J

jamal_tuschick

  • Mitglied seit 31.01.2013
  • 10 Freunde
  • 186 Bücher
  • 191 Rezensionen
  • 182 Bewertungen (Ø 4.31)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne115
  • 4 Sterne26
  • 3 Sterne29
  • 2 Sterne6
  • 1 Stern6
  • Sortieren:
    Cover des Buches The future is female! (ISBN: 9783442159826)

    Bewertung zu "The future is female!" von Scarlett Curtis

    The future is female!
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Radikale Bestandsaufnahme mit vielen interessanten Beiträgen!
    Lügen des Hasses

    „Die Lügen, die uns über den Feminismus erzählt worden sind, wurden verbreitet, um uns von einer Bewegung fernzuhalten, die eigentlich alle Menschen meint“, schreibt Scarlett Curtis im Vorwort.

    Wie radikal sich das akute Jetzt von der erweiterten Gegenwart im weißen Westen der Welt unterscheidet, belegt ein Tagebucheintrag von Helen Fieldings Heldin Bridget Jones, dessen Fiktionalität die Realität vollkommen abbildet. Jones dokumentiert einen von „Saturday Night Fever“ ausgelösten Wutausbruch.
    „Das war der sexistischste, grauenhafteste, widerlichste Film, den ich je gesehen habe … Wenn John Travolta so was heute machen würde, würde er nie wieder einen Film machen.“
    So ist es. – Und wie unvorhersehbar war das 1977, als der Film in die Kinos kam und dem Hauptdarsteller neben Weltruhm eine Oscar-Nominierung bescherte. Vierzig Jahre später ist die popkulturell lackierte Sozialkritik im Film unlesbar geworden, obwohl der Soundtrack noch immer grünt. Die Dechiffrierung des von Travolta verkörperten Hobbytänzers Tony Manero führt zu nichts mehr. Sein Charakter ist egal, wo er nicht abstoßend erscheint. Travolta liefert als Manero ein Beispiel für Machoschrott. Stellt man sich eine Umgebung vor, in der seine Weltsicht Gültigkeit besitzt, ergibt sich zwanglos ein Trailerpark Szenario. Heute wäre Manero keine steilgehende Vorstadtstilikone mehr, der die Türen aufgehalten werden, sondern ein Marginalisierter, dem keine Türsteherin Zutritt gewähren würde.
    Ganz anders sieht die Welt in den Augen von Tapiwa H. Maoni aus. Die Autorin schildert afrikanische Verhältnisse, die offene Diskriminierung von Frauen und Mädchen perpetuieren. Sie schreibt: „Für mich bedeutet Feminismus, dass ich etwas wert bin.“
    Nimco Ali ist eine Aktivistin gegen Female Genital Mutilation. Sie schildert das Traditionsgatter, in dem solche Verstümmelungen gesellschaftliche Praxis und normgerechtes Verhalten sind. Alis erste aktivistische Aktion war ein Banner mit der Aufschrift #FingerwegvonmeinerMuschi.
    Zwischen Fielding und Ali spannt sich der Horizont eines Kampfes auf, dessen Schockwellen längst einen Tsunami der Veränderungen in Gang gesetzt haben. #MeToo hat mehr Männer von der Macht getrennt als jede Kampagne zuvor. Die global-virale Twitter-Solidarität rasiert Kunst- und Kulturbegriffe. Wir erleben eine Kulturrevolution. Es geht kein Nabokov, kein Polanski und kein Bukowski mehr. Kann sich jemand Claude-Oliver Rudolph 2018 in einer Hauptrolle vorstellen? Es wird Jahre dauern, bis die Allgemeinplätze der Feuilletonopportunisten wieder einen festen Grund haben werden. Bis dahin rollen Köpfe.
    Keira Knightley beschreibt die Geburt ihrer Tochter als Exzess.
    „Meine Vagina riss auf … Ich erinnere mich an die Scheiße, die Kotze, das Blut, das Genähtwerden. Ich erinnere mich an mein Schlachtfeld.“
    Toxisch findet Jameela Jamil die männliche Perspektive, in die Jungen mit Pornografie und Gruppenzwängen nach wie vor hineinrekrutiert werden.
    Alison Sudols behauptet:
    „Jetzt sind wir an der Reihe die Welt zu verändern.“
    Amani Al-Khatahtbeh postuliert: „Hört auf, Männer so wichtig zu nehmen.“
    Das Wort als Waffe ersetzt Armeen. Der Hashtag ist die Kalaschnikow der Netzzeit. The future is female. Zu den Autorinnen, die in „Was Frauen über Feminismus denken“ zu Wort kommen, zählen Emma Watson, Keira Knightley, Saoirse Ronan, Dolly Alderton, Jameela Jamil, Kat Dennings, Rhyannon Styles, Katrin Bauerfeind, Karla Paul, Tijen Onaran, Fränzi Kühne, Milena Glimbovski und Stefanie Lohaus.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Haymatland (ISBN: 9783550200175)

    Bewertung zu "Haymatland" von Dunja Hayali

    Haymatland
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ansprechend persönlich gehaltener Beitrag zu einem zeitgenössischen Heimatbegriff.
    Durch und durch Deutsch

    Mitte der 1950er Jahre bleibt ein achtzehnjähriger Iraker auf dem Weg nach Amerika in Wien hängen. Die österreichische Kapitale ist ein Mekka der orientalischen Migration – ein arabischer Schauplatz in Europa. Da trifft Hayali eine aus seiner Heimatstadt Mossul – einer Stadt mit wechselvoller Geschichte und fast mythischem Ursprung als Nachfolgerin der assyrischen Metropole Ninive. Zwei junge Menschen machen Nägel mit Köpfen, während im Irak Köpfe rollen. Wen der Verdacht trifft, Kommunist zu sein, der ist auch in Wien nicht sicher. So kommt es, dass das Paar aus dem Laissez-faire einer studentischen Lebensweise herausgerissen und zur härteren Gangart des Exils genötigt wird. Der Witz anbei: die Hayalis sind gemäßigt-konservative Leute. Mit den Rebellen geraten sie in eine Fluchtbewegung Richtung Deutschland. Integration und Assimilierung sind noch lange kein Thema. Es gibt kaum Gastarbeiter, aber den Ausländer als Studenten kennt man. Man findet private Lösungen zur Untermiete, erst in Mainz, dann in Datteln. Da kommt Dunja Hayali zur Welt.

    Mir gefällt, wie die Autorin den Vorlauf ihrer Existenz schildert, das Informelle und Zufällige. Eine hilfreiche Hand kann auf unvorhersehbare Weise Weichen stellen.

    Hayali greift gleich in die Gegenwart. Sie wehrt sich gegen Zuschreibungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Sie wird rechts genauso wie links in Schubladen gesteckt und natürlich entgeht sie nicht dem Vorwurf, „linksgrün versifft“zu sein.

