bookish_yvonne

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Papierklavier (ISBN: 9783407755797)

    Bewertung zu "Papierklavier" von Elisabeth Steinkellner

    Papierklavier
    bookish_yvonnevor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Mehr als ein gewöhnliches Jugendbuch
    Außergewöhnlich

    Elisabeth Steinkellner hat es geschafft ein wunderschönes Jugendbuch zu schreiben und Anna Gusella bringt das Erzählte durch ihre Illustrationen wunderbar zur Geltung.

    “Papierklavier” ist Maias Tagebuch, das sie mit ihren vielen Zeichnungen verziert. Sie ist gerade mal 16 Jahre alt, muss sich aber bereits um ihre zwei jüngeren Schwestern kümmern und in einem Saftladen arbeiten. Wir begleiten Maia durch ihren Alltag und lernen ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen kennen. Mit ihren zwei besten Freund*innen trotzt sie allem und kämpft gegen Schönheits- und Gendernormen. 

    Ich finde es klasse, wie in diesem Buch wichtige Themen wie Transgender, Schönheitsideale und auch gegenderte Sprache angesprochen werden. Selbstverständlich kann man solche riesige Themen nicht in einem Buch behandeln, aber die Tatsache, dass sie angesprochen werden und das Bewusstsein darauf lenkt, ist für mich sehr lobenswert. 

    Obwohl Maias Leben alles andere als perfekt ist, ist der Ton des Buchs unentwegt optimistisch und stimmt dadurch auch mich positiv. Sie schreibt so offen und witzig und gleichzeitig auch so einfühlsam, sodass sie Mut macht. “Papierklavier” ist wirklich ein ganz besonderes Buch, das so ganz anders ist, weshalb ich es auch gar keinem Genre wirklich einordnen kann, auch wenn es eigentlich ein “Jugendbuch” ist. Denn es ist so viel mehr als das.

    “Manche denken 

    nur in zwei Kategorien: 

    Daumen rauf oder

    Daumen runter,

    hot or not,

    Mann oder Frau,

    richtig oder falsch, 

    schwarz oder weiß.

    Ich aber mag die Dazwischens, 

    die vielen Nuancen,

    D e t a i l s

    und Widersprüchlichkeiten,

    die dem Leben erst

    seine Würze verleihen.”

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    Cover des Buches Fuck. (ISBN: 9783752984415)

    Bewertung zu "Fuck." von F. E. Møle

    Fuck.
    bookish_yvonnevor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Brutales Buch über ein Mädchen, das manipuliert wird und in die Prostitution hineinrutscht.
    Wenn man seinen Selbstwert nur am Körpert misst

    “Fuck.” ist ein äußerst passender Titel für F. E. Møles Debüt und hat es wirklich in sich. Definitiv kein Buch zum Entspannen! Bereits hier möchte ich eine T R I G G E R W A R N U N G setzen [Vergewaltigung, Selbstverletzung, Gewalt]. Denn es ist ein brutales Buch, das zeigt wie ein Mädchen in die Prostitution hineinrutscht.

    Die Geschichte wird aus Yessicas Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, sodass man als Leser*in sehr nah am Geschehen ist. Sie ist 18 Jahre alt, wurde von der Schule geschmissen und auch die Eltern scheinen sie aufgegeben zu haben. Dann lernt sie Hassan kennen und alles ändert sich. Plötzlich steht Yessica auf dem Strich, um für ihren Freund Geld zu verdienen, denn er hat Schulden, die er nicht alleine abbezahlen kann. Sie liebt ihn, weshalb sie alles für ihn tun würde. Und sie meint damit auch alles. Eines Tages stirbt einer ihrer Stammkunden. Welche Rolle spielt ihre neue coole Freundin Dana dabei? Und ist auch ihr eigenes Leben in Gefahr?

