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    Cover des Buches Léon und Louise (ISBN: 9783423141284)

    Bewertung zu "Léon und Louise" von Alex Capus

    Léon und Louise
    gstvor 9 Stunden
    Kurzmeinung: Alex Capus erzählt von einer großen Liebe, die auch lange Trennungen überdauerte. Geschichtsrächtig und menschlich, ohne Kitsch.
    Liebe mit Hindernissen

    Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag: Léon le Galls Beerdigung in Notre-Dame. Kinder, Enkel und Urenkel verlieren sich fast in der großen Kirche und halten den Atem an, als eine Gestalt, leichtfüßig wie ein junges Mädchen, zum Sarg geht und sich liebevoll vom Verstorbenen verabschiedet. Alle wissen, dass das Louise ist, obwohl sie nicht zur Familie gehört.


    Nun rollt Léons Enkel die Geschichte seines Großvaters auf: Der war beim Kennenlernen erst 17 und hatte wohl gehofft, sein Leben mit ihr zu verbringen. Doch der erste Weltkrieg trennte sie durch einen Granatenhagel und die Suche nacheinander blieb ergebnislos. Erst nach zehn Jahren, als Léon schon Familienvater war, half der Zufall auf die Sprünge. Da war es für ein gemeinsames Leben schon zu spät. Trotzdem erhielten sie ihre Liebe über Jahrzehnte hinweg.


    Abgeklärt und humorvoll erzählt der Enkel, wie er sich die Geschichte ausgemalt hat. Ein paar Hinterlassenschaften halfen ihm, ein schlüssiges Konzept zu erarbeiten. Als Leserin kann ich mir durchaus vorstellen, dass es so gewesen sein könnte. Gut herausgearbeitet ist das Pariser Leben zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Mir hat es Spaß gemacht, Léon durch seine Stadt zu begleiten und ein wenig französisches Lebensgefühl zu spüren.


    Alex Capus‘ Art zu schreiben ist ansprechend und geradlinig. Profundes Geschichtswissen lässt uns Leser in eine Zeit abtauchen, die uns zum Glück erspart geblieben ist.

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    Cover des Buches Leinsee (ISBN: 9783257070149)

    Bewertung zu "Leinsee" von Anne Reinecke

    Leinsee
    gstvor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Ein erstaunlicher Roman, der Träume eines jugendlichen Fans auf eine ausgefallene Weise weiterspinnt. Mit viel Phantasie geschrieben.
    Farben des Lebens

    Was für ein Roman! Nach Schließen des Buches weiß ich nicht, welche der Protagonisten ich als Hauptperson ansehen soll. Bis zur Hälfte dachte ich noch, es ginge vor allem um Karl. Der Sohn eines berühmten Künstlerpaares wirkt von Anfang etwas durchgeknallt. Aber Künstler dürfen so sein. Sie wollen sich, wenn sie erfolgreich sind, schließlich von der Allgemeinheit abheben. Dabei spielt es keine Rolle, ob uns ihre Kunst oder Lebensart gefällt.

    Ausführlich geht die Autorin auf Karls Entwicklung ein, die schon früh ohne die Eltern stattfinden musste, da für ihn kein Platz zwischen ihnen war. Nun liegt die Mutter mit einem Hirntumor im Krankenhaus, der Vater hat sich aus Verzweiflung das Leben genommen. Karl muss nach Leinsee in die elterliche Villa fahren und sich um den Nachlass kümmern. Dabei wird er von der achtjährigen Tanja beobachtet. Im Kirschbaum sitzend lässt sie ihn kaum aus den Augen. Das gefällt Karl, die beiden freunden sich an und machen sich kleine Geschenke. - Nein, es geht nicht um Kindesmissbrauch, auch wenn sich so manche Leserin davor fürchtete. -

    Nach Jahren, die Karl in Berlin verbrachte, kehrt er ins Elternhaus zurück. Ab dieser Stelle ändert sich der Erzählton – oder war es meine Leseeinstellung? Ab hier hat mich das Buch verzaubert. Hier wurde es sehr deutlich, dass Karl versucht, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei verändert er sich – doch der Wunsch, seine Kindheit nachzuholen, scheint immer wieder durch.

    Allerdings wird Tanja erwachsen und will ihre Träume leben. Dieser Abschnitt erinnerte mich an Jugendliche, die ihren Idolen nachstellen und davon träumen, von ihnen wahrgenommen zu werden. Nun liest sich das Buch wie eine wundervolle Phantasiereise und löst alles auf, was zuvor etwas sperrig wirkte.

