben. Es ist ein typisches Teenagerdasein, das in erster Linie von den üblichen Problemen geprägt ist: Aussehen, Vergleich mit Anderen usw. Von ihr erfährt man auch mehr über die Vergangenheit von James, für den ich zumindest zeitweise fast so etwas wie Mitgefühl aufbringen konnte, aber wirklich nur fast.
    Denn es sind die Frauen, die hier die starken Charaktere sind: Dana, Chaurisse und Gwen. Laverne bleibt außen vor, denn sie stellt sich nicht der Realität, sondern verschließt die Augen mit der Hoffnung, dass Alles so bleibt wie es war. Die Männer hingegen entpuppen sich der Reihe nach als Feiglinge, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind oder einfach nur Angst haben. Und James schreckt sogar nicht davor zurück, seiner Tochter Dana die Schuld am Vorgefallenen zuzuweisen.
    Obwohl die Handlung in einem schwarzen Milieu stattfindet, taucht der besonders in den Südstaaten der USA herrschende Rassismus (das Ganze spielt in den 80ern und früher) nur beiläufig auf in Sätzen wie "Deine Mama hat für weiße Leute die Wäsche gewaschen ...". Letzten Endes liest es sich wie eine Geschichte, die sich so in jeder Gesellschaft hätte ereignen können - von einigen wenigen Besonderheiten abgesehen.
    Ein einfühlsamer und interessanter Einblick in zwei letzten Endes unglückliche Familienleben, verursacht durch den Egoismus und die Feigheit eines Mannes.

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    Cover des Buches Der letzte Satz (ISBN: 9783446267886)

    Bewertung zu "Der letzte Satz" von Robert Seethaler

    Der letzte Satz
    Xirxevor 7 Tagen
    Kurzmeinung: Der Abschied Gustav Mahlers von der Welt - melancholisch schön und hat bei mir grosse Lust auf seine Werke geweckt.
    Ein melancholischer Blick zurück aufs Leben

    Wie mag es sein, wenn einem der eigene Tod immer näher rückt? Es einem bewusst wird, dass die verbleibende Zeit auf Erden sehr überschaubar ist? Davon schreibt Robert Seethaler in diesem Buch, in dem wir den berühmten Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler auf seiner letzten Seereise begleiten.
    Auf seinem Weg von New York zurück nach Europa verbringt der bereits schwer kranke Mann seine Tage meist an Deck, wo er sich vergangener Zeiten erinnert. Wie er seine geliebte Frau Alma kennenlernte, der Verlust seiner erstgeborenen Tochter Marie, der Erfolg der 8. Symphonie, seine Zeit in Wien undundund. Es sind kurze Ausschnitte eines erfolgreichen Lebens, das nicht frei von Kämpfen und auch Niederlagen war. Gustav Mahler, der gerade einmal 50 Jahre wurde, liebt das Leben und hadert doch mit ihm. Viel zu früh geht es zu Ende, denn wie gerne würde er seine Tochter Anna aufwachsen sehen, mehr Zeit mit seiner Frau verbringen, Vergangenes wieder gut machen.
    Obwohl die Hauptfigur seinerzeit ein erfolgreicher Komponist und international gefeierter Dirigent war, geht es nur selten um Musik in diesem schmalen Büchlein. Doch der Rückblick auf dieses Leben hat mich neugierig gemacht auf das Werk Mahlers, so dass ich beim Lesen den titelgebenden letzten Satz der 9. Symphonie gehört habe. Für mich war dies eine Bereicherung, denn Robert Seethaler hat die Stimmung, die dieses Werk vermittelt, unglaublich gut in Worte gefasst. Eigentlich sollte man klassische Musik nicht unbedingt als Hintergrundberieselung nutzen, aber in diesem Fall harmoniert es so hervorragend, dass ich immer wieder beim Lesen inne hielt, um der Musik zuzuhören und das Gelesene noch deutlicher vor Augen zu sehen.
    Einziger Makel: 120 sehr großzügig gesetzte Seiten für diesen Preis - das ist schon sportlich.

