buchwanderer

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    Cover des Buches Nimmerwiederkehr9783945713402

    Bewertung zu "Nimmerwiederkehr" von Alexander Kröger

    Nimmerwiederkehr
    buchwanderervor 2 Jahren
    Und täglich grüßt...

    „Ich halte absolute Vernunft der Menschheit für eine Utopie.“ (S.7)

    Zum Inhalt:

    Die Erde ist nach dem von Menschenhand verursachten Super-GAU durch das HAARP-Experiment ( siehe „Der erste Versuch“) auf einem guten Weg sich zu erholen – zumindest soweit es die Natur anbelangt. Ähnliches könnte auch der empfindlich geschrumpften menschlichen Gesellschaft beschieden sein, deren Mangel v.a. jener an technischen Fachkräften zu sein scheint.

    Doch erneut bewahrheitet sich jenes eherne Gesetzt, das der Mensch aus seiner Geschichte nur eines lernt, nämlich, dass er nichts aus ihr lernt. „»Die Leute sind eingebettet in Harmonie, Selbstzufriedenheit und staatlich stimulierter Aufbaueuphorie.«“ (S.74) So kann man einen nicht unerheblichen Teil der neuen Zivilisation beschreiben. Ressourcen sind noch aus den Altbeständen der Untergegangenen „Alten“ vorhanden. Materielles stellt keinen wirklichen Engpass dar. Und doch sind es schon wieder ideologisch motivierte Zwistigkeiten, die entzweien.

    Überschattet wird all dies zudem noch durch eine zufällige Entdeckung, deren Endgültigkeit ernüchtert: ein Asteroid befindet sich auf direktem Kollisionskurs mit der Erde und könnte – einem schlechten kosmischen Scherz gleichend – der Menschheit nun endgültig den Garaus machen. Selbst Angesichts dieser Herausforderung, gelingt es nicht Unzufriedene, ewige Nörgler, ja sogar gewaltbereite Demagogen an einen Tisch zu bringen.

    So ist der Ausgang dieses Wettlaufs gegen die Zeit trotz hohem Einsatz einiger Weniger und den durchaus fundierten Ideen welche von unterschiedlichsten Akteuren zusammengetragen werden mehr als fraglich…

    Fazit:

    Alexander Kröger zeichnet in seinem Roman „Nimmerwiederkehr“ eine recht nüchterne, man könnte sogar versucht sein zu behaupten desillusionierende Sicht einer Menschheit, die – knapp dem ersten selbsverschuldeten Untergang entronnen – nicht wirklich essentiell dazugelernt hat. Vor allen was persönliche Animositäten, politisches Machtdenken und Manipulation von Massen anbelangt beschleicht den Leser immer wieder ein Déjà-vu mit bitterem Beigeschmack.

    Im Gegensatz zur Natur, die sich, vom Menschen nicht mehr kontrolliert, in weiten Teilen erholt hat, gelingt es der menschlichen Rumpfgesellschaft scheinbar nur marginal wirklich neue zukunftsträchtige und tragbare Ideen zu entwickeln und auch umzusetzen. Selbst angesichts einer erneuten Bedrohung – diesmal durch ein kosmisches Ereignis – gelingt es nicht, individualistische Tendenzen, subversive Machtfantasien oder schlicht bürokratische Hürden hintanzustellen resp. zu überwinden.

    Der Mensch als soziales Wesen kann scheinbar nicht aus seiner Haut. Zu sehr hat man scheinbar überwundenes verinnerlicht und nimmt es jeden Tag, jeden Weltuntergang, erneut mit, sozusagen als Basisprogramm menschlich-gesellschaftlichen Scheiterns. Auch wenn immer wieder von globalem Zusammenhalt und Aufbaustimmung geredet wird, so lässt sich der Eindruck nicht abschütteln, dass die Spezies Mensch wohl nicht unbedingt jenes Skillset aufweist, welches ihr das Überleben vereinfachen oder gar erst ermöglichen würde.

    Zum Buch:

    Nachdem es sich bei Band 11 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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    Cover des Buches Zeitsplitter - Perry Rhodan9783811820197

    Bewertung zu "Zeitsplitter - Perry Rhodan" von William Voltz

    Zeitsplitter - Perry Rhodan
    buchwanderervor 2 Jahren
    Wort-Kunst

    „Wenn du einen Schritt machen könntest, den Raum so weit durchmessend wie Du Dir das nur vorstellen kannst, würdest du an der Größe des Universums gemessen doch nur eine lächerliche Entfernung zurücklegen.“ (S.6)

    Zum Inhalt:

    Auf den 94 Seiten entführen die atmosphärischen Geschichten, die der Autor William Voltz in seinem Vorwort zum Band als „Gedankensplitter“ bezeichnet in Kombination mit klassischer SciFi-Kunst von Alfred Kelsner in ein schillerndes Universum der denkbaren Möglichkeiten.

    Die Short-Stories werden durch die Worte Voltz‘ treffend inhaltlich positioniert: „Meine Helden so sagt man mir nach, sind melancholische Einzelgänger, und vielleicht beruht meine Begeisterung für die Bilder von Alfred Kelsner darin, daß diese Helden in ihnen eine grafische Entsprechung gefunden haben.“ (Vorwort zu „Zeitsplitter“)

    Es sind 21 Texte die Voltz zu den jeweils raumgreifenden Grafiken verfasst hat und die sich dem Leser als organisches Ganzes präsentieren, sowie als eben solches im Gedächtnis verankern. Die farbgewaltigen Bilder Kelsners ziehen in den Bann, laden ein, eigene Abenteuer, eigene Historien dazu zu entwerfen, sich in ihnen zu verlieren und jenen Träumen nachzuhängen, für die SciFi in klassischer Manier auch stehen mag.