    Fazit: Obwohl ich mich anfangs noch fragte, ob ich das Buch wirklich bis zum Ende lesen soll, hätte ich es ausgesprochen schade gefunden, das Ende nicht mehr mitbekommen zu haben. Mir hat es gefallen!

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    Cover des Buches Beim Leben meiner Schwester (ISBN: 9783492258081)

    Bewertung zu "Beim Leben meiner Schwester" von Jodi Picoult

    Beim Leben meiner Schwester
    gstvor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Dieser Roman über das Leben mit einem todkranken Kind regt sehr zum Nachdenken über schwierige Entscheidungen an.
    Zehn harte Tage - und noch mehr

    Wie kann es soweit kommen, dass eine 13jährige ihre Eltern anklagt und durch einen Gerichtsbeschluss erreichen will, nie mehr Organe für die Schwester spenden zu müssen? Anna hat das Gefühl, nur als Ersatzteillager für ihre drei Jahre ältere, leukämiekranke Schwester gezeugt worden zu sein.

    Jodi Picoult hat aus diesem Stoff einen nachdenkenswerten Roman geschaffen. Zehn Tage lang begleitet sie die fünfköpfige Familie und gibt dem Leser Einblick in unterschiedlichen Befindlichkeiten. Indem sie in sechs verschiedene Erzähler (Anna, Mutter Sara, Vater Brian, Bruder Jesse, Rechtsanwalt Campbell und Verfahrenspflegerin Julia) schlüpft, gelingt ihr ein umfassendes Bild der wirklich nicht einfachen Situation. Hier stehen sich unterschiedliche Einstellungen, Hoffnungen und Wünsche gegenüber. Mir als Leserin war es nicht möglich, mich auf eine Seite zu schlagen. Ich war nur froh, niemals in so einer verzwickten Lage gewesen zu sein.

    Das Einzige, was mich an diesem Roman störte, war die Einfügung einer alten Liebesgeschichte zwischen Campbell und Julia. Die war in meinen Augen überflüssig und hat nur dazu gedient, dem Buch noch ein paar Seiten hinzuzufügen. Dabei war das Thema an sich so brisant, dass es mich als Leserin zur Genüge aufgewühlt hat.

    Fazit: lesenswert.

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    Cover des Buches Der letzte Satz (ISBN: 9783446267886)

    Bewertung zu "Der letzte Satz" von Robert Seethaler

    Der letzte Satz
    gstvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Mir war das Büchlein zu dünn - gern hätte ich mehr über Gustav Mahlers Leben erfahren
    Gustav Mahlers letzte Reise

    Wie fühlt sich ein Mann, der spürt, dass seine letzte Stunde naht? Robert Seethaler versucht sich in diesem Büchlein dem Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler anzunähern. Dazu greift er diverse Erinnerungen an ein relativ kurzes, dafür intensives Musikerleben heraus. Die könnten den Fiebernden auf seiner letzten Ozeanüberquerung begleitet haben. Während sich seine Frau Alma und die Tochter Anna im Schiffsrumpf vergnügen, sitzt er warm eingehüllt und von einem Schiffsjungen umsorgt an Deck und sinniert über sein Leben nach.

    Sicher ist das auch eine Art, eine Biografie zu schreiben. Doch mir war das zu wenig. Mich hat das Büchlein allerdings neugierig darauf gemacht, mehr über Mahlers Leben zu erfahren. Denn hier sind nur wenige Abschnitte erwähnt und die für meinen Geschmack zu kurz, zu oberflächlich. Bei mir entstanden mehr Fragen als Antworten; was ich schade fand.

    Lag das an meinen Erwartungen? Eigentlich verspricht der Titel genau das, was im Buch beschrieben ist: Die Entstehung des letzten Satzes. Nachdem die Sprache des Autors gut zu lesen war, gebe ich ihm gerne nochmal eine Chance. Dies war mein erstes Buch von Robert Seethaler, dessen bisher erschienen Bücher bei den meisten Lesern sehr gut ankamen. Mal sehen, ob ich mit ihm auch warm werde.


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    Cover des Buches Pfaueninsel (ISBN: 9783442749836)

    Bewertung zu "Pfaueninsel" von Thomas Hettche

    Pfaueninsel
    gstvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Neben dem Inhalt ist auch die äußere Aufmachung des Hardcovers außergewöhnlich.
    Träumen von früheren Zeiten

    Was für ein Buch! Schon die Aufmachung des Hardcovers hat mich begeistert: Gebunden in seidenglänzendes, blaugraues Leinen und weiß bedruckt, ist das in-der-Hand-halten ein haptisches Erlebnis! Fragt nicht, wie oft ich das Buch von außen bewundert und liebevoll gestreichelt habe! Die äußere Aufmachung, die so sehr vom heute gewöhnlichen Aussehen mit Schutzumschlag abweicht, passt wundervoll zum Inhalt. Denn der erzählt eine historische Geschichte von der Pfaueninsel, deren Lage in der Havel bei Berlin auf der Innenseite des Umschlags zu finden ist.

    Als Leitfigur für seinen Roman hat der Autor das Schloßfräulein Marie gewählt. Die Kleinwüchsige war sechs Jahre alt, als sie zusammen mit ihrem Bruder Christian (ebenfalls ein Zwerg) auf die Insel kam. Sie erlebte in ihrer Lebenszeit, wie das künstlich geschaffene Paradies sich im 19.Jahrhundert innerhalb von zirka 75 Jahren immer wieder veränderte: von einer landwirtschaftlich genutzten Fläche in einen Paradiesgarten mit Menagerie bis zum teilweisen Verfall.

    Soweit die historischen Tatsachen. Das Märchen, das der Autor daraus gemacht hat, erzählt uns eine Geschichte, die teilweise zu Tränen rührt, ohne kitschig zu sein. Wir Leser werden nicht nur mit dem Leben der Adligen und seinen Auswüchsen bekannt gemacht und bekommen einen Eindruck von der damaligen Art zu reisen, sondern erfahren auch von der wichtigen Stellung des Hofgärtners Ferdinand Fintelmann.

    Fazit: Das Buch hat sich in mein Herz geschlichen.

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    Cover des Buches Vom Ende der Einsamkeit (ISBN: 9783257069587)

    Bewertung zu "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells

    Vom Ende der Einsamkeit
    gstvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Das Buch liest sich wie ein Stück Sahnetorte mit Früchten und löst mindestens so viele Emotionen aus.
    Der Erinnerer und Bewahrer

    Der Ich-Erzähler Jules ist durch den Unfalltod seiner Eltern Vollwaise geworden – ebenso wie seine große Schwester und der ältere Bruder. Alle drei kommen ins Internat und verlieren sich dort. Zum Glück freundet sich Alva mit Jules an, doch beiden gelingt es nicht, sich wirklich zu öffnen.

    Das hört sich jetzt trocken an. Doch die Erinnerungen, die bis ins mittlere Erwachsenenleben hineinreichen, lesen sich sehr emotional. An manchen Stellen zog mich die Geschichte so sehr in sich hinein, dass ich das Gefühl hatte, mich selbst darin zu bewegen. Das Buch trieb mir Tränen in die Augen, wühlte mich auf, lässt mich immer noch nicht los.

    So wie das Geheimnis von Jules Vater in seiner Stimme bestand („wie ein unsichtbares Lasso legte sie sich um seine Zuhörer und zog sie näher zu sich heran“ - Seite 17), besteht das Geheimnis des Autors in seinem Stil, der sich auf die gleiche Art beschreiben lässt. Wells schreibt mitfühlend über Höhen und Tiefen im Leben. Erzählt er im ersten Teil des Romans noch die Familiengeschichte und die Zeit im Internat, als die Kinder auseinanderdrifteten, erleben wir Leser im zweiten Teil die erneute Annäherung der Erwachsenen.

    Das Buch behandelt mehrere Themen: Trauer auf verschiedenen Ebenen und vor allem die unterschiedlichen Arten von Liebe. Dabei werden Verlust, Sehnsucht, Schuld, die Suche nach der eigenen Identität, sowie Krankheiten und Angst erlebbar gemacht. Auch wenn das Leben in der Realität all das bereit hält, war es mir zum Ende hin fast zuviel des Guten. Trotzdem hat mich das Buch so tief beeindruckt, dass es bestimmt nicht mein letztes von diesem jungen Autor ist, der mich mit seiner Lebensweisheit und Erfahrung überrascht hat.

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    Cover des Buches Die Dirigentin (ISBN: 9783455009606)

    Bewertung zu "Die Dirigentin" von Maria Peters

    Die Dirigentin
    gstvor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Spielt zu einer Zeit, als Frauen Männern zu gehorchen hatten und die Verwirklichung eigener Träume unerwünscht war.
    Eine starke Frau

    „Männer wollen keine Frauen über sich haben, das ist das Problem“ (Seite 269)


    Vor hundert Jahren hatten es Frauen in Männerberufen noch unendlich schwer. Die Herren der Schöpfung hatten Angst um ihre Macht und ihr Ansehen und liebten Frauen, die sie anhimmelten. Dass Frauen auch Talente haben, davon wollten sie nichts hören.


    Ein leuchtendes Beispiel zeigt Maria Peters in ihrem Roman über Antonia Brico, die in einer Einwandererfamilie unter einer herrschsüchtigen Adoptiv-Mutter aufgewachsen ist. Schon früh musste sie Geld dazu verdienen und landete dabei am Theater, wo sie als Willy Wolters bereits davon träumte, eines Tages ein Orchester zu dirigieren.


    Die Niederländerin Maria Peters, die das Leben der Antonia Brico auch verfilmt hat, versucht sich in ihrem Roman durch die Ich-Perspektive der Innenansicht ihrer Protagonisten zu nähern. Ungewöhnlich dabei ist, dass sie dabei zwischen Willy/Antonia, Robin und Frank wechselt.


    Den nicht gerade einfachen Werdegang der von zwei Männern geliebten Ausnahmekünstlerin habe ich gerne verfolgt. Dabei konnte ich sehen, wie ihr ein extremer Arbeitseifer half, dem Ziel näher zu kommen. Ich genoss das Eintauchen in eine Zeit, in der eine Reise von Amerika nach Europa noch zwei Wochen dauerte und habe voller Spannung miterlebt, wie Antonia Brico nach ihren Wurzeln suchte. In meinen Augen hat die Autorin ein gelungenes Porträt geschaffen.



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    Cover des Buches Das flüssige Land (ISBN: 9783608964363)

    Bewertung zu "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer

    Das flüssige Land
    gstvor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Eine absurde Geschichte, auf die man sich einlassen muss, um sie genießen zu können.
    Ein kafkaeskes Abenteuer

    Die Wiener Physikerin Ruth Schwarz ist erschüttert: Vater und Mutter sind bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Um deren letzten Wunsch zu erfüllen – in ihrem Heimatort begraben zu werden - macht sie sich auf die Suche nach Groß-Einland, das auf keiner Landkarte zu finden ist. Zufällig findet sie den Weg durch unwegsames Gelände, zerstört dabei weitgehend ihr Auto und landet in einer mittelalterlich anmutenden Stadt, deren Marktplatz in unbekannte Tiefen zu stürzen droht.

    Groß-Einland entpuppt sich als Ort mit eigenartiger Faszination. Nicht nur das ehemalige Bergwerk unter dem Ort hat seine Geheimnisse, auch die dort lebenden Menschen sind anders. Statt mit Geld wird hier beispielsweise mit Schuldscheinen gezahlt. Eine Gräfin zieht die Strippen und verwirrt nicht nur Ruth, die sich trotzdem schnell heimisch fühlt und dabei fast ihre ursprüngliche Aufgabe vergisst.. Die Feststellung, dass „es nämlich keine intakte Straße aus der Gemeinde heraus [gab] und nur eine einzige Autobahn, die jedoch aufgrund einer Fehlkonstruktion unglaublicherweise im Kreis führte, also von der Ausfahrt direkt wieder in die die Einfahrt mündete“ (Seite 68), kam ihr gerade recht um zu bleiben.

    Überlegte ich nach 50 Seiten noch, ob ich dieses mit Fremdwörtern (Vexierbild, sonambul, servil) gespickte Buch wirklich bis zum Ende lesen will, fing mich der phantasievolle Schreibstil der Autorin dann doch ein. Die kafkaeske Geschichte entwickelte sich spannend und zog mich immer tiefer hinein. Obwohl ich manche Sätze zweimal lesen musste um sie zu verstehen, hat es sich auf jeden Fall gelohnt, bis zum Ende dran zu bleiben.

    „Das flüssige Land“ gelangte übrigens im August 2019 auf der Shortlist des Deutschen Bücherpreises und im Oktober und November 2019 auf Platz drei der ORF-Bestenliste.

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    Cover des Buches Zwei fremde Leben (ISBN: 9783423262552)

    Bewertung zu "Zwei fremde Leben" von Frank Goldammer

    Zwei fremde Leben
    gstvor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Wie gewohnt hat der Autor auch in diesem Buch die DDR wieder aufleben lassen. Diesmal ging seine Erzählung bis in die Gegenwart.
    Irrwege

    März 1973 in Dresden. Ricarda, die Tochter von Chefarzt Raspe, entbindet. Doch ihr Kind überlebt nicht. Am selben Abend  bringt Thomas Rust seine Frau Heike mit vorzeitigen Wehen ins Krankenhaus. Er selbst darf nur zur Besuchszeit eintreten, weshalb er bis früh morgens frierend vor der Klinik herumlungert und ein Auto mit Berliner Kennzeichen wegfahren sieht. Als er von dem verstorbenen Baby hört, wird der Polizist, der sich selbst als Busfahrer ausgibt, hellhörig und beginnt zu recherchieren.

    Auch Ricarda hat von Zwangsadoptionen gehört und verdächtigt ihren Vater, ihre Tochter weiterverkauft zu haben. Zwanzig Jahre lang kommt sie nicht zur Ruhe, überwirft sich mit den Eltern und zerstört ihre Ehe. Nach der Wende – die jüngere Tochter studiert im Westen – eröffnen sich ihr nochmal neue Möglichkeiten für die Suche nach der Wahrheit.

    Claudia aus Berlin ist 16, als sie aus Jux und Tollerei versucht, 1989 über Ungarn in den Westen zu fliehen. Die Enttäuschung ihrer gutsituierten Eltern führt zur Offenbarung durch die Mutter, als sie von der Polizei nach Hause zurückgebracht wird: „Du bist adoptiert“,

    Als Leser begleiten wir abwechselnd die Protagonisten, hoffen und leiden mit ihnen, um zum Schluss von der Wahrheit überrascht zu werden.

    Sehr gut hat mir die Darstellung der Zustände in der DDR mit all den Problemen, die manche Menschen noch heute umtreiben, gefallen. Da stapeln sich beispielsweise die Glühbirnen auf dem Tisch des Hausmeisters: „Erst gibt‘s monatelang keine, dann bekommst Du 200 auf einmal und weißt nicht, wohin damit.“ Die herrschende Wohnungsnot in Dresden führte noch 1973 dazu, dass sich zwei Parteien eine Wohnung teilten. Die Empfindlichkeiten zwischen Ost und West, die teilweise noch heute thematisiert werden, sind ebenso wenig ausgeklammert wie die menschenverachtende Berichterstattung der Bildzeitung. Und wer es noch nicht weiß, kann sich schlau machen, was es mit den Abkürzungen MfS, KaKo und IM auf sich hat.

    Fazit: Goldammer hat nicht nur einen interessanten Krimi geschrieben, sondern gleichzeitig Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschichte von Ost- und Westdeutschland aufgezeigt.

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    Cover des Buches Elefant (ISBN: 9783257069709)

    Bewertung zu "Elefant" von Martin Suter

    Elefant
    gstvor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Ich habe mich in diesen kleinen rosa Elefanten verliebt. Ein lesenswertes Buch, das verachtenswerte Manipulationen in eine wunderbare Geschi
    Zum Verlieben

    Schoch hat sich nach einer herben Enttäuschung aus der etablierten Welt zurückgezogen. Er schläft in einer Höhle am Fluss und spricht dem Alkohol mehr zu als ihm gut tut. Als er eines Morgens beim Aufwachen einen kleinen rosarot leuchtenden Elefanten sieht, will er mit dem Trinken aufhören. Doch der Elefant lebt!

    Dieses Buch beginnt verwirrend, denn der Autor springt in den Zeiten und Orten wild hin und her. Da war ich froh, dass jedes Kapitel mit dem jeweiligen Datum beginnt. Nach und nach erfuhr ich als Leserin, wo dieses Wesen aus einer anderen Welt herkam und wie es in diese Höhle gelangte. Ich begleitete Schoch, der es zu einer Tierärztin bringt und zu schützen sucht.

    Dem Autor ist mit dieser Geschichte ein besonderer Wurf gelungen. Manchmal sind es nur winzige Nebensätze, die zum Schmunzeln einladen und dabei viel aussagen: „Dreimal die Woche kam Frau Huber, räumte auf und machte sauber - was jedes Mal wichtig war“ (Seite 161). Durch die Leichtigkeit des Schreibens überliest man fast die Grausamkeiten der Genmanipulation, die solch ein ungewöhnliches Wesen geschaffen haben.

    Fazit: Ich habe mich in diesen kleinen rosa Elefanten verliebt. Ein lesenswertes Buch, das verachtenswerte Manipulationen in eine wunderbare Geschichte verpackt.

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