burnedeyez

  • Mitglied seit 04.06.2013
  • 4 Freunde
  • 42 Bücher
  • 33 Rezensionen
  • 39 Bewertungen (Ø 3.92)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne11
  • 4 Sterne18
  • 3 Sterne6
  • 2 Sterne4
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Cover des Buches Vergelte! (ISBN: 9781477830710)

    Bewertung zu "Vergelte!" von Siegfried Langer

    Vergelte!
    burnedeyezvor 6 Jahren
    Kurzmeinung: Hochgradig spannende Thriller müssen eben nicht immer aus Übersee kommen...
    Würdige Fortsetzung

    Es ist immer wieder schön, wenn alte Bekannte zu Besuch kommen, so möchte man fast sagen. Siegfried Langer hat letztes Jahr mit Niklas Steg und Sabrina Lampe ein wunderbar ungleiches Ermittlerpaar ins Rennen geschickt nd mit seinem Thriller “Leide!” zeitgleich einen großartigen Krimi in die Bahn geworfen. Die Freude über die Ankündigung, dass die beiden zurückkehren würden, war dementsprechend natürlich groß. Noch viel größer aber die Freude darüber, mit “Vergelte!” den Nachfolger in den Händen zu halten. Fast so groß wie die Erwartungen.

    Es wird hierbei schnell klar, dass Langer den gleichen Weg einschlägt, den er schon mit dem Vorgänger beschritten hat. “Vergelte!” startet direkt durch und wirft den Leser mitten in die Geschichte. Der Spannungsbogen wird von Anfang an gut gezeichnet und kennt dabei nur eine Richtung: steil nach oben. Das können auch die immer wieder eingeflochtenen Rückblenden, beziehungsweise die Perspektivenwechsel nicht verhindern, die zwar zunächst etwas gewöhnungsbedürftig sein mögen, Kennern der Reihe aber schon aus dem Vorgänger bekannt sind. Trotz dieser Sprüche kommt es zu keiner Unterbrechung im Lesefluss und mit steigender Seitenzahl wird zudem auch klar, dass sie für die Geschichte essentiell sind und ihr nur noch mehr Tiefe verleihen. Wenn man sich darauf einlassen kann (wie gesagt, irgendwann fällt es einem gar nicht mehr großartig auf), wird man mit einer sehr dichten und gut durchdachten Storyline belohnt, die keine Logiklücken aufweist und zudem von einer tollen Atmosphäre gestützt ein absolut rundes Gesamtbild aufweist. Man sollte jedoch nicht erwarten, dass man eine lange Jagd auf die Mörderin präsentiert bekommt, während man über ihre Identität im Dunkeln bleibt. Es wird sehr schnell offenbart, wer sie ist und warum sie das tut, es ist also mehr so, dass im übertragenen Sinn der Weg das Ziel ist. Was aber nicht bedeutet, dass der Autor am Ende nicht doch einen schicken Twist aus dem Handgelenk schüttelt, der tatsächlich überraschend kommt und dem Finale noch mal eine gehörige Portion Würze verleiht.

    Ähnliches gilt auch für die Figuren. Zwar muss man “Leide!” nicht unbedingt gelesen haben, um Spaß an “Vergelte!” zu haben, ich würde aber jedem interessierten Leser ans Herz legen, es trotzdem zu tun. Nicht nur, weil es ebenfalls ein tolles Buch ist, sondern auch aus dem Grund, dass man nur so die volle Qualität der Figurenzeichnung genießen kann. Langer baut auf den Geschehnissen des Vorgängers auf und nutzt seine neuste Veröffentlichung, um Steg und Lampe noch mehr Profil zu verleihen und zudem eine interessante und glaubwürdige Entwicklung durchmachen zu lassen. Auch die Nebenfiguren wissen durch die Bank zu gefallen, haben ihre eigene Tiefe und sind zudem in Hinsicht auf ihren Hintergrund teilweise erschreckend hart gezeichnet. Gezielt zu erwähnen ist übrigens ein kurzes Kapitel über Sabrinas Tochter Lara, die einen Radioauftritt der besonderen Art spendiert bekommt.

    Stilistisch ist bei Siegfried Langer alles beim Alten geblieben. “Vergelte!” ist gut geschrieben. Der Autor kommt schnell auf den Punkt, redet nicht lange um den heißen Brei herum und verfällt dabei doch nicht in eine unansehnliche Larifari-Schreibe. Die Punkte sitzen da, wo sie sitzen müssen und man hat zu keiner Zeit dass Gefühl, dass etwas fehlen würde.

    Fazit:

    “Vergelte!” macht genau da weiter, wo “Leide!” aufgehört hat. Auch wenn Siegfried Langer sich dem Experiment Amazon Publishing zugewandt hat, ist das keinesfalls eine Aussage über die Qualität. Die ohnehin schon tollen Figuren bekommen hier noch ein bisschen mehr Profil verliehen, die Spannung ist von der ersten Seite an da und leistet sich keine Einknicker, der Schlusstwist ist absolut gelungen. Alles in allem wieder eine absolut runde Sache. Und das Versprechen, dass Niklas Steg und Sabrina Lampe weiter ermitteln werden, nehme ich übrigens wörtlich, Herr Langer!