    Mit der Loverboy-Masche habe ich mich in der Vergangenheit beschäftigt und Dokumentationen dazu angesehen. Doch dies ist das erste Mal, dass ich das in einem Roman thematisiert sehe. Es ist beängstigend und frustrierend mitzuerleben wie Yessica immer mehr in diese Abwärtsspirale gerät, ohne dass man ihr irgendwie helfen kann. Man merkt, dass sie naiv und unreif ist, aber natürlich fällt mir das jetzt mit 27 Jahren einfach zu sagen. Wenn man allerdings in dieser Situation ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man das gar nicht so wahrnimmt bzw. wahrnehmen will. 

    Obwohl sie jede Kritik persönlich nimmt, merkt man, dass sie sich letztendlich nur nach Zuneigung, Verständnis und Liebe sehnt. Dies findet sie bei Hassan, auch wenn es nur vorgespielt ist und bei mir alle Alarmglocken geläutet haben, als ich gelesen habe wie die beiden miteinander interagieren. Yessica klammert sich an ihre Illusion fest und wird vollkommen emotional von ihm abhängig. Es ist regelrecht traurig mit anzusehen wie sie überhaupt nicht weiß, wie es ist wertgeschätzt zu werden. Leider kennt sie es nicht anders und misst ihren Selbstwert lediglich an ihrer “Geilheit”. 

    Das einzige, was mir nicht ganz zusagte, war das Tempo am Ende. Die Auflösung fand ich gelungen, aber ich hätte es mir intensiver und ausgedehnter gewünscht. Mir ging es dann doch etwas zu schnell. Außerdem fände ich eine Triggerwarnung am Anfang des Buches nicht schlecht. Ansonsten habe ich absolut keine Beschwerden.

    Kurz: “Fuck.” ist ein sehr gelungenes Erstlingswerk mit einer spannenden Thematik!

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    Cover des Buches Fuchs 8 (ISBN: 9783630876207)

    Bewertung zu "Fuchs 8" von George Saunders

    Fuchs 8
    bookish_yvonnevor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Bezauberndes Buch, das zum Nachdenken anregt.
    Etwas ganz Besonderes

    George Saunders hat in meinen Augen ein kleines Meisterwerk mit “Fuchs 8” geschaffen. Von der ersten Seite an war ich einfach begeistert von diesem Buch. Schließlich beginnt das Buch so: 

    “Libe Leserinen und Leser: Zuers möchte ich sagen, Entschuldigung für alle Wörter di ich falsch schreibe. Weil ich bin ein Fuks!”

    Ist das nicht einfach zuckersüß?! Ja, für manche ist das bestimmt anstrengend das durchweg zu lesen, aber mir hat das erstaunlicherweise nichts ausgemacht und ich finde, dass es sehr gut zu Fuchs 8 passt. 

    Fuchs 8 ist etwas anders als die anderen Füchse, denn er ist neugierig und hat die menschliche Sprache gelernt, indem er den Menschen zuhörte, die ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlesen. Doch eines Tages wird ein riesiges Einkaufszentrum errichtet, das den Wald zerstört, in dem die Füchse leben, sodass sie kaum noch Nahrung finden. 

    Das Buch ist humorvoll geschrieben und während ich anfangs noch ganz viele “awws” von mir gegeben habe, wurde es später ernst. In mir wurde eine Traurigkeit geweckt, als Fuchs 8 von seiner verlorenen Heimat berichtete und sich fragt wie die Menschen so etwas nur tun konnten. Dadurch vermittelt er eine wichtige Botschaft an uns Menschen und zeigt wie egoistisch und grausam wir sein können und dabei die Umwelt komplett missachten. Es ist eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. 

    Die Illustrationen von Chelsea Cardinal sind schlicht in schwarz-weiß gehalten und lediglich die Füchse stechen durch ihre rote Farbe hervor. Diese passen aber sehr gut zum Erzählton von Fuchs 8 und machen das Buch zu etwas Besonderem.

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    Cover des Buches Being Young (ISBN: 9783499002793)

    Bewertung zu "Being Young" von Linn Skåber

    Being Young
    bookish_yvonnevor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Wunderschönes und ergreifendes Buch, das Nostalgie weckt
    Definitive Leseempfehlung!

