Zhunami

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Die groteske Weltanschauung (ISBN: 9783945366028)

    Bewertung zu "Die groteske Weltanschauung" von Jens Grote

    Die groteske Weltanschauung
    Zhunamivor 2 Jahren
    Cover des Buches Alligatoren (ISBN: 9783959672207)

    Bewertung zu "Alligatoren" von Deb Spera

    Alligatoren
    Zhunamivor 2 Jahren
    Frauen, Alligatoren und andere Raubtiere

    Dieses Buch hat mich seit längerer Zeit doch endlich mal wieder so richtig umgehauen. Schon die Leseprobe fand ich so gut, dass ich es unbedingt haben wollte. Und was für eine Glück, ich habe es doch tatsächlich gewonnen.

    Das Setting ist in der Kolonialzeit aufgebaut, es spielt in Branchville, einem typischen Südstaatendorf. Baumwollkäferplagen, Dürren, Hurricans und Diptherie plagen die Leute hier. Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Oretta (genannt Retta) ist eine schwarze, ältere Frau, die in den Diensten einer weißen Lady steht. Es gibt zwar offiziell keine Sklavenhaltung mehr, aber Schwarze sind trotzdem nur als Menschen zweiter Klasse angesehen und werden noch immer diskriminiert. Retta ist Köchin und Haushälterin, lebt aber mittlerweile mit ihrem Mann in einem eigenen Haus. Gertrude (genannt Gert oder Gertie) ist eine weiße Frau mit vier Töchtern, sie lebt im Sumpf in ärmlichsten Verhältnisse und ist verheiratet mit einem gewalttätigen Alkoholiker. Um ihre Kinder und sich selbst vor dem Verhungern zu retten, zieht sie nach Branchville und sucht sich Hilfe. Annie ist die weiße Lady, bei der Oretta arbeitet. Sie besitzt eine florierende Näherei, ihr Mann ist Plantagenbesitzer, sie haben finanzielle Probleme, die sie aber verschweigen.

    Innerhalb der Geschichte werden diese unterschiedlichen Frauen miteinander verknüpft, teilen sich ein Schicksal, trotz ihrer Unterschiede, und man fühlt sich während des Lesens mitten im Leben und Leiden der Protagonistinnen. Die Geschichte kommt völlig ohne Kitsch und Schönfärberei aus und porträtiert die nackt und unverblümte Wahrheit dieser Zeit. Tod, Leid, Krankheit sind allgegenwärtig.

    Man spürt im Buch, dass die Autorin viele ihrer Informationen aus erster Hand hat, Kindheitserinnerungen und Geschichten ihrer Großmutter im Roman verarbeitet. Dadurch wird die Geschichte lebendig. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen!
            

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    Cover des Buches What The Fact (ISBN: 9783548375809)

    Bewertung zu "What The Fact" von Taddl & Ardy

    What The Fact
    Zhunamivor 5 Jahren
    Bücher, die die Welt nicht braucht

    Zugegebenermaßen habe ich von diesem Buch nicht besonders viel erwartet. Ein von zwei jungen Youtubern zusammengesammelter Haufen an mehr oder weniger sinnvollen bzw. interessanten Fakten, naja, mehr als Klolektüre kann das ja sicher nicht sein. Glücklicherweise stellen die beiden an sich selbst und ihr Werk auch keine allzu hohen Ansprüche, ein wenig Selbstironie ist schon dabei, was auch schon der Titel beweist, in dem ja zweifelsohne direkt angesprochen wird, dass es sich um "völlig unnützes Wissen" handelt. Das ganze wird ausgeschmückt durch "lustige" gestellte Fotos der beiden sowie "lustige" Erlebnisse, die ebenfalls gelegentlich niedergeschrieben sind. Ein wenig Selbstdarstellung und Eigenwerbung für den Youtube-Kanal ist also auch dabei - und irgendwie müssen die 128 Seiten ja gefüllt werden. Die Idee ist nicht neu, sie ist auch nicht von "Taddl und Ardy", viele der angesprochenen kuriosen Fakten waren mir bereist vorher bekannt, einige noch nicht, und manche waren tatsächlich auch wirklich lustig. Alles in allem ist dieses Buch nun aber kein Meisterwerk, das man dringend gelesen haben muss. Mehr als ein "ganz nett" kann ich hier also nicht vergeben.