    Fazit:

    Zwar wurden die Beiträge – wie im Untertitel ersichtlich – von der Perry Rhodan-Redaktion ausgewählt, jedoch findet jeder SciFi-Liebhaber hier nicht nur ansprechende, sowie zeitlose Texte und Thematiken aus diesem Genre, sondern auch aufgrund der wunderschönen Bilder einen möglichen Ausgangspunkt für Reisen der eigenen Fantasie in Universen, die sein Kopf zur Gänze für ihn selbst generiert. So entführen v.a. die Bildvorlagen in selbst entwickelbare Stories und werden somit nie fade oder gar abgegriffen.

    Ein wunderschönes Buch – man ist versucht es einen Bildband zu nennen – den ich vorbehaltlos jedem SciFi-Begeisterten mit dem Hang zum Tagträumen 😉 empfehlen kann.

    Zum Buch:

    Der Band ist in seiner Aufmachung in Anlehnung an die Optik der Silberbände aus der Perry-Rhodan-Serie gehalten. Als Bildband angelegt wurde viel Wert auf einen ausgewogenen Druck und eine klare Farbgebung gelegt. Typografisch ging man keine Experimente ein, was zu einer attraktiven Symbiose zwischen Text und Bild führte, bei der sich kein Part unangenehm in den Vordergrund drängt. Die Verleimung der Seiten ist etwas schwach ausgefallen, was leider dazu führt, dass man durchaus Bände mit teils losen Blättern in antiquarischen Beständen finden kann.

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    Cover des Buches Der Schüler Gerber9783423195225

    Bewertung zu "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg

    Der Schüler Gerber
    buchwanderervor 2 Jahren
    Der Willkür reife Leistung

    „…: es gibt ein großes, gräßliches Nie, gegen das wir nicht anrennen sollen, sonst senkt es sich, eine riesenhafte Wand, auf uns herab und zwingt uns zu Boden, und wenn wir gar zu nahe waren, zermalmt es uns…“ (S.115)

    Zum Inhalt:


    Kurt Gerber steht in seinem letzten gymnasialen Jahr, dem lange ersehnten und ebenso gefürchteten Abschlussjahr, dessen Krönung für die Würdigen das Zeugnis ihrer Reife bereithält. Vorausgesetzt – und daran scheint der Wert eines Schullebens gemessen zu werden – man wird in den Augen der Lehrerkollegiums für reif befunden.

    Prof. Artur Kupfer ist Teil dieses Kollegiums und „er wußte, daß er, sowie er aus dem Machtbereich der Schule draußen war niemandem und mit nichts imponieren konnte.“ (S.31) Umso mehr lebt er diese schulische Macht über die ihm ausgelieferten Schüler aus, verteilt nicht nachvollziehbar Erfolg und Misserfolg, und genießt jedes (Schul-)Jahr aufs Neue die Leiden deren Ursache er in nicht unerheblichem Maße darstellt.

    Gerber, der mit Abstand Begabteste der Klasse, wird in diesem achten Schuljahr noch von anderen schicksalshaften Zugkräften zerrissen: Sein Vater, dem er stets ein guter Sohn zu sein versucht, wird von einem Herzleiden getroffen, die große Liebe in seinem jungen Leben, Lisa Berwald, zerrinnt zwischen seinen Fingern, einen schalen Geschmack des Nicht-ernst-genommen-werdens hinterlassend und zu guter Letzt stellt sich die bohrende Frage ein: Wofür das Ganze? Wo lag letzten Endes der Sinn? „Man bangte sein tägliches Pensum herunter“ (S.61), aber wozu?

    Dieses Wozu, diese Sinnfrage, deren inhaltlich schlüssige Beantwortung ihm letztendlich alle schuldig blieben, setzt sich in Gerbers Kopf, in seiner Seele fest. Solange bis in Stein gemeißelt fest stand: „Kupfer war Kismet.“ (S.21) und „Ich, Kurt Gerber, bin maßlos nebensächlich.“ (S.253) Dass diese lebensphilosophische Einstellung gepaart mit jugendlichem Sturm und Drang kein gutes Ende finden konnte, dessen wurden sich die Akteure, die Einfluss darauf gehabt hätten, erst zu spät bewusst.

    So kulminiert und endet Kurt Gerbers Leben in den wenigen Zeilen einer Zeitungsmeldung: „Wieder ein Schülerselbstmord…“

    Fazit:


    Friedrich Torbergs Roman „Der Schüler Gerber hat absolviert“ erschien erstmals 1930, den literarischen Durchbruch des Autors markierend. Über weite Strecken mit unschwer erkennbaren autobiografischen Reminiszenzen stellt Torberg eine Maschinerie in die Anklagebank, die nach außen den getünchten Anschein pädagogischen Handelns zur Schau trägt, innerlich jedoch in mannigfaltiger Weise marode ist. Nicht die Vorbereitung junger Menschen auf ein Leben nach der Schule ist hier Ziel und Programm, sondern „neben der Vermittlung von Wissen auch die Brechung der Persönlichkeit der Schüler“1). „Die Maschinerie der Pein funktionierte selbständig und mit unentrinnbarer Präzision, ließ den zu Verarbeitenden nicht zur Besinnung kommen…“ (S.192)

    Nicht selten erinnert der Grundtenor des Textes an Hesses „Unterm Rad“. Die stets aufs Neue aufkommende Hoffnung doch noch durch Leistung oder zumindest durch Ducken vor der Obrigkeit, durch Anpassung an ein längst als sinnentleert entlarvtes System persönlicher Pfründe, Animositäten und mehr als fragwürdiger Machtspiele, sein schulische soziales Überleben bis nach der Reifeprüfung zu sichern, wird ebenso schnell wie sie keimte erstickt.