    Die Migration ist eine kolossale Projektionsfläche für negative Entladungswünsche aus der Mehrheitsgesellschaft. Für Linksradikale ist Heimat eine aufgegebene Kategorie. Für Hayali – „ich bin weder links noch rechts“ - bleibt Heimat als positiver Begriff brauchbar. Das macht sie deutlich in der aktuellen Klemme zwischen Wutbürgern, die Deutschland in eine national befreite Zone verwandeln wollen, mit ihren zunehmend lauter werdenden Haupthähnen auf den Meinungsmisthaufen, und den anderen, denen man nicht radikal genug an Deutschland Kritik übt.

    Ich glaube, jeder, der Deutschland aus einer Migrantenperspektive kennengelernt hat, kann sich vor einer Sehnsucht nach mehrheitsgesellschaftlicher Anerkennung nicht schützen. Das gehört zur Anpassung an oft ungnädige Verhältnisse. Das ist übrigens auch ein Grund, weshalb viele erfolgreiche Migranten im konservativen Spektrum ihre Standpunkte finden. Nach den Abenteuern und Scherbengerichten der Einwanderung setzt sich ein Bedürfnis nach geordneten Verhältnissen unter dem Schirm einer Hoffnung auf Beständigkeit durch.

    Auf diesem Hoffnungsmarkt treffen sich Eingewanderte mit der Mehrheit. Alle wollen ihren Jägerzaun. Wäre Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren permissiver gewesen, würden von den Dazugekommenen auch deutlich mehr Weihnachten feiern und Weihnachtsbaumüberbietungswettbewerbe veranstalten, analog zum um sich greifenden Helloween Fieber.

    Das Sein prägt das Bewusstsein, sagt Marx. Im Verlauf ihrer Heimaterkundungen kehrt Hayali zurück zu ihren biografischen Wurzeln. Da erscheint Heimat „im Idealfall als der Ort, wo man mental auftanken und die Seele baumeln lassen kann“.

    Hayali nennt sich „durch und durch Deutsch“, obwohl es seit dem rechtsextrem-rassistischen Vormarsch „einen Bereich in (ihrem) Hinterkopf gibt, der auf Alarm eingestellt ist“.

    Das geht mir auch so.

    Hayali lässt sich ihre Heimat von keinem madig machen. Ihr Credo lautet:

    „Die Evolution echter Toleranz beginnt in unseren Köpfen und Herzen.“

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Cover des Buches Wildnis ist ein weibliches Wort (ISBN: 9783455004182)

    Bewertung zu "Wildnis ist ein weibliches Wort" von Abi Andrews

    Wildnis ist ein weibliches Wort
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ganz gut. - Die Wildnis als Domäne weiblicher Bewährung - Eine Neunzehnjährige macht aus sich eine Jackie London in Alaska.
    Feministische Abenteuer-Avantgarde

    Als Kind wollte Erin auf den Mond fliegen, jetzt steigt sie noch nicht einmal mehr in ein Flugzeug. Wer je in seinem Leben eine lange Reise bei guter Gesundheit unternommen hat, kann eine Feststellung der neunzehnjährigen Engländerin bestätigen, die der Umwelt zuliebe den Atlantik auf einem Frachter befährt. Unterwegs entwickelt die Heldin in Abi Andrews Roman „Wildnis ist ein weibliches Wort“ „ein ungewöhnliches Interesse an Essen und Essenszeiten“, obwohl es bis zur Eintönigkeit Fischeintopf gibt. Im Übrigen sammelt sie Informationen über den Feminismus auf Island und sortiert delfinische Klicklaute in digitale Ordner.
    Erin hält es für möglich, dass Orcas den Menschen evolutionär überholt - und auf der Schnellspur eine „kollektive Selbstwahrnehmung“ entwickelt haben.
    Sie ist mutig, aber nicht unerschrocken. Wenn sie auf dem Weg nach Alaska durch Kanada trampt, gehört das zu einem, mit einer Filmdokumentation verknüpften Autonomieprojekt, das auch literarisch verankert ist. Erin zitiert Sylvia Plath: „Ich möchte auf offenem Feld schlafen, nach Westen ziehen und nachts frei herumlaufen“. Einer besorgten Fahrerin präsentiert sich die Tochter schwer besorgter Eltern als Vollwaise. Sie kommt von Henry D. Thoreau auf Ted Kaczynski. Im Roman steht nichts anderes als in einem Spiegel Artikel: „In Harvard nahm Kaczynski an einem Experiment von Henry Murray teil. Der Psychologieprofessor testete für die CIA-Vorgängerorganisation OSS Techniken der Gedankenkontrolle. Murray setzte seine ahnungslosen Studenten, darunter Kaczynski, intensiven Verhören aus, die Murray selbst als vehemente, drastische und persönlich herabwürdigende Attacken bezeichnete.“

    Erin verfolgt die Auswertungen einer „feministischen Abenteuer-Blog-Avantgarde“. Eine Aktivistin wählt die Kerouac Route, beschrieben in „Unterwegs“, einem Titel aus dem Jahr 1957. Von da bis zu einer Erwähnung des Vaters der kanadischen Eisenbahn ist es nicht weit. Es kommt erstaunlich viel alter Kram vor, einschließlich der Goldrauschgeschichten von Jack London. „Wildnis ist ein weibliches Wort“ antwortet Londons „Ruf der Wildnis“. Erin dekonstruiert den Mountain Man und entdeckt dem Leser „eine Arschloch-Variante des MM – arrogant und selbstgerecht“ sowie den MMM – „den Möchtegern Mountain Man“. Man glaubt oft nicht, dass da eine Neunzehnjährige unterwegs ist und ihre Beobachtungen macht. Mitunter liest sich die Reiseerzählung wie eine Ansammlung umgeschriebener Wikipedia Artikel. In einer Steppe verflachten Wissens weiß Erin, dass „die Dakota (in ihrer Sprache) kein Wort für Tier“ haben. Alles, was auf den Kalenderblättern der Gegenwart eine triviale Dauerrepräsentanz hat, vom Permafrost bis zum altruistischen Bonobo, reiht sich im Text auf. Trotzdem erreicht Erin ihr Ziel. Mit den Interventionen der Erzählerin wird die Wildnis zum weiblichen Weltraum und hört auf, ein exklusiver Paradeplatz männlicher Bewährung zu sein.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Gegen Judenhass (ISBN: 9783518469842)

    Bewertung zu "Gegen Judenhass" von Oliver Polak

    Gegen Judenhass
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Polaks Fazit: Judenhass ist wieder salonfähig in Deutschland.
    Nicht verhandelbar