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    Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)

    Bewertung zu "American Spy" von Lauren Wilkinson

    American Spy
    Xirxevor 11 Tagen
    Kurzmeinung: 3,5 Sterne für eine unterhaltsame Geschichte, die mit einem Thriller aber wenig zu tun hat. Ob Barack Obama das wirklich gelesen hat?
    Familiengeschichte, Biographie - ganz sicher aber KEIN Thriller!

    1987 ist Marie Mitchell Agentin beim FBI. Doch als Frau und dazu noch schwarz sind ihre Aussichten auf ein Weiterkommen in diesem Männerverein schlecht, sehr schlecht. Als sich unverhofft die Chance bietet, sich durch einen Undercovereinsatz in Burkina Faso zu profilieren und damit vielleicht einen Karrieresprung zu machen, sagt sie sofort zu. Doch nichts ist so wie es scheint und fünf Jahre später muss sie wegen dieses Einsatzes um ihr Leben fürchten - und das ihrer Kinder.
    Gleich auf den ersten Seiten wird ums Überleben gekämpft und so eingestimmt, war ich natürlich darauf eingestellt, dass es ähnlich weitergeht. Doch damit lag ich daneben. Denn was nun folgt, sind wechselnde Rückblicke auf die Lebens- und Familiengeschichte der berichtenden Marie Mitchell, die dies für ihre beiden vierjährigen Söhne aufschreibt. Es ist eine Art Vermächtnis für den Fall, dass sie stirbt, bevor sie ihnen das Alles selbst erzählen kann. Die Geschichte ist durchaus interessant, aber sicher nicht spannend im Sinne eines Thrillers, sieht man vielleicht von den letzten 50 Seiten ab (von 350 Seiten insgesamt). Auf mich wirkte es mehr wie der Bericht einer Frau, die auf dem Weg zu ihrem Ziel nicht nur gegen den alltäglichen Rassismus überall kämpfen muss, sondern auch gegen diverse Familienaltlasten (Mutter, Schwester, Vater).
    Der sogenannte Spionagefall, für den Marie rekrutiert wird, basiert auf realen Personen und Geschehnissen jener Zeit und ist grundsätzlich eine gute Idee, um auf diese Weise praktisch nebenbei mehr über Burkina Faso und Thomas Sankara zu erfahren. Doch es gibt leider keinerlei Anhang mit Erläuterungen (also selber im Internet recherchieren - es lohnt sich), und viele der Ausführungen im Text sind derart weitschweifig und/oder ausufernd, dass ich nur noch schräg las.
    Marie selbst schreibt zwar als Ich-Erzählerin, aber viele ihrer Handlungen sind dennoch nur schwer nachvollziehbar, ganz besonders je mehr es dem Ende entgegengeht. Dies trifft auch auf andere Figuren zu und so wirkte Mancher und Manches bis zum Ende eher unglaubwürdig und flach. Okay, das Ende ist auf einen zweiten Teil hin ausgelegt, aber eventuelle Erklärungen zu merkwürdigen Personen hätte ich gerne in einer Geschichte, nicht in einem möglichen Folgeband.
    Und dann ist noch die Sprache. Vier Übersetzerinnen hat dieses Buch und ich habe die Befürchtung, dass das nichts Gutes bedeutet. Beispielsweise: "Auf dieser Straße erlebte ich die erste schlimme Wehe. Es tat so unglaublich, so unfassbar weh, dass ich am liebsten ein Lesezeichen an diese Stelle meines Lebens gesteckt hätte und später darauf zurückgekommen wäre, wenn ich ein besserer Mensch wäre." Hä? Oder als Marie den Auftrag erhält, einen Film aus einem stillen Briefkasten zu holen und in die Botschaft zu bringen: "Ich war aufgeregt wegen des Auftrags, da er mir die Möglichkeit bot, aktiv zu werden, ...". Fünf Jahre beim FBI und dann aufgeregt sein wegen einer Filmabholung? So gibt es eine Reihe von Sätzen, die zwar in 'ordentliches' Deutsch übersetzt wurden, aber schlicht keinen Sinn ergeben.
    Auf der Rückseite steht "Wie das Beste von John Le Carré." Also ganz sicher nicht!