    Nicht wenige Leser dürften sich in den Zeilen Friedrich Torbergs wiederfinden – auf die eine oder andere Art. Und solange es „Pädagogen“ wie „Gott Kupfer“ gibt, solange ein Schulsystem sie duldet, wird es auch die Enden für junge Menschen geben, wie sie im „Schüler Gerber“ verstörend und leider keinesfalls unrealistisch elaboriert werden.

    Zum Buch:


    Die Beurteilung des Buches als Rahmen für Torbergs bewegenden Text muss für den vorliegenden Band ambivalent ausfallen: Zum einen ist die grafische Gestaltung der Buchdeckel – für die der schweizer Künstler Celestino Piatti firmiert –, sowie deren Stabilität, berücksichtigt man, dass es sich um ein Paperback handelt, durchweg gut gelungen resp. von angemessener Qualität.

    Was jedoch die Verleimung der Seiten anbelangt und die saubere Ausführung des Drucks müssen doch erhebliche Abstriche gemacht werden, was schade ist und auch nicht nur auf das Alter des Buches zurückzuführen sind (Beispiele siehe hier). Typografisch bleibt der Text in einer klaren Linie, was das Lesen angenehm gestaltet. Auch der Bedruckstoff ist seitens der Haptik durchweg gut gewählt, mit dem Manko, dass er leicht zum Vergilben neigt.

    Quelle:

    1.) „Kindlers Neues Literaturlexikon“, Bd. 16, 1988/1998, S.707)

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    Cover des Buches Buchland9783862824441

    Bewertung zu "Buchland" von Markus Walther

    Buchland
    buchwanderervor 2 Jahren
    Vom Gewicht der Worte

    „Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind nirgendwo dünner als in der Nähe von Büchern. Manchmal verwischen diese Grenzen ganz.“ (S.39)

    Zum Inhalt:


    Herr Plana, seineszeichens Auktoral, besitzt einen Buchladen – vielmehr ein Antiquariat, oder doch beides? Oder evtl. viel mehr? Und ebenso wie Herr Plana, hat auch dieser Laden schon weitaus bessere Zeiten gesehen. Das muss sich auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice eingestehen, wobei sie nichts desto trotz den Sprung ins kalte Wasser wagt und das Jobangebot des Buchhändlers annimmt, nicht nur um wieder einer Arbeit die sie liebt nachgehen zu können, sondern auch um ihrem persönlichen Fegefeuer zu Hause zu entgehen.

    Dieses zu Hause besteht nach dem Tod der gemeinsamen Tochter nur noch aus ihr und ihrem alkoholsüchtigen Mann, der den diesen Verlust nie verwunden hat. Die mehr als nur merkwürdigen Herausforderungen im Laden von Herrn Plana vereinnahmen Beatrice zusehends. Ehe sie sich versieht, erlebt sie sich als Bestandteil einer weitaus größeren Geschichte, deren Kreise auch ihren Mann erreichen. Die Ausläufer der Entscheidungen, welche Beatrice im Buchland trifft, fordern einen Preis ein, dessen sie sich erst allmählich bewusst wird und aus dem anfangs prickelnden Spiel im Reich des gedruckten Wortes wird harte Realität.

    Kein Geringerer als Schnitter Tod, der Buchalter des Lebens, stellt Beatrice – und nicht nur sie – an Scheidewege, an denen sich nicht nur das eigene Schicksal entscheiden, sondern die Last weit größerer Weichenstellungen die „Spielern“ über die Maßen fordern…

    Fazit:


    Markus Walther gelingt mit dem ersten Band der Buchland-Erzählung ein in sich stimmiger Auftakt, sowie eine durchaus interessante Storyline. Versierte Leser werden die ein oder andere Reminiszenz erkennen, so z.B. an Walter Moers „Labyrinth der träumenden Bücher“, was dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch tut. Der Erzählfaden ist leider streckenweise wenig überraschend und teils wünscht man sich etwas mehr Tiefe der Akteure, da wäre evtl. mehr drinnen; bleibt abzuwarten, wie sich die Folgebände lesen…

    Neben den vielen Querverweisen auf Literatur aus allen möglichen Genres, Wissenswertem aus Schriftstellerei, Buchdruck und Bibliophilie, beieindruckt der teils philosophische Tiefgang wenn es um existenzielle Fragen wie den Umgang mit der (scheinbaren) Endgültigkeit des Todes, dem Konzept des eigenen Lebens im Hier und Jetzt, sowie der Frage nach „guter“ resp. „wertvoller“ Literatur geht, denn: „Jede Geschichte ist es wert erzählt zu werden. Doch man sollte sich dafür Zeit nehmen. Es kommt nicht darauf an, möglichst viel in die Welt zu rufen. Es kommt darauf an die Welt mit dem Gesagten zu bereichern. Schreiben ist Handwerk. Man kann es erlernen. Kreativität hingegen ist Kunst. Sie kommt aus dem Geist. Je mehr ein Autor von sich in ein Buch investiert, desto geistreicher wird sein Werk. Mit Geist und Seele erwachen Bücher zum Leben. Verstand und Gefühl Hand in Hand ermöglichen erst die wahre Kunst.“ (S.124)

    Zum Buch:


    Aus handwerklicher Sicht liefert der Acabus-Verlag mit dem über 230 Seiten starken Band ein sehr hübsch gestaltetes Buch, das sich in Punkto Verleimung, sauberem Satz und runder Typografie keine Blöße gibt. Es ist gelungen ein schönes Erscheinungsbild mit angenehmer Haptik zu verbinden. Für die Umschlaggestaltung firmiert Petra Rudolf. Die gewählte Schriftform des letzten Kapitels „Die Notizen des Auktorals“ ist ebenso wie die Kapitelüberschriften gewagt, fügt sich aber harmonisch in das Gesamtbild des Werkes ein.

