YukBook

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    Cover des Buches Porträt eines jungen Kochs (ISBN: 9783518470770)

    Bewertung zu "Porträt eines jungen Kochs" von Maylis de Kerangal

    Porträt eines jungen Kochs
    YukBookvor 3 Tagen
    Große Hingabe für ein hartes Metier

    In einem Interview erfuhr ich, dass die französische Schriftstellerin Maylis de Kerangal für ihre Romane gern Themen auswählt, für die sie sich zunächst nicht besonders interessiert. Das gilt auch für dieses Buch, in dem sie uns in die Welt der Küchen entführt. Auf nur 96 Seiten schafft sie es, 15 Lehrjahre eines ambitionierten Kochs, der ein entfernter Bekannter von ihr ist, unterzubringen.

    So temporeich wie ihr Erzählstil ist auch der Wechsel der Schauplätze. Der BWL-Student Mauro beschließt, sich seiner wahren Leidenschaft, dem Kochen, zu widmen und bildet sich in Bistros und Sternerestaurants quer über den Globus weiter. Er reist nach Berlin, Caracas, Burma und Bangkok, bis er schließlich in seiner Heimat Paris ein eigenes Restaurant eröffnet.

    Bei all der regionalen und kulinarischen Abwechslung gibt es eine Konstante: Mauro ist fest entschlossen, eisern seinen eingeschlagenen Weg zu verfolgen, auch wenn er ständig mental und physisch am Limit ist und auf jegliche Erholung und Freizeit verzichten muss.

    Die Autorin schafft es, auf den wenigen Seiten unglaublich viele Details unterzubringen. Die Beschreibung der Gerichte lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch sie beleuchtet nicht nur den künstlerischen und kreativen Aspekt des Kochens, sondern auch die praktische Seite, die Konzentration, Präzision und physische Anstrengung fordert, und gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Dass verbale und physische Gewalt in den Küchen nicht ungewöhnlich ist, hat mich überrascht.

    De Kerangals Sprachstil ist wechselhaft: mal sachlich, fast wie eine Reportage, mal sinnlich und poetisch. Durch Mauros Rastlosigkeit habe ich mich leider schwergetan, Zugang zu der Figur zu finden. Gestört hat mich auch, dass die Rolle der distanzierten Ich-Erzählerin bis zum Schluss unklar bleibt.

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    Cover des Buches Das Zimmer aus Samt (ISBN: 9783453360679)

    Bewertung zu "Das Zimmer aus Samt" von Alyson Richman

    Das Zimmer aus Samt
    YukBookvor 3 Tagen
    Eine Frau erfindet sich neu

    Bei diesem Roman weiß ich gar nicht, was mich mehr in den Bann gezogen hat: die Hauptfigur Marthe de Florian, die ihrer Enkelin Solange ihre Lebensgeschichte erzählt oder ihre Wohnung in Paris, in der die wöchentlichen Gespräche stattfinden. Die Faszination liegt wohl darin, dass die Dekoration dieses Appartements in der eleganten Straße Square La Bruyère Marthes Entwicklung widerspiegelt.

    Wie sie zu an ihre kostbaren chinesischen Porzellanvasen gekommen ist, was hinter ihrer Perlenkette und ihrem imposanten Porträt steckt – all das erfahren wir gemeinsam mit der 19-jährigen Ich-Erzählerin, die ihre Großmutter im Jahr 1938 kennenlernt. Ähnlich wie Solange war ich ganz süchtig, mehr über Marthes Vergangenheit zu erfahren: wie sich die einst mittellose Näherin mit Hilfe ihres Gönners Charles ein besseres Leben erschaffen konnte, wie sie nicht nur die Kunst der Verführung, sondern auch ihr Gespür für Ästhetik verfeinerte und begann, Kunstschätze zu sammeln.

    In starkem Kontrast dazu steht die Geschichte der Enkelin, die parallel erzählt wird. Ihre frische Liebe zu einem Buchhändler wird überschattet durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Und doch gibt es Parallelen, denn auch Solange hütet einen kostbaren Schatz: die wertvolle Büchersammlung ihrer verstorbenen Mutter.