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    7
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    Cover des Buches Was fehlt, wenn ich verschwunden bin (ISBN: 9783733500931)

    Bewertung zu "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" von Lilly Lindner

    Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
    Zhunamivor 5 Jahren
    Am Ende richtig gut

    Mit der ersten Hälfte des Buches habe ich mich wirklich schwer getan. Alles ist in Briefform geschrieben und äußerst gewöhnungsbedürftig. Die Handlung dreht sich um die beiden Schwestern April und Phoebe, die ein inniges Verhältnis zueinander haben. Phoebe, der Jüngeren, ist der erste Abschnitt gewidmet. Sie schreibt Briefe an ihre Schwester April, die im Krankenhaus liegt und dabei ist, an ihrer Magersucht zu sterben. Ihre Eltern verbieten Phoebe, die große Schwester zu besuchen, April antwortet nie auf Phoebes Briefe. Das Schreiben der kleinen Schwester an die große fand ich äußerst anstrengend zu lesen. Einerseits hat die Autorin versucht, Themen einzubringen, die von einem Kind geschriebenen Briefe authentischer zu gestalten, dann gibt es aber auch viele Abschnitte und Passagen, die sehr konstruiert und erzwungen wirken, weil sie absolut nicht zu einem Kind passen wollen - auch nicht zu einem hochbegabten Kind. Die erste Hälfte des Buches hat wirklich Längen, und nach den ersten 30 Seiten fragt man sich, wann die Geschichte denn nun endlich mal losgeht. Los geht sie dann eigentlich auch erst dann, wenn April an der Reihe ist. April schreibt nämlich Briefe zurück, sie antwortet ihrer Schwester, doch ihre Briefe kommen im ganzen Verlauf des Buches niemals an und machen die Situation nur noch dramatischer. Jetzt bekommt auch man endlich mal einen Einblick in die Hintergründe von Aprils Erkrankung und in die Familiengeschichte, das Verhalten der Eltern. Diese Abschnitte sind wirklich sehr interessant und spannend geschrieben, weswegen ich das Buch am Ende dann doch in Ordnung fand. Den ersten Teil hätte man allerdings wirklich kürzen können. Für Interessierte vergebe ich eine Empfehlung unter Vorbehalt.

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    5
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    Cover des Buches Etta and Otto and Russell and James (ISBN: 9780241185865)

    Bewertung zu "Etta and Otto and Russell and James" von Emma Hooper

    Etta and Otto and Russell and James
    Zhunamivor 5 Jahren
    Zauberhaft

    Dieses Buch ist wirklich außergewöhnlich. Das kann man eigentlich gar nicht anders sagen, ich habe noch nichts Vergleichbares gelesen. Die verhältnismäßig kurze Geschichte dreht sich um die mittlerweile alt gewordene Dame Etta, ihren Mann Otto sowie den alten Freund Russell. Alle drei verbindet eine innige Freundschaft, eine gemeinsame Vergangenheit und eine außergewöhnliche Liebe. Etta, die im heißen und trockenen Saskatchewan (Kanada) lebt, hat noch nie in ihrem Leben den Ozean gesehen. Mit ihren 83 Jahren packt sie eines Tages ein Gewehr und etwas Proviant ein und zieht los - zu Fuß bis zum Meer. Mehr als 3.000 Kilometer Weg liegen vor ihr. Und 83 Jahre Leben liegen hinter ihr. Während dieser Reise erfährt der Leser nicht nur das, was ihr auf dem Weg so alles widerfährt, sondern insbesondere das, was in ihrer bewegten Vergangenheit liegt. Es ist anrührend, gefühlvoll, zauberhaft beschrieben und wirklich ein Erlebnis beim Leben. Natürlich geht es nicht nur um Etta, denn Otto und Russel spielen eine ganz besondere Rolle, und ihre Geschichte wird auch erzählt. Und auch sie ist wundervoll, weil sie aus einem Leben stammt, das einfach ist und von Entbehrungen erzählt, von Liebe, Tod und Glück. Diese kleine Geschichte, geschrieben in wirklich einfach verständlichem Englisch, kann ich wirklich jedem nur ans Herz legen. Lest selbst nach, ob Etta am Ende den Ozean erreicht und wer überhaupt dieser ominöse James ist, der mit im Titel steht. Es lohnt sich!