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    Cover des Buches Alter Hund, neue Tricks (ISBN: 9783518470602)

    Bewertung zu "Alter Hund, neue Tricks" von Adrian McKinty

    Alter Hund, neue Tricks
    Xirxevor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Spannend, witzig, intelligent und überraschend - was will man mehr!
    Nordirland der 90er - Sean Duffy ermittelt wieder

    Gerade als Sean Duffy als Teilzeitpolizist in der Reserve sich an sein neues ruhiges Leben gewöhnt hat, werden ihm von seinem Vorgesetzten aufgrund Personalmangels die Ermittlungen zu einem Mordfall übertragen. Eher widerwillig, doch dann mit zunehmender Begeisterung nimmt er die Arbeit auf und findet sich nach kürzester Zeit in einem überraschenderweise höchst komplexen Fall wieder, der ihn auch zu IRA-Funktionären im Exil führt.
    Basierend auf realen historischen Geschehnissen im Nordirland der 90er Jahre, entwickelt Adrian McKinty einen Thriller, der ausgehend von einem zunächst simplen Mord die Verhältnisse im damaligen Nordirland sehr überzeugend beschreibt. Überall herrscht eine angespannte Atmosphäre, die Polizei ist grundsätzlich der Feind, von dem keine Hilfe zu erwarten ist. Gleichgültig wer befragt wird, sie bekommen keine Antworten, ausser wenn Sean Duffy zu seinen eher unkonventionellen Mitteln der Zeugenbefragung greift.
    Im Kreise der Serien-ErmittlerInnen ist Sean Duffy für mich eine Ausnahmeerscheinung. Intelligent, gebildet und sozial eingestellt wie er sind zwar auch viele Andere, aber meist sind sie zudem depressiv, frustriert und/oder von irgendwelchen Drogen abhängig. Sean Duffy hingegen wirkt entspannt, häufig sogar gut gelaunt und hat Spass an seiner Arbeit - und die Zeit mit den Drogen hat er hinter sich. Dazu sein herrlich lockerer Ton, in dem er seine Geschichte erzählt (waren die Vorgängerbände ebenso amüsant? Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern.) - es ist ein Vergnügen, ihm bei seiner Arbeit zu folgen. Zur Verdeutlichung zwei Beispiele: "Ich saß in der Klemme. Handelte es sich um protestantische Paras und sie bekamen mit, dass ich Katholik war, würden sie mir befehlen auszusteigen und vielleicht versuchen, mich umzubringen. Handelte es sich um Männer der IRA und sie fanden heraus, dass ich ein katholischer Polizist war, würden sie mir befehlen auszusteigen und ganz bestimmt versuchen, mich umzubringen." - "Dann stürzte ich mich auf Jonty. Ja, ja, ich weiß, Gandhi, Buddha und all das, aber wer kann schon der Gelegenheit widerstehen, einen Nazi zu vermöbeln?".
    Eine rundum gelungene Fortsetzung der Sean-Duffy-Reihe und ich hoffe auf weitere Folgen!

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    Cover des Buches Wo wir waren (ISBN: 9783498076696)

    Bewertung zu "Wo wir waren" von Norbert Zähringer

    Wo wir waren
    Xirxevor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Unterhaltsame Geschichte, die durch ein ganzes Jahrhundert und fast die ganze Welt führt.
    Was am 21. Juli 1969 sonst noch so geschah