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Im Turm des Panopticons (ISBN: 9781494724290)

    Bewertung zu "Im Turm des Panopticons" von Daniela Rohr

    Im Turm des Panopticons
    burnedeyezvor 6 Jahren
    Kurzmeinung: Lesenswerte SciFi aus deutscher Feder
    Lesenswerte SciFi aus deutscher Feder

    Ich möchte gleich vorweg sagen, dass diese Besprechung nicht ganz ohne Spoiler auskommen wird. Zwar widerstrebt es mir aus genau diesem Grund, sie zu schreiben, aber wie sagt man so schön “Was muss, das muss”. Wer sich also daran stört, möge nicht auf “Weiterlesen” klicken, sondern die Besprechung an dieser Stelle einfach mit den Worten “Keine schlechte SciFi-Novelle” beschließen und sich selbst eine Meinung bilden.

    “Im Turm des Panopticons” ist die dritte Veröffentlichung von Daniela Rohr und wandelt, wie auch ihre Kurzgeschichtensammlung “Der Zeit-Zwirbel-Effekt & seine Knöpfchendrücker” auf Science Fiction-Pfaden. Durch die Novellenform nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf und schnell erwischt man sich dabei, dass man das Büchlein nicht mehr aus der Hand legen möchte. Fast möchte man sagen, dass die Autorin durch gezielt eingesetzte Schockmomente, wie ich es bei Filmen betiteln würde, den Leser immer wieder dann am Kragen packt, wenn der Spannungsbogen etwas abzusacken droht. Das macht Spaß, das ist gelungen. Auch die Stimmung in der Kommandozentrale der Raumstation ist sehr gut präsentiert, man fühlt mit Linea mit und kann sich gut in sie hinein versetzen. Klaustrophobisch, düster, teilweise erschreckend. Bis dann schließlich der Story-Twist kommt. Und an dieser Stelle auch der bereits angekündigte Spoiler. Man kann nicht sagen, dass die Story ab diesem Moment weniger bedrückend und erschreckend wird, eher ist das Gegenteil der Fall. Allerdings stellt man auch fest, dass Daniela Rohr sich ab diesem Moment recht großzügig bei einem meiner persönlichen Highlight-Filme aller Zeiten bedient, “Event Horizon”. Das stößt mir persönlich ein wenig bitter auf, ändert aber nichts daran, dass die Novelle auch (oder vielleicht besser gesagt besonders”) ab diesem Zeitpunkt ein regelrechter Schlag in die Kauleiste wird. Ein Ende, welches sicherlich nicht vorhersehbar, dafür aber bedrückend und auf seine Art und Weise zudem ziemlich grausam ist und dafür sorgen wird, dass man sich als Leser sicherlich auch noch eine Weile nach dem Genuss des Büchleins damit beschäftigen wird.

    Charakterlich kann man zu “Im Turm des Panopticons” nicht viel sagen. Das ganze ist im Grunde genommen eine ziemliche One Woman-Show mit ein paar kurzen Gastauftritten. Gerade deshalb ist die Hauptfigur Linea jedoch zu jeder Zeit überzeugend. Bedingt durch die Kürze der Geschichte wie auch der Handlung wäre nicht viel Platz für eine große Ausarbeitung und Entwicklung von vielen Figuren gewesen. Das umschifft die Autorin gekonnt, indem sie sich auf eine Person konzentriert, dem Leser gerade genug vom persönlichen Hintergrund mitteilt, um diese echt wirken zu lassen und sich davon abgesehen auf das Hier und Jetzt und die aktuellen Gedankengänge zu beschränken. Das funktioniert gut, sorgt nur noch mehr für klaustrophobische und beängstigende Stimmung und sorgt für ein gehöriges Maß an Identifikation mit Linea.

    Am Stil gibt es nichts auszusetzen. Daniela Rohr präsentiert mit “Im Turm des Panopticon” einen gelungenen Science Fiction-Thriller, der trotz der Kürze nicht oberflächlich ist, sondern den Leser gefangen nimmt. Die Story ist zugänglich geschrieben und lässt sich flott in einem Rutsch durchlesen. Wer bei dem Wörtchen “Selbstverlag” nun an ein schlecht korrigiertes Manuskript, welches nur ein paar Euro in die Tasche des Autoren spülen soll, denkt, kann beruhigt werden. Die Novelle hat offensichtlich ein gutes Korrektorat genossen, so dass es keine störenden Tippfehler, Buchstabenverdreher oder ähnliches gibt.

    Fazit:

    “Im Turm des Panopticons” ist eine gelungene Mischung aus Science Fiction, Thriller und letztlich auch Dystopie. Spannend und atmosphärisch geschrieben mit einer überzeugenden Hauptfigur sind die gut 100 Seiten schnell Geschichte. Das Ende ist auf seine Weise brutal und in jedem Fall unvorhersehbar. Abzüge in der B-Note gibt es aber dennoch, denn die starke “Event Horizon”-Anlehnung kann ich als Freund des Films einfach nicht unkommentiert übersehen und stehen lassen.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Leide! (ISBN: 9783957610089)

    Bewertung zu "Leide!" von Siegfried Langer

    Leide!
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Feinste deutsche Thrillerkost!
    Feinste deutsche Thrillerkost

    Ich muss gestehen, dass ich den Namen Siegfried Langer bis vor kurzem noch nicht auf dem Radar hatte. Als er dann ein Gewinnspiel zu seiner neuesten Veröffentlichung “Leide!” veranstaltet hat, war das Interesse jedoch schnell geweckt, denn Klappentext und Leseprobe versprachen ein interessantes deutsches Thriller-Intermezzo. Und da unbekannte Autoren mich ja zumeist positiv überraschen konnten, durfte das Buch schließlich auch bei mir einziehen.