    Die norwegische Autorin Linn Skåber hat für ihr Buch “Being Young” Teenager zu ihrem Leben befragt. Daraus ist eine poetische Sammlung von authentischen und ergreifenden Monologen entstanden, die diese seltsame Zeit zwischen Kindsein und Erwachsenwerden perfekt einfangen und wiedergeben. 

    “Wann haben die Erwachsenen das vergessen? Oder, schlimmer noch, wann haben sie beschlossen, es zu vergessen? Beschlossen, dass es nicht wahr ist? Dass dein Pferd aus Holz ist? Wann ist das plötzlich so geworden?”

    Die 32 Kurzgeschichten beinhalten die unterschiedlichsten Themen, die einen in dieser Zeit beschäftigt wie: Liebe und Freundschaft, Eltern, Ängste, Träume und Realität, Schule, Körper und sexuelle Orientierung. Sie zeigen, und erinnern mich selbst wieder daran, wie es ist ein Teenager zu sein. Dieses komische Gefühl, dass sich irgendwie alles plötzlich verändert und diese Ungewissheit, was als Nächstes kommt. Meine Jugendzeit liegt nun 10 Jahre zurück und habe das nun alles besser im Blick, da ich “auf der anderen Seite stehe”. Es war schön etwas in Nostalgie schwelgen zu können, gleichzeitig habe ich so viele andere Facetten des “Jugendlichseins” kennengelernt. Dafür bin ich sehr dankbar und möchte allen dieses Buch ans Herz legen. Nicht nur, dass es literarisch berührend ist, auch die farbenfrohen Illustrationen von Lisa Aisato passen wunderbar zum Buch. “Being Young” ist schlichtweg liebevoll gestalten und jede einzelne Geschichte hat mich auf eine andere Art und Weise bewegt.

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    Cover des Buches Tödliche Regie (ISBN: B08DJ1ZL9Z)

    Bewertung zu "Tödliche Regie" von Ralph F. Wild

    Tödliche Regie
    bookish_yvonnevor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Gute Idee, die Umsetzung hingegen überhaupt nicht
    Leider nicht so gut wie der Klappentext

    “Tödliche Regie” ist das Erstlingswerk von Ralph F. Wild und die neu überarbeitete Ausgabe des bereits 2015 bei Digital Publishers erschienen Titels Realmord. Obwohl die Idee wirklich gut ist, war es die Umsetzung leider überhaupt nicht. Ich hätte nicht nur den Klappentext, sondern auch die Leseprobe lesen sollen, dann hätte ich von vornherein gewusst, dass dieses Buch mir nicht zusagt.

    In diesem Thriller wird der deutsche Unternehmer und Topmanager Frank Mellendorf ungewollt der Hauptdarsteller im neuen Film seines Freundes Michael Mc Lorey. Um als Legende in die Filmgeschichte einzugehen, hat der Regisseur vor einen Film zu drehen, in dem ein echter Mord begangen wird. Dabei soll kein Geringerer als Mellendorf selbst der Mörder sein. 

    Ehrlich gesagt, gibt es sehr viel zu kritisieren und nicht wirklich etwas zu loben. Bereits am Anfang des Buches fand ich es schrecklich, dass die Frauen ständig mit "langbeinig" und als "Schönheiten" beschrieben wurden. Etwas Abwechslung hätte da nicht geschadet. Und diese Fixierung auf die Füße der Sekretärin.... Aber nun gut, kann ja auch ein Fetisch von Mellendorf sein. Den empfinde ich übrigens als viel zu naiv, insbesondere da er doch ein erfolgreicher Geschäftsmann ist! 

    Das Buch habe ich am Kindle gelesen und evtl. lag es da an der Formatierung, aber in den Kapiteln gab es häufig inhaltliche Sprünge oder plötzliche Ortswechsel, die mich sehr verwirrt haben. Da hätte ich mir einen Absatz mehr gewünscht oder eine Art von Kennzeichnung, damit man sofort Bescheid wusste, dass man jetzt woanders ist.