    Was für eine schöne und auch traurige Geschichte - fast ein richtiger Schmöker. Doch zum völlig darin Versinken hat es nicht ganz gereicht, ohne dass ich so genau weiss, woran es liegt.
    Ausgangspunkt ist der 21. Juli 1969, also ziemlich genau vor 51 Jahren, als die ersten Menschen den Mond betraten. Obwohl man im Nachhinein das Gefühl haben könnte, dass an diesem Tag sonst nichts weiter Aufregendes passierte 😉 geschah doch so einiges Andere, was für manche Menschen zu enormen Veränderungen im Leben führte.
    Die wichtigste Figur ist der fünfjährige Hardy Rohn, der mit einem älteren Jungen aus dem Waisenhaus flieht, wo sie täglich gewalttätigen und erbarmungslosen Aufsichtspersonen ausgesetzt sind. Zwar misslingt die Flucht (zumindest für Hardy), doch sie ist der Grund, weshalb er ein Jahr später adoptiert wird und so ein um vieles besseres Leben verbringen kann. Und vermutlich ist diese Flucht auch der Grund dafür, dass Jahre später ein brutaler Mensch ebenso brutal ermordet wird.
    Doch nicht nur Hardy flieht an diesem Tag - auch seine wegen Mordes zu lebenslänglich verurteilte Mutter unternimmt einen Fluchtversuch.
    Diese beiden Personen sind der Ausgangspunkt für die rund 500 Seiten umfassende Geschichte, die deren Leben und das ihrer Vorfahren und nächsten Verwandten schildert. So spannt sich ein Erzählbogen über das Jahrhundert von Memel bis Vietnam, vom Rhein bis in die USA, von 1901 bis 2009. Norbert Zähringer nimmt seine Leserinnen und Leser mit durch Raum und Zeit und wir erleben das Jahrhundert durch die Beschreibungen von Hardys Grossvater, seiner Mutter, seines Vaters undundund.
    Eigentlich sind die Voraussetzungen ideal für einen Schmöker zum darin Versinken, denn der Autor weiss gute Geschichten zu erzählen, unter anderem indem er durch kleine Ausblicke in die Zukunft Spannung erzeugt. Doch ich blieb zu den Figuren auf Distanz - vielleicht liegt es an den doch recht häufigen Zeit- und Raumsprüngen, vielleicht an der etwas spröden Persönlichkeit Hardys.
    Dennoch: Ein schön zu lesendes Buch mit einer unterhaltsamen Geschichte.

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    Cover des Buches Das wirkliche Leben (ISBN: 9783423282130)

    Bewertung zu "Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné

    Das wirkliche Leben
    Xirxevor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine packende Geschichte, aber der Schreibstil lässt immer wieder ziemlich zu wünschen übrig.
    Eine grausame Kindheit - und eine stellenweise schaurige Schreibweise (oder Übersetzung)

    Ein namenloses junges Mädchen erzählt von ihrer Kindheit bis hin zu dem Tag, an dem das Grauen jener Zeit fast so endete wie es begann - mit einem zerstörten Gesicht. Obwohl - das Grauen begann schon viel früher ...
    Die Eltern des kleinen Gilles und seiner vier Jahre älteren Schwester sind ein ungleiches Paar und alles andere als glücklich. Der Vater grobschlächtig, cholerisch, dominant, gewalttätig; die Mutter voller Angst, ohne Selbstbewusstsein, wie eine Amöbe wie ihre Tochter sie nennt. Regelmäßig wird sie wegen Nichts von ihrem Mann verprügelt, ohne dass sie sich wehrt. Und die Kinder wissen, irgendwann wird es auch sie treffen. Doch die große Schwester schützt ihren Bruder, bis dieser wie auch sie Zeuge eines entsetzlichen Unglücks wird. Ab diesem Tag zieht Gilles sich von seiner Schwester zurück und beginnt, sich in Richtung seines Vater zu entwickeln.
    Es ist eine grauenvolle und auch brutale Geschichte, die im Tonfall eines jungen Menschen erzählt wird. Grundsätzlich gelingt dies recht gut, aber wie manche Stilmittel völlig überzogen werden, ist stellenweise wirklich gruselig. Beispielsweise Vergleiche wie 'Denn das Leben war nun mal eine Ladung Fruchtpüree in einem Mixer und man musste aufpassen, in dem Strudel nicht von den Klingen nach unten gezogen und zerkleinert zu werden.' oder Allegorien wie 'Die tief stehende Morgensonne leckte mir die Tränen von den Wangen.' oder '... ein Schluchzen legte seine Tentakeln um meine Kehle.'. Was hat die Autorin während des Schreibens denn zu sich genommen? Und falls sie das wirklich geschrieben haben sollte: So etwas mögen tatsächlich die französischen Buchhändlerinnen? Oder liegt es vielleicht an der Übersetzung?
    Störend empfand ich auch die Verachtung des jungen Mädchens gegenüber seinem ganzen Umfeld. Die anderen Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse: praktisch alles Deppen. Die Nachbarschaft in ihrem Zuhause: alles Idioten. Merkwürdigerweise sind jedoch die Leute, die sie näher kennenlernt, dann plötzlich alles tolle Menschen - wie kann das denn sein?
    Meine Begeisterung hält sich aus diesen Gründen in Grenzen, auch wenn ich trotz der sprachlichen Schaurigkeiten unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte endet. Ein Lieblingsbuch von mir wird es aber bestimmt nicht.