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    Cover des Buches Kierkegaard-Brevier.B00241WZ8I

    Bewertung zu "Kierkegaard-Brevier." von -

    Kierkegaard-Brevier.
    buchwanderervor 2 Jahren
    Entweder-Oder

    „…; es gilt eine Wahrheit zu finden, die meine Wahrheit ist, für die ich leben und sterben will…“ (S.17)

    Zum Inhalt:


    Die Form des Breviers, ursprünglich als Sammlung der als Vorschrift geltenden Stundengebete für katholische Geistliche konzipiert, ist für das vorliegende Bändchen aus dem Insel-Verlag treffend gewählt, zumal es sich mit dem 19. Jahrhundert eingebürgert hatte, auch Sammlungen zentraler Auszüge aus dem Werk bedeutender Literaten oder zu Themen gruppierte Anthologien als Breviere zu titulieren.

    Peter Schäfer und Max Bense gelingt es mit Bedacht, Gespür für das Wesentliche und Mut zur Auswahl eine Quintessenz Søren Kierkegaards Kernthematiken zusammenzutragen. Gegliedert – auch grobtextuell – wurde dabei, nach einer kurzen Einführung wie folgt: „Selbstbetrachtung und Lebensanschauung“, „Das ästhetische und das ethische Stadium“, „Das Religiöse“, „Der abstrakte und der konkrete Denker“, „Kritik der Zeit und des Christentums“, dann Abschluss mit den „Nachweisen“ findend.

    In der Einführung gehen die beiden Herausgeber auf die Grundprämissen Kierkegards philosophischen Konzeptes ein, was dem Leser einen durchwegs moderaten Einstieg in die Welt eines der prägenden Denker der abendländischen Philosophie ermöglicht. Ein zentraler Leitfaden, jener des Entweder-Oder, wird dabei auf konzise Art und Weise herausgearbeitet. „Nicht umsonst trägt das Hauptwerk den Titel Entweder-Oder. Es könnte der Titel seines Gesamtwerks sein, denn das Entweder-Oder war das Thema seines Denkens, die geheime Unruhe seines Lebens.“ (S.10)

    Fazit:


    Die hier zusammengestellten Texte eignen sich primär dazu, eine erste Ahnung des Gedankengebäudes Søren Kierkegaards, resp. seiner philosophischen Landkarte zu erhalten. Es empfiehlt sich vorab etwas Recherche über die Rahmenbedingungen sowohl im biografischen, wie auch kulturell-denkerischen Zeitgefüge des Philosophen zu betreiben, zumal sich einiges in den Texten aus diesem Kontext erheblich leichter erschließt. Die Wertlegung auf Primärliteratur ist dabei sicher nicht jedermanns Sache, bringt aus meiner Sicht jedoch Philosophie in die Sphäre des persönlich Erlebbaren, im Idealfall gar in jene des Nachvollziehbaren.

    Zum Buch:


    Für Bibliophile und solche die Frakturschrift zu schätzen wissen, dürfte der schön gedruckte Text ein Kleinod der Lesefreude sein. Die Bindung, Typografie sowie künstlerische Gestaltung – primär im Bereich der Buchdeckel, wie in dieser Reihe aus dem Insel-Verlag als Credo realisiert – sind vorbildlich. Somit ein weiterer ausgesprochen hübsch gehaltener Band aus den Insel-Bücherei.

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    Cover des Buches Begegnung im Schatten9783945713419

    Bewertung zu "Begegnung im Schatten" von Alexander Kröger

    Begegnung im Schatten
    buchwanderervor 2 Jahren
    Schatten des Allzumenschlichen

    »Den Teufel werden sie [spätere Generationen] fragen, was wir heute darüber gedacht haben mögen. Moral, Ethik? Wann hätten sie in der Geschichte jemals eine Rolle gespielt, wenn es um Macht, Profit und Ruhm ging. Und man muss auch stets Fragen, um wessen Moral es geht und welcher Epoche sie verhaftet ist.«

    Zum Inhalt:

    Die Schichten im Kohletagbau sind für Fritz Hegemeister alles andere als abwechslungsreich. Der Trott ist für alle noch verbliebenen Arbeiter im Revier derselbe – und nicht wenigen gefällt diese Kontinuität, sichert sie doch einen bei weitem nicht mehr so sicheren Arbeitsplatz. Hegemeister ahnt nicht, welchen Wirbel das Stück Blech, das der Zahnkranz der Schaufel am Ausleger seines Baggers zutage fördert, lostreten wird.

    Schon bald stellt sich das Artefakt, eingebettet in das Millionen Jahre alte Kohleflöz, als ein Flugobjekt außerirdischen Ursprungs heraus. Die Ereignisse beginnen sich – zuerst im Verborgenen, dann, als es nicht mehr zu verheimlichen ist, unter Einbezug der Öffentlichkeit – zu Überschlagen. Und dies keinesfalls in rein positiver Sicht. Zu allem Überfluss wird aus dem silbernen Raumer der Leichnam eines der beiden aufgefundenen Extraterraner entwendet, um mit dessen Hilfe den Versuch zu wagen, die Besucher erneut zum Leben zu erwecken.