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    Cover des Buches Still - Chronik eines Mörders (ISBN: 9783426199565)

    Bewertung zu "Still - Chronik eines Mörders" von Thomas Raab

    Still - Chronik eines Mörders
    Zhunamivor 5 Jahren
    Literarisches Highlight

    Dieser Roman war eine absolute Überraschung, und ich kann ihn gar nicht genug loben. Sowohl die sprachliche Ausgestaltung, die gesamte Handlung im Verlauf, Spannungsbogen und Umsetzung sind derart gut gelungen, dass ich den Thriller "Still" nicht nur jedem interessierten Leser wärmstens empfehle, sondern dieses Buch für mich selbst auch als ein literarisches Jahres-Highlight festhalten muss. Allein die Grundidee für die Handlung ist so innovativ, dass das Buch von Beginn an fesselt. Geschildert werden die Geburt und die ersten Jahre eines kleinen Jungen namens Karl Heidemann geschildert. Karl zeichnet sich durch ein unnatürlich gutes Gehör aus, was ihm gerade in seinen jungen Jahren aber vorallem erhebliche Nachteile bringt. Normale Geräusche, das Sprechen seiner Mutter, selbst das kleinste Flüstern sind für ihn unerträglich laut. Dieser Umstand führt dazu, dass Karl mehr oder weniger abgeschlossen von der Welt im Keller aufwächst - in der Stille. Darüber hinaus ist das Kind bereits noch bevor es richtig sitzen kann, derartig hochintelligent, dass es den Erwachsenen in der Umgebung gruselt. Der Autor schildert all diese Begebenheiten so lebensnah und auch literarisch so geschickt, dass der Leser sofort gefesselt ist und mitfiebert. Im Verlauf der Handlung wird ganz schlüssig deutlich, warum Karl zum Mörder wird, man fühlt sich in seine Weltsicht, man hat Verständnis für ihn, man leidet mit ihm. Diese ungewöhnliche Perspektive und die sprachliche Umsetzung machen den Roman zu einem absoluten Highlight in diesem Genre. Das gesamte Buch ist von vorn bis hinten nicht nur schlüssig, nachvollziehbar, trotz aller Abstrusität und Psychopathie sympathisch, sondern auch vollkommen rund. Sogar die Widmung ist in die Handlung eingearbeitet und ergibt ganz zum Schluss einen Sinn. Wenn ich könnte, würde ich diesem Buch 6 Sterne oder mehr geben. Ich wünsche mir mehr Thriller von dieser Tiefe, Qualität und Sinnhaftigkeit auf dem Markt. Ganz große Literatur!

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    Cover des Buches Wilder Fluss (ISBN: 9783958350069)

    Bewertung zu "Wilder Fluss" von Cheryl Kaye Tardif

    Wilder Fluss
    Zhunamivor 5 Jahren
    Weniger wild als erwartet

    Die Leseprobe zu "Wilder Fluss" hat mir gut gefallen, die Thematik fand ich interessant, die Charaktere auch ganz ansprechend, man kann aber nicht behaupten, dass sie mich aus den Latschen gehauen hätte. Dennoch war ich sehr gespannt darauf, das Buch zu bekommen und auch zu lesen, schließlich mag ich Thriller und auch sehr gern solche, die einen wissenschaftlichen Hintergrund haben. Das Buch wurde außerdem als "internationaler Bestseller" angepriesen, da kann es ja nicht so schlecht sein. Mein Fazit ist ambivalent. Streckenweise kam wirklich Spannung auf, man freundete sich mit den charakterlichen Besonderheiten der Personen an und konnte viele Dinge auch nachvollziehen. Die Thematik der Biotechnologie (alles rund um Nanobots und solche Dinge) finde ich sehr interessant, da fehlten mir allerdings die Fakten, das war alles ein wenig platt. Ungefähr ab der Mitte hatte ich dann das Gefühl, dass es immer abstruser und abgefahrener wird, wissenschaftliche Begründungen kamen nur selten, alles glitt so ein bisschen (vermutlich ungewollt) schon fast ins Fantasy-Genre ab, und das fand ich dann nicht wirklich passend. Der Effekt eines Thrillers, nämlich die durchweg gehaltene Spannung und die ständige Dynamik haben mir auch stellenweise gefehlt, das Buch hat durchaus seine Längen, obwohl es in Summe eigentlich recht kurz ist. Die Liebesgeschichte um die Protagonistin hat mich jetzt auch nicht wirklich vom Hocker gerissen, sie wirkte sehr konstruiert und einfach auch "zu schnell" und unproblematisch - alles ein bisschen zu perfekt. Auch wenn es selbstverständlich eine fiktive Geschichte ist, hätte ich mir gewünscht, dass sie realistischer wirkt. Das gilt nicht nur für die Rahmenhandlung, sondern auch die Art und Weise wie die Charaktere sich verhalten, stellenweise völlig überzogen, stellenweise schon Kapitel vorher komplett vorhersehbar, manchmal zu pathetisch, so dass es beinahe ins Lächerliche abdriftet. Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch für die seichte Unterhaltung zwischendurch gut geeignet ist, es liest sich schnell und flüssig, hat aber weder an die Charaktere noch an die Handlung oder die wissenschaftliche Basis höhere Ansprüche. Von mir drei Sterne und ein "ganz nett".