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    Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)

    Bewertung zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

    Winterbienen
    Xirxevor einem Monat
    Kurzmeinung: Wunderschön - und todtraurig. Für Alle, die Bienen lieben - und das Leben!
    So schön - und doch so traurig

    Was für ein schönes Buch, das von einer entsetzlichen Zeit erzählt. Es ist das letzte Kriegsjahr des II. Weltkriegs und in der Eifel ist es bisher vergleichsweise ruhig geblieben. Egidius, der aufgrund seiner Epilepsie nicht eingezogen wurde und dank des Einflusses  seines Bruders der Euthanasie entging, kümmert sich nach seiner Entlassung als Lehrer um seine Bienenvölker und um manche zurückgelassene Frau. Hin und wieder bringt er Juden über die Grenze, um sich so Geld für seine Medikamente zu verdienen, doch mit dem  Vorrücken der Alliierten wird es immer gefährlicher.
    Es ist eigentlich ein gemächliches Buch, wenn sich der kriegerische Hintergrund nicht immer wieder in den meist friedlichen und beschaulichen Tagebucheinträgen des Egidius in den Vordergrund drängen würde. Hauptthema seiner Einträge ist die Beobachtung und Pflege sowie Entwicklung seiner Bienen, denen er sich eng verbunden fühlt. Seine restliche freie Zeit widmet er der Übersetzung alter Dokumente seines Vorfahren Ambrosius aus dem Latein und den Frauen, denen er zugetan ist. Es wirkt, als wäre er ein glücklicher Mensch, wenn nicht stets aufs Neue das Grauen des Krieges in Erscheinung treten würde.
    An Handlung gibt es nicht viel zu berichten, denn die Tage verlaufen recht gleichförmig. Doch wie der Autor dieses Wenige erzählt, ist so voller Zuneigung und Aufmerksamkeit, dass man beim Lesen unweigerlich eine grosse Sympathie zu Bienen und Ambrosius entwickelt und die Entsetzlichkeit des Krieges im Gegensatz dazu noch stärker wirkt.
    Ein schönes und trauriges Buch über das Leben, die Liebe und die Sinnlosigkeit des Krieges.

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    Cover des Buches Manno! (ISBN: 9783954702183)

    Bewertung zu "Manno!" von Anke Kuhl

    Manno!
    Xirxevor einem Monat
    Kurzmeinung: Wirklich ein Buch für Groß und Klein! Erwachsene können in der Kindheit der 70er Jahre schwelgen, Kinder sich über die Streiche amüsieren.
    Ein wunderbarer Comic für Gross und Klein!

    Anke Kuhl, Illustratorin vieler wunderbarer und schöner Kinderbücher, hat mit 'MANNO!' einen herrlichen Comic über ihre eigene Kindheit verfasst. Aufgewachsen in den 70ern gemeinsam mit einer etwas älteren Schwester, wird hier ein Stück (fast) heile Welt heraufbeschworen, die nur selten durch mittlere und kleine Katastrophen ins Wanken gebracht wird. Und selbst die sind (zumindest im Rückblick) häufig genug Anlass zum Lachen (ich schreibe da nur: Freischwimmer 😁).
    Sehr realitätsnah wird das Familienleben mit der großen Schwester in 18 kleinen Geschichten beschrieben, das meist harmonisch wirkt und unter anderem durch gelegentlichen Geschwisterzoff gestört wird, der jedoch nicht lange anhält (herrlich: der Klobürstenkampf).
    Obwohl Anke Kuhl ihre Figuren nicht allzu detailliert zeichnet, sind sie unverwechselbar. Hingegen sind die einzelnen Bilder voller Details, die typisch waren für die damalige Zeit: das Wählscheibentelefon im Krankenhaus, die Fensterkurbel im Auto, die Wohnzimmereinrichtung. Erwachsene im ähnlichen Alter wie die Autorin werden Vieles vermutlich wiedererkennen und in Erinnerungen schwelgen 😉.
    Aber auch Kinder werden mit den Geschichten sicherlich ihr Vergnügen haben. Vieles von dem, was Anke damals erlebte, dürfte ihnen auch bekannt sein: die Angst vor großen Hunden, die Liebe zu den Großeltern, der Streit mit der Schwester. Dazu die fröhlichen bunten Bilder, die einige der nicht so schönen Dinge so überzogen darstellen, dass sie schon wieder lustig wirken und den Geschichten ihren Schrecken nehmen.
    Ein durchweg richtig schönes Buch zum immer wieder Anschauen für Jung und Alt!

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    Cover des Buches Paradise City (ISBN: 9783518470558)

    Bewertung zu "Paradise City" von Zoë Beck

    Paradise City
    Xirxevor einem Monat
    Kurzmeinung: Wenn aus etwas gut Gemeintem etwas Schreckliches wird - überzeugend dargestellt. Braucht nur ein bisschen, bis es in Fahrt kommt.
    Zoë Beck wusste es schon vorher 😉

    VerschwörungstheoretikerInnen aufgepasst: Dieses Buch befand sich gerade erst im Druck, als wir in Europa noch dachten, Corona sei nichts weiter als eine weitere etwas stärkere Grippewelle. Wer also mehr wissen möchte über unsere nächste Zukunft, kommt nicht umhin, dieses Buch zu lesen sowie alle anderen der Autorin. Und an den Rest: Auch wenn es nur Zufall ist, es ist erschreckend, wie manche der Szenarien in Zoë Becks neuem Buch der Realität ähneln.
    In 'Paradise City' ist Deutschland durch zunehmende Klimaveränderung und Pandemien in weiten Teilen entvölkert, die Menschen leben überwiegend in Millionenstädten. Bestimmender Faktor des Lebens ist die Überwachung und Kontrolle durch eine Gesundheitsapp, die permanent registriert, in welchem Zustand sich der Mensch befindet und gegebenenfalls eigenständig Maßnahmen ergreift. Als kleiner Nebeneffekt ist zudem die völlige Überwachung jedes Einzelnen möglich - man muss ja wissen, wohin man einen eventuellen Rettungswagen schicken muss. Liina, die bei einem der wenigen noch unabhängigen Nachrichtenportale arbeitet, wird zu einem Rechercheauftrag in die nahezu unbewohnte Uckermark geschickt, währenddessen ihr Chef einen eigentümlichen Unfall hat, der ihn fast das Leben kostet. Gemeinsam mit ihren KollegInnen machen sie sich auf die Suche nach den Hintergründen und bringen sich dabei in Lebensgefahr.
    Die Welt, die Zoë Beck hier entwirft, ist verstörend, aber angesichts der Geschehnisse der letzten Monate nicht mehr undenkbar. Was mit einer guten Idee begann - Gesundheit und Sicherheit für Alle -, uferte aus und setzte sich nach und nach eigene Regeln und Vorgaben, zugunsten derer die Menschen freiwillig den größten Teil ihrer Freiheit aufgaben. Was daraus erwachsen kann, zeigt dieser Thriller exemplarisch.
    Das Buch habe ich eher als Roman denn als Thriller empfunden - zu lange dauert es, bis die Geschichte tatsächlich an Fahrt aufnimmt. In der ersten Hälfte liegt der Schwerpunkt mehr auf der abwechselnden Beschreibung von Liinas aktuellem sowie ihrem vergangenen Leben, um so die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse bzw. wie es dazu kam, darzustellen. Dennoch ist es lesenswert: unterhaltsam und spannend, mit einem Ausblick auf eine Zukunft, wie sie wohl keiner haben möchte.

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    Cover des Buches 42 Grad (ISBN: 9783499000461)

    Bewertung zu "42 Grad" von Wolf Harlander

    42 Grad
    Xirxevor einem Monat
    Kurzmeinung: Der Plot ist klasse - aber die Umsetzung lässt ziemlich zu wünschen übrig.
    Toller Plot - aber die Ausführung ...

    Deutschland stöhnt und ächzt unter einer Hitzewelle, wie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie eine registriert wurde. Doch damit nicht genug, es gibt bei der Versorgung von Trinkwasser massive Probleme - alles nur Auswirkungen des extremen Sommers? Während fieberhaft nach den Ursachen gesucht wird, beginnen die Menschen aus den betroffenen Gebieten in wasserreichere Gegenden zu flüchten. Mit Sack und Pack machen sich Millionen auf den Weg, um daheim nicht zu verdursten und stranden häufig in Aufnahmelagern, wo sie wie Gefangene festgehalten werden.
    Ein Szenario, das einem Alptraum gleicht und nach dem letzten Sommer nicht ganz unrealistisch wirkt. Was hätte das für ein nervenzerfetzender Thriller werden können, wenn, ja wenn der Autor sich etwas mehr Mühe mit seinen Figuren und seinem Erzählstil gegeben hätte. Es gibt sechs Erzählstränge mit je ein bis zwei Personen, wobei der Hydrologiestudent Julius und Datenanalystin Elsa im Vordergrund stehen. Während Elsa anhand ihrer Daten entdeckt, dass etwas nicht in Ordnung ist, kann Julius dies direkt vor Ort feststellen. Nach einem beruflichen Treffen versuchen sie gemeinsam den Dingen auf den Grund zu gehen, während andernorts Florian, der THW-Mann gegen Feuer kämpft (ha, wie witzig 😉) und Kerstin, alleinerziehende Mutter, mit ihren Kindern vor dem drohenden Verdursten flüchtet. Und da ist noch Noah, ein Wasserwerkspezialist, der bei seiner Unterstützung diverser Werke in Lebensgefahr gerät, sodass sich das BKA in Person von Sarah Hansen und Titus Belling darum kümmern. Obwohl diese Figuren völlig unterschiedlich sind, bleiben sie aufgrund der oberflächlichen Beschreibungen ziemlich konturlos und sind praktisch austauschbar. Würde man Kerstin und Elsa auswechseln oder Julius und Florian - es würde nicht weiter auffallen.
    Auch mit der Sprache hapert es ziemlich: Die Dialoge sind oft derart hölzern, dass man kaum glauben kann, dass sich normale Menschen unterhalten. Zum Beispiel der Innenstaatssekretär (und zwar nicht in einer Rede): "Dann ist die schreckliche jüngste Vergangenheit bald vergessen, dann kommt die Zeit, in der wir unsere Wunden lecken und die vielen Toten betrauern können." Oder erwachsene Menschen klatschen vor Begeisterung in die Hände - ich habe da immer so ein kleines Männchen vor Augen 😉. Ganz schlimm auch der stets aufs Neue verwendete Begriff 'Bahre' anstatt Tragebahre. Ersteres ist für Tote, das sollte einem Journalisten und Schriftsteller doch bekannt sein.
    Aber auch die Geschichte hat so ihre Mängel. Während die Figuren bzw. deren Handlungsstränge sich immer weiter annähern, sodass am Ende wirklich alles aufeinander trifft, verschwindet manch Angesprochenes im Nirgendwo oder ist derart überzogen, dass auch die Anreicherung des Buches mit Nachrichtenmeldungen, Interviews oder Staatsverlautbarungen das Ganze nicht glaubwürdiger macht. Was wird beispielsweise mit der schönen These, die Julius während der Fahrt auf der Autobahn entwirft? Der ganze Prolog, wofür?
    Ich vermute, dass die Geschichte als Actionfilm recht gut funktionieren wird - die Filmrechte sind ja schon verkauft, wie der Autor im hinten angefügten Kurzinterview mitteilt. Aber als Buch ist '42 Grad' nur mittelmäßig.

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