    Alyson Richman, die mich schon mit ihrem Roman „Der italienische Garten“ begeisterte, hat zwar einen eher einfachen Sprachstil, schafft es aber, den Figuren Leben einzuhauchen und eine sinnliche Atmosphäre zu schaffen, in die man sofort hineingezogen wird. Den Reiz, etwas Verborgenes aufzuspüren, sei es die Geschichte, die hinter einem Kunstobjekt steckt oder die verletzliche Seite eines Menschen, konnte ich gut nachvollziehen. Interessant ist zudem, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit beruht.

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    Cover des Buches Der weiße Abgrund (ISBN: 9783442750764)

    Bewertung zu "Der weiße Abgrund" von Henning Boëtius

    Der weiße Abgrund
    YukBookvor 17 Tagen
    Die letzten Lebensjahre eines großen Dichters

    Ob Heinrich Heine wohl trotz oder wegen seines chronischen Leidens noch im hohen Alter voller Schaffensdrang war? Von dieser letzten Lebensphase Mitte des 19. Jahrhunderts, die der Dichter in Paris verbrachte, handelt dieses Buch.

    Während Heine ans Bett gefesselt unter Kopfschmerzen, Schwindelanfällen und nachlassender Sehkraft leidet, geht seine Frau Mathilde gerne aus und trifft sich mit ihren Freundinnen zum Essen. Er denkt an all die Dinge, die er nun nicht mehr genießen kann wie durch die Stadt zu flanieren, ans Meer zu fahren oder schöne Frauen zu verführen und gibt dem Leser auf die Weise Einblick in sein vergangenes Leben. Er erinnert sich auch an frühere Verse, die inhaltlich passend eingebunden werden.

    Immerhin hat der kranke Poet einen Leidensgenossen, denn aus seiner Sicht leidet auch die Stadt Paris unter den städtebaulichen Maßnahmen, die Lärm und Hektik verbreiten. Die Beschreibung seines körperlichen Verfalls ist sicher nicht angenehm zu lesen, doch Boëtius‘ spöttischer Witz und seine Ironie verleihen der Geschichte Leichtigkeit und Heiterkeit.

    Besonders amüsant erzählt er von einem Essen, zu dem Heines Arzt David Gruby geladen hat und so illustre Gäste wie Gustave Flaubert, Alfred de Musset, Gustave Courbet oder Gérard de Nerval um sich versammelt. Dort kommen zum ersten Mal auch Heines geplante Memoiren zur Sprache, die im weiteren Verlauf eine zentrale Rolle spielen und um dessen Verbleib sich viele Legenden ranken. Das Porträt der letzten Lebensjahre ist ebenso interessant zu lesen wie die Szenen aus der Pariser Bohème und den literarischen Salons.

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    Cover des Buches Die Freibeuterin (ISBN: 9783442758630)

    Bewertung zu "Die Freibeuterin" von Sandra Petrignani

    Die Freibeuterin
    YukBookvor einem Monat
    Akribisch recherchiertes Porträt einer vielseitigen Schriftstellerin

    Der Name Natalia Ginzburg sagte mir bisher nichts, und doch reizte es mich, diese Biografie zu lesen – wohl deshalb, weil sie nicht nur eine Lebensgeschichte erzählt, sondern auch Einblick in die Literaturszene Italiens und das Verlagswesen im 20. Jahrhundert gibt.

    Zu Beginn erfahren wir viele Details über Ginzburgs Kindheit in Turin – ein bedeutsamer Lebensabschnitt, der ihr Gesamtwerk stark prägen wird, besonders ihr Hauptwerk „Familienlexikon“. Daraus zitiert Petrignani sehr häufig, ebenso aus ihren Gedichten, Essays, Kurzgeschichten und Theaterstücken. Immer wieder gleicht sie fiktive und reale Personen ab und bringt uns nicht nur Ginzburgs Blick auf die Welt, sondern auch das politische Zeitgeschehen wie die antifaschistische Widerstandsbewegung näher.