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    Cover des Buches Die Seiten der Welt (ISBN: 9783841421654)

    Bewertung zu "Die Seiten der Welt" von Kai Meyer

    Die Seiten der Welt
    Zhunamivor 6 Jahren
    Eine Liebeserklärung an die Literatur

    Für diese Rezension habe ich mir absichtlich etwas mehr Zeit gelassen, damit ich diesem Roman auch wirklich gerecht werden kann. Nachdem ich nicht nur eine Leseprobe verschlungen habe, sondern sogar eine Lesung des Autors selbst besuchte, stand bereits fest, dass ich dieses Buch unbedingt haben muss. Trotz allem mischte sich etwas Skepsis mit in die Vorfreude, da die Idee eines Buches über Bücher mir nicht neu vorkam, sondern die Befürchtung weckte, dass sich allzu viele Ähnlichkeiten mit einem Buch ergeben könnten, das ich schon kannte - nämlich "Die Stadt der Träumenden Bücher" von Walther Moers - welches ich im Übrigen wärmstens empfehlen kann.

    Zwischen den beiden Büchern gibt es gewisse Parallelen und Berührungspunkte, die aber glücklicherweise dann doch nicht dazu führten, dass Ideen doppelt verarbeitet wurden. Diese Zweifel wurden also auch recht schnell zerstreut. "Die Seiten der Welt" ist ein Sammelsurium von innovativen und sehr außergewöhnlichen Ideen, die mich häufig zum Schmunzeln gebracht und immer wieder überrascht haben. Die Geschichte dreht sich rund um das Mädchen mit den schwergängigen Namen Furia Salamandra Faerfax, bei dem man direkt eine Augenbraue hebt. Im Verlauf des Romans wird aber klar, dass Furia so heißt, weil ihre Eltern, beide Buchliebhaber, diesen Namen aus dem Lieblingsroman der Mutter übernommen haben, und er deshalb eine besondere Bedeutung hat. Zum Zeitpunkt, an dem das Buch spielt, gibt es allerdings nur noch Furias Vater und den kleinen Bruder Pip, beides sehr außergewöhnliche Gestalten. Der Vater ist ein Bibliomant, ein Magier, der seine Kraft aus einem besonderen Buch, seinem Seelenbuch, bezieht. Seine Tochter Furia zeigt die gleichen Tendenzen, ist aber noch nicht im Besitz ihres Seelenbuches und kann ihre magische Kraft also noch nicht kanalisieren und in vollem Umfang nutzen. Der Bruder ist an sich ein normaler, kleiner Junge, der panische Angst vor Clowns hat und, um sich vor ihnen zu tarnen, permanent mit einem aufgeschminkten Clownsgesicht herumläuft. Die Konstellation ist schon wirklich kurios, und auch im Anwesen der Faerfax gehen sehr merkwürdige Dinge vor sich, von denen ich allerdings nicht allzu viel verraten möchte. Das würde viel vom Zauber nehmen, der den gesamten Roman umgibt, und ihn wirklich einzigartig macht. Furia verschlägt es im Verlauf der Handlung in die geheime Stadt "Libropolis", die, wie der Name schon verrät, eine Stadt der Bücher und nur von ausgewählten Personen zu betreten ist. Hier trifft sie auf verschiedenste Personen, die ihr nur in Ausnahmefällen wohlgesonnen sind, viele sind zu Beginn undurchsichtig, und man traut sich gar nicht wirklich, Sympathien zu entwickeln, weil man jederzeit erwartet, dass einer der Charaktere plötzlich umschwenkt und eine ganz andere Seite von sich zeigt.

    Auffällig ist, dass Kai Meyer seine Charaktere (die nicht immer Menschen sind) äußerst liebevoll und tiefgehend gestaltet hat. Jeder ist absolut einzigartig, jeder hat seine eigene, individuelle Geschichte, die nach und nach erzählt wird, und in sich schlüssig ist. Die Handlungen der Charaktere sind aufgrund der Vorgeschichten auch nachvollziehbar, nichts wirkt konstruiert oder kantig. Auch der Lesefluss und der Spannungsbogen bleiben bis zum Ende erhalten. Es gab keine Textstelle, die langatmig oder überflüssig gewesen wäre. Diesen Umstand schreibe ich der reichhaltigen Erfahrung des Autors zu, der ja schon über 50 Bücher veröffentlicht hat und hoffentlich so bald nicht damit aufhören wird. "Die Seiten der Welt" stellt in meinen Augen in der Bibliografie von Kai Meyer nochmal einen besonderen Meilenstein dar. Dieses Buch ist in seiner Gesamtheit einfach so grandios, sowohl in der Aufmachung und Gestaltung wie auch der Gliederung und dem Inhalt, dass ich eigentlich keinen Punkt zum Kritisieren finde. Ich sehe mich gezwungen, volle 5 Sterne und eine ausdrückliche Leseempfehlung zu vergeben. Glückwunsch, Herr Meyer.

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    Cover des Buches Kuckucksmörder (ISBN: 9783548285344)

    Bewertung zu "Kuckucksmörder" von Raimon Weber

    Kuckucksmörder
    Zhunamivor 6 Jahren
    Erwartung übertroffen

    Ich sollte mit wirklich angewöhnen, an ein Buch keine allzu hohen Erwartungen mehr zu stellen, sondern völlig unvoreingenommen heranzugehen. Auf diese Weise wird man häufig positiv überrascht. Bei diesem Buch ging es mir genau so. "Kuckucksmörder" ist schon ein seltsam anmutender Titel, bei dem man sich zu Beginn nicht viel vorstellen kann, eigentlich erkennt man auch erst ganz am Ende des Buches, was mit dieser Überschrift überhaupt gemeint ist. Der Roman ist in zwei einfache und einigermaßen parallel verlaufende Handlungsstränge gegliedert, ganz am Anfang steht noch ein Abriss aus der Vergangenheit des einen Protagonisten. Insgesamt gibt es zwei Protagonisten, die bereits am Anfang aufeinander treffen. Die erste Hauptperson ist die Polizeibeamte Eva Flessner, deren beste Freundin Petra inklusive ihrer gesamten Familie mit Mann und zwei Kindern zu Beginn der Geschichte bestialisch ermordet aufgefunden wird. Eva leidet sehr darunter, ermittelt aber in diesem Fall nur inoffiziell, weil sie direkt involviert ist und die Sache nicht in ihre Zuständigkeit fällt. Die zweite Hauptperson ist Falk Stucke, ein freundlicher Kaufhausdetektiv mit einer sehr unerfreulichen Vergangenheit und einer massiven Persönlichkeitsstörung, die sich genau auf diese Vergangenheit gründet. Man erfährt schon relativ am Anfang des Buches, wer der Mörder ist, und das macht es erfreulicherweise nicht weniger spannend. Denn jetzt erhält der Leser exklusiven Einblick in die Gedankenwelt eines Psychopathen, sein verdrehtes Verständnis von Recht und Unrecht, man erkennt die erschreckenden Parallelen zum Erlebten in der Kindheit, man findet ihn sogar teilweise sympathisch. Stellenweise neigt man dazu, also zumindest ging es mir so, für den Täter tatsächlich auch Verständnis aufzubringen. Und dann stellt man sich automatisch schon die Frage - stimmt irgendwas mit mir nicht? Wenn ein Buch in einem Leser derartige Gefühle und Fragestellungen auslösen kann, dann ist es ein gutes Buch. Es ist gut verständlich, aber nicht zu simpel geschrieben, es liest sich flüssig, der Spannungsbogen bleibt im gesamten Verlauf der Handlung erhalten, und es wird an keiner Stelle langatmig. Der Roman ist relativ kurz und schnell durchzulesen. Für ein unterhaltsames Thrillervergnügen ist er voll und ganz zu empfehlen, auch wenn er es sicherlich nicht zur Weltliteratur schaffen wird.

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    Cover des Buches Tödlicher Frost (ISBN: 9783518734797)

    Bewertung zu "Tödlicher Frost" von Asbjørn Jaklin

    Tödlicher Frost
    Zhunamivor 6 Jahren
    Eiskalt enttäuscht

    Diesem Roman habe ich mit großer Erwartung und Vorfreude entgegen gesehen. Die Leseprobe war sehr interessant und gut ausgewählt, und die Thematik fand ich auch sehr spannend. Nachdem ich "Tribunal" gelesen hatte, war ich mit einigen Aspekten des Bosnienkrieges bereits vertraut. In "Tödlicher Frost" werden diese Themen erneut aufgegriffen und mit Begebenheiten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges vermischt. Die Geschichte startet recht unverblümt mit einem Mord in Norwegen, die Spur führt zu einem alten Friedhof, der im Zusammenhang mit einem norwegischen Vernichtungslager aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. Das fand ich sehr interessant, denn mir war bis dato war nicht bewusst, dass es auch in Norwegen Vernichtungslager gegeben hat. Man kann also noch ein bisschen was dazulernen. Die Handlung des Kriminalromans wechselt immer wieder zwischen zwei Ebenen, einerseits spielt sie in der Vergangenheit. Man lernt hier einen hochrangigen SS-Offizier, seine Ansichten und Taten kennen. Die zweite Ebene spielt im Norwegen der Gegenwart und dreht sich um den Reporter Alex, der in den Ereignissen um den rätselhaften Mord recherchiert und dabei natürlich auf die Vergangenheit stößt. Das alles wäre ein hervorragendes Material für einen spannenden Krimi geworden, leider wurde dies dann aber überhaupt nicht umgesetzt, wie ich mir das erhofft hatte. Die Sprache des Autors ist leicht verständlich, zum Teil aber nicht nachvollziehbar bzw. der Zeit angemessen. Die Dialoge der Figuren sind platt, wirken sehr konstruiert und sind teilweise so schlecht strukturiert, dass man große Probleme dabei hat, nachzuvollziehen, wer überhaupt gerade spricht. Ich musste mehrfach von vorn lesen und zum Teil durchzählen, um zu verstehen, welche Person gerade was gesagt hat. Dazu kommt, dass die Charaktere sehr wenig Tiefe haben, eigentlich überhaupt keine, mit Ausnahme des Protagonisten, von dem man wenigstens erfährt, das er an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, weil er im Einsatz in Afghanistan war. Die Vermischung des Bosnienkrieges mit dem Zweiten Weltkrieg hätte genial werden können, war aber einfach nur verwirrend und zum Teil nicht nachvollziehbar. Viele Situationen, die sich als interessant hätten herausstellen können, wurden begonnen und dann einfach nicht zuende geführt (z.B. die merkwürdige Beziehung des Protagonisten zur Fotografin Tora). Man hat das Gefühl, der Autor hatte eine Idee und hat sie dann einfach ad acta gelegt und nicht weitergeführt. Die Charaktere sind halt "einfach da", aber man hat nie das Gefühl, dass sie tatsächlich auch eine Rolle spielen. Dadurch kommt gar kein richtiger Lesefluss zustande, es gibt keinen Spannungsbogen, und auch das Ende und die Zwischenereignisse sind so abgehackt und platt, dass die letzten Seiten wirklich nur noch Quälerei waren. Leider kann ich für diesen Roman keine Leseempfehlung aussprechen und vergebe nur knappe zwei Sterne.

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    Über mich

    • weiblich
    • 29.03.1984

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