    So machen sich offizielle, sowie wesentlich dunklere Quellen, versucht aus teils egoistischen, teils durchwegs heeren wissenschaftlichen Beweggründen – oder einer Kombination aus beiden – daran, den Wissensstand rund um den nunmehr erbrachten Beweis intelligenten außerirdischen Lebens zu Ruhm und/oder zu Geld zu machen. Nicht selten ist es das träge Procedere der offiziellen Stellen, welches dabei helle Köpfe in dunkle, illegale und höchst fragwürdige Entscheidungsszenarien drängt. Und selbst wenn es gelänge Leben aus den Überresten der seit Äonen verschütteten raumfahrenden Besucher zu erschaffen, wie würde es mit den Menschen interagieren? Wie wären seine Anschauungen? Wer würde prägender sein: Umwelt oder Genetik? Würde eine gelingende Integration, ein fruchtbares Miteinander überhaupt möglich sein? Oder wären es Dankbarkeit, Aggression oder gar Resignation über die Einsamkeit, welche die Fremden in ihrem Handeln prägen würde…?

    Fazit:

    Alexander Kröger versucht sich in diesem Text u.a. an einer Auseinandersetzung mit der Frage nach der ethischen Aufgabe und Verantwortung von Wissenschaft angesichts einer einmaligen Gelegenheit. Einer Gelegenheit zum einen das Wissen der Menschheit sprunghaft zu erweitern, zum anderen jene der persönlichen Profilierung und nicht zuletzt schlicht materiellen Bereicherung seiner Schlüsselfiguren. Angesichts dieser moralisch ethischen Implikationen, für die auch Kröger keine finalen Antworten beanspruchen will, gerät das Szenario des ersten Kontaktes mit einer Außerirdischen Lebensform beinahe zu einer Nebenhandlung. Es liest sich die Geschichte streckenweise einem Krimi nicht unähnlich.

    Auch im vorliegenden Buch erkennt der Leser die zentralen Themenstränge und „Steckenpferde“ des Autors wieder. Seien es nun die Bedenken gegenüber Gentechnik, bzw. des unverantwortlichen Einsatzes derselben, das Potential welches er in assimilierenden Nutztieren sieht (so zu finden u.a. auch in „Die Marsfrau“ ), sowie eine durchwegs pragmatisch nüchterne Sicht auf den Menschen als nicht zwingend stets sozial denkendes und handelndes Wesen.

    Lässt man sich auf teils etwas gewagten – v.a. in biologischen Belangen – Prämissen der Handlung ein, entsteht ein durchwegs runder Erzählverlauf. Aus meiner Sicht nicht der beste der bisherigen Ausgaben aus der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW), aber jedenfalls lesenswert.

    Zum Buch:

    Nachdem es sich bei Band 11 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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    Cover des Buches Mutanten auf Andromeda9783702652302

    Bewertung zu "Mutanten auf Andromeda" von Klaus Frühauf

    Mutanten auf Andromeda
    buchwanderervor 2 Jahren
    Fluch der Altlasten

    „Es steckte noch eine Menge Altes in den Menschen, auch wenn sie unterdessen in andere Galaxien flogen.“ (S.127)
    Zum Inhalt:

    Mit der vierzehnten außergalaktischen Expedition der Terraner gelingt in zweifacher Hinsicht ein Meilenstein in der Geschichte der Weltraumfahrt: der Sprung zu einer anderen Galaxis, Andromeda, und das Auffinden des Ursprungs vorab empfangener Signale, die auf eine höher entwickelte Zivilisation schließen lassen.

    Die Quelle der Signale ist recht bald ausgemacht, doch den Empfang der Erdbewohner als frostig zu bezeichnen wäre als sträflich idealistisch zu bezeichnen. Bereits die erste zu dem Planeten, welcher seine Oberfläche unter einer soliden grauen Wolkendecke zu verstecken weiß, geschickte Sonde wird schlichtweg ohne Vorwarnung vernichtet. Obwohl die hochentwickelte (Waffen-)Technik durchaus Hoffnung auf eine ebenso oder annähernd so hochentwickelte Gesellschaft schließen ließe, gelangen die Entdecker aus dem terranischen Raumer im Laufe ihrer, von Widrigkeiten geprägten, Erkundung des Planeten immer mehr zu der Überzeugen, hier nur mehr die Reste einer ehemaligen Hochkultur vorgefunden zu haben.

    Zwar weist der Planet eine vielgestaltige und faszinierende Fauna und Flora auf, die beinahe allgegenwärtige hohe Radioaktivität verrichtet jedoch unaufhaltsam ihr tödliches Werk. Dass der Ursprung der letalen Strahlung keineswegs ein rein natürlicher sein kann und dass die degenerierten Bewohner des Planeten in keinster Weise die noch immer zum großen Teil funktionierende Technik ihrer Vorfahren beherrschen, irritiert die irdische Crew. So setzt sich diese zum Ziel dem Phänomen auf den Grund zu gehen, nicht ahnend, dass der wissenschaftliche Enthusiasmus einen hohen Blutzoll fordern könnte…

    Fazit:


    Klaus Frühauf entwirft ein First-Contact-Szenario welches beileibe nicht neu ist oder vor innovativen erzählerischen und inhaltlichen Ideen strotzt. Trotzdem nimmt die in sich stimmige Geschichte den Leser gefangen, so er sich auf den Handlungsstrang und die Prämissen des Autors einlässt. (Eine davon, in diesem Zusammenhang beinahe klassisch zu nennen, ist jene einer geeinten Menschheit mit dem heeren Ziel der uneigennützigen Exploration unter dem Stern eines gesellschaftlich höheren Zwecks: „Aake Lundgreen war gegen Ende des zwanzigsten , des sagenhaften Jahrhunderts, in dem die Menschheit die Schwelle vom theoretischen zum praktischen Kommunismus überschritt, in dem kleinen Zentrum der schwedischen Raumfahrt in den Saab-Werken beschäftigt.“ (S.41) )