    Mit großer Detailverliebtheit widmet sich Petrignani einzelnen Personen, die in Ginzburgs Leben eine wichtige Rolle spielten, angefangen mit ihrem cholerischen Vater, ihren ersten Ehemann Leone Ginzburg, der den Verlag Einaudi gründete, und bekannten Künstlerkollegen wie Italo Calvino und Alberto Moravia. Für meinen Geschmack waren es zu häufige inhaltliche Ausschweifungen, die mich etwas überforderten. 

    Mein Interesse galt eher einigen wenigen Personen, darunter der Schriftstellerin Elsa Morante, zu der Natalia eine besondere Beziehung hatte, und ihrer Arbeit als Lektorin bei Einaudi inmitten von männlich dominierten Intellektuellen. Angetan war ich auch von den Passagen, die Ginzburgs Innenwelten beschreiben, zum Beispiel wie sie sich als Kind ihre eigene Welt schaffte und später ihren gesamten Bekannten- und Verwandtenkreis als Beobachtungsfeld nutzte, um über Unvollkommenheit, Neurosen und Chaos zu schreiben.

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    Cover des Buches Tödliche Sonate (ISBN: 9783453422674)

    Bewertung zu "Tödliche Sonate" von Natasha Korsakova

    Tödliche Sonate
    YukBookvor einem Monat
    Mörderisch, musikalisch, mythisch

    Stradivari-Violinen sind nicht nur Klassikfans ein Begriff. Weniger bekannt ist seine berühmteste Violine mit dem Namen "Messias", die als sein Meisterstück gilt. Sie inspirierte die Violinistin und Schriftstellerin Natasha Korsakova zu ihrem Debütroman.

    Der Krimi spielt in Rom und beginnt mit dem Mord einer erfolgreichen Konzertmanagerin in ihrer eigenen Wohnung. Dass es sich um einen Racheakt handelt, ahnt der Leser durch die eingestreuten Passagen aus der Sicht des Mörders. Doch wer dahinter stecken könnte, bleibt Commissario di Bernardo und seinem Kollegen lange Zeit ein Rätsel, zumal eine Reihe von Personen dafür in Frage kommen. Das Mordopfer war nicht nur eine machtgierige und skrupellose Geschäftsfrau, sondern hat auch Familienangehörige und Mitarbeiter, die sich äußerst verdächtig benehmen. Die Befragungen führen das Ermittlerduo kreuz und quer durch die Stadt. Diese Gelegenheiten nutzt die Autorin geschickt, um uns interessantes Hintergrundwissen über historische Bauten, noble Paläste und verkommene Armenviertel zu vermitteln.

    Verwoben wird der Kriminalfall mit einer zweiten Zeitebene, die im Jahr 1716 in Cremona beginnt und von der Entstehung der Stradivari-Violinen erzählt. Dieser Part hat mich besonders gefesselt. Mit sehr viel Sachkenntnis und Leidenschaft bringt uns Korsakova das Handwerk des Geigenbaus näher. Sie erzählt, wie die begehrten Violinen in den folgenden Generationen den Besitzer wechseln, welch einzigartige Klänge begabte Musiker den Instrumenten entlocken und das Publikum begeistern. Gleichzeitig erhöht sie die dramaturgische Spannung, indem sie die Zeitebenen mit steigendem Tempo aufeinander zulaufen lässt. 

    Mir gefällt ihr Erzählstil, der gekonnt zwischen kurzen, prägnanten Sätzen und atmosphärischen Beschreibungen wechselt. Sie verbindet historische Fakten und reale Persönlichkeiten mit einer sehr originellen Idee, die ihrer Fantasie entsprungen ist, wie man im Nachwort erfährt. Einen besonderen Genuss bietet das Hörbuch mit ausgesuchten Violinstücken, die Korsakova selbst spielt und der Geschichte eine ganz persönliche Note verleihen.

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    Cover des Buches City of Girls (ISBN: 9783839818039)

    Bewertung zu "City of Girls" von Elizabeth Gilbert

    City of Girls
    YukBookvor einem Monat
    Schillernde Zeitreise

    So richtig gepackt hat mich die Geschichte in dem Moment, als die Ich-Erzählerin Vivian Morris im Sommer 1940 am Grand Central Station in New York ankommt. Die 19-jährige, erfolglos am College, wurde von ihrer wohlhabenden Familie in Clinton zu ihrer Tante Peg geschickt, die ein Theater leitet.