    Generell ist das ganze Buch zu hektisch und zu unlogisch gestalten. Konstant war ich am Kopfschütteln und “urgh”-Laute von mir geben, weil es immer abstruser wurde.

    Außerdem fangen so viele Sätze mit Pronomen, den Namen der Charaktere oder "der Deutsche/Amerikaner/Ungar" an. Das fand ich wirklich schrecklich! Für mich war es regelrecht eine Qual weiterzulesen und ich hätte das Buch längst abgebrochen, wenn es kein Rezensionsexemplar gewesen wäre. Es fehlt an jeglicher Spannung, die Frauen werden nur sexualisiert und der Schreibstil ist für mich schlichtweg nicht ansprechend.

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    Cover des Buches Der Schattenmörder (ISBN: 9783764507114)

    Bewertung zu "Der Schattenmörder" von Alex North

    Der Schattenmörder
    bookish_yvonnevor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Guter Thriller, aber das Ende war für mich leider nicht zufrieden stellend.
    Luzide Träume und Mord

    “Der Schattenmörder” von Alex North ist ein spannender Thriller, dessen Ende mich leider nicht zufrieden gestimmt hat.

    3,5/5

    Nach 25 Jahren kehrt Paul zum ersten Mal wieder in seine Heimatstadt Gritten Wood zurück. Er hat die Stadt den Rücken zugekehrt, weil Charlie einen Mord begann und danach spurlos verschwand. Doch nun liegt Pauls Mutter im Sterben und er möchte ihr beistehen. Die Mutter behauptet, jemand sei im Haus gewesen, und als Paul den Dachboden betritt, findet er alles übersät mit blutig-roten Handabdrücken. Obwohl er die vergangenen Ereignisse versuchte zu verdrängen, fragt er sich nun: Was geschah damals mit Charlie am Tag des Mordes? Amanda ermittelt in einem Mordfall, bei dem ein Teenager von zwei vermeintlichen Freunden ermordet wurde. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf eine Spur, die sie nach Gritten Wood führt. 

    Der Prolog ist sehr gut gelungen, da er eine besorgniserregende Atmosphäre für mich geschaffen hat und neugierig auf mehr macht. Mir hat es auch sehr gut gefallen, dass es sofort losging und mich dadurch fesseln konnte. In dem Buch gibt es sowohl Zeitsprünge, als auch zwei unterschiedliche Perspektiven (Amandas und Pauls, wobei seine in Vergangenheit und Gegenwart aufgesplittet wird). Beide sind gut eingebettet, weil sie die Verbindung zwischen der heutigen Tat und der in der Vergangenheit aufzeigt.

    Das Thema” Luzides Träumen” gibt dem Buch seinen Rahmen und ich selbst finde das total spannend, weil ich mich früher damit beschäftigt habe. Allerdings habe mich da nie herangetraut, weil ich auch etwas über Traumparalyse gelesen habe und mir das etwas Angst einjagt. 

    Im Großen und Ganzem ein guter Thriller, aber ich fand es sehr schade, dass Amanda viel zu kurz kam. Ich habe nicht das Gefühl, als würde sie sehr viel zu dem Fall beitragen, zumindest nicht so, sodass man als Leser*in das mitbekommt. Die meisten Infos erhält man von Paul. Dementsprechend frage ich mich, ob es notwendig war für sie eine eigene Perspektive zu schreiben. Hinzu kommt, dass es (zumindest für mich) noch einige offene Fragen gab, die nicht geklärt wurden. 


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    Cover des Buches Der Club der toten Dichter (ISBN: 9783404115662)

    Bewertung zu "Der Club der toten Dichter" von Nancy H. Kleinbaum

    Der Club der toten Dichter
    bookish_yvonnevor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Gute Hauptthematik, aber sexuelle Belästigung wird heruntergespielt und mit dem Täter soll man auch noch Mitleid haben.
    Wieso kritisiert niemand die sexuelle Belästigung?