    Langer geht dabei vom Start weg in die Vollen und entwickelt einen sehr konstanten Spannungsbogen für sein mittlerweile viertes Werk. Die Story ist dynamisch aufgebaut und führt den Leser auf mehreren Zeitzonen durch das Buch – ohne dabei jedoch den roten Faden zu verlieren oder verwirrend zu wirken. Eine gelungene Gratwanderung, die es auch gut ermöglicht, die Hintergründe der Charaktere zu verstehen und nachzuvollziehen. Dabei hebt sich der Autor einen sehr gelungenen Twist für den Schluss auf, der überraschend kam und mich für einen Moment mit heruntergeklappter Kinnlade hat sitzen lassen. “Leide!” erzeugt dabei auch über weite Strecken eine ziemlich fiese Atmosphäre, die oftmals sehr negativ daher kommt, an anderen Stellen aber fast zwangsläufig schon zum einen oder anderen Grinsen führt. Die Story bleibt bis zum Schluss hin unvorhersehbar und lässt den Leser tatsächlich auch erst mit der Auflösung des Plots wieder los.

    Man merkt deutlich, dass Langer sich mit seinen Charakteren Mühe gegeben hat. Keine von ihnen wirkt wie vom Reißbrett für Standardkrimis, sondern kommt mit liebenswerten (oder eben auch nicht) Ecken und Kanten daher, die ihnen durchweg eine gelungene Eigenständigkeit verleiht. Alle, selbst die sehr böse ausgefallenen Antagonisten, wirken bodenständig und echt. Im Verlauf der Geschichte lässt sich, wie oben schon erwähnt, sehr gut erkennen, warum nun zum Beispiel Sven zu dem geworden ist, was er ist. Auch die Polizisten sind keinesfalls 08/15-Standardbullen, sondern haben ebenfalls ihr Kreuz zu tragen und bleiben dadurch eben menschlicher, als es bei vielen “Mitbewerbern” am Markt ist. In “Leide!” sind diese Probleme übrigens auch etwas anders ausgefallen, der Abwechslungsreichtum dankt es, dass man es nicht schon wieder mit einem Polizisten zu tun hat, dessen Ehe wegen seinem Job in die Brüche gegangen ist – zumindest nicht ausschließlich.

    Stilistisch kann ich mich ebenfalls nicht beschweren. Siegfried Langers Stil ist locker und eingängig, so dass die ersten 170 Seiten von “Leide!” nach knapp einem Tag durch waren. Mir hat besonders gefallen, dass der Autor augenscheinlich eine Menge Ahnung von den Lokalitäten hat, in der er seine Geschichte ablaufen lässt, denn besonders bei diesen Beschreibungen kam der Roman ungemein bildlich daher. Wie in den meisten modernen Thrillern wird auch hier nicht auf die eine oder andere Gewaltspitze verzichtet, diese sind allerdings gut in die Story eingepasst und wirken nicht wie ein aufgesetzter, selbstzweckhafter Versuch, den Gore-Freunden einen blutigen Knochen hinzuwerfen.

    Fazit:

    Eigentlich könnte man “Leide!” mit drei Worten beschreiben: “Alles richtig gemacht”. Siegfried Langer zeigt sehr deutlich, dass gute Thriller nicht zwangsläufig aus Übersee kommen müssen, sondern dass es auch in Deutschland genug Spielraum für spannende, actionreiche Geschichten und durchweg nachvollziehbare, bodenständige Figuren ist. Super, mehr davon!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Die Sprache des Feuers (ISBN: 9783518463505)

    Bewertung zu "Die Sprache des Feuers" von Don Winslow

    Die Sprache des Feuers
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Gut, aber nicht überragend

    Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn es um gehypte Autoren oder Romane geht. Mittlerweile führt jedoch im Bereich der Thriller kaum noch etwas an Don Winslow vorbei, wo man auch hinsieht heimst der gute Mann Lob und positive Kritiken ein. Es war also mal an der Zeit, das auch ich mich an den Herren heran traue.

    Schnell ist dabei klar geworden, dass Don Winslow mit “Die Sprache des Feuers” einen Roman unter das Volk gebracht hat, der vor allem durch eines bestechen kann: ein sehr umfangreiches Hintergrundwissen des Autoren. Er bringt fachliche Kenntnisse mit, die dem Leser auf eine ziemlich prägnante und oftmals auch recht unterhaltsame Weise vermittelt werden. Allerdings muss man auch sagen, dass diese Hintergründe trotz des zumeist vorhandenen Unterhaltungsfaktor hier und da doch schon einmal dazu neigen, etwas trocken und zu wissenschaftlich zu wirken. Schade, denn über einen Großteil des Umfangs weiß “Die Sprache des Feuers” mit einer sehr actionreichen und spannenden Geschichte zu überzeugen, die allerdings unter eben jenen Einknickern ein bisschen zu leiden hat. Das trübt die Atmosphäre, die aber glücklicherweise genau so schnell auch wieder aufgefangen wird. Die Gratwanderung gelingt dem Autoren also nicht unbedingt zu jeder Zeit, alles in allem kann man jedoch sagen, dass sein Roman unterhält und zudem mit einem furiosen Finale für diese kleinen Schwachpunkte zu entschädigen weiß.