    Immer wieder weist er in seinem Text auf jene Schwierigkeiten hin, die Menschen bei einem noch so minutiös geplanten ersten Kontakt mit einer anderen vernunftbegabte Spezies hätten, zumal sie nur sekundär in jener der Verständigung liegen würde. Eher läge es daran, dass der Raumfahrer als Mensch sich stets als soziales Wesen mit allen Vorurteilen, (philosophischen) Ansichern, emotionalen Problemen mitnimmt, wie weit er auch immer reisen möge. „… aber es kann eben keiner aus seiner Haut. Wir alle hängen doch noch sehr am Irdischen.“ (S.124)

    Zum Buch:


    Das Buch aus dem Verlag Neues Berlin wartet mit künstlerisch sehr ansprechend gestalteten, stabilen Buchdeckeln auf, für deren Design Werner Ruhner in seinem unverkennbaren Stil firmiert. Ruhner hat ebenfalls die atmosphärisch gut getroffenen Illustrationen im Text dazu liefert. Der Buchblock fügt sich solide zwischen die Buchdeckel, wobei der Bedruckstoff aufgrund eines recht hohen, faserigen Holzanteils ( siehe hier) leicht zum Vergilben neigt. Generell ist das Seitenmaterial von keine hohen Qualität, wie man es bei gebundenen Bänden ansonsten erwarten würde. Ebenso lässt der Druck und die Typografie teils etwas zu wünschen übrig ( siehe hier). Gesetzt wurde der Text aus der angenehm lesbaren 11p Garamond. Die Austreibung des Textes in einigen Passagen ist handwerklich nicht erste Sahne ( siehe Beispiel hier).

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    Cover des Buches Die 13te Sonne9783981692976

    Bewertung zu "Die 13te Sonne" von Rico Gehrke

    Die 13te Sonne
    buchwanderervor 2 Jahren
    Wie wirklich ist die Wirklichkeit

    »Um aus dem Netz zu entkommen, muss der Fisch drei Voraussetzungen erfüllen. Erstens, er muss springen können. Zweitens, er muss springen wollen und drittens, vor allem muss er im Netz sein.«“ (Pos.276)

    Zum Inhalt:


    Eine weitere ebenso normale wie – bei Licht betrachtet – absurde Schlacht in einem der schon zur Normalität gewordenen Kriege verfeindeter terranischer Interessensgemeinschaften sollte es werden; bis zu dem Punkt auf der Zeitlinie, an dem die Verkettung unwahrscheinlichster Kausalitäten das Gefüge von Raum, Zeit, Realität und dem ganzen Rest in eine Mixtur verwandeln sollte, in der sich keiner der Akteure auf mehr als das – scheinbar reale – Hier und Jetzt zu fokussieren vermag.

    Denn darüber hinausgehend öffnet sich ein Raum von Möglichkeiten Gegenwarten zu erleben, Vergangenheiten zu denken und Zukünfte zu extrapolieren, die weit außerhalb – oder wo auch sonst immer – des Begreifbaren, des Ertragbaren und des Übers(t)ehbaren ein wie auch immer geartetes Dasein einfordern. Fokus der Geschichte ist dabei ein an sich nicht sonderlich „aufregender“ Planet dessen Namen wechselt, je nachdem welche Rasse man nach demselben fragt. Doch Unuto, so der gebräuchlichste der Namen, entpuppt sich als Brennpunkt einer Linse von der niemand mit Sicherheit sagen kann, in welchem Raum, welcher Zeit oder gar welcher Realität in einem schier endlos erscheinenden Multiversum sie sich manifestiert.

    Die Crew der Mercury Pirate wird durch dieses Kaleidoskop an inkohärenten Möglichkeiten gezogen, getrieben, geschleift. Und was sie entdecken kostet nicht nur Leben – wie auch immer man die zu definieren gewillt ist –, es kostet auch den zentralen Fels jeder menschlichen Existenz: den Sicherheit verheißenden Glauben an eine kontinuierliche Verlässlichkeit der umgebenden Gegenwart. Dabei beschränkt sich die Auswirkung der Wellen, welche die Ereignisse auf Unuto und im Rest der Galaxie schlagen nicht etwa nur auf die stets selbstverliebten Terraner, die in ihrer Nabelschau die Möglichkeit einer Koexistenz mit außerirdischem Leben nur selten in Betracht ziehen. Es sind eben diese extraterrestrischen Intelligenzen, Kulturen, Rassen, für die die Erdenabkömmlinge bestenfalls eine vorübergehende Erkältung des Planeten darstellen, jedoch mit den Nachwehen derselben man leben muss.

    Fazit:


    Der Begriff Saga kommt mir nicht allzu häufig über die Lippen resp. die Tastatur, aber in diesem Fall wird er dem über 1000 Seiten starken Wälzer – und v.a. der inhaltlichen Komplexität – am ehesten gerecht. Rico Gehrke hat eine hochkomplexe Geschichte entworfen, die einen erfrischenden Kontrapunkt zu oft drögen Zeitschleifenspielereien darstellt. Man sei gewarnt: einfach zu lesen ist der teils verworren erscheinende Text keinesfalls und nicht selten stellt sich ein Zustand ein, in dem sich einem der eigene Geist darstellt, als hätte man ihn mal eben so durch einen Fleischwolf oder eine Singularität gedreht.

    Lässt man sich auf Erzählstil und Gedankengänge Gehrkes ein, steht nicht erst am Ende ein aufrüttelndes, in Frage stellendes, v.a. aber nachhallendes Leseerlebnis an, welches nicht einfach einzuordnen ist auf der Standardskala zwischen „geht so“ und „bin begeistert“. Ebenso wie die Realität den „Helden“ der Geschichte, entzieht der Text sich im positivsten Sinne einer platten Schubladisierung in Standard-Zeit-Raum-Reise-SF. Neben gesellschaftspolitisch anklingenden Kritikpunkten, bekommt auch wenig versteckt resp. subtil ein in realiter durchwegs präsenter religiöser Wahn „sein Fett weg“.

    Bei alle dem sei noch erwähnt, dass Rico Gehrke dies alles auf einem sprachlich sehr hohen Niveau, mit einer erzählerischen Fertigkeit bewerkstelligt, die ihresgleichen im deutschsprachigen Bereich dieses Genres sucht. Es kann durchwegs als meisterhaft, einfühlsam, bildgewaltig und virtuos bezeichnet werden, wie die Szenarien der Welt rund um und auf Unuto und jene der Charaktere sprachlich gebannt werden. In jedem Fall ist dieses Buch eine klare Leseempfehlung wert.


    (1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die eBook-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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    Cover des Buches Die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein9783455500226

    Bewertung zu "Die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein" von Stefan Einhorn

    Die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein
    buchwanderervor 2 Jahren
    Ernüchternd Rosa/Pink

    „Für mich ist ein freundlicher Mensch jemand, der ethisches Handeln verinnerlicht hat.“ (S.15)

    Zum Inhalt:


    In Stefan Einhorns Buch geht es, wie der deutsche Titel suggerieren mag nicht um den Begriff „Freundlichkeit“, wie man ihn im Deutschen i.d.R. versteht, sondern vielmehr um den jenen der Ethik im Handeln, resp. der Interaktion mit seinen Mitmenschen.

    Dabei entwirft der Autor durchaus gute Ansätze, die leider durch eine all zu oft polemisierende Sprache und brüchige Argumentationsketten torpediert werden. Man wird während der gesamten Lektüre den unterschwelligen Verdacht nicht los, dass es letzten Endes, schält man all die doch recht durchsichtigen „Argumente“ ab, darum geht, selbst Erfolgt zu haben – wie auch immer man diesen zu definieren gewillt ist – („Was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.“ (S.16), kulminierend in teilweise vollkommen deplazierten und abstrusen Analogien, wie z.B.: „Gute Taten sind wie Drogen nur ohne Nebenwirkungen.“ (S.134)

    Wendungen wie „Man hat Versuche durchgeführt…“ (S.136) und die exzessive Verwendung von Zitaten von Kapazitäten wie Sigmund Freud, Christopher Dawson oder Yehuda Bauer sollen dem Text den Anstrich (natur-)wissenschaftlicher Seriosität geben, die sich bereits in folgendem Satz wieder ad Absurdum führt: „Unser ethischer IQ beziffert unsere Fähigkeit, Gutes zu tun.“ (S.18)

    Nichts desto trotz lohnt sich ein Blick in den Text, wissend, dass man sich in der Art des Eklektikers verfahrend das Positive – und dessen gibt es durchaus einiges – herausnehmen sollte. So kann man der Aussage, „Die Fähigkeit, seine Mitmenschen gut zu behandeln, ist eine Form von Intelligenz.“ (S.58), nur voll inhaltlich anschließen, hoffend, dass daraus von vielen die entsprechenden Schlüsse in die alltäglichen Handlungen einfließen mögen.

    Fazit:


    Des Eindrucks, einen amerikanischen Ratgeber à la „Die Kraft des positiven Denkens“ in Händen zu halten konnte ich mich spätestens ab des ersten Viertel des Buches nicht mehr erwehren. Karl-Heinz Heidtmann schreibt es in seiner Rezension sehr treffend: „Schon nach wenigen Seiten fühlte man sich denn auch eher an einen US-amerikanischen Autor erinnert als an einen schwedischen: Die vielen berichteten Beispiele eigenen Erlebens („Als ich einmal einen Vortrag über Ethik hielt, kam nach der Veranstaltung eine Frau zu mir nach vorn und …“), das Markenzeichen US-amerikanischer Erfolgsliteratur à la „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst beliebt und einflussreich zu werden“ (Dale Carnegie) sind mein Ding zugegeben nicht.“ Dem bleibt nicht viel hinzuzufügen. Interessant im Zusammenhang mit Integrität, Wahrheit, Lüge und dem Anspruch als wahrhaftige Entität in der Gesellschaft zu agieren wäre noch der Verweis auf ein Buch, welches sich ebenfalls mit genau diesem Dilemma beschäftigt: „Der Wille zum Schein“ – Philosophicum Lech (Hrsg. Konrad Paul Liesmann).


    Zum Buch:


    Der Band aus dem Verlag Hoffmann und Campe zeichnet sich durch eine solide Verarbeitung sowohl im Buchblock, wie auch in den Buchdeckeln, bis hin zum Schutzumschlag aus. Die etwas sehr grellen Farben, welche für letzteren gewählt wurden, sind Geschmackssache. In Puncto Textgestaltung und Typografie wurde aus der Janson und der Meta gesetzt und Wert auf Klarheit und zügigen Lesefluss gelegt, was durchwegs gelungen ist. Die Wertigkeit unterstreicht auch die Haptik des Bedruckstoffes, der für die 240 Seiten gewählt wurde.

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    Cover des Buches Bildung als Provokation9783552058248

    Bewertung zu "Bildung als Provokation" von Konrad Paul Liessmann

    Bildung als Provokation
    buchwanderervor 2 Jahren
    Herausfordernd

    „Wie immer man es aber dreht und wendet: Ob Bildung ein Selbstveränderungspotential in Hinblick auf Individuen oder Gesellschaften zugesprochen werden kann, hängt letztendlich vom Mut ab, Bildung inhaltlich und normativ zu bestimmen. Solange Bildung formal als Durchlaufen von Zertifizierungsstellen oder Sammeln von Leistungspunkten definiert und auf den Erwerb von Kompetenzen und zeitgemäßen Kulturtechniken reduziert wird, erwächst aus diesen Bestimmungen weder eine notwendige noch eine mögliche Kraft zur Veränderung.“ (S.79)

    Zum Inhalt:


    Provokation, ethymologisch ‘herausfordern, reizen, zu einer […] Handlung veranlassen’1), wohnt dem Text in allen Abschnitten, resp. Thematiken, mit denen sich Konrad Paul Liessmann auseinandersetzt inne. Ob es nun die wechselhafte Historie bzw. Begrifflichkeit und Deutung des Begriffes, oder der immer wieder neu gefassten Idee eines Ideals ist, der Versuch, wachzurütteln, spitz zu argumentieren, dort zu treffen, wo der Nerv einer humanistischen Lebensweise vom Einschlafen bedroht ist, gelingt mit jedem Argumentationsstrang in sich kohärent.

    Aus verschiedensten Blickwinkeln wird Bildung in einem, zum einen beinahe in sich selbst verständlichen / geläufigen Sinne beleuchtet, wobei nicht in die zwar sich anbietende, aber nicht minder unnütze Kerbe des sermonartigen Bejammerns der mangelnden (Allgemein-)Bildung geschlagen wird. Eben diese Allgemeinposten findet man bei Liessmann nicht. Zu profund und von irisierender Vielfältigkeit sind die Herangehensweisen, nicht verleugnend, dass es sehr wohl einen roten Faden in der anzustrebenden holistischen Bildung des Individuums gibt.

    Es sind dabei Themen wie Kunst, Religion und Literatur, als essentielle Bestandteile der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Geschichte, seiner Gegenwart und daraus extrapolierend seiner potentiellen Zukunft, ebenso wie Themen der Wirtschaft und Politik, die ein zoon politikon prägen, von Belang und Liessmann bringt diese in ein kontextuelles Geflecht rund um den schillernden Begriff »Bildung«.

    Dass Bildung dabei ein sicherlich zum einen in höchstem Maße individueller Begriff, zum anderen aber auch eine gesamtgesellschaftliche Idee ist – reps. sein kann / sollte –, verdeutlicht der Autor an unterschiedlichsten Beispielen. Ebenso, dass es sich dabei um keinen dereinst erreichbaren, monolithisch festmachbaren Zustand handelt, denn „Bildung ist untrennbar mit der Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit verbunden, mit dem Wissen des Nichtwissens.“ (S.9) Und stets geht es um eine wichtige Grenzziehung, sähe man sich versucht den Bildungsbegriff jenem der (wirtschaftlichen) Effizienz unterzuordnen. „Der Gebildete verkörpert all das, was der aktuelle Bildungsdiskurs gerade nicht mehr unter Bildung verstehen will. Dazu gehört ein fundiertes Wissen, das es erlaubt, auch ohne Zensurbehörde die Fakten von den Fiktionen zu trennen, ästhetische und literarische Kenntnisse und Erfahrungen, ein differenziertes historisches und sprachliches Bewusstsein, ein kritisches Verhältnis zu sich selbst, eine auf all dem gründende abwägende Urteilskraft und eine gesteigerte Sensibilität gegenüber Lügen, Übertreibungen, Hypes, Phrasen, Moralisierungen und Platitüden der Gegenwart. Allerdings ließe sich nichts von dem vorschnell der Forderung nach Nützlichkeit, Anwendbarkeit und schneller Verwertbarkeit unterordnen.“ (S.8)

    Fazit:


    Konrad Paul Liessmann liefert einen Text – oder vielmehr eine Auswahl an Texten / Gedanken –, der im wahrsten und besten Sinne philosophischen Diskurses herausfordert. Auf hohem gedanklichen und sprachlichem Niveau bringt er pointiert einen teils zerfransten und unscharfen Begriff, wie ihn der der Bildung teils im öffentlichen Sprachgebrauch darstellt, zu einem Schnittpunkt, einer konzisen inhaltlichen Schnittfläche, eine Auseinandersetzung auch mit dem eigenen Bildungs- und Werteziel im Leben anregend. Ein ausgesprochen lesens- / empfehlenswertes Buch.2)

    Zum Buch:


    Schlicht! Das wäre das erste Adjektiv, welches mir zur äußeren Gestaltung des Bandes einfiele. In dieser Schlichtheit liegt dabei eine beinahe ebensolche Eleganz, welche sich in Bindung, Typografie, sowie drucktechnischer Realisierung fortsetzt. Den vorbildlich übersichtlichen Satz des Textes gestaltete Eva Kaltenbrunner-Dorfinger. Der Text wird heruntergebrochen auf 4 große Themenkomplexe, die wiederum in angenehm überschaubare Unterkapitel, das Kernthema als inhaltliche Klammer umschließen. Dies ist v.a. hilfreich, da die Kapitel „auf Texte zurückgehen, die aus unterschiedlichen Motiven in den letzten Jahren entstanden“ (S.236) und so eine „Auswahl dieser Vorträge und Arbeiten“ (S.236) darstellen. Die typografische Wertlegung auf Klarheit in Struktur und Schriftbild macht die Lektüre des Textes, unterstützend zu dem inhaltlich gehobenen Anspruch an Konzentration und Reflexion, zu einem angenehmen, fluiden Leseerlebnis.


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