    Alexander Gauland kratzt der Populismusvorwurf von jeher nicht. Er schildert Populismus als Selbstverteidigung, mit der sich die ursprüngliche Bevölkerung (eines europäischen Landes) gegen einen Ansturm zur Wehr setzt. Aufladen lässt sich der Ansturm mit der Globalisierung, den Flüchtlingen, dem in Europa ankommenden afrikanischen Youth Bulge. Gauland sprach zuletzt von „globalisierten Eliten“. Das ist nicht weit weg vom „internationalen Finanzjudentum“, dem Geld ohne Heimat und einer Politik ohne Vaterland, betrieben von Leuten ohne Bindungen außerhalb ihrer Klasse oder ihres Kartells. Die globalisierten Eliten ergänzen als Formulierung den reaktionären Neusprech, der einer Verdunklung absichtlich schlecht dient; so wie jeder Lapsus (ob echt oder inszeniert) die Sprecherintension sowohl auf- als auch zudeckt. Strategisch geht es bei der Bestimmung der Grenzen des Sagbaren in rassistischen und antidemokratischen Sprechweisen um Verschlechterungen der Standards zum Schutz von Minderheiten. Man sagt „Kultur“ statt „Rasse“, „kulturfremd“ statt „rassisch minderwertig“ und „ethnopluralistisch statt geh hin, wo du herkommst, vor allem jedoch, bleib da“, aber die Dezenten meinen das Gleiche wie die Derben, nämlich eine von fremden Einflüssen angeblich gefährlich gestörte volksgemeinschaftliche Homogenität, die den (fiktiven) globalen Eliten ganz egal sei. Die Ereignisse in Chemnitz, wo Menschen wegen ihrer Hautfarbe gejagt wurden, Menschenjäger das Verständnis des Innenministers fanden und der Versuch, den Mob medial wegzuzaubern, beinah geglückt wäre, zeigen wie schnell aus einem Deutschen mit Migrationshintergrund (Passdeutschen) ein Ausländer werden kann.

    Im Subtext des kulturellen Nationalismus steht: Dein deutscher Pass macht dich zwar nicht zum Deutschen, aber dafür macht dich deine Religion/Hautfarbe/Herkunft zum Ausländer.

    Die Aggression von Chemnitz erscheint im Gauland als Notwehr. Dass der Demagoge damit nicht nur durch-, vielmehr breit ankommt, beweist das Versagen einer Zivilgesellschaft, die auf die politischen Schocks der Gegenwart nicht vorbereitet ist.

    Viel zu lange hielten wir einen bestimmten Standard so wie gewisse Bollwerke gegen Rassismus/Antisemitismus und Rechtsradikalismus für unumstößlich. Daran erinnert Oliver Polak in seinem Aufschrei „Gegen Judenhass“. Was man in den 1970er und -80er Jahren als Relikte einer fossilen Epoche wahrnahm, entschleiert seine Resistenz. Der alte Judenhass erneuert sich offenbar in jeder Generation. Im Mittelstand etabliert er sich als Antisemitismus mit abgespreiztem Finger.

    Polak sagt: Mein Text „ist keine Anklage und nicht verhandelbar“. Geschrieben hat er das Buch: „weil mir auffiel, dass Sachen salonfähig wurden, bei denen es vorher immer hieß Nie wieder! und Wehret den Anfängen!”. Sein Fazit:Judenhass hat sein Stigma verloren, „im Bundestag sitzt die AfD, die stolz sein möchte auf die Taten” der Wehrmacht.

    Polak zeichnet „die feine Linie zwischen Israelkritik und Antisemitismus” nach. Er zeigt, wie und auf welchen Vorfeldern solche Überschreitungen organisiert werden und welche Ressentiments sie bedienen. Das geht über Geschichtsrevisionismus weit hinaus. Das ist ein Markt, auf dem ein Selbstverständnis im Plural der Mitspieler*innen dynamisiert wird. Polak liefert die Beispiele, lesen Sie selbst.

    Ich bin kein Antisemit, aber …

    Beschworen wird das angebliche „Tabu, etwas gegen Juden sagen zu dürfen“. In einer Welt voller antisemitischer Äußerungen entlarvt es sich nicht einfach als das, was es ist – nämlich als eine Fiktion. – Ein Phantasma aus dem Fundus der Obsessionen. Von der Realität wird dieses „Tabu“ verfehlt, die Verfehlung bleibt aber unbeachtet. Stattdessen „emanzipiert“ sich der Antisemit „von einer Meinungsdikatur“. Die Presse erklärt er für „gleichgeschaltet“. (Eine Variation: Die Israelis stehen der SS in Nichts nach.) Derealisation nennen Fachleute das Phänomen. 

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Das Haus am Kanal (ISBN: 9783455004700)

    Bewertung zu "Das Haus am Kanal" von Georges Simenon

    Das Haus am Kanal
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Hervorragend.
    Stillgelegte Verhältnisse

    Im März 1954 schreibt Georges Simenon in Rekordroutine den (Jahrzehnte später mit Philippe Noiret in der Hauptrolle verfilmten) Roman „Der Uhrmacher von Everton“. Nach einem Einschluss von acht Tagen ist das Werk vollbracht.

