heinoko

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    Cover des Buches Die Geschichte der Gefühle. Emotionsgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart. Emotionen im historischen und kulturellen Kontext: Wie Gefühle Gesellschaften beeinflussten (ISBN: 9783806240115)

    Bewertung zu "Die Geschichte der Gefühle. Emotionsgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart. Emotionen im historischen und kulturellen Kontext: Wie Gefühle Gesellschaften beeinflussten" von Rob Boddice

    Die Geschichte der Gefühle. Emotionsgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart. Emotionen im historischen und kulturellen Kontext: Wie Gefühle Gesellschaften beeinflussten
    heinokovor 4 Tagen
    Für den Laien eine mühselige Lektüre

    Gerne würde ich klug-kritisch über das vorliegende Buch schreiben, würde in eine fiktive Diskussion mit dem Autor einsteigen, würde vielleicht Argumente oder Beispiele ergänzen oder die des Autors hinterfragen oder würde Kontexte neu bewerten. Dann würde ich vielleicht dem Buch gerecht werden. Aber das kann ich nicht. Ich bin Laie mit einem durchschnittlichen Allgemeinwissen und einer lange zurückliegenden humanistischen Bildung, wissenschaftlich ungeschult. Insofern kann ich den Buchinhalt nur „von außen“ wiedergeben.

    Von der Antike bis in die Gegenwart verfolgen wir die Emotionsgeschichte und ihre Veränderlichkeit anhand von biographischen, philologischen, gesellschaftlichen, kulturellen Aspekten und lernen letztlich staunend, dass dem empathischen Erspüren der Vergangenheit enge Grenzen gesetzt sind. 

    Die treffliche Einbandgestaltung mit der trauernden Maria Magdalena aus dem 17. Jahrhundert lockt den Leser an. Ebenso das Thema, natürlich. Wir alle haben Gefühle. Oft steuern sie, bewusst oder unbewusst, unser Handeln. Aber haben Gefühle eine Geschichte? Erleben Gefühle einen Wandel über die Zeiten hinweg? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Doch der Autor belehrte mich eines Besseren, wobei er es mir nicht einfach machte. Nein, leichte Kost ist dieses Buch wahrlich nicht. Sehr wissenschaftlich, teils spröde-sperrig zu lesen. Ich konnte mich nur häppchenweise mit dem Buch befassen, fühlte mich als Laie trotz meines grundsätzlichen Interesses stellenweise überfordert. Insofern stellt sich mir die Frage, welche Zielgruppe an Lesern der Autor ansprechen wollte mit seinem umfassenden und anspruchsvollen Buch. Zwar habe ich einigen Wissenszugewinn durch die Lektüre erlangt, aber zurück bleibt für mich ein ganz und gar gegenwartsnahes Gefühl der Mühseligkeit.

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    Cover des Buches Die Dirigentin (ISBN: 9783455009606)

    Bewertung zu "Die Dirigentin" von Maria Peters

    Die Dirigentin
    heinokovor 5 Tagen
    Musik kennt kein Geschlecht

    Die Autorin spürt im vorliegenden Roman dem Werdegang von Antonia Brico nach, die als Musikbesessene von Kindheit an darum kämpfte, ihre Passion leben zu dürfen, nämlich Musik zum Leben zu erwecken als Dirigentin. „Man ist … selbst nur ein Instrument, auf dem das Universum spielt“, sagte Gustav Mahler. Und so, genau so empfand Antonia Musik.

    Das Leben der Antonia Brico beginnt als das „eingekaufte“ Adoptivkind Willy Wolters in einem lieblosen Elternhaus. Selbst als Erwachsene muss sie ihr selbstverdientes Geld als Schreibkraft an die „Klimperfrau“, ihre Adoptivmutter, abgeben. Wie sich Willy Wolters alias Antonia Brico im Laufe ihres Lebens emanzipiert und sich mit Zähigkeit, geradezu Verbissenheit durchsetzt, das männliche Bollwerk der Musikschaffenden zu stürmen, ist tief beeindruckend. 