    Ich hätte wissen müssen, dass das Buch nicht gut ist, wenn ein Schauspielername um ein vielfaches größer gedruckt ist als der Name der Autorin. Ich bin so unfassbar wütend, dass mein Bruder ausgerechnet das hier in der Schule lesen musste, wenn es doch so viele andere gute Alternativen gibt. Aber alles der Reihe nach. Und kleine Warnung, je länger ihr das lest, desto… unsachlicher werde ich. Konnte einfach nicht anders.

    “Der Club der toten Dichter” erschien zuerst als Film und Nancy H. Kleinmann nutzte das Drehbuch, um daraus einen Roman zu machen. Den Film habe ich nicht gesehen, dementsprechend weiß ich nicht, was es da für Unterschiede gibt.

    Vier Jungs besuchen das reine Jungsinternat Welton, wo die Leitideen “Tradition, Ehre, Disziplin, Leistung” lauten und die Schüler das auch zu spüren bekommen. Alle vier stehen unter dem großen Druck der Eltern und der Schule. Insbesondere Todd Anderson, der im Schatten seines älteren Bruders steht. Welton hat John Keating, der selbst ein Absolvent des Weltons war, als neuen Englischlehrer eingestellt. Die Schüler finden heraus, dass Keating dem “Club der toten Dichter” angehörte und lassen diesen wiederaufleben - ein Geheimbund, in dem sie frei von Zwängen und Erwartungen ihren Gefühlen freien Lauf lassen können. Keating ermutigt seine Schüler jeden einzelnen Tag ihres Lebens zu nutzen, ganz nach dem Motto “Carpe Diem!” Dies führt allerdings zu Auseinandersetzungen mit der Schulleitung, da die vier Protagonisten anfangen ihren strikten Gehorsam infrage zu stellen. 

    Nachdem ihr bis hierhin gelesen habt, denkt ihr wahrscheinlich, “So schlimm klingt das doch gar nicht! Was hat die denn?” Das zentrale Thema des Buchs finde ich ja auch gut! Denn es handelt von dem Konflikt zwischen der konservativen Schulleitung und den nach Selbstentfaltung strebenden Jungs. Allerdings war ich einfach nur noch genervt, als die ersten weiblichen Charaktere zu den Jungs stießen. Alter Falter, die waren nur am Kichern und sind wortwörtlich dem einen Jungen um den Hals gefallen, weil er ein Gedicht rezitiert hat… Und die Mädchen waren wohl um die 20 (man weiß es nicht) und die Jungs 16? Aber darüber hätte ich ja noch hinwegsehen können (auch wenn das pädophile Züge hat, aber die Autorin hat das genaue Alter der Mädchen/Frauen nicht preisgegeben). Außerdem fand ich die Vorstellungen der Jungs nicht gelungen, ich musste bei einer Charakterisierung nachzählen wie viele es denn nun waren, weil ich mir nicht alle sechs Jungs merken konnte. Über zwei von ihnen erfährt man fast nichts; Meeks ist ein Genie und Richard... keine Ahnung, der ist halt da. 

    [T R I G G E R W A R N U N G: Sexuelle Belästigung]