    Die größte Stärke sehe ich bei den Figuren des Buches. “Die Sprache des Feuers” liefert dem Leser mit Jack Wade einen klassischen Antihelden im Sympathengewand. Man kann einfach nicht anders, als den Kerl trotz (oder gerade wegen?) seiner zynisch/ sarkastischen Ader zu mögen. Die Handlungsweisen sind jederzeit nachvollziehbar und werden durch die eingangs erwähnte Fachkenntnis Winslows nur noch einen Tick glaubwürdiger. Auch bei den Nebencharakteren hat der Autor ins Schwarze getroffen, sie sind ebenfalls durch die Bank überzeugend, auch wenn sich hier ein klares Schwarz/ Weiß-Bild abzeichnet und man von Beginn an genau weiß, wer nun einer von den guten Kerlen und wer ein Bad Guy ist – zumindest auf den ersten Blick, denn ein sehr später Twist lässt den Leser dann doch etwas überrascht zurück, da er in dieser Form absolut nicht vorhersehbar war.

    Erzähltechnisch ist ebenfalls alles im grünen Bereich. Don Winslow hat einen sehr eigenen Stil, der auf der einen Seite ungemein locker wirkt, auf der anderen aber schnell auf den Punkt kommt. Somit ist “Die Sprache des Feuers” größtenteils sehr locker zu lesen, ohne dass man sich Sorgen darum machen müsste, den Faden zu verlieren. Hier allerdings muss man sagen, dass der fachliche Aspekt (ich weiß, auch das sagte ich schon) manchmal etwas kontraproduktiv ist und eben, aller Lockerheit zum Trotz, doch etwas schwer zu verdauen ist.

    Fazit:

    “Die Sprache des Feuers” ist ein gelungener Actionthriller mit tollen Figuren. Don Winslows Schreibstil ist sehr auf den Punkt hinaus und weiß zumeist zu unterhalten, auch wenn er sich manchmal zu sehr in seinen Hintergrundkenntnissen ergeht, was zu kleinen Einknickern im Spannungsbogen führt. Alles in allem jedoch unterhaltsam, Thrillerfans können gerne ein Auge darauf werfen. Ich muss jedoch sagen, dass sich mir der Hype um den Autoren nach der Lektüre immer noch etwas verschließt. Ja, Winslow kann schreiben und unterhalten- das können andere aber genau so gut.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Terror der Tentakel (ISBN: 9783492269438)

    Bewertung zu "Terror der Tentakel" von A. Lee Martinez

    Terror der Tentakel
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kein Adams, aber trotzdem sehr lesenswert

    Wenn es um den Begriff „Humoristische Science Fiction“ geht, wird vielen in erster Linie der Name Douglas Adams einfallen – zu Recht natürlich. Es gibt allerdings auch einige andere Schriftsteller, die diese Pfade begehen, die einen mit mehr, die anderen mit weniger Erfolg. Unter diesen ist A. Lee Martinez wohl als einer der bekanntesten zu nennen. Mit „Terror der Tentakel“ hat der Piper Verlag seine aktuelle Veröffentlichung auf den Markt gebracht.

    Martinez macht auch schnell von Beginn an klar, was Phase ist, indem er den Leser direkt mit seinem Protagonisten Imperator Mollusk in die Schlacht ziehen lässt und ihnen vor Auge führt, dass der schleimige Neptuner ja eigentlich ein ganz anständiger Kerl ist. Nun ja… bedingt zumindest, denn immerhin ist er einer der gefürchtesten Warlords unseres Sonnensystems, hat sich mit so ziemlich jedem schon einmal angelegt und dürfte wohl nur unter erschwerten Bedingungen für den Friedensnobelpreis nominiert werden. Macht aber nichts, denn gerade durch dieses Antihelden-Ding nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf, ist trotz einiger Rückblenden spannend und atmosphärisch sehr gelungen. Man sollte natürlich bei „Terror der Tentakel“ nicht mit einer ernsthaft bedrohlichen Atmosphäre rechnen, sondern sich viel mehr auf eine abgedrehte und durchaus lustige Story einstellen.

    Die Figuren, oder besser gesagt das Zusammenspiel eben jener, ist es auch, was die Geschichte am Laufen hält. Unser kleiner Tyrann wird von einer Venusbewohnerin begleitet, die eigentlich nichts anderes will, als ihn für seine Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen. Dumm nur, dass ihr Befehl lautet, ihn zu schützen – und wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, sind Venuserinnen (oder so) sehr von ihrem Pflichtgefühl gesteuert. Das führt immer wieder zu Reibereien zwischen die Figuren, die vor zynischem Humor nur so sprühen. Schön zu beobachten ist dabei die Entwicklung, die die Hauptakteuere im Verlauf von „Terror der Tentakel“ erleben und welche durch Rückblenden in die Vergangenheit Mollusks auch immer wieder gut untermauert wird. Martinez ist es hier trotz aller Abgehobenheit gelungen, glaubwürdige Aliens mit nachvollziehbaren Handlungsweisen in eine Sci-Fi-Story zu stopfen. Klingt paradox? Mag sein, ist aber nun einmal so.