    Die Briefform eignet sich gut, da Vivian ihre ersten Eindrücke von der vibrierenden Großstadt und von Pegs Theater überschwänglich erzählt. Gemeinsam mit der Revuetänzerin Celia stürzt sie sich ins Nachtleben, kostet ihre Freiheit aus und taumelt rastlos von einem Vergnügen zum nächsten. Für sie mag das sehr aufregend sein, doch für die Hörer wird es auf die Dauer ein wenig monoton. 

    Mich interessierte vielmehr Vivians Talent, ausgefallene Kostüme für die Revuegirls zu nähen. Auch die Art und Weise wie die Freidenkerin Peg und die pflichtbewusste Olive das Theater führen verfolgte ich mit großer Neugier. Als plötzlich Pegs Ex-Mann Billy auftaucht und das titelgebende Stück „City of Girls“ mit einer berühmten britischen Schauspielerin inszenieren will, spitzen sich die Konflikte zu.

    Es folgen Ereignisse, die Vivian zwingen, mehr Rücksicht auf andere zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen. Diese werden stellenweise etwas lieblos aneinandergereiht. Dann wieder gibt es Passagen, in denen die Figuren und die Atmosphäre regelrecht lebendig werden und die Zeitreise großes Vergnügen bereitet. Dies ist zum großen Teil der wunderbaren Sprecherin Cathlen Gawlich zu verdanken. Sie liest sehr nuancenreich, mal sanft und ruhig, mal ausdrucksstark und mit viel Pathos ohne sich zu stark aufzudrängen.

    Ich denke, Elizabeth Gilbert wollte in erster Linie - was der Titel auch ausdrückt - eine Reihe von Frauenfiguren zeichnen, die sich auf ganz unterschiedliche Art die Freiheit nehmen, selbstbestimmt zu leben und keine Scheu davor haben, sich dem Vergnügen und dem Genuss hinzugeben. Die Geschichte war für mich jedoch schwächer als die Romane, die ich sonst von ihr gewohnt bin. 

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    Cover des Buches So bin ich eben! im Job (ISBN: 9783424631999)

    Bewertung zu "So bin ich eben! im Job" von Stefanie Stahl

    So bin ich eben! im Job
    YukBookvor 2 Monaten
    Welcher Arbeitstyp bin ich?

    Dass Menschen völlig unterschiedlich ticken, kann in der Arbeitswelt Fluch und Segen zugleich sein. Möchte man Letzteres fördern und sich zunutze machen, ist ein typengerechtes Team-Building der Schlüssel zum Erfolg, sagen Stefanie Stahl und Dr. Christian Bernreiter. In ihrem Buch stellen die Psychotherapeutin und der Managementberater eine Methode vor, die auf der Typologie von Myers/Briggs basiert. Da ich diese Methode kenne, war ich anfangs skeptisch, ob ich recht viel Neues erfahre. Doch schon nach den ersten Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, und allen, die sich für die menschliche Psyche interessieren, könnte es ähnlich gehen. 

    Die Autoren unterscheiden zwischen vier psychologischen Dimensionen, zum Beispiel extrovertiert versus introvertiert oder DenkEntscheider versus FühlEntscheider. In den jeweiligen Beschreibungen erkannte ich sowohl mich als auch bestimmte Kollegen wieder und erinnerte mich an vergangene Meetings oder Konflikte zwischen Teammitgliedern. Zu den Stärken des Buchs zählt der übersichtliche Aufbau, der flüssige Sprachstil und der starke Praxisbezug. Wir erfahren nicht nur, wie die einzelnen Typen denken, fühlen und führen, sondern auch welche Umgangsform und Wortwahl hilft, um die Zusammenarbeit zu verbessern oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

    Noch interessanter wurde es für mich im zweiten Teil, wo durch die Kombination der vorgestellten Dimensionen eine Dynamik entsteht und sich 16 Kernpersönlichkeiten herauskristallisieren. Sie werden treffenderweise als Minister betitelt und durch treffende Icons visualisiert. Anhand eines Persönlichkeitstests kann man sich selbst einordnen. Jeden einzelnen Typen, ob Tugendminister, Ideenminister oder Erkenntnisminister nehmen die Autoren genau unter die Lupe, erwecken sie förmlich zum Leben und geben dem Leser das Gefühl, in ihre Köpfe zu schauen. 