    Das Schlimmste war, dass einer der Jungs, Knox Overstreet, ein Mädchen während einer Party sexuell belästigte. Sie hat mit ihrem Freund im Dunkeln herumgemacht und dachte die Hände, die sie berührten, wären die ihres Freundes. Knox war sich dessen bewusst und hat das voll ausgenutzt. Er wurde erwischt und der Freund hat Knox eine heruntergehauen. (Gut so!) Er entschuldigt sich und sagt dem Mädchen wie sehr er sie doch liebt (und das, nachdem er sie nur einmal gesehen hat...) Entschuldigt meine Wortwahl, aber was soll denn der Scheiß? Die Autorin schreibt die Szene nämlich so, sodass man mit Knox Mitleid haben sollte, denn er ist doch ach so schwer verliebt und kann sich einfach nicht kontrollieren. Irgendwann sucht er sie auch noch bei ihrer Schule auf und stürmt in ihren Unterricht, um (Achtung: Sarkasmus) ganz romantisch ein Gedicht vorzutragen, das er ihr geschrieben hat. Sie schämt sich zu Grund und Boden und stellt ihn später zur Rede und versucht ihm klar zu machen, dass er das alles lassen soll und dass sie verdammt nochmal einen Freund hat! Man könnte nun meinen, dass Knox das kapiert hat, aber NEIN! Genau dieses kleine Wort will unser Knox einfach nicht akzeptieren. Und wisst ihr was? Gleich kocht euer Blut, denn natürlich! Natürlich lässt sich das Mädchen breitschlagen, denn er verspricht ihr, dass er sie nach dem einen Date nie wieder belästigen wird, was sie ja noch nicht einmal selbst glaubt! Holla, die Waldfee, was für eine Message wird denn da vermittelt?! Bedrängt das Mädchen einfach so lange bis es “ja” sagt. Toll! Und das wird in Schulen gelesen! Und der größte Ich-kann-es-echt-nicht-fassen-aber-natürlich-musste-das-auch-noch-kommen-Moment war, dass sich das Mädchen selbstverständlich auch in Knox verliebt! Hallo?! Die betrügt ihren Freund und auch das wird mit keinem weiteren Wort erwähnt. Ich könnte kotzen. Widerwärtig finde ich so etwas. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn es solche Szenen gibt, aber dann soll der/die Autor*in uns Leser*innen gefälligst nicht das Gefühl vermitteln, dass wir mit dem Täter Mitleid haben sollen. Knox wurde ja noch nicht einmal wie Joe aus der Netflix-Serie “You” als Psychopath dargestellt. Den einen Stern kriegt das Buch für die Hauptthematik, aber diese Knox-Szenen (hat man’s gemerkt?) hat das alles für mich kaputt gemacht.

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    Cover des Buches Lilys Engelskostüm hat kaputte Flügel (ISBN: 9783347081437)

    Bewertung zu "Lilys Engelskostüm hat kaputte Flügel" von Hanna-Linn Hava

    Lilys Engelskostüm hat kaputte Flügel
    bookish_yvonnevor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Außergewöhnlicher und berührender Coming-Of-Age Roman mit einer Protagonistin, die das Asperger-Syndrom hat ohne es zu wissen
    Außergewöhnlich und berührend

    “Lilys Engelskostüm hat kaputte Flügel” von Hanna-Linn Hava ist ein außergewöhnlicher Coming-of-Age Roman. Die Protagonistin Lily hat das Asperger-Syndrom, doch sie ist sich dessen nicht bewusst. Sie weiß nur, dass sie anders ist. Nicht dazu gehört. Lily sieht sich als Monster. Es ist eine berührende Geschichte, eines Mädchens, das nicht weiß, warum sie so ist wie sie ist und wieso die Gesellschaft sie so verstößt. Als Leser*in bekommt man ganz intim ihre Erfahrung erzählt, sodass ich gar nicht anders konnte, als am Ende des Buches zu weinen, weil die Welt so ungerecht zu ihr ist. 

    Bei dem Sohn der Autorin wurde 2014 das Asperger-Syndrom diagnostiziert und bei ihr selbst ein dementsprechender Verdacht geäußert. Seitdem setzt sie sich intensiv mit dem Thema Autismus auseinander, sodass ich mir sicher bin, dass die Darstellung von Lily realitätsnah ist.

    Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil lernen wir Lily ausführlich kennen. Wie sie mit Menschen in ihrem Umfeld interagiert, aber auch wie sie diese beobachtet und analysiert, wie ihre Gedankengänge verlaufen und wie dumm sie alle findet. Auch uns, die Leser*innen, und obwohl sie einen so oft beleidigt, ohne es als Beleidigung zu meinen, hat mir ihre zynische Art sehr gut gefallen. Es ist sehr erfrischend zu sehen wie ein Charakter sich so arrogant und herablassend ausdrückt und sich dessen gleichzeitig aber auch bewusst ist. Zwar habe ich bestimmt ganz oft die Augen verdreht, weil sie wieder einmal etwas total überhebliches von sich gab, aber gleichzeitig empfinde ich all ihre Kritik an unserer Gesellschaft als gerechtfertigt. Außerdem war sie so schön schonungslos ehrlich, was ich sehr zu schätzen wusste. Lily hat ihr Bestes gegeben sich an der Gesellschaft anzupassen und dann “unsichtbar zu werden” bis sie nun mal nicht mehr konnte.

    Toll fand ich es auch, dass Lily quasi Teile meiner Gedanken während dem Lesen erraten konnte. Als sie bspw. die Leser*innen in Geschlechterrollen gedrängt hat, war ich sofort erbost und konnte mir aber ein Lachen nicht verkneifen, weil Lily genau das kurz darauf angesprochen hat. Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, waren die (wenigen) kurzen englischen Einwürfe wie "That's it". Ich habe sie als eher unpassend empfunden.

    Als Lily im zweiten Teil ihre Diagnose erhielt, konnte ich regelrecht die Erleichterung spüren und habe gehofft, dass alles besser wird. Diese Hoffnung (diese miese Schlampe) wurde sofort vernichtet, als klar wurde, dass sich für sie nichts verändert hat. Ich hatte wirklich Angst um Lily gehabt, als sie sich von allen verabschiedet hat. Umso dankbarer war ich für den Epilog. Dieser hat mich berührt und die Hoffnung wieder aufkeimen lassen, dass vielleicht doch alles wieder gut wird. 

    Große Leseempfehlung an alle!

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    Cover des Buches Bullet Schach (ISBN: 9783802595875)

    Bewertung zu "Bullet Schach" von Ben Bauhaus

    Bullet Schach
    bookish_yvonnevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Toller Einstieg in eine neue Thriller-Reihe!
    Jede verlorene Figur bedeutet ein weiterer Mord

    “Blutschach” wurde erstmals unter dem Titel “Bullet Schach” von Ben Bauhaus veröffentlicht und ist ein sehr guter Einstieg in seine Thriller-Reihe.


    Johannes “Johnny” Thiebeck war Hauptkommissar beim Berliner LKA, doch er wurde vom Dienst suspendiert, nachdem ein Serienmörder bei der Festnahme zu Tode gekommen war. Seitdem hält er sich als Sicherheitsberater über Wasser und widmet sich seiner großen Leidenschaft dem Schachboxen. Eine Kampfsportart, bei der die Kämpfer jeweils abwechselnd in Schach- und Boxrunden gegeneinander antreten. Eines Tages wird sein Auto gestohlen und taucht ein paar Tage später mit der Leiche des Sohnes seines Box-Trainers wieder auf. Kurz darauf erscheint ein weiteres Opfer aus Thiebecks Umfeld und es wird klar, dass es etwas mit ihm zu tun haben muss. Eine Soko wird eingerichtet und Thiebeck hilft bei den Ermittlungsarbeit. Dabei erkennt er Parallelen zu dem alten Fall, der für seine Suspendierung verantwortlich ist. Für Thiebeck läuft die Zeit, denn der Täter spielt mit ihm online ein tödliches Schachspiel: Jede geschlagene Figur bedeutet ein weiterer Mord. 


    Anfangs war mir Thiebeck mit seinem rauen Umgangston und seiner aufbrausenden Art wirklich unsympathisch, aber je mehr ich über ihn gelesen habe und miterlebt habe wie er mit anderen interagiert, desto liebenswürdiger wurde er für mich. Auch seine “mit dem Kopf durch die Wand” Mentalität hat ihn für mich sehr authentisch gemacht. Doch nicht nur er ist ein toller Charakter, alle anderen sind auch wundervoll ausgearbeitet! Mirko Densch, der Nachfolger von Thiebeck beim LKA, ist quasi das Gegenteil und hält sich nur an Vorschriften. Jana Kleidermann, Thiebecks frühere Kollegin und Psychologin Professorin Körner waren mir sofort sympathisch und haben Thiebeck etwas bremsen können. 