    Stilistisch kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Der Autor ist flott bei der Sache, schreibt sehr locker und bringt den Leser dazu, mitunter ein ziemliches Dauergrinsen aufzusetzen. Man sollte hier nicht mit brachialem Humor rechnen, Martinez zeigt in „Terror der Tentakel“ sehr deutlich, dass er die leisen, aber dennoch ungemein amüsanten Töne sehr gut beherrscht. Dies, verbunden mit der temporeichen Geschichte, sorgt dafür, dass man als Freund dieses Genres nur schwer mit dem Lesen aufhören kann. Dazu kommt eine, wie sie zum Beispiel bei Pratchett zum guten Ton gehört, sehr menschliche Herangehensweise an die abgefahrene Action, die Martinez uns hier präsentiert.

    Fazit:

    A. Lee Martinez mag nicht das Format eines Douglas Adams oder eines Terry Pratchett haben. Noch nicht jedenfalls. „Terror der Tentakel“ ist nichtsdestotrotz ein sehr amüsanter und unterhaltsamer Roman, der durchaus die Qualiäten der beiden Vorgenannten durchscheinen lässt. Wer also vor allem Adams mag, darf hier gerne einmal einen Blick riskieren, ich wage zu behaupten, dass er nicht enttäuscht werden wird.

    Eine Besprechung von www.review-corner.de

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Das Clean Team (ISBN: 9783453407305)

    Bewertung zu "Das Clean Team" von Charlie Huston

    Das Clean Team
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Abgefahrener Actiontrip mit coolem Antihelden.
    Abgefahrene Action, cooler Antiheld.

    Zufallskäufe können eine tolle Sache sein. Ganz klar. Man entdeckt so Bücher, von denen (bzw. derem Autoren) man im Leben noch nichts gehört hat. So auch in diesem Fall, Charlie Huston war mir bislang kein Begriff und dementsprechend war “Das Clean Team” für mich auch ein ziemlicher Blindflug. Die können natürlich positiv überraschen – müssen es aber nicht zwangsläufig.

    Glücklicherweise kann man aber recht schnell Entwarnung geben, denn Huston hat es sehr schnell geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen. Er wirft den Leser mit Höchstgeschwindigkeit mitten in die Geschichte, ohne große Erklärungen, wer Hauptfigur Web ist und was er überhaupt macht. Dafür nimmt er sich dann aber nach dem kurzen Prolog die nächsten 180 Seiten Zeit – und lässt auch dabei keine Langeweile aufkommen, obwohl die Geschichte bis dahin eigentlich nicht einmal besonders actionreich ist. Tempo kommt trotzdem auf, Spannung auch… und die Action wird dann auf den folgenden Seiten auch ausgiebig nachgeholt, an der Geschwindigkeitsschraube gedreht und ein kleines, absurdes Feuerwerk von unglücklich verketteten Zufällen abgebrannt. Sehr gelungen, bis zum Ende spannend und ohne merkliche Durchhänger, dafür aber mit einer Menge bissigen, wenngleich auch manchmal etwas stumpfen, Humor.

    Die Figuren in “Das Clean Team” sind dabei genau so wichtig für das Gelingen des Buches wie die Story selbst. Mit Web hat Huston einen tollen Anti-Helden geschaffen, der vor Zynismus nur so übersprüht (was aber, wie oben bereits angedeutet, sehr ausführlich und irgendwie nachvollziehbar begründet wird) und eigentlich eine unglaubliche Arschloch-Attitüde an den Tag legt. Trotzdem kommt er sehr sympathisch rüber und kann tatsächlich als Identifikationsfigur gesehen werden. Auch seine Wegbegleiter sind durch die Bank markante, eigenständige Figuren mit Wiedererkennungswert. Auch sie kommen eigentlich mit einem ziemlich guten Hintergrund daher, auch wenn im Fall von Gage ziemlich viel Mysterium dabei ist – was aber nicht störend wirkt, da es gut zur Figur passt. Alle haben allerdings gemein, dass sie mitunter sehr überdreht wirken, was aber gut in den Kontext der Story passt.

    Handwerklich kann man sich über Charlie Huston eigentlich auch nicht beschweren. Grundsätzlich ist sein Stil sehr eingängig und gut zu lesen. Man sollte sich aber bewusst machen, dass der Mann eigentlich ein Drehbuchautor ist und das schlägt sich hier und da auch in der Schreibweise nieder. So ist es anfangs doch sehr gewöhnungsbedürftig, dass die wörtliche Rede nur von Gedankenstrichen angezeigt wird. Dadurch kommt zumindest zu Beginn hier und da mal etwas Verwirrung auf, besonders in Szenen mit vielen Akteuren. Dennoch ist “Das Clean Team” keine schwere Kost. Zartbesaitete sollten sich übrigens vom Setting rund um den Tatortreiniger Web nicht abschrecken lassen. Ja, Huston hat diverse, nicht gerade harmlose, Gewaltspitzen in seiner Story verbaut – diese sind aber tatsächlich nur Spitzen und so wird man nicht permanent mit einem Blutgemetzel überschüttet. Anmerken sollte man vielleicht, dass mir die Übersetzung mitunter etwas wörtlich geschrieben scheint. Wie sonst kommt man auf den Fluch “Fickende Hölle”? Macht aber nichts, ist vielleicht eher unfreiwillig komisch, passt aber in diesem Fall trotzdem gut.

    Fazit:

    “Das Clean Team” ist ein abgefahrener Trip, der in erster Linie durch Hauptfigur Web gestemmt wird. Man sollte als Leser also ein Faible für Antihelden haben. Zudem sollte man sich direkt bewusst machen, dass die Schreibweise Charlie Hustons nicht dem Standard entspricht und hier und da vielleicht auch einmal etwas anstrengend sein kann – ist man aber erstmal in der Geschichte, lässt sie einen dann auch nicht mehr los und ist sehr unterhaltsam.