    Der Belgier zelebriert in einer Vorstadt von Salisbury im Bundesstaat Connecticut vor den Toren New Yorks den amerikanischen Traum in der Suburbia Variante. Er registriert Einprägungen der Peter Stuyvesant Ära, als New York noch Nieuw Amsterdam hieß und sich als Handelsplatz auf die königliche Kolonie Nieuw Nederland auswirkte. Simenon gefallen die Schnittmuster der skandinavisch-niederländisch-angelsächsisch getönten Mittelklasse, die aufgeräumte Weiträumigkeit ihrer Anwesen, der selbstverständliche Luxus ihrer Eisschränke und Klimaanlagen, ihre Sprit fressenden Straßenkreuzer und deren Häfen. Ihn fasziniert das unverdiente Glück von Leute, die in einem Land leben, dass seit neunzig Jahren von keinem Krieg umgepflügt wurde. Der Schriftsteller besucht die Barbecue Partys seiner Nachbarn. Allgemein geht man gerade dazu immer, Gin mit Wodka zu ersetzen, während McCarthy in der Durchsetzung des Communist Control Act den Zenit seiner Macht erreicht, Rock’n’Roll populär und die Lederjacke zum Symbol einer Jugendbewegung wird.
    Simenon mäht den Rasen vor seinem Haus, tauscht Cocktail Rezepte und betreibt Mimikry in einer Gesellschaft von Pendlern, die an jedem Werktag New York mit dem Zug erreichen und verlassen.
    Er liebt die Stimmungen des Indian Summer in den offenherzigen Habitaten. Dem sommersprossig spröden Neu-England dichtet er die Kleinstadt Everton an. Da lebt der alleinerziehende Uhrmacher Dave Clifford Galloway mit seinem Sohn Ben. Eines Abends brennt der Heranwachsende in der Gesellschaft eines Mädchens aus der Nachbarschaft namens Lillian Hawkins zunächst mit dem Lieferwagen des Vaters durch. Die halbstarke Aktion im Vorgriff auf „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ löst eine Verfolgungsjagd quer durch die Vereinigten Staaten aus.
    Auch Bens Mutter verschwand einst von jetzt auf gleich nach einer beschämend kurzen Spanne als Galloways Gattin. Das Unglück bricht in stillgelegte Verhältnisse ein. Der Uhrmacher führt sein Leben in kleinsten Radien kurz vor dem Stumpfsinn. Simenon verwendet wieder einen psychologischen Aufbau, der die Anfälligkeit des Kleinbürgers für autoritäre Lösungen und eine grundsätzliche Überforderung zeigt. Als die Polizei vor seiner Haustür aufkreuzt, ahnt Galloway, dass Ben in Schwierigkeiten steckt. Er will kooperieren und sich gefällig zeigen, ohne dem Sohn zu schaden.
    „Er musste wie ein Ehrenmann auftreten, der das Gesetz achtete.“
    Er duckt sich weg, taucht innerlich ab und ist schon am Ende seiner Kraft, bevor die Geschichte mit einem Mord Fahrt aufnimmt.
    Ein Vater erfährt, dass sein Sohn verdächtigt wird, einen Mann erschossen zu haben, nur um in dessen Oldsmobile die Flucht schnell und komfortabel fortsetzen zu können. Natural Born Killers lassen grüßen. Wieder zeigt sich Simenons Gespür für die Tendenzen einer Zeit, in der James Dean und Marlon Brando zu Ikonen einer konservativen Rebellion werden, und wieder wählt der Autor einen Schleichweg, um zum Ziel seiner Erzählung zu kommen. Galloways verlangsamter Schritt bestimmt die Handlungsgeschwindigkeit. Das FBI-Ermittlungstempo so wie alles andere Action Versprechende bleibt unerzählt. Stattdessen geht es darum, wie jemand seinen Kaffee trinkt. Zigaretten werden angeboten. Galloway erinnert sich daran, dass Ben noch mit vier Bettnässer war. Eine Nachbarin kann wegen ständig geschwollener Füße nur Pantoffeln tragen.
    Der Freiheitstrip der Jugendlichen kommt nur in den Trott unterbrechenden Nachrichten vor. Einmal heißt es, sie seien im Jefferson County von Virgina „gesichtet“ worden so als sei das eine Stelle am Horizont und überliefere etwas Phänomenales. In Wahrheit dient die Reise dem höchst konventionellen Zweck einer frühen Eheschließung. Die Kinder wollen heiraten in einem Staat, dessen Gesetze das zulassen.
    Simenon fühlt dem Beat des Jahrzehnts den Puls, aber er erzählt nicht wie Kerouac von einem (alternativen) Leben auf der Straße. Sein Fokus verlässt nicht die erschöpfte Hilflosigkeit eines vorzeitig gealterten Mannes, der bis zu den Ereignissen in der Handlungsgegenwart nichts Aufregenderes erlebt hat, als die Verachtung von Bens Mutter. Man begreift die ozeanische Tiefenströmung in Simenones Werk an solchen Stellen in dieser verknappten Psychologie. Die Frau, die sich rücksichtslos in Galloways umsah, da nichts von Interesse fand und den Armleuchter mit einem Kleinkind sitzenließ, thront wie eine Göttin im Himmel über Amerika. Galloway existiert lethargisch in der Konsequenz ihres vernichtenden Urteils. Nun ergänzt Ben das Urteil. Er rehabilitiert seine Mutter, indem er sich der Liebe gewachsen zeigen will … in der Bereitschaft, dafür über Leichen zu gehen. Oder weniger pompös gesagt: sie nicht den Notwendigkeiten eines Alltags anzupassen.
    Ben erwartet nichts von seinem Vater, der nicht nur mit der Polizei kooperiert, sondern auch mit der Presse. Er lässt sich vorführen. Schließlich werden Bonnie und Clyde in Indiana vor einer bäurischen Kulisse gestellt.
    Simenon hat noch viel zu erzählen. Es geht immer weiter um einen Mann, der noch jeden Menschen verloren hat, der sich wegbewegen konnte. Der eingesperrte Sohn bietet sich der vollendeten Nachsicht einigermaßen wehrlos an. Trotzdem bleibt Galloway der Unterlegene im Verhältnis zu Bens gescheiterter Radikalität.  

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Striptease (ISBN: 9783455004472)

    Bewertung zu "Striptease" von Georges Simenon

    Striptease
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Großartig.
    Das flämische Gold