    Das Buch hat mir nicht nur deutlich gemacht, wie gut sich die 'Minister' mit ihren jeweiligen Stärken in der Zusammenarbeit ergänzen und wen man hin und wieder zu Rate ziehen sollte, sondern auch an welchen Schrauben ich in meinem Profil drehen möchte, um meine Wirksamkeit nach außen zu stärken. Ein sehr lehrreiches und unterhaltsames Buch, das meine Erwartungen übertroffen hat.

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    Cover des Buches Klartext Ernährung (ISBN: 9783442393596)

    Bewertung zu "Klartext Ernährung" von Petra Bracht

    Klartext Ernährung
    YukBookvor 2 Monaten
    Eine Reise durch die Ernährungslehre

    So vielzählig wie unsere Lebensmittel sind mittlerweile auch die Empfehlungen, welche Nahrung gut für unsere Gesundheit ist. Ein Buchtitel wie "Klartext Ernährung" klingt da sehr vielversprechend. Liefern die Autoren eine klare Orientierung im Ernährungsdschungel? 

    Bevor sie auf einzelne Lebensmittel genauer eingehen, vermitteln sie Grundlagen aus der Ernährungslehre und machen uns mit verschiedenen Ernährungsformen und ihren Vor- und Nachteilen vertraut. Anhand von verschiedenen Fallbeispielen beschreiben sie, wie man sich durch einseitige Ernährung regelrecht krank essen kann. Statt typische Zivilisationskrankheiten mit entsprechenden Medikamenten zu heilen, setzen die Ernährungsmedizinerin und der Ernährungswissenschaftler auf Vorbeugung durch gesunde Lebensmittel. Was sie darunter verstehen, lässt sich auf einen Nenner bringen: pflanzenbasierte Kost kombiniert mit Intervallfasten. 

    Mit zahlreichen Nährstofftabellen und eindrucksvollen Vergleichen, zum Beispiel der hohen Nährstoffdichte von Linsen gegenüber Hackfleisch, räumen sie mit gängigen Vorurteilen auf. Liebhaber von Fleischgerichten und Milchprodukten werden diesen Wegweiser vermutlich nicht gern lesen. Bracht und Leitzmann halten es jedoch nicht nur aus ernährungswissenschaftlicher, sondern auch aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht für notwendig, die tierische Nahrung deutlich zu reduzieren. Der Ansatz, nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern auch unserer Erde im Blick zu haben, gefiel mir gut. 

    Die ausführliche Beschreibung verschiedener pflanzlicher Lebensmittel und Mikronährstoffe im dritten Teil dient als praktisches Nachschlagewerk. Besonders für Leser, die sich noch nicht so genau mit dem Thema Ernährung beschäftigt haben, bietet das Buch umfassende Informationen, die sich allerdings stellenweise wiederholen. Nützlich wäre eine kleine Starthilfe gewesen, wie man seine Ernährung allmählich auf eine rein pflanzliche Kost umstellen kann. Der radikale Schritt zu einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise wird vielen trotz der überzeugenden Argumente und Erkenntnisse sicher schwer fallen.

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    Cover des Buches Happy at Home (ISBN: 9783442393633)

    Bewertung zu "Happy at Home" von Clea Shearer

    Happy at Home
    YukBookvor 2 Monaten
    Schön anzusehen, schwer umzusetzen

    Clea Shearer und Joanna Teplin aus Nashville haben eine ungewöhnliche Leidenschaft: Sie haben sich der Ordnung verschrieben und sie zu ihrem Beruf gemacht. Ihre spezielle Aufräum- und Organisationstechnik stellen sie in diesem Buch vor – eine Mischung aus praktischer Anleitung und Bildband. Ich war neugierig zu erfahren, inwiefern sie sich von der KonMari-Methode der Aufräum-Queen Marie Kondo unterscheidet.

    Der Aufbau und die visuelle Umsetzung spiegeln das Thema in bester Manier wieder. Übersichtlich und systematisch erklären die Expertinnen die einzelnen Schritte, um sein Zuhause funktional und zugleich ästhetisch zu organisieren und langfristig Ordnung zu halten. Dabei zeigen sie eine besondere Schwäche für Vorratskammern und Regenbogenfarben.

    Zu Beginn erläutern sie die nötigen Vorbereitungen wie eine gründliche Bestandsaufnahme seines Hab und Guts und das Ausmisten. Dabei möchte man allzu gern zum angenehmeren Teil, dem Sortieren und Einräumen, vorspringen, doch dieser Part folgt erst im zweiten Teil.

    Hier nehmen sich die Autorinnen einen Raum nach dem anderen vor und zeigen anhand von schönen Fotografien verschiedene Kniffe, um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen und Ordnung und Übersichtlichkeit zu schaffen. Dazu zählen zum Beispiel die Aufbewahrung in aufeinander abgestimmten Vorratsdosen, Körben und Boxen und ihre konsequente Beschriftung, der Einsatz von Türregalen oder Rollwägen. Über so manch ungewöhnlichen Tipp wie Reinigungsprodukte und Lotions nach Duft zu sortieren musste ich schmunzeln.

    Die Vielzahl der Aufbewahrungsboxen, die man sich anschaffen müsste, finde ich etwas abschreckend und aus ökologischer Sicht bedenklich. Ich neige eher dazu, Verpackungsmaterial zu upcyclen, was allerdings lang nicht so ansprechend aussieht wie die gezeigten Musterlösungen. Diese lassen sich in der Realität wohl nur eingeschränkt umsetzen. Dass die Aufräumexpertinnen sichtlich Spaß bei der Sache haben und uns Einblick in ihre Arbeit und in Interieurs von Prominenten wie Gwyneth Paltrow gewähren, sorgt immerhin für Schmökerspaß. 

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    Cover des Buches Über Leben (ISBN: 9783328601319)

    Bewertung zu "Über Leben" von Dirk Steffens

    Über Leben
    YukBookvor 2 Monaten
    Umweltschutz ist Menschenschutz

    Während die meisten von uns sich Gedanken darüber machen, wie unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben nach der Coronakrise aussehen wird, denken Dirk Steffens und Fritz Habekuß in größeren Dimensionen, wie ihr aktuelles Buch zeigt. Sie sorgen sich um das Artensterben und dessen Folgen für unsere Ökosysteme.

    Der zu Beginn noch sanfte Ton, wenn es um den einzigartigen Gesang einer Amsel oder die positive Wirkung von Naturerlebnissen auf uns Menschen geht, wird im Laufe des Buches ernster und schonungsloser. Ihre Bestandsaufnahme und Prognose gleichen der Beschreibung einer Dystopie. Anhand vieler Beispiele quer über den Globus machen sie deutlich, wie Menschen durch ihre Expansionslust das Artensterben in bedrohlichem Maße vorangetrieben haben und damit unseren Lebensraum gefährden. Seit jeher, so ihre zentrale Kritik, sei die Natur nur unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet und kontinuierlich ausgebeutet worden.

    Die Autoren decken nicht nur Missstände auf, sondern stellen auch ungewöhnliche Ansätze vor, die zum Nachdenken anregen, zum Beispiel für einen Fluss wie den Mississippi Rechte einzufordern. Dass Menschen durchaus in der Lage sind, eine wirtschaftlich und gesellschaftlich radikale Änderung zu vollziehen, zeige die Abschaffung der Sklaverei. Die aktuelle Coronakrise sei ebenfalls ein Beweis, dass zuvor unvorstellbare Einschränkungen und Verzicht akzeptiert würden, wenn die Dringlichkeit klar kommuniziert und die Maßnahmen rigoros durchgesetzt werden.

    Das Buch ist ist nicht nur ein Appell, so schnell wie möglich zu handeln, sondern stellt auch Lösungsvorschläge und konkrete Schritte einer ökologischen Transformation vor. Die Botschaft ist deutlich: Umweltschutz ist zugleich Menschen- und Seuchenschutz.

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