    Eine Besprechung von www.review-corner.de

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Lebendig (ISBN: 9783453676589)

    Bewertung zu "Lebendig" von Jack Ketchum

    Lebendig
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Enttäuschend. Schwache Hauptfigur, wenig Spannung, dafür viel Torture Porn.
    Kommentieren0
    Cover des Buches Straße der Toten (ISBN: B00C4ZPIRO)

    Bewertung zu "Straße der Toten" von Joe R. Lansdale

    Straße der Toten
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Unterhaltsam mit kleinen Schwächen
    Weird West-Geschichten

    Manchmal ist man einfach zwiegespalten. Auf der einen Seite weiß man um seine eigene Abneigung gegen Kurzgeschichten, auf der anderen Seite gibt es Autoren, von denen man einfach unbedingt alles lesen möchte. Und genau das ist hier der Fall, zumal “Straße der Toten” von Joe R. Lansdale nicht einfach eine Kurzgeschichtensammlung ist, sondern mit “Dead in the West” auch noch eine Novelle ins Gesamtpaket packt, die dann doch schon wieder interessant ist. Also, zurücklehnen und überraschen lassen war die Devise.

    “Dead in the West” ist dann auch gleich die in meinen Augen stärkste Story des Buches. Der Leser wird mit der Figur des Reverend Jebediah Mercer bekannt gemacht und erlebt mit ihm gemeinsam seine erste Begegnung mit den Untoten. Es fällt hier schon auf, dass Lansdale in allen Geschichten aus “Straße der Toten” weniger auf Humor setzt, dafür seinem Ruf als Splatterpunk hier und da alle Ehre macht. Vor allem hier, denn das Finale der Geschichte ist absolut spritzig (im wörtlichen Sinn genommen) und stellt sogar die abschließende Auseinandersetzung in “From Dusk Till Dawn” in den Schatten, wobei man fast meinen möchte, dass Regisseur Rodriguez sich hier nicht nur für diese Sequenz so manche Inspiration geholt hat. Geradeaus nach vorne, gehörige Gewaltschlagseite und alles in allem eine runde Sache.

    Weiter geht es dann mit der Titelgeschichte. Wesentlich kürzer ausgefallen als der Auftakt ist hier die Atmosphäre zwar noch etwas dichter, aber dafür fehlte mir etwas die Spannung, auch der Actionfaktor ist hier deutlich geringer ausgefallen als in der ersten Story. “Die Straße der Toten” ebnet dabei aber den Weg für die Entwicklung des Reverends, der von Geschichte zu Geschichte etwas düsterer, blasphemischer und misanthropischer zu werden scheint. Auch die Idee um die Wiedergänger war interessant und somit kann man auch “Straße der Toten” nicht als Ausfall bezeichnen.

    Werwölfe! Im Wilden Westen! Ohne romantisch verklärten Mist! Das ist was! “Das Gentlemen’s Hotel” ist wieder mehr an die erste Story des Bandes angelehnt, actionreich und blutig. Dazu kommt eine ziemlich beklemmende, fast schon klaustrophobische Atmosphäre, die passt wie die Faust auf’s Auge. Und man beginnt sich zudem langsam die Frage zu stellen, wie der gute Jebediah seinen Pferdeverbrauch nur finanzieren kann.

    Der Tiefpunkt von “Straße der Toten” war für mich dann die vorletzte Geschichte, “Schleichender Himmel”. Zwar ist die Stimmung hier nicht schlecht, vor allem die Atmosphäre ist wie in der vorangegangenen Story sehr beklemmend, allerdings blieb hier für mich die Spannung doch sehr auf der Strecke, irgendwie fehlte das Mitfiebern mit den Figuren. Schade, denn prinzipiell wäre hier mit Sicherheit mehr möglich gewesen.

    Zum Abschluss geht es dann in “Tief unter der Erde” in die finsteren Schächte eine Silbermine. Jeb entwickelt langsam wieder etwas menschlichere Züge und auch der lansdaletypische Humor blitzt hier etwas öfters durch. Da er seinem Protagonisten wieder einiges von dessen Ernst genommen hat funktioniert das auch ganz gut und somit ist die Jagd auf eine Horde Goblins (!) zwar kein krönender, zumindest aber ein versöhnlicher Abschluss für einen unterhaltsamen Story-Band.

    Fazit:

    “Straße der Toten” lebt alles in allem in erster Linie von seiner düsteren Hauptfigur Reverend Jebediah Mercer und dessen Auslegung der Bibel und von Gottes Gesetzen. Zynisch, brutal und alles andere als kirchenkonform metzelt er sich durch die 5 zumeist recht blutigen Geschichten, die zumeist auch auf einem recht guten Niveau liegen. Einziger Einknicker ist “Schleichender Himmel”, was man aber auf Grund der sonstigen Qualitäten des Buches durchaus verkraften kann.

    Eine Besprechung von www.review-corner.de

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Geheimakte Aton (ISBN: 9781496112101)

    Bewertung zu "Geheimakte Aton" von André Milewski

    Geheimakte Aton
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: In bester Indiana Jones-Tradition actionreich, spannend und etwas pulpig sollten Fans der Filme hier mal reinlesen.
    Schöne Homage an den wohl bekanntesten Film-Archäologen der Welt

    Es ist ja immer wieder so, dass man die kleinen Geheimtipps quasi nebenbei zu Gesicht bekommt. Sei es auf Facebook, über eine Bannerwerbung oder wie in diese Fall durch eine Leserunde auf whatchareadin (übrigens immer einen Besuch wert). Das Cover hat mich als alten Indiana Jones-Fan ja direkt angesprochen und irgendwie versprach der Titel eine interessante Mischung aus Mr. Jones, Uncharted-Drake und, zumindest dem Titel nach, den Geheimakte-Adventures. Mehr als ein guter Grund also, nicht nur einen Blick darauf zu werfen, sondern sich den Roman komplett zu Gemüte zu führen.

    Man wird als Leser von “Geheimakte Aton” auch schnell mitten ins Geschehen geschoben. Milewski beginnt vom Start weg, eine action- und spannungsreiche Geschichte zu erzählen, die dabei allerdings sehr offensichtlich auf den Pfaden des berühmten Archäologen mit der Peitsche wandert. Das beginnt bei dem liebevoll gestaltenen Cover mit dem farblich eindeutig passenden Schriftzug und hört bei den Gegenspielern des jungen Max Falkenberg (Alt-Nazis) auf. Manch einer mag diesen Umstand nun als blindes abkupfern abtun, ich für meinen Teil empfand es während des Lesens viel mehr als eine Verneigung vor einer der wohl beliebtesten und bekanntesten Filmfiguren überhaupt, Kenner der Filme werden noch die eine oder andere weniger offensichtliche Anspielung entdecken, die dem beiläufigen “Beobachter” so vermutlich gar nicht ins Auge fallen wird. Dem Autoren gelingt es gut, dem Plot Drive zu geben und nebenbei auch so manchen geschichtlichen Hintergrund sehr gut mit seiner Phantasie zu verweben und zudem, besonders nach dem Eintreffen der Hauptfiguren in Ägypten auch eine tolle Atmosphäre zu schaffen, die der des offensichtlichen Vorbildes mitunter schon ziemlich nahe kommt.

    Die Figuren sind dabei ebenfalls gut gelungen, auch wenn man hier natürlich keine Wunder erwarten sollte. Die Rollen sind genretypisch verteilt, man hat es also mit ganz klaren Gut-/ Böse-Zeichnungen zu tun – denkt man zumindest über weite Strecken und liegt nicht ganz falsch damit. Dennoch hat der Autor zum Finale hin eine faustdicke Überraschung in der Hinterhand, die so zumindest für mich nicht abzusehen war und deswegen nur umso besser funktioniert hat. Etwas schade fand ich hingegen, dass es einige Anleihen und Querverbindungen zum mir (noch) nicht bekannten Vorgänger “Geheimakte Labrador” gibt, die andeuten, dass die Hauptfiguren eine sehr viel längere Bekanntschaft haben, dabei jedoch so manche Frage offen lässt. Was bei mir noch für Neugier sorgt, mag für so manch anderen ein Hemmnis sein, welches Milewski vielleicht besser hätte umschiffen können. Alles in allem funktionieren die Charaktere jedoch genau so wie sie sollen: man baut Sympathien zu Max und Joe auf, findet die Deutschen ziemlich doof und bleibt dabei trotzdem hochzufrieden, man wusste ja schließlich von vornherein, worauf man sich eingelassen hat.

    Stilistisch kann man André Milewski nichts vorwerfen. “Geheimakte Aton” ist natürlich kein kulturell hochwertiges Stück Literatur – will es aber auch gar nicht sein. Der Roman hat seine Wurzeln ganz offensichtlich im klassischen Abenteuerroman, den bekannten Filmvorlagen und (so kann man der Danksagung des Autoren ebenfalls entnehmen) im Comicbereich. Und diese Wurzeln transportiert auch Milewskis Stil. Schnell und gut auf den Punkt, passend zur actionreichen Handlung sehr eingängig geschrieben unterhält der Roman von Anfang bis Ende. Dazu kommen immer wieder eingewobene historische Fakten und Mythen, die vom Autoren natürlich noch etwas ausgebaut werden um eben das klassische “Adventure”-Feeling aufkommen zu lassen. Und das haut hin.

    Fazit:

    “Geheimakte Aton” geht von Anfang an ganz offen mit den nüchternen Fakten um: “Für alle Fans von Indiana Jones, Pulp-Stories & „klassischer“ Abenteuergeschichten!”, so steht es schon auf dem Buchrücken – und diese wenigen Worte bringen es tatsächlich auch unglaublich gut auf den Punkt. Das Buch ist eine Hommage an die großen Helden des Abenteuer-Genres, lässt dabei aber eine gewisse Eigenständigkeit nicht vermissen und kann den Leuten, die sich von dieser Headline auch tatsächlich angesprochen fühlen ohne schlechtes Gewissens ans Herz gelegt werden. Leuten wie mir also – ich habe es jedenfalls definitiv nicht bereut.

    Eine Besprechung von www.review-corner.de

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Karl - ausgeliefert (ISBN: 9783943795905)

    Bewertung zu "Karl - ausgeliefert" von Bernhard Giersche

    Karl - ausgeliefert
    burnedeyezvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Ein ungewöhnlicher, sehr psychologischer Thriller, der Abgründe beleuchtet und bis zum Schluss super unterhält.
    Un- wie auch außergewöhnliche Thriller-Kost

    Gut, ich gestehe: der Titel lässt nun so manches vermuten. Entwarnung vorab: “Karl – Ausgeliefert” hat weder etwas mit Kurierdiensten noch mit irgendwelchen seltsamen BDSM-Praktiken zu tun. Tatsächlich handelt es sich hier um einen Thriller aus der Feder Bernhard Giersches, dessen Erstling “Das letzte Sandkorn” schon sehr gut bei mir angekommen ist. Keine Frage also, dass ich trotz der grundlegend anderen Thematik einen Blick auf das Buch werfen musste, schon alleine um zu sehen, ob der Autor auch abseits der phantastischen Stoffe zu unterhalten weiß.

    Generell sollte man schon vom Start weg sagen, dass es sich bei diesem Roman nicht unbedingt um einen Thriller im klassischen Sinn handelt. Bei “Karl – Ausgeliefert” stehen nicht die Verbrecher beziehungsweise die Jagd nach ihnen im Vordergrund, sondern vielmehr die Tat an sich und die Auswirkungen, die sie auf die unmittelbar Betroffenen sowie deren gesamtes Umfeld hat. Giersche gelingt es hierbei vom Start weg, den Leser in ein morbides Spiel rund um Macht und Geld hinein zu ziehen, ihm immer wieder mit einem lässigen Fingerzeig in eine bestimmte Richtung zu schicken – und ihn dann kurz darauf feststellen zu lassen, dass er in eine gänzlich falsche Richtung gedacht hat. Das Ergebnis sind diverse spannende und unvorhersehbare Wendungen, die auch tatsächlich bis zum Schluss hin dafür sorgen, dass man immer wieder auf Glatteis wandert, sich in falschen Ideen verrennt und letztlich wieder überrascht wird. Das lässt den Kniff des Autoren, den Ausgang der Entführung schon im Prolog vorweg zu nehmen noch einmal in einem ganz speziellen Licht erscheinen, da der Leser ja eigentlich schon weiß, was passieren wird. Die Atmosphäre des Romans ist von Anfang bis Ende bitterböse und sehr dicht.

    Die wahre Stärke des Buches sind aber die Figuren. Giersche präsentiert uns in “Karl – Ausgeliefert” Psychopathen jeglicher Couleur. Er sorgt dafür, dass man die Charaktere, vor allem den Titel”helden” zu hassen beginnt, ihn verachtet und ihn dabei dennoch irgendwie für sein abgebrühtes und absolut kalkuliertes Verhalten bewundern muss. Sympathien kommen dabei natürlich keine auf, aber ich denke auch nicht, dass das die Intention des Autoren gewesen ist. Auch die weibliche Hauptfigur, zunächst als mausgraue Sekretärin eingeführt, zeigt dabei immer mehr und immer düstere Facetten aus ihrem Charakter, die auf der einen Seite absolut erschreckend sind, auf der anderen aber auch für ein sehr gut funktionierendes Wechselspiel zwischen ihr und Karl sorgt. Beide werden mit einem glaubwürdigen und nachvollziehbaren Hintergrund ausgestattet, was sie nur noch tiefgründiger wirken lässt und diese Gratwanderung zwischen Abscheu und Bewunderung überhaupt erst ermöglicht. Die Nebenfiguren sind dagegen recht blass, erfüllen aber ihren Zweck: die Story voran zu treiben. Und natürlich auch, den Leser immer wieder in die unterschiedlichen gedanklichen Sackgassen zu lotsten.

    Stilistisch kann man sich über Bernhard Giersche ebenfalls nicht beschweren. Man merkt “Karl – Ausgeliefert” deutlich an, dass auf der einen Seite ein gesundes Hintergrundwissen um die menschliche Psyche vorhanden ist, auf der anderen aber auch einiges an Recherche investiert wurde. Gekonnt werden so zum Beispiel historische Fakten aufgegriffen und für die Geschichte mit einem fiktiven Ereignis verwoben. Dazu kommt ein sehr eingängiger Schreibstil, der gut lesbar ist, ein sehr angenehmes und zum Roman passendes Tempo anschlägt – und auch, anders als noch bei der Erstauflage des “Sandkorns”, nicht durch die Veröffentlichung eines teillektorierten Manuskripts mit häufigen Fehlern den Lesefluss stört.

    Fazit:

    “Karl – Ausgeliefert” ist ein deutliches Zeichen dafür, dass gute Thriller nicht zwangsläufig aus dem englischen Sprachraum kommen müssen. Bernhard Giersche präsentiert mit seiner zweiten Veröffentlichung einen Roman, der tiefschürfend ist, Fragen aufwirft und den Leser mit starken Figuren und einer unvorhersehbaren, wendungsreichen Geschichte dauerhaft bei der Stange hält. Ja, “Karl” ist mit Sicherheit ungewöhnlich, keine leichte Kost und auf keinen Fall ein herkömmlicher Thriller. Dennoch ist das Buch von Anfang bis Ende absolut unterhaltsam und lässt mich nach dem ebenfalls sehr lesenswerten Debüt Giersches zu der Erkenntnis kommen, dass wir es hier mit einem der interessantesten deutschen Jungautoren zu tun haben, von dem man sicherlich noch mehr erwarten darf.

    Eine Besprechung von www.review-corner.de

    Kommentieren0
    5
    Teilen

    Über mich

    • 04.06.2013

    Lieblingsgenres

    Science-Fiction, Historische Romane, Fantasy, Krimis und Thriller

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks