graefinrockula

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Das Erbe (ISBN: 9783328104025)

    Bewertung zu "Das Erbe" von Ellen Sandberg

    Das Erbe
    graefinrockulavor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Überfrachtete Handlung, wenig Tiefe, schlecht recherchiert. Achtung Spoiler in der Rezension
    Quantität statt Qualität

    Achtung Spoiler!



    IIch lese historische Romane unglaublich gerne. Die Möglichkeit durch Fiktion der Geschichte etwas näher zu kommen ist generell ein Konzept, dass ich für Geschichtsvermittlung sehr gut finde. Auch das Thema der Rückerstattung von Immobilien klang auch in der heutigen Zeit wichtig und richtig. Leider hat mir der Roman überhaupt nicht zugesagt. Aufgrund der flachen Figuren, überfrachtete und hanebüchene Handlung und teilweise schlechte Recherche wurde mein Lesevergnügen geschmälert.


    Zu den Figuren

    Mona ist die Protagonistin und ein typisches Abbild einer naiven jungen Frau. Sie wird als Gutmensch von ihrem Umfeld betitelt, sucht sich Männer aus, die sie kleinhalten und lässt sich ziemlich verarschen. Anhand von Mona kann man schon sehr deutlich sehen, wie stereotyp die Figuren sind. Mona hat keine Ambivalenzen, die diese Figur interessant machen könnten. Dasselbe gilt für Timon/Charly. Der perfekte Typ der ihr Herz zum schmelzen bringt und oh Überraschung sie verarscht. Biene, die Hart IV Empfängerin, die sauer auf alle ist und ihr Reichtum verprasst. Über die stereotype von Monas Familie möchte ich hier gar nicht mehr reden. Dabei fehlt den Figuren an Tiefgründigkeit und wahren Erkenntnissen: Gerade bei der Aufarbeitung der Familiengeschichte im Nationalsozialismus als Täterfamilie empfindet man nicht nur 1 Minute Scharm und geht danach eine neue Küche shoppen: Die empfundene Schuld lastet auf den Schulter, sodass man sich schwerer fühlt; Übelkeit kriecht einen durch den ganzen Körper und Scham erfüllt einen sobald es um das 3. Reich geht. Diese Tiefe konnte allerdings durch die überfrachtete Handlung nicht entstehen.


    Die Handlung

    Die Handlung erscheint künstlich verkompliziert. Handlungslogisch werden die Probleme mit Monas Familie nicht benötigt und verkomplizieren die Handlung unnötig. Gerade durch die nicht aufgearbeitete Geschichte mir ihrer Mutter. Weniger Namen, weniger offensichtliche Verstrickungen hätten der Handlung gutgetan und dem Text vielleicht mehr Tiefe gegeben. Auch die plottwist waren nicht überraschend, da es ziemlich schnell klar war, dass Timon Charly sein muss. Gerade die völlig plakativen und unlogischen Handlungen für den Sensationszweck haben mich aus der Illusion der Fiktion herausgenommen.


    Recherche

    In der Erzählung finden sich einige faktische Fehler (dabei recherchiere ich maximal 10 Minuten, da ich diese 10 Minuten Recherche auch von Autoren erwarten kann)

    1. DriveNow hat einen relativ kleinen Geschäftsbereich und man kann mit den Wagen nicht nach Otterfing rausfahren.
    2. Damit eine Leiche eine Mumifikation erlebt, muss diese entweder luftdichtverschlossen gelagert sein (hier nicht gegeben) oder in mildem Klima und Wind austrocknen. Außerdem muss es dabei eine Möglichkeit geben, dass die Flüssigkeit abläuft. Ich denke nicht, dass der Dachboden dafür geeignet war, da Insekten und Aasfresser natürliche Feinde der Mumifikation sind. Die kalte und trockene Luft, die für die Mumifikation im Jahr 1949 gegeben sein müssten, lassen sich durch oberflächliche Recherche der Klimadaten nicht bestätigen, da der Winter wohl recht mild gewesen sei. Es ist doch ziemlich Unwahrscheinlich, dass es zu einer Mumifikation gekommen wäre
    3. Hierbei bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, da ich die Textstelle nicht zurückgefunden habe: Die beste Freundin von Sabines Oma wird m.E. einmal als Doris und einmal als Isolde bezeichnet.
    4. Wie kann eine ernstzunehmende Autorin einen Wikipedia-Artikel als Quelle zitieren? Gar nicht.
    5. Neben faktischen Fehlern gibt es logische Inkonsistenzen. Die beste Freundin wird zweimal erwähnt, trägt allerdings nicht zur Handlung bei. Wer ist Theo? Es werden einfach Figuren aus dem nichts heraufbeschworen und nicht weiterverwendet. Das führt zur Irritation.


    Insgesamt bin ich wirklich unzufrieden mit dem Buch, da meine Erwartungen an einen historischen Roman nicht erfüllt worden. Sowohl die faktischen Grundlagen sind aufgrund der Quellenangabe schlecht recherchiert und auf fiktiver Ebene nicht gut umgesetzt. Als historischer Roman nicht zu empfehlen.



    Kommentare: 4
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    Cover des Buches HERKUNFT (ISBN: 9783630874739)

    Bewertung zu "HERKUNFT" von Saša Stanišić

    HERKUNFT
    graefinrockulavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Grandios, ungewöhnlich und bewegend
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    Cover des Buches Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke (ISBN: 9783442484386)

    Bewertung zu "Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke" von Karen Joy Fowler

    Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke
    graefinrockulavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Geschichte über Toleranz, Mitgefühl und Verantwortung gegenüber allen Lebewesen auf der Welt.
    Der Welt den Spiegel vorhalten

    Die fabehlhaften Schwestern der Familie Cooke“ von Karen Joy Fowler ist ein emotionales Buch mit Tiefgang, welches zum Nachdenken anregt.

    Das Buch, welches in der Ich-Perspektive geschrieben ist, beginnt mit einer scheinbar normalen jungen Frau, welche versucht ihr Leben zu ordnen. Das nicht ganz leichte Verhältnis zu ihrer Familie durch das Verschwinden ihrer zwei Geschwister scheint zunächst nachvollziehbar. Durch viele Zeitsprünge wird einem das Ausmaß der Tragödie erst bewusst. Fern und Rosemary wachsen wie Zwillinge auf. Doch Fern verschwindet. Erst im Laufe der Geschichte wird das Geheimnis um Ferns Identität gelüftet. Eine Geschichte über Toleranz, Mitgefühl und Verantwortung gegenüber allen Lebewesen auf der Welt.

    Durch die Ich-Perspektive liegt der Fokus klar bei Rosemary, da Figur und Erzählerrolle zu einem verschmelzen. Eine intelligente, junge Studentin. Der sprachliche Stil der Erzählung passt sich dieser Gegebenheit an und machen diese authentisch. Es werden außerdem sowohl Klassiker der Literatur wie Les Miserables zitiert, als auch Größen der Jugendkultur (Star Wars). Wir erfahren nur langsam Einblick in Rosemarys Innenwelt, auch dies passt zu dem Charakter der gezeichneten Figur. Am Anfang ist dies vielleicht etwas frustrierend, da Rosemary in der Erzählerrolle nicht auf den Punkt zu kommen scheint. Doch genau dieses sprunghafte und teilweise ausweichende macht die Erzählung auch interessant und sorgt dafür, dass man unbedingt weiter lesen möchte.

    Ich persönlich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Allerdings sollte man es in Ruhe und mit Zeit zum Nachdenken lesen. Denn ich empfand das Lesen als eine Art von Katharsis. Rosemary mag nach der Erzählung vielleicht immer noch die unsichere  und sozial etwas unfähige Frau zu sein, doch ich als Leser habe mich definitiv verändert. Ein gelungenes Buch, welches der heutigen Zeit auch an manchen Stellen radikal den Spiegel vorhält.

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    Cover des Buches Fräulein Hedy träumt vom Fliegen (ISBN: 9783458363095)

    Bewertung zu "Fräulein Hedy träumt vom Fliegen" von Andreas Izquierdo

    Fräulein Hedy träumt vom Fliegen
    graefinrockulavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Großartig überraschendes Werk
    Sie wissen erst, wer Sie sind, wenn Sie wissen, was Sie tun, wenn niemand hinschaut ***Spoiler-Warnung***

    ***Spoiler-Warnung***

    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wo ich anfangen soll. Nach dem Cover und dem Klappentext bin ich von einer leichten und fröhlichen Geschichte ausgegangen. Dabei entwickelt sich der Roman in eine ganz andere Richtung. Es werden so viele gute Dinge thematisiert und angesprochen, die dringend mehr in unserer Gesellschaft besprochen werden sollten. Ich kann nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

    Die Figur von Fraulein Hedy ist einfach nur einnehmend. Eine starke Frau, die sich ihre Stärke nicht hat nehmen lassen. Vorallem nicht zu einer Zeit, in der von Frauen ein gegeneiliges Verhalten erwartet wird. Hedy ist starrsinnig und intelligent. Sie weiß sich durchzusetzen und das Leben hat sie gelehrt sich zu nehmen was sie will. Ihre Haushälterin und treue Begleiterin Maria ist ein guter Gegenpol zu der vermeintlichen Härte Hedys und setzt lustige und fürsorgliche Akzente. Jan ist einfach nur Jan. Er hat mit den Widrigkeiten des Lebens zu kämpfen und das große Glück in Hedy eine (Groß-)Mutterfigur gefunden zu haben. Ich finde es vorallem schön zu sehen wie sich die Beziehung zwischen Hedy und Jan im Laufe der Geschichte verändert und vertieft. Gerade Jan macht eine unglaubliche Entwicklung durch, die mit sehr vielen Details und Liebe zur Figur dargestellt wird. Wirklich unsympthatisch und mir leider etwas zu rabiat in die Geschichte eingeführt  wurden ist Nick. Dennoch ist er natürlich für die dramatische Wendung in Jans Leben unabdingbar

    Über die Handlung möchte ich trotz Spoilerwarnung nicht zu viel verraten. Wirklich wichtig zu wissen ist hierbei, dass es sich nicht nur um eine lustige und heitere Komöie handelt. Nachdem Hedy und Jan sich beginnen näher kennenzulernen, beginnt Hedy nach mehreren Jahrzehnten an Jan ihre Lebensgeschichte anzuvertrauen, die mich persönlich aus dem Hocker gerissen hat. Dadurch ist in dem Buch die Situation gegeben, dass eine Erzählung in einer Erzählung geschieht. Die Verknüpfungen und Übergänge sind dabei so fließend gestaltet, dass diese Erzählungen zusammen eine unglaublich spannende und tragische Handlung ergeben. 

     

    Legasthenie

    Ich finde es richtig gut, dass Jan eine nicht diagnostizierte Legasthenie hat. Leider ein Thema über das viele Menschen nicht genug Bescheid wissen. Auch, dass es behandelbar ist und wie es behandelbar ist. Auch die Schritte und die Zeit und die Geduld (die Hedy oft nicht hat) um gegen Legasthenie anzukommen werden sehr detailreich beschrieben. Dafür aufjedefall ein großes Lob.

    Mariuhana & Suizid

    Auch zu den Themen geplanter Suizid und dem medizinischem Mariuhanagebrauch werden in dem Buch Stellung bezogen. Das sich Angehörige von so kranken Menschen wie Nick strafbar machen müssen, um ihren geliebten Familienmitgliedern etwas Schmerzlinderung zu ermöglichen ist einfach nur schrecklich. Auch, dass es in Deutschland keine Möglichkeit gibt sein eigenes Leid in einem so schwerwiegenden Fall wie Nick legal zu beenden, lässt einen in tiefer Nachdenklichkeit zurück.

    3. Reich und die Aufarbeitung

    Leider wird auch heute noch in Deutschland die Verbrechen des einzelnen Familienmitglieds im 3. Reich unter den Teppich gekehrt. Es gibt eine kollektiv Schuld aber was jeder einzelne getan hat, soll bitte nicht erwähnt werden. Der langsame Aufbau der Geschichte, lässt einem mit Hedy mitfühlen. All das Leid und die Ungerechtigkeiten, die ihr widerfahren sind, lässt einem ihre Taten gut verstehen.  Ich finde gerade die langsame Erzählweise durch die Einschübe unglaublich gut gelungen. Durch die Vorgeschichte von ihren Eltern über das Familienleben in Pommern und dann die Veränderungen, die das dritte Reich für sie und ihre Familie bringen, hatte ich das Gefühl Hedy auf eine sehr intime und melancholische Art kennenlernen zu können. Die Erzählung in der Erzählung sorgt für einen stetigen Drang das Buch zuende lesen zu wollen, da ich persönlich wissen wollte wie beiden Erzählungen ausgehen.

    Abschließend kann gesagt werden, dass das Buch trotz seiner sehr lustigen Passagen und seiner leichten und bildhaften Sprache nichts für schwache Nerven ist. Hedys und Jans Geschichte ging mir unter die Haut. Das Buch hält den Lesern einen Spiegel vor. Es hat mich dazu gebracht tiefgrundig über mein eigenes Leben nachzudenken. Ganz nach dem Motto: „Sie wissen erst, wer Sie sind, wenn Sie wissen, was Sie tun, wenn niemand hinschaut.“

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    Cover des Buches Muss es denn gleich für immer sein? (ISBN: 9783442487769)

    Bewertung zu "Muss es denn gleich für immer sein?" von Sophie Kinsella

    Muss es denn gleich für immer sein?
    graefinrockulavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine leichte Sommerlektüre, die mir zu leicht war.
    Leichte Sommerlektüre

    Das Buch "Muss es denn gleich für immer sein" eignet sich hervorragend als leichte Sommerlektüre. Eine mitreißende Liebesgeschichte, die eine kleine Überraschende Wendung nimmt. 

    Insgesamt finde ich die Gestaltung der Figuren Sylvie und Dan ziemlich gut gelungen. Gerade Sylvie Entwicklung von dem kleinen grauen Mäuschen zu einer selbstbewussten Frau finde ich schön. Gerade deswegen finde ich es ein bisschen schade, dass das Buch mit einer so traditionellen Sache wie mit einer Hochzeit endet. 

    Dan mag ich. Allerdings finde ich es naiv wie Sylvie nicht merkt und nicht weiter nachfragt, wie Dans Verhältnis sich zu seinem Schwiegervater verschlechtert.

    Insgesamt habe ich die Lektüre sehr genossen. Allerdings ist mir nach ein paar Tagen Abstand, die ich mir zwischen dem schreiben der Rezension und dem Lesen gerne lasse, nicht viel  sagenswertes in Erinnerung geblieben. 

    Mein Fazit: eine schöne und leichte Sommerlektüre, die allerdings auch keinen großen bleibenden Eindruck hinterlässt. 

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    Cover des Buches Bella Ciao (ISBN: 9783257070620)

    Bewertung zu "Bella Ciao" von Raffaella Romagnolo

    Bella Ciao
    graefinrockulavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Fühlst du ihn, meine Freundin, diesen Frieden? Grandioses Buch auf die Freiheit
    Fühlst du ihn, meine Freundin, diesen Frieden?

    Bella Ciao von Raffaella Romagnollo ist ein vielseitiges, spannendes und emotionales Buch. Es erzählt vom Ersten und Zweiten Weltkrieg aus italienischer Perspektive. Die Kriegsgeschichte wird mit der Geschichte der Freundinnen Giulia Masca und Anita Leone verknüpft. Die beiden Freundinnen werden durch die Wirrungen getrennt und müssen ihr Leben ohne einander leben. Doch am Ende finden Sie in der Vereinigung endlich den Frieden, den sie gesucht haben.

    Dadurch, dass in Deutschland der Erste und Zweite Weltkrieg und die Verstrickungen bzw. Schuld an diesen omnipräsent sind, bleibt leider oft wenig Zeit eine andere Perspektive einzunehmen. Die Erzählung der Familie Leone und Masca/Manfredi ermöglichen es die italienische Geschehnisse dieser Zeit nachzuvollziehen und eine andere Perspektive einzunehmen. Besonders die Frauen der Familie Leone und die Marchessa Adelaide widersetzen sich dem Regime und trotzen trotz schwerer persönlicher Verluste und Trauer den Faschisten.

    Aus feministischer Perspektive lohnt sich die Lektüre. Die Erzählung nimmt verschieden point of views ein. Darunter auch mehrere weibliche Blickpunkte. Der Blick auf Kampf, Krieg und Durchhalten und wie die Frauen sich in dieser Zeit emanzipieren, da Ihnen keine andere Wahl bleibt ist gut beschrieben. Besonders Adelaides Entwicklung von der Marchessa zur starken Frau und Gutsherrin ist absolut beeindruckend. Doch nicht nur Frauen bekommen eine starken Blickwinkel auch das Leid der Männer und auch derer, die es nicht aushalten in der Krieg zu ziehen, wird gezeigt.

    Von den Männerrollen hat mir besonders Adelmo gefallen. Der Prototyp eines Antihelden. Zu feinsinnig, sanft und liebevoll für den brutalen Krieg, der lieber den Tod wählt als den Krieg.

    Stilistisch ist hervorzuheben, dass Bella Ciao feinsinnig, detailreich und ruhig geschrieben wurde. Durch die Wechsel der point of view, die manchmal nicht mal durch Absätze markiert sind, wird die Verstrickung der Handlungsstränge nicht nur auf inhaltlicher, sondern auch auf stilistischer Ebene dargestellt. Die Figuren werden tiefgründig vorgestellt und entwickeln sich im Laufe der Handlung.

    Neben diesen gesellschaftlichen Themen ist es auch eine wunderbare Geschichte über Familienzusammenhalt, Freundschaft und, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels geben wird. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für historische Stoffe in Verbindung mit gesellschaftlichen Themen interessiert.

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    Cover des Buches Das flüssige Land (ISBN: 9783608964363)

    Bewertung zu "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer

    Das flüssige Land
    graefinrockulavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Buch hat viele Ebenen, die sich durch die unzuverlässige Erzählerin vermischen, denn auch die Erzählung ist flüssig.
    Das flüssige Land, welches die Erzählung nicht greifbar macht.

    Die Erzählung das flüssige Land von Raphaela Edelbauer ist eine spannende Erzählung, die unglaublich reich an Metaphern ist und sowohl als eine Beschreibung für den Umgang mit Trauer, eine Gedankenwelt unter Drogeneinfluss, eine Gesellschaftskritik, eine kreative Umsetzung von physikalischer Zeittheorie oder als Vergangenheitsbearbeitung einer Täter-Familie aus dem 3. Reich gelesen werden kann. Vorweg: Mir hat die Erzählung gut gefallen, obwohl es zwischen durch etwas langartmig war. Denke allerdings auch, dass man diese Art von Erzählung mögen muss.

    Die Handlung

    Ruth ist eine theoretische Physikerin, welche schon seit vielen Jahren an ihrer Habilitationsschrift über Zeit schreibt und im Zuge dieser anscheinend den Kontakt zur Außenwelt langsam verliert. Es wird aus ihrer Sicht im Ich-Erzähler erzöhlt. Der Leser, weiß maximal so viel wie Ruth weiß, teilweise sogar weniger. Es scheint so, dass man Sie nur sequenzweise und lückenhaft wahrnimmt. Durch den Tod Ihrer Eltern begibt sie sich auf die Suchen ihrer Ursprungsgeschichte. Dabei wird die Groß-Einland Erzählung, von der Erzählung aus dem scheinbaren "Hier" gerahmt. Auf Ruths Suche nach dem Heimatdorf übertritt sie durch den Wald - auch hier wird ein Wald als Grenzüberschreitung verwendet, wie es schon seit der Literatur des Mittelalters getan wird - und übertritt die Grenze oder Schwelle nach Groß-Einland. Ab hier beginnt sich ein klarer Handlungsverlauf aufzulösen und die Erzählung ist seriell und nicht kausallogisch aneinder gereiht.

    Von hier an werde ich deswegen auch nicht die Handlung weiter beschreiben, sondern eher auf die verschiedenen Metaphern eingehen. Ich lese Groß-Einland dabei als eine Metapher für Ruths Inneres und wie es ihr geht. Sie zieht sich in sich selbst - und damit nach Groß-Einland - zurück.

    Umgang mit Trauer: Das Loch in Groß-Einland kann als emotionales Loch verstanden werden, in welches man hineinfällt, wenn geliebte Menschen sterben. Immer wieder wird auch erzählt, dass Menschen in dem Loch verschwinden und sterben. Durch das Loch gerät ganz Groß-Einland ins Wanken. Die Häuser und Straßen gehen kaputt, man verliert wortwörtlich den Boden unter den Füßen. Erst nachdem sie akzeptiert hat, dass ihre Eltern tot sind, kann sie in die normale Welt wieder zurückkehren.

    Gedankenwelt unter Drogeneinfluss: Immer wieder wird erwähnt, dass Ruth unter Medikamenten steht. Sie denkt sich ihre eigene Welt aus, baut sich ihre eigene Welt auf und nimmt diese als Realität war. Sie entwickelt eine Paranoia und fühlt sich missverstanden und verfolgt. Die Handlung enthält immer wieder größere Sprünge und Lücken, als ob es ein Gedächnisverlust  unter dem Einfluss von Drogen gegeben hätte.

    Gesellschaftskritik: In Groß-Einland geht jeder exakt den gleichen Dingen nach und möchte nicht gestört werden. Niemand hinterfragt, warum die Dinge so sind wie sie sind. Kaum jemand lässt Kritik zu. Die einzelnen Figuren sind - wie auch von der Erzählerin selbst beschrieben - eher flache Abbilder eines Rollentypus wie in der commedia dell'art. Ein Beispiel wäre es, dass aus dem nichts Anita zur besten Freundin wird, die Ruth auch sofort wieder verliert. Die komische Gräfin, die absolut nicht greifbar ist oder der nervige Mann, der nicht akzeptieren kann, dass Ruth kein Interesse an ihm hat.

    Kreative Umsetzung von physikalischer Zeittheorie: Ich kenne mich zu wenig mit Zeittheorie aus, um beurteilen zu können, ob diese gut umgesetzt wurde, allerdings fand ich es auffällig, dass die wenigen erklärten Stücke dieser Theorie in der Erzählung Einflüsse finden. Es gibt Zeitsprünge, die kaum behandelt werden. Die Erzählzeit ist kaum greifbar und dadruch entsteht das Gefühl, dass alles parallel stattfindet.

    Vergangenheitsbearbeitung einer Täter-Familie aus dem 3. Reich:
    Aus persönlicher Erfahrung heraus finde ich diese Beschreibung sehr gelungen. Immer wieder findet Ruth bruchstücke von Wissen, dass sich aber kaum verifizieren lässt. Man dreht sich im Kreis, die meisten Menschen wollen die zeit lieber Ruhen lassen und nicht daran erinnert werden. Auch hier ist das Loch eine gute Metapher für das schwarze Loch, dass nach und nach alle Informationen über die Zeit verschluckt und dennoch umso mehr man darüber schweigt, umso mehr Einfluss hat es auf sein eigenes Leben. Leider werden die Recherchen am Ende dem schwarzen Loch übergeben. Gerade in der heutigen Zeit, hätte ich es besser gefunden, darauf zu verweisen, dass diese Vergangenheitsbewältigung einer Täterbiographie eine wichtige Aufgabe ist.

    Fazit
    Mir hat die Lektüre ingesamt gut gefallen. Einen Stern ziehe ich dennoch an, da es auf den letzten Seiten echt zähflüssig wurde. Insgesamt verspricht die Erzählung, was sie ankündigt: eine Geschichte die fließt und wie Wasser immer dann wenn man es greifbar machen will zwischen den Händen zerinnt.

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    Cover des Buches Die unendliche Geschichte (ISBN: 9783522202039)

    Bewertung zu "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende

    Die unendliche Geschichte
    graefinrockulavor 4 Jahren
    Cover des Buches Das Parfum (ISBN: 9783257016789)

    Bewertung zu "Das Parfum" von Patrick Süskind

    Das Parfum
    graefinrockulavor 4 Jahren
    Cover des Buches Der Vorleser (ISBN: 9783257060652)

    Bewertung zu "Der Vorleser" von Bernhard Schlink

    Der Vorleser
    graefinrockulavor 4 Jahren

    Über mich

    • 03.04.2019

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