    Der Autor hat es geschafft die spannungsgeladene Zusammenarbeit zwischen Thiebeck und der Soko zu vermitteln und man merkt, dass Thiebeck den anderen, außer Jana und der Psychologin, nicht so wirklich über dem Weg traut. Die Sprache von Ben Bauhaus ist bildgewaltig und ich konnte all die Gefühle von Thiebeck nachempfinden - die Wut, die Hilflosigkeit, die Verzweiflung.


    Dadurch, dass alles mit einem (ungeschriebenen) früheren Fall zusammenhängt, war es für mich manchmal verwirrend, weil ich nicht von Anfang an alle Informationen hatte, sondern nur langsam mit ihnen gefüttert wurde. Allerdings ist das wohl das einzige, das ich zu bemängeln habe. 


    Der ganze Thriller ist für mich sehr schlüssig aufgebaut und ich nichts habe als zu abwegig empfunden. Es bleiben auch keine offenen Fragen, außer vielleicht, was nun mit Thiebeck nach diesem Fall geschieht. 

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    Cover des Buches Noah (ISBN: 9783404178780)

    Bewertung zu "Noah" von Sebastian Fitzek

    Noah
    bookish_yvonnevor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Aktuelles Thema spannend verpackt, aber man hätte den Thriller kürzer gestalten können.
    Erschreckend dieses Buch im Jahr 2020 zu lesen

    Sebastian Fitzek nimmt einen mit "Noah" in eine unheimliche Welt, die sehr nah an der Realität dran ist. In "Noah" erleben die Charaktere den Anfang einer Pandemie und da wir uns momentan mitten in der Coronakrise befinden, ist das Thema in diesem Buch plötzlich aktuell geworden. Es ist auch erschreckend wie Fitzek das Verhalten der Menschen prophezeit. Doch wer oder was steckt hinter der Manila-Grippe?

    "Wohin sollte er gehen? Mit wem sprechen? War er auf der Flucht? Wurde er wirklich von bösen Mächten gejagt, wie Oscar ihm wieder und wieder zu erklären versuchte? Begab er sich tatsächlich in Lebensgefahr, wenn er sich an die Behörden wandte oder ins Krankenhaus ging? Oder war die Gefahr, die ihm angeblich drohte, nur eine weitere der unzähligen fixen Verschwörungstheorien, die in dem verschrobenen Gehirn dieses seltsamen Menschen steckten, von dem Noah kaum mehr wusste als über sich selbst." 

    Der Protagonist hat sein Gedächtnis verloren und weiß nicht, wer er ist, warum er auf der Straße lebt und warum in seiner Schulter eine frische Schusswunde verheilt. Er nennt sich Noah, denn dieser Name ist ihm auf die Handfläche tätowiert worden. Den Großteil der Geschichte verfolgen wir aus Noahs Sicht mit und sind dementsprechend genauso und verwirrt wie er. Die Perspektive wechselt zwischen vier Personen, aber durch die Ortsnennung kommt man nicht durcheinander und am Ende wird alles zusammengeführt. 

    Die Slum-Kapitel mit Alicia und ihren zwei Kindern waren für mich nicht notwendig, um die Geschichte voranzubringen. Es hat zwar die Problematik mit der ungerechten Verteilung von Nahrung und Reichtum verdeutlicht, aber für mich war das zu viel. (Oder spricht da die Stimme aus mir, die dies verdrängen will?) 

    Obwohl die Thematik sehr interessant ist und mich auch zum weiteren Nachdenken angeregt hat, hat mir die Spannung gefehlt. Für mich war es weniger ein Thriller, sondern mehr ein Actionbuch.

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