    Dass Maria Peters eigentlich Filmschaffende ist, merkt man dem Buch an. Denn sie schreibt in einzelnen Szenen, nicht erzählend, sondern eher bebildernd. Der Schreibstil im Präsens machte mich beim Lesen irgendwie atemlos, und der Gleichmut, in dem sie berichtet, ebenso. Die Sprache ist klar, manchmal geradezu hart vor Klarheit. Kurze Sätze ohne viel Drumherum. Sensibel, fast verschwörerisch fein wird die Sprache nur, wenn von Musik die Rede ist. Allerdings konnte ich zur Persönlichkeit der Antonia Brico keinen emotionalen Zugang finden, was vermutlich an der nüchternen, sachlich-kühlen Erzählweise liegt. Was mir von diesem Buch haften bleibt, ist die männliche Hybris, die bis heute (!) Dirigentinnen keinen würdigen Platz einräumt. 

     

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    Cover des Buches #CrashTag (ISBN: 9783982102634)

    Bewertung zu "#CrashTag" von Martin Brückner

    #CrashTag
    heinokovor 6 Tagen
    Ein Männerding, aber ein schlechtes

    Eigentlich klingt der angekündigte Plot durchaus reizvoll. Insofern begann ich das Buch wohlwollend zu lesen. Je mehr Seiten ich jedoch las, desto geringer wurde das Wohlwollen, wandelte sich zunehmend in Kopfschütteln, bis ich letztlich das Buch abbrach (was ich höchst selten mache!).

    Ich hatte schlichtweg keine Lust mehr, mich durch das langweilige Buch zu quälen, geschrieben in einer seltsam schwülstigen Sprache. Der Schreibstil besteht aus oftmals unvollständigen, „hingerotzten“ Sätzen, etwas, was mir als Verfechter guter Sprache geradezu körperliche Schmerzen verursacht. Zuviel Prahlerei, zuviel „wimmernde“ Reifen, zuviel oberflächlich-klischeehafte Männerdinge, zuviel Abfälligkeit. Frauen unterhalten sich im Buch so, wie ein Mann glaubt (oder sich wünscht), dass sich Frauen unterhalten: in zotigen Witzen männerlike. Der lakonisch-depressive Humor ist auch nicht meiner. 

    Und übrigens: Sowohl Lektorat als auch Korrektorat hätten ihre Arbeit durchaus sorgfältiger machen können.

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    Cover des Buches Die Nanny (ISBN: 9783764507176)

    Bewertung zu "Die Nanny" von Gilly Macmillan

    Die Nanny
    heinokovor 10 Tagen
    Nichts ist wie es scheint. Oder doch?


    „Roman“ steht auf dem sehr passend gestalteten Cover. Aber dieser Roman  ist sowohl vom Schreibstil als auch von der Spannung her eher ein Thriller. Einmal begonnen zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören!

    Jocelyn, genannt Jo, war sieben, als ihre geliebte Nanny Hannah über Nacht ohne irgend eine Erklärung verschwand. Was die kindliche Welt von Jo völlig ins Wanken brachte. Denn ihre Kindheit war zwar von Luxus geprägt, aber ohne mütterliche Wärme und Zuwendung. Dreißig Jahre später, nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes, kommt Jo zusammen mit ihrer Tochter Ruby zurück in das elterliche Herrenhaus Lake Hall, in dem ihre Mutter Virginia wie eh und je hochherrschaftlich residiert. Das Zusammenleben birgt Konflikte ohne Ende. Als im See, der an das Anwesen grenzt, ein Totenschädel gefunden wird, wächst das Misstrauen allüberall. Und als schließlich eine Frau auftaucht, die behauptet, sie sei Hannah, Jo’s Kindermädchen von früher, reagiert Jo naiv-überglücklich und will nichts wissen von Virginias Warnungen und Zweifeln. Wo aber liegt die Wahrheit?

    Weil im Präsens geschrieben, rückt die Handlung dem Leser sehr nahe, man nimmt unmittelbarer an den Geschehnissen teil. Zeitsprünge und Perspektivwechsel, beliebte Stilmittel bei Thrillern, fordern permanent die Aufmerksamkeit des Lesers. Gerade die Tatsache, dass wir sowohl aus der Sichtweise von Jocelyn als auch von Virginia die Schilderungen aus Vergangenheit und Gegenwart verfolgen, dringen wir als Leser tief in die jeweilige Situation und in die jeweilige Persönlichkeit ein. So glauben wir, die beiden besser kennen zu lernen und genauer zu wissen, was wirklich geschehen ist. Die kurzen Sequenzen aus der Sicht von Detective Andy Wilton sind erholsame sachlich-nüchterne Einschübe. Erschreckend insgesamt, wie wenig empathisch und wie emotionsarm letztlich alle Protagonisten miteinander umgehen, was das Misstrauen des Lesers schürt. Aber die Kunst der Autorin liegt darin, uns dennoch permanent zu täuschen. Was ist Erinnerung? Was ist Wunschdenken? Was ist Traum? Und was ist Wirklichkeit? Je weiter man liest, desto verwirrender werden die Dinge. Jede der handelnden Personen vermischt ihre vermeintlich objektiven Wahrnehmungen und Erinnerungen mit Sehnsüchten, Hoffnungen und Gewissensaspekten. Nichts ist wie es scheint. Oder doch?  

    Ein von Anfang bis Ende durchweg spannend-faszinierender Roman, versprochen!

     

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    Cover des Buches Das Gartenzimmer (ISBN: 9783832183905)

    Bewertung zu "Das Gartenzimmer" von Andreas Schäfer

    Das Gartenzimmer
    heinokovor 14 Tagen
    Ein Haus und ein Buch mit einem Sog wie Sirenengesang

    „Das ist ein guter Ort“  sagte der Journalist Sanders 2001 zur Villa Rosen. „Und das ist ein gutes Buch“, möchte ich hinzufügen.

    Der in späteren Jahren zu Weltruhm gelangende Architekt Max Taubert wird 1909 von Professor Adam Rosen und seiner Frau Elsa beauftragt, in Berlin-Dahlem ein Haus zu entwerfen. Sein erster Auftrag! Es entsteht ein neoklassizistisches Landhaus, dessen viele durchdachte Details und Einbauten die Hingabe des Architekten verraten. 100 Jahre später entdecken Frieder und Hannah Lekebusch das leerstehende Haus, restaurieren es aufwändig, um das  Haus in seinem Originalzustand wieder zum Leben zu erwecken. Damit erringen sie viel Aufsehen bei Taubert-Fans, Journalisten und Künstlern. So könnte man ganz oberflächlich den Buchinhalt erzählen. Doch das Buch ist so viel mehr als diese dürftige Zusammenfassung vermuten lässt! 

    Villa Rosen ist ein Haus, das sich wie ein Schiff durch die Zeiten pflügt, ungerührt von den Ereignissen. Auch wenn der Autor feinsinnig von den Menschen berichtet, die mit dem Haus in Berührung kommen -  niemals lässt sich das Haus in den Hintergrund des Lebens schicken. Geradezu beängstigend drängt es sich immer wieder fordernd ins Zentrum. „Häuser sind Diven…“,  sie verteilen freigebig Schutz und Schönheit, aber fordern auch Fürsorge und Rundumbetreuung. Welch ein beeindruckender Kunstgriff, der Andreas Schäfer mit diesem Roman gelungen ist. Wir wandern im Haus umher und wandern gleichzeitig durch die Zeitläufte zwischen Weimarer Republik, Nazi-Herrschaft und Gegenwart. Die Chronologie wird in den Erzählsequenzen immer wieder gebrochen, einzig das Haus ist konstant. Die Villa Rosen erscheint mir wie ein bewegtes Bühnenbild, vor dem sich das Leben abspielt, laut und leise, dramatisch und verhalten, sehnsüchtig und übersättigt, immer aber wunderbar poetisch in Worte gefasst.  Und ich werde beim Lesen das Gefühl nicht los, dass sich das Bühnenbild, das Haus, tatsächlich einmischt, für manch unbeobachteten Moment sogar die Schicksalsfäden übernimmt. 

    Ich ging durch das Buch wie durch eine Gemäldegalerie. Ich sah Bild um Bild vor mir, mit Worten, teils erstaunlichen Worten, gemalt. Da sieht man das Bild des Botschafters mit seinen „gefräßigen Augen“.  Oder das Fragen aufwerfende Bild eines Gartens, in dem Pfingstrosen und Astern gleichzeitig blühen (S. 87). Oder das Horror- Bild gelblicher Augäpfel in Gläsern zu Forschungszwecken gefangen. Momentaufnahmen. Sensibel, feinfühlig, poetisch gezeichnet. Der Roman möchte mehrfach gelesen werden. Ich bin sicher, dass das Haus von Mal zu Mal weitere Räume offenbart. 

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    Cover des Buches Monster! (ISBN: 9783649633105)

    Bewertung zu "Monster!" von Stephan Pricken

    Monster!
    heinokovor 15 Tagen
    Vermutlich habe ich einfach keine Ahnung!

    Hmmmm….

    Obwohl ich ein unverbrüchlicher Fan des Coppenrath Verlages bin, hat mich dieses Bilderbuch mit sehr gemischten Gefühlen zurückgelassen. Da hilft auch das Ausrufezeichen im Titel leider nichts.

    Joscha ist wach, seine Eltern dummerweise nicht. Und so haben die Monster freie Hand. Sie sind Schrankkrabbler, denn sie kommen durch einen Schrank ins Haus und durch einen anderen Schrank wieder hinaus. Sie verwüsten das Haus auf der Suche nach dem richtigen Weg, nach dem richtigen Schrank in die Freiheit. Und Joscha bleibt nichts anderes übrig, als ihnen zu helfen.

    Schon klar, Erwachsene haben keine Ahnung, schon gar nicht davon, was sich im Halbdunklen zwischen Tag und Nacht so alles im Haus abspielt. Davon wissen nur die Kinder, besonders die ängstlicheren unter ihnen. Aber trotzdem habe ich die Frage, warum Joscha mal einen Helm, mal einen Elefanten auf dem Kopf trägt. Und ich muss gestehen, dass mir die stibitzenden Schrankkrabbler gar nicht gefallen. Sie sind laut, rücksichtslos und wehleidig, außerdem fluchen sie („stinkende Pantherköttel“). Und vor allen Dingen schaffen sie ein heilloses Durcheinander, schlimmer noch, eine richtige Sauerei! Und dass Mama und Papa schließlich das Chaos wieder aufräumen müssen, gefällt mir auch nicht, auch wenn Joscha ein klein wenig hilft. Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass ich keine Ahnung habe, von Monstern und überhaupt…

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    Cover des Buches Die Dünenvilla (ISBN: 9783426524060)

    Bewertung zu "Die Dünenvilla" von Nicole Winter

    Die Dünenvilla
    heinokovor 16 Tagen
    Erstlingsroman mit großer schriftstellerischer Kraft


    Wer versteckt sich hinter dem Pseudonym? Wer schreibt solch malerische, mit allen Sinnen erlebbare Schilderungen? Wer verfügt über solch intensive Ausdruckskraft beim Beschreiben von Natur und innerseelischen Befindlichkeiten gleichermaßen? Neugierig war ich zu erfahren, wer hinter dem Pseudonym Nicole Winter steckt. Leider blieb es bei der einzigen Information, dass es sich um eine nach Kanada ausgewanderte Hamburgerin handelt, die als Literaturübersetzerin an den Quellseen des Yukon River in der Wildnis lebt. So ist zumindest die Thematik dieses Buch-Debuts, etwas verständlicher, nämlich dass sie eine opulente Auswanderer-Saga einer deutschen Arzt-Familie an die Ostküste der USA geschrieben hat. 

    1884. Nach einer Schiffshavarie, die die Familie des deutschen Arztes Friedrich Böhm nur knapp überlebt, bleiben die Familienmitglieder in Martha’s Vineyard, dem „Sylt der US-Ostküste“. Dort will Friedrich Böhme ein Sanatorium für Lungenkranke oder an Hysterie erkrankte Damen etablieren. Sohn Thomas ist bleibt nur ungern. Er ist nur widerwillig Arzt, denn er möchte viel lieber in Harvard Psychologie studieren, ist jedoch abhängig vom Vater, der ihm diesen „Unsinn“ ausreden will. Tochter Sophia, still, in sich gekehrt, intelligent und wissbegierig, fühlt sich aufgrund ihres gelähmten Beines perspektivlos und keines Mannes würdig. Deren Zwillingsschwester Julia ist ungestüm, eine wilde Reiterin, die sich nur wenig an die Konventionen der Gesellschaft hält. In der Nachbarschaft hat sich ein Naturforscher niedergelassen, der sich der Nachzucht der fast ausgestorbenen Wandertauben verschrieben hat. Er ist fasziniert von Sophia, doch wagt es nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren.

    Viele Fragen tragen die erzählte Geschichte. Was bewirkt Fortschritt im Guten und im Bösen? Was treibt uns Menschen an und was behindert uns in unserer Weiterentwicklung? Was hilft es, den Körper zu stärken, wenn die Seele schwächelt? Und viele weitere Themen kommen im Buch zusammen. Tiere gehen der Welt verloren, weil der Mensch zukunftsgläubig die Natur ausbeutet. Das Amerika Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Aufbruchsstimmung mit zunehmender Entwicklung technischer Erfindungen und Neuerungen, traditionell lebende Einwohner des Wilden Westens und die Zuwanderung vieler Siedler, die Fuß zu fassen versuchen – all dies verknüpft sich zu einem spannenden Konglomerat, konfliktreich und schöpferisch gleichermaßen. Zwar bekommt dieser besondere Zeitgeist im Buch durchaus seinen Platz, aber für mein Empfinden wird der historische Aspekt zu sehr überlagert von den Schilderungen der einzelnen Familienmitglieder und ihren jeweiligen Unsicherheiten, gelegentlichem Aufbegehren, vergeblichen Wünschen und passivem Hinnehmen der Gegebenheiten. Obwohl der Roman durchweg gut zu lesen ist, ergeben sich einige Längen gerade durch die ewig zaudernde Sophia. Vielleicht gibt es auch manchmal ein wenig zu viel Überschwang der Gefühle, zu viel Dramatik, zu viel an Unausgesprochenem. Dennoch halte ich diesen Erstlingsroman für einen sehr gekonnten Beweis der großen schriftstellerischen Kraft von Nicole Winter. 

     

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    Cover des Buches Der Behüter: Thriller (ISBN: 9783944676265)

    Bewertung zu "Der Behüter: Thriller" von Catherine Shepherd

    Der Behüter: Thriller
    heinokovor 19 Tagen
    Beste Thriller-Unterhaltung

    Eigentlich könnte ich mich ständig selbst zitieren aus meinen früheren Rezensionen, denn egal welchen Thriller ich von Catherine Shepherd lese, egal aus welcher ihrer Thriller-Reihen,  immer fühle ich mich auf verlässliche Weise auf das Beste und Spannendste unterhalten. So erging es mir auch mit „Der Behüter“, dem neuen Thriller aus der Laura-Kern-Serie. 

    Vor den Mülltonnen eines Krankenhauses wird eine Tote gefunden, eine Frau, die offenbar vor ihrem Tod in der Klinik behandelt worden war und lt. Überwachungskamera mit einem fremden Mann unerlaubt die Klinik verlassen hatte. Eine weitere Patientin verschwindet. Beide Frauen waren von ihren Lebensgefährten misshandelt worden. Und die weiteren Geschehnisse erwecken den Eindruck, der unbekannte Täter wolle die Frauen vor den Misshandlungen retten. Aber warum tötet er sie dann? Laura Kern wird wieder bis an ihre persönlichen Grenzen gefordert, als ihr klar wird, dass sie einen Serientäter jagt. Insbesondere für das letzte Entführungsopfer wird es ein schier hoffnungsloser Kampf gegen die Zeit.

    Catherine Shepherd spielt wieder gekonnt mit dem Leser. Die Reihe der Verdächtigen, die die Autorin in die Handlung einbringt, ist lang. Viele Spuren werden verfolgt, verlaufen im Sande, rücken durch neue Ermittlungsergebnisse erneut in den Fokus, und der Leser wird immer verwirrter. Catherine Shepherd schreibt so bildhaft, so kurzweilig und ideenreich, so überaus spannend, dass man ohne Pause durch die Seiten jagt. Und es gelingt ihr tatsächlich, zum Schluss die Handlung zu einer Auflösung zu führen, mit der man ganz und gar nicht gerechnet hatte. Die von ihr beschriebenen Personen wirken authentisch, vielschichtig, psychologisch stimmig, in ihren Handlungen nachvollziehbar. Übrigens sehr wohltuend fällt im Buch auf, dass Laura sich immer wieder bei ihren Mitarbeitern bedankt. So eine Geste kommt selten vor in Thrillern. Ungewöhnlich ist auch, dass man für den Täter tatsächlich ein wenig Sympathie oder Mitgefühl entwickelt. Denn die Suche nach aufrichtiger Liebe kennen wir alle…

    Fazit: Wieder ein überaus spannender und wendungsreicher Thriller von Catherine Shepherd, gekonnt geschrieben. Ein Muss für alle Thriller-Fans!
     

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    Cover des Buches Seitensprung (ISBN: 9783257300505)

    Bewertung zu "Seitensprung" von Jason Starr

    Seitensprung
    heinokovor 20 Tagen
    ... der stets das Gute will und stets das Böse schafft...

     

    Das vorliegende Buch war das erste, das ich von Jason Starr gelesen habe. Deshalb war ich über das erste Drittel hinweg nur mäßig angetan vom Buch und fragte mich immer wieder, wo denn zwischen all den Beziehungskonflikten und Kinderbetreuung der Thriller versteckt sein soll. Ich fühlte mich in einer trüben Geschichte zwischen schlechter Ehe eines erfolglosen Ehemanns mit Sex-Fantasien und einem Sammelsurium an Unwichtigkeiten und entsprechender Langeweile gefangen. Doch es lohnt sich durchzuhalten und weiterzulesen!

     

    Kurz zum Inhalt: Jack Harper war einstens ein halbwegs erfolgreicher Rockstar und Alkoholiker. Heute fristet er als desinteressierter, erfolgloser Immobilienmakler sein Dasein und besucht regelmäßig die Gruppentreffen der Anonymen Alkoholiker. Seine Ehe mit Maria ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Einziger Lichtblick ist Sohn Jonah, um den sich Jack mit großer Liebe und Aufmerksamkeit kümmert. Das Gespräch mit einem potentiellen Kunden weckt in Jack die Neugier auf eine Seitensprung-Website. Trotz etlicher Bedenken und Vorbehalte siegt schließlich die Neugier, und es beginnt eine schier tödliche Spirale an Fehlern und Missverständnissen.

     

    Es ist schon beeindruckend, wie sich der Protagonist als Opfer sieht, immer und überall. Stets hat er die besten Absichten, macht sich viele Gedanken um diese guten Absichten, und scheitert doch jedes Mal kläglich, ja schlimmer noch, er schwört neue weitere Katastrophen heraus. Von Mal zu Mal werden die fatalen Verstrickungen schlimmer, bis hin zu tödlichen Konsequenzen. Solch einen spiralförmig durchkomponierten Thriller habe ich tatsächlich noch nie gelesen. Unglaublich, wie man als Leser, ausgestattet mit viel Sympathie für den tragischen Helden Jack Harper, hineingerät in ein verzweifeltes inneres Aufschreien, wenn wieder und wieder dem vermeintlich Harmlosen Schlimmeres folgt. Man möchte Goethe zitieren, und zwar in Umkehr des Originals: „Ich (Jack) bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft…“ Ein genial komponierter Thriller, der nach einem langsamen Anfang das Tempo mehr und mehr steigert, bis es vermeintlich keinen Ausweg mehr gibt. So genial komponiert, dass man dem Autor mühelos auf den Leim geht. Denn nichts ist so wie es scheint. Mir fällt kein besseres Wort ein: ein genialer Thriller!

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    Cover des Buches Lotta entdeckt die Welt: Im Wald (ISBN: 9783473438785)

    Bewertung zu "Lotta entdeckt die Welt: Im Wald" von Sandra Grimm

    Lotta entdeckt die Welt: Im Wald
    heinokovor 21 Tagen
    Achtsam und mit Respekt durch die Natur

    Wenn ich in meinem Umfeld beobachte, wie kleine Kinder völlig ungeniert und ohne jegliches Gefühl für Natur durch liebevoll angelegte Blumenbeete stapfen und Blütenköpfe abreißen, während die Mütter auf ihre Handys starren oder einander Wichtiges zu erzählen haben, bin ich immer wieder aufs Neue entsetzt. Haben Eltern nicht einen Erziehungsauftrag? Sollte Kindern nicht so früh wie möglich Achtung und Respekt vor der Natur übermittelt werden? 

    Das vorliegende Bilderbuch ist ein großartiges und wertvolles Beispiel, auf welch liebevoll-zugewandte Weise dies gelingen kann, und zwar schon bei den Kleinsten. Lotta beobachtet sehr genau, was es im Wald zu entdecken gibt. Zusammen mit ihrem Opa und dem Hund Zottel ist sie unterwegs, neugierig, mit offenen Augen. Sie ist leise, um die Tiere nicht zu erschrecken. Sie spürt die Weichheit der Blättchen eines winzigen Bäumchens. Lotta ist achtsam und sorgsam und entdeckt dadurch so viel Interessantes. Die fröhlich-positiven Zeichnungen von Katja Senner sind auf geschickte Weise eingebettet in Naturfotos, was einen ganz besonderen Zauber auslöst. Heile Welt? Ja, vielleicht. Warum auch nicht? Was kann es Besseres geben, als mit solchen Bilderbüchern bereits im frühesten Alter die Sehnsucht zu wecken nach dem reichen Erlebnis, das Natur denen bietet, die achtsam sind. 

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    Über mich

    • weiblich
    • 25.12.2016

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