    Das Villenviertel von Cannes heißt La Californie. Da trifft man 1957 Georges Simenon. Ein Spalier aus Korkeichen säumt den Kieselpfad zu seiner Villa an der Französischen Riviera. Aus kleinsten Verhältnissen ist der Dreiundfünfzigjährige soweit aufgestiegen. Der Ruhm und das Geld verdanken sich panischem Fleiß und tagelangen Schreibexzessen. Dreihundert Titel, vierzig Romane wurde verfilmt, manche mehrmals - dem Furor zum Trotz ist die Prosa schnörkellos und die Psychologie schonungslos einfach. Simenon kennt kein Erbarmen bei der Schilderung seiner Mutter, die mit Rückenschmerzen zwischen zwei Jobs und dem Haushalt hin und her hetzte, getrieben von Armut. Der Sohn schmeichelt ihr mit Wahrhaftigkeit. Eine Kindheit im Dreck von Lüttich befähigt ihn, seine Arbeit mit dem flämischen Gold in den Bildern der Alten Meister so dosiert anzureichern, dass der Glanz subkutan wirkt. Das ist eines von Simenons Geheimnissen. Genauso unterschwellig teilt er die Ergebnisse seiner Untersuchungen der sozialen Muskulatur des Personals mit. Es gibt in den Romanen doppelte Böden, versteckte Zugänge, Texte zwischen Zeilen, die wie mit Geheimtinte geschrieben sind und sich unter der vorgehaltenen Flamme gebannter Aufmerksamkeit offenbaren. Die Leser reisen wie blinde Passagiere an Bord der Textsonden zum Saturn des kollektiven Unbewussten.
    Die Kunst kommt aus der Angst, ins Elend zurückzufallen. Das ist ihr erstes Agens. Das zweite Agens seiner Produktivität verleitet Simenon wiederholt zu Schilderungen verfügbarer Frauen aus kleinen Verhältnissen.
    „Sie zogen an … (Madame Florence) vorbei wie Klosterschülerinnen an der Mutter Oberin und sie hatten auch die gleichen Ängste.“
    Für mich gleicht die Simenon Lektüre ein Ritt zurück in die Kindheit. Die Leute verloren sich in Romanen und krochen seelisch immer noch aus den Trümmern des II. Weltkriegs. Beim Wiederlesen erstaunt mich, wie haltbar die Prosa ist. Sie erreicht die Konsistenz von Truman Capotes Meisterwerken. Die Textfestigkeit kommt daher, dass Simenon seine Form in sich vorfand. Er experimentierte nicht mit Modernitätsfloskeln. In jedem Thema erspürte er den überzeitlichen Kern. Trotzdem schrammt er am Kitsch manchmal nicht nur vorbei. Stets stopft sich einer sorgfältig die Pfeife. Simenons Frauenbild bleibt weit hinter dem zurück, wozu der Schriftsteller psychologisch in der Lage war. Er litt unter einer Zofensucht. Es war nicht die Madame, die ihn reizte, sondern „die Kleine“, die in dem Aufsteiger einen Herrn zu sehen vermochte und nicht nur den Parvenu, der sich in einen Platz in der reisenden Klasse erschrieben hatte. (Mobilität buchstabierte zu Simenons Lebzeiten das Alphabet des Reichseins.)
    Unbedarfte Kleinstadtschönheiten und angeschlagene Dienstmädchen erscheinen an allen Ecken und Enden. Exemplarisch ist die Striptease-Schönheit Marie-Lou. Der Roman „Striptease“ entsteht im Juni 1957 in der üblichen Eile; das ehemalige (das geborene) Dienstmädchen mit der „schwarzen Warze unter der linken Brust“ verläuft sich in der Halbwelt. Simenon fasst Marie-Lou in der Manier und Manie eines Toulouse-Lautrec auf. Sie ist „von freimütiger Sinnlichkeit“. Morgens um vier hakt sie sich emphatisch bei einem Freier unter, während das Meer vor Cannes aufrauscht und „die Fischer ihre Bootsmotoren anwerfen“. Ein dubioses Paar passiert Bäuerinnen, die mit Körben und Kisten dem Marktplatz entgegenstreben.
    Gemeinsam mit ihrer WG-Genossin Célita arbeitet Marie-Lou im „Monico“. In dem Nachtclub genießt Célita als ausgebildete Tänzerin eine Sonderstellung. Ihre Exklusivität untermauert sie mit einem berühmten Vater, der allerdings erst nach dem Verhältnis mit ihrer Mutter zum Star wurde, und mit dem Verhältnis, das den (mit „Madame“ Florence verheirateten) Clubchef Léon so lange an sie bindet, bis Maud Leroy die Bühne des „Monico“ betritt. Genial verkörpert sie das Genre der sündigen Unschuld. Nach dem Einmaleins der Nacht ist Maud halb so alt wie Célita. Die Arrivierte zieht in den Kampf, schon mit der Ahnung, zum ersten Mal auf verlorenem Posten zu stehen.
    Simenon verschanzt sich hinter Léon. Ihn lässt er seine Obsessionen ausbaden. Der Schriftsteller macht einen Bettler aus dem Luden. Der Chef verliert das Gewicht eines dicken Katers, der mit seinen Mäusen/Miezen/Mädchen spielt. Léon erlebt das Glück und die Verzweiflung der sexuellen Hörigkeit. Er maskiert seine Unterwerfung mit omnipotentem Gehabe, doch ist er für sein Metier verloren.
    Auch seine Frau leidet.
    „Sie wurde bald vierzig Jahre alt und manchmal war sie des Kämpfens müde.“
    Schließlich fällt Florence aus, aber Célita rückt nicht automatisch auf. Maud steht ihr im Weg. 

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Die Schwarze von Panama (ISBN: 9783455004458)

    Bewertung zu "Die Schwarze von Panama" von Georges Simenon

    Die Schwarze von Panama
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Grandios.
    Die Ächtung

    „Dann sind Sie also dazu verdammt hierzubleiben, einfach weil Sie kein Geld haben?“ – In dem Roman „Die Schwarze von Panama“ schildert George Simenon einen Abstieg, der sich auch als Ausstieg begreifen lässt.
    Der Roman erschien zum ersten Mal 1935 unter dem Titel „Quartier nègre“. Der Kern des Geschehens dreht sich um die Deklassierung eines französischen Ehepaars, dass in Panama sozialen Schiffbruch erleidet. Während Germaine Dupuche als Kassiererin in der weißen Sphäre eines Hauptstadthotels unterkommt und so den bürgerlichen Schein wahren kann, landet ihr Gatte jenseits der Armutsgrenze auf der schwarzen Seite des Kanals im Ghetto von Cólon. Es geht zu wie in Heiner Müllers Erinnerung an eine Revolution: „Unsere Firma steht nicht mehr im Handelsregister. Sie ist bankrott.“ Es gibt keinen Auftrag mehr. Der Auftrag des mit dem Ansehen und den Aussichten eines Direktors angereisten Ingenieurs geht gemeinsam mit dem Ansehen in der Konkursmasse einer Konzernpleite verloren. Joseph Dupuche verdingt sich als Hafenarbeiter und verkommt auf einer Strecke vom weißen Ich zum schwarzen Wir.
    Simenons rasiermesserscharfe Darstellung des Niedergangs einer bürgerlichen Person, die den Halt ihrer Klasse verliert und im Absinthrausch aus ihrem Herkunftskorsett schlüpft, liefert Dupuches Lustgewinne an der Hintertür ab. Eine aus dem Fundus des Erotomanen Simenon gefischte Veronique erscheint im Gauguin Stil als Antagonistin der erstarrten, vom Vater an den Gatten weitergereichten Germaine. Die Legitime flüchtet in die Bigotterie. Sie verurteilt Joseph im Verein mit der französischen Gemeinde vor Ort.
    Simenon schildert die Ächtung des Ingenieurs vorderhand als Desaster und hinterhältig als Aussteigermärchen, in dem berufliches Scheitern zu privatem Glück dann doch nicht führen darf. Der Autor vollführt seine Kunststücke auf narrativen Schwebebalken. Er schafft eine Kassiberkunst – Vixierbilder.
    Der Abstieg beginnt mit dem Abstieg des hochtrabenden, lediglich seiner vorübergehend fast erschöpften Mittel wegen besorgten Ehepaars im Hôtel de la Cathédrale. Es besteht ein Mangel an Flüssigkeit, der in der Alten Welt längst behoben wäre. Der Hotelbesitzer François Colombani, genannt Tsé-Tsé, erkennt die Zeichen und macht Germaine ein unmoralisches Angebot. Die Not liegt in seinem Ermessen. Er trennt das Paar. Die Beiläufigkeit und das schlichte Dekor des omnipotenten Aktes beweist einmal mehr Simenons psychologisches Genie und seine aus dem Gelenk geschüttelte, keiner zweiten Durchsicht bedürftigen erzählerischen Raffinesse. Was wie Hilfsbereitschaft aussieht, ist ein Übergriff. Tsé-Tsé und seine korsische Entourage isolieren den Gestrandeten. Sie zeigen ihm das Revier ihrer Entfaltung als Schauplatz einer geschlossenen Gesellschaft. Sie lassen ihn auflaufen und wie einen Idioten aussehen.
    „Allmählich wurde Dupuche alles klar. Diese Leute gehörten einer anderen Welt an … Man gab sich zwar den Anschein, ihm helfen zu wollen, aber in Wirklichkeit tat man alles, um ihn los zu werden.“
    In der Anordnung steckt auch ein Verrat Germaines an ihrem Mann. Zur Abhängigkeit erzogen, wendet sie sich automatisch dem Licht der Macht zu und übergibt sich dem Nächstbesten. Ihre Unmündigkeit wird vorausgesetzt, jemand muss die Verantwortung übernehmen. Auf der schlichten Mechanik liegt ein Schleier wie zur Verbergung der Pudenda. Dass Tsé-Tsé eine Fremde an die Kasse lässt, verdient Beachtung. Simenon hätte Germaine zum Mündel von Tsé-Tsés Frau machen können, doch verzichtet er nicht auf die Verbindung von Geschlecht und Geld. Dass, was dem Ehepaar Dupuche zur Konsistenz fehlte, nämlich das Geld, um bürgerlich zu bleiben, fließt nun ständig durch Germaines Hände. Zum begeisterten Publikum ihrer Performance gehört Tsé-Tsés.
    Tsé-Tsé setzt Germaine an die Kasse und Joseph auf die Straße. Der Ingenieur tröstet sich mit Veronique, die in der kolonialen Logik als Entrechtete nur berechnend auf ihre Kosten kommt. Sie erscheint dem versprengten Franzosen als Naturkind.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Der Uhrmacher von Everton (ISBN: 9783455004724)

    Bewertung zu "Der Uhrmacher von Everton" von Georges Simenon

    Der Uhrmacher von Everton
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Genial.
    Stillgelegte Verhältnisse

    Im März 1954 schreibt Georges Simenon in Rekordroutine den (Jahrzehnte später mit Philippe Noiret in der Hauptrolle verfilmten) Roman „Der Uhrmacher von Everton“. Nach einem Einschluss von acht Tagen ist das Werk vollbracht.

    Der Belgier zelebriert in einer Vorstadt von Salisbury im Bundesstaat Connecticut vor den Toren New Yorks den amerikanischen Traum in der Suburbia Variante. Er registriert Einprägungen der Peter Stuyvesant Ära, als New York noch Nieuw Amsterdam hieß und sich als Handelsplatz auf die königliche Kolonie Nieuw Nederland auswirkte. Simenon gefallen die Schnittmuster der skandinavisch-niederländisch-angelsächsisch getönten Mittelklasse, die aufgeräumte Weiträumigkeit ihrer Anwesen, der selbstverständliche Luxus ihrer Eisschränke und Klimaanlagen, ihre Sprit fressenden Straßenkreuzer und deren Häfen. Ihn fasziniert das unverdiente Glück von Leute, die in einem Land leben, dass seit neunzig Jahren von keinem Krieg umgepflügt wurde. Der Schriftsteller besucht die Barbecue Partys seiner Nachbarn. Allgemein geht man gerade dazu immer, Gin mit Wodka zu ersetzen, während McCarthy in der Durchsetzung des Communist Control Act den Zenit seiner Macht erreicht, Rock’n’Roll populär und die Lederjacke zum Symbol einer Jugendbewegung wird.
    Simenon mäht den Rasen vor seinem Haus, tauscht Cocktail Rezepte und betreibt Mimikry in einer Gesellschaft von Pendlern, die an jedem Werktag New York mit dem Zug erreichen und verlassen.
    Er liebt die Stimmungen des Indian Summer in den offenherzigen Habitaten. Dem sommersprossig spröden Neu-England dichtet er die Kleinstadt Everton an. Da lebt der alleinerziehende Uhrmacher Dave Clifford Galloway mit seinem Sohn Ben. Eines Abends brennt der Heranwachsende in der Gesellschaft eines Mädchens aus der Nachbarschaft namens Lillian Hawkins zunächst mit dem Lieferwagen des Vaters durch. Die halbstarke Aktion im Vorgriff auf „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ löst eine Verfolgungsjagd quer durch die Vereinigten Staaten aus.
    Auch Bens Mutter verschwand einst von jetzt auf gleich nach einer beschämend kurzen Spanne als Galloways Gattin. Das Unglück bricht in stillgelegte Verhältnisse ein. Der Uhrmacher führt sein Leben in kleinsten Radien kurz vor dem Stumpfsinn. Simenon verwendet wieder einen psychologischen Aufbau, der die Anfälligkeit des Kleinbürgers für autoritäre Lösungen und eine grundsätzliche Überforderung zeigt. Als die Polizei vor seiner Haustür aufkreuzt, ahnt Galloway, dass Ben in Schwierigkeiten steckt. Er will kooperieren und sich gefällig zeigen, ohne dem Sohn zu schaden.
    „Er musste wie ein Ehrenmann auftreten, der das Gesetz achtete.“
    Er duckt sich weg, taucht innerlich ab und ist schon am Ende seiner Kraft, bevor die Geschichte mit einem Mord Fahrt aufnimmt.
    Ein Vater erfährt, dass sein Sohn verdächtigt wird, einen Mann erschossen zu haben, nur um in dessen Oldsmobile die Flucht schnell und komfortabel fortsetzen zu können. Natural Born Killers lassen grüßen. Wieder zeigt sich Simenons Gespür für die Tendenzen einer Zeit, in der James Dean und Marlon Brando zu Ikonen einer konservativen Rebellion werden, und wieder wählt der Autor einen Schleichweg, um zum Ziel seiner Erzählung zu kommen. Galloways verlangsamter Schritt bestimmt die Handlungsgeschwindigkeit. Das FBI-Ermittlungstempo so wie alles andere Action Versprechende bleibt unerzählt. Stattdessen geht es darum, wie jemand seinen Kaffee trinkt. Zigaretten werden angeboten. Galloway erinnert sich daran, dass Ben noch mit vier Bettnässer war. Eine Nachbarin kann wegen ständig geschwollener Füße nur Pantoffeln tragen.
    Der Freiheitstrip der Jugendlichen kommt nur in den Trott unterbrechenden Nachrichten vor. Einmal heißt es, sie seien im Jefferson County von Virgina „gesichtet“ worden so als sei das eine Stelle am Horizont und überliefere etwas Phänomenales. In Wahrheit dient die Reise dem höchst konventionellen Zweck einer frühen Eheschließung. Die Kinder wollen heiraten in einem Staat, dessen Gesetze das zulassen.
    Simenon fühlt dem Beat des Jahrzehnts den Puls, aber er erzählt nicht wie Kerouac von einem (alternativen) Leben auf der Straße. Sein Fokus verlässt nicht die erschöpfte Hilflosigkeit eines vorzeitig gealterten Mannes, der bis zu den Ereignissen in der Handlungsgegenwart nichts Aufregenderes erlebt hat, als die Verachtung von Bens Mutter. Man begreift die ozeanische Tiefenströmung in Simenones Werk an solchen Stellen in dieser verknappten Psychologie. Die Frau, die sich rücksichtslos in Galloways umsah, da nichts von Interesse fand und den Armleuchter mit einem Kleinkind sitzenließ, thront wie eine Göttin im Himmel über Amerika. Galloway existiert lethargisch in der Konsequenz ihres vernichtenden Urteils. Nun ergänzt Ben das Urteil. Er rehabilitiert seine Mutter, indem er sich der Liebe gewachsen zeigen will … in der Bereitschaft, dafür über Leichen zu gehen. Oder weniger pompös gesagt: sie nicht den Notwendigkeiten eines Alltags anzupassen.
    Ben erwartet nichts von seinem Vater, der nicht nur mit der Polizei kooperiert, sondern auch mit der Presse. Er lässt sich vorführen. Schließlich werden Bonnie und Clyde in Indiana vor einer bäurischen Kulisse gestellt.
    Simenon hat noch viel zu erzählen. Es geht immer weiter um einen Mann, der noch jeden Menschen verloren hat, der sich wegbewegen konnte. Der eingesperrte Sohn bietet sich der vollendeten Nachsicht einigermaßen wehrlos an. Trotzdem bleibt Galloway der Unterlegene im Verhältnis zu Bens gescheiterter Radikalität.  

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Intime Memoiren (ISBN: 9783455004021)

    Bewertung zu "Intime Memoiren" von Georges Simenon

    Intime Memoiren
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schonungslos - Mit der Veröffentlichung seiner „Intimen Memoiren“ gab Georges Simenon 1982 seine bürgerliche Fassade auf.
    Großer Lebenshunger

    Jean Gabin findet er in der Rolle des Kriminalkommissars Jules Maigret zu flamboyant. Heinz Rühmann erscheint ihm zu schmächtig. George Simenon fasst seinen berühmtesten Helden unheroisch auf. Wieder und wieder zeichnet er einen Beamten, bequem, wenn die Verhältnisse es zulassen, robust, sobald es sein muss – und phantasievoll nur bei der Ergründung des Bösen. Maigret ist nichts Menschliches fremd. Doch steht er den Dumm- und Gemeinheiten seiner Kundschaft fern. Ein Maigret macht sich nicht gemein. Er dutzt und wird gesiezt. Er klopft seine Pfeife an den Rändern fremder Abgründe aus und bleibt selbst unergründlich. Das Milieu zeigt Achtung vor einem, der natürliche mit amtlicher Autorität verbindet.
    Maigret verkörpert das, was man im letzten Jahrhundert über jeden Zweifel erhaben fand – die Unangreifbarkeit eines braven Mannes, der allen Anfechtungen zum Trotz anständig bleibt. Simenon stilisiert ihn an der eigenen Triebhaftigkeit und den eigenen Abgründen vorbei. Der Schriftsteller ist zeit seines Lebens vor sich selbst nicht sicher und auf der Flucht von einem Schloss zum anderen, um einen Titel von Louis-Ferdinand Céline ins Spiel zu bringen. Geboren 1903 in Liège/Belgien, beginnt er mit sechzehn zu schreiben. Er schreibt zwanghaft, unintellektuell, unbewusst. Er interessiert sich für alles, seine Neugier ist grenzenlos.
    „Ich bin kein Bourgeois. Ich bin mit den kleinen Leuten.“
    Vierhundert Seiten später: „Auch die allergrößten Helden haben ihre jämmerlichen Seiten.“
    Simenon spitzt seine psycholgischen Interieurs raffiniert zu. Die Zuspitzung rührt aus der Krise, die den Erzählanlass liefert. Simenon schildert „die Fabrikware der Natur“ (Arthur Schopenhauer) unter Druck. Genial nebenbei zeigt er, was an ihrem Verhalten (nach seinen Begriffen) über die persönlichen und kulturellen Bindungen hinaus allgemeine Gültigkeit beweist.
    Seine rasende Produktion folgt den Entwicklungen des Kinos und nimmt sie vorweg. Simenon synchronisiert die Evolution des Kinos mit der Literatur. Regisseur lieben den Schriftsteller und adaptieren seine Stoffe manchmal so magisch präzise, dass der in Simenon wiedergeborene Émile Zola sich auf der Leinwand zeigt.
    1978 erschießt sich Simenons Tochter Marie-Jo im Alter von fünfundzwanzig Jahren. Der Vater schreibt u.a. die tote Tochter in seinen „Intimen Memoiren“ an und veröffentlicht darin ihre Briefe. Er gibt die Deckung auf und zerlegt seine bürgerliche Fassade. Jedem seiner Kinder erläutert er den Zeugungszusammenhang. Ende der Vierzigerjahre, Simenon und seine Familie leben in Amerika, lässt sich der Schriftsteller widerwillig von einer minderjährigen Angehörigen der First Nation verführen, bevor er mit seiner Sekretärin (und späteren Ehefrau) Denyse Ouimet Johnny zeugt: „Und weißt du, dass das Verhältnis eines Hengstes zu einer Stute sehr zärtlich ist?“
    Nach den Memoiren wird der Goethe der schweigenden Mehrheit bis zu seinem Tod 1989 in Lausanne/Schweiz nichts mehr veröffentlichen.
    Bahnsteig im Nebel
    Der alte Simenon weiß, was er dem Hunger seiner Kindheit und Jugend verdankt. Die Fähigkeit im Atmen und Schauen (kompensierend) Sensationen zu entdecken, kommt direkt aus dem Delirium der Armut. Der Heranwachsende saugt das Leben durch die Nasenflügel ein. Er treibt sich herum und beobachtet obsessiv. In allem erscheint er maßlos. Er geht Frauen nach und sucht Gelegenheiten für schnellen Sex. Die äußeren Umstände bilden ein besonderes Faszinosum. Simenon ist ein Liebhaber obskurer Schauplätze. Die Details werden Text. Im Text wimmeln die Strumpfbänder.
    Von allem fühlt er sich angesprochen. In der Hierarchie seiner Aufmerksamkeit rangiert der anonyme Frauenhintern jedoch an erster Stelle. Die Zufälligkeit der Ansicht steigert den Reiz. Simenons Leidenschaft dreht sich um die fremde Frau. „Das Ziel meiner unablässigen Suche war im Wesentlichen nicht eine Frau, sondern „die“ Frau, die „wahre“ Frau, die Geliebte und Mutter zugleich war, ohne Ehrgeiz … ohne „Status“. Der alternde Autor spiegelt sich in dem adoleszenten Hungerhaken, der einer Frau nachjagte, etwa „auf einem schlecht beleuchteten Bahnsteig, nachts in Lüttich. Nebel dramatisiert die Szenerie“. Das könnte in einem Drehbuch stehen: Außen/Nacht – Ein Bahnsteig im Nebel.
    Das sind Konstanten wiederkehrender Konstellationen so wie die Komponenten eines Fetisch-Arrangements: Die fremde, von einer Not ergriffene/angegriffene Frau, der freibeuterische Mann, die Verfremdung oder Dramatisierung einer Alltagssituation.
    Simenon verlässt Belgien nach dem Wehrdienst und lässt sich in Paris nieder. 1923 heiratet er eine Malerin und betrügt die eifersüchtige, mit Selbstmord drohende Tichy vor ihren Augen „erst halb … und schließlich zu neun Zehnteln“ mit der subalternen Boule. Geld verdient er als besserer Laufbursche so wie, ab 1924, mit Groschenromanen. Um das Jahr 1930 geht er mit der Erfindung Maigrets durch das Tor zum Reichtum. Zehn Jahre später erklärt ihn ein Arzt zum Sterbenskranken. Er schreibt seine erste Autobiografie. 1950 lebt er immer noch. Er lässt sich in Reno von Tigy scheiden und heiratet am nächsten Tag Johnnys Mutter Denyse. Die zweite Ehefrau erscheint als D. in den Aufzeichnungen eines Nachtragenden. Tigy bleibt in seiner Nähe so wie Boule und schließlich Teresa Sburelin, die Simenon bis zum Tod begleitet.
    Allmählich verwandelt sich der große Jongleur, der die Bälle der Hochkultur mit den Keulen einer eingängigen Volkskunst gemischt, Jahrzehnte in die Luft halten konnte, in einen seelisch Insolventen. Das Ressentiment nagt an ihm und nimmt ihm die Weisheit. Simenon beschwert sich beim Leser über D., die ihre Existenz als Gattin eines Weltberühmten als Hochamt zelebriert. Der Ehemann erlebt sich als Opfer von Anmaßung und Verschwendungslust.
    Der Autodidakt genießt immerhin sein Renommee. Er hält Vorträge und trägt seine amerikanischen Erfahrungen wie ein Bote in Europa aus. Impulsvorträge, Improvisationen im Auditorium maximum, literarischer Free Jazz vor akademischem Publikum – Simenon schildert die Stationen seines Aufstiegs schon aus der sterilen Perspektive der Rückschau auf eine verlorene Potenz. Er ignoriert sein Erfolgsprogramm der Verknappungen, harten Schnitt und psychologischen Punktlandungen. Er beschwert sich wie an einer unbesetzten Rezeption.
    Er lässt Marie-Jo sagen: „Alles, was sie (Teresa) für dich getan hat, hätte ich doch auch für dich tun können, nicht?“
    Er entgleist. 

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Neujahr (ISBN: B07H3X2BR7)

    Bewertung zu "Neujahr" von Juli Zeh

    Neujahr
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Mann begreift seine Schwäche am Berg - Diesmal erzählt Juli Zeh interessant von Spätfolgen traumatischer Kindheitserlebnisse.
    Fadenscheinige Freiheit

    Theresa und Henning sind ganz gut als Paar. Da sie mehr verdient, macht er mehr im Haushalt. Er grübelt auch mehr. Er leidet unter Panikattacken, deren Ursachen unergründet in der Kindheit liegen – als nie diagnostizierte Belastungsstörung. Seine Selbstzweifel und die (in einem resonanzfreien Raum auftretenden) verzögerten psychischen Reaktionen bekämpft er mit körperlicher Anstrengung.

    Theresa und Henning praktizieren Familie mit Jonas und Bibbi in Göttingen. Gerade machen sie Urlaub auf Lanzarote. Da fängt die Geschichte an. Henning fährt Rad. Er hat sich für ein paar Stunden aus dem System genommen. Während die Familienarbeit ruht, bedenkt er sein Leben. Seine Routinen reichen nicht mehr.

    Juli Zeh, „Neujahr“, Roman, Luchterhand, 191 Seiten, 20,-

    „Das Radfahren tut gut.“ Es „verbrennt“ die Angst. Juli Zeh schildert einen fadenscheinigen Moment der Freiheit: „Ein Mann im Urlaub auf einem Rad, im Kampf gegen den Wind, angespornt vom grandiosen Anblick der Landschaft.“

    Solche Bilder schuf Martin Walser im „Fliehenden Pferd“, nur dass das Fahrrad ein Segelboot war. Spielarten der bürgerlichen Lebensangst und Selbstentfremdung lassen sich aus den Introspektionen des häuslichen Selbst gewinnen. Das ist wie Keschern im Aquarium; man hat alles in einer Pfütze.

    Gestern haben Theresa und Henning einigermaßen preiswert auf das neue Jahr angestoßen. Deutlich vor Augen steht Henning, was Leuten möglich ist, die billig nicht nötig haben. Diesem Mehr stellt er sich am Berg als Wurst in der Plastikpelle. Henning denkt daran, wie losgelöst seine Frau mit einem Franzosen getanzt hat: ganz anders als mit dem unzulänglichen Gatten. Theresa setzt Henning mit zwanghaftem Optimismus zu. Nur im Gespräch mit ihren Eltern hört sie auf, aus allem das Beste zu machen und verliert sich in kindlicher Klage. Dass sie sich so stets auch bei Mama und Papa über Henning beklagt, müssen wir nicht besprechen.

    In der langen Rückblende bergauf begegnet das Überschaubare und Vorhersehbare dem Wundersamen. Theresas Eltern sind Hedonisten ohne Bodenhaftung. Sie kommen mit dem Flugzeug soweit es eben fliegt, also bis nach Hannover, in Erwartung eines familiären Shuttle Service. Ihrer Großartigkeit hat Henning biografisch nichts entgegenzusetzen. Auch an dieser Stelle expandiert seine Unterlegenheit und gipfelt in der Feststellung:

    „Tatsächlich wäre Henning schneller, wenn er absteigen und schieben würde.“

    Obwohl er noch nie auf Lanzarote war, bewegt ihn das Gefühl, auf bekanntem Terrain zu scheitern. Hoch über Femés halluziniert Henning Theresas Absicht, ihn zu verlassen. So dehydriert wie unterzuckert begegnet er der Künstlerin Lisa. Sie richtet den beinah Ohnmächtigen wieder auf und lädt ihn zum Bleiben ein. Henning besinnt sich zwischen Oleander, Hibiskus und Malven. Er erinnert sich und ein Kreis schließt sich. Am Ende einer bizarren Reminiszenz schickt ihn Lisa fort, er kehrt zu seiner Familie zurück, von Trennung war nie die Rede. Auch Lisa könnte bloß ein Hirngespinst gewesen sein.

    Irgendwo las ich, Zeh thematisiere in „Neujahr“ Probleme, die erst auftauchen, wenn Paare gleichberechtigt agieren. Theresa und Henning führen überhaupt keine gleichberechtigte Ehe. Henning verdient weniger, ist weniger belastbar und bringt weniger aus seiner Herkunftsfamilie mit. Er ist Theresa unterlegen, ihn plagt die Inferiorität. Wenn Theresa von ihm verlangt, „ein Mann zu sein, den ich lieben kann“, bleibt ihm nur Selbsthass und Wut auf die Welt. Er variiert jenen Werner, der als sein Säufervater im Roman weiter keine Rolle spielt. Henning wehrt sich gegen einen wehleidigen Tropf und Jammerlappen, der in ihm steckt. Ich glaube, er wehrt sich vergeblich.

    Kommentieren0
    0
    Teilen

    Über mich

    • männlich

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks